Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels RILUTEK 50mg filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
RILUTEK 50 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 50 mg Riluzol.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette.
Kapselförmige, weiße Filmtabletten zum Einnehmen mit der einseitigen Gravur 'RPR 202“,
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
RILUTEK wird zur Verlängerung der Lebenserwartung oder zur Hinauszögerung der Zeit bis zum
Einsatz der mechanischen Beatmung bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS)angewendet.
Klinische Studien haben gezeigt, dass RILUTEK die Überlebenszeit von Patienten mit ALS verlängert(siehe Abschnitt 5.1).
Überlebenszeit ist definiert als Zeitraum, in welchem Patienten ohne Intubation zwecks mechanischer
Beatmung und ohne Tracheotomie leben können.
Es gibt keinen Nachweis, dass RILUTEK einen therapeutischen Effekt auf motorische Funktionen,
Lungenfunktionen, Faszikulationen, Muskelkraft bzw. auf Symptome infolge des Ausfalls motorischer
Funktionen besitzt. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass RILUTEK in späteren
Krankheitsstadien der ALS wirksam ist.
Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von RILUTEK wurde nur bei Patienten mit ALS untersucht.
Daher soll RILUTEK nicht bei anderen Erkrankungen der Motoneurone angewendet werden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit RILUTEK sollte nur von Fachärzten mit Erfahrung in der Behandlung der
Erkrankungen von Motoneuronen begonnen werden.
DosierungErwachsene oder ältere Patienten:
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 100 mg (50 mg alle 12 Stunden).
Eine weitere Dosissteigerung bringt keine wesentlichen Vorteile.
Besondere PatientengruppenEingeschränkte NierenfunktionRILUTEK wird nicht für den Einsatz bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen, da
Studien mit wiederholter Gabe in dieser Patientengruppe nicht durchgeführt worden sind (siehe
Abschnitt 4.4).
Ältere PatientenAufgrund der pharmakokinetischen Daten ergeben sich keine speziellen Anweisungen für die
Einnahme von RILUTEK in dieser Patientengruppe.
Eingeschränkte LeberfunktionSiehe Abschnitte pct. 4.3, pct. 4.4 und 5.2.
Kinder und JugendlicheRILUTEK wird nicht für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen empfohlen, da keineausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit von Riluzol bei neurodegenerativen
Erkrankungen von Kindern oder Jugendlichen vorliegen.
Art der AnwendungZum Einnehmen.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Lebererkrankungen oder initiale Transaminasenspiegel, die den oberen Normbereich um mehr als das3fache übersteigen.
Schwangere oder stillende Patientinnen.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Leberstörungen
Patienten, bei denen es in der Anamnese Leberfunktionsstörungen gab, oder bei Patienten mit leichterhöhten Serumtransaminasen- (ALT/SGPT; AST/SGOT bis zum 3fachen der oberen Norm),
Bilirubin- und/oder Gamma-Glutamyltransferasespiegeln (GGT) sollte Riluzol mit Vorsicht verordnetwerden. Bei erhöhten Anfangswerten in einigen Leberfunktionstests (besonders erhöhtes Bilirubin)sollte von der Anwendung mit Riluzol abgesehen werden (siehe Abschnitt 4.8).
Aufgrund der Risiken einer Hepatitis sollten vor und während der Therapie mit Riluzol die
Serumtransaminasen einschließlich der ALT gemessen werden. Die ALT sollte in den ersten drei
Monaten der Therapie jeden Monat, in den darauffolgenden Monaten des ersten Jahres alle drei
Monate und später in regelmäßigen Zeitabständen bestimmt werden. Bei Patienten, bei welchen im
Verlauf der Behandlung erhöhte ALT-Spiegel auftreten, sollten die Bestimmungen der ALT-Spiegelhäufiger erfolgen.
Die Therapie mit Riluzol ist abzubrechen, wenn die ALT-Spiegel den oberen Normwert um mehr alsdas 5fache überschreiten. Es gibt bisher keine Erfahrungen in Bezug auf eine Dosisreduktion oder
Reexposition bei Patienten, die eine Erhöhung der ALT um mehr als das 5fache des oberen
Normalwertes entwickelten. Eine erneute Gabe von Riluzol bei diesen Patienten kann nicht empfohlenwerden.
NeutropenieDie Patienten sollten angewiesen werden, beim Auftreten von Fieber ihrem behandelnden Arztdarüber sofort zu berichten. Solche Berichte sollten den Arzt dazu veranlassen, die Zahl der
Leukozyten zu überprüfen und im Fall einer Neutropenie die Therapie mit Riluzol abzubrechen (siehe
Abschnitt 4.8).
Interstitielle LungenerkrankungBei Patienten, die mit Riluzol behandelt wurden, sind Fälle von interstitieller Lungenerkrankungberichtet worden, einige davon waren schwerwiegend (siehe Abschnitt 4.8). Wenn respiratorische
Symptome, wie z. B. trockener Husten und/oder Dyspnoe, auftreten, sollte eine Röntgen-Thorax-
Untersuchung durchgeführt werden und Riluzol sollte im Falle von Auffälligkeiten, die auf eineinterstitielle Lungenerkrankung hinweisen (z. B. beidseitige diffuse Lungenverschattungen),umgehend abgesetzt werden. In der Mehrzahl der berichteten Fälle bildeten sich die Symptome nachdem Absetzen des Arzneimittels und nach symptomatischer Behandlung zurück.
Beeinträchtigte NierenfunktionBei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion wurden bisher keine Studien mit wiederholter Gabedurchgeführt (siehe Abschnitt 4.2).
NatriumDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d. h., es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Bisher wurden keine klinischen Studien durchgeführt, um die Wechselwirkungen von Riluzol mitanderen Medikamenten zu untersuchen.
In-vitro-Studien, die mit mikrosomalen Fraktionen aus menschlichen Leberzellen durchgeführtwurden, ergaben Hinweise dafür, dass CYP 1A2 das Hauptisoenzym bei der ersten Stufe deroxidativen Metabolisierung von Riluzol ist. Hemmstoffe der CYP 1A2 (z. B. Coffein, Diclofenac,
Diazepam, Nicergolin, Clomipramin, Imipramin, Fluvoxamin, Phenacetin, Theophyllin, Amitriptylinund Chinolone) können möglicherweise die Eliminationsrate von Riluzol verringern, während
Induktoren der CYP 1A2 (z. B. Zigarettenrauch, auf Holzkohle gegrillte Nahrung, Rifampicin und
Omeprazol) die Eliminationsrate von Riluzol beschleunigen können.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftRILUTEK ist während der Schwangerschaft kontraindiziert (siehe Abschnitte 4.3 und 5.3).
Es liegen keine klinischen Erfahrungen bei Schwangeren vor.
StillzeitRILUTEK ist bei stillenden Frauen kontraindiziert (siehe Abschnitte 4.3 und 5.3). Es ist nicht bekannt,ob Riluzol in die Muttermilch beim Menschen übertritt.
FertilitätBei Ratten wurde eine leichte Beeinträchtigung der Fertilität und Reproduktivität bei einer Dosis von15 mg/kg KG/Tag festgestellt (die höher als die therapeutische Dosis ist), wahrscheinlich verursachtdurch Sedierung und Lethargie.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenDie Patienten sollten vor der Möglichkeit des Auftretens von Benommenheit oder Schwindel gewarntund angehalten werden, bei Auftreten dieser Symptome auf das Autofahren oder Bedienen von
Maschinen zu verzichten.
Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen durchgeführt.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsBei Patienten, die in klinischen Studien der Phase III mit Riluzol behandelt wurden, traten alshäufigste Nebenwirkungen Asthenie, Nausea und in Leberfunktionstests Werte außerhalb des
Normbereichs auf.
Tabellarische Zusammenfassung der NebenwirkungenInnerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmender Häufigkeit gemäßder folgenden Konvention angegeben:
Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1.000, <1/100), selten (≥1/10.000,<1/1.000), sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Datennicht abschätzbar).
Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nicht bekannt
Erkrankungen des Anämie schwerwiegend
Blutes und des e Neutropenie
Lymphsystems (siehe
Abschnitt 4.4)
Erkrankungen des anaphylaktische
Immunsystems Reaktion,angioneurotische
Ödeme(Quincke-Ödem)
Erkrankungen des Kopfschmerz,
Nervensystems Benommenheit,orale
Parästhesienund
Schläfrigkeit
Herzerkrankungen Tachykardie
Erkrankungen der interstitielle
Atemwege, des Lungenerkrankun
Brustraums und g (siehe
Mediastinums Abschnitt 4.4)
Erkrankungen des Nausea Diarrhö, Pankreatitis
Gastrointestinaltrak Bauchschmerzets n, Erbrechen
Erkrankungen der Ausschlag
Haut und des
Unterhautgewebes
Leber- und Leberfunktionstes Hepatitis
Gallenerkrankunge ts außerhalb desn Normbereichs
Allgemeine Asthenie Schmerzen
Erkrankungen und
Beschwerden am
Verabreichungsort
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenLeber- und GallenerkrankungenEine Erhöhung der Alanin-Amino-Transferase (ALT) trat gewöhnlich innerhalb der ersten 3 Monatenach Therapiebeginn mit Riluzol auf. Die Erhöhung war gewöhnlich vorübergehend, und die ALT-
Werte fielen unter Fortführung der Therapie mit Riluzol nach 2 bis 6 Monaten unter das Doppelte desoberen Normwertes. Dieser Anstieg kann möglicherweise von Gelbsucht begleitet sein. In klinischen
Studien wurde bei Patienten (n = 20) mit einer mehr als 5fachen Erhöhung der ALT, bezogen auf denoberen Normwert, die Therapie beendet, und in den meisten Fällen fielen die Spiegel auf weniger alsdas 2fache des oberen Normwertes innerhalb von 2 bis 4 Monaten (siehe Abschnitt 4.4).
Studienergebnisse deuten darauf hin, dass bei asiatischen Patienten häufiger Leberfunktionswerteaußerhalb des Normbereichs auftreten: 3,2 % (194/5995) bei asiatischen Patienten und 1,8 %(100/5641) bei kaukasischen Patienten.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
In einzelnen Fällen wurden neurologische und psychiatrische Symptome, akute toxische
Enzephalopathie mit Stupor, Koma und Methämoglobinämie beobachtet.
Im Falle einer Überdosierung ist die Therapie symptomorientiert und unterstützend.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: andere Arzneimittel mit Wirkung auf das Nervensystem,
ATC-Code: N07XX02.
WirkmechanismusDie Pathogenese der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) ist bisher nicht vollständig geklärt. Es liegenaber Hinweise vor, dass Glutamat (der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter im ZNS) eine Rollebeim Zelluntergang in dieser Erkrankung spielt.
Riluzol wirkt vermutlich über die Hemmung der Prozesse, die durch Glutamat vermittelt werden. Der
Wirkmechanismus ist unklar.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitIn einer Studie wurden 155 zuvor randomisierte Patienten mit 100 mg Riluzol/Tag (50 mg 2 x täglich)oder Placebo behandelt und über 12-21 Monate beobachtet. Die Überlebensrate, wie im zweiten
Absatz des Abschnittes 4.1 definiert, war bei mit Riluzol behandelten Patienten im Vergleich zur
Placebogruppe signifikant erhöht. Die mediane Überlebenszeit betrug bei mit Riluzol behandelten
Patienten 17,7 Monate gegenüber 14,9 Monaten bei mit Placebo behandelten Patienten.
In einer Dosisfindungsstudie wurden 959 Patienten mit ALS randomisiert, einer der vier
Behandlungsgruppen zugeordnet und über 18 Monate beobachtet: Riluzol 50, 100, 200 mg/Tag oder
Placebo. Bei mit 100 mg/Tag Riluzol behandelten Patienten war die Überlebensrate im Vergleich zu
Placebo signifikant erhöht. Der Effekt von 50 mg/Tag Riluzol zeigte im Vergleich zu Placebo keinestatistische Signifikanz, und der Effekt von 200 mg/Tag war vergleichbar mit dem von 100 mg/Tag.
Die mediane Überlebenszeit betrug 16,5 Monate bei mit 100 mg Riluzol/Tag behandelten Patienten im
Vergleich zu 13,5 Monaten in der Placebogruppe.
In einer Studie zur Ermittlung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Riluzol bei Patienten in einemspäten Krankheitsstadium, die im Parallelgruppen-Design durchgeführt wurde, unterschieden sich die
Überlebenszeit und die motorische Funktion unter Riluzol nicht signifikant von der Placebogruppe. Indieser Studie hatten die meisten Patienten eine Vitalkapazität von weniger als 60 %.
In einer Studie zur Ermittlung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Riluzol bei japanischen
Patienten, die im Placebo-kontrollierten Doppelblind-Design durchgeführt wurde, wurden 204 zuvorrandomisierte Patienten mit 100 mg Riluzol/Tag (50 mg 2 x täglich) oder Placebo behandelt und über18 Monate beobachtet. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit anhand folgender Kriterien beurteilt:
Unfähigkeit, ohne Hilfe zu gehen, Verlust der Funktionen der oberen Gliedmaßen, Tracheotomie,
Notwendigkeit der mechanischen Beatmung, künstliche Ernährung oder Tod. Es gab keinensignifikanten Unterschied in der Überlebenszeit ohne Tracheotomie zwischen Patienten, die mit
Riluzol oder mit Placebo behandelt wurden. Allerdings war die statistische Aussagekraft des Testesdieser Studie zur Entdeckung von Unterschieden zwischen den Behandlungsgruppen gering. Die
Metaanalyse, die diese Studie und jene, die weiter oben beschrieben wurden, umfasste, ergab einenweniger deutlichen Effekt auf die Überlebenszeit für Riluzol im Vergleich zu Placebo, wenn auch die
Unterschiede statistisch signifikant blieben.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Pharmakokinetik von Riluzol wurde bei gesunden männlichen Probanden nach Einmalgabe von25 bis 300 mg und nach Mehrfachgabe von 25 bis 100 mg 2 x täglich bestimmt. Riluzol zeigte einelineare Dosisabhängigkeit der Plasmaspiegel, wobei das pharmakokinetische Profil dosisunabhängigwar.
Bei wiederholter Gabe (Behandlung mit 50 mg Riluzol 2 x täglich über 10 Tage) kumuliertunverändertes Riluzol im Plasma bis zur 2fachen Konzentration im Vergleich zu Einzelgaben. Steady-
State-Plasmaspiegel werden in weniger als 5 Tagen erreicht.
ResorptionRiluzol wird nach oraler Gabe schnell resorbiert. Maximale Plasmaspiegel werden innerhalb von 60-90 Minuten (Cmax = 173 ± 72 (SD) ng/ml) erreicht. Von der applizierten Dosis werden ca. 90 %resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit von Riluzol beträgt 60 ± 18 %.
Eine sehr fettreiche Nahrung verzögert die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Resorption von
Riluzol und führt zu einer verringerten Bioverfügbarkeit (Reduktion von Cmax um 44 % und AUC um17 %).
VerteilungRiluzol wird in hohem Maße im Körper verteilt und passiert die Blut-Hirn-Schranke. Das mittlere
Verteilungsvolumen von Riluzol beträgt 245 ± 69 l (3,4 l/kg KG). Riluzol wird zu etwa 97 % an
Protein gebunden. Riluzol bindet hauptsächlich an Serumalbumin und Lipoproteine.
BiotransformationUnverändertes Riluzol ist die Hauptkomponente im Plasma. Riluzol wird durch Cytochrom P450metabolisiert und anschließend glukuronidiert. In-vitro-Studien mit menschlichen Leberpräparatenhaben gezeigt, dass das Cytochrom P450 1A2 das wichtigste am Riluzol-Metabolismus beteiligte
Isoenzym darstellt. Im Urin wurden drei Phenol-Metaboliten, ein Ureido-Metabolit und unverändertes
Riluzol identifiziert.
Der primäre Metabolisierungsweg von Riluzol ist die Oxidation durch Cytochrom P450 1A2 zu N-
Hydroxy-Riluzol (RPR112512), dem aktiven Hauptmetaboliten von Riluzol. Dieser Metabolit wirdrasch zu O- und N-Glukuroniden konjugiert.
EliminationDie Eliminationshalbwertszeit beträgt 9-15 Stunden. Riluzol wird hauptsächlich im Urinausgeschieden.
Die Urin-Gesamtausscheidung beträgt etwa 90 % der Dosis. Glukuronide machen mehr als 85 % der
Metaboliten im Urin aus. Nur 2 % der Riluzol-Dosis wurden im Urin unverändert wiedergefunden.
Besondere PatientengruppenEingeschränkte NierenfunktionZwischen Patienten mit mäßiger oder schwerer chronischer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearancezwischen 10 und 50 ml.min-1) und gesunden Freiwilligen gibt es keinen signifikanten Unterschied inden pharmakokinetischen Parametern nach Einmalgabe von 50 mg Riluzol.
Ältere PatientenIn älteren Patienten (> 70 Jahre) werden die pharmakokinetischen Parameter von Riluzol durch
Mehrfachgabe (Behandlung mit 50 mg Riluzol 2 x täglich über 4 1/2 Tage) nicht beeinflusst.
Eingeschränkte LeberfunktionDie AUC von Riluzol steigt nach Einmalgabe von 50 mg ungefähr um das 1,7fache bei Patienten mitgeringer chronischer Leberinsuffizienz und ungefähr um das 3fache bei Patienten mit mäßigerchronischer Leberinsuffizienz.
Rasse
Zur Bestimmung der Pharmakokinetik von Riluzol und seines Metaboliten N-Hydroxy-Riluzol wurdeeine klinische Studie durchgeführt mit einer 2 x täglichen Gabe über 8 Tage an 16 gesunde japanischeund 16 kaukasische männliche Erwachsene. In der japanischen Gruppe wurde eine geringere
Konzentration an Riluzol (Cmax 0,85 [90 % CI 0,68-1,08] und AUC inf. 0,88 [90 % CI 0,69-1,13] undeine ähnliche Konzentration des Metaboliten gezeigt. Die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse istnicht bekannt.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Weder bei Ratten noch bei Mäusen zeigte Riluzol ein kanzerogenes Potenzial.
Standardtests zur Genotoxizität, die mit Riluzol durchgeführt wurden, verliefen negativ.
Untersuchungen mit dem aktiven Hauptmetaboliten von Riluzol ergaben bei zwei In-vitro-Testspositive Ergebnisse. Bei sieben anderen In-vitro- und In-vivo-Standardtests zeigten intensive
Untersuchungen kein genotoxisches Potenzial des Metaboliten. Auf Basis dieser Daten und unter
Berücksichtigung der negativen Untersuchungen zur Kanzerogenität von Riluzol an Ratten und
Mäusen wird der genotoxische Effekt dieses Metaboliten für Menschen als nicht relevant betrachtet.
Reduktionen in den Parametern der Erythrozyten und/oder Veränderungen in den Leberparameternwurden gelegentlich in subakuten oder chronischen Toxizitätsstudien mit Ratten und Affen bemerkt.
In Hunden wurde hämolytische Anämie beobachtet.
In einer einzelnen Toxizitätsstudie fehlten die Corpora lutea in den Ovarien weiblicher Ratten häufigerin der Behandlungs- als in der Kontrollgruppe. Dieser Befund trat weder in einer anderen Studie nochbei einer anderen Spezies auf.
Alle diese Befunde traten bei Dosierungen auf, die um das 2- bis 10fache höher lagen als diemenschliche therapeutische Dosis von 100 mg/Tag.
In trächtigen Ratten gelangte 14C-Riluzol über die Plazenta in die Föten. In Ratten führte Riluzol zueiner Abnahme der Trächtigkeitsrate und der Zahl der Implantate bei einer mindestens doppelt sohohen Dosierung im Vergleich zu der systemischen Gabe beim Menschen in der klinischen
Behandlung. In Reproduktionsstudien bei Tieren wurden keine Missbildungen festgestellt.
14C-Riluzol ist in der Muttermilch bei Ratten festgestellt worden.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Kern:
Calciumhydrogenphosphat
Mikrokristalline Cellulose
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat
Croscarmellose-Natrium
Überzug:
Hypromellose
Macrogol 6.000
Titandioxid (E 171)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
RILUTEK-Tabletten sind in opaken PVC/Alu-Blistern verpackt.
Jede Packung enthält 56 Tabletten.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Keine besonderen Anforderungen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Sanofi Winthrop Industrie82 Avenue Raspail94250 Gentilly
Frankreich
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 10. Juni 1996
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 10. Juni 2006