Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels PERGOVERIS (450UI+225 UI)/0.72ml injektionslösung in einem fertigpen
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Pergoveris (300 I.E. + 150 I.E.)/0,48 ml Injektionslösung im Fertigpen
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder Fertigpen zur Mehrfachdosierung enthält 300 I.E. (entsprechend 22 Mikrogramm) Follitropinalfa* (r-hFSH) und 150 I.E. (entsprechend 6 Mikrogramm) Lutropin alfa* (r-hLH) in 0,48 ml Lösung.
* Rekombinantes humanes Follitropin alfa und rekombinantes humanes Lutropin alfa werden mittelsrekombinanter DNA-Technologie in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen)produziert.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung (Injektion).
Klare, farblose bis schwach gelbliche Lösung.
Der pH-Wert der Lösung beträgt 6,5 bis 7,5, die Osmolalität 250 bis 400 mOsm/kg.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Pergoveris wird angewendet zur Stimulation der Follikelreifung bei erwachsenen Frauen mitschwerem LH- und FSH-Mangel.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Eine Behandlung mit Pergoveris muss unter der Aufsicht eines Arztes eingeleitet werden, der in der
Behandlung von Fertilitätsstörungen erfahren ist.
DosierungBei Frauen, die an LH- und FSH-Mangel leiden, ist das Ziel der Behandlung mit Pergoveris die
Unterstützung der Follikelentwicklung mit anschließender endgültiger Reifung nach Gabe vonhumanem Choriogonadotropin (hCG). Pergoveris muss in einer Abfolge täglicher Injektionenverabreicht werden. Falls die Patientin unter Amenorrhoe leidet und ihre endogene Östrogensekretionniedrig ist, kann jederzeit mit der Behandlung begonnen werden.
Ein Behandlungsschema beginnt mit der empfohlenen Dosis von Pergoveris mit 150 I.E. r-hFSH und75 I.E. r-hLH täglich. Falls weniger als die empfohlene Tagesdosis angewendet wird, kann die
Follikelreaktion unzureichend sein, da die zugeführte Menge an Lutropin alfa zu gering ist (siehe
Abschnitt 5.1).
Die Behandlung sollte dem individuellen Ansprechen der Patientin angepasst werden, welches durch
Bestimmung der Follikelgröße im Ultraschall und durch Messung des Östrogenspiegels beurteilt wird.
Wenn eine Erhöhung der FSH-Dosis angezeigt ist, sollte die Anpassung der Dosis vorzugsweise in
Intervallen von 7 bis 14 Tagen und in Schritten von 37,5 bis 75 I.E. mit einer dafür zugelassenen
Follitropin-alfa-Zubereitung vorgenommen werden. Es ist möglich, die Stimulationsdauer in jedembeliebigen Zyklus auf bis zu 5 Wochen auszudehnen.
Nach erfolgreicher Stimulation werden 24 bis 48 Stunden nach der letzten Pergoveris-Injektioneinmalig 250 Mikrogramm r-hCG oder 5 000 bis 10 000 I.E. hCG injiziert. Der Patientin wirdempfohlen, am Tag der hCG-Injektion sowie am darauffolgenden Tag Geschlechtsverkehr zu haben.
Alternativ kann eine intrauterine Insemination oder abhängig von der ärztlichen Einschätzung des
Falles ein anderes medizinisch assistiertes Reproduktionsverfahren durchgeführt werden.
Eine Unterstützung der Lutealphase kann in Betracht gezogen werden, da nach der Ovulation ein
Mangel an luteotropen Substanzen (LH/hCG) zu einer frühen Corpus-Luteum-Insuffizienz führenkann.
Bei überschießender Reaktion ist die Behandlung zu beenden und kein hCG zu verabreichen. Die
Behandlung sollte im nächsten Zyklus mit einer niedrigeren FSH-Dosis wieder aufgenommen werden(siehe Abschnitt 4.4).
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenEs gibt keine relevante Indikation für einen Einsatz von Pergoveris bei älteren Patienten. Die
Sicherheit und Wirksamkeit dieses Arzneimittels bei älteren Patienten ist nicht erwiesen.
Nieren- und LeberinsuffizienzDie Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik dieses Arzneimittels bei Patienten miteingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist nicht erwiesen.
Kinder und JugendlicheEs gibt keinen relevanten Nutzen dieses Arzneimittels bei Kindern und Jugendlichen.
Art der AnwendungPergoveris wird subkutan injiziert. Die erste Injektion muss unter direkter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Die Selbstverabreichung sollte nur von solchen Patienten durchgeführt werden, welche motiviert undausreichend geschult sind und die Möglichkeit haben, fachkundigen Rat einzuholen.
Hinweise zur Anwendung des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Pergoveris ist kontraindiziert bei Patientinnen mit
* Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile,
* Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse,
* Vergrößerung der Ovarien oder Ovarialzysten, sofern sie nicht durch ein polyzystisches
Ovarialsyndrom bedingt oder unbekannter Ursache sind,
* gynäkologische Blutungen unbekannter Ursache,
* Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom.
Pergoveris darf nicht angewendet werden, wenn die beabsichtigte Wirkung nicht erzielt werden kann,wie bei:
* primärer Ovarialinsuffizienz,
* Missbildungen der Geschlechtsorgane, die eine Schwangerschaft unmöglich machen,
* fibrösen Tumoren der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Allgemeine EmpfehlungenPergoveris enthält stark wirksame gonadotrope Substanzen, die leichte bis schwere Nebenwirkungenverursachen können; es sollte nur von Ärzten angewendet werden, die umfassend mit
Fertilitätsproblemen und deren Behandlung vertraut sind.
Bevor mit einer Behandlung begonnen wird, müssen die Ursachen für die Infertilität des Paares genauabgeklärt und mögliche Kontraindikationen für eine Schwangerschaft untersucht sein. Insbesonderemüssen die Patientinnen auf Hypothyreose, Nebennierenrindeninsuffizienz und Hyperprolaktinämieuntersucht und entsprechend behandelt werden.
Die Gonadotropintherapie erfordert einen gewissen zeitlichen Aufwand seitens der Ärzte und desmedizinischen Fachpersonals sowie die Verfügbarkeit geeigneter medizinischer Einrichtungen zum
Zyklus-Monitoring. Der sichere und wirksame Einsatz von Pergoveris bei Frauen erfordert die
Überwachung der ovariellen Reaktion mittels Ultraschall, vorzugsweise in Kombination mitregelmäßigen Messungen der Östradiolwerte im Serum. Die ovarielle Reaktion der Patientinnen aufdie FSH/LH-Gabe kann bis zu einem gewissen Grade, bis hin zu einer unzureichenden Reaktion,variieren. Es sollte jeweils die geringste wirksame Dosis zur Erreichung des Behandlungszielsverwendet werden.
Porphyrie
Patientinnen, die an Porphyrie leiden oder bei denen Porphyrie in der Familie aufgetreten ist, müssenwährend der Behandlung mit Pergoveris engmaschig überwacht werden. Bei diesen Patienten kann
Pergoveris die Gefahr eines akuten Anfalls erhöhen. Eine Verschlechterung oder ein erstes Auftreteneiner Porphyrie kann ein Absetzen der Behandlung erforderlich machen.
Ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS)
Eine gewisse Vergrößerung der Ovarien ist bei einer kontrollierten ovariellen Stimulation zu erwarten.
Bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom tritt dies häufiger auf und bildet sich für gewöhnlichohne Behandlung wieder zurück.
Im Gegensatz zu einer unkomplizierten Vergrößerung der Ovarien, ist ein OHSS ein Zustand, der sichin zunehmendem Schweregrad manifestieren kann. Es umfasst eine deutliche Vergrößerung der
Ovarien, hohe Sexualsteroidkonzentrationen im Serum und eine erhöhte vaskuläre Permeabilität,welche zu einer Flüssigkeitsansammlung in den peritonealen, pleuralen und selten auch in denperikardialen Körperhöhlen führen kann.
Folgende Symptomatik kann in schweren Fällen eines OHSS beobachtet werden:
Unterleibsschmerzen, aufgeblähter Bauch, gravierende Vergrößerung der Ovarien, Gewichtszunahme,
Dyspnoe, Oligurie und gastrointestinale Symptome, einschließlich Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Bei einer klinischen Untersuchung können auch Hypovolämie, Hämokonzentration, Störungen im
Elektrolythaushalt, Aszites, Hämoperitoneum, Pleuraergüsse, Hydrothorax oder akute Atemnot sowiethromboembolische Ereignisse festgestellt werden.
Sehr selten können bei einem schweren OHSS Komplikationen auftreten, wie Ovarialtorsion oderthromboembolische Ereignisse, z. B. Lungenembolie, Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung eines OHSS umfassen junges Lebensalter, geringe
Körpermasse, polyzystisches Ovarialsyndrom, höhere Dosen exogener Gonadotropine, hohe absoluteoder rasch ansteigende Östradiolspiegel im Serum (> 900 pg/ml oder > 3 300 pmol/l beianovulatorischen Patientinnen), frühere OHSS-Episoden und eine hohe Anzahl sich entwickelnder
Ovarialfollikel (3 Follikel mit einem Durchmesser von ≥ 14 mm bei anovulatorischen Patientinnen).
Durch Einhaltung der empfohlenen Pergoveris- und FSH-Dosis und des empfohlenen
Behandlungsschemas kann das Risiko einer ovariellen Überstimulation minimiert werden. Zurfrühzeitigen Identifizierung von Risikofaktoren werden die Überwachung der Stimulationszyklenmittels Ultraschall sowie Bestimmungen der Östradiolspiegel empfohlen.
Es liegen Hinweise vor, dass hCG eine Schlüsselrolle bei der Auslösung eines OHSS spielt und dassdas Syndrom schwerwiegender und langwieriger verlaufen kann, wenn eine Schwangerschaft eintritt.
Es ist deshalb empfehlenswert, bei Anzeichen einer ovariellen Überstimulation (z. B. ein
Östradiolspiegel im Serum von > 5 500 pg/ml oder > 20 200 pmol/l und/oder insgesamt ≥ 40 Follikel)kein hCG zu geben und die Patientin anzuweisen, für mindestens 4 Tage keinen Geschlechtsverkehrzu haben oder geeignete Verhütungsmethoden (Barrieremethoden) anzuwenden. Ein OHSS kann sichrasch (innerhalb von 24 Stunden) oder innerhalb einiger Tage entwickeln und zu einemschwerwiegenden medizinischen Ereignis werden. Es tritt meistens nach Beendigung der
Hormonbehandlung auf und ist etwa sieben bis zehn Tage nach der Behandlung am stärkstenausgeprägt. Gewöhnlich klingt es mit Eintreten der Menstruation spontan ab. Deshalb sollten die
Patientinnen über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen nach der hCG-Gabe unter
Beobachtung bleiben.
Wenn es zu einem schweren OHSS kommt, muss die Gonadotropinbehandlung abgebrochen werden,sofern sie noch andauert. Die Patientin sollte hospitalisiert werden, und eine spezielle Therapie gegen
OHSS ist einzuleiten. Dieses Syndrom tritt mit höherer Inzidenz bei Patientinnen mit polyzystischem
Ovarialsyndrom auf.
Wenn das Risiko eines OHSS besteht, sollte der Abbruch der Behandlung erwogen werden.
Ovarialtorsion
Nach einer Behandlung mit anderen Gonadotropinen wurden Fälle von Ovarialtorsion berichtet. Dieskann mit anderen Risikofaktoren, wie OHSS, Schwangerschaft, vorhergehende Abdominalchirurgie,
Ovarialtorsion in der Anamnese, frühere oder derzeit vorhandene Ovarialzyste und polyzystisches
Ovarialsyndrom, in Verbindung gebracht werden. Eine Schädigung der Eierstöcke aufgrundverminderter Blutzufuhr kann durch Frühdiagnose und sofortige Detorsion eingeschränkt werden.
Mehrlingsschwangerschaften
Bei Patientinnen, die sich einer Ovulationsinduktion unterziehen, ist die Wahrscheinlichkeit einer
Mehrlingsschwangerschaft im Vergleich zur natürlichen Konzeption erhöht. Bei den meisten
Mehrlingsschwangerschaften handelt es sich um Zwillinge. Mehrlingsschwangerschaften,insbesondere die höherer Ordnung, bergen ein erhöhtes Risiko für maternale und perinatale
Komplikationen.
Um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu minimieren, wird die sorgfältige Überwachung derovariellen Reaktion empfohlen.
Die Patientinnen sind über das potentielle Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft vor Beginn der
Behandlung zu informieren. Wenn das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft besteht, sollte der
Abbruch der Behandlung erwogen werden.
Fehlgeburten
Die Häufigkeit von Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüchen ist bei Patientinnen, die sich einer
Stimulationsbehandlung oder einer Technik der assistierten Reproduktion unterziehen, höher als im
Bevölkerungsdurchschnitt.
Ektope Schwangerschaften
Bei Frauen mit Eileitererkrankungen in der Anamnese besteht das Risiko einer ektopen
Schwangerschaft, unabhängig davon, ob die Schwangerschaft durch spontane Konzeption oder durch
Fertilitätsbehandlungen eingetreten ist. Die Häufigkeit einer ektopen Schwangerschaft nach
Anwendung einer Technik der assistierten Reproduktion liegt höher als in der Allgemeinbevölkerung.
Neoplasmen der Fortpflanzungsorgane
Bei Frauen, die sich mehrfachen Behandlungszyklen zur Ovulationsinduktion unterzogen haben,wurde von gutartigen wie auch von bösartigen Neoplasmen der Ovarien und anderer
Fortpflanzungsorgane berichtet. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, ob eine Behandlung mit
Gonadotropinen Einfluss auf das Risiko unfruchtbarer Frauen für diese Tumoren hat.
Kongenitale Missbildungen
Die Häufigkeit kongenitaler Missbildungen nach Anwendung von Techniken der assistierten
Reproduktion könnte etwas höher liegen als nach spontaner Empfängnis. Es wird angenommen, dassdies auf eine unterschiedliche Vorbelastung der Eltern (z. B. Alter der Mutter, Eigenschaften der
Spermien) und Mehrlingsschwangerschaften zurückzuführen ist.
Thromboembolische EreignisseBei Frauen mit kürzlich aufgetretenen oder bestehenden thromboembolischen Erkrankungen oder bei
Frauen mit allgemeinen Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse, wie eine eigene oderfamiliäre Anamnese, Thrombophilie oder starke Fettleibigkeit (Body-Mass-Index > 30 kg/m2), kanneine Gonadotropinbehandlung das Risiko einer Verschlechterung bzw. des Auftretens solcher
Ereignisse weiter erhöhen. Bei diesen Patientinnen muss eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägungerfolgen. Eine Schwangerschaft bzw. ein OHSS bergen jedoch bereits an sich ein erhöhtes Risiko fürthromboembolische Ereignisse.
NatriumPergoveris enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h., es ist nahezu 'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Pergoveris Injektionslösung im Fertigpen darf nicht zusammen mit anderen Arzneimitteln in derselben
Spritze verabreicht werden.
Pergoveris Injektionslösung im Fertigpen kann gleichzeitig mit einer dafür zugelassenen
Follitropin-alfa-Zubereitung als eigenständige Injektionen verabreicht werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftEs gibt keine Indikation für die Anwendung von Pergoveris während einer Schwangerschaft. Datenvon einer begrenzten Anzahl exponierter Schwangerschaften zeigen keine nachteiligen Auswirkungenvon Follitropin alfa und Lutropin alfa auf Schwangerschaft, embryonale oder fötale Entwicklung,
Entbindung oder postnatale Entwicklung nach einer kontrollierten Stimulation der Ovarien. Intierexperimentellen Studien wurde keine teratogene Wirkung von solchen Gonadotropinen beobachtet.
Die klinischen Daten reichen nicht aus, um bei einer Exposition während der Schwangerschaft eineteratogene Wirkung von Pergoveris auszuschließen.
StillzeitPergoveris ist während der Stillzeit nicht indiziert.
FertilitätPergoveris ist zur Anwendung bei Infertilität indiziert (siehe Abschnitt 4.1).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenPergoveris hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Ovarialzysten und lokale
Reaktionen an der Injektionsstelle (z. B. Schmerzen, Rötung, Bluterguss, Schwellung und/oder
Reizung an der Injektionsstelle). Häufig wurde über ein OHSS leichten oder mittleren Schweregradesberichtet, das als intrinsisches Risiko des Stimulationsprozesses angesehen werden muss. Einschweres OHSS tritt gelegentlich auf (siehe Abschnitt 4.4).
Sehr selten kann es zu einer Thromboembolie kommen, für gewöhnlich in Zusammenhang mit einemschweren OHSS (siehe Abschnitt 4.4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen werden im Folgenden gemäß den MedDRA-Systemorganklassen und ihrer
Häufigkeit aufgeführt. Es werden die folgenden Häufigkeitskategorien verwendet: sehr häufig(≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000),sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nichtabschätzbar).
Erkrankungen des ImmunsystemsSehr selten: Leichte bis schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlichanaphylaktischer Reaktionen und Schock
Erkrankungen des NervensystemsSehr häufig: Kopfschmerzen
GefäßerkrankungenSehr selten: Thromboembolien, gewöhnlich in Zusammenhang mit einem schweren OHSS
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und MediastinumsSehr selten: Exazerbation oder Verstärkung von Asthma
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsHäufig: Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, abdominale Beschwerden, Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der BrustdrüseSehr häufig: Ovarialzysten
Häufig: Brustschmerzen, Beckenschmerzen, leichtes oder mittelschweres OHSS(einschließlich der damit verbundenen Symptomatik)
Gelegentlich: Schweres OHSS (einschließlich der damit verbundenen Symptomatik) (siehe
Abschnitt 4.4)
Selten: Komplikationen in Zusammenhang mit einem schweren OHSS
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am VerabreichungsortSehr häufig: Leichte oder starke Reaktionen an der Injektionsstelle (z. B. Schmerzen, Rötung,
Bluterguss, Schwellung und/oder Reizung an der Injektionsstelle)
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
SymptomeAuswirkungen einer Überdosierung von Pergoveris sind nicht bekannt. Es besteht jedoch die
Möglichkeit für das Auftreten eines OHSS (siehe Abschnitt 4.4).
BehandlungDie Behandlung erfolgt symptomatisch.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems,
Gonadotropine, ATC-Code: G03GA30
Pergoveris ist eine Zubereitung aus rekombinantem humanem Follikel stimulierendem Hormon(Follitropin alfa, r-hFSH) und rekombinantem humanem luteinisierendem Hormon (Lutropin alfa,r-hLH), die beide mittels rekombinanter DNA-Technologie in Ovarialzellen des chinesischen
Hamsters (CHO-Zellen) produziert werden.
WirkmechanismusDas luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) werden vom
Hypophysenvorderlappen als Reaktion auf das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) abgesondertund spielen eine komplementäre Rolle bei der Follikelentwicklung und Ovulation. In den Thekazellenstimuliert LH die Sekretion von Androgenen, die an die Granulosazellen abgegeben werden, um dortdurch Aromatase in Östradiol (E2) umgewandelt zu werden. In den Granulosazellen stimuliert FSHdie Entwicklung der Ovarialfollikel, während die LH-Wirkung an der Follikelentwicklung,
Steroidogenese und Reifung beteiligt ist.
Pharmakodynamische WirkungenNach Verabreichung von r-hFSH sind die Inhibin- und Östradiolspiegel erhöht, mit anschließender
Induktion der Follikelentwicklung. Der Anstieg des Inhibin-Serumspiegels erfolgt schnell und kannbereits am dritten Tag der r-hFSH-Verabreichung beobachtet werden, während der Östradiolspiegelmehr Zeit benötigt und ein Anstieg erst ab dem vierten Tag der Behandlung zu beobachten ist. Nachetwa 4 bis 5 Tagen täglicher r-hFSH-Gabe beginnt das Gesamtfollikelvolumen anzusteigen und dermaximale Effekt wird, abhängig vom Ansprechen der Patientin, nach etwa 10 Tagen ab Beginn der
Gonadotropin-Gabe erreicht. Die aus der Anwendung von r-hLH resultierende primäre Wirkung isteine dosisabhängige Erhöhung der E2-Sekretion, was die Wirkung von r-hFSH auf das
Follikelwachstum verstärkt.
Klinische WirksamkeitIn klinischen Studien wurden Patientinnen mit schwerem FSH- und LH-Mangel durch endogene
LH-Serumspiegel von < 1,2 I.E./l definiert, welche in einem Zentrallabor bestimmt wurden. In diesen
Studien lag die Ovulationsrate bei 70 bis 75 % pro Zyklus. Es sollte jedoch berücksichtigt werden,dass es Unterschiede bei LH-Bestimmungen in verschiedenen Labors gibt.
Die passende Dosierung von r-hLH wurde in einer Studie an Frauen mit hypogonadotropem
Hypogonadismus und endogenen LH-Serumspiegeln unter 1,2 I.E./l untersucht. Eine Dosierung von75 I.E. r-hLH täglich (in Kombination mit 150 I.E. r-hFSH) führte zu angemessener Follikelreifungund Östrogenproduktion. Eine Dosierung von 25 I.E. r-hLH täglich (in Kombination mit 150 I.E.
r-hFSH) resultierte in unzureichender follikulärer Entwicklung.
Mit einer Gabe von Pergoveris mit weniger als 75 I.E. r-hLH täglich könnte daher eine zu geringe
Menge an LH zugeführt werden, um eine ausreichende Follikelstimulation zu gewährleisten.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Klinische Studien mit Pergoveris wurden mit einer gefriergetrockneten Zubereitung durchgeführt.
Eine klinische Vergleichsstudie zwischen der gefriergetrockneten und der flüssigen Zubereitungergab, dass die beiden Zubereitungen bioäquivalent sind.
Bei gleichzeitiger Verabreichung von Follitropin alfa und Lutropin alfa gibt es keinepharmakokinetische Wechselwirkung.
Follitropin alfa
VerteilungNach intravenöser Injektion wird Follitropin alfa im Extrazellulärraum mit einer initialen
Halbwertszeit von 2 Stunden verteilt und mit einer terminalen Halbwertszeit von 14 bis 17 Stundenaus dem Körper ausgeschieden. Das Verteilungsvolumen im Steady-state liegt zwischen 9 und 11 l.
Nach subkutaner Gabe beträgt die absolute Bioverfügbarkeit 66 % und die scheinbare terminale
Halbwertszeit liegt im Bereich von 24 bis 59 Stunden. Die Dosisproportionalität nach subkutaner
Gabe wurde für bis zu 900 IE nachgewiesen. Bei wiederholter Gabe wird Follitropin alfa 3-fachakkumuliert und ein Steady-state wird nach 3 bis 4 Tagen erreicht.
EliminationDie Gesamt-Clearance liegt bei 0,6 l/Std. und ca. 12 % der applizierten Dosis von Follitropin alfa wirdmit dem Urin ausgeschieden.
Lutropin alfa
VerteilungNach intravenöser Verabreichung wird Lutropin alfa mit einer initialen Halbwertszeit von ungefähreiner Stunde rasch verteilt und mit einer terminalen Halbwertszeit von etwa 9 bis 11 Stundenausgeschieden. Das Verteilungsvolumen im Steady State liegt zwischen 5 und 14 l. Lutropin alfa weisteine lineare Pharmakokinetik auf, wie durch die AUC ermittelt wurde, welche der verabreichten Dosisdirekt proportional ist.
Nach subkutaner Anwendung beträgt die absolute Bioverfügbarkeit 56 % und die scheinbare terminale
Halbwertszeit liegt zwischen 8 und 21 Stunden. Die Dosisproportionalität nach subkutaner Gabewurde für bis zu 450 IE nachgewiesen. Die Pharmakokinetik von Lutropin alfa nach einmaliger Gabeist mit der nach wiederholter Gabe vergleichbar, und die Akkumulationsrate von Lutropin alfa istminimal.
EliminationDie Gesamtclearance liegt im Bereich von 1,7 bis 1,8 l/h, und es werden weniger als 5 % der Dosismit dem Urin ausgeschieden.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe und Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
SucroseArgininmonohydrochlorid
Poloxamer 188
Methionin
Phenol
Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat (Ph.Eur.)
Natriumdihydrogenphosphat 1 H2O
Natriumhydroxid (zur pH-Einstellung)
Phosphorsäure 85 % (zur pH-Einstellung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
3 Jahre
Die chemische und physikalische Stabilität nach Anbruch wurde für 28 Tage bei 25 °C nachgewiesen.
Nach Anbruch kann das Arzneimittel für höchstens 28 Tage bei 25 °C gelagert werden. Andere
Aufbewahrungszeiten und -bedingungen nach Anbruch unterliegen der Verantwortung des
Anwenders.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C-8 °C). Nicht einfrieren.
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Anbruch des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Farblose 3-ml-Glaspatrone (Borosilikatglas Typ I mit einem grauen Kolbenstopfen aus
Brombutylgummi und einer Bördelkappe aus einem grauen Gummistopfenseptum und Aluminium) ineinem Fertigpen.
Jeder Pergoveris (300 I.E. + 150 I.E.)/0,48 ml Fertigpen enthält 0,48 ml Injektionslösung und kannzwei Dosen Pergoveris 150 I.E./75 I.E. abgeben.
Packung mit 1 Fertigpen mit Pergoveris (300 I.E. + 150 I.E.)/0,48 ml und 5 Injektionsnadeln.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungDie Lösung darf nur verwendet werden, wenn sie klar ist und keine Schwebstoffe aufweist. Nichtverwendete Lösung ist nach dem Anbruch innerhalb von 28 Tagen zu entsorgen.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
Hinweise zur Anwendung dieses Arzneimittels siehe Packungsbeilage und die 'Hinweise zur
Anwendung“.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Merck Europe B.V.
Gustav Mahlerplein 1021082 MA Amsterdam
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 25. Juni 2007
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 8. Mai 2017
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
{MM.JJJJ}
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.