Angewendet bei: hämatologische Malignome
Art der Anwendung: Infusion
Substanz: Decitabin (antimetabolitisches Antineoplastikum)
ATC: L01BC08 (ANTINEOPLASTISCHE UND IMMUNMODULIERENDE MITTEL | Antimetaboliten | Pyrimidin-Analoga)
Decitabin ist ein hypomethylierender Wirkstoff, der zur Behandlung von myelodysplastischen Syndromen und akuter myeloischer Leukämie eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die DNA-Methyltransferase hemmt, was zur Reaktivierung von Tumorsuppressorgenen und zur Hemmung des Krebszellwachstums führt.
Das Medikament wird intravenös verabreicht, in der Regel in Behandlungszyklen, wobei die Dosis basierend auf dem Zustand des Patienten und der Reaktion auf die Therapie angepasst wird. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Anämie, Neutropenie und Thrombozytopenie.
Decitabin ist kontraindiziert bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem seiner Hilfsstoffe. Seine Anwendung erfordert auch eine sorgfältige Überwachung, um schwere hämatologische Komplikationen zu verhindern.
Dieses Medikament ist eine wichtige Option für Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen und trägt zur Verbesserung ihrer Prognose bei.
Dacogen 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
Jede Durchstechflasche mit Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung enthält50 mg Decitabin.
Nach Rekonstitution mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke enthält jeder ml des Konzentrats 5 mg
Decitabin.
Sonstige Bestandteile mit bekannter WirkungJede Durchstechflasche enthält 0,29 mmol Natrium (E524).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (Pulver zur Herstellung einer
Infusionslösung).
Weißes bis weißliches lyophilisiertes Pulver.
Dacogen ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter de novo odersekundärer akuter myeloischer Leukämie (AML) gemäß der Klassifikation der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die eine Standard-Induktionstherapie nicht in Frage kommt.
Die Anwendung von Dacogen muss unter Aufsicht von Ärzten mit Erfahrung in der Anwendung vonchemotherapeutischen Arzneimitteln begonnen werden.
DosierungWährend eines Behandlungszyklus wird Dacogen mittels intravenöser Infusion täglich über 1 Stundein einer Dosis von 20 mg/m² Körperoberfläche an 5 aufeinander folgenden Tagen gegeben (d. h.insgesamt 5 Dosen pro Behandlungszyklus). Die tägliche Gesamttagesdosis von 20 mg/m² sowie die
Gesamtdosis pro Behandlungszyklus von 100 mg/m² darf nicht überschritten werden. Falls eine Dosisversäumt wird, soll die Behandlung so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Unter
Berücksichtigung des klinischen Ansprechens und der beobachteten Toxizität soll der
Behandlungszyklus alle 4 Wochen wiederholt werden. Es wird eine Behandlung der Patienten fürmindestens 4 Behandlungszyklen empfohlen; wobei es bis zum Erreichen einer kompletten oderpartiellen Remission länger als 4 Behandlungszyklen dauern kann. Die Behandlung kann so langefortgesetzt werden, solange ein Therapieansprechen, weiterhin ein klinischer Nutzen oder eine
Stabilisierung der Krankheit aufzuweisen ist, d. h. solange keine offensichtliche Krankheitsprogressionvorliegt.
Sollten nach 4 Behandlungszyklen die hämatologischen Werte (z. B. Thrombozytenzahl oder absolute
Neutrophilenzahl) nicht dem Ausgangswert vor der Behandlung entsprechen oder sollte eine
Krankheitsprogression vorliegen (Ansteigen der peripheren Blastenzahlen oder Verschlechterung der
Blastenzahlen im Knochenmark), kann der Patient als Non-Responder eingestuft werden und andere
Therapiemöglichkeiten als Alternative zu Dacogen in Erwägung gezogen werden.
Eine vorbeugende Medikation zur Vermeidung von Übelkeit und Erbrechen wird zwar nichtstandardmäßig empfohlen, kann jedoch bei Bedarf gegeben werden.
Behandlung einer Myelosuppression und damit verbundener Komplikationen
Myelosuppression und unerwünschte Ereignisse in Verbindung mit einer Myelosuppression(Thrombozytopenie, Anämie, Neutropenie und febrile Neutropenie) sind, sowohl bei behandelten alsauch bei unbehandelten Patienten mit AML, häufig. Zu den Komplikationen einer Myelosuppressionzählen Infektionen und Blutungen. Basierend auf der Entscheidung des behandelnden Arztes kanndaher der Behandlungsbeginn verzögert sein, falls der Patient durch eine Myelosuppression bedingte
Komplikationen zeigt, wie nachstehend beschrieben:
- Febrile Neutropenie (Körpertemperatur ≥ 38,5 °C und absolute Neutrophilenzahl < 1.000/µl)
- Aktive virale, bakterielle oder Pilzinfektion (d. h. welche eine Behandlung mit intravenösen
Antiinfektiva oder andere umfangreiche unterstützende Behandlung erfordern)
- Blutungen (gastrointestinal, urogenital, pulmonal mit Thrombozytenzahlen < 25.000/µl oder
Blutungen innerhalb des zentralen Nervensystems)
Die Behandlung mit Dacogen kann wieder aufgenommen werden, sobald sich die oben genannten
Bedingungen gebessert oder unter entsprechender Behandlung (Antiinfektiva, Transfusionen oder
Wachstumsfaktoren) stabilisiert haben.
In klinischen Studien benötigte etwa ein Drittel der Patienten, die Dacogen erhielten, eine
Dosisverzögerung. Eine Dosisreduktion wird nicht empfohlen.
Kinder und JugendlicheDacogen soll bei Kindern und Jugendlichen mit AML im Alter unter 18 Jahren nicht angewendetwerden, da die Wirksamkeit nicht erwiesen wurde. Derzeit verfügbare Daten sind in den
Abschnitten 4.8, 5.1 und 5.2 dargestellt.
LeberfunktionsstörungStudien mit Patienten mit Leberfunktionsstörung wurden nicht durchgeführt. Die Notwendigkeit einer
Dosisanpassung bei Patienten mit Leberfunktionsstörung wurde bisher nicht untersucht. Im Falle einer
Verschlechterung der Leberfunktion sollen die Patienten sorgfältig überwacht werden (siehe
Abschnitte 4.4 und 5.2).
NierenfunktionsstörungStudien mit Patienten mit Nierenfunktionsstörung wurden nicht durchgeführt. Die Notwendigkeiteiner Dosisanpassung bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung wurde bisher nicht untersucht (siehe
Abschnitte 4.4 und 5.2).
Art der AnwendungDacogen wird mittels intravenöser Infusion gegeben. Ein zentralvenöser Katheter ist nichterforderlich.
Hinweise zur Rekonstitution und Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe
Abschnitt 6.6.
Überempfindlichkeit gegen Decitabin oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6).
Myelosuppression und Komplikationen einer Myelosuppression, einschließlich Infektionen und
Blutungen, die bei Patienten mit AML auftreten, können unter Behandlung mit Dacogen verstärktwerden. Daher sind Patienten einem erhöhten Risiko für schwere Infektionen (durch Erreger wie
Bakterien, Pilze und Viren) mit potenziell letalem Ausgang ausgesetzt (siehe Abschnitt 4.8). Patientensollen auf Anzeichen und Symptome einer Infektion überwacht und sofort behandelt werden.
In klinischen Studien hatte die Mehrheit der Patienten eine Myelosuppression vom Grad 3/4 im
Ausgangsbefund. Bei Patienten mit Grad 2 im Ausgangsbefund wurde eine Zunahme der
Myelosuppression bei den meisten Patienten beobachtet und häufiger als bei Patienten mit
Myelosuppression vom Grad 1 oder 0 im Ausgangsbefund verzeichnet. Eine durch Dacogenverursachte Myelosuppression ist reversibel. Bestimmungen des Differentialblutbildes einschließlichder Thrombozytenzahl sollen regelmäßig, bei klinischer Notwendigkeit und vor Beginn jedes
Behandlungszyklus durchgeführt werden. Bei Vorliegen einer Myelosuppression oder einer ihrer
Komplikationen kann die Behandlung mit Dacogen unterbrochen und/oder unterstützende
Maßnahmen eingeleitet werden (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und MediastinumsBei Patienten, die Decitabin erhielten, wurde über Fälle von interstitieller Lungenerkrankung (ILD)(einschließlich Lungeninfiltrate, organisierende Pneumonie und Lungenfibrose) ohne Anzeichen einerinfektiösen Ursache berichtet. Patienten mit akutem Einsetzen oder unerklärlicher Verschlechterungvon Lungensymptomen sollen sorgfältig untersucht werden, um eine ILD auszuschließen. Wird eine
ILD bestätigt, soll eine angemessene Behandlung eingeleitet werden (siehe Abschnitt 4.8).
LeberfunktionsstörungDie Anwendung bei Patienten mit Leberfunktionsstörung wurde nicht untersucht. Bei der Anwendungvon Dacogen bei Patienten mit Leberfunktionsstörung und bei Patienten, die Anzeichen oder
Symptome einer Leberfunktionsstörung entwickeln, ist entsprechende Vorsicht geboten.
Leberfunktionstests sollen vor Behandlungsbeginn, vor Beginn jedes Behandlungszyklus und beiklinischer Notwendigkeit durchgeführt werden (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
NierenfunktionsstörungDie Anwendung bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung wurde nicht untersucht. Bei der
Anwendung von Dacogen bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance[CrCl] < 30 ml/min) ist entsprechende Vorsicht geboten. Nierenfunktionstests sollen vor
Behandlungsbeginn, vor Beginn jedes Behandlungszyklus und bei klinischer Notwendigkeitdurchgeführt werden (siehe Abschnitt 4.2).
Kardiale Erkrankungen
Patienten mit schwerer dekompensierter Herzinsuffizienz oder klinisch instabilen kardialen
Erkrankungen in der Anamnese waren von den klinischen Studien ausgeschlossen, so dass Sicherheitund Wirksamkeit von Dacogen bei diesen Patienten daher nicht untersucht wurden. Nach
Markteinführung wurde über Fälle von Kardiomyopathie mit Herzdekompensation berichtet, die ineinigen Fällen nach Behandlungsabbruch, Dosisreduktion oder entsprechender Behandlung reversibelwaren. Patienten, insbesondere solche mit einer bekannten kardialen Erkrankung in der Anamnese,sollen auf Symptome einer Herzinsuffizienz überwacht werden.
Differenzierungssyndrom
Bei Patienten, die Decitabin erhielten, wurden Fälle eines Differenzierungssyndroms (auch bekannt als
Retinsäuresyndrom) berichtet. Das Differenzierungssyndrom kann tödlich sein (siehe Abschnitt 4.8).
Bei ersten Anzeichen oder Symptomen eines Differenzierungssyndroms sollten eine Behandlung mithochdosierten intravenösen Kortikosteroiden und eine hämodynamische Überwachung in Erwägunggezogen werden. Eine Unterbrechung der Behandlung mit Dacogen sollte bis zum Abklingen der
Symptome in Betracht gezogen werden. Bei Wiederaufnahme der Behandlung ist Vorsicht geboten.
Sonstige BestandteileEine Durchstechflasche dieses Arzneimittels enthält 0,5 mmol Kalium. Nach Rekonstitution und
Verdünnung der Lösung zur intravenösen Infusion enthält dieses Arzneimittel weniger als 1 mmol(39 mg) Kalium pro Dosis, d. h. es ist nahezu 'kaliumfrei“.
Dieses Arzneimittel enthält 0,29 mmol (6,67 mg) Natrium pro Durchstechflasche. Nach
Rekonstitution und Verdünnung der Lösung zur intravenösen Infusion enthält dieses Arzneimittelzwischen 13,8 mg und 138 mg (0,6-6 mmol) Natrium pro Dosis (abhängig von der Infusionsflüssigkeitzur Verdünnung), entsprechend 0,7-7 % der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenenmaximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.
Es wurden keine formalen klinischen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit Decitabindurchgeführt.
Es besteht die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit Arzneimitteln mit anderen Wirkstoffen, dieebenfalls durch sequenzielle Phosphorylierung (durch intrazelluläre Phosphokinase-Aktivitäten)aktiviert werden und/oder durch Enzyme metabolisiert werden, die an der Inaktivierung von Decitabinbeteiligt sind (z. B. Cytidin-Deaminase). Daher ist Vorsicht geboten, wenn diese Wirkstoffe mit
Decitabin kombiniert werden.
Einfluss von gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln auf Decitabin
Durch Cytochrom (CYP) P-450 vermittelte, metabolische Wechselwirkungen sind nicht zu erwarten,da Decitabin nicht durch dieses System, sondern durch oxidative Desaminierung metabolisiert wird.
Einfluss von Decitabin auf gleichzeitig angewendete Arzneimittel
Infolge der geringen Plasmaproteinbindung in vitro (< 1 %) ist es unwahrscheinlich, dass Decitabingleichzeitig angewendete Arzneimittel aus deren Plasmaproteinbindung verdrängt. Decitabin hat sichin vitro als schwacher Inhibitor des durch P-Glycoprotein (P-gp) vermittelten Transports erwiesen;daher ist nicht zu erwarten, dass es den durch P-gp vermittelten Transport gleichzeitig angewendeter
Arzneimittel beeinträchtigt (siehe Abschnitt 5.2).
Aufgrund des genotoxischen Potentials von Decitabin (siehe Abschnitt 5.3) müssen Frauen imgebärfähigen Alter während der Behandlung mit Dacogen und 6 Monate nach Ende der Behandlungeine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden und eine Schwangerschaft vermeiden. Männer sollenwährend der Behandlung und über 3 Monate nach der Behandlung mit Dacogen eine zuverlässige
Verhütungsmethode anwenden und sind darauf hinzuweisen, kein Kind zu zeugen (siehe
Abschnitt 5.3).
Die Anwendung von Decitabin zusammen mit hormonalen Kontrazeptiva wurde nicht untersucht.
SchwangerschaftEs liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Dacogen bei schwangeren Frauen vor.
Studien haben gezeigt, dass Decitabin bei Ratten und Mäusen teratogen ist (siehe Abschnitt 5.3). Daspotenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Basierend auf den Ergebnissen aus Tierstudienund seinem Wirkmechanismus darf Dacogen während der Schwangerschaft und bei Frauen, dieschwanger werden könnten, aber keine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, nicht angewendetwerden. Bevor mit der Behandlung begonnen wird, sollte ein Schwangerschaftstest bei allen Frauenim gebärfähigen Alter durchgeführt werden. Falls Dacogen während der Schwangerschaft angewendetwird oder eine Patientin während der Anwendung dieses Arzneimittels schwanger wird, ist die
Patientin über eine potenzielle Gefährdung für den Fötus aufzuklären.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Decitabin oder seine Metabolite in die Muttermilch übergehen. Dacogen istwährend der Stillzeit kontraindiziert; falls daher eine Behandlung mit diesem Arzneimittel erforderlichist, muss das Stillen unterbrochen werden (siehe Abschnitt 4.3).
FertilitätEs liegen keine Daten zur Wirkung von Decitabin auf die Fertilität beim Menschen vor. Innichtklinischen Tierstudien verändert Decitabin die männliche Fertilität und ist mutagen. Aufgrund der
Möglichkeit einer Zeugungsunfähigkeit oder Unfruchtbarkeit in der Folge einer Therapie mit Dacogensollen vor dem Beginn der Behandlung Männer eine Beratung zur Spermakonservierung einholen und
Frauen im gebärfähigen Alter sollen sich zur Möglichkeit einer Kryokonservierung von Eizellenberaten lassen.
Dacogen hat mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen. Patienten sind darauf hinzuweisen, dass während der Behandlung Nebenwirkungen wiebeispielsweise eine Anämie auftreten könnten. Daher wird empfohlen, beim Führen von Fahrzeugenoder beim Bedienen von Maschinen vorsichtig zu sein.
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen (≥ 35 %) sind Pyrexie, Anämie und
Thrombozytopenie.Zu den häufigsten Nebenwirkungen vom Grad 3/4 (bei ≥ 20 %) zählten Pneumonie,
Thrombozytopenie, Neutropenie, febrile Neutropenie und Anämie.
In klinischen Studien hatten 30 % der Patienten, die mit Dacogen behandelt wurden, und 25 % der
Patienten im Vergleichsarm unerwünschte Ereignisse mit Todesfolge während der Behandlung oderinnerhalb von 30 Tagen nach der letzten Dosis des Studienarzneimittels.
In der Dacogen-Behandlungsgruppe zeigte sich bei Frauen eine höhere Inzidenz für einen
Behandlungsabbruch durch unerwünschte Ereignisse als bei Männern (43 % versus 32 %).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie bei 293 mit Dacogen behandelten AML-Patienten berichteten Nebenwirkungen sind in Tabelle 1zusammengefasst. Die nachstehende Tabelle entspricht den Daten aus klinischen Studien bei AMLund den Erfahrungen nach Markteinführung. Die Nebenwirkungen werden nach Häufigkeitskategorienaufgelistet. Die Häufigkeitskategorien werden wie folgt definiert: Sehr häufig (≥ 1/10), häufig(≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100), selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000), sehr selten(< 1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Innerhalb jeder Häufigkeitskategorie werden die Nebenwirkungen in absteigender Reihenfolge ihres
Schweregrads angeführt.
Tabelle 1: Unter Dacogen beschriebene Nebenwirkungen
Häufigkeit
Alle
Häufigkeit Gradea Grad 3-4a
Systemorganklasse (alle Grade) Nebenwirkung (%) (%)
Infektionen und Sehr häufig Pneumonie* 24 20parasitäre Harnwegsinfektion* 15 7
Erkrankungen Alle anderen Infektionen 63 39(viral, bakteriell, fungal)*, b, c, d
Häufig Septischer Schock* 6 4
Sepsis* 9 8
Sinusitis 3 1
Gutartige, bösartige Nicht Differenzierungssyndrom Nicht Nichtund unspezifische bekannt bekannt bekannt
Neubildungen (einschl.
Zysten und Polypen)
Erkrankungen des Sehr häufig Febrile Neutropenie* 34 32
Blutes und des Neutropenie* 32 30
Lymphsystems Thrombozytopenie*, e 41 38
Anämie 38 31
Leukopenie 20 18
Gelegentlich Panzytopenie* < 1 < 1
Erkrankungen des Häufig Überempfindlichkeit 1 < 1
Immunsystems einschließlich anaphylaktischer
Reaktionenf
Stoffwechsel- und Sehr häufig Hyperglykämie 13 3
Ernährungsstörungen
Erkrankungen des Sehr häufig Kopfschmerzen 16 1
Nervensystems
Herzerkrankungen Gelegentlich Kardiomyopathie < 1 < 1
Erkrankungen der Sehr häufig Epistaxis 14 2
Atemwege, des Nicht Interstitielle Nicht Nicht
Brustraums und des bekannt Lungenerkrankung bekannt bekannt
Mediastinums
Erkrankungen des Sehr häufig Diarrhoe 31 2
Gastrointestinaltrakts Erbrechen 18 1
Übelkeit 33 < 1
Häufig Stomatitis 7 1
Nicht Enterokolitis einschließlich Nicht Nichtbekannt neutropenischer Kolitis, bekannt bekannt
Typhlitis*
Leber- und Sehr häufig Anomale Leberfunktion 11 3
Gallenerkrankungen Häufig Hyperbilirubinämieg 5 < 1
Erkrankungen der Haut Gelegentlich Akute febrile neutrophile < 1 NZund des Dermatose (Sweet-Syndrom)
Unterhautzellgewebes
Allgemeine Sehr häufig Pyrexie 48 9
Erkrankungen und
Beschwerden am
Verabreichungsorta Schweregrade gemäß der Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) des National Cancer Institute.b Außer Pneumonie, Harnwegsinfektion, Sepsis, septischer Schock und Sinusitis.c Die am häufigsten berichteten 'Anderen Infektionen“ in der Studie DACO-016 waren: oraler Herpes, orale
Kandidose, Pharyngitis, Infektion der oberen Atemwege, Zellulitis, Bronchitis, Nasopharyngitis.d Einschließlich infektiöse Enterokolitis.e Einschließlich Blutung in Verbindung mit Thrombozytopenie, einschließlich Fälle mit letalem Ausgang.f Einschließlich der bevorzugten Bezeichnungen (preferred terms) Überempfindlichkeit,
Arzneimittelüberempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktion, anaphylaktischer Schock, anaphylaktoide Reaktion,anaphylaktoider Schock.
g In klinischen Studien bei AML und myelodysplastischem Syndrom (MDS) wurde Hyperbilirubinämie mit einer
Häufigkeit von 11 % für alle Grade und 2 % für Grad 3-4 berichtet.
* Umfasst Ereignisse mit letalem Ausgang.
NZ = Nicht zutreffend
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenDie am häufigsten berichteten hämatologischen Nebenwirkungen in Verbindung mit Dacogenumfassten febrile Neutropenie, Thrombozytopenie, Neutropenie, Anämie und Leukopenie.
Schwere im Zusammenhang mit einer Blutung stehende Nebenwirkungen, davon einige mit letalem
Ausgang, wie etwa zentralnervöse (ZNS) Blutung (2 %) und gastrointestinale (GI) Blutung (2 %), im
Zusammenhang mit einer schweren Thrombozytopenie, wurden bei Patienten während der
Behandlung mit Decitabin berichtet.
Hämatologische Nebenwirkungen sollen mittels routinemäßiger Überwachung des
Differentialblutbildes und frühzeitiger Anwendung einer unterstützenden Therapie nach Bedarfbehandelt werden. Unterstützende Therapien beinhalten die Gabe prophylaktischer Antibiotikaund/oder Wachstumsfaktoren (z. B. G-CSF) bei Neutropenie und Transfusionen bei Anämie oder
Thrombozytopenie nach geltenden Therapierichtlinien. Bedingungen, unter denen die Anwendung von
Decitabin aufgeschoben werden soll, siehe Abschnitt 4.2.
Nebenwirkungen: Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Schwere im Zusammenhang mit einer Infektion stehende Nebenwirkungen, mit potenziell letalem
Ausgang, wie septischer Schock, Sepsis, Pneumonie und andere Infektionen (viral, bakteriell undfungal) wurden bei Patienten berichtet, die mit Decitabin behandelt wurden.
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsEs wurden während der Behandlung mit Decitabin Fälle von Enterokolitis, einschließlichneutropenischer Kolitis und Typhlitis, berichtet. Eine Enterokolitis kann zu septischen
Komplikationen führen und im Zusammenhang mit einem letalen Ausgang stehen.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und MediastinumsBei Patienten, die Decitabin erhielten, wurde über Fälle von interstitieller Lungenerkrankung (ILD)(einschließlich Lungeninfiltrate, organisierende Pneumonie und Lungenfibrose) ohne Anzeichen einerinfektiösen Ursache berichtet.
Differenzierungssyndrom
Bei Patienten, die Decitabin erhielten, wurden Fälle eines Differenzierungssyndroms (auch bekannt als
Retinsäuresyndrom) berichtet. Das Differenzierungssyndrom kann tödlich sein. Symptome undklinische Befunde umfassen Atemstörung, Lungeninfiltrate, Fieber, Hautausschlag, Lungenödem,peripheres Ödem, schnelle Gewichtszunahme, Pleuraerguss, Perikarderguss, Hypotonie und
Nierenfunktionsstörung. Das Differenzierungssyndrom kann mit oder ohne begleitende Leukozytoseauftreten. Kapillarlecksyndrom und Koagulopathie können auch auftreten (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Bewertung der Sicherheit bei pädiatrischen Patienten basiert auf den begrenzten Sicherheitsdatenaus einer Phase-I/II-Studie zur Beurteilung der Pharmakokinetik, Sicherheit und Wirksamkeit von
Dacogen bei pädiatrischen Patienten (im Alter von 1 bis 14 Jahren) mit rezidivierter oder refraktärer
AML (n = 17) (siehe Abschnitt 5.1). In dieser pädiatrischen Studie wurde kein neues Sicherheitssignalbeobachtet.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
Es liegen keine unmittelbaren Erfahrungen bei Überdosierung beim Menschen vor und es gibt keinspezifisches Antidot. Allerdings beschreiben frühe klinische Studiendaten in der Literatur bei
Dosierungen von mehr als dem 20-fachen der derzeitigen therapeutischen Dosis eine vermehrte
Myelosuppression einschließlich prolongierter Neutropenie und Thrombozytopenie. Toxische
Reaktionen werden sich wahrscheinlich als Exazerbationen von Nebenwirkungen, vor allem
Myelosuppression, zeigen. Die Behandlung einer Überdosierung soll unterstützend erfolgen.
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Antimetaboliten, Pyrimidin-Analoga;
ATC-Code: L01BC08
WirkmechanismusDecitabin (5-Aza-2-desoxycytidin) ist ein Cytidin-Desoxynucleosidanalogon, das in niedrigen
Dosierungen die DNS-Methyltransferasen selektiv hemmt und so zu einer
Gen-Promoter-Hypomethylierung führt, die in einer Reaktivierung der Tumorsuppressor-Gene undeiner Induktion der Zelldifferenzierung oder der Zellseneszenz gefolgt von programmiertem Zelltodresultieren kann.
Klinische ErfahrungDie Anwendung von Dacogen wurde in einer offenen, randomisierten, multizentrischen
Phase-III-Studie (DACO-016) mit Patienten mit neu diagnostizierter de novo oder sekundärer AMLgemäß WHO-Klassifikation untersucht. Dacogen (n = 242) wurde dabei mit einer Therapie der Wahl(TC, Treatment Choice) (n = 243) verglichen, die nach Patientenwahl mit Arztempfehlung ausentweder alleiniger unterstützender Maßnahme (n = 28, 11,5 %) oder einmal täglich 20 mg/m²
Cytarabin subkutan an 10 aufeinander folgenden Tagen mit Wiederholung alle 4 Wochen (n = 215,88,5 %) bestand. Dacogen wurde als 1-stündige i.v.-Infusion mit einmal täglich 20 mg/m² an5 aufeinander folgenden Tagen mit Wiederholung alle 4 Wochen gegeben.
Wie anhand der folgenden Charakteristika im Ausgangsbefund gezeigt, wurden Patienten, die als
Kandidaten für eine Standard-Induktionstherapie betrachtet wurden, nicht in die Studieeingeschlossen. Das mediane Alter für die Intent-to-Treat (ITT) Population betrug 73 Jahre (Bereich64 bis 91 Jahre). 36 % der Patienten wiesen im Ausgangsbefund eine Hochrisiko-Zytogenetik auf. Dieverbliebenen Patienten wiesen eine Zytogenetik von mittlerem Risiko auf. Patienten mit günstiger
Zytogenetik wurden nicht in die Studie eingeschlossen. 25 % der Patienten wiesen einen
ECOG-Leistungsstatus ≥ 2 auf. 81 % der Patienten hatten signifikante Komorbiditäten (z. B. Infektion,
Einschränkung der Herzfunktion, Lungenfunktionseinschränkung). Die Anzahl der mit Dacogenbehandelten Kaukasier betrug 209 (86,4 %) und die mit asiatischer Herkunft 33 (13,6 %).
Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben. Der sekundäre Endpunkt war diekomplette Remissionsrate, die durch unabhängige Experten ausgewertet wurde. Progressionsfreies
Überleben und ereignisfreies Überleben waren tertiäre Endpunkte.
Das mediane Gesamtüberleben für die ITT-Population betrug bei den mit Dacogen behandelten
Patienten 7,7 Monate verglichen mit 5,0 Monaten für die Patienten im TC-Arm (HR = 0,85; 95 % KI:0,69; 1,04, p-Wert = 0,1079). Der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz, es gab jedocheinen Trend zu einer Verlängerung des Überlebens mit einer 15%igen Reduktion des
Mortalitätsrisikos für Patienten im Dacogen-Therapiearm (Abbildung 1). Nach Bereinigunghinsichtlich potenziell krankheitsmodifizierender Folgetherapien (d. h. Induktionstherapie oderhypomethylierende Therapie) zeigte die Analyse für die Patienten im Dacogen-Therapiearm für das
Gesamtüberleben eine Reduktion des Mortalitätsrisikos um 20% (HR = 0,80; 95 % KI: 0,64; 0,99,p-Wert = 0,0437).
Abbildung 1. Gesamtüberleben (ITT-Population).
n Todesfälle (%) Median 95% KI
Dacogen 242 197 (81) 7,7 (6,2; 9,2)
Wahltherapie 243 199 (82) 5,0 (4,3; 6,3)
HR (95 % KI): 0,85 (0,69; 1,04)
Log-Rank p-Wert: 0,10790 6 12 18 24 30 36
Zeit (Monate)
Anzahl Patienten mit Risiko
Dacogen 242 137 65 28 12 1 0
Wahltherapie 243 107 55 19 7 4 0
In einer Analyse mit Überlebensdaten über ein weiteres Jahr zeigte die Wirkung von Dacogen auf das
Gesamtüberleben eine klinische Verbesserung im Vergleich zum TC-Arm (7,7 Monate vs.5,0 Monate, HR = 0,82; 95 % KI: 0,68; 0,99, nominaler p-Wert = 0,0373, Abbildung 2).
Abbildung 2. Analyse der um ein Jahr verlängerten Gesamtüberlebensdaten (ITT-Population).
n Todesfälle (%) Median 95% KI
Dacogen 242 219 (90) 7,7 (6,2; 9,2)
Wahltherapie 243 227 (93) 5,0 (4,3; 6,3)
HR (95 % KI): 0,82 (0,68; 0,99)
Log-Rank p-Wert: 0,03730 6 12 18 24 30 36 42 48
Zeit (Monate)
Anzahl Patienten mit Risiko
Dacogen 242 137 78 50 28 11 2 0 0
Wahltherapie 243 107 68 35 20 10 4 2 0% überlebende % überlebende Patienten
Patienten
Gemäß der initialen Analyse der ITT-Population wurde mit 17,8 % (43/242) bei der kompletten
Remissionsrate (CR + CRp) ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Patienten im
Dacogen-Arm erreicht im Vergleich zu 7,8 % (19/243) im TC-Arm; Therapieunterschied 9,9 %(95 % KI: 4,07; 15,83), p-Wert = 0,0011. Die mediane Zeit bis zur besten Response und die mediane
Dauer der besten Response betrugen bei Patienten, die eine CR oder CRp erreichten, 4,3 Monate bzw.8,3 Monate. Das progressionsfreie Überleben für die Patienten im Dacogen-Arm war mit 3,7 Monaten(95 % KI: 2,7; 4,6) signifikant länger im Vergleich zu 2,1 Monaten (95 % KI: 1,9; 3,1) für die
Patienten im TC-Arm; Hazard Ratio = 0,75 (95 % KI: 0,62; 0,91), p-Wert = 0,0031. Diese Ergebnissesowie auch andere Endpunkte sind aus Tabelle 2 ersichtlich.
Tabelle 2: Andere Wirksamkeitsendpunkte für Studie DACO-016 (ITT-Population)
Therapie der Wahl
Dacogen (kombinierte Gruppe)
Ergebnisse n = 242 n = 243 p-Wert
CR + CRp 43 (17,8 %) 19 (7,8 %) 0,0011
OR = 2,5(1,40; 4,78)b
CR 38 (15,7 %) 18 (7,4 %) -
EFSa 3,5 2,1 0,0025(2,5; 4,1)b (1,9; 2,8)b
HR = 0,75(0,62; 0,90)b
PFSa 3,7 2,1 0,0031(2,7; 4,6)b (1,9; 3,1)b
HR = 0,75(0,62; 0,91)b
CR = komplette Remission (complete remission); CRp = komplette Remission mit unvollständiger
Thrombozytenerholung, EFS = ereignisfreies Überleben, PFS = progressionsfreies Überleben, OR = Odds Ratio,
HR = Hazard Ratio
- = nicht evaluierbara beschrieben als mediane Zahl der Monateb 95 % Konfidenzintervall
Die Raten für Gesamtüberleben und komplette Remission bei im Voraus spezifiziertenkrankheitsbezogenen Subgruppen (d. h. zytogenetisches Risiko, Eastern Cooperative Oncology Group(ECOG) Score, Alter, AML-Typ und Knochenmarkblastenzahl im Ausgangsbefund) waren mit den
Ergebnissen für die Gesamt-Studienpopulation konsistent.
Die Anwendung von Dacogen als Initialtherapie wurde auch in einer offenen, einarmigen
Phase-II-Studie (DACO-017) bei 55 Patienten im Alter von > 60 Jahren mit AML gemäß
WHO-Klassifikation untersucht. Der primäre Endpunkt war die komplette Remissionsrate (CR), diedurch unabhängige Experten ausgewertet wurde. Der sekundäre Endpunkt der Studie war das
Gesamtüberleben. Dacogen wurde einmal täglich als 1-stündige intravenöse Infusion von 20 mg/m2 an5 aufeinander folgenden Tagen mit Wiederholung alle 4 Wochen gegeben. In der ITT-Analyse wurdebei 13/55 der mit Dacogen behandelten Patienten eine CR von 23,6 % (95 % KI: 13,2; 37) beobachtet.
Die mediane Zeit bis zu einer CR betrug 4,1 Monate und die mediane Dauer der CR betrug18,2 Monate. Das mediane Gesamtüberleben betrug in der ITT-Population 7,6 Monate (95 % KI: 5,7;11,5).
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Dacogen wurden bei Patienten mit akuter promyelozytischer
Leukämie oder ZNS-Leukämie bisher nicht untersucht.
Kinder und JugendlicheIn einer offenen, multizentrischen Phase-I/II-Studie wurden die Sicherheit und die Wirksamkeit von
Dacogen bei sequenzieller Anwendung mit Cytarabin bei Kindern im Alter von 1 Monat bis< 18 Jahren mit rezidivierter oder refraktärer AML untersucht. In diese Studie wurden insgesamt17 Patienten aufgenommen, die 20 mg/m2 Dacogen erhielten, von denen 9 Patienten 1 g/m2 Cytarabinund 8 Patienten die maximal verträgliche Dosis von 2 g/m2 Cytarabin erhielten. Alle Patienten brachendie Studienbehandlung ab. Die Gründe für den Behandlungsabbruch umfassten Krankheitsprogression(12 Patienten [70,6 %]), Durchführung einer Transplantation (3 [17,6 %]), Entscheidung des
Prüfarztes (1 [5,9 %]) sowie 'Sonstige“ (1 [5,9 %]). Die berichteten unerwünschten Ereignissestimmten mit dem bekannten Sicherheitsprofil von Dacogen bei Erwachsenen überein (siehe
Abschnitt 4.8). Aufgrund dieser negativen Ergebnisse soll Dacogen bei Kindern und Jugendlichen mit
AML im Alter unter 18 Jahren nicht angewendet werden, da die Wirksamkeit in dieser Populationnicht erwiesen wurde (siehe Abschnitt 4.2).
Die populationspharmakokinetischen (PK) Parameter von Decitabin wurden aus 3 klinischen Studienmit 45 Patienten mit AML oder myelodysplastischem Syndrom (MDS) unter Anwendung eines5-tägigen Therapieschemas gepoolt. Die PK von Decitabin wurde in jeder Studie am fünften Tag desersten Behandlungszyklus ausgewertet.
VerteilungDie Pharmakokinetik von Decitabin nach intravenöser Anwendung als 1-stündige Infusion wurde miteinem linearen Zwei-Kompartiment-Modell beschrieben, das durch eine rasche Elimination aus demzentralen Kompartiment und einer relativ langsamen Verteilung aus dem peripheren Kompartimentcharakterisiert war. Die pharmakokinetischen Parameter von Decitabin für einen typischen Patienten(Gewicht 70 kg/Körperoberfläche 1,73 m²) sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Tabelle 3: Zusammenfassung der Populations-PK-Analyse für einen typischen Patienten,der täglich eine 1-stündige Infusion von 20 mg/m2 Dacogen über 5 Tage alle4 Wochen erhielt
Parametera Erwarteter Wert 95 % KI
Cmax (ng/ml) 107 88,5 - 129
AUCcum (ng∙h/ml) 580 480 - 695t1/2 (min) 68,2 54,2 - 79,6
Vdss (l) 116 84,1 - 153
Cl (l/h) 298 249 - 359a Die Gesamtdosis pro Behandlungszyklus betrug 100 mg/m2
Decitabin zeigt eine lineare Pharmakokinetik und nach intravenöser Infusion werden
Steady-state-Konzentrationen innerhalb von 0,5 Stunden erreicht. Basierend auf einer
Modellsimulation waren die PK-Parameter zeitunabhängig (d. h. keine Änderung von Zyklus zu
Zyklus), und es wurde mit diesem Dosierungsschema keine Akkumulation beobachtet. Die
Plasmaproteinbindung von Decitabin ist vernachlässigbar (< 1 %). Das Verteilungsvolumen im
Steady-State (Vdss) ist bei Krebspatienten groß, was auf eine Verteilung in periphere Gewebe hinweist.
Es gab keine Hinweise auf eine Abhängigkeit von Alter, Kreatinin-Clearance, Gesamtbilirubin oder
Krankheit.
BiotransformationDecitabin wird intrazellulär mittels sequenzieller Phosphorylierung durch Phosphokinase-Aktivitätenin das entsprechende Triphosphat aktiviert, welches dann durch die DNA-Polymerase inkorporiertwird. In vitro-Daten zur Metabolisierung und Ergebnisse einer Mass-Balance-Studie beim Menschenzeigen, dass das Cytochrom-P-450-System nicht an der Metabolisierung von Decitabin beteiligt ist.
Die primäre Metabolisierung erfolgt wahrscheinlich über Desaminierung durch die Cytidindesaminasein Leber, Niere, intestinalem Epithel und Blut. Ergebnisse einer Mass-Balance-Studie beim Menschenzeigen, dass unverändertes Decitabin im Plasma zu etwa 2,4 % an der Gesamtradioaktivtät im Plasmabeiträgt. Es wird angenommen, dass die zirkulierenden Haupt-Metaboliten keine pharmakologische
Aktivität aufweisen. Das Vorliegen dieser Metaboliten im Urin zusammen mit der hohen
Gesamtkörper-Clearance und der geringen Ausscheidung von unverändertem Decitabin in den Urin(~4 % der Dosis) weisen darauf hin, dass Decitabin in nennenswertem Ausmaß in vivo metabolisiertwird. In vitro-Studien zeigen, dass Decitabin in Konzentration von bis zu mehr als dem 20-fachen derbeobachteten maximalen therapeutischen Plasmakonzentration (Cmax) CYP-450-Enzyme weder hemmtnoch induziert. Es sind daher keine CYP-bedingten metabolischen Arzneimittelinteraktionen zuerwarten und es ist unwahrscheinlich, dass Decitabin mit Substanzen, die über diese Wegemetabolisiert werden, in Wechselwirkung tritt. Zusätzlich zeigen in vitro-Daten, dass Decitabin einschwaches P-gp-Substrat ist.
EliminationDie mittlere Plasma-Clearance nach intravenöser Gabe bei Krebspatienten betrug > 200 l/h mitmäßiger interindividueller Variabilität (Variationskoeffizient [CV] ca. 50 %). Die Ausscheidung vonunverändertem Wirkstoff scheint für die Elimination von Decitabin nur eine geringe Rolle zu spielen.
Die Ergebnisse einer Mass-Balance-Studie mit radioaktiv markiertem 14C-Decitabin bei
Krebspatienten zeigten, dass 90 % der gegebenen Decitabin-Dosis (4 % unveränderter Wirkstoff) im
Urin ausgeschieden werden.
Weitere Informationen zu speziellen Populationen
Der Einfluss von Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Geschlecht, Alter oder ethnischer
Zugehörigkeit auf die Pharmakokinetik von Decitabin wurde nicht formal untersucht. Informationenzu speziellen Populationen wurden aus den pharmakokinetischen Daten der 3 oben genannten Studiensowie jenen aus einer Phase-I-Studie mit Patienten mit MDS (N = 14; 15 mg/m2, 3-stündige Infusionalle 8 Stunden an 3 Tagen) abgeleitet.
Ältere PatientenDie populationspharmakokinetische Analyse zeigte, dass die Pharmakokinetik von Decitabinunabhängig vom Alter ist (untersuchter Bereich 40 bis 87 Jahre, median 70 Jahre).
Kinder und JugendlicheDie populationspharmakokinetische Analyse von Decitabin hat gezeigt, dass unter Berücksichtigungder Körpergröße keine Unterschiede in den pharmakokinetischen Parametern von Decitabin beipädiatrischen AML-Patienten gegenüber erwachsenen Patienten mit AML oder MDS bestehen.
GeschlechtDie populationspharmakokinetische Analyse von Decitabin zeigte keinen klinisch relevanten
Unterschied zwischen Männern und Frauen.
Ethnische ZugehörigkeitDie meisten der untersuchten Patienten waren Kaukasier. Die populationspharmakokinetische Analysevon Decitabin zeigte jedoch, dass die ethnische Zugehörigkeit keinen offensichtlichen Einfluss auf die
Exposition mit Decitabin hatte.
LeberfunktionsstörungenDie PK von Decitabin wurde nicht formal bei Patienten mit Leberfunktionsstörung untersucht. Dieoben erwähnten Ergebnisse aus einer Mass-Balance-Studie beim Menschen und in vitro-Experimentezeigten, dass die CYP-Enzyme höchstwahrscheinlich nicht an der Metabolisierung von Decitabinbeteiligt sind. Zusätzlich zeigten die begrenzten Daten aus der Populations-PK-Analyse trotz einesbreiten Bereichs der Gesamtbilirubinwerte keine signifikante Abhängigkeit der PK-Parameter von der
Gesamtbilirubinkonzentration. Ein Einfluss auf die Decitabin-Exposition bei Patienten miteingeschränkter Leberfunktion ist daher nicht wahrscheinlich.
NierenfunktionsstörungDie PK von Decitabin wurde nicht formal bei Patienten mit Niereninsuffizienz untersucht. Die
PK-Analyse der begrenzten Daten zu Decitabin zeigte keine signifikante Abhängigkeit der
PK-Parameter von der normierten Kreatinin-Clearance, einem Indikator der Nierenfunktion. Ein
Einfluss auf die Decitabin-Exposition bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist daher nichtwahrscheinlich.
Es wurden mit Decitabin keine formalen Kanzerogenitätsstudien durchgeführt. Evidenz aus der
Literatur zeigt, dass Decitabin ein kanzerogenes Potenzial aufweist. Die verfügbaren Daten aus invitro- und in vivo-Studien bieten ausreichende Nachweise dafür, dass Decitabin über ein genotoxisches
Potenzial verfügt. Literaturdaten zeigen auch, dass Decitabin unerwünschte Wirkungen auf alle
Aspekte des Reproduktionszyklus zeigt, einschließlich Fertilität, embryonale/fötale und postnatale
Entwicklung. Toxizitätsstudien mit mehrfachen Behandlungszyklen und Mehrfach-Dosen an Rattenund Kaninchen zeigten, dass Myelosuppression, einschließlich Wirkungen auf das Knochenmark, dieprimäre Toxizität darstellte, die bei Beendigung der Behandlung reversibel war. Gastrointestinale
Toxizität wurde ebenfalls beobachtet und bei männlichen Tieren testikuläre Atrophie, die sichinnerhalb der vorgesehenen Erholungsphasen nicht zurückbildete. Die Anwendung von Decitabin beineugeborenen oder jungen Ratten zeigte ein vergleichbares generelles Toxizitätsprofil wie bei älteren
Ratten. Die verhaltensneurologische Entwicklung und die Reproduktionskapazität wurden beineugeborenen oder jungen Ratten, die mit Dosierungen behandelt wurden, die eine Myelosuppressionverursachen, nicht beeinflusst. Siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindernund Jugendlichen.
Kaliumdihydrogenphosphat (E340)
Natriumhydroxid (E524)
Salzsäure (zur pH-Wert-Einstellung)
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6. aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
Ungeöffnete Durchstechflasche3 Jahre
Rekonstituierte und verdünnte LösungInnerhalb von 15 Minuten nach Rekonstitution muss das Konzentrat (in 10 ml sterilem Wasser für
Injektionszwecke) mit gekühlten (2 °C - 8 °C) Infusionsflüssigkeiten weiter verdünnt werden. Die aufdiese Weise verdünnte Lösung zur intravenösen Infusion kann vor der Anwendung bei 2 °C - 8 °C fürmaximal 3 Stunden und anschließend bis zu 1 Stunde bei Raumtemperatur (20 °C - 25 °C) gelagertwerden.
Aus mikrobiologischer Sicht soll die Zubereitung innerhalb des oben empfohlenen Zeitraumsangewendet werden. Es liegt in der Verantwortung des Anwenders, die empfohlenen
Aufbewahrungszeiten und -bedingungen einzuhalten und sicherzustellen, dass die Rekonstitution unteraseptischen Bedingungen erfolgt.
Nicht über 25 °C lagern.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution und Verdünnung des Arzneimittels, siehe
Abschnitt 6.3.
20-ml-Durchstechflasche aus klarem farblosem Typ-I-Glas, versiegelt mit einem Butyl-Gummistopfenund einem Aluminiumverschluss mit Schnappdeckel aus Kunststoff, die 50 mg Decitabin enthält.
Packungsgröße: 1 Durchstechflasche.
Empfehlungen für eine sichere Handhabung
Hautkontakt mit der Lösung soll vermieden werden und es müssen Schutzhandschuhe getragenwerden. Die Standardvorschriften zur Handhabung von zytotoxischen Arzneimitteln müssen beachtetwerden.
RekonstitutionDas Pulver soll unter aseptischen Bedingungen mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke rekonstituiertwerden. Nach Rekonstitution enthält jeder ml etwa 5 mg Decitabin bei einem pH von 6,7 bis 7,3.
Innerhalb von 15 Minuten nach der Rekonstitution muss die Lösung mit gekühlten
Infusionsflüssigkeiten (isotonischer Natriumchloridlösung 9 mg/ml [0,9 %] für Injektionszwecke oder5%iger Glucoselösung für Injektionszwecke) auf eine endgültige Konzentration von 0,15 bis1,0 mg/ml weiter verdünnt werden. Haltbarkeit und Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung nach
Rekonstitution, siehe Abschnitt 6.3.
Dacogen soll nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln über denselben intravenösen Zugang bzw.dieselbe Infusionsleitung infundiert werden.
BeseitigungDieses Arzneimittel ist nur zur einmaligen Anwendung. Nicht verwendetes Arzneimittel oder
Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
Janssen-Cilag International NV
Turnhoutseweg 30
B-2340 Beerse
Belgien
EU/1/12/792/001
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 20. September 2012
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 22. Mai 2017
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur unter http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.