Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels CLORURA DE METILTIONINIU PROVEBLUE 5mg / ml injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Methylthioniniumchlorid Proveblue 5 mg/ml Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml Lösung enthält 5 mg Methylthioniniumchlorid.
Jede 10-ml-Ampulle enthält 50 mg Methylthioniniumchlorid.
Jede 2-ml-Ampulle enthält 10 mg Methylthioniniumchlorid.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung (Injektion)
Klare dunkelblaue Lösung mit einem pH-Wert zwischen 3,0 und 4,5.
Die Osmolalität liegt gewöhnlich zwischen 10 und 15 mOsm/kg.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Akute symptomatische Behandlung einer durch Arzneimittel und Chemikalien induzierten
Methämoglobinämie.
Methylthioniniumchlorid Proveblue wird angewendet bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen(im Alter von 0 bis 17 Jahren).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Methylthioniniumchlorid Proveblue ist von Ärzten bzw. medizinischem Fachpersonal zuverabreichen.
DosierungErwachseneDie übliche Dosis ist 1 bis 2 mg pro kg Körpergewicht, d. h. 0,2-0,4 ml pro kg Körpergewicht,verabreicht über einen Zeitraum von 5 Minuten.
Eine Wiederholungsdosis (1 bis 2 mg/kg Körpergewicht, d. h. 0,2-0,4 ml/kg Körpergewicht) kann eine
Stunde nach der ersten Dosis verabreicht werden, wenn die Symptome persistieren oder rezidivierenoder wenn die Methämoglobinspiegel wesentlich höher als der klinische Normalbereich bleiben.
Die Behandlung dauert üblicherweise nicht länger als einen Tag.
Die empfohlene kumulative Höchstdosis für die Behandlung beträgt 7 mg/kg und soll nichtüberschritten werden, da die Verabreichung von Methylthioniniumchlorid über der Höchstdosis beianfälligen Patienten eine Methämoglobinämie verursachen kann.
Im Falle einer durch Anilin oder Dapson induzierten Methämoglobinämie ist die empfohlenekumulative Höchstdosis für die Behandlung 4 mg/kg (siehe Abschnitt 4.4).
Da zu wenige Daten zur Verfügung stehen, kann keine Dosierungsempfehlung für eine Dauerinfusiongegeben werden.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenBei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich.
NierenfunktionsstörungBei Säuglingen über 3 Monaten, Kindern und Jugendlichen sowie bei Erwachsenen beträgt dieempfohlene Dosierung für Patienten mit mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR 30-59 ml/min/1,73 m2) 1-2 mg/kg Körpergewicht. Wird eine Dosis von 1 mg/kg verabreicht, kann eine
Stunde nach der ersten Dosis eine weitere Dosis von 1 mg/kg verabreicht werden, wenn die Symptomeanhalten oder wiederkehren oder wenn die Methämoglobinwerte deutlich über dem normalenklinischen Bereich bleiben. Die empfohlene maximale kumulative Dosis für die gesamte
Behandlungsdauer beträgt 2 mg/kg (siehe Abschnitt 5.2).
Bei Säuglingen über 3 Monaten, Kindern und Jugendlichen sowie bei Erwachsenen mit schwerer
Nierenfunktionsstörung (eGFR 15-29 ml/min/1,73 m2) wird eine Einzeldosis von 1 mg/kg
Körpergewicht empfohlen. Die empfohlene maximale kumulative Dosis für die gesamte
Behandlungsdauer beträgt 1 mg/kg.
Methylthioniniumchlorid ist bei Säuglingen im Alter von 3 Monaten oder jünger und bei
Neugeborenen mit mittelschwerer bis schwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR 15-59 ml/min/1,73 m2)mit Vorsicht anzuwenden, da keine Daten vorliegen und Methylthioniniumchlorid überwiegend überdie Nieren ausgeschieden wird. Niedrigere kumulative maximale Dosen (< 0,5 mg/kg Körpergewicht)können in Betracht gezogen werden.
Bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung (eGFR 60-89 ml/min/1,73 m2) wird keine
Dosisanpassung empfohlen.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Methylthioniniumchlorid bei Patienten mit Nierenerkrankungenim Endstadium mit und ohne Dialyse ist noch nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
LeberfunktionsstörungDie Sicherheit und Wirksamkeit von Methylthioniniumchlorid bei Patienten mit eingeschränkter
Leberfunktion ist bisher nicht nachgewiesen worden.
Es liegen keine Daten vor.
Kinder und JugendlicheSäuglinge über 3 Monate, Kinder und Jugendliche:
Dieselbe Dosierung wie bei Erwachsenen.
Säuglinge bis 3 Monate und Neugeborene:
Die empfohlene Dosis ist 0,3-0,5 mg/kg Körpergewicht, d. h. 0,06 bis 0,1 ml/kg Körpergewicht,verabreicht über einen Zeitraum von 5 Minuten.
Eine Wiederholungsdosis (0,3 bis 0,5 mg/kg Körpergewicht, d. h. 0,06-0,1 ml/kg Körpergewicht)kann eine Stunde nach der ersten Dosis verabreicht werden, wenn die Symptome persistieren oderrezidivieren oder wenn die Methämoglobinspiegel wesentlich höher als der klinische Normalbereichbleiben (siehe wichtige Sicherheitshinweise in Abschnitt 4.4).
Die Behandlung dauert üblicherweise nicht länger als einen Tag.
Art der AnwendungZur intravenösen Anwendung.
Methylthioniniumchlorid Proveblue ist hypotonisch und kann in 50 ml Glucose-Injektionslösung50 mg/ml (5 %) verdünnt werden, um lokale Schmerzen zu vermeiden, insbesondere bei Kindern und
Jugendlichen.
Es muss sehr langsam über einen Zeitraum von 5 Minuten injiziert werden.
Es darf nicht subkutan oder intrathekal injiziert werden.
Hinweise zur Handhabung und Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe
Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
* Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Thiazinfarbstoffe
* Patienten mit Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase (G6PD)
* Mangel aufgrund des Risikos einer hämolytischen Anämie
* Patienten mit durch Nitrit induzierter Methämoglobinämie während der Behandlung von
Zyanid-Vergiftung
* Patienten mit Methämoglobinämie durch Chloratvergiftung
* Mangel an NADPH (Nicotinamid-adenin-dinucleotid-phosphat)-Reduktase.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
AllgemeinMethylthioniniumchlorid Proveblue muss sehr langsam über einen Zeitraum von 5 Minuten injiziertwerden, um zu verhindern, dass hohe lokale Konzentrationen der Substanz zusätzliches
Methämoglobin produzieren.
Es verleiht dem Urin und dem Stuhl eine blaugrüne Farbe sowie der Haut eine blaue Farbe, was die
Diagnose einer Zyanose erschweren kann.
Bei Patienten mit durch Anilin induzierter Methämoglobinämie können wiederholte Dosen von
Methylthioniniumchlorid erforderlich sein. Während der Behandlung mit Methylthioniniumchlorid ist
Vorsicht geboten, da diese Behandlung die Bildung von Heinz-Körpern verstärken und diehämolytische Anämie verschlimmern kann. Daher sollten niedrigere Dosen in Betracht gezogen undeine kumulative Gesamtdosis von 4 mg/kg nicht überschritten werden.
Methylthioniniumchlorid Proveblue kann eine durch Dapson induzierte hämolytische Anämieaufgrund der Bildung des reaktiven Metaboliten Dapsonhydroxylamin, der Hämoglobin oxidiert,verschlimmern. Es wird empfohlen, bei Patienten mit einer durch Dapson induzierten
Methämoglobinämie im Laufe der Behandlung eine kumulative Dosis von 4 mg/kg nicht zuüberschreiten.
Bei Verdacht auf Methämoglobinämie ist es ratsam, die Sauerstoffsättigung nach Möglichkeit mittels
CO-Oxymetrie zu messen, da die Pulsoxymetrie während der Verabreichung von
Methylthioniniumchlorid einen falschen Messwert für die Sauerstoffsättigung liefern kann.
Anästhesisten sollten bei Patienten unter Dapsontherapie sorgfältig auf eine Methämoglobinämie undbei Verabreichung von Methylthioniniumchlorid Proveblue auf eine mögliche Störung des BIS(Bispektraler Index) achten.
Während und nach der Behandlung mit Methylthioniniumchlorid Proveblue sind das
Elektrokardiogramm (EKG) und der Blutdruck zu überwachen, da Hypotonie und
Herzrhythmusstörungen mögliche Nebenwirkungen sind (siehe Abschnitt 4.8).
Ein Nichtansprechen auf Methylthioniniumchlorid deutet auf einen Cytochrom-b5-Reduktase-Mangel,einen Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel oder eine Sulfhämoglobinämie hin. In diesem Fallsollten alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.
Methylthioniniumchlorid kann bei Anwendung in Kombination mit serotonergen Arzneimitteln einschweres oder tödlich verlaufendes Serotoninsyndrom verursachen. Die gleichzeitige Anwendung von
Methylthioniniumchlorid und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), Serotonin-
Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRIs), Monoaminooxidase-Hemmern und Opioiden ist zuvermeiden (siehe Abschnitt 4.5).
Patienten, die mit einer Kombination aus Methylthioniniumchlorid und serotonergen Arzneimittelnbehandelt werden, sollten hinsichtlich des Auftretens des Serotoninsyndroms überwacht werden. Falls
Symptome eines Serotoninsyndroms auftreten, ist Methylthioniniumchlorid abzusetzen und eineunterstützende Behandlung einzuleiten.
Patienten mit Hyperglykämie oder Diabetes mellitus
Bei Verdünnung in Glucose-Injektionslösung 50 mg/ml (5 %) ist Methylthioniniumchlorid bei
Patienten mit Hyperglykämie oder Diabetes mellitus mit Vorsicht anzuwenden, da diese Zuständedurch die Glucoselösung verschlimmert werden können.
Kinder und JugendlicheÄußerste Vorsicht ist bei Verabreichung an Neugeborene und Säuglinge unter 3 Monaten geboten, dabei ihnen niedrigere Konzentrationen von NADPH-Methämoglobin-Reduktase erforderlich sind, um
Methämoglobin zu Hämoglobin zu reduzierend. Daher sind diese Kinder anfälliger für eine durchhohe Dosen von Methylthioniniumchlorid ausgelöste Methämoglobinämie.
PhotosensitivitätMethylthioniniumchlorid kann eine kutane Photosensitivitätsreaktion verursachen bei Exposition mitstarken Lichtquellen, wie Phototherapie, solche, die in Operationssälen verfügbar sind oder lokale
Beleuchtungsvorrichtungen wie Pulsoximeter.
Empfehlen Sie den Patienten, Schutzmaßnahmen gegen Lichteinwirkung zu ergreifen, da
Photosensitivität nach der Verabreichung von Methylthioniniumchlorid auftreten kann.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Methylthioniniumchlorid sollte vermieden werden bei Patienten unter Behandlung mit Arzneimitteln,die die Serotonin-Wirkung verstärken weil die Möglichkeit schwerer zentralnervöser Reaktionenbesteht, darunter das potenziell tödlich verlaufende Serotoninsyndrom. Dazu gehören SSRI (selektive
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Bupropion, Buspiron, Clomipramin, Mirtazapin und Venlafaxin.
Opioide, zum Beispiel Tramadol, Fentanyl, Pethidin und Dextromethorphan, können bei Anwendungin Kombination mit Methylthioniniumchlorid ebenfalls das Risiko der Entwicklung eines
Serotoninsyndroms erhöhen. Wenn die intravenöse Anwendung von Methylthioniniumchlorid bei
Patienten, die mit solchen Arzneimitteln behandelt werden, nicht vermeidbar ist, sollte dieniedrigstmögliche Dosis gewählt und der Patient bis zu 4 Stunden nach der Verabreichung sorgfältigauf zentralnervöse Wirkungen überwacht werden (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).
Methylthioniniumchlorid ist ein wirksamer reversibler Monoaminooxidase-Hemmer (siehe Abschnitt4.4).
Methylthioniniumchlorid ist ein In-vitro-Induktor von CYP1A2. Diese Wechselwirkung wird alsklinisch nicht relevant angesehen, da die Behandlung mit Methylthioniniumchlorid normalerweisenicht länger als einen Tag dauert.
In einer Studie über Arzneimittelinteraktionen hatte eine einzelne intravenöse Dosis von 2 mg/kg
Methylthioniniumchlorid Proveblue keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik von
Midazolam (CYP3A4), Koffein (CYP1A2), Omeprazol (CYP2C19), Warfarin (CYP2C9) und
Dextromethorphan (CYP2D6).
Methylthioniniumchlorid ist ein potenter Inhibitor der Transporter OCT2, MATE1 und MATE2-K.
Die klinische Relevanz dieser Hemmungen ist nicht bekannt. Die Verabreichung von
Methylthioniniumchlorid Proveblue kann vorrübergehend die Exposition von Wirkstoffen,einschließlich Cimetidin, Metformin und Aciclovir erhöhen, die in erster Linie über renale OCT2-oder MATE-abhängige Transportmechanismen ausgeschieden werden.
Methylthioniniumchlorid ist ein Substrat von P-Glykoprotein (P-gp). Die klinische Relevanz wirdaufgrund der vorübergehenden Anwendung einer Einzeldosis, die in der Regel nur in Notsituationenerfolgt, als äußerst gering eingestuft.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen keine adäquaten Erfahrungen mit der Anwendung von Methylthioniniumchlorid bei
Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe
Abschnitt 5.3). Das potenzielle Risiko für Menschen ist nicht bekannt. Methylthioniniumchlorid darfwährend der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich,z. B. bei lebensbedrohlicher Methämoglobinämie.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Methylthioniniumchlorid in die Muttermilch übergeht. Die Ausscheidung von
Methylthioniniumchlorid in die Milch wurde nicht bei Tieren untersucht. Ein Risiko für den Säuglingkann nicht ausgeschlossen werden. Auf der Basis von kinetischen Daten soll das Stillen bis 8 Tagenach der Behandlung mit Methylthioniniumchlorid Proveblue unterbrochen werden.
FertilitätIn vitro wurde gezeigt, dass Methylthioniniumchlorid die Motilität menschlicher Spermiendosisabhängig herabsetzt.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenMethylthioniniumchlorid hat mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen. Die Verkehrstüchtigkeit kann durch Verwirrtheit, Schwindel und mögliche
Sehstörungen beeinträchtigt sein.
Das Risiko ist jedoch begrenzt, da das Arzneimittel zur akuten Anwendung nur in Notfallsituationenim Krankenhaus vorgesehen ist.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie in klinischen Studien am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Schwindel, Parästhesie,
Geschmacksstörung, Übelkeit, Hautverfärbungen, Chromaturie, Hyperhidrosis, Schmerzen an der
Injektionsstelle und Schmerzen in einer Extremität.
Die intravenöse Injektion von Methylthioniniumchlorid verursachte gelegentlich Hypotonie und
Herzrhythmusstörungen, die in seltenen Fällen tödlich verlaufen können.
Tabellarische Liste der NebenwirkungenDie in der folgenden Tabelle aufgeführten Nebenwirkungen treten bei Erwachsenen, Kindern und
Jugendlichen (im Alter von 0 bis 17 Jahren) nach intravenöser Anwendung auf (mit Ausnahme von
Hyperbilirubinämie, die nur bei Säuglingen beobachtet wurde). Die Häufigkeiten sind nicht bekannt(auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Wo Häufigkeiten angegeben sind,basieren sie auf sehr kleinen Populationen.
Systemorganklasse Nebenwirkungen Häufigkeit
Erkrankungen des Blutes und des Methämoglobinämie Nicht bekannt
Lymphsystems
Hyperbilirubinämie1 Nicht bekannt
Hämolytische Anämie Nicht bekannt
Erkrankungen des Immunsystems Anaphylaktische Reaktionen Nicht bekannt
Psychiatrische Erkrankungen Verwirrtheitszustand Nicht bekannt
Agitation Nicht bekannt
Erkrankungen des Nervensystems Schwindel, Sehr häufig
Kopfschmerzen Häufig
Angst Häufig
Tremor Nicht bekannt
Fieber Nicht bekannt
Aphasie Nicht bekannt
Parästhesie Sehr häufig
Geschmacksstörung Sehr häufig
Serotoninsyndrom bei Nicht bekanntgleichzeitiger Anwendungserotonerger Arzneimittel (siehe
Abschnitt 4.4 und Abschnitt 4.5)
Augenerkrankungen Mydriasis Nicht bekannt
Herzerkrankungen Herzrhythmusstörung Nicht bekannt
Tachykardie Nicht bekannt
Gefäßerkrankungen Hypertonie Nicht bekannt
Hypotonie Nicht bekannt
Erkrankungen der Atemwege, des Dyspnoe Nicht bekannt
Brustraums und Mediastinums
Tachypnoe Nicht bekannt
Hypoxie Nicht bekannt
Erkrankungen des Übelkeit, Sehr häufig
Gastrointestinaltrakts
Erbrechen Häufig
Bauchschmerzen Häufig
Stuhlverfärbung (blaugrün) Nicht bekannt
Erkrankungen der Haut und des Hautverfärbung (blau) Sehr häufig
Unterhautzellgewebes
Schwitzen Sehr häufig
Urtikaria Nicht bekannt
Phototoxizität/Photosensitivität Nicht bekannt
Erkrankungen der Nieren und Chromaturie (blaugrün) Sehr häufig
Harnwege
Allgemeine Erkrankungen und Thoraxschmerzen Häufig
Beschwerden am Verabreichungsort
Lokale Gewebsnekrose an der Nicht bekannt
Injektionsstelle
Schmerzen an der Injektionsstelle Häufig
Untersuchungen Hämoglobin erhöht Nicht bekannt
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs-
Schmerzen in einer Extremität Sehr häufigund Knochenerkrankungen1 Nur bei Säuglingen beobachtet
Kinder und JugendlicheDie Nebenwirkungen sind dieselben wie bei Erwachsenen (außer Hyperbilirubinämie, die nur bei
Säuglingen beobachtet wurde).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Personen ohne Methämoglobinämie
Die Verabreichung hoher intravenöser Dosen (≥ 7 mg/kg) von Methylthioniniumchlorid Proveblue an
Personen ohne Methämoglobinämie führt zu Übelkeit und Erbrechen, Engegefühl in der Brust,
Thoraxschmerzen, Tachykardie, Ängstlichkeit, starkem Schwitzen, Tremor, Mydriasis, blaugrüner
Färbung des Urins, blauer Färbung von Haut und Schleimhäuten, Bauchschmerzen, Schwindel,
Parästhesie, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Hypertonie, leichter Methämoglobinämie (bis zu 7 %) undelektrokardiografischen Veränderungen (T-Wellen-Abflachung oder -Inversion). Diese Symptomeklingen im Allgemeinen innerhalb von 2-12 Stunden nach der Injektion wieder ab.
Personen mit Methämoglobinämie
Kumulative Dosen von Methylthioniniumchlorid können zu Dyspnoe und Tachypnoe, vermutlichbedingt durch die reduzierte Sauerstoffverfügbarkeit infolge der Methämoglobinämie,
Thoraxschmerzen, Tremor, Zyanose und hämolytischer Anämie führen.
Eine hämolytische Anämie wurde auch bei schwerer Überdosierung (20-30 mg/kg) bei Säuglingenund Erwachsenen mit durch Anilin oder Chlorate verursachter Methämoglobinämie beobachtet. Bei
Patienten mit schwerer Hämolyse kann eine Hämodialyse durchgeführt werden.
Kinder und JugendlicheBei Säuglingen wurde nach Verabreichung von 20 mg/kg Methylthioniniumchlorid eine
Hyperbilirubinämie beobachtet.
Zwei Säuglinge verstarben nach Verabreichung von 20 mg/kg Methylthioniniumchlorid. Bei beiden
Säuglingen lagen komplexe medizinische Umstände vor, und sie sprachen nur teilweise auf
Methylthioniniumchlorid an.
Der Patient sollte unter Beobachtung bleiben, der Methämoglobinspiegel sollte überwacht und bei
Bedarf sollten geeignete unterstützende Maßnahmen getroffen werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: alle übrigen therapeutischen Mittel, Antidote,
ATC-Code: V03AB17
In vivo beschleunigt Methylthioniniumchlorid in niedriger Konzentration die Konversion von
Methämoglobin zu Hämoglobin.
Es wurde beobachtet, dass Methylthioniniumchlorid Proveblue Gewebe selektiv färbt. Die
Anwendung in der Nebenschilddrüsenchirurgie (keine Indikation) hat bei gleichzeitiger
Verabreichung mit serotonergen Arzneimitteln zu unerwünschten zentralnervösen Wirkungen geführt(siehe Abschnitt 4.5).
Kinder und JugendlicheDie Wirksamkeit von Methylthioniniumchlorid zur Behandlung der Methämoglobinämie bei Kindernund Jugendlichen wurde in zwei retrospektiven Studien und einer offenen randomisierten klinischen
Prüfung nachgewiesen. Fallberichte über die Wirksamkeit finden sich auch in der Literatur.
Siehe Abschnitt 4.4 bezüglich wichtiger Sicherheitsinformationen.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Methylthioniniumchlorid Proveblue wird nach intravenöser Anwendung rasch in die Gewebeaufgenommen. Auch auf oralem Weg wird es gut resorbiert. Der größte Teil der Dosis wird im Urinausgeschieden, gewöhnlich in Form von Leucomethylthioniniumchlorid.
Die mittlere (SD) terminale Halbwertszeit von Methylthioniniumchlorid nach intravenöser
Verabreichung beträgt 24,7 (7,2) Stunden.
Nach einer Einzeldosis von 1 mg/kg Methylthioniniumchlorid stieg die AUC0-96Std. bei Patienten mitleichter (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) 60 - 89 ml/min/1,73 m2), mittelschwerer(eGFR 30-59 ml/min/1,73m2) bzw. schwerer (eGFR 15-29 ml/min/1,73 m2) Nierenfunktionsstörungum 52 %, 116 % bzw. 192 %. Die Cmax stieg um 42 %, 34 % bzw. 15 % bei Patienten mit leichter,mittelschwerer bzw. schwerer Nierenfunktionsstörung. Die Halbwertszeit blieb bei Patienten mitleichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung unverändert. Eine längere mittlere Halbwertszeitvon 33 Stunden wurde bei Personen mit schwerer Nierenfunktionsstörung beobachtet.
Die AUC0-96Std. von Azure B nach einer Einzeldosis von 1 mg/kg stieg bei Probanden mit leichter(geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) 60 - 89 ml/min/1,73 m2), mittelschwerer (eGFR 30-59 ml/min/1,73 m2) bzw. schwerer (eGFR 15-29 ml/min/1,73m2) Nierenfunktionsstörung um 29 %, 94% bzw. 339 %. Die Cmax stieg um 23 %, 13 % bzw. 65 % bei Patienten mit leichter, mittelschwererbzw. schwerer Nierenfunktionsstörung.
Methylthioninium Proveblue ist ein In-vitro-Inhibitor von P-gp.
Methylthioninium Proveblue ist kein In-vitro-Substrat für BCRP oder OCT2 und ist kein In-vitro-
Inhibitor von BCRP, OAT1 oder OAT3.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Toxizität bei wiederholter GabeEine einmonatige Toxizitätsstudie mit wiederholter Gabe bei Hunden zeigte keine makroskopischentoxischen Wirkungen.
Nebenwirkungen, die nach Exposition im humantherapeutischen Bereich auftraten und alsmöglicherweise relevant für die klinische Anwendung zu bewerten sind, waren eine mäßigeregenerative Anämie einhergehend mit erhöhter mittlerer Thrombozytenzahl und Fibrinogenspiegeln,ein minimaler Anstieg der mittleren Gesamtbilirubin-Blutwerte und eine erhöhte Inzidenz vonmoderaten Urinbilirubinwerten.
GenotoxizitätMethylthioniniumchlorid war in Genmutationstests an Bakterien und Mauslymphomzellen mutagen,nicht jedoch in einem In-vivo-Maus-Mikrokerntest bei intravenöser Verabreichung in einer Dosis von62 mg/kg.
KarzinogenitätHinweise auf eine karzinogene Aktivität von Methylthioniniumchlorid zeigten sich bei männlichen
Mäusen und männlichen Ratten. Bei weiblichen Mäusen wurde ein nicht eindeutiger Hinweis auf einekarzinogene Aktivität beobachtet. Bei weiblichen Ratten wurde kein Hinweis auf eine karzinogene
Aktivität beobachtet.
ReproduktionstoxizitätIn vitro wurde gezeigt, dass Methylthioniniumchlorid die Motilität menschlicher Spermiendosisabhängig herabsetzt. Außerdem hemmt es nachweislich das Wachstum kultivierter Maus-
Zweizellembryos und die Produktion von Progesteron in kultivierten humanen Lutealzellen.
Bei Ratten und Kaninchen wurden teratogene Wirkungen sowie fetale und maternale Toxizitätfestgestellt. Außerdem wurden bei Ratten erhöhte Resorptionsraten beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Dieses Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden. Es darf vor Allem nicht mit isotonischer Natriumchloridlösung zur
Injektion gemischt werden, weil nachgewiesen wurde, dass Chlorid die Löslichkeit von
Methylthioniniumchlorid reduziert.
6.3 Haltbarkeit
4 Jahre.
Nach dem Öffnen oder Verdünnung: Aus mikrobiologischer Sicht muss das Arzneimittel sofortverwendet werden, es sei denn, die Methode des Öffnens/Verdünnungs schließt das Risiko einermikrobiellen Kontamination aus. Falls es nicht sofort verwendet wird, liegen Aufbewahrungsdauerund -bedingungen des gebrauchsfertigen Arzneimittels in der Verantwortung des Anwenders.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren.
Die Ampulle in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Verdünnung des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Typ-I-Glas-Ampullen.
Jeder Umkarton enthält einen Einsatz mit 5 Ampullen à 10 ml.
Jeder Umkarton enthält einen Einsatz mit 5 oder 20 Ampullen à 2 ml.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungNur zur einmaligen Anwendung.
Methylthioniniumchlorid Proveblue kann in 50 ml Glucose-Injektionslösung 50 mg/ml (5 %) verdünntwerden, um lokale Schmerzen zu vermeiden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Es wird empfohlen, vor der Anwendung zu überprüfen, ob die Lösung frei von Partikeln ist.
Methylthioniniumchlorid Proveblue darf nicht verwendet werden, wenn die Lösung verfärbt, nichtklar oder trüb ist oder Ausfällungen oder Partikel enthält.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
PROVEPHARM SAS22 rue Marc Donadille, 13013 Marseille, Frankreich
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/11/682/001
EU/1/11/682/002
EU/1/11/682/003
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 6 Mai 2011
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 8. Februar 2016
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.