Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, Komplementinhibitoren, ATC-Code: L04A J02
WirkmechanismusRavulizumab ist ein monoklonaler IgG2/4K-Antikörper, der spezifisch an das Komplementprotein C5bindet und dadurch dessen Spaltung in C5a (das proinflammatorische Anaphylatoxin) und C5b (dieinitiierende Untereinheit des Membranangriffskomplexes [MAC oder C5b-9]) hemmt und die Bildungdes C5b-9 verhindert. Ravulizumab erhält die frühen Komponenten der Komplementaktivierung, dievon wesentlicher Bedeutung für die Opsonisierung von Mikroorganismen und die Elimination(Clearance) von Immunkomplexen sind.
Pharmakodynamische WirkungenNach der Ravulizumab-Behandlung wurde sowohl bei zuvor nicht mit Komplementinhibitorenbehandelten erwachsenen und pädiatrischen Patienten als auch bei mit Eculizumab vorbehandelten
Patienten mit PNH in Phase-3-Studien eine sofortige, vollständige und anhaltende Hemmung vonfreiem Serum-C5 (Konzentration von < 0,5 µg/ml) am Ende der ersten Infusion beobachtet und überden gesamten 26-wöchigen Behandlungszeitraum aufrechterhalten, und zwar bei allen Patienten. Einesofortige und vollständige Hemmung von freiem C5 im Serum wurde auch bei erwachsenen undpädiatrischen Patienten mit aHUS, bei erwachsenen Patienten mit gMG und bei erwachsenen
Patienten mit NMOSD am Ende der ersten Infusion und während des primären Behandlungszeitraumsbeobachtet.
Umfang und Dauer des pharmakodynamischen Ansprechens bei Patienten mit PNH, aHUS, gMG oder
NMOSD waren bei Ravulizumab expositionsabhängig. Konzentrationen von freiem C5 von wenigerals 0,5 µg/ml korrelierten mit einer maximalen intravasalen Hämolysekontrolle und einervollständigen Hemmung des terminalen Komplements. Bei gMG führt die Aktivierung des terminalen
Komplements zu MAC-Ablagerungen an den neuromuskulären Verbindungsstellen und zu einer
Beeinträchtigung der neuromuskulären Übertragung. Bei NMOSD führt eine Aktivierung desterminalen Komplements zur MAC-Entstehung und C5a-abhängigen Entzündung, Astrozytennekroseund Schädigung von umliegenden Ganglienzellen und Neuronen.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitParoxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ravulizumab bei erwachsenen Patienten mit PNH wurden inzwei offenen, randomisierten, aktiv kontrollierten Phase-3-Studien untersucht:
- einer Studie mit erwachsenen Patienten mit PNH, die zuvor nicht mit Komplementinhibitorenbehandelt worden waren,
- einer Studie mit erwachsenen Patienten mit PNH, die klinisch stabil waren, nachdem siemindestens in den 6 Monaten zuvor mit Eculizumab behandelt worden waren.
Ravulizumab wurde gemäß dem empfohlenen, in Abschnitt 4.2 beschriebenen Dosierungsschema(4 Infusionen von Ravulizumab über 26 Wochen) angewendet, während Eculizumab gemäß demzugelassenen Dosierungsschema von Eculizumab 600 mg wöchentlich in den ersten 4 Wochen und900 mg alle 2 Wochen (15 Infusionen über 26 Wochen) verabreicht wurde.
Die Patienten wurden vor bzw. zu Beginn der Behandlung mit Ravulizumab bzw. Eculizumab gegen
Meningokokkeninfektion geimpft oder erhielten bis 2 Wochen nach der Impfung eine prophylaktische
Behandlung mit entsprechenden Antibiotika.
Zwischen der Ravulizumab- und der Eculizumab-Behandlungsgruppe bestanden in keiner der beiden
Phase-3-Studien nennenswerte Unterschiede bei den demografischen oder zu Studienbeginnvorliegenden Merkmalen. Die 12-monatige Transfusionshistorie war in beiden Phase-3-Studien in der
Ravulizumab- und der Eculizumab-Behandlungsgruppe ähnlich.
Studie bei erwachsenen PNH-Patienten, die zuvor nicht mit Komplementinhibitoren behandelt wordenwaren (ALXN1210-PNH-301)
Die Studie mit zuvor nicht mit Komplementinhibitoren behandelten Patienten war eine 26-wöchige,multizentrische, offene, randomisierte, aktiv kontrollierte Phase-3-Studie, die mit 246 Patientendurchgeführt wurde, die vor Studieneintritt nicht mit Komplementinhibitoren behandelt wordenwaren; gefolgt von einer Langzeit-Verlängerungsphase, in der alle Patienten Ravulizumab erhielten.
Geeignete Patienten für diese Studie mussten eine hohe Krankheitsaktivität, definiert als LDH-Wert≥ 1,5 × ULN (Upper Limit of Normal/oberer Grenzwert) beim Screening sowie das Vorhandenseinvon einem oder mehreren der folgenden PNH-bedingten Anzeichen oder Symptome innerhalb von3 Monaten vor dem Screening aufweisen: Ermüdung/Fatigue, Hämoglobinurie, Abdominalschmerz,
Kurzatmigkeit (Dyspnoe), Anämie (Hämoglobin < 10 g/dl), ein zurückliegendes schwerwiegendesunerwünschtes vaskuläres Ereignis (einschließlich Thrombose), Dysphagie oder Erektionsstörung;oder eine zurückliegende PNH-bedingte Transfusion von Erythrozytenkonzentraten.
Mehr als 80 % der Patienten in beiden Behandlungsgruppen hatten innerhalb von 12 Monaten vor
Studieneintritt eine Transfusion erhalten. Die Mehrheit der Studienpopulation, die zuvor nicht mit
Komplementinhibitoren behandelt worden war, war zu Studienbeginn stark hämolytisch; 86,2 % dereingeschlossenen Patienten wiesen im Zusammenhang mit PNH einen erhöhten LDH-Wert ≥ 3 × ULNauf, was ein direktes Maß für die intravaskuläre Hämolyse darstellt.
Die Tabelle 10 zeigt die Merkmale der PNH-Patienten, die zu Studienbeginn zuvor nicht mit
Komplementinhibitoren behandelten wurden; zwischen den Behandlungsarmen wurden keine klinischbedeutsamen Unterschiede beobachtet.
Tabelle 10: Merkmale zu Studienbeginn in der Studie bei zuvor nicht mit
Komplementinhibitoren behandelten Patienten
Parameter Statistik Ravulizumab Eculizumab(N = 125) (N = 121)
Alter (in Jahren) bei PNH-Diagnose Mittelwert 37,9 (14,90) 39,6 (16,65)(SD)
Median 34,0 36,5
Min.; Max. 15; 81 13; 82
Alter (in Jahren) bei der ersten Mittelwert 44,8 (15,16) 46,2 (16,24)
Infusion in der Studie (SD)
Median 43,0 45,0
Min.; Max. 18; 83 18; 86
Geschlecht (n, %) männlich 65 (52,0) 69 (57,0)weiblich 60 (48,0) 52 (43,0)
LDH-Werte vor der Behandlung Mittelwert 1 633,5 (778,75) 1 578,3 (727,06)(SD)
Median 1 513,5 1 445,0
Anzahl Patienten mit Transfusionen n (%) 103 (82,4) 100 (82,6)von Erythrozytenkonzentraten in den12 Monaten vor der ersten Dosis
Einheiten von in den 12 Monaten vor Gesamtwert 925 861der ersten Dosis transfundierten Mittelwert 9,0 (7,74) 8,6 (7,90)
Erythrozytenkonzentraten (SD)
Median 6,0 6,0
Gesamt-PNH-Erythrozyten- Median 33,6 34,2
Klongröße
Gesamt-PNH-Granulozyten- Median 93,8 92,4
Klongröße
Parameter Statistik Ravulizumab Eculizumab(N = 125) (N = 121)
Patienten mit PNH-bedingten n (%) 121 (96,8) 120 (99,2)
Symptomen und Erkrankungena vor
Studienbeginn
Anämie 103 (82,4) 105 (86,8)
Hämaturie oder Hämoglobinurie 81 (64,8) 75 (62,0)
Aplastische Anämie 41 (32,8) 38 (31,4)
Niereninsuffizienz 19 (15,2) 11 (9,1)
Myelodysplastisches Syndrom 7 (5,6) 6 (5,0)
Schwangerschaftskomplikation 3 (2,4) 4 (3,3)
Sonstigeb 27 (21,6) 13 (10,7)a Basierend auf der Krankengeschichte.b 'Sonstige“ wie auf dem Prüfbogen angegeben beinhaltete Thrombozytopenie, chronische Nierenerkrankung und
Panzytopenie sowie eine Reihe weiterer Symptome und Erkrankungen.
Die koprimären Endpunkte waren Transfusionsvermeidung und Hämolyse, direkt gemessen an der
Normalisierung der LDH-Werte (LDH-Werte ≤ 1 × ULN; der ULN für LDH ist 246 E/l). Diewichtigen sekundären Endpunkte umfassten die prozentuale Veränderung der LDH-Werte gegenüberdem Ausgangswert, die Veränderung der Lebensqualität (FACIT-Fatigue-Score), den Anteil an
Patienten mit Durchbruchhämolyse und den Anteil an Patienten mit stabilisiertem Hämoglobinspiegel.
Bei beiden koprimären Endpunkten, Vermeidung der Transfusion von Erythrozytenkonzentratengemäß den im Prüfplan spezifizierten Richtlinien und LDH-Normalisierung von Tag 29 bis Tag 183,und bei allen vier wichtigen sekundären Endpunkten war Ravulizumab im Vergleich zu Eculizumabnicht unterlegen (Abbildung 1).
Abbildung 1: Analyse der koprimären und sekundären Endpunkte - Full Analysis Set (Studiemit zuvor nicht mit Komplementinhibitoren behandelten Patienten)
Ravulizumab Eculizumab Differenz (95%-KI)(N = 125) (N = 121)
Transfusionsvermeidung (%) 73,6 66,1 6,8 (-4,7; 18,1)
Odds Ratio (95%-KI)
LDH-Normalisierung(Odds Ratio) 53,6 49,4 1,19 (0,80; 1,77)
Differenz (95%-KI)
LDH-Veränderung gegenüber -76,8 -76,0 0,8 (-3,6; 5,2)dem Ausgangswert (%)
Veränderung des FACIT- 7,1 6,4 0,7 (-1,2; 2,6)
Fatigue-Scores
Durchbruchhämolyse (%) 4,0 10,7 6,7 (-0,2; 14,2)
Hämoglobin-Stabilisierung (%) 68,0 64,5 2,9 (-8,8; 14,6)
Zugunsten von Eculizumab Zugunsten von Ravulizumab
Hinweis: Schwarze Dreiecke zeigen die Nichtunterlegenheitsgrenzen an, graue Punkte zeigen Punktschätzungen an.
Hinweis: LDH = Lactat-Dehydrogenase; KI = Konfidenzintervall; FACIT = Functional Assessment of Chronic Illness
Therapy.
Die abschließende Wirksamkeitsanalyse der Studie bezog alle Patienten ein, die jemals mit
Ravulizumab (n = 244) behandelt worden waren und die mediane Behandlungsdauer betrug1 423 Tage. Die abschließende Analyse bestätigte, dass das im primären Auswertungszeitraumbeobachtete Ansprechen auf die Ravulizumab-Behandlung über die gesamte Studiendauer hinweganhielt.
Studie bei erwachsenen PNH-Patienten, die zuvor mit Eculizumab behandelt wurden(ALXN1210-PNH-302)
Die Studie bei zuvor mit Eculizumab behandelten Patienten war eine 26-wöchige, multizentrische,offene, randomisierte, aktiv kontrollierte Phase-3-Studie mit 195 PNH-Patienten, die klinisch stabilwaren (LDH ≤ 1,5 × ULN), nachdem sie mindestens in den 6 Monaten zuvor mit Eculizumabbehandelt worden waren; gefolgt von einer Langzeit-Verlängerungsphase, in der alle Patienten
Ravulizumab erhielten.
Die Krankengeschichte in Bezug auf PNH war in der Ravulizumab- und der Eculizumab-
Behandlungsgruppe ähnlich. Die 12-monatige Transfusionshistorie war in der Ravulizumab- und der
Eculizumab-Behandlungsgruppe ähnlich, und mehr als 87 % der Patienten in beiden
Behandlungsgruppen hatten innerhalb von 12 Monaten vor Studieneintritt keine Transfusion erhalten.
Die mittlere Gesamt-PNH-Erythrozyten-Klongröße betrug 60,05 %, die mittlere Gesamt-PNH-
Granulozyten-Klongröße betrug 83,30 % und die mittlere Gesamt-PNH-Monozyten-Klongröße betrug85,86 %.
Die Tabelle 11 zeigt die Merkmale der PNH-Patienten, die zu Studienbeginn zuvor mit Eculizumabbehandelt wurden; zwischen den Behandlungsarmen wurden keine offensichtlichen, klinischbedeutsamen Unterschiede beobachtet.
Tabelle 11: Merkmale zu Studienbeginn in der Studie bei zuvor mit Eculizumabbehandelten Patienten
Parameter Statistik Ravulizumab Eculizumab(N = 97) (N = 98)
Alter (in Jahren) bei PNH- Mittelwert (SD) 34,1 (14,41) 36,8 (14,14)
Diagnose Median 32,0 35,0
Min., Max. 6, 73 11, 74
Alter (in Jahren) bei der ersten Mittelwert (SD) 46,6 (14,41) 48,8 (13,97)
Infusion in der Studie Median 45,0 49,0
Min., Max. 18, 79 23, 77
Geschlecht (n, %) männlich 50 (51,5) 48 (49,0)weiblich 47 (48,5) 50 (51,0)
LDH-Werte vor der Behandlung Mittelwert (SD) 228,0 (48,71) 235,2 (49,71)
Median 224,0 234,0
Anzahl Patienten mit Transfusionen n (%) 13 (13,4) 12 (12,2)von
Erythrozytenkonzentrat/Vollblut inden 12 Monaten vor der ersten
Dosis
Einheiten von in den 12 Monaten Gesamtwert 103 50vor der ersten Dosis Mittelwert (SD) 7,9 (8,78) 4,2 (3,83)transfundiertem Median 4,0 2,5
Erythrozytenkonzentrat/Vollblut
Patienten mit PNH-bedingten n (%) 90 (92,8) 96 (98,0)
Symptomen und Erkrankungena vor
Studienbeginn
Anämie 64 (66,0) 67 (68,4)
Hämaturie oder Hämoglobinurie 47 (48,5) 48 (49,0)
Aplastische Anämie 34 (35,1) 39 (39,8)
Niereninsuffizienz 11 (11,3) 7 (7,1)
Myelodysplastisches Syndrom 3 (3,1) 6 (6,1)
Schwangerschaftskomplikation 4 (4,1) 9 (9,2)
Sonstigeb 14 (14,4) 14 (14,3)a Basierend auf der Krankengeschichte.b Die Kategorie 'Sonstige“ umfasste Neutropenie, Nierenfunktionsbeeinträchtigung und Thrombopenie sowie eine Reiheweiterer Symptome und Erkrankungen.
Der primäre Endpunkt war Hämolyse, gemessen an der prozentualen Veränderung der LDH-Wertegegenüber dem Ausgangswert. Die sekundären Endpunkte umfassten den Anteil an Patienten mit
Durchbruchhämolyse, die Lebensqualität (FACIT-Fatigue-Score), die Transfusionsvermeidung undden Anteil an Patienten mit stabilisiertem Hämoglobinspiegel.
Im Hinblick auf den primären Endpunkt, die prozentuale Veränderung der LDH-Konzentration vom
Ausgangswert bis Tag 183, und bei allen vier wichtigen sekundären Endpunkten war Ravulizumab im
Vergleich zu Eculizumab nicht unterlegen (Abbildung 2).
Abbildung 2: Analyse des primären und der sekundären Endpunkte - Full Analysis Set(Studie bei zuvor mit Eculizumab behandelten Patienten)
Ravulizumab Eculizumab Differenz (95%-KI)(N = 97) (N = 98)
LDH-Veränderung gegenüber -0,8 8,4 9,2 (-0,4; 18,8)dem Ausgangswert (%)
Durchbruchhämolyse (%) 0 5,1 5,1 (-8,9; 19,0)
Veränderung des FACIT- 2,0 0,5 1,5 (-0,2; 3,2)
Fatigue-Scores
Transfusionsvermeidung (%) 87,6 82,7 5,5 (-4,3; 15,7)
Hämoglobin-Stabilisierung (%) 76,3 75,5 1,4 (-10,4; 13,3)
Zugunsten von Eculizumab Zugunsten von Ravulizumab
Hinweis: Schwarze Dreiecke zeigen die Nichtunterlegenheitsgrenzen an, graue Punkte zeigen Punktschätzungen an.
Hinweis: LDH = Lactat-Dehydrogenase; KI = Konfidenzintervall.
Die abschließende Wirksamkeitsanalyse der Studie bezog alle Patienten ein, die jemals mit
Ravulizumab behandelt worden waren (n = 192) und eine mittlere Behandlungsdauer von 968 Tagenhatten. Die abschließende Analyse bestätigte, dass das im primären Auswertungszeitraum beobachtete
Ansprechen auf die Ravulizumab-Behandlung über die gesamte Studiendauer hinweg anhielt.
Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS)Studie bei erwachsenen Patienten mit aHUS (ALXN1210-aHUS-311)
Die Studie an Erwachsenen war eine multizentrische, einarmige klinische Phase-3-Studie bei Patientenmit dokumentiertem aHUS, die vor dem Eintritt in diese Studie noch keine Behandlung mit einem
Komplement-Inhibitor erhalten hatten und Anzeichen einer thrombotischen Mikroangiopathie (TMA)aufwiesen. Die Studie bestand aus einem 26-wöchigen Zeitraum für die Erstbeurteilung und die
Patienten hatten die Möglichkeit, an einem Verlängerungszeitraum von bis zu 4,5 Jahrenteilzunehmen.
Es wurden insgesamt 58 Patienten mit dokumentiertem aHUS aufgenommen. Die Einschlusskriterienschlossen Patienten aus, die mit TMA aufgrund einer ADAMTS13-Defizienz (a disintegrin andmetalloproteinase with a thrombospondin type 1 motif, member 13), einem durch Shigatoxin-produzierende Escherichia coli verursachten hämolytisch-urämischen Syndrom (STEC-HUS) undeinem genetischen Defekt im Cobalamin-C-Stoffwechsel vorstellig wurden. Zwei Patienten wurdenaufgrund der bestätigten Diagnose eines STEC-HUS aus dem vollständigen Analysesetausgeschlossen. Zu Studienbeginn zeigten 93 % der Patienten extrarenale (kardiovaskuläre,pulmonale, zentralnervöse, gastrointestinale, die Haut oder Skelettmuskulatur betreffende) Anzeichenoder Symptome eines aHUS.
Tabelle 12 zeigt die demographischen Merkmale und Ausgangsmerkmale von 56 erwachsenen
Patienten, die in Studie ALXN1210-aHUS-311 aufgenommen wurden und das vollständige
Analyseset bildeten.
Tabelle 12: Ausgangsmerkmale in der Studie an Erwachsenen
Ravulizumab
Parameter Statistik (N = 56)
Alter bei Erstinfusion (Jahre) Mittel (SD) 42,2 (14,98)
Min., Max. 19,5; 76,6
GeschlechtMännlich n (%) 19 (33,9)
Ethnie n (%)
Asiatisch 15 (26,8)
Weißhäutig 29 (51,8)
Unbekannt/sonstige 12 (21,4)
Transplantation in der Vorgeschichte n (%) 8 (14,3)
Thrombozyten (109/l) im Blut n 56
Median (Min., Max.) 95,25 (18; 473)
Hämoglobin (g/l) im Blut n 56
Median (Min., Max.) 85,00 (60,5; 140)
LDH (U/l) im Serum n 56
Median (Min., Max.) 508,00 (229,5; 3249)eGFR (ml/min/1,73 m2) n (%) 55
Median (Min., Max.) 10,00 (4; 80)
Dialyse-Patienten N (%) 29 (51,8)
Patientinnen post partum N (%) 8 (14,3)
Hinweis: Die Prozentangaben basieren auf der Gesamtzahl von Patienten.
Abkürzungen: eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; LDH: Laktatdehydrogenase; Max.: Maximum;
Min.: Minimum.
Der primäre Endpunkt war das vollständige Ansprechen der TMA während des 26-wöchigen
Zeitraums für die Erstbeurteilung, belegt durch eine Normalisierung der hämatologischen Parameter(Thrombozytenzahl ≥ 150 × 109/l und LDH ≤ 246 E/l) und eine Verbesserung des Serumkreatinins um≥ 25 % gegenüber dem Ausgangswert. Die Patienten mussten jedes Kriterium für ein vollständiges
Ansprechen der TMA bei 2 verschiedenen Beurteilungen im Abstand von mindestens 4 Wochen(28 Tagen) und bei jeder zwischenzeitlichen Messung erfüllen.
Ein vollständiges Ansprechen der TMA wurde bei 30 der 56 Patienten (53,6 %) während des26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilung beobachtet, wie es in Tabelle 13 gezeigt ist.
Tabelle 13: Analyse des vollständigen Ansprechens der TMA und der Komponenten desvollständigen Ansprechens der TMA für den 26-wöchigen Zeitraum für die
Erstbeurteilung (ALXN1210-aHUS-311)
Summe Respondern Anteil (95%-KI)a
Vollständiges Ansprechen der TMA 56 30 0,536 (0,396; 0,675)
Komponenten des vollständigen
Ansprechens der TMA
Normalisierung der 56 47 0,839 (0,734; 0,944)
Thrombozytenzahl
Normalisierung der LDH 56 43 0,768 (0,648; 0,887)≥25 %ige Verbesserung des 56 33 0,589 (0,452; 0,727)
Serumkreatinins gegenüber dem
Ausgangswert
Normalisierung der Blutwerte 56 41 0,732 (0,607; 0,857)a Die 95%-KI für den Anteil basierten auf der asymptotischen Gaußschen Approximationsmethode mit
Kontinuitätskorrektur.
Abkürzungen: KI: Konfidenzintervall; LDH: Laktatdehydrogenase; TMA: thrombotische Mikroangiopathie.
Ein vollständiges Ansprechen der TMA wurde bei sechs weiteren Patienten während der
Verlängerungsphase an den Tagen 169, 302, 401, 407, 1247 und 1359 festgestellt. Somit zeigteninsgesamt 36 von 56 Patienten ein vollständiges Ansprechen der TMA (64,3 %; 95%-KI: 50,8 %,77,7 %) bis zum Ende der Studie. Die Zahl des Ansprechens einzelner Komponenten erhöhte sich auf48 Patienten (85,7 %; 95%-KI: 75,7 %, 95,8 %) bei der Normalisierung der Thrombozytenzahl, auf49 Patienten (87,5 %; 95%-KI: 77,9 %, 97,1) bei der Normalisierung der LDH und auf 37 Patienten(66,1 %; 95%-KI: 52,8 %, 79,4 %) bei der Besserung der Nierenfunktion.
Der mediane Zeitraum bis zum vollständigen Ansprechen der TMA betrug 86 Tage (7 bis 1359 Tage).
Eine rasche Zunahme der durchschnittlichen Thrombozytenzahl wurde nach Behandlungsbeginn mit
Ravulizumab beobachtet, wobei ein Anstieg von 118,52 × 109/l zu Studienbeginn auf 243,54 × 109/lan Tag 8 festgestellt wurde. Der Wert blieb bei allen anschließenden Besuchsterminen während des
Zeitraums für die Erstbeurteilung (26 Wochen) über 227 × 109/l. Ebenso sank der mittlere LDH-Wertwährend der ersten 2 Behandlungsmonate gegenüber dem Ausgangswert und blieb für die Dauer des
Erstbeurteilungszeitraums (26 Wochen) erhalten.
Über zwei Drittel der Patientenpopulation, die zu Studienbeginn größtenteils mit einer chronischen
Nierenerkrankung in Stadium 4 oder 5 vorstellig wurde, zeigten bis zu Tag 743 der Studie eine
Besserung der chronischen Nierenerkrankung um 1 oder mehrere Stadien. Die Besserung der anhandder eGFR gemessenen Nierenfunktion blieb bis zum Ende der Studie stabil. Das Stadium derchronischen Nierenerkrankung besserte sich weiterhin bei vielen Patienten (19/30), nachdem währenddes 26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilung ein vollständiges Ansprechen der TMA erreichtwurde.
Von den 27 Patienten, die bei Eintritt in die Studie nicht dialysepflichtig waren, kamen 19 Patientenwährend des gesamten Studienzeitraums ohne Dialyse aus und bei 8 Patienten wurde während der
Studie eine Dialysebehandlung begonnen. Bei zwei dieser Patienten wurde die Dialysebehandlungwährend der Studie abgesetzt. Einer der Patienten, welche die Dialysebehandlung während der
Verlängerungsphase der Studie absetzten, nahm die Dialysebehandlung wieder auf und setzte sie biszum Ende der Studie fort.
Tabelle 14: Sekundäres Wirksamkeitsergebnis für den 26-wöchigen Zeitraum für die
Erstbeurteilung von Studie ALXN1210-aHUS-311
Parameter Studie ALXN1210-aHUS-311(N = 56)
Hämatologische Parameter bei TMA, Beobachteter Wert Veränderung gegenüber
Tag 183 (n = 48) dem Ausgangswert
Thrombozyten (109/L) im Blut (n = 48)
Mittelwert (SD)
Median 237,96 (73,528) 114,79 (105,568)
LDH (E/l) im Serum 232,00 125,00
Mittelwert (SD)
Median 194,46 (58,099) -519,83 (572,467)176,50 -310,75
Anstieg des Hämoglobins um ≥ 20 g/lgegenüber dem Ausgangswert mit einembestätigenden Ergebnis bis zum Endedes Zeitraums für die Erstbeurteilungn/m 40/56
Anteil (95%-KI)* 0,714 (0,587; 0,842)
Veränderung des CKD-Stadiumsgegenüber dem Ausgangswert, Tag 183
Verbesserungan/m 32/47
Anteil (95%-KI)* 0,681 (0,529; 0,809)
Verschlechterungbn/m 2/13
Anteil (95%-KI)* 0,154 (0,019; 0,454)eGFR (ml/min/1,73 m2), Tag 183 Beobachteter Wert (n = 48) Veränderung gegenüberdem Ausgangswert
Mittelwert (SD) 51,83 (39,162) (n = 47)
Median 40,00 34,80 (35,454)29,00
Hinweis: n: Anzahl von Patienten mit verfügbaren Daten für eine bestimmte Untersuchung bei dem
Besuchstermin an Tag 183. m: Anzahl von Patienten, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen. Das Stadium derchronischen Nierenerkrankung (CKD) wird anhand der Klassifikation der National Kidney Foundation für
Stadien der chronischen Nierenerkrankung (Chronic Kidney Disease Stage) bestimmt. Stadium 5 gilt alsschlechteste Kategorie, während Stadium 1 die beste Kategorie ist. Der Ausgangswert wird anhand der letztenverfügbaren eGFR vor Behandlungsbeginn ermittelt. Verbesserung/Verschlechterung: im Vergleich zum CKD-
Stadium zu Studienbeginn. *Die 95%-Konfidenzintervalle (95%-KI) basieren auf dem exakten Clopper-Pearson-
Konfidenzintervall. aSchließt Patienten mit CKD-Stadium 1 zu Studienbeginn aus, weil bei ihnen keine
Besserung möglich ist. bSchließt Patienten mit Stadium 5 zu Studienbeginn aus, da bei ihnen keine
Verschlechterung möglich ist.
Abkürzungen: eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; LDH: Laktatdehydrogenase; TMA: thrombotische
Mikroangiopathie.
Die abschließende Wirksamkeitsanalyse der Studie für alle Patienten, die über eine mediane
Behandlungsdauer von 130,36 Wochen mit Ravulizumab behandelt wurden, bestätigte, dass daswährend des primären Auswertungszeitraums beobachtete Ansprechen auf die Behandlung mit
Ravulizumab während der gesamten Studiendauer erhalten blieb.
Generalisierte Myasthenia gravis (gMG)
Studie bei erwachsenen Patienten mit gMG
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Ravulizumab bei erwachsenen Patienten mit gMG wurden ineiner randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Multizenterstudie der Phase III(ALXN1210-MG-306) untersucht. Die an dieser Studie teilnehmenden Patienten konntenanschließend in eine nicht verblindete Verlängerungsphase überführt werden, in der alle Patienten
Ravulizumab erhielten.
Patienten mit gMG (Diagnosestellung vor mindestens 6 Monaten) und positivem Serumtest auf
Azetylcholinrezeptor (AchR)-Antikörper, klinischer Klassifikationsklasse II bis IV gemäß MGFA(Myasthenia Gravis Foundation of America) und einer Restsymptomatik, die durch einen Myasthenia
Gravis Activities of Daily Living (MG-ADL) Gesamtscore ≥ 6 belegt wurde, wurden zu einer
Behandlung mit entweder Ravulizumab (N = 86) oder Placebo (N = 89) randomisiert. Patienten mitimmunsupprimierenden Therapien (Kortikosteroide, Azathioprin, Cyclophosphamid, Cyclosporin,
Methotrexat, Mycophenolatmofetil oder Tacrolimus) konnten diese vorbestehende Therapie währendder gesamten Dauer der Studie fortsetzen. Zusätzlich war eine Notfalltherapie (einschließlichhochdosierter Kortikosteroide, PE/PP oder IVIg) erlaubt, falls ein Patient eine klinische
Verschlechterung gemäß Definition im Studienprotokoll zeigte.
Insgesamt 162 Patienten (92,6 %) beendeten den 26-wöchigen, randomisierten, kontrollierten
Zeitraum der Studie ALXN1210-MG-306. Die Merkmale der Patienten zu Studienbeginn sind in
Tabelle 15 zusammengestellt. Die überwiegende Mehrheit der in die Studie aufgenommenen Patienten(97 %) waren in den letzten zwei Jahren vor Eintritt in die Studie mit mindestens einerimmunmodulatorischen Therapie, einschließlich Immunsuppressiva, PE/PP oder IVIg behandeltworden.
Tabelle 15: Merkmale zu Studienbeginn von Studie ALXN1210-MG-306
Parameter Statistik Placebo Ravulizumab(N = 89) (N = 86)
Geschlecht n (%)
Männlich 44 (49,4) 42 (48,8)
Weiblich 45 (50,6) 44 (51,2)
Alter bei Erstinfusion des Mittel (SD) 53,3 (16,05) 58,0 (13,82)
Studienmedikaments (Jahre) (Min., Max.) (20, 82) (19, 79)
Ältere Patienten (≥ 65 Jahre) bei Eintritt in n (%) 24 (27,0) 30 (34,9)die Studie
Dauer der MG seit Diagnosestellung Mittel (SD) 10,0 (8,90) 9,8 (9,68)(Jahre) (Min., Max.) (0,5; 36,1) (0,5; 39,5)
Median 7,6 5,7
MG-ADL-Ausgangsscore Mittel (SD) 8,9 (2,30) 9,1 (2,62)(Min., Max.) (6,0; 15,0) (6,0; 24,0)
Median 9,0 9,0
QMG-Ausgangsscore Mittel (SD) 14,5 (5,26) 14,8 (5,21)(Min., Max.) (2,0; 27,0) (6,0; 39,0)
Median 14,0 15,0
MGFA-Klassifikation zu Studienbeginn n (%)
Klasse II (leichte Schwäche) 39 (44) 39 (45)
Klasse III (moderate Schwäche) 45 (51) 41 (48)
Klasse IV (stark ausgeprägte Schwäche) 5 (6) 6 (7)
Etwaige frühere Intubationen seit n (%) 9 (10,1) 8 (9,3)
Diagnosestellung (MGFA-Klasse V)
Anzahl Patienten mit früherer MG-Krise n (%) 17 (19,1) 21 (24,4)seit Diagnosestellunga
Anzahl stabiler immunsupprimierender n (%)
Therapienb bei Studieneintritt0 8 (9,0) 10 (11,6)1 34 (38,2) 40 (46,5)≥ 2 47 (52,8) 36 (41,9)a Angaben zu früheren MG-Krisen wurden bei Aufnahme der Anamnese erfasst und nicht nach der Definition imklinischen Prüfplan bewertet.
b Immunsuppressive Therapien umfassen Kortikosteroide, Azathioprin, Cyclophosphamid, Cyclosporin,
Methotrexat, Mycophenolatmofetil oder Tacrolimus.
Abkürzungen: Max.: Maximum; Min.: Minimum; MG: Myasthenia gravis; MG-ADL: Myasthenia Gravis
Activities of Daily Living; MGFA: Myasthenia Gravis Foundation of America; QMG: Quantitative Myasthenia
Gravis; SD: Standardabweichung
Der primäre Endpunkt war die Veränderung des MG-ADL-Gesamtscores gegenüber Studienbeginnbis Woche 26.
Die sekundären Endpunkte, die ebenfalls die Veränderungen gegenüber Studienbeginn bis Woche 26bewerteten, umfassten die Veränderung des Quantitative-Myasthenia-Gravis-(QMG-)Gesamtscores,den Anteil von Patienten mit Verbesserungen von mindestens 5 bzw. 3 Punkten bei den QMG- und
MG-ADL-Gesamtscores sowie Veränderungen bei den Bewertungen der Lebensqualität.
Ravulizumab zeigte einen statistisch signifikanten Unterschied des MG-ADL-Gesamtscores im
Vergleich zu Placebo. Der primäre und die sekundären Endpunkte sind in Tabelle 16zusammengestellt.
Tabelle 16: Analyse des primären und der sekundären Wirksamkeitsendpunkte
Wirksamkeits- Placebo Ravulizumab Statistik für Behandlungs- p-Wertendpunkte in (N = 89) (N = 86) den effekt (mit Mixed
Woche 26 LS- LS-Mittelwert Vergleich (95 %-KI) Effect
Mittelwert (SEM) Repeated(SEM) Measures)
MG-ADL -1,4 (0,37) -3,1 (0,38) Unterschied -1,6 (-2,6; -0,7) 0,0009der
Veränderungzur Baseline
QMG -0,8 (0,45) -2,8 (0,46) Unterschied -2,0 (-3,2; -0,8) 0,0009der
Veränderungzur Baseline
MG-QoL15r -1,6 (0,70) -3,3 (0,71) Unterschied -1,7 (-3,4; 0,1) 0,0636der
Veränderungzur Baseline
Neuro-QoL-Fatigue -4,8 (1,87) -7,0 (1,92) Unterschied -2,2 (-6,9; 2,6) 0,3734ader
Veränderungzur Baselinea Der Endpunkt wurde nicht formal auf statistische Signifikanz getestet; ein nominaler p-Wert wurde ermittelt.
Abkürzungen: KI: Konfidenzintervall; LS: kleinste Quadrate; MG-ADL: Myasthenia Gravis Activities of Daily
Living; MG-QoL15r: überarbeitete Lebensqualitätsskala für Myasthenia Gravis mit 15 Items; Neuro-QoL-fatigue: Neurologische Lebensqualität, Fatigue; QMG: Quantitative Myasthenia Gravis; SEM: Standardfehlerdes Mittelwerts.
In der Studie ALXN1210-MG-306 war ein klinischer Responder nach dem MG-ADL-Gesamtscoredefiniert als ein Patient mit einer Verbesserung um mindestens 3 Punkte. Der Anteil der klinischen
Responder in Woche 26 betrug 56,7 % unter Ravulizumab gegenüber 34,1 % unter Placebo (nominalp=0,0049). Ein klinischer Responder war nach dem QMG-Gesamtscore definiert als ein Patient miteiner Verbesserung um mindestens 5 Punkte. Der Anteil der klinischen Responder in Woche 26 lagbei 30,0 % unter Ravulizumab gegenüber 11,3 % unter Placebo (p=0,0052).
Tabelle 17 zeigt eine Übersicht über die Patienten mit klinischer Verschlechterung und die Patienten,die im Verlauf des 26-wöchigen randomisierten kontrollierten Zeitraums eine Notfallbehandlungbenötigten.
Tabelle 17: Klinische Verschlechterung und Notfalltherapie
Parameter Statistik Placebo Ravulizumab(N = 89) (N = 86)
Gesamtzahl von Patienten mit klinischer Verschlechterung n (%) 15 (16,9) 8 (9,3)
Gesamtzahl von Patienten mit Bedarf für eine Notfalltherapiea n (%) 14 (15,7) 8 (9,3)a Die Notfalltherapie umfasste ein hochdosiertes Kortikosteroid, Plasmaaustausch/Plasmapherese oderintravenöses Immunglobulin.
Bei Patienten, die während des randomisierten kontrollierten Behandlungszeitraums anfangs Ultomiriserhielten und auch in der offenen Verlängerungsphase bis zu 164 Wochen lang mit Ultomirisweiterbehandelt wurden, hielt die Behandlungswirkung weiter an (Abbildung 3). Bei Patienten, diewährend des 26-wöchigen randomisierten kontrollierten Behandlungszeitraums zunächst Placeboerhielten und während der offenen Verlängerungsphase eine Behandlung mit Ultomiris begannen, warbei allen Endpunkten, einschließlich MG-ADL und QMG, ein rasches und andauerndes Ansprechenauf die Behandlung über eine mediane Behandlungsdauer von ungefähr 2 Jahren zu beobachten(Abbildung 3).
Abbildung 3: Veränderung des MG-ADL-Gesamtscores (A) und des QMG-Gesamtscores (B)gegenüber Baseline im randomisierten kontrollierten Behandlungszeitraum biszu Woche 164 (Mittelwert und 95 %-KI)
Hinweis: Die Werte für den randomisierten kontrollierten Behandlungszeitraum beruhen auf Daten von175 Patienten. Die Werte für die offene Verlängerungsphase beruhen auf Daten von 161 Patienten.
Abkürzungen: KI: Konfidenzintervall; MG-ADL: Myasthenia Gravis Activities of Daily Living;
QMG: Quantitative Myasthenia Gravis
In der offenen Verlängerungsphase der Studie hatten die behandelnden Ärzte die Möglichkeit, dieimmunsuppressiven Therapien anzupassen. Am Ende der offenen Verlängerungsphase (die mediane
Dauer der ULTOMIRIS-Behandlung betrug sowohl während des randomisierten kontrollierten
Behandlungszeitraums als auch während der offenen Verlängerungsphase 759 Tage) reduzierten30,1 % der Patienten ihre tägliche Kortikosteroiddosis und 12,4 % der Patienten beendeten die
Kortikosteroidtherapie. Der häufigste Grund für die Anpassung der Kortikosteroidtherapie war eine
Besserung der MG-Symptome während der Behandlung mit Ravulizumab.
Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD)
Studie bei erwachsenen Patienten mit NMOSD
Die Wirksamkeit von Ravulizumab bei erwachsenen Patienten mit Anti-Aquaporin-4(AQP4)-
Antikörper positiver NMOSD wurde in einer globalen, offenen klinischen Studie (ALXN1210-NMO-307) untersucht.
In die Studie ALXN1210-NMO-307 wurden 58 erwachsene Patienten mit NMOSD und positivemserologischen Test auf Anti-AQP4-Antikörper, mindestens 1 Schub in den 12 Monaten vor dem
Screening sowie einem Expanded Disability Status Scale (EDSS) Score von ≤ 7 eingeschlossen. Einevorherige Behandlung mit einer Immunsuppressiva-Therapie (IST) war für die Aufnahme nichterforderlich, und 51,7 % der Patienten erhielten eine Ravulizumab-Monotherapie. Patienten unterdefinierter IST (d. h. Kortikosteroide, Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Tacrolimus) durften die
Therapie in Kombination mit Ravulizumab fortsetzen, wobei die Dosis bis zum Erreichen von
Studienwoche 106 stabil sein musste. Zudem war eine Akutbehandlung bei Schüben (einschließlichhochdosierte Kortikosteroide, PE/PP und IVIg) zulässig, wenn der Patient während der Studie einen
Schub erlitt.
Die in die Studie eingeschlossenen Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 47,4 Jahren (Spanne 18bis 74 Jahre) und waren überwiegend weiblich (90 %). Das mediane Alter bei der klinischen
Erstmanifestation der NMOSD betrug 42,5 Jahre (Spanne 16 bis 73 Jahre). Die Merkmale zu
Studienbeginn sind in Tabelle 18 dargestellt.
Tabelle 18: Krankheitsvorgeschichte und Merkmale zu Studienbeginn von Studie
ALXN1210-NMO-307
Statistik ALXN1210-NMO-307
Parameter Ravulizumab(N = 58)
Zeitraum von der klinischen Erstmanifestation der Mittelwert (SD) 5,2 (6,38)
NMOSD bis zur Anwendung der ersten Dosis des Median 2,0
Studienmedikaments (Jahre) Min.; Max. 0,19; 24,49
Anamnestische annualisierte Schubrate innerhalb Mittelwert (SD) 1,87 (1,59)von 24 Monaten vor dem Screening Median 1,44
Min.; Max. 0,5; 6,9
HAI-Score zu Studienbeginn Mittelwert (SD) 1,2 (1,42)
Median 1,0
Min.; Max. 0, 7
EDSS-Score zu Studienbeginn Mittelwert (SD) 3,30 (1,58)
Median 3,25
Min.; Max. 0,0; 7,0
Frühere Anwendung von Rituximab n (%) 21 (36,2)
Anzahl Patienten mit stabiler Kortikosteroid-Dosis n (%) 12 (20,7)zu Studienbeginn
Anzahl Patienten ohne IST-Behandlung zu n (%) 30 (51,7)
Studienbeginn
Abkürzungen: EDSS = Expanded Disability Status Scale; HAI = Hauser Ambulation Index; IST =
Immunsupressive Therapie; Max = Maximum; Min = Minimum; NMOSD = Neuromyelitis-optica-Spektrum-
Erkrankung; SD = Standardabweichung (standard deviation).
Der primäre Endpunkt von Studie ALXN1210-NMO-307 war die Zeit bis zum ersten, durch einunabhängiges Komitee bestätigten Schubs während der Studie. Während des primären
Behandlungszeitraums wurde bei mit Ravulizumab behandelten Patienten kein bestätigter Schubbeobachtet. Bei keinem mit Ravulizumab behandelten Patienten trat im medianen
Nachbeobachtungszeitraum von 90,93 Wochen ein Schub auf. Die mit Ravulizumab behandelten
Patienten erreichten sowohl mit als auch ohne begleitende IST-Therapie den primären Endpunktkonsistent schubfrei.
Ravulizumab wurde nicht für die Akutbehandlung von Schüben bei NMOSD-Patienten untersucht.
Kinder und JugendlicheParoxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)Studie an pädiatrischen Patienten mit PNH (ALXN1210-PNH-304)
Die pädiatrische Studie (ALXN1210-PNH-304) ist eine multizentrische, offene Phase-3-Studie,welche an Kindern und Jugendlichen mit PNH durchgeführt wurde, die entweder zuvor mit
Eculizumab behandelt worden waren, oder die nicht mit einem Komplementinhibitor vorbehandeltwaren.
Gemäß den Zwischenergebnissen schlossen insgesamt 13 pädiatrische PNH-Patienten die Behandlungmit Ravulizumab während des primären Auswertungszeitraums (26 Wochen) von
Studie ALXN1210-PNH-304 ab. Fünf der 13 Patienten waren noch nie mit einem
Komplementinhibitor behandelt worden und 8 Patienten erhielten vor Studieneintritt eine Behandlungmit Eculizumab.
Die meisten Patienten waren bei der ersten Infusion zwischen 12 und 17 Jahre alt (Durchschnittsalter:14,4 Jahre), während 2 Patienten unter 12 Jahren (11 Jahre und 9 Jahre alt) waren. Acht der13 Patienten waren weiblich. Das Durchschnittsgewicht zu Studienbeginn betrug 56 kg, Bereich: 37bis 72 kg. Tabelle 19 zeigt die Krankheitsvorgeschichte und die Merkmale der in die Studie
ALXN1210-PNH-304 aufgenommenen pädiatrischen Patienten zu Studienbeginn.
Tabelle 19: Krankheitsvorgeschichte und Merkmale zu Studienbeginn (vollständiges
Analyseset)
Parameter Nicht mit Mit Eculizumab
Komplementinhibitor vorbehandeltevorbehandelte Patienten Patienten(N = 5) (N = 8)
Gesamt-PNH-Erythrozyten-Klongröße (%) (N = 4) (N = 6)
Median (Min., Max.) 40,05 (6,9; 68,1) 71,15 (21,2; 85,4)
Gesamt-PNH-Granulozyten-Klongröße (%)
Median (Min., Max.) 78,30 (36,8; 99,0) 91,60 (20,3; 97,6)
Anzahl Patienten mit pRBC/Vollbluttransfusionen 2 (40,0) 2 (25,0)innerhalb von 12 Monaten vor der ersten Dosis, n (%)
Anzahl pRBC/Vollblut-Transfusionen innerhalb von12 Monaten vor der ersten Dosis
Insgesamt 10 2
Median (Min.; Max.) 5,0 (4; 6) 1,0 (1; 1)
Transfundierte pRBC/Vollblut-Einheiten innerhalb von12 Monaten vor der ersten Dosis
Insgesamt 14 2
Median (Min., Max.) 7,0 (3; 11) 2,0 (2; 2)
Patienten mit PNH-assoziierten Erkrankungen vor 5 (100) 8 (100)
Einholung der Einwilligungserklärung nach
Aufklärung über die Studie, n (%)
Anämie 2 (40,0) 5 (62,5)
Hämaturie oder Hämoglobinurie 2 (40,0) 5 (62,5)
Aplastische Anämie 3 (60,0) 1 (12,5)
Niereninsuffizienz 2 (40,0) 2 (25,0)
Sonstigea 0 1 (12,5)
LDH-Spiegel vor der Behandlung (E/l)
Median (Min., Max.) 588,50 (444; 2 269,7) 251,50 (140,5; 487)a Andere mit PNH assoziierte Erkrankungen wurden als 'Nieren- und Milzinfarkte“ und als 'multiple Läsionen,die auf einen embolischen Prozess hindeuten“ beschrieben.
Hinweis: Die prozentualen Angaben basieren auf der Gesamtzahl von Patienten in jeder Kohorte.
Abkürzungen: LDH: Laktatdehydrogenase; Max.: Maximum; Min.: Minimum; PNH: paroxysmale nächtliche
Hämoglobinurie; pRBC: Erythrozytenkonzentrat (packed red blood cell); RBC: Erythrozyt.
Die Patienten erhielten an Tag 1 eine Initialdosis Ravulizumab auf der Grundlage des Körpergewichts,gefolgt von einer Erhaltungstherapie an Tag 15 und danach einmal alle 8 Wochen (q8W) für Patientenmit einem Gewicht ≥ 20 kg oder einmal alle 4 Wochen (q4W) für Patienten mit einem Körpergewicht< 20 kg. Bei Patienten, die bei Eintritt in die Studie eine Behandlung mit Eculizumab erhielten, war
Tag 1 der Studienbehandlung 2 Wochen nach der letzten Dosis Eculizumab des Patienten geplant.
Das auf dem Körpergewicht basierende Dosierungsschema von Ravulizumab bewirkte eine sofortige,vollständige und anhaltende Hemmung des terminalen Komplementsystems während des gesamten26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilung, unabhängig davon, ob sie mit Eculizumabvorbehandelt worden waren oder nicht. Nach Beginn der Ravulizumab-Behandlung wurden sofortnach der ersten Dosis therapeutische Steady-State-Serumkonzentrationen von Ravulizumab erreichtund über den gesamten 26-wöchigen Zeitraum für die Erstbeurteilung in beiden Kohortenaufrechterhalten. In der Studie traten keine Durchbruchhämolyse-Ereignisse auf und bei keinem
Patienten lagen die Konzentrationen von freiem C5-Protein nach der Baseline über 0,5 µg/ml.
Die mittlere prozentuale Veränderung des LDH-Wertes gegenüber Baseline betrug -47,91 % an
Tag 183 in der Kohorte ohne vorherige Behandlung mit einem Komplementinhibitor und blieb in der
Kohorte mit Eculizumab-Vorbehandlung während des 26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilungstabil. Sechzig Prozent (3/5) der Patienten ohne vorherige Behandlung mit einem
Komplementinhibitor und 75 % (6/8) der Patienten mit Eculizumab-Vorbehandlung erreichten bis
Woche 26 eine Hämoglobinstabilisierung. Eine Transfusionsvermeidung wurde von 84,6 % (11/13)der Patienten während des 26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilung erreicht.
Diese Zwischenergebnisse zur Wirksamkeit sind in Tabelle 20 unten zusammengestellt.
Tabelle 20: Ergebnisse für die Wirksamkeit in der klinischen Studie bei pädiatrischen
Patienten mit PNH (ALXN1210-PNH-304) - 26-wöchiger Zeitraum für die
Erstbeurteilung
Endpunkt Ravulizumab Ravulizumab(zuvor nicht mit (Umstellung, mit
Komplementinhibitoren Komplementinhibitorenbehandelt, N = 5) vorbehandelt, N = 8)
LDH- prozentuale Veränderunggegenüber Baseline -47,91 (52,716) 4,65 (44,702)
Mittelwert (SD)
Transfusionsvermeidung
Prozentualer Anteil (95%-KI) 60,0 (14,66; 94,73) 100,0 (63,06; 100,00)
Hämoglobinstabilisierung
Prozentualer Anteil (95%-KI) 60,0 (14,66; 94,73) 75 (34,91; 96,81)
Durchbruchhämolyse (%) 0 0
Abkürzungen: LDH: Laktatdehydrogenase
Die Langzeitergebnisse für die Wirksamkeit bis zum Studienende über eine Behandlungsdauer von im
Median 915 Tagen zeigten ein anhaltendes Ansprechen der Behandlung bei pädiatrischen Patientenmit PNH.
Ausgehend von diesen Zwischenergebnissen scheint die Wirksamkeit von Ravulizumab beipädiatrischen PNH-Patienten ähnlich zu sein wie die bei erwachsenen PNH-Patienten beobachtete.
Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS)Die Anwendung von Ultomiris bei pädiatrischen Patienten zur Behandlung eines aHUS wird durch die
Ergebnisse einer klinischen Studie an Kindern und Jugendlichen untermauert (insgesamt 31 Patientenmit dokumentiertem aHUS wurden aufgenommen; 28 Patienten im Alter von 10 Monaten bis17 Jahren wurden in das vollständige Analyseset eingeschlossen).
Studie bei pädiatrischen Patienten mit aHUS (ALXN1210-aHUS-312)
Bei dieser pädiatrischen Studie handelte es sich um eine 26-wöchige multizentrische, einarmige
Phase-3-Studie an Kindern und Jugendlichen. Die Patienten hatten die Möglichkeit, an einem
Verlängerungszeitraum von bis zu 4,5 Jahren teilzunehmen.
Insgesamt wurden 24 Patienten ohne Eculizumab-Vorbehandlung mit der dokumentierten Diagnoseeines aHUS und Anhaltspunkten für eine TMA in die Studie aufgenommen; davon wurden 20 in dasvollständige Analyseset eingeschlossen. Die Einschlusskriterien schlossen Patienten aus, die mit einer
TMA aufgrund einer ADAMTS13-Defizienz (a disintegrin andmetalloproteinase with a thrombospondin type 1 motif, member 13), STEC-HUS und einemgenetischen Defekt im Cobalamin-C-Stoffwechsel vorstellig wurden. Vier Patienten erhielten 1 oder2 Einzeldosen; die Patienten brachen die Behandlung aber dann ab und wurden aus dem vollständigen
Analyseset ausgeschlossen, weil die Eignung in Bezug auf aHUS nicht bestätigt war. Das mittlere
Körpergewicht zu Studienbeginn betrug insgesamt 21,2 kg; die Mehrheit der Patienten befand sich zu
Studienbeginn in der Gewichtskategorie ≥ 10 bis < 20 kg. Die meisten Patienten (70,0 %) wiesen vorder Behandlung extrarenale (kardiovaskuläre, pulmonale, zentralnervöse, gastrointestinale, die Hautoder Skelettmuskulatur betreffende) Zeichen oder Symptome eines aHUS zu Studienbeginn auf. Zu
Studienbeginn hatten 35,0 % (n = 7) der Patienten eine CKD in Stadium 5.
Insgesamt wurden 10 Patienten, die von Eculizumab zu Ravulizumab wechselten und einedokumentierte aHUS-Diagnose sowie Anzeichen einer TMA aufwiesen, in die Studie aufgenommen.
Es musste ein klinisches Ansprechen auf Eculizumab vorliegen, bevor die Patienten in die Studieaufgenommen wurden (d. h. LDH < 1,5 × ULN und Thrombozytenzahl ≥ 150.000/µl und eGFR> 30 ml/min/1,73 m²). Demzufolge gibt es keine Daten über die Anwendung von Ravulizumab bei
Patienten, die nicht auf Eculizumab ansprechen.
Tabelle 21 zeigt die Ausgangsmerkmale von pädiatrischen Patienten, die in Studie ALXN1210-aHUS-312 aufgenommen wurden.
Tabelle 21: Demographische Merkmale und Ausgangsmerkmale in Studie ALXN1210-aHUS-312
Ravulizumab Ravulizumab
Parameter Statistik (ohne Vorbehandlung, (Behandlungs-
N = 20) wechsel, N = 10)
Alterskategorie bei Erstinfusion n (%)(Jahre)
Geburt bis < 2 Jahre 4 (20,0) 1 (10,0)2 bis < 6 Jahre 9 (45,0) 1 (10,0)6 bis < 12 Jahre 5 (25,0) 1 (10,0)12 bis < 18 Jahre 2 (10,0) 7 (70,0)
Geschlecht n (%)
Männlich 8 (40,0) 9 (90,0)
Ethniea n (%)
Ureinwohner Nordamerikas(Indianer) oder Alaskas 1 (5,0) 0 (0,0)
Asiatisch 5 (25,0) 4 (40,0)
Schwarz oder Afroamerikaner 3 (15,0) 1 (10,0)
Weißhäutig 11 (55,0) 5 (50,0)
Unbekannt 1 (5,0) 0 (0,0)
Transplantation in der n (%) 1 (5,6) 1 (10,0)
Vorgeschichte
Thrombozyten (109/l) im Blut Median (Min., Max.) 51,25 (14; 125) 281,75 (207; 415,5)
Hämoglobin (g/l) Median (Min., Max.) 74,25 (32; 106) 132,0 (114,5; 148)
LDH (E/l) Median (Min., Max.) 1 963,0 (772; 4985) 206,5 (138,5; 356)eGFR (ml/min/1,73 m2) Median (Min., Max.) 22,0 (10; 84) 99,75 (54; 136,5)
Dialysepflichtigkeit zu n (%) 7 (35,0) 0 (0,0)
Studienbeginn
Hinweis: Die prozentualen Anteile basieren auf der Gesamtzahl der Patienten.a Auf die Patienten können mehrere Ethnien zutreffen.
Abkürzungen: eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; LDH: Laktatdehydrogenase; Max.: Maximum;
Min.: Minimum.
Der primäre Endpunkt war das vollständige Ansprechen der TMA während des 26-wöchigen
Zeitraums für die Erstbeurteilung, festgestellt anhand der Normalisierung der hämatologischen
Parameter (Thrombozyten ≥ 150 × 109/l und LDH ≤ 246 E/l) sowie einer Verbesserung des
Serumkreatinins von ≥ 25 % gegenüber dem Ausgangswert bei nicht mit Eculizumab vorbehandelten
Patienten. Die Patienten mussten alle Kriterien für ein vollständiges Ansprechen der TMA bei 2verschiedenen Beurteilungen im Abstand von mindestens 4 Wochen (28 Tagen) und bei jederzwischenzeitlichen Messung erfüllen.
Ein vollständiges Ansprechen der TMA wurde bei 15 der 20 nicht vorbehandelten Patienten (75,0 %)während des 26-wöchigen Zeitraums für die Erstbeurteilung festgestellt, wie es in Tabelle 22 gezeigtist.
Tabelle 22: Vollständiges Ansprechen der TMA und Analyse der Komponenten desvollständigen Ansprechens der TMA während des 26-wöchigen Zeitraums fürdie Erstbeurteilung (ALXN1210-aHUS-312)
Summe Respondern Anteil (95%-KI)a
Vollständiges Ansprechen der TMA 20 15 0,750 (0,509; 0,913)
Komponenten des vollständigen Ansprechensder TMA
Normalisierung der Thrombozytenzahl 20 19 0,950 (0,751; 0,999)
Normalisierung von LDH 20 18 0,900 (0,683; 0,988)
Verbesserung des Serumkreatinins um ≥ 25 % 20 16 0,800 (0,563; 0,943)gegenüber dem Ausgangswert
Normalisierung der Blutwerte 20 18 0,900 (0,683; 0,988)a Die 95%-Konfidenzintervalle (95%-KI) für den Anteil basieren auf der asymptotischen Gaußschen
Approximationsmethode mit Kontinuitätskorrektur.
Abkürzungen: KI: Konfidenzintervall; LDH: Laktatdehydrogenase; TMA: thrombotische Mikroangiopathie.
Das vollständige Ansprechen der TMA während des Zeitraums für die Erstbeurteilung wurde in einermedianen Zeitdauer von 30 Tagen (15 bis 99 Tage) erzielt. Bei allen Patienten mit vollständigem
Ansprechen der TMA blieb das Ansprechen während des gesamten Zeitraums für die Erstbeurteilungerhalten, wobei kontinuierliche Verbesserungen der Nierenfunktion beobachtet wurden. Nach Beginnder Ravulizumab-Behandlung war rasch ein Anstieg der mittleren Thrombozytenzahl mit einer
Zunahme von 71,70 × 109/l zu Studienbeginn auf 302,41 × 109/l an Tag 8 zu beobachten, die bei allenanschließenden Besuchsterminen nach Tag 22 im Zeitraum für die Erstbeurteilung (26 Wochen) über304 × 109/l lag.
Ein vollständiges Ansprechen der TMA wurde bei drei weiteren Patienten während der
Verlängerungsphase beobachtet, und zwar an Tag 295 bei 2 Patienten und an Tag 351 bei 1 Patienten;somit zeigten 18 der 20 pädiatrischen Patienten (90 %; 95%-KI: 68,3 %; 98,8 %) ein vollständiges
Ansprechen der TMA bis zum Ende der Studie. Das Ansprechen individueller Komponenten erhöhtesich auf 19 von 20 Patienten (95,0 %; 95%-KI: 75,1 %, 99,9 %) für die Normalisierung der
Thrombozytenzahl, auf 19 von 20 Patienten (95,0 %; 95%-KI: 75,1 %, 99,9 %) für die LDH-
Normalisierung und auf 18 von 20 Patienten (90,0 %; 95%-KI: 68,3 %, 98,8 %) für die Besserung der
Nierenfunktion.
Alle 7 Patienten, die bei Eintritt in die Studie dialysepflichtig waren, konnten die Dialysebehandlungabsetzen. Bei sechs dieser Patienten war dies bereits spätestens an Tag 36 möglich. Kein Patientbegann während der Studie eine Dialysebehandlung oder nahm eine solche Behandlung wieder auf.
Von den 16 Patienten, für die Daten bei Studienbeginn und für Woche 52 (Tag 351) vorlagen, zeigten16 Patienten eine Verbesserung des Stadiums der chronischen Nierenerkrankung im Vergleich zum
Studienbeginn. Patienten, für die Daten bis zum Ende der Studie vorlagen, zeigten weiterhin
Verbesserungen des Stadiums der chronischen Nierenerkrankung oder keine Veränderung. Die
Verbesserung der Nierenfunktion, die anhand der eGFR gemessen wurde, blieb bis zum Ende der
Studie stabil. Tabelle 23 fasst die sekundären Wirksamkeitsergebnisse für
Studie ALXN1210-aHUS-312 zusammen.
Tabelle 23: Sekundäre Wirksamkeitsergebnisse des 26-wöchigen Zeitraums für die
Erstbeurteilung von Studie ALXN1210-aHUS-312
Parameter Studie ALXN1210-aHUS-312(N =20)
Hämatologische Parameter bei TMA, Beobachteter Wert Veränderung gegenüber
Tag 183 (n = 17) dem Ausgangswert
Thrombozyten (109/l)im Blut (n = 17)
Mittelwert (SD)
Median 304,94 (75,711) 245,59 (91,827)
LDH (E/l) im Serum 318,00 247,00
Mittelwert (SD)
Median 262,41 (59,995) -2 044,13 (1328,059)247,00 -1.851,50
Anstieg des Hämoglobins um ≥ 20 g/lgegenüber dem Ausgangswert mitbestätigtem Ergebnis während des
Zeitraums für die Erstbeurteilungn/m 17/20
Anteil (95%-KI)* 0,850 (0,621; 0,968)
Veränderung des CKD-Stadiumsgegenüber dem Ausgangswert, Tag 183
Verbesserungan/m 15/17
Anteil (95%-KI)* 0,882 (0,636; 0,985)
Verschlechterungbn/m 0/11
Anteil (95%-KI)* 0,000 (0,000; 0,285)eGFR (ml/min/1,73 m2), Tag 183 Beobachteter Wert (n = 17) Veränderung gegenüberdem Ausgangswert(n = 17)
Mittelwert (SD) 108,5 (56,87) 85,4 (54,33)
Median 108,0 80,0
Hinweis: n: Anzahl von Patienten mit verfügbaren Daten für eine bestimmte Untersuchung beim Besuchsterminan Tag 183. m: Anzahl von Patienten, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen. Das Stadium der chronischen
Nierenerkrankung (CKD) wird anhand der Klassifikation der National Kidney Foundation für Stadien derchronischen Nierenerkrankung (Chronic Kidney Disease Stage) bestimmt. Stadium 1 wird als die beste
Kategorie betrachtet, während Stadium 5 als schlechteste Kategorie gilt. Der Ausgangswert wird anhand derletzten verfügbaren eGFR vor Behandlungsbeginn ermittelt. Verbesserung/Verschlechterung: Im Vergleich zum
CKD-Stadium zu Studienbeginn.
*Die 95 %-Konfidenzintervalle (95%-KI) basieren auf dem exakten Clopper-Pearson-Konfidenzintervall.a Verbesserung schließt Patienten mit Stadium 1 zu Studienbeginn aus, da bei ihnen keine Besserung möglich ist;b Verschlechterung schließt Patienten mit Stadium 5 zu Studienbeginn aus, da bei ihnen keine Verschlechterungmöglich ist.
Abkürzungen: eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; LDH: Laktatdehydrogenase; TMA: thrombotische
Mikroangiopathie.
Bei Patienten, die mit Eculizumab vorbehandelt wurden, führte die Umstellung auf Ravulizumab zueiner Aufrechterhaltung der Krankheitskontrolle, wie an stabilen hämatologischen und renalen
Parametern abzulesen ist, ohne offenbare Auswirkungen auf die Sicherheit.
Die Wirksamkeit von Ravulizumab bei der Behandlung von aHUS scheint bei pädiatrischen Patientenähnlich zu sein wie bei erwachsenen Patienten.
Die abschließende Wirksamkeitsanalyse der Studie für alle pädiatrischen Patienten, die über einemediane Behandlungsdauer von 130,60 Wochen mit Ravulizumab behandelt wurden, bestätigte, dassdas während des Zeitraums der Erstbeurteilung beobachtete Ansprechen auf die Behandlung mit
Ravulizumab während der gesamten Studiendauer erhalten blieb.
Generalisierte Myasthenia gravis (gMG)
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Ultomiris eine Zurückstellung von der Verpflichtungzur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen bei der
Behandlung von Myasthenia gravis gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendungbei Kindern und Jugendlichen).
Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD)
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Ultomiris eine Zurückstellung von der Verpflichtungzur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen bei der
Behandlung von NMOSD gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei
Kindern und Jugendlichen).