Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels TRACTOCILE 7.5mg / ml konzentrat zur herstellung einer injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche mit 5 ml Lösung enthält 37,5 mg Atosiban (als Acetat).
Jeder ml Lösung enthält 7,5 mg Atosiban.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (steriles Konzentrat).
Klare, farblose Lösung ohne Partikel.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Tractocile ist indiziert zur Hinauszögerung einer drohenden Frühgeburt bei erwachsenen
Schwangeren, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Regelmäßige Uteruskontraktionen mit einer Dauer von mindestens 30 Sekunden und einer
Häufigkeit von ≥ 4 pro 30 Minuten.
- Öffnung des Muttermundes auf eine Weite von 1 bis 3 cm (0 - 3 bei Nullipara) und
Cervixverstreichung ≥ 50%.
- Schwangerschaft in der 24. bis 33. abgeschlossenen Schwangerschaftswoche.
- Normale Herzfrequenz des Fetus.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungDie Behandlung mit Tractocile sollte von einem in der Behandlung von vorzeitigen Wehen erfahrenen
Arzt eingeleitet und begleitet werden.
Tractocile wird intravenös in drei aufeinanderfolgenden Stufen verabreicht: zu Anfang wird eine
Bolusdosis (6,75 mg) mit Tractocile 6,75 mg/0,9 ml Injektionslösung verabreicht, danach folgtunmittelbar eine hochdosierte dreistündige Dauerinfusion (Sättigungsinfusion 300 µg/min) mit
Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, an die sich eine Infusionmit einer niedrigeren Dosis Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung(nachfolgende Infusion 100 µg/min) über bis zu 45 Stunden anschließt. Die Dauer der Behandlungsollte 48 Stunden nicht überschreiten. Die bei einer vollständigen Tractocile -Therapie verabreichte
Gesamtdosis sollte 330,75 mg Atosiban nicht überschreiten.
Mit der intravenösen Behandlung mittels der initialen Bolusinjektion von Tractocile 6,75 mg/0,9 ml
Injektionslösung (siehe Fachinformation dieses Produktes) sollte so bald wie möglich nach der
Diagnose der vorzeitigen Wehen begonnen werden. Nach Injektion der Bolusdosis wird die Infusiondurchgeführt. Bei Fortbestehen der Wehentätigkeit während der Behandlung mit Tractocile muss einealternative Therapie in Erwägung gezogen werden.
Die folgende Tabelle zeigt das vollständige Dosierungsschema von Bolusinjektion und nachfolgende
Infusion:
Schritt Behandlungsschema Infusionsrate Atosiban-Dosis1 0,9 ml intravenöser Bolus Nicht zutreffend 6,75 mg
Injektion über 1 Minute2 dreistündige intravenöse 24 ml/Stunde (300µg/min) 54 mg
Sättigungsinfusion3 Anschließende intravenöse 8 ml/Stunde (100 µg/min) bis zu 270 mg
Infusion bis zu 45 Stunden
Wiederholung der Behandlung:Sollte eine Wiederholung der Behandlung mit Atosiban erforderlich sein, muss diese ebenfalls miteiner Bolusinjektion von Tractocile 6,75 mg/0,9 ml Injektionslösung beginnen, gefolgt von einer
Infusion mit Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
Patientinnen mit eingeschränkter Leber- oder NierenfunktionZur Behandlung mit Atosiban bei Patientinnen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion liegenkeine Erfahrungen vor. Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist wahrscheinlichnicht erforderlich, da Atosiban nur in geringen Mengen mit dem Urin ausgeschieden wird. Bei
Patientinnen mit eingeschränkter Leberfunktion sollte Atosiban mit Vorsicht eingesetzt werden.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Tractocile bei Schwangeren unter 18 Jahren wurde nichtnachgewiesen. Es sind keine Daten verfügbar.
Art der AnwendungDie Anleitung zur Zubereitung des Arzneimittels vor Verabreichung finden Sie in Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Tractocile darf nicht angewendet werden bei:
- Schwangerschaft vor der 24. oder nach der 33. abgeschlossenen Woche
- Vorzeitigem Blasensprung > 30. Schwangerschaftswoche
- Gestörter Herzfrequenz des Fetus
- Präpartalen Uterusblutungen, die eine sofortige Entbindung notwendig machen
- Eklampsie und schwere Präeklampsie, die eine Entbindung erforderlich machen
- Intrauterinem Fruchttod
- Verdacht auf intrauterine Infektion
- Placenta praevia
- Abruptio placentae
- Anderen Zuständen der Mutter oder des Fetus, bei welchen das Fortbestehen der
Schwangerschaft ein Risiko wäre
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Wird Atosiban Patientinnen verabreicht, bei denen ein vorzeitiger Blasensprung nicht ausgeschlossenwerden kann, muss der Nutzen einer Aufschiebung der Entbindung sorgfältig gegen das potentielle
Risiko für das Auftreten einer Chorioamnionitis abgewogen werden.
Zur Behandlung mit Atosiban bei Patientinnen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion liegenkeine Erfahrungen vor. Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist wahrscheinlichnicht erforderlich, da Atosiban nur in geringen Mengen mit dem Urin ausgeschieden wird. Bei
Patientinnen mit eingeschränkter Leberfunktion sollte Atosiban mit Vorsicht eingesetzt werden (siehe
Abschnitte 4.2 und 5.2).
Zum Einsatz von Atosiban bei Mehrlingsschwangerschaften oder während der 24. - 27.
Schwangerschaftswoche liegen wegen der geringen Anzahl der behandelten Patientinnen nurbeschränkte klinische Erfahrungen vor. Der Nutzen von Atosiban bei diesen Patienten ist daher nichtgesichert.
Eine Wiederholung der Behandlung mit Tractocile ist möglich. Es liegen jedoch nur begrenzteklinische Erfahrungen mit mehrfachen Wiederholungen der Behandlung, d. h. bis zu 3
Wiederholungen, vor (siehe Abschnitt 4.2).
Bei intrauteriner Wachstumsretardierung ist die Entscheidung zur Fortsetzung oder erneuten
Initiierung der Atosiban-Behandlung von der Beurteilung des fetalen Reifezustandes abhängig.
Während der Verabreichung von Atosiban und bei fortdauernder Wehentätigkeit sollte eine Kontrolleder Wehentätigkeit und der Herzfrequenz des Fetus erwogen werden.
Als Antagonist von Oxytocin kann Atosiban theoretisch die Relaxation des Uterus und postpartale
Blutungen begünstigen. Daher muss nach der Entbindung der Blutverlust überwacht werden. Inklinischen Prüfungen wurde jedoch keine inadäquate Uteruskontraktion post partum beobachtet.
Mehrlingsschwangerschaften und Arzneimittel mit tokolytischer Wirkung wie Calciumkanalblockerund β-Sympathomimetika werden mit einem erhöhten Risiko für Lungenödeme in Verbindunggebracht. Deshalb sollte Atosiban im Fall von Mehrlingsschwangerschaften und/oder gleichzeitiger
Gabe anderer Arzneimittel mit tokolytischer Wirkung mit Vorsicht angewendet werden (siehe
Abschnitt 4.8).
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es ist unwahrscheinlich, dass Atosiban an Cytochrom P 450 vermittelten Arzneimittel-
Wechselwirkungen beteiligt ist. In vitro Untersuchungen haben gezeigt, dass Atosiban nicht als
Substrat für das Cytochrom P 450 System fungiert und Cytochrom P 450 Enzyme, die Arzneimittelmetabolisieren, nicht hemmt.
Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit Labetalol und Betametason wurden an gesunden
Probandinnen durchgeführt. Es wurden keine klinisch relevanten Wechselwirkungen zwischen
Atosiban und Betametason oder Labetalol festgestellt.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Atosiban darf nur eingesetzt werden, wenn eine vorzeitige Wehentätigkeit zwischen der 24. und 33.abgeschlossenen Schwangerschaftswoche diagnostiziert wurde. Falls während der Schwangerschaftbereits ein Kind gestillt wird, sollte das Stillen während der Behandlung mit Tractocile unterbrochenwerden, da die Freisetzung von Oxytocin während des Stillens die Uteruskontraktion verstärken undden Effekt der Tokolyse aufheben kann.
In klinischen Prüfungen mit Atosiban wurden keine Wirkungen auf das Stillvermögen beobachtet.
Geringe Mengen Atosiban gelangen aus dem Plasma in die Muttermilch stillender Mütter.
Studien zur embryo-fetalen Toxizität haben keine toxischen Wirkungen von Atosiban gezeigt. Eswurden keine Studien durchgeführt, die die Fertilität und die frühe embryonale Entwicklungabdeckten (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
4.8 Nebenwirkungen
In klinischen Prüfungen wurden bei der Mutter während der Verabreichung von Atosiban mögliche
Nebenwirkungen durch Atosiban beschrieben. Insgesamt traten im Verlauf der klinischen Studien bei48% der mit Atosiban behandelten Patientinnen Nebenwirkungen auf. Die beobachteten
Nebenwirkungen waren in der Regel leicht. Übelkeit (14%) ist bei den Müttern die am häufigstenberichtete Nebenwirkung.
Beim Neugeborenen ergaben die klinischen Prüfungen keinerlei spezifische Nebenwirkungen durch
Atosiban. Die beim Kind beobachteten Nebenwirkungen lagen im Rahmen der normalen Streuung undwaren in der Häufigkeit mit der Placebo- und Beta-Sympathomimetika-Gruppe vergleichbar.
Die Häufigkeit der nachfolgenden Nebenwirkungen wird wie folgt definiert: sehr häufig (≥1/10);häufig (≥1/100 bis <1/10); gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100); selten (≥1/10.000 bis <1/1.000).
Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregradangegeben.
MedDRA Sehr Häufig Gelegentlich Selten
Systemorganklasse (SOC) häufig
Erkrankungen des Allergische Reaktion
Immunsystems
Stoffwechsel- und Hyperglykämie
Ernährungsstörungen
Psychiatrische Insomnie
Erkrankungen
Erkrankungen des Kopfschmerzen,
Nervensystems Schwindel
Herzerkrankungen Tachykardie
Gefäßerkrankungen Hypotonie,
Hitzewallungen
Erkrankungen des Übelkeit Erbrechen
Gastrointestinaltrakts
Erkrankungen der Haut und Pruritus,des Unterhautzellgewebes Hautausschlag
Erkrankungen des Uterushämorrhagien,
Reproduktionssystems und Uterusatonieder Brust
Allgemeine Erkrankungen Reaktionen an der Pyrexieund Beschwerden am Injektionsstelle
Verabreichungsort
Erfahrungen nach MarkteinführungNach Markteinführung wurde über respiratorische Ereignisse wie Dyspnoe und Lungenödemberichtet, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe anderer Arzneimittel mit tokolytischer Wirkung wie
Calciumantagonisten und Betamimetika und/oder bei Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es wurden einige Fälle der Überdosierung mit Atosiban beschrieben. Sie traten jedoch ohnespezifische Anzeichen oder Symptome auf. Eine spezifische Behandlung bei Überdosierung ist nichtbekannt.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Klasse: Andere Gynäkologika, ATC-Code: G02CX01
Tractocile enthält Atosiban (INN), ein synthetisches Peptid ([Mpa1, D-Tyr(Et)2, Thr4, Orn8]-
Oxytocin), das als kompetitiver Antagonist von humanem Oxytocin auf Rezeptorebene wirkt. Bei
Ratten und Meerschweinchen bindet Atosiban an Oxytocin-Rezeptoren und senkt die
Kontraktionsfrequenz und den Tonus der Uterusmuskulatur, was zur Unterdrückung der
Wehentätigkeit führt.
Außerdem wurde gezeigt, dass Atosiban an den Vasopressin-Rezeptor bindet und so die Wirkung von
Vasopressin hemmt. Am Tier zeigte Atosiban keine kardiovaskulären Wirkungen.
Bei frühzeitiger Wehentätigkeit beim Menschen wirkt Atosiban bei empfohlener Dosierung der
Wehentätigkeit entgegen und sorgt für eine Ruhigstellung des Uterus. Nach Verabreichung von
Atosiban setzt rasch eine Uterusrelaxation ein, wobei die Wehen innerhalb von 10 Minuten signifikantverringert werden, so dass eine stabile Ruhigstellung des Uterus (≤ 4 Wehen/Stunde) für 12 Stundenerreicht wird.
Klinische Phase III Studien (CAP-001 Studien) beinhalten Daten von 742 Patientinnen, bei denenfrühzeitige Wehentätigkeit in der 23. - 33. Schwangerschaftswoche festgestellt wurde und dierandomisiert entweder Atosiban (entsprechend dieser Vorschrift) oder einen β-Agonisten (dosistitriert)erhielten.
Primäre Endpunkte: Das Hauptzielkriterium war der Anteil an Frauen, bei denen keine Geburt erfolgteund bei denen keine alternative Tokolyse innerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Behandlungerforderlich war. Die Daten zeigen, dass bei 59,6% (n = 201) bzw. 47,7% (n = 163) der mit Atosibanbzw. β-Agonist behandelten Frauen (p = 0,0004) keine Geburt erfolgte und keine alternative Tokolyseinnerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Behandlung erforderlich war.
Die meisten Behandlungsversager in den CAP-001 Studien wurden durch eine geringe Verträglichkeitverursacht. Behandlungsversager durch ungenügende Wirksamkeit traten signifikant häufiger(p=0,0003) bei den mit Atosiban behandelten Frauen (n=48, 14,2%) als bei den mit ß-Agonistbehandelten Frauen (n=20, 5,8%) auf.
Die Wahrscheinlichkeit, dass keine Geburt erfolgt und dass keine alternative Tokolyse innerhalb von 7
Tagen nach Beginn der Behandlung benötigt wird, war in den CAP-001 Studien für die in der 24.-28.
Schwangerschaftswoche mit Atosiban bzw. mit Beta-Sympathomimetika behandelten Frauenvergleichbar. Dennoch basieren diese Ergebnisse auf einer sehr geringen Patientenzahl(n=129 Patientinnen).
Sekundäre Endpunkte: Die Nebenzielkriterien beinhalteten den Anteil an Frauen, bei denen keine
Geburt innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Behandlung erfolgte. Es bestand kein Unterschiedzwischen der Atosiban- und der ß-Sympathomimetika-Gruppe hinsichtlich dieses Endpunktes. Diemittlere (SD) Schwangerschaftswoche bei Geburt war bei beiden Gruppen gleich: 35,6 (3,9) bzw. 35,3(4,2) Wochen in der Atosiban- bzw. der β-Agonist-Gruppe (p = 0,37). Die Häufigkeit der Einweisungin eine Neugeborenen-Intensivstation war bei beiden Gruppen gleich (ca. 30%), ebenso die Dauer des
Aufenthalts und der Ventilationstherapie. Das mittlere (SD) Geburtsgewicht betrug 2.491 (813) g inder Atosiban-Gruppe und 2.461 (831) g in der β-Agonist-Gruppe (p = 0,58).
Die Ergebnisse für den Fetus und die Mutter schienen sich zwischen der Atosiban- und der ß-
Agonisten-Gruppe nicht zu unterscheiden, doch die Aussagekraft der klinischen Studien war nichtausreichend, um einen möglichen Unterschied auszuschließen.
Von den 361 Patientinnen, an denen in den Studien der Phase III eine Behandlung mit Atosibandurchgeführt wurde, wurde die Behandlung bei 73 mindestens einmal, bei 8 mindestens zweimal undbei 2 dreimal wiederholt (siehe Abschnitt 4.4).
Da die Sicherheit und Wirksamkeit von Atosiban bei Frauen vor der 24. vollendeten
Schwangerschaftswoche nicht durch kontrollierte, randomisierte Studien gesichert sind, wird die
Anwendung von Atosiban bei dieser Patientengruppe nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.3).
In einer Placebo-kontrollierten Studie traten 5/295 (1,7 %) fetale Todesfälle bzw. Todesfälle bei
Neugeborenen in der Placebo-Gruppe auf. In der Atosiban-Gruppe waren 15/288 (5,2 %) fetale
Todesfälle bzw. Todesfälle bei Neugeborenen, von denen zwei im Alter von fünf und acht Monatenauftraten. Elf der 15 Todesfälle in der Atosiban-Gruppe traten in der 20. bis 24.
Schwangerschaftswoche auf, obwohl die Patientenverteilung in dieser Untergruppe ungleichmäßigwar (19 Frauen in der Atosiban-Gruppe, vier in der Placebo-Gruppe). Bei Frauen ab der 24.
Schwangerschaftswoche gab es keine Unterschiede in der Mortalitätsrate (1,7% in der Placebo-Gruppeund 1,5% in der Atosiban-Gruppe).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Gesunde, nicht schwangere Probandinnen, denen Atosiban-Infusionen (10 bis 300 µg/min über 12
Stunden) verabreicht wurden, zeigten einen dosisabhängigen Anstieg der Steady-state-
Plasmakonzentrationen.Clearance, Verteilungsvolumen und Halbwertzeit waren nicht dosisabhängig.
Frauen mit vorzeitiger Wehentätigkeit, denen Atosiban als Infusion (300 µg/min für 6 bis 12 Stunden)verabreicht wurde, erreichten die Steady-state-Plasmakonzentrationen innerhalb von einer Stunde nachdem Beginn der Infusion (Mittelwert 442 ± 73 ng/ml, Bereich 298 bis 533 ng/ml).
Nach Beendigung der Infusion nahm die Plasmakonzentration mit einer initialen Halbwertzeit (tα) undeiner terminalen Halbwertzeit (tβ) von 0,21 ± 0,01 bzw. 1,7 ± 0,3 Stunden rasch ab. Der Mittelwert der
Clearance betrug 41,8 ± 8,2 l/h, und das mittlere Distributionsvolumen betrug 18,3 ± 6,8 l.
Die Plasmaproteinbindung von Atosiban beträgt bei Schwangeren 46 bis 48%. Es ist nicht bekannt, obsich der freie Anteil zwischen Mutter und Fetus substantiell unterscheidet. Atosiban geht nicht in dieroten Blutkörperchen über.
Atosiban ist placentagängig. Nach Infusion von 300 µg/min bei gesunden Schwangeren am Terminergab sich ein Atosiban-Konzentrationsverhältnis von 0,12 zwischen Fetus und Mutter.
In humanen Urin- und Plasmaproben wurden zwei Metaboliten identifiziert. Das Verhältnis des
Hauptmetaboliten M1 (des-(Orn8, Gly-NH 92 )-[Mpa1, D-Tyr(Et)2, Thr4]-Oxytocin) zu den Atosiban-
Konzentrationen im Plasma betrug 1,4 und 2,8 in der zweiten Stunde bzw. bei Infusionsende. Es istnicht bekannt, ob M1 im Gewebe akkumuliert. Atosiban findet sich nur in geringen Mengen im Urin,die Konzentration im Urin ist ca. 50 mal niedriger als die von M1. Der Anteil mit den Faecesausgeschiedenem Atosiban ist nicht bekannt. Der Hauptmetabolit M1 hat auf die in vitro Hemmung
Oxytocin-induzierter Wehentätigkeit eine ca. 10mal geringere Wirkung als Atosiban. Der Metabolit
M1 wird mit der Muttermilch ausgeschieden (siehe Abschnitt 4.6).
Zur Behandlung mit Atosiban bei Patientinnen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion liegenkeine Erfahrungen vor. Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist wahrscheinlichnicht erforderlich, da Atosiban nur in geringen Mengen mit dem Urin ausgeschieden wird. Bei
Patientinnen mit eingeschränkter Leberfunktion sollte Atosiban mit Vorsicht eingesetzt werden (siehe
Abschnitte 4.2 und 4.4).
Es ist unwahrscheinlich, dass Atosiban hepatische Cytochrom P 450 Isoformen beim Menschenhemmt (siehe Abschnitt 4.5).
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Zweiwöchige intravenöse Toxizitätsstudien (in Ratten und Hunden) mit Dosen, die etwa 10mal höherwaren als die therapeutische Humandosis, sowie dreimonatige Toxizitätsstudien an Ratten und
Hunden (bis zu 20 mg/kg/Tag s.c.) ergaben keine toxischen systemischen Wirkungen. Die höchstesubkutane Atosiban-Dosis, nach der es zu keinen Nebenwirkungen kam, betrug ca. das Doppelte dertherapeutischen Humandosis.
Es wurden keine Studien durchgeführt, die die Fertilität und die frühe embryonale Entwicklungabdeckten. Studien zur Reproduktionstoxizität mit Atosiban-Gaben von der Implantation bis zur
Spätschwangerschaft zeigten keine Wirkungen auf die Muttertiere und Feten. Der Rattenfetus wurdeeiner ungefähr 4mal höheren Dosis ausgesetzt als der menschliche Fetus während der Verabreichungder intravenösen Infusion an die Mutter. Untersuchungen am Tier zeigten eine Hemmung des
Stillvermögens, wie aufgrund der Hemmung der Oxytocinwirkung zu erwarten ist..
In In-vitro- und in In-vivo-Untersuchungen war Atosiban weder onkogen noch mutagen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Mannitol
Salzsäure 1M
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
4 Jahre.
Nach dem Öffnen der Durchstechflasche muss die Verdünnung sofort zubereitet werden.
Die verdünnte Lösung zur intravenösen Verabreichung muss innerhalb von 24 Stunden nach ihrer
Zubereitung verbraucht werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C - 8 °C).
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Anbruch und Verdünnung des Arzneimittels siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Eine Durchstechflasche mit Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung enthält 5 ml Lösung,entsprechend 37,5 mg Atosiban.
Farblose Durchstechflaschen aus Glas, klares Borosilikatglas (Typ I), versiegelt mit grauemsilikonisiertem Brombutyl-Gummistopfen, Typ I, und aufklappbarem Deckel aus Polypropylen und
Aluminium.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungDie Durchstechflaschen müssen vor der Anwendung visuell auf Feststoffpartikel und
Farbveränderungen geprüft werden.
Vorbereitung der Infusionslösung:
Zur intravenösen Infusion wird nach Gabe der Bolusdosis Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur
Herstellung einer Infusionslösung in einer der folgenden Lösungen verdünnt:
- Natriumchloridlösung 9 mg/ml (0,9%) für Injektionszwecke
- Ringerlaktatlösung
- 5%ige isotonische Glukoselösung
Entnehmen Sie 10 ml Lösung aus einem 100 ml Infusionsbehältnis und verwerfen Sie diese. Ersetzen
Sie sie durch 10 ml Tractocile 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung auszwei Durchstechflaschen mit je 5 ml, so dass sich eine Konzentration von 75 mg Atosiban pro 100 mlergibt.
Das rekonstituierte Produkt ist eine klare, farblose Lösung ohne Partikel.
Die Sättigungsinfusion wird durch Infundieren von 24 ml/Stunde (d.h. 18 mg/Stunde) einer wie obenzubereiteten Lösung über einen Zeitraum von 3 Stunden verabreicht unter entsprechender ärztlicher
Aufsicht in einer Entbindungsstation. Nach drei Stunden wird die Infusionsrate auf 8 ml/Stundeverringert.
Bereiten Sie wie beschrieben neue 100 ml-Behältnisse zu, mit denen die Infusion fortgesetzt werdenkann. Wird ein Infusionsbehältnis mit einem anderen Volumen verwendet, muss die Zubereitungentsprechend neu berechnet werden.
Um eine genaue Dosierung zu erzielen, wird eine gesteuerte Infusionsvorrichtung empfohlen, mit derdie Durchflussgeschwindigkeit in Tropfen/Minute eingestellt werden kann. Eine Mikrotropfkammerfür intravenöse Verabreichung kann unterschiedliche geeignete Infusionsraten innerhalb der für
Tractocile empfohlenen Dosierungen bieten.
Sollten andere Medikamente gleichzeitig intravenös verabreicht werden, kann die intravenöse Kanülegemeinsam verwendet werden oder es wird eine andere Stelle für die intravenöse Gabe gewählt. Dieserlaubt die kontinuierliche Kontrolle der Infusionsrate.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Ferring Pharmaceuticals A/S
Amager Strandvej 4052770 Kastrup
Dänemark
Tel: +45 88 33 88 34
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
GEMEINSCHAFT
EU/1/99/124/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 20. Januar 2000
Datum der letzten Verlängerung: 20. Januar 2010
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf der Website der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.