Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels STARLIX 60mg tablets
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
STARLIX 60 mg Filmtabletten
STARLIX 120 mg Filmtabletten
STARLIX 180 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
STARLIX 60 mg Filmtabletten
Eine Filmtablette enthält 60 mg Nateglinid.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungLactose-Monohydrat: 141,5 mg pro Tablette.
STARLIX 120 mg Filmtabletten
Eine Filmtablette enthält 120 mg Nateglinid.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungLactose-Monohydrat: 283 mg pro Tablette.
STARLIX 180 mg Filmtabletten
Eine Filmtablette enthält 180 mg Nateglinid.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungLactose-Monohydrat: 214 mg pro Tablette.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette.
STARLIX 60 mg Filmtabletten
Starlix 60 mg Filmtabletten sind rosafarben und rund mit abgeschrägter Kante. Auf der einen Seite istdie Bezeichnung 'STARLIX“ und auf der anderen Seite die Ziffer '60“ eingraviert.
STARLIX 120 mg Filmtabletten
Starlix 120 mg Filmtabletten sind gelb und oval. Auf der einen Seite ist die Bezeichnung 'STARLIX“und auf der anderen Seite die Ziffer '120“ eingraviert.
STARLIX 180 mg Filmtabletten
Starlix 180 mg Filmtabletten sind rot und oval. Auf der einen Seite ist die Bezeichnung 'STARLIX“und auf der anderen Seite die Ziffer '180“ eingraviert.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Nateglinid ist indiziert für die Kombinationstherapie mit Metformin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes,die nicht ausreichend mit einer maximal tolerierbaren Metformin-Dosis eingestellt werden können.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungErwachseneNateglinid muss innerhalb von 1 bis 30 Minuten vor den Mahlzeiten (üblicherweise Frühstück,
Mittagessen und Abendessen) eingenommen werden.
Die Dosierung von Nateglinid muss vom Arzt entsprechend der Erfordernisse des Patienten festgelegtwerden.
Vor allem bei Patienten, deren HbA1c-Wert nahe am Behandlungsziel ist, wird als Startdosis 60 mgdreimal täglich vor den Mahlzeiten empfohlen. Diese kann auf 120 mg dreimal täglich erhöht werden.
Dosisanpassungen müssen auf der regelmäßigen Bestimmung des glykosylierten Hämoglobins(HbA1c) basieren. Da der primäre therapeutische Effekt von Starlix die Reduktion des prandialen
Blutzuckerspiegels (welcher einen Beitrag zum HbA1c leistet) ist, kann die therapeutische Wirkungvon Starlix auch durch Messung des Blutzuckers 1-2 Stunden nach der Mahlzeit überprüft werden.
Die empfohlene maximale Tagesdosis beträgt 3-mal täglich 180 mg, die jeweils vor den drei
Hauptmahlzeiten einzunehmen ist.
Besondere Populationen
Ältere PatientenDie klinische Erfahrung bei Patienten über 75 Jahre ist begrenzt.
NierenfunktionsstörungenBei Patienten mit leichten bis mittelschweren Nierenfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassungerforderlich. Obwohl Cmax von Nateglinid bei dialysepflichtigen Patienten um 49 % reduziert ist, bleibtdie systemische Verfügbarkeit und die Halbwertszeit bei Diabetikern mit mittelschweren bis schweren
Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance 15-50 ml/min) unter Dialyse vergleichbar mit der von
Gesunden. Obwohl die Verträglichkeit in dieser Patientenpopulation nicht beeinträchtigt wurde,könnte im Hinblick auf das erniedrigte Cmax eine Dosisanpassung erforderlich sein.
LeberfunktionsstörungenBei Patienten mit leichten bis mittelschweren Leberfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassungerforderlich. Da Patienten mit schweren Lebererkrankungen nicht untersucht wurden, ist Nateglinid indieser Patientengruppe kontraindiziert.
Kinder und JugendlicheEs liegt keine Erfahrung zur Behandlung mit Nateglinid bei Patienten unter 18 Jahre vor. Deshalbkann die Anwendung in dieser Altersgruppe nicht empfohlen werden.
AndereBei geschwächten oder unterernährten Patienten muss die Gabe der Start- und Erhaltungsdosisvorsichtig erfolgen und eine sorgfältige Titration durchgeführt werden, um hypoglykämische
Reaktionen zu vermeiden.
4.3 Kontraindikationen
Starlix ist kontraindiziert bei Patienten:
- mit Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genanntensonstigen Bestandteile
- mit Typ-1-Diabetes (C-Peptid negativ)
- mit diabetischer Ketoazidose, mit oder ohne Koma
- während der Schwangerschaft und Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6)
- mit schwerer Lebererkrankung
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
AllgemeinNateglinid darf nicht in der Monotherapie angewendet werden.
HypoglykämieWie andere Substanzen, die die Insulinsekretion anregen, kann Nateglinid Hypoglykämienhervorrufen.
Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes unter Diät und gleichzeitiger sportlicher Betätigung sowie unter
Behandlung mit oralen Antidiabetika können Hypoglykämien beobachtet werden (siehe
Abschnitt 4.8). Ältere, unterernährte Patienten und Patienten mit Funktionsstörungen der Nebennierenoder der Hirnanhangdrüse oder mit schweren Nierenfunktionsstörungen reagieren empfindlicher aufeine glukosesenkende Behandlung. Das Risiko einer Hypoglykämie bei Typ-2-Diabetikern kann durchanstrengende körperliche Betätigung oder durch Alkoholgenuss erhöht werden.
Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen (siehe Abschnitt 5.2), bei denen keine Dialysedurchgeführt wurde, reagieren empfindlicher auf den glukosesenkenden Effekt von Starlix. Bei
Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen, die eine Potenzierung der hypoglykämischen
Wirkung zeigen, sollte ein Absetzen der Therapie in Betracht gezogen werden.
Symptome einer Hypoglykämie (nicht bestätigt durch den Blutglukosespiegel) wurden bei Patientenbeobachtet, deren Ausgangswert für den HbA1c nahe am therapeutischen Zielwert (HbA1c <7,5 %) lag.
Die Kombination mit Metformin ist im Vergleich zur Monotherapie mit einem erhöhten
Hypoglykämierisiko verbunden.
Bei Patienten, die -Rezeptorenblocker erhalten, kann es schwierig sein, eine Hypoglykämie zuerkennen.
Bei Patienten, die auf ein orales hypoglykämisches Agens stabil eingestellt sind, kann es unter Stress,wie z. B. Fieber, Trauma, Infektion oder Operation, zu einem Verlust der glykämischen Kontrollekommen. In dieser Situation kann es notwendig sein, die orale hypoglykämische Behandlungabzusetzen und vorübergehend durch Insulin zu ersetzen.
Sonstige BestandteileStarlix enthält Lactose-Monohydrat. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz,völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nichtanwenden.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d.h. es ist nahezu'natriumfrei“.
Besondere Populationen
LeberfunktionsstörungenNateglinid muss bei Patienten mit mittelschwerer Lebererkrankung mit Vorsicht verabreicht werden.
Schwere Leberfunktionsstörungen, Kinder und Jugendliche
Es wurden keine klinischen Studien bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung sowie bei
Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Deshalb kann die Behandlung dieser Patientengruppen nichtempfohlen werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Eine Reihe von Arzneimitteln beeinflussen den Glukosestoffwechsel. Deshalb müssen mögliche
Wechselwirkungen vom Arzt in Erwägung gezogen werden.
Kombination mit ACE-Hemmern, NSARs, Salicylaten, Monoaminooxidase-Hemmern, nicht-selektiven Betablockern und anabolen Hormonen
Die folgenden Mittel können die hypoglykämische Wirkung von Nateglinid verstärken: Angiotensin-umwandelnde Enzyminhibitoren (ACE-Hemmer), nicht-steroidale anti-inflammatorische Substanzen,
Salicylate, Monoaminooxidase-Hemmer, nicht-selektive Betablocker und anabole Hormone (z. B.
Methandrostenolon).
Diuretika, Kortikosteroide, Beta-2-Agonisten, Somatropin, Somatostatin-Analoga, Rifampicin,
Phenytoin und Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Die folgenden Arzneimittel können die blutzuckersenkende Wirkung von Nateglinid einschränken:
Diuretika, Kortikosteroide, Beta-2-Agonisten, Somatropin, Somatostatin-Analoga (z. B. Lanreotid,
Octreotid), Rifampicin, Phenytoin und Johanniskraut (Hypericum perforatum).
Bei Einnahme oder Absetzen dieser Arzneimittel - die den hypoglykämischen Effekt von Nateglinidverstärken oder vermindern können - müssen Patienten, die Nateglinid erhalten, bezüglich einer
Änderung ihres Glukosespiegels besonders sorgfältig überwacht werden.
CYP2C9- und CYP3A4-Substrate
Daten aus in-vitro und in-vivo-Untersuchungen zeigen, dass Nateglinid vor allem durch CYP2C9metabolisiert wird; CYP3A4 ist in geringerem Ausmaß beteiligt.
In einer Interaktionsstudie mit Sulfinpyrazon, einem CYP2C9-Inhibitor, wurde bei gesunden
Probanden eine mäßige Erhöhung der AUC für Nateglinid (um ~ 28 %) beobachtet, ohne eine
Veränderung der mittleren Cmax oder der Eliminationshalbwertszeit. Bei Patienten, die Nateglinidzusammen mit CYP2C9-Inhibitoren erhalten, kann eine verlängerte Wirkdauer und möglicherweisedas Risiko einer Hypoglykämie nicht ausgeschlossen werden.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Nateglinid zusammen mit anderen, stärkeren CYP2C9-
Inhibitoren (z. B. Fluconazol, Gemfibrozil oder Sulfinpyrazon) gegeben wird, oder bei Patienten,deren CYP2C9 wenig aktiv ist.
In-vivo-Interaktionsstudien mit einem CYP3A4-Inhibitor wurden nicht durchgeführt.
Nateglinid hat in-vivo keinen klinisch relevanten Effekt auf die pharmakokinetischen Eigenschaftenvon Arzneimitteln, die durch CYP2C9 und CYP3A4 metabolisiert werden. Die Pharmakokinetik von
Warfarin (ein Substrat für CYP2C9 und CYP3A4), Diclofenac (ein Substrat für CYP2C9) und
Digoxin wird durch eine gleichzeitige Gabe von Nateglinid nicht beeinflusst. Im umgekehrten Fallebeeinflussen diese Arzneimittel die Pharmakokinetik von Nateglinid nicht. Daher ist bei gemeinsamer
Verabreichung mit Starlix keine Dosisanpassung für Digoxin, Warfarin oder andere Arzneimittel, die
Substrate für CYP2C9 oder CYP3A4 darstellen, erforderlich. Des Weiteren sind keine klinischsignifikanten pharmakokinetischen Wechselwirkungen von Starlix mit anderen oralen Antidiabetika,wie Metformin oder Glibenclamid, beobachtet worden.
In-vitro Studien haben gezeigt, dass Nateglinid ein geringes Potenzial hat, andere Stoffe aus der
Proteinbindung zu verdrängen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftTierexperimentelle Studien zeigten entwicklungstoxische Eigenschaften (siehe Abschnitt 5.3). Beischwangeren Frauen liegen keine Erfahrungen mit der Einnahme von Nateglinid vor; deshalb kann die
Sicherheit von Starlix bei Schwangeren nicht beurteilt werden. Starlix, wie auch andere orale
Antidiabetika dürfen während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
StillzeitNateglinid geht bei säugenden Ratten nach oraler Gabe in die Milch über. Obwohl nicht untersuchtwurde, ob Nateglinid auch in die Muttermilch des Menschen übergeht, könnte bei gestillten Kinderndie Möglichkeit für Hypoglykämien bestehen. Deshalb sollte Nateglinid nicht bei stillenden Frauenangewendet werden.
FertilitätDie Fertilität von männlichen oder weiblichen Ratten wurde durch Nateglinid nicht beeinträchtigt(siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenDie Auswirkungen von Starlix auf die Fahrtüchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen wurden nichtuntersucht.
Patienten sollten den Rat erhalten, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Hypoglykämien während des
Autofahrens zu verhindern. Das ist besonders wichtig für jene, die ein vermindertes oder fehlendes
Wahrnehmungsvermögen für die Anzeichen von Hypoglykämien haben oder häufig Hypoglykämienerleben. Eine mögliche Fahruntüchtigkeit in diesen Situationen muss bedacht werden.
4.8 Nebenwirkungen
Basierend auf den Erfahrungen mit Nateglinid und anderen hypoglykämisch wirkenden Arzneimittelnwurden die im Folgenden beschriebenen Nebenwirkungen beobachtet. Ihre Häufigkeit wird definiertals: Sehr häufig (1/10), häufig (1/100 bis <1/10); gelegentlich (1/1.000 bis <1/100); selten(1/10.000 bis <1/1.000); sehr selten (<1/10.000); nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage derverfügbaren Daten nicht abschätzbar).
HypoglykämieWie bei anderen Antidiabetika wurden auch bei der Verabreichung von Nateglinid Symptome einerhypoglykämischen Reaktion beobachtet. Zu diesen Symptomen gehörten Schwitzen, Zittern,
Schwindel, gesteigerter Appetit, Herzklopfen, Übelkeit, Müdigkeit und Schwächegefühl. Diese
Reaktionen zeigten in der Regel einen leichten Verlauf und waren durch die Einnahme von
Kohlenhydraten - soweit erforderlich - problemlos zu beheben. In abgeschlossenen klinischen Studienwurde unter Nateglinid-Monotherapie bei 10,4 % der Patienten, unter Kombinationstherapie mit
Nateglinid und Metformin bei 14,5 % der Patienten, unter Metformin-Monotherapie bei 6,9 % der
Patienten, unter Glibenclamid-Monotherapie bei 19,8 % der Patienten und unter Placebo bei 4,1 % der
Patienten über Symptome einer hypoglykämischen Reaktion berichtet.
Erkrankungen des ImmunsystemsSelten: Überempfindlichkeitsreaktionen wie Ausschlag, Juckreiz und Urtikaria.
Stoffwechsel- und ErnährungsstörungenHäufig: Symptome, die auf Hypoglykämien hinweisen.
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsHäufig: Bauchschmerzen, Durchfall, Dyspepsie, Übelkeit.
Gelegentlich: Erbrechen.
Leber- und GallenerkrankungenSelten: Erhöhung der Leberenzymwerte.
Sonstige Reaktionen
Sonstige unerwünschte Begleiterscheinungen wurden in klinischen Studien bei Patienten, die mit
Starlix behandelt wurden, mit gleicher Häufigkeit beobachtet wie bei Patienten unter Placebo-
Behandlung.Daten nach Markteinführung
Daten nach Markteinführung zeigten seltene Fälle von Erythema multiformae.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
In einer klinischen Studie an Patienten wurden steigende Dosierungen von bis zu 720 mg Starlix pro
Tag über 7 Tage hinweg verabreicht und gut vertragen. Aus klinischen Studien liegen keine
Erfahrungen über eine Überdosierung mit Starlix vor. Dennoch kann es im Falle einer Überdosierungzu einem verstärkten glukosesenkenden Effekt mit Entwicklung von hypoglykämischen Symptomenkommen. Hypoglykämische Reaktionen ohne Verlust des Bewusstseins oder ohne neurologische
Befunde sollten mit oraler Gabe von Glukose, Anpassung der Dosis und/oder des Essverhaltensbehandelt werden. Schwere hypoglykämische Reaktionen mit Koma, Schlaganfall oder anderenneurologischen Symptomen müssen mit intravenöser Gabe von Glukose behandelt werden. Da
Nateglinid stark an Plasmaproteine gebunden wird, ist die Dialyse keine geeignete Maßnahme, um
Nateglinid aus dem Blut zu entfernen.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: D-Phenylalanin-Derivat; ATC-Code: A10 BX 03
WirkmechanismusNateglinid ist ein Derivat der Aminosäure Phenylalanin und unterscheidet sich chemisch undpharmakologisch von anderen Antidiabetika. Nateglinid ist ein orales Sekretagogum mit schnellem
Wirkungseintritt und kurzer Wirkdauer. Seine Wirkung hängt ab von der Funktionstüchtigkeit der
Betazellen in den Langerhans´schen Inseln des Pankreas.
Die frühe Insulinsekretion ist ein Mechanismus für die Erhaltung des normalen Blutzuckerspiegels.
Wenn Nateglinid vor der Mahlzeit eingenommen wird, stellt es die frühe bzw. erste Phase der
Insulinfreisetzung wieder her, die bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nicht mehr vorhanden ist. Darausresultiert eine Erniedrigung des Glukosespiegels nach der Mahlzeit und des HbA1c-Wertes. Nateglinidschließt ATP-abhängige Kaliumkanäle der Betazellmembran, mit Eigenschaften, welche es vonanderen Sulfonylharnstoff-Rezeptor-Liganden unterscheidet. Dies führt zu einer Depolarisation der
Betazellen und zu einer Öffnung der Kalziumkanäle. Der hieraus resultierende Kalziumeinstromerhöht die Insulinsekretion.
Elektrophysiologische Studien zeigen, dass Nateglinid eine 45-300fache Selektivität für die K+
ATP-
Kanäle der pankreatischen Betazelle aufweist gegenüber den K+
ATP- Kanälen der kardiovaskulären
Zelle.
Pharmakodynamische WirkungenBei Typ-2-Diabetikern erfolgt die insulinotrope Antwort auf eine Mahlzeit innerhalb der ersten15 Minuten nach der Einnahme von Nateglinid. Dadurch kommt es zu einer blutzuckersenkenden
Wirkung während des Verlaufs der Mahlzeit. Der Insulinspiegel kehrt innerhalb von 3-4 Stunden zum
Ausgangswert zurück und verringert dabei nach der Mahlzeit die Hyperinsulinämie.
Die von Nateglinid induzierte Insulinausschüttung aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse istglukosesensitiv, sodass mit sinkendem Blutzuckerspiegel das Ausmaß der Insulinfreisetzung abnimmt.
Dagegen führt die gleichzeitige Aufnahme von Nahrung oder eine Glukose-Infusion zu einer
Verstärkung der Insulinsekretion.
Im Vergleich zu den einzeln verabreichten Wirkstoffen zeigte Nateglinid in der Kombination mit
Metformin, welches hauptsächlich den Nüchternblutzucker beeinflusst, einen additiven Effekt auf den
HbA1c-Wert.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirkung von Nateglinid in der Monotherapie war geringer als die von Metformin (Senkung des
HbA1c-Wertes (%) unter Metformin-Monotherapie 500 mg dreimal täglich -1,23 [95 % CI: -1,48; -0,99] und unter Nateglinid-Monotherapie 120 mg dreimal täglich -0,90 [95 % CI: -1,14; -0,66].
Die Wirksamkeit von Nateglinid in Kombination mit Metformin wurde in einer randomisierten,doppel-blinden 6-Monatsstudie in einem 'Überlegenheits-Design“ an 262 Patienten mit der
Wirksamkeit von Gliclazid in Kombination mit Metformin verglichen. Im Vergleich zum
Behandlungsbeginn nahm HbA1c in der 'Nateglinid plus Metformin-Gruppe“ um -0,41 % und in der'Gliclazid plus Metformin-Gruppe“ um -0,57 % ab (Unterschied: 0,17 %, [95 % Konfidenzintervall: -0,03, 0,36]). Beide Behandlungsschemata wurden gut vertragen.
Eine Endpunkt-Studie wurde mit Nateglinid bisher nicht durchgeführt. Deshalb wurde die
Langzeitwirkung der verbesserten Blutzuckerkontrolle nicht belegt.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionNateglinid wird nach oraler Verabreichung von Starlix-Tabletten vor einer Mahlzeit schnell resorbiert,wobei maximale Plasmakonzentrationen in der Regel in weniger als einer Stunde erreicht werden.
Nateglinid wird aus einer oral zu verabreichenden Lösung schnell und fast vollständig (90 %)resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit wird auf 72 % geschätzt.
VerteilungDas Verteilungsvolumen von Nateglinid basiert auf intravenösen Untersuchungen und wird auf ca.
10 l geschätzt. In-vitro-Studien zeigen, dass Nateglinid stark an Serumproteine (97-99 %),überwiegend an Serumalbumin und zu einem geringerem Ausmaß an 1-saures Glykoprotein,gebunden wird. Das Ausmaß der Bindung an Serumproteine ist über einen Testbereich von 0,1-10 µg
Starlix/ml unabhängig von der Konzentration des Arzneimittels.
BiotransformationNateglinid wird stark metabolisiert. Die Hauptmetaboliten beim Menschen entstehen durch
Hydroxylierung der Isopropyl-Seitenkette, entweder am Methin-Kohlenstoff oder an einer der
Methylgruppen. Die Aktivität der Hauptmetaboliten ist etwa 5- bis 6-mal bzw. 3-mal geringer als dievon Nateglinid. Als Nebenmetaboliten von Nateglinid wurden ein Diol, ein Isopropen und ein
Acylglucuronid identifiziert. Nur der Nebenmetabolit Isopropen verfügt über eine ähnliche Aktivitätwie Nateglinid. Daten aus in-vitro und in-vivo-Untersuchungen zeigen, dass Nateglinid vor allemdurch CYP2C9 metabolisiert wird; CYP3A4 ist in geringerem Ausmaß beteiligt.
EliminationNateglinid und seine Metaboliten werden schnell und vollständig ausgeschieden. Der größte Teil des[14C]-Nateglinids wird mit dem Urin ausgeschieden (83 %), weitere 10 % mit den Fäzes. Etwa 75 %des verabreichten [14C]-Nateglinids wurde innerhalb von sechs Stunden nach der Verabreichung im
Urin gefunden. Ca. 6-16 % der verabreichten Dosis wird in unveränderter Form in den Urinausgeschieden. Die Plasmakonzentration nimmt rasch ab. Die Eliminationshalbwertszeit von
Nateglinid betrug in allen Studien bei gesunden Probanden und Typ-2-Diabetikern durchschnittlich1,5 Stunden. In Übereinstimmung mit der kurzen Eliminationshalbwertszeit wurde bei Mehrfachgabevon bis zu 240 mg dreimal täglich keine Akkumulation von Nateglinid beobachtet.
Linearität/Nicht-LinearitätBei Patienten mit Typ-II-Diabetes, die Starlix im Dosisbereich von 60 mg bis 240 mg vor den
Mahlzeiten dreimal täglich eine Woche lang erhielten, zeigte Nateglinid eine lineare Pharmakokinetikhinsichtlich AUC und Cmax. Tmax war dosisunabhängig.
Besondere Populationen
Ältere PatientenDas Alter beeinflusst die pharmakokinetischen Eigenschaften von Nateglinid nicht.
LeberfunktionsstörungenDie systemische Verfügbarkeit und die Halbwertszeit von Nateglinid zeigt keinen klinischsignifikanten Unterschied zwischen Nicht-Diabetikern mit leichter bis mittelschwerer
Leberfunktionsstörung und Gesunden.
NierenfunktionsstörungenDie systemische Verfügbarkeit und die Halbwertszeit von Nateglinid unterscheidet sich bei
Diabetikern mit leichter bis mittelschwerer (Kreatinin-Clearance 31-50 ml/min) und schwerer(Kreatinin-Clearance 15-30 ml/min) Nierenfunktionsstörung (ohne Dialysepflicht) in einem nichtklinisch signifikanten Ausmaß von denen bei Gesunden. Obwohl Cmax von Nateglinid beidialysepflichtigen Diabetikern um 49 % vermindert ist, war die systemische Verfügbarkeit und die
Halbwertszeit bei ihnen vergleichbar mit der von Gesunden. Obwohl die Verträglichkeit in dieser
Patientenpopulation nicht beeinträchtigt wurde, könnte im Hinblick auf das erniedrigte Cmax eine
Dosisanpassung erforderlich sein.
Nach Mehrfachgabe von 90 mg einmal täglich über einen Zeitraum von 1 bis 3 Monaten zeigte sichbei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz (ESRD) trotz der reduzierten Dosis eine ausgeprägte
Akkumulation des Metaboliten M1 bis zu 1,2 ng/ml. Nach Dialyse ging die M1-Konzentrationdeutlich zurück. Obwohl der Metabolit M1 nur eine geringe hypoglykämische Aktivität aufweist(ungefähr 5 mal geringer als Nateglinid), könnte die Akkumulation des Metaboliten diehypoglykämische Wirkung der verabreichten Dosis erhöhen. Deshalb wird für Patienten mit schweren
Nierenfunktionsstörungen, die unter der Therapie mit Starlix eine Potenzierung der hypoglykämischen
Wirkung zeigen, ein Absetzen der Therapie empfohlen.
GeschlechtEs wurden keine signifikanten Unterschiede in der Pharmakokinetik von Nateglinid zwischen
Männern und Frauen beobachtet.
Pharmakokinetische/pharmakodynamische ZusammenhängeEinfluss von NahrungsmittelnEine Verabreichung von Nateglinid nach der Mahlzeit beeinflusst die Gesamtresorption (AUC) nicht.
Es ist jedoch eine verzögerte Resorption feststellbar, die durch eine Verringerung von Cmax und einspäteres Erreichen der maximalen Plasmakonzentration (tmax) charakterisiert ist. Es wird daherempfohlen, Starlix vor den Mahlzeiten einzunehmen. Die Einnahme erfolgt üblicherweise unmittelbar(1 Minute) vor einer Mahlzeit, kann jedoch auch bis zu 30 Minuten vor dieser erfolgen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe, Genotoxizität, zum kanzerogenen Potential sowie zu Fertilität und postnataler Entwicklung,lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Nateglinidwar nicht teratogen bei Ratten. Bei Kaninchen war die embryonale Entwicklung beeinträchtigt und die
Inzidenz einer Gallenblasen-Agenesie oder einer verkleinerten Gallenblase war bei Dosierungen von300 und 500 mg/kg erhöht (das entspricht der ca. 24- bzw. 28-fachen therapeutischen Exposition beim
Menschen nach einer maximal empfohlenen Nateglinid-Dosis von 180 mg, dreimal täglich vor den
Mahlzeiten), nicht aber bei 150 mg/kg (das entspricht der ca. 17-fachen therapeutischen Expositionbeim Menschen nach einer maximal empfohlenen Nateglinid-Dosis von 180 mg, dreimal täglich vorden Mahlzeiten).
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
STARLIX 60 mg Filmtabletten
Lactose-Monohydrat
Mikrokristalline Cellulose
Povidon
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat
Eisen(III)-oxid (E172)
Hypromellose
Titandioxid (E171)
Talkum
Macrogol
Hochdisperses Siliciumdioxid
STARLIX 120 mg Filmtabletten
Lactose-Monohydrat
Mikrokristalline Cellulose
Povidon
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172)
Hypromellose
Titandioxid (E171)
Talkum
Macrogol
Hochdisperses Siliciumdioxid
STARLIX 180 mg Filmtabletten
Lactose-Monohydrat
Mikrokristalline Cellulose
Povidon
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat
Eisen(III)-oxid (E172)
Hypromellose
Titandioxid (E171)
Talkum
Macrogol
Hochdisperses Siliciumdioxid
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 30°C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Blisterpackungen: PVC/PE/PVDC-Blister mit einer Heißsiegel-Deckfolie aus Aluminium.
Die Packungen enthalten 12, 24, 30, 60, 84, 120 und 360 Tabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen oder Tablettenstärken in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Novartis Europharm Limited
Vista Building
Elm Park, Merrion Road
Dublin 4
Irland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
STARLIX 60 mg Filmtabletten
EU/1/01/174/001-007
STARLIX 120 mg Filmtabletten
EU/1/01/174/008-014
STARLIX 180 mg Filmtabletten
EU/1/01/174/015-021
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 03. April 2001
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 24. April 2006
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.