Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Mittel gegen Störungen des Muskel- und Skelettsystems,
ATC-Code: M09AX07.
WirkmechanismusNusinersen ist ein Antisense-Oligonukleotid (ASO), das den Anteil des Einschlusses von Exon 7 indie Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA)-Transkripte des Survival Motor Neuron 2 (SMN2) erhöht,indem es an eine intronische Splice Silencing Site (ISS-N1) im Intron 7 auf der Prä-Messenger-
Ribonukleinsäure (prä-mRNA) von SMN2 bindet. Durch diese Bindung verdrängt das ASO die
Spleißfaktoren, welche normalerweise das Spleißen unterdrücken. Die Verdrängung dieser Faktorenführt zu einer Retention des Exon 7 in der SMN2-mRNA, die dann bei Bildung der SMN2-mRNA inein funktionelles SMN-Protein voller Länge translatiert werden kann.
SMA ist eine progressive neuromuskuläre Erkrankung, die auf Mutationen des Chromosoms 5q im
SMN1-Gen zurückzuführen ist. Ein zweites Gen, SMN2, das in der Nähe von SMN1 lokalisiert ist, istfür die Bildung einer geringen Menge von SMN-Protein verantwortlich. SMA ist ein klinisches
Krankheitsspektrum und der Schweregrad der Erkrankung hängt davon ab, wie niedrig die Anzahl an
SMN2-Gen -Kopien und wie jung der Patient bei Symptombeginn ist.
ImmunogenitätDie immunogene Reaktion auf Nusinersen wurde bei 342 Patienten ermittelt, von denen nach
Studienbeginn (Baseline) Plasmaproben zur Untersuchung auf Antikörper gegen das Arzneimittel(ADA) vorlagen. Insgesamt entwickelten 36 mit Spinraza behandelte Patienten (11 %)behandlungsbedingte ADA, die bei 14 (4 %) nur vorübergehend auftraten und bei 22 (6 %)persistierten. Die ADA hatten keinen erkennbaren Einfluss auf die Wirksamkeit oder Sicherheit, wiedie Bestimmung der Inzidenz von unerwünschten Ereignissen (UE), einschließlich
Überempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktion und Angioödem, zeigte.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitSymptomatische Patienten
Infantile Form
Die Studie CS3B (ENDEAR) war eine randomisierte Doppelblindstudie der Phase 3 mit einer
Kontrollgruppe mit Scheinintervention, die an 121 symptomatischen Säuglingen im Alter von≤ 7 Monaten mit der Diagnose SMA (Symptombeginn vor dem 6. Lebensmonat) durchgeführt wurde.
Die Studie CS3B war so konzipiert, dass die Wirkung von Spinraza auf die motorische Funktion unddas Überleben bewertet werden konnte. Die Patienten wurden im Verhältnis von 2:1 entweder
Spinraza (gemäß dem genehmigten Dosierungsschema) oder der Kontrollgruppe mit
Scheinintervention zufällig zugewiesen; die Behandlungsdauer betrug 6 bis 442 Tage.
Das mediane Alter bei Beginn der klinischen Anzeichen und Symptome der SMA betrug 6,5 Wochenbei den mit Spinraza behandelten Patienten bzw. 8 Wochen bei den Kontrollpatienten mit
Scheinintervention; 99 % der Patienten besaßen 2 Kopien des SMN2-Gens und waren daher amwahrscheinlichsten von der Entwicklung einer SMA Typ I betroffen. Das mediane Alter der Patientenbei der ersten Dosis betrug 164,5 Tage bei den Patienten mit Verumbehandlung und 205 Tage bei den
Kontrollpatienten mit Scheinintervention. Die Krankheitsmerkmale zu Beginn der Studie (Baseline)der Patienten in der mit Spinraza behandelten Gruppe und in der Kontrollgruppe mit
Scheinintervention waren im Großen und Ganzen vergleichbar, außer dass unter den mit Spinrazabehandelten Patienten zu Studienbeginn ein prozentual größerer Anteil mit paradoxer Atmung (89 %vs. 66 %), Pneumonie oder respiratorischen Symptomen (35 % vs. 22 %), Schluckbeschwerden oder
Störungen bei der Nahrungsaufnahme (51 % vs. 29 %) und Erfordernis von Beatmung (26 % vs.15 %) vertreten war als unter den Patienten in der Kontrollgruppe mit Scheinintervention.
Zum Zeitpunkt der Abschlussanalyse erreichte ein statistisch signifikant größerer Prozentsatz an
Patienten in der Spinraza-Gruppe (51 %) die Definition eines Responders mit motorischem
Meilenstein als in der Kontrollgruppe mit Scheinintervention (0 %) (p < 0,0001). Die Zeit bis zum Tododer bis zur permanenten Beatmung (≥ 16 Stunden Beatmung/Tag kontinuierlich für > 21 Tage ohneakutes reversibles Ereignis oder Tracheostomie) wurde als primärer Endpunkt festgelegt. Bei den
Patienten in der Spinraza-Gruppe wurden im Vergleich zu der Kontrollgruppe mit Scheininterventionein statistisch signifikanter Einfluss auf das ereignisfreie Überleben, das Gesamtüberleben, den Anteil
Patienten, welche die Definition eines Responders mit motorischem Meilenstein erreichten, und den
Prozentsatz an Patienten mit einer Verbesserung um mindestens 4 Punkte gegenüber dem
Ausgangswert des Children’s Hospital of Philadelphia Infant Test for Neuromuscular Disease (CHOP
INTEND) beobachtet (Tabelle 3).
Im Wirksamkeitskollektiv benötigten 18 Patienten (25 %) in der Spinraza-Gruppe und12 Patienten (32 %) in der Kontrollgruppe mit Scheinintervention eine permanente Beatmung. Vondiesen Patienten erfüllten 6 (33 %) in der Spinraza-Gruppe und 0 (0 %) in der scheinbehandelten
Gruppe die im Prüfplan definierten Kriterien eines Responders mit motorischem Meilenstein.
Tabelle 3: Primäre und sekundäre Endpunkte bei der Abschlussanalyse - Studie CS3B
Wirksamkeitsparameter Mit Spinraza behandelte Patienten mit
Patienten Scheinintervention
Überleben
Ereignisfreies Überleben2
Anzahl der Patienten, die verstarben 31 (39 %) 28 (68 %)oder permanent beatmet werdenmussten
Hazard Ratio (95% KI) 0,53 (0,32; 0,89)p-Wert6 p = 0,0046
Gesamtüberleben2
Anzahl verstorbener Patienten 13 (16 %) 16 (39 %)
Hazard Ratio (95% KI) 0,37 (0,18; 0,77)p-Wert6 p=0,0041
Motorische Funktion
Motorische Meilensteine3
Anteil an Patienten, welche die vorab 37 (51 %)1 0 (0 %)festgelegten Kriterien für Responder p<0,0001mit motorischen Meilensteinenerreichten (HINE Abschnitt 2)4,5
Anteil am Tag 183 41 % 5 %
Anteil am Tag 302 45 % 0 %
Anteil am Tag 394 54 % 0 %
Anteil mit Verbesserung der 49 (67 %) 5 (14 %)
Gesamtpunktzahl motorische
Meilensteine
Anteil mit Verschlechterung der 1 (1 %) 8 (22 %)
Gesamtpunktzahl motorische
Meilensteine
CHOP INTEND3
Anteil mit einer Verbesserung um 52 (71 %) 1 (3 %)4 Punkte p<0,0001
Anteil mit einer Verschlechterung um 2 (3 %) 17 (46 %)4 Punkte
Anteil mit jeglicher Verbesserung 53 (73 %) 1 (3 %)
Anteil mit jeglicher Verschlechterung 5 (7 %) 18 (49 %)1CS3B wurde nach einer positiven statistischen Analyse des primären Endpunktes bei der Zwischenanalyse beendet (einstatistisch signifikant größerer Prozentsatz von Patienten in der Spinraza-Gruppe (41 %) erfüllte die Definition eines
Responders mit motorischem Meilenstein als in der Kontrollgruppe mit Scheinintervention (0 %) (p<0,0001).2Zum Zeitpunkt der Abschlussanalyse wurden das ereignisfreie Überleben und das Gesamtüberleben anhand des Intent-to-
Treat-Kollektivs ausgewertet (ITT: Spinraza n=80, Kontrolle mit Scheinintervention n=41).3Zum Zeitpunkt der Abschlussanalyse wurden Analysen von CHOP INTEND und der motorischen Meilensteine anhand des
Wirksamkeitskollektivs vorgenommen (Spinraza n=73, Kontrolle mit Scheinintervention n=37).4Bewertung bei Studienvisite am Tag 183, Tag 302 oder Tag 394 der Studie, je nachdem was der jeweils späteste
Erhebungszeitpunkt war.5Nach der Hammersmith Infant Neurological Examination (HINE) Abschnitt 2: Verbesserung um ≥2 Punkte [oder
Höchstpunktzahl] für die Fähigkeit zu strampeln ODER Verbesserung der motorischen Meilensteine Kopfkontrolle, Rollen,
Sitzen, Krabbeln, Stehen oder Gehen um ≥1 Punkt UND Verbesserungen in mehr Kategorien von motorischen Meilensteinenals Verschlechterungen, definiert als Responder in dieser primären Analyse.6Basierend auf einem nach Krankheitsdauer stratifizierten Log-Rank-Test.
Das Ausmaß der Verbesserung auf der CHOP-INTEND-Skala ist in Abbildung 1 dargestellt(Veränderung gegenüber dem Ausgangswert für jeden Patienten).
Abbildung 1: Veränderung der CHOP-INTEND-Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert biszum jeweils spätesten Erhebungszeitpunkt der Studienvisiten am Tag 183, Tag 302 und Tag 394der Studie - ENDEAR-Studie/CS3B (Wirksamkeitskollektiv, ES = Efficacy Set)
N = 78 Behandlung
Spinraza
Kontrolle
Hinweis Nr. 1: Die kürzesten Säulen bei der 0-Linie zeigen den Wert 0 an.
Hinweis Nr. 2: Von den 110 Patienten im Wirksamkeitskollektiv verstarben 29 (13 (18 %) in der
Spinraza-Gruppe und 16 (43 %) in der Kontrollgruppe); 3 schieden aus anderen Gründen außer Todaus (2 (3 %) in der Spinraza-Gruppe und 1 (3 %) in der Kontrollgruppe) und wurden deshalb nicht indiese ES-Analyse einbezogen.
Um eine langfristige Nachuntersuchung (Follow-up) dieser Patienten zu ermöglichen, wurden am
Ende der Studie CS3B 89 Patienten (Spinraza: n=65; Scheinintervention: n=24) in Studie CS11(SHINE) aufgenommen. Studie CS11 ist eine unverblindete Verlängerungsstudie für SMA-Patienten,die zuvor an anderen klinischen Studien mit Spinraza teilgenommen hatten. Die Patienten, die in
Studie CS3B zu Spinraza randomisiert wurden, einschließlich der Verlängerung der Behandlung mit
Spinraza in Studie CS11, erhielten die Medikation für eine Dauer von 6 bis 3 043 Tagen (Median2 443 Tage). Die Patienten, die in Studie CS3B zur Scheinintervention randomisiert wurden und in
Studie CS11 eine Behandlung mit Spinraza begannen, erhielten die Medikation für eine Dauer von65 bis 2 520 Tagen (Median 2 090 Tage).
Es wurden Verbesserungen der motorischen Funktion bei Patienten festgestellt, die ihre Behandlungmit Spinraza nach Studie CS3B fortsetzten, sowie bei Patienten, die in Studie CS11 erstmals Spinrazaerhielten (Abbildung 3); dabei wurde der größte Nutzen bei Patienten mit früherem
Behandlungsbeginn beobachtet. Die Mehrheit der Patienten war nach Beginn der Spinraza-
Behandlung, entweder in Studie CS3B oder in Studie CS11, bei der letzten Studienvisite am Leben.
Patienten, die in Studie CS3B eine Behandlung mit Spinraza begannen, hatten ein medianes Alter von5,5 Monaten (Bereich 1,7 bis 14,9 Monate). Vom Beginn der Spinraza-Behandlung, einschließlich der
Verlängerung der Behandlung in Studie CS11, betrug die mediane Zeit bis zum Tod oder zurpermanenten Beatmung 1,4 Jahre. Am Ende von Studie CS11 waren 60 von 81 Patienten (74 %) am
Leben und 41 von 81 Patienten (51 %) waren am Leben, ohne die Definition von permanenter
Beatmung in Studie CS11 zu erfüllen. Die mittlere Gesamtpunktzahl des motorischen Meilensteins
HINE-2 erhöhte sich um 5,3 Punkte (SD 4,6; n=52) und die CHOP-INTEND-Punktzahl erhöhte sichum 18,4 Punkte (SD 14,7; n=38) vom Beginn der Spinraza-Behandlung bis zur
Nachuntersuchungsvisite an Tag 394 bzw. 2 198.
Patienten, die in Studie CS3B zur Scheinintervention randomisiert wurden und in Studie CS11 eine
Behandlung mit Spinraza begannen, hatten ein medianes Alter von 17,8 Monaten (Bereich 10,1 bis23,0 Monate). Vor dem Beginn der Spinraza-Behandlung erfüllten 12 von 24 Patienten (50 %) die
Definition der permanenten Beatmung in Studie CS11. Die mediane Zeit bis zum Tod bzw. zurpermanenten Beatmung betrug 2,76 Jahre nach Beginn der Spinraza-Behandlung in Studie CS11. Am
Ende von Studie CS11 waren 19 von 24 Patienten (79 %) am Leben und 6 von 12 Patienten (50 %)waren ohne permanente Beatmung am Leben. Eine Verbesserung der mittleren Gesamtpunktzahl dermotorischen Meilensteine um 1,4 Punkte (SD 1,8; n=12) und der CHOP-INTEND-Punktzahl um11,5 Punkte (SD 12,2; n=10) vom Ausgangswert in Studie CS11 bis zur Nachuntersuchungsvisite an
Tag 394 bzw. 2 198 wurde beobachtet.
Veränderung der CHOP-INTEND-
Punktzahl gegenüber dem
Ausgangswert
Diese Ergebnisse werden von einer offenen Phase-2-Studie unterstützt, die an symptomatischen
Patienten mit SMA-Diagnose durchgeführt wurde (CS3A). Das mediane Lebensalter bei Beginn derklinischen Anzeichen und Symptome betrug 56 Tage und die Patienten wiesen entweder 2 Kopien des
SMN2-Gens auf (n=17) oder 3 Kopien dieses Gens (n=2) (zu 1 Patient liegen keine Angaben über die
Anzahl der SMN2-Gen-Kopien vor). Bei den Patienten in dieser Studie wurde die Möglichkeit, dasssie eine SMA Typ I entwickeln, als sehr wahrscheinlich eingestuft. Das mediane Lebensalter bei derersten Dosis betrug 162 Tage.
Der primäre Endpunkt war der Anteil an Patienten mit Verbesserungen in einer oder mehreren
Kategorien von motorischen Meilensteinen (gemäß HINE Abschnitt 2: Verbesserung um ≥ 2 Punkte[oder Höchstpunktzahl] für die Fähigkeit zu strampeln oder spontanes Greifen oder Verbesserung dermotorischen Meilensteine Kopfkontrolle, Rollen, Sitzen, Krabbeln, Stehen oder Gehen um ≥ 1 Punkt).
In der Studie hatten zwölf von 20 Patienten (60 %) den primären Endpunkt mit einer Verbesserungbeim Mittelwert der im Zeitverlauf erzielten motorischen Meilensteine erreicht. Eine Verbesserung dermittleren CHOP-INTEND-Punktzahl wurde vom Ausgangswert bis Tag 1072 im Zeitverlaufbeobachtet (mittlere Veränderung 21,30). Insgesamt erreichten 11 von 20 Patienten (55 %) den
Endpunkt einer Verbesserung der CHOP-INTEND-Gesamtpunktzahl um ≥ 4 Punkte bis zur letzten
Studienvisite für die Studie. Bei der letzten Visite waren von den 20 eingeschlossenen
Studienteilnehmern 11 Patienten (55 %) am Leben und benötigten keine permanente Beatmung. Vier
Patienten erfüllten die Kriterien der permanenten Beatmung und fünf Patienten verstarben währendder Studie.
Späterer Krankheitsbeginn
Die Studie CS4 (CHERISH) war eine randomisierte Doppelblindstudie der Phase 3 mit einer
Kontrollgruppe mit Scheinintervention, die an 126 symptomatischen Patienten mit späterem SMA-
Krankheitsbeginn (Symptombeginn nach dem 6. Lebensmonat) durchgeführt wurde. Die Patientenwurden im Verhältnis 2:1 entweder Spinraza (mit 3 Aufsättigungsdosen sowie Erhaltungsdosen alle6 Monate) oder der Kontrollgruppe mit Scheinintervention zufällig zugewiesen; die Behandlungsdauerbetrug 324 bis 482 Tage. Das mediane Lebensalter beim Screening lag bei 3 Jahren und das mediane
Alter bei Beginn der klinischen Anzeichen und Symptome der SMA bei 11 Monaten. Die Mehrheitder Patienten (88 %) besitzt 3 Kopien des SMN2-Gens (8 % haben 2 Kopien, 2 % haben 4 Kopien undbei 2 % liegen keine Angaben über die Anzahl der Kopien vor). Zu Studienbeginn (Baseline) hattendie Patienten eine mittlere HFMSE-Punktzahl (Hammersmith Functional Motor Scale Expanded) von21,6 und eine mittlere RULM-Punktzahl (Revised Upper Limb Module) von 19,1. Alle Patientenhatten freies Sitzen, aber kein Patient freies Gehen erreicht. Bei den Patienten in dieser Studie wurdedie Möglichkeit, dass sie eine SMA Typ II oder III entwickeln, als sehr wahrscheinlich eingestuft. Die
Krankheitsmerkmale zu Beginn der Studie (Baseline) waren im Allgemeinen vergleichbar, außer dassder Anteil an Patienten, welche bereits einmal die Fähigkeit frei zu stehen (13 % der Patienten in der
Spinraza-Gruppe und 29 % in der Gruppe mit Scheinintervention) oder mit Unterstützung zu gehen(24 % der Patienten in der Spinraza-Gruppe und 33 % in der Gruppe mit Scheinintervention) erreichthatten, ungleich verteilt war.
Bei der Abschlussanalyse wurde in der Spinraza-Gruppe eine statistisch signifikante Verbesserung der
HFMSE-Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert bis Monat 15 im Vergleich zur Scheininterventions-
Gruppe festgestellt (Tabelle 4, Abbildung 2). Die Analyse wurde am ITT-Kollektiv durchgeführt(Spinraza: n=84; Scheinintervention: n=42). Bei Patienten, bei denen keine Studienvisite in Monat 15durchgeführt wurde, wurden die HFMSE-Daten nach Baseline nach dem Verfahren der multiplen
Imputation berechnet. Eine Analyse der Untergruppe von Patienten im ITT-Kollektiv, von denen
Beobachtungswerte für Monat 15 vorlagen, zeigte einheitliche, statistisch signifikante Ergebnisse.
Von den Patienten, für die Beobachtungswerte von Monat 15 vorlagen, zeigte ein höherer Anteil dermit Spinraza behandelten Patienten eine Verbesserung der HFMSE-Gesamtpunktzahl im Vergleichzur Scheininterventions-Gruppe (73 % versus 41 %) und ein geringerer Anteil von mit Spinrazabehandelten Patienten hatte eine Verschlechterung (23 % versus 44 %) im Vergleich zur
Scheininterventions-Gruppe. Die sekundären Endpunkte, einschließlich Funktionsmessungen und das
Erreichen von motorischen Meilensteinen gemäß WHO wurden formal statistisch ausgewertet undsind in Tabelle 4 dargestellt.
Die Einleitung der Behandlung zu einem früheren Zeitpunkt nach Symptombeginn führte zu einerfrüheren und ausgeprägteren Verbesserung der motorischen Funktion als bei späterem
Behandlungsbeginn. Jedoch zeigte sich bei beiden Gruppen ein Nutzen gegenüber der
Scheinintervention.
Tabelle 4: Primäre und sekundäre Endpunkte bei der Abschlussanalyse - Studie CS41
Mit Spinraza behandelte Patienten mit
Patienten Scheinintervention
HFMSE-Punktzahl
Veränderung der HFMSE- 3,9 (95 %-KI: 3,0; 4,9) -1,0 (95 %-KI: -2,5; 0,5)
Gesamtpunktzahl gegenüber dem p=0,0000001
Ausgangswert nach 15 Monaten1,2,3
Anteil an Patienten mit einer 56,8 % (95 %-KI: 45,6; 26,3 % (95 %-KI: 12,4;
Verbesserung um mindestens 68,1) 40,2)3 Punkte gegenüber dem p=0,00065
Ausgangswert bis Monat 15.2
RULM
Mittlere Veränderung gegenüber dem 4,2 (95 %-KI: 3,4; 5,0) 0,5 (95 %-KI: -0,6; 1,6)
Ausgangswert bis Monat 15 bei der p=0,00000016
RULM-Gesamtpunktzahl2,3
Motorische Meilensteine gemäß
WHO
Anteil an Patienten, die bis Monat 15 19,7 % (95 %-KI: 10,9; 5,9 % (95 %-KI: 0,7;neue motorische Meilensteine 31,3) 19,7)erreichten4 p=0,08111CS4 wurde nach einer positiven statistischen Analyse des primären Endpunktes bei der Zwischenanalyse beendet (bei denmit Spinraza behandelten Patienten wurde eine statistisch signifikante Verbesserung der HFMSE-Punktzahl gegenüber dem
Ausgangswert im Vergleich zu den Patienten mit Scheinintervention beobachtet (Spinraza vs. Scheinintervention: 4,0 vs. -1,9; p=0,0000002))2 Bewertung anhand des Intent-to-Treat-Kollektivs (Spinraza n=84; Scheinintervention n=42); die Daten von Patienten ohne
Studienvisite in Monat 15 wurden nach dem Verfahren der multiplen Imputation berechnet.3Mittelwert der kleinsten Quadrate4 Bewertung anhand des Wirksamkeitssets von Monat 15 (Spinraza n=66; Scheinbehandlung n=34); bei fehlenden Datenbasieren die Analysen auf kalkulierten Daten.5 Basierend auf einer logistischen Regression mit Behandlungseffekt und Anpassung um das Alter jedes Patienten beim
Screening und HFMSE-Punktzahl zu Studienbeginn (Baseline)6Nominaler p-Wert
Abbildung 2: Mittlere Veränderung der HFMSE-Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert imzeitlichen Verlauf bei der Abschlussanalyse (ITT) - Studie CS4 1,2
Monate
Spinraza (n=84) Kontrolle (n=42)1 Daten für Patienten ohne Studienvisite in Monat 15 wurden nach dem Verfahren der multiplen Imputationberechnet.2 Fehlerbalken bezeichnen +/- Standardfehler
Nach Beendigung der Studie CS4 (CHERISH) wurden 125 Patienten (83 mit Spinraza-Behandlungund 42 mit Scheinintervention) in die Studie CS11 (SHINE) eingeschlossen, in der alle Patienten
Spinraza erhielten. Die Mehrheit der mit Spinraza behandelten Patienten zeigte eine Stabilisierungoder Verbesserung der motorischen Funktion, wobei der größte Nutzen bei den Patienten mit früherem
Behandlungsbeginn beobachtet wurde.
Patienten, die in Studie CS4 eine Behandlung mit Spinraza begannen, hatten ein medianes Alter von4,1 Jahren (Bereich 2,1 bis 9,2 Jahre). Vom Beginn der Spinraza-Behandlung, einschließlich der
Verlängerung der Behandlung in Studie CS11, erhielten die Patienten die Medikation für einenmedianen Zeitraum von 7,2 Jahren (Bereich 1,3 bis 8,4 Jahre). Bei der Nachuntersuchungsvisite an
Tag 2 070 zeigte die mittlere HFMSE-Punktzahl einen Anstieg um 1,3 Punkte (SD 9,4; n=54) und diemittlere RULM-Punktzahl einen Anstieg um 6,4 Punkte (SD 6,5; n=54).
Die in Studie CS4 zur Scheinintervention randomisierten Patienten begannen die Behandlung mit
Spinraza in Studie CS11 in einem medianen Alter von 4,9 Jahren (Bereich 3,3 bis 9,0 Jahre). Vom
Beginn der Spinraza-Behandlung in Studie CS11 erhielten die Patienten die Medikation für einenmedianen Zeitraum von 5,8 Jahren (Bereich 2,7 bis 6,7 Jahre). Bei der Nachuntersuchungsvisite an
Tag 2 070 zeigte die mittlere HFMSE-Punktzahl eine Reduktion um 1,3 Punkte (SD 9,3; n=22) unddie mittlere RULM-Punktzahl einen Anstieg um 4,2 Punkte (SD 4,4; n=23).
Im Gegensatz dazu zeigt der natürliche Krankheitsverlauf von unbehandelten Patienten gleichen
Alters und mit vergleichbaren klinischen Merkmalen einen im Zeitverlauf fortschreitenden Verlustmotorischer Funktionen mit einer geschätzten durchschnittlichen Abnahme der HFMSE-Punktzahl um6,6 Punkte über einen vergleichbaren Zeitraum von 5 Jahren.
Diese Ergebnisse werden durch 2 offene Studien (Studie CS2 und Studie CS12) unterstützt. Die
Analyse schloss 28 Patienten ein, die ihre erste Dosis in Studie CS2 erhielten und dann in die
Verlängerungsphase, Studie CS12, übernommen wurden. In die Studien wurden Patienteneingeschlossen, die bei der ersten Dosis zwischen 2 und 15 Jahre alt waren. Von den 28 Patientenwaren 3 bei ihrer letzten Studienvisite im Rahmen der Studie mindestens 18 Jahre alt. Von den28 Patienten hatte einer 2 Kopien des SMN2-Gens, 21 hatten 3 Kopien und 6 hatten 4 Kopien.
Veränderung im Mittelwert der kleinsten Quadratedes HFMSE gegenüber dem Ausgangswert
Die Patienten wurden über einen Behandlungszeitraum von 3 Jahren beurteilt. Eine anhaltende
Verbesserung wurde bei Patienten mit SMA Typ II beobachtet, bei denen eine mittlere Verbesserungder HFMSE-Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert um 5,1 Punkte (Standardabweichung[SD] 4,05; n=11) an Tag 253 und um 9,1 Punkte (SD 6,61, n=9) an Tag 1050 vorlag. Die mittlere
Gesamtpunktzahl betrug 26,4 (SD 11,91) an Tag 253 und 31,3 (SD 13,02) an Tag 1050; es wurde kein
Plateau beobachtet. Patienten mit SMA Typ III zeigten eine mittlere Verbesserung der HFMSE-
Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert um 1,3 Punkte (SD 1,87, n=16) an Tag 253 und 1,2 Punkte(SD 4,64, n=11) an Tag 1050. Die mittlere Gesamtpunktzahl betrug 49,8 (SD 12,46) an Tag 253 und52,6 (SD 12,78) an Tag 1050.
Bei Patienten mit SMA Typ II wurde der Upper Limb Module-Test durchgeführt und ergab einemittlere Verbesserung um 1,9 Punkte (SD 2,68, n=11) an Tag 253 und um 3,5 Punkte (SD 3,32, n=9)an Tag 1050. Der mittlere Gesamtwert betrug 13,8 (SD 3,09) an Tag 253 und 15,7 (SD 1,92) an
Tag 1050.
Der 6-Minuten-Gehtest (6MWT, engl. six-minute walk test) wurde nur bei gehfähigen Patientendurchgeführt. Bei diesen Patienten wurde eine mittlere Verbesserung um 28,6 Meter (SD 47,22, n=12)an Tag 253 und um 86,5 Meter (SD 40,58, n=8) an Tag 1050 beobachtet. Die mittlere 6MWT-
Gehstrecke betrug 278,5 Meter (SD 206,46) an Tag 253 und 333,6 Meter (SD 176,47) an Tag 1050.
Zwei Patienten, die zuvor nicht ohne Hilfe gehfähig waren (SMA Typ III) sowie ein nicht gehfähiger
Patient (Typ II), erlangten die Fähigkeit unabhängig zu gehen.
Eine zusätzliche klinische Studie CS7 (EMBRACE) wurde für Patienten geöffnet, die aufgrund ihres
Alters beim Screening oder der Anzahl der SMN2-Kopien nicht für die Teilnahme an Studie CS3Boder CS4 in Frage kamen. Studie CS7 ist eine randomisierte, doppelblinde Studie der Phase 2 mit
Scheinintervention, die mit Patienten durchgeführt wurde, die mit SMA mit Krankheitsbeginn im
Säuglingsalter (≤ 6 Monate) oder mit späterem SMA-Krankheitsbeginn (> 6 Monate) und 2 oder 3
Kopien des SMN2-Gens (Teil 1) diagnostiziert wurden. Im Anschluss an diese Studie erfolgte einelangfristige, unverblindete Verlängerungsphase (Teil 2). In Teil 1 der Studie wurden die Patienten füreine mediane Dauer von 302 Tagen beobachtet.
Alle Patienten, die Spinraza erhielten, waren zum Zeitpunkt der vorzeitigen Beendigung von Teil 1 am
Leben; ein Patient des Kontrollarms verstarb jedoch an Studientag 289. Darüber hinaus benötigte kein
Patient in der Spinraza- oder Scheininterventionsgruppe eine permanente Beatmung. Von den13 Patienten mit SMA mit Krankheitsbeginn im Säuglingsalter haben 7 von 9 Patienten (78 %, 95%
KI: 45, 94) in der Spinraza-Gruppe und 0 von 4 Patienten (0 %; 95% KI: 0, 60) in der
Scheininterventionsgruppe die Kriterien für das Ansprechen mit motorischen Meilensteinen erfüllt(gemäß HINE, Abschnitt 2: Verbesserung um ≥2 Punkte [oder Höchstpunktzahl] für die Fähigkeit zustrampeln ODER Verbesserung der motorischen Meilensteine Kopfkontrolle, Rollen, Sitzen,
Krabbeln, Stehen oder Gehen um ≥1 Punkt UND Verbesserungen in mehr Kategorien vonmotorischen Meilensteinen als Verschlechterungen). Von den 8 Patienten mit SMA mit späterem
Krankheitsbeginn erfüllten 4 von 5 Patienten (80 %, 95% KI: 38, 96) in der Spinraza-Gruppe und 2von 3 Patienten (67 %; 95% KI: 21, 94) in der Scheininterventionsgruppe diese Definition des
Ansprechens.
ErwachseneReal-World-Resultate aus der klinischen Anwendung stützen die Wirksamkeit von Nusinersen bei der
Stabilisierung oder der Verbesserung der motorischen Funktion bei einigen erwachsenen Patienten mit
SMA Typ II und III.
Nach 14-monatiger Behandlung mit Nusinersen betrug die Anzahl der Patienten mit klinischbedeutsamer Verbesserung gegenüber Baseline auf der HFMSE-Funktionsskala (≥ 3 Punkte) 53 von129 Patienten, die Anzahl an Patienten mit klinisch bedeutsamer Verbesserung auf der RULM-Skala(≥ 2 Punkte) 28 von 70 und unter gehfähigen Patienten im 6MWT (≥ 30 Meter) 25 von 49.
Die Sicherheitsdaten in der erwachsenen Population stehen im Einklang mit dem bekannten
Sicherheitsprofil von Nusinersen und mit den Komorbiditäten, die mit der Grunderkrankung SMAassoziiert sind.
Präsymptomatische Säuglinge
Studie CS5 (NURTURE) ist eine offene Studie an präsymptomatischen Säuglingen mit genetischdiagnostizierter SMA, die im Alter von 6 Wochen oder jünger in die Studie eingeschlossen wurden.
Bei den Patienten in dieser Studie wurde die Möglichkeit, dass sie eine SMA Typ I oder II entwickeln,als sehr wahrscheinlich eingestuft. Das mediane Lebensalter bei der ersten Dosis betrug 22 Tage.
Eine Zwischenanalyse wurde durchgeführt, als die Studienteilnahme der Patienten eine mediane Dauervon 48,3 Monaten (36,6 bis 57,1 Monate) betrug und die Patienten bei der letzten Visite ein medianes
Alter von 46,0 Monaten (34,0 bis 57,1 Monate) hatten. Zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse warenalle 25 Patienten (2 SMN2-Genkopien, n=15; 3 SMN2-Genkopien, n=10) ohne permanente Beatmungam Leben. Die mediane Dauer der Studienteilnahme betrug 317,5 Tage. Der primäre Endpunkt, der
Zeitpunkt bis zum Tod oder bis zu einer respiratorischen Intervention (definiert als invasive odernicht-invasive kontinuierliche Beatmung für ≥ 6 Stunden/Tag an ≥ 7 aufeinanderfolgenden Tagen oder
Tracheostomie), konnte aufgrund zu weniger Ereignisse nicht bestimmt werden. Bei vier Patienten(2 SMN2-Kopien) war eine respiratorische kontinuierliche Intervention für > 6 Stunden/Tag an≥ 7 aufeinanderfolgenden Tagen erforderlich; bei allen wurde eine Beatmungsunterstützung währendeiner akuten reversiblen Krankheit initiiert.
Die Patienten erreichten Meilensteine, die man bei einer SMA des Typs I oder II nicht erwarten würdeund die eher denen einer normalen Entwicklung entsprachen. Bei der Zwischenanalyse erreichten alle25 Patienten (100 %) den motorischen Meilenstein gemäß WHO für freies Sitzen, 23 Patienten (92 %)konnten mit Hilfe gehen und 22 (88 %) konnten ohne Hilfe gehen. Von den Patienten erzielten 21(84 %) die maximal erreichbare CHOP-INTEND-Punktzahl von 64. Alle Patienten konnten bei derletzten Visite (Tag 788) nuckeln und schlucken, wobei 22 der Säuglinge (88 %) die Höchstpunktzahlder HINE, Abschnitt 1 erreichten.
Die Anzahl der Patienten, die eine klinisch manifeste SMA entwickelten, wurde bei der Studienvisitean Tag 700 bewertet. Die im Prüfplan definierten Kriterien für eine klinisch manifeste SMA waren einaltersangepasstes Körpergewicht unterhalb der fünften Perzentile gemäß WHO, eine Abnahme um2 oder mehr entscheidenden Kurvenperzentilen der Gewichtszunahme, das Anlegen einer perkutanen
Magensonde und/oder die Unfähigkeit, den erwarteten altersentsprechenden WHO-Meilenstein (freies
Sitzen, Stehen mit Hilfe, auf Händen und Knien krabbeln, Gehen mit Hilfe, freies Stehen und Gehenohne Hilfe) zu erreichen. An Tag 700 erfüllten 7 von 15 Patienten (47 %) mit 2 SMN2-Genkopien und0 von 5 Patienten (0 %) mit 3 SMN2-Genkopien die im Prüfplan definierten Kriterien einer klinischmanifesten SMA; diese Patienten zeigten jedoch eine Gewichtszunahme und erreichten WHO-
Meilensteine, die bei einer SMA Typ I nicht erwartet werden. Abbildung 3 zeigt einen Vergleich dererreichten motorischen Meilensteine von Patienten mit infantiler symptomatischer SMA undpräsymptomatischer SMA.
Abbildung 3: Veränderung der motorischen Meilensteine gemäß HINE versus Studientage für
Studie CS3B (Verum- und Scheinintervention), CS3A, CS5 und CS11