Packungsbeilage SIRTURO 100mg Tabletten

Angewendet bei: Tuberkulose

Art der Anwendung: oral

Substanz: bedaquilin (Antituberkulotikum)

ATC: J04AK05 (Antiinfektiva zur Systemischen Anwendung | Mittel zur Behandlung der Tuberkulose | Andere Mittel zur Behandlung der Tuberkulose)

Hinweise:
Schwerwiegende Arzneimittelwechselwirkungen
Schwerwiegende Arzneimittelwechselwirkungen

Dieses Arzneimittel kann wichtige Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben.

Regelmäßige Laboruntersuchungen erforderlich
Regelmäßige Laboruntersuchungen erforderlich

Während der Behandlung können regelmäßige Laboruntersuchungen erforderlich sein.

Warnhinweis während der Schwangerschaft
Warnhinweis während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft nur auf ärztliche Empfehlung anwenden.

Bedaquilin ist ein Medikament, das zur Behandlung von multiresistenter pulmonaler Tuberkulose (MDR-TB) in Kombination mit anderen antituberkulösen Medikamenten eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die mykobakterielle ATP-Synthase hemmt, ein Enzym, das für die Energieproduktion in Mycobacterium tuberculosis essentiell ist.

Das Medikament wird oral eingenommen, in der Regel einmal täglich, wie vom Arzt verordnet. Die Behandlung erfordert eine enge Überwachung, um die Wirksamkeit zu beurteilen und die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern.

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und erhöhte Leberenzymwerte. In seltenen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen oder Hepatotoxizität auftreten.

Bedaquilin wird nicht für schwangere oder stillende Frauen empfohlen, es sei denn, der Nutzen überwiegt die Risiken. Patienten sollten ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Allgemeine Daten zu SIRTURO 100mg

  • Substanz: bedaquilin
  • Datum der letzten Medikamentenliste: 01-06-2026
  • Produktcode: W60621001
  • Konzentration: 100mg
  • Darreichungsform: Tabletten
  • Menge: 188
  • Produktart: Originalpräparat
  • Preis: 64149.27 RON
  • Abgabebedingungen: P-RF - Arzneimittel, die mit einer ärztlichen Verschreibung abgegeben werden, die in der Apotheke einbehalten wird und nicht erneuert werden kann.

Marketing autorisation

  • Zulassungshersteller: JANSSEN PHARMACEUTICA NV - BELGIA
  • Zulassungsinhaber: JANSSEN-CILAG INTERNATIONAL NV - BELGIA
  • Zulassungsnummer: 901/2014/01
  • Haltbarkeit: 3 Jahre

Vergütungslisten für SIRTURO 100mg Cilag

NGP 1.B (C2) - Tuberkulose

Preis

Zuzahlung

Patient

64149.27 RON

64149.27 RON

0.00 RON

Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels SIRTURO 100mg Tabletten

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

SIRTURO 20 mg Tabletten

SIRTURO 100 mg Tabletten

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

SIRTURO 20 mg Tabletten

Jede Tablette enthält Bedaquilinfumarat entsprechend 20 mg Bedaquilin.

SIRTURO 100 mg Tabletten

Jede Tablette enthält Bedaquilinfumarat entsprechend 100 mg Bedaquilin.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung

Jede 100-mg-Tablette enthält 145 mg Lactose (als Monohydrat).

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

SIRTURO 20 mg Tabletten

Tablette.

Unbeschichtete, weiße bis fast weiße längliche Tablette (12,0 mm lang x 5,7 mm breit) mitbeidseitiger Bruchkerbe und der Prägung '2“ und '0“ auf der einen Seite und glatt auf der anderen

Seite.

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

SIRTURO 100 mg Tabletten

Tablette.

Unbeschichtete, weiße bis fast weiße runde bikonvexe Tablette mit einem Durchmesser von 11 mmund der Prägung 'T“ über '207“ auf der einen Seite und '100“ auf der anderen Seite.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

SIRTURO wird bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten (im Alter von 5 Jahren bis unter18 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 15 kg) mit pulmonaler Tuberkulose (TB)infolge einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis mit Resistenz gegen mindestens Rifampicinund Isoniazid als Teil einer geeigneten Kombinationstherapie angewendet.

Die offiziellen Leitlinien für den angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Wirkstoffen sind zuberücksichtigen.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Die Therapie mit SIRTURO muss von einem Arzt mit Erfahrung in der Behandlung von TB infolgeeiner Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazid initiiertund überwacht werden.

Bei der Auswahl einer geeigneten Kombinationstherapie sind die WHO-Leitlinien zu berücksichtigen.

SIRTURO darf nur in Kombination mit anderen Arzneimitteln angewendet werden, gegen die sich das

Patientenisolat in vitro als empfindlich erwiesen hat oder gegen die es wahrscheinlich empfindlichsein wird. Bezüglich der spezifischen Dosierungsempfehlungen sind die Fachinformationen der

Arzneimittel, die in Kombination mit SIRTURO angewendet werden, heranzuziehen.

Es wird empfohlen, SIRTURO unter direkter Überwachung [directly observed therapy (DOT)]anzuwenden.

Dosierung
Erwachsene

Die empfohlene Dosierung von SIRTURO bei Erwachsenen (18 Jahre und älter) ist in Tabelle 1dargestellt.

Tabelle 1: Empfohlene Dosierung von SIRTURO bei Erwachsenen

Population Dosierungsempfehlung

Woche 1 bis 2 Woche 3 bis 24

Erwachsene (18 Jahre und älter) 400 mg oral einmal täglich 200 mg oral dreimal pro

Wocheaa Mindestens 48 Stunden zwischen den Dosen

Die Gesamtdauer der Behandlung mit SIRTURO beträgt 24 Wochen. SIRTURO soll mit einer

Mahlzeit eingenommen werden.

Kinder und Jugendliche

Die empfohlene Dosierung von SIRTURO bei Kindern und Jugendlichen (5 Jahre bis unter 18 Jahre)basiert auf dem Körpergewicht und ist in Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 2: Empfohlene Dosierung von SIRTURO bei Kindern und Jugendlichen (5 Jahre bisunter 18 Jahre)

Körpergewicht Dosierungsempfehlung

Woche 1 bis 2 Woche 3 bis 24

Größer oder gleich 15 kg bis 160 mg oral einmal täglich 80 mg oral dreimal proweniger als 20 kg Wochea

Größer oder gleich 20 kg bis 200 mg oral einmal täglich 100 mg oral dreimal proweniger als 30 kg Wochea

Größer oder gleich 30 kg 400 mg oral einmal täglich 200 mg oral dreimal pro

Wocheaa Mindestens 48 Stunden zwischen den Dosen

Die Gesamtdauer der Behandlung mit SIRTURO beträgt 24 Wochen. SIRTURO soll zusammen miteiner Mahlzeit eingenommen werden.

Behandlungsdauer

Die gesamte Behandlungsdauer mit SIRTURO beträgt 24 Wochen. Wenn die Behandlung mit

SIRTURO für eine Dauer von mehr als 24 Wochen als notwendig erachtet wird, kann die Behandlungbei Erwachsenen mit einer Dosis von 200 mg dreimal pro Woche bis zu 40 Wochen fortgesetztwerden (siehe Abschnitte 4.8 und 5.1).

Ausgelassene Dosen

Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, SIRTURO genau wie verschrieben über diegesamte Behandlungsdauer einzunehmen.

Wenn während der ersten zwei Behandlungswochen eine Dosis ausgelassen wurde, sollten die

Patienten die ausgelassene Dosis nicht mehr einnehmen, sondern mit dem gewohnten

Dosierungsschema am nächsten Tag fortfahren.

Wenn von Woche drei an eine Dosis ausgelassen wurde, sollten die Patienten die ausgelassene Dosisso bald wie möglich einnehmen und dann das Dosierungsschema mit drei Einnahmen pro Wochewieder aufnehmen. Die Gesamtdosis von SIRTURO über einen Zeitraum von 7 Tagen sollte dieempfohlene Wochendosis nicht überschreiten (mit mindestens 24 Stunden zwischen jeder Einnahme).

Ältere Menschen

Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Therapie von SIRTURO bei älteren Patientenvor (siehe Abschnitt 5.2).

Leberfunktionsstörung

Bei Patienten mit geringer oder mäßiger Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung von

SIRTURO erforderlich (siehe Abschnitt 5.2). Dennoch muss SIRTURO bei Patienten mit mäßiger

Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitt 5.2). Da SIRTURO bishernicht bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung untersucht wurde, wird die Anwendung beidiesen Patienten nicht empfohlen.

Nierenfunktionsstörung

Bei Patienten mit geringer oder mäßiger Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassungerforderlich. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)oder terminaler Niereninsuffizienz, die eine Hämodialyse oder Peritonealdialyse erforderlich macht,sollte SIRTURO mit Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitt 5.2).

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von SIRTURO bei Kindern im Alter unter 5 Jahren oder mit einem

Körpergewicht von unter 15 kg ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.

SIRTURO kann in das Behandlungsregime von Kindern im Alter von 5 Jahren oder älter und miteinem Körpergewicht von mindestens 15 kg mit bestätigter oder wahrscheinlicher pulmonaler TBinfolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazidaufgenommen werden, deren Diagnose aufgrund klinischer Anzeichen und Symptome einerpulmonalen TB-Erkrankung erfolgte, die in einem entsprechenden epidemiologischen Kontext stehtund mit internationalen/lokalen Leitlinien übereinstimmt (siehe Abschnitt 4.1).

Art der Anwendung

SIRTURO soll zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, da die Einnahme mit einer

Mahlzeit die orale Bioverfügbarkeit um ca. das 2-Fache erhöht (siehe Abschnitt 5.2). Es gibt eine Artder Anwendung der SIRTURO 100 mg Tablette und vier verschiedene Arten der Anwendung der

SIRTURO 20 mg Tablette. Jede Art der Anwendung erfordert die Einnahme von SIRTUROzusammen mit einer Mahlzeit.

SIRTURO 100 mg Tabletten

SIRTURO 100 mg Tabletten sollen unzerkaut mit Wasser geschluckt und zusammen mit einer

Mahlzeit eingenommen werden.

SIRTURO 20 mg Tabletten

Anwendung der 20 mg Tabletten bei Patienten, die ganze Tabletten schlucken können:

SIRTURO 20 mg Tabletten sollen ganz oder entlang der funktionellen Bruchkerbe geteilt in zweigleichen Hälften mit Wasser geschluckt und zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden.

Anwendung der 20 mg Tabletten bei Patienten, die ganze Tabletten nicht schlucken können:

In Wasser dispergiert und mit einem Getränk oder Weichkost eingenommen

Bei Patienten, die Schwierigkeiten haben, ganze Tabletten zu schlucken, kann die SIRTURO 20 mg

Tablette in Wasser dispergiert angewendet werden. Zur Erleichterung der Einnahme kann die in

Wasser dispergierte Mischung mit einem Getränk (z. B. Wasser, Milchprodukt, Apfelsaft,

Orangensaft, Cranberrysaft oder kohlensäurehaltiges Getränk) oder Weichkost (z. B. Joghurt,

Apfelmus, Bananenpüree oder Haferbrei) wie folgt weiter vermengt werden:

- Tabletten in Wasser (maximal 5 Tabletten in 5 ml Wasser) in einem Trinkbecher dispergieren.

- Den Inhalt des Bechers gut mischen, bis die Tabletten vollständig dispergiert sind, und dann den

Inhalt des Bechers sofort oral zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen. Um die Einnahme zuerleichtern, kann die in Wasser dispergierte Mischung mit mindestens 5 ml Getränk oder1 Teelöffel Weichkost weiter gemischt und dann der Inhalt des Bechers sofort eingenommenwerden.

- Wenn für die Gesamtdosis mehr als 5 Tabletten erforderlich sind, die obigen

Zubereitungsschritte mit der entsprechenden Anzahl zusätzlicher Tabletten wiederholen, bis diegewünschte Dosis erreicht ist.

- Um sicherzustellen, dass keine Tablettenreste im Becher zurückbleiben, mit einem Getränkspülen oder weitere Weichkost hinzufügen und den Becherinhalt sofort einnehmen.

Zerkleinert und mit Weichkost gemischt

Die SIRTURO 20 mg Tablette kann unmittelbar vor der Anwendung zerkleinert und mit Weichkost(z. B. Joghurt, Apfelmus, Bananenpüree oder Haferbrei) gemischt und eingenommen werden. Umsicherzustellen, dass keine Tablettenreste in dem Behältnis zurückbleiben, weitere Weichkosthinzufügen und den Inhalt sofort einnehmen.

Informationen zur Anwendung über eine Ernährungssonde finden Sie in Abschnitt 6.6.

4.3 Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Es liegen keine klinischen Daten zur Anwendung von SIRTURO vor, bei:

- extrapulmonaler TB (z. B. des zentralen Nervensystems, der Knochen)

- Infektionen durch andere Mykobakterien als M. tuberculosis

- latenter Infektion mit M. tuberculosis

Es liegen keine Daten zur Anwendung von SIRTURO als Teil einer Kombinationstherapie zur

Behandlung der Tuberkulose verursacht durch arzneimittelempfindliche M. tuberculosis vor.

Bedaquilinresistenz

Um der Entwicklung einer Bedaquilinresistenz vorzubeugen, sollte Bedaquilin nur in einer für die

Behandlung von pulmonaler TB infolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegenmindestens Rifampicin und Isoniazid geeigneten Kombinationstherapie verwendet werden, die vonoffiziellen Leitlinien, wie die der WHO, empfohlen wird (siehe Abschnitt 4.2).

QT-Verlängerung

Da SIRTURO das QT-Intervall verlängern kann, sollte vor Behandlungsbeginn mit SIRTURO unddanach mindestens einmal monatlich ein Elektrokardiogramm (EKG) gemacht werden, um das QTc-

Intervall zu überwachen. Serum-Kalium-, -Calcium- und -Magnesiumwerte sollten vor

Behandlungsbeginn bestimmt und bei Abweichungen von den Normwerten korrigiert werden. Bei

Nachweis einer QT-Verlängerung, sollten die Elektrolyte weiterhin überwacht werden (siehe

Abschnitte 4.5 und 4.8).

Die Initiierung einer Behandlung mit SIRTURO wird unter folgenden Umständen nicht empfohlen, essei denn, es wird davon ausgegangen, dass der Nutzen von Bedaquilin die potenziellen Risikenüberwiegt:

- bei Herzinsuffizienz

- bei mit der Fridericia-Formel korrigiertem QT-Intervall (QTcF) > 450 ms (bestätigt durchwiederholte EKGs)

- bei angeborener QT-Verlängerung in der Eigen- oder Familienanamnese

- bei bestehender oder anamnestischer Hypothyreose

- bei bestehender oder anamnestischer Bradyarrhythmie

- bei anamnestischer Torsade-de-pointes-Tachykardie

- bei Hypokaliämie

Wird Bedaquilin zusammen mit anderen Arzneimitteln angewendet, die das QT-Intervall verlängern(einschließlich Clofazimin, Delamanid oder Fluorchinolonen), wird eine additive Wirkung auf die

QT-Verlängerung erwartet (siehe Abschnitt 4.5). Eine Behandlung mit SIRTURO kann nach einergünstigen Nutzen-Risiko-Bewertung und unter EKG-Überwachung in Betracht gezogen werden.

Die Behandlung mit SIRTURO muss abgebrochen werden, wenn der Patient Folgendes entwickelt:

- eine klinisch signifikante ventrikuläre Arrhythmie

- ein QTcF-Intervall von > 500 ms (bestätigt durch wiederholte EKGs).

Bei Auftreten einer Synkope, sollte zwecks Ausschlusses einer QT-Verlängerung ein

Elektrokardiogramm durchgeführt werden.

Hepatische Sicherheit

In klinischen Studien bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten wurden während der Behandlungmit SIRTURO und der Basistherapie Erhöhungen der Transaminasen begleitet von Gesamtbilirubin≥ 2x ULN (upper limit of normal, oberer Normalwert) beobachtet (siehe Abschnitt 4.8). Patientensollten während des gesamten Behandlungsverlaufs überwacht werden, da Erhöhungen der

Leberenzym-Aktivitäten nur langsam auftraten und während der 24 Wochen graduell zunahmen.

Symptome und Laborwerte [AST (Aspartat-Aminotransferase), ALT (Alanin-Aminotransferase),alkalische Phosphatase und Bilirubin] sollten vor der Behandlung und monatlich sowie bei Bedarfwährend der Behandlung kontrolliert werden. Wenn AST oder ALT das 5-Fache des ULNüberschreiten, sollte das Therapieschema überprüft und SIRTURO und/oder jedes hepatotoxische

Arzneimittel der Basistherapie abgesetzt werden.

Andere hepatotoxische Arzneimittel und Alkohol sollten während der Behandlung mit SIRTUROvermieden werden, besonders bei Patienten mit verminderter hepatischer Funktion.

Kinder und Jugendliche

Bei Jugendlichen mit einem Körpergewicht zwischen 30 und 40 kg wird eine durchschnittlich höhere

Exposition im Vergleich zu erwachsenen Patienten erwartet (siehe Abschnitt 5.2). Dies könnte miteinem erhöhten Risiko einer QT-Verlängerung oder Hepatotoxizität verbunden sein.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
CYP3A4-Induktoren

Bedaquilin wird durch CYP3A4 metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von SIRTUROzusammen mit mäßigen oder starken CYP3A4-Induktoren verringert die Plasma-Konzentrationen von

Bedaquilin und kann die therapeutische Wirksamkeit von SIRTURO vermindern. Die gleichzeitige

Anwendung von SIRTURO zusammen mit mäßigen oder starken, systemisch angewendeten

CYP3A4-Induktoren wie Efavirenz und Rifamycinen (d. h. Rifampicin, Rifapentin und Rifabutin)sollte deshalb vermieden werden (siehe Abschnitt 4.5).

Lactose-Intoleranz und Lactase-Mangel

SIRTURO 100 mg Tabletten

Die SIRTURO 100 mg Tablette enthält Lactose-Monohydrat. Patienten mit der seltenen hereditären

Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten die

SIRTURO 100 mg Tablette nicht einnehmen.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Die Elimination von Bedaquilin in vivo ist noch nicht vollständig beschrieben. CYP3A4 ist das

CYP-Isoenzym, das in vitro an der Metabolisierung von Bedaquilin und der Bildung des

N-Monodesmethyl-Metaboliten (M2) hauptsächlich beteiligt ist. Die renale Ausscheidung von

Bedaquilin ist vernachlässigbar. Bedaquilin und M2 sind keine Substrate oder Inhibitoren des

P-Glykoproteins.

CYP3A4-Induktoren

In einer Studie zur Erfassung von Wechselwirkungen mit einer Einzeldosis Bedaquilin und einmaltäglich angewendetem Rifampicin (einem starken Induktor) war die Bedaquilin-Bioverfügbarkeit(AUC) bei gesunden Erwachsenen um 52 % [90 % KI (-57; -46)] vermindert. Wegen der Möglichkeiteiner verminderten therapeutischen Wirksamkeit von Bedaquilin aufgrund einer Abnahme dersystemischen Exposition sollte die gleichzeitige Anwendung von Bedaquilin mit mäßigen oderstarken, systemisch angewendeten CYP3A4-Induktoren (z. B. Efavirenz, Etravirin, Rifamycineeinschließlich Rifampicin, Rifapentin und Rifabutin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut[Hypericum perforatum]) vermieden werden.

In der Phase-III-Studie führte die gleichzeitige Anwendung des schwachen CYP3A4-Induktors

Nevirapin und von SIRTURO im Rahmen einer Kombinationstherapie über einen Zeitraum von bis zu40 Wochen bei Patienten mit HIV-Coinfektion zu einer leichten Verringerung der durchschnittlichen

Bedaquilin-Bioverfügbarkeit (AUC) im Vergleich zu einer Untergruppe ohne HIV-Coinfektion.

Dieser Unterschied bei der Bioverfügbarkeit war jedoch nicht mit einer Verminderung dertherapeutischen Wirkung verbunden. Daher ist bei gleichzeitiger Anwendung von SIRTURO undschwachen CYP3A4-Induktoren keine Dosisanpassung erforderlich.

CYP3A4-Inhibitoren

Die gleichzeitige Anwendung von SIRTURO und CYP3A4-Inhibitoren hat keine klinisch relevanten

Auswirkungen auf die Bedaquilin-Bioverfügbarkeit. Daher ist die gleichzeitige Anwendung von

SIRTURO und CYP3A4-Inhibitoren zulässig, und es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Die kurzfristige gleichzeitige Anwendung von Bedaquilin und Ketoconazol (einem starken CYP3A4-

Inhibitor) bei gesunden Erwachsenen erhöhte die mittlere Bedaquilin-Bioverfügbarkeit (AUC) um22 % [90 % KI (12; 32)]. Bei gesunden Erwachsenen erhöhte die 10-tägige gleichzeitige Anwendungeines anderen starken CYP3A4-Inhibitors, Clarithromycin, mit einer Einzeldosis Bedaquilin diemittlere Bedaquilin-Bioverfügbarkeit (AUC) um 14 % [90 % KI (9; 19)]. Bei längerer gleichzeitiger

Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren könnte ein ausgeprägterer Effekt auf Bedaquilin beobachtetwerden.

In der Phase-III-Studie führte die langfristige gleichzeitige Anwendung von SIRTURO im Rahmeneiner Kombinationstherapie und von Lopinavir/Ritonavir bei Patienten mit HIV-Coinfektion zu einemleichten Anstieg der mittleren Bedaquilin- Bioverfügbarkeit in Woche 24 im Vergleich zu einer

Untergruppe ohne HIV-Coinfektion. Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

In der offenen Phase-IIb-Studie hatte die langfristige gleichzeitige Anwendung von Clofazimin und

SIRTURO im Rahmen einer Kombinationstherapie über einen Zeitraum von bis zu 24 Wochen keinen

Effekt auf die Bedaquilin-Bioverfügbarkeit.

Andere Arzneimittel gegen Tuberkulose

Eine kurzfristige gleichzeitige Anwendung von SIRTURO und Isoniazid/Pyrazinamid verursachte beigesunden Erwachsenen keine klinisch signifikanten Änderungen der Bioverfügbarkeiten (AUC) von

Bedaquilin, Isoniazid oder Pyrazinamid. Bei gleichzeitiger Anwendung von SIRTURO ist keine

Dosis-Anpassung von Isoniazid oder Pyrazinamid erforderlich.

In einer placebokontrollierten klinischen Studie an Erwachsenen mit TB wurden keine bedeutenden

Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Ethambutol, Kanamycin, Pyrazinamid, Ofloxacin oder

Cycloserin durch die gleichzeitige Anwendung von SIRTURO beobachtet.

QT-Intervall-verlängernde Arzneimittel

In einer offenen Phase-IIb-Studie bei Erwachsenen wurden bei den 17 Patienten, die gleichzeitig

Clofazimin erhielten, additive Erhöhungen der QTcF-Werte in Woche 24 beobachtet (mittlere

Änderung vom QTcF-Referenzwert 31,9 ms verglichen mit 12,3 ms bei Patienten, die kein Clofaziminerhielten).

In der Phase-III-Studie wurden additive Erhöhungen der QTcF-Werte beobachtet, wenn Clofaziminund Levofloxacin mit SIRTURO kombiniert wurden (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).

In einer Studie zu Wechselwirkungen mit Bedaquilin und Ketoconazol bei gesunden Erwachsenenwurde nach wiederholter Gabe von Bedaquilin und Ketoconazol in Kombination ein stärkerer Effektauf die QTcF-Werte beobachtet als nach wiederholter Gabe der einzelnen Arzneimittel (siehe

Abschnitte 4.4 und 4.8).

Kinder und Jugendliche

Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Bedaquilin bei Schwangerenvor. In tierexperimentellen Studien gab es keine Hinweise auf direkte oder indirektegesundheitsschädliche Auswirkungen auf die Reproduktion (siehe Abschnitt 5.3).

Dennoch ist als Vorsichtsmaßnahme die Anwendung von SIRTURO während der Schwangerschaft zuvermeiden, es sei denn, der Nutzen der Therapie wird gegenüber den Risiken als größer erachtet.

Stillzeit

Bedaquilin geht in die Muttermilch über. In den wenigen veröffentlichten Literaturberichten wird überhöhere Bedaquilin-Konzentrationen in der Muttermilch als im mütterlichen Plasma berichtet. Beieinem gestillten Säugling war die Bedaquilin-Konzentration im Plasma ähnlich hoch wie diemütterliche Plasmakonzentration; die Mutter hatte eine hohe Bedaquilin-Konzentration in der

Muttermilch, mit einem Verhältnis von Milch zu Plasma von 14:1. Dies stimmt mit Daten aus

Tierstudien überein (siehe Abschnitt 5.3). Die verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass diesystemische Exposition bei gestillten Säuglingen ähnliche Werte erreichen kann, wie sie bei den mit

Bedaquilin behandelten stillenden Müttern beobachtet wurden. Die klinischen Konsequenzen dieser

Exposition sind nicht bekannt. Frauen, die mit Bedaquilin behandelt werden, sollten nicht stillen.

Fertilität

Zu den Auswirkungen von Bedaquilin auf die Fertilität beim Menschen liegen keine Daten vor. Beiweiblichen Ratten gab es unter Behandlung mit Bedaquilin keine Auswirkungen auf das

Paarungsverhalten oder die Fertilität, bei männlichen Ratten wurden jedoch einige Auswirkungenbeobachtet (siehe Abschnitt 5.3).

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Maschinen

Bedaquilin kann einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienenvon Maschinen haben. Bei einigen Patienten, die Bedaquilin einnehmen, wurde über Schwindelberichtet. Dies sollte bei der Beurteilung von Patienten im Hinblick auf ihre Verkehrstüchtigkeit undihre Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen berücksichtigt werden (siehe Abschnitt 4.8).

4.8 Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Nebenwirkungen von SIRTURO wurden anhand von Daten klinischer Phase-IIb-Studien (sowohlkontrolliert als auch nicht kontrolliert, C208 und C209) bei 335 erwachsenen Patienten ermittelt, die

SIRTURO für 8 Wochen oder für 24 Wochen erhielten. In der aktiv kontrollierten Phase-III-Studiemit 354 Patienten, die SIRTURO über 40 oder über 28 Wochen erhielten, wurden keine neuen

Nebenwirkungen festgestellt. In diesen Studien erhielten die Patienten SIRTURO in Kombination mitanderen antimykobakteriellen Arzneimitteln.

Die häufigsten Nebenwirkungen (bei > 10,0 % der Patienten), die während der Behandlung mit

SIRTURO in der offenen Phase-III-Studie berichtet wurden, waren QT-Verlängerung (61 % in der

SIRTURO-Gruppe versus 56 % in der Kontrollgruppe), Übelkeit (54 % versus 63 %), Erbrechen(54 % versus 62 %), Arthralgie (45 % versus 33 %), erhöhte Transaminasen (30 % versus 29 %),

Schwindel (18 % versus 21 %) und Kopfschmerzen (17 % versus 18 %). Bezüglich ihrer

Nebenwirkungen sind die Fachinformationen der Arzneimittel, die in Kombination mit SIRTUROangewendet werden, heranzuziehen.

Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von SIRTURO auf der Basis gemeldeter Sicherheitsdaten aus Phase-II- und

Phase-III-Studien bei mit SIRTURO behandelten erwachsenen Patienten sind in der folgenden Tabelledargestellt.

Die Nebenwirkungen sind nach Systemorganklassen (SOC) und Häufigkeiten aufgelistet: Die

Häufigkeitskategorien sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) undgelegentlich (≥ 1/1 000 bis < 1/100).

Systemorganklasse (SOC) Häufigkeitskategoriea Nebenwirkungen

Erkrankungen des Sehr häufig Kopfschmerzen, Schwindel

Nervensystems

Erkrankungen des Sehr häufig Übelkeit, Erbrechen

Gastrointestinaltrakts Häufig Diarrhö

Leber- und Sehr häufig erhöhte Transaminasenb,c

Gallenerkrankungen

Skelettmuskulatur-, Sehr häufig Arthralgie

Bindegewebs- und Häufig Myalgie

Knochenerkrankungen

Untersuchungen Sehr häufig verlängertes QT-Intervall im

Elektrokardiogrammda Häufigkeiten stammen aus der Phase-III-Studie STREAM, Stadium 2, mit 40-wöchiger, rein oraler Behandlung mit

SIRTURO, Levofloxacin, Clofazimin, Ethambutol und Pyrazinamid, ergänzt durch hochdosiertes Isoniazid und

Prothionamid in den ersten 16 Wochen (Intensivphase).

b Die Termini, die unter “erhöhte Transaminasen” genannt wurden, umfassten erhöhte AST, erhöhte ALT, erhöhte

Leberenzymaktivität, anomale Leberfunktion, Hypertransaminasämie und Transaminasen erhöht (siehe Abschnittunten).

c Die Inzidenz erhöhter Transaminasen war in der kontrollierten Phase-IIb-Studie häufig (6,9 % in der SIRTURO-

Gruppe und 1 % in der Placebo-Kontrollgruppe).

d Die Inzidenz von QT-Verlängerungen war in der Phase-IIb-Studie häufig (2,9 % in der SIRTURO-Gruppe und3,8 % in der Placebo-Kontrollgruppe).

Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
QT-Verlängerung

Klinische Studien mit SIRTURO bei erwachsenen TB-Patienten zeigen insgesamt einen leichten(< 10 ms) QTcF-Anstieg während der Behandlung, der auf M2, den Hauptmetaboliten von Bedaquilin,zurückzuführen ist. In Kombination mit anderen QT-verlängernden Arzneimitteln (z. B. Clofazimin,

Delamanid oder Fluorchinolonen) wurde eine nicht mehr als additive Verlängerung des QTc-Intervallsbeobachtet (siehe Abschnitt 4.5).

In der kontrollierten Phase-IIb-Studie (C208) wurden ab der ersten Kontrolluntersuchungdurchschnittliche Verlängerungen der QTcF im Vergleich zum Ausgangswert um 9,9 ms in Woche 1unter SIRTURO und 3,5 ms unter Placebo beobachtet. Die größte durchschnittliche Erhöhung (in

Woche 18) der QTcF während der 24 Wochen der Behandlung mit SIRTURO betrug 15,7 ms,verglichen mit 6,2 ms in der Placebo-Gruppe. Nach Ende der Behandlung mit SIRTURO verringertensich die QTcF-Werte allmählich, und in Studienwoche 60 war der Mittelwert ähnlich wie der in der

Placebo-Gruppe (siehe Abschnitt 4.4).

In der offenen Phase-IIb-Studie (C209), in der Patienten ohne Behandlungsoptionen andere

QT-verlängernde Arzneimittel erhielten, die zur Behandlung der pulmonalen TB eingesetzt werden,einschließlich Clofazimin, resultierte die gleichzeitige Anwendung mit SIRTURO in einer additiven

QT-Verlängerung. Bei den Patienten, die SIRTURO ohne andere QT-verlängernde Arzneimitteleinnahmen, gab es keinen Patienten mit einer QTcF-Intervalldauer über 480 ms, und bei Patienten, diemindestens zwei andere QT-verlängernde Arzneimittel einnahmen, gab es einen Patienten mit einer

QTcF-Intervalldauer über 500 ms.

In der kontrollierten Phase-III-Studie, in der die Gruppen mit 40-wöchiger Behandlung mit SIRTUROoder einer aktiven Kontrolle sowohl Clofazimin als auch ein Fluorchinolon erhielten, stiegen diemittleren QTcF-Werte in den ersten 10 bis 14 Wochen allmählich gegenüber dem Ausgangswert an,bis ein Plateau erreicht war und eine additive QT-Verlängerung beobachtet wurde. Der höchstemittlere QTcF-Anstieg gegenüber dem Ausgangswert betrug 34,5 ms in der mit SIRTURObehandelten Gruppe und 29,9 ms in der nicht mit SIRTURO behandelten Kontrollgruppe. Währendder gesamten Behandlung war der mittlere QTcF-Anstieg in der mit SIRTURO behandelten Gruppeim Vergleich zur Kontrollgruppe um weniger als 10 ms höher. Nach dem Ende der Behandlungnahmen die mittleren QTcF-Werte stetig ab. QTcF-Werte ≥ 500 ms wurden bei 5,2 % der Patienten inder mit SIRTURO behandelten Gruppe beobachtet, verglichen mit 7,4 % in der nicht mit SIRTURObehandelten Kontrollgruppe (siehe Abschnitte 4.4 und 4.5).

Transaminasenerhöhungen

In Studie C208 (Stadium 1 und 2) kam es in der SIRTURO-Behandlungsgruppe häufiger zu

Erhöhungen der Transaminasen auf mindestens das 3-Fache des ULN als in der Placebo-Gruppe(11/101 [10,9 %] versus 6/104 [5,8 %]). In der SIRTURO-Behandlungsgruppe trat die Mehrzahldieser Erhöhungen innerhalb der 24 Behandlungswochen auf und war reversibel. Während des

Stadiums 2 der C208-Studie wurden bei 7/78 Patienten (9,0 %) in der SIRTURO-Behandlungsgruppeim Vergleich zu 1/80 (1,3 %) in der Placebo-Gruppe Erhöhungen der Transaminasen berichtet.

In der Studie STREAM, Stadium 2, wurden erhöhte Transaminasen bei 63/211 (29,9 %) Patienten inder Gruppe mit 40-wöchiger SIRTURO-Behandlung im Vergleich zu 59/202 (29,2 %) Patienten in deraktiven Kontrollgruppe mit 40-wöchiger Behandlung berichtet.

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheitsbewertung von Bedaquilin basiert auf Daten von 30 pädiatrischen Patienten im Altervon 5 Jahren und älter mit bestätigter oder wahrscheinlicher pulmonaler TB infolge einer Infektion mit

M. tuberculosis mit Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazid (siehe Abschnitt 5.1).

Insgesamt gab es keine Hinweise auf Unterschiede im Sicherheitsprofil von Jugendlichen im Alter von14 Jahren bis unter 18 Jahren (N = 15) im Vergleich zu dem bei der erwachsenen Populationbeobachteten Profil.

Bei pädiatrischen Patienten im Alter von 5 Jahren bis unter 11 Jahren (N = 15) standen die häufigsten

Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Erhöhungen der Leberenzymwerte (5/15, 33 %), die als

ALT/AST-Erhöhung und Hepatotoxizität gemeldet wurden; eine Hepatotoxizität führte bei drei

Patienten zum Absetzen von SIRTURO. Erhöhungen der Leberenzymwerte waren nach Absetzen von

SIRTURO und der Basistherapie reversibel. Bei diesen 15 pädiatrischen Patienten traten während der

Behandlung mit SIRTURO keine Todesfälle auf.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Während der klinischen Studien wurden keine Fälle beabsichtigter oder versehentlicher akuter

Überdosierung von SIRTURO berichtet. In einer Studie mit 44 gesunden Erwachsenen, die eine

Einzeldosis von 800 mg SIRTURO erhielten, waren die Nebenwirkungen konsistent mit denen, die inklinischen Studien unter der empfohlenen Dosierung beobachtet wurden (siehe Abschnitt 4.8).

Es gibt keine Erfahrung mit der Behandlung einer akuten Überdosierung mit SIRTURO. Im Fall einerbeabsichtigten oder unbeabsichtigten Überdosierung sollen allgemeine Maßnahmen zur Unterstützungder Vitalfunktionen einschließlich Überwachung der Vitalzeichen und des EKG (QT-Intervall)durchgeführt werden. Die weitere Behandlung sollte gemäß der klinischen Indikation oder gemäß den

Empfehlungen der nationalen Giftzentrale, sofern vorhanden, erfolgen. Aufgrund der hohen

Proteinbindung von Bedaquilin scheint eine Dialyse Bedaquilin nicht maßgeblich aus dem Plasma zuentfernen. Eine klinische Überwachung sollte durchgeführt werden.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel gegen Mykobakterien, Mittel zur Behandlung der

Tuberkulose, ATC-Code: J04AK05

Wirkmechanismus

Bedaquilin ist ein Diarylchinolin. Bedaquilin hemmt spezifisch die mykobakterielle ATP (Adenosin-5'-triphosphat)-Synthase, ein essentielles Enzym zur Energiegewinnung bei M. tuberculosis. Die

Hemmung der ATP-Synthase führt zu bakteriziden Effekten sowohl in sich teilenden als auch in sichnicht teilenden Tuberkulosebakterien.

Pharmakodynamische Wirkungen

Bedaquilin wirkt gegen Stämme aus dem M.-tuberculosis-Komplex mit einer minimalen

Hemmkonzentration (MHK) im Bereich ≤ 0,008 bis 0,25 mg/l. In Anbetracht der geringendurchschnittlichen Bioverfügbarkeit beim Menschen (23 % bis 31 %) und der im Vergleich zur

Muttersubstanz geringeren antimykobakteriellen Wirksamkeit (3- bis 6-fach geringer) wird nichtangenommen, dass der N-Monodesmethyl-Metabolit (M2) signifikant zur klinischen Wirksamkeitbeiträgt.

Die intrazelluläre bakterizide Wirksamkeit von Bedaquilin war in primären peritonealen Makrophagenund in einer Makrophagen-ähnlichen Zelllinie größer als die extrazelluläre Wirksamkeit. Bedaquilinwirkt auch gegen ruhende (sich nicht teilende) Tuberkulosebakterien bakterizid. Im Maus-Modell für

TB-Infektionen zeigte Bedaquilin bakterizide und sterilisierende Wirkungen.

Bedaquilin wirkt bei vielen nicht-tuberkulösen Mykobakterien-Spezies bakteriostatisch.

Mycobacterium xenopi, Mycobacterium novocastrense, Mycobacterium shimoidei, Mycobacteriumflavescens und nicht-mykobakterielle Arten werden als von Natur aus resistent gegen Bedaquilinerachtet.

Pharmakokinetische/pharmakodynamische Zusammenhänge

Innerhalb des mit der therapeutischen Dosis erreichten Konzentrationsbereichs wurde bei den

Patienten keine pharmakokinetisch/pharmakodynamische Beziehung beobachtet.

Resistenzmechanismen

Zu den erworbenen Resistenzmechanismen, die die MHK von Bedaquilin beeinflussen, gehören

Mutationen im atpE-Gen, das für die ATP-Synthase-Zielstruktur (Target) kodiert, und im

Rv0678-Gen, das die Expression der MmpS5-MmpL5-Effluxpumpe reguliert. Target-basierte

Mutationen, die in präklinischen Studien erzeugt wurden, führten zu 8- bis 133-fachen

MHK-Erhöhungen von Bedaquilin, was MHKs von 0,25 bis 4 mg/l entsprach. Effluxgen-basierte

Mutationen wurden in präklinischen und klinischen Isolaten gesehen. Diese führten zu 2- bis 8-fachen

MHK-Erhöhungen von Bedaquilin, was MHKs von 0,25 bis 0,5 mg/l entsprach. Die Mehrheit der

Isolate, die phänotypisch gegen Bedaquilin resistent sind, sind kreuzresistent gegen Clofazimin.

Isolate, die gegen Clofazimin resistent sind, können weiterhin gegenüber Bedaquilin sensitiv sein.

Der Einfluss von hohen Bedaquilin-MHKs zu Behandlungsbeginn, das Vorhandensein von

Rv0678-basierten Mutationen zu Behandlungsbeginn und/oder erhöhten Bedaquilin-MHKs nach

Behandlungsbeginn auf mikrobiologische Ergebnisse ist wegen der geringen Inzidenz derartiger Fällein den klinischen Studien unklar.

Grenzwerte der Empfindlichkeitstestung

Die Interpretationskriterien für die Empfindlichkeitstestung in der MHK (minimalen

Hemmkonzentration) wurden vom Europäischen Ausschuss für die Untersuchung auf

Antibiotikaempfindlichkeit (EUCAST) für Bedaquilin festgelegt und sind hier aufgeführt:https://www.ema.europa.eu/documents/other/minimum-inhibitory-concentration-mic-breakpoints_en.xlsx

Normalerweise empfindliche Arten

Mycobacterium tuberculosis

Organismen mit natürlicher Resistenz

Mycobacterium xenopi

Mycobacterium novocastrense

Mycobacterium shimoidei

Mycobacterium flavescens

Nicht-mykobakterielle Arten

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

In einer placebokontrollierten, doppelblinden, randomisierten Phase-IIb-Studie (C208) wurden dieantibakterielle Aktivität, Sicherheit und Verträglichkeit von SIRTURO bei neu diagnostiziertenerwachsenen Patienten mit pulmonaler TB infolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenzgegen mindestens Rifampicin und Isoniazid, einschließlich von Patienten mit Resistenz gegeninjizierbare Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone, mit positivem Sputumausstrich evaluiert. Die

Patienten erhielten über 24 Wochen SIRTURO (N = 79) oder Placebo (N = 81), jeweils in

Kombination mit einer bevorzugt 5 Arzneimittel umfassenden Basistherapie bestehend aus

Ethionamid, Kanamycin, Pyrazinamid, Ofloxacin und Cycloserin/Terizidon. In den ersten 2 Wochenwurden von SIRTURO einmal täglich 400 mg und in den folgenden 22 Wochen dreimal/Woche200 mg angewendet. Nach der 24-wöchigen klinischen Prüfphase wurde die Basistherapie fortgesetzt,bis die Behandlung nach insgesamt 18 bis 24 Behandlungsmonaten abgeschlossen war. In Woche 120wurde eine Endauswertung durchgeführt. Die wesentlichsten demographischen Merkmale in der ITT-

Population waren wie folgt: 63,1 % waren Männer. Das Durchschnittsalter betrug 34 Jahre; 35 %waren Menschen schwarzer Hautfarbe und 15 % waren HIV-positiv. Kavernen in einem Lungenflügelwurden bei 58 % der Patienten gesehen und in beiden Lungenflügeln bei 16 %. Bei Patienten in dermITT-Population mit vollständiger Charakterisierung des Resistenzstatus waren 76 % (85/112) miteinem gegen Rifampicin und Isoniazid resistenten M.-tuberculosis-Stamm und 24 % (27/112) miteinem außerdem gegen injizierbare Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone resistenten M.-tuberculosis-Stamm infiziert.

Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zur Konversion der Sputumkultur (d. h. das Intervall zwischender ersten SIRTURO-Einnahme und der ersten von zwei aufeinander folgenden negativen MGIT-

Sputumkulturen, die in einem Mindestabstand von 25 Tagen genommen wurde) während der

Behandlung mit SIRTURO oder Placebo. (Die mediane Zeit bis zur Konversion betrug 83 Tage in der

SIRTURO- und 125 Tage in der Placebo-Gruppe (Hazard-Ratio, 95 % KI: 2,44 [1,57; 3,80]),p < 0,0001).

In der SIRTURO-Gruppe wurden keine oder nur geringe Unterschiede in der Zeit bis zur Sputum-

Konversion und in den Kultur-Konversionsraten zwischen den Patienten mit einem gegen Rifampicinund Isoniazid resistenten M.-tuberculosis-Stamm und den Patienten mit einem außerdem gegeninjizierbare Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone resistenten M.-tuberculosis-Stammbeobachtet.

Die Ansprechraten in Woche 24 und Woche 120 (d. h. ungefähr 6 Monate nach Abschluss der

Gesamttherapie) werden in Tabelle 3 dargestellt.

Tabelle 3: Sputumkultur-Konversionsstatus in C208

Sputumkultur- mITT-Population

Konversionsstatus, N (%) N SIRTURO/BT N Placebo/BT

Gesamt-Responder 66 52 (78,8 %) 66 38 (57,6 %)in Woche 24

Patienten mit einem 39 32 (82,1 %) 45 28 (62,2 %)gegen Rifampicin und

Isoniazid resistenten M.-tuberculosis-Stamm

Patienten mit einem 15 11 (73,3 %) 12 4 (33,3 %)gegen Rifampicin und

Isoniazid und außerdemgegen injizierbare

Zweitlinienarzneimitteloder Fluorchinoloneresistenten M.-tuberculosis-Stamm

Gesamt- 66 14 (21,2 %) 66 28 (42,4 %)

Non-Responderain Woche 24

Gesamt-Responder 66 41 (62,1 %) 66 29 (43,9 %)in Woche 120

Patienten mit einem 39b 27 (69,2 %) 46b,c 20 (43,5 %)gegen Rifampicin und

Isoniazid resistenten M.-tuberculosis-Stamm

Patienten mit einem 15b 9 (60,0 %) 12b 5 (41,7 %)gegen Rifampicin und

Isoniazid und außerdemgegen injizierbare

Zweitlinienarzneimitteloder Fluorchinoloneresistenten M.-tuberculosis-Stamm

Gesamt- 66 25 (37,9 %) 66 37 (56,1 %)

Non-Responderain Woche 120keine Konversion 66 8 (12,1 %) 66 15 (22,7 %)

Rückfalld 66 6 (9,1 %) 66 10 (15,2 %)

Abbruch bei Konversion 66 11 (16,7 %) 66 12 (18,2 %)a Patienten, die während der Studie starben oder die Studie abbrachen, wurden als Non-Responder betrachtet.b Das Ausmaß der Resistenz auf Grundlage der Ergebnisse eines in einem Zentrallabor erstellten Resistenztests liegt für20 Patienten in der mITT (modified Intent-to-Treat)-Population nicht vor (für 12 aus der SIRTURO-Gruppe und 8 ausder Placebo-Gruppe). Diese Patienten wurden bei der Subgruppen-Analyse zum Ausmaß der Resistenz des

M. tuberculosis-Stamms ausgeschlossen.

c Die Ergebnisse des in einem Zentrallabor erhobenen Resistenztests wurden nach der 24-Wochen-Interimsanalyse füreinen zusätzlichen Patienten aus der Placebo-Gruppe zur Verfügung gestellt.

d Ein Rückfall während der Studie wurde als positive Sputum-Kultur nach oder während der Behandlung nachvorheriger Konversion der Sputumkultur definiert.

Während der Studie starben 12,7 % (10/79) der Patienten in der SIRTURO-Behandlungsgruppe(N = 79) im Vergleich zu 3,7 % (3/81) der Patienten in der Placebo-Gruppe (N = 81). Ein Todesfalltrat während der Anwendung von SIRTURO auf. Die mediane Zeit bis zum Tod betrug bei denanderen neun Patienten 344 Tage nach der letzten Einnahme von SIRTURO. In der SIRTURO-

Behandlungsgruppe war nach Prüfarztangaben TB (5 Patienten) die häufigste Todesursache. Die

Todesursachen bei den übrigen mit SIRTURO behandelten Patienten variierten. Während der Studiegab es bei keinem der verstorbenen Patienten Hinweise auf eine vorangegangene signifikante QTcF-

Verlängerung oder eine klinisch signifikante Dysrhythmie.

Studie C209 untersuchte die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit einer 24-wöchigen nichtverblindeten Behandlung mit SIRTURO als Teil eines individualisierten Behandlungsregimes bei233 erwachsenen Patienten, deren Sputumabstrich innerhalb von 6 Monaten vor dem Screeningpositiv war. In dieser Studie wurden Patienten mit M.-tuberculosis-Stämmen aus allen drei

Resistenzkategorien (resistent gegen Rifampicin und Isoniazid, außerdem resistent gegen injizierbare

Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone sowie außerdem resistent gegen injizierbare

Zweitlinienarzneimittel und Fluorchinolone) eingeschlossen.

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die Zeit bis zur Sputumkultur-Konversion während der

Behandlung mit SIRTURO (im Median 57 Tage bezogen auf 205 Patienten mit ausreichenden Daten).

In Woche 24 wurde bei 163/205 Patienten (79,5 %) eine Konversion der Sputumkultur gesehen. Die

Konversionsrate in Woche 24 war bei Patienten mit nur gegen Rifampicin und Isoniazid resistenten

M.-tuberculosis-Isolaten am höchsten (87,1 %; 81/93), betrug 77,3 % (34/44) bei Patienten mitpulmonaler TB infolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin, Isoniazid,injizierbare Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone und war bei Patienten mit gegen Rifampicin,

Isoniazid, injizierbare Zweitlinienarzneimittel und Fluorchinolone resistenten M.-tuberculosis-Isolatenam niedrigsten (54,1 %; 20/37). Das Ausmaß der Resistenz auf Grundlage der Ergebnisse eines ineinem Zentrallabor erstellten Resistenztests lag für 31 Patienten in der mITT-Population nicht vor.

Diese Patienten wurden bei der Subgruppen-Analyse zum Ausmaß der Resistenz des M.-tuberculosis-

Stamms ausgeschlossen.

In Woche 120 wurde bei 148/205 Patienten (72,2 %) eine Konversion der Sputumkultur festgestellt.

Die Konversionsraten in Woche 120 waren bei Patienten mit nur gegen Rifampicin und Isoniazidresistenten M.-tuberculosis-Isolaten am höchsten (73,1 %; 68/93), betrugen bei Patienten mitpulmonaler TB infolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegen Rifampicin, Isoniazid,injizierbare Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone 70,5 % (31/44) und waren bei Patienten mitgegen Rifampicin, Isoniazid, injizierbare Zweitlinienarzneimittel und Fluorchinolone resistenten M.-tuberculosis-Isolaten am niedrigsten (62,2 %; 23/37).

Sowohl in Woche 24 als auch in Woche 120 waren die Responder-Raten bei Patienten mit einer

Basistherapie aus 3 oder mehr Wirkstoffen (in vitro) höher.

In der offenen Studie C209 starben 6,9 % (16/233) der Patienten. Als häufigste Todesursache wurdevom Prüfarzt TB (9 Patienten) berichtet. Acht von neun Patienten, die an TB verstarben, hatten keine

Konversion oder hatten einen Rückfall. Die Todesursachen der übrigen Patienten variierten.

STREAM Stadium 2 war eine offene, multizentrische, aktiv kontrollierte, randomisierte Phase-III-

Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von SIRTURO bei Anwendung zusammen mitanderen oralen Anti-TB-Arzneimitteln über 40 Wochen bei Patienten mit pulmonaler TB mitkeimpositivem Sputumabstrich, verursacht durch M. tuberculosis mit Resistenz mindestens gegen

Rifampicin, mit oder ohne zusätzliche Resistenz gegen Isoniazid und/oder gegen injizierbare

Zweitlinienarzneimittel oder Fluorchinolone (aber nicht beide).

Die Patienten wurden randomisiert einer von vier Behandlungsgruppen zugeteilt:

- Gruppe A (N = 32), die lokal angewendete Behandlung gemäß den WHO-

Behandlungsleitlinien von 2011 mit einer empfohlenen Dauer von 20 Monaten

- Gruppe B (N = 202), eine 40-wöchige Kontrollbehandlung mit Moxifloxacin oder

Levofloxacin, Clofazimin, Ethambutol, Pyrazinamid, ergänzt durch injizierbares Kanamycin,hochdosiertes Isoniazid und Prothionamid in den ersten 16 Wochen (Intensivphase)

- Gruppe C (N = 211), eine 40-wöchige, rein orale Behandlung mit SIRTURO, Levofloxacin,

Clofazimin, Ethambutol und Pyrazinamid, ergänzt durch hochdosiertes Isoniazid und

Prothionamid in den ersten 16 Wochen (Intensivphase)

- Gruppe D (N = 143), eine 28-wöchige Behandlung bestehend aus SIRTURO, Levofloxacin,

Clofazimin und Pyrazinamid, ergänzt durch injizierbares Kanamycin und eine höhere

Isoniazid-Dosis in den ersten 8 Wochen (Intensivphase)

In den ersten 2 Wochen wurden von SIRTURO einmal täglich 400 mg und in den folgenden38 Wochen (in Gruppe C) bzw. 26 Wochen (in Gruppe D) dreimal/Woche 200 mg angewendet. Inallen Gruppen waren Änderungen des Behandlungsschemas nach Ermessen des Prüfarztes zulässig.

Die Aufnahme in die Gruppen A und D wurde aufgrund von Änderungen in der Standardbehandlungvon TB frühzeitig gestoppt.

Das primäre Ziel war es zu beurteilen, ob der Anteil der Patienten mit einem günstigen

Wirksamkeitsergebnis in Gruppe C in Woche 76 gegenüber dem in Gruppe B nicht unterlegen war.

Der Indikator für das primäre Wirksamkeitsergebnis war der Anteil der Patienten mit einem günstigen

Ergebnis in Woche 76. Ein günstiges Ergebnis in Woche 76 war definiert als Negativität der letzten2 aufeinanderfolgenden Kulturen ohne ungünstiges Ergebnis. Ein ungünstiges Ergebnis in Woche 76umfasste klinisch relevante Änderungen in der Behandlung, Gesamtmortalität, Keimpositivität vonmindestens 1 der letzten 2 Kulturergebnisse oder keine Kulturergebnisse innerhalb des 76-Wochen-

Zeitfensters.

In der gesamten Studienpopulation (N = 588) waren 59,9 % männlich, das Durchschnittsalter betrug32,7 Jahre, 47,3 % waren asiatischer Abstammung, 36,6 % hatten eine schwarze Hautfarbe, 16,2 %waren Kaukasier und 16,5 % hatten eine HIV-Coinfektion. Die meisten Patienten hatten Kavernen(73,1 %), wobei bei 55,3 % der Patienten multiple Kavernen vorlagen. Von den 543 Patienten in derprimären Wirksamkeitspopulation (mITT-Population, definiert als Patienten mit einer M.-tuberculosis-positiven Kultur beim Screening oder bei der Randomisierung) waren 12,5 % der M.-tuberculosis-

Isolate der Patienten resistent gegen Rifampicin, wohingegen sie empfindlich gegenüber Isoniazidwaren, 76,4 % hatten eine Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazid und 11 % hatten eine

Resistenz gegen Rifampicin, Isoniazid und entweder injizierbare Zweitlinienarzneimittel oder

Fluorchinolone.

Tabelle 4 zeigt den Anteil der Patienten mit einem günstigen bzw. ungünstigen Ergebnis in Woche 76in der Phase-III-Studie STREAM Stadium 2. Der Anteil der Patienten mit einem günstigen Ergebnisin Woche 76 betrug 82,7 % in Gruppe C im Vergleich zu 71,1 % in Gruppe B. Der Hauptgrund für einungünstiges Ergebnis in beiden Gruppen war die Verlängerung oder Änderung des zugewiesenen

Behandlungsschemas. Zu den Einschränkungen der Studie gehörte ihr offenes Studiendesign;

Änderungen der zugewiesenen Behandlungsschemata waren im Falle eines Behandlungsversagens,eines Rückfalls oder einer schweren Toxizität zulässig.

Tabelle 4: Primäre Analyse in STREAM Stadium 2 (Phase-III-Studie)mITT-Population

SIRTUROa Aktive(N = 196) Kontrolleb(N = 187)

Günstiges Ergebnis in Woche 76 162 (82,7) 133 (71,1)

N (%)

Ungünstiges Ergebnis in Woche 76 34 (17,3) 54 (28,9)

N (%)

Gründe für ungünstiges Ergebnis bis einschließlich Woche 76c

Geänderte oder erweiterte Behandlung 16 (8,2) 43 (23,0)

Kein Kulturergebnis im Woche-76-Zeitfenster 12 (6,1 %) 7 (3,7)

Tod bis einschließlich Woche 76 5 (2,6) 2 (1,1)

Mindestens eine der letzten 2 Kulturen positiv in 1 (0,5) 2 (1,1)

Woche 76mITT = modifizierte Intent-to-treat-Populationa Gruppe C, 40-wöchige, rein orale Behandlung mit SIRTURO, Levofloxacin, Clofazimin, Ethambutol und

Pyrazinamid, ergänzt durch hochdosiertes Isoniazid und Prothionamid in den ersten 16 Wochen(Intensivphase).

b Gruppe B, 40-wöchige Kontrollbehandlung mit Moxifloxacin oder Levofloxacin, Clofazimin, Ethambutol,

Pyrazinamid, ergänzt durch injizierbares Kanamycin, hochdosiertes Isoniazid und Prothionamid in den ersten16 Wochen (Intensivphase).

c Die Patienten wurden nach dem ersten Ereignis klassifiziert, das jeweils als ungünstig eingestuft wurde. Vonden Patienten mit einem ungünstigen Ergebnis in Woche 76 in der Kontrollgruppe erhielten 29 Patienten einemodifizierte Behandlung gegenüber ihrer zugewiesenen Behandlung, die SIRTURO als Teil eines Notfall-

Regimes umfasste.

Die Häufigkeit von Todesfällen war in allen Behandlungsgruppen bis Woche 132 ähnlich. In der

Gruppe mit 40-wöchiger SIRTURO-Behandlung starben 11/211 (5,2 %) Patienten; die häufigste

Todesursache war TB (5 Patienten). In der Gruppe mit 40-wöchiger Behandlung mit einer aktiven

Kontrolle starben 8/202 (4,0 %) Patienten, darunter 4 von 29 Patienten, die SIRTURO im Rahmeneines Notfall-Regimes erhielten; die häufigste Todesursache stand im Zusammenhang mit einerrespiratorischen Pathologie. Die bereinigte Differenz im Anteil tödlicher unerwünschter Ereignissezwischen der Gruppe mit 40-wöchiger SIRTURO-Behandlung und der Gruppe mit 40-wöchiger

Behandlung mit einer aktiven Kontrolle betrug 1,2 % [95 % KI (-2,8 %; 5,2 %)].

Kinder und Jugendliche

Die Pharmakokinetik, Sicherheit und Verträglichkeit von SIRTURO in Kombination mit einer

Basistherapie wurde in der Studie C211, einer unverblindeten einarmigen Multikohorten-Studie der

Phase II bei 30 Patienten mit bestätigter oder wahrscheinlicher pulmonaler TB infolge einer Infektionmit M. tuberculosis mit Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazid, untersucht.

Jugendliche (im Alter von 12 Jahren bis unter 18 Jahren)

Fünfzehn Patienten in dieser Studie hatten ein medianes Alter von 16 Jahren (Bereich: 14 bis17 Jahre), wogen 38 bis 75 kg, und waren 80 % weiblich, 53 % hatten schwarze Hautfarbe, 33 %waren kaukasisch und 13 % waren asiatischer Abstammung. Die Patienten sollten mindestens24 Wochen mit SIRTURO behandelt werden. Dabei wurde in den ersten 2 Wochen einmal täglich400 mg SIRTURO und in den folgenden 22 Wochen dreimal wöchentlich 200 mg SIRTURO in Formvon 100-mg-Tabletten eingenommen.

In der Untergruppe der Patienten mit keimpositiver Kultur für pulmonale TB zu Behandlungsbeginnführte die Kombinationstherapie mit Bedaquilin bei 75 % (6/8 der mikrobiologisch beurteilbaren

Patienten) in Woche 24 zu einer Konversion in keimnegativen Kulturen.

Kinder (im Alter von 5 Jahren bis unter 12 Jahren)

Fünfzehn Patienten hatten ein medianes Alter von 7 Jahren (Bereich: 5 bis 10 Jahre), wogen 14 bis36 kg und waren 60 % weiblich, 60 % hatten schwarze Hautfarbe, 33 % waren kaukasisch und 7 %waren asiatischer Abstammung. Die Patienten sollten mindestens 24 Wochen lang mit SIRTURObehandelt werden. Dabei wurde in den ersten 2 Wochen einmal täglich 200 mg SIRTURO und in denfolgenden 22 Wochen dreimal wöchentlich 100 mg SIRTURO in Form von 20-mg-Tabletteneingenommen.

In der Untergruppe von Patienten mit keimpositiver Kultur für pulmonale TB zu Behandlungsbeginnführte die Kombinationstherapie mit Bedaquilin bei 100 % (3/3 mikrobiologisch beurteilbaren

Patienten) in Woche 24 zu einer Konversion in keimnegativen Kulturen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für SIRTURO eine Zurückstellung von der Verpflichtungzur Vorlage von Studienergebnissen zur Behandlung einer TB, verursacht durch M. tuberculosis mit

Resistenz gegen mindestens Rifampicin und Isoniazid, in einer oder mehreren pädiatrischen

Altersklassen gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und

Jugendlichen).

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Bedaquilin wurden bei gesunden Erwachsenen und bei

Patienten im Alter von 5 Jahren und älter mit aktiver TB bestimmt. Die Bedaquilin-Exposition war bei

Patienten mit pulmonaler TB infolge einer Infektion mit M. tuberculosis mit Resistenz gegenmindestens Rifampicin und Isoniazid geringer als bei gesunden Erwachsenen.

Bei erwachsenen Patienten mit pulmonaler TB betrugen die Mittelwerte (SD) von Cmax und AUC24h,ng∙h/ml nach zweiwöchiger Einnahme von 400 mg Bedaquilin einmal täglich 3 060 (1 124) ng/mlbzw. 41 510 (15 064) ng∙h/ml für Bedaquilin und 326 (135) ng/ml bzw. 7 267 (3 029) ng∙h/ml für den

Metaboliten M2. Nach 38 Wochen mit 200 mg Bedaquilin dreimal wöchentlich betrugen die

Mittelwerte (SD) von Cmax und AUC168h, ng∙h/ml 1 787 (666) ng/ml bzw. 168 376 (74 476) ng∙h/ml für

Bedaquilin und 246 (103) ng/ml bzw. 39 540 (17 220) ng∙h/ml für den Metaboliten M2.

Resorption

Maximale Plasmakonzentrationen (Cmax) wurden typischerweise ca. 5 Stunden nach der Einnahmeerreicht. Cmax und die Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (area under the curve, AUC)stiegen proportional an, wenn bis zu 700 mg als Einfachdosis und einmal täglich 400 mg für 14 Tageangewendet wurden. Die Einnahme von Bedaquilin zusammen mit Nahrung erhöhte die relative

Bioverfügbarkeit im Vergleich zur Einnahme im Nüchternzustand um das ca. 2-Fache. Um die orale

Bioverfügbarkeit zu erhöhen, sollte Bedaquilin deshalb mit Nahrung eingenommen werden.

Verteilung

Die Plasmaproteinbindung von Bedaquilin beträgt > 99,9 % in allen untersuchten Spezies,einschließlich des Menschen. Die Plasmaproteinbindung des aktiven Metaboliten M2 beträgt beim

Menschen mindestens 99,8 %. Bei Tieren werden Bedaquilin und M2 extensiv in die meisten Gewebeverteilt. Die Aufnahme in das Gehirn ist jedoch gering.

Biotransformation

CYP3A4 ist das in vitro an der Metabolisierung von Bedaquilin und der Bildung und Metabolisierungvon M2 hauptsächlich beteiligte CYP-Isoenzym.

In vitro hemmt Bedaquilin die Aktivität keines der untersuchten CYP450-Enzyme (CYP1A2,

CYP2A6, CYP2C8/9/10, CYP2C19, CYP2D6, CYP2E1, CYP3A4, CYP3A4/5 und CYP4A)signifikant und induziert nicht die Aktivität von CYP1A2, CYP2C9 oder CYP2C19.

In vitro sind Bedaquilin und M2 keine Substrate von P-gp. Bedaquilin, nicht aber M2, ist in vitro einschwaches Substrat von OCT1, OATP1B1 und OATP1B3. Bedaquilin ist in vitro kein Substrat von

MRP2 und BCRP. In klinisch relevanten Konzentrationen hemmen Bedaquilin und M2 in vitro nichtdie Transporter P-gp, OATP1B1, OATP1B3, BCRP, OAT1, OAT3, OCT1, OCT2, MATE1 und

MATE2. Eine In-vitro-Studie zeigt ein Potential von Bedaquilin, BCRP in Konzentrationen, wie sienach oraler Gabe im Darmtrakt erreicht werden, zu hemmen. Die klinische Relevanz dessen ist nichtbekannt.

Elimination

Basierend auf präklinischen Studien wird der Hauptanteil der eingenommenen Dosis mit den Fäzeseliminiert. Die Ausscheidung von unverändertem Bedaquilin über den Urin betrug in klinischen

Studien < 0,001 % der eingenommenen Dosis, was bedeutet, dass die renale Clearance desunveränderten Wirkstoffs unbedeutend ist. Nach Erreichen der Cmax fielen die Bedaquilin-

Konzentrationen tri-exponentiell ab. Die mittlere terminale Eliminationshalbwertzeit sowohl von

Bedaquilin als auch von M2 beträgt etwa 5 Monate (zwischen 2 und 8 Monaten). Diese langeterminale Eliminationsphase spiegelt wahrscheinlich die langsame Freisetzung von Bedaquilin und

M2 aus dem peripheren Gewebe wider.

Besondere Patientengruppen
Leberfunktionsstörung

Eine Einzeldosis-Studie mit SIRTURO an 8 Teilnehmern mit Leberfunktionsstörung (Child-Pugh B)zeigte, dass die Bedaquilin- und M2-Bioverfügbarkeit (AUC672h) im Vergleich zu gesunden

Teilnehmern 19 % niedriger war. Bei Patienten mit leichter bis mäßiger Leberfunktionsstörung wirdeine Dosisanpassung als nicht notwendig erachtet. Bedaquilin wurde bei Patienten mit schwerer

Leberfunktionsstörung nicht untersucht (siehe Abschnitt 4.2).

Nierenfunktionsstörung

SIRTURO wurde überwiegend bei Patienten mit normaler Nierenfunktion untersucht. Die renale

Ausscheidung von unverändertem Bedaquilin ist unbedeutend (< 0,001 %).

In einer populations-pharmakokinetischen Analyse von Tuberkulose-Patienten, die mit 200 mg

SIRTURO dreimal in der Woche behandelt wurden, wurde festgestellt, dass die Kreatinin-Clearance(Bereich: 40 bis 227 ml/min) die pharmakokinetischen Parameter von Bedaquilin nicht beeinflusst. Esist deshalb nicht zu erwarten, dass eine leichte oder mäßige Nierenfunktionsstörung eine klinischrelevante Auswirkung auf die Bedaquilin-Exposition hat. Bei Patienten mit schwerer

Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min) oder terminaler Niereninsuffizienz, dieeine Hämo- oder Peritonealdialyse erfordern, können die Bedaquilin-Konzentrationen jedoch durcheine veränderte Resorption, Verteilung und Metabolisierung des Wirkstoffes als Folge der

Nierenfunktionsstörung erhöht sein. Da Bedaquilin hochgradig an Plasmaproteine gebunden wird, istes unwahrscheinlich, dass es bei einer Hämodialyse oder Peritonealdialyse maßgeblich aus dem

Plasma entfernt wird.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 Jahren bis unter 18 Jahren und mit einem

Körpergewicht von 15 kg bis unter 30 kg wird die durchschnittliche Exposition von Bedaquilin im

Plasma (AUC168h) in Woche 24 von 152 µg∙h/ml (90 % Vorhersageintervall: 54,3 bis 313 µg∙h/ml)erwartet, wenn sie mit dem empfohlenen gewichtsbasierten Dosierungsschema behandelt werden. Bei

Kindern mit einem Körpergewicht von 30 bis 40 kg wird eine im Vergleich zu Erwachsenen höheredurchschnittliche Exposition mit Bedaquilin im Plasma (AUC168h) in Woche 24 (Durchschnitt:229 µg∙h/ml; 90 % Vorhersageintervall: 68,0 bis 484 µg∙h/ml) erwartet. Bei Kindern und Jugendlichenim Alter von 5 Jahren bis unter 18 Jahren und mit einem Körpergewicht über 40 kg wird diedurchschnittliche Exposition von Bedaquilin im Plasma (AUC168h) in Woche 24 von 165 µg∙h/ml(90 % Vorhersageintervall: 51,2 bis 350 µg∙h/ml) erwartet, wenn sie nach dem empfohlenengewichtsbasierten Dosierungsschema behandelt werden. Die durchschnittliche Exposition mit

Bedaquilin im Plasma (AUC168h) in Woche 24 bei Erwachsenen wurde auf 127 µg∙h/ml (90 %

Vorhersageintervall: 39,7 bis 249 µg∙h/ml) geschätzt.

Bei Kindern unter 5 Jahren oder mit einem Körpergewicht von weniger als 15 kg wurde die

Pharmakokinetik von SIRTURO nicht bestimmt.

Ältere Patienten

Bei einer populations-pharmakokinetischen Analyse von Tuberkulose-Patienten, die mit SIRTURObehandelt wurden, wurde festgestellt, dass das Alter keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von

Bedaquilin hat.

Bei fünf Patienten im Alter von 65 bis 69 Jahren war die systemische Bedaquilin-Exposition ähnlichwie bei anderen Erwachsenen.

Ethnische Herkunft

Bei einer populations-pharmakokinetischen Analyse von Tuberkulose-Patienten, die mit SIRTURObehandelt wurden, wurde festgestellt, dass die Bedaquilin-Exposition bei Patienten schwarzer

Hautfarbe niedriger ist als bei Patienten anderer ethnischer Herkunft. Diese geringere Bedaquilin-

Exposition bei Patienten mit schwarzer Hautfarbe war in klinischen Studien nicht mit einer geringeren

Wirksamkeit verbunden, und es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Geschlecht

Im Rahmen einer populationspharmakokinetischen Analyse von Patienten mit Tuberkulose, die mit

SIRTURO behandelt wurden, wurden keine klinisch relevanten Unterschiede in der Expositionzwischen Männer und Frauen festgestellt.

5.3 Präklinische Sicherheitsdaten

Tierstudien zur Toxizität nach wiederholter Gabe von Bedaquilin wurden bis zu 3 Monate an Mäusen,bis zu 6 Monate an Ratten und bis zu 9 Monate an Hunden durchgeführt. Die Bedaquilin-Expositionauf Basis der Plasma-AUC-Werte war bei Ratten und Hunden vergleichbar mit der beim Menschen.

Bedaquilin induzierte toxische Effekte u.a. in Zielorganen wie mononukleär-phagozytäres System(MPS), Skelettmuskulatur, Leber, Magen, Pankreas und Herzmuskel. Alle diese toxischen Effekteaußer den Wirkungen auf das MPS, wurden klinisch überwacht. Im MPS aller Spezies wurden

Pigment-beladene Makrophagen und/oder Schaumzellen in verschiedenen Geweben gesehen, die miteiner Phospholipidose konform sind. Die Bedeutung einer Phospholipidose beim Menschen ist nichtbekannt. Die meisten der beobachteten Veränderungen traten nach einer länger andauernden täglichen

Dosierung und nachfolgenden Erhöhungen der Plasma- und Gewebe-Konzentrationen des Wirkstoffsauf. Nach Absetzen der Behandlung kam es bei allen toxischen Parametern zu einer mindestensteilweisen bis guten Besserung der toxischen Effekte.

In einer Karzinogenitätsstudie an Ratten induzierte hochdosiertes Bedaquilin bei Gabe von20 mg/kg/Tag an Männchen und 10 mg/kg/Tag an Weibchen keine erhöhten behandlungsbedingten

Tumorinzidenzen. Verglichen mit den Expositionen (AUC), die in den Bedaquilin-Phase-II-Studienbei Patienten mit pulmonaler TB festgestellt wurden, waren die Bedaquilin-Expositionen (AUC) beihohen Dosen bei männlichen Ratten ähnlich und bei weiblichen Ratten doppelt so hoch, während siefür M2 bei Männchen dreimal so hoch und bei Weibchen doppelt so hoch waren.

In-vitro- und In-vivo-Studien zur Genotoxizität weisen auf keinerlei mutagene oder klastogene

Wirkungen von Bedaquilin hin.

Studien zur Reproduktionstoxizität an weiblichen Ratten zeigten keine Auswirkungen von Bedaquilinauf die Fertilität. Drei von 24 männlichen Ratten, die mit hochdosiertem Bedaquilin behandelt wurden,zeugten in der Studie zur Fertilität keine Nachkommen. Die Tiere zeigten eine normale

Spermatogenese und in den Nebenhoden eine normale Spermatozytenzahl. In den Nebenhoden und

Hoden wurden bei einer Behandlungszeit von bis zu 6 Monaten keine strukturellen Anomaliengesehen. Bezüglich einer Entwicklungstoxizität wurden bei Ratten und Kaninchen keine relevanten

Bedaquilin-bezogenen Effekte beobachtet. Die entsprechende Plasma-Konzentration (AUC) war bei

Ratten 2-mal höher als beim Menschen. In einer prä- und post-natalen Entwicklungsstudie wurden bei

Ratten bei einer dem Menschen vergleichbaren maternalen Plasmakonzentration (AUC) und einer inden Nachkommen 3-fach höheren Exposition als bei erwachsenen Menschen keine Nebenwirkungenbeobachtet. Bei Behandlung der Weibchen mit Bedaquilin gab es bei keiner der Dosisstufen

Auswirkungen auf die sexuelle Reifung, die Verhaltensentwicklung, das Paarungsverhalten, die

Fertilität oder die Reproduktionsfähigkeit der F1-Generation der Tiere. Bei den Jungtieren wurden inden Hochdosisgruppen während der Laktationszeit nach Bedaquilin-Exposition über die Muttermilch

Gewichtsabnahmen bemerkt, die keine Folge einer In Uterus-Exposition waren. Die Bedaquilin-

Konzentrationen in der Milch waren 6- bis 12-mal höher als die im maternalen Plasma.

In einer Toxizitätsstudie bei juvenilen Ratten lag der NOAEL (no observed adverse effect level) bei15 mg/kg/Tag (maximale Dosis 45 mg/kg/Tag) hinsichtlich Beobachtungen diffuser Entzündungenund/oder Degeneration in den Skelettmuskeln (reversibel), der Speiseröhre (reversibel) und der Zunge(reversibel), einer Leberhypertrophie (reversibel) und einer kortikomedullären Nierenmineralisierung(teilweise Genesung bei Männchen und keine Genesung bei Weibchen innerhalb von 8 Wochen nach

Expositionsende). Der NOAEL entspricht einer Plasmakonzentration über 24 h (AUC24h) von 13,1bzw. 35,6 µg∙h/ml für Bedaquilin (~ 0,7-fache klinische Dosis) und 10,5 bzw. 16,3 µg∙h/ml für den

N-Monodesmethyl-Metaboliten von Bedaquilin (M2) bei Männchen bzw. Weibchen (~ 1,8-facheklinische Dosis).

Beurteilung der Risiken für die Umwelt (Environmental Risk Assessment [ERA])

ERA-Studien haben gezeigt, dass dieses Arzneimittel für die Umwelt persistierend, bioakkumulativund toxisch ist (siehe Abschnitt 6.6).

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

SIRTURO 20 mg Tablette

Mikrokristalline Cellulose

Crospovidon

Hochdisperses Siliciumdioxid

Hypromellose

Polysorbat 20

Natriumstearylfumarat

SIRTURO 100 mg Tablette

Lactose-Monohydrat

Maisstärke

Hypromellose

Polysorbat 20

Mikrokristalline Cellulose

Croscarmellose-Natrium

Hochdisperses Siliciumdioxid

Magnesiumstearat

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Haltbarkeit

SIRTURO 20 mg Tablette:

- 3 Jahre

SIRTURO 100 mg Tablette

- 3 Jahre

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind bezüglich der Temperatur keine besonderen Lagerungsbedingungenerforderlich.

SIRTURO 20 mg Tabletten

In der Originalverpackung aufbewahren und das Behältnis fest verschlossen halten, um den Inhalt vor

Licht und Feuchtigkeit zu schützen. Trockenmittel nicht entfernen.

SIRTURO 100 mg Tabletten

Im Originalbehältnis oder in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zuschützen.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

SIRTURO 20 mg Tabletten

Lichtundurchlässige Flasche aus weißem hochdichtem Polyethylen (HDPE) mit kindergesichertem

Aluminium-induktionsversiegeltem Polypropylen (PP)-Verschluss. Jede Flasche enthält 60 Tablettenund Kieselgel-Trockenmittel.

SIRTURO 100 mg Tabletten

Flasche aus weißem HDPE mit kindergesichertem Aluminium-induktionsversiegeltem PP-Verschlussmit 188 Tabletten.

Schachtel mit 4 Durchdrückblisterstreifen (enthalten 6 Tabletten pro Streifen). Die Tabletten sind in

Blisterpackungen aus Aluminium/Aluminium-Folie verpackt.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung

Handhabung

Dieses Arzneimittel könnte ein Risiko für die Umwelt darstellen (siehe Abschnitt 5.3).

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen (siehe Abschnitt 5.3).

Die SIRTURO 20 mg Tablette kann auch über eine Ernährungssonde (8 French oder weiter) wie folgtangewendet werden:

- 5 Tabletten oder weniger in 50 ml kohlensäurefreiem Wasser dispergieren und gut mischen. Die

Mischung sollte weiß bis fast weiß sein, wobei sichtbare Partikel erwartet werden.

- Sofort über die Ernährungssonde geben.

- Mit weiteren Tabletten wiederholen, bis die gewünschte Dosis erreicht ist.

- Spülen und mit weiteren 25 ml Wasser nachspülen, um sicherzustellen, dass keine

Tablettenreste in den für die Zubereitung verwendeten Materialien oder in der Ernährungssondezurückbleiben.

7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS

Janssen-Cilag International NV

Turnhoutseweg 30

B-2340 Beerse

Belgien

8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)

EU/1/13/901/001

EU/1/13/901/002

EU/1/13/901/003

9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG

ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 5. März 2014

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 20. Dezember 2022

10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs

TT.MM.JJJJ

Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen

Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.