Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels SIALANAR 320mcg / ml mündliche lösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Sialanar 320 Mikrogramm/ml Lösung zum Einnehmen
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Ein ml enthält 400 Mikrogramm Glycopyrroniumbromid, entsprechend 320 Mikrogramm
Glycopyrronium.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungEin ml enthält 2,3 mg Natriumbenzoat (E211).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Lösung zum Einnehmen
Klare, farblose Lösung.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Symptomatische Behandlung von schwerer Sialorrhö (chronischer krankhaft gesteigerter
Speichelfluss) bei Kindern und Jugendlichen ab 3 Jahren mit chronischen neurologischen
Erkrankungen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Sialanar sollte von Ärzten verordnet werden, die Erfahrung in der Behandlung von Kindern und
Jugendlichen mit neurologischen Erkrankungen haben.
DosierungDa keine Daten zur Langzeitsicherheit vorliegen, wird empfohlen, Sialanar mit Unterbrechungen undjeweils kurzfristig anzuwenden (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und Jugendliche - Kinder und Jugendliche ab 3 Jahren
Das Dosierungsschema für Glycopyrronium richtet sich nach dem Gewicht des Kindes. Es sollte mitetwa 12,8 Mikrogramm/kg pro Dosis (entsprechend 16 Mikrogramm/kg Glycopyrroniumbromid pro
Dosis) dreimal täglich begonnen werden, gefolgt von einer Steigerung der Dosis alle 7 Tage, wie in
Tabelle 1 dargestellt. Die Dosistitration sollte fortgesetzt werden, bis sich Wirksamkeit und
Nebenwirkungen die Waage halten. Gegebenenfalls sollte eine Anpassung nach oben oder unten biszu einer maximalen Einzeldosis von 64 Mikrogramm/kg Körpergewicht Glycopyrronium oder 6 ml(1,9 mg Glycopyrronium, entsprechend 2,4 mg Glycopyrroniumbromid) dreimal täglich erfolgen,wobei die kleinere Dosis maßgeblich ist. Die Dosistitration sollte in Absprache mit der Pflegepersondurchgeführt werden, um sowohl die Wirksamkeit als auch die Nebenwirkungen beurteilen zu können,bis eine akzeptable Erhaltungsdosis gefunden wurde.
Nebenwirkungen können auf das geringstmögliche Maß beschränkt werden, indem die niedrigstewirksame Dosis angewendet wird, die zur Kontrolle der Symptome erforderlich ist. Es ist wichtig,dass die Pflegeperson vor der Anwendung des Arzneimittels das Dosisvolumen in der Spritzeüberprüft. Das Maximalvolumen der höchsten Dosis beträgt 6 ml. Wenn bei der Steigerung der Dosiseine bekannte anticholinerge Nebenwirkung auftritt, sollte die Dosis wieder auf die vorherigeniedrigere Dosis gesenkt und die Nebenwirkung beobachtet werden (siehe Abschnitt 4.4). Wenn die
Nebenwirkung nicht abklingt, sollte die Behandlung abgebrochen werden. Bei Auftreten von
Verstopfung, Harnverhalt oder Pneumonie (siehe Abschnitt 4.8) ist die Behandlung abzubrechen undder verordnende Arzt zu kontaktieren.
Jüngere Kinder können Nebenwirkungen gegenüber empfindlicher sein. Dies sollte bei einer
Dosisanpassung berücksichtigt werden.
Nach der Dosistitrationsphase sollte die Sialorrhö des Kindes zusammen mit der Pflegeperson in
Zeitabständen von höchstens 3 Monaten kontrolliert werden, um im Lauf der Zeit auftretende
Änderungen hinsichtlich der Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit zu beurteilen und die Dosisentsprechend anzupassen.
In Tabelle 1 sind die Dosen (in ml Lösung), die bei einer Dosiserhöhung jeweils anzuwenden sind,nach Gewichtsbereichen angegeben.
Tabelle 1. Dosierungstabelle für Kinder und Jugendliche mit normaler Nierenfunktion
Gewicht Dosisstufe 1 Dosisstufe 2 Dosisstufe 3 Dosisstufe 4 Dosisstufe 5kg (~ 12,8 µg/kg) 1 (~ 25,6 µg/kg) 1 (~ 38,4 µg/kg) 1 (~ 51,2 µg/kg) 1 (~64 µg/kg) 1ml Ml ml ml ml13-17 0,6 1,2 1,8 2,4 3*18-22 0,8 1,6 2,4 3,2 4*23-27 1 2 3 4 5*28-32 1,2 2,4 3,6 4,8 6*33-37 1,4 2,8 4,2 5,6 6*38-42 1,6 3,2 4,8 6* 643-47 1,8 3,6 5,4 6* 6≥48 2 4 6* 6 61 bezieht sich auf µg/kg Glycopyrronium
*Höchste Einzeldosis in diesem Gewichtsbereich
Besondere PatientengruppenKinder und Jugendliche (Kinder unter 3 Jahren)
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Glycopyrroniumbromid bei Kindern im Alter von der Geburt bis< 3 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
ErwachseneSialanar ist nur zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen angezeigt. Zur Anwendung von
Glycopyrronium bei Erwachsenen mit krankhaft gesteigertem Speichelfluss liegen nur begrenzte
Daten aus klinischen Studien vor.
Ältere MenschenSialanar ist nur zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen angezeigt. Ältere Menschen haben einelängere Eliminationshalbwertszeit und eine verringerte Wirkstoff-Clearance. Darüber hinaus liegennur wenige Daten vor, die für diese Patientengruppe die Wirksamkeit bei kurzfristiger Anwendungbelegen. Daher sollte Sialanar bei Patienten über 65 Jahren nicht angewendet werden.
LeberfunktionsstörungEs wurden keine klinischen Studien an Patienten mit Leberfunktionsstörung durchgeführt.
Glycopyrronium wird aus dem Körperkreislauf vorwiegend über die Nieren ausgeschieden, sodassnicht davon auszugehen ist, dass eine Leberfunktionsstörung zu einer klinisch relevanten Erhöhungder systemischen Exposition gegenüber Glycopyrronium führt.
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR < 90 -≥ 30 ml/min/ 1,73 m2) sollte die Dosis um 30 % reduziert werden (siehe Tabelle 2). Dieses
Arzneimittel ist bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 ml/min/1,73 m2),einschließlich Patienten mit dialysepflichtiger terminaler Niereninsuffizienz, kontraindiziert (siehe
Abschnitt 4.3).
Tabelle 2 Dosierungstabelle für Kinder und Jugendliche mit leichter bis mittelschwerer
NierenfunktionsstörungGewicht Dosisstufe 1 Dosisstufe 2 Dosisstufe 3 Dosisstufe 4 Dosisstufe 5kg (~ 8,8 µg/kg) 1 (~ 17,6 µg/kg) 1 (~ 27,2 µg/kg) 1 (~ 36 µg/kg) 1 (~ 44,8 µg/kg) 1(ml) (ml) (ml) (ml) (ml)13-17 0,4 0,8 1,2 1,7 2,1*18-22 0,6 1,1 1,7 2,2 2,8*23-27 0,7 1,4 2,1 2,8 3,5*28-32 0,8 1,7 2,5 3,4 4,2*33-37 1 2 2,9 3,9 4,2*38-42 1,1 2,2 3,4 4,2* 4,243-47 1,2 2,5 3,8 4,2* 4,2≥48 1,4 2,8 4,2* 4,2 4,21 bezieht sich auf µg/kg Glycopyrronium
*Höchste Einzeldosis in diesem Gewichtsbereich
Art der AnwendungNur zum Einnehmen.
Die Einnahme zusammen mit Nahrung führt zu einer deutlich reduzierten systemischen Expositiongegenüber dem Arzneimittel (siehe Abschnitt 5.2). Die Gabe sollte spätestens eine Stunde vor oderfrühestens zwei Stunden nach einer Mahlzeit oder in gleichbleibenden Zeitabständen zu den
Mahlzeiten eingenommen werden. Fettreiche Nahrungsmittel sollten vermieden werden. Ist aufgrundder speziellen Bedürfnisse des Kindes eine gleichzeitige Einnahme mit Nahrung erforderlich, solltedie Einnahme des Arzneimittels immer während der Mahlzeiten erfolgen.
Führen Sie den Spritzenadapter in den Hals der Flasche ein. Führen Sie das Ende der
Applikationsspritze in den Spritzenadapter ein und überprüfen Sie, dass sie sicher sitzt. Drehen Sie die
Flasche um. Ziehen Sie vorsichtig den Kolben bis zur korrekten Füllmenge (die korrekte Dosisentnehmen Sie den Tabellen 1 und 2). Drehen Sie die Flasche wieder in die aufrechte Stellung.
Entfernen Sie die Applikationsspritze. Platzieren Sie die Applikationsspritze in den Mund des Kindesund drücken Sie langsam den Kolben, um das Arzneimittel vorsichtig abzugeben. Wenn das Kind das
Arzneimittel durch eine Ernährungssonde erhält, spülen Sie die Sonde mit 10 ml Wasser, nachdem Siedas Arzneimittel gegeben haben.
Die Applikationsspritze sollte nach jedem Gebrauch vorsichtig mit warmem Wasser gespült werdenund trocknen (d. h. dreimal pro Tag). Verwenden Sie keine Spülmaschine.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Schwangerschaft und Stillzeit.Glaukom.
Harnverhalt.
Schwere Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 ml/min/1,73 m2), einschließlich dialysepflichtigerterminaler Niereninsuffizienz.
Darmverschluss, Colitis ulcerosa, paralytischer Darmverschluss, Pylorusstenose oder Myastheniagravis in der Vorgeschichte.
Gleichzeitige Behandlung mit festem, oral angewendetem Kaliumchlorid und Anticholinergika (siehe
Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Anticholinerge Wirkungen
Anticholinerge Wirkungen wie Harnverhalt, Verstopfung und Überwärmung durch Inhibition des
Schwitzens können dosisabhängig und bei einem Kind mit Behinderung schwer festzustellen sein.
Überwachung durch Ärzte und Pflegepersonen ist erforderlich, wobei die folgenden Anweisungen zubefolgen sind:
In folgenden Situationen sollte die Pflegeperson die Behandlung abbrechen und den verordnenden
Arzt zurate ziehen:
* Verstopfung
* Harnverhalt
* Pneumonie
* allergische Reaktionen
* Fieber
* sehr heißes Wetter
* Verhaltensänderungen
Nach Beurteilung der Nebenwirkung entscheidet der verordnende Arzt, ob die Behandlung dauerhaftabzubrechen ist oder mit einer niedrigeren Dosis fortgesetzt werden kann (siehe Abschnitt 4.2).
Fehlende Daten zur Langzeitsicherheit
Für eine Behandlungsdauer von mehr als 24 Wochen liegen keine publizierten Daten zur Sicherheitvor. Angesichts der begrenzten Daten zur Langzeitsicherheit und der Unsicherheit bezüglich desmöglichen Risikos der Karzinogenität sollte die Behandlungsdauer so kurz wie möglich gehaltenwerden. Wenn eine dauerhafte Behandlung erforderlich ist (z. B. in einer palliativen Situation) oderdie Behandlung mit Unterbrechungen wiederholt wird (z. B. in einer nicht-palliativen Situation zur
Behandlung einer chronischen Erkrankung), sollten Nutzen und Risiken sorgfältig von Fall zu Fallgegeneinander abgewogen werden. Darüber hinaus ist die Behandlung engmaschig zu überwachen.
Leichte bis mittelschwere Sialorrhö
Aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit eines Nutzens und des bekannten Nebenwirkungsprofilssollte Sialanar bei Kindern mit leichter bis mittelschwerer Sialorrhö nicht angewendet werden.
HerzerkrankungenGlycopyrronium sollte aufgrund einer möglichen Zunahme von Herzfrequenz, Blutdruck und
Rhythmusstörungen infolge seiner Anwendung bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt, Hypertonie,koronarer Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen und Erkrankungen, die mit Tachykardieeinhergehen (darunter Thyreotoxikose, Herzinsuffizienz, Herzoperationen), mit Vorsicht angewendetwerden (siehe Abschnitt 4.8). Die Pflegeperson sollte angewiesen werden, den Puls zu messen, wenndas Kind sich nicht wohl fühlt, und den behandelnden Arzt über eine sehr schnelle oder sehr langsame
Herzfrequenz zu informieren.
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsAnticholinergika wie Glycopyrronium sollten bei Patienten mit gastro-ösophagealer Refluxkrankheit,vorbestehender Obstipation und Diarrhö mit Vorsicht angewendet werden.
Zahnerkrankungen
Da sich bei vermindertem Speichelfluss das Risiko für Erkrankungen der Mundhöhle und des
Zahnfleischs erhöhen kann, müssen die Patienten täglich eine adäquate Mundhygiene erhalten undsich regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchungen unterziehen.
AtemwegserkrankungenGlycopyrronium kann eine Verdickung von Sekreten verursachen, was das Risiko für
Atemwegsinfektionen und Pneumonie erhöhen kann (siehe Abschnitt 4.8). Wenn eine Pneumonievorliegt, sollte die Behandlung mit Glycopyrronium abgesetzt werden.
Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem (ZNS)
In klinischen Studien wurde über eine Zunahme von ZNS-Wirkungen berichtet, darunter: Reizbarkeit,
Schläfrigkeit, Unruhe, Überaktivität, kurze Aufmerksamkeitsspanne, Frustration,
Stimmungsschwankungen, Gefühlsausbrüche oder explosives Verhalten, übermäßige Empfindlichkeit,
Ernsthaftigkeit oder Traurigkeit, häufiges Weinen und Ängstlichkeit (siehe Abschnitt 4.8).
Verhaltensänderungen sollten beobachtet werden.
Als quartäre Ammoniumverbindung kann Glycopyrronium nur schwer die Blut-Hirn-Schrankepassieren, wobei allerdings über das Ausmaß des Übergangs nichts bekannt ist. Bei Kindern mit einer
Beeinträchtigung der Blut-Hirn-Schranke, z. B. einem intraventrikulären Shunt, einem Gehirntumoroder Enzephalitis, ist Vorsicht geboten.
Kinder unter 3 Jahren
Sialanar wird für Kinder unter 3 Jahren nicht empfohlen, da über die Wirksamkeit und Sicherheit von
Glycopyrronium in dieser Altersgruppe nur sehr begrenzte Daten vorliegen.
Sonstige Bestandteile mit bekannter WirkungNatriumDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro maximaler Dosis, d. h. es istnahezu 'natriumfrei“.
Natriumbenzoat
Dieses Arzneimittel enthält 2,3 mg Natriumbenzoat (E211) pro ml.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
Kinder und JugendlicheÜber Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen liegen nurbegrenzte Daten vor.
Die folgenden Informationen zu Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sind für Glycopyrroniumrelevant.
Gegenanzeigen für eine gleichzeitige Anwendung (siehe Abschnitt 4.3)
Festes, oral angewendetes Kaliumchlorid
Glycopyrronium kann das mit festen oralen Formulierungen von Kaliumchlorid verbundene Risikoeiner Schädigung des oberen Gastrointestinaltrakts erhöhen. Grund dafür ist eine erhöhtegastrointestinale Transitzeit, die die Bildung hoher lokaler Konzentrationen von Kaliumionenbegünstigt. Es ist ein Zusammenhang mit Blutungen des oberen Gastrointestinaltrakts sowie
Dünndarmgeschwüren, Stenose, Perforation und Verschluss beobachtet worden.
Anticholinergika
Die gleichzeitige Anwendung von Anticholinergika kann das Risiko anticholinerger Nebenwirkungenerhöhen. Anticholinergika können die gastrointestinale Resorption von anderen, oral angewendeten
Anticholinergika sowie das Risiko anticholinerger Nebenwirkungen erhöhen.
Eine gleichzeitige Anwendung sollte mit Vorsicht erfolgen.
Spasmolytika
Glycopyrronium kann den pharmakologischen Wirkungen von gastrointestinal prokinetischen
Wirkstoffen wie Domperidon und Metoclopramid entgegenwirken.
TopiramatGlycopyrronium kann die Oligohidrose und Hyperthermie, die mit der Anwendung von Topiramatverbunden sind, verstärken, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Sedierende Antihistaminika
Sedierende Antihistaminika können additive anticholinerge Wirkungen haben. Eine Senkung der
Dosis der Anticholinergika und/oder Antihistaminika kann erforderlich sein.
Neuroleptika/Antipsychotika
Die Wirkungen von Wirkstoffen wie Phenothiazinen, Clozapin und Haloperidol können verstärktwerden. Eine Senkung der Dosis der Anticholinergika und/oder der Neuroleptika/Antipsychotika kannerforderlich sein.
Skelettmuskelrelaxanzien
Die Anwendung von Anticholinergika nach Anwendung von Botulinumtoxin kann systemischeanticholinerge Wirkungen potenzieren.
Trizyklische Antidepressiva und MAOI
Trizyklische Antidepressiva und MAOI können additive anticholinerge Wirkungen haben. Eine
Senkung der Dosis der Anticholinergika und/oder der trizyklischen Antidepressiva und MAOI kannerforderlich sein.
Opioide
Wirkstoffe wie Pethidin und Codein können zu additiven Nebenwirkungen im Zentralnervensystemund im Gastrointestinaltrakt führen und das Risiko für schwere Obstipation oder paralytischen
Darmverschluss und eine ZNS-Depression erhöhen. Wenn eine gleichzeitige Anwendung nichtvermieden werden kann, sollten Patienten auf eine möglicherweise übermäßige oder verlängerte ZNS-
Depression oder Obstipation hin beobachtet werden.
KortikosteroideBei Anwendung von topischen, inhalativen, oralen oder intravenösen Steroiden kann sich ein Steroid-induziertes Glaukom entwickeln. Die gleichzeitige Anwendung mit Glycopyrronium kann über einen
Eng- oder Weitwinkelmechanismus zu erhöhtem Augeninnendruck führen.
Sonstige
Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften (z. B. Antihistaminika und Antidepressiva) könnenkumulative parasympatholytische Wirkungen, wie z. B. Mundtrockenheit, Harnverhalt, Obstipationund Verwirrtheit auslösen sowie zu einem erhöhten Risiko eines anticholinergen
Intoxikationssyndroms führen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen AlterVor der Behandlung von Frauen im gebärfähigen Alter sollte gegebenenfalls die Anwendung einerzuverlässigen Verhütungsmethode erwogen werden.
SchwangerschaftBisher liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Sialanar bei Schwangeren vor. Reproduktive
Endpunkte sind für Glycopyrronium nur in begrenztem Umfang untersucht worden (siehe
Abschnitt 5.3). Glycopyrronium ist während der Schwangerschaft kontraindiziert (siehe
Abschnitt 4.3).
StillzeitDie Sicherheit in der Stillzeit ist nicht erwiesen. Die Anwendung in der Stillzeit ist kontraindiziert(siehe Abschnitt 4.3).
FertilitätZu den Wirkungen von Sialanar auf die männliche oder weibliche Fertilität liegen keine Daten vor.
Bei Ratten, die mit Glycopyrronium behandelt wurden, zeigte sich eine Abnahme der Konzeptionsratesowie der Überlebensrate beim Entwöhnen. Es liegen nicht genügend öffentlich zugängliche Datenvor, um die Wirkungen auf das Reproduktionssystem junger Erwachsener angemessen beurteilen zukönnen (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenSialanar hat einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen. Die anticholinerge Wirkung von Glycopyrronium kann verschwommenes Sehen,
Schwindel und andere Wirkungen hervorrufen, die die Fähigkeit des Patienten beeinträchtigen
Tätigkeiten auszuführen, die Geschicklichkeit erfordern, wie das Führen eines Fahrzeugs,
Fahrradfahren oder das Bedienen von Maschinen. Die Nebenwirkungen nehmen mit steigender Dosiszu.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsBei der Behandlung mit Glycopyrronium treten aufgrund seiner bekannten pharmakodynamischenanticholinergen Wirkungen häufig Nebenwirkungen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen sind
Mundtrockenheit (11 %), Obstipation (20 %), Diarrhö (18 %), Erbrechen (18 %), Harnverhalt (15 %),
Hitzegefühl (11 %) und verstopfte Nase (11 %).
Nebenwirkungen treten bei höheren Dosen und längerer Anwendung häufiger auf.
Tabellarische Liste der NebenwirkungenIn der Literatur dokumentierte unerwünschte Ereignisse in Studien (darunter zwei placebokontrollierte
Studien, eine nicht kontrollierte Studie zur Sicherheit mit sechsmonatiger Anwendung von
Glycopyrronium und drei unterstützende Studien mit Daten zu Nebenwirkungen in der Zielpopulation)mit Glycopyrronium zur Behandlung von Sialorrhö bei Kindern und Jugendlichen sind nach
MedDRA-Systemorganklasse aufgeführt (Tabelle 3). Innerhalb der einzelnen Systemorganklassenwerden die Nebenwirkungen nach abnehmender Häufigkeit aufgeführt. Innerhalb der einzelnen
Häufigkeitsgruppen werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben. Die
Häufigkeit der Nebenwirkungen ist wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis< 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100), selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000), sehr selten(< 1/10.000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 3. Liste der Nebenwirkungen
Nebenwirkungen Häufigkeitskategorie
Infektionen und parasitäre ErkrankungenInfektionen der oberen Atemwege Häufig
Pneumonie Häufig
Infektionen der Harnwege Häufig
Psychiatrische ErkrankungenReizbarkeit Sehr häufig
Agitiertheit Häufig
Schläfrigkeit Häufig
Unruhe Nicht bekannt
Überaktivität Nicht bekannt
Kurze Aufmerksamkeitsspanne Nicht bekannt
Frustration Nicht bekannt
Stimmungsschwankungen Nicht bekannt
Wutausbrüche Nicht bekannt
Gelegentliches explosives Verhalten Nicht bekannt
Empfindlichkeit, Schüchternheit, sozialer Rückzug, Nicht bekanntspezifisch für Kinder und Jugendliche
Traurigkeit Nicht bekannt
Weinen Nicht bekannt
Ängstlichkeit Nicht bekannt
Erkrankungen des NervensystemsKopfschmerzen Gelegentlich
Insomnie Nicht bekannt
AugenerkrankungenMydriasis Gelegentlich
Nystagmus Gelegentlich
Engwinkelglaukom Nicht bekannt
Photophobie Nicht bekannt
Augentrockenheit Nicht bekannt
HerzerkrankungenHautrötung mit Hitzegefühl Sehr häufig
Transiente Bradykardie Nicht bekannt
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und
Mediastinums
Verstopfte Nase Sehr häufig
Nasenbluten Häufig
Verringerte Bronchialsekrete Sehr häufig
Sinusitis Nicht bekannt
Nebenwirkungen Häufigkeitskategorie
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsMundtrockenheit Sehr häufig
Obstipation Sehr häufig
Diarrhö Sehr häufig
Erbrechen Sehr häufig
Halitosis Gelegentlich
Ösophageale Candidose Gelegentlich
Gastrointestinale Motilitätsstörung Gelegentlich
Pseudoobstruktion Gelegentlich
Übelkeit Nicht bekannt
Erkrankungen der Haut und des
Unterhautzellgewebes
Ausschlag Häufig
Hauttrockenheit Nicht bekannt
Inhibition des Schwitzens Nicht bekannt
Erkrankungen der Nieren und HarnwegeHarnverhalt Sehr häufig
Harndrang Nicht bekannt
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am
Verabreichungsort
Fieber Häufig
Dehydratation Gelegentlich
Durst bei heißem Wetter Gelegentlich
Angioödem Nicht bekannt
Allergische Reaktionen Nicht bekannt
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenHarnverhalt
Harnverhalt ist eine bekannte Nebenwirkung von anticholinergen Arzneimitteln (15%). Die
Glycopyrronium-Behandlung sollte beendet werden, bis der Harnverhalt abgeklungen ist.
Pneumonie
Pneumonie ist eine bekannte Nebenwirkung von anticholinergen Arzneimitteln (7,9%). Die
Glycopyrronium-Behandlung sollte beendet werden, bis die Pneumonie abgeklungen ist.
ObstipationObstipation ist eine bekannte Nebenwirkung von anticholinergen Arzneimitteln (30%). Die
Glycopyrronium-Behandlung sollte beendet werden, bis die Obstipation abgeklungen ist.
Zentralnervensystem
Glycopyrronium kann die Blut-Hirn-Schranke zwar nur in begrenztem Ausmaß passieren, jedochwurden bei klinischen Studien dennoch Wirkungen auf das Zentralnervensystem berichtet (23%).
Solche Wirkungen sollten bei Überprüfungen der Behandlung mit der Pflegeperson besprochenwerden. Es ist eine Dosisreduzierung zu erwägen (siehe Abschnitt 4.4).
HerzerkrankungenEs ist bekannt, dass Glycopyrronium in Dosen, wie sie während einer Anästhesie verwendet werden,
Auswirkungen auf die Herzfrequenz und den Blutdruck hat, obwohl sich in klinischen Studien mit
Kindern mit chronisch erhöhtem Speichelfluss diese Wirkung nicht gezeigt hat. Bei der Beurteilungder Verträglichkeit sollte auch eine Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem berücksichtigt werden(siehe Abschnitt 4.4).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
SymptomeEine Überdosierung von Glycopyrronium kann zu einem anticholinergen Syndrom führen, das durchdie Inhibition der cholinergen Neurotransmission an Muskarinrezeptoren hervorgerufen wird.
Klinische Manifestationen werden durch Wirkungen auf das ZNS, das periphere Nervensystem oderauf beide hervorgerufen. Häufige Manifestationen sind Hautrötung mit Hitzegefühl, Trockenheit der
Haut und der Schleimhäute, Mydriasis mit Verlust der Akkomodation, Veränderungen des mentalen
Status und Fieber. Weitere Manifestationen sind Sinustachykardie, Abnahme der Darmgeräusche,funktioneller Ileus, Harnverhalt, Hypertonie, Zittern und myoklonisches Zucken.
BehandlungPatienten, bei denen toxische anticholinerge Wirkungen auftreten, sollten in die nächstgelegene
Notfall-Einrichtung mit umfassender Ausrüstung zur Durchführung lebenserhaltender Maßnahmentransportiert werden. Eine gastrointestinale Dekontamination mit Aktivkohle vor der Aufnahme ins
Krankenhaus wird nicht empfohlen, da es zu Somnolenz und Krampfanfällen und infolge dessen zupulmonaler Aspiration kommen kann. Im Krankenhaus kann Aktivkohle verabreicht werden, wenn esmöglich ist, die Atemwege des Patienten ausreichend zu schützen. Bei Vorliegen von
Tachydysrhythmie mit nachfolgender hämodynamischer Beeinträchtigung, hartnäckigen
Krampfanfällen, schwerer Agitiertheit oder einer Psychose wird Physostigminsalicylat empfohlen.
Patienten und/oder Eltern bzw. Pflegepersonen sollten angewiesen werden, darauf zu achten, dassjedes Mal die korrekte Dosis angewendet wird, um die schädlichen Auswirkungen anticholinerger
Reaktionen auf Glycopyrronium infolge eines Dosierungsfehlers oder einer Überdosierung zuvermeiden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel bei funktionellen gastrointestinalen Störungen, synthetische
Anticholinergika, quartäre Ammoniumverbindungen, ATC-Code: A03AB02.
WirkmechanismusGlycopyrronium ist ein Anticholinergikum aus der Gruppe quartärer Ammoniumverbindungen mitperipheren Wirkungen, die denen von Atropin ähneln.
Anticholinergika sind kompetitive Inhibitoren der Wirkung von Acetylcholin an den
Muskarinrezeptoren an autonomen Effektorstellen, die von parasympathischen (cholinergenpostganglionären) Nervenfasern innerviert werden. Sie hemmen auch die Wirkung von Acetylcholinan glatten Muskeln bei fehlender cholinerger Innervation.
Pharmakodynamische WirkungenDie Salivation wird primär durch die parasympathische Innervation der Speicheldrüsen gesteuert.
Glycopyrronium inhibiert kompetitiv die cholinergen Muskarinrezeptoren in den Speicheldrüsen undanderen peripheren Geweben und verringert so indirekt die Salivationsrate. Glycopyrronium hat nureine geringe Wirkung auf cholinerge Stimuli an nicotinergen Acetylcholinrezeptoren, auf Strukturen,die von postganglionären cholinergen Neuronen innerviert werden, und auf glatte Muskeln, die auf
Acetylcholin ansprechen, aber keine cholinerge Innervation aufweisen.
Periphere anticholinerge Wirkungen, die mit steigender Dosis auftreten, sind: Abnahme der
Sekretproduktion durch die Speicheldrüsen, die Bronchien und die Schweißdrüsen; Erweiterung der
Pupillen (Mydriasis) und Akkomodationslähmung (Zykloplegie); Erhöhung der Herzfrequenz;
Miktionshemmung; Herabsetzung des Tonus im Gastrointestinaltrakt und Inhibition der
Magensäuresekretion.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitPlacebokontrollierte Wirksamkeitsdaten liegen für Patienten vor, die 8 Wochen lang behandeltwurden. Für eine Behandlungsdauer von mehr als 8 Wochen liegen keine Placebo- oder Verum-kontrollierten Daten vor.
Zeller et al. 2012a prüften die Wirksamkeit von Glycopyrroniumbromid Lösung zum Einnehmen(1 mg/5 ml) zur Kontrolle von übermäßigem Speichelfluss im Zusammenhang mit Zerebralparese undanderen neurologischen Störungen. 38 Patienten im Alter von 3-23 Jahren mit einem Körpergewichtvon mindestens 12,2 kg und schwerer Sialorrhö (Kleidung feucht an 5-7 Tagen/Woche) wurden zueiner achtwöchigen Behandlung mit 20-100 µg/kg (nicht mehr als 3 mg insgesamt) Glycopyrronium(n = 20) dreimal täglich oder zu einer Behandlung mit einem entsprechenden Placebo (n = 18)randomisiert. In den ersten vier Wochen wurde eine individuelle Dosistitration in festen Schrittenabhängig vom Ansprechen durchgeführt, auf die eine vierwöchige Erhaltungsphase folgte. Derprimäre Wirksamkeitsendpunkt war die Ansprechrate, definiert als der Prozentsatz der Patienten, beidem eine Verbesserung um mindestens drei Punkte auf der modifizierten Teacher’s Drooling Scale(mTDS) erreicht wurde. Die primäre Analysepopulation wurde revidiert und auf Patienten mit einem
Alter von 3-16 Jahren eingeschränkt, woraufhin die Gruppe mit Glycopyrronium Lösung zum
Einnehmen 19 und die Placebo-Gruppe 17 Patienten umfasste. Die Ansprechrate war definiert als
Patienten mit einer Verbesserung um mindestens drei Punkte auf der modifizierten Teacher’s Drooling
Scale (mTDS).
Ansprechrate nach Verbesserung um mindestens Mittlere Verbesserung auf der8 Wochen drei Punkte auf der mTDS mTDS
Glycopyrronium 14 von 19 Patienten (73,7 %) 3,94 Punkte(SD: 1,95; 95 %-KI: 2,97-4,91)
Placebo 3 von 17 Patienten (17,6 %) 0,71 Punkte(SD: 2,14; 95 %-KI: -0,43-1,84p-Wert p = 0,0011 p < 0,0001
Darüber hinaus erachteten 84 % der Ärzte und 100 % der Eltern/Pflegepersonen Glycopyrronium alswirksam im Vergleich zu 41 % bzw. 56 % im Fall von Placebo (p ≤ 0,014). Die am häufigstenangegebenen behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (Glycopyrronium vs. Placebo) waren
Mundtrockenheit, Obstipation, Erbrechen und nasale Kongestion.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Glycopyrronium wurden über einen Zeitraum von 24 Wochen ineiner offenen Studie ohne Kontrollgruppe an Kindern im Alter von 3 bis 18 Jahren untersucht. Beim
Termin in Woche 24 bzw. bei Studienende war bei 52,3 % (95 %-Konfidenzintervall 43,7-60,9) der
Patienten (n = 130) eine Verringerung um mindestens 3 Punkte auf der mTDS gegenüber dem
Ausgangswert eingetreten. Diese Patienten wurden als Responder bezüglich der Behandlung mit
Glycopyrronium Lösung zum Einnehmen klassifiziert. Das Sicherheitsprofil entsprach demjenigen,das bei Anticholinergika beobachtet wird (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionDie mittlere absolute orale Bioverfügbarkeit von Glycopyrronium bei Vergleich einer oralen
Einzeldosis von 50 µg/kg und einer intravenösen Einzeldosis von 5 µg/kg bei Kindern im Alter von 7-14 Jahren, die sich einer intraokularen Operation unterzogen (n = 6), war mit etwa 3 % (Spanne 1,3-13,3 %) niedrig, was auf die geringe Fettlöslichkeit des Arzneimittels zurückzuführen ist. Daten auswenigen PK-Tests an Kindern weisen auf eine dosisproportionale Pharmakokinetik hin.
Die Bioverfügbarkeit von oral angewendetem Glycopyrronium bei Kindern lag zwischen der
Bioverfügbarkeit bei Erwachsenen unter nicht-nüchternen und nüchternen Bedingungen.
VerteilungBei Erwachsenen erfolgte nach einer intravenösen Einzeldosis von 6 µg/kg eine rasche Verteilung; die
Verteilungshalbwertszeit betrug 2,2 ± 1,3 Minuten. Nach Anwendung von 3H-markiertem
Glycopyrronium waren nach 5 Minuten mehr als 90 % der Radioaktivität und nach 30 Minuten nahezu100 % nicht mehr im Plasma nachweisbar, was die rasche Verteilung widerspiegelt. Die Analysepopulationspharmakokinetischer Daten von gesunden Erwachsenen und Kindern mit chronischermittelschwerer bis schwerer Sialorrhö im Zusammenhang mit einer Zerebralparese, die
Glycopyrronium erhielten (Art der Anwendung und Dosen nicht angegeben), zeigte keine lineare
Pharmakokinetik für das Arzneimittel.
Das Verteilungsvolumen, 0,64 ± 0,29 l/kg bei Erwachsenen, entspricht in etwa dem gesamten
Körperwasservolumen. Das Verteilungsvolumen ist bei Kindern und Jugendlichen etwas höher undliegt im Bereich zwischen 1,31 und 1,83 l/kg.
Es wurde gezeigt, dass die Pharmakokinetik von Glycopyrronium bei Kindern im Alter von 0,19-14 Jahren, die eine intravenöse Einzeldosis von 5 µg/kg erhielten, im Wesentlichen unabhängig vom
Alter war. Bei den meisten Kindern und Jugendlichen ergab die Auftragung des Plasma-
Glycopyrroniums gegen die Zeit eine triexponenzielle Kurve. Bei Erwachsenen ist die Kurve meistbiexponenziell. Bei Kindern im Alter von 1 bis 3 Jahren wurden leichte Veränderungen bezüglich des
Verteilungsvolumens (Vss)und der Clearance (Cl) beobachtet, die zu einer statistisch signifikantkürzeren Eliminationshalbwertszeit (t½, z) als bei jüngeren (< 1 Jahr; p = 0,037) oder älteren > 3 Jahre;p = 0,042) Patienten führte.
In einer Studie an gesunden Erwachsenen ergab eine Einzeldosis von 2.000 µg
Glycopyrroniumbromid eine AUC von 2,39 µg.h/l (nüchtern). Eine AUC0-6 h von 8,64 µg.h/l wurdenach intravenöser Anwendung von 6 µg/kg Glycopyrronium beobachtet.
Auf der Grundlage theoretischer chemisch-physikalischer Überlegungen ist zu erwarten, dass diequartäre Ammoniumverbindung Glycopyrronium eine geringe zentrale Bioverfügbarkeit aufweist. Beianästhetisierten operierten Patienten oder Patientinnen, die sich einem Kaiserschnitt unterzogen, warnach intravenöser Anwendung von 6-8 µg/kg kein Glycopyrronium im Liquor cerebrospinalisnachweisbar. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich bei intravenöser Anwendung von 5 µg/kg
Glycopyrronium eine geringe zentrale Bioverfügbarkeit, außer in Fällen, in denen die Blut-Hirn-
Schranke beeinträchtigt ist (z. B. bei einer Shunt-Infektion).
EliminationGlycopyrronium wird primär über die Niere ausgeschieden, zum größten Teil als unveränderte
Substanz. Etwa 65 % einer intravenösen Dosis werden innerhalb der ersten 24 Stunden über die
Nieren ausgeschieden. Ein kleiner Teil (~ 5%) wird über die Galle eliminiert.
Die Eliminationshalbwertszeit von Glycopyrronium scheint von der Art der Anwendung abhängig zusein und beträgt 0,83 ± 0,27 Stunden nach intravenöser Anwendung, 75 Minuten nach intramuskulärer
Anwendung und etwa 2,5-4 Stunden nach oraler Anwendung (Lösung), obwohl die Werte starkschwankten. Dass die letzteren beiden Halbwertszeiten, insbesondere die für die orale Anwendung,länger sind als die bei intravenöser Anwendung, spiegelt vermutlich die komplexe Resorption und
Verteilung von Glycopyrronium über die einzelnen Arten der Anwendung wider. Möglicherweiseführt eine verlängerte Resorption nach oraler Anwendung dazu, dass die Elimination schneller als die
Resorption ist (bekannt als Flip-Flop-Kinetik und charakterisiert durch Ka < Ke).
Die Gesamtclearance nach einer intravenösen Dosis ist vergleichsweise hoch und liegt zwischen0,54 ± 0,14 l/h/kg und 1,14 ± 0,31 l/h/kg. Da dies die glomeruläre Filtrationsrate übersteigt und esscheint, dass mehr als 50% der Dosis unverändert im Urin ausgeschieden werden, ist eswahrscheinlich, dass die renale Elimination von Glycopyrronium sowohl durch glomeruläre Filtrationals auch durch Sekretion in den proximalen Tubulus über den Basensekretionsmechanismus erfolgt.
Bei erwachsenen Patienten mit leichter und mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (GFR ≥30 m/min/1,73 m2) wurde eine mittlere Zunahme bis zum 1,4-Fachen der systemischen
Gesamtexposition (AUClast) beobachtet, und bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung oderterminaler Niereninsuffizienz (eGFR < 30 ml/min/1,73 m2) eine bis zu 2,2-fache Zunahme. Bei
Patienten mit leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung ist eine Reduktion der Dosis um30 % erforderlich (siehe Tabelle 2). Glycopyrronium ist bei Patienten mit schwerer
Nierenfunktionsstörung kontraindiziert.
SonstigesPatientenmerkmale zum Ausgangszeitpunkt
Die Patientenmerkmale zum Ausgangszeitpunkt (Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Rasse) habenkeinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Glycopyrronium.
LeberfunktionsstörungDa der Großteil des Arzneimittels über die Nieren ausgeschieden wird, ist nicht zu erwarten, dass eine
Beeinträchtigung der Leberfunktion die Pharmakokinetik von Glycopyrronium beeinflusst.
NahrungDie gleichzeitige Einnahme mit Nahrung führt zu einer deutlichen Abnahme der systemischen
Exposition gegenüber Glycopyrronium (siehe Abschnitt 4.2).
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Präklinische Studien, einschließlich Studien zur Genotoxizität und Karzinogenität, wurden für Sialanarnicht durchgeführt.
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie und zur Toxizität beiwiederholter Gabe lassen die begrenzten präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den
Menschen erkennen.
Die Einzeldosistoxizität von Glycopyrronium wurde in einer Reihe von Untersuchungen geprüft,wobei allerdings nur wenige experimentelle Details verfügbar sind. Bei Mäusen und Ratten wurdenach oraler Verabreichung ein hoher LD50-Wert von 550 mg/kg bzw. 1.000 mg/kg beschrieben. Die
Verabreichung höherer Dosen (1.500-2.000 mg/kg) verursachte bei Ratten Tremor, klonische undtonische Krämpfe sowie Atemschwierigkeiten vor dem Tod, der infolge von Atemversagen eintrat.
Chronische orale Verabreichung von Glycopyrronium in Dosen von 4, 16 und 64 mg/kg über bis zu27 Wochen bei Hunden führte zu Mydriasis, Zykloplegie, Xerostomie, Erbrechen, gelegentlicher
Tränensekretion, Sklereninjektion und Rhinorrhö.
Eine Extrapolation der Sicherheitsmargen auf Kinder und Jugendliche ist nicht möglich, da für
Glycopyrronium keine Expositionsdaten aus Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe vorliegenund keine Studien bei jungen Tieren durchgeführt wurden.
Die Daten zu reproduktiven Endpunkten sind für Glycopyrronium sehr begrenzt. Bei weiblichen
Ratten, denen Glycopyrronium verabreicht worden war, wurde eine Reduktion der Corpora luteabeobachtet. Bei männlichen Ratten wurden keine Auswirkungen auf die Fertilität festgestellt. Bei
Ratten, die mit Glycopyrronium behandelt wurden, zeigte sich eine Abnahme der Konzeptionsratesowie der Überlebensrate beim Entwöhnen. Die Bedeutung dieser präklinischen Befunde für den
Menschen ist nicht klar, und aufgrund des Fehlens von Daten aus Studien beim Menschen ist
Glycopyrronium bei schwangeren Frauen kontraindiziert. Es liegen nicht genügend öffentlichzugängliche Daten vor, um die Wirkungen auf das Reproduktionssystem junger Erwachsenerangemessen beurteilen zu können. Die Sicherheit in der Schwangerschaft beim Menschen wurde nichtnachgewiesen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumbenzoat (E211)
Himbeer-Aroma (enthält Propylenglycol E1520)
Sucralose (E955)
Citronensäure (E330)
Gereinigtes Wasser
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
3 Jahre.
Nach Anbruch 2 Monate.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Braune Glasflasche mit einem manipulations- und kindergesicherten Verschluss aus Polyethylen hoher
Dichte mit einer Auskleidung aus expandiertem Polyethylen niedriger Dichte.
Die Flasche enthält 60 ml oder 250 ml Lösung zum Einnehmen.
Eine Packung enthält eine Flasche; eine 8 ml Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmenaus Polyethylen niedriger Dichte (mit 0,1 ml Graduierung) und einen Spritzenadapter.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Proveca Pharma Limited2 Dublin Landings
North Wall Quay
Dublin 1
Irland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/16/1135/001 (250 ml Flasche)
EU/1/16/1135/002 (60 ml Flasche)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 15. September 2016
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 17. Juni 2021
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.