Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels OCREVUS 920mg 40mg / ml injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Ocrevus 920 mg Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche enthält 920 mg Ocrelizumab in 23 ml (40 mg/ml).
Ocrelizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der in Ovarialzellen des chinesischen
Hamsters mittels rekombinanter DNA-Technologie hergestellt wird.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung
Klare bis leicht opalisierende, farblose bis schwach braune Lösung.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Ocrevus ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose(RMS, relapsing multiple sclerosis) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder
Bildgebung (siehe Abschnitt 5.1).
Ocrevus ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit früher primär progredienter
Multipler Sklerose (PPMS, primary progressive multiple sclerosis), charakterisiert anhand der
Krankheitsdauer und dem Grad der Behinderung, sowie mit Bildgebungsmerkmalen, die typisch füreine Entzündungsaktivität sind (siehe Abschnitt 5.1).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung ist von spezialisierten Ärzten mit Erfahrung in der Diagnose und Behandlungneurologischer Erkrankungen einzuleiten und zu überwachen. Die erste Anwendung soll unterklinischer Beobachtung mit geeigneter medizinischer Betreuung erfolgen, um schwere Reaktionen wieschwere Injektionsreaktionen, Überempfindlichkeitsreaktionen und/oder anaphylaktische Reaktionenzu beherrschen (siehe Abschnitt 4.4).
Prämedikation gegen injektionsbedingte Reaktionen
Um das Risiko für lokale und systemische injektionsbedingte Reaktionen (injection reactions, IRs) zureduzieren, müssen kurz vor jeder Ocrelizumab-Injektion die beiden folgenden Vorbehandlungenerfolgen:
* 20 mg orales Dexamethason (oder Äquivalent)
* Orales Antihistaminikum (z. B. Desloratadin oder Äquivalent)
Zusätzlich kann auch eine Vorbehandlung mit einem Antipyretikum (z. B. Paracetamol) kurz vor jeder
Verabreichung in Betracht gezogen werden.
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt 920 mg alle 6 Monate.
Es ist keine Aufteilung der Initialdosis oder der Folgedosen auf getrennte Gaben erforderlich.
Zwischen jeder Dosis von Ocrelizumab ist ein Mindestabstand von 5 Monaten einzuhalten.
Abbruch der Injektion oder der Behandlung bei injektionsbedingten Reaktionen (IRs)
Lebensbedrohliche IRs
Wenn Anzeichen einer lebensbedrohlichen IR auftreten, muss die Injektion unverzüglich abgebrochenund der Patient entsprechend behandelt werden. Die Behandlung muss bei diesen Patienten endgültigabgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.3).
Schwere IRs
Tritt bei einem Patienten eine schwere IR auf, ist die Injektion unverzüglich zu unterbrechen und der
Patient symptomatisch zu behandeln. Die Injektion sollte erst abgeschlossen werden, wenn alle
Symptome abgeklungen sind (siehe Abschnitt 4.4).
Verspätete oder versäumte DosenWenn eine Injektion versäumt wird, ist diese sobald wie möglich nachzuholen; warten Sie nicht biszur nächsten geplanten Dosis. Das Behandlungsintervall von 6 Monaten (mit einem Minimum von5 Monaten) zwischen den einzelnen Anwendungen soll eingehalten werden.
Besondere PatientengruppenErwachsene über 55 Jahre
Den begrenzten verfügbaren Daten zur intravenösen Anwendung von Ocrelizumab zufolge (siehe
Abschnitte 5.1 und 5.2) ist bei Patienten über 55 Jahre keine Dosisanpassung erforderlich. Patienten,die an den laufenden klinischen Studien teilnehmen, erhalten auch nach Vollendung des55. Lebensjahres weiterhin intravenös 600 mg Ocrelizumab alle 6 Monate. Die Anwendung vonsubkutan verabreichtem Ocrelizumab wurde bei Patienten im Alter von über 65 Jahren nichtuntersucht.
NierenfunktionsstörungDie Sicherheit und Wirksamkeit von Ocrelizumab wurden bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungnicht formal untersucht. Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung wurden in klinische Studieneingeschlossen. Es liegen keine Daten von Patienten mit mittelschwerer und schwerer
Nierenfunktionsstörung vor. Ocrelizumab ist ein monoklonaler Antikörper und wird katabolisiert (d. h.zu Peptiden und Aminosäuren abgebaut). Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung ist voraussichtlichkeine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
LeberfunktionsstörungDie Sicherheit und Wirksamkeit von Ocrelizumab wurden bei Patienten mit Leberfunktionsstörungnicht formal untersucht. Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung wurden in klinische Studieneingeschlossen. Es liegen keine Daten von Patienten mit mittelschwerer und schwerer
Leberfunktionsstörung vor. Ocrelizumab ist ein monoklonaler Antikörper und wird katabolisiert (statthepatisch metabolisiert). Bei Patienten mit Leberfunktionsstörung ist voraussichtlich keine
Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Ocrelizumab bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis18 Jahren sind nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungOcrevus 920 mg Injektionslösung ist nicht für die intravenöse Anwendung vorgesehen und mussimmer als subkutane Injektion durch medizinisches Fachpersonal angewendet werden.
Es ist wichtig, die Kennzeichnung des Arzneimittels zu überprüfen, um sicherzustellen, dass der
Patient die korrekte Darreichungsform (intravenös oder subkutan) gemäß der Verschreibung erhält.
Die Patienten können die Behandlung mit intravenösem oder subkutanem Ocrelizumab beginnen und
Patienten, die aktuell intravenöses Ocrelizumab erhalten, können die Behandlung mit intravenösem
Ocrelizumab fortsetzen oder auf Ocrevus 920 mg Injektionslösung umgestellt werden.
Die 920-mg-Dosis ist als subkutane Injektion über einen Zeitraum von etwa 10 Minuten in das
Abdomen zu verabreichen. Die Verwendung eines subkutanen Infusionssets (z. B.
Flügelkanüle/Butterfly) wird empfohlen. Im subkutanen Infusionsset verbliebenes Restvolumen darfdem Patienten nicht verabreicht werden.
Die Injektionsstelle sollte das Abdomen sein, mit Ausnahme des Bereichs von 5 cm um den
Bauchnabel. Die Injektionen dürfen niemals in Bereichen erfolgen, in denen die Haut gerötet, verletzt,empfindlich oder verhärtet ist, oder in Bereichen, in denen sich Leberflecken oder Narben befinden.
Ocrevus Injektionslösung muss immer als subkutane Injektion durch medizinisches Fachpersonalangewendet werden. Für die Initialdosis wird nach der Injektion eine mindestens einstündige
Überwachung, mit Zugang zu geeigneter medizinischer Betreuung zur Beherrschung schwerer
Reaktionen wie IRs, empfohlen. Für die Folgedosen liegt die Notwendigkeit einer Überwachung nachder Injektion im Ermessen des behandelnden Arztes (siehe Abschnitt 4.4).
Hinweise zum Gebrauch und Handhabung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
* Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
* Aktuell vorliegende, aktive Infektion (siehe Abschnitt 4.4).
* Schwer immunsupprimierter Zustand des Patienten (siehe Abschnitt 4.4).
* Bekannte aktive Malignome (siehe Abschnitt 4.4).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Injektionsbedingte Reaktionen (IRs)
Die Behandlung mit subkutanem Ocrelizumab ist mit IRs verbunden, was mit der Freisetzung von
Zytokinen und/oder anderen chemischen Mediatoren zusammenhängen kann. Ärzte sollen die
Patienten darauf hinweisen, dass während oder innerhalb von 24 Stunden nach der Verabreichung IRsauftreten können. Symptome von IRs wurden häufiger bei der ersten Injektion berichtet. IRs könnenlokale oder systemische IRs sein. Häufige Symptome lokaler IRs an der Injektionsstelle sind Erythem,
Schmerzen, Schwellung und Pruritus. Häufige Symptome systemischer IRs sind Kopfschmerzen und
Übelkeit (siehe Abschnitt 4.8).
Kurz vor der Injektion müssen die Patienten eine Prämedikation erhalten, um das Risiko für IRs zureduzieren (siehe Abschnitt 4.2). Die Patienten sollen nach der Initialdosis des Arzneimittelsmindestens eine Stunde lang auf Symptome einer schweren IR überwacht werden. Bei der Initialdosisdes Arzneimittels müssen geeignete Mittel zur Behandlung von schweren IRs,
Überempfindlichkeitsreaktionen und/oder anaphylaktischen Reaktionen bereitstehen. Für die
Folgedosen liegt die Notwendigkeit einer Überwachung nach der Injektion im Ermessen desbehandelnden Arztes. Falls IRs auftreten, können sie symptomatisch behandelt werden.
Wenn Anzeichen einer lebensbedrohlichen IR auftreten, muss die Injektion unverzüglich abgebrochenund der Patient entsprechend behandelt werden. Die Behandlung mit Ocrelizumab muss bei diesen
Patienten endgültig abgesetzt werden.
Tritt bei einem Patienten eine schwere IR auf, ist die Injektion unverzüglich zu unterbrechen und der
Patient symptomatisch zu behandeln. Die Injektion soll erst abgeschlossen werden, wenn alle
Symptome abgeklungen sind.
Intravenös verabreichtes Ocrelizumab kann zu Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion(IRRs) führen, was ebenfalls mit der Freisetzung von Zytokinen und/oder anderen chemischen
Mediatoren zusammenhängen kann. IRRs können sich als Pruritus, Ausschlag, Urtikaria, Erythem,
Rachenreizung, oropharyngeale Schmerzen, Dyspnoe, Pharynx- oder Larynxödeme, Flush, Hypotonie,
Pyrexie, Ermüdung (Fatigue), Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit, Tachykardie undanaphylaktische Reaktionen äußern.
Bei der Anwendung von intravenös verabreichtem Ocrelizumab wurden schwerwiegende Reaktionenim Zusammenhang mit einer Infusion (IRRs) berichtet, von denen einige einen Krankenhausaufenthalterforderlich machten.
Eine Überempfindlichkeit kann klinisch hinsichtlich der Symptome nicht von einer IR oder einer IRRzu unterscheiden sein. Bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion ist die Injektionunverzüglich abzubrechen und endgültig abzusetzen (siehe 'Überempfindlichkeitsreaktionen“ weiterunten).
ÜberempfindlichkeitsreaktionenEine Überempfindlichkeitsreaktion (akute allergische Reaktion auf das Arzneimittel) kann ebenfallsauftreten. Es ist möglich, dass sich akute Überempfindlichkeitsreaktionen vom Typ 1 (IgE-vermittelt)klinisch nicht von IR-Symptomen unterscheiden lassen.
Eine Überempfindlichkeitsreaktion kann während jeder Anwendung auftreten, obgleich eine solche
Reaktion typischerweise nicht während der ersten Gabe auftritt. Treten bei den nachfolgenden
Anwendungen schwerere als die zuvor beobachteten Symptome oder neue schwere Symptome auf,muss eine mögliche Überempfindlichkeitsreaktion in Betracht gezogen werden. Patienten, bei deneneine IgE-vermittelte Überempfindlichkeit gegen Ocrelizumab oder einen der sonstigen Bestandteilebekannt ist, dürfen nicht behandelt werden (siehe Abschnitt 4.3).
InfektionDie Anwendung von Ocrelizumab muss bei Patienten mit einer aktiven Infektion verschoben werden,bis die Infektion abgeklungen ist.
Es wird empfohlen, vor der Arzneimittelgabe den Immunstatus des Patienten zu überprüfen, da
Patienten in schwer immunsupprimiertem Zustand (z. B. Patienten mit Lymphopenie, Neutropenie,
Hypogammaglobulinämie) nicht behandelt werden dürfen (siehe Abschnitte 4.3 und 4.8).
In Studien zur intravenösen Anwendung von Ocrelizumab war der Gesamtanteil an Patienten, beidenen eine schwerwiegende Infektion (SI, serious infection) auftrat, ähnlich jenem bei Patienten, dieeine Vergleichsbehandlung erhielten (siehe Abschnitt 4.8). Die Häufigkeit von Infektionen der
Schweregrade 4 (lebensbedrohlich) und 5 (tödlich) war in allen Behandlungsgruppen gering. Bei
PPMS war sie jedoch in der Gruppe mit intravenös angewendetem Ocrelizumab höher als in der
Placebogruppe, sowohl hinsichtlich lebensbedrohlicher (1,6 % vs. 0,4 %) als auch hinsichtlichtödlicher Infektionen (0,6 % vs. 0 %). Alle lebensbedrohlichen Infektionen heilten aus, ohne dass
Ocrevus abgesetzt wurde.
Bei PPMS haben Patienten mit Schluckbeschwerden ein höheres Risiko, eine Aspirationspneumoniezu entwickeln. Die Behandlung mit Ocrelizumab kann das Risiko einer schweren Pneumonie beidiesen Patienten weiter erhöhen. Bei Patienten, die eine Pneumonie entwickeln, sind deshalbumgehend entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML)Fälle von PML im Rahmen einer John Cunningham-Virus (JCV)-Infektion wurden bei Patienten, diemit Anti-CD20-Antikörpern (cluster of differentiation 20, CD20) inkl. Ocrelizumab behandelt wurden,sehr selten beobachtet und waren meist mit bestimmten Risikofaktoren (Patientenpopulation, z. B.
Lymphopenie, fortgeschrittenes Alter, Polytherapie mit Immunsuppressiva) assoziiert.
Ärzte sollen aufmerksam auf frühe Anzeichen und Symptome einer PML achten, die unter Umständenschwer von Symptomen der MS-Erkrankung zu unterscheiden sind, da sie sich sowohl durch das
Neuauftreten als auch durch eine Verschlechterung vorbestehender neurologischer Anzeichen oder
Symptome äußern können.
Besteht der Verdacht auf eine PML, muss die Anwendung von Ocrelizumab unterbrochen werden.
Eine weitergehende Abklärung mittels vorzugsweise kontrast-verstärkter Magnetresonanztomographie(MRT)-Untersuchung (und Vergleich mit der MRT-Aufnahme, die vor der Behandlung erstelltwurde), konfirmatorischer Liquoruntersuchung auf JCV-Desoxyribonukleinsäure (DNA) undwiederholter neurologischer Kontrolluntersuchungen, ist in Erwägung zu ziehen. Wird eine PMLbestätigt, muss die Behandlung endgültig abgesetzt werden.
Hepatitis-B-ReaktivierungEine Reaktivierung des Hepatitis-B-Virus (HBV), die in manchen Fällen zu fulminanter Hepatitis,
Leberversagen und Tod führte, wurde bei Patienten, die mit Anti-CD20-Antikörpern behandeltwurden, berichtet.
Bei allen Patienten ist vor Beginn der Behandlung eine Hepatitis-B-Virus (HBV)-Serologie gemäß derlokalen Leitlinien durchzuführen. Patienten mit aktiver HBV-Erkrankung (d. h. einer aktiven
Infektion, bestätigt durch positive Ergebnisse des HBsAg- und Anti-HB-Tests) dürfen nicht mit
Ocrelizumab behandelt werden (siehe Abschnitt 4.3). Patienten mit positiver Serologie (d. h. HBsAg-negativ und HB-Kernantikörper-positiv [HBcAb+] oder HBV-Nachweis [Oberflächenantigen-positiv,
HBsAg+]) sollen vor Behandlungsbeginn einen Spezialisten für Lebererkrankungen aufsuchen undgemäß lokaler medizinischer Standards überwacht und behandelt werden, um eine Hepatitis-B-
Reaktivierung zu verhindern.
Späte NeutropenieEs wurden Fälle von spät auftretenden Neutropenien mindestens 4 Wochen nach der letztenintravenösen Infusion von Ocrelizumab berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Obwohl einige Fälle dem
Schweregrad 3 oder 4 entsprachen, handelte es sich bei der Mehrzahl der Fälle um Grad 1 oder 2. Bei
Patienten mit Anzeichen und Symptomen einer Infektion wird die Bestimmung der neutrophilen
Granulozyten im Blut empfohlen.
MalignomeIn der kontrollierten Phase der zulassungsrelevanten klinischen Studien wurde bei Patienten, die mitintravenös verabreichtem Ocrelizumab behandelt wurden, eine erhöhte Anzahl maligner Erkrankungen(einschließlich Mammakarzinom) beobachtet, verglichen mit den Kontrollgruppen. Die Inzidenz laginnerhalb der für eine MS-Population erwarteten Hintergrundrate. Nach ungefähr 10‑jährigerkontinuierlicher Behandlung mit Ocrelizumab über die kontrollierte Phase und die Phase der offenen
Verlängerung (OLE, Open-Label Extension) der zulassungsrelevanten klinischen Studien blieb die
Inzidenz von Malignomen innerhalb der für eine MS-Population zu erwartenden Hintergrundrate.
Patienten mit bekannter aktiver maligner Erkrankung dürfen nicht mit Ocrelizumab behandelt werden(siehe Abschnitt 4.3). Bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren für das Auftreten von malignen
Erkrankungen und bei Patienten, die aktiv auf das Wiederauftreten einer malignen Erkrankung hinüberwacht werden, ist das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis abzuwägen. Patienten sollen das
Standard-Brustkrebs-Screening entsprechend der lokalen Leitlinien befolgen.
Behandlung von schwer immunsupprimierten Patienten
Patienten in schwer immunsupprimiertem Zustand dürfen erst behandelt werden, wenn die
Immunsuppression behoben ist (siehe Abschnitt 4.3).
Bei anderen Autoimmunerkrankungen führte die gleichzeitige Anwendung von Ocrelizumab und
Immunsuppressiva (z. B. Corticosteroid-Dauermedikation, Gabe nicht-biologischer und biologischerkrankheitsmodifizierender Antirheumatika [disease-modifying antirheumatic drugs, DMARDS],
Mycophenolatmofetil, Cyclophosphamid, Azathioprin) zu einem Anstieg von SIs, einschließlichopportunistischer Infektionen. Die Infektionen umfassten unter anderem atypische Pneumonie,
Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie, Varizellenpneumonie, Tuberkulose und Histoplasmose. Inseltenen Fällen verliefen einzelne Infektionen tödlich. Eine explorative Analyse ergab folgende
Faktoren, die mit einem Risiko für SIs einhergehen: höhere Dosierungen von Ocrelizumab als für die
Therapie der MS empfohlen, andere Begleiterkrankungen und Langzeitanwendung von
Immunsuppressiva/Corticosteroiden.
Mit Ausnahme von Corticosteroiden zur symptomatischen Behandlung von Schüben wird diegleichzeitige Gabe von Immunsuppressiva und Ocrelizumab nicht empfohlen. Es ist weitgehendunbekannt, ob die begleitende Anwendung von Corticosteroiden zur symptomatischen Behandlungvon Schüben in der klinischen Praxis mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht. In den
Zulassungsstudien zu intravenös verabreichtem Ocrelizumab bei MS war die Anwendung von
Corticosteroiden zur Schubbehandlung nicht mit einem erhöhten Risiko für SIs verbunden.
Bei Aufnahme einer Ocrelizumab Behandlung nach immunsuppressiver Therapie oder bei Beginneiner immunsuppressiven Therapie nach einer Behandlung mit Ocrelizumab soll das Potenzial für sichüberlappende pharmakodynamische Wirkungen berücksichtigt werden (siehe Abschnitt 5.1). Bei der
Verordnung von Ocrelizumab ist Vorsicht geboten und die Pharmakodynamik andererkrankheitsmodifizierender MS-Therapien zu berücksichtigen.
ImmunisierungDie Sicherheit einer Immunisierung mit Lebendimpfstoffen oder attenuierten Lebendimpfstoffen nacheiner Therapie mit Ocrelizumab wurde nicht untersucht. Eine Impfung mit attenuierten
Lebendimpfstoffen oder Lebendimpfstoffen wird während einer Behandlung und bis zur B-Zell-
Repletion nicht empfohlen. In klinischen Studien betrug die mediane Zeit bis zur B-Zell-Repletion72 Wochen (siehe Abschnitt 5.1).
In einer randomisierten offenen Studie waren intravenös mit Ocrelizumab behandelte RMS-Patientenin der Lage, eine Immunantwort, wenn auch in abgeschwächter Form, gegen Tetanustoxoid, 23-valentes Pneumokokken-Polysaccharid mit oder ohne Booster-Impfstoff, Keyhole-Limpet-
Hämocyanin-Neoantigen und saisonale Influenza-Impfstoffe aufzubauen (siehe Abschnitte 4.5 und5.1).
Es wird empfohlen, mit Ocrelizumab behandelte Patienten mit einem inaktivierten saisonalen
Influenza-Impfstoff zu impfen.
Ärzte sollen den Immunisierungsstatus von Patienten, die für eine Behandlung mit Ocrelizumab in
Betracht gezogen werden, überprüfen. Für Patienten, die eine Impfung benötigen, soll die
Immunisierung mindestens 6 Wochen vor dem Beginn der Behandlung mit Ocrelizumababgeschlossen sein.
Ocrelizumab-Exposition in utero und Immunisierung von Neugeborenen und Säuglingen mit
Lebendimpfstoffen oder attenuierten Lebendimpfstoffen
Aufgrund möglicher B-Zell-Depletion bei Säuglingen von Müttern, die während der Schwangerschaftmit Ocrelizumab behandelt wurden, wird empfohlen, dass Impfungen mit Lebendimpfstoffen oderattenuierten Lebendimpfstoffen aufgeschoben werden, bis eine Normalisierung der B-Zell-Spiegelerfolgt ist. Daher wird bei Neugeborenen und Säuglingen vor einer Impfung eine Überprüfung der
CD19-positiven B-Zell-Spiegel empfohlen.
Es wird empfohlen, alle Impfungen, die keine Lebendimpfstoffe oder attenuierte Lebendimpfstoffeenthalten, gemäß lokalem Impfplan durchzuführen. Messungen der impfinduzierten Antworttiter zur
Überprüfung der individuellen, protektiven Immunantwort sind in Erwägung zu ziehen, da die
Wirksamkeit der Impfung verringert sein kann.
Sicherheit und Zeitpunkt der Immunisierung sind mit dem zuständigen Kinderarzt zu besprechen(siehe Abschnitt 4.6).
NatriumDieses Arzneimittel enthält Natrium, aber weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Dosis, d. h. es istnahezu natriumfrei.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt, da keine
Wechselwirkungen, die über die Cytochrom-P450-Enzyme, andere metabolisierende Enzyme oder
Transporter vermittelt werden, zu erwarten sind.
ImmunisierungDie Sicherheit einer Immunisierung mit Lebendimpfstoffen oder attenuierten Lebendimpfstoffen nacheiner Therapie mit Ocrelizumab wurde nicht untersucht.
Es liegen Daten zu den Auswirkungen von Tetanustoxoid, 23-valentem Pneumokokken-Polysaccharid,
Keyhole-Limpet-Hämocyanin-Neoantigen und saisonalen Influenza-Impfstoffen bei intravenös mit
Ocrelizumab behandelten Patienten vor (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
Nach einer intravenösen Behandlung mit Ocrelizumab über 2 Jahre war der Anteil der Patienten mitpositiven Antikörpertitern gegen S. pneumoniae, Mumps, Röteln (Rubella) und Varizellen im
Allgemeinen ähnlich hoch wie zu Beginn der Behandlung.
ImmunsuppressivaMit Ausnahme von Corticosteroiden zur symptomatischen Behandlung von Schüben wird diegleichzeitige Gabe von Immunsuppressiva und Ocrelizumab nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen AlterFrauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Ocrelizumab und für 4 Monatenach der letzten verabreichten Dosis von Ocrelizumab eine Empfängnisverhütung anwenden.
SchwangerschaftEs gibt eine begrenzte Menge an Daten zur Anwendung von Ocrelizumab bei schwangeren Frauen.
Ocrelizumab ist ein Immunglobulin G (IgG). IgG passieren bekanntermaßen die Plazenta. Bei
Neugeborenen und Säuglingen, die im Mutterleib Ocrelizumab ausgesetzt waren, ist ein Aufschiebenvon Impfungen mit Lebendimpfstoffen oder attenuierten Lebendimpfstoffen in Erwägung zu ziehen.
Zu Neugeborenen und Säuglingen, die Ocrelizumab ausgesetzt waren, liegen keine Daten zur B-Zell-
Zahl vor und die eventuelle Dauer einer B-Zell-Depletion bei Neugeborenen und Säuglingen istunbekannt (siehe Abschnitt 4.4).
Bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft anderen Anti-CD20-Antikörpern ausgesetztwaren, wurde über eine vorübergehende B-Zell-Depletion und Lymphozytopenie berichtet. Auch intierexperimentellen Studien wurde eine B‑Zell-Depletion in utero festgestellt.
Tierexperimentelle Studien (embryo-fetale Toxizität) deuten auf keine teratogenen Effekte hin. Eine
Reproduktionstoxizität wurde in prä- und postnatalen Entwicklungsstudien beobachtet (siehe
Abschnitt 5.3).
Ocrelizumab soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der potenzielle
Nutzen für die Mutter überwiegt das potenzielle Risiko für den Fötus.
StillzeitEs ist bekannt, dass humane IgGs in den ersten Tagen nach der Geburt (Kolostrumphase) in die
Muttermilch übergehen, wobei die Konzentration bald darauf auf ein niedriges Niveau absinkt.
In einer prospektiven, multizentrischen, offenen Studie MN42989 (SOPRANINO) erhielten13 stillende Frauen Ocrelizumab im Median 2,0 Monate nach der Geburt (Bereich 0,5 - 5,0 Monate).
In der Muttermilch wurden über einen Zeitraum von 60 Tagen nach der ersten postpartalen Infusion,die die Mutter erhielt, geringe Konzentrationen von Ocrelizumab nachgewiesen (mittlere relative
Säuglingsdosis von 0,27 % [Bereich 0,0 - 1,8 %]), was auf einen minimalen Übergang von
Ocrelizumab in die Muttermilch hindeutet. 30 Tage nach der ersten postpartalen Infusion, die die
Mutter erhielt, war Ocrelizumab in allen verfügbaren Serumproben von gestillten Säuglingen (n = 9)nicht nachweisbar, und die B-Zell-Spiegel der Säuglinge lagen bei allen verfügbaren Blutproben(n = 10) im Normbereich. Bei gestillten Säuglingen wurden über einen Nachbeobachtungszeitraumvon 44,6 Wochen (Bereich 8,6 - 62,7 Wochen) keine Auswirkungen von Ocrelizumab auf die
Gesundheit, das Wachstum und die Entwicklung beobachtet.
Obwohl keine klinischen Daten zu Säuglingen, die möglicherweise Ocrelizumab über die Muttermilchausgesetzt sind und die Lebendimpfstoffe oder Lebendimpfstoffe mit abgeschwächten Erregernerhalten, vorliegen, werden aufgrund der normalen B-Zell-Spiegel und der nicht nachweisbaren
Ocrelizumab-Spiegel im Serum, die bei diesen Säuglingen beobachtet wurden, keine Risiken erwartet.
In einer separaten prospektiven klinischen Prüfung wurden bei 29 stillenden Frauen, die Ocrelizumabim Median 4,3 Monate nach der Geburt (Bereich 0,1 - 36 Monate) erhielten, niedrige Ocrelizumab-
Konzentrationen in der Muttermilch (mittlere relative Säuglingsdosis von 0,1 % [Bereich0,07 - 0,7 %]) über einen Zeitraum von 90 Tagen nach der ersten postpartalen Infusion, die die Muttererhielt, beobachtet. Die Nachbeobachtung von 21 Säuglingen, die mindestens 2 Wochen lang gestilltwurden, zeigte bis zu einem Jahr ein normales Wachstum und eine normale Entwicklung.
Ocrelizumab kann während der Stillzeit angewendet werden. Die Therapie kann ein paar Tage nachder Geburt begonnen werden.
FertilitätPräklinische Daten basierend auf Studien zur männlichen und weiblichen Fertilität bei Cynomolgus-
Affen, die Ocrelizumab ausgesetzt waren, lassen keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Ocrevus hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsIn der kontrollierten Phase der zulassungsrelevanten klinischen Studien waren die wichtigsten und amhäufigsten berichteten Nebenwirkungen IRRs (34,3 % bei RMS bzw. 40,1 % bei PPMS) und
Infektionen (58,5 % bei RMS bzw. 72,2 % bei PPMS) (siehe Abschnitt 4.4).
Insgesamt wurden 2 376 Patienten in die kontrollierte Phase der zulassungsrelevanten klinischen
Studien eingeschlossen, von denen 1 852 in die OLE-Phase eintraten. Alle Patienten wurden in der
OLE-Phase auf die Behandlung mit Ocrelizumab umgestellt. 1 155 Patienten schlossen die OLE-Phaseab, was ungefähr 10 Jahren kontinuierlicher Behandlung mit Ocrelizumab (Exposition über15 515 Patientenjahre) über die kontrollierte Phase und die OLE-Phase entspricht. Das während derkontrollierten Phase und der OLE-Phase beobachtete Gesamtsicherheitsprofil stimmt weiterhin mitdem während der kontrollierten Phase beobachteten Profil überein.
Das unter Ocrevus Injektionslösung beobachtete Sicherheitsprofil stimmte mit dem bekannten, in
Tabelle 1 aufgeführten Sicherheitsprofil von intravenös verabreichtem Ocrelizumab überein, mit
Ausnahme der sehr häufigen Nebenwirkungen IRs.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenIn Tabelle 1 unten werden die Nebenwirkungen aufgelistet, die in der kontrollierten Phase derzulassungsrelevanten klinischen Studien mit intravenös verabreichtem Ocrelizumab und im
Spontanmeldesystem berichtet wurden. Die Nebenwirkungen werden nach MedDRA-
Systemorganklassen und Häufigkeitskategorien angegeben. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert:sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000,< 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren
Daten nicht abschätzbar). Die Nebenwirkungen werden innerhalb jeder Systemorganklasse nachabsteigender Häufigkeit angegeben.
Tabelle 1: Nebenwirkungen
Sehr häufig Häufig Nicht bekannt
MedDRA
Systemorganklasse (SOC)
Infektionen und Infektion der oberen Sinusitis,parasitäre Erkrankungen Atemwege, Bronchitis,
Nasopharyngitis, oraler Herpes,
Grippe Gastroenteritis,
Infektion der
Atemwege,
Virusinfektion,
Herpes zoster,
Konjunktivitis,
Zellulitis
Erkrankungen des Blutes Neutropenie Neutropenie mitund des Lymphsystems später
Manifestation3
Sehr häufig Häufig Nicht bekannt
MedDRA
Systemorganklasse (SOC)
Erkrankungen der Husten,
Atemwege, des Katarrh
Brustraums und
Mediastinums
Untersuchungen Immunglobulin M im Immunglobulin G im
Blut erniedrigt Blut erniedrigt
Verletzung, Vergiftung Reaktionen imund durch Eingriffe Zusammenhang mitbedingte Komplikationen einer Infusion1,injektionsbedingte
Reaktionen2,31 Nur im gepoolten Datensatz von intravenös verabreichtem Ocrelizumab beobachtet.2 Nur in einer Studie außerhalb des gepoolten Datensatzes von intravenös verabreichtem Ocrelizumab(in Verbindung mit subkutaner Anwendung) beobachtet.3 Nach der Markteinführung beobachtet.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenInjektionsbedingte Reaktionen
Basierend auf den beobachteten Symptomen werden IRs in systemische IRs und lokale IRs eingeteilt.
In der Studie OCARINA II erhielten 118 (Ocrelizumab-naive) Patienten die erste Injektion des
Arzneimittels. Die häufigsten Symptome, die als systemische IRs und lokale IRs angegeben wurden,umfassten: Kopfschmerzen (2,5 %), Übelkeit (1,7 %), Erythem an der Injektionsstelle (29,7 %),
Schmerzen an der Injektionsstelle (14,4 %), Schwellung an der Injektionsstelle (8,5 %) und Juckreizan der Injektionsstelle (6,8 %). Die IRs traten bei 48,3 % dieser Patienten nach der ersten Injektionauf. Von den 118 Patienten hatten 11,0 % bzw. 45,8 % mindestens eine systemische IR bzw. lokale
IR. Bei den Patienten mit IR traten bei der Mehrzahl der Patienten (82,5 %) die IR innerhalb von24 Stunden nach dem Ende der Injektion und nicht während der Injektion auf. Alle IRs waren nichtschwerwiegend und von leichtem (71,9 %) oder mittlerem (28,1 %) Schweregrad. Die mediane Dauerder IRs betrug 3 Tage für systemische IRs und 4 Tage für lokale IRs. Alle Patienten erholten sich vonden IRs, wobei 26,3 % dieser Patienten eine symptomatische Behandlung benötigten.
In der Studie OCARINA I erhielten 125 Patienten eine oder mehrere subkutane Injektionen mit1 200 mg Ocrelizumab. Von den 125 Patienten, die die erste Injektion erhielten, hatten 16,0 %mindestens ein systemisches IR-Ereignis bzw. 64,0 % mindestens ein lokales IR-Ereignis. Bei den104 Patienten, die die zweite Injektion erhielten, nahm die Inzidenz von systemischen IRs und lokalen
IRs auf 7,7 % bzw. 37,5 % ab. Bei der ersten Injektion waren alle IRs nicht schwerwiegend und alleaußer einer IR waren von leichtem oder mittlerem Schweregrad. Bei der zweiten Injektion waren alle
IRs nicht schwerwiegend und von leichtem oder mittlerem Schweregrad. Bei 21,2 % bzw. 17,9 % der
Patienten mit IR war nach der ersten bzw. zweiten Injektion eine symptomatische Behandlungerforderlich.
Die Anwendung von intravenös verabreichtem Ocrelizumab ist mit Reaktionen im Zusammenhang miteiner Infusion (IRRs) verbunden, was ebenfalls mit der Freisetzung von Zytokinen und/oder anderenchemischen Mediatoren zusammenhängen kann. IRRs können sich in Form von Pruritus, Ausschlag,
Urtikaria, Erythem, Rachenreizung, oropharyngealen Schmerzen, Dyspnoe, pharyngealem oderlaryngealem Ödem, Flush, Hypotonie, Pyrexie, Ermüdung (Fatigue), Kopfschmerzen,
Schwindelgefühl, Übelkeit, Tachykardie und Anaphylaxie äußern. Bei der Anwendung von intravenösverabreichtem Ocrelizumab wurden schwerwiegende IRRs berichtet, von denen einige einen
Krankenhausaufenthalt erforderlich machten.
InfektionenIn den aktiv kontrollierten Studien zu RMS traten bei 58,5 % der intravenös mit Ocrelizumabbehandelten Patienten und bei 52,5 % der mit Interferon beta-1a behandelten Patienten Infektionenauf. Bei 1,3 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und bei 2,9 % der mit Interferonbeta-1a behandelten Patienten traten SIs auf. In der placebokontrollierten Studie zu PPMS traten bei72,2 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und bei 69,9 % der Patienten, die
Placebo erhielten, Infektionen auf. Bei 6,2 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patientenund bei 6,7 % der Patienten, die Placebo erhielten, traten SIs auf.
Alle Patienten wurden während der OLE-Phase in den beiden zulassungsrelevanten Studien zuintravenösem Ocrelizumab bei RMS und PPMS auf intravenös verabreichtes Ocrelizumab umgestellt.
In der OLE-Phase stieg das Gesamtrisiko für SIs bei RMS- und PPMS-Patienten im Vergleich zu demin der kontrollierten Phase beobachteten Risiko nicht an. Wie auch in der kontrollierten Phase bliebdie Rate von SIs bei PPMS-Patienten höher als bei RMS-Patienten.
In Übereinstimmung mit der vorherigen Analyse der Risikofaktoren für SIs bei anderen
Autoimmunerkrankungen als MS (siehe Abschnitt 4.4) wurde eine multivariate Analyse der
Risikofaktoren für SIs anhand der kumulativen Expositionsdaten über ca. 10 Jahre durchgeführt, die inder kontrollierten Phase und der OLE-Phase der zulassungsrelevanten klinischen Studien erhobenwurden. Risikofaktoren für SIs bei RMS-Patienten sind mindestens 1 Begleiterkrankung, kürzlicherlittener klinischer Schub und Expanded Disability Status Scale (EDSS) von ≥ 6,0. Risikofaktoren für
SIs bei PPMS-Patienten sind Body-Mass-Index über 25 kg/m2, mindestens 2 Begleiterkrankungen,
EDSS von ≥ 6,0 und IgM-Spiegel < unterer Normalwert (LLN, lower limit of normal). Zu den
Begleiterkrankungen zählten unter anderem kardiovaskuläre, renale und Harnwegserkrankungen,frühere Infektionen und Depression.
Infektionen der Atemwege
Der Anteil an Infektionen der Atemwege war bei intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patientenhöher als bei Patienten, die mit Interferon beta-1a oder Placebo behandelt wurden.
In den klinischen Studien zu RMS entwickelten 39,9 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten
Patienten und 33,2 % der mit Interferon beta-1a behandelten Patienten eine Infektion der oberen
Atemwege. 7,5 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und 5,2 % der mit Interferonbeta-1a behandelten Patienten entwickelten eine Infektion der unteren Atemwege.
In der klinischen Studie zu PPMS entwickelten 48,8 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten
Patienten und 42,7 % der Patienten, die Placebo erhielten, eine Infektion der oberen Atemwege. 9,9 %der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und 9,2 % der Patienten, die Placebo erhielten,entwickelten eine Infektion der unteren Atemwege.
Die Infektionen der Atemwege, die bei intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten berichtetwurden, waren überwiegend leicht bis mittelschwer (80 % - 90 %).
Herpes
In den aktiv kontrollierten klinischen Studien zu RMS wurden Herpesinfektionen häufiger beiintravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten als bei mit Interferon beta-1a behandelten Patientenberichtet. Die Herpesinfektionen beinhalteten Herpes zoster (2,1 % vs. 1,0 %), Herpes simplex (0,7 %vs. 0,1 %), oralen Herpes (3,0 % vs. 2,2 %), genitalen Herpes (0,1 % vs. 0 %) und
Herpesvirusinfektion (0,1 % vs. 0 %). Alle Infektionen waren leicht bis mittelschwer, mit Ausnahmeeines Grad-3-Ereignisses, und die Patienten erholten sich unter Behandlung mit Standardtherapien.
In der placebokontrollierten klinischen Studie zu PPMS wurde im Behandlungsarm mit intravenöser
Anwendung von Ocrelizumab ein größerer Anteil an Patienten mit oralem Herpes (2,7 % vs. 0,8 %)beobachtet.
Abweichende LaborwerteImmunglobuline
Die Behandlung mit Ocrelizumab führte im Verlauf der kontrollierten Phase der zulassungsrelevantenklinischen Studien zu intravenös verabreichtem Ocrelizumab zu einer Verminderung der Gesamt-
Immunglobuline, die vorrangig auf eine Reduktion des IgM-Spiegels zurückzuführen war.
Daten aus der kontrollierten Phase und der OLE-Phase der zulassungsrelevanten klinischen Studienzeigten einen Zusammenhang zwischen erniedrigten IgG-Spiegeln (weniger zwischen erniedrigten
IgM- oder IgA-Spiegeln) und einer erhöhten Rate von SIs. 2,1 % der RMS-Patienten hatten in einem
Zeitraum mit einem IgG-Spiegel < LLN eine SI, und 2,3 % der PPMS-Patienten hatten in einem
Zeitraum mit einem IgG-Spiegel < LLN eine SI. Der Unterschied in der Rate von SIs zwischen
Patienten mit IgG-Spiegel < LLN und Patienten mit IgG-Spiegel ≥ LLN wurde im Laufe der Zeit nichtgrößer. Art, Schweregrad, Latenz, Dauer und Ausgang der SIs, die bei Episoden mit
Immunglobulinwerten unter dem LLN beobachtet wurden, stimmten mit den SIs insgesamt überein,die bei Patienten beobachtet wurden, die während der kontrollierten Phase und der OLE-Phase
Ocrelizumab erhielten. Während der 10-jährigen kontinuierlichen Behandlung mit Ocrelizumabblieben die mittleren IgG-Spiegel von RMS- und PPMS-Patienten über dem LLN.
LymphozytenBei RMS wurde bei 20,7 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und bei 32,6 % dermit Interferon beta-1a behandelten Patienten eine Verminderung der Lymphozyten < LLN beobachtet.
Bei PPMS wurde bei 26,3 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten und bei 11,7 %der Patienten, die Placebo erhielten, eine Verminderung der Lymphozyten < LLN beobachtet.
Die Mehrzahl dieser Zellverminderungen, die bei Patienten berichtet wurden, die intravenös
Ocrelizumab erhielten, war vom Schweregrad 1 (< LLN - 800 Zellen/mm3) und 2 (zwischen 500 und800 Zellen/mm3). Ca. 1 % der Patienten der Gruppe mit intravenöser Anwendung von Ocrelizumabhatte eine Grad-3-Lymphopenie (zwischen 200 und 500 Zellen/mm3). Kein Patient hatte eine Grad-4-
Lymphopenie (< 200 Zellen/mm3).
Bei intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten wurde während Phasen einer bestätigten
Verminderung der Gesamtlymphozytenzahl eine erhöhte Rate von SIs beobachtet. Für abschließende
Schlussfolgerungen war die Anzahl der SIs zu gering.
Neutrophile Granulozyten
Über den Zeitraum der aktiv kontrollierten Behandlung bei RMS wurde eine Verminderung derneutrophilen Granulozyten < LLN bei 14,7 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patientenund bei 40,9 % der mit Interferon beta-1a behandelten Patienten beobachtet. In derplacebokontrollierten klinischen Studie zu PPMS war der Anteil der intravenös mit Ocrelizumabbehandelten Patienten, die eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten aufwiesen, höher(12,9 %) als bei Patienten, die mit Placebo behandelt wurden (10,0 %). Hierbei entwickelte einhöherer Anteil von Patienten (4,3 %) in der Gruppe mit intravenöser Anwendung von Ocrelizumabeine Neutropenie vom Grad 2 oder höher als in der Placebogruppe (1,3 %). Ca. 1 % der Patienten inder Gruppe mit intravenöser Anwendung von Ocrelizumab entwickelte eine Grad-4-Neutropenie,gegenüber 0 % in der Placebogruppe.
Die meisten Fälle mit verminderter Neutrophilenzahl waren vorübergehend (nur jeweils einmalbeobachtet bei einem mit Ocrelizumab behandelten Patienten) und vom Schweregrad 1(zwischen < LLN und 1 500 Zellen/mm3) und 2 (zwischen 1 000 und 1 500 Zellen/mm3). In der
Gruppe mit intravenöser Anwendung von Ocrelizumab hatte ca. 1 % der Patienten eine Grad-3- oder -4-Neutropenie. Ein Patient mit Grad-3-Neutropenie (zwischen 500 und 1 000 Zellen/mm3) und ein
Patient mit Grad-4-Neutropenie (< 500 Zellen/mm3) benötigten eine spezifische Behandlung miteinem Granulozytenkolonie-stimulierenden Faktor und konnten nach dieser Episode die Therapie mit
Ocrelizumab fortsetzen. Eine Neutropenie kann mehrere Monate nach der Anwendung von
Ocrelizumab auftreten (siehe Abschnitt 4.4).
AndereEin Patient, der intravenös 2 000 mg Ocrelizumab erhalten hatte, verstarb an einem systemischeninflammatorischen Response-Syndrom (SIRS) unbekannter Ätiologie nach einer
Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchung 12 Wochen nach der letzten Infusion. Eineanaphylaktoide Reaktion auf das MRT-Gadolinium-Kontrastmittel könnte zum SIRS beigetragenhaben.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es liegen begrenzte klinische Erfahrungen zu Dosierungen vor, die höher als die zugelassene Dosisvon Ocrelizumab sind. Die höchste Dosis, die bisher bei MS-Patienten untersucht wurde, war2 000 mg, gegeben als zwei getrennte intravenöse Infusionen von 1 000 mg im Abstand von 2 Wochen(Dosisfindungsstudie der Phase II bei RRMS), und 1 200 mg, gegeben als subkutane Injektion(Dosisfindungsstudie der Phase Ib). Die Nebenwirkungen entsprachen dem Sicherheitsprofil in denzulassungsrelevanten klinischen Studien.
Es gibt kein spezifisches Antidot bei Überdosierung; unterbrechen Sie unverzüglich die Injektion undbeobachten Sie den Patienten hinsichtlich IRs (siehe Abschnitt 4.4).
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, monoklonale Antikörper, ATC-Code:
L04AG08.
WirkmechanismusOcrelizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-exprimierende B-Zellen gerichtet ist.
CD20 ist ein Zelloberflächenantigen, das auf Prä-B-Zellen, reifen B-Zellen und B-Gedächtniszellen,jedoch nicht auf lymphoiden Stammzellen und Plasmazellen exprimiert wird.
Auf welchen Wirkmechanismen der therapeutische Effekt von Ocrelizumab bei der MS beruht, istnoch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Reduktion der Anzahl und
Funktion der CD20-exprimierenden B-Zellen, d. h. eine Immunmodulation, eine Rolle spielt. Nach der
Bindung an die Zelloberfläche depletiert Ocrelizumab selektiv CD20-exprimierende B-Zellen mittels
Antikörper-abhängiger zellulärer Phagozytose (ADCP, antibody-dependent cellular phagocytosis),
Antikörper-abhängiger zellulärer Zytotoxizität (ADCC, antibody-dependent cellular cytotoxicity),komplementabhängiger Zytotoxizität (CDC, complement-dependent cytotoxicity) und Apoptose. Die
Fähigkeit der B-Zellen-Rekonstitution und die vorbestehende humorale Immunität bleiben erhalten.
Des Weiteren werden die angeborene Immunität und die Anzahl der T-Zellen nicht beeinträchtigt.
Subkutan zu verabreichendes Ocrelizumab enthält rekombinante humane Hyaluronidase (rHuPH20),ein Enzym, das bei subkutaner Anwendung zur Steigerung der Dispersion und Resorption von co-formulierten Wirkstoffen verwendet wird.
Pharmakodynamische WirkungenEine erwartete pharmakologische Wirkung von Ocrelizumab ist eine rasche Depletion von CD19+-B-
Zellen im Blut innerhalb von 14 Tagen nach der Behandlung (erster Messzeitpunkt). Die Depletionhielt im Verlauf der gesamten Behandlungsphase mit intravenös verabreichtem Ocrelizumab an. Die
B-Zell-Zahl wird anhand von CD19 ermittelt, da im Assay die Erkennung von CD20 in Gegenwartvon Ocrelizumab beeinträchtigt wird.
In den Phase-III-Studien wiesen bis zu 5 % der Patienten zwischen jeder intravenösen Anwendungvon Ocrelizumab mindestens zu einem Zeitpunkt eine B-Zell-Repletion auf (Wert > unterer
Normalwert [LLN] oder Ausgangswert). Das Ausmaß und die Dauer der B-Zell-Depletion waren inden PPMS- und RMS-Studien konsistent.
Die längste Nachbeobachtungsdauer nach der letzten intravenösen Infusion (Phase-II-Studie,
WA21493, n = 51) weist darauf hin, dass die mediane Zeit bis zum Auftreten einer B-Zell-Repletion(Rückkehr zum Ausgangswert oder LLN, je nachdem was zuerst erfolgte) 72 Wochen betrug (Bereich27 - 175 Wochen). Bei 90 % aller Patienten hatten sich die B-Zellen innerhalb von ca. 2,5 Jahren nachder letzten Infusion auf das Niveau des LLN oder des Ausgangswertes regeneriert.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitSubkutane Darreichungsform
OCARINA II
Bei der Studie CN42097 (OCARINA II) handelte es sich um eine multizentrische, randomisierte,offene Parallelgruppenstudie zur Untersuchung der Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, Sicherheit,
Immunogenität, radiologischen und klinischen Wirkungen von subkutan verabreichtem Ocrelizumabim Vergleich zu intravenös verabreichtem Ocrelizumab bei Patienten mit RMS oder PPMS.
OCARINA II wurde konzipiert, um die Nichtunterlegenheit der Behandlung mit subkutanverabreichtem Ocrelizumab gegenüber intravenös verabreichtem Ocrelizumab auf der Grundlage desprimären pharmakokinetischen Endpunkts Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC, areaunder the concentration time curve) bis Woche 12 nach der Injektion/Infusion (AUCW1‑12)nachzuweisen.
Insgesamt wurden 236 Patienten mit RMS oder PPMS (213 Patienten mit RMS, 23 Patienten mit
PPMS) im Verhältnis 1:1 entweder in den Arm mit subkutaner Behandlung oder in den Arm mitintravenöser Behandlung randomisiert zugeteilt. Während der kontrollierten Phase (Tag 0 bis
Woche 24) erhielten die Patienten entweder eine einzelne subkutane Injektion von 920 mg an
Studientag 1 oder zwei intravenöse Infusionen von 300 mg an den Studientagen 1 und 14. Nach derkontrollierten Phase hatten alle Patienten die Möglichkeit, weitere subkutane Injektionen von
Ocrelizumab 920 mg in Woche 24 und 48 (Dosis 2 bzw. 3) zu erhalten. Die Patienten wurdenausgeschlossen, wenn sie innerhalb der letzten 24 Monate eine Behandlung mit Anti‑CD20-
Antikörpern einschließlich Ocrelizumab erhalten hatten.
Die Patienten waren 18 ‑ 65 Jahre alt und hatten beim Screening einen EDSS-Grad zwischen 0 und6,5. Die demographischen Daten waren in beiden Behandlungsgruppen ähnlich und die
Ausgangscharakteristika waren zwischen beiden Behandlungsgruppen ausgewogen. Das
Durchschnittsalter betrug 39,9 Jahre im Arm mit subkutaner Behandlung und 40,0 Jahre im Arm mitintravenöser Behandlung. 34,7 % der Patienten im Arm mit subkutaner Behandlung und 40,7 % der
Patienten im Arm mit intravenöser Behandlung waren männlich. Die mittlere/mediane Dauer seit der
MS‑Diagnose betrug 5,70/3,10 Jahre im Arm mit subkutaner Behandlung und 4,78/2,35 Jahre im Armmit intravenöser Behandlung.
Die Nichtunterlegenheit der Exposition gegenüber Ocrelizumab nach Anwendung von 920 mgsubkutan verabreichtem Ocrelizumab im Vergleich zu 600 mg intravenös verabreichtem Ocrelizumabwurde anhand des primären pharmakokinetischen Endpunkts, AUC bis Woche 12 (AUCW1‑12) nach der
Injektion, nachgewiesen (siehe Abschnitt 5.2).
Intravenöse Darreichungsform
Schubförmige Formen der Multiplen Sklerose (RMS)
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Ocrelizumab wurden in zwei randomisierten, doppelblinden,double-dummy, aktiv kontrollierten klinischen Studien (WA21092 und WA21093) mit identischem
Design bei Patienten mit schubförmiger MS (gemäß den McDonald-Kriterien von 2010) undnachweisbarer Krankheitsaktivität (definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung) innerhalb derletzten 2 Jahre untersucht. Das Studiendesign und die Ausgangscharakteristika der Studienpopulationsind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Demographische und Ausgangscharakteristika waren zwischen den beiden Behandlungsgruppenausgewogen. Die mit Ocrelizumab behandelten Patienten (Gruppe A) erhielten 600 mg alle 6 Monate(erste Dosis als 2 intravenöse Infusionen zu jeweils 300 mg im Abstand von 2 Wochen und
Folgedosen als intravenöse Einmalinfusionen von 600 mg). Patienten der Gruppe B erhielten
Interferon beta-1a in einer Dosierung von 44 Mikrogramm als subkutane Injektion 3-mal pro Woche.
Tabelle 2: Studiendesign, demographische und Ausgangscharakteristika
Studie 1 Studie 2
Studienbezeichnung WA21092 (OPERA I) WA21093 (OPERA II)(n = 821) (n = 835)
Studiendesign
Studienpopulation Patienten mit schubförmiger MS
Krankheitsgeschichte bei der Mindestens zwei Schübe innerhalb der letzten zwei Jahre oder
Voruntersuchung ein Schub innerhalb des letzten Jahres; EDSS* zwischen 0 und5,5 einschließlich
Studiendauer 2 Jahre
Behandlungsgruppen Gruppe A: Ocrelizumab 600 mg
Gruppe B: Interferon beta-1a, 44 Mikrogramm s.c. (IFN)
Ausgangscharakteristika Ocrelizumab IFN Ocrelizumab IFN600 mg 44 Mikro- 600 mg 44 Mikro-(n = 410) gramm (n = 417) gramm(n = 411) (n = 418)
Mittleres Alter (Jahre) 37,1 36,9 37,2 37,4
Altersbereich (Jahre) bei 18 - 56 18 - 55 18 - 55 18 - 55
Einschluss
Geschlechterverteilung 34,1/65,9 33,8/66,2 35,0/65,0 33,0/67,0(% männlich/% weiblich)
Mittlere/Mediane 3,82/1,53 3,71/1,57 4,15/2,10 4,13/1,84
Krankheitsdauer seit der
Diagnosestellung (Jahre)
DMT-naive Patienten (%)** 73,4 71,0 72,7 74,9
Mittlere Anzahl der Schübe im 1,31 1,33 1,32 1,34letzten Jahr
Anteil an Patienten mit Gd- 42,5 38,1 39,0 41,4aufnehmenden T1-Läsionen
Mittlerer EDSS* 2,82 2,71 2,73 2,79
* Expanded Disability Status Scale
** Patienten, die in den 2 vorausgegangenen Jahren vor Randomisierung nicht mit einerkrankheitsmodifizierenden Therapie (DMT, disease-modifying therapy) behandelt wurden.
Wesentliche klinische und MRT-Wirksamkeitsergebnisse sind in Tabelle 3 und Abbildung 1zusammengefasst.
Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass Ocrelizumab im Vergleich zu Interferon beta-1a44 Mikrogramm subkutan die Schübe, die mittels MRT gemessene subklinische Krankheitsaktivitätund die Krankheitsprogression signifikant unterdrückt.
Tabelle 3: Wesentliche klinische und MRT-Endpunkte der Studien WA21092 und WA21093(RMS)
Studie 1: WA21092 Studie 2: WA21093(OPERA I) (OPERA II)
Endpunkte Ocrelizumab IFN IFN600 mg 44 Mikro- Ocrelizumab600 mg 44 Mikro-(n = 410) gramm (n = 417) gramm(n = 411) (n = 418)
Klinische Endpunkte
Jährliche Schubrate (ARR) (primärer8 0,156 0,292 0,155 0,290
Endpunkt)
Relative Reduktion 46 % (p < 0,0001) 47 % (p < 0,0001)
Anteil der Patienten mit 12-wöchiger bestätigter 9,8 % Ocrelizumab vs. 15,2 % IFN
Behinderungsprogression (Confirmed Disability
Progression = CDP)3
Risikoreduktion (gepoolte Analyse1) 40 % (p = 0,0006)
Risikoreduktion (einzelne Studien2) 43 % (p = 0,0139)7 37 % (p = 0,0169)7
Anteil an Patienten mit 24-wöchiger bestätigter 7,6 % Ocrelizumab vs. 12,0 % IFN
Behinderungsprogression3
Risikoreduktion (gepoolte Analyse1) 40 % (p = 0,0025)
Risikoreduktion (einzelne Studien2) 43 % (p = 0,0278)7 37 % (p = 0,0370)7
Anteil an Patienten mit mindestens 12-wöchigerbestätigter Verbesserung der Behinderung 20,7 % Ocrelizumab vs. 15,6 % IFN(Confirmed Disability Improvement = CDI)4
Relativer Anstieg (gepoolte Analyse1) 33 % (p = 0,0194)
Relativer Anstieg (einzelne Studien2) 61 % (p = 0,0106) 14 % (p = 0,4019)80,4 % 66,7 % 78,9 % 64,3 %
Anteil schubfreier Patienten nach 96 Wochen2(p < 0,0001) (p < 0,0001)
Anteil an Patienten ohne Hinweis auf
Krankheitsaktivität (No Evidence of Disease 48 % 29 % 48 % 25 %
Activity = NEDA)5
Studie 1: WA21092 Studie 2: WA21093(OPERA I) (OPERA II)
Endpunkte Ocrelizumab IFN IFN600 mg 44 Mikro- Ocrelizumab 44 Mikro-(n = 410) gramm 600 mg gramm(n = 411) (n = 417) (n = 418)
Relativer Anstieg2 64 % (p < 0,0001) 89 % (p < 0,0001)
MRT-Endpunkte
Mittlere Anzahl der Gd-aufnehmenden
T1-Läsionen gemäß MRT-Bildgebung 0,016 0,286 0,021 0,416
Relative Reduktion 94 % (p < 0,0001) 95 % (p < 0,0001)
Mittlere Anzahl der neu aufgetretenen und/odersich vergrößernden T2-hyperintensen Läsionen 0,323 1,413 0,325 1,904gemäß MRT-Bildgebung
Relative Reduktion 77 % (p < 0,0001) 83 % (p < 0,0001)
Prozentuale Veränderung des Hirnvolumensvon Woche 24 bis Woche 96 - 0,572 - 0,741 - 0,638 - 0,750
Relative Reduktion im Hirnvolumenverlust 22,8 % (p = 0,0042)6 14,9 % (p = 0,0900)1 Prospektiv gepoolte Daten aus Studien 1 und 22 Nicht konfirmatorische p-Wert-Analyse; nicht Teil der zuvor festgelegten Testhierarchie3 CDP definiert als: Anstieg von ≥ 1,0 Punkten im Expanded Disability Status Scale (EDSS)gegenüber dem Ausgangswert (für Patienten mit einem Ausgangswert ≤ 5,5) oder von ≥ 0,5 Punktengegenüber dem Ausgangswert (für Patienten mit einem Ausgangswert > 5,5), Kaplan-Meier-Schätzerin Woche 964 Definiert als Rückgang von ≥ 1,0 Punkten in der EDSS-Skala gegenüber dem Ausgangswert (für
Patienten mit einem Ausgangswert ≥ 2 und ≤ 5,5) oder von ≥ 0,5 Punkten gegenüber dem
Ausgangswert (für Patienten mit einem Ausgangswert > 5,5). Patienten mit einem Ausgangswert < 2wurden in die Analyse nicht eingeschlossen.5 NEDA definiert als: keine Anzeichen von Krankheitsaktivität gemessen anhand von im Prüfplandefinierten Schüben, der 12-wöchigen CDP und jeglicher MRT-Aktivität (Gd-aufnehmende
T1-Läsionen oder neu aufgetretene oder sich vergrößernde T2-Läsionen) während der gesamten96-wöchigen Behandlung. Exploratives Ergebnis basierend auf der gesamten ITT-Population.6 Nicht konfirmatorischer p-Wert; hierarchisches Testverfahren wurde vor dem Erreichen des
Endpunktes beendet.7 Log-Rank-Test8 Bestätigte Schübe (begleitet durch klinisch relevante Änderung im EDSS).
Abbildung 1: Kaplan-Meier-Kurve der Zeit bis zum Auftreten einer mindestens 12-wöchigenbestätigten Behinderungsprogression, mit dem ersten Ereignis einer neurologischen
Verschlechterung während der doppelblinden Behandlungsphase (gepoolte WA21092- und
WA21093-ITT-Population)*
*Zuvor festgelegte gepoolte Analyse von WA21092 und WA21093
Die Ergebnisse der vordefinierten, gepoolten Analysen der Zeit bis zu einer mindestens 12-wöchigen
CDP (40 % Risikoreduktion unter Ocrelizumab verglichen mit Interferon beta-1a [p = 0,0006])stimmten weitgehend mit den Ergebnissen der Analyse der mindestens 24-wöchigen CDP überein(40 % Risikoreduktion unter Ocrelizumab verglichen mit Interferon beta-1a [p = 0,0025]).
In die Studien wurden Patienten mit aktiver Erkrankung eingeschlossen. Hierbei handelte es sichsowohl um nicht mit einer aktiven Behandlungsoption vorbehandelte Patienten als auch umvorbehandelte Patienten mit unzureichendem Therapieansprechen, definiert durch klinischen Befundoder Bildgebung. Die Analyse von Patientenpopulationen mit verschiedenen Ausgangswerten der
Krankheitsaktivität, einschließlich aktiver und hochaktiver Erkrankung, zeigte, dass die Wirksamkeitvon Ocrelizumab hinsichtlich der jährlichen Schubrate und der 12-wöchigen CDP mit der
Gesamtpopulation übereinstimmte.
Primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS)
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Ocrelizumab wurde ebenfalls in einer randomisierten,doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie bei Patienten mit primär progredienter MS(Studie WA25046) untersucht. Die Patienten befanden sich gemäß der Haupteinschlusskriterien ineinem frühen Krankheitsstadium, d. h. sie waren 18 bis einschließlich 55 Jahre alt, hatten zum
Zeitpunkt des Screenings einen EDSS von 3,0 bis 6,5 und eine Dauer der Erkrankung seit dem
Auftreten der ersten MS-Symptome von weniger als 10 Jahren (bei Patienten mit einem EDSS von≤ 5,0 beim Screening) oder von weniger als 15 Jahren (bei Patienten mit einem EDSS von > 5,0 beim
Screening). Hinsichtlich der Krankheitsaktivität können entzündungstypische Merkmale, selbst beiprogredienter MS, in der Bildgebung sichtbar sein (d. h. Gd-aufnehmende T1-Läsionen und/oderaktive [neue oder sich vergrößernde] T2-Läsionen). Der Nachweis einer Entzündungsaktivität soll beiallen Patienten mittels MRT erfolgen. Patienten über 55 Jahre wurden nicht in klinischen Studienuntersucht. Das Studiendesign und die Ausgangscharakteristika der Studienpopulation sind in
Tabelle 4 dargestellt.
Die beiden Behandlungsgruppen waren hinsichtlich Demographie und der bei Studieneintrittvorliegenden Patientenmerkmale ausgewogen. Kraniale MRT-Aufnahmen zeigten die für eine
Entzündungsaktivität charakteristischen Läsionsmuster (Gd-aufnehmenden T1-Läsionen oder
T2-Läsionen).
Während der PPMS-Studie der Phase III erhielten die Patienten 600 mg Ocrelizumab alle 6 Monateüber den gesamten Behandlungszeitraum hinweg als zwei getrennte Infusionen von 300 mg im
Abstand von zwei Wochen. Die Infusionen von einmalig 600 mg bei RMS und 2 x 300 mg bei PPMSwiesen konsistente PK/PD-Profile auf. Die IRR-Profile pro Infusion waren bei den beiden
Anwendungsschemata ähnlich, unabhängig davon, ob eine einmalige Infusion von 600 mg erfolgteoder zwei Infusionen von 300 mg mit einem Abstand von zwei Wochen gegeben wurden (siehe
Abschnitte 4.8 und 5.2), jedoch war die Gesamtanzahl der IRRs aufgrund der insgesamt größeren
Anzahl an Infusionen beim 2 x 300-mg-Schema höher. Um die Gesamtanzahl der Infusionen (und diedamit einhergehende Gabe von prophylaktischem Methylprednisolon und einem Antihistaminikum)und der damit verbundenen IRRs zu reduzieren, wird empfohlen, Ocrelizumab nach der Initialdosis als
Einmalinfusion von 600 mg anzuwenden (siehe Abschnitt 4.2).
Tabelle 4: Studiendesign, demographische und Ausgangscharakteristika der Studie WA25046
Studienbezeichnung Studie WA25046 ORATORIO (n = 732)
Studiendesign
Studienpopulation Patienten mit primär progredienter Form der MS
Ereignisgesteuert (mindestens 120 Wochen und 253 CDP-
Studiendauer Ereignisse)(Mediane Nachbeobachtungszeit: Ocrelizumab 3,0 Jahre,
Placebo 2,8 Jahre
Krankheitsgeschichte bei der
Voruntersuchung Alter 18 - 55 Jahre, EDSS von 3,0 bis 6,5
Behandlungsgruppen Gruppe A: Ocrelizumab 600 mg
Gruppe B: Placebo, Randomisierung 2:1
Ausgangscharakteristika Ocrelizumab 600 mg (n = 488) Placebo (n = 244)
Mittleres Alter (Jahre) 44,7 44,4
Altersbereich (Jahre) bei
Einschluss 20 - 56 18 - 56
Geschlechterverteilung(% männlich/% weiblich) 51,4/48,6 49,2/50,8
Mittlere/Mediane
Krankheitsdauer seit der
Diagnosestellung der PPMS 2,9/1,6 2,8/1,3(Jahre)
Mittlerer EDSS 4,7 4,7
Die wesentlichen klinischen und MRT-Wirksamkeitsergebnisse sind in Tabelle 5 und Abbildung 2dargestellt.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Ocrelizumab im Vergleich zu Placebo die
Krankheitsprogression signifikant verzögert und die Abnahme der Gehgeschwindigkeit verringert.
Tabelle 5: Wesentliche klinische und MRT-Endpunkte der Studie WA25046 (PPMS)
Studie 3
WA25046 (Oratorio)
Ocrelizumab
Endpunkte 600 mg Placebo(n = 488) (n = 244)
Klinische Endpunkte
Primärer Wirksamkeitsendpunkt
Anteil an Patienten mit 12-wöchiger bestätigter
Behinderungsprogression1 30,2 % 34,0 %(primärer Endpunkt)
Risikoreduktion 24 %(p = 0,0321)
Anteil an Patienten mit 24-wöchiger bestätigter
Behinderungsprogression1 28,3 % 32,7 %
Risikoreduktion 25 %(p = 0,0365)
Prozentuale Veränderung des Timed 25-Foot Walkvom Studienbeginn bis Woche 120 38,9 55,1
Relative Reduktion der Progressionsrate der 29,4 %
Gehgeschwindigkeit (p = 0,0404)
MRT-Endpunkte
Prozentuale Veränderung des Volumens T2-hyperintenser Läsionen vom Studienbeginn bis -3,4 7,4
Woche 120(p < 0,0001)
Prozentuale Veränderung des Hirnvolumens von
Woche 24 bis Woche 120 -0,902 -1,093
Relative Reduktion des Hirnvolumenverlustes 17,5 %(p = 0,0206)1 Definiert als ein Anstieg des EDSS um ≥ 1,0 Punkte gegenüber dem Ausgangswert (für Patienten miteinem Ausgangswert von ≤ 5,5) oder um ≥ 0,5 Punkte (für Patienten mit einem Ausgangswert von> 5,5); Kaplan-Meier-Schätzer in Woche 120.
Abbildung 2: Kaplan-Meier-Kurve der Zeit bis zum Auftreten einer mindestens 12-wöchigenbestätigten Behinderungsprogression, mit dem ersten Ereignis einer neurologischen
Verschlechterung während der doppelblinden Behandlungsphase (WA25046-ITT-Population)*
* Alle in diese Analyse eingeschlossen Patienten wurden mindestens 120 Wochen nachbeobachtet.
Die Primäranalyse basiert auf allen aufgetretenen Ereignissen.
Eine vordefinierte, nicht-gepowerte Subgruppenanalyse des primären Endpunktes deutet darauf hin,dass der Behandlungserfolg bei jüngeren Patienten oder bei Patienten mit Gd-aufnehmenden T1-
Läsionen bei Studienbeginn größer ist als bei älteren Patienten oder bei Patienten ohne Gd-aufnehmende T1-Läsionen (≤ 45 Jahre: HR 0,64 [0,45; 0,92] und > 45 Jahre: HR 0,88 [0,62; 1,26];mit Gd-aufnehmenden T1-Läsionen bei Studienbeginn: HR 0,65 [0,40; 1,06] und ohne Gd-aufnehmende T1-Läsionen bei Studienbeginn: HR 0,84 [0,62; 1,13]).
Darüber hinaus deutet eine Post-hoc-Analyse darauf hin, dass der Behandlungseffekt bei jüngeren
Patienten mit Gd-aufnehmenden T1-Läsionen bei Studienbeginn besser ist (≤ 45 Jahre:
HR 0,52 [0,27; 1,00] und ≤ 46 Jahre [medianes Alter in der Studie WA25046]: HR 0,48 [0,25; 0,92]und < 51 Jahre: HR 0,53 [0,31; 0,89]).
In der verlängerten Kontrollperiode (ECP, Extended Controlled Period), die eine doppelt verblindete
Behandlung und ca. 9 zusätzliche Monate kontrollierte Nachbeobachtung vor der Fortsetzung in deropen-label extension (OLE) oder bis zum Abbruch der Studienbehandlung beinhaltet, wurden Post-hoc-Analysen durchgeführt. Der Anteil der Patienten mit einer 24-wöchigen bestätigten
Behinderungsprogression von EDSS ≥ 7,0 (24W-CDP von EDSS ≥ 7,0; Zeit bis zur Rollstuhlpflicht)betrug 9,1 % in der Placebo-Gruppe im Vergleich zu 4,8 % in der Ocrelizumab-Gruppe in Woche 144,was zu einer 47%igen Risikoreduktion der Zeit bis zur Rollstuhlpflicht (HR 0,53, [0,31; 0,92])während der ECP führte. Da diese Ergebnisse explorativer Natur waren und Daten nach Entblindungeinschlossen, sollen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.
ImmunogenitätSubkutane Darreichungsform
Sowohl in der Studie OCARINA I als auch in der Studie OCARINA II traten bei keinem Patiententherapiebedingte Anti-Drug-Antikörper (ADAs, anti drug antibodies) gegen Ocrelizumab auf. Die
Patienten in OCARINA II wurden zu Studienbeginn und alle 6 Monate nach der Behandlung währendder gesamten Studiendauer auf ADAs gestestet. Transiente ADAs werden daher zwischen denuntersuchten Zeitpunkten möglicherweise nicht nachgewiesen.
Die Inzidenz therapiebedingter Anti-rHuPH20(Hyaluronidase)-Antikörper bei Patienten, die in der
Studie OCARINA I mit subkutan verabreichtem Ocrelizumab behandelt wurden, betrug 2,3 % (3/132).
Bei keinem Patienten der Studie OCARINA II wurden therapiebedingte Anti-rHuPH20-Antikörpernachgewiesen.
Intravenöse Darreichungsform
Patienten in den MS-Studien (WA21092, WA21093 und WA25046) wurden zu verschiedenen
Zeitpunkten (bei Studienbeginn und alle 6 Monate nach der Anwendung während des gesamten
Studienverlaufs) auf ADAs getestet. 12 von 1 311 Patienten (~ 1 %), die mit Ocrelizumab behandeltwurden, wurden positiv auf therapiebedingte ADAs getestet, und 2 von diesen 12 Patienten wurdenpositiv auf neutralisierende Antikörper getestet. Die Auswirkung der therapiebedingten ADAs auf die
Sicherheit und Wirksamkeit kann aufgrund der niedrigen Inzidenz der mit Ocrelizumab im
Zusammenhang stehenden ADAs nicht beurteilt werden.
ImmunisierungenIn einer randomisierten offenen Studie mit RMS-Patienten (n = 102) betrug der Prozentsatz der
Patienten mit positiver Antwort auf eine Tetanusimpfung in Woche 8 nach der Impfung in der Gruppemit intravenös verabreichtem Ocrelizumab 23,9 %, verglichen mit 54,5 % in der Kontrollgruppe(keine krankheitsmodifizierende Therapie oder Therapie mit Interferon-beta). Das geometrische Mittelder spezifischen Antikörpertiter gegen das Tetanustoxoid in Woche 8 betrug 3,74 IE/ml bzw.9,81 IE/ml. Eine positive Antwort auf ≥ 5 Serotypen bei 23-valentem Pneumokokken-Polysaccharid-
Vakzin (23-PPV) lag in Woche 4 nach der Impfung bei 71,6 % der Patienten in der Gruppe mitintravenös verabreichtem Ocrelizumab und bei 100 % der Patienten in der Kontrollgruppe vor. Bei
Patienten, die intravenös mit Ocrelizumab behandelt wurden, führte eine Booster-Impfung (13-PCV)4 Wochen nach der 23-PPV-Impfung nicht zu einer merklichen Verbesserung der Antwort auf 12 dermit 23-PPV gemeinsamen Serotypen. Seroprotektive Titer gegen fünf Influenza-Stämme hatten vorder Impfung 20,0 % - 60,0 % bzw. 16,7 % - 43,8 % der Patienten und in Woche 4 nach der Impfung55,6 % - 80,0 % der intravenös mit Ocrelizumab behandelten Patienten bzw. 75,0 % - 97,0 % der
Patienten der Kontrollgruppe. Siehe Abschnitte 4.4 und 4.5.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Ocrevus eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen zur
Behandlung von Multipler Sklerose gewährt. Siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendungbei Kindern und Jugendlichen.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Pharmakokinetik von Ocrelizumab wurde in den MS-Studien mittels eines Zwei-Kompartiment-
Modells, bestehend aus einer zeitabhängigen Clearance und PK-Parametern, die für einenmonoklonalen IgG1-Antikörper typisch sind, beschrieben.
Nach Gabe von 920 mg subkutan verabreichtem Ocrelizumab betrug die vorhergesagte mittlere
Exposition (AUC über das 24-wöchige Dosierungsintervall) 3 730 µg/ml*Tag. Der primärepharmakokinetische Endpunkt in der Studie OCARINA II, AUCW1‑12, war nach Gabe von 920 mgsubkutan verabreichtem Ocrelizumab nachweislich 600 mg intravenös verabreichtem Ocrelizumabnicht unterlegen. Das Verhältnis der geometrischen Mittelwerte der AUCW1‑12 betrug 1,29(90-%-Konfidenzintervall: 1,23 ‑ 1,35).
ResorptionDie geschätzte Bioverfügbarkeit nach subkutaner Gabe von 920 mg Ocrelizumab betrug 81 %. Diemittlere Cmax lag bei 132 µg/ml und die tmax wurde nach etwa 4 Tagen (Bereich 2 ‑ 13 Tage) erreicht.
VerteilungDie populationspharmakokinetische Schätzung des zentralen Verteilungsvolumens betrug 2,78 l. Dasperiphere Verteilungsvolumen und die Interkompartiment-Clearance wurden auf 2,68 l bzw.0,294 l/Tag geschätzt.
BiotransformationDer Metabolismus von Ocrelizumab wurde nicht direkt untersucht, da Antikörper durch Abbau in
Peptide und Aminosäuren vorwiegend über den katabolischen Stoffwechsel ausgeschieden werden.
EliminationDie konstante Clearance wurde auf 0,17 l/Tag und die initiale zeitabhängige Clearance, deren
Halbwertszeit 33 Wochen betrug, auf 0,0489 l/Tag geschätzt. Die terminale Halbwertszeit von
Ocrelizumab betrug 26 Tage.
Spezielle PopulationenKinder und JugendlicheZur Untersuchung der Pharmakokinetik von Ocrelizumab bei Kindern und Jugendlichen unter18 Jahren wurden keine Studien durchgeführt.
Ältere PatientenBei Patienten ≥ 55 Jahren wurden aufgrund der begrenzten klinischen Erfahrung (siehe Abschnitt 4.2)keine speziellen pharmakokinetischen Studien durchgeführt.
NierenfunktionsstörungEs wurde keine formale pharmakokinetische Studie durchgeführt. Patienten mit leichter
Nierenfunktionsstörung wurden in die klinischen Studien eingeschlossen. Bei diesen wurde keine
Veränderung der Pharmakokinetik von Ocrelizumab beobachtet. Für Patienten mit mittelschwereroder schwerer Nierenfunktionsstörung liegen keine Informationen zur Pharmakokinetik vor.
LeberfunktionsstörungEs wurde keine formale pharmakokinetische Studie durchgeführt. Patienten mit leichter
Leberfunktionsstörung wurden in die klinischen Studien eingeschlossen. Bei diesen wurde keine
Veränderung der Pharmakokinetik beobachtet. Für Patienten mit mittelschwerer oder schwerer
Leberfunktionsstörung liegen keine Informationen zur Pharmakokinetik vor.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Nicht-klinische Daten, die auf konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, zur Toxizitätnach wiederholter Verabreichung und zur embryo-fetalen Entwicklung basieren, lassen keinebesonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Weder Karzinogenitäts- noch Mutagenitätsstudienmit Ocrelizumab wurden durchgeführt.
In zwei prä- und postnatalen Entwicklungsstudien an Cynomolgus-Affen traten unter intravenöser
Gabe von Ocrelizumab vom 20. Trächtigkeitstag bis mindestens zur Geburt Glomerulopathie,lymphoide Follikelbildung im Knochenmark, lymphoplasmozytische Nierenentzündung und einvermindertes testikuläres Gewicht bei Neugeborenen auf. Die in diesen Studien verabreichtenmaternalen Dosen führten zu maximalen mittleren Serumkonzentrationen (Cmax), die das 4,5- bis 21-
Fache der Konzentrationen, die im klinischen Setting erwartet werden, betrugen.
Es wurden fünf letale Fälle bei Neugeborenen beobachtet. Ein Fall war auf eine frühgeburtsbedingte
Schwäche mit opportunistischer bakterieller Infektion zurückzuführen und ein Fall erfolgte aufgrundeiner infektiösen Meningoenzephalitis (mit Kleinhirnbeteiligung) des Neugeborenen, die auf eineraktiven bakteriellen Infektion (Mastitis) des Muttertieres beruhte. Bei drei weiteren Fällen lagen
Anzeichen von Gelbsucht und Leberschäden vor, bei denen eine virale Ätiologie vermutet wird,möglicherweise ein Polyomavirus. Der Verlauf dieser fünf bestätigten oder vermuteten Infektionenkönnte potentiell von einer B-Zell-Depletion beeinflusst worden sein. Bei neugeborenen Nachkommenvon mit Ocrelizumab behandelten Weibchen wurde während der postnatalen Phase eine B-Zell-
Depletion nachgewiesen.
Hyaluronidase
Basierend auf den konventionellen Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe einschließlich der
Endpunkte zur Sicherheitspharmakologie lassen die präklinischen Daten zur rekombinanten humanen
Hyaluronidase keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Hyaluronidase (rHuPH20) kommt in den meisten Geweben des menschlichen Körpers vor. Diesubkutane Gabe von Ocrelizumab mit Hyaluronidase wurde in lokalen Verträglichkeitsstudien von
Ratten und Minischweinen gut vertragen.
Studien zur Reproduktionstoxizität mit rHuPH20 ergaben embryofetale Toxizität bei Mäusen, wobeidie niedrigste Konzentration, bei der keine Wirkung beobachtet wurde, mehr als 1 100-mal höher warals die empfohlene klinische Dosis, es gab jedoch keine Hinweise auf Teratogenität.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Rekombinante humane Hyaluronidase (rHuPH20)
Natriumacetat-Trihydrat (E 262)
Essigsäure 99 %
Trehalose-Dihydrat
Polysorbat 20 (E 432)
Methionin
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
Ungeöffnete Durchstechflasche2 Jahre
Vorbereitete Spritze* Die chemische und physikalische Anbruchstabilität wurde für 30 Tage bei 2 °C bis 8 °C undzusätzlich für 8 Stunden ohne Lichtschutz bei ≤ 30 °C nachgewiesen.
* Aus mikrobiologischer Sicht soll das Arzneimittel unmittelbar nach dem Transfer aus der
Durchstechflasche in die Spritze verwendet werden. Wenn die vorbereitete Spritze nicht sofortverwendet wird, liegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen vor der Verwendung in der
Verantwortung des Anwenders und sollen normalerweise nicht mehr als 24 Stunden bei 2 °C bis8 °C betragen, es sei denn, die Vorbereitung erfolgte unter kontrollierten und validiertenaseptischen Bedingungen.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C - 8 °C).
Nicht einfrieren. Nicht schütteln.
Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Falls erforderlich, kann die ungeöffnete Durchstechflasche für bis zu 12 Stunden außerhalb des
Kühlschranks bei Temperaturen ≤ 25 °C aufbewahrt werden.
Die Durchstechflaschen können entnommen und wieder in den Kühlschrank zurückgestellt werden,aber die Gesamtzeit der ungeöffneten Durchstechflaschen außerhalb des Kühlschranks darf12 Stunden bei ≤ 25 °C nicht überschreiten.
Aufbewahrungsbedingungen nach Vorbereitung der Spritze, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
23 ml Injektionslösung in einer Durchstechflasche (farbloses Glas, Typ I).
Packungsgröße: 1 Durchstechflasche.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungDas Arzneimittel muss vor der Anwendung visuell überprüft werden, um sicherzustellen, dass keine
Partikel oder Verfärbungen vorhanden sind.
Das Arzneimittel ist nur zur einmaligen Anwendung bestimmt und muss von medizinischem
Fachpersonal unter aseptischen Bedingungen vorbereitet werden.
Es wurden keine Inkompatibilitäten zwischen diesem Arzneimittel und Polypropylen (PP),
Polycarbonat (PC), Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC), Polyurethan (PUR) und Edelstahlbeobachtet.
Vorbereitung der Spritze
* Vor der Anwendung soll die Durchstechflasche aus dem Kühlschrank genommen werden, damitdie Lösung Raumtemperatur annehmen kann.
* Ziehen Sie den gesamten Inhalt der subkutanen Injektionslösung von Ocrevus mit einer Spritzeund einer Transfernadel (21G empfohlen) aus der Durchstechflasche auf.
* Entfernen Sie die Transfernadel und bringen Sie ein subkutanes Infusionsset (z. B. mit
Flügelkanüle/Butterfly) an, das eine 24 ‑ 26G‑Injektionsnadel enthält. Verwenden Sie für die
Verabreichung ein subkutanes Infusionsset mit einem Restvolumen von NICHT mehr als0,8 ml.
* Füllen Sie die subkutane Infusionsleitung mit der Injektionslösung, um die Luft aus der
Infusionsleitung zu entfernen, und beenden Sie den Vorgang, bevor die Flüssigkeit die Nadelerreicht.
* Stellen Sie sicher, dass die Spritze nach dem Entlüften und dem Entfernen von überschüssigem
Volumen genau 23 ml der Lösung enthält.
* Verabreichen Sie die Lösung sofort, um ein Verstopfen der Nadel zu vermeiden. Bewahren Siedie vorbereitete Spritze, die an das bereits vorbereitete subkutane Infusionsset angeschlossenwurde, nicht auf.
Wenn die Dosis nicht sofort verabreicht wird, siehe 'Aufbewahrung der Spritze“ weiter unten.
Aufbewahrung der Spritze
* Wenn die Dosis nicht sofort verabreicht werden soll, ziehen Sie den gesamten Inhalt dersubkutanen Injektionslösung von Ocrevus unter aseptischen Bedingungen aus der
Durchstechflasche in die Spritze auf, um das Dosisvolumen (23 ml) und das
Entlüftungsvolumen für das subkutane Infusionsset zu berücksichtigen. Ersetzen Sie die
Transfernadel durch eine Verschlusskappe. Schließen Sie für die Aufbewahrung keinsubkutanes Infusionsset an.
* Wenn die Spritze im Kühlschrank aufbewahrt wurde, muss sie vor der Anwendung
Raumtemperatur angenommen haben.
BeseitigungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Roche Registration GmbH
Emil-Barell-Straße 179639 Grenzach-Wyhlen
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 8. Januar 2018
Datum der letzten Verlängerung: 21. September 2022
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.