MEMANTINA RATIOPHARM 20mg tablets merkblatt medikamente

N06DX01 Memantin • NERVENSYSTEM | ANTIDEMENTIVA | Andere Antidementiva

Memantin ist ein Medikament, das zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Demenz im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit eingesetzt wird. Es wirkt, indem es NMDA (N-Methyl-D-Aspartat)-Rezeptoren im Gehirn blockiert und so die übermäßigen Wirkungen von Glutamat reduziert, einem Neurotransmitter, der in hohen Mengen Nervenzellen schädigen kann.

Memantin hilft, die kognitive Funktion, das Gedächtnis und die Fähigkeit, tägliche Aktivitäten auszuführen, zu verbessern, heilt jedoch die Alzheimer-Krankheit nicht. Es wird in der Regel in Form von Tabletten oder einer oralen Lösung verabreicht, wobei die Dosis schrittweise angepasst wird, um Nebenwirkungen zu minimieren.

Nebenwirkungen können Schwindel, Kopfschmerzen, Verstopfung, Schläfrigkeit oder Verwirrung sein. In seltenen Fällen können Halluzinationen oder Bluthochdruck auftreten. Es ist wichtig, das Medikament gemäß den Anweisungen des Arztes einzunehmen und den Zustand des Patienten regelmäßig zu überwachen.

Allgemeine Daten zu MEMANTINA RATIOPHARM 20mg

Substanz: Memantin

Datum der letzten Medikamentenliste: 01-01-2019

Handelsgesetzbuch: W60634001

Konzentration: 20mg

Pharmazeutisches Formblatt: tablets

Quantität: 28

Produktart: generic

Rezeptbeschränkungen: P-RF - Arzneimittelrezept, das in der Apotheke aufbewahrt wird (nicht verlängerbar).

Marketing autorisation

Zulassungshersteller: HBM PHARMA S.R.O - SLOVACIA

Zulassungsinhaber: RATIOPHARM GMBH - GERMANIA

Zulassungsnummer: 836/2013/16

Haltbarkeit: 4 Jahre

Verfügbare Konzentrationen für Memantin

10mg, 10mg/g, 10mg/ml, 15mg, 20mg, 5mg, 5mg/10mg/15mg/20mg, 5mg/dosis, 5mg/dosis eliberata

Andere ähnliche Substanzen wie Memantin

Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels MEMANTINA RATIOPHARM 20mg tablets

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Memantin ratiopharm 10 mg Filmtabletten

Memantin ratiopharm 20 mg Filmtabletten

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Memantin ratiopharm 10 mg

Jede Filmtablette enthält 10 mg Memantinhydrochlorid, entsprechend 8,31 mg Memantin.

Memantin ratiopharm 20 mg

Jede Filmtablette enthält 20 mg Memantinhydrochlorid, entsprechend 16,62 mg Memantin.

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:

Memantin ratiopharm 10 mg

Lactose (80 mg/Filmtablette) und Phospholipide aus Sojabohnen (0,13 mg/Filmtablette).

Memantin ratiopharm 20 mg

Lactose (160 mg/Filmtablette) und Phospholipide aus Sojabohnen (0,26 mg/Filmtablette).

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Filmtablette (Tablette)

Memantin ratiopharm 10 mg

Weiße bis gebrochen weiße, kapselförmige, bikonvexe Tabletten mit einer Bruchkerbe auf einer Seiteund der Prägung '10“ auf der anderen Seite. Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

Memantin ratiopharm 20 mg

Weiße bis gebrochen weiße, kapselförmige, bikonvexe Tabletten mit einer Bruchkerbe auf einer Seiteund der Prägung '20“ auf der anderen Seite. Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung sollte durch einen Arzt erfolgen, der über

Erfahrungen in der Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Demenz verfügt.

Dosierung

Mit der Therapie sollte nur begonnen werden, wenn eine Betreuungsperson zur Verfügung steht, diedie Einnahme des Arzneimittels durch den Patienten regelmäßig überwacht. Die Diagnose sollteanhand der aktuellen Richtlinien erfolgen. Die Verträglichkeit und Dosierung von Memantin solltenregelmäßig überprüft werden, vorzugsweise während der ersten 3 Monate nach Beginn der

Behandlung. Danach sollten der therapeutische Nutzen von Memantin und die Verträglichkeit der

Behandlung für den Patienten regelmäßig gemäß den aktuellen klinischen Richtlinien überprüftwerden. Die Erhaltungstherapie kann so lange fortgesetzt werden, wie ein therapeutischer Nutzen fürden Patienten existiert und der Patient die Behandlung mit Memantin verträgt. Die Beendigung der

Behandlung mit Memantin sollte in Erwägung gezogen werden, wenn eine therapeutische Wirkungnicht mehr erkennbar ist oder der Patient die Behandlung nicht verträgt.

Erwachsene
Dosistitration

Die tägliche Höchstdosis beträgt 20 mg pro Tag. Um das Risiko von unerwünschten

Arzneimittelwirkungen zu reduzieren, wird die Erhaltungsdosis durch wöchentliche Steigerung der

Dosis um 5 mg während der ersten 3 Behandlungswochen wie folgt erreicht:

1. Woche (1.-7. Tag): Tägliche Einnahme einer halben 10 mg Filmtablette (5 mg) über 7 Tage.2. Woche (8.-14. Tag): Tägliche Einnahme einer 10 mg Filmtablette (10 mg) über 7 Tage.3. Woche (15.-21. Tag): Tägliche Einnahme einer ganzen und einer halben 10 mg Filmtablette(15 mg) über 7 Tage.

Ab der 4. Woche: Tägliche Einnahme von zwei 10 mg Filmtabletten (20 mg) oder einer20 mg Filmtablette.

Erhaltungsdosis

Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 20 mg pro Tag.

Ältere Patienten

Die auf der Basis klinischer Studien empfohlene Dosis für Patienten über 65 Jahre beträgt 20 mgtäglich (einmal täglich zwei 10 mg Filmtabletten oder eine 20 mg Filmtablette), wie oben beschrieben.

Patienten mit Nierenfunktionsstörung

Bei Patienten mit leichter Beeinträchtigung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance 50-80 ml/min) istkeine Anpassung der Dosis erforderlich. Bei Patienten mit einer mittelschweren

Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 30-49 ml/min) sollte die Dosis 10 mg täglich betragen.

Bei guter Verträglichkeit über mindestens 7 Tage kann die Dosis auf 20 mg pro Tag entsprechend dem

Standardtitrationsschema erhöht werden. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung(Kreatinin-Clearance 5-29 ml/min) sollte die Dosis 10 mg pro Tag betragen.

Patienten mit Leberfunktionsstörung

Bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh A und

Child-Pugh B) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Für Patienten mit schweren

Leberfunktionsstörungen sind keine Daten bezüglich der Anwendung von Memantin verfügbar. Die

Anwendung von Memantin ratiopharm wird bei schweren Leberfunktionsstörungen nicht empfohlen.

Kinder und Jugendliche

Es liegen keine Daten vor.

Art der Anwendung

Memantin ratiopharm sollte einmal täglich und jeweils zur gleichen Zeit eingenommen werden. Die

Filmtabletten können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.

4.3 Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Erdnuss oder Soja oder einen der in Abschnitt 6.1genannten sonstigen Bestandteile.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Epilepsie, Krämpfen in der Anamnese oder bei Patienten mitprädisponierenden Faktoren für Epilepsie.

Die gleichzeitige Anwendung von N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Antagonisten, wie Amantadin,

Ketamin oder Dextromethorphan sollte vermieden werden. Diese Verbindungen wirken am gleichen

Rezeptorsystem wie Memantin. Daher können unerwünschte (hauptsächlich das zentrale

Nervensystem (ZNS) betreffende) Arzneimittelwirkungen häufiger oder in stärkerer Ausprägungauftreten (siehe auch Abschnitt 4.5).

Einige Faktoren, die zu einem Anstieg des pH-Werts im Urin führen können (siehe

Abschnitt 5.2 'Elimination“), machen u. U. eine besonders sorgfältige Überwachung des Patientenerforderlich. Zu diesen Faktoren gehören eine grundlegende Umstellung der Ernährung, z. B. vonfleischhaltiger auf vegetarische Kost oder die massive Einnahme von Mitteln zur Neutralisierung der

Magensäure. Darüber hinaus kann ein erhöhter pH-Wert auch durch eine renale tubuläre Azidose(RTA) oder schwere Infektionen des Harntrakts mit Proteus-Bakterien verursacht werden.

In den meisten klinischen Studien waren Patienten mit kürzlich zurückliegendem Myokardinfarkt,dekompensierter Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) oder unkontrolliertem Bluthochdruckausgeschlossen. Demzufolge liegen für Patienten mit diesen Beschwerden nur begrenzte Daten vor, siemüssen daher engmaschig überwacht werden.

Sonstige Bestandteile

Memantin ratiopharm enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz,

Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten das Arzneimittel nicht einnehmen.

Memantin ratiopharm enthält Phospholipide aus Sojabohnen, siehe Abschnitt 4.3.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Aufgrund der pharmakologischen Effekte und des Wirkmechanismus von Memantin können diefolgenden Wechselwirkungen auftreten:

- Die Wirkungsweise hat zur Folge, dass die Wirkungen von L-Dopa, dopaminergen Agonisten und

Anticholinergika bei gleichzeitiger Behandlung mit NMDA-Antagonisten, wie Memantin,möglicherweise verstärkt werden. Die Wirkungen von Barbituraten und Neuroleptika könnenabgeschwächt werden. Die gleichzeitige Anwendung von Memantin und den Spasmolytika

Dantrolen oder Baclofen kann zu einer Änderung in der Wirkung dieser Arzneimittel führen,wodurch ggf. eine Anpassung der Dosierung erforderlich wird.

- Die gleichzeitige Anwendung von Memantin und Amantadin sollte vermieden werden, da diesedas Risiko einer pharmakotoxischen Psychose birgt. Beide Verbindungen sind chemischverwandte NMDA-Antagonisten. Dasselbe kann auch auf Ketamin und Dextromethorphanzutreffen (siehe auch Abschnitt 4.4). Ein veröffentlichter Fallbericht weist auch auf eine mögliche

Gefahr bei der Kombination von Memantin und Phenytoin hin.

- Bei anderen Wirkstoffen, wie Cimetidin, Ranitidin, Procainamid, Chinidin, Chinin und Nicotin,die das gleiche renale Kationen-Transportsystem wie Amantadin benutzen, besteht ebenfalls die

Möglichkeit der Wechselwirkung mit Memantin und dadurch die potenzielle Gefahr eineserhöhten Plasmaspiegels.

- Der Serumspiegel von HCT (Hydrochlorothiazid) kann möglicherweise erniedrigt sein, wenn

Memantin gleichzeitig mit HCT oder HCT-haltigen Kombinationsarzneimitteln angewendet wird.

- Seit Markteinführung von Memantin wurden einzelne Fälle von Erhöhungen des normierten

Gerinnungswertes (INR - International Normalized Ratio) bei Patienten, die gleichzeitig mit

Warfarin behandelt wurden, berichtet. Obwohl kein kausaler Zusammenhang hergestellt werdenkonnte, ist eine engmaschige Überwachung der Prothrombin-Zeit oder der INR bei Patienten, diegleichzeitig mit oralen Antikoagulanzien behandelt werden, ratsam.

In pharmakokinetischen Studien zur Einmalgabe bei jungen gesunden Probanden wurden keinerelevanten Wirkstoff/Wirkstoff-Wechselwirkungen von Memantin mit Glibenclamid/Metformin oder

Donepezil beobachtet.

In einer klinischen Studie mit jungen gesunden Probanden wurden keine relevanten Effekte von

Memantin auf die Pharmakokinetik von Galantamin beobachtet.

Memantin inhibierte CYP 1A2, 2A6, 2C9, 2D6, 2E1, 3A, Flavin-haltige Monooxygenase,

Epoxydhydrolase oder Sulfatierungen in vitro nicht.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Memantin bei

Schwangeren vor. Tierstudien zeigten ein Potenzial zur Verminderung des intrauterinen Wachstumsbei Exposition, die identisch oder leicht höher war als die beim Menschen (siehe Abschnitt 5.3). Daspotenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Memantin darf nicht während der

Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Memantin in die Muttermilch übergeht. Angesichts des lipophilen Charaktersder Substanz ist jedoch von dieser Annahme auszugehen. Frauen, die Memantin einnehmen, dürfennicht stillen.

Fertilität

In nicht-klinischen Studien wurden keine unerwünschten Wirkungen von Memantin auf die männlicheoder weibliche Fertilität festgestellt.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Maschinen

Eine moderate bis schwere Alzheimer-Demenz führt normalerweise zu einer Einschränkung der

Verkehrstüchtigkeit und beeinträchtigt die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Darüber hinaus hat

Memantin geringen bis mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienenvon Maschinen, sodass ambulante Patienten zu besonderer Vorsicht anzuhalten sind.

4.8 Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

In klinischen Studien bei leichter bis schwerer Demenz, in denen 1784 Patienten Memantin und1595 Patienten Placebo erhielten, unterschied sich die Gesamthäufigkeit unerwünschter

Arzneimittelwirkungen unter Memantin nicht von derjenigen in der Placebogruppe. Dieunerwünschten Arzneimittelwirkungen waren im Allgemeinen leicht bis mittelschwer. Die amhäufigsten aufgetretenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen mit einer höheren Inzidenz in der

Memantin-Gruppe als in der Placebogruppe waren Schwindel (6,3 % vgl. mit 5,6 %), Kopfschmerzen(5,2 % vgl. mit 3,9 %), Verstopfung (4,6 % vgl. mit 2,6 %), Schläfrigkeit (3,4 % vgl. mit 2,2 %) underhöhter Blutdruck (4,1 % vgl. mit 2,8 %).

Tabellarische Zusammenstellung der Nebenwirkungen

Die in der folgenden Tabelle gelisteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind aus klinischen

Studien und seit der Markteinführung von Memantin mitgeteilt worden.

Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind gemäß der folgenden Konvention nach

Systemorganklassen geordnet: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich(≥ 1/1.000 bis < 1/100), selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000), sehr selten (< 1/10.000), nicht bekannt(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder

Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.

Infektionen und parasitäre Gelegentlich Pilzinfektionen

Erkrankungen

Erkrankungen des Häufig Arzneimittelüberempfindlichkeitsreaktionen

Immunsystems

Psychiatrische Erkrankungen Häufig Schläfrigkeit

Gelegentlich Verwirrtheit

Gelegentlich Halluzinationen 1

Nicht bekannt Psychotische Reaktionen 2

Erkrankungen des Häufig Schwindel

Nervensystems Häufig Gleichgewichtsstörungen

Gelegentlich Anomaler Gang

Sehr selten Krampfanfälle

Herzerkrankungen Gelegentlich Herzinsuffizienz

Gefäßerkrankungen Häufig Erhöhter Blutdruck

Gelegentlich Venenthrombose/Thromboembolie

Erkrankungen der Atemwege, des Häufig Dyspnoe

Brustraums und Mediastinums

Erkrankungen des Häufig Verstopfung

Gastrointestinaltrakts Gelegentlich Erbrechen

Nicht bekannt Pankreatitis 2

Leber- und Häufig Erhöhte Leberfunktionswerte

Gallenerkrankungen Nicht bekannt Hepatitis

Allgemeine Erkrankungen und Häufig Kopfschmerzen

Beschwerden am Verabreichungsort Gelegentlich Müdigkeit1 Halluzinationen sind hauptsächlich bei Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz beobachtetworden.2 Einzelfallberichte seit Markteinführung.

Alzheimer-Demenz wird mit Depression, Suizidgedanken und Suizid in Verbindung gebracht. Seit

Markteinführung wurden solche Arzneimittelwirkungen bei Patienten berichtet, die mit Memantinbehandelt wurden.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Es liegen nur begrenzte Erfahrungen zu Überdosierung aus klinischen Studien sowie nach

Markteinführung vor.

Symptome

Relativ hohe Überdosierungen (200 mg/Tag bzw. 105 mg/Tag, jeweils über 3 Tage) gingen entwederlediglich mit Symptomen wie Müdigkeit, Schwächegefühl und/oder Diarrhö oder ohne Symptomeeinher. In Überdosierungsfällen mit weniger als 140 mg oder mit unbekannter Dosis zeigten die

Patienten Symptome zentralnervösen Ursprungs (Verwirrtheit, Benommenheit, Schläfrigkeit,

Schwindel, Agitiertheit, Aggression, Halluzinationen und Gangstörungen) und/oder gastrointestinalen

Ursprungs (Erbrechen und Diarrhö).

Im extremsten Fall einer Überdosierung überlebte der Patient die orale Einnahme von insgesamt2000 mg Memantin mit Wirkungen auf das zentrale Nervensystem (Koma über 10 Tage sowie später

Diplopie und Agitiertheit). Der Patient erhielt eine symptomatische Behandlung sowie Plasmaphereseund erholte sich ohne Ausbildung dauerhafter Folgeerscheinungen.

In einem weiteren Fall massiver Überdosierung überlebte und erholte sich der Patient ebenfalls. Dieser

Patient hatte 400 mg Memantin oral erhalten und entwickelte zentralnervöse Symptome wie

Ruhelosigkeit, Psychose, visuelle Halluzinationen, erniedrigte Krampfschwelle, Schläfrigkeit, Stuporund Bewusstlosigkeit.

Behandlung

Im Falle einer Überdosierung sollte die Behandlung symptomatisch erfolgen. Ein spezifisches Antidotgegen eine Intoxikation bzw. Überdosierung ist nicht verfügbar. Klinische Standardverfahren zur

Entfernung des Wirkstoffes, z. B. Magenspülung, Aktivkohle (zur Unterbrechung der möglichenenterohepatischen Rezirkulation), Ansäuerung des Urins und forcierte Diurese sollten, wennangemessen, zur Anwendung kommen.

Im Fall von Anzeichen oder Symptomen einer allgemeinen Überstimulation des zentralen

Nervensystems (ZNS) sollte eine sorgfältige symptomatische klinische Behandlung in Erwägunggezogen werden.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Psychoanaleptika. Andere Antidementiva, ATC-Code: N06DX01.

Es gilt zunehmend als erwiesen, dass eine Fehlfunktion der glutamatergen Neurotransmission,insbesondere an den NMDA-Rezeptoren, sowohl zur Ausprägung der Symptome wie auch zum

Fortschreiten der Erkrankung bei der neurodegenerativen Demenz beiträgt.

Memantin ist ein spannungsabhängiger, nichtkompetitiver NMDA-Rezeptorantagonist mittlerer

Affinität. Memantin reguliert die Wirkung pathologisch erhöhter toxischer Konzentrationen von

Glutamat, die zu neuronalen Funktionsstörungen führen können.

Klinische Studien

In die pivotale Monotherapiestudie an Patienten, die an einer moderaten bis schweren

Alzheimer-Demenz litten (Gesamtscore des Mini-Mental-Status-Tests [MMSE] bei Studienbeginn3-14), wurden insgesamt 252 ambulante Patienten aufgenommen. In der Studie wurden vorteilhafte

Wirkungen der Memantin-Behandlung im Vergleich zu Placebo zum Untersuchungszeitpunkt nach6 Monaten gezeigt (Analyse der beobachteten Fälle [Observed Cases] hinsichtlich des klinischen

Gesamteindrucks [Clinician’s Interview Based Impression of Change - CIBIC-plus]: p = 0,025; der

Alltagskompetenz [Alzheimer’s Disease Cooperative Study - Activities of Daily Living -

ADCS-ADLsev]: p = 0,003; der Kognition [Severe Impairment Battery - SIB]: p = 0,002).

Die pivotale Monotherapiestudie mit Memantin zur Behandlung der leichten bis moderaten

Alzheimer-Demenz (MMSE-Gesamtscores zu Studienbeginn 10 bis 22) umfasste 403 Patienten. Mit

Memantin behandelte Patienten zeigten verglichen zu Patienten unter Placebo ein statistischsignifikant besseres Ergebnis bei den primären Endpunkten: Bewertung der kognitiven Funktionen(Alzheimer Disease Assessment Scale - ADAScog) (p = 0,003) und CIBIC-plus (p = 0,004) in

Woche 24 unter Einbeziehung des letzten für jeden Patienten ermittelten Wertes in der Endauswertung(Last Observation Carried Forward - LOCF). In einer weiteren Monotherapiestudie bei leichter bismoderater Alzheimer-Demenz wurden insgesamt 470 Patienten (MMSE-Gesamtscores bei

Studienbeginn 11-23) randomisiert. In der prospektiv festgelegten primären Analyse erreichte der

Unterschied zwischen Memantin und Placebo im Hinblick auf den primären Wirksamkeitsendpunkt in

Woche 24 keine Signifikanz.

Eine Metaanalyse der Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz (MMSE-Gesamtscore< 20) aus sechs Phase III, Placebo-kontrollierten, 6-monatigen Studien (inkl. Monotherapiestudien und

Studien mit Patienten, die stabil auf einen Acetylcholinesterasehemmer eingestellt waren) zeigtestatistisch signifikante Wirkung zugunsten der Memantin-Behandlung in den kognitiven, globalen undfunktionalen Bereichen. Bei Patienten, bei denen sich der Krankheitsverlauf in allen drei Bereichenverschlechterte, zeigte sich eine statistisch signifikante Wirkung von Memantin zur Verhinderungeiner Verschlechterung: Unter der Placebo-Behandlung zeigte sich eine Verschlechterung in allen drei

Bereichen bei doppelt so vielen Patienten wie unter Memantin-Behandlung (21 % vgl. mit 11 %, p< 0,0001).

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Memantin besitzt eine absolute Bioverfügbarkeit von ca. 100 %. Tmax liegt zwischen 3 und 8 Stunden.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Resorption von Memantin durch Nahrung beeinflusst wird.

Verteilung

Tägliche Dosen von 20 mg führen zu Memantin-Plasmakonzentrationen im Steady-State im Bereichvon 70 bis 150 ng/ml (0,5-1 μmol) mit großen interindividuellen Schwankungen. Bei Anwendung von

Tagesdosen zwischen 5 und 30 mg wurde ein mittlerer Liquor (CSF)-Serum-Quotient von 0,52ermittelt. Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 10 l/kg. Etwa 45 % des Memantin liegt an

Plasmaproteine gebunden vor.

Biotransformation

Beim Menschen liegen ca. 80 % der Memantin-verwandten Stoffe im Blut als Ausgangssubstanz vor.

Die Hauptmetabolite beim Menschen sind N-3,5-Dimethyl-Gludantan, ein Isomerengemisch von 4-und 6-Hydroxy-Memantin, sowie 1-Nitroso-3,5-Dimethyl-Adamantan. Keiner dieser Metabolite zeigteine Aktivität als NMDA-Antagonist. Bei In-vitro-Untersuchungen konnte kein durch Cytochrom

P 450 katalysierter Metabolismus festgestellt werden.

In einer Studie mit oral verabreichtem 14C-Memantin wurden im Mittel 84 % der Dosis innerhalb von20 Tagen wiedergefunden, wobei über 99 % renal ausgeschieden wurden.

Elimination

Memantin wird monoexponentiell mit einer terminalen t½ von 60 bis 100 Stunden eliminiert. Bei

Probanden mit normaler Nierenfunktion wurde eine Gesamt-Clearance (Cltot) von 170 ml/min/1,73 m2ermittelt. Ein Teil der renalen Gesamt-Clearance wird dabei durch tubuläre Sekretion erzielt.

In der Niere erfolgt ebenfalls eine tubuläre Rückresorption, die wahrscheinlich durch

Kationen-Transportproteine vermittelt wird. Bei alkalischem Urin kann die renale Eliminationsratevon Memantin um den Faktor 7 bis 9 reduziert sein (siehe Abschnitt 4.4).

Ein alkalischer pH-Wert des Urins kann durch eine grundlegende Umstellung der Ernährung, z. B. vonfleischhaltiger auf vegetarische Kost, oder die massive Einnahme von Mitteln zur Neutralisierung der

Magensäure verursacht werden.

Linearität

Studien an Probanden zeigten eine lineare Pharmakokinetik im Dosisbereich von 10 bis 40 mg.

Pharmakokinetische/pharmakodynamische Zusammenhänge

Bei einer Tagesdosis von 20 mg Memantin entspricht der CSF-Spiegel dem ki-Wert (ki =

Inhibitionskonstante) von Memantin, der beim Menschen in der vorderen Großhirnrinde 0,5 μmolbeträgt.

5.3 Präklinische Sicherheitsdaten

In Kurzzeitstudien an Ratten induzierte Memantin, wie andere NMDA-Antagonisten auch,

Vakuolenbildungen und Nekrosen des Nervengewebes (Olney-Läsionen), jedoch nur nach

Dosierungen, die zu sehr hohen Spitzenkonzentrationen im Serum führten. Der Vakuolisierung und

Nekrotisierung gingen Ataxie und weitere präklinische Anzeichen voraus. Diese Wirkungen wurdenweder in Langzeitstudien bei Nagern noch bei anderen Versuchstieren beobachtet. Die klinische

Relevanz dieser Befunde ist unbekannt.

In Toxizitätsstudien mit wiederholter Gabe wurden Augenveränderungen inkonsistent (d. h. nichtdurchgängig in allen Studien) bei Nagern und Hunden beobachtet, jedoch nicht bei Affen. Beispeziellen ophthalmoskopischen Untersuchungen in klinischen Studien mit Memantin wurden keine

Augenveränderungen festgestellt.

Bei Nagern wurde eine Störung des Phospholipidhaushalts in Lungenmakrophagen, die auf

Akkumulation von Memantin in Lysosomen zurückzuführen ist, beobachtet. Diese Wirkung ist vonanderen Wirkstoffen, die kationisch-amphiphile Eigenschaften besitzen, bekannt. Möglicherweisebesteht eine Beziehung zwischen dieser Akkumulation und der beobachteten Vakuolenbildung in den

Lungen. Diese Wirkung wurde nur unter hoher Dosierung bei Nagern festgestellt. Die klinische

Relevanz dieser Befunde ist unbekannt.

Die Prüfung von Memantin in Standard-Tests ergab keine Genotoxizität. In Langzeitstudien an

Mäusen und Ratten gab es keine Hinweise auf Kanzerogenität. Memantin hatte bei Ratten und

Kaninchen keine teratogene Wirkung, selbst bei für die Muttertiere toxischen Dosen. Darüber hinauszeigte Memantin keine negativen Wirkungen auf die Fertilität. Bei Ratten wurde ein vermindertes

Wachstum der Föten beobachtet bei Exposition mit identischen oder etwas höheren Spiegeln alsdenen, die beim Menschen bei therapeutischer Anwendung erreicht werden.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Tablettenkern

Mikrokristalline Cellulose (E 460)

Vorverkleisterte Stärke (Mais) (E 1404)

Lactose

Hochdisperses Siliciumdioxid (E 551)

Magnesiumstearat (Ph.Eur.) (E 470b)

Filmüberzug

Polysorbat 80 (E 433)

Poly(vinylalkohol) (E 1203)

Titandioxid (E 171)

Talkum (E 553b)

Phospholipide aus Sojabohnen (E 322)

Xanthangummi (E 415)

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Haltbarkeit

3 Jahre

HDPE-Flaschen:

Haltbarkeit nach Anbruch: 6 Monate.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Blisterpackungen

Nicht über 25 ºC lagern.

HDPE-Flaschen

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

10 mg Filmtabletten

PVC/PVDC-Aluminiumfolie Blisterpackungen.

Packungsgrößen mit 10, 14, 21, 28, 30, 42, 50, 56, 98, 100 und 112 Filmtabletten.

HDPE-Flaschen mit einem PP-Verschluss.

Packungsgrößen mit 100 Filmtabletten.

20 mg Filmtabletten

PVC/PVDC-Aluminiumfolie Blisterpackungen.

Packungsgrößen mit 10, 14, 21, 28, 30, 42, 56, 98 und 100 Filmtabletten.

HDPE-Flaschen mit einem PP-Verschluss.

Packungsgrößen mit 100 Filmtabletten.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung

Keine besonderen Anforderungen.

7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Straße 389079 Ulm

Deutschland

8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)

EU/1/13/836/001

EU/1/13/836/002

EU/1/13/836/003

EU/1/13/836/004

EU/1/13/836/005

EU/1/13/836/006

EU/1/13/836/007

EU/1/13/836/008

EU/1/13/836/009

EU/1/13/836/010

EU/1/13/836/011

EU/1/13/836/012

EU/1/13/836/013

EU/1/13/836/014

EU/1/13/836/015

EU/1/13/836/016

EU/1/13/836/017

EU/1/13/836/018

EU/1/13/836/019

EU/1/13/836/020

EU/1/13/836/021

EU/1/13/836/022

9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG

ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 13. Juni 2013

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 13. April 2018

10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs

Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen

Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.