Angewendet bei: Zytomegalievirus-Infektion
Substanz: maribavir (Virostatikum)
ATC: J05AX10 (ANTIINFEKTIVA ZUR SYSTEMISCHEN ANWENDUNG | DIREKT WIRKENDE ANTIVIRALE MITTEL | Andere antivirale Mittel)
Maribavir ist ein antivirales Medikament, das zur Behandlung von Zytomegalievirus (CMV)-Infektionen bei Transplantationspatienten eingesetzt wird. Es wirkt, indem es das UL97-Enzym des Virus hemmt und so dessen Replikation verhindert.
Das Medikament wird oral eingenommen, meist in Tablettenform, und ist für Patienten bestimmt, die nicht auf andere antivirale Therapien ansprechen. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes zu befolgen, um die Wirksamkeit der Behandlung sicherzustellen.
Nebenwirkungen können Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit oder Geschmacksveränderungen umfassen. In seltenen Fällen können allergische Reaktionen oder erhöhte Leberenzyme auftreten.
Maribavir wird nicht für Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber diesem Medikament oder für Patienten empfohlen, die Medikamente einnehmen, die mit dem UL97-Enzym interagieren.
LIVTENCITY 200 mg Filmtabletten.
Eine Tablette enthält 200 mg Maribavir.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
Filmtablette.
Blaue, oval geformte, konvexe, 15,5 mm lange Tablette mit der Prägung 'SHP“ auf einer Seite und'620“ auf der anderen Seite.
LIVTENCITY wird zur Behandlung einer Cytomegalievirus(CMV)-Infektion und/oder -Erkrankungangewendet, die refraktär ist (mit oder ohne Resistenz) gegenüber einer oder mehrerenvorhergehenden Therapien, einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet,bei erwachsenen Patientinnen und Patienten, die sich einer hämatopoetischen
Stammzelltransplantation (HSCT) oder einer Transplantation solider Organe (SOT) unterzogen haben.
Offizielle Leitlinien zur fachgerechten Anwendung von antiviralen Wirkstoffen sollten beachtetwerden.
Die Behandlung mit LIVTENCITY sollte durch eine Ärztin oder einen Arzt eingeleitet werden, dieoder der über Erfahrungen in der Behandlung von Patientinnen und Patienten verfügt, die einer
Transplantation solider Organe oder einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation unterzogenwurden.
DosierungDie empfohlene Dosis von LIVTENCITY beträgt 400 mg (zwei Tabletten mit je 200 mg) zweimaltäglich, d. h. eine Tagesdosis von 800 mg für 8 Wochen. Je nach der klinischen Situation der einzelnen
Patientin/des einzelnen Patienten kann eine Individualisierung der Behandlungsdauer erforderlichwerden.
Gleichzeitige Anwendung mit CYP3A-InduktorenDie gleichzeitige Anwendung von LIVTENCITY mit den starken Cytochrom-P450-3A(CYP3A)-
Induktoren Rifampicin, Rifabutin oder Johanniskraut wird nicht empfohlen, da es zu einer
Verringerung der Wirksamkeit von Maribavir kommen kann.
Falls eine gleichzeitige Anwendung von LIVTENCITY mit anderen starken oder mäßigen CYP3A-
Induktoren (z. B. Carbamazepin, Efavirenz, Phenobarbital und Phenytoin) nicht vermieden werdenkann, sollte die LIVTENCITY-Dosis auf 1200 mg zweimal täglich erhöht werden (siehe
Abschnitte 4.4, 4.5 und 5.2).
Auslassen einer DosisPatientinnen und Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass, wenn eine Dosis LIVTENCITYvergessen wird und die nächste Dosis innerhalb der nächsten 3 Stunden eingenommen werden sollte,die vergessene Dosis ausgelassen und mit dem gewohnten Dosierungsschema fortgefahren werdensoll. Patientinnen und Patienten sollten die nächste Dosis nicht verdoppeln oder mehr LIVTENCITYals verordnet einnehmen.
Besondere PatientengruppenBei Patientinnen und Patienten über einem Alter von 65 Jahren ist keine Dosisanpassung erforderlich(siehe Abschnitte 5.1 und 5.2).
NierenfunktionsstörungFür Patientinnen und Patienten mit einer leichten, mittelschweren oder schweren
Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung von LIVTENCITY notwendig. Es liegen keine
Studien zur Anwendung von LIVTENCITY bei Patientinnen und Patienten mit terminaler
Niereninsuffizienz (ESRD) vor, einschließlich bei Dialysepatientinnen und -patienten. Aufgrund derhohen Plasmaproteinbindung von Maribavir (siehe Abschnitt 5.2) sind bei Dialysepatientinnen und -patienten voraussichtlich keine Dosisanpassungen erforderlich.
LeberfunktionsstörungBei Patientinnen und Patienten mit leichter (Child-Pugh-Klasse A) oder mittelschwerer
Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse B) ist keine Dosisanpassung von LIVTENCITYnotwendig. Es liegen keine Studien zur Anwendung von LIVTENCITY bei Patientinnen und Patientenmit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse C) vor. Es ist nicht bekannt, ob sich die
Maribavir-Exposition bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung signifikanterhöhen würde. Somit ist bei Anwendung von LIVTENCITY an Patientinnen und Patienten mitschwerer Leberfunktionsstörung Vorsicht geboten (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von LIVTENCITY bei Patientinnen und Patienten unter einem Altervon 18 Jahren sind nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungZum Einnehmen.
LIVTENCITY ist ausschließlich zur Einnahme bestimmt. Es kann mit oder ohne eine Mahlzeiteingenommen werden. Die Filmtablette kann im Ganzen eingenommen oder zerdrückt werden. Diezerdrückte Filmtablette kann auch über eine nasogastrale oder orogastrale Sonde gegeben werden.
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Gleichzeitige Anwendung mit Ganciclovir oder Valganciclovir (siehe Abschnitt 4.5).
Während und nach der Behandlung mit LIVTENCITY kann es zu virologischem Versagen kommen.
Virologische Rückfälle während der Nachbehandlung traten in der Regel innerhalb von 4-8 Wochennach Beendigung der Behandlung auf. Einige mit einer Maribavir-Resistenz assoziierten pUL97-
Substitutionen führen zu einer Kreuzresistenz gegenüber Ganciclovir und Valganciclovir. Bei
Patienten, die nicht auf die Behandlung ansprechen, ist die CMV-DNA-Konzentration zu überwachenund der Patient auf mögliche Resistenzmutationen zu untersuchen. Die Behandlung sollte abgebrochenwerden, wenn Maribavir-Resistenzmutationen festgestellt werden.
CMV-Erkrankung mit ZNS-BeteiligungEs liegen keine Studien zu LIVTENCITY bei Patientinnen und Patienten mit CMV-Infektion des
Zentralnervensystems vor. Basierend auf präklinischen Daten wird für Maribavir eine niedrige ZNS-
Penetration im Vergleich zu den Plasmawerten erwartet (siehe Abschnitte 5.2 und 5.3). Eine
Wirksamkeit von LIVTENCITY zur Behandlung von CMV-Infektionen des ZNS (z. B.
Meningoenzephalitis) wird somit nicht erwartet.
Gleichzeitige Anwendung mit ImmunsuppressivaLIVTENCITY hat das Potenzial, die Konzentration von Immunsuppressiva zu erhöhen, die
Cytochrom-P450 (CYP)3A/P-gp-Substrate mit geringer therapeutischer Breite sind (einschließlich
Tacrolimus, Cyclosporin, Sirolimus und Everolimus). Die Plasma-Konzentration solcher
Immunsuppressiva muss während der Behandlung mit LIVTENCITY engmaschig überwacht werden,insbesondere nach Beginn und Absetzen der Behandlung mit LIVTENCITY, und die Dosierung ist bei
Bedarf anzupassen (siehe Abschnitte 4.5, pct. 4.8 und 5.2).
Risiko von Nebenwirkungen oder verminderter therapeutischer Wirkung durch
ArzneimittelwechselwirkungenDie gleichzeitige Anwendung von LIVTENCITY und bestimmten anderen Arzneimitteln kann zubekannten oder potenziell signifikanten Arzneimittelwechselwirkungen führen. In einigen Fällen kannes zu folgenden Auswirkungen kommen:
- mögliche klinisch signifikante Nebenwirkungen infolge stärkerer Exposition gegenübergleichzeitig angewendeten anderen Arzneimitteln
- verminderte therapeutische Wirkung von LIVTENCITY
In Tabelle 1 sind Maßnahmen zur Vorbeugung von oder Handhabung solcher bekannten oderpotenziell signifikanten Arzneimittelwechselwirkungen mit entsprechenden Dosierungsempfehlungenangegeben (siehe Abschnitte 4.3 und 4.5).
NatriumgehaltDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d. h. es ist nahezu'natriumfrei“.
Maribavir wird vorrangig über CYP3A metabolisiert. Somit wird erwartet, dass Arzneimittel, die
CYP3A-Induktoren oder -Inhibitoren sind, Auswirkungen auf die Clearance von Maribavir haben(siehe Abschnitt 5.2).
Eine gleichzeitige Anwendung von Maribavir und Arzneimitteln, die Inhibitoren von CYP3A sind,kann zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Maribavir führen (siehe Abschnitt 5.2). Es ist jedochkeine Dosisanpassung erforderlich, wenn Maribavir zusammen mit CYP3A-Inhibitoren angewendetwird.
Es wird erwartet, dass die gleichzeitige Anwendung von starken oder mittelstarken CYP3A-
Induktoren (wie Rifampicin, Rifabutin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Efavirenz und
Johanniskraut) die Maribavir-Plasmakonzentration signifikant verringert, was zu einer Abnahme der
Wirksamkeit führen kann. Deshalb sollten alternative Arzneimittel in Betracht gezogen werden, diekeine CYP3A-Induktoren sind.
Die gleichzeitige Anwendung von Maribavir mit den starken Cytochrom-P450-3A (CYP3A)-
Induktoren Rifampicin, Rifabutin oder Johanniskraut wird nicht empfohlen.
Wenn eine gleichzeitige Anwendung von Maribavir mit anderen starken oder mittelstarken CYP3A-
Induktoren (z. B. Carbamazepin, Efavirenz, Phenobarbital und Phenytoin) nicht vermieden werdenkann, sollte die Maribavir -Dosis auf 1200 mg zweimal täglich erhöht werden (siehe Abschnitte 4.2und 5.2).
Auswirkungen von Maribavir auf andere ArzneimittelEine gleichzeitige Anwendung von Maribavir mit Valganciclovir/Ganciclovir ist kontraindiziert.
Maribavir kann die antivirale Wirkung von Ganciclovir und Valganciclovir antagonisieren, indem esdie vom humanen CMV durch das Gen UL97 exprimierte Serin-/Threoninkinase inhibiert, die für die
Aktivierung/Phosphorylierung von Ganciclovir und Valganciclovir erforderlich ist (siehe
Abschnitte 4.3 und 5.1).
Basierend auf Ergebnissen aus In-vitro-Untersuchungen und klinischen Studien zu Wechselwirkungensind bei therapeutischen Konzentrationen keine klinisch relevanten Wechselwirkungen zu erwarten,wenn Maribavir zusammen mit Substraten von CYP1A2, 2A6, 2B6, 2C8, 2C9, 2C19, 2E1, 2D6 und3A4, UGT1A1, 1A4, 1A6, 1A9 und 2B7, Gallensalzexportpumpe (BSEP), Multiarzneimittel und
Toxin Extrusions-Protein (MATE)/2K, organischem Anionentransporter (OAT)1, organischem
Kationentransporter (OCT)1 und OCT2 oder organischem Anionen-transportierendem Polypeptid(OATP)1B1 und OATP1B3 angewendet wird (siehe Tabelle 1 und Abschnitt 5.2).
Maribavir wirkte in vitro als Induktor des CYP1A2-Enzyms. Es liegen keine klinischen Daten vor, umein Interaktionsrisiko über eine CYP1A2-Induktion in vivo auszuschließen. Daher sollte diegleichzeitige Anwendung von Maribavir und Arzneimitteln, die empfindliche Substrate von CYP1A2mit einem engen therapeutischen Fenster sind (z. B. Tizanidin und Theophyllin), vermieden werden,da ein Risiko für eine mangelnde Wirksamkeit von CYP1A2-Substraten besteht.
Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Maribavir erhöhte sich die Plasmakonzentration von
Tacrolimus (siehe Tabelle 1). Bei einer gleichzeitigen Anwendung der Immunsuppressiva Tacrolimus,
Cyclosporin, Everolimus oder Sirolimus zusammen mit Maribavir sollte die Wirkstoffkonzentrationder Immunsuppressiva während der gesamten Behandlung mit Maribavir engmaschig überwachtwerden, insbesondere nach Beginn und Absetzen von Maribavir. Die Dosis ist bei Bedarf anzupassen(siehe Abschnitt 4.4 und Tabelle 1).
In klinisch relevanter Konzentration war Maribavir in vitro ein Inhibitor des P-gp-Transporters. Ineiner klinischen Studie erhöhte sich bei einer gleichzeitigen Anwendung von Maribavir die
Plasmakonzentration von Digoxin (siehe Tabelle 1). Daher ist bei einer gleichzeitigen Anwendungvon Maribavir zusammen mit empfindlichen P-gp-Substraten (z. B. Digoxin, Dabigatran) Vorsichtgeboten. Die Digoxin-Konzentration im Serum sollte überwacht und die Digoxin-Dosis bei Bedarfreduziert werden (siehe Tabelle 1).
In klinisch relevanter Konzentration war Maribavir in vitro ein Inhibitor des BCRP-Transporters.
Deshalb wird davon ausgegangen, dass eine gleichzeitige Anwendung von Maribavir mit sensitiven
BCRP-Substraten, wie z. B. Rosuvastatin, zu einer erhöhten Exposition und somit zu Nebenwirkungenführen kann.
In vitro ist Maribavir ein OAT3-Inhibitor. Deshalb könnten sich Plasmakonzentrationen von
Arzneimitteln, die über OAT3 transportiert werden, erhöhen (z. B. Ciprofloxacin, Imipenem und
Cilastatin).
In vitro ist Maribavir ein MATE1-Inhibitor. Es liegen keine klinischen Daten dazu vor, ob diegleichzeitige Anwendung von Maribavir mit empfindlichen MATE1-Substraten (z. B. Metformin)potenziell klinisch relevante Wechselwirkungen verursachen könnte.
Allgemeine InformationenFalls aufgrund einer Anwendung von Maribavir Dosisanpassungen von gleichzeitig angewendeten
Arzneimitteln vorgenommen werden, sollten die Dosierungen nach Beendigung der Anwendung von
Maribavir wieder neu angepasst werden. Tabelle 1 enthält eine Liste von bekannten oder potenziellklinisch signifikanten Arzneimittelwechselwirkungen. Die aufgeführten
Arzneimittelwechselwirkungen basieren auf Studien, die mit Maribavir durchgeführt wurden, odersind zu erwartende Arzneimittelwechselwirkungen, die unter Maribavir auftreten können (siehe
Abschnitte 4.4 und 5.2).
Tabelle 1: Wechselwirkungen und Dosierungsempfehlungen für die gemeinsame Anwendungmit anderen Arzneimitteln
Arzneimittel nach Wirkung auf das geometrische Empfehlungen bei gemeinsamertherapeutischem Bereich Mittelverhältnis (90 %-KI) Anwendung mit Maribavir(wahrscheinlicher
Wirkmechanismus)
Säurereduzierende Arzneimittel
Antazida (Aluminium- und ↔ Maribavir Keine Dosisanpassung
Magnesiumhydroxid als AUC 0,89 (0,83; 0,96) erforderlich.
Lösung zum Einnehmen) Cmax 0,84 (0,75; 0,94)(20 ml Einzeldosis, Maribavir100 mg Einzeldosis)
Famotidin Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Erwartet: erforderlich.↔ Maribavir
Pantoprazol Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Erwartet: erforderlich.↔ Maribavir
Omeprazol ↔ Maribavir Keine Dosisanpassung↑ Konzentrationsverhältnis erforderlich.
Omeprazol im Plasma/5-Hydroxyomeprazol1,71 (1,51; 1,92) 2 Stundennach der Dosis(CYP2C19-Inhibition)
Arzneimittel nach Wirkung auf das geometrische Empfehlungen bei gemeinsamertherapeutischem Bereich Mittelverhältnis (90 %-KI) Anwendung mit Maribavir(wahrscheinlicher
Wirkmechanismus)
Antiarrhythmika
Digoxin ↔ Digoxin Bei gemeinsamer Anwendung von(0,5 mg Einzeldosis, Maribavir AUC 1,21 (1,10; 1,32) Maribavir und Digoxin ist400 mg zweimal täglich) Cmax 1,25 (1,13; 1,38) Vorsicht geboten. Die Digoxin-(P-gp-Inhibition) Konzentration im Serum ist zuüberwachen. Bei einergleichzeitigen Anwendung mit
Maribavir muss die Dosisempfindlicher P-gp-Substrate wie
Digoxin möglicherweise verringertwerden.
Antibiotika
Clarithromycin Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Erwartet: erforderlich.↑ Maribavir(CYP3A-Inhibition)
Antikonvulsiva
Carbamazepin Interaktion nicht untersucht. Bei gleichzeitiger Anwendung mit
Phenobarbital Erwartet: diesen Antikonvulsiva wird eine
Phenytoin ↓ Maribavir Dosisanpassung von Maribavir auf(CYP3A-Induktion) 1 200 mg zweimal täglichempfohlen.
Antimykotika
Ketoconazol ↑ Maribavir Keine Dosisanpassung(400 mg Einzeldosis, Maribavir AUC 1,53 (1,44; 1,63) erforderlich.400 mg Einzeldosis) Cmax 1,10 (1,01; 1,19)(CYP3A- und P-gp-Inhibition)
Voriconazol Erwartet: Keine Dosisanpassung(200 mg zweimal täglich, ↑ Maribavir erforderlich.
Maribavir 400 mg zweimal (CYP3A-Inhibition)täglich) ↔ Voriconazol
AUC 0,93 (0,83; 1,05)
Cmax 1,00 (0,87; 1,15)(CYP2C19-Inhibition)
AntihypertensivaDiltiazem Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Erwartet: erforderlich.↑ Maribavir(CYP3A-Inhibition)
Arzneimittel gegen Mykobakterien
Rifabutin Interaktion nicht untersucht. Aufgrund einer möglichen
Erwartet: Verringerung der Wirksamkeit von↓ Maribavir Maribavir wird eine gleichzeitige(CYP3A-Induktion) Anwendung von Maribavir und
Rifabutin nicht empfohlen.
Rifampicin ↓ Maribavir Aufgrund einer möglichen(600 mg einmal täglich, AUC 0,40 (0,36; 0,44) Verringerung der Wirksamkeit von
Maribavir 400 mg zweimal Cmax 0,61 (0,52; 0,72) Maribavir wird eine gleichzeitigetäglich) Ctrough 0,18 (0,14; 0,25) Anwendung von Maribavir und(CYP3A- und CYP1A2- Rifampin nicht empfohlen.
Induktion)
Arzneimittel nach Wirkung auf das geometrische Empfehlungen bei gemeinsamertherapeutischem Bereich Mittelverhältnis (90 %-KI) Anwendung mit Maribavir(wahrscheinlicher
Wirkmechanismus)
Antitussiva
Dextromethorphan ↔ Dextrorphan Keine Dosisanpassung(30 mg Einzeldosis, Maribavir AUC 0,97 (0,94; 1,00) erforderlich.400 mg zweimal täglich) Cmax 0,94 (0,88; 1,01)(CYP2D6-Inhibition)
ZNS-Stimulanzien
Kräuterpräparate
Johanniskraut (Hypericum Interaktion nicht untersucht. Aufgrund einer möglichenperforatum) Erwartet: Verringerung der Wirksamkeit von↓ Maribavir Maribavir wird eine gleichzeitige(CYP3A-Induktion) Anwendung von Maribavir und
Johanniskraut nicht empfohlen.
HIV-Virostatika
Nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
Efavirenz Interaktion nicht untersucht. Bei gleichzeitiger Anwendung mit
Etravirin Erwartet: diesen nicht-nukleosidischen
Nevirapin ↓ Maribavir Reverse-Transkriptase-Inhibitoren(CYP3A-Induktion) wird eine Dosisanpassung von
Maribavir auf 1 200 mg zweimaltäglich empfohlen.
Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
Tenofovirdisoproxil Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Tenofoviralafenamid Erwartet: erforderlich.
Abacavir ↔ Maribavir
Lamivudin ↔ Nukleosidische Reverse-
Emtricitabin Transkriptase-Inhibitoren
Proteaseinhibitoren
Mit Ritonavir geboosterte Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Proteaseinhibitoren Erwartet: erforderlich.(Atazanavir, Darunavir, ↑ Maribavir
Lopinavir) (CYP3A-Inhibition)
Integrase-Strangtransfer-Inhibitoren
Dolutegravir Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Erwartet: erforderlich.↔ Maribavir↔ Dolutegravir
HMG-CoA-Reduktase-HemmerAtorvastatin Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassung
Fluvastatin Erwartet: erforderlich.
Simvastatin ↑ HMG-CoA-Reduktase-
Hemmer(BCRP-Inhibition)
Rosuvastatina Interaktion nicht untersucht. Patientinnen und Patienten sollten
Erwartet: engmaschig auf Rosuvastatin-↑ Rosuvastatin bedingte Nebenwirkungen(BCRP-Inhibition) überwacht werden, insbesondereauf das Auftreten von Myopathieund Rhabdomyolyse.
Arzneimittel nach Wirkung auf das geometrische Empfehlungen bei gemeinsamertherapeutischem Bereich Mittelverhältnis (90 %-KI) Anwendung mit Maribavir(wahrscheinlicher
Wirkmechanismus)
ImmunsuppressivaCiclosporina Interaktion nicht untersucht. Die Konzentrationen von
Everolimusa Erwartet: Ciclosporin, Everolimus und
Sirolimusa ↑ Ciclosporin, Everolimus, Sirolimus sind engmaschig zu
Sirolimus überwachen, insbesondere nach(CYP3A/P-gp-Inhibition) der Einleitung und dem Absetzenvon Maribavir. Die Dosis ist bei
Bedarf anzupassen.
Tacrolimusa ↑ Tacrolimus Die Konzentration von Tacrolimus
AUC 1,51 (1,39; 1,65) ist engmaschig zu überwachen,
Cmax 1,38 (1,20; 1,57) insbesondere nach der Einleitung
Ctrough 1,57 (1,41; 1,74) und dem Absetzen von Maribavir.(CYP3A/P-gp-Inhibition) Die Dosis ist bei Bedarfanzupassen.
Orale Antikoagulanzien
Warfarin ↔ S-Warfarin Keine Dosisanpassung(10 mg Einzeldosis, Maribavir AUC 1,01 (0,95; 1,07) erforderlich.400 mg zweimal täglich) (CYP2C9-Inhibition)
Orale KontrazeptivaOrale kontrazeptive Steroide Interaktion nicht untersucht. Keine Dosisanpassungmit systemischer Wirkung Erwartet: erforderlich.
↔ orale kontrazeptive Steroide(CYP3A-Inhibition)
Sedativa
Midazolam ↔ Midazolam Keine Dosisanpassung(0,075 mg/kg Einzeldosis, erforderlich.
Maribavir 400 mg zweimal AUC 0,89 (0,79; 1,00)täglich für 7 Tage) Cmax 0,82 (0,70, 0,96)↑ = Anstieg, ↓ = Abnahme, ↔ = keine Veränderung
KI = Konfidenzintervall,
*AUC0-∞ für die Einzeldosis, AUC0-12 für die zweimal tägliche Dosierung
Hinweis: Die Tabelle ist nicht vollständig, zeigt aber Beispiele für klinisch relevante Wechselwirkungen.a Siehe betreffende Fachinformation.
Kinder und JugendlicheStudien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.
Bisher liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Maribavir bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Die
Anwendung von LIVTENCITY während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter,die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.
Es wird nicht davon ausgegangen, dass Maribavir die Plasmakonzentrationen von oralenkontrazeptiven Steroiden mit systemischer Wirkung beeinflusst (siehe Abschnitt 4.5).
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Maribavir/Metabolite in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für dasgestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen soll während der Behandlung mit
LIVTENCITY unterbrochen werden.
FertilitätEs wurden keine Fertilitätsstudien mit LIVTENCITY am Menschen durchgeführt. Bei Ratten wurdenin einer kombinierten Studie zur Fertilität und embryofetalen Entwicklung keine Auswirkungen aufdie Fertilität oder Reproduktionsleistung festgestellt. Allerdings wurde bei Dosen ≥ 100 mg/kg/Tag(was schätzungsweise weniger als der humanen Exposition bei der empfohlenen humanen Dosis[recommended human dose, RHD] entspricht) eine Verringerung der Lineargeschwindigkeit der
Spermien beobachtet. In präklinischen Studien an Ratten und Affen wurden keine Auswirkungen aufdie Reproduktionsorgane bei männlichen oder weiblichen Tieren festgestellt (siehe Abschnitt 5.3).
LIVTENCITY hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen.Angaben zu Nebenwirkungen wurden während der Behandlungsphase und der Follow-up-Phase der
Phase-3-Studie bis Studienwoche 20 erhoben (siehe Abschnitt 5.1). Die mittlere Exposition gegenüber
LIVTENCITY betrug 48,6 Tage (Standardabweichung [SD] 13,82 Tage) mit einer maximalen
Behandlungsdauer von 60 Tagen. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen, die bei mindestens10 % der Teilnehmenden in der LIVTENCITY-Gruppe auftraten, waren: Geschmacksstörung (46 %),
Übelkeit (21 %), Diarrhö (19 %), Erbrechen (14 %) und Ermüdung (12 %). Die am häufigstenberichteten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Diarrhö (2 %) sowie Übelkeit,
Gewichtsabnahme, Ermüdung, erhöhte Wirkstoffkonzentration des Immunsuppressivums und
Erbrechen (alle bei < 1 %).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen sind im Folgenden nach Systemorganklasse und Häufigkeit aufgeführt. Die
Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, <1/10), gelegentlich(≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000) oder sehr selten (< 1/10 000).
Tabelle 2: Unter LIVTENCITY beschriebene Nebenwirkungen
Systemorganklasse Häufigkeit Nebenwirkungen
Erkrankungen des Nervensystems Sehr häufig Geschmacksstörung*
Häufig Kopfschmerz
Erkrankungen des Sehr häufig Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen
Gastrointestinaltrakts Häufig Schmerzen im Oberbauch
Allgemeine Erkrankungen und Sehr häufig Müdigkeit
Beschwerden am Verabreichungsort Häufig Appetitminderung
Untersuchungen Häufig Arzneimittelkonzentration des
Immunsuppressivums erhöht*,
Gewichtsabnahme
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen*
GeschmacksstörungenGeschmacksstörungen (Ageusie, Dysgeusie, Hypogeusie, Geschmacksstörung) traten bei 46 % der mit
LIVTENCITY behandelten Patientinnen und Patienten auf. Diese Ereignisse führten in seltenen Fällenzum Abbruch der Behandlung mit LIVTENCITY (0,9 %) und klangen bei den meisten Patientinnenund Patienten während der Fortsetzung der Therapie (37 %) oder innerhalb eines Medians von7 Tagen (Kaplan-Meier-Schätzung, 95 %-KI: 4-8 Tage) nach dem Absetzen der Therapie ab.
Anstieg der Plasmaspiegel von ImmunsuppressivaEine erhöhte Arzneimittelkonzentration des Immunsuppressivums trat bei 9 % der mit LIVTENCITYbehandelten Patientinnen und Patienten auf. LIVTENCITY hat das Potenzial, die
Arzneimittelkonzentration von Immunsuppressiva zu erhöhen, die Cytochrom-CYP3A- und/oder
P-gp-Substrate mit geringer therapeutischer Breite sind (einschließlich Tacrolimus, Cyclosporin,
Sirolimus und Everolimus). (Siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und 5.2.)
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
In Studie 303 erhielt 1 der mit LIVTENCITY behandelten Teilnehmenden an Tag 13 versehentlicheine Überdosis in Form einer zusätzlichen Einzeldosis (d. h. eine Tagesdosis von insgesamt1 200 mg). Nebenwirkungen wurden nicht gemeldet.
In Studie 202 erhielten 40 Teilnehmende Dosen von 800 mg zweimal täglich und 40 Teilnehmende
Dosen von 1200 mg zweimal täglich für eine mittlere Dauer von etwa 90 Tagen. In Studie 203erhielten 40 Teilnehmende Dosen von 800 mg zweimal täglich und 39 Teilnehmende Dosen von1200 mg zweimal täglich für eine Dauer von maximal 177 Tagen. Es wurden keine nennenswerten
Unterschiede im Sicherheitsprofil in einer der Studien im Vergleich zur Gruppe mit 400 mg zweimaltäglich in Studie 303 festgestellt, in der die Teilnehmenden maximal 60 Tage lang Maribavir erhielten.
Es ist kein spezifisches Antidot für Maribavir bekannt. Im Falle einer Überdosierung wird empfohlen,die Patientin oder den Patienten auf Nebenwirkungen hin zu überwachen und eine geeignetesymptomatische Behandlung einzuleiten. Aufgrund der hohen Plasmaproteinbindung von Maribavirist es unwahrscheinlich, dass eine Dialyse zu einer nennenswerten Verringerung der
Plasmakonzentration von Maribavir führen wird.
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung, direkt wirkende
Antiinfektiva, ATC-Code: J05AX10.
WirkmechanismusMaribavir ist ein kompetitiver Inhibitor der UL97-Proteinkinase. Die UL97-Inhibition erfolgt währendder Replikationsphase der Virus-DNA. Dabei wird die UL97 Serin-/Threoninkinase mittelskompetitiver Inhibition der Bindung von ATP an die ATP-Bindungsstelle der Kinase gehemmt, ohnedass der Reifungsprozess der Concatemere beeinträchtigt wird. Durch Beseitigung der
Phosphotransferase werden Replikation und Reifung, Enkapsidierung und Kernausschleusung der
CMV-DNA inhibiert.
Antivirale AktivitätMaribavir hemmte die Replikation von humanem CMV im Virusausbeute-, DNA-Hybridisierungs-und Plaquereduktionstest in den Zelllinien MRC-5 (menschliche Lungenfibroblastenzellen), HEK(menschliche embryonale Nierenzellen) und MRHF (menschliche Vorhautfibroblasten). Die EC50-
Werte lagen zwischen 0,03 und 2,2 µm, je nach Zelllinie und Endpunkt des jeweiligen Testverfahrens.
Die antivirale Aktivität von Maribavir in der Zellkultur wurde auch bei klinischen CMV-Isolatenuntersucht. Die medianen EC50-Werte lagen im DNA-Hybridisierungs- bzw. Plaquereduktionstest beijeweils 0,1 μm (n = 10, Spanne 0,03-0,13 μm) bzw. 0,28 μm (n = 10, Spanne 0,12-0,56 μm). Eswurde kein signifikanter Unterschied zwischen den EC50-Werten der vier Glykoprotein-B-Genotypendes humanen CMV (N = 2, 1, 4 bzw. 1 für gB1, gB2, gB3 bzw. gB4) festgestellt.
Antivirale Aktivität in Kombination mit anderen WirkstoffenBei In-vitro-Kombinationstests von Maribavir mit anderen antiviralen Wirkstoffen wurde eine starkantagonistische Wirkung mit Ganciclovir nachgewiesen.
In Kombination mit Cidofovir, Foscarnet und Letermovir wurde keine antagonistische Wirkungfestgestellt.
Virale ResistenzMaribavir wirkt sich nicht auf die UL54-kodierte DNA-Polymerase aus, die bei bestimmten
Mutationen zu einer Resistenz gegen Ganciclovir/Valganciclovir, Foscarnet und/oder Cidofovir führt.
Mutationen, die zu einer Resistenz gegen Maribavir führen, wurden auf dem UL97-Gen identifiziert:
L337M, F342Y, V353A, V356G, L397R, T409M, H411L/N/Y, D456N, V466G C480F, P521L und
Y617del. Diese Mutationen führen zu einer Resistenz mit einem 3,5- bis > 200-fachen Anstieg der
EC50-Werte. UL27-Genvarianten (R233S, W362R, W153R, L193F, A269T, V353E, L426F, E22stop,
W362stop, 218delC und 301311del) führten nur zu einer leichten Resistenz gegenüber Maribavir (< 5-facher Anstieg der EC50-Werte), während L335P zu einer starken Resistenz gegenüber Maribavirführte.
In klinischen StudienIn den Phase-2-Studien 202 und 203 wurde Maribavir bei 279 HSCT- oder SOT-Empfängernuntersucht. Genotypisierungsdaten von pUL97 nach der Behandlung von 23 von 29 Patientinnen und
Patienten, die zunächst eine Virämie-Freiheit erreicht hatten und später unter der Maribavir-Therapieein Rezidiv der CMV-Infektion erlitten, zeigten bei 17 Patientinnen und Patienten die Mutationen
T409M oder H411Y und bei 6 Patientinnen und Patienten die Mutation C480F. Von 25 Patientinnenund Patienten, die nicht auf eine > 14 tägige Maribavir-Therapie ansprachen, wiesen 9 die Mutationen
T409M oder H411Y und 5 die Mutation C480F auf. Eine zusätzliche Genotypisierung von pUL27wurde bei 39 Patientinnen und Patienten in Studie 202 und 43 Patientinnen und Patienten in
Studie 203 durchgeführt. Die einzige mit einer Resistenz in Verbindung gebrachte
Aminosäuresubstitution in pUL27, die bei Studienbeginn nicht festgestellt wurde, war G344D.
Phänotypische Analysen rekombinanter pUL27 und pUL97 zeigten eine jeweils 78-fache, 15-fachebzw. 224-fache Erhöhung der EC50 von Maribavir im Vergleich zum Wildtyp-Stamm bei pUL97-
Mutationen T409M, H411Y und C480F. Bei pUL27-Mutation G344D war jedoch kein Unterschieddes EC50-Werts von Maribavir im Vergleich zum Wildtyp-Stamm nachweisbar.
In der Phase-3-Studie 303 zur Untersuchung von Maribavir bei Patientinnen und Patienten mitphänotypischer Resistenz gegenüber Valganciclovir/Ganciclovir wurde eine DNA-Sequenzanalyse dervollständigen kodierenden Regionen von pUL97 und pUL27 anhand von 134 gepaarten Sequenzenaus mit Maribavir behandelten Patientinnen und Patienten durchgeführt. Die behandlungsbedingtenpUL97-Substitutionen F342Y (4,5-Fach), T409M (78-Fach), H411L/N/Y (69-, 9- bzw. 12-Fach)und/oder C480F (224-Fach) wurden bei 60 Teilnehmenden nachgewiesen und waren mit einem
Nichtansprechen assoziiert (47 Teilnehmende waren Behandlungsversager und 13 Teilnehmendehatten ein Rezidiv). Ein/e Teilnehmende/r mit pUL27-L193F-Substitution (2,6-fach verringerte
Empfindlichkeit gegenüber Maribavir) zu Beginn der Studie erreichte nicht den primären Endpunktder Studie. Darüber hinaus waren die folgenden multiplen Mutationen mit einem Nichtansprechen aufdie Behandlung assoziiert: F342Y+T409M+H411N (78-Fach), C480F+H411L+H411Y (224-Fach),
F342Y+H411Y (56-Fach), T409M+C480F (224-Fach) und H411Y+C480F (224-Fach).
KreuzresistenzIn Zellkulturen und klinischen Studien wurde eine Kreuzresistenz zwischen Maribavir und
Ganciclovir/Valganciclovir (vGCV/GCV) beobachtet. In der Phase-3-Studie 303 kam es bei insgesamt44 Patienten im Maribavir-Arm zu einer behandlungsbedingten Resistenz-assoziierten Substitution(RAS) nach einer von der Prüfärztin/vom Prüfarzt verordneten Therapie (investigator assigned anti-
CMV treatment, IAT). Von diesen hatten 24 behandlungsbedingte C480F- oder F342Y-RAS. Beidesind kreuzresistent gegenüber sowohl Ganciclovir/Valganciclovir als auch Maribavir. Von diesen24 Patienten erreichte 1 (4 %) den primären Endpunkt. Insgesamt erreichten nur acht dieser44 Patienten den primären Endpunkt.
pUL97-Substitutionen, die mit einer vGCV/GCV-Resistenz in Verbindung gebracht werden, sind
F342S/Y, K355del, V356G, D456N, V466G, C480R, P521L und Y617del. Diese verringern die
Empfindlichkeit gegenüber Maribavir um das > 4,5-Fache. Andere Arten von vGCV/GCV-
Resistenzen wurden nicht auf eine Kreuzresistenz gegenüber Maribavir untersucht. pUL54-DNA-
Polymerase-Substitutionen, die zu einer Resistenz gegenüber vGCV/GCV, Cidofovir oder Foscarnetführen, waren weiterhin empfindlich gegenüber Maribavir.
Bei den Substitutionen pUL97 F342Y und C480F handelt es sich um Resistenz-assoziierte
Substitutionen durch die Behandlung mit Maribavir, die zu einer > 1,5-fach verringerten
Empfindlichkeit gegenüber vGCV/GCV führen. Diese wird mit einer phänotypischen Resistenz gegenvGCV/GCV in Verbindung gebracht. Die klinische Bedeutung dieser Kreuzresistenz gegenübervGCV/GCV für die genannten Substitutionen ist nicht bekannt. Das Maribavir-resistente Virus bliebgegenüber Cidofovir und Foscarnet empfindlich. Darüber hinaus liegen keine Berichte über pUL27-
Substitutionen vor, die mit einer Maribavir-Resistenz in Verbindung gebracht werden und auf eine
Kreuzresistenz gegenüber vGCV/GCV, Cidofovir oder Foscarnet untersucht werden. In Anbetrachtdes Fehlens Resistenz-assoziierter pUL27-Substitutionen in diesen Arzneimitteln ist eine
Kreuzresistenz für pUL27-Maribavir-Substitutionen nicht zu erwarten.
Klinische WirksamkeitIn einer multizentrischen, randomisierten, aktiv kontrollierten Open Label-Überlegenheitsstudie der
Phase 3 (Studie SHP620-303) wurden die Wirksamkeit und Sicherheit einer LIVTENCITY-Therapieim Vergleich zu einer von der Prüfärztin/vom Prüfarzt verordneten Therapie (IAT) bei 352 HSCT-und SOT-Empfängerinnen und -Empfängern mit CMV-Infektionen bewertet, die auf eine Behandlungmit Ganciclovir, Valganciclovir, Foscarnet oder Cidofovir nicht angesprochen hatten, einschließlich
CMV-Infektionen mit oder ohne bestätigte Resistenz gegen 1 oder mehrere anti-CMV-Wirkstoffe.
Eine refraktäre CMV-Infektion wurde definiert als dokumentiertes Ausbleiben einer Verringerung der
CMV-DNA-Konzentration im Vollblut oder Plasma um > 1 log10 nach mindestens 14-tägiger
Behandlung mit intravenösem Ganciclovir/peroralem Valganciclovir, intravenösem Foscarnet oderintravenösem Cidofovir. Die Definition galt für die zum Untersuchungszeitpunkt bestehende CMV-
Infektion und das zuletzt angewendete Arzneimittel gegen CMV.
Die Patientinnen und Patienten wurden nach Art der Transplantation (HSCT oder SOT) und der CMV-
DNA-Konzentration beim Screening stratifiziert und im Verhältnis 2:1 für eine 8-wöchige
Behandlungsphase und eine 12-wöchige Nachbeobachtungsphase auf eine Behandlung mit
LIVTENCITY 400 mg zweimal täglich oder einer IAT (Ganciclovir, Valganciclovir, Foscarnet oder
Cidofovir) randomisiert.
Das mittlere Alter der Studienteilnehmenden betrug 53 Jahre. Die meisten Teilnehmer waren männlich(61 %), weiß (76 %), nicht hispanisch oder lateinamerikanisch (83 %) und gleichmäßig auf die beiden
Behandlungsarme verteilt. Die Krankheitsmerkmale zu Beginn der Studie sind in Tabelle 3zusammengefasst.
Tabelle 3: Zusammenfassung der Krankheitsmerkmale der Studienpopulation zu Beginn von
Studie 303
Merkmala IAT LIVTENCITY400 mg zweimaltäglich(N = 117) (N = 235)
IAT vor der Randomisierung, n (%)b
Ganciclovir/Valganciclovir 98 (84) 204 (87)
Foscarnet 18 (15) 27 (12)
Cidofovir 1 (1) 4 (2)
IAT nach der Randomisierung, n (%)
Foscarnet 47 (41) k. A.
Ganciclovir/Valganciclovir 56 (48) k. A.
Cidofovir 6 (5) k. A.
Foscarnet + Ganciclovir/Valganciclovir 7 (6) k. A.
Art der Transplantation, n (%)
HSCT 48 (41) 93 (40)
SOTc 69 (59) 142 (60)
Niered 32 (46) 74 (52)
Lunged 22 (32) 40 (28)
Herzd 9 (13) 14 (10)
Mehrere Organed 5 (7) 5 (4)
Leberd 1 (1) 6 (4)
Pankreasd 0 2 (1)
Darmd 0 1 (1)
Kategorie der CMV-DNA-Konzentration gemäß
Zentrallabor, n (%)ehoch 7 (6) 14 (6)mittel 25 (21) 68 (29)niedrig 85 (73) 153 (65)
Symptomatische CMV-Infektion zu Studienbeginnfnein 109 (93) 214 (91)jaf 8 (7) 21 (9)
CMV-Syndrom (nur SOT), n (%)d, f, g 7 (88) 10 (48)
Gewebeinvasive Erkrankung, n (%)f, d, g 1 (13) 12 (57)
CMV = Cytomegalievirus, DNA = Desoxyribonukleinsäure (deoxyribonucleic acid), HSCT = hämatopoetische
Stammzelltransplantation (hematopoietic stem cell transplant), IAT = von der Prüfärztin/vom Prüfarzt verordnete CMV-
Therapie (investigator assigned anti-CMV treatment), max = Maximum, min = Minimum, N = Anzahl Patientinnen und
Patienten, SOT = Transplantation solider Organe (solid organ transplant)a Definition des Ausgangswerts als letzter Wert am oder vor dem Datum der ersten Dosis der für die Studie zugeordneten
Therapie bzw. als Datum der Randomisierung bei Patientinnen und Patienten, die keine für die Studie zugeordnete Therapieerhielten.b Prozentsatz basierend auf der Anzahl der Teilnehmenden im randomisierten Datensatz innerhalb jeder Spalte; Bestätigungdes Eignungskriteriums in Bezug auf die refraktäre Infektion anhand des letzten angewendeten CMV-Wirkstoffs.c Letzte Transplantation.d Prozentsatz basierend auf der Anzahl an Patienten innerhalb der jeweiligen Kategorie.
e Definition der Viruslast für die Analyse anhand der qPCR-Ergebnisse des zentralen Speziallabors für CMV-DNA im
Plasma bei Studienbeginn als hoch (≥ 91.000 I.E./ml), mittel (≥ 9.100 und < 91.000 I.E./ml) und niedrig (< 9.100 I.E./ml).f Bestätigung durch den Ausschuss für die Endpunktbeurteilung (Endpoint Adjudication Committee, EAC).g Gleichzeitig bestehendes CMV-Syndrom und gewebeinvasive Erkrankung war möglich.
Primärer Wirksamkeitsendpunkt der Studie war eine bestätigte vollständige CMV-Virämie-Clearance(CMV-DNA-Konzentration im Plasma unterhalb der Nachweisgrenze [< LLOQ, lower limit ofquantification], d. h. < 137 I.E./ml) in Woche 8, unabhängig davon, ob eine der für die Studiezugewiesenen Therapien vor dem Ende der vorgesehenen 8 Behandlungswochen abgebrochen wurde.
Wichtigster sekundärer Endpunkt war die vollständige CMV-Virämie-Clearance und eine
Symptomkontrolle der CMV-Infektion in Woche 8 mit anhaltendem Behandlungseffekt bis
Studienwoche 16. Die Symptomkontrolle der CMV-Infektion war als Abheilung oder Verbesserungder gewebeinvasiven Erkrankung oder des CMV-Syndroms bei Patientinnen und Patienten mitbestehender Symptomatik bei Studienbeginn bzw. kein Auftreten neuer Symptome bei Patientinnenund Patienten, die bei Studienbeginn asymptomatisch waren, definiert.
In Bezug auf den primären Endpunkt war LIVTENCITY der IAT überlegen (56 % vs. 24 %,p < 0,001). In Bezug auf den wichtigsten sekundären Endpunkt erreichten 19 % der Patientinnen und
Patienten unter LIVTENCITY im Vergleich zu 10 % unter der IAT sowohl ein vollständiges Abheilender CMV-Virämie als auch eine Symptomkontrolle der CMV-Infektion (p = 0,013, siehe Tabelle 4).
Tabelle 4: Analyse des primären und des wichtigsten sekundären Endpunkts für die
Wirksamkeit (randomisierter Datensatz) in Studie 303
LIVTENCITY400 mg zweimal
IAT täglich(N = 117) (N = 235)n (%) n (%)
Primärer Endpunkt: Vollständiges Abheilen der CMV-Virämie in Woche 8
Gesamt
Responder 28 (24) 131 (56)
Bereinigte Differenz des Anteils an Respondern (95 %-KI)a 32,8 (22,8; 42,7)p-Wert: bereinigta < 0,001
Wichtigster sekundärer Endpunkt: Vollständiges Abheilen der CMV-Virämie und
Symptomkontrolle der CMV-Infektionb in Woche 8 mit Anhalten des Effekts bis Woche 16b
Gesamt
Responder 12 (10) 44 (19)
Bereinigte Differenz des Anteils an Respondern (95 %-KI)a 9,45 (2,0; 16,9)p-Wert: bereinigta 0,013
KI = Konfidenzintervall, CMV = Cytomegalievirus, HSCT = hämatopoetische Stammzelltransplantation (haematopoieticstem cell transplant), IAT = von der Prüfärztin/vom Prüfarzt verordnete CMV-Therapie (investigator assigned anti-CMVtreatment), N = Anzahl Patientinnen und Patienten, SOT = Transplantation solider Organe (solid organ transplant)a Für die Berechnung der bereinigten Differenz des Anteils an Respondern (Maribavir - IAT), des entsprechenden 95 %-KIund des p-Werts nach Bereinigung für die Art der Transplantation und den Ausgangswert für die CMV-DNA-Konzentrationim Plasma wurde ein Ansatz mit Bildung des gewichteten Durchschnitts gemäß Cochran-Mantel-Haenszel gewählt.b Die Kontrolle der Symptome der CMV-Infektion war als Abheilung oder Verbesserung der gewebeinvasiven Erkrankungoder des CMV-Syndroms bei Patientinnen und Patienten mit bestehender Symptomatik bei Studienbeginn bzw. kein
Auftreten neuer Symptome bei Patientinnen und Patienten, die bei Studienbeginn asymptomatisch waren, definiert.
Der Behandlungseffekt war je nach Art der Transplantation, Altersgruppe und Vorliegen eines
CMV-Syndroms/einer CMV-Erkrankung bei Studienbeginn gleichbleibend. LIVTENCITY warjedoch bei Teilnehmenden mit erhöhter CMV-DNA-Konzentration (≥ 50 000 I.E./ml) und
Patientinnen und Patienten mit fehlender genotypischer Resistenz weniger wirksam (siehe Tabelle 5).
Tabelle 5: Prozent Responder nach Untergruppen in Studie 303
IAT LIVTENCITY 400 mg(N = 117) zweimal täglich(N = 235)n/N % n/N %
Art der TransplantationSOT 18/69 26 79/142 56
HSCT 10/48 21 52/93 56
CMV-DNA-Viruslast bei Studienbeginn
Niedrig 21/85 25 95/153 62
Intermediär/hoch 7/32 22 36/82 44
Genotypische Resistenz gegenüber anderen CMV-Therapien
Ja 14/69 20 76/121 63
Nein 11/34 32 42/96 44
CMV-Syndrom/-Erkrankung bei Studienbeginn
Yes 1/8 13 10/21 48
No 27/109 25 121/214 57
Altersgruppe18 bis 44 Jahre 8/32 25 28/55 5145 bis 64 Jahre 19/69 28 71/126 56≥ 65 Jahre 1/16 6 32/54 59
CMV = Cytomegalievirus, DNA = Desoxyribonukleinsäure (deoxyribonucleic acid), HSCT = hämatopoetische
Stammzelltransplantation (haematopoietic stem cell transplant), SOT = Transplantation solider Organe (solid organtransplant)
RezidivDer sekundäre Endpunkt eines Rezidivs der CMV-Virämie wurde bei 57 % der Teilnehmenden in der
Maribavir-Gruppe und 34 % der Teilnehmenden in der IAT-Gruppe berichtet. Von diesen kam es bei18 % der Teilnehmenden in der Maribavir-Gruppe zu einem Rezidiv der CMV-Virämie während der
Behandlung, im Vergleich zu 12 % in der IAT-Gruppe. Ein Rezidiv der CMV-Virämie während der
Follow-up-Phase wurde bei 39 % der Teilnehmenden in der Maribavir-Gruppe und 22 % der
Teilnehmenden in der IAT-Gruppe beobachtet.
Gesamtmortalität: Die Mortalität jeglicher Ursache wurde für die gesamte Studiendauer beurteilt. Einvergleichbarer Prozentsatz von Teilnehmenden in den beiden Behandlungsgruppen verstarb währendder Studie (LIVTENCITY 11 % [27/235], IAT 11 % [13/117]).
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für LIVTENCITY eine Zurückstellung von der
Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen
Altersklassen in der Behandlung einer Cytomegalievirus-Infektion gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl.
Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
Die pharmakologische Aktivität von Maribavir wird auf das ursprüngliche Arzneimittel zurückgeführt.
Die Pharmakokinetik von Maribavir wurde nach peroraler Gabe an gesunde Teilnehmende und
Transplantationspatientinnen und -patienten charakterisiert. Die Maribavir-Exposition stieg in einerannähernd dosisproportionalen Weise an. Bei gesunden Teilnehmenden lagen die geometrischen
Mittelwerte im Steady-State der AUC0-t-, Cmax- und Ctrough-Werte nach einer Maribavir-Dosierung von400 mg zweimal täglich bei jeweils 101 µg*h/ml, 16,4 µg/ml und 2,89 µg/ml.
Die Maribavir-Exposition im Steady-State bei Transplantationsempfängerinnen und -empfängern nachzweimal täglicher peroraler Gabe von 400 mg basierend auf einer populationspharmakokinetischen
Analyse ist unten dargestellt. Der Steady-State wurde nach 2 Tagen erreicht, mit einem
Akkumulationsverhältnis von 1,47 für die AUC und 1,37 für die Cmax. Die intraindividuelle (< 22 %)und interindividuelle Variabilität (< 37 %) der PK-Parameter von Maribavir sind niedrig bismittelhoch.
Tabelle 6: Pharmakokinetische Eigenschaften von Maribavir bei
Transplantationsempfängerinnen und -empfängern basierend auf einerpopulationspharmakokinetischen Analyse
GM des Parameters (%VK) AUC0-tau Cmax Ctroughµg*h/ml µg/ml µg/ml
Maribavir 400 mg zweimal täglich 142 (48,5 %) 20,1 (35,5 %) 5,43 (85,9 %)
GM = geometrischer Mittelwert, %VK = geometrischer Variationskoeffizient
ResorptionMaribavir wurde rasch resorbiert mit einem Erreichen der maximalen Plasmakonzentration 1,0 bis3,0 Stunden nach der Dosierung. Die Exposition gegenüber Maribavir wird durch ein Zerdrücken der
Tablette, die Anwendung einer zerdrückten Tablette über eine nasogastrale (NG)/orogastrale Sondeoder die gleichzeitige Anwendung mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI), Histamin-H2-Rezeptor-
Antagonisten (H2-Blocker) oder Antazida nicht beeinflusst.
Einfluss von NahrungBei gesunden Teilnehmenden führte die Einnahme von 400 mg Maribavir als Einzeldosis mit einerfettreichen, kalorienreichen Mahlzeit zu keiner Veränderung der Gesamtexposition (AUC) und zueiner Verringerung der Cmax von Maribavir um 28 %, die nicht als klinisch relevant angesehen wurde.
VerteilungUnter Verwendung von populationsbasierten pharmakokinetischen Analysen wird das apparente
Verteilungsvolumen im Steady-State auf 24,9 l geschätzt.
In vitro werden im Konzentrationsbereich von 0,05-200 μg/ml 98,0 % des Maribavirs an menschliche
Plasmaproteine gebunden. Ex vivo entsprach die Proteinbindung von Maribavir (98,5 % - 99,0 %) denin vitro gemessenen Daten, wobei keine offensichtlichen Unterschiede zwischen gesunden
Teilnehmenden, Teilnehmenden mit (mittelschwerer) Leberfunktionsstörung oder (leichter,mittelschwerer oder schwerer) Nierenfunktionsstörungen, HIV-Patientinnen und -Patienten oder
Transplantationspatientinnen und -patienten beobachtet wurden.
Maribavir könnte beim Menschen die Blut-Hirn-Schranke passieren. Es wird jedoch eine niedrige
ZNS-Penetration im Vergleich zu den Plasmawerten erwartet (siehe Abschnitte 4.4 und 5.3).
In-vitro-Daten weisen darauf hin, dass Maribavir ein Substrat von P-Glykoprotein (P-gp), Breast
Cancer Resistance Protein (BCRP) und des organischen Kationentransporters 1 (organic cationtransporter 1, OCT1) ist. Veränderungen von Maribavir-Konzentrationen im Plasma aufgrund einer
Inhibition von P-gp/BCRP/OCT1 waren nicht klinisch relevant.
BiotransformationMaribavir wird vorwiegend über den Leberstoffwechsel durch CYP3A4 eliminiert (primärer
Stoffwechselweg, metabolisierter Anteil schätzungsweise mindestens 35 %). Einen sekundären Anteilhat CYP1A2 (metabolisierter Anteil schätzungsweise nicht mehr als 25 %). Der Hauptmetabolit von
Maribavir wird mittels N-Dealkylierung des Isopropylanteils gebildet und als pharmakologisch inaktivbetrachtet. Das Stoffwechselverhältnis für diesen Hauptmetaboliten im Plasma lag bei 0,15 zu 0,20.
Verschiedene UGT-Enzyme, namentlich UGT1A1, UGT1A3, UGT2B7 und möglicherweise
UGT1A9, sind an der Glucuronidierung von Maribavir beim Menschen beteiligt. Der Anteil der
Glucuronidierung an der Gesamt-Clearance von Maribavir ist gemäß In-vitro-Daten jedoch gering.
Basierend auf In-vitro-Studien wird der Metabolismus von Maribavir nicht über CYP2B6, CYP2C8,
CYP2C9, CYP2C19, CYP3A5, 1A4, UGT1A6, UGT1A10 oder UGT2B15 vermittelt.
EliminationDie Eliminationshalbwertszeit von Maribavir wird bei transplantierten Patientinnen und Patienten auf4,3 Stunden und die orale Clearance auf 2,67 l/h geschätzt. Nach Anwendung einer peroralen
Einzeldosis mit [14C]-Maribavir fanden sich etwa 61 % der Radioaktivität im Urin und etwa 14 % inden Fäzes wieder, hauptsächlich als Haupt- und inaktiver Metabolit. Die Ausscheidung vonunverändertem Maribavir mit dem Urin ist minimal.
Besondere PatientengruppenNach einer Einzeldosis mit 400 mg Maribavir wurden keine klinisch signifikanten Auswirkungeneiner leichten, mittelschweren oder schweren Nierenfunktionsstörung (gemessene Kreatinin-Clearancezwischen 12 und 70 ml/min) auf die PK-Parameter von Maribavir insgesamt festgestellt. Der
Unterschied zwischen den PK-Parametern bei Teilnehmenden mit leichter/mittelschwerer oderschwerer Nierenfunktionsstörung und Teilnehmenden mit normaler Nierenfunktion betrug < 9 %. Da
Maribavir in hohem Maße an Plasmaproteine gebunden wird, ist es unwahrscheinlich, dass es inentscheidender Weise durch eine Hämodialyse oder Peritonealdialyse entfernt wird.
LeberfunktionsstörungNach einer Einzeldosis mit 200 mg Maribavir wurden keine klinisch signifikanten Auswirkungeneiner mittelschweren Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse B, Wert von 7 bis 9) auf die PK-
Parameter von Maribavir insgesamt oder ungebundenem Maribavir festgestellt. Im Vergleich zu dengesunden Kontrollpersonen waren die AUC und Cmax bei Teilnehmenden mit mittelschwerer
Leberfunktionsstörung um jeweils 26 % bzw. 35 % höher. Es ist nicht bekannt, ob sich die Maribavir-
Exposition bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung erhöhen würde.
Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Ethnizität und GewichtBasierend auf populationsbasierten pharmakokinetischen Analysen hatten Alter (18-79 Jahre),
Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit (Kaukasier, Schwarze, Asiaten oder andere), Ethnizität(hispanisch/lateinamerikanisch oder nicht hispanisch/lateinamerikanisch) und Körpergewicht (36-141 kg) keinen klinisch signifikanten Einfluss auf die Pharmakokinetik von Maribavir.
Art der TransplantationDie Art der Transplantation (HSCT vs. SOT), die verschiedenen Arten einer SOT (Leber, Lunge,
Niere oder Herz) oder der Nachweis einer gastrointestinalen (GI) Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR)hatten keine klinisch signifikanten Auswirkungen auf die PK von Maribavir.
Bei Ratten und Affen wurde eine regenerative Anämie und eine Hyperplasie der Schleimhautzellen im
Verdauungstrakt, begleitend mit einer Dehydration, festgestellt, die klinisch mit weichem bisflüssigem Stuhl und Elektrolytveränderungen (nur bei Affen) einhergingen. Bei Affen konnte kein
NOAEL (no observed adverse effect level) festgelegt werden. Der Wert lag bei < 100 mg/kg/Tag, dasheißt bei etwa 0,25 der humanen Exposition bei der empfohlenen therapeutischen Dosis(recommended human dose, RHD). Bei Ratten lag der NOAEL bei 25 mg/kg/Tag. Dies entsprichteiner Exposition des 0,05- bzw. 0,1-Fachen der humanen Exposition bei der RHD bei jeweils Männernund Frauen.
In vitro wurde für Maribavir keine Phototoxizität nachgewiesen. Das Phototoxizitätspotential beim
Menschen wird somit als unwahrscheinlich betrachtet.
Maribavir wurde in geringer Konzentration im Plexus choroideus von Ratten sowie im Gehirn und
Liquor von Affen nachgewiesen (siehe Abschnitt 4.4 und 5.2).
Kanzerogenes PotenzialBei Ratten wurde bei einer Dosierung von bis zu 100 mg/kg/Tag kein kanzerogenes Potenzialnachgewiesen. Bei dieser Dosis entsprach die Exposition bei männlichen Tieren dem 0,2-Fachen undbei weiblichen Tieren dem 0,36-Fachen der humanen Exposition bei der RHD. Bei männlichen
Mäusen wurde bei einer Dosierung von 150 mg/kg/Tag eine nicht eindeutig nachgewiesene Erhöhungder Inzidenz von Hämangiomen, Hämangiosarkomen und kombinierten
Hämangiomen/Hämangiosarkomen in mehreren Geweben gezeigt. Die Relevanz dieser Befunde im
Hinblick auf eine Übertragung des Risikos auf den Menschen ist ungewiss, da bei weiblichen Mäusenoder Ratten nach 104-wöchiger Verabreichung keine Auswirkungen zu verzeichnen waren. Zudemwurde bei männlichen und weiblichen Mäusen nach 13-wöchiger Verabreichung keine neoplastischeproliferative Wirkung verzeichnet; die Untersuchungen auf Genotoxizität waren negativ und die
Verabreichungsdauer beim Menschen ist in der Regel deutlich kürzer. Bei der nächstniedrigeren Dosisvon 75 mg/kg/Tag, die in etwa der 0,35-fachen Exposition bei Männern und etwa der 0,25-fachen
Exposition bei Frauen bei der RHD entspricht, wurden keine kanzerogenen Befunde nachgewiesen.
MutageneseMaribavir war weder im bakteriellen Rückmutationstest mutagen, noch im Knochenmark-
Mikrokerntest klastogen. In Lymphomtests an Mäusen zeigte Maribavir bei fehlender
Stoffwechselaktivierung ein mutagenes Potenzial. Bei Stoffwechselaktivierung waren die Ergebnissejedoch nicht eindeutig. Insgesamt lässt die vorhandene Evidenz darauf schließen, dass Maribavir keingenotoxisches Potential aufweist.
ReproduktionIn kombinierten Studien zur Fertilität und embryofetalen Entwicklung bei Ratten zeigte Maribavirkeinen Einfluss auf die weibliche Fertilität. Bei männlichen Ratten wurde bei Dosierungen von≥ 100 mg/kg/Tag (was schätzungsweise weniger als der humanen Exposition bei der RHD entspricht)jedoch eine Verringerung der Lineargeschwindigkeit der Spermien beobachtet, die sich allerdingsnicht auf die männliche Fertilität auswirkte.
Prä- und postnatale EntwicklungIn einer kombinierten Studie zur Fertilität und embryofetalen Entwicklung bei Ratten war Maribavirnicht teratogen und wirkte sich bei Dosierungen von bis zu 400 mg/kg/Tag nicht auf das embryofetale
Wachstum oder die embryofetale Entwicklung aus. Bei allen untersuchten Maribavir-Dosen, die auchfür das Muttertier toxisch waren, wurde eine Verringerung der Anzahl lebensfähiger Feten aufgrundeiner Zunahme vorzeitiger Resorptionen und von Postimplantationsverlusten beobachtet. Dieniedrigste Dosis entsprach in etwa der Hälfte der humanen Exposition bei der RHD. In der Studie zurprä- und postnatalen Toxizität an Ratten wurden bei Maribavir-Dosen ≥ 150 mg/kg/Tag eine
Verringerung des Überlebens der Nachkommen aufgrund einer mangelhaften Versorgung durch die
Mutter und eine verringerte Körpergewichtszunahme in Verbindung mit einer Verzögerung der
Entwicklungsmeilensteine (Ablösung der Ohrmuschel, Augenöffnung und Vorhautlösung) beobachtet.
Bei 50 mg/kg/Tag war die postnatale Entwicklung nicht beeinträchtigt. Fertilität und Paarungsleistungder F1-Generation und deren Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Trächtigkeit und lebende
Nachkommen zu gebären wurden bis zu einer Dosis von 400 mg/kg/Tag nicht beeinträchtigt.
Bei Kaninchen war Maribavir bei Dosen bis 100 mg/kg/Tag (etwa dem 0,45-Fachen der humanen
Exposition bei der RHD) nicht teratogen.
Mikrokristalline Cellulose (E460(i))
Carboxymethylstärke-Natrium
Magnesiumstearat (E470b)
FilmüberzugPoly(vinylalkohol) (E1203)
Macrogol (Polyethylenglykol) (E1521)
Titandioxid (E171)
Talkum (E553b)
Brillantblau-FCF-Aluminiumlack (EU) (E133)
Nicht zutreffend.
36 Monate.
Nicht über 30 °C lagern.
Flaschen aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit kindersicherem Verschluss.
Packungsgrößen mit 28, 56 oder 112 (2 Flaschen mit je 56) Filmtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch
Block 2 Miesian Plaza50-58 Baggot Street Lower
Dublin 2
D02 HW68
Irland
E-Mail: medinfoEMEA@takeda.com
EU/1/22/1672/001
EU/1/22/1672/002
EU/1/22/1672/003
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 09. November 2022
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.