Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code:
L01EL01.
WirkmechanismusIbrutinib ist ein starker kleinmolekularer (small-molecule) Bruton-Tyrosinkinase-(BTK-)Inhibitor.
Ibrutinib bildet eine kovalente Bindung mit einem Cysteinrest (Cys-481) im aktiven Zentrum der
BTK, was zu einer anhaltenden Hemmung der enzymatischen Aktivität der BTK führt. BTK, ein
Mitglied der Familie der Tec-Kinasen, ist ein wichtiges Signalmolekül im Signalweg des B-Zell-
Antigen-Rezeptors (B‑cell antigen receptor, BCR) und des Zytokin-Rezeptors. Der BCR-Signalwegist an der Pathogenese verschiedener B-Zell-Malignome beteiligt, einschließlich MCL, diffusgroßzelligem B-Zell-Lymphom (diffuse large B‑cell lymphoma, DLBCL), follikulärem Lymphom und
CLL. Die entscheidende Rolle von BTK bei der Signalübertragung durch die B-Zell-
Oberflächenrezeptoren führt zur Aktivierung von Signalwegen, die für die Migration, die Chemotaxisund die Adhäsion von B-Zellen notwendig sind. Präklinische Studien haben gezeigt, dass Ibrutinib invivo die Proliferation und das Überleben maligner B-Zellen sowie in vitro die Migration und
Substratadhäsion der Zellen effektiv hemmt.
In präklinischen Tumormodellen führte die Kombination von Ibrutinib und Venetoclax zu einerverstärkten zellulären Apoptose und Anti-Tumor-Aktivität im Vergleich zu einem der beiden
Wirkstoffe allein. Die BTK-Hemmung durch Ibrutinib erhöht die Abhängigkeit der CLL-Zellen von
BCL-2, einem antiapoptotischen Protein, während Venetoclax BCL-2 hemmt, was zur Apoptose führt.
Lymphozytose
Nach Beginn der Behandlung wurde bei etwa drei Viertel der Patienten mit CLL, die mit
IMBRUVICA behandelt wurden, ein reversibler Anstieg der Lymphozytenzahlen (d. h. Anstieg um≥ 50 % gegenüber dem Ausgangswert und eine absolute Zahl von > 5 000/µl) beobachtet, der oft miteiner Reduktion der Lymphadenopathie einherging. Dieser Effekt wurde auch bei etwa einem Drittelder mit IMBRUVICA behandelten Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MCL festgestellt. Diebeobachtete Lymphozytose ist ein pharmakodynamischer Effekt und sollte beim Fehlen andererklinischer Befunde nicht als Anzeichen einer progressiven Erkrankung betrachtet werden. Bei beiden
Krankheitstypen tritt die Lymphozytose üblicherweise während des ersten Monats der Behandlung mit
IMBRUVICA auf und klingt bei Patienten mit MCL im Allgemeinen innerhalb von median8,0 Wochen und bei Patienten mit CLL innerhalb von median 14 Wochen wieder ab. Bei einigen
Patienten wurde ein starker Anstieg der Anzahl zirkulierender Lymphozyten (d. h. > 400 000/µl)beobachtet.
Bei Patienten mit MW, die mit IMBRUVICA behandelt wurden, wurde keine Lymphozytosebeobachtet.
Thrombozytenaggregation in vitro
In einer in vitro-Studie hat Ibrutinib eine Hemmung der kollageninduzierten
Thrombozytenaggregation gezeigt. Bei der Anwendung anderer Agonisten der
Thrombozytenaggregation zeigte Ibrutinib keine wesentliche Hemmung der
Thrombozytenaggregation.
Einfluss auf das QT/QTc-Intervall und die kardiale Elektrophysiologie
Der Einfluss von Ibrutinib auf das QTc-Intervall wurde bei 20 gesunden männlichen und weiblichen
Probanden in einer randomisierten, doppelblinden, gründlichen QT-Untersuchung mit Placebo undpositiven Kontrollen verglichen. In einer supratherapeutischen Dosis von 1 680 mg verlängerte
Ibrutinib das QTc-Intervall nicht in klinisch relevantem Ausmaß. Die größte obere Grenze deszweiseitigen 90 %-Konfidenzintervalls (Confidence Interval, CI) für die nach Ausgangswertadjustierten mittleren Unterschiede zwischen Ibrutinib und Placebo lag unter 10 ms. In derselben
Studie wurde eine konzentrationsabhängige Verkürzung des QTc-Intervalls (-5,3 ms [90 %
CI: -9,4, -1,1] bei einer Cmax von 719 ng/ml nach der supratherapeutischen Dosis von 1 680 mg)beobachtet.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitMCL
Die Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem
MCL wurden in einer einzelnen unverblindeten, multizentrischen Phase-II-Studie (PCYC-1104-CA)bei 111 Patienten untersucht. Das mediane Alter der Patienten betrug 68 Jahre (Bereich: 40 bis84 Jahre), 77 % waren Männer und 92 % Kaukasier. Patienten mit einem ECOG-Performance-Statusvon 3 oder höher wurden aus der Studie ausgeschlossen. Die mediane Zeit seit der Diagnosestellungbetrug 42 Monate und die mediane Zahl der Vorbehandlungen war 3 (Bereich: 1 bis 5 Behandlungen).
Darunter waren 35 % Patienten, die zuvor eine Hochdosis-Chemotherapie erhalten hatten, 43 %, die
Bortezomib und 24 %, die Lenalidomid erhalten hatten, sowie 11 %, bei denen eine autologe oderallogene Stammzelltransplantation durchgeführt worden war. Bei Studieneinschluss hatten 39 % der
Patienten einen Bulk-Tumor (≥ 5 cm), 49 % hatten im Simplified MCL International Prognostic Index(MIPI) einen Hochrisikoscore und 72 % eine fortgeschrittene Erkrankung (extranodale und/oder
Knochenmarkbeteiligung) beim Screening.
Alle Patienten erhielten 560 mg IMBRUVICA einmal täglich oral bis zur Krankheitsprogression oderbis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Das Tumoransprechen wurde gemäß denüberarbeiteten Kriterien der International Working Group (IWG) für Non-Hodgkin-Lymphome(NHL) beurteilt. Der primäre Endpunkt dieser Studie war die vom Prüfarzt beurteilte
Gesamtansprechrate (overall response rate, ORR). Das Ansprechen auf IMBRUVICA ist in Tabelle 2dargestellt.
Tabelle 2: ORR und DOR bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MCL (Studie
PCYC-1104-CA)
Gesamt
N = 111
ORR (%) 67,695 % CI (%) (58,0; 76,1)
CR (%) 20,7
PR (%) 46,8
Mediane DOR (CR+PR) (Monate) 17,5 (15,8; NR)
Mediane Zeit bis zum ersten Ansprechen, Monate (Bereich) 1,9 (1,4-13,7)
Mediane Zeit bis CR, Monate (Bereich) 5,5 (1,7-11,5)
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); CR = Komplettes Ansprechen (Complete Response);
DOR = Ansprechdauer (Duration of Response); ORR = Gesamtansprechrate (Overall Response Rate); PR = Partielles
Ansprechen (Partial Response); NR = nicht erreicht (Not Reached)
Die Wirksamkeitsdaten wurden von einem Ausschuss unabhängiger Gutachter (Independent Review
Committee (IRC)) weiter geprüft, der eine ORR von 69 % mit einer kompletten Ansprech-(CR)-Ratevon 21 % und einer partiellen Ansprech-(PR)-Rate von 48 % feststellte. Die vom IRC geschätztemediane DOR betrug 19,6 Monate.
Das Gesamtansprechen auf IMBRUVICA war unabhängig von der Vorbehandlung, einschließlich
Bortezomib und Lenalidomid, oder von zugrundeliegenden Risikofaktoren/prognostischen Faktoren,
Bulk-Tumor, Geschlecht oder Alter.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA wurden in einer randomisierten, unverblindeten,multizentrischen Phase-III-Studie (Studie MCL3001) bei 280 Patienten mit MCL untersucht, diemindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1randomisiert und erhielten entweder IMBRUVICA 560 mg oral einmal täglich über 21 Tage oder
Temsirolimus 175 mg intravenös an den Tagen 1, 8 und 15 des ersten Zyklus gefolgt von 75 mg anden Tagen 1, 8 und 15 eines jeden nachfolgenden 21-Tage Zyklus. Die Behandlung wurde in beiden
Armen bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgesetzt.
Das mediane Alter der Patienten betrug 68 Jahre (Bereich: 34 bis 88 Jahre), 74 % waren Männer und87 % Kaukasier. Die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug 43 Monate und die mediane Zahlder Vorbehandlungen war 2 (Bereich: 1 bis 9 Behandlungen). Darunter waren 51 % der Patienten, diezuvor eine Hochdosis-Chemotherapie erhielten, 18 % der Patienten erhielten zuvor Bortezomib, 5 %zuvor Lenalidomid und 24 % zuvor eine Stammzelltransplantation. Bei Studienbeginn hatten 53 % der
Patienten einen Bulk-Tumor (≥ 5 cm), 21 % hatten im Simplified MCL International Prognostic Index(MIPI) einen Hochrisikoscore, 60 % hatten einen Extranodalbefall und 54 % hatten eine
Knochenmarkbeteiligung beim Screening.
Das progressionsfreie Überleben (Progression‑free survival, PFS) wurde von einem IRC gemäß denüberarbeiteten Kriterien der International Working Group (IWG) für Non-Hodgkin-Lymphome(NHL) beurteilt. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit aus der Studie MCL3001 sind in Tabelle 3dargestellt. Die Kaplan-Meier-Kurve für das PFS wird in Abbildung 1 dargestellt.
Tabelle 3: Ergebnisse zur Wirksamkeit bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem
MCL (Studie MCL3001)
Endpunkt IMBRUVICA Temsirolimus
N = 139 N = 141
PFSa14,6 (10,4; nicht 6,2 (4,2; 7,9)
Medianes PFS (95 % CI),bestimmbar)(Monate)
HR = 0,43 [95 % CI: 0,32; 0,58]
ORR (%) 71,9 40,4p-Wert p < 0,0001
HR = Hazard Ratio; CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); ORR = Gesamtansprechrate (Overall Response Rate);
PFS = Progressionsfreies Überleben (Progression-free Survival)a IRC Auswertung.
Der Anteil der mit Ibrutinib behandelten Patienten, die eine klinisch relevante Verschlechterung ihrer
Lymphom-Symptome zeigten, war im Vergleich zu Temsirolimus geringer (27 % versus 52 %) unddie Zeit bis zur Verschlechterung der Symptome war mit Ibrutinib länger als mit Temsirolimus (HR0,27; p < 0,0001).
Abbildung 1: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT Population) in Studie MCL3001
CLL
Nicht vorbehandelte Patienten mit CLL
Einzelsubstanz
Es wurde eine multizentrische, randomisierte, unverblindete Phase-III-Studie (PCYC-1115-CA) mit
IMBRUVICA versus Chlorambucil bei Patienten von 65 Jahren oder älter mit nicht vorbehandelter
CLL durchgeführt. Bei Patienten zwischen 65 und 70 Jahren war mindestens eine Begleiterkrankungerforderlich, die eine Anwendung einer Erstlinien-Chemo-Immuntherapie mit Fludarabin,
Cyclophosphamid und Rituximab ausschloss. Die Patienten (n = 269) wurden im Verhältnis 1:1randomisiert und erhielten entweder IMBRUVICA 420 mg täglich bis zur Krankheitsprogression oderbis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität; oder sie erhielten Chlorambucil mit einer
Anfangsdosis von 0,5 mg/kg an den Tagen 1 und 15 eines jeden 28-Tage Zyklus über maximal12 Zyklen mit der Möglichkeit, Patienten-individuelle Dosissteigerungen abhängig von der
Verträglichkeit bis 0,8 mg/kg vorzunehmen. Nach bestätigter Krankheitsprogression konnten
Patienten aus der Chlorambucil-Gruppe zu Ibrutinib wechseln.
Das mediane Alter der Patienten betrug 73 Jahre (Bereich: 65 bis 90 Jahre), 63 % waren Männer und91 % Kaukasier. Einundneunzig Prozent der Patienten hatten bei Studienbeginn einen
ECOG-Performance-Status von 0 oder 1 und 9 % hatten einen ECOG-Performance-Status von 2. Die
Studie schloss 269 Patienten mit CLL ein. Bei Studienbeginn hatten 45 % der Patienten einfortgeschrittenes klinisches Stadium (Rai-Stadium III oder IV), 35 % der Patienten hatten mindestenseinen Tumor, der ≥ 5 cm groß war, 39 % hatten eine Anämie, 23 % hatten eine Thrombozytopenie,65 % hatten ein erhöhtes β2-Mikroglobulin > 3,5 mg/l, 47 % hatten eine CrCl < 60 ml/min, bei 20 %der Patienten lag eine 11q-Deletion vor, bei 6 % der Patienten lag eine 17p-Deletion/Tumorprotein 53(TP53)-Mutation vor und bei 44 % der Patienten lag eine unmutierte IGHV-Region (Immunoglobulin
Heavy Chain Variable) vor.
Im Hinblick auf das PFS, das von einem IRC nach den Kriterien des International Workshop on CLL(IWCLL) bestimmt wurde, zeigte sich im IMBRUVICA-Arm eine statistisch signifikante Reduktiondes Risikos für Tod oder Progression um 84 %. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit aus der Studie
PCYC-1115-CA sind in Tabelle 4 dargestellt. Die Kaplan-Meier-Kurven für PFS und OS werden in
Abbildungen 2 bzw. 3 dargestellt.
In der Intention to Treat (ITT)-Gruppe zeigte sich eine statistisch signifikant anhaltende Verbesserungder Thrombozyten oder der Hämoglobin-Werte zugunsten von Ibrutinib versus Chlorambucil. Bei
Patienten mit Zytopenien bei Studienbeginn zeigte sich diese anhaltende hämatologische
Verbesserung wie folgt: Thrombozyten 77,1 % versus 42,9 %; Hämoglobin 84,3 % versus 45,5 % für
Ibrutinib bzw. Chlorambucil.
Tabelle 4: Ergebnisse zur Wirksamkeit in Studie PCYC-1115-CA
Endpunkt IMBRUVICA Chlorambucil
N = 136 N = 133
PFSa
Anzahl der Ereignisse (%) 15 (11,0) 64 (48,1)
Median (95 % CI), Monate Nicht erreicht 18,9 (14,1; 22,0)
HR (95 % CI) 0,161 (0,091; 0,283)
ORRa (CR +PR) 82,4 % 35,3 %p-Wert < 0,0001
OSb
Anzahl der Todesfälle (%) 3 (2,2) 17 (12,8)
HR (95 % CI) 0,163 (0,048; 0,558)
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); HR = Hazard Ratio; CR = Komplettes Ansprechen (Complete Response);
ORR = Gesamtansprechrate (Overall Response Rate); OS = Gesamtüberleben (Overall Survival);
PFS = Progressionsfreies Überleben (Progression-free Survival); PR = Partielles Ansprechen (Partial Response)a IRC Auswertung, mediane Nachbeobachtung 18,4 Monate.b Medianes OS wurde in beiden Armen nicht erreicht. p < 0,005 für OS
Abbildung 2: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT Population) in Studie PCYC-1115-CA
Abbildung 3: Kaplan-Meier-Kurve des OS (ITT Population) in Studie PCYC-1115-CA48-monatige Nachbeobachtung
Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 48 Monaten in der Studie PCYC-1115-CA und derdazugehörigen Anschlussstudie wurde bei den Patienten im IMBRUVICA-Arm laut Beurteilung des
Prüfarztes eine 86 %ige Verringerung des Risikos für Tod oder Progression beobachtet. Das medianevom Prüfarzt beurteilte PFS wurde im IMBRUVICA-Arm nicht erreicht und betrug 15 Monate [95 %
CI (10,22; 19,35)] im Chlorambucil-Arm; (HR = 0,14 [95 % CI (0,09; 0,21)]). Das geschätzte4-Jahres-PFS betrug 73,9 % im IMBRUVICA-Arm und 15,5 % im Chlorambucil-Arm. Dieaktualisierte Kaplan-Meier-Kurve für das PFS ist in Abbildung 4 dargestellt. Die vom Prüfarztbeurteilte ORR betrug 91,2 % im IMBRUVICA-Arm versus 36,8 % im Chlorambucil-Arm. Die
CR-Rate gemäß IWCLL-Kriterien betrug 16,2 % im IMBRUVICA-Arm versus 3,0 % im
Chlorambucil-Arm. Zum Zeitpunkt der Langzeitnachbeobachtung erhielten insgesamt 73 Patienten(54,9 %), die ursprünglich für den Chlorambucil-Arm randomisiert worden waren, inzwischen
Ibrutinib als Cross-over-Behandlung. Die geschätzte Kaplan-Meier-Marke für das OS nach48 Monaten betrug 85,5 % im IMBRUVICA-Arm.
Der Behandlungseffekt von Ibrutinib in der Studie PCYC-1115-CA war bei Hochrisikopatienten mit17p-Deletion/TP53-Mutation, 11q-Deletion und/oder unmutiertem IGHV konsistent.
Abbildung 4: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie PCYC-1115-CA mit48 Monaten Nachbeobachtung
KombinationstherapieDie Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit nicht vorbehandelter CLL/nichtvorbehandeltem SLL wurden zudem in einer randomisierten, multizentrischen, unverblindeten
Phase-III-Studie (PCYC-1130-CA) zu IMBRUVICA in Kombination mit Obinutuzumab versus
Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab untersucht. In die Studie wurden Patienten im Altervon 65 Jahren oder älter oder < 65 Jahren mit Begleiterkrankungen, verringerter Nierenfunktion,gemessen als Kreatinin-Clearance von < 70 ml/min, oder dem Vorhandensein einer17p-Deletion/TP53-Mutation aufgenommen. Die Patienten (n = 229) wurden im Verhältnis 1:1randomisiert und erhielten entweder 420 mg IMBRUVICA täglich bis zur Krankheitsprogression oderbis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität oder Chlorambucil in einer Dosis von 0,5 mg/kg anden Tagen 1 und 15 jedes 28-tägigen Zyklus für 6 Zyklen. In beiden Armen erhielten die Patienten1 000 mg Obinutuzumab an den Tagen 1, 8 und 15 des ersten Zyklus, gefolgt von einer Behandlungam jeweils ersten Tag der 5 folgenden Zyklen (insgesamt 6 Zyklen mit je 28 Tagen). Die erste Dosis
Obinutuzumab wurde zwischen Tag 1 (100 mg) und Tag 2 (900 mg) aufgeteilt.
Das mediane Alter betrug 71 Jahre (Bereich: 40 bis 87 Jahre), 64 % waren Männer und 96 % waren
Kaukasier. Alle Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-Status von 0 (48 %)oder 1-2 (52 %). Zu Studienbeginn hatten 52 % ein fortgeschrittenes klinisches Stadium(Rai-Stadium III oder IV), 32 % der Patienten hatten einen Bulk-Tumor (≥ 5 cm), 44 % hatten Anämiezu Studienbeginn, 22 % hatten Thrombozytopenie zu Studienbeginn, 28 % hatten eine CrCl von< 60 ml/min und der mediane CIRS-G (Cumulative Illness Rating Score for Geriatrics) war 4(Bereich: 0 bis 12). Zu Studienbeginn lag bei 65 % der Patienten eine CLL/ein SLL mit
Hochrisikofaktoren (17p-Deletion/TP53-Mutation [18 %], 11q-Deletion [15 %] oder unmutiertes
IGHV [54 %]) vor.
Das PFS wurde von einem IRC gemäß IWCLL-Kriterien beurteilt und damit eine 77 %ige statistischsignifikante Verringerung des Risikos für Tod oder Progression im IMBRUVICA-Arm ermittelt. Beieiner medianen Nachbeobachtungszeit von 31 Monaten in der Studie wurde das mediane PFS im
IMBRUVICA+Obinutuzumab-Arm nicht erreicht; im Chlorambucil+Obinutuzumab-Arm betrug es19 Monate. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit aus der Studie PCYC-1130-CA sind in Tabelle 5 und die
Kaplan-Meier-Kurve für das PFS ist in Abbildung 5 dargestellt.
Tabelle 5: Ergebnisse zur Wirksamkeit aus Studie PCYC-1130-CA
IMBRUVICA+Obinutuzumab Chlorambucil+Obinutuzumab
Endpunkt N = 113 N = 116
Progressionsfreies Überlebena
Anzahl der Ereignisse (%) 24 (21,2) 74 (63,8)
Median (95 % CI), Monate Nicht erreicht 19,0 (15,1; 22,1)
HR (95 % CI) 0,23 (0,15; 0,37)
Gesamtansprechratea 88,5 73,3(%)
CRb 19,5 7,8
PRc 69,0 65,5
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); HR = Hazard Ratio; CR = Komplettes Ansprechen (Complete Response);
PR = Partielles Ansprechen (Partial Response)a IRC-Auswertung.b Beinhaltet einen (1) Patienten im IMBRUVICA+Obinutuzumab-Arm mit komplettem Ansprechen bei unvollständiger
Knochenmarkerholung (complete response with incomplete marrow recovery, CRi).c PR = PR+nPR.
Abbildung 5: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie PCYC-1130-CA
Der Behandlungseffekt mit Ibrutinib war bei den CLL/SLL-Hochrisikopopulationen(17p-Deletion/TP53-Mutation, 11q-Deletion oder unmutiertes IGHV) mit einem PFS HR von 0,15[95 % CI (0,09; 0,27)] konsistent, wie in Tabelle 6 dargestellt. Die geschätzten 2-Jahres-PFS-Raten fürdie CLL/SLL-Hochrisikopopulationen betrugen 78,8 % [95 % CI (67,3; 86,7)] im
IMBRUVICA+Obinutuzumab-Arm bzw. 15,5 % [95 % CI (8,1; 25,2)] im
Chlorambucil+Obinutuzumab-Arm.
Tabelle 6: Subgruppen-Analyse des PFS (Studie PCYC-1130-CA)
N Hazard Ratio 95 % CI
Alle Patienten 229 0,231 0,145; 0,367
Hochrisiko (17p-Del./TP53/11q-Del./unmutiertes IGHV)
Ja 148 0,154 0,087; 0,270
Nein 81 0,521 0,221; 1,23117p-Del./TP53
Ja 41 0,109 0,031; 0,380
Nein 188 0,275 0,166; 0,455
FISH17p-Deletion 32 0,141 0,039; 0,50611q-Deletion 35 0,131 0,030; 0,573
Andere 162 0,302 0,176; 0,520
Unmutiertes IGHV
Ja 123 0,150 0,084; 0,269
Nein 91 0,300 0,120; 0,749
Alter< 65 46 0,293 0,122; 0,705≥ 65 183 0,215 0,125; 0,372
Bulk-Tumor< 5 cm 154 0,289 0,161; 0,521≥ 5 cm 74 0,184 0,085; 0,398
Rai-Stadium0/I/II 110 0,221 0,115; 0,424
III/IV 119 0,246 0,127; 0,477
ECOG gemäß CRF0 110 0,226 0,110; 0,4641-2 119 0,239 0,130; 0,438
Die Hazard Ratio basiert auf einer nicht-stratifizierten Analyse.
CRF = Case Report Form (Dokumentationsbogen)
Infusionsbedingte Reaktionen aller Schweregrade wurden bei 25 % der mit
IMBRUVICA+Obinutuzumab behandelten Patienten und bei 58 % der mit
Chlorambucil+Obinutuzumab behandelten Patienten beobachtet. Infusionsbedingte Reaktionen Grad 3oder höher oder schwerwiegende infusionsbedingte Reaktionen wurden bei 3 % der mit
IMBRUVICA+Obinutuzumab behandelten Patienten und bei 9 % der mit
Chlorambucil+Obinutuzumab behandelten Patienten beobachtet.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit nicht vorbehandelter CLL odernicht vorbehandeltem SLL wurden in einer randomisierten, multizentrischen, offenen Phase-III-Studie(E1912) mit IMBRUVICA in Kombination mit Rituximab (IR) im Vergleich zur
Standardchemoimmuntherapie mit Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR) weiteruntersucht. In die Studie wurden nicht vorbehandelte Patienten mit CLL oder SLL aufgenommen, die70 Jahre oder jünger waren. Patienten mit einer 17p-Deletion wurden aus der Studie ausgeschlossen.
Die Patienten (n = 529) wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert und erhielten entweder IR oder FCR.
IMBRUVICA wurde in einer Dosis von 420 mg täglich angewendet bis zur Krankheitsprogressionoder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Fludarabin wurde in einer Dosis von 25 mg/m2angewendet, und Cyclophosphamid wurde in einer Dosis von 250 mg/m² angwendet, jeweils an den
Tagen 1, 2 und 3 der Zyklen 1-6. Rituximab wurde im Zyklus 2 im IR-Arm und im Zyklus 1 im
FCR-Arm angewendet und wurde am Tag 1 des ersten Zyklus in einer Dosis von 50 mg/m², am Tag 2des ersten Zyklus in einer Dosis von 325 mg/m² und am Tag 1 von 5 Tagen der nachfolgenden Zyklenin einer Dosis von 500 mg/m² angewendet. Insgesamt über 6 Zyklen lang. Jeder Zyklus dauerte28 Tage.
Das Medianalter betrug 58 Jahre (Bereich, 28 bis 70 Jahre), 67 % waren männlich und 90 % waren
Kaukasier. Alle Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-Status von 0 oder 1(98 %) oder 2 (2 %). Zu Studienbeginn hatten 43 % der Patienten ein Rai-Stadium III oder IV und bei59 % der Patienten lag ein CLL/SLL mit Hochrisikofaktoren (TP53-Mutation [6 %], 11q-Deletion[22 %] oder unmutiertes IGHV [53 %]) vor.
Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit der Studie von 37 Monaten sind die
Wirksamkeitsergebnisse für E1912 in Tabelle 7 dargestellt. Die Kaplan-Meier-Kurven für PFS gemäß
IWCLL-Kriterien und OS sind in den Abbildungen 6 und 7 dargestellt.
Tabelle 7: Ergebnisse zur Wirksamkeit aus Studie E1912
Ibrutinib+Rituximab Fludarabin,(IR) Cyclophosphamid und
Endpunkt
N = 354 Rituximab (FCR)
N = 175
Progressionsfreies Überleben
Anzahl der Ereignisse (%) 41 (12) 44 (25)
Krankheitsprogression 39 38
Todesfälle 2 6
Median (95 % CI), Monate NE (49,4; NE) NE (47,1; NE)
HR (95 % CI) 0,34 (0,22; 0,52)p-Werta < 0,0001
Gesamtüberleben
Anzahl der Todesfälle (%) 4 (1) 10 (6)
HR (95 % CI) 0,17 (0,05; 0,54)p-Werta 0,0007
Gesamtansprechrateb (%) 96,9 85,7a Der p-Wert basiert auf einem nicht-stratifizierten Log-Rank-Test.b Durch den Prüfarzt beurteilt.
HR = Hazard Ratio; NE = nicht auswertbar (Not Evaluable)
Abbildung 6: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie E1912
Der Behandlungseffekt von Ibrutinib war in der gesamten CLL/SLL-Hochrisikopopulation(TP53-Mutation, 11q-Deletion oder unmutiertes IGHV) konsistent mit einer PFS-HR von 0,23 [95 %
CI (0,13; 0,40)], p < 0,0001, wie in Tabelle 8 dargestellt. Die geschätzten 3-Jahres-PFS-Raten für die
CLL/SLL-Hochrisikopopulationen betrugen 90,4 % [95 % CI (85,4; 93,7)] und 60,3 % [95 % CI(46,2; 71,8)] im IR- bzw. im FCR-Arm.
Tabelle 8: Subgruppen-Analyse des PFS (Studie E1912)
N Hazard Ratio 95 % CI
Alle Patienten 529 0,340 0,222; 0,522
Hochrisiko (TP53/11q-Deletion/unmutiertes IGHV)
Ja 313 0,231 0,132; 0,404
Nein 216 0,568 0,292; 1,10511q-Deletion
Ja 117 0,199 0,088; 0,453
Nein 410 0,433 0,260; 0,722
Unmutiertes IGHV
Ja 281 0,233 0,129; 0,421
Nein 112 0,741 0.276, 1.993
Bulk-Tumor< 5 cm 316 0,393 0,217; 0,711≥ 5 cm 194 0,257 0,134; 0,494
Rai-Stadium0/I/II 301 0,398 0,224; 0,708
III/IV 228 0,281 0,148; 0,534
ECOG0 335 0,242 0,138; 0,4221-2 194 0,551 0,271; 1,118
Die Hazard Ratio basiert auf einer nicht-stratifizierten Analyse.
Abbildung 7: Kaplan-Meier-Kurve des OS (ITT Population) in Studie E1912
Zeitlich befristete Kombinationstherapie
In einer randomisierten, offenen Phase-III-Studie (CLL3011) wurden die Sicherheit und Wirksamkeiteiner zeitlich befristeten Therapie mit IMBRUVICA in Kombination mit Venetoclax im Vergleich zu
Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab bei Patienten mit bisher unbehandelter CLLuntersucht. An der Studie nahmen Patienten mit zuvor unbehandelter CLL im Alter von 65 Jahrenoder älter, sowie erwachsene Patienten < 65 Jahre mit einem CIRS-Score > 6 oder einer CrCL ≥ 30 bis< 70 ml/min teil. Patienten mit einer del 17p oder bekannten TP53-Mutation wurden ausgeschlossen.
Die Patienten (n = 211) wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder IMBRUVICAin Kombination mit Venetoclax oder Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab. Patienten im
Studienarm IMBRUVICA plus Venetoclax erhielten IMBRUVICA als Einzelwirkstoff für 3 Zyklen,gefolgt von IMBRUVICA in Kombination mit Venetoclax für 12 Zyklen (einschließlich eines5-wöchigen Schemas zur Dosistitrierung). Jeder Zyklus dauerte 28 Tage. IMBRUVICA wurde in einer
Dosis von 420 mg täglich verabreicht. Nach initialer Gabe von 3 Zyklen IMBRUVICA
Einleitungstherapie, wurde Venetoclax täglich verabreicht, beginnend mit 20 mg für eine Woche,gefolgt von jeweils einer Woche in den jeweiligen Dosierungen von 50 mg, 100 mg und 200 mg,anschließend in der empfohlenen Tagesdosis von 400 mg. Patienten, die in die Gruppe Chlorambucilplus Obinutuzumab randomisiert wurden, erhielten eine Behandlung über 6 Zyklen. Obinutuzumabwurde in Zyklus 1 an den Tagen 1, 8 und 15 in einer Dosis von 1 000 mg verabreicht. In den Zyklen 2bis 6 wurden 1 000 mg Obinutuzumab an Tag 1 verabreicht. Chlorambucil wurde in einer Dosis von0,5 mg/kg Körpergewicht an den Tagen 1 und 15 der Zyklen 1 bis 6 verabreicht. Patienten, bei denennach Abschluss einer der beiden Therapien mit fester Behandlungsdauer eine Progression nach
IWCLL-Kriterien bestätigt wurde, konnten mit IMBRUVICA als Einzelwirkstoff behandelt werden.
Das mediane Alter betrug 71 Jahre (Bereich: 47 bis 93 Jahre), 58 % waren männlich und 96 % waren
Kaukasier. Alle Patienten hatten zu Beginn der Studie einen ECOG-Performance-Status von 0 (35 %),1 (53 %) oder 2 (12 %). Zu Studienbeginn wiesen 18 % der Patienten eine CLL mit del 11q und 52 %einen unmutierten IGHV-Status auf.
Bei der Beurteilung des Risikos eines TLS zu Studienbeginn wiesen 25 % der Patienten eine hohe
Tumorlast auf. Nach 3 Zyklen der Einleitungstherapie mit IMBRUVICA hatten 2 % der Patienten einehohe Tumorlast. Hohe Tumorlast wurde definiert als jeder Lymphknoten ≥ 10 cm oder jeder
Lymphknoten ≥ 5 cm und eine absolute Lymphozytenzahl ≥ 25x109/l.
Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 28 Monaten sind die Wirksamkeitsergebnisse der
Studie CLL3011, die von einem IRC gemäß der IWCLL-Kriterien bewertet wurden, in Tabelle 9, die
Kaplan-Meier-Kurve für das PFS in Abbildung 8 und die MRD-Negativitätsraten in Tabelle 10dargestellt.
Tabelle 9: Ergebnisse zur Wirksamkeit der Studie CLL3011
Endpunkta IMBRUVICA + Venetoclax Chlorambucil +
N = 106 Obinutuzumab
N = 105
Progressionsfreies Überleben
Anzahl der Ereignisse (%) 22 (20,8) 67 (63,8)
Median (95 % CI), Monate NE (31,2; NE) 21,0 (16,6; 24,7)
HR (95 % CI) 0,22 (0,13; 0,36)p-Wertb < 0,0001
Rate des kompletten38,7 11,4
Ansprechens (CRR) (%)c95 % CI (29,4; 48,0) (5,3; 17,5)p-Wertd < 0,0001
Gesamtansprechrate (ORR)e 86,8 84,8(%)95 % CI (80,3; 93,2) (77,9; 91,6)a Basiert auf der IRC-Bewertungb p-Wert stammt aus dem stratifzierten log-Rank Testc Beinhaltet 3 Patienten im IMBRUVICA + Venetoclax-Arm mit komplettem Ansprechen bei unvollständiger
Knochenmarkerholung (complete response with incomplete marrow recovery, CRi)d p-Wert ist vom Cochran-Mantel-Haenszel chi-square Teste Gesamtansprechen = CR+CRi+nPR+PR
CR = komplettes Ansprechen; CRi = komplettes Ansprechen bei unvollständiger Knochenmarkerholung; HR = Hazard
Ratio; NE = nicht auswertbar (Not Evaluable); nPR = noduläres partielles Ansprechen; PR = Partielles Ansprechen
Abbildung 8: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT Population) bei Patienten mit CLL in
Studie CLL3011
Der Behandlungseffekt von IMBRUVICA plus Venetoclax war in der Hochrisiko-CLL-Population(TP53-Mutation, del 11q oder unmutiertem IGHV-Status) mit einem PFS-HR von 0,23 [95 % CI(0,13; 0,41)] konsistent.
Die Daten zum Gesamtüberleben waren nicht ausgereift. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeitvon 28 Monaten gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen mitinsgesamt 23 Todesfällen: 11 (10,4 %) im IMBRUVICA plus Venetoclax-Arm und 12 (11,4 %) im
Chlorambucil plus Obinutuzumab-Arm mit einem OS-HR von 1,048 [95 % CI (0,454; 2,419)]. Nach6 Monaten zusätzlicher Nachbeobachtung wurden 11 (10,4 %) bzw. 16 (15,2 %) Todesfälle im
IMBRUVICA-plus-Venetoclax-Arm bzw. dem Chlorambucil-plus-Obinutuzumab-Arm mit einemgeschätzten OS-HR von 0,760 [95 % CI (0,352; 1,642]) berichtet.
Tabelle 10: MRD-Negativitätsrate der Studie CLL3011
NGS Assaya Durchflusszytometrieb
IMBRUVICA + Chlorambucil + IMBRUVICA + Chlorambucil +
Venetoclax Obinutuzumab Venetoclax Obinutuzumab
N = 106 N = 105 N = 106 N = 105
MRD-Negativitätsrate
Knochenmark, n (%) 59 (55,7) 22 (21,0) 72 (67,9) 24 (22,9)95 % CI (46,2; 65,1) (13,2; 28,7) (59,0; 76,8) (14,8; 30,9)p-Wert < 0,0001
NGS Assaya Durchflusszytometrieb
IMBRUVICA + Chlorambucil + IMBRUVICA + Chlorambucil +
Venetoclax Obinutuzumab Venetoclax Obinutuzumab
N = 106 N = 105 N = 106 N = 105
Peripheres Blut,63 (59,4) 42 (40,0) 85 (80,2) 49 (46,7)n (%)95 % CI (50,1; 68,8) (30,6; 49,4) (72,6; 87,8) (37,1; 56,2)
MRD-Negativitätsrate 3 Monate nach Behandlungsende
Knochenmark, n (%) 55 (51,9) 18 (17,1) 60 (56,6) 17 (16,2)95 % CI (42,4; 61,4) (9,9; 24,4) (47,2; 66,0) (9,1; 23,2)
Peripheres Blut,58 (54,7) 41 (39,0) 65 (61,3) 43 (41,0)n (%)95 % CI (45,2; 64,2) (29,7; 48,4) (52,0; 70,6) (31,5; 50,4)p-Werte sind vom Cochran-Mantel-Haenszel chi-square Test. p-Wert für die Negativitätsrate des Knochemarks mittels
NGS war die primäre MRD Analyse.a Basiert auf einem Schwellenwert von 10-4 unter Verwendung des next generation Sequenzierungstests (clonoSEQ)b MRD wurde mittels Durchflusszytometrie von peripherem Blut oder Knochenmark durch ein Zentrallabor analysiert.
Die Definition für einen negativen Status war < 1 CLL-Zelle pro 10 000 Leukozyten (< 1×104).
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); NGS = next-generation Sequenzierung
Zwölf Monate nach Abschluss der Behandlung lag die MRD-Negativitätsrate im peripheren Blut bei49,1 % (52/106) mittels NGS Assay und 54,7 % (58/106) mittels Durchflusszytometrie bei Patienten,die mit IMBRUVICA plus Venetoclax behandelt wurden, und zum gleichen Zeitpunkt bei 12,4 %(13/105) mittels NGS Assay und 16,2 % (17/105) mittels Durchflusszytometrie bei Patienten, die mit
Chlorambucil plus Obinutuzumab behandelt wurden.
Bei 6 Patienten, die mit Chlorambucil plus Obinutuzumab behandelt wurden, wurde über TLSberichtet, bei IMBRUVICA in Kombination mit Venetoclax wurde kein TLS gemeldet.
Gesamtnachbeobachtungszeit von 58 Monaten (Median von 52 Monaten)
Bei einer Gesamtnachbeobachtungszeit von 58 Monaten (mediane Nachbeobachtungszeit in der Studievon 52 Monaten) wurde in der Studie CLL3011 bei den Patienten im IMBRUVICA-Arm eine 77 %ige
Verringerung des Risikos für Tod oder Progression der Erkrankung nach Einschätzung des Prüfarztesbeobachtet. Die Hazard Ratio für das Gesamtüberleben betrug 0,458 [95 % CI (0,257, 0,818), nominalp = 0,0068, nicht Fehler 1. Art kontrolliert]. Im IMBRUVICA plus Venetoclax-Arm gab es 17(16,0 %) Todesfälle, im Chlorambucil plus Obinutuzumab-Arm 36 (34,3 %). Die mediane Zeit bis zurnächsten Behandlung wurde in beiden Armen nicht erreicht (HR = 0,164; 95 % CI: 0,081, 0,330),wobei 9,4 % der Patienten im IMBRUVICA plus Venetoclax-Arm und 41,0 % der Patienten im
Chlorambucil plus Obinutuzumab-Arm eine nachfolgende Krebstherapie begonnen hatten.
Die Kaplan-Meier-Kurve für das OS ist in Abbildung 9 dargestellt.
Abbildung 9: Kaplan-Meier-Kurve des Gesamtüberlebens (ITT-Population) bei Patientenmit CLL/SLL in Studie CLL3011 mit 58 Monaten Nachbeobachtung
Die Sicherheit und Wirksamkeit einer zeitlich begrenzten Therapie mit IMBRUVICA in Kombinationmit Venetoclax bei Patienten mit zuvor unbehandelter CLL wurde in einer Kohorte dermultizentrischen, zwei-Kohorten Phase-II-Studie (PCYC-1142-CA) weiter untersucht. An der Studienahmen zuvor unbehandelte CLL-Patienten teil, die 70 Jahre oder jünger waren. In die Studie wurden323 Patienten aufgenommen, von denen 159 Patienten eine zeitlich begrenzte Therapie erhielten,bestehend aus 3 Zyklen IMBRUVICA als Monotherapie, gefolgt von IMBRUVICA in Kombinationmit Venetoclax für 12 Zyklen (einschließlich eines 5-wöchigen Schemas zur Dosistitrierung). Jeder
Zyklus dauerte 28 Tage. IMBRUVICA wurde in einer Dosis von 420 mg täglich verabreicht. Nachinitialer Gabe von 3 Zyklen IMBRUVICA Einleitungstherapie, wurde Venetoclax täglich verabreicht,beginnend mit 20 mg für eine Woche, gefolgt von jeweils einer Woche in den jeweiligen Dosierungenvon 50 mg, 100 mg und 200 mg, dann in der empfohlenen Tagesdosis von 400 mg. Patienten, beidenen die IWCLL-Kriterien eine Progression der Erkrankung bestätigten, konnten nach Abschluss derzeitlich begrenzten Therapie mit IMBRUVICA als Monotherapie weiterbehandelt werden.
Das mediane Alter betrug 60 Jahre (Bereich: 33 bis 71 Jahre), 67 % der Patienten waren männlich und92 % waren Kaukasier. Alle Patienten hatten zu Beginn der Studie einen ECOG-Performance-Statusvon 0 (69 %) oder 1 (31 %). Zu Beginn der Studie hatten 13 % der Patienten eine del 17p-Mutation,18 % eine del 11q-Mutation, 17 % eine del 17p/TP53-Mutation, 56 % einen unmutierten IGHV-Statusund 19 % einen komplexen Karyotyp. Bei der Beurteilung des Risikos eines Tumorlysesyndroms zu
Beginn der Behandlung wiesen 21 % der Patienten eine hohe Tumorlast auf.
Nach 3 Zyklen der Einleitungstherapie mit IMBRUVICA wiesen 1 % der Patienten eine hohe
Tumorlast auf. Hohe Tumorlast war definiert als jeder Lymphknoten ≥ 10 cm oder jeder Lymphknoten≥ 5 cm und absolute Lymphozytenzahl ≥ 25x109/l.
Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 28 Monaten sind die Wirksamkeitsergebnisse für
PCYC-1142-CA, die von einem IRC gemäß den IWCLL-Kriterien bewertet wurden, in Tabelle 11 unddie MRD-Negativitätsraten in Tabelle 12 dargestellt.
Tabelle 11: Ergebnisse zur Wirksamkeit der Studie PCYC-1142-CA (Kohorte mit zeitlichbefristeter Therapie)
Endpunkta IMBRUVICA + Venetoclax
Ohne Del 17p Alle(N = 136) (N = 159)
Gesamtansprechrate (ORR), n (%)b 130 (95,6) 153 (96,2)95 % CI (%) (92,1; 99,0) (93,3; 99,2)
Rate des kompletten Ansprechens (CRR), 83 (61,0) 95 (59,7)n (%)c95 % CI (%) (52,8; 69,2) (52,1; 67,4)
Mediane Dauer des CR, Monate NE (0,03+; 24,9+) NE (0,03+; 24,9+)(Bereich)da Basiert auf der IRC-Bewertungb Gesamtansprechen = CR + CRi + nPR + PRc Beinhaltet 3 Patienten mit komplettem Ansprechen bei unvollständiger Knochenmarkerholung (CRi)d Ein ‘+’ Symbol bedeutet eine verblindete Beobachtung
CR = komplettes Ansprechen; CRi = komplettes Ansprechen bei unvollständiger Knochenmarkerholung; NE = nichtauswertbar (Not Evaluable); nPR = noduläres partielles Ansprechen; PR = Partielles Ansprechen
Tabelle 12: MRD-Negativitätsrate der Studie PCYC-1142-CA (Kohorte mit zeitlich befristeter
Therapie)
Endpunkt IMBRUVICA + Venetoclax
Ohne Del 17p Alle(N = 136) (N = 159)
MRD-Negativitätsrate
Knochenmark, n (%) 84 (61,8) 95 (59,7)95 % CI (53,6; 69,9) (52,1; 67,4)
Peripheres Blut, n (%) 104 (76,5) 122 (76,7)95 % CI (69,3; 83,6) (70,2; 83,3)
MRD-Negativitätsrate 3 Monate nach Behandlungsende
Knochenmark, n (%) 74 (54,4) 83 (52,2)95 % CI (46,0; 62,8) (44,4; 60,0)
Peripheres Blut, n (%) 78 (57,4) 90 (56,6)95 % CI (49,0; 65,7) (48,9; 64,3)
MRD wurde mittels Durchflusszytometrie von peripherem Blut oder Knochenmark durch ein Zentrallabor analysiert. Die
Definition für einen negativen Status war < 1 CLL-Zelle pro 10 000 Leukozyten (< 1×104).
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval)
Bei Patienten mit del 17p/TP53-Mutation (n = 27) in PCYC-1142-CA lag die Gesamtansprechrate aufder Grundlage der IRC-Bewertung bei 96,3 %; die komplette Ansprechrate betrug 55,6 %, und diemediane Dauer des vollständigen Ansprechens wurde nicht erreicht (Bereich: 4,3 bis 22,6 Monate).
Die MRD-Negativitätsrate bei Patienten mit del 17p/TP53-Mutation 3 Monate nach Abschluss der
Behandlung im Knochenmark und im peripheren Blut betrug 40,7 % bzw. 59,3 %.
Bei Patienten, die mit IMBRUVICA in Kombination mit Venetoclax behandelt wurden, wurde kein
TLS berichtet.
Patienten mit CLL, die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben
Einzelsubstanz
Die Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit CLL wurden in einer nichtkontrollierten Studie und in einer randomisierten, kontrollierten Studie nachgewiesen. An derunverblindeten multizentrischen Studie (PCYC-1102-CA) nahmen 51 Patienten mit rezidivierter oderrefraktärer CLL teil, die 420 mg IMBRUVICA einmal täglich erhielten. IMBRUVICA wurde bis zur
Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität angewendet. Das mediane
Alter betrug 68 Jahre (Bereich: 37 bis 82 Jahre), die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug80 Monate und die mediane Zahl der Vorbehandlungen war 4 (Bereich: 1 bis 12 Behandlungen).
Darunter waren 92,2 % Patienten, die zuvor ein Nukleosidanalogon erhalten hatten, 98,0 % Patientenhatten Rituximab, 86,3 % ein Alkylanz, 39,2 % Bendamustin und 19,6 % Ofatumumab erhalten. Bei
Studienbeginn hatten 39,2 % der Patienten Rai-Stadium IV, 45,1 % hatten einen Bulk-Tumor(≥ 5 cm), 35,3 % hatten eine17p-Deletion und 31,4 % hatten eine 11q-Deletion.
Die ORR wurde von Prüfärzten und dem IRC nach den IWCLL-Kriterien von 2008 bestimmt. Nacheiner medianen Nachbeobachtungszeit von 16,4 Monaten betrug die durch das IRC bestimmte ORRder 51 Patienten mit rezidivierter oder refraktärer Erkrankung 64,7 % (95 % CI: 50,1 %; 77,6 %); eshandelte sich in allen Fällen um ein partielles Ansprechen. Die ORR einschließlich PR mit
Lymphozytose betrug 70,6 %. Die mediane Zeit bis zum Ansprechen lag bei 1,9 Monaten. Die DORreichte von 3,9 bis > 24,2 Monaten. Die mediane DOR wurde nicht erreicht.
Es wurde eine multizentrische, randomisierte, unverblindete Phase-III-Studie mit IMBRUVICAversus Ofatumumab bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CLL durchgeführt(PCYC-1112-CA). Die Patienten (n = 391) wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhieltenentweder IMBRUVICA 420 mg täglich bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten einerinakzeptablen Toxizität oder sie erhielten bis zu 12 Dosen Ofatumumab (300/2 000 mg). 57 zu
Ofatumumab randomisierte Patienten wechselten nach einer Progression zu IMBRUVICA. Dasmediane Alter der Patienten betrug 67 Jahre (Bereich: 30 bis 88 Jahre), 68 % waren Männer und 90 %
Kaukasier. Alle Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-Status von 0 oder 1.
Die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug 91 Monate und die mediane Anzahl der
Vorbehandlungen war 2 (Bereich: 1 bis 13 Behandlungen). Bei Studienbeginn hatten 58 % der
Patienten mindestens einen Tumor, der ≥ 5 cm groß war. Bei 32 % der Patienten lag eine 17p-Deletion(wobei 50 % der Patienten eine 17p-Deletion/TP53-Mutation hatten), bei 24 % eine 11q-Deletion undbei 47 % der Patienten unmutiertes IGHV vor.
Im Hinblick auf das PFS, das von einem IRC nach den IWCLL-Kriterien bestimmt wurde, zeigte sichbei den Patienten im IMBRUVICA-Arm eine statistisch signifikante Reduktion des Risikos für Tododer Progression um 78 %. Bei der Analyse des OS ergab sich für die Patienten im IMBRUVICA-
Arm eine statistisch signifikante Reduktion des Risikos für Tod um 57 %. Die Ergebnisse zur
Wirksamkeit aus Studie PCYC-1112-CA sind in Tabelle 13 dargestellt.
Tabelle 13: Ergebnisse zur Wirksamkeit bei Patienten mit CLL (Studie PCYC-1112-CA)
Endpunkt IMBRUVICA Ofatumumab
N = 195 N = 196
Medianes PFS Nicht erreicht 8,1 Monate
HR = 0,215 [95 % CI: 0,146; 0,317]
OSa HR = 0,434 [95 % CI: 0,238; 0,789]b
HR = 0,387 [95 % CI: 0,216; 0,695]c
ORRd, e (%) 42,6 4,1
ORR, einschließlich PR mit62,6 4,1
Lymphozytosed (%)
Endpunkt IMBRUVICA Ofatumumab
N = 195 N = 196
HR = Hazard Ratio; CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); ORR = Gesamtansprechrate (Overall Response Rate);
OS = Gesamtüberleben (Overall Survival); PFS = Progressionsfreies Überleben (Progression-free Survival);
PR = Partielles Ansprechen (Partial Response)a Medianes OS in beiden Armen nicht erreicht. p < 0,005 für OS.b Die zu Ofatumumab randomisierten Patienten wurden zensiert, als sie die Behandlung mit IMBRUVICA begannen,falls zutreffend.c Sensitivitätsanalyse, bei der die Crossover-Patienten aus dem Ofatumumab-Arm nicht am Tag der ersten Gabe von
IMBRUVICA zensiert wurden.d Laut IRC. Wiederholte CT-Scans zur Bestätigung des Ansprechens erforderlich.e Erreichte PRs; p < 0,0001 für ORR.
Mediane Nachbeobachtungszeit in der Studie = 9 Monate
Die Wirksamkeit war in allen untersuchten Subgruppen vergleichbar, Patienten mit oder ohne
Deletion 17p, einem präspezifizierten Stratifizierungsfaktor, eingeschlossen (Tabelle 14).
Tabelle 14: Subgruppenanalyse des PFS (Studie PCYC-1112-CA)
N Hazard Ratio 95 % CI
Alle Patienten 391 0,210 (0,143; 0,308)
Del17p
Ja 127 0,247 (0,136; 0,450)
Nein 264 0,194 (0,117; 0,323)
Purin-Analoga-refraktärer
Krankheitsverlauf
Ja 175 0,178 (0,100; 0,320)
Nein 216 0,242 (0,145; 0,404)
Alter< 65 152 0,166 (0,088; 0,315)≥ 65 239 0,243 (0,149; 0,395)
Anzahl vorheriger
Linien< 3 198 0,189 (0,100; 0,358)≥ 3 193 0,212 (0,130; 0,344)
Bulk-Tumor< 5 cm 163 0,237 (0,127; 0,442)≥ 5 cm 225 0,191 (0,117; 0,311)
Die Hazard Ratio basiert auf nicht-stratifizierten Analysen
Die Kaplan-Meier-Kurve für das PFS ist in Abbildung 10 dargestellt.
Abbildung 10: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie PCYC-1112-CA
Abschließende Analyse nach 65-monatiger Nachbeobachtung
Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 65 Monaten in der Studie PCYC-1112-CA wurde beiden Patienten im IMBRUVICA-Arm laut Beurteilung des Prüfarztes eine 85 %ige Verringerung des
Risikos für Tod oder Progression beobachtet. Das mediane vom Prüfarzt beurteilte PFS gemäß
IWCLL-Kriterien betrug 44,1 Monate [95 % CI (38,47; 56,18)] im IMBRUVICA-Arm bzw.8,1 Monate [95 % CI (7,79; 8,25)] im Ofatumumab-Arm; HR = 0,15 [95 % CI (0,11; 0,20)]. Dieaktualisierte Kaplan-Meier-Kurve für das PFS ist in Abbildung 11 dargestellt. Die vom Prüfarztbeurteilte ORR betrug 87,7 % im IMBRUVICA-Arm versus 22,4 % im Ofatumumab-Arm. Zum
Zeitpunkt der abschließenden Analyse erhielten 133 der 196 Patienten (67,9 %), die ursprünglich fürden Ofatumumab-Arm randomisiert worden waren, inzwischen Ibrutinib als Cross-over-Behandlung.
Das mediane vom Prüfer geschätzte PFS2 (Zeit von der Randomisierung bis zum PFS-Ereignis nachder ersten antineoplastischen Folgetherapie) gemäß IWCLL-Kriterien betrug 65,4 Monate [95 % CI(51,61; nicht schätzbar)] im IMBRUVICA-Arm und 38,5 Monate [95 % CI (19,98; 47,24)] im
Ofatumumab-Arm; HR = 0,54 [95 % CI (0,41; 0,71)]. Das mediane OS im IMBRUVICA-Arm betrug67,7 Monate [95 % CI (61,0; nicht schätzbar)].
Der Behandlungseffekt von Ibrutinib in der Studie PCYC-1112-CA war bei Hochrisikopatienten mit17p-Deletion/TP53-Mutation, 11q-Deletion und/oder unmutiertem IGHV konsistent.
Abbildung 11: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie PCYC-1112-CA beiabschließender Analyse nach 65 Monaten Nachbeobachtung
KombinationstherapieDie Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit zuvor behandelter CLL wurdenzudem in einer randomisierten, multizentrischen, doppelt-verblindeten, Phase-III-Studie mit
IMBRUVICA in Kombination mit BR versus Placebo + BR (Studie CLL3001) untersucht. Die
Patienten (n = 578) wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder IMBRUVICA420 mg täglich oder Placebo in Kombination mit BR bis zur Krankheitsprogression oder bis zum
Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Alle Patienten erhielten BR über maximal sechs 28-Tage
Zyklen. Bendamustin wurde in Zyklus 1 an den Tagen 2 und 3 und in den Zyklen 2-6 an den Tagen 1und 2 bis Zyklus 6 in einer Dosis von 70 mg/m2 über 30 Minuten intravenös infundiert. Rituximabwurde in einer Dosis von 375 mg/m2 im ersten Zyklus an Tag 1 und in einer Dosis von 500 mg/m2 inden Zyklen 2 bis 6 jeweils an Tag 1 appliziert. Neunzig Patienten, die zu Placebo + BR randomisiertwaren, wechselten nach einer IRC bestätigten Progression die Behandlung, um IMBRUVICA zuerhalten. Das mediane Alter der Patienten betrug 64 Jahre (Bereich: 31 bis 86 Jahre), 66 % waren
Männer und 91 % Kaukasier. Alle Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-
Status von 0 oder 1. Die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug 6 Jahre und die mediane Zahlder Vorbehandlungen war 2 (Bereich: 1 bis 11 Behandlungen). Bei Studienbeginn hatten 56 % der
Patienten mindestens einen Tumor ≥ 5 cm und bei 26 % der Patienten lag eine 11q-Deletion vor.
Das PFS wurde von einem IRC nach den Kriterien des IWCLL beurteilt. Die Ergebnisse zur
Wirksamkeit aus der Studie CLL3001 sind in Tabelle 15 dargestellt.
Tabelle 15: Ergebnisse zur Wirksamkeit bei Patienten mit CLL (Studie CLL3001)
IMBRUVICA + BR Placebo + BR
Endpunkt N = 289 N = 289
PFSa
Nicht erreicht 13,3 (11,3; 13,9)
Median (95 % CI), Monate
HR = 0,203 [95 % CI: 0,150; 0,276]
ORRb % 82,7 67,8
OSc HR = 0,628 [95 % CI: 0,385; 1,024]
IMBRUVICA + BR Placebo + BR
Endpunkt N = 289 N = 289
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); HR = Hazard Ratio; ORR = Gesamtansprechrate (Overall Response Rate);
OS = Gesamtüberleben (Overall Survival); PFS = Progressionsfreies Überleben (Progression-free Survival)a IRC Auswertung.b IRC Auswertung, ORR (komplettes Ansprechen, komplettes Ansprechen mit unvollständiger Knochenmarkserholung,noduläres partielles Ansprechen, partielles Ansprechen).c Medianes OS in beiden Armen nicht erreicht.
MW
Einzelsubstanz
Die Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit MW (IgM-sezernierendeslymphoplasmazytisches Lymphom) wurden in einer offenen, multizentrischen, einarmigen Studie mit63 vorbehandelten Patienten untersucht. Das mediane Alter betrug 63 Jahre (Bereich: 44 bis 86 Jahre),76 % waren Männer und 95 % Kaukasier. Alle Patienten hatten bei Studienbeginn einen
ECOG-Performance-Status von 0 oder 1. Die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug74 Monate und die mediane Zahl der Vorbehandlungen war 2 (Bereich: 1 bis 11 Behandlungen). Bei
Studienbeginn lag der mediane IgM-Wert im Serum bei 3,5 g/dl und 60 % der Patienten warenanämisch (Hämoglobin ≤ 11 g/dl oder 6,8 mmol/l).
Die Patienten erhielten 420 mg IMBRUVICA einmal täglich oral bis zur Krankheitsprogression oderbis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Der primäre Endpunkt dieser Studie war die vom
Prüfarzt beurteilte ORR. Die ORR und DOR wurden anhand der Kriterien des Third International
Workshop of WM beurteilt. Das Ansprechen auf IMBRUVICA ist in Tabelle 16 dargestellt.
Tabelle 16: ORR und DOR bei Patienten mit MW
Gesamt (N = 63)
ORR (%) 87,395 % CI (%) (76,5; 94,4)
VGPR (%) 14,3
PR (%) 55,6
MR (%) 17,5
Mediane DOR Monate (Bereich) NR (0,03+; 18,8+)
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); DOR = Ansprechdauer (Duration of Response); NR = nicht erreicht (Not
Reached); MR = geringes Ansprechen (Minor Response); PR = Partielles Ansprechen (Partial Response); VGPR = Sehrgutes partielles Ansprechen (Very Good Partial Response); ORR = MR+PR+VGPR
Mediane Nachbeobachtungszeit in der Studie = 14,8 Monate
Die mediane Zeit bis zum Ansprechen lag bei 1,0 Monaten (Bereich: 0,7-13,4 Monate).
Die Ergebnisse zur Wirksamkeit wurden zudem von einem IRC geprüft und zeigten eine ORR von83 % mit einer VGPR-Rate von 11 % und einer PR-Rate von 51 %.
KombinationstherapieDie Sicherheit und Wirksamkeit von IMBRUVICA bei Patienten mit MW wurden zudem bei nichtvorbehandelten oder vorbehandelten Patienten in einer randomisierten, multizentrischendoppelblinden Phase-III-Studie mit IMBRUVICA in Kombination mit Rituximab versus Placebo in
Kombination mit Rituximab (PCYC-1127-CA) untersucht. Die Patienten (n = 150) wurden im
Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder 420 mg IMBRUVICA täglich oder Placebo in
Kombination mit Rituximab bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen
Toxizität. Rituximab wurde in 4 aufeinanderfolgenden Wochen (Wochen 1-4) wöchentlich in einer
Dosis von 375 mg/m2 angewendet, gefolgt von einem zweiten Zyklus mit einer wöchentlichen Gabevon Rituximab in 4 aufeinanderfolgenden Wochen (Wochen 17-20).
Das mediane Alter betrug 69 Jahre (Bereich: 36 bis 89 Jahre), 66 % waren Männer und 79 % waren
Kaukasier. Dreiundneunzig Prozent der Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-
Status von 0 oder 1 und 7 % der Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-Statusvon 2. Fünfundvierzig Prozent der Patienten waren nicht vorbehandelt und 55 % der Patienten warenvorbehandelt. Die mediane Zeit seit der Diagnosestellung betrug 52,6 Monate (nicht vorbehandelte
Patienten = 6,5 Monate und vorbehandelte Patienten = 94,3 Monate). Bei den vorbehandelten
Patienten betrug die mediane Anzahl der Vorbehandlungen 2 (Bereich: 1 bis 6 Behandlungen). Bei
Studienbeginn betrug der mediane IgM-Wert im Serum 3,2 g/dl (Bereich: 0,6 bis 8,3 g/dl), 63 % der
Patienten waren anämisch (Hämoglobin ≤ 11 g/dl oder 6,8 mmol/l) und MYD88-L265P-Mutationenlagen bei 77 % der Patienten vor, bei 13 % der Patienten lagen sie nicht vor und bei 9 % der Patientenkonnte der Mutationsstatus nicht beurteilt werden.
In der primären Analyse mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 26,5 Monaten betrug die vom
IRC bewertete PFS-Hazard-Ratio 0,20 [95 % CI (0,11; 0,38)]. Die PFS-Hazard-Ratio für nichtvorbehandelte Patienten, für vorbehandelte Patienten und für Patienten mit oder ohne MYD88-L265P-
Mutationen entsprach der PFS-Hazard-Ratio der ITT-Population.
Bei 1 % der mit IMBRUVICA+Rituximab behandelten Patienten und bei 16 % der mit
Placebo+Rituximab behandelten Patienten wurden infusionsbedingte Reaktionen vom Grad 3 oder 4beobachtet.
Ein Wiederaufflammen (Flare) des Tumors in Form einer IgM-Erhöhung trat bei 8 % der Patienten im
IMBRUVICA+Rituximab-Arm und bei 46,7 % der Patienten im Placebo+Rituximab-Arm auf.
Abschließende Analyse nach 63-monatiger Nachbeobachtung
Bei einer Gesamtnachbeobachtungszeit von 63 Monaten sind die von einem IRC zum Zeitpunkt derabschließenden Analyse beurteilten Ergebnisse zur Wirksamkeit aus PCYC-1127-CA in Tabelle 17und die Kaplan-Meier-Kurve für das PFS in Abbildung 12 dargestellt. Die PFS-Hazard-Ratio bei nichtvorbehandelten Patienten (0,31 [95 % CI (0,14; 0,69)]) und bei vorbehandelten Patienten (0,22 [95 %
CI (0,11; 0,43)]) stimmte mit der PFS-Hazard-Ratio in der ITT-Population überein.
Tabelle 17: Ergebnisse zur Wirksamkeit aus Studie PCYC-1127-CA (Abschlussanalyse*)
IMBRUVICA+R Placebo+R
Endpunkt N = 75 N = 75
Progressionsfreies Überlebena, b
Anzahl der Ereignisse (%) 22 (29) 50 (67)
Median (95 % CI), Monate Nicht erreicht 20,3 (13,0; 27,6)
HR (95 % CI) 0,25 (0,15; 0,42)p-Wert < 0,0001
Zeit bis zur nächsten Behandlung
Median (95 % CI), Monate Nicht erreicht 18,1 (11,1; 33,1)
HR (95 % CI) 0,1 (0,05; 0,21)
Bestes Gesamtansprechen (%)
CR 1,3 1,3
VGPR 29,3 4,0
PR 45,3 25,3
MR 16,0 13,3
Gesamtansprechratec (CR, VGPR, PR,
MR) (%) 69 (92,0) 33 (44,0)
Mediane Dauer des Gesamtansprechens, Nicht erreicht (2,7; 58,9+) 27,6 (1,9, 55,9+)
Monate (Bereich)
Ansprechrate (CR, VGPR, PR)c, d (%) 57 (76,0) 23 (30,7)
Mediane Dauer des Ansprechens, Nicht erreicht Nicht erreicht
Monate (Bereich) (1,9+; 58,9+) (4,6; 49,7+)
Rate anhaltender Verbesserung der 77,3 42,7
Hämoglobinwertec, e (%)
IMBRUVICA+R Placebo+R
Endpunkt N = 75 N = 75
CI = Konfidenzintervall (Confidence Interval); CR = Komplettes Ansprechen (Complete Response); HR = Hazard Ratio;
MR = Geringes Ansprechen (Minor Response); PR = Partielles Ansprechen (Partial Response); R = Rituximab;
VGPR = Sehr gutes partielles Ansprechen (Very Good Partial Response)
* Mediane Nachbeobachtungszeit in der Studie = 49,7 Monate.a IRC-Auswertung.b Die Schätzungen für das 4-Jahres-PFS betrugen 70,6 % [95 % CI (58,1; 80,0)] im IMBRUVICA+R-Arm gegenüber25,3 % [95 % CI (15,3; 36,6)] im Placebo+R-Arm.c Der mit der Ansprechrate assoziierte p-Wert war < 0,0001.d Die Ansprechrate betrug 76 % versus 41 % bei nicht vorbehandelten Patienten und 76 % versus 22 % beivorbehandelten Patienten im IMBRUVICA+R-Arm bzw. im Placebo+R-Arm.e Definiert als Anstieg von ≥ 2 g/dl gegenüber Baseline, unabhängig vom Baseline-Wert, oder als Anstieg auf > 11 g/dlmit einer Verbesserung von ≥ 0,5 g/dl, wenn der Baseline-Wert ≤ 11 g/dl war.
Abbildung 12: Kaplan-Meier-Kurve des PFS (ITT-Population) in Studie PCYC-1127-CA(Abschlussanalyse)
In der Studie PCYC-1127-CA gab es einen separaten Monotherapie-Arm mit 31 Patienten mitvorbehandeltem MW, bei denen eine vorherige Rituximab-haltige Behandlung fehlgeschlagen warund die IMBRUVICA als Einzelsubstanz erhielten. Das mediane Alter war 67 Jahre (Bereich: 47 bis90 Jahre). Einundachtzig Prozent der Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-
Status von 0 oder 1 und 19 % der Patienten hatten bei Studienbeginn einen ECOG-Performance-Statusvon 2. Die mediane Anzahl der Vorbehandlungen betrug 4 (Bereich: 1 bis 7 Behandlungen). Bei einer
Gesamtnachbeobachtungszeit von 61 Monaten betrug die im Monotherapie-Arm der Studie
PCYC-1127-CA beobachtete Ansprechrate gemäß IRC-Bewertung 77 % (0 % CR, 29 % VGPR, 48 %
PR). Die mediane Dauer des Ansprechens betrug 33 Monate (Bereich: 2,4 bis 60,2+ Monate). Die im
Monotherapie-Arm beobachtete Gesamtansprechrate gemäß IRC betrug 87 % (0 % CR, 29 % VGPR,48 % PR, 10 % MR). Die mediane Dauer des Gesamtansprechens betrug 39 Monate (Bereich: 2,07 bis60,2+ Monate).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik von IMBRUVICA wurde bei pädiatrischen
Patienten und Patienten im jungen Erwachsenenalter mit rezidiviertem oder refraktärem reifem B-Zell
Non-Hodgkin-Lymphom in einer zweiteiligen, multizentrischen, offenen Phase-III-Studie (LYM3003)zur Anwendung von IMBRUVICA in Kombination mit entweder einem Therapieschema aus
Rituximab, Ifosfamid, Carboplatin, Etoposid und Dexamethason (RICE) oder einem Therapieschemaaus Rituximab, Vincristin, Ifosfamid, Carboplatin, Idarubicin und Dexamethason (RVICI) als
Basistherapie untersucht.
In Teil 1 der Studie (21 Patienten im Alter von 3 bis 17 Jahren) wurde die Dosis ermittelt, die in Teil 2(51 Patienten im Alter von 3 bis 19 Jahren) angewendet werden sollte (siehe Abschnitt 5.2).
In Teil 2 wurden die Patienten im Verhältnis 2:1 randomisiert und erhielten entweder IMBRUVICA ineiner Dosierung von 440 mg/m2 täglich (unter 12 Jahren) oder von 329 mg/m2 täglich (ab 12 Jahren)zusammen mit der Basistherapie oder die Basistherapie allein. Die Behandlung erfolgte bis zum
Abschluss von 3 Therapiezyklen, bis zur Transplantation, bis zur Krankheitsprogression oder bis zum
Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Der primäre Endpunkt der Studie war eine Überlegenheit imereignisfreien Überleben (event-free survival, EFS) und wurde nicht erreicht, was darauf hindeutet,dass die Zugabe von Ibrutinib zu RICE oder RVICI keinen zusätzlichen Nutzen bringt (siehe
Abschnitt 4.2).