Pharmakotherapeutische Gruppe: Viraler Impfstoff, ATC-Code: J07BM01
WirkmechanismusGardasil ist ein adjuvierter, nicht infektiöser, rekombinanter, tetravalenter Impfstoff, der aushochgereinigten virusähnlichen Partikeln (VLPs4) des Hauptkapsidproteins L1 der HPV-Typen 6, 11,16 und 18 hergestellt wird. Die VLPs enthalten keine virale DNA und sind daher nicht in der Lage,
Zellen zu infizieren, sich zu vermehren oder Erkrankungen hervorzurufen. HPV infiziert nur
Menschen; Tierversuche mit analogen Papillomviren lassen jedoch den Schluss zu, dass die
Wirksamkeit der L1-VLP-Impfstoffe durch die Ausbildung einer humoralen Immunantwort vermitteltwird.
Die HPV-Typen 16 und 18 sind schätzungsweise verantwortlich für etwa 70 % der Zervixkarzinomeund 75 bis 80 % der Analkarzinome, 80 % der Adenocarcinomata in situ (AIS5), 45 bis 70 % derhochgradigen intraepithelialen Neoplasien der Zervix (CIN6 2/3), 25 % der niedriggradigenintraepithelialen Neoplasien der Zervix (CIN 1), 70 % der mit HPV assoziierten hochgradigenintraepithelialen Neoplasien der Vulva (VIN7 2/3) und der Vagina (VaIN8 2/3) und 80 % der mit HPVassoziierten hochgradigen analen intraepithelialen Neoplasien (AIN9 2/3). Die HPV-Typen 6 und 11sind für etwa 90 % der Genitalwarzen und 10 % der niedriggradigen intraepithelialen Neoplasien der
Zervix (CIN 1) verantwortlich. CIN 3 und AIS sind als unmittelbare Vorstufen für ein invasives
Zervixkarzinom allgemein anerkannt.
Der Begriff 'Vorstufen maligner Läsionen im Genitalbereich“ in Abschnitt 4.1 bezieht sich aufhochgradige intraepitheliale Neoplasien der Zervix (CIN 2/3), hochgradige intraepitheliale Neoplasiender Vulva (VIN 2/3) und hochgradige intraepitheliale Neoplasien der Vagina (VaIN 2/3).
Der Begriff 'Vorstufen maligner Läsionen im Analbereich“ in Abschnitt 4.1 bezieht sich aufhochgradige anale intraepitheliale Neoplasien (AIN 2/3).
Die Indikation beruht auf dem Nachweis der Wirksamkeit von Gardasil bei Frauen von 16 bis4 VLPs: virus-like particles5 AIS: adenocarcinoma in situ6 CIN: cervical intraepithelial neoplasia7 VIN: vulvar intraepithelial neoplasia8 VaIN: vaginal intraepithelial neoplasia9 AIN: anal intraepithelial neoplasia45 Jahren und Männern von 16 bis 26 Jahren sowie dem Nachweis der Immunogenität von Gardasilbei Kindern und Jugendlichen von 9 bis 15 Jahren.
Klinische StudienWirksamkeit bei Frauen von 16 bis 26 Jahren
Die Wirksamkeit von Gardasil bei Frauen von 16 bis 26 Jahren wurde in 4 placebokontrollierten,doppelblinden, randomisierten klinischen Studien der Phasen II und III mit insgesamt 20.541 Frauenbewertet. Bei diesen Frauen wurde vor Studieneinschluss bzw. vor der Impfung kein Screening aufeine vorbestehende HPV-Infektion durchgeführt.
Zu den primären Endpunkten für den Nachweis der protektiven Wirksamkeit zählten HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte Läsionen der Vulva und Vagina (Genitalwarzen, VIN, VaIN) sowie CINjeglichen Schweregrades und Zervixkarzinome (Studie 013, FUTURE I), HPV-16- bzw. -18-assoziierte CIN 2/3, AIS und Zervixkarzinome (Studie 015, FUTURE II), HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte persistierende Infektionen und Erkrankungen (Studie 007) sowie HPV-16-assoziiertepersistierende Infektionen (Studie 005). Die primäre Wirksamkeitsanalyse für die Impfstoff-HPV-
Typen (HPV 6, 11, 16 und 18) wurde für die Per-Protocol-Efficacy(PPE)-Gruppe durchgeführt (d. h.
Probanden, die innerhalb eines Jahres nach Studieneinschluss alle 3 Impfungen erhalten hatten, beidenen keine schwerwiegenden Prüfplanverletzungen vorlagen und die vor der 1. Impfdosis bis1 Monat nach der 3. Impfdosis (definiert als Besuch in Monat 7) negativ für die entsprechenden HPV-
Typen waren).
Die Daten zur Wirksamkeit werden auf der Grundlage der kombinierten Auswertung der Studiendargestellt. Die Wirksamkeit gegen HPV-16/18-assoziierte CIN 2/3 oder AIS basiert auf Daten ausden Studien 005 (nur HPV-16-assoziierte Endpunkte), 007, 013 und 015. Die Wirksamkeit bezüglichaller anderen Endpunkte basiert auf den Studien 007, 013 und 015. Der mittlere
Nachbeobachtungszeitraum betrug 4,0 Jahre für die Studie 005 und jeweils 3,0 Jahre für die
Studien 007, 013 und 015. Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum für die kombinierte Auswertungder Studien (005, 007, 013 und 015) betrug 3,6 Jahre. Die Ergebnisse der einzelnen Studien stützendie Ergebnisse der kombinierten Auswertung. Die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-assoziierte
Erkrankungen wurde für jeden der 4 Impfstoff-HPV-Typen belegt. Bei Studienende betrug der
Nachbeobachtungszeitraum der Probanden, die in die beiden Phase-III-Studien (Studie 013 und 015)eingeschlossen waren, bis zu 4 Jahre (der Median betrug 3,7 Jahre).
Intraepitheliale Neoplasien der Zervix (CIN) 2/3 (mittel- bis hochgradige Dysplasien) und
Adenocarcinoma in situ (AIS) dienten in den klinischen Studien als Surrogatmarker für das
Zervixkarzinom.In der Langzeit-Beobachtungsstudie Studie 015 wurden 2.536 Frauen nachbeobachtet, die währendder Impfung mit Gardasil im Rahmen der Basisstudie 16 bis 23 Jahre alt waren. In der Per-Protokoll-
Efficacy(PPE)-Population wurden in einem Zeitraum von bis zu etwa 14 Jahren (mediane
Nachbeobachtungsdauer 11,9 Jahre) keine Fälle von HPV-Erkrankungen (HPV-6/11/16/18-assoziiertehochgradige CIN) beobachtet. In dieser Studie wurde eine andauernde Schutzwirkung für etwa12 Jahre statistisch signifikant nachgewiesen.
Wirksamkeit bei Frauen, die für die jeweiligen Impfstoff-HPV-Typen negativ waren
Die Wirksamkeit wurde beginnend ab dem Besuch in Monat 7 berechnet. Insgesamt waren 73 % der
Frauen bei Studieneinschluss negativ (PCR-negativ und seronegativ) für alle 4 HPV-Typen.
Die Wirksamkeit für die entsprechenden Endpunkte wurde 2 Jahre nach Aufnahme in die Studie undbei Studienende (mittlerer Nachbeobachtungszeitraum = 3,6 Jahre) bei der Per-Protocol-Gruppeuntersucht und ist in Tabelle 2 dargestellt.
In einer ergänzenden Auswertung wurde die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-16/18-assoziierte
CIN 3 und AIS untersucht.
Tabelle 2: Wirksamkeit von Gardasil gegen hochgradige Läsionen der Zervix in der PPE-Gruppe
Gardasil Placebo Gardasil Placebo
Anzahl der Anzahl der % Wirksamkeit Anzahl der Anzahl der % Wirksamkeit***
Fälle Fälle nach 2 Jahren Fälle Fälle bei Studienende(95 % KI) (95 % KI)
Anzahl der Anzahl der Anzahl der Anzahl der
Probanden* Probanden* Probanden* Probanden*
HPV- 0 53 100,0 2** 112 98,216/18- 8.487 8.460 (92,9; 100,0) 8.493 8.464 (93,5; 99,8)assoziierte
CIN 2/3oder AIS
HPV- 0 29 100,0 2** 64 96,916/18- 8.487 8.460 (86,5; 100,0) 8.493 8.464 (88,4; 99,6)assoziierte
CIN 3
HPV- 0 6 100,0 0 7 100,016/18- 8.487 8.460 (14,8; 100,0) 8.493 8.464 (30,6; 100,0)assoziierte
AIS
* Anzahl Probanden mit mindestens einer Folgeuntersuchung nach Monat 7
** Aufgrund virologischer Nachweise ist der erste Fall von CIN 3 bei einer Patientin mit einer chronischen HPV-Typ-52-
Infektion wahrscheinlich ursächlich auf diesen HPV-Typ zurückzuführen. HPV-Typ 16 wurde nur in einer von 11 Probengefunden (Monat 32,5). In einer mittels LEEP (Loop Electro-Excision Procedure) gewonnenen Gewebeprobe wurde HPV 16nicht nachgewiesen. Beim zweiten CIN-3-Fall bei einer Patientin mit einer HPV-Typ-51-Infektion an Tag 1 (nachgewiesenin 2 von 9 Proben) wurde HPV 16 in 1 von 9 Proben aus Biopsiematerial (im Monat 51) und HPV-Typ 56 in 3 von 9 Probenaus Gewebe nachgewiesen, das in Monat 52 mittels LEEP gewonnen worden war.
*** Der Nachbeobachtungszeitraum betrug bei den Probanden bis zu 4 Jahre (der Median betrug 3,6 Jahre).
Hinweis: Punktschätzung und Konfidenzintervalle wurden bezüglich des personenbezogenen Nachbeobachtungszeitraumsadjustiert.
In der kombinierten Auswertung der Studien bei Studienende
* betrug die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte CIN 195,9 % (95 % KI: 91,4; 98,4),
* betrug die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte CIN (1, 2,3) oder AIS 96,0 % (95 % KI: 92,3; 98,2),
* betrug die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte VIN 2/3bzw. VaIN 2/3 100 % (95 % KI: 67,2; 100) bzw. 100 % (95 % KI: 55,4; 100),
* betrug die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16- bzw. -18-assoziierte
Genitalwarzen 99,0 % (95 % KI: 96,2; 99,9).
In Studie 012 betrug die Wirksamkeit von Gardasil gegen persistierende Infektionen entsprechendeiner 6-Monats-Definition (positive Proben bei 2 oder mehr aufeinanderfolgenden Besuchen im
Mindestabstand von 6 Monaten ± 1 Monat) durch HPV 16 98,7 % (95 % KI: 95,1; 99,8) bzw. durch
HPV 18 100,0 % (95 % KI: 93,2; 100,0). Der Nachbeobachtungszeitraum betrug bis zu 4 Jahre (im
Mittel 3,6 Jahre). Die Wirksamkeit gegen persistierende Infektionen entsprechend einer 12-Monats-
Definition durch HPV 16 betrug 100,0 % (95 % KI: 93,9; 100,0) bzw. durch HPV 18 100,0 % (95 %
KI: 79,9; 100,0).
Wirksamkeit bei Frauen mit nachgewiesener Infektion oder Erkrankung durch HPV 6, 11, 16 bzw. 18an Tag 1
Für Frauen, die an Tag 1 PCR-positiv für einen Impfstoff-HPV-Typ waren, gibt es keine Evidenz füreinen Schutz vor Erkrankungen durch den entsprechenden HPV-Typ. Frauen, die sich vor der Impfungbereits mit einem oder mehreren Impfstoff-HPV-Typen infiziert hatten, waren vor einer klinischen
Erkrankung durch die übrigen Impfstoff-HPV-Typen geschützt.
Wirksamkeit bei Frauen mit und ohne vorbestehende Infektion oder Erkrankung durch HPV 6, 11, 16bzw. 18
In die modifizierte Intention-To-Treat(ITT)-Gruppe wurden Frauen ohne Berücksichtigung des HPV-
Status an Tag 1 eingeschlossen, die mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten hatten. Die
Erkrankungsfälle wurden ab einem Monat nach der 1. Dosis gezählt. Die Prävalenz von HPV-
Infektionen oder -Erkrankungen in dieser Gruppe entsprach bei Studieneinschluss annähernd der
Prävalenz in der weiblichen Gesamtbevölkerung. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 dargestellt.
Tabelle 3: Wirksamkeit von Gardasil gegen hochgradige Läsionen der Zervix in der modifizierten
ITT-Gruppe (alle Frauen, unabhängig vom HPV-Status bei Studieneinschluss)
Gardasil Placebo Gardasil Placebo% Wirksamkeit** % Wirksamkeit**
Anzahl der Anzahl der nach 2 Jahren Anzahl der Anzahl der bei Studienende
Fälle Fälle (95 % KI) Fälle Fälle (95 % KI)
Anzahl der Anzahl der Anzahl der Anzahl der
Probanden* Probanden* Probanden* Probanden*
HPV-16- oder 122 201 39,0 146 303 51,8
HPV-18- 9.831 9.896 (23,3; 51,7) 9.836 9.904 (41,1; 60,7)assoziierte CIN2/3 oder AIS
HPV-16-/18- 83 127 34,3 103 191 46,0assoziierte CIN 9.831 9.896 (12,7; 50,8) 9.836 9.904 (31,0; 57,9)
HPV-16/18- 5 11 54,3 6 15 60,0assoziierte AIS 9.831 9.896 (< 0; 87,6) 9.836 9.904 (< 0; 87,3)
* Anzahl Probanden mit mindestens einer Folgeuntersuchung 30 Tage nach Tag 1 (erste Impfung)
** Die Wirksamkeit in Prozent wurde auf Grundlage der kombinierten Auswertung der Studien berechnet. Die Wirksamkeitgegen HPV-16/18-assoziierte CIN 2/3 oder AIS basiert auf Daten aus den Studien 005 (nur HPV-16-assoziierte Endpunkte),007, 013 und 015. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug bei den Probanden bis zu 4 Jahre (der Median betrug 3,6 Jahre).
Hinweis: Punktschätzung und Konfidenzintervalle wurden bezüglich des personenbezogenen Nachbeobachtungszeitraumsadjustiert.
Die Wirksamkeit gegen HPV-6-, -11-, -16-, -18-assoziierte VIN 2/3 betrug in der kombinierten
Studienauswertung bei Studienende 73,3 % (95 % KI: 40,3; 89,4), gegen HPV-6-, -11-, -16-, -18-assoziierte VaIN 2/3 85,7 % (95 % KI: 37,6; 98,4) und gegen HPV-6-, -11-, -16-, -18-assoziierte
Genitalwarzen 80,3 % (95 % KI: 73,9; 85,3).
Insgesamt hatten 12 % aller Probanden an Tag 1 einen auffälligen Pap-Test, der den Verdacht auf eine
CIN nahelegte. Die Wirksamkeit war bei Frauen, die einen auffälligen Pap-Test an Tag 1 aufwiesenund zu diesem Zeitpunkt negativ für die entsprechenden Impfstoff-HPV-Typen waren, unverminderthoch. Bei Frauen, die einen auffälligen Pap-Test an Tag 1 aufwiesen und zu diesem Zeitpunkt bereitsmit den entsprechenden Impfstoff-HPV-Typen infiziert waren, wurde keine Wirksamkeit des
Impfstoffs festgestellt.
Reduzierung der Gesamtkrankheitslast HPV-assoziierter Erkrankungen der Zervix bei Frauen von 16bis 26 Jahren
Die Auswirkung von Gardasil auf das Gesamtrisiko für das Auftreten HPV-assoziierter Erkrankungender Zervix (verursacht durch jeglichen HPV-Typ) wurde bei 17.599 Probanden der beiden Phase-III-
Wirksamkeitsstudien (013 und 015) ab dem Tag 30 nach der ersten Impfdosis untersucht. Bei Frauen,die bei Studieneinschluss negativ hinsichtlich 14 häufiger HPV-Typen waren und einen negativen
Pap-Test an Tag 1 aufwiesen, reduzierte die Anwendung von Gardasil bei Studienende die Inzidenzvon CIN 2/3 oder AIS, verursacht durch Impfstoff-HPV- oder andere als die Impfstoff-HPV-Typen,um 42,7 % (95 % KI: 23,7; 57,3) und die Inzidenz von Genitalwarzen um 82,8 % (95 % KI: 74,3;88,8).
In der modifizierten ITT-Gruppe war der Nutzen der Impfung im Hinblick auf die Gesamtinzidenzvon CIN 2/3 oder AIS (verursacht durch jeglichen HPV-Typ) und Genitalwarzen mit einer
Reduzierung um 18,4 % (95 % KI: 7,0; 28,4) bzw. 62,5 % (95 % KI: 54,0; 69,5) deutlich geringer, da
Gardasil keinen Einfluss auf den Verlauf von Infektionen oder Erkrankungen hat, die bereits zu
Beginn der Impfserie bestehen.
Effekt auf operative therapeutische Maßnahmen an der Zervix
Der Effekt von Gardasil auf die Häufigkeit operativer therapeutischer Maßnahmen an der Zervixwurde unabhängig vom verursachenden HPV-Typ bei 18.150 Probanden aus den Studien 007, 013und 015 untersucht. In der Gruppe der HPV-Negativen (negativ für 14 häufige HPV-Typen undnegativer Pap-Test an Tag 1) reduzierte Gardasil bei Studienende den Anteil von Frauen, bei deneneine operative therapeutische Maßnahme an der Zervix (Loop Electro-Excision Procedure oder Cold-
Knife Conization) durchgeführt werden musste, um 41,9 % (95 % KI: 27,7; 53,5). In der ITT-Gruppebetrug die Reduzierung 23,9 % (95 % KI: 15,2; 31,7).
Kreuzprotektive Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Gardasil gegen CIN (jeglichen Schweregrades) und CIN 2/3 oder AIS,verursacht durch 10 Nicht-Impfstoff-HPV-Typen (nämlich HPV 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59),die eine strukturelle Ähnlichkeit mit HPV 16 oder 18 haben, basiert auf den kombinierten Phase-III-
Wirksamkeits-Daten (n = 17.599), wobei der mittlere Nachbeobachtungszeitraum 3,7 Jahre (bei
Studienende) betrug. Berechnet wurde die Wirksamkeit gegen Erkrankungen durch bestimmte, vorabfür die Analyse festgelegte Gruppen von Nicht-Impfstoff-HPV-Typen. Die statistische Teststärke der
Studien war nicht für eine Berechnung der jeweiligen typspezifischen Wirksamkeit ausgelegt.
Die Primäranalyse erfolgte in verschiedenen Subpopulationen, in denen die Frauen bei Studienbeginnjeweils negativ für den HPV-Typ waren, der Gegenstand der jeweiligen Wirksamkeitsanalyse war; siekonnten aber jeweils positiv für andere HPV-Typen sein (96 % der Gesamtpopulation).
Die erste Analyse nach 3 Jahren ergab nicht für alle der vorab festgelegten Endpunkte statistischsignifikante Ergebnisse. Die Ergebnisse bei Studienende für die kombinierte Inzidenz von CIN 2/3oder AIS bei dieser Probandengruppe sind in Tabelle 4 dargestellt, wobei der mittlere
Nachbeobachtungszeitraum 3,7 Jahre betrug. Für zusammengefasste Endpunkte wurde eine statistischsignifikante Wirksamkeit gegen Erkrankungen durch HPV-Typen mit phylogenetischer
Verwandtschaft zu HPV 16 (insbesondere HPV 31) nachgewiesen. Hingegen wurde keine statistischsignifikante Wirksamkeit für HPV-Typen mit phylogenetischer Verwandtschaft zu HPV 18(einschließlich HPV 45) gezeigt. Von den 10 untersuchten Nicht-Impfstoff-HPV-Typen wurdelediglich für HPV 31 eine statistische Signifikanz erreicht.
Tabelle 4: Ergebnisse bei Studienende für CIN 2/3 oder AIS bei Probanden, die zu Studienbeginnjeweils negativ für den untersuchten HPV-Typ waren†
Negativ für ≥ 1 HPV-Typ
Zusammengefasste Gardasil Placebo
Endpunkte Fälle Fälle % Wirksamkeit 95 % KI(HPV 31/45) ‡ 34 60 43,2 % 12,1; 63,9(HPV 31/33/45/52/58)§ 111 150 25,8 % 4,6; 42,510 Nicht-Impfstoff- 162 211 23,0 % 5,1; 37,7
HPV-Typen║
HPV-16-verwandte 111 157 29,1 % 9,1; 44,9
Typen (A9-Spezies)
HPV 31 23 52 55,6 % 26,2; 74,1†
HPV 33 29 36 19,1 % < 0; 52,1†
HPV 35 13 15 13,0 % < 0; 61,9†
HPV 52 44 52 14,7 % < 0; 44,2†
HPV 58 24 35 31,5 % < 0; 61,0†
HPV-18-verwandte 34 46 25,9 % < 0; 53,9
Typen (A7-Spezies)
HPV 39 15 24 37,5 % < 0; 69,5†
HPV 45 11 11 0,0 % < 0; 60,7†
HPV 59 9 15 39,9 % < 0; 76,8†
A5-Spezies (HPV 51) 34 41 16,3 % < 0; 48,5†
A6-Spezies (HPV 56) 34 30 -13,7 % < 0; 32,5†† Die statistische Teststärke der Studien war nicht für eine Berechnung der jeweiligen typspezifischen
Wirksamkeit ausgelegt.
‡ Die Wirksamkeit basiert auf der Verringerung von HPV-31-assoziierten CIN 2/3 oder AIS in der
Gardasil-Gruppe§ Die Wirksamkeit basiert auf der Verringerung von HPV-31-, -33-, -52- und -58-assoziierten CIN 2/3oder AIS in der Gardasil-Gruppe.
║ Testbestätigte Nicht-Impfstoff-HPV-Typen 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59
Wirksamkeit bei Frauen von 24 bis 45 Jahren
Die Wirksamkeit von Gardasil bei Frauen von 24 bis 45 Jahren wurde in einer placebokontrollierten,randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie untersucht (Studie 019, FUTURE III); an dieser
Studie nahmen insgesamt 3.817 Frauen teil; Einschluss in die Studie und Impfung erfolgten ohnevorherige Untersuchung auf eine HPV-Infektion.
Die primären Endpunkte zur Wirksamkeit waren die kombinierte Inzidenz HPV-Typ-6-, -11-, -16-oder -18-bedingter und die kombinierte Inzidenz HPV-Typ-16- oder -18-bedingter persistierender
Infektion (entsprechend einer 6-Monats-Definition), Genitalwarzen, vulvärer und vaginaler Läsionen,
CIN jeglichen Schweregrades, AIS und Zervixkarzinom. Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum indieser Studie betrug 4,0 Jahre.
In der Langzeit-Beobachtungsstudie Studie 019 wurden 685 Frauen nachbeobachtet, die während der
Impfung mit Gardasil im Rahmen der Basisstudie 24 bis 45 Jahre alt waren. In der Per-Protokoll-
Efficacy(PPE)-Population wurden über einen Zeitraum von 10,1 Jahren (mittlerer
Nachbeobachtungszeitraum von 8,7 Jahren) keine Fälle von HPV-Erkrankungen (HPV-6/11/16/18-assoziierte CIN jeglichen Schweregrades und Genitalwarzen) beobachtet.
Wirksamkeit bei Frauen, die negativ für die relevanten Impfstoff-HPV-Typen waren
Die primären Wirksamkeitsanalysen wurden in der Per-Protokoll-Efficacy(PPE)-Populationdurchgeführt (d. h. alle Probanden, die alle 3 Dosen des Impfstoffs oder Placebo innerhalb eines
Jahres nach Einschluss in die Studie erhalten hatten, keine größeren Abweichungen vom
Studienprotokoll aufwiesen und vor Gabe der 1. Impfstoffdosis oder Placebo und bis einen Monatnach Gabe der dritten Impfstoffdosis oder Placebo (Monat 7) negativ für die relevanten HPV-Typenwaren). Die Fallzählung zur Ermittlung der Wirksamkeit begann nach der Kontrolluntersuchung im
Monat 7. Insgesamt waren 67 % der Probanden bei Einschluss in die Studie negativ für alle4 Impfstoff-HPV-Typen (PCR-negativ und seronegativ).
Die Wirksamkeit von Gardasil bezüglich der kombinierten Inzidenz HPV-Typ-6-, -11-, -16- oder -18-bedingter persistierender Infektion, Genitalwarzen, vulvärer und vaginaler Läsionen, CIN jeglichen
Schweregrades, AIS und Zervixkarzinom betrug 88,7 % (95 % KI: 78,1; 94,8).
Die Wirksamkeit von Gardasil bezüglich der kombinierten Inzidenz HPV-Typ-16- oder -18-bedingterpersistierender Infektion, Genitalwarzen, vulvärer und vaginaler Läsionen, CIN jeglichen
Schweregrades, AIS und Zervixkarzinom betrug 84,7 % (95 % KI: 67,5; 93,7).
Wirksamkeit bei Frauen mit und ohne vorbestehende Infektion oder Erkrankung durch HPV 6, 11, 16oder 18
Die 'Full Analysis Set“-Population (auch bekannt als ITT-Population) umfasste Frauen, dieunabhängig von ihrem HPV-Status an Tag 1 mindestens eine Impfung erhielten; die Fallzählungbegann an Tag 1. Diese Population entspricht bei Studienbeginn hinsichtlich der Prävalenz von HPV-
Infektionen oder -Erkrankungen in etwa der weiblichen Bevölkerung.
Die Wirksamkeit von Gardasil bezüglich der kombinierten Inzidenz HPV-Typ-6-, -11-, -16- oder -18-bedingter persistierender Infektion, Genitalwarzen, vulvärer und vaginaler Läsionen, CIN jeglichen
Schweregrades, AIS und Zervixkarzinom betrug 47,2 % (95 % KI: 33,5; 58,2).
Die Wirksamkeit von Gardasil bezüglich der kombinierten Inzidenz HPV-Typ-16- oder -18-bedingterpersistierender Infektion, Genitalwarzen, vulvärer und vaginaler Läsionen, CIN jeglichen
Schweregrades, AIS und Zervixkarzinom betrug 41,6 % (95 % KI: 24,3; 55,2).
Wirksamkeit bei Frauen (16 bis 45 Jahre) mit nachgewiesener vorbestehender Infektion mit einem
Impfstoff-HPV-Typen (seropositiv), der bei Beginn der Impfserie nicht mehr nachweisbar war(PCR-negativ)
In einer Post-hoc-Analyse der Daten von Teilnehmerinnen mit mindestens einer Impfung, bei deneneine frühere Infektion mit einem Impfstoff-HPV-Typen nachgewiesen wurde (seropositiv), die aberbei Beginn der Impfserie nicht mehr nachweisbar war (PCR-negativ), betrug die Wirksamkeit von
Gardasil zur Vorbeugung von Erkrankungen aufgrund des Wiederauftretens desselben HPV-Typs bei
Frauen von 16 bis 26 Jahren 100 % (95 % KI: 62,8; 100,0; 0 Fälle in der Gardasil-Gruppe, 12 Fälle inder Placebogruppe [n = 2.572 aus der Zusammenfassung von Studien mit jungen Frauen]) gegen
HPV-6-, -11-, -16- und -18-assoziierte CIN 2/3, VIN 2/3, VaIN 2/3 und Genitalwarzen. Bei Frauenvon 16 bis 45 Jahren betrug die Wirksamkeit 68,2 % (95 % KI: 17,9; 89,5; 6 Fälle in der Gardasil-
Gruppe, 20 Fälle [n = 832 aus der Zusammenfassung von Studien mit jungen und erwachsenen
Frauen] in der Placebogruppe) gegen persistierende HPV-16- und -18-assoziierte Infektionen.
Wirksamkeit bei Männern von 16 bis 26 Jahren
Beurteilt wurde die Wirksamkeit gegen HPV-6-, -11-, -16- oder -18-assoziierte äußere Genitalwarzen,penile/perineale/perianale intraepitheliale Neoplasien (PIN 1/2/3) und persistierende Infektion.
Die Wirksamkeit von Gardasil bei Männern von 16 bis 26 Jahren wurde in einer placebokontrollierten,doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studie untersucht (Studie 020). An dieser Studie nahmeninsgesamt 4.055 Männer teil; der Einschluss in die Studie und Impfung erfolgte ohne vorherige
Untersuchung auf eine HPV-Infektion, der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug 2,9 Jahre.
Die Wirksamkeit gegen anale intraepitheliale Neoplasien (AIN 1/2/3), Analkarzinome undpersistierende Infektionen im Analbereich wurde in einer Untergruppe von 598 Männern(Gardasil = 299, Placebo = 299), die nach eigenen Angaben Geschlechtsverkehr mit Männern haben(MSM-Population = men who have sex with men), in Studie 020 untersucht.
In der MSM-Population besteht ein höheres Risiko für HPV-Infektionen im Analbereich im Vergleichzur Gesamtbevölkerung. Es wird erwartet, dass der absolute Nutzen der Impfung zur Prävention von
Analkarzinomen in der Gesamtbevölkerung sehr gering ist.
Eine Infektion mit HIV war ein Ausschlusskriterium (siehe Abschnitt 4.4).
Wirksamkeit bei Männern, die negativ für die entsprechenden Impfstoff-HPV-Typen waren
Die primären Wirksamkeitsanalysen wurden für die Impfstoff-HPV-Typen (HPV 6, 11, 16, 18) in der
Per-Protokoll-Efficacy(PPE)-Population durchgeführt (d. h., alle Probanden erhielten alle3 Impfungen innerhalb eines Jahres nach Einschluss in die Studie, hatten keine größeren
Prüfplanverletzungen und waren vor der 1. Dosis bis einen Monat nach der 3. Dosis [Monat 7] negativfür den entsprechenden HPV-Typ/die entsprechenden HPV-Typen). Die Fallzählung zur Ermittlungder Wirksamkeit begann nach der Kontrolluntersuchung im Monat 7. Insgesamt waren 83 % der
Männer (87 % der heterosexuellen Probanden und 61 % der MSM-Population) bei Einschluss in die
Studie negativ für alle 4 HPV-Typen (PCR-negativ und seronegativ).
Intraepitheliale Neoplasien des Anus (AIN) 2/3 (mittel- bis hochgradige Dysplasien) dienten in denklinischen Studien als Surrogatmarker für das Analkarzinom.
Daten zur Wirksamkeit bezüglich der relevanten Endpunkte wurden bei Studienende (mittlerer
Nachbeobachtungszeitraum = 2,4 Jahre) in der PPE-Population analysiert und sind in Tabelle 5dargestellt. Eine Wirksamkeit gegen PIN 1/2/3 konnte nicht belegt werden.
Tabelle 5: Wirksamkeit von Gardasil gegen Läsionen im äußeren Genitalbereich in der PPE*-
Population bei 16 bis 26 Jahre alten Männern
Gardasil Placebo % Wirksamkeit (95 % KI)
Endpunkt N Anzahl der Fälle N Anzahl der Fälle
HPV-6/11/16/18-assoziierte Läsionen im äußeren Genitalbereich
Läsionen im äußeren 1.394 3 1.404 32 90,6 (70,1; 98,2)
Genitalbereich
Genitalwarzen 1.394 3 1.404 28 89,3 (65,3; 97,9)
PIN 1/2/3 1.394 0 1.404 4 100,0 (-52,1; 100,0)
* Die Probanden der PPE-Population erhielten alle 3 Impfungen innerhalb eines Jahres nach Einschluss in die Studie, hattenkeine größeren Prüfplanverletzungen und waren vor der 1. Dosis bis einen Monat nach der 3. Dosis (Monat 7) negativ fürden entsprechenden HPV-Typ/die entsprechenden HPV-Typen.
Bei der am Studienende durchgeführten Analyse analer Läsionen in der MSM-Population (mittlerer
Nachbeobachtungszeitraum = 2,15 Jahre) betrug der Schutz gegen HPV-6-, -11-, -16-, -18-assoziierte
AIN 2/3 74,9 % (95 % KI: 8,8; 95,4; 3/194 gegenüber 13/208) und gegen HPV-16- oder -18-assoziierte AIN 2/3 86,6 % (95 % KI: 0,0; 99,7; 1/194 gegenüber 8/208 Fällen).
Derzeit ist nicht bekannt, wie lange die Schutzwirkung vor Analkarzinomen anhält. In der Langzeit-
Beobachtungsstudie Studie 020 wurden 917 Männer nachbeobachtet, die während der Impfung mit
Gardasil im Rahmen der Basisstudie 16 bis 26 Jahre alt waren. In der Per-Protokoll-Efficacy(PPE)-
Population wurden in einem Zeitraum von 11,5 Jahren (mittlerer Nachbeobachtungszeitraum von9,5 Jahren) keine Fälle von HPV-6/11-assoziierten Genitalwarzen, HPV-6/11/16/18-assoziierten
Läsionen im äußeren Genitalbereich oder HPV-6/11/16/18-assozierten hochgradigen AIN in der
MSM-Gruppe beobachtet.
Wirksamkeit bei Männern mit und ohne vorbestehende Infektion oder Erkrankung durch HPV 6, 11,16 oder 18
Die 'Full Analysis Set“-Population umfasste Männer, die unabhängig von ihrem HPV-Status (an
Tag 1) mindestens eine Impfung erhielten; die Fallzählung begann an Tag 1. Diese Population bei
Studienbeginn entspricht hinsichtlich der Prävalenz von HPV-Infektionen oder -Erkrankungen in etwader männlichen Gesamtbevölkerung.
Die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16- oder -18-assoziierte äußere Genitalwarzenbetrug in dieser Population 68,1 % (95 % KI: 48,8; 79,3).
Die Wirksamkeit von Gardasil gegen HPV-6-, -11-, -16-, -18-assoziierte AIN 2/3 und HPV-16- oder -18-assoziierte AIN 2/3 in der MSM-Untergruppenanalyse betrug 54,2 % (95 % KI: 18,0; 75,3; 18/275gegenüber 39/276) bzw. 57,5 % (95 % KI: -1,8; 83,9; 8/275 gegenüber 19/276 Fällen).
Reduzierung der Gesamtkrankheitslast durch HPV-Erkrankungen bei Männern von 16 bis 26 Jahren
Der Effekt von Gardasil hinsichtlich des Gesamtrisikos für Läsionen im äußeren Genitalbereich wurdenach der ersten Impfung bei 2.545 Probanden beurteilt, die in die Phase-III-Wirksamkeitsstudie(Studie 020) eingeschlossen waren. Bei Männern, die negativ für 14 häufige HPV-Typen waren,reduzierte die Verabreichung von Gardasil die Häufigkeit von äußeren Läsionen im Genitalbereich,die durch Impfstoff- oder Nicht-Impfstoff-HPV-Typen verursacht waren, um 81,5 % (95 % KI: 58,0;93,0). In der 'Full Analysis Set“(FAS)-Population war der Nutzen des Impfstoffs bezüglich der
Gesamthäufigkeit von EGL mit einer Reduzierung um 59,3 % (95 % KI: 40,0; 72,9) geringer, da
Gardasil den Verlauf von bei Beginn der Impfserie bereits vorhandenen Infektionen oder
Erkrankungen nicht beeinflusst.
Effekt auf die Häufigkeit von Biopsien und operativen therapeutischen Maßnahmen
Der Effekt von Gardasil auf die Biopsie- und Behandlungshäufigkeit von EGL unabhängig vomursächlichen HPV-Typ wurde bei 2.545 Probanden beurteilt, die in die Studie 020 eingeschlossenwaren. Bei Studienende zeigte sich in der mit Gardasil geimpften HPV-naiven Population (negativ für14 häufige HPV-Typen), dass sich der Anteil der Männer, bei denen eine Biopsie durchgeführt werdenmusste, um 54,2 % (95 % KI: 28,3; 71,4) reduzierte; die Behandlungen reduzierten sich um 47,7 %(95 %: 18,4; 67,1). In der FAS-Population betrug die entsprechende Reduktion 45,7 % (95 % KI: 29,0;58,7) und 38,1 % (95 % KI: 19,4; 52,6).
ImmunogenitätAssays zur Bestimmung der Immunantwort
Für HPV-Impfstoffe kann bisher keine schützende Mindest-Antikörperkonzentration festgelegtwerden.
Die Immunogenität von Gardasil wurde bei 20.132 (Gardasil n = 10.723, Placebo n = 9.409) Mädchenund Frauen von 9 bis 26 Jahren, 5.417 (Gardasil n = 3.109, Placebo n = 2.308) Jungen und Männernvon 9 bis 26 Jahren sowie 3.819 Frauen von 24 bis 45 Jahren (Gardasil n = 1.911, Placebo n = 1.908)ermittelt.
Die Immunogenität jedes einzelnen Impfstoff-HPV-Typs wurde mittels eines typspezifischen,kompetitiven Immunoassays, der auf Luminex basiert (cLIA10), mit typspezifischen Standardsbestimmt. Dieser Assay misst für jeden einzelnen HPV-Typ die Antikörper gegen ein einzigesneutralisierendes Epitop.
Immunantwort auf Gardasil 1 Monat nach der 3. Impfdosis
In den klinischen Studien mit Frauen von 16 bis 26 Jahren betrugen die Serokonversionsraten 1 Monatnach der 3. Impfdosis in der Gardasil-Gruppe 99,8 % für anti-HPV 6; 99,8 % für anti-HPV 11; 99,8 %für anti-HPV 16 und 99,5 % für anti-HPV 18. In der klinischen Studie mit Frauen von 24 bis45 Jahren waren 1 Monat nach der dritten Dosis Gardasil 98,4 % seropositiv für anti-HPV 6, 98,1 %seropositiv für anti-HPV 11, 98,8 % seropositiv für anti-HPV 16 und 97,4 % seropositiv für anti-10 cLIA: competitive Luminex-based immunoassay
HPV 18. In der klinischen Studie mit Männern im Alter von 16 bis 26 Jahren waren 1 Monat nach der3. Dosis Gardasil 98,9 % der Probanden seropositiv für anti-HPV 6, 99,2 % seropositiv für anti-
HPV 11, 98,8 % seropositiv für anti-HPV 16 und 97,4 % seropositiv für anti-HPV 18. Gardasilinduzierte 1 Monat nach der 3. Dosis bei allen getesteten Altersgruppen hohe geometrische
Mittelwerte (GMT) der anti-HPV-Titer.
Erwartungsgemäß waren die gemessenen Antikörpertiter bei Frauen von 24 bis 45 Jahren(Protokoll 019) niedriger als bei Frauen von 16 bis 26 Jahren.
Bei Probanden, bei denen eine HPV-Infektion ausgeheilt war (seropositiv, PCR-negativ), waren dieanti-HPV-Antikörperkonzentrationen in der Placebogruppe deutlich niedriger als in der
Impfstoffgruppe. Darüber hinaus blieben die anti-HPV-Antikörperkonzentrationen (GMTs) bei den
Probanden, die den Impfstoff erhalten hatten, in der Langzeit-Nachbeobachtung der Phase-III-Studienauf Höhe oder über der Nachweisgrenze (cut-off) (siehe nachstehend unter Antikörperpersistenz nach
Impfung mit Gardasil).
Übertragbarkeit der Wirksamkeitsdaten von Gardasil von Frauen auf Mädchen
In einer klinischen Studie (Studie 016) wurde die Immunogenität von Gardasil bei 10- bis 15-jährigen
Mädchen verglichen mit der Immunogenität bei 16- bis 23-jährigen Frauen. In der Impfstoffgruppebetrug die Serokonversionsrate 1 Monat nach der 3. Dosis 99,1 bis 100 % für alle Impfstoff-Typen.
Tabelle 6 vergleicht die anti-HPV-GMTs11 gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 von 9- bis 15-jährigen
Mädchen 1 Monat nach der 3. Dosis mit denen von 16- bis 26-jährigen Frauen.
Tabelle 6: Ergebnisse zur Untersuchung der Immunogenität bei 9- bis 15-jährigen Mädchen im
Vergleich zu 16- bis 26-jährigen Frauen (Per-Protocol-Gruppe), Antikörperkonzentrationen bestimmtmittels cLIA9- bis 15-jährige Mädchen 16- bis 26-jährige Frauen(Studien 016 und 018) (Studien 013 und 015)n GMT (95 % KI) n GMT (95 % KI)
HPV 6 915 929 (874; 987) 2.631 543 (526; 560)
HPV 11 915 1.303 (1.223; 1.388) 2.655 762 (735; 789)
HPV 16 913 4.909 (4.584; 5.300) 2.570 2.294 (2.185; 2.408)
HPV 18 920 1.040 (965; 1.120) 2.796 462 (444; 480)
GMT - Geometric mean titer in mMU/ml (mMU = milli-Merck units)
Die anti-HPV-Immunantworten waren in Monat 7 bei den 9- bis 15-jährigen Mädchen nicht niedrigerals bei den 16- bis 26-jährigen Frauen, bei denen die Wirksamkeit in den Phase-III-Studiennachgewiesen wurde. Die Immunogenität war altersabhängig: die anti-HPV-
Antikörperkonzentrationen waren in Monat 7 bei unter 12-Jährigen signifikant höher als bei über12-Jährigen.
Aus der Vergleichbarkeit der Immunogenität kann abgeleitet werden, dass die Wirksamkeit von
Gardasil auf 9- bis 15-jährige Mädchen übertragbar ist.
In der Langzeit-Beobachtungsstudie Studie 018 wurden 369 Mädchen nachbeobachtet, die währendder Impfung mit Gardasil im Rahmen der Basisstudie 9 bis 15 Jahre alt waren. In der Per-Protokoll-
Efficacy(PPE)-Population wurden über einen Zeitraum von 10,7 Jahren (mittlerer
Nachbeobachtungszeitraum von 10,0 Jahren) keine Fälle von HPV-Erkrankungen (HPV-6/11/16/18-assoziierte CIN jeglichen Schweregrades und Genitalwarzen) beobachtet.
Übertragbarkeit der Wirksamkeitsdaten von Gardasil von Männern auf Jungen
In drei klinischen Studien (Studie 016, 018 und 020) wurde die Immunogenität von Gardasil bei 9- bis15-jährigen Jungen und 16- bis 26-jährigen Männern verglichen. In der Impfstoffgruppe betrug die11 GMT: geometric mean titer
Serokonversionsrate 1 Monat nach der 3. Dosis 97,4 bis 99,9 % für alle Impfstoff-Typen.
Tabelle 7 vergleicht die anti-HPV-GMTs gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 von 9- bis 15-jährigen
Jungen 1 Monat nach der 3. Dosis mit denen von 16- bis 26-jährigen Männern.
Tabelle 7: Ergebnisse zur Untersuchung der Immunogenität bei 9- bis 15-jährigen Jungen im
Vergleich zu 16- bis 26-jährigen Männern (Per-Protocol-Gruppe), Antikörperkonzentrationenbestimmt mittels cLIA9- bis 15-jährige Jungen 16- bis 26-jährige Männern GMT (95 % KI) n GMT (95 % KI)
HPV 6 884 1.038 (964; 1.117) 1.093 448 (419; 479)
HPV 11 885 1.387 (1.299; 1.481) 1.093 624 (588; 662)
HPV 16 882 6.057 (5.601; 6.549) 1.136 2.403 (2.243; 2.575)
HPV 18 887 1.357 (1.249; 1.475) 1.175 403 (375; 433)
GMT - Geometric mean titer in mMU/ml (mMU = milli-Merck units)
Die anti-HPV-Immunantworten waren in Monat 7 bei den 9- bis 15-jährigen Jungen nicht niedriger alsbei den 16- bis 26-jährigen Männern, bei denen die klinische Wirksamkeit in den Phase-III-Studiennachgewiesen wurde. Die Immunogenität war altersabhängig: die anti-HPV-
Antikörperkonzentrationen waren in Monat 7 bei jüngeren Probanden signifikant höher.
Aus der Vergleichbarkeit der Immunogenität kann abgeleitet werden, dass die Wirksamkeit von
Gardasil auf 9- bis 15-jährige Jungen übertragbar ist.
In der Langzeit-Beobachtungsstudie Studie 018 wurden 326 Jungen nachbeobachtet, die während der
Impfung mit Gardasil im Rahmen der Basisstudie 9 bis 15 Jahre alt waren. In der Per-Protokoll-
Efficacy(PPE)-Population wurden über einen Zeitraum von 10,6 Jahren (mittlerer
Nachbeobachtungszeitraum von 9,9 Jahren) keine Fälle von HPV-Erkrankungen (HPV-6/11/16/18-assoziierte Läsionen im äußeren Genitalbereich) beobachtet.
Antikörperpersistenz nach Impfung mit Gardasil
Bei einer Untergruppe von Personen, die in die Phase-III-Studien eingeschlossen waren, wurde eine
Langzeit-Beobachtung zur Sicherheit, Immunogenität und Wirksamkeit durchgeführt. Zusätzlich zumcLIA wurde der Gesamt-IgG Luminex Immunoassay (IgG LIA ) zur Feststellung der
Antikörperpersistenz verwendet.
In allen Populationen (Frauen von 9 bis 45 Jahren, Männer von 9 bis 26 Jahren) wurden in Monat 7die höchsten anti-HPV-GMTs für die Typen 6, 11, 16 und 18 im cLIA gemessen. Anschließendsanken die GMTs bis einschließlich Monat 24 bis 48 ab und blieben dann in der Regel auf einemstabilen Niveau. Die Immunität nach Verabreichung aller 3 Impfdosen wurde bis zu einer Dauer von14 Jahren nach Impfung beobachtet.
Die Mädchen und Jungen, die im Alter von 9 bis 15 Jahren in der Basisstudie 018 mit Gardasilgeimpft wurden, wurden in einer Verlängerungsstudie nachbeobachtet. Abhängig vom HPV-Typwaren 60 bis 96 % und 78 bis 98 % der Probanden 10 Jahre nach der Impfung im cLIA bzw. im IgG
LIA seropositiv (siehe Tabelle 8).
Tabelle 8: Langzeitdaten zur Immunogenität (Per-Protocol-Gruppe) auf Grundlage des Prozentsatzesseropositiver Probanden für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 15 Jahren, gemessen nach10 Jahren mittels cLIA und IgG LIA (Studie 018)cLIA IgG LIA% seropositive % seropositiven n
Probanden Probanden
HPV 6 409 89 % 430 93 %
HPV 11 409 89 % 430 90 %
HPV 16 403 96 % 426 98 %
HPV 18 408 60 % 429 78 %
Frauen, die im Alter von 16 bis 23 Jahren in der Basisstudie 015 mit Gardasil geimpft wurden, wurdenin einer Verlängerungsstudie nachbeobachtet. Vierzehn Jahre nach der Impfung waren 91 % der
Probanden im cLIA seropositiv für anti-HPV 6, 91 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 98 % warenseropositiv für anti-HPV 16 und 52 % für anti-HPV 18. Im IgG LIA waren 98 % der Probandenseropositiv für anti-HPV 6, 98 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 100 % waren seropositiv füranti-HPV 16 und 94 % für anti-HPV 18.
Frauen, die im Alter von 24 bis 45 Jahren in der Basisstudie 019 mit Gardasil geimpft wurden, wurdenin einer Verlängerungsstudie nachbeobachtet. Zehn Jahre nach der Impfung waren 79 % der
Probanden im cLIA seropositiv für anti-HPV 6, 85 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 94 % warenseropositiv für anti-HPV 16 und 36 % für anti-HPV 18. Im IgG LIA waren 86 % der Probandenseropositiv für anti-HPV 6, 79 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 100 % waren seropositiv füranti-HPV 16 und 83 % für anti-HPV 18.
Männer, die im Alter von 16 bis 26 Jahren in der Basisstudie 020 mit Gardasil geimpft wurden,wurden in einer Verlängerungsstudie nachbeobachtet. Zehn Jahre nach der Impfung waren 79 % der
Probanden im cLIA seropositiv für anti-HPV 6, 80 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 95 % warenseropositiv für anti-HPV 16 und 40 % für anti-HPV 18. Im IgG LIA waren 92 % der Probandenseropositiv für anti-HPV 6, 92 % waren seropositiv für anti-HPV 11, 100 % waren seropositiv füranti-HPV 16 und 92 % für anti-HPV 18.
In diesen Studien waren Personen, die im cLIA seronegativ für anti-HPV 6, anti-HPV 11, anti-
HPV 16 und anti-HPV 18 gewesen waren, nach einem Nachbeobachtungszeitraum von 14 Jahren(Frauen im Alter von 16 bis 23 Jahren), von 10 Jahren (Frauen im Alter von 24 bis 45 Jahren) bzw.von 10 Jahren (Männer im Alter von 16 bis 26 Jahren) weiterhin vor klinischen Erkrankungengeschützt.
Nachweis einer anamnestischen Immunantwort (Immunologisches Gedächtnis)
Eine anamnestische Immunantwort wurde bei geimpften Frauen nachgewiesen, die vor der Impfungseropositiv für die entsprechenden HPV-Typen waren. Darüber hinaus entwickelte eine Untergruppevon geimpften Frauen, die 5 Jahre nach der ersten Dosis der Impfserie eine weitere Dosis Gardasilerhielten, eine rasch einsetzende und stark ausgeprägte anamnestische Immunantwort, die weit überden anti-HPV-GMTs lag, die 1 Monat nach der 3. Dosis gemessen wurden.
HIV-infizierte Personen
Sicherheit und Immunogenität von Gardasil wurden in einer wissenschaftlichen Studie mit 126 HIV-infizierten Probanden (davon erhielten 96 Gardasil) im Alter von 7 bis 12 Jahren dokumentiert. Die
Serokonversionsrate für alle vier Antigene betrug mehr als 96 %. Die GMTs waren etwas niedriger alsdie GMTs, die in anderen Studien für Nicht-HIV-Infizierte gleichen Alters berichtet wurden. Dieklinische Relevanz der geringeren Immunantwort ist nicht bekannt. Das Sicherheitsprofil entsprachdem von Nicht-HIV-Infizierten aus anderen Studien. Der prozentuale Anteil der CD4-Zellen oder die
Plasmakonzentration von HIV-RNS wurden durch die Impfung nicht beeinflusst.
Immunantwort auf Gardasil bei Verabreichung nach dem 2-Dosen-Impfschema bei Personen im Altervon 9 bis 13 Jahren
In einer klinischen Studie wurde gezeigt, dass die Immunantwort auf die 4 Impfstoff-HPV-Typeneinen Monat nach der letzten Dosis bei Mädchen, die 2 Dosen des HPV-Impfstoffs im Abstand von6 Monaten erhalten haben, der Immunantwort bei jungen Frauen, die innerhalb von 6 Monaten3 Dosen des Impfstoffs erhalten haben, nicht unterlegen war.
In der Per-Protokoll-Population war in Monat 7 die Immunantwort bei Mädchen im Alter von 9 bis13 Jahren (n = 241), die 2 Dosen Gardasil (in Monat 0 und 6) erhalten haben, bei höherer
Antikörperkonzentration, der Immunantwort von Frauen im Alter von 16 bis 26 Jahren (n = 246), die3 Dosen Gardasil (in Monat 0, 2 und 6) erhalten haben, nicht unterlegen.
Nach dem Nachbeobachtungszeitraum von 36 Monaten war der GMT bei Mädchen (2 Dosen, n = 86)für alle 4 HPV-Typen weiterhin nicht niedriger als der GMT bei Frauen (3 Dosen, n = 86).
In derselben Studie war bei Mädchen im Alter von 9 bis 13 Jahren die Antikörperkonzentration nacheinem 2-Dosen-Impfschema niedriger als nach einem 3-Dosen-Impfschema (n = 248 im Monat 7;n = 82 im Monat 36). Die klinische Relevanz dieser Beobachtung ist nicht bekannt.
Es wurden Post-Hoc-Analysen nach 120 Monaten Follow-up zu Mädchen (2 Dosen, N = 35; 3 Dosen,n = 38) und Frauen (3 Dosen, n = 30) durchgeführt. Die Verhältnisse der GMTs (Mädchen, die2 Dosen erhielten/Frauen, die 3 Dosen erhielten) reichten von 0,99 bis 2,02 für alle 4 HPV-Typen. Die
Verhältnisse der GMTs (Mädchen, die 2 Dosen erhielten/ Mädchen, die 3 Dosen erhielten) reichtenvon 0,72 bis 1,21 für alle 4 HPV-Typen. Die Untergrenze des 95%-Konfidenzintervalls aller GMT-
Verhältnisse blieb > 0,5 bis Monat 120 (außer für HPV 18 bei Mädchen, die 2 Dosen erhielten/
Mädchen, die 3 Dosen erhielten).
Die Seropositivitätsraten bei Mädchen und Frauen lagen im cLIA bei > 95 % für HPV 6, 11, und 16.
Bei HPV 18 waren die Seropositivitätsraten im cLIA > 80 % bei Mädchen, die 2 Dosen erhaltenhatten und > 90 % bei Mädchen, die 3 Dosen erhalten hatten sowie > 60 % bei Frauen, die 3 Dosenerhalten hatten.
Prävention der juvenilen Form der rezidivierenden respiratorischen Papillomatose (JoRRP) durch
Impfung von Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter
JoRRP wird durch eine Infektion der oberen Atemwege, hauptsächlich mit den HPV-Typen 6 und 11,verursacht, die vertikal (von Mutter zu Kind) während der Geburt übertragen wird.
Beobachtungsstudien in den USA und Australien haben gezeigt, dass die Einführung von Gardasil seit2006 zu einem Rückgang der Inzidenz von JoRRP auf Populationsebene geführt hat.