Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels FERACCRU 30mg kapseln
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Feraccru 30 mg Hartkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Kapsel enthält 30 mg Eisen (als Eisen(III)-Maltol).
Sonstige(r) Bestandteil(e) mit bekannter WirkungJede Kapsel enthält 91,5 mg Lactose-Monohydrat, 0,3 mg Allurarot (E129) und 0,1 mg Gelborange S(E 110).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Hartkapseln.
Rote Kapsel mit “30“ bedruckt, (19 mm lang x 7 mm Durchmesser).
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Feraccru wird angewendet zur Behandlung des Eisenmangels bei Erwachsenen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich (morgens und abends) eine Kapsel auf nüchternen
Magen (siehe Abschnitt 4.5).
Die Behandlungsdauer hängt von der Schwere des Eisenmangels ab; im Allgemeinen ist jedoch eine
Mindestbehandlungsdauer von 12 Wochen erforderlich. Es wird empfohlen, die Behandlung unter
Überwachung entsprechender Laborparameter so lange fortzusetzen, wie dies notwendig ist, um die
Eisenspeicher des Körpers wieder aufzufüllen.
Ältere Patienten und Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörung
Bei älteren Patienten oder Patienten mit Nierenfunktionsstörung (eGFR ≥ 15 ml/min/1,73 m2) ist keine
Dosisanpassung erforderlich.
Es liegen keine klinischen Daten zur Notwendigkeit einer Dosisanpassung bei Patienten miteingeschränkter Leberfunktion und/oder Nierenfunktionsstörung (eGFR < 15 ml/min/1,73 m2) vor(siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Feraccru bei Kindern im Alter bis zu 17 Jahren ist bisher nochnicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungZum Einnehmen.
Feraccru-Kapseln sollten unzerkaut auf nüchternen Magen (mit einem halben Glas Wasser)eingenommen werden, da die Resorption von Eisen vermindert ist, wenn sie zusammen mit Nahrungeingenommen werden (siehe Abschnitt 4.5).
4.3 Kontraindikationen
* Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
* Hämochromatose und sonstige Eisenüberladungssyndrome.
* Patienten, die wiederholt Bluttransfusionen erhalten.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Die Diagnose eines Eisenmangels oder einer Eisenmangelanämie soll anhand von Blutuntersuchungengestellt werden. Es ist wichtig, die Ursache des Eisenmangels zu untersuchen und andere Ursachen fürdie Anämie als Eisenmangel auszuschließen (z. B. Magenerosionen, Kolonkarzinom).
Feraccru ist nicht zur Anwendung bei Patienten im akuten Schub einer chronisch entzündlichen
Darmerkrankung (CED) oder bei CED-Patienten mit einem Hämoglobinwert (Hb) unter 9,5 g/dlempfohlen.
Die gleichzeitige Anwendung von Eisen(III)-Maltol mit intravenösem Eisen, Dimercaprol,
Chloramphenicol oder Methyldopa ist zu vermeiden (siehe Abschnitt 4.5).
Dieses Arzneimittel enthält Lactose: Patienten mit den seltenen hereditären Galactose-Intoleranz,völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nichteinnehmen.
Dieses Arzneimittel enthält außerdem Allurarot AC (E 129) und Gelborange S (E 110): Diese könnenallergische Reaktionen hervorrufen.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Kapsel, d. h. es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit Eisen(III)-Maltol durchgeführt.
Ausgehend von einer In-vitro-Studie wird Maltol durch UGT1A6 glukuronisiert (siehe Abschnitt 5.2).
Es wurde gezeigt, dass Nahrung die Aufnahme von Feraccru hemmt: Das Arzneimittel sollte aufnüchternen Magen eingenommenwerden (siehe Abschnitt 4.2).
Intravenöse Verabreichung von Eisensalzen
Die gleichzeitige Verabreichung von Feraccru und intravenösem Eisen sollte vermieden werden, dadiese Kombination aufgrund der schnellen Freisetzung von Eisen infolge der durch das intravenöse
Eisen verursachten Transferrinsättigung zu Hypotonie oder sogar zum Kollaps führen kann.
Arzneimittel, die die Resorption und Verteilung von in Feraccru enthaltenem Eisenbeeinträchtigen können
Die Resorption von oral verabreichtem Eisen kann durch Calcium- und Magnesiumsalze (wie z. B.
Magnesiumtrisilikat) vermindert werden. Die Gabe von Eisenpräparaten und diesen Verbindungensollte in einem Abstand von mindestens 2 Stunden erfolgen.
Auswirkungen von Feraccru auf die Resorption anderer Arzneimittel
Es ist bekannt, dass oral verabreichtes Eisen die Resorption von Penicillamin, Bisphosphonaten,
Ciprofloxacin, Entacapon, Levodopa, Levofloxacin, Levothyroxin (Thyroxin), Moxifloxacin,
Mycophenolat, Norfloxacin und Ofloxacin vermindert. Der zeitliche Abstand zwischen der Einnahmevon diesen Arzneimitteln und Feraccru sollte mindestens 2 Stunden betragen.
Wenn orales Eisen zusammen mit Tetracyclin verabreicht wird, kann sowohl die Resorption von Eisenals auch die Resorption des Antibiotikums vermindert sein. Die Gabe von Eisenpräparaten und
Tetracyclinen sollte in einem zeitlichen Abstand von 2 bis 3 Stunden erfolgen.
Pharmakodynamische WechselwirkungenDie gleichzeitige Anwendung von Eisen und Dimercaprol ist nephrotoxisch (siehe Abschnitt 4.4).
Die gleichzeitige Anwendung von Chloramphenicol verlangsamt die Plasma-Eisen-Clearance,vermindert den Eiseneinbau in die Erythrozyten und stört die Erythropoese (siehe Abschnitt 4.4).
Die gleichzeitige Anwendung von Eisen und Methyldopa kann der hypotensiven Wirkung von
Methyldopa entgegenwirken (siehe Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftAus begrenzten Datenmengen zur oralen Anwendung von Eisen(III)-Maltol bei Schwangeren ergabensich keine Hinweise auf eine Fehlbildungsrisiko oder eine fetale/neonatale Toxizität. Die systemische
Exposition gegenüber dem intakten Eisen(III)-Maltol-Komplex ist zu vernachlässigen. Fallsnotwendig kann eine Anwendung von Feraccru während der Schwangerschaft in Betrachtgezogen werden.
StillzeitEisen(III)-Maltol zeigte keine Auswirkungen auf gestillte Neugeborene/Kinder von behandelten
Müttern. Eisen(III)-Maltol ist systemisch nicht verfügbar; es ist daher unwahrscheinlich, dass es in die
Muttermilch übergeht. Ferracru kann während der Stillzeit bei klinischem Bedarf angewendet werden.
FertilitätEs liegen keine Daten über die Auswirkungen von Eisen(III)-Maltol auf die humane Fertilität vor. Eswerden keine Auswirkungen auf die Fertilität erwartet, da die systemische Exposition gegenüber
Eisen(III)-Maltol zu vernachlässigen ist.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenFeraccru hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen waren gastrointestinale Beschwerden(Bauchschmerzen [8 %], Flatulenz [4 %], Obstipation [4 %], abdominale Beschwerden[2 %]/aufgetriebener Bauch [2 %] und Diarrhö [3 %]); diese waren meist von leichtem bismittelschwerem Schweregrad. Zu den gemeldeten schweren Nebenwirkungen zählten
Bauchschmerzen [4 %], Obstipation [0,9 %] und Diarrhö [0,9 %].
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenIn Tabelle 1 sind alle Nebenwirkungen aufgeführt, die bisher in klinischen Studien mit Feraccruauftraten.
Die Häufigkeiten von Nebenwirkungen sind wie folgt definiert: Sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100,< 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100), selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000) und sehr selten (< 1/10.000).
Tabelle 1: Während der bisher durchgeführten klinischen Studien beobachtete
Nebenwirkungen
Systemorganklasse Häufig Gelegentlich
Erkrankungen des Kopfschmerzen
Nervensystems
Erkrankungen des Bauchschmerzen (einschließlich Bakterielle Überwucherung
Gastrointestinaltrakts Oberbauchschmerzen) des Dünndarms
Flatulenz Erbrechen
Verstopfung
Abdominale Beschwerden /aufgetriebener Bauch
Durchfall
Stuhlverfärbung
Übelkeit
Erkrankungen der Haut und Aknedes Unterhautzellgewebes Erythem
Skelettmuskulatur-, Gelenksteifigkeit
Bindegewebs- und Schmerzen in den Gliedmaßen
Knochenerkrankungen
Allgemeine Erkrankungen Durstund Beschwerden am
Verabreichungsort
Untersuchungen Alkalische Phosphatase im Blut erhöht
Thyreotropin (TSH) im Blut erhöht
Gamma-Glutamyltransferase erhöht
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Eine Eisenüberdosierung ist gefährlich, kann bei Kindern, Säuglingen und Kleinkindernlebensbedrohlich sein und bedarf sofortiger Behandlung.
Symptome einer Eisenüberdosierung
Frühe Anzeichen und Symptome sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und
Diarrhö. Das Erbrochene und der Stuhl können eine graue oder schwarze Färbung aufweisen. Inleichten Fällen bessern sich die frühen Symptome; in schwereren Fällen können jedoch Anzeichen von
Hypoperfusion (kalte Extremitäten und Hypotonie), metabolischer Azidose und systemischer Toxizitätauftreten. In schwerwiegenden Fällen können erneut Erbrechen und gastrointestinale Blutungen bis zu12 Stunden nach der Einnahme auftreten. Hypovolämie oder direkte Kardiotoxizität können in einem
Schock resultieren. In diesem Stadium weist der Patient Merkmale einer hepatozellulären Nekrose auf,mit Gelbsucht, Blutungen, Hypoglykämie, Enzephalopathie und metabolischer Azidose mitvergrößerter Anionenlücke. Eine schlechte Gewebedurchblutung kann zu Nierenversagen führen. Inseltenen Fällen können Vernarbungen im Magen, die zu einer Verengung oder einer Pylorusstenoseführen (jeweils einzeln oder in Kombination), 2-5 Wochen nach der Einnahme eine partielle odervollständige Darmobstruktion verursachen.
Die Einnahme von 20 mg/kg elementarem Eisen ist potenziell toxisch, und die Einnahme von200-250 mg/kg ist potenziell tödlich. Es existiert keine einzelne Untersuchungsmethode, die für sichalleine eine vollumfänglich zufriedenstellende Untersuchung ermöglicht - es müssen klinische
Merkmale ebenso wie Laboranalysen berücksichtigt werden. Der aussagekräftigste Labormesswert zur
Bestimmung der Schwere ist der Eisenspiegel im Serum ca. 4 Stunden nach der Einnahme.
BehandlungEs sollten unterstützende und symptomatische Maßnahmen entsprechend der etabliertenmedizinischen Standardversorgung ergriffen werden. Die Anwendung von Deferoxamin sollte in
Erwägung gezogen werden: Nähere Informationen sind der vom Hersteller bereitgestellten
Produktinformation zu entnehmen. Durch Hämodialyse wird Eisen nicht effektiv entfernt; das
Verfahren sollte jedoch als unterstützende Maßnahme bei akutem Nierenversagen in Erwägunggezogen werden, da dadurch die Entfernung des Deferoxamin-Eisenkomplexes unterstützt wird.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antianämika, Eisen(III)-haltiges Präparat zum Einnehmen,
ATC-Code: B03AB10.
WirkmechanismusFeraccru enthält Eisen in einem stabilen Eisen(III)-Zustand als Komplex mit einem Trimaltol-
Liganden. Der Komplex dient der kontrollierten Bereitstellung von verwertbarem Eisen zur Aufnahmeüber die Darmwand und zur Bindung an die Transport- und Speicherproteine im Körper (Transferrinbzw. Ferritin). Bei der Aufnahme aus dem Gastrointestinaltrakt findet die Dissoziation des Komplexesstatt, und der Komplex selbst tritt nicht in den systemischen Kreislauf ein.
Klinische WirksamkeitCED-Studien
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Feraccru bei der Behandlung von Eisenmangelanämie wurde an128 Patienten (im Alter von 18-76 Jahren; 45 Männer und 83 Frauen) mit inaktiver bis leicht aktiver
CED (58 Patienten mit Colitis ulcerosa [UC] und 70 Patienten mit Morbus Crohn [MC]) und Baseline-
Hb-Konzentrationen zwischen 9,5 g/dl und 12 g/dl bei Frauen bzw. 13 g/dl bei Männern untersucht.
Die Patienten wurden in eine kombinierte, randomisierte, Placebo kontrollierte klinischen Studie(AEGIS 1/2) aufgenommen. 69 % der Patienten mit UC hatten einen SCCAI-Score von ≤ 2, während31 % einen SCCAI-Score von 3 aufwiesen. 83 % der Patienten mit MC hatten einen CDAI-Score von< 150, während 17 % einen CDAI-Score von > 150-220 aufwiesen. Alle Patienten hatten einevorherige Behandlung mit einem Eisen(II)-Produkt zum Einnehmen (oral ferrous product; OFP)abgebrochen: Über 60 % der Studienteilnehmer brachen die Einnahme vorheriger OFPs aufgrundunerwünschter Arzneimittelwirkungen ab. Die mediane Zeit seit der letzten OFP-Dosis betrug 22
Monate in der mit dem Prüfpräparat behandelten Gruppe und 17 Monate im Placebo-Studienarm.
Bei 52 % der Patienten in AEGIS 1 und 33 % in AEGIS 2 war in den vorangegangenen 6 Monaten ein
Entzündungsschub aufgetreten. Die mediane (Min-Max) Zeit seit dem letzten Entzündungsschubbetrug ca. 7 Monate (0,0-450 Monate). Den Studienteilnehmern wurde nach Randomisierung entwederzweimal täglich 30 mg Feraccru oder ein angepasstes Placebo-Kontrollpräparat über einen Zeitraumvon 12 Wochen verabreicht. Der Unterschied bei der Veränderung gegenüber dem Baseline-Wertbetrug in Woche 12 bei Feraccru im Vergleich zu Placebo 2,25 g/dl (p < 0,0001). Nach Abschluss der12-wöchigen placebokontrollierten Phase der Studien wurden alle Studienteilnehmer für weitere52 Wochen auf eine unverblindete Behandlung mit zweimal täglich 30 mg Feraccru umgestellt.
Die Ergebnisse in Bezug auf die weiteren Hauptwirksamkeitsendpunkte sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Tabelle 2: Zusammenfassung der weiteren Hauptwirksamkeitsendpunkte (AEGIS 1/2)
Endpunkt Mittlere Mittlere Anteil der Anteil der Anteil der
Veränderung Veränderung Teilnehmer, Teilnehmer, die Teilnehmer, diedes Hb (g/dl) des Hb (g/dl) die in Woche in Woche 12 eine in Woche 12gegenüber gegenüber 12 einen Veränderung des eine
Baseline* in Baseline* in normalisier-ten Hb von ≥ 1 g/dl Veränderung des
Woche 4 Woche 8 Hb erreichten erreichten (%) Hb von ≥ 2 g/dl(SE) (SE) (%) erreichten (%)
Feraccru (N = 64) 1,06 (0,08)*** 1,79 (0,11)*** 66 78 56
Placebo (N = 64) 0,02 (0,08) 0,06 (0,11) 12 11 0
* mittleres Baseline-Hb (SE): Feraccru 11,0 (1,027) g/dl, Placebo 11,1 (0,851) g/dl; ***p < 0,0001 im
Vergleich zur Placebogruppe;
Bei 90 % bzw. 69 % der Teilnehmer in den Untergruppen mit Colitis ulcerosa (N = 29) und Morbus
Crohn (N = 35) wurde in Woche 12 eine Erhöhung des Hb um ≥ 1 g/dl erreicht. Bei 62 % bzw. 51 %der Teilnehmer in den Untergruppen mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn wurde in Woche 12 eine
Erhöhung des Hb um ≥ 2 g/dl erreicht. Zudem wurde in beiden Studien nachgewiesen, dass der
Eisenmangel durch eine Erhöhung des Ferritinspiegels korrigiert wird. Der mittlere Ferritinspiegel(μg/l) von mit Feraccru behandelten Studienteilnehmern verbesserte sich kontinuierlich gegenüber
Baseline (Durchschnitt 8,6 μg/l [SD 6,77]) bis Woche 12 (Durchschnitt 26,0 μg/l [SD 30,57]), waseine mittlere Gesamtveränderung von 17,4 μg/l bedeutet. Der Ferritinspiegel stieg im Verlauf derlangfristigen Behandlung mit Feraccru weiter an (Durchschnitt 68,9 μg/l [SD 96,24] in Woche 64;eine mittlere Gesamtveränderung von 60,3 μg/l).
Studie zu chronischer Niereninsuffizienz (CKD)
Die Wirksamkeit, Sicherheit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik (PK) von Feraccru zur Behandlungvon Eisenmangelanämie bei erwachsenen Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (CKD) wurdeim Rahmen einer randomisierten, placebokontrollierten, klinischen Phase-III-Studie (AEGIS-CKD)untersucht. Über einen 16-wöchigen Behandlungsabschnitt wurden 167 Patienten (Altersspanne 30-90 Jahre; 50 männliche und 117 weibliche Patienten) mit einer eGFR von ≥ 15 ml/min/1,73 m2 und< 60 ml/min/1,73m2 und einem Baseline-Hb von ≥ 8,0 g/dl und < 11,0 g/dl sowie Ferritin < 250 ng/mlbei einer Transferrinsättigung (TSAT) von < 25 % oder Ferritin < 500 ng/ml bei einer TSAT von<15 % in randomisierter Weise im Verhältnis 2 : 1 der Gabe von entweder Feraccru 30 mg Kapselnzweimal täglich oder Placebo zweimal täglich zugewiesen. Hierauf folgte ein offener
Behandlungsabschnitt, der bis zu 36 Wochen einer Behandlung mit Feraccru alleine umfasste.
Im Vergleich mit Placebo führte Feraccru zu einem klinisch und statistisch signifikanten Anstieg des
Hb-Werts während des 16-wöchigen doppelblinden Behandlungsabschnitts. Die Veränderung des
Werts der mittleren kleinsten Quadrate (least square mean, LSM) der Hb-Konzentration zwischen
Baseline und Woche 16 betrug 0,50 g/dl in der Eisen-Maltol-Gruppe und -0,02 g/dl in der
Placebogruppe, mit einem statistisch signifikanten LSM-Unterschied von 0,52 (p = 0,0149).
Die LSM-Veränderung der Ferritinkonzentration zwischen Baseline und Woche 16 mittels Last-
Observation-Carried-Forward-Methode (LOCF) betrug 25,42 µg/l in der Feraccru-Gruppeund -7,23 µg/l in der Placebogruppe, mit einem statistisch signifikanten LSM-Unterschied von 32,65(p = 0,0007).
Pädiatrische Studien
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Feraccru eine Zurückstellung der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen bei
Eisenmangelanämie gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindernund Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption und Elimination
Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Eisen(III)-Maltol wurden anhand der Messung der
Maltol- und Maltolglucuronid-Konzentrationen im Plasma und im Urin untersucht, zusammen mit
Serum-Eisenparametern nach Einmalgabe und im Steady-State (nach 1 Woche), und zwar bei24 Studienteilnehmern mit Eisenmangel, die per Randomisierung zweimal täglich zu 30 mg, 60 mgoder 90 mg Feraccru zugeteilt wurden. Blut- und Urinproben wurden auf Maltol und Maltolglucuronidhin untersucht. Serumproben wurden bezüglich der Eisenparameter untersucht.
Die Maltolkonzentration im Plasma war nur vorübergehend zu messen, mit einer AUC0-t zwischen0,022 h*µg/ml und 0,205 h*µg/ml in allen Dosisschemata und an beiden Studientagen. Präklinische
Studien haben gezeigt, dass Maltol durch UGT1A6 und Sulfatierung metabolisiert wird. Es ist nichtbekannt, ob Arzneimittel mit Hemmwirkung auf UGT-Enzyme das Potenzial zur Erhöhung der
Maltolkonzentration haben (siehe Abschnitt 4.5). Das Maltol wurde schnell zu Maltolglucuronidmetabolisiert (AUC0-t zwischen 9,83 h*µg/ml und 30,9h*µg/ml in allen Dosisschemata). Die Maltol-und Maltolglucuronid-Höchstkonzentrationen wurden 1 bis 1,5 Stunden nach der Einnahme von
Feraccru erreicht. Die Exposition gegenüber Maltolglucuronid erhöhte sich (über den
Dosierungsbereich von 2 x 30 mg bis 2 x 90 mg Feraccru) proportional zur Dosis, und nach 7-tägiger
Behandlung mit Feraccru wurde keine signifikante Akkumulation der beiden Substanzen beobachtet.
Im Durchschnitt wurden zwischen 39,8 % und 60,0 % des gesamten eingenommenen Maltols als
Maltolglucuronid ausgeschieden. Die Höchstwerte bei Transferrinsättigung (TSAT) und
Gesamteisenkonzentration im Serum wurden 1,5 bis 3 Stunden nach der Einnahme von Feraccruerreicht. Die Gesamteisenkonzentrationen im Serum und die TSAT-Werte stiegen im Allgemeinen mithöheren Feraccru-Dosen an. Die Profile der TSAT und der Gesamteisenkonzentration im Serumwaren zwischen Tag 1 und Tag 8 vergleichbar.
Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Feraccru wurden außerdem im Steady-State bei15 Studienteilnehmern untersucht, die bereits an der oben beschriebenen Studie AEGIS 1/2teilnahmen und seit mindestens 7 Tagen in der unverblindeten Behandlungsphase waren (zweimaltäglich 30 mg Feraccru). Die Maltolkonzentration im Plasma war nur vorübergehend messbar, miteiner Halbwertszeit von 0,7 Stunden und einer Cmax von 67,3 ng/ml ± 28,3 ng/ml. Das Maltol schienschnell zu Maltolglucuronid metabolisiert zu werden (Cmax = 4677 ± 1613 ng/ml). Die Maltol- und
Maltolglucuronid-Höchstkonzentrationen wurden ca. 1 Stunde nach der Einnahme von Feraccruerreicht. Die höchsten Gesamteisenkonzentrationen im Serum wurden 1-2 Stunden nach der Einnahmegemessen. Die pharmakokinetischen Profile von Maltol/Maltolglucuronid und der Eisenparameterwaren voneinander unabhängig.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Eisen(III)-Maltol
Basierend auf den Studien mit Eisen(III)-Maltol zur Toxizität bei wiederholter Gabe und zur lokalen
Verträglichkeit ließen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
Eine Ablagerung von Eisen im retikuloendothelialen System, der Leber und der Milz wurde bei
Hunden festgestellt, denen 250 mg/kg KG/Tag Eisen(III)-Maltol verabreicht worden war.
Es wurden keine Studien zur Reproduktions- und Entwicklungstoxizität bzw. zur Karzinogenität mit
Eisen(III)-Maltol durchgeführt.
Maltol
In Kupffer-Zellen von Hunden, denen 250 mg/kg KG/Tag Maltol verabreicht wurde, wurde
Hämosiderin nachgewiesen. Bei Dosierungen von 500 mg/kg KG/Tag wurden Hodendegenerationenbeobachtet sowie toxische Anzeichen, die auf eine Eisen-Chelat-Bildung hinwiesen. Diese Wirkungenwurden in einer zweiten Studie an Hunden, die bis zu 300 mg/kg KG/Tag Maltol erhielten, nichtbeobachtet.
Ein mögliches genotoxisches Potential von Maltol konnte nicht vollständig ausgeschlossen werden. In
Studien an Mäusen und Ratten, die bis zu 400 mg/kg KG/Tag Maltol erhielten, wurden jedoch keinekarzinogenen Wirkungen beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Kapselinhalt:Lactose-Monohydrat
Natriumdodecylsulfat
Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]
Hochdisperses Siliciumdioxid
Crospovidon (Typ A)
Kapselhülle:Hypromellose
Brillantblau FCF (E133)
Allurarot (E 129)
Titandioxid (E 171)
Gelborange S (E 110)
Drucktinte:Schellackglasur ~ 45% (20% verestert) in Ethanol
Eisenoxid schwarz
Polypropylenglycol
Ammoniumhydroxid 28%
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
36 Monate
Haltbarkeit nach dem Anbruch des Behältnisses: 45 Tage.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
HDPE-Flaschen mit kindersicherem Drück-Dreh-Verschluss aus Polypropylen. Jede Packung enthält14, 50, 56 oder 100 (2 Flaschen mit 50) Kapseln.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Keine besonderen Anforderungen für die Beseitigung.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Norgine B.V.
Antonio Vivaldistraat 1501083 HP Amsterdam
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/15/1075/001
EU/1/15/1075/002
EU/1/15/1075/003
EU/1/15/1075/004
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 18. Februar 2016
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung:
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.