Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels BYFAVO 50mg konzentrat pulver zur herstellung einer injektions-/infusionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Byfavo 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche enthält Remimazolambesilat entsprechend 50 mg Remimazolam.
Nach Rekonstitution enthält 1 ml Konzentrat 5 mg Remimazolam.
Das Konzentrat muss verdünnt werden, um eine Endkonzentration von 1-2 mg/ml zu erreichen.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungJede Durchstechflasche enthält 198 mg Dextran 40.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung (Pulver zur Herstellungeines Konzentrats).
Weißes bis grauweißes Pulver.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Remimazolam 50 mg wird angewendet bei Erwachsenen zur intravenösen Einleitung und
Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Remimazolam darf nur in Krankenhäusern oder angemessen ausgestatteten Tageskliniken von in
Anästhesie ausgebildeten Ärzten verabreicht werden.
Kreislauf- und Atemfunktionen sollten ständig überwacht werden (z. B. Elektrokardiographie (EKG),
Pulsoximetrie), und Einrichtungen zur Erhaltung freier Atemwege, künstliche Beatmung und andere
Wiederbelebungseinrichtungen sollten jederzeit sofort zur Verfügung stehen (siehe Abschnitt 4.4).
DosierungDie Dosis von Byfavo sollte auf der Grundlage der Reaktion des Patienten und der verwendeten
Prämedikation individuell angepasst werden.
In der Regel werden zusätzliche Opioidanalgetika in Kombination mit Byfavo verabreicht.
Einleitung der Anästhesie
Die Infusionsgeschwindigkeit von Remimazolam sollte auf 6 mg/min eingestellt und an der Reaktiondes Patienten gemessen werden, bis klinische Anzeichen das Einsetzen der Anästhesie anzeigen, undkann bei Bedarf auf maximal 12 mg/min erhöht werden.
Die meisten erwachsenen Patienten benötigen vermutlich 10-40 mg Byfavo.
Aufrechterhaltung der Anästhesie
Die Anästhesie wird durch die Verabreichung von Remimazolam als Dauerinfusion aufrechterhalten.
Die empfohlene Anfangsdosis für die Aufrechterhaltung der Anästhesie beträgt 1 mg/min
Remimazolam mit einer Spanne von 0,1 bis 2,5 mg/min, basierend auf der klinischen Beurteilung, umeine ausreichende Anästhesie aufrechtzuerhalten.
Zur Aufrechterhaltung der Anästhesie können während der laufenden Infusion je nach klinischen
Erfordernissen zusätzliche Boli von 6 mg über eine Minute gegeben werden. Innerhalb von60 Minuten können maximal drei (3) Boli im Abstand von mindestens 5 Minuten verabreicht werden.
Gegen Ende der Operation (z. B. 15 Minuten vor dem Ende) kann die Dosis von Remimazolamheruntertitriert werden, um eine schnelleres Erwachen aus der Anästhesie zu ermöglichen.
Besondere PatientengruppenÄltere Patienten, Patienten mit American Society of Anesthesiologists Physical Status (ASA-PS) III-IVund Patienten mit Körpergewicht < 50 kg
Ältere Patienten und Patienten mit ASA-PS III-IV reagieren möglicherweise empfindlicher auf die
Wirkungen von Anästhetika. Vor der Anwendung von Remimazolam ist daher eine sorgfältige
Beurteilung des Gesamtzustands von Patienten im Alter von ≥ 65 Jahren und/oder Patienten mit ASA-
PS III-IV, insbesondere Patienten mit niedrigem Körpergewicht (< 50 kg), bei der Entscheidung überindividuelle Dosisanpassungen für diese Patienten besonders relevant (siehe Abschnitt 4.4) Die
Anfangsdosis sollte im unteren Bereich angesetzt werden.
NierenfunktionsstörungUnabhängig vom Grad der Nierenfunktionsstörung (einschließlich bei Patienten mit einerglomerulären Filtrationsrate [GFR] < 15 ml/min) ist keine Dosisanpassung erforderlich.
LeberfunktionsstörungDas metabolisierende Enzym (Carboxylesterase-1 [CES-1]) für Remimazolam befindet sichhauptsächlich in der Leber, und die Clearance von Remimazolam wird durch zunehmende Grade einer
Leberfunktionsstörung beeinträchtigt (siehe Abschnitt 5.2). Für Patienten mit leichter (Child-Pugh-
Scores 5 und 6) oder mäßiger (Child-Pugh-Scores 7 bis 9) Leberfunktionsstörung wird keine
Dosisanpassung empfohlen. Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Scores 10bis 15; Daten von nur 3 Patienten in klinischen Prüfungen) können die klinischen Wirkungenausgeprägter sein und länger andauern als bei gesunden Patienten. Es sind keine Dosisanpassungenerforderlich, aber bei diesen Patienten ist bei der Auswahl des Zeitpunkts der Dosistitration sowie beider Titration von Remimazolam zur Erzielung der gewünschten Wirkung Vorsicht geboten (siehe
Abschnitt 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Remimazolam bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis< 18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Sonstige Patientengruppen
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Remimazolam die sich einer intrakraniellen Operationunterziehen, und bei Patienten mit vorbestehenden kognitiven Störungen ist bisher noch nichterwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungRemimazolam ist zur intravenösen Anwendung vorgesehen. Remimazolam muss vor der Anwendungmit Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml (0,9 %) rekonstituiert und verdünnt werden.
Hinweise zur Rekonstitution und Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung sowie zur
Anwendung mit anderen Flüssigkeiten, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Benzodiazepine oder einen der in Abschnitt 6.1genannten sonstigen Bestandteile.
Instabile Myasthenia gravis.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Kardiorespiratorische Nebenwirkungen
Im Zusammenhang mit der Anwendung von Remimazolam wurde über kardiorespiratorische
Nebenwirkungen berichtet, einschließlich Atemdepression, Bradykardie und Hypotonie. Die
Anwendung von Remimazolam kann mit einem vorübergehenden Anstieg der Herzfrequenz (um 10bis 20 Schläge pro Minute) bereits 30 Sekunden nach Beginn der Dosisgabe einhergehen. Dieser
Anstieg der Herzfrequenz fällt mit einem Abfall des Blutdrucks zusammen und kann die QT-
Korrektur für die Herzfrequenz durcheinanderbringen, was zu einer geringfügigen Verlängerung dernach Fridericia korrigierten QT-Zeit (QTcF) in den ersten Minuten nach der Dosisgabe führt.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei älteren Patienten (im Alter von ≥ 65 Jahren), bei Patienten miteingeschränkter Atem- und/oder Herzfunktion oder bei Patienten mit einem schlechteren allgemeinen
Gesundheitszustand erforderlich (siehe Abschnitt 4.2).
Gleichzeitige Anwendung von Opioiden
Die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam und Opioiden kann zu Atemdepression, Koma und
Tod führen. Bei Patienten, die seit längerer Zeit Opioide anwenden, ist Vorsicht geboten; es solltenicht angenommen werden, dass diese Wirkungen bei diesen Patienten schwächer ausfallen (siehe
Abschnitt 4.5).
Gleichzeitiger Konsum von Alkohol/gleichzeitige Anwendung von zentralnervös (ZNS) dämpfenden
Substanzen
Die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam mit Alkohol und/oder ZNS-dämpfenden Substanzenist zu vermeiden. Der Konsum von Alkohol ist vor der Gabe von Remimazolam für 24 Stunden zuvermeiden. Eine derartige gleichzeitige Anwendung kann die klinischen Wirkungen von
Remimazolam potenziell verstärken, was möglicherweise zu einer Atemdepression führt (siehe
Abschnitt 4.5).
Chronische Anwendung von ZNS-dämpfenden Substanzen
Patienten, die eine chronische Therapie mit Benzodiazepinen (z. B. zur Behandlung von Insomnieoder Angststörungen) erhalten, können eine Toleranz gegenüber den sedierenden/hypnotischen
Wirkungen von Remimazolam entwickeln. Daher ist unter Umständen eine höhere kumulative Dosis
Remimazolam erforderlich, um die gewünschte Anästhesie zu erreichen. Eine ähnliche Wirkung kannauch bei anderen ZNS-dämpfenden Substanzen beobachtet werden. Es wird empfohlen, das in
Abschnitt 4.2 angegebene Titrationsschema zu befolgen und eine Auftitration basierend auf dem
Ansprechen des Patienten vorzunehmen, bis die gewünschte Anästhesietiefe erreicht ist (siehe
Abschnitt 4.5).
ÜberwachungRemimazolam darf nur durch Ärzte/medizinisches Fachpersonal mit Ausbildung im Bereich der
Anästhesie angewendet werden; die Anwendung muss in einer Umgebung erfolgen, die vollständig fürdie Überwachung und Unterstützung der Atem- und Herz-Kreislauf-Funktion ausgerüstet ist. Dasanwendende Personal muss angemessen in der Erkennung und Behandlung erwarteter
Nebenwirkungen geschult sein, einschließlich der respiratorischen und kardialen Wiederbelebung(siehe Abschnitt 4.2). Der Arzt muss außerdem die typische Zeit kennen, die Patienten benötigen, umsich von den Wirkungen von Remimazolam und den in den klinischen Prüfungen gleichzeitigangewendeten Opioiden zu erholen (siehe Abschnitt 5.1), sich aber der Tatsache bewusst sein, dasssich dies von Patient zu Patient unterscheiden kann. Die Patienten sind engmaschig zu überwachen,bis sie sich nach Ansicht des Arztes ausreichend erholt haben.
Amnesie
Remimazolam kann eine anterograde Amnesie auslösen. Eine längere anhaltende Amnesie kann beiambulanten Patienten, bei denen eine Entlassung nach dem Eingriff geplant ist, ein Problem darstellen.
Nach Erhalt von Remimazolam sind Patienten zu untersuchen und von Ihrem Arzt nur nachangemessener Beratung und mit ausreichender Unterstützung aus dem Krankenhaus oder der Praxis zuentlassen.
LeberfunktionsstörungDie klinischen Wirkungen können bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung aufgrund derherabgesetzten Clearance ausgeprägter sein und länger andauern (siehe Abschnitt 5.2). Diese Patientensind möglicherweise anfälliger für das Auftreten einer Atemdepression (siehe Abschnitt 4.8).
Myasthenia gravis
Bei Anwendung von Remimazolam bei Patienten mit Myasthenia gravis ist besondere Vorsichtgeboten (siehe Abschnitt 4.3).
Drogenmissbrauch und körperliche Abhängigkeit
Bei Remimazolam besteht Potenzial für Missbrauch und die Entwicklung einer Abhängigkeit. Diessollte bei der Verordnung oder der Anwendung von Remimazolam berücksichtigt werden, wenn
Bedenken über ein erhöhtes Zweckentfremdungs- oder Missbrauchsrisiko bestehen.
Delirium
In verschiedenen publizierten Studien mit Sedativa oder Anästhetika, die bei Operationen oder tiefer
Sedierung auf der Intensivstation verwendet werden, treten postoperative Delirien und damitzusammenhängende neuropsychiatrische Ereignisse mit einer Inzidenzrate von 4 bis 53,3 % auf. Zuden Risikofaktoren gehören unter anderem hohes Alter, vorbestehende kognitive Störungen, Dauerund Tiefe der Anästhesie oder Sedierung, höhere Dosen von länger wirkenden Benzodiazepinen,
Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Elektrolytstörungen, Hypoxie, Hyperkapnie, Hypotonie und
Infektionen. Obwohl unklar ist, ob Remimazolam selbst das Risiko eines postoperativen Delirsverursachen oder dazu beitragen kann, sollte die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden. Wennein postoperatives Delirium auftritt, sollten neben einer angemessenen Behandlung des Delirs selbstauch alle in Frage kommenden Risikofaktoren entsprechend behandelt werden. Die Patienten solltennicht entlassen werden, bevor sie ihre kognitiven Fähigkeiten vollständig wiedererlangt haben, da einpotenzielles Risiko z. B. für Unfälle besteht.
Paradoxe Reaktionen
Paradoxe Reaktionen wie Agitiertheit, unwillkürliche Bewegungen (einschließlich tonisch-klonischer
Krämpfe und Muskeltremor), Hyperaktivität, Feindseligkeit, Wutreaktionen, Aggressivität,paroxysmaler Erregung und Übergriffe wurden unter Benzodiazepinen berichtet. Diese Reaktionentreten eher bei älteren Patienten, bei hohen Dosen und/oder bei schneller Verabreichung der Injektionauf.
Verlängerte Wirkung des Arzneimittels
Bei einigen Patienten wurde postoperativ nach Beendigung der Remimazolam-Verabreichung eineverlängerte Wirkung von Remimazolam (Sedierung, Zeit bis zur Orientierung) beobachtet. Dies trathäufiger bei älteren Patienten (> 65 Jahre alt), bei Patienten mit ASA III-IV und bei Patienten auf, diewährend der letzten Stunde der Anästhesie eine höhere Remimazolam-Dosis erhielten (siehe
Abschnitt 4.8.).
Sonstige BestandteileDieses Arzneimittel enthält in jeder 50-mg-Durchstechflasche 198 mg Dextran 40. Dextrane könnenbei manchen Patienten anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen auslösen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen
Remimazolam wird durch CES, Typ 1A metabolisiert. Es wurden keine In-vivo-Studien zur Erfassungvon Wechselwirkungen durchgeführt. Die In-vitro-Daten sind in Abschnitt 5.2 zusammengefasst.
Pharmakodynamische Arzneimittelwechselwirkungen
Erhöhte Sedierung bei Anwendung zusammen mit ZNS-dämpfenden Substanzen und Opioiden
Die gleichzeitige Anwendung vom Remimazolam mit Opioiden und ZNS-dämpfenden Substanzen,einschließlich Alkohol, führt wahrscheinlich zu einer verstärkten Sedierung und einerkardiorespiratorischen Depression. Beispiele hierfür sind Opiatderivate (die als Analgetika,
Antitussiva oder Substitutionstherapien angewendet werden), Antipsychotika, andere Benzodiazepine(die als Anxiolytika oder Hypnotika angewendet werden), Barbiturate, Propofol, Ketamin, Etomidat,sedierende Antidepressiva, ältere H1-Antihistaminika und zentral wirkende blutdrucksenkende
Arzneimittel.
Die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam und Opioiden kann zu starker Sedierung und
Atemdepression führen. Patienten sind im Hinblick auf eine etwaige Atemdepression und die
Sedierungs-/Anästhesietiefe zu überwachen (siehe Abschnitt 4.2 und 4.4).
Der Konsum von Alkohol ist vor der Gabe von Remimazolam für 24 Stunden zu vermeiden, da dieserdie sedierende Wirkung von Remimazolam erheblich verstärken kann (siehe Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen (weniger als 300 Schwangerschaftsausgänge)mit der Anwendung von Remimazolam bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche
Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt 5.3). Aus Vorsichtsgründen solleine Anwendung von Byfavo während der Schwangerschaft vermieden werden.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Byfavo und sein Metabolit (CNS7054) in die Muttermilch übergehen. Dievorliegenden toxikologischen Daten aus Tierversuchen haben gezeigt, dass Remimazolam und
CNS7054 in die Muttermilch übergehen (siehe Abschnitt 5.3). Ein Risiko für Neugeborene/Säuglingekann nicht ausgeschlossen werden; daher ist die Anwendung von Remimazolam bei stillenden Mütternzu vermeiden. Wenn die Notwendigkeit zur Anwendung von Remimazolam besteht, wird empfohlen,das Stillen nach Beendigung der Anwendung 24 Stunden lang zu unterbrechen.
FertilitätEs liegen keine Daten über die Wirkung von Remimazolam auf die Fertilität beim Menschen vor. Intierexperimentellen Studien wurden im Zusammenhang mit der Remimazolam-Behandlung keine
Auswirkungen auf das Paarungsverhalten oder die Fertilität beobachtet (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenRemimazolam hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen. Vor dem Erhalt von Remimazolam ist der Patient zu warnen, bis zur vollständigen
Erholung kein Fahrzeug zu führen und keine Maschinen zu bedienen. Ein Arzt sollte entscheiden,wann der Patient nach Hause entlassen werden oder seine normalen Aktivitäten wiederaufnehmenkann. Es wird empfohlen, dass der Patient bei der Rückkehr nach Hause nach der Entlassungentsprechende Beratung und Unterstützung erhält (siehe Abschnitt 4.4).
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie häufigsten Nebenwirkungen bei Patienten, die intravenöses Remimazolam zur
Allgemeinanästhesie erhielten, sind Hypotonie (51 %), Übelkeit (22,1 %), Erbrechen (15,2 %) und
Bradykardie (12,8 %). Es müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um in der klinischen
Praxis auf das Auftreten von Hypotonie und Bradykardie entsprechend reagieren zu können (siehe
Abschnitt 4.4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der intravenösen Anwendung von Remimazolam, die inkontrollierten klinischen Studien zur Allgemeinanästhesie beobachtet wurden, sind nachstehend in
Tabelle 1 aufgeführt, klassifiziert nach MedDRA Systemorganklasse und Häufigkeit. Innerhalb jeder
Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben. Die
Häufigkeitskategorien sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10),gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nichtbekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 1: Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Erkrankungen des ImmunsystemsNicht bekannt Anaphylaktische Reaktion
Psychiatrische ErkrankungenHäufig Agitiertheit
Erkrankungen des NervensystemsHäufig Kopfschmerzen
Schwindelgefühl
HerzerkrankungenSehr häufig Bradykardie1*
GefäßerkrankungenSehr häufig Hypotonie2*
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und
Mediastinums
Häufig Atemdepression3*
Gelegentlich Schluckauf
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsSehr häufig Übelkeit
Sehr häufig Erbrechen
Gelegentlich Glossoptosis
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden
Häufig Schüttelfrost
Häufig Arzneimittelwirkung verlängert4*
Gelegentlich Hypothermie1 Bradykardie umfasst die folgenden identifizierten Ereignisse: Bradykardie, Sinusbradykardie und Herzfrequenz erniedrigt.2 Hypotonie umfasst die folgenden identifizierten Ereignisse: Hypotonie, Hypotonie im Rahmen eines Eingriffs, Hypotonienach einem Eingriff, Blutdruck erniedrigt, mittlerer arterieller Blutdruck erniedrigt, Orthostasesyndrom und orthostatische
Intoleranz.3 Atemdepression umfasst die folgenden identifizierten Ereignisse: Hypoxie, Atemfrequenz erniedrigt, Dyspnoe,
Sauerstoffsättigung erniedrigt, Hypopnoe, Atemdepression und Atemstörung4 Verlängerte Arzneimittelwirkung umfasst die folgenden identifizierten Ereignisse: verzögertes Erwachen aus der
Anästhesie, Somnolenz und Wirkung eines therapeutischen Produkts verlängert.
* Siehe Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenDie gemeldeten Nebenwirkungen Hypotonie, Atemdepression und Bradykardie stellen medizinische
Konzepte da, die eine Gruppe von Ereignissen umfassen (siehe Fußnoten 1-3 unter Tabelle 1); die
Inzidenzen jener Nebenwirkungen, die bei mindestens 1 % der mit Remimazolam behandelten
Patienten gemeldet wurden, sind nachstehend in Tabelle 2 nach Schweregrad angegeben:
Tabelle 2: Ausgewählte Nebenwirkungen
Nebenwirkung Leicht Mittelschwer Schwer
Begriff für gemeldetes
Ereignis
BradykardieBradykardie 6,1 % 3,7 % 0,3 %
Herzfrequenz erniedrigt 1,2 % 0,6 % 0 %
HypotonieBlutdruck erniedrigt 18 % 2,1 % 0 %
Hypotonie 14,8 % 9,7 % 0,6 %
Mittlerer arterieller Druck 3 % 0,1 % 0 %erniedrigt
Hypotonie im Rahmen eines 2,5 % 0,6 % 0 %
Eingriffs
AtemdepressionSauerstoffsättigung erniedrigt 3,7 % 0,7 % 0,3 %
Hypoxie 3 % 0,3 % 0 %
Sonstige besondere PatientengruppenÄltere Patienten und/oder Patienten mit ASA-PS III-IV
Kardiorespiratorische Nebenwirkungen
In kontrollierten Studien zur Allgemeinanästhesie traten Ereignisse, die unter den Begriffen Hypotonie(62,4 % vs. 35,4 %), Atemdepression (11,6 % vs. 5,8 %) und Bradykardie (19 % vs. 4,5 %) gruppiertwaren, bei Patienten im Alter von ≥ 65 Jahren häufiger auf als bei Patienten unter 65 Jahren.
Außerdem wiesen Patienten mit ASA-PS III-IV höhere Häufigkeiten für Hypotonie (70,2 % vs.
32,6 %), Atemdepression (15,7 % vs. 2,4 %) und Bradykardie (18,1 % vs. 6,9 %) auf als Patienten mit
ASA-PS I-II (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Verlängerte Sedierung
In kontrollierten Studien zur Allgemeinanästhesie traten Ereignisse, die unter dem Begriff'Arzneimittelwirkung verlängert“ (11 % vs. 2,3 %) gruppiert waren, bei Patienten im Altervon ≥ 65 Jahren häufiger auf als bei Patienten unter 65 Jahren. Bei Patienten mit ASA-PS III-IV wardie Häufigkeit der verlängerten Arzneimittelwirkung ebenfalls höher (12,7 % vs. 1,2 %) als bei
Patienten mit ASA-PS I-II (siehe Abschnitt 4.4).
Patienten mit LeberfunktionsstörungAtemdepression (Hypoxie/Sauerstoffsättigung erniedrigt) wurden bei 2 von 8 Patienten mit mäßiger
Leberfunktionsstörung und bei 1 von 3 Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung gemeldet, die ineiner dedizierten klinischen Studie zur Beurteilung von Remimazolam bei Patienten mit
Leberfunktionsstörung aufgenommen waren (siehe Abschnitt 4.2).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
SymptomeEs wird davon ausgegangen, dass sich eine Überdosierung mit Remimazolam symptomatisch in einer
Verstärkung seiner pharmakologischen Wirkungen sowie in einem oder mehreren der folgenden
Symptome äußern kann: Hypotonie, Bradykardie und Atemdepression.
Maßnahmen bei Überdosierung
Die Vitalzeichen des Patienten sind zu überwachen, und unterstützende Maßnahmen sind, wie es derklinische Zustand des Patienten erfordert, einzuleiten, einschließlich der Sicherung freier Atemwege,
Sicherstellung einer ausreichenden Beatmung und Legen eines adäquaten intravenösen Zugangs.
Insbesondere erfordern die Patienten möglicherweise eine symptomatische Behandlungkardiorespiratorischer oder das Zentralnervensystem betreffender Wirkungen.
Flumazenil, ein spezifischer Benzodiazepin-Rezeptor-Antagonist, ist für die vollständige oderteilweise Aufhebung der sedierenden Wirkungen von Benzodiazepinen angezeigt und kann in
Situationen angewendet werden, in denen eine Überdosierung mit Remimazolam bekannt ist odervermutet wird.
Flumazenil ist als Ergänzung und nicht als Ersatz für eine korrekte Behandlung einer Benzodiazepin-
Überdosierung vorgesehen. Flumazenil bewirkt lediglich eine Aufhebung der durch Benzodiazepininduzierten Wirkungen, nicht aber der Wirkungen anderer gleichzeitig angewendeter Arzneimittel, wiez. B. von Opioiden.
Mit Flumazenil behandelte Patienten sind über einen angemessenen Zeitraum nach der Behandlungauf erneute Sedierung, Atemdepression und andere Restwirkungen von Benzodiazepin zu überwachen.
Da jedoch die Eliminationshalbwertszeit von Flumazenil etwa dieselbe ist wie die von Remimazolam,besteht nur ein geringes Risiko für eine erneute Sedierung nach der Gabe von Flumazenil.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Psycholeptika, Hypnotika und Sedativa, ATC-Code: N05CD14.
WirkmechanismusRemimazolam ist ein ultra-kurzwirksames Benzodiazepin-Sedativum/Hypnotikum. Die Wirkungenvon Remimazolam auf das ZNS sind von der intravenös angewendeten Dosis und vom Vorhandenseinoder Nicht-Vorhandensein anderer Arzneimittel anhängig. Remimazolam bindet mit hoher Affinität andie Benzodiazepin-Bindungsstellen von Gamma-Aminobuttersäure Typ A[GABAA]-Rezeptoren,während sein Carboxylsäure-Metabolit (CNS7054) eine etwa 300-mal geringere Affinität für diese
Rezeptoren hat. Remimazolam zeigt keine eindeutige Selektivität zwischen Subtypen des GABAA-
Rezeptors.
Pharmakodynamische WirkungenDie primäre pharmakodynamische Wirkung von Remimazolam ist die Sedierung und Hypnose.
Ab Einzelbolusdosen von 0,05 mg/kg bis 0,075 mg/kg bei gesunden jungen Erwachsenen wird eine
Sedierung beobachtet, wobei die Sedierung 1 bis 2 Minuten nach der Dosisgabe einsetzt. Die
Induktion einer leichten bis mäßigen Sedierung ist mit Plasmaspiegeln von ca. 0,2 µg/ml assoziiert.
Bewusstseinsverlust wird bei Dosen von 0,1 mg/kg (ältere Patienten) oder 0,2 mg/kg (gesunde junge
Erwachsene) beobachtet und ist mit Plasmakonzentrationen von ca. 0,65 µg/ml assoziiert. Währendder Aufrechterhaltung der Anästhesie liegen die Plasmakonzentrationen von Remimazolamnormalerweise im Bereich von 1 µg/ml, wenn Remifentanil gleichzeitig verabreicht wurde. Die Dauerbis zur vollständigen Wachheit betrug bei einer Dosis von 0,075 mg/kg Remimazolam 10 Minuten.
Remimazolam kann nach der Gabe eine anterograde Amnesie auslösen, wodurch verhindert wird, dasssich Patienten an die während des Eingriffs stattgefundenen Ereignisse erinnern.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirksamkeit von Remimazolam basierte auf zwei zulassungsrelevanten Studien, CNS7056-022und ONO-2745-05 bei erwachsenen Patienten (im Alter von 20 bis 91 Jahren) mit ASA-PS I-IV, diesich gemischten elektiven Operationen unterzogen. Die Datenbank zu Remimazolam umfasste darüberhinaus eine weitere Propofol-kontrollierte klinische Studien bei Herzoperationen (CNS7056-010 und
CNS7056-011).
ONO-2745-05: Es handelte sich um eine multizentrische, randomisierte Parallelgruppenstudie der
Phase IIb/III zu Remimazolam im Vergleich zu Propofol bei chirurgischen Patienten der ASA-
Klasse I oder II, die sich einer Allgemeinanästhesie unterziehen mussten, durchgeführt in Japan.
Remimazolam wurde in einer Dosis von 6 (n = 158) oder 12 mg/kg/h (n = 156) durch intravenöse
Dauerinfusion bis zum Verlust des Bewusstseins verabreicht. Nach dem Verlust des Bewusstseinswurde eine intravenöse Dauerinfusion mit einer Dosis von 1 mg/kg/h begonnen. Anschließend wurdedie Infusionsrate je nach Bedarf angepasst (maximal zulässige Dosis 2 mg/kg/h), wobei der
Allgemeinzustand der einzelnen Teilnehmer bis zum Ende des Eingriffs überwacht wurde.
CNS7056-022: Dies war eine europäische Bestätigungsstudie zum Nachweis einer nichtunterlegenen
Wirksamkeit und einer überlegenen hämodynamischen Stabilität von Remimazolam im Vergleich zu
Propofol bei der Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie während einer elektiven
Operation bei Patienten der ASA-Klasse III oder IV. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzipdem Remimazolam-Arm (n = 270) oder dem Propofol-Arm (n = 95) zugeteilt. Remimazolam wurde ineiner Dosis von 6 mg/min für 3 Minuten verabreicht, gefolgt von 2,5 mg/min für 7 Minuten und1,5 mg/min für weitere 10 Minuten. Danach wurde die Allgemeinanästhesie mit einer Infusionsratevon 1 mg/min mit Anpassungen von 0,7-2,5 mg/min auf der Basis der Überwachung des
Allgemeinzustands der einzelnen Teilnehmer bis zum Ende der Operation aufrechterhalten.
Die primären Endpunkte in den zulassungsrelevanten klinischen Prüfungen waren definiert als:
* Anteil der Aufrechterhaltungszeit der Allgemeinanästhesie mit einem Narcotrend-Index(NCI) ≤ 60 (CNS7056-022)
* Funktionelle Eignung als Narkotikum, beurteilt anhand dreier zusammengesetzter Variablen:
'intraoperatives Aufwachen oder Erinnern“, 'Erfordernis einer Rescue-Sedierung mit anderen
Sedativa“ und 'Körperbewegung“. (ONO-2745-05).
Der primäre Endpunkt wurde in beiden klinischen Studien erreicht (siehe Tabelle 3). Alle Dosen von
Remimazolam waren Propofol nicht unterlegen.
Tabelle 3: Primäre Endpunkte aus zulassungsrelevanten klinischen Prüfungen
CNS7056-022 ONO-2745-05
RMZ61 PROP RMZ62 RMZ123 PROP
Eignung als Narkotikum - - 100 % 100 % 100 %
Mittlere Zeit Narcotrend-Index 95 % 99 % - - -≤ 60
Induktionsdosis 6 mg/min (1), 6 mg/kg/h (2) oder 12 mg/kg/h (3); RMZ; Remimazolam, PROP: Propofol
Bei CNS7056-022 war die hämodynamische Stabilität, bewertet als absolute oder relative Hypotonieund Vasopressor-Einsatz, ein wichtiger sekundärer Endpunkt. Dies wurde in der Zeit vor Beginn der
Operation bewertet und ist in Tabelle 4 zusammengefasst. Bei den mit Remimazolam behandelten
Patienten traten weniger Ereignisse auf, bei denen der mittlere arterielle Druck (MAP) 1 Minute langunter 65 mmHg lag, und weniger Ereignisse, bei denen ein Vasopressor verabreicht wurde.
Tabelle 4: Sekundäre Endpunkte in der klinischen Phase-III-Studie CNS7056-022
Remimazolam Propofol
Endpunkt
N = 270 N = 95
MAP < 65 mmHg
MAP < 65 mmHg zu Beginn des Prüfpräparats bis15 Minuten nach der Inzision über 1 Minute, Anzahlder Ereignisse
Mittelwert ± Standardabweichung 6,62 ± 6,604 8,55 ± 8,944
KI 95 % (5,83 bis 7,41) (6,75 bis 10,4)
Median (Minimum, Maximum) 5 (2; 10) 6 (3; 11)
Least-Square-Mean-Differenz zwischen den1,9292 (0,2209-3,6375)
Behandlungen (95%-KI)
Norepinephrin-Anwendung
Norepinephrin-Boli oder -Infusion oder -
Dauerinfusion über 2 Minuten, Anzahl der
Ereignisse
Mittelwert ± Standardabweichung 14,06 ± 13,540 19,86 ± 14,560
KI 95 % (12,4 bis 15,7) (16,9 bis 22,8)
Median (Minimum, Maximum) 12 (0; 63) 21 (0; 66)
Least-Square-Mean-Differenz zwischen den5,8009 (2,5610-9,0409)
Behandlungen (95%-KI)
MAP < 65 mmHg UND/ODER Norepinephrin-
AnwendungAnzahl der Ereignisse
Mittelwert ± Standardabweichung 20,68 ± 16,444 28,41 ± 17,468
KI 95 % (18,7 bis 22,6) (24,9 bis 31,9)
Median (Minimum, Maximum) 21 (0; 68) 30 (0; 75)
Least-Square-Mean-Differenz zwischen den7,7301 (3,8090-11,651)
Behandlungen (95%-KI)
IMP = Prüfpräparat; MAP = mittlerer arterieller Druck
Wirkungseinsetzen und Erholungsprofil von Remimazolam wurden durch sekundäre Endpunktebeschrieben, die die Zeit bis zu einem Ereignis darstellten und in den zulassungsrelevanten klinischen
Prüfungen beurteilt wurden. In jeder Prüfung war die Zeit bis zur Erreichung der Aufwachendpunktein den Remimazolam-Gruppen etwas länger als in der Propofol-Gruppe (Tabelle 5).
Tabelle 5: Induktions- und Aufwachendpunkte in klinischen Studien der Phase III
Mediane Zeit CNS 7056-022 ONO-2745-05
RMZ1 PROP4 RMZ62 RMZ123 PROP
Induktionsendpunkte- Zeit bis Verlust des 2,5 min 3 min 100,5 s 87,5 s 80 s
Bewusstseins
Patienten (n) 268 95 150 150 7595 % KI 2,5-2,8 min 3,0-3,2 min N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 2,0; 3,3 min 2,5; 3,7 min N.z. N.z. N.z.
Min; Max N.z. N.z. 24; 165 s 30; 170 s 17; 280 s
Mediane Zeit CNS 7056-022 ONO-2745-05
RMZ1 PROP4 RMZ62 RMZ123 PROP
Aufwachendpunkte
Zeit von Ende der
Prüfpräparat§-
Verabreichung bis- Extubation 12 min 11 min 15,5 min 18 min 12 min
Patienten (n) 263 95 150 150 7595 % KI 11-13 min 10-12 min N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 8; 18 min 8; 15 min N.z. N.z. N.z.
Min; Max N.z. N.z. 3; 104 min 2; 58 min 3; 42 min- Erwachen# 15 min 12 min 12 min 12 min 10 min
Patienten (n) 257 95 150 150 7595 % KI 13-17 min 10-13 min N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 9; 26 min 8; 16 min N.z. N.z. N.z.
Min; Max N.z. N.z. 1; 87 min 0; 50 min 0; 24 min- Orientierung## 54 min 30 min 21 min 21 min 14 min
Patienten (n) 262 95 149 149 7595 % KI 47-61 min 27-33 min N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 31; 88 min 22; 48 min N.z. N.z. N.z.
Min; Max N.z. N.z. 3; 106 min 2; 125 min 4; 86 min- modifizierter 53 min 37 min
Aldrete-Score ≥ 9
Patienten (n) 260 9495 % KI 44-58 min 28-45 min N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 30; 98 min 21; 88 min
Min; Max N.z. N.z.
- Entlassung aus 25 min 25 min 16 mindem Operationssaal
Patienten (n) 150 150 7595 % KI N.z. N.z. N.z. N.z. N.z.
Q1; Q3 N.z. N.z. N.z.
Min; Max 4; 144 min 5; 125 min 5; 87 min
Induktionsdosen Remimazolam (1) 6 mg/min, (2) 6 mg/kg/h oder (3) 12 mg/kg/h, (4) Propofoldosis gleichwirksam wie Remimazolam# ONO-2745-05: Öffnen der Augen; CNS7056-022: Reaktion auf verbale Aufforderung ((MOAA/S ≥ 4)## ONO-2745-05: Angabe des Geburtsdatums; CNS7056-022: vierfach orientiert (Ort, Zeit, Situation und
Person)§ Prüfpräparat
Klinische Sicherheit
Die Inzidenz therapieassoziierter unerwünschter Ereignisse in den Propofol-kontrollierten Studienbetrug 90,7 % in den Remimazolam-Gruppen mit niedriger Induktionsdosis, 83,7 % in den
Remimazolam-Gruppen mit hoher Induktionsdosis und 92,5 % in den Propofol-Gruppen.
Insbesondere die Inzidenz hämodynamischer unerwünschter Ereignisse war in den Remimazolam-
Dosisgruppen geringer als in den Propofol-Gruppen (Tabelle 6).
Tabelle 6: Anzahl der Patienten mit der Nebenwirkung hämodynamische Instabilität in
Propofol-kontrollierten klinischen Studien
Gesamtzahl der Patienten Remimazolam Propofol
N = 671 N = 226
Anzahl der Patienten mit
Nebenwirkungen
Hypotonie n (n/N %) [95%-KI] 344 (51,3 %) [47,5-55,0] 150 (66,4 %) [59,0-72,2]
Bradykardie n (n/N %) [95%-KI] 96 (14,3 %) [11,9-17,2] 50 (22,1 %) [17,2-28,0]
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Byfavo eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen im
Anwendungsbereich Allgemeinanästhesie gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionRemimazolam wird intravenös angewendet.
VerteilungRemimazolam hat eine mittlere Verteilungshalbwertszeit (t1/2α) von 0,5 bis 2 Minuten. Sein
Verteilungsvolumen (Vd) beträgt 0,9 l/kg. Remimazolam und sein Hauptmetabolit (CNS7054) zeigeneine mäßige (~90 %) Bindung an Plasmaproteine, und zwar hauptsächlich an Albumin.
BiotransformationRemimazolam ist ein Arzneimittel vom Ester-Typ das schnell vom Enzym CES-1, das sichhauptsächlich in der Leber befindet, in einen pharmakologisch inaktiven Carboxylsäure-Metaboliten(CNS7054) umgewandelt wird.
Der Haupt-Stoffwechselweg von Remimazolam ist die Umwandlung in CNS7054, das anschließend ingeringem Maße mittels Hydroxylierung und Glucuronidierung weiter metabolisiert wird. Die
Umwandlung in CNS7054 wird durch Carboxylesterasen (hauptsächlich Typ 1A) in der Lebervermittelt, ohne wesentliche Beteiligung von Cytochrom-P450-Enzymen.
In-vitro-Studien haben keine Hinweise dafür geliefert, dass Remimazolam oder CNS7054 die
Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6, CYP3A4, CYP2B6 und
CYP2C8 hemmen. Beim Menschen findet keine Induktion der hauptsächlichen induzierbaren P450-
Isoenzyme 1A2, 2B6 und 3A4 statt. In-vitro-Studien haben keinen klinisch relevanten Einfluss von
CES-Inhibitoren und -Substraten auf den Metabolismus von Remimazolam gezeigt. Remimazolamwar kein relevantes Substrat eines Panels an humanen Arzneimitteltransportern (OATP1B1,
OATP1B3, BCRP und MDR1 [= P-Glykoprotein]). Dasselbe trifft bei einem Test von CNS7054 im
Hinblick auf MRP2-4 zu. Im Gegensatz dazu wurde festgestellt, dass CNS7054 ein Substrat von
MDR1 und BCRP ist. Im Zusammenhang mit Remimazolam oder CNS7054 wurde keine relevante
Hemmung der humanen Arzneimitteltransporter OAT1, OAT3, OATP1B1, OATP1B3, OCT2,
MATE1, MATE2-K, BCRP, BSEP oder MDR1 beobachtet.
EliminationRemimazolam hat eine mittlere Eliminationshalbwertszeit (t1/2ß) von 7 bis 11 Minuten. Die simuliertekontextsensitive Halbwertszeit nach einer Infusion von 4 Stunden beträgt 6,6 ± 2,4 Minuten. Die
Clearance ist hoch (68±12 l/h) und nicht vom Körpergewicht abhängig. Bei gesunden Probandenwerden mindestens 80 % der Remimazolam-Dosis innerhalb von 24 Stunden als CNS7054 mit dem
Urin ausgeschieden. Im Urin werden lediglich Spuren (< 0,1 %) von unverändertem Remimazolamnachgewiesen.
LinearitätDie Remimazolam-Dosis im Vergleich zur maximalen Plasmakonzentration (Cmax) und zur
Gesamtexposition (AUC0-∞) von Remimazolam wiesen bei menschlichen Freiwilligen im Dosisbereichvon 0,01 mg/kg bis 0,5 mg/kg auf eine dosisproportionale Beziehung hin.
Besondere Patientengruppe
Ältere PatientenDas Alter hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Remimazolam (siehe
Abschnitt 4.2).
NierenfunktionsstörungDie Pharmakokinetik von Remimazolam war bei nicht dialysepflichtigen Patienten mit leichter bisterminaler Niereninsuffizienz (einschließlich Patienten mit einer GFR < 15 ml/min) nicht verändert(siehe Abschnitt 4.2).
LeberfunktionsstörungEine schwere Leberfunktionsstörung führte zu einer verminderten Clearance und folglich zu einerlängeren Zeit bis zur Erholung von der Sedierung (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei einmaligerund wiederholter Gabe und Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahrenfür den Menschen erkennen.
Die folgende Nebenwirkung wurde nicht in klinischen Studien, sondern bei Tieren beobachtet, dieeine Infusion der Lösung in Konzentrationen erhalten haben, die den in der klinischen Praxisangewendeten Konzentrationen ähnlich waren:
Primäre Läsionen aufgrund einer mechanischen Reizung der Gefäßwand beim Einstechen könnendurch Remimazolam-Konzentrationen über 1 mg/ml bis 2 mg/ml (Infusion) oder über 5 mg/ml bei der
Bolusverabreichung verschlimmert werden.
Reproduktion und Entwicklung
Mit der maximal verträglichen Dosis durchgeführte Studien zur Reproduktionstoxizität zeigten keinen
Einfluss auf die männliche oder weibliche Fertilität und auf für die Reproduktionsfunktion relevante
Parameter. In Studien zur Embryotoxizität an Ratten und Kaninchen waren selbst bei den höchsten
Dosierungen, bei denen Anzeichen für eine Toxizität beim Muttertier zu erkennen waren, nurmarginale embryotoxische Wirkungen zu beobachten (reduziertes Fötusgewicht und leicht erhöhte
Inzidenz von Frühresorptionen und Resorptionen insgesamt). Remimazolam und sein Hauptmetabolitgehen bei Ratten, Kaninchen und Schafen in die Milch des Muttertiers über. Die inaktive
Hauptmetabolit CNS7054 wurde im Plasma säugender Kaninchenjungen nachgewiesen. Beisäugenden Lämmern führte die orale Verabreichung von mit Remimazolam versetzter Milch zu einervernachlässigbaren Bioverfügbarkeit.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Dextran 40
Lactose-Monohydrat
Salzsäure (zur pH-Wert-Einstellung)
Natriumhydroxid (zur pH-Wert-Einstellung)
6.2 Inkompatibilitäten
Inkompatibilitäten von Byfavo mit gleichzeitig verabreichten Lösungen können eine
Präzipitation/Trübung verursachen, die zum Verschluss des vaskulären Zugangs führen kann. Byfavoist mit Ringer-Lactat-Infusionslösung (auch als Ringer-Lactat nach Hartmann oder zusammengesetzte
Natriumlactat-Lösung bekannt), Ringer-Acetat-Infusionslösung und Ringer-Bikarbonat-
Infusionslösung sowie mit anderen alkalischen Lösungen inkompatibel, da das Arzneimittel ab einempH-Wert von 4 und höher eine geringe Löslichkeit hat.
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt oder über die gleiche Infusionsleitung verabreicht werden.
6.3 Haltbarkeit
Ungeöffnete Durchstechflaschen4 Jahre
Haltbarkeit nach Rekonstitution
Die chemische und physikalische Stabilität der gebrauchsfertigen Zubereitung wurde für 24 Stundenbei 20 °C bis 25 °C nachgewiesen.
Aus mikrobiologischer Sicht sollte die gebrauchsfertige Zubereitung sofort verwendet werden, es seidenn die Öffnungs-/Rekonstitutions-/Verdünnungsmethode schließt das Risiko einer mikrobiellen
Kontamination aus. Wenn die gebrauchsfertige Zubereitung nicht sofort eingesetzt wird, ist der
Anwender für die Dauer und die Bedingungen der Aufbewahrung verantwortlich.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind bezüglich der Temperatur keine besonderen Lagerungsbedingungenerforderlich.
Die Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflasche aus Glas Typ 1 mit einem Stopfen (Brombutylkautschuk) und einem Siegel(Aluminium) mit grüner Schutzkappe aus Polypropylen.
Packungsgröße: Packung mit 10 Durchstechflaschen
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungAllgemeine VorsichtsmaßnahmenJede Durchstechflasche ist nur zur Einmalanwendung bestimmt.
Die Rekonstitution und Verdünnung des Arzneimittels muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen.
Nach Anbruch ist der Inhalt der Durchstechflasche unverzüglich anzuwenden (Abschnitt 6.3).
Anweisungen zur Rekonstitution
Byfavo ist zu rekonstituieren, indem 10 ml Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml (0,9 %)hinzugegeben werden und das Pulver durch vorsichtiges Schwenken vollständig gelöst wird.
Rekonstituiertes Byfavo ist klar, farblos bis blassgelb. Die Lösung ist zu verwerfen, wenn sichtbare
Partikel oder eine Verfärbung festgestellt werden.
Anweisungen zur VerdünnungVor der Verabreichung muss die rekonstituierte Lösung weiter verdünnt werden. Das entsprechende
Volumen der rekonstituierten Remimazolam-Lösung muss aus der/den Durchstechflasche(n)entnommen und in eine Spritze oder einen Infusionsbeutel mit Natriumchlorid-Injektionslösung9 mg/ml (0,9 %) gegeben werden, um eine Endkonzentration von 1-2 mg/ml Remimazolam zuerreichen (Tabelle 7).
Tabelle 7 Verdünnungsanweisungen
Rekonstituierte Lösung Endkonzentration 2 mg/ml Endkonzentration 1 mg/ml5 mg/ml 10 ml der rekonstituierten Lösung 10 ml der rekonstituierten Lösungmit 15 ml Natriumchlorid 0,9 % mit 40 ml Natriumchlorid 0,9 %(50 mg rekonstituiert mit 10 ml) Injektionslösung verdünnen Injektionslösung verdünnen
Hinweise zur Anwendung, siehe Abschnitt 4.2.
Anwendung zusammen mit anderen Flüssigkeiten
Wenn Byfavo mit Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml (0,9 %) rekonstituiert und verdünnt wird,wie oben beschrieben, wurde die Kompatibilität mit den folgenden Lösungen nachgewiesen:
Glucose 5 % w/v Infusionslösung,
Glucose 20 % w/v Infusionslösung,
Natriumchlorid 0,45 % w/v und Glucose 5 % w/v Infusionslösung,
Natriumchlorid 0,9 % w/v Infusionslösung,
Ringerlösung (Natriumchlorid 8,6 g/l, Kaliumchlorid 0,3 g/l, Calciumchlorid-Dihydrat 0,33 g/l)
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt oder über die gleiche Infusionsleitung verabreicht werden, als in diesem
Abschnitt beschrieben wurden.
BeseitigungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
PAION Pharma GmbH
Heussstraße 2552078 Aachen
Deutschland
Tel.: +800 4453 4453
E-Mail: info@paion.com
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 26. März 2021
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.