Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels BETAFERON 250mcg / ml pulver + lösungsmittel zur herstellung einer injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Betaferon 250 Mikrogramm/ml, Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 ml der rekonstituierten Lösung enthält 250 Mikrogramm (8,0 Mio. I.E.) rekombinantes Interferonbeta-1b*.
1 Durchstechflasche Betaferon enthält 300 Mikrogramm (9,6 Mio. I.E.) rekombinantes Interferonbeta-1b.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
* gentechnisch hergestellt mittels eines Stammes von Escherichia coli
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung.
Steriles, weißes bis weißliches Pulver.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Betaferon wird angewendet zur Behandlung von
* Patienten mit erstmaligem demyelinisierendem Ereignis mit aktivem entzündlichem Prozess,wenn dieses Ereignis schwer genug ist, um eine intravenöse Kortikosteroidtherapie zurechtfertigen, wenn mögliche Differentialdiagnosen ausgeschlossen wurden und wenn beidiesen Patienten der Beurteilung zufolge ein hohes Risiko für das Auftreten einer klinischgesicherten Multiplen Sklerose besteht (siehe Abschnitt 5.1).
* Patienten mit schubweise verlaufender Multipler Sklerose, die in den letzten zwei Jahren zweioder mehr Schübe durchgemacht haben.
* Patienten mit sekundär progredient verlaufender Multipler Sklerose, die sich in einem akuten
Krankheitsstadium befinden, d. h. klinische Schübe erfahren.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Therapie mit Betaferon sollte unter der Aufsicht eines mit der Behandlung der Krankheiterfahrenen Arztes begonnen werden.
DosierungErwachseneDie empfohlene Dosis Betaferon beträgt 250 Mikrogramm (8,0 Mio. I.E.), enthalten in 1 ml derrekonstituierten Lösung (siehe Abschnitt 6.6), die jeden zweiten Tag subkutan injiziert wird.
Kinder und JugendlicheEs wurden keine klinischen oder pharmakokinetischen Studien bei Kindern oder Jugendlichendurchgeführt. In begrenztem Umfang vorliegende veröffentlichte Daten deuten jedoch darauf hin, dassdas Sicherheitsprofil bei Jugendlichen von 12-16 Jahren, denen Betaferon 8,0 Mio. I.E. jeden zweiten
Tag subkutan injiziert wird, ähnlich ist wie bei Erwachsenen. Zur Anwendung von Betaferon bei
Kindern unter 12 Jahren liegen keine Daten vor. Daher sollte Betaferon bei dieser Patientenpopulationnicht angewendet werden.
Im Allgemeinen wird zu Beginn der Therapie eine Auftitrierung der Dosis empfohlen.
Die Behandlung sollte mit einer Dosis von 62,5 Mikrogramm (0,25 ml) begonnen werden, diesubkutan jeden zweiten Tag verabreicht werden. Anschließend sollte die Dosis langsam auf250 Mikrogramm (1,0 ml) jeden zweiten Tag gesteigert werden (siehe Tabelle A). Sollten erheblicheunerwünschte Wirkungen auftreten, kann die Titrationsphase angepasst werden. Um eine adäquate
Wirksamkeit zu erzielen, sollte eine Dosis von 250 Mikrogramm (1,0 ml) jeden zweiten Tag erreichtwerden.
Eine Aufdosierungspackung, die sich aus vier Dreierpackungen zusammensetzt, ist für die
Titrationsphase und die anfängliche Behandlung des Patienten mit Betaferon erhältlich. Diese Packungdeckt den Bedarf des Patienten für die ersten 12 Injektionen. Die Dreierpackungen sind inunterschiedlichen Farben markiert (siehe Abschnitt 6.5).
Tabelle A: Schema für die Dosistitration*
Behandlungstag Dosis Volumen1, 3, 5 62,5 Mikrogramm 0,25 ml7, 9, 11 125 Mikrogramm 0,5 ml13, 15, 17 187,5 Mikrogramm 0,75 ml19, 21, 23 et seq. 250 Mikrogramm 1,0 ml
* Sollten erhebliche unerwünschte Wirkungen auftreten, kann die Titrationsphase angepasst werden.
Die optimale Dosis ist nicht eindeutig geklärt.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nicht bekannt, wie lange behandelt werden sollte. Es liegen
Nachbeobachtungsdaten aus kontrollierten klinischen Prüfungen zu Patienten mit schubweiseverlaufender Multipler Sklerose über bis zu 5 Jahren und zu Patienten mit sekundär progredienter
Multipler Sklerose über bis zu 3 Jahren vor. Bei schubweise verlaufender Multipler Sklerose hat sicheine Wirksamkeit der Therapie über die ersten 2 Jahre gezeigt. Die verfügbaren Daten für diefolgenden 3 Jahre stimmen überein mit der anhaltenden Wirksamkeit der Behandlung über dengesamten Zeitraum.
Bei Patienten mit erstmaligem auf eine Multiple Sklerose hinweisendem klinischen Ereignis wurdedas Fortschreiten zu einer klinisch gesicherten Multiplen Sklerose über einen Zeitraum von fünf
Jahren signifikant verzögert.
Bei schubweise verlaufender Multipler Sklerose mit weniger als zwei Schüben in den letzten zwei
Jahren wird eine Behandlung mit Betaferon nicht empfohlen. Ebenso wenig wird die Behandlung mit
Betaferon empfohlen bei Patienten mit sekundär progredient verlaufender Multipler Sklerose, beidenen es in den letzten 2 Jahren zu keinem akuten Krankheitsgeschehen gekommen ist.
Wenn der Behandlungserfolg ausbleibt, z. B. wenn über einen Zeitraum von sechs Monaten einekontinuierliche Zunahme des EDSS-Wertes eintritt oder wenn trotz Betaferon-Behandlung eine
Therapie mit ACTH oder Kortikosteroiden mit drei oder mehr Behandlungszyklen innerhalb eines
Jahres erforderlich wird, sollte die Behandlung mit Betaferon beendet werden.
Art der AnwendungZur subkutanen Injektion.
Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
* Patienten mit Überempfindlichkeit gegen natürliches oder rekombinantes Interferon-β,
Humanalbumin oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile in der
Anamnese.
* Patienten mit bestehenden schweren Depressionen und/oder Suizidneigungen (siehe
Abschnitte 4.4 und 4.8).
* Bei Patienten mit dekompensierter Leberinsuffizienz (siehe Abschnitte 4.4, 4.5 und 4.8).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Erkrankungen des ImmunsystemsDie Gabe von Zytokinen bei Patienten mit vorbestehender monoklonaler Gammopathie wurde in
Zusammenhang gebracht mit der Entwicklung eines Capillary-Leak-Syndroms mit schockähnlichen
Symptomen und tödlichem Ausgang.
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsIn seltenen Fällen wurde unter Betaferon eine Pankreatitis festgestellt, die oft mit einer
Hypertriglyzeridämie einherging.
Erkrankungen des NervensystemsBetaferon sollte mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit vorbestehenden oder aktuellendepressiven Störungen, insbesondere bei Patienten mit früher vorhandener Suizidneigung. Es istbekannt, dass Depression und Suizidneigung bei Patienten mit Multipler Sklerose und Interferon-behandlung vermehrt auftreten. Patienten die mit Betaferon behandelt werden, sollen angewiesenwerden, Symptome einer Depression oder Suizidneigung unmittelbar ihrem behandelnden Arzt zuberichten. Patienten, die an Depression leiden, sollten während der Therapie mit Betaferonengmaschig beobachtet und entsprechend behandelt werden. Gegebenenfalls ist ein Abbruch der
Betaferon-Behandlung in Betracht zu ziehen (siehe Abschnitte 4.3 und 4.8).
Betaferon sollte mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit Krampfanfällen in der Anamneseund bei Patienten, die mit Antiepileptika behandelt werden, besonders bei solchen Patienten, deren
Epilepsie nicht adäquat mit Antiepileptika kontrolliert werden kann (siehe Abschnitte 4.5 und 4.8).
Das Präparat enthält Humanalbumin und birgt daher ein potentielles Risiko der Übertragung viraler
Erkrankungen. Das theoretische Risiko für die Übertragung der Creutzfeld-Jacob-Krankheit (CJK)kann nicht ausgeschlossen werden.
LabortestsRegelmäßige Schilddrüsenfunktionstests werden empfohlen bei Patienten mit einer Funktionsstörungder Schilddrüse in der Anamnese oder bei medizinischer Indikation.
Es wird empfohlen, neben den normalerweise im Rahmen der Behandlung von Patienten mit Multipler
Sklerose erforderlichen Labortests, vor Behandlungsbeginn sowie in regelmäßigen Abständenwährend der Behandlung mit Betaferon ein großes Blutbild einschließlich differentieller Bestimmungder Leukozytenzahlen und Bestimmung der Thrombozytenzahlen zu erstellen und klinisch chemische
Parameter einschließlich Leberwerte (z. B. AST [SGOT], ALT [SGPT] und γ-GT) zu bestimmen.
Auch beim Fehlen klinischer Symptome sollten diese Tests anschließend periodisch fortgesetztwerden.
Bei Patienten mit Anämie, Thrombopenie, Leukopenie (allein oder in Kombination) istmöglicherweise eine häufigere Kontrolle von großem Blutbild, einschließlich von Differentialblutbildund Thrombozytenzahlen erforderlich. Patienten, bei denen sich eine Neutropenie entwickelt, solltenengmaschig hinsichtlich des Auftretens von Fieber oder eines Infektes beobachtet werden. Über
Thrombopenie mit massiv verringerter Thrombozytenzahl wurde berichtet.
Leber- und GallenerkrankungenWährend klinischer Studien traten bei mit Betaferon behandelten Patienten sehr häufigasymptomatische - zumeist leichte und vorübergehende - Erhöhungen der Transaminasewerte auf.
Bei Patienten unter Therapie mit Betaferon wurde - wie auch für andere Interferone - selten überschwere Leberschädigung einschließlich Fälle von Leberversagen berichtet. Die schwerwiegendsten
Fälle traten häufig bei Patienten auf, die andere mit Lebertoxizität assoziierte Medikamente oder
Substanzen erhielten oder bei Bestehen gleichzeitiger Erkrankungen (z. B. metastasierende maligne
Erkrankungen, schwere Infektionen und Sepsis oder Alkoholmissbrauch).
Patienten müssen auf Anzeichen von Leberversagen hin überwacht werden. Erhöhte
Transaminasenwerte müssen engmaschig kontrolliert werden. Bei signifikanter Erhöhung oder wenn
Symptome auftreten, die mit klinischen Symptomen wie Gelbsucht assoziiert sind, muss in Erwägunggezogen werden, Betaferon abzusetzen. Sind klinische Anzeichen eines Leberschadens nichtvorhanden und die Leberenzymwerte wieder im Normbereich, kann erwogen werden, wieder mit der
Therapie zu beginnen. Im weiteren Therapieverlauf muss die Leberfunktion sorgfältig überwachtwerden.
Erkrankungen der Nieren und HarnwegeBei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz sollte die Anwendung von Interferon beta mit Vorsichterfolgen und es sollte eine engmaschige Überwachung dieser Patienten in Betracht gezogen werden.
Nephrotisches Syndrom
Fälle von nephrotischem Syndrom mit unterschiedlichen zugrundeliegenden Nephropathien,einschließlich der kollabierenden Form der fokal segmentalen Glomerulosklerose (FSGS),
Minimal-Change-Glomerulonephritis (MCG), membranoproliferativen Glomerulonephritis (MPGN)und membranösen Glomerulopathie (MGN) wurden während der Behandlung mit Interferon beta
Produkten berichtet. Ereignisse wurden zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung berichtet undkönnen nach mehreren Jahren der Behandlung mit Interferon beta auftreten. Eine regelmäßige
Überprüfung auf frühe Anzeichen oder Symptome, wie z. B. Ödeme, Proteinurie und
Nierenfunktionsstörungen, besonders bei Patienten mit einem erhöhten Risiko von
Nierenerkrankungen, wird empfohlen. Eine sofortige Behandlung des nephrotischen Syndroms isterforderlich und ein Abbruch der Behandlung mit Betaferon sollte in Erwägung gezogen werden.
HerzerkrankungenBetaferon sollte bei Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen mit Vorsicht angewendetwerden. Patienten mit vorbestehender relevanter Herzerkrankung wie Herzinsuffizienz, koronarer
Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen, sollten insbesondere zu Beginn der Behandlung mit
Betaferon auf eine Verschlechterung des kardialen Zustands überwacht werden.
Betaferon besitzt zwar keine bekannte direkte kardiotoxische Wirkung, die Symptome des mit
Beta-Interferonen einhergehenden Grippe-artigen Syndroms können sich für Patienten mitvorbestehender relevanter Herzerkrankung jedoch als belastend erweisen. Im Rahmen der
Postmarketing-Phase gingen sehr selten Berichte über eine Verschlechterung des kardialen Zustandsbei Patienten mit vorbestehender relevanter Herzerkrankung ein, die in einem zeitlichen
Zusammenhang mit dem Beginn einer Betaferon-Therapie standen.
Seltene Fälle von Kardiomyopathie wurden berichtet. Wenn ein solcher Fall eintritt, und der Verdachteines Zusammenhangs mit Betaferon besteht, soll die Behandlung abgebrochen werden.
Thrombotische Mikroangiopathie (TMA) und hämolytische Anämie (HA)
Bei der Behandlung mit Interferon beta-Arzneimitteln wurden Fälle von thrombotischer
Mikroangiopathie, die sich als thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) oderhämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) manifestierte, einschließlich Fälle mit Todesfolge, berichtet.
Zu den frühen klinischen Zeichen gehören Thrombozytopenie, Neuauftreten einer Hypertonie, Fieber,
ZNS-Symptome (z. B. Verwirrtheit und Parese) und eingeschränkte Nierenfunktion. Zu den
Laborbefunden, die auf TMA hinweisen können, gehören verminderte Thrombozytenzahlen, erhöhter
Serum-Laktatdehydrogenase (LDH)-Spiegel aufgrund von Hämolyse sowie Schistozyten(fragmentierte Erythrozyten) im Blutausstrich. Daher werden beim Beobachten klinischer Zeicheneiner TMA weitere Untersuchungen des Thrombozytenspiegels, der Serum-LDH, des Blutausstrichesund der Nierenfunktion empfohlen. Darüber hinaus wurden Fälle von HA, die nicht mit TMA in
Zusammenhang gebracht wurden, einschließlich Immun-HA mit Interferon beta Produkten gemeldet.
Es wurden lebensbedrohliche und tödliche Fälle gemeldet. Fälle von TMA und/oder HA wurden zuverschiedenen Zeitpunkten während der Behandlung berichtet und können mehrere Wochen bismehrere Jahre nach Beginn der Behandlung mit Interferon beta auftreten.
Bei Diagnose einer TMA und/oder HA und wenn ein Zusammenhang zu Betaferon vermutet wird, isteine umgehende Behandlung (im Fall einer TMA ggf. mit Plasmaaustausch) erforderlich und einsofortiges Absetzen von Betaferon wird empfohlen.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am VerabreichungsortSchwere Überempfindlichkeitsreaktionen (seltene, aber schwere akute Reaktionen wie Broncho-spasmus, Anaphylaxie und Urtikaria) können auftreten. Bei schweren Reaktionen sollen die
Behandlung mit Betaferon abgebrochen und geeignete ärztliche Maßnahmen ergriffen werden.
Bei Patienten, die Betaferon anwenden, sind Nekrosen an den Injektionsstellen berichtet worden (siehe
Abschnitt 4.8). Diese können ausgedehnt sein und sich bis in die Muskelfascie und das Fettgewebeerstrecken und deshalb zur Narbenbildung führen. Gelegentlich sind Abtragungen nekrotischen
Gewebes und seltener Hauttransplantationen erforderlich. Die Wundheilung kann bis zu 6 Monatendauern.
Tritt beim Patienten eine Hautläsion auf, die mit Schwellung oder Flüssigkeitsabsonderung aus der
Injektionsstelle verbunden sein kann, soll der Patient den Arzt konsultieren, bevor er die
Betaferon-Injektionen fortsetzt.
Falls bei dem Patienten mehrere Läsionen bestehen, sollte die Behandlung mit Betaferon bis zur
Abheilung der Läsion unterbrochen werden. Patienten mit einzelnen Läsionen können, vorausgesetztdie Nekrose ist nicht zu ausgedehnt, die Behandlung mit Betaferon fortsetzen, da bei einigen Patienteneine Abheilung der Nekrosen während der Behandlung mit Betaferon stattgefunden hat.
Um das Risiko des Entstehens von Nekrosen zu minimieren, sollen Patienten unterrichtet werden über:− Anwendung einer aseptischen Injektionstechnik− Wechsel der Injektionsstelle bei jeder Applikation.
Die Inzidenz von Reaktionen an der Injektionsstelle lässt sich durch Anwendung eines Autoinjektorsvermindern. In der pivotalen Studie zu Patienten mit erstmaligem auf eine Multiple Sklerosehinweisendem klinischen Ereignis wurde von der Mehrzahl der Patienten ein Autoinjektorangewendet. In dieser Studie wurden Reaktionen an der Injektionsstelle sowie Nekrosen an der
Injektionsstelle seltener beobachtet als in den anderen pivotalen Studien.
Der Vorgang der Selbstinjektion durch den Patienten soll regelmäßig überprüft werden, besondersdann, wenn Reaktionen an den Injektionsstellen aufgetreten sind.
ImmunogenitätWie bei allen therapeutisch angewandten Proteinen kann es potentiell zu einer Immunogenitätkommen. In kontrollierten klinischen Prüfungen wurden alle 3 Monate Serumproben entnommen, umzu kontrollieren, ob Antikörper gegen Betaferon aufgetreten waren.
In den unterschiedlichen kontrollierten klinischen Prüfungen zu schubweise verlaufender Multipler
Sklerose und sekundär progredient verlaufender Multipler Sklerose trat bei 23 % bis 41 % der
Patienten im Serum eine Interferon beta-1b-neutralisierende Aktivität auf, die durch mindestens zweiaufeinander folgende positive Titer bestätigt wurde. Von diesen Patienten wechselten zwischen 43 %und 55 % während der darauf folgenden Beobachtungsphase der jeweiligen Studie auf einen stabilennegativen Antikörper-Status (auf der Basis von zwei aufeinander folgenden Antikörper-Titern).
Die Entwicklung einer neutralisierenden Aktivität in diesen Studien ist assoziiert mit einem Rückgangder klinischen Wirksamkeit, jedoch ausschließlich in bezug auf die Schubhäufigkeit. Einige Analysenlassen vermuten, daß dieser Effekt bei Patienten mit höheren Titern von neutralisierender Aktivitätstärker ausgeprägt sein könnte.
In der Studie an Patienten mit erstmaligem auf eine Multiple Sklerose hinweisenden klinischen
Ereignis wurde im Rahmen der alle 6 Monate vorgenommenen Bestimmungen mindestens einmal eineneutralisierende Aktivität bei 32 % (89) der Patienten, die sofort mit Betaferon behandelt wurden,beobachtet; von diesen kehrten 60 % (53) basierend auf der letzten verfügbaren Beurteilung innerhalbdes Zeitraums von fünf Jahren auf einen negativen Status zurück. Während dieses Zeitraums war das
Auftreten einer neutralisierenden Aktivität mit einem signifikanten Anstieg von neuen aktiven
Läsionen und von T2 Läsionsvolumen in der Magnetresonanztomographie verbunden. Dies schienaber nicht im Zusammenhang mit einer Verminderung der klinischen Wirksamkeit zu stehen (in
Bezug auf die Zeit bis zu einer klinisch gesicherten Multiplen Sklerose (CDMS), die Zeit bis zurnachweislichen Verschlechterung des EDSS-Wertes und die Schubrate).
Neue unerwünschte Ereignisse wurden nicht mit dem Auftreten neutralisierender Aktivität in
Verbindung gebracht.
In-vitro-Untersuchungen haben Kreuzreaktionen von Betaferon mit natürlichem Interferon betagezeigt. Jedoch wurde dies nicht in vivo untersucht, und die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse istungewiss.
Die wenigen nicht schlüssigen Daten von Patienten mit beendeter Betaferon-Behandlung, bei denensich eine neutralisierende Aktivität entwickelt hat, lassen keine Schlussfolgerungen zu.
Die Entscheidung, die Behandlung fortzusetzen oder abzubrechen, sollte sich eher an sämtlichen
Aspekten des Krankheitsstatus des Patienten als allein am Status der neutralisierenden Aktivitätorientieren.
Sonstige BestandteileDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro ml, d. h. es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
Die Auswirkung der Behandlung mit Betaferon (250 Mikrogramm = 8,0 Mio. I.E. jeden zweiten Tag)auf den Arzneimittelmetabolismus bei Multipler Sklerose ist nicht bekannt. Die Behandlung von
Schüben mit Kortikosteroiden oder ACTH über Zeiträume von bis zu 28 Tagen wurde von Patienten,die Betaferon erhielten, gut vertragen.
Wegen mangelnder klinischer Erfahrung bei Multipler Sklerose wird die Betaferon-Behandlung zu-sammen mit anderen Immunmodulatoren außer Kortikosteroiden oder ACTH nicht empfohlen.
Es ist berichtet worden, dass Interferone die Aktivität der Zytochrom-P450-abhängigen hepatischen
Enzyme bei Menschen und Tieren verringern können. Bei gleichzeitiger Anwendung anderer
Substanzen, die eine geringe therapeutische Breite besitzen und deren Clearance stark abhängig vom
Zytochrom-P450-System ist, z. B. Antiepileptika, soll Betaferon mit Vorsicht angewendet werden.
Zusätzliche Vorsicht ist geboten bei jeder Co-Medikation, die einen Effekt auf das hämatopoetische
System hat.
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit Antiepileptika durchgeführt.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftWeitreichende Erfahrungen (mehr als 1000 Schwangerschaftsausgänge) aus Interferon-beta-Registern,nationalen Registern und nach Markteinführung deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko fürschwerwiegende angeborene Fehlbildungen nach Exposition vor der Empfängnis oder im ersten
Schwangerschaftstrimenon hin. Die Dauer der Exposition während des ersten Trimenons ist jedochnicht genau bekannt, da die Daten zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, als die Anwendung von
Interferon beta während der Schwangerschaft kontraindiziert war und die Behandlung wahrscheinlichunterbrochen wurde, als eine Schwangerschaft festgestellt und/oder bestätigt wurde. Die Erfahrungenmit einer Exposition während des zweiten und dritten Schwangerschaftstrimenons sind sehr begrenzt.
Basierend auf Daten aus Tierstudien (siehe Abschnitt 5.3) besteht ein potenziell erhöhtes Risiko für
Spontanaborte. Das Risiko von Spontanaborten bei mit Interferon beta exponierten schwangeren
Frauen kann anhand der derzeit vorliegenden Daten nicht ausreichend bewertet werden, aber die Datenweisen bisher nicht auf ein erhöhtes Risiko hin.
Falls klinisch erforderlich, kann die Anwendung von Betaferon während der Schwangerschaft in
Betracht gezogen werden.
StillzeitBegrenzte Informationen zum Übergang von Interferon beta-1b in die Muttermilch, zusammen mitden chemisch/physiologischen Eigenschaften von Interferon beta, lassen vermuten, dass die in die
Muttermilch ausgeschiedenen Mengen an Interferon beta-1b vernachlässigbar sind. Es werden keineschädlichen Auswirkungen auf das gestillte Neugeborene/Kind erwartet.
Betaferon kann während der Stillzeit angewendet werden.
FertilitätEs wurden keine Untersuchungen zur Fertilität durchgeführt (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenEs wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen durchgeführt.
Unerwünschte zentralnervöse Wirkungen, die mit dem Gebrauch von Betaferon zusammenhängen,können bei entsprechend veranlagten Patienten die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr unddie Bedienung von Maschinen beeinflussen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsZu Beginn der Behandlung sind unerwünschte Wirkungen häufig, diese klingen aber im Allgemeinenbei weiterer Behandlung ab. Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Wirkungen waren eingrippeähnlicher Symptomenkomplex (Fieber, Schüttelfrost, , Gelenkschmerzen, Unwohlsein,
Schwitzen, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen), der im Wesentlichen durch diepharmakologischen Wirkungen des Arzneimittels hervorgerufen wird, und Reaktionen an der
Injektionsstelle. Häufig kam es nach der Injektion von Betaferon zu Reaktionen an der
Injektionsstelle. Rötung, Schwellung, Verfärbung, Entzündung, Schmerz, Überempfindlichkeit,
Nekrose und unspezifische Reaktionen standen in einem signifikanten Zusammenhang mit der
Betaferon-Behandlung in der Dosis von 250 Mikrogramm (8,0 Mio. I.E.).
Zu den schwerwiegendsten Nebenwirkungen, über die berichtet wurde, gehören die thrombotische
Mikroangiopathie (TMA) und die hämolytische Anämie (HA).
Im Allgemeinen wird zu Beginn der Behandlung eine Auftitrierung der Dosis empfohlen, um die
Verträglichkeit von Betaferon zu verbessern (siehe Abschnitt 4.2). Grippeähnliche Symptome lassensich außerdem durch Verabreichung eines nicht-steroidalen Entzündungshemmers verringern. Die
Häufigkeit von Reaktionen an der Injektionsstelle lässt sich durch Anwendung eines Autoinjektorsvermindern.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie folgende Liste unerwünschter Ereignisse basiert auf Berichten aus klinischen Studien (Tabelle 1,
Unerwünschte Ereignisse und Laborwertveränderungen) und aus Beobachtungen der Anwendungnach Markteinführung von Betaferon (Tabelle 2, Häufigkeiten - soweit bekannt - auf der Basis vongepoolten klinischen Studien (sehr häufig ≥ 1/10, häufig ≥ 1/100, < 1/10, gelegentlich ≥ 1/1.000,< 1/100, selten ≥ 1/10.000, < 1/1.000, sehr selten < 1/10.000)).
Die Erfahrungen mit Betaferon bei Patienten mit Multipler Sklerose sind begrenzt, weshalbunerwünschte Ereignisse mit sehr geringer Inzidenz möglicherweise noch nicht beobachtet wurden.
Tabelle 1: Unerwünschte Ereignisse mit einer Inzidenz ≥ 10% und den jeweiligen Prozentangabenunter Placebo; Nebenwirkungen mit signifikantem Kausalzusammenhang mit einer Inzidenz < 10%,auf der Basis von Berichten aus klinischen Studien
Systemorganklasse Einmaliges auf sekundär sekundär schubweiseeine Multiple progrediente progrediente verlaufende
Unerwünschtes Ereignis Sklerose Multiple Multiple Multipleund hinweisendes Sklerose Sklerose Sklerose
Laborwertveränderung Ereignis (Europäische (Nordamerika(BENEFIT)# Studie) -Studie)
Betaferon Betaferon Betaferon Betaferon250 250 250 250
Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm(Placebo) (Placebo) (Placebo) (Placebo)n=292 (n=176) n=360 (n=358) n=317 (n=308) n=124 (n=123)
Infektionen und parasitäre
Erkrankungen
Infektion○ 6% (3%) 13% (11%) 11% (10%) 14% (13%)
Abszess 0% (1%) 4% (2%) 4% (5%) 1% (6%)
Erkrankungen des Blutes und des
Lymphsystems
Abnahme der 79% (45%) 53% (28%) 88% (68%) 82% (67%)
Lymphozytenzahl(<1.500/mm3)† ‡ ○
Abnahme der absoluten 11% (2%) 18% (5%) 4% (10%) 18% (5%)
Neutrophilenzahl(<1.500/mm3)† ‡ * ○
Systemorganklasse Einmaliges auf sekundär sekundär schubweiseeine Multiple progrediente progrediente verlaufende
Unerwünschtes Ereignis Sklerose Multiple Multiple Multipleund hinweisendes Sklerose Sklerose Sklerose
Laborwertveränderung Ereignis (Europäische (Nordamerika(BENEFIT)# Studie) -Studie)
Betaferon Betaferon Betaferon Betaferon250 250 250 250
Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm(Placebo) (Placebo) (Placebo) (Placebo)n=292 (n=176) n=360 (n=358) n=317 (n=308) n=124 (n=123)
Abnahme der 11% (2%) 13% (4%) 13% (4%) 16% (4%)
Leukozytenzahl(<3.000/mm3) † ‡ * ○
Lymphadenopathie 1% (1%) 3% (1 %) 11% (5%) 14% (11%)
Stoffwechsel- und
Ernährungsstörungen
Senkung des 3% (5%) 27% (27%) 5% (3%) 15% (13%)
Blutzuckerspiegels(<55 mg/dl)†
Psychiatrische ErkrankungenDepression 10% (11%) 24% (31%) 44% (41%) 25% (24%)
Angst 3% (5%) 6% (5%) 10% (11%) 15% (13%)
Erkrankungen des
Nervensystems
Kopfschmerzen ‡ 27% (17%) 47% (41%) 55% (46%) 84% (77%)
Schwindel 3% (4%) 14% (14%) 28% (26%) 35% (28%)
Schlaflosigkeit 8% (4%) 12% (8%) 26% (25%) 31% (33%)
Migräne 2% (2%) 4% (3%) 5% (4%) 12% (7%)
Parästhesie 16% (17%) 35% (39%) 40% (43%) 19% (21%)
AugenerkrankungenKonjunktivitis 1% (1%) 2% (3%) 6% (6%) 12% (10%)
Sehstörungen ‡ 3% (1%) 11% (15%) 11% (11%) 7% (4%)
Erkrankungen des Ohrsund des Labyrinths
Ohrenschmerzen 0% (1%) <1% (1%) 6% (8%) 16% (15%)
HerzerkrankungenPalpitationen * 1% (1%) 2% (3%) 5% (2%) 8% (2%)
GefäßerkrankungenVasodilatation 0% (0%) 6% (4%) 13% (8%) 18% (17%)
Hypertonie ○ 2% (0%) 4% (2%) 9% (8%) 7% (2%)
Erkrankungen der Atemwege,des Brustraums und
Mediastinums
Infektionen der oberen 18% (19%) 3% (2%)
Atemwege
Sinusitis 4% (6%) 6% (6%) 16% (18%) 36% (26%)
Vermehrtes Husten 2% (2%) 5% (10 %) 11% (15%) 31% (23%)
Dyspnoe * 0% (0%) 3% (2%) 8% (6%) 8% (2%)
Erkrankungen des
Gastrointestinaltrakts
Diarrhoe 4% (2%) 7% (10%) 21% (19%) 35% (29%)
Verstopfung 1% (1%) 12% (12%) 22% (24%) 24% (18%)
Übelkeit 3% (4%) 13% (13%) 32% (30%) 48% (49%)
Erbrechen ‡ 5% (1%) 4% (6%) 10% (12%) 21% (19%)
Abdominelle Schmerzen ○ 5% (3%) 11% (6%) 18% (16%) 32% (24%)
Systemorganklasse Einmaliges auf sekundär sekundär schubweiseeine Multiple progrediente progrediente verlaufende
Unerwünschtes Ereignis Sklerose Multiple Multiple Multipleund hinweisendes Sklerose Sklerose Sklerose
Laborwertveränderung Ereignis (Europäische (Nordamerika(BENEFIT)# Studie) -Studie)
Betaferon Betaferon Betaferon Betaferon250 250 250 250
Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm(Placebo) (Placebo) (Placebo) (Placebo)n=292 (n=176) n=360 (n=358) n=317 (n=308) n=124 (n=123)
Leber- und GallenerkrankungenAnstieg der 18% (5%) 14% (5%) 4% (2%) 19% (6%)
Glutamatpyruvattrans-aminase (SGPT > 5-mal
Ausgangswert) † ‡ * ○
Anstieg der 6% (1%) 4% (1%) 2% (1%) 4% (0%)
Glutamatoxalacetattrans-aminase (SGOT > 5-mal
Ausgangswert) † ‡ * ○
Erkrankungen der Hautund des Unterhautzellgewebes
Hauterkrankungen 1% (0%) 4% (4%) 19% (17%) 6% (8%)
Hautausschlag ‡ ○ 11% (3%) 20% (12%) 26% (20%) 27% (32%)
Skelettmuskulatur-,
Bindegewebs- und
Knochenerkrankungen
Hypertonie○ 2% (1%) 41% (31%) 57% (57%) 26% (24%)
Muskelschmerzen * ○ 8% (8%) 23% (9%) 19% (29%) 44% (28%)
Myasthenie 2% (2%) 39% (40%) 57% (60%) 13% (10%)
Rückenschmerzen 10% (7%) 26% (24%) 31% (32%) 36% (37%)
Schmerzen in einer 6% (3%) 14% (12%) 0% (0%)
Extremität
Erkrankungen der Nierenund Harnwege
Harnverhaltung 1% (1%) 4% (6%) 15% (13%) -
Harnprotein positiv 25% (26%) 14% (11%) 5% (5%) 5% (3%)(> 1 + ) †
Häufige Blasenentleerung 1% (1%) 6% (5%) 12% (11%) 3% (5%)
Harninkontinenz * 1% (1%) 8% (15%) 20% (19%) 2% (1%)
Starker Harndrang 1% (1%) 8% (7%) 21% (17%) 4% (2%)
Erkrankungen der
Geschlechtsorganeund der Brustdrüse
Dysmenorrhoe 2% (0%) <1% (<1%) 6% (5%) 18% (11%)
Menstruationsstörungen * 1% (2%) 9% (13%) 10% (8%) 17% (8%)
Metrorrhagie 2% (0%) 12% (6%) 10% (10%) 15% (8%)
Impotenz 1% (0%) 7% (4%) 10% (11%) 2% (1%)
Allgemeine Erkrankungenund Beschwerdenam Verabreichungsort
Reaktionen an der 52% (11%) 78% (20%) 89% (37%) 85% (37%)
Injektionsstelle(verschiedener Art) ‡ * ○ §
Nekrose an der 1% (0%) 5% (0%) 6% (0%) 5% (0%)
Injektionsstelle * ○
Systemorganklasse Einmaliges auf sekundär sekundär schubweiseeine Multiple progrediente progrediente verlaufende
Unerwünschtes Ereignis Sklerose Multiple Multiple Multipleund hinweisendes Sklerose Sklerose Sklerose
Laborwertveränderung Ereignis (Europäische (Nordamerika(BENEFIT)# Studie) -Studie)
Betaferon Betaferon Betaferon Betaferon250 250 250 250
Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm Mikrogramm(Placebo) (Placebo) (Placebo) (Placebo)n=292 (n=176) n=360 (n=358) n=317 (n=308) n=124 (n=123)
Grippeähnliche 44% (18%) 61% (40%) 43% (33%) 52% (48%)
Symptome & ‡ * ○
Fieber ‡ * ° 13% (5%) 40% (13%) 29% (24%) 59 % (41 %)
Schmerzen 4% (4%) 31% (25%) 59% (59%) 52% (48%)
Thoraxschmerzen ○ 1% (0%) 5% (4%) 15% (8%) 15% (15%)
Periphere Ödeme 0% (0%) 7% (7%) 21% (18%) 7% (8%)
Asthenie * 22% (17%) 63% (58%) 64% (58%) 49% (35%)
Schüttelfrost ‡* ○ 5% (1%) 23% (7%) 22% (12%) 46% (19%)
Schwitzen * 2% (1%) 6% (6%) 10% (10%) 23% (11%)
Unwohlsein * 0% (1%) 8% (5%) 6% (2%) 15% (3%)† Laborwertveränderung‡ Signifikanter Zusammenhang mit der Betaferon-Behandlung bei Patienten mit erstem auf eine
MS hinweisendem Ereignis, p < 0,05
* Signifikanter Kausalzusammenhang mit der Betaferon-Behandlung bei schubweise verlaufender
Multipler Sklerose, p < 0,05○ Signifikanter Kausalzusammenhang mit der Betaferon-Behandlung bei sekundär progredienter
Multipler Sklerose, p < 0,05§ Reaktion an der Injektionsstelle (verschiedener Art) umfasstalle an der Injektionsstelle auftretenden unerwünschten Ereignisse, d. h. die folgenden Begriffe:
Blutung an der Injektionsstelle, Überempfindlichkeit an der Injektionsstelle, Entzündung an der
Injektionsstelle, Raumforderung an der Injektionsstelle, Nekrose an der Injektionsstelle,
Schmerzen an der Injektionsstelle, Reaktion an der Injektionsstelle, Ödem an der Injektionsstellesowie Atrophie an der Injektionsstelle& 'Grippeähnlicher Symptomkomplex“ steht für Grippesyndrom und/oder eine Kombination ausmindestens zwei UE aus Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Unwohlsein, Schwitzen.
# Während der BENEFIT-Follow-up Studie wurde keine Veränderung des bekannten Risikoprofilsvon Betaferon beobachtet.
Zur Beschreibung einer bestimmten Reaktion und ihrer Synonyme und verwandten Störungen wurdeder am besten geeignete MedDRA-Term gewählt
Tabelle 2: Nach Markteinführung identifizierte unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)(Häufigkeiten - soweit bekannt - berechnet auf der Basis von gepoolten Daten aus klinischen Studien,
N = 1093)
Systemorganklasse Sehr Häufig Gelegentlich Selten Häufigkeithäufig (≥ 1/100, (≥ 1/1.000, (≥ 1/10.000, nicht bekannt(≥ 1/10) 1 < 1/10) 1 < 1/100) 1 < 1/1.000) 1
Erkrankungen des Anämie Thrombozyto- Thrombotische Hämolytische
Blutes und des penie Mikroangio- Anämie2,5
Lymphsystems pathie5,einschließlichthrombotischerthrombo-zytopenischer
Purpura/hämo-lytisch-urä-misches
Syndrom3
Erkrankungen des Anaphylaktisch Kapillarleck-
Immunsystems e Reaktionen syndrom beivorbestehendermonoklonaler
Gammopathie2
Endokrine Hypothyreose Hyperthyreose,
Erkrankungen Schilddrüsen-erkrankungen
Stoffwechsel- und Gewichts- Anstieg der Anorexie2
Ernährungs- zunahme, Triglyzeridestörungen Gewichts- im Blutverlust
Psychiatrische Verwirrtheit Suizidversuch
Erkrankungen (siehe auch
Abschnitt 4.4), emotionale
Instabilität
Erkrankungen des Krampfanfälle
Nervensystems
Herzerkrankungen Tachykardie Kardiomyo-pathie 2
Erkrankungen der Broncho- Pulmonale
Atemwege, des spasmus2 arterielle
Brustraums und Hypertonie4
Mediastinums
Erkrankungen des Pankreatitis
Gastrointestinal-trakts
Systemorganklasse Sehr Häufig Gelegentlich Selten Häufigkeithäufig (≥ 1/100, (≥ 1/1.000, (≥ 1/10.000, nicht bekannt(≥ 1/10) 1 < 1/10) 1 < 1/100) 1 < 1/1.000) 1
Leber- und Gallen- Anstieg der Anstieg der Leberschadenerkrankungen Bilirubin- Gamma- (inkl.
Spiegel im glutamyl- Hepatitis),
Blut transferase, Leber-
Hepatitis insuffizienz 2
Erkrankungen der Urtikaria, Haut-
Haut und des Pruritus, verfärbung
Unterhautgewebes Alopezie
Skelettmuskulatur- Arthralgie Arzneimittel-, Bindegewebs- und induzierter Lupus
Knochen- erythematodeserkrankungen
Erkrankungen der Nephrotisches
Nieren und Syndrom,
Harnwege Glomerulo-sklerose (siehe
Abschnitt 4.4)
Erkrankungen der Menorrhagie
Geschlechtsorganeund der Brustdrüse1 Häufigkeiten auf der Basis von gepoolten klinischen Studien (sehr häufig ≥ 1/10, häufig ≥ 1/100, < 1/10,gelegentlich ≥ 1/1.000, < 1/100, selten ≥ 1/10.000, < 1/1.000, sehr selten < 1/10.000).2 UAW, die ausschließlich nach der Markteinführung bekannt geworden sind3 Klassenbezeichnung gilt für alle Interferon beta-Arzneimittel (siehe Abschnitt 4.4).4 Klassenbezeichnung für Interferon-Produkte siehe Pulmonale arterielle Hypertonie unten.5 Es wurden lebensbedrohliche und/oder tödliche Fälle gemeldet.
Zur Beschreibung einer bestimmten Reaktion und ihrer Synonyme und verwandten Störungen wurdeder am besten geeignete MedDRA-Term gewählt.
Pulmonale arterielle HypertonieIm Zusammenhang mit der Anwendung von Produkten, die Interferon beta enthalten, wurde über Fällevon pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) berichtet. Die Ereignisse wurden zu unterschiedlichen
Zeitpunkten gemeldet, unter anderem bis zu einigen Jahren nach dem Behandlungsbeginn mit
Interferon beta.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Interferon beta-1b wurde erwachsenen Krebspatienten in individueller Dosierung bis zu5.500 Mikrogramm (176 Mio. I.E.) intravenös 3 x pro Woche verabreicht, ohne schwerwiegendeunerwünschte Auswirkungen auf Vitalfunktionen zu verursachen.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Zytokine, Interferone,
ATC-Code: L03 AB 08
WirkmechanismusInterferone gehören zu den Zytokinen, natürlich vorkommenden Proteinen. Die Molekulargewichtevon Interferonen liegen im Bereich von 15.000 bis 21.000 Dalton. Es wurden drei Hauptklassen von
Interferonen identifiziert: Alpha-, Beta- und Gamma-Interferone. Die biologischen Wirkungen von
Alpha-, Beta- und Gamma-Interferonen überlappen sich zwar, sind jedoch unterschiedlich. Die
Wirkungen von Interferon beta-1b sind speziesspezifisch, sodass die wichtigsten pharmakologischen
Informationen über Interferon beta-1b aus Untersuchungen an menschlichen Zellkulturen oder aus
In-vivo-Studien am Menschen stammen.
Für Interferon beta-1b konnten sowohl antivirale als auch immunregulatorische Wirkungennachgewiesen werden. Die Wirkungsweise von Interferon beta-1b bei Multipler Sklerose ist nichtgenau geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass die biologischen Eigenschaften von Interferon beta-1b, diedie Immunantwort beeinflussen, durch seine Wechselwirkungen mit spezifischen Zellrezeptoren aufder Oberfläche menschlicher Zellen vermittelt werden. Die Bindung von Interferon beta-1b an diese
Rezeptoren führt zur Bildung einer Reihe von Genprodukten, die als Mediatoren der biologischen
Wirkungen von Interferon beta-1b betrachtet werden. Eine Reihe dieser Produkte wurde im Serum undin Zellfraktionen im Blut von Patienten nachgewiesen, die mit Interferon beta-1b behandelt wurden.
Interferon beta-1b führt sowohl zu einer Verminderung der Bindungsaffinität als auch zu einer
Verstärkung von Internalisierung und Abbau des Interferon gamma Rezeptors. Außerdem verstärkt
Interferon beta-1b die Suppressoraktivität peripherer Lymphozyten.
Gesonderte Untersuchungen zum Einfluss von Betaferon auf das Herz-Kreislauf-System, das
Atmungssystem und die Funktion endokriner Organe wurden nicht durchgeführt.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitRR-MS
Es wurde eine kontrollierte klinische Studie zu Betaferon bei Patienten mit schubweise verlaufender
Multipler Sklerose durchgeführt, die ohne Hilfe gehfähig waren (EDSS-Wert zu Studienbeginn:0-5,5). Bei den Patienten, die Betaferon erhielten, kam es zu einem Rückgang der Schubhäufigkeit(30 %) und Schwere der klinischen Schübe sowie der Zahl der krankheitsbedingten
Krankenhausaufenthalte. Darüber hinaus verlängerte sich das schubfreie Intervall. Es gibt keinen
Hinweis für einen Einfluss von Betaferon auf die Dauer der Schübe oder auf die Symptome zwischenden Schüben und bei der schubweise verlaufenden Multiplen Sklerose wurde keine signifikante
Wirkung auf das Fortschreiten der Erkrankung beobachtet.
SP-MS
Es wurden zwei kontrollierte klinischen Studien zu Betaferon bei insgesamt 1657 Patienten mitsekundär progredient verlaufender Multipler Sklerose (EDSS-Werte zu Studienbeginn: 3-6,5, d. h. die
Patienten waren gehfähig) durchgeführt. Patienten mit leichten Erkrankungsformen und solche, dienicht gehfähig waren, wurden nicht untersucht. Die beiden Studien zeigten übereinstimmende
Ergebnisse für die primäre Erfolgsgröße 'Zeit bis zum nachweislichen Fortschreiten der Erkrankung“,
d. h. eine Verschlimmerung des Behinderungsgrades konnte hinausgezögert werden.
Eine der beiden Studien zeigte nachweislich bei den mit Betaferon behandelten Patienten einestatistisch signifikante Verzögerung der Zeit bis zum Fortschreiten des Behinderungsgrades(Hazard-Ratio = 0,69; 95-%-Konfidenzintervall (0,55-086), P = 0,0010, entsprechend einer 31-%igen
Risikominderung durch Betaferon) und der Zeit bis zur Rollstuhlabhängigkeit (Hazard-Ratio = 0,61;95-%-Konfidenzintervall (0,44-0,85), P=0,0036, entsprechend einer 39-%igen Risikominderung durch
Betaferon). Dieser Effekt hielt über die Beobachtungsphase von bis zu 33 Monaten hinweg an. Der
Behandlungseffekt war bei den Patienten aller untersuchten Behinderungsstufen sowie unabhängigvon akuten Schüben festzustellen.
In der zweiten klinischen Prüfung zu Betaferon bei Patienten mit sekundär progredient verlaufender
Multipler Sklerose wurde keine Verzögerung der Zeit bis zur Verschlimmerung der Behinderungbeobachtet. Es liegen Hinweise darauf vor, dass die in dieser Studie untersuchten Patienten insgesamtweniger akute Krankheitsgeschehen zeigten als die in der anderen Studie untersuchten Patienten mitsekundär progredient verlaufender Multipler Sklerose.
Bei der retrospektiven Metaanalyse, in die die Daten beider Studien einflossen, wurde ein statistischsignifikanter Gesamtbehandlungseffekt festgestellt (P = 0,0076; 8,0 Mio. I.E. Betaferon versus alle
Placebo-Patienten).
Retrospektive Subgruppen-Analysen ergaben, dass mit einem Behandlungseffekt auf das Fortschreitender Behinderung am ehesten bei Patienten mit akutem Krankheitsgeschehen vor Beginn der
Behandlung zu rechnen ist [Hazard-Ratio 0,72, 95-%-Konfidenzintervall (0,59- 0,88), P = 0,0011,entsprechend einer 28-%igen Risikominderung durch Betaferon bei Patienten im Schub oder beiausgeprägter Verschlechterung des EDSS-Wertes, 8,0 Mio. I.E. Betaferon versus alle Placebo-
Patienten]. Diese retrospektiven Subgruppen-Analysen legten den Schluss nahe, dass Schübe sowieausgeprägte Verschlechterungen der EDSS-Werte (EDSS >1 Punkte oder >½ Punkt bei EDSS-Werten≥6 in den letzten zwei Jahren) die Identifikation von Patienten mit aktivem Krankheitsgeschehenerleichtern.
In beiden klinischen Studien zeigten mit Betaferon behandelte Patienten mit sekundär progredientverlaufender Multipler Sklerose einen Rückgang der Häufigkeit (30 %) klinischer Schübe. Es liegenkeine Hinweise auf einen Einfluss von Betaferon auf die Schubdauer vor.
Erstmaliges, auf eine MS hinweisendes demyelinisierendes Ereignis
Eine kontrollierte Studie zu Betaferon wurde mit Patienten mit erstmaligem klinischem Ereignis undauf eine Multiple Sklerose hinweisendem MRT-Befund (mindestens zwei klinisch stille Läsionen im
T2-gewichteten MRT) durchgeführt. Die Studie schloss Patienten mit monofokalem odermultifokalem Erkrankungsbeginn ein (d. h. Patienten mit klinischem Nachweis einer einzelnen bzw.mindestens zweier Läsionen des Zentralnervensystems). Andere Erkrankungen als die Multiple
Sklerose, die die Symptome des Patienten besser erklären könnten, mussten ausgeschlossen wordensein. Diese Studie bestand aus zwei Phasen, einer Placebo-kontrollierten Phase, gefolgt von einervorher geplanten Nachbeobachtungsphase. Die Placebo-kontrollierte Phase dauerte zwei Jahre oderbis der Patient eine klinisch gesicherte Multiple Sklerose (CDMS) entwickelte, je nachdem welches
Ereignis zuerst eintrat. Nach der Placebo-kontrollierten Phase nahmen die Patienten an einer vorhergeplanten Nachbeobachtungsphase mit Betaferon teil. So konnte der Effekt einer sofortigen
Betaferon-Behandlung im Vergleich zu einem verzögerten Beginn untersucht werden. Dabei wurden
Patienten verglichen, die zu Studienbeginn randomisiert Betaferon ('Gruppe mit sofortiger
Behandlung“) oder Placebo ('Gruppe mit verzögerter Behandlung“) erhielten. Patienten und Prüferblieben bezüglich der Zuteilung der Erstbehandlung weiterhin verblindet.
Tabelle 3: Primäre Wirksamkeitsergebnisse der BENEFIT- und der BENEFIT-Anschlussstudie
Ergebnisse nach Ergebnisse nach Ergebnisse nach2 Jahren 3 Jahren 5 Jahren
Placebokontrollierte Offene Offene
Phase Nachbeobachtung Nachbeobachtung
Betaferon Placebo Betaferon Betaferon Betaferon Betaferon250 μg 250 μg 250 μg 250 μg 250 μgsofort verzögert sofort verzögertn=292 n=176 n=292 n=176 n=292 n=176
Anzahl der Patienten,die die Studienphase 271 (93%) 166 (94%) 249 (85%) 143 (81%) 235 (80%) 123 (70%)abgeschlossen haben
Primäre Wirksamkeitsvariablen
Zeit bis zur CDMS
Kaplan-Meier- 28% 45% 37% 51% 46% 57%
Schätzungen
Risikoreduktion 47% gegenüber 41% gegenüber 37% gegenüber
Placebo Betaferon verzögert Betaferon verzögert
Hazard-Ratio mit HR = 0,53 [0,39; 0,73] HR = 0,59 [0,42; 0,83] HR = 0,63 [0,48; 0,83]95%-
Konfidenzintervall p < 0,0001 p = 0,0011 p = 0,0027
Log-Rank-Test
Betaferon verlängertedie Zeit bis zur CDMSum 363 Tage, von255 Tagen in der
Placebogruppe auf618 Tage in der
Betaferon-Gruppe(basierend auf den25. Perzentilen)
Zeit bis zur McDonald-MS
Kaplan-Meier- 69% 85% Kein primärer Kein primärer
Schätzungen Endpunkt Endpunkt
Risikoreduktion 43% gegenüber
Placebo
Hazard-Ratio mit HR = 0,57 [0,46; 0,71]95%-
Konfidenzintervall p < 0,00001
Log-Rank-Test
Zeit bis zur gesicherten EDSS-Progression
Kaplan-Meier- Kein primärer 16% 24% 25% 29%
Schätzungen Endpunkt
Risikoreduktion 40% gegenüber 24% gegenüber
Betaferon verzögert Betaferon verzögert
Hazard-Ratio mit HR = 0,60 [0,39; 0,92] HR = 0,76 [0,52; 1,11]95%-
Konfidenzintervall p = 0,022 p = 0,177
Log-Rank-Test
In der Placebo-kontrollierten Phase verzögerte Betaferon das Fortschreiten vom ersten klinischen
Ereignis hin zu einer CDMS in statistisch signifikanter und klinisch relevanter Weise. Die Robustheitdes Behandlungseffekts zeigte sich auch in der Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung hin zueiner Multiplen Sklerose gemäß den Kriterien nach McDonald (Tabelle 3).
Subgruppenanalysen nach Baseline-Faktoren erbrachten in allen untersuchten Subgruppen den
Nachweis einer Wirksamkeit im Hinblick auf das Fortschreiten zu einer CDMS. Das Risiko des
Fortschreitens zu einer CDMS innerhalb von 2 Jahren war bei monofokalen Patienten mit mindestens9 T2-Läsionen oder Gd-Anreicherung im MRT des Gehirns zu Studienbeginn höher. Bei multifokalen
Patienten war das CDMS-Risiko von den MRT-Befunden im Ausgangszustand unabhängig. Diese
Patienten gelten aufgrund der sich aus dem klinischen Befund ergebenden disseminierten Erkrankungals mit einem hohen CDMS-Risiko behaftet. Es gibt derzeit keine auf breiter Basis anerkannte
Definition für einen Hoch-Risiko-Patienten, obwohl ein mehr konservativer Ansatz von mindestens9-T2-hyperintensiven Läsionen auf der Initialaufnahme und wenigstens einer neuen T2- oder einerneuen Gd-anreichernden Läsion auf einer Folgeaufnahme, die mindestens 1 Monat nach
Initialaufnahme gemacht wurde, ausgeht. In jedem Fall sollte eine Therapie nur bei Patienten in
Betracht gezogen werden, die als Patienten mit hohem Risiko eingestuft werden.
Wie die hohe Rate von Studienabschlüssen zeigt (93 % in der Betaferon-Gruppe), wurde die
Behandlung mit Betaferon gut angenommen. Um die Verträglichkeit von Betaferon zu verbessern,wurde eine Auftitrierung der Dosis vorgenommen und es wurden zu Beginn der Behandlung nicht-steroidale Antirheumatika verabreicht. Darüber hinaus wurde von der Mehrzahl der Patienten über dengesamten Studienzeitraum ein Autoinjektor verwendet.
In der offenen Nachbeobachtungsphase war der Behandlungseffekt auf CDMS nach 3 und 5 Jahrenimmer noch zu erkennen (Tabelle 3), obwohl die Mehrzahl der Patienten aus der Placebogruppemindestens ab dem zweiten Jahr mit Betaferon behandelt wurden. Die EDSS-Progression (gesicherte
Zunahme des EDSS-Werts um mindestens einen Punkt gegenüber Studienbeginn) fiel in der Gruppemit sofortiger Behandlung geringer aus (Tabelle 3; signifikanter Effekt nach 3 Jahren, keinsignifikanter Effekt nach 5 Jahren). Die Mehrzahl der Patienten in beiden Behandlungsgruppen zeigtewährend des 5-jährigen Zeitraums kein Fortschreiten der Behinderung. Eine belastbare Evidenz füreinen Nutzen im Hinblick auf diesen Ergebnisparameter konnte für die 'sofortige“ Behandlung nichtnachgewiesen werden. Es ergab sich kein auf sofortige Behandlung mit Betaferon zurückzuführender
Vorteil hinsichtlich Lebensqualität (gemessen durch FAM - Functional Assessment of MS:
Behandlungsergebnis-Index).
RR-MS, SP-MS und erstmaliges auf eine MS hinweisendes demyelinisierendes Ereignis
Betaferon erwies sich in allen Multiple-Sklerose-Studien bei der Reduktion des aktiven
Krankheitsgeschehens (akutes entzündliches Geschehen im zentralen Nervensystem und bleibende
Gewebeveränderungen) als wirksam, wie Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchungenzeigten. Das Verhältnis zwischen akutem Krankheitsgeschehen bei der Multiplen Sklerose, wie es im
MRT erfasst werden kann, und dem klinischen Outcome wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt nochnicht vollständig verstanden.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Betaferon-Serumspiegel wurden bei Patienten und freiwilligen Probanden mit Hilfe eines nichtvollständig spezifischen Bioassays verfolgt. Maximale Serumkonzentrationen von etwa 40 I.E./mlwurden 1-8 Stunden nach subkutaner Injektion von 500 Mikrogramm (16,0 Mio. I.E.) Interferon beta-1b gefunden. In verschiedenen Studien wurden aus dem Serum mittlere Clearance-Raten bis zu30 ml.min-1.kg-1 und Dispositions-Halbwertszeiten bis zu 5 Stunden bestimmt.
Betaferon-Injektionen in zweitägigem Abstand führen nicht zu einem Anstieg der Serumspiegel. Die
Pharmakokinetik scheint sich im Verlauf der Therapie nicht zu verändern.
Die absolute Bioverfügbarkeit von subkutan verabreichtem Interferon beta-1b betrug etwa 50 %.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Studien zur akuten Toxizität wurden nicht durchgeführt. Da Nager nicht auf humanes Interferon betareagieren, wurden Untersuchungen mit wiederholter Verabreichung an Rhesus-Affen durchgeführt. Eswurde eine vorübergehende Hyperthermie sowie ein signifikanter Anstieg der Lymphozyten und einesignifikante Abnahme der Thrombozyten und der segmentierten neutrophilen Granulozytenbeobachtet.
Langzeittoxizitätsstudien wurden nicht durchgeführt. Reproduktionsstudien mit Rhesus-Affen zeigtentoxische Einflüsse auf das Muttertier und eine erhöhte Abortrate mit daraus resultierender pränataler
Mortalität. Bei den überlebenden Tieren wurden keine Missbildungen festgestellt. Untersuchungen zur
Fertilität wurden nicht durchgeführt. Einflüsse auf den Fruchtbarkeitszyklus von Affen wurden nichtbeobachtet. Erfahrungen mit anderen Interferonen legen die Möglichkeit einer Beeinträchtigung dermännlichen und weiblichen Fruchtbarkeit nahe.
In der einzigen Studie zur Genotoxizität (Ames-Test) wurde keine mutagene Wirkung beobachtet.
Untersuchungen zur Karzinogenität wurden nicht durchgeführt. Ein In-vitro-Zelltransformationstestlieferte keine Hinweise auf ein tumorigenes Potential.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Durchstechflasche (mit Pulver für Injektionslösung):
Albumin vom Menschen
Mannitol
Lösungsmittel (Natriumchloridlösung 5,4 mg/ml (0,54 % G/V)):
Natriumchlorid
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Das Arzneimittel darf, außer mit dem unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, mitgelieferten Lösungsmittel,nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
2 Jahre.
Nach Rekonstitution wird eine sofortige Anwendung empfohlen, obwohl die Anwendungsstabilität für3 Stunden bei 2-8 °C nachgewiesen wurde.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 °C lagern.
Nicht einfrieren.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflasche (mit Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung):3-ml-Durchstechflasche (farblos, Typ-I-Glas) mit Butyl-Gummistopfen (Typ I) und
Aluminium-Verschlusskappe.
Lösungsmittel (mit Natriumchloridlösung 5,4 mg/ml (0,54 % G/V)):2,25-ml-Fertigspritze (Typ-I-Glas) mit 1,2 ml Lösungsmittel.
Packungsgrößen:- Packung mit 5 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit Pulver,1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Packung mit 15 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit Pulver,1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Packung mit 14 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit Pulver,1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Packung mit 12 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit Pulver,1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Zweimonatspackung mit 2x14 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit
Pulver, 1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Dreimonatspackung mit 3x14 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit
Pulver, 1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Dreimonatspackung mit 3x15 Einzeldosispackungen mit jeweils 1 Durchstechflasche mit
Pulver, 1 Fertigspritze mit Lösungsmittel, 1 Aufsatz für die Durchstechflasche mit Kanüle,2 Alkoholtupfern oder
- Aufdosierungspackung zur Dosistitration mit 4 unterschiedlich gefärbten und numerierten
Dreierpackungen:
- gelb, mit der Zahl '1”(Behandlungstage 1, 3 und 5; 0,25-ml Spritzenmarkierung),
- rot, mit der Zahl '2” (Behandlungstage 7, 9 und 11; 0,5-ml Spritzenmarkierung),
- grün, mit der Zahl '3” (Behandlungstage 13, 15 und 17; 0,75-ml Spritzenmarkierung),
- blau, mit der Zahl '4” (Behandlungstage 19, 21 und 23; 0,25-, 0,5-, 0,75- und 1-ml
Spritzenmarkierung)
- Jede Dreierpackung enthält 3 Durchstechflaschen mit Pulver, 3 Fertigspritzen mit
Lösungsmittel, 3 Aufsätze für die Durchstechflaschen mit bereits befestigter Kanüle und6 Alkoholtupfer zur Reinigung von Haut und Durchstechflasche.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungRekonstitutionZur Herstellung der Injektionslösung aus dem gefriergetrockneten Interferon beta-1b-Pulver wird der
Aufsatz für die Durchstechflasche mit der Kanüle auf der Flasche angebracht. Die Fertigspritze mit
Lösungsmittel wird an dem Aufsatz für die Durchstechflasche befestigt, und die 1,2 ml Lösungsmittel(Natriumchloridlösung, 5,4 mg/ml (0,54 % G/V)) werden in die Betaferondurchstechflasche überführt.
Das Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung ist ohne Schütteln vollständig zu lösen.
Nach der Rekonstitution werden für die Verabreichung von 250 Mikrogramm Betaferon aus der
Durchstechflasche 1,0 ml in die Spritze aufgezogen. Zur Dosistitration zu Beginn der Behandlungmuss die entsprechende Menge wie in Abschnitt 4.2 angegeben entnommen werden.
Vor dem Injizieren ist die Durchstechflasche mit dem Aufsatz von der Fertigspritze zu entfernen.
Betaferon kann auch mit einem geeigneten Autoinjektor verabreicht werden.
Prüfung vor der Verwendung
Vor der Verwendung ist die rekonstituierte Lösung visuell zu prüfen. Die rekonstituierte Lösung istfarblos bis leicht gelblich und leicht milchig bis milchig.
Sie ist wegzuwerfen, wenn sie Partikel enthält oder verfärbt ist.
BeseitigungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Bayer AG51368 Leverkusen
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/95/003/005
EU/1/95/003/006
EU/1/95/003/007
EU/1/95/003/008
EU/1/95/003/009
EU/1/95/003/010
EU/1/95/003/011
EU/1/95/003/012
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 30. November 1995
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 31. Januar 2006
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.