Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels BAQSIMI 3mg einzeldosis nasenpulver
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Baqsimi 3 mg Nasenpulver in einem Einzeldosisbehältnis.
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jedes Einzeldosisbehältnis gibt Nasenpulver ab, das 3 mg Glucagon enthält.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Nasenpulver in einem Einzeldosisbehältnis (Nasenpulver)
Weißes bis nahezu weißes Pulver
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Baqsimi ist angezeigt zur Behandlung von schwerer Hypoglykämie bei Erwachsenen, Jugendlichenund Kindern ab 4 Jahren mit Diabetes mellitus.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungErwachsene, Jugendliche und Kinder ab 4 Jahren
Die empfohlene Dosis beträgt 3 mg Glucagon, in ein Nasenloch verabreicht.
Ältere PatientenEs ist keine altersbedingte Dosisanpassung erforderlich.
Es liegen nur sehr wenige Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten ab 65 Jahren und keinebei Patienten ab 75 Jahren vor.
Eingeschränkte NierenfunktionEs ist keine Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörungen erforderlich.
Eingeschränkte LeberfunktionEs ist keine Dosisanpassung bei Leberfunktionsstörungen erforderlich.
Kinder im Alter von 0 bis < 4 Jahren
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Baqsimi bei Kindern im Alter von 0 bis < 4 Jahren ist bishernoch nicht erwiesen. Es liegen diesbezüglich keine Daten vor.
Art der AnwendungAusschließlich zur nasalen Anwendung. Glucagon-Nasenpulver wird in eines der Nasenlöcherverabreicht. Glucagon wird durch die nasale Mucosa passiv resorbiert. Es ist nicht notwendig, nachder Dosisabgabe zu inhalieren oder tief einzuatmen.
Patienten und Betreuungspersonen sollten über die Anzeichen und Symptome einer schweren
Hypoglykämie aufgeklärt werden und die Patienten sollten angewiesen werden, ihr persönliches
Umfeld über Baqsimi und den Inhalt seiner Packungsbeilage zu informieren, da eine schwere
Hypoglykämie die Unterstützung anderer erfordert, um sich zu regenerieren. Baqsimi sollte so schnellwie möglich verabreicht werden, wenn eine schwere Hypoglykämie bemerkt wird. Der Patient oderdie Betreuungsperson sollte angewiesen werden, die Packungsbeilage zu lesen. Auf folgende
Anweisungen sollte besonderen Wert gelegt werden:
Anweisungen für die Verabreichung von Glucagon-Nasenpulver1. Entfernen Sie die geschweißte Folie durch Ziehen am roten Streifen.2. Nehmen Sie das Einzeldosisbehältnis aus dem Röhrchen. Drücken Sie nicht den Kolben,bevor Sie bereit sind, die Dosis zu verabreichen.3. Halten Sie das Einzeldosisbehältnis zwischen Fingern und Daumen. Da es nur eine Dosis
Glucagon beinhaltet und nicht wiederverwendet werden kann, testen Sie es bitte nicht vor der
Anwendung.4. Schieben Sie die Spitze des Einzeldosisbehältnisses behutsam in eines der Nasenlöcher, bisdie Finger die Außenseite der Nase berühren.
5. Drücken Sie den Kolben vollständig durch. Die Dosis wurde vollständig verabreicht, wenn dergrüne Streifen nicht mehr sichtbar ist.
6. Falls die Person bewusstlos ist, drehen Sie sie auf die Seite, um ein Ersticken zu verhindern.7. Nach Verabreichen der Dosis soll die hilfeleistende Person sofort medizinische Hilfeanfordern.8. Wenn der Patient auf die Behandlung angesprochen hat, verabreichen Sie oral Kohlenhydrate,um das Leberglykogen wieder aufzufüllen und eine erneute Hypoglykämie zu verhindern.
Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, siehe Abschnitt 4.4.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Phäochromozytom (siehe Abschnitt 4.4).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Phäochromozytom
Im Falle eines Phäochromozytoms kann Glucagon eine Katecholamin-Ausschüttung aus dem Tumorauslösen. Im Falle einer drastischen Blutdruckerhöhung kann die Gabe von nicht-selektivenα-Blockern nachweislich eine wirksame Blutdrucksenkung bewirken. Baqsimi ist bei Patienten mit
Phäochromozytom kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Insulinom
Bei Patienten mit einem Insulinom kann die Verabreichung von Glucagon eine initiale Erhöhung der
Blutglucose verursachen. Eine Glucagongabe kann jedoch direkt oder indirekt (durch eine initiale
Erhöhung der Blutglucose) zu einer überhöhten Insulinausschüttung aus dem Insulinom und damit zueiner Hypoglykämie führen. Einem Patienten, der nach Gabe einer Dosis Glucagon Symptome einer
Hypoglykämie entwickelt, sollte Glucose oral oder intravenös verabreicht werden.
Überempfindlichkeit und allergische Reaktionen
Allergische Reaktionen, die mit injizierbarem Glucagon berichtet wurden, können auftreten und einengeneralisierten Hautausschlag und in einigen Fällen auch einen anaphylaktischen Schock mit
Atembeschwerden sowie niedrigen Blutdruck bedingen. Falls beim Patienten Atembeschwerdenauftreten, ist sofort ärztliche Hilfe einzuholen.
Glykogenspeicher und Hypoglykämie
Glucagon ist nur dann bei der Behandlung einer Hypoglykämie wirksam, wenn genügend
Leberglykogen vorhanden ist. Da Glucagon im Falle von Hunger, einer Nebenniereninsuffizienz,einem chronischen Alkoholmissbrauch oder einer chronischen Hypoglykämie wenig bis gar nichtwirkt, sollte in solchen Fällen mit Glucose behandelt werden.
Um eine erneute Hypoglykämie zu vermeiden, sollten Kohlenhydrate oral verabreicht werden, um das
Leberglykogen wiederaufzufüllen, wenn der Patient auf die Behandlung angesprochen hat.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Wechselwirkungsstudien durchgeführt.
Insulin
Insulin wirkt antagonistisch zu Glucagon.
Indometacin
Bei gleichzeitiger Anwendung mit Indometacin kann Glucagon seine Fähigkeit, den
Blutglucosespiegel zu erhöhen, verlieren oder sogar eine Hypoglykämie verursachen.
Beta-Blocker
Bei Patienten, die Beta-Blocker einnehmen, könnte ein stärkerer Anstieg von Puls und Blutdruckauftreten, der aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Glucagon vorübergehend ist.
Eine Behandlung mit Glucagon resultiert in einer Katecholamin-Ausschüttung der Nebennieren; einegleichzeitige Anwendung von Beta-Blockern könnte zu einer ungehinderten alpha-adrenergen
Stimulation und folglich zu einem stärkeren Anstieg des Blutdrucks führen (siehe Abschnitt 4.4).
WarfarinGlucagon kann die gerinnungshemmende Wirkung von Warfarin verstärken.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftEs wurden keine Reproduktions- und Fertilitätsstudien mit Glucagon-Nasenpulver bei Tierendurchgeführt.
Baqsimi kann während der Schwangerschaft angewendet werden. Glucagon passiert nicht die humane
Plazentaschranke. Es wurde über die Anwendung von Glucagon bei schwangeren Frauen mit Diabetesberichtet und es sind keine schädlichen Auswirkungen in Bezug auf den Schwangerschaftsverlauf unddie Gesundheit des Ungeborenen und Neugeborenen bekannt.
StillzeitBaqsimi kann während der Stillzeit angewendet werden. Glucagon wird sehr schnell aus der Blutbahnausgeschieden; daher ist zu erwarten, dass nach einer Behandlung von schweren hypoglykämischen
Reaktionen die in die Muttermilch stillender Mütter ausgeschiedene Menge sehr gering ist. Da
Glucagon im Verdauungstrakt abgebaut wird und nicht in intakter Form resorbiert werden kann, hat eskeine metabolischen Effekte auf das Kind.
FertilitätEs wurden keine Fertilitätsstudien mit Glucagon-Nasenpulver durchgeführt.
Studien an Ratten zeigten, dass Glucagon die Fertilität nicht beeinträchtigt.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenBaqsimi hat einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen.
Die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit des Patienten kann aufgrund einer Hypoglykämie, dienoch für eine kurze Zeitdauer nach der Behandlung fortbestehen kann, herabgesetzt sein. Dies kann in
Situationen, in denen diese Fähigkeiten besonders wichtig sind, wie zum Beispiel beim Lenken eines
Fahrzeugs oder beim Bedienen von Maschinen, ein Risiko darstellen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind erhöhter Tränenfluss (36%), Reizung der oberen
Atemwege (34%), Nausea (27%), Kopfschmerz (21 %) und Erbrechen (16%).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen sind in Tabelle 1 nach bevorzugtem Begriff nach MedDRA aufgelistet, nach
Systemorganklassen gruppiert und nach abnehmender Häufigkeit geordnet. Die entsprechenden
Häufigkeitsangaben für jede Nebenwirkung basieren auf folgenden Häufigkeitsdefinitionen: sehrhäufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100); selten (≥ 1/10 000,< 1/1 000); sehr selten (< 1/10 000).
Tabelle 1. Häufigkeit von Nebenwirkungen von Glucagon-Nasenpulver
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich
Erkrankungen des Kopfschmerz Dysgeusie
Nervensystems (Geschmacksstörung)
Augenerkrankungen Erhöhter Okuläre Hyperämie
Tränenfluss Pruritus der Augen
Erkrankungen der Reizung der oberen
Atemwege, des Brustraums Atemwegeaund Mediastinums
Erkrankungen des Erbrechen
Gastrointestinaltrakts Nausea
Erkrankungen der Haut und Pruritusdes Unterhautzellgewebes
Untersuchungen Erhöhter systolischer Erhöhte
Blutdruckb Herzfrequenzb
Erhöhter diastolischer
Blutdruckba Reizung der oberen Atemwege: Rhinorrhoe, Beschwerden im Bereich der Nase, verstopfte Nase,nasaler Pruritus, Niesen, Reizung im Rachen, Husten, Epistaxis, Parosmie (Geruchsstörung)b Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck: Bewertet anhand der Messung der Vitalparameter. Die
Häufigkeiten basieren auf den Abweichungen zwischen den Werten vor und nach der Behandlung.
ImmunogenitätInsgesamt entwickelten 5,6% der Patienten therapiebedingte Anti-Glucagon-Antikörper. Diese
Antikörper wirkten nicht neutralisierend und wurden weder mit einer Verminderung der Wirksamkeitvon Glucagon noch mit dem Auftreten therapiebedingter Nebenwirkungen in Verbindung gebracht.
Kinder und JugendlicheBasierend auf den Daten klinischer Studien sind bei Kindern im Alter von 4 Jahren und darüber diegleichen Häufigkeiten, Arten und Schweregrade von Nebenwirkungen wie bei Erwachsenen zuerwarten.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Bei einer Überdosierung kann es bei Patienten zu Nausea, Erbrechen, Hemmung der gastrointestinalen
Motilität, Erhöhung des Blutdrucks und der Pulsfrequenz kommen. Bei einer vermuteten
Überdosierung kann es zu einem Abfall von Serumkalium kommen, der überwacht und bei Bedarfkorrigiert werden muss. Bei einem markanten Blutdruckanstieg hat sich die Anwendung vonnicht-selektiven α-Blockern für den kurzen Zeitraum, in dem eine Kontrolle nötig war, als wirksamerwiesen, um den Blutdruck zu senken (siehe Abschnitt 4.4).
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Pankreashormone, glykogenolytische Hormone, ATC Code:
H04AA01
WirkmechanismusGlucagon erhöht die Blutglucosekonzentration durch Aktivierung der Glucagon-Rezeptoren in der
Leber, wodurch ein Glykogenabbau und eine Glucose-Freisetzung durch die Leber stimuliert wird.
Hepatische Glykogenspeicher sind notwendig, damit Glucagon einen anti-hypoglykämischen Effekterzielen kann.
Pharmakodynamische WirkungenGeschlecht und Körpergewicht hatten keinen klinisch relevanten Effekt auf die Pharmakodynamik von
Glucagon-Nasenpulver.
Nach Verabreichen von 3 mg Glucagon-Nasenpulver bei erwachsenen Patienten mit Typ 1 Diabetesbegann der Glucosespiegel bereits nach 5 Minuten zu steigen (siehe Abbildung 1). Nach 10 Minutenbetrug der mediane Glucosespiegel über 3,9 mmol/l (70 mg/dl). Der mittlere maximale Glucoseanstiegbetrug 7,8 mmol/l (140 mg/dl).
Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes (im Alter von 4 bis < 17 Jahre) begann der
Glucosespiegel nach Verabreichen von 3 mg Glucagon-Nasenpulver bereits nach 5 Minuten zu steigen(siehe Abbildung 2), mit einem mittleren maximalen Glucoseanstieg von 5,7 mmol/l (102 mg/dl) bis7,7 mmol/l (138 mg/dl).
Eine Erkältung mit verstopfter Nase mit oder ohne gleichzeitige Anwendung eines abschwellenden
Mittels hatte keinen Einfluss auf die Pharmakodynamik von Glucagon-Nasenpulver.
Abbildung 1. Mittlere Glucosekonzentration im Zeitverlauf bei erwachsenen Patienten mit
Typ 1 Diabetes
Abbildung 2. Mittlere Glucosekonzentration im Zeitverlauf bei Kindern und Jugendlichen mit
Typ 1 Diabetes
Klinische WirksamkeitDie Zulassungsstudie bei Erwachsenen war eine randomisierte, multizentrische, offene, 2-phasige
Crossover-Studie bei erwachsenen Patienten mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes. Das primäre Ziel war der
Vergleich der Wirksamkeit einer 3 mg Einzeldosis von Glucagon-Nasenpulver mit einer 1 mg Dosisvon intramuskulär verabreichtem Glucagon bei erwachsenen Patienten mit Typ 1 Diabetes. Insulinwurde angewendet, um den Blutglucosespiegel auf den hypoglykämischen Bereich mit einem
Ziel-Nadir (Tiefstwert) für Blutglucose von < 2,8 mmol/l (< 50 mg/dl) zu senken.
Die Zulassungsstudie umfasste insgesamt 83 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren. 77 Patienten miteinem Durchschnittsalter von 32,9 Jahren hatten Typ 1 Diabetes mit einer mittleren Diabetesdauer von18,1 Jahren; 45 (58%) dieser Patienten waren weiblich. Das Durchschnittsalter von Patienten mit
Typ 2 Diabetes (n = 6) betrug 47,8 Jahre mit einer mittleren Diabetesdauer von 18,8 Jahren; 4 (67%)dieser Patienten waren weiblich.
Der primäre Wirksamkeitsparameter war der Anteil an Patienten, die einen Behandlungserfolgerzielten. Dieser wurde definiert als Anstieg der Blutglucose auf ≥ 3,9 mmol/l (≥ 70 mg/dl) oder als
Anstieg um ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl) vom Glucosetiefstwert innerhalb von 30 Minuten nach Erhaltdes Studienglucagons, ohne zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung des Blutglucosespiegels. Der
Glucosetiefstwert wurde definiert als der niedrigste Glucosemesswert bei oder innerhalb von10 Minuten nach der Glucagongabe.
Bei Patienten mit Typ 1 Diabetes betrug der mittlere Blutglucosetiefstwert 2,5 mmol/l (44,2 mg/dl) für
Glucagon-Nasenpulver und 2,7 mmol/l (48,9 mg/dl) für intramuskuläres Glucagon.
Glucagon-Nasenpulver zeigte eine Nichtunterlegenheit gegenüber intramuskulärem Glucagon bei der
Umkehr einer Insulin-induzierten Hypoglykämie, wobei bei 98,7% der mit Glucagon-Nasenpulverbehandelten Patienten und bei 100% der mit intramuskulärem Glucagon behandelten Patienten ein
Behandlungserfolg innerhalb von 30 Minuten erzielt werden konnte (siehe Tabelle 2). Alle Patientenerfüllten die Glucosebehandlungs-Erfolgskriterien innerhalb von 40 Minuten. Bei allen Patienten mit
Typ 2 Diabetes (100%) konnte innerhalb von 30 Minuten ein Behandlungserfolg erzielt werden.
Die mittlere Zeit bis zum Behandlungserfolg betrug 16,2 bzw. 12,2 Minuten in den jeweiligen
Behandlungsgruppen mit Glucagon-Nasenpulver bzw. 1 mg intramuskulärem Glucagon. Die Zeit biszum Behandlungserfolg umfasst die Zeit von der Glucagongabe bis zum Zeitpunkt, an dem beim
Patienten ein Behandlungserfolg erzielt wurde; sie umfasst nicht die Zeit für die Rekonstitution und
Vorbereitung der intramuskulären Injektion in der Kontrollgruppe.
Bei Bewertung anhand des Edinburgh-Hypoglykämie-Symptom-Fragebogens zeigten sowohl
Patienten der Glucagon-Nasenpulver- als auch der intramuskulären Glucagon-Gruppe 30 Minutennach Glucagongabe eine ähnliche Verbesserung der Hypoglykämiesymptome.
Tabelle 2. Patienten mit Behandlungserfolg und mit Erfüllung anderer Glucosekriterien inder Zulassungsstudie
Typ 1 Diabetes Typ 1 und Typ 2 Diabetes(n = 75)a (n = 80)a
Glucagon- intramuskuläres Glucagon- intramuskuläres
Nasenpulver Glucagon Nasenpulver Glucagon 1 mg3 mg 1 mg 3 mg
Behandlungserfolg - n (%) 74 (98,7%) 75 (100%) 79 (98,8%) 80 (100%)
Behandlungsunterschied (2-seitiges 95% 1,3% (-3,8%; 7,2%) 1,3% (-3,6%; 6,8%)
Konfidenzintervall)b, c
Glucose Kriterium erreicht -n (%)d(i) ≥ 3,9 mmol/l(≥ 70 mg/dl) 72 (97%) 74 (99%) 77 (97%) 79 (99%)(ii) Anstieg um≥ 1,1 mmol/l(≥ 20 mg/dl) 74 (100%) 75 (100%) 79 (100%) 80 (100%)gegenüber Nadir
Sowohl (i) als auch (ii) 72 (97%) 74 (99%) 77 (97%) 79 (99%)a Die Population der Wirksamkeitsanalyse umfasste alle Patienten, die beide Dosen der Studienmedikationerhielten und ein evaluierbares primäres Ergebnis zeigten.
b Differenz berechnet aus (Prozentsatz des Erfolgs mit intramuskulärem Glucagon) - (Prozentsatz des Erfolgsmit Glucagon-Nasenpulver).
c 2-seitiges 95% Konfidenzintervall (KI) bei Verwendung der unbedingten Profile-Likelihood Methode basierendauf 'exakten“ Randbereichen; Nichtunterlegenheitsgrenze = 10%.
d Prozentsatz basierend auf der Anzahl von Patienten, bei denen ein Behandlungserfolg erzielt wurde.
An einer ähnlich aufgebauten konfirmatorischen klinischen Studie nahmen 70 Patienten mit Typ 1
Diabetes mit einem Durchschnittsalter von 41,7 Jahren (20-64 Jahre) und einer mittleren
Diabetesdauer von 19,8 Jahren teil. 27 (39%) dieser Patienten waren weiblich. Mittels Insulin wurdeder Blutglucosespiegel auf < 3,3 mmol/l (< 60 mg/dl) reduziert.
Der mittlere Blutglucose-Nadir betrug 3 mmol/l (54,2 mg/dl) für Glucagon-Nasenpulver und3,1 mmol/l (55,7 mg/dl) für intramuskuläres Glucagon. Glucagon-Nasenpulver zeigte eine
Nichtunterlegenheit gegenüber intramuskulärem Glucagon bei der Umkehr einer Insulin-induzierten
Hypoglykämie, wobei bei 100% der mit Glucagon-Nasenpulver behandelten Patienten und bei 100%der mit intramuskulärem Glucagon behandelten Patienten ein Behandlungserfolg erzielt werdenkonnte (siehe Tabelle 3). Die mittlere Zeit bis zum Behandlungserfolg war 11,4 Minuten bzw.9,9 Minuten in den jeweiligen Behandlungsgruppen mit Glucagon-Nasenpulver bzw. intramuskulärem
Glucagon 1 mg.
Tabelle 3. Patienten mit Behandlungserfolg und mit Erfüllung anderer Glucosekriterien inder konfirmatorischen Studie
Typ 1 Diabetes(n = 66)a
Glucagon- intramuskuläres
Nasenpulver Glucagon3 mg 1 mg
Behandlungserfolg - n (%) 66 (100%) 66 (100%)
Behandlungsunterschied (2-seitiges 95 %
Konfidenzintervall)b,c 0% (-5,4%; 5,4%)
Glucose Kriterium erreicht - n (%)(i) ≥ 3,9 mmol/l (≥ 70 mg/dl) 66 (100%) 66 (100%)(ii) Anstieg um ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl) gegenüber 66 (100%) 66 (100%)
Nadir
Sowohl (i) als auch (ii) 66 (100%) 66 (100%)a Die Population der Wirksamkeitsanalyse umfasste alle Patienten, die beide Dosen der Studienmedikationerhielten und ein evaluierbares primäres Ergebnis zeigten.
b Differenz berechnet als (Prozentsatz des Erfolgs mit intramuskulärem Glucagon) - (Prozentsatz des Erfolgsmit Glucagon-Nasenpulver); Nichtunterlegenheitsgrenze = 10%.
c 2-seitiges 95% Konfidenzintervall (KI) bei Verwendung der unbedingten Profile-Likelihood Methodebasierend auf 'exakten“ Randbereichen.
In einer etwa 6-monatigen 'Real World“-Studie bei Erwachsenen wurde 129 Patienten mit Typ 1
Diabetes (Durchschnittsalter: 46,6 Jahre; Bereich 18 bis 71 Jahre) und ihren Betreuungspersonen
Glucagon-Nasenpulver zur Verfügung gestellt, um mittelschwere bis schwere
Hypoglykämie-Ereignisse zu Hause oder im Arbeitsumfeld zu behandeln. Insgesamt 157mittelschwere oder schwere Hypoglykämie-Ereignisse, die von 69 Patienten berichtet wurden, wurdenin die Wirksamkeitsanalyse inkludiert. Eine Episode von schwerer Hypoglykämie wurde definiert alseine Episode, in der eine Person mit Diabetes klinisch handlungsunfähig (d. h. Bewusstlosigkeit,
Krämpfe, schwere mentale Desorientierung) ist, bis hin zu dem Punkt, an dem die Person
Unterstützung durch Dritte benötigt, um die Hypoglykämie zu behandeln. Eine Episodemittelschwerer Hypoglykämie wurde definiert als eine Episode, in der eine Person mit Diabetes
Anzeichen einer Neuroglykopenie (d. h. Schwäche, Sprachschwierigkeiten, Doppeltsehen,
Benommenheit, Konzentrationsstörung, verschwommenes Sehen, Angst, Hunger, Müdigkeit oder
Verwirrtheit) zeigte und einen vom Blutzuckermessgerät angezeigten Wert von etwa 60 mg/dl(3,3 mmol/l) oder weniger hatte. In 151 Fällen (96,2%) kamen die Patienten innerhalb von 30 Minutennach Verabreichen von Glucagon-Nasenpulver wieder zu sich oder erreichten einen normalen
Zustand. Bei allen 12 schweren Hypoglykämiefällen (100%) kamen die Patienten innerhalb von 5 bis15 Minuten nach Verabreichen von Glucagon-Nasenpulver wieder zu sich, hörten auf zu krampfen(bei 7 Ereignissen von 4 Patienten mit Krampfanfällen vor der Gabe von Glucagon-Nasenpulver) oderkehrten in einen normalen Zustand zurück.
Kinder und JugendlicheDie Zulassungsstudie bei Kindern und Jugendlichen war eine randomisierte, multizentrische, klinische
Studie, die Glucagon-Nasenpulver mit intramuskulärem Glucagon bei Kindern und Jugendlichen mit
Typ 1 Diabetes verglich. Glucagon wurde verabreicht, nachdem der Glucosewert am Dosistag einen
Wert von < 4,4 mmol/l (< 80 mg/dl) erreichte. Die Wirksamkeit wurde basierend auf dem Prozentsatzder Patienten mit einem Glucoseanstieg von ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl) vom Glucosetiefstwertinnerhalb von 30 Minuten nach der Glucagongabe untersucht.
48 Patienten wurden eingeschlossen und erhielten mindestens eine Dosis der Studienmedikation. Das
Durchschnittsalter in der Kinder-Kohorte (4 bis < 8 Jahre) betrug 6,5 Jahre. In der Kinder-Kohorte(8 bis < 12 Jahre) betrug das Durchschnittsalter 11,1 Jahre und in der Jugendlichen-Kohorte(12 bis < 17 Jahre) betrug das Durchschnittsalter 14,6 Jahre. In allen Altersgruppen war die Populationüberwiegend männlich und weißer Hautfarbe.
In allen Altersgruppen zeigten 3 mg Glucagon-Nasenpulver und intramuskuläres Glucagon 0,5 mg(Kinder unter 25 kg) oder 1 mg (Kinder mit 25 kg oder mehr) ein ähnliches glykämisches Ansprechen.
Alle (100%) Patienten in beiden Behandlungsarmen in allen Altersgruppen erzielten innerhalb von20 Minuten nach Verabreichen von Glucagon einen Glucoseanstieg von ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl),ausgehend vom Glucosetiefstwert.
Die mittlere Zeitdauer, um einen Glucoseanstieg von ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl) zu erreichen, war mit
Glucagon-Nasenpulver und intramuskulärem Glucagon für alle Altersgruppen ähnlich (siehe
Tabelle 4).
Tabelle 4. Mittlere Zeit in der pädiatrischen Zulassungsstudie, um einen Glucoseanstiegvon ≥ 1,1 mmol/l (≥ 20 mg/dl) ausgehend vom Tiefstwert zu erreichen
Mittlere Zeit nach der Glucagongabe (Minuten)
Kinder Kinder Jugendliche
Anstieg vom (4 bis < 8 Jahre) (8 bis < 12 Jahre) (12 bis < 17 Jahre)
Nadir intramus- Glucagon- intramus- Glucagon- intramus- Glucagon-kuläres Nasenpul- kuläres Nasenpul- kuläres Nasenpul-
Glucagona ver 3 mg Glucagona ver 3 mg Glucagona ver 3 mgn = 6 n = 12 n = 6 n = 12 n = 12 n = 12≥ 1,1 mmol/l(≥ 20 mg/dl) 10,0 10,8 12,5 11,3 12,5 14,2a 0,5 mg oder 1 mg intramuskuläres Glucagon (basierend auf dem Körpergewicht).
In einer etwa 6-monatigen 'Real World“-Studie bei Kindern und Jugendlichen wurde 3 mg Glucagon-
Nasenpulver an 26 Patienten im Alter zwischen 4 und 18 Jahren mit Typ 1 Diabetes(Durchschnittsalter: 11,7 Jahre; von 5 bis 17 Jahren) und deren Betreuungspersonen ausgegeben, ummittelschwere bis schwere Hypoglykämiefälle zu Hause oder im Schulumfeld zu behandeln.
Insgesamt 33 mittelschwere Hypoglykämiefälle, die von 14 Patienten berichtet wurden, wurden in die
Wirksamkeitsanalyse inkludiert. Eine Episode von schwerer Hypoglykämie wurde definiert als eine
Episode mit Symptomen einer Neuroglykopenie und einem Glucosewert unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l).
Eine Episode von mittelschwerer Hypoglykämie wurde definiert als eine Episode, in der
Kinder/Jugendliche mit Diabetes Symptome und/oder Anzeichen einer Neuroglykopenie und einen
Blutglucosewert von ≤ 70 mg/dl (3,9 mmol/l) aufwiesen. In allen Fällen - einschließlich schwerer
Hypoglykämiefälle (8 Fälle bei 5 Patienten) - kehrten die Patienten innerhalb von 5 bis 30 Minutennach Verabreichen von Glucagon-Nasenpulver in einen normalen Zustand zurück.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Baqsimi eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen in der
Behandlung von schwerer Hypoglykämie gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionDie Glucagonresorption über die nasale Applikation erreichte nach 15 Minuten mittlere
Spitzenplasmawerte von 6 130 pg/ml.
VerteilungDas scheinbare Verteilungsvolumen von Glucagon betrug über die nasale Applikation ca. 885 l.
BiotransformationEs ist bekannt, dass Glucagon in der Leber, den Nieren und im Plasma abgebaut wird.
EliminationDie mittlere Halbwertszeit von Glucagon betrug über die nasale Applikation ca. 38 Minuten.
Eingeschränkte NierenfunktionEs wurden keine formellen Studien zur Evaluierung von Nierenfunktionsstörungen durchgeführt.
Eingeschränkte LeberfunktionEs wurden keine formellen Studien zur Evaluierung von Leberfunktionsstörungen durchgeführt.
Kinder und JugendlicheBei Kindern und Jugendlichen (im Alter von 4 bis < 17 Jahre) erreichte die Glucagonresorption überdie nasale Applikation mittlere Spitzenplasmawerte zwischen 15 und 20 Minuten.
Erkältung und Anwendung eines abschwellenden Mittels
Eine Erkältung mit verstopfter Nase mit oder ohne gleichzeitige Anwendung eines Arzneimittels zum
Abschwellen der Nasenschleimhaut hatte keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik über die nasale
Applikation.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, Genotoxizität und zum kanzerogenen Potentiallassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Betadex (E459)
O-Dodecylphosphocholin
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 30°C lagern.
Bewahren Sie das Einzeldosisbehältnis bis zur Anwendung in dem eingeschweißten Röhrchen auf, umes vor Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Das Einzeldosisbehältnis besteht aus Polyethylen und Polypropylen. Das eingeschweißte Röhrchenenthält Polyethylen und Polypropylen, das ein Trockenmittel beinhaltet.
Packungsgrößen mit 1 oder 2 Einzeldosisbehältnissen. Es werden möglicherweise nicht alle
Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungAnwendungEs handelt sich um ein gebrauchsfertiges Arzneimittel nur zum einmaligen Gebrauch.
Das Einzeldosisbehältnis beinhaltet nur eine Dosis und darf daher vor der Anwendung nicht entlüftetoder getestet werden.
Die Hinweise zur Anwendung des Arzneimittels in der Packungsbeilage müssen genau beachtetwerden.
Wenn das Röhrchen bereits geöffnet wurde, könnte das Einzeldosisbehältnis Feuchtigkeit ausgesetztworden sein. Das könnte dazu führen, dass das Arzneimittel nicht wie erwartet wirkt. Prüfen Sie daseingeschweißte Röhrchen von Zeit zu Zeit. Wenn das Röhrchen geöffnet wurde, ersetzen Sie das
Arzneimittel.
EntsorgungEntsorgen Sie das Glucagon Einzeldosisbehältnis und das Röhrchen nach der Anwendung.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Amphastar France Pharmaceuticals
Usine Saint Charles
Eragny Sur Epte
Frankreich
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/19/1406/001
EU/1/19/1406/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 16. Dezember 2019
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 22. August 2024
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.