Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels AZACITIDINE BETAPHARM 25mg / ml pulver zur herstellung einer injektionssuspension
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Azacitidin betapharm 25 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Injektionssuspension
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche mit Pulver enthält 100 mg Azacitidin.
Nach der Rekonstitution enthält jeder ml Suspension 25 mg Azacitidin.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver zur Herstellung einer Injektionssuspension.
Weißes bis beigefarbenes lyophilisiertes Pulver.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Azacitidin betapharm ist angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten, die für eine
Transplantation hämatopoetischer Stammzellen (HSZT) nicht geeignet sind und eines der folgenden
Krankheitsbilder aufweisen:
* myelodysplastische Syndrome (MDS) mit intermediärem Risiko 2 oder hohem Risiko nach
International Prognostic Scoring System (IPSS),
* chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML) mit 10-29% Knochenmarkblasten ohnemyeloproliferative Störung,
* akute myeloische Leukämie (AML) mit 20-30% Blasten und Mehrlinien-Dysplasie gemäß
Klassifikation der World Health Organisation (WHO),
* AML mit > 30% Knochenmarkblasten gemäß WHO-Klassifikation.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Azacitidin betapharm sollte unter Aufsicht eines Arztes eingeleitet und überwachtwerden, der über Erfahrung in der Anwendung chemotherapeutischer Arzneimittel verfügt. Die
Patienten sollten eine Prämedikation mit Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen erhalten.
DosierungDie empfohlene Anfangsdosis für den ersten Behandlungszyklus beträgt für alle Patienten, unabhängigvon den hämatologischen Ausgangswerten, 75 mg/m2 Körperoberfläche, subkutan injiziert, täglichüber 7 Tage, gefolgt von einer Behandlungspause von 21 Tagen (28-tägiger Behandlungszyklus).
Es wird empfohlen, dass die Patienten mindestens 6 Behandlungszyklen erhalten. Die Behandlungsollte so lange fortgesetzt werden, wie der Patient davon profitiert, oder bis eine Progression der
Erkrankung eintritt.
Die Patienten sind im Hinblick auf das hämatologische Ansprechen bzw. auf die hämatologische undrenale Toxizität zu überwachen (siehe Abschnitt 4.4); möglicherweise muss, wie im Folgendenbeschrieben, der Beginn des nächsten Zyklus verschoben bzw. die Dosis reduziert werden.
Azacitidin betapharm darf nicht mit oralem Azacitidin ausgetauscht werden aufgrund der Unterschiedebezüglich Exposition, Dosis und Einnahmeplan zwischen oralem Azacitidin und injizierbarem
Azacitidin. Medizinischem Fachpersonal wird empfohlen, die Bezeichnung, Dosis und Art der
Anwendung des vorliegenden Arzneimittels zu überprüfen.
LabortestsVor Beginn der Therapie sowie vor jedem Behandlungszyklus sollten die Leberfunktionswerte sowie
Serumkreatinin und Serumbicarbonat bestimmt werden. Vor Beginn der Therapie und nach Bedarf zur
Überwachung des Ansprechens und der Toxizität, jedoch mindestens vor jedem Behandlungszyklus,sollte ein großes Blutbild erstellt werden.
Dosisanpassung aufgrund hämatologischer Toxizität
Hämatologische Toxizität ist definiert als die niedrigste Zellzahl (Nadir), die im jeweiligen Zykluserreicht wird, d. h. wenn die Thrombozytenzahl ≤ 50,0 × 109/l und/oder die absolute Neutrophilenzahl(Absolute Neutrophil Count, ANC) ≤ 1 × 109/l beträgt.
Erholung ist definiert als Anstieg der Zellzahl um mindestens die Hälfte der absoluten Differenzzwischen Nadir und Ausgangswert plus Nadirwert (d. h. Blutbild bei Erholung ≥ Nadirwert + (0,5 × [|
Ausgangswert - Nadirwert |])) in jenen Zelllinien, bei denen eine hämatologische Toxizität beobachtetwurde.
Patienten, die vor der ersten Behandlung keine verminderten Zellzahlen im Ausgangsblutbildaufweisen (d. h. Leukozytenzahl ≥ 3,0 × 109/l und ANC ≥ 1,5 × 109/l und Thrombozytenzahl≥ 75,0 × 109/l):
Falls nach der Behandlung mit Azacitidin betapharm eine hämatologische Toxizität beobachtet wird,sollte der nächste Behandlungszyklus verschoben werden, bis sich die Thrombozytenzahl und die
ANC erholt haben. Sofern die Erholung innerhalb von 14 Tagen eintritt, ist keine Dosisanpassungerforderlich. Wenn jedoch innerhalb von 14 Tagen keine Erholung eingetreten ist, sollte die Dosisentsprechend der folgenden Tabelle angepasst werden. Nach einer Dosisanpassung sollte zu einer
Zyklusdauer von 28 Tagen zurückgekehrt werden.
Nadirwert im Zyklus Dosis im folgenden Zyklus, wenn innerhalb
ANC (× 109/l) Thrombozytenzahl von 14 Tagen keine Erholung* eingetreten ist(× 109/l) (%)≤ 1,0 ≤ 50,0 50%> 1,0 > 50,0 100%
*Erholung = Werte ≥ Nadirwert + (0,5 × [Ausgangswert - Nadirwert])
Patienten, die vor der ersten Behandlung verminderte Zellzahlen im Ausgangsblutbild aufweisen (d. h.
Leukozytenzahl < 3,0 × 109/l oder ANC < 1,5 × 109/l oder Thrombozytenzahl < 75,0 × 109/l):
Wenn der Rückgang der Leukozytenzahl, ANC oder Thrombozytenzahl nach der Behandlung mit
Azacitidin betapharm gegenüber dem Ausgangswert ≤ 50% beträgt oder bei einem Rückgang vonmehr als 50% mit einer verbesserten Differenzierung einer der Zelllinien einhergeht, sollte der nächste
Zyklus nicht verzögert und keine Dosisanpassung vorgenommen werden.
Wenn der Rückgang der Leukozytenzahl oder der ANC oder der Thrombozytenzahl gegenüber dem
Ausgangswert mehr als 50% beträgt und keine Verbesserung der Zellliniendifferenzierungfestzustellen ist, sollte der nächste Behandlungszyklus mit Azacitidin betapharm verschoben werden,bis sich die Thrombozytenzahl und die ANC erholt haben. Sofern die Erholung innerhalb von14 Tagen eintritt, ist keine Dosisanpassung erforderlich. Wenn jedoch innerhalb von 14 Tagen keine
Erholung eingetreten ist, sollte die Zelldichte im Knochenmark bestimmt werden. Beträgtdiese > 50%, sollte keine Dosisanpassung vorgenommen werden. Wenn die Zelldichte im
Knochenmark ≤ 50% beträgt, sollte die Behandlung verschoben und die Dosis entsprechend derfolgenden Tabelle reduziert werden:
Zelldichte im Dosis im folgenden Zyklus, wenn innerhalb von 14 Tagen keine Erholung
Knochenmark eingetreten ist (%)
Erholung* ≤ 21 Tage Erholung* > 21 Tage15-50% 100% 50%< 15% 100% 33%
*Erholung = Werte ≥ Nadirwert + (0,5 × [Ausgangswert - Nadirwert])
Nach einer Dosisanpassung sollte mit dem nächsten Zyklus zu einer Zyklusdauer von 28 Tagenzurückgekehrt werden.
Spezielle PopulationenÄltere PatientenFür ältere Patienten wird keine spezielle Dosisanpassung empfohlen. Da ältere Patienten häufiger eineeingeschränkte Nierenfunktion aufweisen, kann eine Überwachung der Nierenfunktion angebrachtsein.
Patienten mit NierenfunktionsstörungAzacitidin kann bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung ohne initiale Dosisanpassung verabreichtwerden (siehe Abschnitt 5.2). Bei einem unklaren Absinken des Serumbicarbonatspiegels auf wenigerals 20 mmol/l sollte die Dosis im nächsten Zyklus um 50% reduziert werden. Falls eine unklare
Erhöhung des Serumkreatinins oder des Stickstoffs aus dem Blutharnstoff (blood urea nitrogen, BUN)auf das ≥ 2-Fache der Ausgangswerte und über den oberen Normalwert (upper limit of normal, ULN)eintritt, sollte der nächste Zyklus so lange verzögert werden, bis die Werte in den Normalbereich oderauf das Ausgangsniveau zurückkehren. Die Dosis sollte in diesem Fall im nächsten
Behandlungszyklus um 50% reduziert werden (siehe Abschnitt 4.4).
Patienten mit LeberfunktionsstörungEs wurden keine speziellen Studien an Patienten mit Leberfunktionsstörung durchgeführt (siehe
Abschnitt 4.4). Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen sollten engmaschig auf unerwünschte
Ereignisse überwacht werden. Bei Patienten mit Leberfunktionsstörung wird vor Beginn der
Behandlung keine spezielle Anpassung der Anfangsdosis empfohlen; anschließende
Dosisanpassungen sollten sich an den hämatologischen Laborwerten orientieren. Bei Patienten mitfortgeschrittenen malignen Lebertumoren ist Azacitidin betapharm kontraindiziert (siehe
Abschnitte 4.3 und 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Azacitidin betapharm bei Kindern im Alter von 0 bis 17 Jahrenist bisher noch nicht erwiesen. Zurzeit vorliegende Daten werden in Abschnitt 4.8, 5.1 und 5.2beschrieben; eine Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.
Art der AnwendungRekonstituiertes Azacitidin betapharm wird subkutan in den Oberarm, Oberschenkel oder Bauchinjiziert. Die Injektionsstelle ist jedes Mal zu wechseln. Neue Injektionen sollten mindestens 2,5 cmentfernt von der vorherigen Injektionsstelle und niemals in Bereiche injiziert werden, in denen die
Haut empfindlich, gerötet oder verhärtet ist oder Hämatome aufweist.
Nach der Rekonstitution darf die Suspension nicht gefiltert werden. Hinweise zur Rekonstitution des
Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Fortgeschrittene maligne Lebertumoren (siehe Abschnitt 4.4).
Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Hämatologische Toxizität
Die Behandlung mit Azacitidin führt, insbesondere während der ersten 2 Zyklen, zu Anämie,
Neutropenie und Thrombozytopenie (siehe Abschnitt 4.8). Falls erforderlich sollte zur Überwachungdes Ansprechens und der Toxizität, jedoch mindestens vor jedem Behandlungszyklus, ein großes
Blutbild erstellt werden. Nach Anwendung der für den ersten Zyklus empfohlenen Dosis sollte in denfolgenden Zyklen eine Dosisreduktion oder ein Aufschieben des nächsten Zyklus entsprechend den
Nadirwerten und dem hämatologischen Ansprechen erfolgen (siehe Abschnitt 4.2). Die Patientensollten angewiesen werden, Fieberepisoden sofort zu berichten. Patienten und Ärzten wird außerdemgeraten, auf Symptome von Blutungen zu achten.
LeberfunktionsstörungEs wurden keine speziellen Studien an Patienten mit Leberfunktionsstörung durchgeführt. Bei
Patienten mit hoher Tumorlast infolge einer Metastasierung wurden Fälle von fortschreitendemhepatischem Koma und Tod unter Behandlung mit Azacitidin berichtet, insbesondere bei Patienten miteinem Albuminausgangswert im Serum von < 30 g/l. Azacitidin ist bei Patienten mit fortgeschrittenenmalignen Lebertumoren kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
NierenfunktionsstörungBei Patienten, die mit intravenös angewendetem Azacitidin in Kombination mit anderenchemotherapeutischen Substanzen behandelt wurden, wurde über renale Anomalien berichtet, die vonerhöhten Serumkreatininspiegeln bis zu Nierenversagen und Tod reichten. Darüber hinaus kam es bei5 Personen mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), die mit Azacitidin und Etoposid behandeltwurden, zu einer renalen tubulären Azidose, definiert als Abfall des Bicarbonats im Serumauf < 20 mmol/l, einhergehend mit einer Alkalisierung des Harns und einer Hypokaliämie(Serumkalium < 3 mmol/l). Bei einem unklaren Abfall des Serumbicarbonats (< 20 mmol/l) oder einer
Erhöhung des Serumkreatinins oder Blutharnstoff-Stickstoffs sollte eine Dosisreduktion erfolgen oderder nächste Zyklus hinausgezögert werden (siehe Abschnitt 4.2).
Patienten sollten angewiesen werden, Oligurie und Anurie sofort dem Arzt mitzuteilen.
Wenngleich in Bezug auf die Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen zwischen
Personen mit normaler Nierenfunktion und solchen mit Nierenfunktionsstörung keine klinischbedeutsamen Unterschiede festgestellt wurden, sollten Patienten mit Nierenfunktionsstörungengmaschig auf Toxizität überwacht werden, da Azacitidin und/oder dessen Metaboliten primär überdie Nieren ausgeschieden werden (siehe Abschnitt 4.2).
LabortestsVor Beginn der Therapie sowie vor jedem Behandlungszyklus sollten die Leberfunktions-,
Serumkreatinin- und Serumbicarbonatwerte bestimmt werden. Vor Beginn der Therapie und soweiterforderlich zur Überwachung des Ansprechens und der Toxizität, jedoch mindestens vor jedem
Behandlungszyklus, sollte ein großes Blutbild erstellt werden, siehe auch Abschnitt 4.8.
Herz- und Lungenerkrankungen
Patienten mit anamnestisch bekannter schwerer dekompensatorischer Herzinsuffizienz, klinischinstabiler Herzerkrankung oder Lungenerkrankungen wurden von den pivotalen Zulassungsstudien(AZA PH GL 2003 CL 001 und AZA-AML-001) ausgeschlossen, so dass die Sicherheit und
Wirksamkeit von Azacitidin bei diesen Patienten nicht nachgewiesen sind. Neuere Daten aus einerklinischen Studie an Patienten mit bekannter kardiovaskulärer oder pulmonaler Erkrankung zeigtenunter Azacitidin eine signifikant erhöhte Inzidenz kardialer Ereignisse (siehe Abschnitt 4.8). Wenn
Azacitidin solchen Patienten verordnet wird, ist daher Vorsicht geboten. Kardiopulmonale
Untersuchungen vor und während der Behandlung sollten erwogen werden.
Nekrotisierende Fasziitis
Bei Patienten, die mit Azacitidin behandelt wurden, wurden Fälle von nekrotisierender Fasziitis,darunter auch Fälle mit tödlichem Verlauf, berichtet. Bei Patienten, die eine nekrotisierende Fasziitisentwickeln, ist die Therapie mit Azacitidin abzusetzen und umgehend eine entsprechende Behandlungeinzuleiten.
Tumorlyse-SyndromDas Risiko für ein Tumorlyse-Syndrom besteht bei Patienten mit einer hohen Tumorlast vor
Behandlungsbeginn. Diese Patienten sind engmaschig zu überwachen und es müssen geeignete
Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Differenzierungssyndrom
Bei Patienten, die injizierbares Azacitidin erhielten, wurden Fälle eines Differenzierungssyndroms(auch bekannt als Retinsäuresyndrom) berichtet. Das Differenzierungssyndrom kann tödlich sein.
Symptome und klinische Befunde umfassen Atemstörung, Lungeninfiltrate, Fieber, Ausschlag,
Lungenödem, peripheres Ödem, schnelle Gewichtszunahme, Pleuraerguss, Perikarderguss, Hypotonieund Nierenfunktionsstörung (siehe Abschnitt 4.8). Bei ersten Anzeichen oder Symptomen eines
Differenzierungssyndroms sollten eine Behandlung mit hochdosierten intravenösen Kortikosteroidenund eine hämodynamische Überwachung in Erwägung gezogen werden. Eine Unterbrechung der
Behandlung mit injizierbaren Azacitidin sollte bis zum Abklingen der Symptome in Betracht gezogenwerden. Bei Wiederaufnahme der Behandlung ist Vorsicht geboten.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Auf Grundlage von In-vitro-Daten scheint die Metabolisierung von Azacitidin nicht durch Cytochrom-
P450-Isoenzyme (CYP), UDP-Glucuronosyltransferasen (UGT), Sulfotransferasen (SULT) und
Glutathiontransferasen (GST) vermittelt zu werden; daher werden Wechselwirkungen in vivo in
Verbindung mit diesen Stoffwechselenzymen als unwahrscheinlich angesehen.
Klinisch signifikante inhibitorische oder induktive Wirkungen von Azacitidin auf Cytochrom-P450-
Enzyme sind unwahrscheinlich (siehe Abschnitt 5.2).
Mit Azacitidin wurden keine speziellen klinischen Wechselwirkungsstudien durchgeführt.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Gebärfähige Frauen/Kontrazeption bei Männern und Frauen
Gebärfähige Frauen müssen während und für mindestens 6 Monate nach der Behandlung einezuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Männer sollten angewiesen werden, während der
Behandlung kein Kind zu zeugen, und sie müssen während und für mindestens 3 Monate nach der
Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
SchwangerschaftBisher liegen keine hinreichenden Erfahrungen mit der Anwendung von Azacitidin bei Schwangerenvor. Tierexperimentelle Studien an Mäusen haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe
Abschnitt 5.3). Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Aufgrund der Ergebnissetierexperimenteller Studien sowie seines Wirkungsmechanismus darf Azacitidin während der
Schwangerschaft, insbesondere während des ersten Trimesters, nicht angewendet werden, wenn nichtunbedingt erforderlich. Die Vorteile der Behandlung sollten in jedem Einzelfall gegen die möglichen
Risiken für den Fötus abgewogen werden.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Azacitidin/Metabolite in die Muttermilch übergehen. Aufgrund der potenziellschwerwiegenden Nebenwirkungen bei Säuglingen ist Stillen während der Azacitidin-Therapiekontraindiziert.
FertilitätZum Einfluss von Azacitidin auf die Fertilität liegen keine Daten aus Studien am Menschen vor. Bei
Tieren wurden bei der Anwendung von Azacitidin unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Bezug aufdie männliche Fruchtbarkeit dokumentiert (siehe Abschnitt 5.3). Vor Beginn der Behandlung solltenmännliche Patienten darauf hingewiesen werden, sich über die Konservierung von Spermien beratenzu lassen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenAzacitidin hat geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen. Unter der Anwendung von Azacitidin wurde über Fatigue berichtet.
Deshalb ist beim Führen eines Fahrzeugs und Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsErwachsene Patienten mit MDS, CMML und AML (20-30% Knochenmarkblasten)
Nebenwirkungen, die möglicherweise oder wahrscheinlich mit der Anwendung von Azacitidinbetapharm in Zusammenhang stehen, sind bei 97% der Patienten aufgetreten.
Zu den am häufigsten genannten schwerwiegenden Nebenwirkungen in der pivotalen Studie (AZA PH
GL 2003 CL 001) zählten febrile Neutropenie (8,0%) und Anämie (2,3%), die auch in denunterstützenden Studien (CALGB 9221 und CALGB 8921) berichtet wurden. Weitereschwerwiegende Nebenwirkungen in diesen 3 Studien waren Infektionen wie neutropenische Sepsis(0,8%) und Pneumonie (2,5%) (in manchen Fällen mit tödlichem Ausgang), Thrombozytopenie(3,5%), Überempfindlichkeitsreaktionen (0,25%) und hämorrhagische Ereignisse (z. B. Hirnblutung[0,5%], gastrointestinale Blutung [0,8%] und intrakranielle Blutung [0,5%]).
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen einer Behandlung mit Azacitidin bestanden inhämatologischen Reaktionen (71,4%) einschließlich Thrombozytopenie, Neutropenie und Leukopenie(in der Regel Grad 3 -4), gastrointestinalen Ereignissen (60,6%) einschließlich Übelkeit, Erbrechen (inder Regel Grad 1 -2) sowie Reaktionen an der Injektionsstelle (77,1%; in der Regel Grad 1 -2).
Erwachsene Patienten ab 65 Jahren mit AML mit > 30% Knochenmarkblasten
Zu den am häufigsten genannten schwerwiegenden Nebenwirkungen (≥ 10%) im Azacitidin-
Behandlungsarm der Studie AZA-AML-001 zählten febrile Neutropenie (25,0%), Pneumonie (20,3%)und Pyrexie (10,6%). Weitere, weniger häufig berichtete schwerwiegende Nebenwirkungen im
Azacitidin-Behandlungsarm waren Sepsis (5,1%), Anämie (4,2%), neutropenische Sepsis (3,0%),
Harnwegsinfektion (3,0%), Thrombozytopenie (2,5%), Neutropenie (2,1%), Zellulitis (2,1%),
Schwindel (2,1%) und Dyspnoe (2,1%).
Die am häufigsten berichteten (≥ 30%) Nebenwirkungen einer Behandlung mit Azacitidin warengastrointestinale Ereignisse, einschließlich Obstipation (41,9%), Übelkeit (39,8%) und Diarrhoe(36,9%; in der Regel Grad 1 -2), allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort,einschließlich Pyrexie (37,7%; in der Regel Grad 1 -2), und hämatologische Ereignisse, einschließlichfebriler Neutropenie (32,2%) und Neutropenie (30,1%; in der Regel Grad 3 -4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenIn der unten stehenden Tabelle 1 sind Nebenwirkungen aus den wichtigsten klinischen Studien bei
MDS und AML und der Überwachung nach Markteinführung aufgeführt, die mit der Azacitidin-
Behandlung assoziiert waren.
Die Häufigkeiten sind definiert als: Sehr häufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich(≥ 1/1.000, < 1/100); selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000); sehr selten (< 1/10.000); nicht bekannt(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder
Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben. In derunten stehenden Tabelle sind die Nebenwirkungen nach der höchsten Häufigkeit angegeben, die inirgendeiner der wichtigsten klinischen Studien beobachtet wurde.
Tabelle 1: Nebenwirkungen bei MDS- bzw. AML-Patienten unter der Behandlung mit
Azacitidin (klinische Studien und Erfahrungen nach Markteinführung)
Systemorganklass Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichte bekannt
Infektionen und Pneumonie* Sepsis* Nekrotisierparasitäre (einschließlich (einschließlich ende
Erkrankungen bakteriell, viral bakteriell, viral und Fasziitis*und fungal), fungal),
Nasopharyngitis neutropenische
Sepsis*, Infektionder Atemwege(einschließlich deroberen Atemwegeund Bronchitis),
Harnwegsinfektion,
Zellulitis,
Divertikulitis, orale
Pilzinfektion,
Sinusitis,
Pharyngitis,
Rhinitis, Herpessimplex,
Hautinfektion
Gutartige, Differenz-bösartige und ierungs-unspezifische syndrom*,
Neubildungen a(einschl. Zystenund Polypen)
Erkrankungen Febrile Panzytopenie*,des Blutes und des Neutropenie*, Knochenmark-
Lymphsystems Neutropenie, versagen
Leukopenie,
Thrombozytopenie, Anämie
Erkrankungen Überempfind-des lichkeits-
Immunsystems reaktionen
Stoffwechsel- und Anorexie, Dehydratation Tumorlyse-
Ernährungs- Appetitlosigkeit, Syndromstörungen Hypokaliämie
Psychiatrische Schlaflosigkeit Verwirrtheit, Angst
Erkrankungen
Erkrankungen Schwindel, Intrakranielledes Kopfschmerzen Blutung*, Synkope,
Nervensystems Somnolenz,
Lethargie
Augen- Blutung im Auge,erkrankungen Bindehautblutung
Herzerkrankunge Perikarderguss Perikarditisn
Gefäßerkrankung Hypotonie*,en Hypertonie,orthostatische
Hypotonie,
Hämatom
Systemorganklass Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichte bekannt
Erkrankungen Dyspnoe, Pleuraerguss, Interstitielleder Atemwege, Epistaxis Belastungsdyspnoe, Lungen-des Brustraums pharyngolaryngeale erkrankungund Schmerzen
Mediastinums
Erkrankungen Diarrhoe, Gastrointestinaledes Erbrechen, Blutung*
Gastrointestinaltr Obstipation, (einschließlichakts Übelkeit, Blutungen derabdominelle Mundschleimhaut),
Schmerzen hämorrhoidale(einschließlich Blutung, Stomatitis,
Oberbauch- und Zahnfleischbluten,
Bauchbeschwerd Dyspepsieen)
Leber- und Leber-
Gallenerkrankun versagen*,gen fortschreitendeshepatisches
Koma
Erkrankungen Petechien, Purpura, Alopezie, Akute febrile Kutaneder Haut und des Pruritus Urtikaria, Erythem, neutrophile Vaskulitis
Unterhaut- (einschließlich makulärer Dermatose,gewebes generalisierter Ausschlag Pyoderma
Pruritus), gangraenosum
Ausschlag,
Ekchymosen
Skelettmuskulatu Arthralgie, Muskelspasmen,r-, Bindegewebs- muskuloskelettal Myalgieund e Schmerzen
Knochenerkranku (einschließlichngen Rücken-,
Knochenschmerzen und
Schmerzen inden
Extremitäten)
Erkrankungen Nierenversagen*, Renale tubuläreder Nieren und Hämaturie, Azidose
Harnwege erhöhtes
Serumkreatinin
Allgemeine Pyrexie*, Bluterguss, Nekrose an
Erkrankungen Fatigue, Hämatom, derund Beschwerden Asthenie, Verhärtung, Injektions-am Brustschmerzen, Ausschlag, stelle
Verabreichungsor Erythem an der Pruritus,t Injektionsstelle, Entzündung,
Schmerzen an Verfärbung,der Knötchen und
Injektionsstelle, Blutung (an der
Reaktion an der Injektionsstelle),
Injektionsstelle Unwohlsein,(nicht Schüttelfrost,spezifiziert) Blutung an der
Katheter-
Einstichstelle
Untersuchungen Gewichtsverlust
*= selten wurde über Fälle mit tödlichem Ausgang berichteta = siehe Abschnitt 4.4
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenHämatologische NebenwirkungenZu den in Zusammenhang mit der Azacitidin-Behandlung am häufigsten berichteten (≥ 10%)hämatologischen Nebenwirkungen zählen Anämie, Thrombozytopenie, Neutropenie, febrile
Neutropenie und Leukopenie, in der Regel Grad 3 oder 4. Das Risiko für das Auftreten dieser
Ereignisse ist während der ersten 2 Zyklen höher; danach treten sie bei Patienten mit erholterhämatologischer Funktion weniger häufig auf. Die meisten hämatologischen Nebenwirkungen warendurch eine routinemäßige Kontrolle des großen Blutbildes, eine verzögerte Azacitidin-Anwendung imnächsten Zyklus, prophylaktische Antibiotikagabe und/oder unterstützende Therapie mit
Wachstumsfaktoren (z. B. G-CSF) bei Neutropenie sowie durch geeignete Transfusionen bei Anämiebzw. Thrombozytopenie beherrschbar.
InfektionenMyelosuppression kann zu Neutropenie und erhöhtem Infektionsrisiko führen. Schwerwiegende
Nebenwirkungen wie Sepsis, einschließlich neutropenischer Sepsis und Pneumonie wurden bei
Patienten berichtet, die Azacitidin erhielten, in einigen Fällen mit tödlichem Verlauf. Infektionenkönnen durch Gabe von Antiinfektiva und Neutropenie durch eine zusätzliche unterstützende Therapiemit Wachstumsfaktoren (z. B. G-CSF) behandelt werden.
BlutungenBei Patienten, die Azacitidin erhalten, kann es zu Blutungen kommen. Schwerwiegende
Nebenwirkungen wie gastrointestinale und intrakranielle Blutungen wurden berichtet. Die Patientensollten auf Symptome einer Blutung hin überwacht werden, insbesondere bei Vorliegen einervorbestehenden oder behandlungsbedingten Thrombozytopenie.
ÜberempfindlichkeitBei Patienten, die Azacitidin erhielten, wurde über schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionenberichtet. Im Fall einer anaphylaktoiden Reaktion muss die Azacitidin-Behandlung unverzüglichabgebrochen und eine geeignete symptomatische Behandlung eingeleitet werden.
Nebenwirkungen an Haut und Unterhautgewebe
Die Mehrzahl der die Haut und das Unterhautgewebe betreffenden Nebenwirkungen trat im Bereichder Injektionsstelle auf. Keine dieser Nebenwirkungen führte in den pivotalen Studien zum Absetzender Behandlung mit Azacitidin oder einer Reduktion der Azacitidin-Dosis. Die Mehrzahl der
Nebenwirkungen trat während der ersten 2 Behandlungszyklen auf und ihre Häufigkeit ging in denfolgenden Zyklen tendenziell zurück. Subkutane Nebenwirkungen wie Ausschlag/Entzündung/Pruritusan der Injektionsstelle, Ausschlag, Erythem und Hautläsionen können eine begleitende Behandlung,beispielsweise mit Antihistaminika, Kortikosteroiden und nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDs),erfordern. Diese Hautreaktionen müssen von Weichteilinfektionen unterschieden werden, die inmanchen Fällen an der Injektionsstelle auftreten. Über Weichteilinfektionen, darunter Zellulitis undnekrotisierende Fasziitis, die in seltenen Fällen tödlich verlaufen, wurde unter Azacitidin nach der
Markteinführung berichtet. Zur klinischen Behandlung infektiöser Nebenwirkungen siehe
Abschnitt 4.8 Infektionen.
Gastrointestinale NebenwirkungenDie in Zusammenhang mit Azacitidin am häufigsten berichteten gastrointestinalen Nebenwirkungenumfassten Obstipation, Diarrhoe, Übelkeit und Erbrechen. Diese Nebenwirkungen wurdensymptomatisch mit Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen, Antidiarrhoika gegen Diarrhoe sowie
Laxantien und/oder Stuhlweichmachern gegen Obstipation behandelt.
Renale Nebenwirkungen
Nierenfunktionsstörungen, die von erhöhtem Serumkreatinin und Hämaturie bis zur renalen tubulären
Azidose reichten, sowie Nierenversagen und Todesfälle wurden bei Patienten unter Behandlung mit
Azacitidin berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Hepatische NebenwirkungenBei Patienten mit hoher Tumorlast infolge einer Metastasierung wurde über Leberversagen,fortschreitendes hepatisches Koma und Tod unter Behandlung mit Azacitidin berichtet (siehe
Abschnitt 4.4).
Kardiale Ereignisse
Daten aus einer klinischen Studie, in welcher Patienten mit bekannter kardiovaskulärer oderpulmonaler Erkrankung aufgenommen werden konnten, zeigten bei Patienten mit neu diagnostizierter
AML unter Behandlung mit Azacitidin ein erhöhtes Auftreten kardialer Ereignisse (siehe
Abschnitt 4.4).
Ältere PatientenBei Patienten ≥ 85 Jahre liegen begrenzte Daten zur Sicherheit von Azacitidin vor (in der Studie AZA-
AML-001 wurden 14 [5,9%] Patienten ≥ 85 Jahre behandelt).
Kinder und JugendlicheIn der Studie AZA-JMML-001 wurden 28 Kinder und Jugendliche im Alter ab 1 Monat und bis unter18 Jahren wegen MDS (n = 10) oder juveniler myelomonozytärer Leukämie (JMML) (n = 18) mit
Azacitidin betapharm behandelt (siehe Abschnitt 5.1).
Bei allen 28 Patienten trat mindestens 1 unerwünschtes Ereignis auf und bei 17 (60,7%) Patienten tratmindestens 1 behandlungsbedingtes Ereignis auf. Die am häufigsten gemeldeten unerwünschten
Ereignisse in der Gesamtpopulation der Kinder und Jugendlichen waren Fieber, hämatologische
Ereignisse wie Anämie, Thrombozytopenie und febrile Neutropenie sowie gastrointestinale Ereignissewie Obstipation und Erbrechen.
Bei drei (3) Patienten trat ein behandlungsbedingtes Ereignis auf, das zum Behandlungsabbruch führte(Fieber, Krankheitsprogression und Abdominalschmerz).
In der Studie AZA-AML-004 wurden sieben Kinder und Jugendliche (im Alter von zwei bis zwölf
Jahren) wegen AML bei molekularem Rezidiv nach der ersten vollständigen Remission [CR1] mit
Azacitidin betapharm behandelt (siehe Abschnitt 5.1).
Bei allen sieben Patienten trat mindestens ein behandlungsbedingtes unerwünschtes Ereignis auf. Dieam häufigsten gemeldeten unerwünschten Ereignisse waren Neutropenie, Übelkeit, Leukopenie,
Thrombozytopenie, Diarrhoe und erhöhte Alaninaminotransferase (ALT). Bei zwei Patienten trat einbehandlungsbedingtes Ereignis auf, das zu einer Dosisunterbrechung führte (febrile Neutropenie,
Neutropenie).
Im Verlauf der klinischen Studie wurden bei der beschränkten Anzahl von Kindern und Jugendlichen,die mit Azacitidin betapharm behandelt wurden, keine neuen Sicherheitssignale entdeckt. Das
Sicherheitsprofil insgesamt entsprach dem der erwachsenen Patienten.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Während der klinischen Studien wurde ein Fall einer Überdosierung mit Azacitidin berichtet. Nachintravenöser Gabe einer Einzeldosis von etwa 290 mg/m2 Körperoberfläche, was annähernd dem 4-
Fachen der empfohlenen Anfangsdosis entspricht, kam es bei einem Patienten zu Diarrhoe, Übelkeitund Erbrechen.
Im Fall einer Überdosierung sollte der Patient mittels geeigneter Blutbilder überwacht werden undeine entsprechende unterstützende Behandlung erhalten. Es gibt kein spezifisches Antidot für eine
Überdosierung von Azacitidin.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Pyrimidin-Analoga; ATC-Code: L01BC07
WirkmechanismusMan nimmt an, dass die antineoplastischen Wirkungen von Azacitidin auf multiplen Mechanismenberuhen, einschließlich einer Zytotoxizität gegen abnorme hämatopoetische Zellen im Knochenmarksowie einer Hypomethylierung der DNA. Die zytotoxischen Wirkungen von Azacitidin könnten aufmehrere Mechanismen, einschließlich der Hemmung der DNA-, RNA- und Proteinsynthese, dem
Einbau in RNA und DNA sowie der Aktivierung von DNA-Damage-Pathways, zurückzuführen sein.
Nichtproliferierende Zellen sind gegenüber Azacitidin relativ unempfindlich. Der Einbau von
Azacitidin in die DNA führt zur Inaktivierung von DNA-Methyltransferasen und damit zu einer
Hypomethylierung der DNA. Die DNA-Hypomethylierung von irrtümlich methylierten Genen, die ander normalen Regulation des Zellzyklus, der Zelldifferenzierung und den Apoptose-Pathways beteiligtsind, könnte in Krebszellen zur Re-expression der Gene und zur Wiederherstellungkrebsunterdrückender Funktionen führen. Die relative Bedeutung dieser DNA-Hypomethylierungversus Zytotoxizität oder sonstiger Wirkungen von Azacitidin für die klinischen Ergebnisse wurdenicht ermittelt.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitErwachsene Patienten (MDS, CMML und AML [20-30% Knochenmarkblasten])
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Azacitidin wurden in einer internationalen, multizentrischen,kontrollierten, offenen, randomisierten Parallelgruppen-Vergleichsstudie der Phase 3 (AZA PH GL2003 CL 001) an erwachsenen Patienten mit folgenden Erkrankungen untersucht: MDS mitintermediärem Risiko 2 oder hohem Risiko nach dem International Prognostic Scoring System (IPSS),refraktäre Anämie mit Blastenexzess (refractory anaemia with excess of blasts; RAEB), refraktäre
Anämie mit Blastenexzess in Transformation (refractory anaemia with excess of blasts intransformation; RAEB-T) und modifizierte chronische myelomonozytäre Leukämie (mCMML),gemäß der French-American-British-Klassifikation (FAB). Gemäß der aktuellen WHO-Klassifikationwerden RAEB-T-Patienten (21-30% Blasten) heute als Patienten mit AML eingestuft. Azacitidin plusoptimale unterstützende Maßnahmen (best supportive care; BSC) (n = 179) wurden mitkonventionellen Therapien (conventional care regimens; CCR) verglichen. CCR bestand aus BSCalleine (n = 105), niedrig dosiertem Cytarabin plus BSC (n = 49) oder einer Standard-Induktions-
Chemotherapie plus BSC (n = 25). Die Patienten wurden vor der Randomisierung durch ihren Arzt füreine der 3 CCR vorselektiert. Patienten, die nicht in den Azacitidin-Arm randomisiert wurden,erhielten diese vorselektierte Therapie. Eines der Einschlusskriterien war ein ECOG-(Eastern
Cooperative Oncology Group)-Performance-Status von 0-2. Patienten mit sekundärer MDS waren vonder Studie ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben. Azacitidinwurde subkutan in einer Dosierung von 75 mg/m2 täglich für 7 Tage, gefolgt von einer
Behandlungspause von 21 Tagen (28-tägiger Behandlungszyklus), über eine mediane Anzahl von9 Zyklen (Spannbreite = 1-39) bzw. im Durchschnitt 10,2 Zyklen angewendet. Das mediane Alter der
Intent-to-treat-(ITT-)Population betrug 69 Jahre (Spannbreite 38 bis 88 Jahre).
In der ITT-Analyse mit insgesamt 358 Patienten (179 Azacitidin und 179 CCR) führte die Behandlungmit Azacitidin zu einem medianen Überleben von 24,46 Monaten gegenüber 15,02 Monaten bei der
Behandlung mit CCR. Dies entspricht einem Unterschied von 9,4 Monaten, ermittelt mit einemstratifizierten log-rank-Test, p-Wert = 0,0001. Die entsprechende Hazard Ratio (HR) betrug 0,58(95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,43; 0,77). Die Zwei-Jahres-Überlebensraten betrugen 50,8% unter
Azacitidin gegenüber 26,2% unter CCR (p < 0,0001).
LEGENDE: AZA = Azacitidin; CCR = konventionelle Behandlungsregime (conventional careregimens); KI = Konfidenzintervall; HR = Hazard Ratio
Der durch Azacitidin erzielte Überlebensvorteil war unabhängig von der im Kontrollarm verwendeten
CCR-Alternative (BSC allein, niedrig dosiertes Cytarabin plus BSC oder Standard-Induktions-
Chemotherapie plus BSC).
In einer Analyse der zytogenetischen Subgruppen nach IPSS ergaben sich in allen Gruppen (günstige,intermediäre und schlechte Zytogenetik, einschließlich Monosomie 7) vergleichbare Befunde im
Hinblick auf das mediane Gesamtüberleben.
Analysen der Alterssubgruppen zeigten für alle Gruppen (< 65 Jahre, ≥ 65 Jahre und ≥ 75 Jahre) einen
Anstieg des medianen Gesamtüberlebens.
Die mediane Zeit bis zum Tod oder bis zur Transformation in eine AML betrug bei der Behandlungmit Azacitidin 13,0 Monate gegenüber 7,6 Monaten bei den CCR-Patienten; eine Verbesserung um5,4 Monate, ermittelt mit einem stratifizierten log-rank-Test p-Wert = 0,0025.
Die Behandlung mit Azacitidin führte darüber hinaus zu einem Rückgang von Zytopenien und derenzugehörigen Symptomen. Die Behandlung mit Azacitidin verringerte die Notwendigkeit von
Erythrozyten- und Thrombozytentransfusionen. Von den Patienten in der Azacitidin-Gruppe, die zu
Beginn der Studie von Erythrozytentransfusionen abhängig waren, wurden 45,0% im Verlauf der
Behandlungsphase transfusionsunabhängig gegenüber 11,4% der Patienten in den zusammengefassten
CCR-Gruppen (ein statistisch signifikanter Unterschied [p < 0,0001] von 33,6% [95 %-KI: 22,4;44,6]). Bei den Patienten, die von Erythrozytentransfusionen unabhängig wurden, betrug die mediane
Dauer der Transfusionsunabhängigkeit 13 Monate in der Azacitidin-Gruppe.
Das Ansprechen wurde vom Prüfarzt oder von einem unabhängigen Untersuchungsausschuss(Independent Review Committee, IRC) beurteilt. Die vom Prüfarzt bestimmte Gesamtansprechrate(komplette und partielle Remission) lag bei 29% in der Azacitidin-Gruppe und bei 12% in dergesamten CCR-Gruppe (p = 0,0001). Das vom IRC in der Studie AZA PH GL 2003 CL 001bestimmte Gesamtansprechen (komplette und partielle Remission) betrug 7% (12/179) in der
Azacitidin-Gruppe im Vergleich zu 1% (2/179) in der gesamten CCR-Gruppe (p = 0,0113). Diese
Unterschiede in den Beurteilungen durch den IRC und den Prüfarzt ergeben sich aus den Kriterien der
International Working Group (IWG), nach denen eine Verbesserung der Zellzahlen im peripheren Blutund deren Aufrechterhaltung über einen Zeitraum von mindestens 56 Tagen erforderlich ist. Auch beiden Patienten, die nach der Behandlung mit Azacitidin keine komplette/partielle Remission erreichthatten, ließ sich ein Überlebensvorteil nachweisen. Eine (bedeutende oder geringe) hämatologische
Verbesserung wurde nach dem Urteil des IRC bei 49% der mit Azacitidin behandelten Patienten im
Vergleich zu 29% der gesamten CCR-Patientengruppe erreicht (p < 0,0001).
Von den Patienten, die zu Studienbeginn eine oder mehrere zytogenetische Anomalien aufwiesen, warder Prozentanteil mit einem bedeutenden zytogenetischen Ansprechen zwischen der Azacitidin-
Gruppe und den zusammengefassten CCR-Gruppen vergleichbar. Ein geringes zytogenetisches
Ansprechen war in der Azacitidin-Gruppe (34%) statistisch signifikant häufiger im Vergleich zurkombinierten CCR-Gruppe (10%) (p = 0,0015).
Erwachsene Patienten ab 65 Jahren mit AML mit > 30% Knochenmarkblasten
Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse basieren auf dem IIT-Kollektiv der Studie AZA-AML-001(zugelassenes Anwendungsgebiet siehe Abschnitt 4.1).
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Azacitidin wurden in einer internationalen, multizentrischen,kontrollierten, offenen Parallelgruppenstudie der Phase 3 an Patienten ab 65 Jahren mit neudiagnostizierter De-novo-AML oder sekundärer AML mit > 30% Knochenmarkblasten gemäß WHO-
Klassifikation untersucht, die für eine HSZT nicht geeignet waren. Azacitidin plus BSC (n = 241)wurde mit CCR verglichen. CCR bestand aus BSC alleine (n = 45), niedrig dosiertem Cytarabin plus
BSC (n = 158) oder einer intensiven Standard-Chemotherapie mit Cytarabin und einem Anthracyclinplus BSC (n = 44). Die Patienten wurden vor der Randomisierung durch ihren Arzt für eines der drei
CCR vorselektiert. Patienten, die nicht in den Azacitidin-Arm randomisiert wurden, erhielten dasvorselektierte Regime. Zu den Einschlusskriterien gehörten ein ECOG-Performance-Status von 0 -2sowie das Vorliegen zytogenetischer Anomalien mit intermediärem oder hohem Risiko. Der primäre
Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben.
Azacitidin wurde subkutan (s.c.) in einer Dosierung von 75 mg/m2 täglich für 7 Tage, gefolgt voneiner Behandlungspause von 21 Tagen (28-tägiger Behandlungszyklus), über eine mediane Anzahlvon 6 Zyklen (Spannbreite: 1-28) angewendet. Patienten, die BSC alleine erhielten, wurden über einemediane Anzahl von 3 Zyklen (Spannbreite: 1-20), Patienten mit niedrig dosiertem Cytarabin übereine mediane Anzahl von 4 Zyklen (Spannbreite: 1-25) und Patienten mit intensiver Standard-
Chemotherapie über eine mediane Anzahl von 2 Zyklen (Spannbreite: 1-3, Induktionszyklus plus 1oder 2 Konsolidierungszyklen) behandelt.
Die Azacitidin- und CCR-Gruppen waren hinsichtlich individueller Parameter bei Behandlungsbeginnvergleichbar. Das mediane Alter der Studienteilnehmer betrug 75,0 Jahre (Spannbreite: 64-91 Jahre),75,2% waren Kaukasier und 59,0% waren Männer. Bei Behandlungsbeginn wurden gemäß der WHO-
Klassifikation 60,7% der Fälle als AML ohne anderweitige Klassifikation, 32,4% als AML mitmyelodysplasie-assoziierte Veränderungen, 4,1% als Therapie-assoziierte myeloische Neoplasien und2,9% als AML mit wiederkehrenden genetischen Anomalien klassifiziert.
In der ITT-Analyse mit insgesamt 488 Patienten (241 Azacitidin und 247 CCR) führte die Behandlungmit Azacitidin zu einem medianen Überleben von 10,4 Monaten gegenüber 6,5 Monaten unter der
Behandlung mit CCR. Dies entspricht einem Unterschied von 3,8 Monaten, mit einem mittelsstratifizierten Log-Rank-Tests ermittelten p-Wert von 0,1009 (zweiseitig). Die Hazard Ratio für den
Behandlungseffekt betrug 0,85 (95%-KI = 0,69; 1,03). Die Ein-Jahres-Überlebensraten betrugen46,5% unter Azacitidin gegenüber 34,3% unter CCR.
Im Cox-PH-Modell, das nach vorab festgelegten prognostischen Faktoren bei Behandlungsbeginnadjustiert wurde, wurde für Azacitidin versus CCR eine HR von 0,80 ermittelt (95%-KI = 0,66; 0,99;p = 0,0355).
Obwohl die Studie zwar hinsichtlich der Trennschärfe (Power) nicht ausgelegt war einen statistischsignifikanten Unterschied zwischen der Azacitidin-Behandlungsgruppe und der vorselektierten CCR-
Behandlungsgruppe nachzuweisen, war das Überleben unter Azacitidin dennoch länger als in den
CCR-Behandlungsarmen BSC allein und niedrig dosiertes Cytarabin plus BSC und war mit dem
Therapieergebnis unter der intensiven Standard-Chemotherapie plus BSC vergleichbar.
In allen vorab festgelegten Subgruppen (Alter [< 75 Jahre und ≥ 75 Jahre], Geschlecht, Ethnie, ECOG-
Performance-Status [0 oder 1 und 2], zytogenetisches Risiko bei Behandlungsbeginn [intermediär undhoch], geographische Region, WHO-Klassifikation der AML [einschließlich AML mitmyelodysplasieähnlichen Veränderungen], Leukozytenzahl bei Behandlungsbeginn [≤ 5 × 109/lund > 5 × 109/l], Knochenmarkblasten bei Behandlungsbeginn [≤ 50% und > 50%] und MDS in der
Vorgeschichte) ergab sich beim OS ein Trend zugunsten von Azacitidin. In einigen vorab festgelegten
Subgruppen erreichte die HR beim OS statistische Signifikanz, einschließlich bei Patienten mit hohemzytogenetischem Risiko, Patienten mit AML mit myelodysplasie-assoziierten Veränderungen,
Patienten < 75 Jahren, Frauen und Patienten mit weißer Hautfarbe.
Hämatologisches und zytogenetisches Ansprechen wurden vom Prüfarzt und vom IRC ähnlichbeurteilt. Die vom IRC bestimmte Gesamtansprechrate (komplette Remission [CR] + komplette
Remission mit unvollständiger Erholung des Blutbildes [complete remission with incomplete bloodcount recovery; CRi]) lag bei 27,8% in der Azacitidin-Gruppe und bei 25,1% in der gesamten CCR-
Gruppe (p = 0,5384). Bei Patienten, die CR oder CRi erreichten, lag die mediane Remissionsdauerunter Azacitidin bei 10,4 Monaten (95%-KI = 7,2; 15,2) und unter CCR bei 12,3 Monaten (95%-KI= 9,0; 17,0). Ein Überlebensvorteil wurde für Azacitidin im Vergleich zu CCR auch bei Patientenbelegt, die keine komplette Remission erreicht hatten.
Die Behandlung mit Azacitidin bewirkte eine Verbesserung der Zellzahlen im peripheren Blut undführte zu einem verminderten Bedarf an Erythrozyten- und Thrombozytentransfusionen. Ein Patientgalt bei Behandlungsbeginn als Erythrozyten- oder Thrombozyten-transfusionsabhängig, wenn er inden 56 Tagen (8 Wochen) vor oder am Tag der Randomisierung mindestens eine Erythrozyten- bzw.
Thrombozytentransfusion erhalten hatte. Ein Patient galt während der Behandlungsphase als
Erythrozyten- bzw. Thrombozyten-transfusionsunabhängig, wenn er während eines Zeitraums von 56aufeinanderfolgenden Tagen während des Berichtszeitraums keine Erythrozyten- bzw.
Thrombozytentransfusionen erhalten hat.
Von den Patienten in der Azacitidin-Gruppe, die bei Behandlungsbeginn Erythrozyten-transfusionsabhängig waren, wurden 38,5% (95%-KI = 31,1; 46,2) während der Behandlungsphase
Erythrozyten-transfusionsunabhängig, im Vergleich zu 27,6% (95%-KI = 20,9; 35,1) der Patienten inder gesamten CCR-Gruppe. Bei den Patienten, die bei Behandlungsbeginn Erythrozyten-transfusionsabhängig waren und unter der Behandlung transfusionsunabhängig wurden, lag diemediane Dauer der Erythrozyten-Transfusionsunabhängigkeit in der Azacitidin-Gruppe bei13,9 Monaten und wurde in der CCR-Gruppe nicht erreicht.
Von den Patienten in der Azacitidin-Gruppe, die bei Behandlungsbeginn Thrombozyten-transfusionsabhängig waren, wurden 40,6% (95%-KI = 30,9; 50,8) während der Behandlungsphase
Thrombozyten-transfusionsunabhängig, im Vergleich zu 29,3% (95%-KI = 19,7; 40,4) der Patientenin der gesamten CCR-Gruppe. Bei den Patienten, die bei Behandlungsbeginn Thrombozyten-transfusionsabhängig waren und unter der Behandlung transfusionsunabhängig wurden, lag diemediane Dauer der Thrombozyten-Transfusionsunabhängigkeit in der Azacitidin-Gruppe bei10,8 Monaten und in der CCR-Gruppe bei 19,2 Monaten.
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Health-Related Quality of Life; HRQoL) wurde mithilfe des
Fragebogens European Organization for Research and Treatment of Cancer Core Quality of Life
Questionnaire (EORTC QLQ-C30) erhoben. Die HRQoL-Daten konnten für eine Teilgruppe dergesamten Studienpopulation ausgewertet werden. Obwohl die Auswertung limitierte Aussagekraftbesitzt, lassen die vorliegenden Daten darauf schließen, dass es bei den Patienten unter der
Behandlung mit Azacitidin zu keiner bedeutsamen Verschlechterung der Lebensqualität kommt.
Kinder und JugendlicheDie Studie AZA-JMML-001 war eine internationale, multizentrische, offene Phase-2-Studie zur
Beurteilung der Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, Sicherheit und Aktivität von Azacitidinbetapharm vor einer HSZT bei Kindern und Jugendlichen mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem
MDS oder JMML. Das primäre Ziel der klinischen Studie war die Beurteilung der Wirkung von
Azacitidin betapharm auf die Ansprechrate an Tag 28 von Zyklus 3.
Die Patienten (MDS, n = 10, JMML, n = 18, Alter 3 Monate bis 15 Jahre; 71% männlich) wurden mit
Azacitidin betapharm 75 mg/m² intravenös täglich an Tag 1 bis 7 eines 28-tägigen Zyklus übermindestens 3 Zyklen und höchstens 6 Zyklen behandelt.
Die Aufnahme in den MDS-Studienarm wurde nach 10 MDS-Patienten wegen mangelnder
Wirksamkeit abgebrochen: Bei diesen 10 Patienten wurde kein bestätigtes Ansprechen erfasst.
In den JMML-Studienarm wurden 18 Patienten mit somatischen Mutationen (13 im PTPN11-Gen, 3im NRAS-Gen und 1 im KRAS-Gen sowie 1 Patient mit klinischer Diagnose einer Neurofibromatosevom Typ 1 [NF-1]) aufgenommen. 16 Patienten absolvierten 3 Therapiezyklen und 5 von ihnenabsolvierten 6 Zyklen. Insgesamt zeigten 11 JMML-Patienten ein klinisches Ansprechen an Tag 28von Zyklus 3 und bei 9 (50%) von diesen 11 Patienten wurde das klinische Ansprechen bestätigt (3
Patienten mit cCR und 6 Patienten mit cPR). In der Kohorte der mit Azacitidin betapharm behandelten
JMML- Patienten zeigten 7 (43,8%) Patienten ein anhaltendes Thrombozytenansprechen (Anzahl≥ 100 × 109 /l) und 7 (43,8%) Patienten benötigten bei der HSZT eine Transfusion. Bei 17 von 18
Patienten wurde eine HSZT durchgeführt.
Aufgrund des Studienaufbaus (kleine Patientenanzahl und mehrere Störfaktoren) lässt diese klinische
Studie keinen Schluss darüber zu, ob Azacitidin betapharm vor einer HSZT das Überlebens-Outcomebei JMML-Patienten verbessert.
Die Studie AZA-AML-004 war eine multizentrische, offene Phase-2-Studie zur Beurteilung der
Sicherheit, Pharmakodynamik und Wirksamkeit von Azacitidin betapharm bei Kindern und
Jugendlichen mit AML bei molekularem Rezidiv nach CR1 im Vergleich zu einer nicht erfolgten
Krebsbehandlung.
Sieben Patienten (Altersmedian 6,7 Jahre [Bereich: 2 bis 12 Jahre]; 71,4% männlich) wurden an den
Tagen 1 bis 7 jedes 28-tägigen Zyklus für maximal drei Zyklen mit intravenösem Azacitidinbetapharm 100 mg/m2 täglich behandelt.
Bei fünf Patienten wurde an Tag 84 eine minimale Resterkrankung (minimal residual disease, MRD)festgestellt, wobei vier Patienten entweder eine molekulare Stabilisierung (n = 3) oder eine molekulare
Verbesserung (n = 1) aufwiesen und ein Patient ein klinisches Rezidiv zeigte. Bei sechs der sieben
Patienten (90% [95% KI = 0,4, 1,0]), die mit Azacitidin behandelt wurden, wurde einehämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) durchgeführt.
Aufgrund der kleinen Stichprobengröße kann die Wirksamkeit von Azacitidin betapharm bei Kindernund Jugendlichen mit AML nicht bestimmt werden.
Sicherheitsdaten siehe Abschnitt 4.8.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionNach subkutaner Anwendung einer Einzeldosis von 75 mg/m2 wurde Azacitidin rasch resorbiert; 0,5 hnach Gabe (erste Probenahme) wurden im Plasma Spitzenkonzentrationen von 750 ± 403 ng/mlgemessen. Die absolute Bioverfügbarkeit von Azacitidin nach subkutaner gegenüber intravenöser
Anwendung (Einzeldosis von 75 mg/m2) betrug auf Grundlage der Fläche unter der Kurve (AUC)etwa 89%.
Die Fläche unter der Kurve und die maximale Plasmakonzentration (Cmax) waren nach subkutaner
Anwendung von Azacitidin im Dosisbereich von 25 bis 100 mg/m2 etwa proportional.
VerteilungDas mittlere Verteilungsvolumen betrug nach intravenöser Verabreichung 76 ± 26 l, die systemische
Clearance lag bei 147 ± 47 l/h.
BiotransformationAuf Grundlage von In-vitro-Daten scheint die Metabolisierung von Azacitidin nicht durch Cytochrom-
P450-Isoenzyme (CYP), UDP-Glucuronosyltransferasen (UGT), Sulfotransferasen (SULT) und
Glutathiontransferasen (GST) vermittelt zu werden.
Azacitidin unterliegt einer spontanen Hydrolyse und einer durch Cytidindeaminase vermittelten
Deaminierung. In humanen Leber-S9-Fraktionen erwies sich die Bildung der Metaboliten als
NADPH-unabhängig, was darauf schließen lässt, dass der Azacitidin-Metabolismus nicht durch
Cytochrom-P450-Isoenzyme vermittelt wird. Eine In-vitro-Studie mit Azacitidin in kultiviertenhumanen Hepatozyten deutet darauf hin, dass Azacitidin in Konzentrationen von 1,0 µM bis 100 µM(d. h. dem bis zu etwa 30-Fachen der klinisch erreichbaren Konzentration) keine Induktion von CYP1A2, 2C19, 3A4 oder 3A5 bewirkt. In Studien, die die Inhibition einer Reihe von P450-Isoenzymen(CYP 1A2, 2B6, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 und 3A4) untersuchten, haben bis zu 100 µM Azacitidinkeine Inhibition verursacht. Daher ist eine CYP-Enzym-Induktion oder -Inhibition durch Azacitidin inklinisch erreichbaren Plasmakonzentrationen unwahrscheinlich.
EliminationAzacitidin wird nach subkutaner Verabreichung mit einer mittleren Eliminationshalbwertszeit (t½) von41 ± 8 Minuten rasch aus dem Plasma eliminiert. Nach subkutaner Verabreichung von 75 mg/m2
Azacitidin einmal täglich über 7 Tage tritt keine Akkumulation auf. Der primäre Eliminationsweg von
Azacitidin und/oder dessen Metaboliten ist die Ausscheidung über den Harn. Nach intravenöser undsubkutaner Verabreichung von 14C-markiertem Azacitidin wurden 85 bzw. 50% der gegebenen
Radioaktivität im Urin und < 1% in den Fäzes wieder gefunden.
Spezielle PopulationenAuswirkungen einer Leberfunktionsstörung (siehe Abschnitt 4.2), des Geschlechts, des Alters oder derethnischen Herkunft auf die Pharmakokinetik von Azacitidin wurden nicht speziell untersucht.
Kinder und JugendlicheIn der Studie AZA-JMML-001 wurde an Tag 7 von Zyklus 1 eine pharmakokinetische Analyse bei 10
Kindern und Jugendlichen mit MDS und bei 18 Kindern und Jugendlichen mit JMML durchgeführt(siehe Abschnitt 5.1). Der Altersmedian (Bereich) betrug bei den MDS-Patienten 13,3 (1,9-15) Jahreund bei den JMML-Patienten 2,1 (0,2-6,9) Jahre.
Nach intravenöser Verabreichung einer Dosis von 75 mg/m2 erreichte Azacitidin betapharm sowohl inder MDS- als auch in der JMML-Population innerhalb von 0,083 Stunden schnell die Cmax. Bei MDS-bzw. JMML-Patienten lag das geometrische Mittel der Cmax bei 1797,5 bzw. 1066,3 ng/ml und dasgeometrische Mittel der AUC0-∞ bei 606,9 bzw. 240,2 ng h/ml. Das geometrische mittlere
Verteilungsvolumen bei MDS- bzw. JMML-Patienten betrug 103,9 bzw. 61,1 Liter. Die
Gesamtplasmaexposition von Azacitidin betapharm erschien bei MDS-Patienten höher, jedoch wurdesowohl für die AUC als auch für die Cmax eine mittlere bis hohe Schwankung zwischen den Patientenbeobachtet.
Die geometrische mittlere t½ lag bei 0,4 bzw. 0,3 Stunden, und die geometrische mittlere Clearancebetrug 166,4 bzw. 148,3 l/h bei MDS- bzw. JMML-Patienten.
Die pharmakokinetischen Daten aus der Studie AZA-JMML-001 wurden gepoolt und mit denpharmakokinetischen Daten von 6 erwachsenen Teilnehmern mit MDS verglichen, denen in der Studie
AZA-2002-BA-002 75 mg/m2 Azacitidin betapharm intravenös verabreicht worden war. Der
Mittelwert für Cmax und AUC0-t von Azacitidin betapharm war bei erwachsenen und pädiatrischen
Patienten nach der intravenösen Verabreichung ähnlich (2750 ng/ml bzw. 2841 ng/ml und1025 ng∙h/ml bzw. 882,1 ng∙h/ml).
In der Studie AZA-AML-004 erfolgte bei sechs der sieben Kinder und Jugendlichen, die mindestenseine messbare pharmakokinetische Konzentration nach der Verabreichung aufwiesen, einepharmakokinetische Analyse (siehe Abschnitt 5.1). Der Altersmedian (Bereich) der AML-Patientenlag bei 6,7 (2-12) Jahren.
Nach Mehrfachgabe von 100 mg/m2 betrug das geometrische Mittel für Cmax und AUC0-tau in Zyklus 1
Tag 7 1.557 ng/ml bzw. 899,6 ng h/ml, wobei eine höhere Intersubjektvariabilität (CV% von 201,6%bzw. 87,8%) beobachtet wurde. Azacitidin erreichte innerhalb einer mittleren Zeit von 0,090 Stundennach der intravenösen Verabreichung schnell die Cmax, und die Konzentration nahm innerhalb einergeometrischen mittleren t1/2 von 0,380 Stunden ab. Das geometrische Mittel für Clearance bzw.
Verteilungsvolumen betrug 127,2 l/h bzw. 70,2 l.
Die bei Kindern mit AML bei molekularem Rezidiv nach CR1 beobachtete pharmakokinetische(Azacitidin-)Exposition war mit der aus gepoolten Daten ermittelten Exposition bei zehn Kindern mit
MDS und 18 Kindern mit JMML sowie auch mit der Azacitidin-Exposition bei Erwachsenen mit
MDS vergleichbar.
NierenfunktionsstörungEine Nierenfunktionsstörung hat keine wesentliche Auswirkung auf die pharmakokinetische
Exposition von Azacitidin nach subkutanen Einzel- und Mehrfachgaben. Nach subkutaner Anwendungeiner Einzeldosis von 75 mg/m2 waren die mittleren Expositionswerte (AUC und Cmax) bei Personenmit leichter, mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung gegenüber Personen mit normaler
Nierenfunktion um 11-21%, 15-27% bzw. 41-66% erhöht. Die Exposition lag jedoch im gleichenallgemeinen Bereich wie die von Personen mit normaler Nierenfunktion. Azacitidin kann Patientenmit Nierenfunktionsstörung ohne initiale Dosisanpassung verabreicht werden, vorausgesetzt dass diese
Patienten auf Toxizität überwacht werden, da Azacitidin und/oder dessen Metaboliten primär über die
Nieren ausgeschieden werden.
Pharmakogenomik
Die Auswirkung bekannter Polymorphismen der Cytidin-Deaminase auf den Metabolismus von
Azacitidin wurde nicht speziell untersucht.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
In Bakterien- und Säugetierzellsystemen induziert Azacitidin in vitro sowohl Genmutationen als auchchromosomale Aberrationen. Die potenzielle Kanzerogenität von Azacitidin wurde an Mäusen und
Ratten untersucht. Eine dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von 52 Wochen intraperitoneale
Anwendung von Azacitidin führte bei weiblichen Mäusen zur Entstehung von Tumoren deshämatopoetischen Systems. Bei Mäusen, die über einen Zeitraum von 50 Wochen Azacitidinintraperitoneal erhielten, wurde eine erhöhte Häufigkeit von Tumoren des lymphoretikulären Systems,der Lunge, der Milchdrüsen und der Haut beobachtet. Eine Kanzerogenitätsstudie an Ratten ergab eineerhöhte Häufigkeit von Hodentumoren.
Frühe Embryotoxizitätsstudien an Mäusen zeigten nach einmaliger intraperitonealer Injektion von
Azacitidin während der Organogenese eine intrauterine embryonale Absterberate (erhöhte Resorption)von 44%. Bei Mäusen, die vor oder zum Zeitpunkt der Schließung des harten Gaumens Azacitidinerhielten, wurden Hirnentwicklungsstörungen festgestellt. Bei Ratten führte die Verabreichung von
Azacitidin in der Präimplantationsphase zu keinen unerwünschten Arzneimittelwirkungen, aber eine
Verabreichung während der Organogenese war eindeutig embryotoxisch. Die fetalen Anomalienwährend der Organogenese bei Ratten umfassten: Missbildungen des ZNS(Exenzephalie/Enzephalozele), der Gliedmaßen (Mikromelie, Klumpfuß, Syndaktylie, Oligodaktylie)und andere (Mikrophthalmie, Mikrognathie, Gastroschisis, Ödem und Rippenmissbildungen).
Die Verabreichung von Azacitidin an männliche Mäuse vor der Paarung mit unbehandeltenweiblichen Mäusen führte während der anschließenden embryonalen und postnatalen Entwicklung zuverminderter Fruchtbarkeit und zu Nachkommensverlusten. Die Behandlung männlicher Rattenbewirkte einen Gewichtsverlust des Hodens und Nebenhodens, eine Reduktion der Spermienzahl undder Trächtigkeitsraten sowie einen Anstieg der embryonalen Missbildungen und der
Embryonenverluste bei den begatteten Weibchen (siehe Abschnitt 4.6).
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
6.2 Inkompatibilitäten
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
Ungeöffnete Durchstechflasche mit Pulver:3 Jahre.
Nach Rekonstitution:Bei Rekonstitution von Azacitidin betapharm mit nicht gekühltem Wasser für Injektionszwecke wurdedie chemische und physikalische Stabilität des rekonstituierten Arzneimittels für 45 Minuten bei 25 °Cund für 8 Stunden bei 2 °C bis 8 °C nachgewiesen.
Die Haltbarkeit des rekonstituierten Arzneimittels kann durch Rekonstitution mit gekühltem (2 °C bis8 °C) Wasser für Injektionszwecke verlängert werden. Bei Rekonstitution von Azacitidin betapharmmit gekühltem (2 °C bis 8 °C) Wasser für Injektionszwecke wurde die chemische und physikalische
Stabilität des rekonstituierten Arzneimittels für 22 Stunden bei 2 °C bis 8 °C nachgewiesen.
Aus mikrobiologischer Sicht sollte das rekonstituierte Produkt sofort verwendet werden. Für den Fall,dass dieses nicht sofort verwendet wird, ist der Anwender für die Dauer und Bedingungen der
Aufbewahrung bis zur Anwendung verantwortlich, die bei Rekonstitution mit nicht gekühltem Wasserfür Injektionszwecke 8 Stunden bei 2 °C bis 8 °C bzw. bei Rekonstitution mit gekühltem (2 °C bis8 °C) Wasser für Injektionszwecke 22 Stunden nicht überschreiten darf.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchsichtige Durchstechflasche aus Glas (Typ I), versiegelt mit Bromobutyl-Gummistopfen und'Flip-Off“-Siegel, die 100 mg Azacitidin enthält.
Packungsgröße: 1 Durchstechflasche
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungEmpfehlungen für die sichere Handhabung
Azacitidin betapharm ist ein zytotoxisches Arzneimittel. Deshalb ist, wie bei anderen potenzielltoxischen Substanzen, bei der Handhabung und Zubereitung von Azacitidin-Suspensionen Vorsichtgeboten. Geeignete Verfahren für die Handhabung und Entsorgung von antineoplastischen
Arzneimitteln sind anzuwenden.
Wenn rekonstituiertes Azacitidin mit der Haut in Kontakt gerät, muss der betroffene Bereichunverzüglich und gründlich mit Seife und Wasser gereinigt werden. Bei Kontakt mit Schleimhäutensind diese gründlich mit Wasser zu spülen.
Anleitung zur Rekonstitution
Azacitidin betapharm ist mit Wasser für Injektionszwecke zu rekonstituieren. Die Haltbarkeit desrekonstituierten Arzneimittels kann durch Rekonstitution mit gekühltem (2 °C bis 8 °C) Wasser für
Injektionszwecke verlängert werden. Angaben zur Aufbewahrung des rekonstituierten Arzneimittelsfinden sich weiter unten.
1. Folgendes sollte bereitgelegt werden:
Durchstechflasche(n) mit Azacitidin; Durchstechflasche(n) mit Wasser für Injektionszwecke;nicht-sterile chirurgische Handschuhe; Alkoholtupfer; 5-ml-Injektionsspritze(n) mit Nadel(n).
2. 4 ml Wasser für Injektionszwecke in die Spritze aufziehen und eventuell in der Spritzebefindliche Luft entfernen.
3. Die Nadel der Spritze mit 4 ml Wasser für Injektionszwecke durch den Gummistopfen der
Azacitidin-Durchstechflasche stechen und das Wasser für Injektionszwecke in die
Durchstechflasche injizieren.
4. Nach Entfernen der Spritze und der Nadel die Durchstechflasche kräftig schütteln, bis eineeinheitliche trübe Suspension entstanden ist. Nach der Rekonstitution enthält jeder ml der
Suspension 25 mg Azacitidin (100 mg/4 ml). Das rekonstituierte Produkt ist eine homogene,trübe Suspension, frei von Agglomeraten. Die Suspension ist zu verwerfen, wenn sie größere
Partikel oder Agglomerate aufweist. Die Suspension darf nach der Rekonstitution nicht gefiltertwerden, da es sonst zur Entfernung des Wirkstoffs kommen kann. Es ist zu berücksichtigen,dass sich Filter in manchen Adaptern, Chemo-Spikes und geschlossenen Systemen befinden;daher dürfen solche Systeme nicht zur Verabreichung des Arzneimittels nach Rekonstitutionverwendet werden.
5. Den Gummistopfen reinigen und eine neue Spritze mit Nadel in die Durchstechflascheeinführen. Die Durchstechflasche auf den Kopf drehen und darauf achten, dass sich die
Nadelspitze unterhalb des Flüssigkeitspegels befindet. Den Kolben zurückziehen, um die für diebenötigte Dosis erforderliche Arzneimittelmenge aufzuziehen; dabei darauf achten, dieeventuell in der Spritze befindliche Luft zu entfernen. Die Spritze mit der Nadel aus der
Durchstechflasche ziehen und die Nadel entsorgen.
6. Danach eine frische subkutane Nadel (empfohlen: 25-Gauge) fest auf die Spritze setzen. Die
Nadel vor der Injektion nicht vorspülen, um die Häufigkeit lokaler Reaktionen an der
Injektionsstelle zu vermindern.
7. Falls mehr als 1 Durchstechflasche benötigt wird, alle obigen Schritte für die Zubereitung der
Suspension wiederholen. Dosen, für die mehr als 1 Durchstechflasche benötigt wird, müssen zugleichen Teilen aufgeteilt werden (z. B. Dosis 150 mg = 6 ml, 2 Spritzen mit 3 ml in jeder
Spritze). Da ein Teil der Suspension in der Durchstechflasche und Nadel zurückbleibt, ist eseventuell nicht möglich, diese komplett aus der Durchstechflasche aufzuziehen.
8. Unmittelbar vor der Injektion muss der Inhalt der zu verwendenden Spritze resuspendiertwerden.
Vor der Verabreichung sollte die rekonstituierte Suspension in der Spritze über einen Zeitraumvon bis zu 30 Minuten eine Temperatur von ungefähr 20 °C - 25 °C annehmen dürfen. Wennmehr als 30 Minuten verstrichen sind, ist die Suspension in geeigneter Weise zu entsorgen undeine neue Dosis zuzubereiten. Für die Resuspension ist die Spritze kräftig zwischen den
Handflächen hin- und herzurollen, bis eine einheitliche, trübe Suspension entstanden ist. Die
Suspension ist zu verwerfen, wenn sie größere Partikel oder Agglomerate aufweist.
Aufbewahrung des rekonstituierten Arzneimittels
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
Berechnung der individuellen Dosis
Die Gesamtdosis entsprechend der Körperoberfläche (KOF) kann wie folgt berechnet werden:
Gesamtdosis (mg) = Dosis (mg/m2) × KOF (m2)
Die folgende Tabelle dient lediglich als Beispiel, wie individuelle Azacitidin-Dosen auf Grundlageeiner durchschnittlichen KOF von 1,8 m2 zu berechnen sind.
Dosis mg/m2 Gesamtdosis bei einer Anzahl der benötigten Gesamtvolumen der(% der empfohlenen KOF von 1,8 m2 Durchstechflaschen benötigten
Anfangsdosis) rekonstituierten
Suspension75 mg/m2 (100%) 135 mg 2 Durchstechflaschen 5,4 ml37,5 mg/m2 (50%) 67,5 mg 1 Durchstechflasche 2,7 ml25 mg/m2 (33%) 45 mg 1 Durchstechflasche 1,8 ml
Art der AnwendungRekonstituiertes Azacitidin betapharm ist subkutan mit einer 25-Gauge-Nadel in den Oberarm,
Oberschenkel oder Bauch zu injizieren (Nadel in einem Winkel von 45-90° einstechen).
Dosen von mehr als 4 ml sollten an zwei separaten Stellen injiziert werden.
Die Injektionsstelle ist jedes Mal zu wechseln. Neue Injektionen sollten mindestens 2,5 cm von dervorherigen Injektionsstelle entfernt und niemals in Bereiche injiziert werden, in denen die Hautempfindlich, gerötet oder verhärtet ist oder Hämatome aufweist.
BeseitigungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
betapharm Arzneimittel GmbH
Kobelweg 9586156 Augsburg
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 24. März 2020
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.