Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels ALOFISEL 5x10^6 CELULE/ml 5 x 10{6} celule / ml injektionsdispersion
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Alofisel 5 × 106 Zellen/ml Injektionssuspension
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
2.1 Allgemeine Beschreibung
Bei Alofisel (Darvadstrocel) handelt es sich um expandierte, humane, allogene, mesenchymale, adulte
Stammzellen, die aus Fettgewebe (expanded adipose stem cells, eASC) gewonnen wurden.
2.2 Qualitative und quantitative Zusammensetzung
Jede Durchstechflasche enthält 30 × 106 Zellen (eASC) in 6 ml Suspension, was einer Konzentrationvon 5 × 106 Zellen/ml entspricht.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionssuspension (Injektion)
Die Zellsuspension kann sich am Boden der Durchstechflasche abgesetzt und einen Bodensatzgebildet haben. Nach vorsichtiger Resuspension ist das Produkt eine weiße bis gelbliche homogene
Suspension.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Alofisel ist zur Behandlung von komplexen perianalen Fisteln bei erwachsenen Patienten mitnicht-aktivem/gering-aktivem luminalen Morbus Crohn indiziert, wenn die Fisteln unzureichend aufmindestens eine konventionelle oder biologische Therapie angesprochen haben. Alofisel sollte nurnach der Vorbereitung der Fistel angewandt werden (siehe Abschnitt 4.2).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Alofisel sollte nur von Fachärzten verabreicht werden, die in der Diagnose und Behandlung von
Erkrankungen erfahren sind, für die Alofisel indiziert ist.
DosierungEine Einzeldosis Darvadstrocel besteht aus 120 × 106 Zellen, die in 4 Durchstechflaschen geliefertwerden. Jede Durchstechflasche enthält 30 × 106 Zellen in einer 6 ml Suspension. Der gesamte Inhaltder 4 Durchstechflaschen muss zur Behandlung von bis zu zwei internen und bis zu drei externen
Fistelöffnungen verabreicht werden. Das bedeutet, dass mit einer Dosis von 120 × 106 Zellen die
Möglichkeit besteht, bis zu drei Fistelgänge mit Fistelöffnungen im Perianalbereich zu behandeln.
Die Wirksamkeit und Sicherheit von wiederholten Verabreichungen von Alofisel sind nichtuntersucht.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenDie Datenlage zur Anwendung von Darvadstrocel bei älteren Patienten ist beschränkt. Angesichts derzellbasierten Beschaffenheit von Darvadstrocel und seiner lokalen Anwendungsart ist nicht zuerwarten, dass das Nutzen-Risiko-Profil von Darvadstrocel bei älteren Patienten von dem abweicht,welches bei nicht-älteren Patienten beobachtet wurde. Daher ist bei älteren Patienten keine
Dosisanpassung erforderlich.
LeberfunktionsstörungDaten zur Anwendung von Darvadstrocel bei Patienten mit einer Leberfunktionsstörung liegen nichtvor. Angesichts der zellbasierten Beschaffenheit von Darvadstrocel und seiner lokalen Anwendungsartist nicht zu erwarten, dass das Nutzen-Risiko---Profil von Darvadstrocel bei Patienten mit einer
Leberfunktionsstörung von dem abweicht, welches bei Patienten ohne Leberfunktionsstörungbeobachtet wurde. Daher ist bei Patienten mit einer Leberfunktionsstörung keine Dosisanpassungerforderlich.
NierenfunktionsstörungDaten zur Anwendung von Darvadstrocel bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung liegen nichtvor. Angesichts der zellbasierten Beschaffenheit von Darvadstrocel und seiner lokalen Anwendungsartist nicht zu erwarten, dass das Nutzen-Risiko-Profil von Darvadstrocel bei Patienten mit einer
Nierenfunktionsstörung von dem abweicht, welches bei Patienten ohne Nierenfunktionsstörungbeobachtet wurde. Daher ist bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung keine Dosisanpassungerforderlich.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Darvadstrocel bei Kindern und Jugendlichen im Alter von0 bis 17 Jahren wurde noch nicht untersucht. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungZur Injektion in das Gewebe des Fistelgangs in einem Operationsumfeld unter Anästhesie(Allgemein- oder Regionalanästhesie [siehe Abschnitt 4.4]) wie im Folgenden beschrieben.
Gemäß den Behandlungsstandards für das Management von komplexen perianalen Fisteln ist vor der
Behandlung eine Charakterisierung der Fisteln des Patienten erforderlich. Es wird empfohlen,mindestens 2 bis 3 Wochen vor dem Anwendungstag einen vorbereitenden Eingriff (unter Anästhesie)vorzunehmen, um die Fistelanatomie (Anzahl der vorhandenen Fisteln und Fistelöffnungen), die
Topographie (Ausmaß und Verhältnis zum Sphinkter und anderen Beckenmuskeln), die potenzielldamit verbundenen Komplikationen (z. B. Abszesse) und den Grad der lokalen mukosalen Erkrankung(leicht oder inaktiv) zu untersuchen. Eine gründliche Ausschabung aller Fistelgänge insbesondere im
Bereich der internen Fistelöffnungen, mit einer Metallkürette wird empfohlen. Im Falle eines
Abszesses sind eine Inzision und eine Drainage notwendig; ggf. sollte gemäß der routinemäßigenchirurgischen Verfahren eine Seton -Einlage vorgenommen werden. Vor der Terminierung der
Anwendung von Alofisel muss der Chirurg sicherstellen, dass keine Abszesse vorliegen.
Unmittelbar vor der Anwendung von Alofisel sollten die Fistelgänge wie folgt vorbereitet werden:a) Etwaige Seton -Einlagen müssen entfernt werden.b) Bestimmen Sie die Lage der internen Fistelöffnungen. Hierzu wird empfohlen, eine9 mg/ml (0,9 %ige) Kochsalzlösung durch die externen Fistelöffnungen zu injizieren, bisdiese aus den internen Fistelöffnungen austritt. Die Injektion von anderen Substanzen durchdie Fistelgänge, wie Wasserstoffperoxid, Methylenblau, Jodlösungen oder hypertone
Glucoselösungen, ist nicht erlaubt, da diese Substanzen die Lebensfähigkeit der zuinjizierenden Zellen beeinträchtigen (siehe Abschnitt 4.4 und Abschnitt 4.5).
c) Nehmen Sie mit Hilfe einer Metallkürette eine gründliche Ausschabung (Kürettage) aller
Fistelgänge vor, insbesondere im Bereich der internen Fistelöffnungen.
d) Vernähen Sie die internen Fistelöffnungen, um diese zu schließen.
Nach der Vorbereitung der Fistelgänge sollte Alofisel gemäß der folgenden zwei Schritte angewendetwerden:
1. Vorbereitunga) Das Haltbarkeitsdatum von Alofisel sollte nochmals bestätigt werden;anschließend sollten die Durchstechflaschen aus der äußeren Verpackungherausgenommen werden.
b) Resuspendieren Sie die Zellen durch leichtes Klopfen gegen den Boden der
Durchstechflaschen, bis eine homogene Suspension vorliegt; vermeiden Sie dabeieine Bläschenbildung. Jede Durchstechflasche sollte sofort nach der Resuspensionverwendet werden, um eine erneute Sedimentierung der Zellen zu vermeiden.
c) Entfernen Sie die Verschlusskappe von der Durchstechflasche. Drehen Sie die
Durchstechflasche vorsichtig auf den Kopf und ziehen Sie den Inhalt in einer
Spritze mit einer herkömmlichen Nadel, die nicht dünner als 22G sein darf,vorsichtig auf (siehe Abschnitt 4.4).
d) Ersetzen Sie die Nadel durch eine längere Nadel, die auch nicht dünner als 22Gsein darf, um damit die beabsichtigten Injektionsstellen erreichen zu können. Eine
Nadel wie zum Beispiel zur Spinalanästhesie mit einer Länge von ungefähr 90 mmist erforderlich.
e) Wiederholen Sie die Schritte (b), (c) und (d) jeweils nacheinander für jede
Durchstechflasche, nachdem die Zellen aus einer Durchstechflasche injiziertworden sind.
2. Injektion
Zwei der Durchstechflaschen sollten für die internen Fistelöffnungen und die anderenzwei für die Injektion entlang der Wände der Fistelgänge (durch die externen
Fistelöffnungen) verwendet werden. Führen Sie nach dem Einstich der Nadelspitze in diebeabsichtigte Injektionsstelle eine leichte Aspiration durch, um eine intravaskuläre
Verabreichung zu vermeiden.
a) Injektion rund um die internen Fistelöffnungen der Fistelgänge: Führen Sie die
Nadel durch den Anus ein und gehen Sie folgendermaßen vor:
- Bei einer einzelnen internen Fistelöffnung injizieren Sie den Inhalt jeder der zwei
Durchstechflaschen (nacheinander) in kleinen Depotgaben in das Gewebe, das dieeinzelne interne Fistelöffnung umgibt.
- Bei zwei internen Fistelöffnungen injizieren Sie den Inhalt der ersten der zwei
Durchstechflaschen in kleinen Depotgaben in das umliegende Gewebe einer derinternen Fistelöffnungen. Injizieren Sie danach den Inhalt der zweiten
Durchstechflasche in das umliegende Gewebe der zweiten internen Fistelöffnungin Form von kleinen Depotgaben.
b) Injektion entlang der Wände der Fistelgänge: Führen Sie die Nadel durch dieexternen Fistelöffnungen ein und aus dem Inneren des Fistellumens:
- Bei einer einzelnen externen Fistelöffnung injizieren Sie den jeweiligen Inhalt derübrigen zwei Durchstechflaschen separat in Form von kleinen Depotgaben der
Zellsuspension oberflächlich in die Gewebewände entlang der Länge der
Fistelgänge.
- Bei zwei oder drei externen Fistelöffnungen injizieren Sie den Inhalt der übrigenzwei Durchstechflaschen in gleichen Anteilen entlang der dazugehörigen Gänge.
Die Injektion entlang der Wände der Fistelgänge sollte auf Basis des während der
Fistelcharakterisierung erlangten Wissens über die Anatomie und Topologie der
Fistelgänge durchgeführt werden. Stellen Sie sicher, dass die Zellen nicht in das
Lumen der Fistelgänge injiziert werden, um einen Verlust von Zellen zuvermeiden.
Massieren Sie den Bereich um die externen Fistelöffnungen herum sanft 20--30 Sekundenlang und decken Sie die externen Fistelöffnungen mit einem sterilen Verband ab.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen Rinderserum oder gegen einen der in Abschnitt 6.1genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitDie Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit von zellbasierten Arzneimitteln für neuartige Therapienmüssen gelten. Zu Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit müssen der Name des Arzneimittels, die
Chargennummer und der Name des behandelten Patienten für einen Zeitraum von 30 Jahren nach
Ablauf des Verfalldatums des Arzneimittels aufbewahrt werden.
AllgemeinAlofisel kann Spuren von Gentamicin oder Benzylpenicillin und Streptomycin enthalten. Dies solltebei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen diese Antibiotikaklassen berücksichtigtwerden.
Eine Lokalanästhesie wird aufgrund der unbekannten Auswirkungen der Lokalanästhetika auf dieinjizierten Zellen nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.2).
Die Injektion einer anderen Substanz als Natriumchloridlösung 9 mg/ml (0,9 %) (z. B.
Wasserstoffperoxid, Methylenblau, Jodlösungen oder hypertonen Glucoselösungen) (siehe Abschnitt4.2 und Abschnitt 4.5) in die Fistelgänge ist vor, während oder nach der Injektion von Alofisel nichterlaubt, da diese die Lebensfähigkeit der Zellen und damit die Wirksamkeit der Behandlungbeeinträchtigen könnte.
Alofisel darf nicht mit einer Nadel verabreicht werden, die dünner als 22G ist. Kleinere Nadelgrößenkönnen die Zellen bei der Injektion schädigen und die Lebensfähigkeit der Zellen gefährden und damitdie Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen.
Übertragung eines Infektionserregers
Da Alofisel ein lebendes Stammzellentherapeutikum ist, kann es nicht sterilisiert werden; es bestehtdie Gefahr einer Übertragung von Infektionserregern, auch wenn die Gefahr als gering angesehen undim Herstellungsprozess kontrolliert wird. Angehörige der Gesundheitsberufe, die Darvadstrocelverabreichen, müssen daher die Patienten nach der Behandlung auf Anzeichen und Symptome von
Infektionen überwachen und bei Bedarf entsprechend behandeln
Reaktionen auf die Vorbereitung
Die Vorbereitung von Fisteln wurde mit Proktalgie und eingriffsbedingten Schmerzen (siehe
Abschnitt 4.8) in Zusammenhang gebracht.
Blut-, Organ-, Gewebe- und Zellspenden
Patienten, die mit Alofisel behandelt werden, dürfen kein Blut, keine Organe, keine Gewebe und keine
Zellen für Transplantationen spenden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine in-vivo Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
In-vitro Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen haben gezeigt, dass die Lebensfähigkeit der
Zellen und die immunmodulatorische Funktion von Alofisel durch das Vorhandensein klinischrelevanter Konzentrationen gebräuchlicher Therapien für Morbus Crohn (Infliximab, Methotrexat und
Azathioprin) nicht beeinträchtigt wird.
Die Injektion von anderen Substanzen als Natriumchloridlösung 9 mg/ml (0,9 %) (z. B.
Wasserstoffperoxid, Methylenblau, Jodlösungen oder hypertonen Glucoselösungen) (siehe Abschnitt4.2 und Abschnitt 4.4) durch die Fistelgänge und die Verwendung von Lokalanästhesien werdenaufgrund der unbekannten Auswirkung auf die injizierten Zellen nicht empfohlen (siehe
Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftEs liegen keine Daten zur Anwendung von Darvadstrocel bei schwangeren Frauen vor.
Tierstudien zur reproduktiven Toxizität liegen nicht vor (siehe Abschnitt 5.3).
Darvadstrocel wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die kein
Verhütungsmittel benutzen, nicht empfohlen.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Darvadstrocel in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das gestillte
Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss eine Entscheidung darüber getroffenwerden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Alofisel verzichtet werdensoll/die Behandlung mit Alofisel zu unterbrechen ist. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das
Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.
FertilitätEs liegen keine Daten vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenDarvadstrocel hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit unddie Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie häufigsten unter der Behandlung auftretenden unerwünschten Ereignisse waren Analabszess(Alofisel: 19,4 % der Patienten; Kontrollgruppe: 13,7 % der Patienten), Proktalgie (Alofisel: 14,6 %der Patienten; Kontrollgruppe: 11,8 % der Patienten) und Analfistel (Alofisel: 10,7 % der Patienten;
Kontrollgruppe: 7,8 % der Patienten).
Tabellarische Zusammenfassung von Nebenwirkungen
Die folgende Auflistung von Nebenwirkungen basierend auf klinischen Studien und nach dem
Inverkehrbringen gemachten Erfahrungen wird nach Systemorganklassen dargestellt. Die Häufigkeitvon Nebenwirkungen ist wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10),gelegentlich (≥ 1/1 000 bis < 1/100), selten (≥ 1/10 000 bis < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) undnicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 1. Nebenwirkungen
Systemorganklasse Häufigkeit Nebenwirkungen
Infektionen und parasitäre Häufig Analabszess
Erkrankungen
Erkrankungen des Häufig Proktalgie*
Gastrointestinaltrakts Häufig Analfistel
Verletzung, Vergiftung und durch Häufig Eingriffsbedingte Schmerzen*
Eingriffe bedingte Komplikationen
*Reaktionen auf die Vorbereitung, die bis zu sieben Tage nach der Vorbereitung der Fistel zur Verabreichung der
Behandlung auftraten.
Beschreibung der o. g. Nebenwirkungen
Analabszess
Bis Woche 52 entwickelten 20 (19,4 %) bzw. 14 (13,7 %) Patienten in der Alofisel- bzw. der
Kontrollgruppe 21 bzw. 19 Analabszesse, von denen 4 bzw. 5 in den jeweiligen Gruppen (3,9 % der
Patienten in beiden Gruppen) von schwerer Intensität waren. Bis Woche 104 entwickelten 15 (14,6 %)bzw. 8 (7,8 %) Patienten in der Alofisel- bzw. der Kontrollgruppe 15 bzw. 9 schwerwiegende
Analabszesse.
Proktalgie
Bis Woche 52 entwickelten 15 (14,6 %) bzw. 12 (11,8 %) Patienten in der Alofisel- bzw. der
Kontrollgruppe 20 bzw. 17 Proktalgien, wobei keine dieser Proktalgien in einer der Gruppen bis
Woche 104 schwerwiegend war. In der Alofisel-Gruppe gab es keine Patienten mit Proktalgie vonschwerer Intensität, jedoch bei 3,9 % der Patienten (4 Proktalgien) in der Kontrollgruppe.
Analfistel
Bis Woche 52 entwickelten 11 (10,7 %) bzw. 8 (7,8 %) Patienten in der Alofisel- bzw. der
Kontrollgruppe 12 bzw. 8 Analfisteln, von denen keine von schwerer Intensität waren. Bis Woche 104entwickelten 5 Patienten (4,9 %) bzw. 1 Patient (< 1,0 %) in der Alofisel- bzw. der Kontrollgruppe 5bzw. 1 schwerwiegende Analfistel(n).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen--Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es liegen keine Daten zur Überdosierung von Alofisel vor.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, andere Immunsuppressiva, ATC-Code:
L04AX08.
WirkmechanismusDarvadstrocel enthält expandierte Stammzellen aus Fettgewebe (eASC), die an den Stellen der
Entzündung immunmodulatorische und antiinflammatorische Wirkungen zeigen.
Analfisteln treten typischerweise als Gänge auf, die das Intestinallumen und die die perianale
Hautoberfläche durchdringen. Sie sind durch lokale Entzündungen charakterisiert, die durchbakterielle Infektionen und Stuhlkontamination verschlimmert werden. Im entzündeten Bereichkommt es zum Eindringen von aktivierten Lymphozyten und einer lokalen Freisetzung voninflammatorischen Zytokinen.
Inflammatorische Zytokine, insbesondere IFN-γ, die durch aktivierte Immunzellen (d. h.
Lymphozyten) freigesetzt werden, aktivieren die eASC. Sobald sie aktiviert sind, beeinträchtigen dieeASC die Proliferation von aktivierten Lymphozyten und reduzieren die Freisetzung vonproinflammatorischen Zytokinen. Diese immunregulierende Aktivität reduziert die Entzündung,wodurch eine Heilung des Gewebes rund um den Fistelgang ermöglicht werden kann.
Pharmakodynamische WirkungenIn der ADMIRE-CD-Studie wiesen 63/103 der mit eASC behandelten Patienten Spender-spezifische
Antikörper (donor-specific antibodies, DSA) in der Baseline in Woche 12 auf. In Woche 12 wiesen23/63 (36 %) eine Antikörperproduktion gegen die Spenderzellen auf. Von den Patienten mit DSA in
Woche 12 wiesen 7/23 (30 %) in Woche 52 keine DSA mehr auf. Das Ausbleiben einer de novo
DSA-Produktion wurde zwischen Woche 12 und Woche 52 beobachtet. Es wurde keine Abhängigkeitzwischen DSA-Ergebnis und Sicherheit oder Wirksamkeit bei der getesteten Teilpopulation bis
Woche 52 gesehen.
Klinische WirksamkeitDie Wirksamkeit von Alofisel wurde in der ADMIRE-CD-Studie beurteilt. Diese war einerandomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Parallelgruppenstudie zur
Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Alofisel bei der Behandlung von komplexenperianalen Fisteln bei Patienten mit Morbus Crohn.
Insgesamt wurden 212 Patienten in einem Verhältnis von 1 : 1 randomisiert; 205 Patienten erhielteneine lokale Injektion mit entweder Darvadstrocel 120 × 106 Zellen oder Placebo. Bei Patienten miteinem unzureichenden Ansprechen auf Antibiotika, Immunsuppressiva oder TNF-Blocker sollte eine
Drainage der komplexen perianalen Fisteln erfolgen. Eine begleitende Anwendung von konstanten
Dosen von Immunsuppressiva (18 % der Patienten) oder TNF-Blockern (33 %) oder von beidem(28 %) war während der Studie erlaubt.
Der primäre Endpunkt war die kombinierte Remission in Woche 24 nach Erhalt der Prüfbehandlung,definiert als klinischer Verschluss aller behandelten Fisteln (Abwesenheit von Flüssigkeitsaustritt trotzleichten Drucks mit dem Finger) und Abwesenheit von Flüssigkeitsansammlungen (> 2 cm), bestätigtdurch ein verblindetes zentrales MRT. Als wichtigste sekundäre Endpunkte wurden klinische
Remission (klinischer Verschluss aller behandelten Fisteln) und Ansprechen (klinischer Verschlussvon mindestens 50 % aller behandelten Fisteln) in Woche 24 definiert. Zusätzlich wurde eine
Langzeitnachbeobachtung bis Woche 52 durchgeführt.
Alofisel-Gruppe Kontrollgruppe p-Wert(Alofisel + Standardbehand (Placebo + Standardbehandllung*) ung*)n = 103 n = 102
Kombinierte Remission in52 35 0,019
Woche 24 (% Patienten)
Kombinierte Remission in56 38 0,009
Woche 52 (% Patienten)
*Einschließlich Drainage des Abszesses, Einsetzen/Entfernen eines Setons, Kürettage, Vernähen von internen
Fistelöffnungen und medikamentöse Therapien.
Die Ergebnisse der wichtigsten sekundären Endpunkte zeigen, dass der Anteil der Patienten -mit einerklinischen Remission in Woche 24 in der Alofisel-Gruppe 55 % und in der Kontrollgruppe 42 %(p = 0,052) betrug. Die entsprechenden Zahlen für das Ansprechen waren 69 % bzw. 55 %(p = 0,039).
Der Anteil der Patienten -mit einer klinischen Remission in Woche 52 lag bei 59 % in der
Alofisel-Gruppe und bei 41 % in der Kontrollgruppe (p = 0,012). Die entsprechenden Zahlen für das
Ansprechen waren 66 % bzw. 55 % (p = 0,114). Bei einer beschränkten Anzahl von Patienten, die bis
Woche 104 nachverfolgt wurden, lag die klinische Remission in Woche 104 bei 56 % in der
Alofisel-Gruppe und bei 40 % in der Kontrollgruppe.
In der Alofisel-Gruppe betrug die Anzahl der Patienten, die in Woche 24 eine kombinierte Remissionaufwiesen und anschließend bis Woche 52 einen Analabszess/eine Analfistel entwickelten, 2,9 %(3/103), wohingegen die Anzahl der Patienten, die in Woche 24 keine kombinierte Remissionaufwiesen und anschließend bis Woche 52 einen Analabszess/eine Analfistel entwickelten, 9,7 %(10/103) betrug.
In der Kontrollgruppe betrug die Anzahl der Patienten, die in Woche 24 eine kombinierte Remissionaufwiesen und anschließend bis Woche 52 einen Analabszess/eine Analfistel entwickelten, 4,9 %(5/102), wohingegen die Anzahl der Patienten, die in Woche 24 keine kombinierte Remissionaufwiesen und anschließend bis Woche 52 einen Analabszess/eine Analfistel entwickelten, 2,9 %(3/102) betrug.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittelagentur hat für Alofisel eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen bei der
Behandlung von Analfisteln gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei
Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Beschaffenheit und vorgesehene klinische Anwendung von Darvadstrocel sind derart, dassherkömmliche Studien zur Pharmakokinetik (Resorption, Verteilung, Metabolisierung und
Elimination) nicht anwendbar sind.
Es wurden Biodistributionsstudien mit präklinischen Modellen durchgeführt, die das Ziel hatten, die
Persistenz der eASC an der Injektionsstelle und deren mögliche Wanderung in andere Gewebe oder
Organsysteme zu beurteilen. Nach der perianalen und intrarektalen Injektion von humanen eASC beiathymischen Ratten waren Zellen im Rektum und Jejunum an der Injektionsstelle mindestens 14 Tagevorhanden und nach 3 Monaten nicht mehr nachweisbar. Die eASC konnten in keinem der nach3 Monaten oder 6 Monaten analysierten Gewebe mehr nachgewiesen werden.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie und zur Toxizität beiwiederholter Gabe lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
Studien zur reproduktiven und Entwicklungstoxizität mit Darvadstrocel wurden nicht durchgeführt, dapräklinische biologische Verteilungsstudien darauf hindeuteten, dass keine Migration oder Integrationvon eASC in die Fortpflanzungsorgane nach der Anwendung von eASC über verschiedene
Verabreichungswege stattfindet.
Die Wirkung der ex-vivo Expansion auf die genetische Stabilität von Zellen wurde in vitro beurteiltund ergab keinen Hinweis auf ein karzinogenes Potenzial.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Dulbecco’s Modified Eagle´s Medium (DMEM) (enthält Aminosäuren, Vitamine, Salze und
Kohlenhydrate).
Humanalbumin.
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Zwischen 15 ºC und 25 ºC aufbewahren.
Bis zu seiner Anwendung bewahren Sie das Arzneimittel zum Schutz vor Licht und Feuchtigkeitununterbrochen im Umkarton im Frachtbehältnis auf, um die geforderte Temperaturaufrechtzuerhalten.
Halten Sie das Behältnis von Hitze und direkten Lichtquellen fern.
Nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren.
Nicht bestrahlen oder anderweitig sterilisieren.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
oder die Implantation
Durchstechflasche aus Glas vom Typ I. Jede Durchstechflasche enthält 6 ml einer eASC-Suspensionund ist mit einem Gummistopfen und einer abziehbaren Kappe verschlossen. Die Durchstechflaschenbefinden sich in einem Umkarton.
Packungsgröße: 4 Durchstechflaschen.1 Dosis enthält 4 Durchstechflaschen mit 6 ml (insgesamt 24 ml).
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungVorbereitung vor der Verabreichung
Alofisel Injektionssuspension darf nicht filtriert werden, und nicht mit einer dünneren Nadel als 22Gangewendet werden (siehe Abschnitt 4.2). Direkt vor der Anwendung muss Alofisel durch vorsichtiges
Klopfen an den Boden der Durchstechflasche resuspendiert werden bis eine homogene, blasenfreie
Suspension erhalten wird. Für weitere Informationen zum Gebrauch von Alofisel siehe Abschnitt 4.2.
Vorsichtsmaßnahmen für die Entsorgung des Arzneimittels
Nicht verwendetes Arzneimittel und alles Material, das mit Alofisel in Berührung gekommen ist (festeund flüssige Abfälle) müssen als möglicherweise infektiöser Abfall gemäß den örtlichen Richtlinienfür den Umgang mit vom Menschen stammendem Material behandelt und entsorgt werden.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Takeda Pharma A/S
Delta Park 452665 Vallensbaek Strand
Dänemark
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 23. März 2018
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 10 Januar 2023
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.