Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels AGAMREE 40mg / ml suspension zum einnehmen
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
AGAMREE 40 mg/ml Suspension zum Einnehmen
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml Suspension enthält 40 mg Vamorolon.
Sonstiger Bestandteile mit bekannter Wirkung
Jeder ml Suspension enthält 1 mg Natriumbenzoat (E 211).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Suspension zum Einnehmen.
Weiße bis cremefarbene Suspension.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
AGAMREE wird angewendet für die Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) bei
Patienten ab 4 Jahren.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit AGAMREE sollte nur von Fachärzten mit Erfahrung in der
Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie eingeleitet werden.
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt 6 mg Vamorolon pro Kilogramm Körpergewicht einmal täglich bei
Patienten mit einem Körpergewicht bis zu 40 kg.
Bei Patienten mit einem Körpergewicht über 40 kg beträgt die empfohlene Dosis 240 mg Vamorolon(entsprechend 6 ml) einmal täglich.
Je nach individueller Verträglichkeit kann die tägliche Dosis auf 4 mg/kg/Tag oder 2 mg/kg/Tagheruntertitriert werden. Die Patienten sollten mit der höchsten verträglichen Dosis innerhalb des
Dosisbereichs behandelt werden.
Tabelle 1: Dosierungstabelle6 mg/kg/Tag 4 mg/kg/Tag 2 mg/kg/Tag
Gewicht (kg) Dosis in mg Dosis in ml Dosis in mg Dosis in ml Dosis in mg Dosis in ml12-13 72 1,8 48 1,2 24 0,614-15 84 2,1 56 1,4 28 0,716-17 96 2,4 64 1,6 32 0,818-19 108 2,7 72 1,8 36 0,920-21 120 3 80 2 40 122-23 132 3,3 88 2,2 44 1,124-25 144 3,6 96 2,4 48 1,226-27 156 3,9 104 2,6 52 1,328-29 168 4,2 112 2,8 56 1,430-31 180 4,5 120 3 60 1,532-33 192 4,8 128 3,2 64 1,634-35 204 5,1 136 3,4 68 1,736-37 216 5,4 144 3,6 72 1,838-39 228 5,7 152 3,8 76 1,940 kg undmehr 240 6 160 4 80 2
Die Dosis von Vamorolon darf nicht abrupt reduziert werden, wenn die Behandlung bereits länger alseine Woche erfolgt ist (siehe Abschnitt 4.4). Eine Dosisreduzierung muss schrittweise über mehrere
Wochen erfolgen, und zwar um jeweils etwa 20 % gegenüber der vorherigen Dosisstufe. Die Dauerder einzelnen Reduzierungsschritte richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit.
Besondere PatientengruppenEingeschränkte LeberfunktionBei Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse A) ist keine Dosisanpassungerforderlich.
Die empfohlene Tagesdosis von Vamorolon für Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung(Child-Pugh-Klasse B) beträgt 2 mg/kg/Tag für Patienten bis zu 40 kg Körpergewicht und 80 mg für
Patienten mit einem Körpergewicht von 40 kg und mehr (siehe Abschnitt 5.2). Patienten mit schwerer
Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse C) dürfen nicht mit Vamorolon behandelt werden. Siehe
Abschnitte 4.3 und 4.4.
Kinder unter 4 Jahren
Die Sicherheit und Wirksamkeit von AGAMREE bei Kindern unter 4 Jahren ist nicht erwiesen.
Art der AnwendungAGAMREE ist zum Einnehmen bestimmt. AGAMREE kann mit oder ohne Nahrung eingenommenwerden (siehe Abschnitt 5.2).
Die Suspension zum Einnehmen muss vor der Einnahme durch Schütteln der Flasche redispergiertwerden.
Zum Abmessen der Dosis von AGAMREE in ml sollte nur die mit dem Arzneimittel mitgelieferte
Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen verwendet werden. Nachdem dieentsprechende Dosis in die Applikationsspritze aufgezogen wurde, sollte sie direkt in den Mundverabreicht werden.
Anschließend sollte die Applikationsspritze auseinandergenommen, unter fließendem kaltem
Leitungswasser gespült und an der Luft getrocknet werden. Sie sollte bis zur nächsten Verwendung im
Umkarton aufbewahrt werden. Die Applikationsspritze kann bis zu 45 Tage lang verwendet werden,dann sollte sie entsorgt und die zweite in der Packung enthaltene Applikationsspritze verwendetwerden.
Verabreichung der AGAMREE Suspension zum Einnehmen über eine enterale Ernährungssonde
Die AGAMREE Suspension zum Einnehmen kann über eine enterale Ernährungssonde verabreichtwerden (siehe Abschnitt 6.6).
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse C).
Anwendung von Lebendimpfstoffen oder abgeschwächten Lebendimpfstoffen in den 6 Wochen vor
Beginn und während der Behandlung (siehe Abschnitt 4.4).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Veränderungen endokriner Funktionen
Vamorolon verursacht Veränderungen endokriner Funktionen, insbesondere bei Langzeitanwendung.
Darüber hinaus können Patienten mit veränderter Schilddrüsenfunktion oder Phäochromozytom einemerhöhten Risiko für endokrine Wirkungen ausgesetzt sein.
Risiko einer Nebenniereninsuffizienz
Vamorolon führt zu einer dosisabhängigen und reversiblen Unterdrückung der Hypothalamus-
Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und kann zu einer sekundären
Nebenniereninsuffizienz führen, die nach Beendigung einer längeren Behandlung über Monateandauern kann. Der Grad der hervorgerufenen chronischen Nebenniereninsuffizienz ist bei den
Patienten unterschiedlich und hängt von der Dosierung und Dauer der Therapie ab.
Eine akute Nebenniereninsuffizienz (auch als Nebennierenkrise bezeichnet) kann in Phasen vonerhöhtem Stress auftreten oder wenn die Vamorolon-Dosis abrupt reduziert oder abgesetzt wird.
Dieser Zustand kann tödlich sein. Zu den Symptomen einer Nebennierenkrise können extreme
Müdigkeit, plötzliche Schwäche, Erbrechen, Schwindel oder Verwirrtheitszustände gehören. Das
Risiko kann durch schrittweises Vorgehen bei Reduzierung der Dosis oder beim Absetzen der
Behandlung verringert werden (siehe Abschnitt 4.2).
Während Phasen von erhöhtem Stress, wie akuten Infektionen, traumatischen Verletzungen oderchirurgischen Eingriffen, sollten die Patienten auf Anzeichen einer akuten Nebenniereninsuffizienzüberwacht werden, und die regelmäßige Behandlung mit AGAMREE sollte vorübergehend durch diesystemische Gabe von Hydrokortison ergänzt werden, um dem Risiko einer Nebennierenkrisevorzubeugen. Es liegen keine Daten zur Wirkung einer erhöhten Dosis von AGAMREE in Situationenvon erhöhtem Stress vor.
Der Patient sollte angewiesen werden, stets die Patientenkarte zur sicheren Anwendung bei sich zutragen, in der wichtige Sicherheitsinformationen enthalten sind, um die frühe Erkennung und
Behandlung einer Nebennierenkrise zu unterstützen.
Nach dem abrupten Absetzen von Glukokortikoiden kann es auch zu einem 'Steroidentzugssyndrom“kommen, das scheinbar nicht mit einer Nebenniereninsuffizienz in Zusammenhang steht. Dabeikönnen Symptome wie Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Lethargie, Kopfschmerzen, Fieber,
Gelenkschmerzen, Desquamation, Myalgie und/oder Gewichtsverlust auftreten. Es wird davonausgegangen, dass diese Symptome auf eine plötzliche Veränderung der Glukokortikoidkonzentrationund nicht auf niedrige Glukokortikoidspiegel zurückzuführen sind.
Umstellung von einer Behandlung mit Glukokortikoiden auf AGAMREE
Die Patienten können von einer oralen Glukokortikoidbehandlung (z. B. mit Prednison oder
Deflazacort) auf AGAMREE umgestellt werden, ohne dass eine Unterbrechung der Behandlung odereine vorherige Phase der Reduzierung der Glukokortikoiddosis erforderlich ist. Patienten, die zuvorlangfristig mit Glukokortikoiden behandelt wurden, sollten auf eine AGAMREE-Dosis von6 mg/kg/Tag umgestellt werden, um das Risiko einer Nebennierenkrise zu minimieren.
GewichtszunahmeVamorolon ist mit einer dosisabhängigen Steigerung des Appetits und einer Gewichtszunahmeverbunden, hauptsächlich in den ersten Behandlungsmonaten. Vor und während der Behandlung mit
AGAMREE sollte eine altersgerechte Ernährungsberatung gemäß den allgemeinen Empfehlungen fürdas Ernährungsmanagement von Patienten mit DMD erfolgen.
Hinweise zur Anwendung bei Patienten mit veränderter Schilddrüsenfunktion
Bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion kann die metabolische Clearance von Glukokortikoidenverringert und bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion erhöht werden. Es ist nicht bekannt, ob diesin gleicher Weise auch bei Vamorolon der Fall ist, aber Veränderungen des Schilddrüsenstatus des
Patienten können eine Dosisanpassung erforderlich machen.
Ophthalmologische Nebenwirkungen
Glukokortikoide können hintere subkapsuläre Katarakte und Glaukome mit einer potenziellen
Schädigung der Sehnerven induzieren und das Risiko für sekundäre Augeninfektionen erhöhen, diedurch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht werden.
Das Risiko für ophthalmologische Wirkungen im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt.
Erhöhtes Infektionsrisiko
Die Unterdrückung der Entzündungsreaktion und der Immunfunktion kann die Anfälligkeit für
Infektionen und deren Schwere erhöhen. Es kann zu einer Aktivierung latenter Infektionen oder einer
Exazerbation interkurrenter Infektionen kommen. Das klinische Erscheinungsbild ist häufig atypisch,und schwere Infektionen können maskiert werden und ein fortgeschrittenes Stadium erreichen, bevorsie erkannt werden.
Derartige Infektionen können gravierend sein und manchmal tödlich verlaufen.
Auch wenn in den klinischen Studien mit Vamorolon keine erhöhte Inzidenz oder Schwere von
Infektionen beobachtet wurde, lassen die begrenzten Langzeiterfahrungen keinen Ausschluss eineserhöhten Risikos für Infektionen zu.
Die Entwicklung von Infektionen muss überwacht werden. Bei Patienten mit Symptomen einer
Infektion sollten im Falle einer Langzeitbehandlung mit Vamorolon diagnostische und therapeutische
Strategien angewendet werden. Bei Patienten mit mittelschweren oder schweren Infektionen, die mit
Vamorolon behandelt werden, sollte eine ergänzende Gabe von Hydrokortison in Betracht gezogenwerden.
Diabetes mellitus
Eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden kann das Risiko für Diabetes mellitus erhöhen.
In den klinischen Studien mit Vamorolon wurden keine klinisch relevanten Veränderungen des
Glukosestoffwechsels beobachtet, allerdings sind die Langzeitdaten begrenzt. Bei Patienten, dielangfristig mit Vamorolon behandelt werden, wird eine regelmäßige Überwachung des
Blutzuckerspiegels empfohlen.
ImpfungenPatienten, die mit Glukokortikoiden behandelt werden, können auf Lebendimpfstoffe oderabgeschwächte Lebendimpfstoffe anders ansprechen.
Das Risiko im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt.
Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Lebendimpfstoffe sollten mindestens 6 Wochen vor Beginn der
Behandlung mit AGAMREE verabreicht werden.
Bei Patienten, die zuvor noch nicht an Windpocken erkrankt waren oder nicht dagegen geimpft sind,sollte vor der Behandlung mit AGAMREE eine Impfung gegen das Varicella-Zoster-Virus erfolgen.
Thromboembolische EreignisseBeobachtungsstudien mit Glukokortikoiden haben ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien(einschließlich venöser Thromboembolien) gezeigt, insbesondere bei höheren kumulativen Dosen von
Glukokortikoiden.
Das Risiko im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt. AGAMREE sollte bei Patienten mitthromboembolischen Erkrankungen oder einem Risiko für thromboembolische Ereignisse mit
Vorsicht angewendet werden.
AnaphylaxieBei Patienten, die mit Glukokortikoiden behandelt wurden, ist in seltenen Fällen Anaphylaxieaufgetreten.
Vamorolon weist strukturelle Ähnlichkeiten mit Glukokortikoiden auf und muss bei der Behandlungvon Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Glukokortikoiden mit Vorsichtangewendet werden.
Eingeschränkte LeberfunktionVamorolon wurde bei Patienten mit bestehender schwerer Leberschädigung (Child-Pugh-Klasse C)nicht untersucht und darf bei diesen Patienten nicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.3).
Gleichzeitige Anwendung mit anderen ArzneimittelnUGT-Substrate
Das Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen mit UGT wurde nicht vollständig untersucht. Dahersollten alle UGT-Inhibitoren als Begleitmedikation vermieden und, falls medizinisch erforderlich, mit
Vorsicht angewendet werden.
Sonstige BestandteileNatriumbenzoat
Dieses Arzneimittel enthält 1 mg Natriumbenzoat pro ml, entsprechend 100 mg/100 ml.
NatriumDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro 7,5 ml, d. h. es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Pharmakodynamische WechselwirkungenVamorolon wirkt als Antagonist am Mineralokortikoid-Rezeptor. Die Anwendung von Vamorolon in
Kombination mit einem Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten kann das Risiko für Hyperkaliämieerhöhen. Bei Patienten, die Vamorolon allein oder in Kombination mit Eplerenon oder Spironolactoneingenommen haben, wurden keine Fälle von Hyperkalämie beobachtet. Es wird empfohlen, die
Kaliumspiegel einen Monat nach Beginn der Anwendung einer Kombination von Vamorolon undeinem Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten zu kontrollieren. Im Falle einer Hyperkaliämie sollteeine Dosisreduzierung des Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten in Betracht gezogen werden.
Pharmakokinetische WechselwirkungenWirkung anderer Arzneimittel auf Vamorolon
Die gleichzeitige Anwendung mit dem starken CYP3A4-Inhibitor Itraconazol führte bei gesunden
Probanden zu einem 1,45-fachen Anstieg der Vamorolon-Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-
Kurve. Die empfohlene Vamorolon-Dosis bei Anwendung mit starken CYP3A4-Inhibitoren (z. B.
Telithromycin, Clarithromycin, Voriconazol, Grapefruitsaft) beträgt 4 mg/kg/Tag.
Starke CYP3A4-Induktoren oder starke PXR-Induktoren (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin,
Echtes Johanniskraut) können die Plasmakonzentrationen von Vamorolon verringern und zu einerverringerten Wirksamkeit führen. Deshalb sollte die Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die keinestarken CYP3A4-Induktoren sind, in Betracht gezogen werden. Bei gleichzeitiger Behandlung miteinem mäßigen PXR- oder CYP3A4-Induktor ist Vorsicht geboten, da die Plasmakonzentration von
Vamorolon erheblich reduziert werden kann.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftEs liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Vamorolon bei Schwangeren vor. Es wurdenkeine tierexperimentellen Studien zur Reproduktionstoxizität mit Vamorolon durchgeführt.
Glukokortikoide waren in tierexperimentellen Studien mit verschiedenen Arten von Fehlbildungen(Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Skelettfehlbildungen) assoziiert, die Relevanz für den Menschen istjedoch nicht bekannt.
AGAMREE darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine
Behandlung mit Vamorolon aufgrund des klinischen Zustandes der Frau erforderlich ist.
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit AGAMREE eine zuverlässige
Verhütungsmethode anwenden.
StillzeitEs liegen keine Daten zur Ausscheidung von Vamorolon oder seinen Metaboliten in die Muttermilchvor. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen sollwährend der Behandlung mit AGAMREE unterbrochen werden.
FertilitätEs liegen keine klinischen Daten zu den Auswirkungen von Vamorolon auf die Fertilität vor.
Die Langzeitbehandlung mit Vamorolon beeinträchtigte die Fertilität bei männlichen und weiblichen
Hunden (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenAGAMREE hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen für Vamorolon 6 mg/kg/Tag sind cushingoide
Gesichtszüge (28,6 %), Erbrechen (14,3 %), Gewichtszunahme (10,7 %) und Reizbarkeit (10,7 %).
Bei diesen Reaktionen handelt es sich um dosisabhängige Reaktionen, die in der Regel in den ersten
Behandlungsmonaten gemeldet werden und sich im Laufe der Zeit bei kontinuierlicher Behandlungverringern oder stabilisieren.
Vamorolon führt zu einer Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, diemit der Dosis und der Behandlungsdauer korreliert. Eine akute Nebenniereninsuffizienz(Nebennierenkrise) ist eine schwerwiegende Nebenwirkung, die in Zeiten von erhöhtem Stressauftreten kann oder wenn die Vamorolon-Dosis abrupt reduziert oder abgesetzt wird (siehe
Abschnitt 4.4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen sind im Folgenden nach MedDRA-Systemorganklasse und Häufigkeitaufgeführt. Die Tabelle enthält Nebenwirkungen bei Patienten, die in der Placebo-kontrollierten Studiemit Vamorolon 6 mg/kg/Tag (Pool 1) behandelt wurden. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert:sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000,< 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) (einschließlich Einzelfälle) und nicht bekannt (Häufigkeit auf
Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 2: Nebenwirkungen
Systemorganklasse (SOC) Nebenwirkung (bevorzugte Häufigkeit
Bezeichnung)
Endokrine Erkrankungen Cushingoide Gesichtszüge Sehr häufig(Pseudo-Cushing-Syndrom)
Stoffwechsel- und Gewichtszunahme Sehr häufig
Ernährungsstörungen Gesteigerter Appetit
Psychiatrische Erkrankungen Reizbarkeit Sehr häufig
Erkrankungen des Erbrechen Sehr häufig
Gastrointestinaltrakts Abdominalschmerz häufig
Schmerzen im Oberbauch häufig
Diarrhö häufig
Erkrankungen des Kopfschmerzen häufig
Nervensystems
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenCushingoide Gesichtszüge
Cushingoide Gesichtszüge (Hypercortisolismus) waren die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung inder Patientengruppe, die Vamorolon in einer Dosis von 6 mg/kg/Tag erhielt (28,6 %). Die Häufigkeitder cushingoiden Gesichtszüge war in Gruppe, die Vamorolon in einer Dosis von 2 mg/kg/Tag erhielt,geringer (6,7 %). In der klinischen Studie wurden cushingoide Gesichtszüge als leichte bis mäßige'Gewichtszunahme im Gesicht“ oder 'Vollmondgesicht“ berichtet. Bei den meisten Patienten tratencushingoide Gesichtszüge in den ersten 6 Behandlungsmonaten auf (28,6 % in den Monaten 0 bis 6 im
Vergleich zu 3,6 % in den Monaten 6 bis 12 bei einer Vamorolon-Dosis von 6 mg/kg/Tag) und führtennicht zum Abbruch der Behandlung.
Verhaltensprobleme
Verhaltensprobleme wurden in den ersten 6 Behandlungsmonaten häufiger bei einer Vamorolon-Dosisvon 6 mg/kg/Tag (21,4 %) berichtet als bei Vamorolon 2 mg/kg/Tag (16,7 %) oder Placebo (13,8 %),was auf eine erhöhte Häufigkeit von Ereignissen zurückzuführen ist, die als leichte Reizbarkeitbeschrieben wurden (10,7 % bei 6 mg/kg/Tag, kein Patient bei 2 mg/kg/Tag oder Placebo). Diemeisten Verhaltensprobleme traten in den ersten 3 Behandlungsmonaten auf und klangen ohne
Behandlungsabbruch wieder ab. Zwischen Behandlungsmonat 6 und 12 verringerte sich die Häufigkeitvon Verhaltensproblemen bei beiden Dosisgruppen (10,7 % bei Vamorolon 6 mg/kg/Tag und 7,1 %bei Vamorolon 2 mg/kg/Tag).
GewichtszunahmeVamorolon ist mit einem Anstieg des Appetits und einer Gewichtszunahme verbunden. Die meisten
Fälle von Gewichtszunahme in der Gruppe Vamorolon 6 mg/kg/Tag wurden in den ersten sechs
Behandlungsmonaten gemeldet (17,9 % in den Monaten 0 bis 6 gegenüber 0 % in den Monaten 6 bis12). Die Gewichtszunahme war in den Gruppen Vamorolon 2 mg/kg/Tag (3,3 %) und Placebo (6,9 %)ähnlich. Vor und während der Behandlung mit AGAMREE sollte eine altersgerechte
Ernährungsberatung gemäß den allgemeinen Empfehlungen für das Ernährungsmanagement von
Patienten mit DMD erfolgen (siehe Abschnitt 4.4).
Entzugserscheinungen und -symptome
Eine abrupte Reduzierung oder das Absetzen der täglichen Dosis von Vamorolon nach einer längeren
Behandlung von mehr als einer Woche kann zu einer Nebennierenkrise führen (siehe Abschnitte 4.2und 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Nebenwirkungen bei Kindern mit DMD, die mit Vamorolon behandelt wurden, ähnelten sich in
Bezug auf Art und Häufigkeit bei Patienten ab 4 Jahren.
Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen bei Patienten über 7 Jahren entsprachen denen, die bei
Patienten im Alter von 4 bis 7 Jahren beobachtet wurden. Es liegen keine Informationen zu den
Auswirkungen von Vamorolon auf die pubertäre Entwicklung vor.
Bei Patienten unter 5 Jahren wurden im Vergleich zu Patienten ≥ 5 Jahren, die mit Vamorolon2-6 mg/kg/Tag behandelt wurden, häufiger Verhaltensproblemen beobachtet.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Die Behandlung einer akuten Überdosierung erfolgt durch sofortige unterstützende undsymptomatische Therapie. Die Auslösung von Erbrechen oder eine Magenspülung können in Betrachtgezogen werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Glukokortikoide, ATC-Code: H02AB18
WirkmechanismusVamorolon ist ein dissoziatives Kortikosteroid, das selektiv an den Glukokortikoid-Rezeptor bindet,was durch Hemmung NF-kB vermittelter Gentranskription entzündungshemmend wirkt, aber zu einerverminderten transkriptiven Aktivierung anderer Gene führt. Darüber hinaus hemmt Vamorolon die
Aktivierung des Mineralokortikoidrezeptors durch Aldosteron. Aufgrund seiner spezifischen Strukturist Vamorolon wahrscheinlich kein Substrat für 11ß-Hydroxysteroid-Dehydrogenasen und unterliegtdaher nicht der lokalen Verstärkung im Gewebe. Nach welchem Mechanismus Vamorolon seinetherapeutischen Wirkungen bei DMD-Patienten genau entfaltet, ist nicht bekannt.
Pharmakodynamische WirkungenVamorolon führte in den klinischen Studien zu einem dosisabhängigen Rückgang der morgendlichen
Cortisolspiegel. In klinischen Studien mit Vamorolon wurde eine dosisabhängige Zunahme des
Hämoglobinspiegels, der Hämatokritwerte, der Erythrozyten, der Leukozyten und der Lymphozytenbeobachtet. Es wurden keine relevanten Veränderungen der mittleren Neutrophilenzahlen oder derunreifen Granulozyten beobachtet. Die Werte für High-Density-Lipoprotein (HDL)-Cholesterin und
Triglyceride stiegen dosisabhängig an. Bis zu einer Behandlungsdauer von 30 Monaten wurden keinerelevanten Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel beobachtet.
Im Gegensatz zu Kortikosteroiden führte Vamorolon in den klinischen Studien nach 48 Wochenweder zu einer Verringerung des Knochenstoffwechsels, gemessen durch Biomarker des
Knochenumbaus, noch zu einer signifikanten Verringerung der Knochenmineralisierung in der
Wirbelsäule, gemessen durch Dual-Energy X-Ray Absorptiometry (DXA). Das Risiko von
Knochenbrüchen bei DMD-Patienten, die mit Vamorolon behandelt wurden, ist nicht erwiesen.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirksamkeit von AGAMREE zur Behandlung von DMD wurde in Studie 1 untersucht, einermultizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebo- und aktiv kontrollierten Parallelgruppen-
Studie mit einer Dauer von 24 Wochen, gefolgt von einer doppelblinden Verlängerungsphase. Die
Studienpopulation bestand aus 121 männlichen pädiatrischen Patienten im Alter von 4 bis < 7 Jahrenmit einer bestätigten DMD-Diagnose, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie nicht mit
Kortikosteroiden vorbehandelt und in ambulanter Behandlung waren.
In Studie 1 wurden 121 Patienten randomisiert einer der folgenden Behandlungen unterzogen:
Vamorolon 6 mg/kg/Tag (n = 30), Vamorolon 2 mg/kg/Tag (n = 30), aktives Vergleichspräparat
Prednison 0,75 mg/kg/Tag (n = 31) oder Placebo (n = 30). Nach 24 Wochen (Zeitraum 1, primäre
Wirksamkeitsanalyse) wurden Patienten, die Prednison oder Placebo erhalten hatten, nach einemzuvor festgelegten Randomisierungsschema für weitere 20 Behandlungswochen entweder mit
Vamorolon 6 mg/kg/Tag oder 2 mg/kg/Tag behandelt (Zeitraum 2).
In Studie 1 wurde die Wirksamkeit beurteilt, indem die Veränderung der TTSTAND-Geschwindigkeitzwischen Studienbeginn und Woche 24 bei einer 6 mg/kg/Tag-Dosis von Vamorolon im Vergleich zu
Placebo beurteilt wurde. Bei der zuvor festgelegten hierarchischen Analyse relevanter sekundärer
Endpunkte wurde zunächst die Veränderung der TTSTAND-Geschwindigkeit gegenüber dem
Ausgangswert in der Gruppe, die mit Vamorolon 2 mg/kg/Tag behandelt wurde, mit Placeboverglichen, dann die Veränderung der Strecke gegenüber dem Ausgangswert im 6-Minuten-Gehtest(6MWT) für die Gruppe, die mit Vamorolon 6 mg/kg/Tag behandelt wurde, und schließlich die
Gruppe mit Vamorolon 2 mg/kg/Tag im Vergleich zu Placebo.
Die Behandlung mit Vamorolon 6 mg/kg/Tag und Vamorolon 2 mg/kg/Tag führte zu einer statistischsignifikanten Verbesserung der TTSTAND-Geschwindigkeit und der zurückgelegten Distanz im 6-
Minuten-Gehtest zwischen Baseline und Woche 24 im Vergleich zu Placebo (siehe Tabelle 2).
Studie 1 war nicht darauf ausgelegt, beim Vergleich der einzelnen Vamorolon-Gruppen mit Prednisonein bestimmtes Signifikanzniveau aufrecht zu erhalten. Daher enthält Abbildung 1 für die jeweiligen
Endpunkte eine allgemeine, Endpunkt übergreifende Beurteilung der Behandlungsunterschiede, die alsprozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert mit 95 %-Konfidenzintervallen ausgedrücktwird.
Tabelle 3: Veränderung gegenüber dem Ausgangswert vor Behandlung mit Vamorolon6 mg/kg/Tag bzw. Vamorolon 2 mg/kg/Tag im Vergleich zu Placebo in Woche 24(Studie 1)
TTSTAND-Geschwindigkeit(Aufstehbewegungen/s) /
TTSTAND in Sekunden Placebo Vam Vam Pred2 mg/kg/Tag 6 mg/kg/Tag 0,75 mg/kg/Tag(s/Aufstehbewegung)
Mittelwert vor Behandlung
Aufstehbewegungen/s 0,20 0,18 0,19 0,22
Mittelwert vor Behandlung 5,555 6,07 5,97 4,92s/Aufstehbewegung
Durchschnittliche Veränderungnach 24 Wochen
Aufstehbewegungen/s -0,012 0,031 0,046 0,066
Verbesserung in -0,62 0,31 1,05 1,24s/Aufstehbewegung
Unterschied gegenüber
Placebo* 0,043 0,059
Aufstehbewegungen/s - (0,007 ; 0,079) (0,022 ; 0,095) nicht gegebens/Aufstehbewegung 0,927 (0,042 ; 1,67 (0,684 ; nicht gegeben1,895) 2,658)p-Wert - 0,020 0,002 nicht gegeben6MWT (Entfernung in
Metern) Placebo Vam Vam Pred2 mg/kg/Tag 6 mg/kg/Tag 0,75 mg/kg/Tag
Mittelwert vor Behandlung (m) 354,5 316,1 312,5 343,3
Durchschnittliche Veränderungnach 24 Wochen -11,4 +25,0 +24,6 +44,1
Unterschied gegenüber 36,3 35,9
Placebo* - (8,3 ; 64,4) (8,0 ; 63,9) nicht gegebenp-Wert - 0,011 0,012 nicht gegeben
Bei den Mittelwertveränderungen und -unterschieden handelt es sich um modellbasierte Schätzwerte nach der Methode derkleinsten Quadrate (MKQ)
Positive Werte weisen auf eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert hin. *Darstellung der Unterschiede nach MKQmit 95-%-KI
Abbildung 1 Vergleiche zwischen Vamorolon und Prednison in zeitlich begrenzten Tests dermotorischen Funktion, ausgedrückt als prozentuale Veränderungen gegenüberdem Ausgangswert (mITT-1-Population)
TTSTANDV (VAM6 ggü. PDN)6MWT (VAM6 ggü. PDN)
TTSTANDV (VAM2 ggü. PDN)6MWT (VAM2 ggü. PDN)
Unterschied in % (95-%-KI)
Die Testdaten wurden standardisiert, indem die prozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert als Endpunktverwendet wurde. Perzentilveränderungen wurden berechnet als (Wert bei Untersuchung - Ausgangswert)/Ausgangswert x100 %. VAM: Vamorolon, PDN: Prednison
Sämtliche prozentualen Veränderungen gegenüber den beiden Endpunkten wurden in ein einzelnes statistisches Modell(MMRM) eingegeben.
Bei Vamorolon 6 mg/kg/Tag blieben die bei den Funktionstests der unteren Gliedmaßen nach24 Wochen beobachteten Verbesserungen über einen Zeitraum von 48 Behandlungswochenweitgehend erhalten, während die Ergebnisse der Wirksamkeitsmessungen bei Vamorolon2 mg/kg/Tag mit einem Rückgang der relevanten funktionalen Ergebnisparameter, d. h. TTSTAND-
Geschwindigkeit und der 6MWT, in Woche 48 ein eher uneinheitliches Bild zeigten und klinischsignifikante Unterschiede im Vergleich zu Vamorolon 6 mg/kg/Tag festgestellt wurden, wobei der
NSAA-Score nur geringfügig zurückging.
Bei Patienten, die während der Studie 1 von Prednison 0,75 mg/kg/Tag in Phase 1 auf Vamorolon6 mg/kg/Tag in Phase 2 umgestellt wurden, schien der Nutzen in Bezug auf diese Endpunkte dermotorischen Funktion erhalten zu bleiben, während bei Patienten, die auf Vamorolon 2 mg/kg/Tagumgestellt wurden, ein Rückgang beobachtet wurde.
Bei Studienbeginn lag die Körpergröße der Kinder in den Vamorolon-Gruppen niedriger (im Median -0,74 SD und -1,04 SD im z-Score der Körpergröße für 2 mg/kg/Tag bzw. 6 mg/kg/Tag) als bei
Kindern, die Placebo (-0,54 SD) oder Prednison 0,75 mg/kg/Tag (-0,56 SD) erhielten. Die
Veränderung der Körpergrößen-Perzentile und der z-Scores der Körpergröße war bei Kindern, dieüber 24 Wochen mit Vamorolon oder Placebo behandelt wurden, ähnlich, während sie sich mit
Prednison rückläufig entwickelte. Die Körpergrößen-Perzentile und z-Scores entwickelten sichdagegen während des 48-wöchigen Studienzeitraums in Studie 1 mit Vamorolon nicht rückläufig. Die
Endpunkt (Vergleich)
Umstellung von Prednison nach 24 Wochen in Phase 1 auf Vamorolon in Phase 2 führte bis zu
Woche 48 zu einem Anstieg von Mittelwert und Median des z-Scores.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionVamorolon wird gut resorbiert und verteilt sich schnell in die Gewebe. Nach oraler Anwendungzusammen mit Nahrung beträgt die mediane tmax etwa 2 Stunden (tmax-Bereich 0,5 bis 5 Stunden).
Auswirkungen von Nahrung
Bei gleichzeitiger Einnahme von Vamorolon mit einer Mahlzeit verringerte sich Cmax. um bis zu 8 %und verzögerte tmax um eine Stunde im Vergleich zur Einnahme auf nüchternen Magen. Die anhandder AUC gemessene systemische Gesamtresorption wurde um bis zu 14 % erhöht, wenn Vamorolonzusammen mit Nahrung eingenommen wurde. Die beobachteten Unterschiede bei der Resorptionführen nicht zu klinisch relevanten Unterschieden bei der Exposition; daher kann Vamorolon entwedermit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
VerteilungDas scheinbare Verteilungsvolumen von Vamorolon für einen Patienten mit DMD mit einem
Körpergewicht von 20 kg, der mit Vamorolon behandelt wird, beträgt 28,5 l basierend auf derpopulationspharmakokinetischen Analyse. Die Proteinbindung liegt bei 88,1 % in vitro. Das Blut-
Plasma-Verhältnis beträgt etwa 0,87.
BiotransformationVamorolon wird über mehrere Phase-I- und Phase-II-Wege metabolisiert, wie z. B. Glucuronidierung,
Hydroxylierung und Reduktion. Die wichtigsten Plasma- und Urinmetaboliten werden durch direkte
Glucuronidierung sowie durch Hydrierung mit anschließender Glucuronidierung gebildet. Die
Beteiligung bestimmter UGT- und CYP-Enzyme an der Metabolisierung von Vamorolon wurde nichtschlüssig nachgewiesen.
EliminationDer Haupteliminationsweg erfolgt durch Metabolisierung mit anschließender Ausscheidung der
Metaboliten in Urin und Fäzes. Die Vamorolon-Clearance für einen Patienten mit DMD mit einem
Körpergewicht von 20 kg, der Vamorolon einnimmt, beträgt basierend auf derpopulationspharmakokinetischen Analyse 58 l/h. Die terminale Eliminationshalbwertszeit von
Vamorolon bei Kindern mit DMD beträgt etwa 2 Stunden.
Etwa 30 % der Vamorolon-Dosis werden mit den Fäzes ausgeschieden (15,4 % unverändert) und 57 %der Vamorolon-Dosis werden als Metaboliten im Urin ausgeschieden (< 1 % unverändert). Diewichtigsten Metaboliten im Urin sind Glucuronide.
Linearität/Nicht-LinearitätDie PK ist linear, und die Vamorolon-Exposition steigt mit Einzel- oder Mehrfachdosen proportionalan. Vamorolon akkumuliert nicht bei wiederholter Anwendung.
Besondere PatientengruppenEingeschränkte LeberfunktionDie Wirkung von Vamorolon bei mittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse B) wurdeam Menschen untersucht. Die Cmax- und AUC0inf-Werte von Vamorolon waren bei Patienten mitmittelschwerer Leberfunktionsstörung im Vergleich zu gesunden Erwachsenen mit entsprechendem
Alter, Gewicht und Geschlecht um das 1,7- bzw. 2,6-Fache erhöht. Die AGAMREE-Dosis sollte bei
Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung mit einem Körpergewicht von bis zu 40 kg auf2 mg/kg/Tag und bei Patienten mit einem Körpergewicht ab 40 kg auf 80 mg reduziert werden.
Auf der Grundlage der verfügbaren Daten verhält sich der Anstieg der Vamorolon-Expositionproportional zum Schweregrad der Leberfunktionsstörung. Bei Patienten mit leichter
Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse A) ist keine signifikante Erhöhung der Exposition zuerwarten, weshalb keine Dosisanpassung empfohlen wird.
Es liegen keine Erfahrungen mit Vamorolon bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-
Pugh-Klasse C) vor, und Vamorolon darf bei diesen Patienten nicht angewendet werden (siehe
Abschnitt 4.3).
NierenfunktionsstörungEs liegen keine klinischen Erfahrungen mit Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion vor.
Vamorolon wird nicht unverändert über die Niere ausgeschieden, und eine Erhöhung der Expositionaufgrund einer Nierenfunktionsstörung wird als unwahrscheinlich erachtet.
Transporter-vermittelte Wechselwirkungen
Vamorolon ist kein Inhibitor von P-gp, BCRP, OATP1B1, OATP1B3, OCT2, OAT1, MATE1 oder
BSEP. Vamorolon weist in vitro eine schwache Hemmung von OAT3- und MATE2-K-Transporternauf. Vamorolon ist kein Substrat von P-gp, BCRP, OATP1A2, OATP1B1, OATP1B3, OCT2, OAT1,
OAT3, MATE1, MATE2-K oder BSEP.
Kinder und JugendlicheIm Steady-State wurden das geometrische Mittel Cmax und die geometrische mittlere AUC von
Vamorolon bei Kindern (im Alter von 4 bis 7 Jahren) nach Anwendung von 6 mg/kg Vamorolontäglich anhand der Populationspharmakokinetik auf 1200 ng/ml (VK %=26,8) bzw. 3650 ng/ml.hgeschätzt.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Toxizität bei wiederholter GabeDie wiederholte Gabe von Vamorolon führte bei Mäusen und Hunden zu einem vorübergehenden
Anstieg von Triglyceriden und Cholesterin sowie von Leberenzymen. Eine fokale
Leberentzündung/Nekrose, die bei beiden Spezies beobachtet wurde, könnte sich als Folge einerhepatozellulären Hypertrophie und Vakuolisierung mit Glykogen- und Lipidakkumulationenentwickelt haben, die wahrscheinlich eine Stimulation der Glukoneogenese widerspiegeln.
Eine Langzeitanwendung von Vamorolon verursachte bei Mäusen und Hunden auch eine
Nebennierenrindenatrophie, die auf die bekannte Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-
Nebennierenrinden-Achse durch Glukokortikoide zurückzuführen ist.
Die primäre entzündungshemmende Wirkung von Vamorolon war auch für eine leichte bis mäßige
Lymphozytendepletion in Milz, Thymus und Lymphknoten beider Arten verantwortlich. Dieunerwünschten Leber- und Nebennierenbefunde und die lymphoiden Veränderungen bei Mäusen und
Hunden entwickelten sich ohne AUC-basierte Sicherheitsmargen zur MRHD.
Genotoxizität und KanzerogenitätIn den Standardtests ergaben sich keine Hinweise auf ein genotoxisches Potenzial von Vamorolon. Eswurden keine Kanzerogenitätsstudien mit Vamorolon durchgeführt, aber das Fehlen präneoplastischer
Läsionen in Langzeittoxizitätsstudien und die Erfahrungen mit anderen Glukokortikoiden lassen nichtauf ein spezifisch kanzerogenes Potenzial schließen.
Reproduktions- und EntwicklungstoxizitätEs wurden keine Standardstudien zur Reproduktions- und Entwicklungstoxizität durchgeführt. In der
Studie zur chronischen Toxizität an Mäusen hatte Vamorolon keine negativen Auswirkungen auf die
Entwicklung von Spermien und Reproduktionsgeweben. Nach chronischer Verabreichung bei Hundenwurden in den Hoden unvollständig reversible Spermatozyt-/Spermatiddegenerationen beobachtet, diezu Oligospermie und Keimzellresten in Epididymiden führten. Darüber hinaus waren die
Prostatadrüsen verkleinert und enthielten weniger Sekret.
Bei weiblichen Tieren führte die wiederholte Langzeitanwendung bei Hunden zusätzlich zu einerteilweise reversiblen bilateralen Abwesenheit der Corpora lutea in den Eierstöcken. Die Hemmungder männlichen und weiblichen Fertilität ist auf die bekannte Interferenz der Langzeit-Glukokortikoid-
Behandlung mit der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse zurückzuführen und entwickelte sichohne AUC-basierte Sicherheitsmarge zu Menschen bei der MRHD.
Toxizität bei Jungtieren
Die Hauptzielorgane von Vamorolon bei männlichen und weiblichen juvenilen Mäusen überschneidensich mit denen erwachsener Mäuse, wie z. B. Nebennierenrindenatrophie und Vamorolon-assoziierteunerwünschte hepatozelluläre Degeneration/Nekrose.
Vamorolon-bedingte Wirkungen, die ausschließlich bei jungen Mäusen beobachtet wurden, wareneine nichtschädliche Verringerung der Tibia- und Körperlängen bei männlichen und weiblichen Tierenund wurden auf die Induktion eines langsameren Wachstums zurückgeführt. Darüber hinaus wurde beiweiblichen Tieren eine azinäre Zellhypertrophie der mandibulären Speicheldrüsen festgestellt.
Während Wachstumsverzögerung eine bekannte Wirkung im Zusammenhang mit der Glukokortikoid-
Behandlung bei Kindern ist, ist die Relevanz der Speicheldrüsenbefunde für Kinder nicht bekannt.
Beim NOAEL-Wert (No observed adverse effect level) für die allgemeine Toxizität bei männlichenund weiblichen Jungmäusen gibt es keine Sicherheitsmarge in Bezug auf die Exposition des Menschenbei der MRHD.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Citronensäure-Monohydrat (E 330)
Natriummonohydrogenphosphat (E 339)
Glycerol (E 422)
Orangen-Aroma
Gereinigtes Wasser
Natriumbenzoat (E 211)
Sucralose (E 955)
Xanthangummi (E 415)
Salzsäure 10 % (zur pH-Wert-Einstellung)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
Vor Anbruch3 Jahre.
Nach Anbruch3 Monate.
Aufrecht stehend im Kühlschrank (2°C - 8°C) lagern.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind bezüglich der Temperatur keine besonderen Lagerungsbedingungenerforderlich.
Aufbewahrungsbedingungen nach Anbruch des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Bernsteinfarbene Glas-Flasche mit 100 ml Suspension zum Einnehmen mit einem kindergesicherten
Verschluss aus Polypropylen mit Manipulationssicherung und einer Einlage aus Polyethylen niedriger
Dichte.
Jede Packung enthält eine Flasche, einen Flaschenadapter zum Eindrücken (Polyethylen niedriger
Dichte) und zwei identische Applikationsspritzen für Zubereitungen zum Einnehmen (Polyethylenniedriger Dichte) mit einer Skalierung von 0 bis 8 ml in Schritten von 0,1 ml.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
Jede mit AGAMREE mitgelieferte Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen kann bis zu45 Tage lang verwendet werden.
Verwendung mit einer enteralen Ernährungssonde:
AGAMREE kann über eine enterale Ernährungssonde (12-24 Fr) ohne Änderung oder Verdünnungder üblich verordneten Dosis verabreicht werden. AGAMREE sollte nicht mit der Ernährungslösungoder anderen Produkten gemischt werden. Die Ernährungssonde sollte vor und nach der
Verabreichung von AGAMREE mit mindestens 20 ml Wasser gespült werden.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH
Marie-Curie-Straße 8
D-79539 Lörrach
DEUTSCHLANDoffice@santhera.com
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 14 Dezember 2023
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.
ANLAGE II
A. HERSTELLER, DER (DIE) FÜR DIE CHARGENFREIGABE
VERANTWORTLICH IST (SIND)
B. BEDINGUNGEN ODER EINSCHRÄNKUNGEN FÜR DIE
ABGABE UND DEN GEBRAUCH
C. SONSTIGE BEDINGUNGEN UND AUFLAGEN DER
GENEHMIGUNG FÜR DAS INVERKEHRBRINGEN
D. BEDINGUNGEN ODER EINSCHRÄNKUNGEN FÜR DIE
SICHERE UND WIRKSAME ANWENDUNG DES
ARZNEIMITTELS
A. HERSTELLER, DER (DIE) FÜR DIE CHARGENFREIGABE VERANTWORTLICH
IST (SIND)
Name und Anschrift des/der Hersteller(s), der/die für die Chargenfreigabe verantwortlich ist/sind
Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH
Marie-Curie-Straße 8
D-79539 Lörrach
DEUTSCHLAND
B. BEDINGUNGEN ODER EINSCHRÄNKUNGEN FÜR DIE ABGABE UND
ANWENDUNG
Arzneimittel auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung (siehe Anhang I: Zusammenfassung der
Merkmale des Arzneimittels, Abschnitt 4.2).
C. SONSTIGE BEDINGUNGEN UND AUFLAGEN DER GENEHMIGUNG FÜR DAS
INVERKEHRBRINGEN
* Regelmäßig aktualisierte Unbedenklichkeitsberichte [Periodic Safety Update Reports(PSURs)]
Die Anforderungen an die Einreichung von PSURs für dieses Arzneimittel sind in der nach
Artikel 107 c Absatz 7 der Richtlinie 2001/83/EG vorgesehenen und im europäischen
Internetportal für Arzneimittel veröffentlichten Liste der in der Union festgelegten Stichtage(EURD-Liste) - und allen künftigen Aktualisierungen - festgelegt.
D. BEDINGUNGEN ODER EINSCHRÄNKUNGEN FÜR DIE SICHERE UND
WIRKSAME ANWENDUNG DES ARZNEIMITTELS
* Risikomanagement-Plan (RMP)
Der Inhaber der Genehmigung für das Inverkehrbringen (MAH) führt die notwendigen, imvereinbarten RMP beschriebenen und in Modul 1.8.2 der Zulassung dargelegten
Pharmakovigilanzaktivitäten und Maßnahmen sowie alle künftigen vereinbarten
Aktualisierungen des RMP durch.
Ein aktualisierter RMP ist einzureichen:
* nach Aufforderung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur;
* jedes Mal, wenn das Risikomanagement-System geändert wird, insbesondere infolge neuereingegangener Informationen, die zu einer wesentlichen Änderung des Nutzen-Risiko-
Verhältnisses führen können oder infolge des Erreichens eines wichtigen Meilensteins (in
Bezug auf Pharmakovigilanz oder Risikominimierung).
* Zusätzliche Maßnahmen zur Risikominimierung
Patientenkarte zur sicheren Anwendung
Dieser Patient steht unter Langzeitbehandlung mit AGAMREE (Vamorolon), einem dissoziativen
Kortikosteroid zur Langzeitbehandlung von Duchenne-Muskeldystrophie, und ist daher physischangewiesen auf die tägliche Steroidtherapie als kritisches Arzneimittel.
Bei Unwohlsein des Patienten (übermäßige Ermüdung, unerwartete Schwäche, Erbrechen, Durchfall,
Schwindel oder Verwirrtheitszustände) ist eine akute Nebenniereninsuffizienz oder eine
Nebennierenkrise in Betracht zu ziehen.