Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels ZELBORAF 240mg filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Zelboraf 240 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Tablette enthält 240 mg Vemurafenib (als Kopräzipitat von Vemurafenib und
Hypromelloseacetatsuccinat).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette (Tablette).
Hellrosa bis hellorange, ovale, bikonvexe, ca. 19 mm lange Filmtabletten mit der Prägung 'VEM“ aufeiner Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Vemurafenib ist angezeigt als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit
BRAF-V600 Mutation-positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom (siehe
Abschnitt 5.1).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Vemurafenib soll von einem qualifizierten, in der Anwendung vonantineoplastischen Arzneimitteln erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden.
Vor der Einnahme von Vemurafenib muss bei Patienten ein BRAF-V600 Mutation-positiver
Tumorstatus durch einen validierten Test nachgewiesen worden sein (siehe Abschnitte 4.4 und5.1).
DosierungDie empfohlene Dosis von Vemurafenib beträgt 960 mg (4 Tabletten à 240 mg) zweimal täglich(entsprechend einer Tagesgesamtdosis von 1 920 mg). Vemurafenib kann mit oder ohne
Nahrung eingenommen werden, aber eine dauerhafte Einnahme beider täglicher Dosen aufleeren Magen sollte vermieden werden (siehe Abschnitt 5.2).
Dauer der BehandlungDie Behandlung mit Vemurafenib soll bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreteninakzeptabler Toxizitäten fortgeführt werden (siehe Tabellen 1 und 2).
Vergessene DosenEine vergessene Dosis kann bis zu 4 Stunden vor der nächsten Dosis eingenommen werden, um daszweimal tägliche Einnahmeschema beizubehalten. Beide Dosen sollen nicht zeitgleicheingenommen werden.
ErbrechenBei Erbrechen nach Gabe von Vemurafenib soll der Patient keine zusätzliche Dosis des Arzneimittelseinnehmen, sondern die Behandlung wie gewohnt fortsetzen.
DosisanpassungenDie Behandlung von Nebenwirkungen oder einer QTc-Verlängerung kann eine Dosisreduktion, einevorübergehende Unterbrechung und/oder einen Behandlungsabbruch erforderlich machen (siehe
Tabellen 1 und 2). Dosisanpassungen auf eine Dosis von weniger als 480 mg zweimal täglichwerden nicht empfohlen.
Für den Fall, dass der Patient ein kutanes Plattenepithelkarzinom (cuSCC) entwickelt, wirdempfohlen, die Behandlung ohne Veränderung der Vemurafenib-Dosis fortzuführen (siehe
Abschnitte 4.4 und 4.8).
Tabelle 1: Schema für die Dosisanpassung, basierend auf dem Grad der Nebenwirkungen
Grad (CTC-AE) (a) Empfohlene Dosisanpassung
Grad 1 oder Grad 2 (tolerierbar) Vemurafenib-Dosierung von 960 mg zweimal täglichbeibehalten.
Grad 2 (nicht tolerierbar) oder
Grad 3
Erstes Auftreten von Grad-2- oder Unterbrechung der Behandlung, bis Grad 0 - 1 vorliegt.
- 3-Nebenwirkungen Wiederaufnahme der Dosierung mit 720 mg zweimaltäglich (oder 480 mg zweimal täglich, wenn die
Dosis bereits reduziert wurde).
Zweites Auftreten von Grad-2- Unterbrechung der Behandlung bis Grad 0 - 1 vorliegt.oder -3-Nebenwirkungen oder Wiederaufnahme der Dosierung mit 480 mg zweimalbei Fortbestehen nach täglich (oder dauerhaftes Abbrechen, wenn die Dosis
Behandlungsunterbrechung bereits auf 480 mg zweimal täglich reduziert wurde).
Drittes Auftreten von Grad-2- Behandlung dauerhaft abbrechen.oder -3-Nebenwirkungen oder
Fortbestehen nach der zweiten
DosisreduktionGrad 4
Erstes Auftreten von Grad-4- Behandlung dauerhaft abbrechen oder unterbrechen, bis
Nebenwirkungen Grad 0 - 1 vorliegt.
Wiederaufnahme der Dosierung mit 480 mg zweimaltäglich (oder dauerhaftes Abbrechen, wenn die Dosisbereits auf 480 mg zweimal täglich reduziert wurde).
Zweites Auftreten von Grad-4- Behandlung dauerhaft abbrechen.
Nebenwirkungen oder
Fortbestehen von Grad-4-
Nebenwirkungen nach derersten Dosisreduktion(a) Die Intensität klinischer Nebenwirkungen klassifiziert durch die Common Terminology Criteria for Adverse
Events v4.0 (CTC-AE).
Eine expositionsabhängige QTc-Verlängerung wurde in einer unkontrollierten, offenen Phase-II-
Studie bei vorbehandelten Patienten mit metastasiertem Melanom beobachtet. Die Behandlungeiner QTc-Verlängerung kann bestimmte Überwachungsmaßnahmen erfordern (siehe
Abschnitt 4.4).
Tabelle 2: Schema für die Dosisanpassung, basierend auf dem QT-Intervall
QTc-Wert Empfohlene Dosisanpassung
QTc > 500 ms (Ausgangswert) Behandlung nicht empfohlen.
Anstieg der QTc einerseits auf > 500 ms und Behandlung dauerhaft abbrechen.
andererseits Abweichung von > 60 ms zuden Werten vor der Behandlung
Erstes Auftreten von QTc > 500 ms während der Vorübergehende Unterbrechung der
Behandlung und Fortbestehen der Behandlung, bis QTc unter 500 ms sinkt.
Abweichung von < 60 ms zu den Werten Siehe Überwachungsmaßnahmen imvor der Behandlung Abschnitt 4.4.
Wiederaufnahme der Dosierung mit 720 mgzweimal täglich (oder 480 mg zweimaltäglich, wenn die Dosis bereits reduziertwurde).
Zweites Auftreten von QTc > 500 ms während Vorübergehende Unterbrechung derder Behandlung und Fortbestehen der Behandlung, bis QTc unter 500 ms sinkt.
Abweichung von < 60 ms zu den Werten Siehe Überwachungsmaßnahmen imvor der Behandlung Abschnitt 4.4.
Wiederaufnahme der Dosierung mit 480 mgzweimal täglich (oder dauerhaftes
Abbrechen, wenn die Dosis bereits auf480 mg zweimal täglich reduziert wurde).
Drittes Auftreten von QTc > 500 ms während Behandlung dauerhaft abbrechen.der Behandlung und Fortbestehen der
Abweichung von < 60 ms zu den Wertenvor der Behandlung
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenBei Patienten im Alter von > 65 Jahren ist keine spezielle Dosisanpassung erforderlich.
NierenfunktionsstörungenBei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen liegen begrenzte Daten vor. Bei Patienten mit schweren
Nierenfunktionsstörungen kann das Risiko einer erhöhten Exposition nicht ausgeschlossenwerden. Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung sollen engmaschig überwacht werden(siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
LeberfunktionsstörungenBei Patienten mit Leberfunktionsstörungen liegen begrenzte Daten vor. Da Vemurafenib über die
Leber ausgeschieden wird, können Patienten mit mittleren bis schweren
Leberfunktionsstörungen eine erhöhte Exposition haben und sollen engmaschig überwachtwerden (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Vemurafenib bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren istbisher nicht erwiesen. Zurzeit vorliegende Daten werden in den Abschnitten 4.8, 5.1 und 5.2beschrieben; eine Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.
Nicht-kaukasische Patienten
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Vemurafenib bei nicht-kaukasischen Patienten ist nicht erwiesen.
Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungVemurafenib ist zum Einnehmen. Die Tabletten müssen als Ganzes und mit Wasser geschlucktwerden. Sie dürfen nicht zerkaut oder zerdrückt werden.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Bevor mit der Anwendung von Vemurafenib begonnen wird, muss für die Patienten ein durch einenvalidierten Test bestätigter BRAF-V600 Mutation-positiver Tumorstatus vorliegen. Die
Wirksamkeit und Sicherheit von Vemurafenib wurden bei Patienten mit Tumoren, die seltene
BRAF-V600 Mutationen, andere als V600E und V600K, exprimieren, nicht ausreichenduntersucht (siehe Abschnitt 5.1). Vemurafenib soll bei Patienten mit malignem Melanom vom
BRAF-Wildtyp nicht angewendet werden.
ÜberempfindlichkeitsreaktionenSchwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen, darunter Anaphylaxie, sind in Verbindung mit
Vemurafenib berichtet worden (siehe Abschnitte 4.3 und 4.8). Schwere
Überempfindlichkeitsreaktionen können Stevens-Johnson-Syndrom, generalisierten Ausschlag,
Erythem oder Hypotonie mit einschließen. Bei Patienten mit schweren
Überempfindlichkeitsreaktionen soll die Behandlung mit Vemurafenib dauerhaft abgebrochenwerden.
Dermatologische ReaktionenIn der klinischen Pivotalstudie wurden bei Patienten unter Vemurafenib-Behandlung schweredermatologische Reaktionen berichtet, einschließlich seltener Fälle des
Stevens-Johnson-Syndroms und toxische epidermale Nekrolyse. Nach der Markteinführungwurden unter der Anwendung von Vemurafenib Fälle von Arzneimittelausschlag mit
Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom) berichtet (siehe Abschnitt 4.8).
Bei Patienten, bei denen eine schwere dermatologische Nebenwirkung auftritt, soll die
Behandlung mit Vemurafenib dauerhaft abgebrochen werden.
Potenzierung von Strahlenschäden
Bei Patienten, die vor, während oder unmittelbar nach der Behandlung mit Vemurafenib eine
Strahlentherapie erhielten, wurden Fälle von Radiation-Recall und Strahlensensibilisierungberichtet. Die meisten Fälle betrafen die Haut, aber einige Fälle mit Beteiligung viszeraler
Organe hatten einen tödlichen Verlauf (siehe Abschnitte 4.5 und 4.8).
Vemurafenib sollte bei gleichzeitiger oder sequenzieller Strahlentherapie mit Vorsicht angewendetwerden.
QT-VerlängerungIn einer unkontrollierten, offenen Phase-II-Studie mit zuvor behandelten Patienten mit metastasiertem
Melanom sind expositionsabhängige QT-Verlängerungen beobachtet worden (siehe
Abschnitt 4.8). Eine QT-Verlängerung kann zu einem erhöhten Risiko ventrikulärer
Arrhythmien, einschließlich Torsade de pointes, führen. Eine Behandlung mit Vemurafenibwird nicht empfohlen bei Patienten mit nicht behebbaren Störungen des Elektrolythaushalts(einschließlich Magnesium), Long-QT-Syndrom oder bei Patienten, die Arzneimitteleinnehmen, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern.
Vor einer Behandlung mit Vemurafenib, nach einem Monat der Behandlung und nach einer
Dosisänderung müssen bei allen Patienten das Elektrokardiogramm (EKG) und die Elektrolyte(einschließlich Magnesium) überwacht werden. Während der ersten drei Behandlungsmonatewerden, insbesondere bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Leberfunktionsstörung, weitere
Überwachungen monatlich empfohlen, danach alle drei Monate oder, je nach klinischer
Indikation, öfter. Bei Patienten mit einer QTc > 500 Millisekunden (ms) wird ein
Behandlungsbeginn mit Vemurafenib nicht empfohlen. Falls die QTc während der Behandlung500 ms übersteigt, soll die Behandlung mit Vemurafenib vorübergehend unterbrochen,
Störungen des Elektrolythaushalts (einschließlich Magnesium) korrigiert und kardiale
Risikofaktoren für eine QT-Verlängerung (wie z. B. kongestive Herzinsuffizienz,
Bradyarrhythmien) kontrolliert werden. Sobald die QTc unter 500 ms sinkt, soll die Behandlungmit einer niedrigeren Dosis, wie in Tabelle 2 beschrieben, wieder aufgenommen werden. Eindauerhafter Abbruch der Vemurafenib-Behandlung wird empfohlen, wenn die QTc sowohl auf
Werte > 500 ms steigt als auch > 60 ms von den Werten vor der Behandlung abweicht.
Ophthalmologische Reaktionen
Schwere ophthalmologische Reaktionen, einschließlich Uveitis, Iritis und retinaler Venenverschluss,sind berichtet worden. Die Patienten sollen routinemäßig auf ophthalmologische Reaktionenüberwacht werden.
Kutanes Plattenepithelkarzinom (cuSCC)
Bei mit Vemurafenib behandelten Patienten sind Fälle von cuSCC berichtet worden (darunter solche,die als Keratoakanthom oder gemischter Keratoakanthom-Subtyp klassifiziert werden) (siehe
Abschnitt 4.8).
Es wird empfohlen, bei allen Patienten vor Beginn der Therapie eine dermatologische Untersuchungdurchzuführen und sie im Verlauf der Behandlung routinemäßig zu überwachen. Jedeverdächtige Hautläsion soll operativ entfernt, zur dermatopathologischen Untersuchungeingeschickt und nach lokalem Pflegestandard behandelt werden. Der verschreibende Arzt sollden Patienten während und bis zu 6 Monate nach der Behandlung monatlich auf cuSCCuntersuchen. Bei Patienten, die cuSCC entwickeln, wird empfohlen, die Behandlung ohne
Dosisanpassung fortzuführen. Die Überwachung soll nach Beendigung der Behandlung mit
Vemurafenib noch 6 Monate oder bis zur Einleitung einer anderen antineoplastischen Therapiefortgeführt werden. Die Patienten sollen angewiesen werden, ihre Ärzte über das Auftretenjeglicher Hautveränderungen zu informieren.
Nicht-kutanes Plattenepithelkarzinom (nicht-cuSCC)
Fälle von nicht-cuSCC sind in klinischen Studien berichtet worden, in denen Patienten Vemurafeniberhalten haben. Patienten sollen vor Behandlungsbeginn und alle 3 Monate im Verlauf der
Behandlung einer Kopf- und Halsuntersuchung unterzogen werden, die mindestens eine visuelle
Überprüfung der Mundschleimhaut und das Abtasten der Lymphknoten beinhaltet. Außerdemsoll bei den Patienten vor der Behandlung und alle 6 Monate im Verlauf der Behandlung eine
Computertomographie (CT) des Thorax durchgeführt werden.
Anale Untersuchungen und Untersuchungen des Beckens (bei Frauen) werden vor und bei Beendigungder Behandlung oder wenn klinisch indiziert empfohlen.
Nach Beendigung der Behandlung mit Vemurafenib soll die Überwachung auf nicht-cuSCC bis zu6 Monate oder bis zur Einleitung einer anderen antineoplastischen Therapie fortgesetzt werden.
Abnorme Befunde sollen gemäß klinischer Praxis behandelt werden.
Neue primäre Melanome
In klinischen Studien wurden neue Fälle von primären Melanomen berichtet. Diese Fälle wurdendurch Exzision behandelt und die Patienten setzten die Behandlung ohne Dosisanpassung fort.
Eine Überwachung auf Hautläsionen soll, wie weiter oben für das kutane
Plattenepithelkarzinom beschrieben, erfolgen.
Andere Tumore
Vemurafenib kann aufgrund seines Wirkmechanismus eine Progression von Krebserkrankungenverursachen, die mit RAS-Mutationen in Verbindung stehen (siehe Abschnitt 4.8). Bei Patientenmit einer vorherigen oder gleichzeitig bestehenden Krebserkrankung, die mit einer RAS-
Mutation in Verbindung steht, müssen Nutzen und Risiken vor der Anwendung von
Vemurafenib sorgfältig abgewogen werden.
PankreatitisBei mit Vemurafenib behandelten Patienten wurde von Pankreatitis berichtet. Ungeklärte
Abdominalschmerzen sollten daher umgehend untersucht werden (einschließlich Messung von
Amylase und Lipase im Serum). Patienten, die die Behandlung mit Vemurafenib nach einer
Pankreatitis wieder aufnehmen, sollten engmaschig überwacht werden.
LeberschädigungUnter der Behandlung mit Vemurafenib wurden Leberschäden, darunter Fälle von schweren
Leberschäden, berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Leberenzyme (Transaminasen und alkalische
Phosphatase) und Bilirubin sollen vor Behandlungsbeginn gemessen und während der
Behandlung jeden Monat, oder je nach klinischer Indikation, überwacht werden. Auffällige
Laborwerte sollen durch Dosisreduktion, Behandlungsunterbrechung oder Behandlungsabbruchbehandelt werden (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).
Nierenschäden
Unter der Anwendung von Vemurafenib wurden Nierenschäden berichtet, die von Erhöhungen der
Serum-Kreatininwerte bis zu akuter interstitieller Nephritis und akuter tubulärer Nekrosereichten. Die Serum-Kreatininwerte sollen vor Behandlungsbeginn gemessen und während der
Behandlung, je nach klinischer Indikation, überwacht werden (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).
LeberfunktionsstörungBei Patienten mit Leberfunktionsstörung ist keine Anpassung der Anfangsdosis notwendig. Patientenmit durch Lebermetastasen bedingter leichter Leberfunktionsstörung ohne Hyperbilirubinämiekönnen nach den allgemeinen Empfehlungen überwacht werden. Bei Patienten mit mäßiger bisschwerer Leberfunktionsstörung liegen nur sehr begrenzte Daten vor. Patienten mit mäßiger bisschwerer Leberfunktionsstörung können eine erhöhte Exposition haben (siehe Abschnitt 5.2).
Eine engmaschige Überwachung ist daher insbesondere nach den ersten Behandlungswochenerforderlich, da eine Akkumulation über einen verlängerten Zeitraum (mehrere Wochen)auftreten kann. Zusätzlich wird während der ersten drei Monate empfohlen, jeden Monat eine
Überwachung mittels EKG durchzuführen.
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit leichter oder mäßiger Nierenfunktionsstörung ist keine Anpassung der Anfangsdosisnotwendig. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung liegen nur begrenzte Daten vor(siehe Abschnitt 5.2). Vemurafenib soll bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungennur mit Vorsicht angewendet werden und die Patienten sollen engmaschig überwacht werden.
LichtempfindlichkeitBei Patienten, die Vemurafenib in klinischen Studien erhielten, wurde leichte bis schwere
Lichtempfindlichkeit berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Alle Patienten sollen angewiesen werden,während der Einnahme von Vemurafenib Sonnenexposition zu vermeiden. Während der
Einnahme des Arzneimittels sollen Patienten dazu angehalten werden, schützende Kleidung zutragen und eine Sonnencreme mit hohem UVA/UVB-Lichtschutzfaktor sowie einen
Lippenschutz (Lichtschutzfaktor ≥ 30) zu verwenden, um sich im Freien gegen Sonnenbrand zuschützen.
Bei Grad 2 (nicht tolerierbarer) oder höherer Lichtempfindlichkeit werden Dosisanpassungenempfohlen (siehe Abschnitt 4.2).
Dupuytren-Kontraktur und Fibromatose der Plantarfaszie (Morbus Ledderhose)
Unter Anwendung von Vemurafenib wurde das Auftreten von Dupuytren-Kontraktur und Fibromatoseder Plantarfaszie (Morbus Ledderhose) berichtet. Dabei handelte es sich mehrheitlich um leichtebis mittelschwere Fälle, jedoch wurden auch schwere, bis hin zur Behinderung führende
Verlaufsformen der Dupuytren-Kontraktur berichtet (siehe Abschnitt 4.8).
Die Ereignisse sind durch Dosisreduktion, Therapieunterbrechung oder Absetzen der Therapie zubehandeln (siehe Abschnitt 4.2).
Wirkungen von Vemurafenib auf andere Arzneimittel
Vemurafenib kann die Plasmaverfügbarkeit von vorwiegend über CYP1A2 metabolisierten
Arzneimitteln erhöhen und die Plasmaverfügbarkeit von vorwiegend über CYP3A4metabolisierten Arzneimitteln verringern. Die gleichzeitige Anwendung von Vemurafenib und
Wirkstoffen, die über CYP1A2 und CYP3A4 metabolisiert werden und eine geringetherapeutische Breite aufweisen, wird nicht empfohlen. Dosisanpassungen für vorwiegend über
CYP1A2 oder CYP3A4 metabolisierte Arzneimittel sollen auf Grundlage der jeweiligentherapeutischen Fenster vor der gleichzeitigen Behandlung mit Vemurafenib in Betrachtgezogen werden (siehe Abschnitte 4.5 und 4.6).
Bei gleichzeitiger Gabe von Vemurafenib und Warfarin ist Vorsicht geboten und ein zusätzliches INR(International Normalized Ratio)-Monitoring zu erwägen.
Vemurafenib kann die Plasmaverfügbarkeit von Arzneimitteln erhöhen, die zu den P-gp-Substratengehören. Vorsicht ist daher geboten, wenn Vemurafenib gleichzeitig mit P-gp-Substratenangewendet wird. Eine Dosisreduktion und/oder eine zusätzliche Überwachung der Blutspiegelvon Arzneimitteln, die P-gp-Substrate mit einem niedrigen therapeutischen Index (NTI) sind(z. B. Digoxin, Dabigatranetexilat, Aliskiren), sollte in Erwägung gezogen werden, wenn diese
Arzneimittel gleichzeitig mit Vemurafenib angewendet werden (siehe Abschnitt 4.5).
Wirkung anderer Arzneimittel auf Vemurafenib
Die gleichzeitige Gabe von potenten Induktoren von CYP3A4, P-gp und einer Glucuronidierung (z. B.
Rifampicin, Rifabutin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut [Hypericin]) könnte zueiner verminderten Exposition von Vemurafenib führen und sollte nach Möglichkeit vermiedenwerden (siehe Abschnitt 4.5). Eine alternative Behandlung mit weniger induzierendem Potenzialsollte zur Erhaltung der Wirksamkeit von Vemurafenib in Betracht gezogen werden. Bei dergleichzeitigen Gabe von Vemurafenib und potenten CYP3A4- bzw. P-gp-Inhibitoren ist
Vorsicht geboten. Es muss eine sorgfältige Sicherheitsüberwachung der Patienten erfolgen und,wenn klinisch indiziert, die Dosis angepasst werden (siehe Tabelle 1 in Abschnitt 4.2).
Gleichzeitige Anwendung mit Ipilimumab
In einer Phase-I-Studie wurden bei gleichzeitiger Anwendung von Ipilimumab (3 mg/kg) und
Vemurafenib (960 mg zweimal täglich oder 720 mg zweimal täglich) asymptomatische
Erhöhungen 3. Grades von Transaminasen (ALT/AST > 5 x ULN) und Bilirubin(Gesamtbilirubin > 3 x ULN) berichtet. Basierend auf diesen vorläufigen Daten wird diegleichzeitige Anwendung von Ipilimumab und Vemurafenib nicht empfohlen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Wirkungen von Vemurafenib auf Wirkstoff-metabolisierende Enzyme
Die Ergebnisse einer in vivo durchgeführten Arzneimittel-Interaktionsstudie bei Patienten mitmetastasiertem Melanom zeigten, dass Vemurafenib ein moderater CYP1A2-Inhibitor und
CYP3A4-Induktor ist.
Die gleichzeitige Anwendung von Vemurafenib und Wirkstoffen, die über CYP1A2 metabolisiertwerden und die eine geringe therapeutische Breite aufweisen (z. B. Agomelatin, Alosetron,
Duloxetin, Melatonin, Ramelteon, Tacrin, Tizanidin, Theophyllin), wird nicht empfohlen. Kanneine gleichzeitige Anwendung nicht vermieden werden, sollte mit Vorsicht vorgegangenwerden, da Vemurafenib die Plasmaexposition von Wirkstoffen, die CYP1A2-Substrate sind,erhöhen kann. Falls klinisch indiziert, kann eine Dosisreduktion bei der begleitenden
Behandlung mit dem CYP1A2-Substrat-Arzneimittel in Betracht gezogen werden. Diegleichzeitige Anwendung von Vemurafenib erhöhte die Plasmaexposition (AUC) von Koffein(CYP1A2-Substrat) um das 2,6-Fache. In einer weiteren klinischen Studie führte Vemurafenibnach einer 2-mg-Einzeldosis Tizanidin (ein CYP1A2-Substrat) zu einem ungefähr 2,2-fachenbzw. 4,7-fachen Anstieg der Cmax und der AUC von Tizanidin.
Die gleichzeitige Anwendung von Vemurafenib und Wirkstoffen, die über CYP3A4 metabolisiertwerden und eine geringe therapeutische Breite aufweisen, wird nicht empfohlen. Kann einegleichzeitige Gabe nicht vermieden werden, muss berücksichtigt werden, dass Vemurafenib die
Plasmakonzentration von CYP3A4-Substraten verringern und dadurch deren Wirksamkeitbeeinträchtigen kann. Aus diesem Grund könnte die Wirksamkeit von Kontrazeptiva, die über
CYP3A4 metabolisiert und gleichzeitig mit Vemurafenib angewendet werden, verringert sein.
Dosisanpassungen von CYP3A4-Substraten mit engem therapeutischen Fenster können in
Betracht gezogen werden, sofern klinisch indiziert (siehe Abschnitte 4.4 und 4.6). In einerklinischen Studie verringerte die gleichzeitige Gabe von Vemurafenib die AUC von Midazolam(CYP3A4-Substrat) um durchschnittlich 39 % (maximaler Abfall bis zu 80 %).
In vitro wurde bei einer Vemurafenib-Konzentration von 10 µM eine leichte Induktion von CYP2B6beobachtet. Derzeit ist nicht bekannt, ob Vemurafenib bei einem Plasmaspiegel von 100 µM,der bei Patienten im Steady State (ungefähr 50 µg/ml) beobachtet wurde, möglicherweise die
Plasmakonzentrationen von gleichzeitig angewendeten CYP2B6-Substraten, wie z. B.
Bupropion, verringert.
Die gleichzeitige Gabe von Vemurafenib führte zu einer 18%igen Erhöhung der AUC von S-Warfarin(CYP2C9-Substrat). Bei gleichzeitiger Gabe von Vemurafenib und Warfarin ist Vorsichtgeboten und eine zusätzliche INR (international normalized ratio)-Überwachung zu erwägen(siehe Abschnitt 4.4).
Vemurafenib bewirkte in vitro eine moderate CYP2C8-Inhibition. Die in-vivo-Relevanz dieses
Ergebnisses ist nicht bekannt, aber ein Risiko für eine klinisch relevante Wirkung aufgleichzeitig verabreichte Substrate von CYP2C8 kann nicht ausgeschlossen werden. Beigleichzeitiger Anwendung von CYP2C8-Substraten mit geringer therapeutischer Breite ist
Vorsicht geboten, da Vemurafenib deren Plasmakonzentrationen erhöhen kann.
Da Vemurafenib eine lange Halbwertszeit hat, kann die komplette inhibitorische Wirkung auf eingleichzeitig angewendetes Arzneimittel möglicherweise erst nach einer 8-tägigen Behandlungmit Vemurafenib beobachtet werden.
Nach Beendigung der Behandlung mit Vemurafenib kann eine Auswaschzeit von mindestens 8 Tagennötig sein, um Wechselwirkungen mit einer nachfolgenden Behandlung zu vermeiden.
StrahlentherapieBei Patienten, die mit Vemurafenib behandelt wurden, wurde eine Potenzierung von
Strahlentherapieschäden berichtet (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8). In den meisten Fällenerhielten die Patienten Strahlentherapie-Dosen größer oder gleich 2 Gy/Tag (hypofraktionierte
Schemata).
Wirkungen von Vemurafenib auf Wirkstoff-Transportsysteme
In in vitro-Studien wurde nachgewiesen, dass Vemurafenib ein Inhibitor der Efflux-Transporter
P-Glykoprotein (P-gp) und Breast Cancer Resistance Protein (BCRP) ist.
Eine klinische Wechselwirkungsstudie zeigte, dass mehrfach oral verabreichte Dosen von
Vemurafenib (960 mg zweimal täglich) die Exposition einer oralen Einzeldosis des
P-gp-Substrats Digoxin erhöhten. AUClast und Cmax von Digoxin waren ca. 1,8- bzw. 1,5-facherhöht.
Vemurafenib sollte in Kombination mit P-gp-Substraten (z. B. Aliskiren, Ambrisentan, Colchicin,
Dabigatranetexilat, Digoxin, Everolimus, Fexofenadin, Lapatinib, Maraviroc, Nilotinib,
Posaconazol, Ranolazin, Sirolimus, Sitagliptin, Talinolol, Topotecan) mit Vorsicht angewendetwerden und eine Dosisreduktion des begleitenden Arzneimittels kann erwogen werden, soferndies klinisch indiziert ist. Eine zusätzliche Überwachung der Blutspiegel sollte für
P-gp-Substrate mit einem niedrigen therapeutischen Index (NTI) in Erwägung gezogen werden(z. B. Digoxin, Dabigatranetexilat, Aliskiren) (siehe Abschnitt 4.4).
Die Wirkungen von Vemurafenib auf Arzneimittel, die BCRP-Substrate sind, sind unbekannt. Es kannnicht ausgeschlossen werden, dass Vemurafenib die Exposition von Wirkstoffen erhöhen kann,die über BCRP transportiert werden (z. B. Methotrexat, Mitoxantron, Rosuvastatin). Viele
Arzneimittel gegen Krebs sind BCRP-Substrate und daher besteht ein theoretisches Risiko füreine Wechselwirkung mit Vemurafenib.
Die mögliche Wirkung von Vemurafenib auf andere Transporter ist zurzeit nicht bekannt.
Wirkungen gleichzeitig angewendeter Arzneimittel auf Vemurafenib
In vitro-Studien deuten darauf hin, dass der CYP3A4-Metabolismus und die Glucuronidierung für die
Metabolisierung von Vemurafenib verantwortlich sind. Die biliäre Exkretion scheint einweiterer wesentlicher Eliminierungsweg zu sein. In vitro-Studien haben gezeigt, dass
Vemurafenib ein Substrat der Efflux-Transporter P-gp und BCRP ist. Es ist derzeit nichtbekannt, ob Vemurafenib auch ein Substrat anderer Transportproteine ist. Die gleichzeitige
Gabe starker CYP3A4-Inhibitoren oder
- Induktoren oder Inhibitoren/Induktoren der Transportprotein-Aktivität kann die
Plasmakonzentrationen von Vemurafenib verändern.
Die gleichzeitige Anwendung von Itraconazol, einem potenten CYP3A4- bzw. Pgp-Inhibitor, erhöhtedie AUC von Vemurafenib im Steady State um etwa 40 %. Vemurafenib soll in Kombinationmit starken CYP3A4-Inhibitoren, Glucuronidierung und/oder Transportproteinen (z. B.
Ritonavir, Saquinavir, Telithromycin, Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol,
Nefazodon, Atazanavir) mit Vorsicht angewendet werden. Bei Patienten, die gleichzeitig mitdiesen Wirkstoffen behandelt werden, muss eine sorgfältige Sicherheitsüberwachung erfolgenund, wenn klinisch indiziert, die Dosis angepasst werden (siehe Tabelle 1 in Abschnitt 4.2).
In einer klinischen Studie verringerte die gleichzeitige Gabe einer Einzeldosis Vemurafenib 960 mgund Rifampicin die Plasmaverfügbarkeit von Vemurafenib signifikant um etwa 40 %.
Die gleichzeitige Gabe starker Induktoren von P-Glykoprotein (P-gp), der Glucuronidierung und/oder
CYP3A4 (z. B. Rifampicin, Rifabutin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut[Hypericum perforatum]) kann zu einer suboptimalen Exposition von Vemurafenib führen undsoll vermieden werden.
Die Wirkungen von P-gp- und BCRP- Inhibitoren, die nicht auch potente CYP3A4-Inhibitoren sind,sind nicht bekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Pharmakokinetik von
Vemurafenib durch solche Arzneimittel über den Einfluss auf P-gp beeinträchtigt wird (z. B.
Verapamil, Cyclosporin, Chinidin) oder BCRP (z. B. Cyclosporin, Gefitinib).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen Alter/Verhütung bei FrauenFrauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für mindestens 6 Monate nach der
Behandlung eine effektive Kontrazeption anwenden.
Vemurafenib kann die Wirksamkeit hormonaler Kontrazeptiva verringern (siehe Abschnitt 4.5).
SchwangerschaftEs liegen keine Daten zur Anwendung von Vemurafenib bei Schwangeren vor.
Vemurafenib zeigte an Rattenembryonen/-föten oder an Kaninchenembryonen/-föten keinen Hinweisfür Teratogenität (siehe Abschnitt 5.3). In tierexperimentellen Studien wurde eine
Plazentagängigkeit von Vemurafenib nachgewiesen. Aufgrund seines Wirkmechanismus könnte
Vemurafenib eine fruchtschädigende Wirkung haben, wenn es bei einer schwangeren Frauangewendet wird. Vemurafenib soll von schwangeren Frauen nicht angewendet werden, es seidenn, der mögliche Nutzen für die Mutter wiegt das mögliche Risiko für den Fötus auf.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Vemurafenib in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das
Neugeborene/den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden. Unter Berücksichtigung des
Nutzens des Stillens für das Kind und des Nutzens der Behandlung für die Mutter muss die
Entscheidung getroffen werden, entweder das Stillen oder die Behandlung mit Vemurafenibabzubrechen.
FertilitätEs wurden keine spezifischen tierexperimentellen Studien zur Bewertung der Wirkung von
Vemurafenib auf die Fertilität durchgeführt. In Toxizitätsstudien mit wiederholter Gabe an
Ratten und Hunden wurden jedoch keine histopathologischen Befunde der Reproduktionsorganean männlichen und weiblichen Tieren festgestellt (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenVemurafenib hat geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen. Die Patienten sollen darauf hingewiesen werden, dass möglicherweise
Abgeschlagenheit oder Augenprobleme auftreten können, wodurch die Fahrtüchtigkeit nichtmehr gewährleistet ist.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie häufigsten bei der Anwendung von Vemurafenib berichteten Nebenwirkungen aller Schweregrade(> 30 %) beinhalten Arthralgie, Abgeschlagenheit, Ausschlag, Lichtempfindlichkeitsreaktionen,
Alopezie, Übelkeit, Diarrhö, Kopfschmerzen, Pruritus, Erbrechen, Hautpapillome und
Hyperkeratose. Die häufigsten (≥ 5 %) Nebenwirkungen vom Grad 3 waren kutane
Plattenepithelkarzinome (cutanous squamous cell carcionoma, cuSCC), Keratoakanthome,
Ausschlag, Arthralgie und erhöhte GGT-Werte (Gamma-Glutamyltransferase). CuSCC wurdenin den meisten Fällen durch lokale Exzision behandelt.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenNebenwirkungen, die bei Patienten mit Melanom berichtet wurden, sind nachfolgend gemäß MedDRAnach Systemorganklasse, Häufigkeit und Schweregrad aufgelistet. Die folgende Konventionwurde zur Klassifizierung der Häufigkeit angewendet:
Sehr häufig ≥ 1/10
Häufig ≥ 1/100, < 1/10
Gelegentlich ≥ 1/1 000, < 1/100
Selten ≥ 1/10 000, < 1/1 000
Sehr selten < 1/10 000
Die in diesem Abschnitt aufgeführten Nebenwirkungen basieren auf Ergebnissen von 468 Patienteneiner randomisierten, offenen Phase-III-Studie an erwachsenen Patienten mit BRAF-V600
Mutation-positivem nicht resezierbarem oder Stadium IV Melanom sowie einer einarmigen
Phase-II-Studie an Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem Stadium IV Melanom, die im
Vorfeld auf mindestens eine vorherige systemische Therapie nicht angesprochen haben (siehe
Abschnitt 5.1). Des Weiteren sind Nebenwirkungen aufgeführt, die aus Sicherheitsberichten vonallen klinischen Studien und aus Erfahrungen nach der Markteinführung stammen. Alleaufgeführten Nebenwirkungen basieren auf dem höchsten Prozentsatz, der in den klinischen
Phase-II- und -III-Studien beobachtet wurde. Innerhalb jeder Häufigkeitsklasse werden
Nebenwirkungen nach absteigendem Schweregrad aufgelistet und wurden unter Anwendung der
NCI-CTCAE v4.0 (Common Toxicity Criteria) zur Bewertung der Toxizität berichtet.
Tabelle 3: Nebenwirkungen, die bei Patienten auftraten, die in den Phase-II- oder -III-Studienmit Vemurafenib behandelt wurden, und Ereignisse, die aus Sicherheitsberichten vonallen klinischen Studien(1) und aus Erfahrungen nach der Markteinführungstammen(2)
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten
Infektionen und parasitäre Follikulitis
Erkrankungen
Gutartige, bösartige und Plattenepithel- Basalzellkarzi- nicht- Chronischenicht spezifizierte karzinom nom, neue cuSCC(1) myelomono
Neubildungen der Haut(d), primäre (3) zytäre(einschl. Zysten und Keratoakant Melanome Leukämie(2)(
Polypen) hom, (3) 4),seborrhoisc Adenokarzihe Keratose, nom des
Hautpapillo Pankreas(5)m
Erkrankungen des Blutes Neutropenie,und des Thromboz
Lymphsystems ytopenie(6)
Erkrankungen des Sarkoidose(1)(2)(j)
Immunsystems
Stoffwechsel- und Verminderter
Ernährungsstörungen Appetit
Erkrankungen des Kopfschmerzen, Lähmung des
Nervensystems Dysgeusie, Nervus
Schwindelg facialis,efühl periphere
Neuropathie
Augenerkrankungen Uveitis retinaler
Venen-verschluss,
Iridozyklitis
Gefäßerkrankungen Vaskulitis
Erkrankungen der Husten
Atemwege, des
Brustraums und
Mediastinums
Erkrankungen des Diarrhö, Stomatitis Pankreatitis(2)
Gastrointestinaltrakts Erbrechen,
Übelkeit,
ObstipationLeber- und Leberschaden(1)
Gallenerkrankungen (2)(g)
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten
Erkrankungen der Haut und Lichtempfindlich- Papulöser Toxische Medikamenten-des keitsreaktio Ausschlag epiderma ausschlag
Unterhautgewebes nen, , le mitaktinische Pannikulit Nekrolys Eosinophili
Keratose, is e(e), e und
Ausschlag, (einschlie Stevens- systemischemakulo- ßl. Johnson- npapulöser Erythema Syndrom Symptomen
Ausschlag, nodosum), (f) (1)(2)
Pruritus, Keratosis
Hyperkerato pilarisse, Erythem,palmar-plantares
Erythrodysästhe-siesyndrom,
Alopezie,trockene
Haut,
Sonnenbrand
Skelettmuskulatur-, Arthralgie, Arthritis Fibromatose
Bindegewebs- und Myalgie, der
Knochenerkrankung Schmerzen Plantarfaen in den szie
Extremitäte (Morbusn, Ledderh
Schmerzen ose)(1)(2),des Muskel- Dupuytrund en-
Skelettsyste Kontraktms, ur(1)(2)
Rückenschmerzen
Erkrankungen der Nieren Akute interstitielleund Harnwege Nephritis(1)(2)(h), akute
Nierentubulusnekrose(1)(2)(h)
Allgemeine Erkrankungen Abgeschlagenheit,und Beschwerden Pyrexie,am periphere
Verabreichungsort Ödeme,
Asthenie
Untersuchungen Anstieg der
ALT(c),
Anstiegderalkalischen
Phosphatase(c),
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten
Anstiegder AST(c),
Anstiegdes
Bilirubins(c),γ-GT-Anstieg(c),
Gewichtsab-nahme,
QT-
Verlängerung im
Elektrokardio-gramm,erhöhte
Kreatininwerte im
Blut(1)(2)(h)
Verletzung, Vergiftung und Potenzierungdurch Eingriffe vonbedingte Strahlensc
Komplikationen häden(1)(2)(i)(1) Ereignisse, die aus Sicherheitsberichten von allen klinischen Studien stammen.(2) Ereignisse, die aus Erfahrungen nach der Markteinführung stammen.(3) Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Arzneimittel und dem unerwünschten Ereignis ist zumindest einedenkbare Möglichkeit.(4) Fortschreiten einer vorbestehenden chronischen myelomonozytären Leukämie mit NRAS-Mutation.(5) Fortschreiten eines vorbestehenden Adenokarzinoms des Pankreas mit KRAS Mutation.(6) Berechnet auf der Basis von Phase-II- und Phase-III-Studien.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenAnstieg der Leberenzyme(c)
Leberenzymabweichungen, die in der klinischen Phase-III-Studie berichtet wurden, sind nachfolgendals Anteil der Patienten, bei denen eine Veränderung der Leberenzyme vom Ausgangswert aufeine Grad-3- oder -4-Abweichung aufgetreten ist, aufgeführt:
* Sehr häufig: γ-GT
* Häufig: ALT, alkalische Phosphatase, Bilirubin
* Gelegentlich: AST
Es gab keine Erhöhungen auf Grad 4 bei ALT, alkalischer Phosphatase oder Bilirubin.
Leberschaden(g)
Basierend auf den Kriterien für durch Arzneimittel verursachte Leberschäden, die von einerinternationalen Expertenarbeitsgruppe bestehend aus Klinikern und Wissenschaftlern entwickeltwurden, wurde ein Leberschaden als eine der folgenden Abweichungen der Laborwertedefiniert:
* ≥ 5 x ULN ALT
* ≥ 2 x ULN ALP (ohne eine andere Ursache für eine ALP-Erhöhung)
* ≥ 3 x ULN ALT mit gleichzeitiger Erhöhung der Bilirubinkonzentration > 2 x ULN
Kutanes Plattenepithelkarzinom(d) (cuSCC)
Fälle von cuSCC sind bei mit Vemurafenib behandelten Patienten berichtet worden. Die Häufigkeitdes Auftretens von cuSCC bei mit Vemurafenib behandelten Patienten lag studienübergreifendbei ungefähr 20 %. Die Mehrzahl der operativ entfernten Läsionen, die von einemunabhängigen zentralen dermatopathologischen Labor untersucht wurden, wurde als SCC-
Keratoakanthom-Subtyp oder mit gemischten Keratoakanthom-Merkmalen (52 %) klassifiziert.
Die meisten als 'Sonstige“ (43 %) klassifizierten Läsionen waren gutartige Hautläsionen (z. B.
Verucca vulgaris, aktinische Keratose, benigne Keratose, Zyste/gutartige Zyste). Das cuSCCtrat gewöhnlich früh im Behandlungszyklus auf, im Median mit einer Zeit von 7 bis 8 Wochenbis zum ersten Auftreten. Von den Patienten, bei denen cuSCC auftrat, kam es bei ungefähr33 % zu einem mehr als einmaligen Auftreten, mit einem medianen Zeitraum von 6 Wochenzwischen den Ereignissen. Fälle von cuSCC wurden im Normalfall durch einfache Exzisionbehandelt und die Patienten führten ihre Behandlung in der Regel ohne Dosisanpassung fort(siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Nicht-kutanes Plattenepithelkarzinom (nicht-cuSCC)
Fälle von nicht-cuSCC sind bei mit Vemurafenib behandelten Patienten berichtet worden, die inklinische Studien eingeschlossen waren. Die Überwachung auf nicht-cuSCC sollte wie in
Abschnitt 4.4 beschrieben erfolgen.
Neue primäre Melanome
In klinischen Studien wurden neue primäre Melanome berichtet. Die Fälle wurden durch Exzisionbehandelt und die Patienten setzten die Behandlung ohne Dosisanpassung fort. Eine
Überwachung auf Hautläsionen soll, wie in Abschnitt 4.4 beschrieben, erfolgen.
Potenzierung von Strahlenschäden(i)
Fälle, die berichtet wurden, beinhalten Recall-Phänomene, Hautschädigung durch Strahlen,strahlenbedingte Pneumonitis, Strahlenösophagitis, strahlenbedingte Proktitis, strahlenbedingte
Hepatitis, Strahlenzystitis und Strahlennekrose.
In einer klinischen Phase-III-Studie (MO25515, n = 3.219) wurde eine höhere Inzidenz der
Potenzierung von Strahlenschäden berichtet, wenn Patienten vor und während der Behandlungmit Vemurafenib eine Strahlentherapie erhielten (9,1 %), verglichen mit Patienten, die währendder Behandlung mit Vemurafenib eine Strahlentherapie erhielten (5,2 %) oder Patienten, die vorder Behandlung mit Vemurafenib eine Strahlentherapie erhielten (1,5 %).
Überempfindlichkeitsreaktionen(e)
Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Anaphylaxie, sind in Verbindungmit Vemurafenib berichtet worden. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen können
Stevens-Johnson-Syndrom, generalisierten Ausschlag, Erythem oder Hypotonie miteinschließen. Bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen soll die Behandlungmit Vemurafenib dauerhaft abgebrochen werden (siehe Abschnitt 4.4).
Dermatologische Reaktionen(f)
In der klinischen Pivotalstudie wurden bei Patienten unter Vemurafenib-Behandlung schweredermatologische Reaktionen berichtet, einschließlich seltener Fälle des
Stevens-Johnson-Syndroms und toxische epidermale Nekrolyse. Bei Patienten, bei denen eineschwere dermatologische Nebenwirkung auftritt, soll die Behandlung dauerhaft abgebrochenwerden.
QT-VerlängerungEine Analyse zentralisierter EKG-Daten aus einer offenen, unkontrollierten Phase II QT-Substudie mit132 Patienten, die eine Dosis von 960 mg Vemurafenib zweimal täglich erhielten (NP22657),zeigte eine expositionsabhängige QTc-Verlängerung. Die mittlere QTc-Wirkung blieb über denersten Behandlungsmonat hinaus stabil bei 12 ms ‑ 15 ms, wobei die größte mittlere
QTc-Verlängerung (15,1 ms; oberes 95-%-KI: 17,7 ms) innerhalb der ersten 6 Monatebeobachtet wurde (n = 90 Patienten). Bei zwei Patienten (1,5 %) traten behandlungsbedingtabsolute QTc-Werte > 500 ms (CTC-Grad 3) auf, und nur bei einem Patienten (0,8 %) trat eine
QTc-Veränderung von > 60 ms gegenüber dem Ausgangswert auf (siehe Abschnitt 4.4).
Akute Nierenschäden(h)
Unter Anwendung von Vemurafenib wurden Fälle von Nierenschäden berichtet, die von einer
Erhöhung der Kreatininwerte bis zu akuter interstitieller Nephritis und akuter tubulärer Nekrosereichten. Einige Fälle traten in Zusammenhang mit Dehydratation auf. Die Erhöhung der
Serum-Kreatininwerte war meistens leicht (> 1 - 1,5 x ULN) bis mäßig (> 1,5 - 3 x ULN) undeine Reversibilität wurde beobachtet (siehe Tabelle 4).
Tabelle 4: Veränderungen der Kreatininwerte zum Ausgangswert in der Phase-III-Studie
Vemurafenib (%) Dacarbazin (%)
Veränderung ≥ 1 Grad zum Ausgangswert (alle Grade) 27,9 6,1
Veränderung ≥ 1 Grad zum Ausgangswert bis Grad 3 1,2 1,1oder höherbis Grad 3 0,3 0,4bis Grad 4 0,9 0,8
Tabelle 5: Fälle akuter Nierenschäden in der Phase-III-Studie
Vemurafenib (%) Dacarbazin (%)
Fälle akuter Nierenschäden* 10,0 1,4
Fälle akuter Nierenschäden in Zusammenhang mit
Dehydratation 5,5 1,0
Dosisanpassung bei akuten Nierenschäden 2,1 0
Alle Prozentzahlen stellen die Fallzahl bezogen auf die Gesamtanzahl an Patienten dar, die dem jeweiligen
Arzneimittel ausgesetzt waren.
* Schließt akute Nierenschäden, Nierenfunktionsstörung und Änderungen der Laborwerte ein, die mit akuten
Nierenschäden übereinstimmen.
Sarkoidose(j)
Bei Patienten, die mit Vemurafenib behandelt wurden, wurden Fälle von Sarkoidose berichtet, diehauptsächlich die Haut, die Lunge und die Augen betrafen. In der Mehrzahl der Fälle wurde
Vemurafenib weiterhin eingenommen, wobei sich die Sarkoidose entweder zurückbildete oderpersistierte.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenIn der Phase-III-Studie waren 94 (28 %) der 336 mit Vemurafenib behandelten Patienten mit nichtresezierbarem oder metastasiertem Melanom ≥ 65 Jahre. Bei älteren Patienten (≥ 65 Jahre)können häufiger Nebenwirkungen, einschließlich cuSCC, vermindertem Appetit und kardialen
Störungen auftreten.
GeschlechtGrad-3-Nebenwirkungen, die in klinischen Studien mit Vemurafenib häufiger bei Frauen als bei
Männern berichtet wurden, waren Ausschlag, Arthralgie und Lichtempfindlichkeit.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit von Vemurafenib bei Kindern und Jugendlichen ist nicht erwiesen. In einer klinischen
Studie mit sechs jugendlichen Patienten wurden keine neuen Beobachtungen bezüglich der
Sicherheit gemacht.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des
Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer
Nebenwirkung über das in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es gibt kein spezifisches Antidot bei Überdosierung mit Vemurafenib. Patienten, bei denen
Nebenwirkungen auftreten, sollen eine angemessene symptomatische Behandlung erhalten. Inklinischen Studien wurden keine Fälle von Überdosierung mit Vemurafenib beobachtet. Im
Falle einer vermuteten Überdosierung soll Vemurafenib vorerst nicht eingenommen und eineunterstützende Behandlung eingeleitet werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code:
L01EC01
Wirkmechanismus und pharmakodynamische WirkungenVemurafenib ist ein Inhibitor der BRAF-Serin-Threonin-Kinase. Mutationen des BRAF-Gens führenzu einer konstitutiven Aktivierung von BRAF-Proteinen, was die Zellproliferation ohne die
Anwesenheit assoziierter Wachstumsfaktoren auslösen kann.
Präklinische Daten aus biochemischen Versuchen haben gezeigt, dass Vemurafenib ein potenter
Inhibitor der BRAF-Kinasen mit aktivierenden Mutationen im Kodon 600 ist (Tabelle 6).
Tabelle 6: Kinaseinhibitorische Aktivität von Vemurafenib gegen verschiedene BRAF-Kinasen
Kinase Antizipierte Häufigkeit bei V600 Inhibitorische
Mutation-positivem Konzentration 50 (nM)
Melanom (t)
BRAFV600E 87,3 % 10
BRAFV600K 7,9 % 7
BRAFV600R 1 % 9
BRAFV600D < 0,2 % 7
BRAFV600G < 0,1 % 8
BRAFV600M < 0,1 % 7
BRAFV600A < 0,1 % 14
BRAFWT nicht anwendbar 39(t) Schätzung anhand von 16 403 Melanomen mit identifizierten BRAF Kodon 600-Mutationen in deröffentlichen COSMIC Datenbank, Veröffentlichung 71 (November 2014).
Diese inhibitorische Wirkung wurde durch ERK-Phosphorylierung und zelluläre
Anti-Proliferations-Versuche in vorhandenen Melanom-Zelllinien, die das V600-mutierte
BRAF aufweisen, bestätigt. In zellulären Anti-Proliferations-Versuchen reichte dieinhibitorische Konzentration 50 (IC50) gegen die V600-mutierten Zelllinien (V600E, V600R,
V600D und V600K mutierte Zelllinien) von 0,016 µM bis 1,131 µM, wobei die IC50 gegen
BRAF-Zelllinien vom Wildtyp bei 12,06 µM bzw. 14,32 µM lag.
Bestimmung des BRAF-MutationsstatusVor der Einnahme von Vemurafenib muss bei Patienten ein BRAF-V600 Mutation-positiver
Tumorstatus durch einen validierten Test nachgewiesen worden sein. In den klinischen
Phase-II- und -III-Studien wurden geeignete Patienten über einen real-time Polymerase-
Kettenreaktions-Assay (den cobas 4800 BRAF-V600 Mutation-Test) identifiziert. Dieser Testist CE-zertifiziert und wird zur Bestimmung des BRAF-Mutationsstatus von DNA verwendet,die aus formalinfixiertem, in Paraffin eingebettetem (FFPE) Tumorgewebe isoliert wurde.
Dieser hochsensitive Test (bis zu 5 % V600E- Sequenz vor dem Hintergrund einer Wildtyp-
Sequenz aus FFPE-gewonnener DNA) wurde zum Nachweis einer prädominanten
BRAF-V600E Mutation entwickelt. Nicht-klinische und klinische Studien mit retrospektiven
Sequenzierungsanalysen haben gezeigt, dass der Test auch die weniger häufigen BRAF-V600Dund V600K Mutationen mit niedrigerer Sensitivität nachweist. Von den aus nicht-klinischenund klinischen Studien verfügbaren Proben (n = 920), die laut cobas-Test Mutation-positivwaren und zusätzlich durch Sequenzierung analysiert wurden, wurde mittels Sanger- und454-Sequenzierung keine Probe als Wildtyp identifiziert.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirksamkeit von Vemurafenib wurde bei 336 Patienten in einer klinischen Phase-III-Studie(NO25026) und bei 278 Patienten in zwei klinischen Phase-II-Studien (NP22657 und
MO25743) bewertet. Alle Patienten mussten gemäß cobas 4800 BRAF-V600 Mutation-Testfortgeschrittene Melanome mit BRAF-V600 Mutation aufweisen.
Ergebnisse der Phase-III-Studie (NO25026) an nicht vorbehandelten Patienten
Eine offene, multizentrische, internationale, randomisierte Phase-III-Studie unterstützt die Anwendungvon Vemurafenib bei nicht vorbehandelten Patienten mit BRAF-V600E Mutation-positivemnicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom. Die Patienten wurden entweder einer
Behandlung mit Vemurafenib (960 mg zweimal täglich) oder mit Dacarbazin (1.000 mg/m2 alledrei Wochen am Tag 1) randomisiert zugeteilt.
Insgesamt wurden 675 Patienten auf Vemurafenib (n = 337) oder Dacarbazin (n = 338) randomisiert.
Der Großteil der Patienten war männlich (56 %) und kaukasisch (99 %), das mediane Alter lagbei 54 Jahren (24 % waren ≥ 65 Jahre), alle Patienten hatten einen ECOG-Performance-Statusvon 0 oder 1 und die Mehrheit der Patienten befand sich im M1c-Status der Krankheit (65 %).
Die co-primären Wirksamkeits-Endpunkte der Studie waren Gesamtüberleben (OS) undprogressionsfreies Überleben (PFS).
Bei der vorher festgelegten Interimsanalyse mit dem 30. Dezember 2010 als Stichtag für die
Datenerhebung wurden signifikante Verbesserungen in den co-primären Endpunkten
Gesamtüberleben (OS) (p < 0,0001) und progressionsfreies Überleben (PFS) (p < 0,0001) (nichtstratifizierter Log-Rank-Test) beobachtet. Nach Empfehlung des Data Safety Monitoring Board(DSMB) wurden diese Ergebnisse im Januar 2011 veröffentlicht und die Studie wurde soangepasst, dass Dacarbazin-Patienten in den Vemurafenib-Arm wechseln konnten. Danachwurden Post-hoc-Analysen zum Überleben durchgeführt, wie in Tabelle 7 beschrieben.
Tabelle 7: Gesamtüberleben nicht vorbehandelter Patienten mit BRAF-
V600 Mutation-positivem Melanom zum Stichtag der Studie (n = 338 Dacarbazin,n = 337 Vemurafenib)
Stichtage Behandlung Anzahl der Hazard Ratio Anzahl der
Todesfälle (95-%-KI) Patienten,(%) diegewechselthaben (%)30. Dezember 2010 Dacarbazin 75 (22) 0,37 (0,26; 0,55) 0 (nicht
Vemurafenib 43 (13) anwendbar)31. März 2011 Dacarbazin 122 (36) 0,44 (0,33; 0,59)(w) 50 (15 %)
Vemurafenib 78 (23)3. Oktober 2011 Dacarbazin 175 (52) 0,62 (0,49; 0,77)(w) 81 (24 %)
Vemurafenib 159 (47)1. Februar 2012 Dacarbazin 200 (59) 0,70 (0,57; 0,87)(w) 83 (25 %)
Vemurafenib 199 (59)20. Dezember 2012 Dacarbazin 236 (70) 0,78 (0,64; 0,94)(w) 84 (25 %)
Vemurafenib 242 (72)(w) Zensierte Ergebnisse zum Zeitpunkt des Wechsels
Nicht zensierte Ergebnisse zum Zeitpunkt des Wechsels: 31. März 2011: HR (95-%-KI) = 0,47 (0,35; 0,62);3. Oktober 2011: HR (95-%-KI) = 0,67 (0,54; 0,84); 1. Februar 2012: HR (95-%-KI) = 0,76 (0,63; 0,93);20. Dezember 2012: HR (95-%-KI) = 0,79 (0,66; 0,95)
Bild 1: Kaplan-Meier-Kurven des Gesamtüberlebens - zuvor nicht behandelte Patienten(Stichtag 20. Dezember 2012)
Tabelle 8 zeigt den Behandlungserfolg für alle spezifizierten Stratifizierungsvariablen, die als
Prognosefaktoren etabliert sind.
Tabelle 8: Gesamtüberleben nicht vorbehandelter Patienten mit BRAF-V600
Mutation-positivem Melanom angegeben nach LDH, Tumorstadium und
ECOG-Status (Post-hoc-Analyse mit Stichtag 20. Dezember 2012, zensierte
Ergebnisse zum Zeitpunkt des Wechsels)
Stratifizierungsvariable n Hazard Ratio 95-%-Konfidenzintervall
LDH normal 391 0,88 0,67; 1,16
LDH > ULN 284 0,57 0,44; 0,76
Stadium 234 1,05 0,73; 1,52
IIIc/M1A/M1B
Stadium MIC 441 0,64 0,51; 0,81
ECOG PS = 0 459 0,86 0,67; 1,10
ECOG PS = 1 216 0,58 0,42; 0,9
LDH: Lactatdehydrogenase, ECOG PS: Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status
Tabelle 9 zeigt die Gesamtansprechrate und progressionsfreies Überleben nicht vorbehandelter
Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem Melanom.
Tabelle 9: Gesamtansprechrate und progressionsfreies Überleben nicht vorbehandelter
Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem Melanom
Vemurafenib Dacarbazin p-Wert(x)
Stichtag 30. Dezember 2010(y)
Gesamtansprechrate 48,4 % 5,5 %(95-%-KI) (41,6 %; 55,2 %) (2,8 %; 9,3 %) < 0,0001
Progressionsfreies
Überleben
Hazard Ratio 0,26(95-%-KI) (0,20; 0,33) < 0,0001
Anzahl der Ereignisse (%) 104 (38 %) 182 (66 %)
Medianes PFS (Monate) 5,32 1,61(95-%-KI) (4,86; 6,57) (1,58; 1,74)
Stichtag 1. Februar 2012(z)
Progressionsfreies
Überleben
Hazard Ratio 0,38(95-%-KI) (0,32; 0,46) < 0,0001
Anzahl der Ereignisse (%) 277 (82 %) 273 (81 %)
Medianes PFS (Monate) 6,87 1,64(95-%-KI) (6,14; 6,97) (1,58; 2,07)(x) Nicht stratifizierter Log-Rank-Test für PFS und Chi-Quadrat-Test der Gesamtansprechrate.(y) Am 30. Dezember 2010 waren insgesamt 549 Patienten für eine Auswertung zum PFS und 439 für eine
Auswertung zur Gesamtansprechrate bewertbar.(z) Am 1. Februar 2012 waren insgesamt 675 Patienten für die Post-hoc-Analyse zur PFS-Aktualisierungbewertbar.
Bei insgesamt 57 von 673 Patienten der Studie NO25026, deren Tumoren retrospektiv durch
Sequenzierung analysiert wurden, wurden BRAF-V600K Mutation-positive Melanomeberichtet. Obwohl durch die niedrige Patientenanzahl begrenzt, legen Wirksamkeitsanalysen beidiesen Patienten mit V600K-positiven Tumoren einen ähnlichen Behandlungsnutzen von
Vemurafenib bezüglich OS, PFS und bestätigtem Gesamtansprechen dar. Für Patienten mitanderen seltenen BRAF-V600 mutierten Melanomen, welche nicht die Mutation V600E bzw.
V600K aufweisen, liegen keine Daten vor.
Ergebnisse der Phase-II-Studie (NP22657) an Patienten, die auf mindestens eine vorherige
Behandlung nicht angesprochen haben
Eine einarmige, multizentrische, multinationale Phase-II-Studie wurde an 132 Patienten durchgeführt,die gemäß cobas 4800 BRAF-V600 Mutation-Test ein BRAF-V600E Mutation-positivesmetastasiertes Melanom aufgewiesen und mindestens eine vorherige Behandlung erhaltenhatten. Das mediane Alter lag bei 52 Jahren, wobei 19 % der Patienten älter als 65 Jahre waren.
Die Mehrheit der Patienten war männlich (61 %), kaukasisch (99 %) und hatte Stadium M1c der
Krankheit (61 %). 49 % der Patienten hatten auf ≥ 2 vorherige Behandlungen nichtangesprochen.
Der primäre Endpunkt der bestätigten besten Gesamtansprechrate (Complete Response + Partial
Response), durch ein unabhängiges Prüfungskomitee bewertet, lag nach einer medianen
Nachbeobachtung von 12,9 Monaten (Bereich: 0,6 bis 20,1) bei 53 % (95-%-KI: 44 %, 62 %).
Das mediane Gesamtüberleben lag bei 15,9 Monaten (95-%-KI: 11,6; 18,3). Die
Gesamtüberlebensrate nach 6 Monaten lag bei 77 % (95-%-KI: 70 %, 85 %) und nach12 Monaten bei 58 % (95-%-KI: 49 %; 67 %).
Neun der 132 Patienten, die in die Studie NP22657 aufgenommen wurden, hatten, nach retrospektiver
Sanger-Sequenzierung, V600K Mutation-positive Tumoren. Von diesen Patienten kam es bei 3zu einem partiellen Ansprechen, bei 3 zu einer stabilen Erkrankung, bei 2 zu einer progressiven
Erkrankung und ein Patient konnte nicht bewertet werden.
Ergebnisse der Phase-II-Studie (MO25743) bei Patienten mit Hirnmetastasen
Eine einarmige, multizentrische Studie (n = 146) mit Vemurafenib wurde mit erwachsenen Patientenmit histologisch bestätigtem metastasiertem Melanom durchgeführt, die eine BRAF-V600
Mutation (laut cobas 4800 BRAF-V600 Mutation-Test) und Hirnmetastasen aufwiesen. Die
Studie bestand aus zwei Kohorten, in die simultan Patienten eingeschlossen wurden:
- Kohorte 1 mit vorher unbehandelten Patienten (n = 90): Patienten, die keine vorherige
Behandlung ihrer Hirnmetastasen erhalten hatten; eine vorherige systemische Behandlung einesmetastasierten Melanoms war zulässig, BRAF- und MEK-Inhibitoren ausgeschlossen.
- Kohorte 2 mit zuvor behandelten Patienten (n = 56): Patienten, die eine vorherige Behandlungihrer Hirnmetastasen erhalten hatten und nach dieser Behandlung progredient wurden. Bei
Patienten, die mit stereotaktischer Strahlentherapie (SRT) behandelt wurden oder bei denen eine
Operation durchgeführt wurde, musste sich nach der vorherigen Behandlung eine neue, nach
RECIST bewertbare Läsion im Gehirn entwickelt haben.
Insgesamt wurden 146 Patienten eingeschlossen. Die Mehrheit der Patienten war männlich (61,6 %)und kaukasisch (92,5 %) und das mediane Alter betrug 54 Jahre (Bereich: 26 bis 83 Jahre), beiähnlicher Verteilung in den beiden Kohorten. Bei Studienbeginn lag die mediane Anzahl an
Zielläsionen im Gehirn in beiden Kohorten bei 2 (Bereich: 1 bis 5).
Der primäre Wirksamkeitsendpunkt der Studie war die beste Gesamtansprechrate (BORR) im Gehirnvon Patienten mit metastasiertem Melanom mit vorher unbehandelten Hirnmetastasen, bewertetdurch ein unabhängiges Review-Komitee (IRC).
Sekundäre Endpunkte schlossen eine Bewertung der Wirksamkeit von Vemurafenib unter
Berücksichtigung der BORR im Gehirn von vorher behandelten Patienten, der Dauer des
Ansprechens (DOR), des progressionsfreien Überlebens (PFS) und des Gesamtüberlebens (OS)bei Patienten mit Melanom mit Hirnmetastasen ein (siehe Tabelle 10).
Tabelle 10: Wirksamkeit von Vemurafenib bei Patienten mit Hirnmetastasen
Kohorte 1 Kohorte 2 Gesamt
Keine vorherige Mit vorheriger
Behandlung Behandlungn = 90 n = 56 n = 146
BORRa bei Patienten mit
Hirnmetastasen und
Ansprechen n (%) 16 (17,8 %) 10 (17,9 %) 26 (17,8 %)(95-%-KI)b (10,5; 27,3) (8,9; 30,4) (12,0; 25,0)
DORc im Gehirn (n) (n = 16) (n = 10) (n = 26)
Median (Monate) 4,6 6,6 5,0(95-%-KI)d (2,9; 6,2) (2,8; 10,7) (3,7; 6,6)
BORR extrakraniell n (%)a 26 (32,9 %) 9 (22,5 %) 35 (29,4 %)
PFS - gesamt
Median (Monate)e 3,7 3,7 3,7(95-%-KI)d (3,6; 3,7) (3,6; 5,5) (3,6; 3,7)
PFS - nur Gehirn
Median (Monate)e 3,7 4,0 3,7(95-%-KI)d (3,6; 4,0) (3,6; 5,5) (3,6; 4,2)
OS
Median (Monate) 8,9 9,6 9,6(95-%-KI)d (6,1; 11,5) (6,4; 13,9) (6,9; 11,5)a Beste bestätigte Gesamtansprechrate, bewertet durch ein unabhängiges Review-Komitee, Anzahl an Patientenmit Ansprechen, n (%)b Zweiseitiges 95-%-Clopper-Pearson Konfidenzintervall (KI)c Dauer des Ansprechens, bewertet durch ein unabhängiges Review-Komiteed Kaplan-Meier-Schätzunge Prüfarzt-bewertet
Kinder und JugendlicheErgebnisse der Phase-I-Studie (NO25390) bei Kindern und Jugendlichen
Eine Dosisfindungsstudie der Phase I wurde zur Bewertung der Anwendung von Vemurafenib beisechs jugendlichen Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem Melanom im Stadium IIICoder IV durchgeführt. Alle behandelten Patienten waren mindestens 15 Jahre alt und hatten ein
Körpergewicht von mindestens 45 kg. Drei Patienten wurden mit Vemurafenib 720 mg zweimaltäglich und drei Patienten mit Vemurafenib 960 mg zweimal täglich behandelt. Die maximalverträgliche Dosis konnte nicht bestimmt werden. Obwohl vorübergehende Tumorregressionenbeobachtet wurden, lag die beste Gesamtansprechrate (BORR) auf Basis des bestätigten
Ansprechens bei 0 % (95-%-KI: 0 %, 46 %). Die Studie wurde aufgrund geringer Rekrutierungeingestellt. Siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und
Jugendlichen.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Nach den Kriterien aus dem biopharmazeutischen Klassifizierungssystem ist Vemurafenib ein
Arzneimittel der Klasse IV (geringe Lösbarkeit und Permeabilität). Die pharmakokinetischen
Parameter von Vemurafenib wurden in einer Phase-I- und -III-Studie durch eine Nicht-
Kompartiment-Analyse bestimmt (20 Patienten nach 15 Tagen mit einer Dosierung von 960 mgzweimal täglich und 204 Patienten im Steady State am Tag 22) sowie durch eine Populations-
PK-Analyse, bei der gepoolte Daten von 458 Patienten verwendet wurden. Von diesen Patientenwaren 457 Kaukasier.
ResorptionIn einer Phase-I-Studie unter unkontrollierten Bedingungen bezüglich des Einflusses von Nahrung bei4 Patienten mit BRAF-V600-positiven Malignomen betrug die Bioverfügbarkeit im Steady
State relativ zu einer intravenösen Mikrodosis 32 - 115 % (Mittelwert 64 %).
Nach einer Einzeldosis von 960 mg (vier Tabletten à 240 mg) wird Vemurafenib mit einer medianen
Tmax von ungefähr 4 Stunden resorbiert. Vemurafenib zeigt starke Schwankungen zwischen den
Patienten. In der Phase-II-Studie lagen AUC0-8 und Cmax am Tag 1 bei22,1 µg*h/ml ± 12,7 µg*h/ml und 4,1 µg/ml ± 2,3 µg/ml. Eine Akkumulierung erfolgt nachmultipler zweimal täglicher Anwendung von Vemurafenib. In der Nicht-Kompartiment-Analyselag das Tag 15/Tag 1-Verhältnis nach einer Dosierung von 960 mg Vemurafenib zweimaltäglich bei einem 15- bis 17-Fachen der AUC und einem 13- bis 14-Fachen von Cmax, die unter
Steady State Bedingungen eine AUC0-8h und Cmax von 380,2 µg*h/ml ± 143,6 µg*h/ml bzw.56,7 µg/ml ± 21,8 µg/ml ergaben.
Nahrung (fettreiche Mahlzeit) erhöht die relative Bioverfügbarkeit einer einzelnen 960 mg Dosis von
Vemurafenib. Das Verhältnis der geometrischen Mittel von nüchternem und nicht nüchternem
Zustand war für Cmax und AUC 2,5- bzw. 4,6- bis 5,1-fach. Die mediane Tmax erhöhte sich von 4auf 7,5 Stunden, wenn eine einzelne Dosis von Vemurafenib zusammen mit Nahrungeingenommen wurde.
Die Wirkung von Nahrung auf die Steady State Verfügbarkeit von Vemurafenib ist zurzeit nichtbekannt. Die regelmäßige Einnahme von Vemurafenib auf leeren Magen kann zu einersignifikant niedrigeren Steady State Verfügbarkeit führen verglichen mit der regelmäßigen
Einnahme von Vemurafenib mit oder kurz nach einer Mahlzeit. Aufgrund der hohen
Anreicherung von Vemurafenib im Steady State wird erwartet, dass eine gelegentliche
Einnahme von Vemurafenib auf leeren Magen einen begrenzten Einfluss auf die Steady State
Verfügbarkeit hat. Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten aus den pivotalen Studien wurden von
Patienten gesammelt, die Vemurafenib mit oder ohne Nahrung eingenommen haben.
Die Variabilität der Exposition kann auch durch Unterschiede im Gehalt der gastrointestinalen
Flüssigkeit, der Volumina, des pH-Wertes, der Motilität, der Übergangszeit und der
Gallenflüssigkeit entstehen.
Im Steady State ist die mittlere Plasmaverfügbarkeit von Vemurafenib während des 24-Stunden-
Intervalls stabil, wie durch das mittlere Verhältnis von 1,13 zwischen den
Plasmakonzentrationen vor und 2 - 4 Stunden nach der morgendlichen Dosis angezeigt. Nachder Einnahme wird die Resorptionsrate in der Population der Patienten mit metastasiertem
Melanom konstant auf 0,19 hr-1 geschätzt (mit 101 % Variabilität zwischen den Patienten).
VerteilungDas scheinbare Verteilungsvolumen von Vemurafenib in der Patientenpopulation mit metastasiertem
Melanom wird auf 91 l geschätzt (mit einer Variabilität von 64,8 % zwischen den Patienten).
In vitro bindet es stark an menschliche Plasmaproteine (> 99 %).
BiotransformationDie relativen Anteile von Vemurafenib und seiner Metabolite wurden in einer Massenbilanz-Studieam Menschen charakterisiert mit einer oral angewendeten Einzeldosis von 14C-markiertem
Vemurafenib. CYP3A4 ist in vitro das für den Metabolismus von Vemurafenib primärverantwortliche Enzym. Konjugationsmetabolite (Glucuronidierung und Glycosylierung)wurden auch beim Menschen identifiziert. Trotzdem war die ursprüngliche Verbindung der
Hauptbestandteil (95 %) im Plasma. Obwohl der Metabolismus scheinbar nicht zu einerrelevanten Menge an Metaboliten im Plasma führt, kann die Wichtigkeit des Metabolismus fürdie Ausscheidung nicht ausgeschlossen werden.
EliminationDie scheinbare Clearance von Vemurafenib in der Patientenpopulation mit metastasiertem Melanomwird auf 29,3 l/Tag geschätzt (mit einer Variabilität zwischen den Patienten von 31,9 %). Dieanhand der populationspharmakokinetischen Analyse geschätzte Populations-
Eliminationshalbwertszeit von Vemurafenib beträgt 51,6 Stunden (das 5. und das 95. Perzentilder geschätzten individuellen Halbwertszeit liegen im Bereich von 29,8 - 119,5 Stunden).
In der Massenbilanz-Studie am Menschen mit oral angewendetem Vemurafenib wurden im
Durchschnitt 95 % der Dosis innerhalb von 18 Tagen ausgeschieden. Der Hauptteil der zu
Vemurafenib gehörenden Substanzen (94 %) wurde über die Fäzes und < 1 % wurde über den
Urin ausgeschieden. Die renale Elimination scheint bei der Vemurafenib-Ausscheidung keine
Rolle zu spielen, während die biliäre Exkretion unveränderter Substanz möglicherweise einwichtiger Eliminationsweg ist. Vemurafenib ist in vitro sowohl Substrat als auch Inhibitor von
P-gp.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenAuf Grundlage der Populations-PK-Analyse hat das Alter keine statistisch signifikante Wirkung aufdie Pharmakokinetik von Vemurafenib.
GeschlechtDie populationspharmakokinetische Analyse ergab eine 17 % höhere scheinbare Clearance (CL/F) undein 48 % größeres scheinbares Verteilungsvolumen (V/F) bei Männern als bei Frauen. Es istnicht klar, ob es sich hierbei um eine geschlechts- oder körpergrößenspezifische Wirkunghandelt. Die Unterschiede in der Exposition sind jedoch nicht ausreichend groß, um eine
Dosisanpassung nach Geschlecht oder Körpergröße zu rechtfertigen.
NierenfunktionsstörungenIn der populationspharmakokinetischen Analyse, unter Verwendung von Daten aus klinischen Studienbei Patienten mit metastasiertem Melanom, beeinflusste eine leichte bis mäßige
Nierenfunktionsstörung die scheinbare Vemurafenib-Clearance nicht (Kreatinin-Clearance> 40 ml/min). Für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung liegen keine Daten vor (siehe
Abschnitte 4.2 und 4.4).
LeberfunktionsstörungenAuf der Grundlage präklinischer Daten und der Massenbilanz-Studie am Menschen wird der größte
Teil von Vemurafenib über die Leber eliminiert. In der populationspharmakokinetischen
Analyse, unter Verwendung von Daten aus klinischen Studien mit Patienten mit metastasiertem
Melanom, beeinflussten erhöhte AST- und ALT-Werte von bis zum 3-Fachen des oberen
Normalwertes die scheinbare Vemurafenib-Clearance nicht. Die Daten reichen nicht aus, um die
Wirkung metabolischer oder exkretorischer Leberfunktionsstörung auf die Vemurafenib-
Pharmakokinetik zu bestimmen (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Kinder und JugendlicheBegrenzte pharmakokinetische Daten von sechs jugendlichen Patienten im Alter zwischen 15 und17 Jahren mit BRAF-V600-Mutation-positivem Melanom im Stadium IIIC oder IV lassenvermuten, dass die pharmakokinetischen Eigenschaften von Vemurafenib bei Jugendlichen im
Allgemeinen ähnlich sind wie bei Erwachsenen. Siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Das präklinische Sicherheitsprofil von Vemurafenib wurde an Ratten, Hunden und Kaninchenbestimmt.
In Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe wurden beim Hund die Leber und das Knochenmarkals Zielorgane identifiziert. Reversible toxische Wirkungen (hepatozelluläre Nekrose und
Degeneration) in der Leber wurden bei Expositionen, die unter der zu erwartenden klinischen
Belastung lagen (basierend auf AUC-Vergleichen), in der 13-wöchigen Studie an Hundenfestgestellt. Eine fokale Knochenmarksnekrose wurde in einer frühzeitig beendeten39-wöchigen Studie an Hunden unter Expositionen ähnlich der erwarteten klinischen Belastung(basierend auf AUC-Vergleichen) bei einem Hund festgestellt. In einer in vitro-Knochenmarks-
Zytotoxizitäts-Studie wurde in einigen lympho-hämatopoetischen Zellpopulationen von Ratte,
Hund und Mensch in klinisch relevanten Konzentrationen eine leichte Zytotoxizität beobachtet.
Es wurde gezeigt, dass Vemurafenib in vitro auf kultivierten murinen Fibroblasten nach UVA-
Bestrahlung phototoxisch wirkt, jedoch nicht in vivo in einer Rattenstudie in Dosen von bis zu450 mg/kg/Tag (bei Expositionen unter der erwarteten klinischen Exposition [basierend auf
AUC-Vergleichen]). Es wurden keine spezifischen Studien an Tieren durchgeführt, um die
Wirkung von Vemurafenib auf die Fertilität zu bewerten. In Studien zur Toxizität beiwiederholter Gabe wurden jedoch bei männlichen und weiblichen Ratten und bei Hunden bei
Dosierungen von bis zu 450 mg/kg/Tag (bei Expositionen unter der erwarteten klinischen
Exposition am Menschen [basierend auf AUC-Vergleichen]) keine histopathologischen
Befunde in Bezug auf die Fortpflanzungsorgane festgestellt. In embryofötalen
Entwicklungsstudien an Ratten und Kaninchen, bei Dosen entsprechend bis zu jeweils250 mg/kg/Tag und 450 mg/kg/Tag, die zu Expositionen unter der erwarteten klinischen
Exposition führten (basierend auf AUC-Vergleichen), wurde keine Teratogenität beobachtet.
Jedoch waren die Expositionen in den embryofötalen Entwicklungsstudien unter der klinischen
Exposition basierend auf AUC-Vergleichen. Deswegen ist es schwierig zu definieren, inwelchem Ausmaß diese Ergebnisse auf Menschen extrapoliert werden können. Daher kann eine
Wirkung von Vemurafenib auf den Fötus nicht ausgeschlossen werden. Im Hinblick auf die prä-und postnatale Entwicklung wurden keine Studien durchgeführt.
Weder über in vitro-Untersuchungen (Genmutationstest an Bakterien [AMES],
Chromosomenaberrationstest an menschlichen Lymphozyten) noch über den in-vivo-
Mikronukleustest an Rattenknochenmark, die mit Vemurafenib durchgeführt wurden, wurden
Anzeichen für Genotoxizität festgestellt.
Es wurden keine Karzinogenitätsstudien mit Vemurafenib durchgeführt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
TablettenkernCroscarmellose-Natrium
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat
Hyprolose
FilmüberzugPoly(vinylalkohol)
Titandioxid (E 171)
Macrogol 3350
Talkum
Eisen(III)-oxid (E 172)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Perforierte Blisterpackung zur Abgabe von Einzeldosen aus Aluminium/Aluminium.
Packungsgröße: 56 x 1 Filmtabletten (7 Blisterpackungen zu je 8 x 1 Tablette)
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Roche Registration GmbH
Emil-Barell-Straße 179639 Grenzach-Wyhlen
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 17. Februar 2012
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 22. September 2016
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.