Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels VELPHORO 500mg kautabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Velphoro 500 mg Kautabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Kautablette enthält Sucroferric Oxyhydroxide, das 500 mg Eisen entspricht. Das in einer Tabletteenthaltene Sucroferric Oxyhydroxide besteht aus vielkernigem Eisen(III)-Oxyhydroxid (enthält 500mg Eisen), 750 mg Sucrose (Saccharose) und 700 mg Stärke (Kartoffelstärke und vorverkleisterte
Stärke (Mais).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Kautablette.
Braune, runde Tabletten mit der Prägung PA500 auf einer Seite. Die Tabletten haben einen
Durchmesser von 20 mm bei einer Dicke von 6,5 mm.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Velphoro wird zur Kontrolle des Serumphosphatspiegels bei erwachsenen Patienten mit chronischer
Nierenerkrankung (CKD) eingesetzt, die sich einer Hämodialyse (HD) oder einer Peritonealdialyse(PD) unterziehen.
Velphoro wird zur Kontrolle des Serumphosphatspiegels bei Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahrenmit CKD-Stadium 4-5 (definiert durch eine glomeruläre Filtrationsrate < 30 ml/min/1,73 m²) oder mitdialysepflichtiger CKD eingesetzt.
Velphoro sollte im Rahmen eines multiplen Therapieansatzes zum Einsatz kommen, dazu zählen die
Zuführung von Calcium-Präparaten, 1,25-Dihydroxyvitamin D3 oder einem seiner Analoge oder
Kalzimimetika, um die Entstehung einer renalen Osteodystrophie zu vermeiden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungStartdosis für Erwachsene und Jugendliche (≥ 12 Jahre)
Die empfohlene Startdosis ist 1.500 mg Eisen pro Tag (3 Tabletten), aufgeteilt über die Mahlzeiten des
Tages.
Titrierung und Erhaltung bei Erwachsenen und Jugendlichen (≥ 12 Jahre)
Der Serumphosphatspiegel muss überwacht und die Sucroferric Oxyhydroxide -Dosis alle 2 -4 Wochen in Schritten von 500 mg Eisen pro Tag (1 Tablette) nach oben oder unten titriert werden, bisein akzeptabler Serumphosphatspiegel erzielt wird. Danach muss der Serumphosphatspiegel weiterhinregelmäßig überwacht werden.
In der klinischen Praxis findet die Behandlung auf Grundlage des Bedarfs zur Kontrolle des
Serumphosphatspiegels statt, wobei Patienten, die auf Velphoro ansprechen, für gewöhnlich denoptimalen Serumphosphatspiegel mit einer täglichen Dosis von 1.500 bis 2.000 mg Eisen (3 bis 4
Tabletten) erreichen.
Wenn die Einnahme einer oder mehrerer Dosen vergessen wurde, sollte die normale Dosis des
Arzneimittels wie gewohnt mit der nächsten Mahlzeit eingenommen werden.
Tolerierte tägliche Höchstdosis für Erwachsene und Jugendliche (≥ 12 Jahre)
Die empfohlene Höchstdosis ist 3.000 mg Eisen (6 Tabletten).
Startdosis, Titrierung und Erhaltung bei Kindern (2 bis < 12 Jahre)
Velphoro ist auch in Beuteln als 125 mg Pulver zum Einnehmen für die Anwendung bei Kindern von2 bis < 12 Jahren erhältlich. Die Wahl der Darreichungsform hängt von Alter, Präferenz,
Charakteristika und Therapietreue (Compliance) des Patienten ab. Beim Wechsel der
Darreichungsform sollte dieselbe empfohlene Dosis angewendet werden. Die empfohlenen Startdosenund Dosistitrationen von Velphoro für Kinder im Alter von 2 bis < 12 Jahren sind in Tabelle 1angegeben.
Tabelle 1 Empfohlene Startdosen und Dosistitrationen bei Kindern von 2 bis < 12 Jahren
Patientenalter (in Jahren) Tägliche Dosissteigerungen Empfohlene tägliche
Startdosis oder -- Höchstdosisverringerungen≥ 2 bis < 6 500 mg 125 mg oder 250 mg 1.250 mg≥ 6 bis < 9 750 mg 125, 250 oder 375 mg 2.500 mg≥ 9 bis < 12 1.000 mg 250 oder 500 mg 3.000 mg
Patienten von 2 bis < 6 Jahren sollte das Pulver zum Einnehmen verabreicht werden, da Kautablettenfür diese Altersgruppe nicht geeignet sind.
Patienten von 6 bis < 12 Jahren können statt dem Velphoro Pulver zum Einnehmen oder in
Kombination damit Velphoro Kautabletten verschrieben werden, falls die tägliche Dosis 1.000 mg
Eisen (2 Kautabletten) oder mehr beträgt.
Der Serumphosphatspiegel muss überwacht und die Sucroferric Oxyhydroxide -Dosis einmal alle2 Wochen durch Anpassung der täglichen Dosis gemäß Tabelle 1 nach oben oder unten titriert werden,bis ein akzeptabler Serumphosphatspiegel erzielt wird. Danach muss der Serumphosphatspiegelweiterhin regelmäßig überwacht werden.
Kinder und Jugendliche (< 2 Jahre)
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Velphoro bei Kindern unter 2 Jahren ist bisher noch nichterwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Eingeschränkte NierenfunktionVelphoro wird zur Kontrolle des Serumphosphatspiegels bei erwachsenen CKD-Patienten eingesetzt,die sich einer HD oder einer PD unterziehen. Es liegen keine klinischen Daten für Patienten vor, beidenen eine eingeschränkte Nierenfunktion im Frühstadium vorliegt.
Eingeschränkte LeberfunktionPatienten mit schwerer Einschränkung der Leberfunktion wurden von einer Teilnahme an klinischen
Studien zum Sucroferric Oxyhydroxide ausgeschlossen. Es wurden jedoch keine Anzeichen für
Leberfunktionsstörungen oder eine wesentliche Veränderung der Leberenzyme in den klinischen
Studien zum Sucroferric Oxyhydroxide beobachtet. Weitere Informationen siehe Abschnitt 4.4.
Ältere Menschen (≥ 65 Jahre)
Velphoro wurde an mehr als 248 älteren Patienten (im Alter von ≥ 65 Jahren) in der vorgesehenen
Dosierung angewendet. Von der Gesamtzahl der Patienten in klinischen Studien mit Sucroferric
Oxyhydroxide waren 29,7 % im Alter von 65 Jahren und älter und 8,7 % waren 75 Jahre und älter. Indiesen Studien wurden keine besonderen Richtlinien für die Dosis und Gabe angewendet, und es lagenkeine wesentlichen Bedenken hinsichtlich der Dosierungspläne vor.
Art der AnwendungZum Einnehmen.
Velphoro ist eine Kautablette, die mit den Mahlzeiten eingenommen werden muss. Um die
Phosphatabsorption aus der Nahrung zu erhöhen, sollte die Tagesdosis über die Mahlzeiten des Tagesverteilt werden. Die Patienten müssen nicht mehr Flüssigkeit trinken als sonst üblich und sollten dieverordnete Diät einhalten. Die Tabletten müssen zerkaut oder zerkleinert werden. Die Tabletten dürfennicht als Ganzes geschluckt werden.
4.3 Kontraindikationen
* Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
* Hämochromatose oder sonstige Eisenüberladungskrankheiten.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Peritonitis, Erkrankungen des Magens und der Leber und gastrointestinale Operationen
Patienten, bei denen kürzlich (innerhalb der letzten 3 Monate) Peritonitis oder schwere gastrische oderhepatische Störungen festgestellt wurden und Patienten, die sich größeren gastrointestinalen
Operationen unterzogen haben, wurden in der klinischen Studie zu Velphoro nicht berücksichtigt. Die
Behandlung mit Velphoro sollte bei diesen Patienten nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägungeingesetzt werden.
Verfärbter Stuhl
Sucroferric Oxyhydroxide kann verfärbten (schwarzen) Stuhl verursachen. Verfärbter (schwarzer)
Stuhl kann optisch eine gastrointestinale Blutung verdecken (siehe Abschnitt 4.5).
Informationen über Sucrose (Saccharose) und Stärke (Kohlenhydrate)
Velphoro enthält Sucrose (Saccharose). Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-Intoleranz,einer Glucose-Galactose-Malabsorption oder Saccharase-Isomaltase-Mangel sollten dieses
Arzneimittel nicht einnehmen.
Es kann schädlich für die Zähne sein.
Velphoro enthält Kartoffelstärke und vorverkleisterte Stärke aus Mais. Patienten mit Diabetes solltenbeachten, dass eine Tablette Velphoro etwa 1,4 g Kohlenhydrate (entsprechend 0,116 Broteinheiten)entspricht.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Velphoro wird fast nicht aus dem Magen-Darm-Trakt absorbiert. Wenngleich das Potenzial für
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln gering erscheint, sollten im Fall einer gleichzeitigen
Behandlung mit Arzneimitteln mit engem therapeutischen Fenster bei Einleitung der Behandlung oder
Dosisanpassung von Velphoro oder dem begleitenden Arzneimittel klinische Wirkung undunerwünschte Ereignisse überwacht werden. Alternativ sollte der Arzt eine Messung der Blutspiegel in
Erwägung ziehen. Bei Gabe eines Arzneimittels, das bereits bekannte Wechselwirkungen mit Eisenhat (wie Alendronat und Doxycyclin) oder das allein auf Grundlage von In-vitro-Studien die
Möglichkeit von Wechselwirkungen mit Sucroferric Oxyhydroxide besteht, wie Levothyroxin, solltedas betreffende Arzneimittel mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach Velphoroangewendet werden.
In-vitro-Studien mit den folgenden Wirkstoffen zeigten keine relevanten Wechselwirkungen:
Acetysalicylsäure, Cephalexin, Cinacalcet, Ciprofloxacin, Clopidogrel, Enalapril, Hydrochlorothiazid,
Metformin, Metoprolol, Nifedipin, Pioglitazon und Chinidin.
Studien zu Wechselwirkungen wurden nur bei gesunden Probanden durchgeführt. Sie wurden mitgesunden männlichen und weiblichen Probanden mit Losartan, Furosemid, Digoxin, Warfarin und
Omeprazol durchgeführt. Eine gleichzeitige Gabe von Velphoro beeinflusste die Bioverfügbarkeitdieser Arzneimittel nicht, wie anhand der Fläche unter der Kurve (AUC) gemessen wurde.
Daten aus klinischen Studien haben gezeigt, dass Sucroferric Oxyhydroxide sich nicht auf dielipidsenkende Wirkung von HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren (z. B. Atorvastatin und Simvastatin)auswirkt. Weiterhin konnte in Post-Hoc-Analysen von klinischen Studien kein Einfluss von Velphoroauf den iPTH-mindernden Effekt von oralen Vitamin D-Analoga gezeigt werden. Der
Vitamin D- sowie der 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D-Spiegel blieben unverändert.
Velphoro hat keine Auswirkungen auf Okkultbluttests auf Guajak-Basis (Hämokult) oder aufimmunologische Okkultbluttests (iColo Rectal und Hexagon Obti).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen keine klinischen Daten für die Verwendung von Sucroferric Oxyhydroxide in der
Schwangerschaft vor.
Tierexperimentelle Studien zur Reproduktions- und Entwicklungstoxizität zeigten keine Risiken in
Bezug auf Schwangerschaft, Embryonal- und Fötusentwicklung, Geburtsvorgang oder postnatale
Entwicklung (siehe Abschnitt 5.3). Sucroferric Oxyhydroxide sollte bei schwangeren Frauen nur beieindeutigem Bedarf und nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung eingesetzt werden.
StillzeitZur Anwendung von Velphoro bei stillenden Frauen liegen keine klinischen Daten vor. Die minimale
Absorption des Eisens aus diesem Arzneimittel (siehe Abschnitt 5.2) macht eine Ausscheidung von
Sucroferric Oxyhydroxide über die Muttermilch unwahrscheinlich. Bei der Entscheidung, ob weitergestillt oder die Sucroferric-Oxyhydroxide -Therapie fortgesetzt werden sollte, ist der Nutzen des
Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Velphoro-Therapie für die Mutter abzuwägen.
FertilitätEs gibt keine Daten zu den Auswirkungen von Velphoro auf die Fertilität beim Menschen. Intierexperimentellen Studien wurden nach der Behandlung mit Sucroferric Oxyhydroxide keinenegativen Auswirkungen auf die Paarungsleistung, die Fertilität und die Wurfparameter festgestellt(siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenVelphoro hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDas aktuelle Sicherheitsprofil von Velphoro basiert auf insgesamt 778 Patienten, die sich einer
Hämodialyse unterzogen, und 57 Patienten, die sich einer Peritonealdialyse unterzogen, und die übereinen Zeitraum von bis zu 55 Wochen eine Sucroferric Oxyhydroxide-Behandlung erhielten.
In diesen klinischen Studien hatten während der Behandlung mit Velphoro ungefähr 43 % der
Patienten mindestens eine Nebenwirkung, wobei 0,36 % der Nebenwirkungen als schwerwiegendgemeldet wurden. Die Mehrheit der Nebenwirkungen, die aus klinischen Studien berichtet wurden,waren Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren
Diarrhö und verfärbter Stuhl (sehr häufig). Die überwiegende Mehrheit dieser Erkrankungen des
Gastrointestinaltrakts trat zu Anfang der Behandlung auf und ließ bei fortgesetzter Dosierung mit der
Zeit nach. Es wurden keine dosisabhängigen Entwicklungen im Nebenwirkungsprofil von Velphorobeobachtet.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Velphoro bei einer Dosierung von 250 mg Eisen/Tagbis 3.000 mg Eisen/Tag bei diesen Patienten auftraten (n = 835), sind in Tabelle 2 aufgelistet.
Die Melderaten sind wie folgt festgelegt: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich(≥ 1/1.000, < 1/100).
Tabelle 2 In klinischen Studien festgestellte Nebenwirkungen
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich
Stoffwechsel- und Hyperkalzämie
Ernährungsstörungen Hypokalzämie
Erkrankungen des Kopfschmerzen
Nervensystems
Erkrankungen der Dyspnoe
Atemwege, des
Brustraums und
Mediastinums
Störungen des Diarrhö* Übelkeit Abdominale Distension
Gastrointestinaltrakts Stuhlverfärbung Verstopfung Gastritis
Erbrechen Abdominale
Dyspepsie Beschwerden
Abdominalschmerzen Dysphagie
Flatulenz Gastroösophageale
Zahnverfärbung Refluxkrankheit(GORD)
Verfärbung der Zunge
Störungen der Haut und Pruritusdes Hautausschlag
Unterhautzellgewebes
Allgemeine Anormaler Geschmack Ermüdung
Beschwerden und des Arzneimittels
Störungen an der
Verabreichungsstelle
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen*Diarrhö
Diarrhö trat in klinischen Studien bei 11,6 % aller Patienten auf. In der Langzeitstudie übereinen Zeitraum von 55 Wochen war die Mehrheit dieser Nebenwirkungen in Form von Diarrhö-
Ereignissen vorübergehend, trat frühzeitig nach Einleitung der Behandlung auf und führtelediglich bei 3,1 % der Patienten zu einem Behandlungsabbruch.
Kinder und JugendlicheIm Allgemeinen war das Sicherheitsprofil von Velphoro bei Kindern und Jugendlichen (2 bis< 18 Jahre) mit dem von Erwachsenen vergleichbar. Die am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungenwaren Störungen des Gastrointestinaltrakts, einschließlich Diarrhö (sehr häufig, 16,7 %), Erbrechen(häufig, 6,1 %), Gastritis (häufig, 3,0 %) und Stuhlverfärbung (häufig, 3,0 %).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Fälle einer Überdosierung von Velphoro (z. B. Hypophosphatämie) sollten entsprechend der gängigenklinischen Standardpraxis behandelt werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Alle übrigen therapeutischen Mittel; Mittel zur Behandlung von
Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie, ATC-Code: V03AE05
WirkmechanismusVelphoro enthält Sucroferric Oxyhydroxide, das aus vielkernigem Eisen(III)-hydroxid-oxid(pn-FeOOH), Sucrose (Saccharose) und Stärken besteht. Die Phosphatbindung erfolgt mittels
Ligandenaustausch zwischen Hydroxygruppen und/oder Wasser und den Phosphationen über denphysiologischen pH-Bereich des Gastrointestinaltrakts.
Der Serumphosphatspiegel wird aufgrund der verringerten Phosphatabsorption aus der Nahrunggesenkt.
Klinische WirksamkeitEs wurde eine klinische Phase-III-Studie an Patienten mit CKD durchgeführt, die sich einer Dialyseunterzogen, um die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Velphoro an dieser Population zuuntersuchen. Es handelte sich um eine randomisierte, Open-Label, aktiv kontrollierte(Sevelamercarbonat) Parallelgruppenstudie mit einer Dauer von bis zu 55 Wochen. Erwachsene
Patienten mit Hyperphosphatämie (Serumphosphatspiegel ≥ 1,94 mmol/l) wurden mit Sucroferric
Oxyhydroxide behandelt, wobei die Startdosis bei 1.000 mg Eisen/Tag lag, gefolgt von einer8-wöchigen Titrationsdauer. Nach 12 Wochen wurde die Nichtunterlegenheit im Vergleich zu
Sevelamercarbonat ermittelt. Die Probanden erhielten zwischen Woche 12 und Woche 55 weiterhinihre Studienmedikation. Aus Gründen der Verträglichkeit und Wirksamkeit war zwischen Woche 12und Woche 24 eine Dosistitration zulässig. Die Behandlung von Patiententeilpopulationen zwischen
Woche 24 und Woche 27 mit der Erhaltungsdosis Sucroferric Oxyhydroxide (1.000 bis 3.000 mg
Eisen/Tag) oder einer niedrigen Dosis Sucroferric Oxyhydroxide (250 mg Eisen/Tag) bewies die
Überlegenheit der Erhaltungsdosis.
In der 05A-Studie- wurden 1.055 Patienten, die sich einer Hämodialyse (N = 968) oder
Peritonealdialyse (N = 87) unterzogen, mit einem Serumphosphatspiegel von ≥ 1,94 mmol/l nach einer2 - 4-wöchigen Phosphatbinder-Auswaschphase randomisiert und für 24 Wochen entweder mit
Sucroferric Oxyhydroxide mit einer Startdosis von 1.000 mg Eisen/Tag (N = 707), oder einer aktiven
Kontrolle (Sevelamercarbonat, N = 348) behandelt. Am Ende von Woche 24 wurden 93 Patienten, diesich einer Hämodialyse unterzogen und deren Serumphosphatspiegel im ersten Teil der Studie mit
Sucroferric Oxyhydroxide gut eingestellt war (< 1,78 mmol/l), erneut randomisiert, um die
Behandlung entweder mit ihrer jeweiligen Sucroferric Oxyhydroxide-Erhaltungsdosis aus Woche 24(N = 44) oder einer nicht wirksamen Niedrigdosiskontrolle von 250 mg Eisen/Tag (N = 49) für weiteredrei Wochen fortzusetzen.
Nach Abschluss der 05A-Studie-05A wurden 658 Patienten (597 Hämodialyse- und 61
Peritonealdialyse Patienten) in einer 28-wöchigen Verlängerungsstudie (05B-Studie) je nach ihrerursprünglichen Randomisierung entweder mit Sucroferric Oxyhydroxide (N = 391) oder mit
Sevelamercarbonat (N = 267) behandelt.
Der mittlere Serumphosphatspiegel lag zum Behandlungsbeginn bei 2,5 mmol/l und sank mit
Sucroferric Oxyhydroxide in Woche 12 auf 1,8 mmol/l (Reduktion um 0,7 mmol/l). Der entsprechende
Serumphosphatspiegel für Sevelamercarbonat lag zum Behandlungsbeginn bei 2,4 mmol/l und in
Woche 12 bei 1,7 mmol/l (Reduktion um 0,7 mmol/l).
Die Reduktion des Serumphosphatspiegels wurde über 55 Wochen aufrechterhalten. Sowohl die
Serumphosphatspiegel als auch die Spiegel von Calciumphosphatpräparaten wurden aufgrund derverringerten Phosphatabsorption aus der Nahrung gesenkt.
Die Ansprechraten, definiert als der Anteil der Probanden, die Serumphosphatspiegel im empfohlenen
Bereich der Kidney Disease Outcomes Quality Initiative (KDOQI) erzielten, betrugen für Sucroferric
Oxyhydroxide bzw. Sevelamercarbonat 45,3 % bzw. 59,1 % in Woche 12 und 51,9 % bzw. 55,2 % in
Woche 52.
Die mittlere Tagesdosis Velphoro während der Behandlungsdauer von 55 Wochen lag bei 1.650 mg
Eisen, die mittlere Tagesdosis Sevelamercarbonat bei 6.960 mg.
Daten nach der Zulassung
Es wurde eine prospektive, nichtinterventionelle Unbedenklichkeitsstudie nach der Zulassung(VERIFIE) durchgeführt, in der die kurz- und langfristige (bis zu 36 Monate) Sicherheit und
Wirksamkeit von Velphoro bei erwachsenen Patienten beurteilt wurde, die sich einer Hämodialyse(N = 1.198) oder einer Peritonealdialyse (N = 160) unterzogen und die im Rahmen der routinemäßigenklinischen Praxis über einen Zeitraum von 12 bis 36 Monaten nachbeobachtet wurden(Sicherheitsanalyseset, N = 1.365). Während der Studie wurden 45 % (N = 618) dieser Patientengleichzeitig mit einem anderen/anderen Phosphatbinder/n als Velphoro behandelt.
Die am häufigsten auftretenden ADRs im Sicherheitsanalyseset waren Diarrhö und verfärbter Stuhlund wurden von 14 % (N = 194) Patienten bzw. 9 % (N = 128) Patienten berichtet. Die Inzidenz der
Diarrhö war in der ersten Woche am höchsten und ließ bei fortgesetzter Behandlung nach. Bei denmeisten Patienten trat nur eine leichte bis mäßig starke Diarrhö auf, die bei der Mehrheit der Patienteninnerhalb von 2 Wochen wieder abklang. Verfärbter (schwarzer) Stuhl ist bei einer oral verabreichteneisenhaltigen Verbindung zu erwarten und kann gastrointestinale Blutungen verbergen. Bei 4 der 40dokumentierten begleitenden Gastrointestinalblutungen wurde von einer Velphoro-bezogenen
Stuhlverfärbung berichtet, die zu einer nicht signifikanten Verzögerung der Diagnose der
Gastrointestinalblutung geführt hatte, ohne dass die Gesundheit des Patienten dadurch beeinträchtigtwurde. In den übrigen Fällen wurde von keiner Verzögerung der Diagnose der Gastrointestinalblutungberichtet.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass die Wirksamkeit von Velphoro in der Praxis (d. h. auchunter gleichzeitiger Anwendung anderer Phosphatbinder bei 45 % der Patienten) der in der klinischen
Phase-3-Studie beobachteten Wirksamkeit entsprach.
Kinder und JugendlicheEine klinische Open-Label-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Velphoro bei
Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahren mit CKD und Hyperphosphatämie (CKD-Stufen 4-5 (definiertals glomeruläre Filtrationsrate < 30 ml/min/1,73 m²) oder mit dialysepflichtiger CKD). Fünfundachtzig
Probanden wurden randomisiert, davon bekamen 66 Velphoro und 19 Calciumacetat ( aktiver
Kontrollarm) für eine 10-wöchige Dosistitration (Stufe 1), gefolgt von einer 24-wöchigen
Sicherheitserweiterung (Stufe 2). Die meisten Patienten waren ≥ 12 Jahre (66 %). Achtzig Prozent der
Patienten waren dialysepflichtige CKD-Patienten (67 % Hämodialyse und 13 % Peritonealdialyse) und20 % nicht dialysepflichtige CKD-Patienten.
Die geringe Differenz bei der Reduzierung des mittleren Serumphosphatspiegels vom
Behandlungsbeginn bis zum Ende der Stufe 1 in der Velphoro-Gruppe (N = 65) war statistisch nichtsignifikant, mit −0,120 (0,081) mmol/l (95 % KI: −0,282; 0,043). Dies wurde auf Basis der Mixed-
Model-Berechnungen mit Echtdaten, welche einen Mittelwert von 2,08 mmol/l bei
Behandlungsbeginn und von 1,91 mmol/l am Ende der Stufe 1 zeigten (Reduzierung um 0,17 mmol/l),errechnet. Die Wirkung blieb in Stufe 2 erhalten, obwohl im zeitlichen Verlauf gewisse
Schwankungen in der mittleren Wirkung beobachtet wurden (0,099 (0,198) mmol/l (95 % KI: −0,306;0,504)).
Der prozentuale Anteil an Probanden mit Serumphosphatspiegeln im Normalbereich stieg von 37 %bei Behandlungsbeginn auf 61 % am Ende der Stufe 1 und betrug 58 % am Ende der Stufe 2, wodurchdie nachhaltige phosphorsenkende Wirkung von Sucroferric Oxyhydroxide belegt ist. Bei den
Probanden, deren Serumphosphat bei Behandlungsbeginn über den altersgerechten Normwerten lag(N = 40), zeigten die Serumphosphatspiegel einen statistisch signifikanten Rückgang vom
Behandlungsbeginn bis zum Ende der Stufe 1, mit einer Veränderung der LS-Mittelwerte (SE) von
- 0,87 (0,30) mg/dl (95 % KI: −1,47; −0,27; p = 0,006).
Das Sicherheitsprofil von Velphoro bei Kindern und Jugendlichen war im Allgemeinen mit dem zuvorbei erwachsenen Patienten beobachteten Sicherheitsprofil vergleichbar.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Velphoro wirkt, indem Phosphat im Gastrointestinaltrakt gebunden wird, so dass die
Serumkonzentration für die Wirksamkeit nicht relevant ist. Aufgrund der Unlöslichkeit und der
Abbaueigenschaften von Velphoro können keine klassischen pharmakokinetischen Untersuchungen,wie die Bestimmung des Verteilvolumens, Fläche unter der Kurve, durchschnittliche Verweilzeit etc.,durchgeführt werden.
In zwei Phase-I-Studien wurde festgestellt, dass bei gesunden Probanden die potentielle
Eisenmehraufnahme minimal ist und keine dosisabhängigen Wirkungen auftraten.
ResorptionDer aktive Bestandteil von Velphoro, pn-FeOOH, ist praktisch unlöslich und wird daher nichtabsorbiert. Seine Abbauprodukte, mononukleare Eisen-Spezies, können jedoch über die Oberflächevon pn-FeOOH freigesetzt und absorbiert werden.
Die Studien zur absoluten Absorption beim Menschen wurden nicht durchgeführt. Präklinische
Studien bei mehreren Spezies (Ratten und Hunde) zeigten, dass die systemische Absorption sehrgering ist (≤ 1 % der angewendeten Dosis).
Die Eisenaufnahme aus radioaktiv markiertem Velphoro-Wirkstoff, 2.000 mg Eisen an einem Tag,wurde bei 16 CKD-Patienten (8 prädialytische und 8 hämodialytische Patienten) und 8 gesunden
Probanden mit niedrigen Eisenspeichen (Serumferritin < 100 mg/l) untersucht. Bei gesunden
Probanden betrug am Tag 21 die mediane Aufnahme von radioaktiv markiertem Eisen im Blut 0,43 %(Bereich 0,16 - 1,25 %), bei Prädialyse-Patienten 0,06 % (Bereich 0,008 - 0,44 %) und bei
Hämodialyse-Patienten 0,02 % (Bereich 0 - 0,04 %). Die Blutkonzentrationen des radioaktivmarkierten Eisens waren sehr gering und auf die Erythrozyten beschränkt.
VerteilungDie Studien zur Verteilung beim Menschen wurden nicht durchgeführt. Präklinische Studien beimehreren Spezies (Ratten und Hunde) zeigten, dass pn-FeOOH aus dem Plasma in die Leber, die Milzund das Knochenmark verteilt und durch Einbindung in die roten Blutkörperchen verwertet wird.
Bei Patienten wird erwartet, dass das resorbierte Eisen ebenfalls an die Zielorgane, d. h. Leber, Milzund Knochenmark abgegeben und zur Einbindung in die roten Blutkörperchen verwertet wird.
BiotransformationDer aktive Bestandteil von Velphoro, pn-FeOOH, wird nicht metabolisiert. Das Abbauprodukt von
Velphoro, mononukleares Eisen-Spezies, kann jedoch über die Oberfläche von vielkernigem
Eisen(III)-hydroxid-oxid freigesetzt und absorbiert werden. Klinische Studien haben bewiesen, dassdie systemische Absorption von Eisen, das von Velphoro stammt, gering ist.
In-vitro-Daten weisen darauf hin, dass die Sucrose (Saccharose)- und Stärkekomponenten des
Wirkstoffs zu Glucose und Fructose bzw. Maltose und Glucose verdaut werden können. Diese
Verbindungen werden vom Blut absorbiert.
EliminationBei tierexperimentellen Studien an Ratten und Hunden, denen der 59Fe-Velphoro Wirkstoff oralgegeben wurde, wurde in den Exkrementen, nicht jedoch im Urin, radioaktiv markiertes Eisennachgewiesen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe und Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
Die Auswirkungen, die in Toxizitätsstudien zur embryo-fetalen Entwicklung in Kaninchen beobachtetwurden (Skelettabweichungen und unvollständige Knochenbildung) betreffen überschießendepharmakodynamische Effekte und sind wahrscheinlich nicht relevant für den Patienten. Sonstige
Studien zur Reproduktionstoxizität zeigten keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
Studien zur Karzinogenität wurden an Mäusen und Ratten durchgeführt. Eine karzinogene Wirkungbei Mäusen konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden. Nach zweijähriger Behandlung wurde in
Dickdarm und Blinddarm von Mäusen Schleimhauthyperplasien mit Divertikel-/Zystenbildungbeobachtet; dies wurde allerdings als speziesspezifischer Effekt angesehen, da in Langzeitstudien bei
Ratten oder Hunden keine Divertikel/Zysten auftraten. Bei Ratten gab es eine leicht erhöhte Inzidenzbenigner C-Zell-Adenome in den Schilddrüsen von Männchen, die Sucroferric Oxyhydroxide in der
Höchstdosis erhalten hatten. Es besteht die Ansicht, dass dies am wahrscheinlichsten eine adaptive
Reaktion auf die pharmakologische Wirkung des Arzneimittels darstellt, die keine klinische Relevanzhat.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Waldbeeren-Aroma
Neohesperidindihydrochalcon
Magnesiumstearat
Hochdisperses Siliciumdioxid
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
3 Jahre
Dauer der Haltbarkeit nach dem ersten Öffnen der Flasche: 90 Tage
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Flasche aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit kindergesichertem Verschluss aus Polypropylenund Folien-Induktionsversiegelung, gefüllt mit einem Molekularsieb-Trocknungsmittel und Watte.
Packungsgrößen zu 30 oder 90 Kautabletten.
Kindergesicherte perforierte Aluminium/Aluminium-Blisterpackung zur Abgabe von Einzeldosen mitje 6 Kautabletten in jeder Blisterpackung. Packungsgrößen zu 30 × 1 oder Bündelpackungen zu 90(3 Packungen mit 30 × 1) Kautabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zubeseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma France100-101 Terrasse Boieldieu
Tour Franklin La Défense 892042 Paris la Défense Cedex
Frankreich
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/14/943/001
EU/1/14/943/002
EU/1/14/943/003
EU/1/14/943/004
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 26. August 2014
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 25. März 2019
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.