Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels UROREC 4mg kapseln
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Urorec 4 mg Hartkapseln
Urorec 8 mg Hartkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Urorec 4 mg Hartkapseln
Eine Hartkapsel enthält 4 mg Silodosin.
Urorec 8 mg Hartkapseln
Eine Hartkapsel enthält 8 mg Silodosin.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Hartkapsel
Urorec 4 mg Hartkapseln
Gelbe, undurchsichtige Hartgelatinekapsel, Größe 3 (ungefähr 15,9 x 5,8 mm).
Urorec 8 mg Hartkapseln
Weiße, undurchsichtige Hartgelatinekapsel, Größe 0 (ungefähr 21,7 x 7,6 mm).
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Behandlung der Anzeichen und Symptome einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) bei erwachsenen
Männern.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt eine Kapsel Urorec 8 mg täglich. Für besondere Patientengruppen wirdeine Kapsel Urorec 4 mg täglich empfohlen (siehe unten).
Ältere PatientenBei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Eingeschränkte NierenfunktionBei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung (CLKR ≥ 50 bis ≤ 80 ml/min) ist keine
Dosisanpassung erforderlich.
Bei Patienten mit mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (CLKR ≥ 30 bis < 50 ml/min) wird eine
Anfangsdosis von 4 mg einmal täglich empfohlen. Diese Dosis kann nach einer Behandlungswocheauf 8 mg einmal täglich erhöht werden, abhängig vom Ansprechen des einzelnen Patienten. Eine
Anwendung bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (CLKR < 30 ml/min) wird nichtempfohlen (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Eingeschränkte LeberfunktionBei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassungerforderlich.
Die Anwendung bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung wird nicht empfohlen, da keine
Daten zur Verfügung stehen (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Kinder und JugendlicheEs gibt im Anwendungsgebiet keinen relevanten Nutzen von Urorec bei Kindern und Jugendlichen fürdie Indikation der benignen Prostatahyperplastie (BPH).
Art der AnwendungZum Einnehmen.
Die Kapsel sollte zu einer Mahlzeit eingenommen werden, vorzugsweise immer zur gleichen
Tageszeit. Die Kapsel sollte nicht zerbrochen oder zerkaut, sondern als Ganzes geschluckt werden, ambesten mit einem Glas Wasser.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS)Während einer Kataraktoperation wurde bei manchen Patienten, die gleichzeitig oder in der
Vorgeschichte mit α1-Blockern behandelt wurden, ein IFIS (eine Variante des Small-Pupil-Syndroms)beobachtet. Dies kann während der Operation zu einer erhöhten Komplikationsrate führen.
Der Beginn einer Therapie mit Silodosin wird bei Patienten, bei denen eine Kataraktoperation geplantist, nicht empfohlen. Es wird geraten, die Behandlung mit einem α1-Blocker 1-2 Wochen vor der
Kataraktoperation zu beenden, wobei aber der Vorteil und die Dauer einer Therapieunterbrechung vorder Kataraktoperation noch nicht geklärt sind.
Im Rahmen der präoperativen Untersuchungen sollten der Augenchirurg und das ophthalmologische
Team abklären, ob Patienten, die für eine Kataraktoperation vorgesehen sind, mit Silodosin behandeltwerden oder wurden. Damit soll sichergestellt werden, dass während der Operation geeignete
Maßnahmen zur Behandlung eines IFIS ergriffen werden können.
Orthostatische WirkungenDie Häufigkeit orthostatischer Wirkungen unter Silodosin ist sehr selten. Dennoch kann es beieinzelnen Patienten zu einer Blutdrucksenkung kommen, die in seltenen Fällen zu einer Synkopeführen kann. Bei den ersten Anzeichen einer orthostatischen Hypotonie (zum Beispiel posturaler
Schwindel) soll sich der Patient hinsetzen oder hinlegen, bis die Symptome abgeklungen sind. Bei
Patienten mit orthostatischer Hypotonie wird die Behandlung mit Silodosin nicht empfohlen.
Eingeschränkte NierenfunktionBei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (CLKR < 30 ml/min) wird die Anwendung von
Silodosin nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
Eingeschränkte LeberfunktionDa für Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung keine Daten vorliegen, wird die Anwendung von
Silodosin bei diesen Patienten nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
ProstatakarzinomDa BPH und Prostatakarzinome die gleiche Symptomatik aufweisen und gleichzeitig vorkommenkönnen, sollte bei Patienten mit einer mutmaßlichen BPH vor Einleiten der Therapie mit Silodosin das
Vorliegen eines Prostatakarzinoms durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden. Vor der
Behandlung und anschließend in regelmäßigen Abständen sollten eine digitale rektale Untersuchungund falls notwendig eine Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) erfolgen.
Die Behandlung mit Silodosin führt zu einer Abnahme der Anzahl von Spermien im Ejakulat,wodurch die männliche Fertilität vorübergehend beeinträchtigt werden kann. Nach Absetzen von
Silodosin normalisiert sich die Fertilität wieder (siehe Abschnitt 4.8).
NatriumDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Kapsel, d. h. es ist nahezu'natriumfrei'.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Silodosin wird in hohem Maße metabolisiert, vorwiegend über CYP3A4, Alkoholdehydrogenase und
UGT2B7. Silodosin ist außerdem ein Substrat für P-Glykoprotein. Arzneimittel, die diese Enzyme und
Transporter inhibieren (wie Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir oder Ciclosporin) oder induzieren(wie Rifampicin, Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin), können die Konzentration von Silodosin undseines aktiven Metaboliten im Plasma beeinflussen.
AlphablockerDa die Sicherheit der Anwendung von Silodosin in Kombination mit anderenα-Adrenorezeptor-Antagonisten bisher nicht ausreichend belegt wurde, wird eine gleichzeitige
Anwendung mit anderen α-Adrenorezeptor-Antagonisten nicht empfohlen.
CYP3A4-HemmerIn einer Wechselwirkungsstudie wurden bei gleichzeitiger Anwendung eines hoch wirksamen
CYP3A4-Hemmers (Ketoconazol 400 mg) ein 3,7-facher Anstieg der maximalen Plasmakonzentrationvon Silodosin sowie ein 3,1-facher Anstieg der Silodosin-Exposition (d. h. AUC) beobachtet. Einegleichzeitige Anwendung mit hoch wirksamen CYP3A4-Hemmern (wie Ketoconazol, Itraconazol,
Ritonavir oder Ciclosporin) wird nicht empfohlen.
Wurde Silodosin gleichzeitig mit einem mittelstarken CYP3A4-Hemmer wie Diltiazem angewendet,wurde ein Anstieg der AUC von Silodosin um rund 30% beobachtet, während die Cmax und
Halbwertszeit unbeeinflusst waren. Diese Veränderung besitzt keine klinische Relevanz, und eine
Dosisanpassung ist nicht nötig.
PDE-5-HemmerZwischen Silodosin und maximalen Dosen von Sildenafil oder Tadalafil wurden geringepharmakodynamische Wechselwirkungen beobachtet. In einer placebokontrollierten Studie an24 Probanden zwischen 45 und 78 Jahren, die mit Silodosin behandelt wurden, führte beiorthostatischen Tests (Stehen versus Liegen) die gleichzeitige Gabe von Sildenafil 100 mg oder
Tadalafil 20 mg zu keiner klinisch bedeutsamen mittleren Senkung des systolischen oder diastolischen
Blutdrucks. Bei Probanden über 65 Jahren wurden mittlere Blutdrucksenkungen zu verschiedenen
Zeitpunkten zwischen 5 - 15 mmHg (systolisch) und 0 - 10 mmHg (diastolisch) gemessen. Positiveorthostatische Tests traten während der kombinierten Gabe nur geringfügig häufiger auf; einesymptomatische Orthostase oder Schwindel war jedoch nicht zu beobachten. Patienten, diegleichzeitig PDE-5-Hemmer und Silodosin einnehmen, sollten auf mögliche Nebenwirkungen hinüberwacht werden.
AntihypertensivaIm klinischen Studienprogramm erhielten zahlreiche Patienten eine Begleittherapie mit
Antihypertensiva (meist handelte es sich um Substanzen mit Wirkung auf das
Renin-Angiotensin-System, Betablocker, Calciumantagonisten und Diuretika). Die Inzidenz einerorthostatischen Hypotonie erhöhte sich jedoch nicht. Dennoch sollte eine gleichzeitige Anwendungvon Antihypertensiva mit Vorsicht begonnen und die Patienten auf mögliche Nebenwirkungenüberwacht werden.
DigoxinDie Steady-state-Spiegel von Digoxin, einem Substrat für P-Glykoprotein, wurden durch gleichzeitige
Gabe von Silodosin 8 mg einmal täglich nicht signifikant verändert. Es ist keine Dosisanpassungerforderlich.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft und StillzeitNicht zutreffend, da Silodosin nur für die Anwendung bei Männern bestimmt ist.
FertilitätIn klinischen Studien wurde während der Behandlung mit Silodosin eine reduzierte Anzahl bzw. ein
Fehlen von Spermien im Ejakulat beobachtet (siehe Abschnitt 4.8), was auf die pharmakodynamischen
Eigenschaften von Silodosin zurückzuführen ist. Vor Beginn der Behandlung sollten Patienten daherüber eine mögliche vorübergehende Beeinträchtigung der männlichen Fertilität informiert werden.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenUrorec hat geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen. Die Patienten sollten jedoch darauf hingewiesen werden, dass eventuell
Symptome einer orthostatischen Hypotonie (etwa Schwindel) auftreten können und sie daher mit dem
Steuern eines Fahrzeugs und dem Bedienen von Maschinen vorsichtig sein sollten, bis sie wissen, wiesie auf Silodosin reagieren.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie Unbedenklichkeit von Silodosin wurde in vier doppelblinden, kontrollierten klinischen
Phase II-III-Studien (mit 931 Patienten unter Silodosin 8 mg einmal täglich und 733 Patienten unter
Placebo) sowie in zwei offenen Langzeitfolgestudien beurteilt. Insgesamt wurden 1.581 Patienten mit8 mg Silodosin einmal täglich behandelt, davon 961 Patienten über mindestens 6 Monate und384 Patienten über einen Zeitraum von 1 Jahr.
In den placebokontrollierten klinischen Studien und während der Langzeit-Anwendung waren die mit23% am häufigsten berichteten Nebenwirkungen von Silodosin Ejakulationsstörungen, wie z.B.
retrograde Ejakulation und Anejakulation (die reduzierte Anzahl bzw. das Fehlen von Spermien im
Ejakulat). Dieser Effekt kann die männliche Fertilität vorübergehend beeinträchtigen, klingt aberwenige Tage nach Absetzen der Behandlung wieder ab (siehe Abschnitt 4.4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenIn der unten stehenden Tabelle sind die in allen klinischen Studien und in der weltweiten Erfahrungnach Markteinführung gemeldeten Nebenwirkungen, die in einem plausiblen kausalen Zusammenhangmit dem Arzneimittel stehen, nach MedDRA-Systemorganklasse und Häufigkeit aufgeführt: sehrhäufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100); selten (≥ 1/10.000,< 1/1.000); sehr selten (< 1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Datennicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nachabnehmendem Schweregrad angegeben.
System- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Nichtorganklasse bekannt
Erkrankungen Allergischedes Reaktionen
Immunsystems wie
Schwellun-gen im
Gesicht,geschwol-lene Zungeoderpharyngeales
Ödem1
Psychiatrische Verminderte
Erkrankungen Libido
Erkrankungen Schwindel Synkopedes Verlust des
Nervensystems Bewusst-seins1
Herzerkran- Tachykardie1 Palpita-kungen tionen1
Gefäßerkran- Orthostatis Hypotonie1kungen che
HypotonieErkrankungen Nasenver-der Atemwege, stopfungdes Brustraumsund
Mediastinums
Erkrankungen Diarrhö Übelkeitdes Mundtrockenhei
Gastrointes- ttinaltrakts
Leber- und Abnormale
Gallenerkran- Testergebnissekungen zu
Leberfunktions-werten1
Erkrankungen Hautausschlag1der Haut und Pruritus1des Unterhaut- Urtikaria1gewebes Arzneimittel-exanthem1
Erkrankungen Ejakulationsst Erektileder örung, Dysfunktion
Geschlechts- einschließlichorgane und der retrograde
Brustdrüse Ejakulation
Anejakulation
Verletzung, Intraopera-
Vergiftung und tivesdurch Eingriffe Floppy-bedingte Iris-
Komplikationen Syndrom1 - Nebenwirkungen aus Spontanberichten in der weltweiten Erfahrung nach Markteinführung (Häufigkeiten berechnet nachgemeldeten Ereignissen in klinischen Studien der Phase I-IV sowie nicht-interventionellen Studien).
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenOrthostatische HypotonieIn placebokontrollierten klinischen Studien lag die Häufigkeit einer orthostatischen Hypotonie bei1,2% in den Silodosin-Gruppen bzw. bei 1,0% in den Placebogruppen. Eine orthostatische Hypotoniekann gelegentlich zu einer Synkope führen (siehe Abschnitt 4.4).
Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS)Während Kataraktoperationen wurde über das Auftreten eines IFIS berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Silodosin wurde an gesunden männlichen Probanden in Dosen von bis zu 48 mg/Tag untersucht. Diedosislimitierende Nebenwirkung war eine orthostatische Hypotonie. Wenn die Einnahme noch nichtlange zurück liegt, kann ein Einleiten von Erbrechen oder eine Magenspülung erwogen werden. Fallsdie Überdosis von Silodosin zu einer Hypotonie führt, muss für eine kardiovaskuläre Unterstützunggesorgt werden. Eine Dialyse bringt vermutlich keinen signifikanten Nutzen, da Silodosin in hohem
Maß (96,6%) an Proteine gebunden wird.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Urologika, Alpha-Adrenorezeptor-Antagonisten,
ATC-Code: G04CA04.
WirkmechanismusSilodosin besitzt eine hohe Selektivität für α1A-Adrenorezeptoren, die vorwiegend in der menschlichen
Prostata, Harnblase, im Blasenhals, in der Prostatakapsel und prostatischen Harnröhre lokalisiert sind.
Eine Blockade dieser α1A-Adrenorezeptoren bewirkt eine Entspannung der glatten Muskulatur indiesen Geweben und damit eine Verminderung des Blasenauslasswiderstands, ohne dabei die
Kontraktilität des glatten Detrusormuskels zu beeinträchtigen. Dies führt zu einer Verbesserung dermit einer benignen Prostatahyperplasie assoziierten Speicher- (irritativen) und
Entleerungs- (obstruktiven) Symptome (Lower urinary tract symptoms, LUTS).
Silodosin verfügt über eine wesentlich geringere Affinität zu den vorwiegend im kardiovaskulären
System lokalisierten α1B-Adrenorezeptoren. In vitro konnte gezeigt werden, dass dasα1A:α1B-Bindungsverhältnis von Silodosin (162:1) äußerst hoch ist.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitIn einer doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Phase II-Dosisfindungsstudie mit
Silodosin 4 oder 8 mg einmal täglich wurde unter Silodosin eine stärkere Besserung des
Symptom-Index-Score der American Urologic Association (AUA) verzeichnet als unter Placebo(Silodosin 8 mg: -6,8 ± 5,8, n = 90; p = 0,0018; Silodosin 4 mg: -5,7 ± 5,5, n = 88; p = 0,0355;
Placebo: -4,0 ± 5,5, n = 83).
Mehr als 800 Patienten mit mittelschweren bis schweren Symptomen einer BPH (International
Prostate Symptom Score, IPSS, Ausgangswert ≥ 13) erhielten Silodosin 8 mg einmal täglich in zweiplacebokontrollierten klinischen Phase III-Studien in den Vereinigten Staaten bzw. in einerplacebo- und aktiv-kontrollierten klinischen Studie in Europa. In allen Studien wurden Patienten, diewährend einer 4-wöchigen Placebo-Run-in-Phase nicht auf Placebo ansprachen, der
Studienbehandlung zurandomisiert. In allen Studien kam es nach 12-wöchiger Behandlung bei den
Patienten unter Silodosin im Vergleich zu den Patienten unter Placebo zu einer stärkeren
Abschwächung der Speicher- (irritativen) und Entleerungs- (obstruktiven) Symptome der BPH. Im
Folgenden sind die in den jeweiligen Studien in der Intent-to-treat-Population erhobenen Datenaufgeführt:
IPSS IPSS IPSS
Gesamtscore Irritative Symptome Obstruktive Symptome
Behand- Anzahl Verän- Verän- Verän-
Studie Aus- Unterschied Unterschied Unterschiedlungsarm Patienten derung derung derunggangs- (95%-KI) (95%-KI) (95%-KI)gegenüber gegenüber gegenüberwert versus versus versus
Studien- Studien- Studien-(±SD) Placebo Placebo Placebobeginn beginn beginn
Silodosin 233 22±5 -6,5 -2,3 -4,2
- 2,8* -0,9* -1,9*
US-1(-3,9; -1,7) (-1,4; -0,4) (-2,6; -1,2)
Placebo 228 21±5 -3,6 -1,4 -2,2
Silodosin 233 21±5 -6,3 -2,4 -3,9
- 2,9* -1,0* -1,8*
US-2(-4,0; -1,8) (-1,5; -0,6) (-2,5; -1,1)
Placebo 229 21±5 -3,4 -1,3 -2,1
Silodosin 371 19±4 -7,0 -2,3* -2,5 -0,7° -4,5 -1,7*(-3,2; -1,4) (-1,1; -0,2) (-2,2; -1,1)
Europa Tamsulosin 376 19±4 -6,7 -2,0* -2,4 -0,6° -4,2 -1,4*(-2,9; -1,1) (-1,1; -0,2) (-2,0; -0,8)
Placebo 185 19±4 -4,7 -1,8 -2,9
* p < 0,001 versus Placebo; ° p =0,002 versus Placebo
In der in Europa durchgeführten, aktiv-kontrollierten klinischen Studie hat sich Silodosin 8 mg einmaltäglich gegenüber Tamsulosin 0,4 mg einmal täglich als nicht unterlegen erwiesen: Die bereinigtemittlere Differenz (95%-KI) im IPSS-Gesamtscore zwischen den Per-Protocol-Populationen lag bei0,4 (-0,4 bis 1,1). Die Ansprechrate (d. h. Verbesserung des IPSS-Gesamtscores um mindestens 25%)war in der Silodosin- (68%) bzw. Tamsulosin-Gruppe (65%) signifikant höher als in der
Placebogruppe (53%).
In der folgenden offenen Langzeitphase dieser kontrollierten Studien wurden die Patienten über bis zu1 Jahr mit Silodosin behandelt. Die durch Silodosin nach 12-wöchiger Behandlung hervorgerufene
Besserung der Symptome blieb über einen Zeitraum von 1 Jahr bestehen.
In einer in Europa durchgeführten klinischen Phase-IV-Studie mit einem mittleren Ausgangs IPSS
Gesamtscore von 18,9 Punkten, sprachen 77,1% auf Silodosin an (bestimmt durch eine Veränderungvom Ausgangswert im IPSS Gesamtscore von mindestens 25%). Etwa die Hälfte der Patientenberichteten über eine Verbesserung der zu Beginn der Studie von den Patienten als am stärkstenstörend empfundenen Symptome (d.h. Nykturie, Frequenz, verringerter Harnstrahl, Dringlichkeit,
Nachtröpfeln und unvollständige Entleerung), wie mittels des ICS-(International Continency Score)-male Fragebogens erfasst wurde.
In allen mit Silodosin durchgeführten klinischen Studien war keine signifikante Verminderung des
Blutdrucks im Liegen zu beobachten.
Silodosin 8 mg und 24 mg täglich hatten im Vergleich zu Placebo keine statistisch signifikante
Wirkung auf das EKG-Intervall oder die kardiale Repolarisation.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Urorec eine Freistellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen bei BPH gewährt (siehe
Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Pharmakokinetik von Silodosin und seiner Hauptmetaboliten wurde bei erwachsenen männlichen
Probanden mit oder ohne BPH nach Einzelgaben und wiederholter Anwendung von Dosen zwischen0,1 mg und 48 mg pro Tag beurteilt. Die Pharmakokinetik von Silodosin verhält sich innerhalb dieses
Dosisbereichs linear.
Die Exposition gegenüber dem Hauptmetaboliten im Plasma, Silodosin-Glucuronid (KMD-3213G),im Steady-state entspricht etwa dem Dreifachen der Konzentration der Muttersubstanz.
Steady-state-Konzentrationen von Silodosin bzw. seines Glucuronids werden nach 3 bzw.
5 Behandlungstagen erreicht.
ResorptionOral gegebenes Silodosin wird gut resorbiert, wobei die Resorption dosisproportional erfolgt. Dieabsolute Bioverfügbarkeit beläuft sich auf ca. 32%.
Eine In-vitro-Studie mit Caco-2-Zellen zeigte, dass Silodosin ein Substrat für P-Glykoprotein darstellt.
Nahrungsaufnahme führt zu einer Verminderung der Cmax um rund 30%, einer Erhöhung der tmax umetwa 1 Stunde und hat nur eine geringe Wirkung auf die AUC.
Bei gesunden männlichen Probanden der Alterszielgruppe (n = 16, mittleres Alter 55 ± 8 Jahre)wurden nach oraler Anwendung von 8 mg einmal täglich, unmittelbar nach dem Frühstück über einen
Zeitraum von 7 Tagen, die folgenden pharmakokinetischen Parameter ermittelt: Cmax 87 ± 51 ng/ml(SD), tmax 2,5 Stunden (Bereich: 1,0-3,0), AUC 433 ± 286 ng*h/ml.
VerteilungSilodosin hat ein Verteilungsvolumen von 0,81 l/kg und wird zu 96,6% an Plasmaproteine gebunden.
Es verteilt sich nicht in den Blutzellen.
Die Proteinbindung des Silodosin-Glucuronids liegt bei 91%.
BiotransformationSilodosin wird in großem Umfang durch Glucuronidierung (UGT2B7), Alkohol- und
Aldehyddehydrogenase sowie Oxidation (hauptsächlich CYP3A4) metabolisiert. Für den
Hauptmetaboliten im Plasma, das Glucuronidkonjugat von Silodosin (KMD-3213G), wurde eine
In-vitro-Wirksamkeit nachgewiesen. Dieser Metabolit besitzt eine sehr lange Halbwertszeit (ca.
24 Stunden) und erreicht ungefähr viermal so hohe Plasmakonzentrationen wie Silodosin.
In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass Silodosin kein potentieller Inhibitor oder Induktor des
Zytochrom-P450-Enzymsystems darstellt.
EliminationSieben Tage nach oraler Gabe von 14C-markiertem Silodosin wurden ca. 33,5% der Radioaktivität im
Urin und 54,9% in den Fäzes wiedergefunden. Die Clearance von Silodosin lag bei etwa 0,28 l/h/kg.
Silodosin wird hauptsächlich in metabolisierter Form ausgeschieden, im Urin liegen nur sehr geringe
Konzentrationen der unveränderten Substanz vor. Die terminale Halbwertszeit der Muttersubstanzbzw. ihres Glucuronids beläuft sich auf rund 11 bzw. 18 Stunden.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenDie Exposition gegenüber Silodosin und seinen Hauptmetaboliten verändert sich mit zunehmendem
Alter nicht, auch nicht bei Patienten über 75 Jahren.
Kinder und JugendlicheDie Anwendung von Silodosin wurde bei Patienten unter 18 Jahren nicht untersucht.
Eingeschränkte LeberfunktionIn einer Einzeldosisstudie war die Pharmakokinetik von Silodosin bei neun Patienten mitmittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Scores von 7 bis 9) im Vergleich zu neungesunden Probanden unverändert. Bei der Interpretation der Ergebnisse dieser Studie ist Vorsichtangebracht, da die Patienten normale biochemische Werte aufwiesen, was auf eine normalemetabolische Funktion schließen lässt, und ihre Leberfunktionsstörung nach Maßgabe von Aszites undhepatischer Enzephalopathie als mittelschwer eingestuft wurde.
Die Pharmakokinetik von Silodosin bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung wurde nichtuntersucht.
Eingeschränkte NierenfunktionIn einer Einzeldosisstudie führte die Exposition gegenüber Silodosin (ungebunden) bei Patienten mitleichter (n = 8) und mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (n = 8) im Vergleich zu nierengesunden
Patienten (n = 8) im Durchschnitt zu einem Anstieg der Cmax (1,6-fach) und AUC (1,7-fach). Bei
Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (n = 5) erhöhte sich die Exposition für Cmax um den
Faktor 2,2 und für AUC um den Faktor 3,7. Auch die Exposition gegenüber den Hauptmetaboliten,
Silodosin-Glucuronid und KMD-3293, war erhöht.
Eine Überwachung der Plasmakonzentrationen innerhalb einer klinischen Phase-III-Studie hat gezeigt,dass sich die Spiegel von Silodosin insgesamt nach 4 Behandlungswochen bei Patienten mit leichter
Nierenfunktionsstörung (n = 70) im Vergleich zu nierengesunden Patienten (n = 155) nicht veränderthatten, wohingegen sich die Spiegel bei Patienten mit mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (n = 7)im Mittel verdoppelt hatten.
Eine Auswertung der Daten zur Unbedenklichkeit von Patienten aus allen klinischen Studien deutetnicht darauf hin, dass eine leichte Nierenfunktionsstörung (n = 487) während einer Therapie mit
Silodosin im Vergleich zu Patienten mit normaler Nierenfunktion (n = 955) ein zusätzliches Risiko mitsich bringt (etwa eine Zunahme von Schwindel oder orthostatischer Hypotonie). Daher ist bei
Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung keine Dosisanpassung erforderlich. Da bei Patienten mitmittelschwerer Nierenfunktionsstörung nur begrenzte Erfahrungen vorliegen (n = 35), wird in solchen
Fällen eine niedrigere Anfangsdosis von 4 mg empfohlen. Bei Patienten mit schwerer
Nierenfunktionsstörung wird die Anwendung von Urorec nicht empfohlen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie sowie zum kanzerogenen,mutagenen und teratogenen Potential lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren fürden Menschen erkennen. Auswirkungen bei Tieren (auf die Schilddrüse von Nagern) wurden nur bei
Expositionen beobachtet, die als ausreichend weit oberhalb der für den Menschen bestimmtenmaximalen Exposition liegend angesehen werden, so dass die Relevanz für die klinische Anwendunggering ist.
Bei männlichen Ratten wurde bei einer Exposition, die etwa dem zweifachen der Exposition bei derempfohlenen Höchstdosis beim Menschen entsprach, eine beeinträchtigte Fertilität dokumentiert. Derbeobachtete Effekt erwies sich als reversibel.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Urorec 4 mg und 8 mg Hartkapseln
KapselinhaltVorverkleisterte Stärke (Mais)
Mannitol (E421)
Magnesiumstearat
Natriumdodecylsulfat
KapselhülleGelatine
Titandioxid (E171)
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172) (nur 4 mg Hartkapsel)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 30 °C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Die Kapseln stehen in Blisterpackungen aus PVC/PVDC/Aluminiumfolie zur Verfügung, die in
Umkartons verpackt sind.
Packungen mit 5, 10, 20, 30, 50, 90, 100 Kapseln.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Recordati Ireland Ltd.
Raheens East
Ringaskiddy Co. Cork
Irland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/09/608/001
EU/1/09/608/002
EU/1/09/608/003
EU/1/09/608/004
EU/1/09/608/005
EU/1/09/608/006
EU/1/09/608/007
EU/1/09/608/008
EU/1/09/608/009
EU/1/09/608/010
EU/1/09/608/011
EU/1/09/608/012
EU/1/09/608/013
EU/1/09/608/014
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 29. Januar 2010
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 18. September 2014
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.