Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels SIGNIFOR 0.9mg injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Signifor 0,3 mg Injektionslösung
Signifor 0,6 mg Injektionslösung
Signifor 0,9 mg Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Signifor 0,3 mg Injektionslösung
Eine Ampulle mit 1 ml enthält 0,3 mg Pasireotid (als Pasireotiddiaspartat).
Signifor 0,6 mg Injektionslösung
Eine Ampulle mit 1 ml enthält 0,6 mg Pasireotid (als Pasireotiddiaspartat).
Signifor 0,9 mg Injektionslösung
Eine Ampulle mit 1 ml enthält 0,9 mg Pasireotid (als Pasireotiddiaspartat).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung (Injektionszubereitung).
Klare, farblose Lösung.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Behandlung von erwachsenen Patienten mit Morbus Cushing, für die ein chirurgischer Eingriff keine
Option ist oder bei denen ein chirurgischer Eingriff fehlgeschlagen ist.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungDie empfohlene Anfangsdosierung beträgt 0,6 mg Pasireotid als subkutane Injektion zweimal täglich.
2 Monate nach Beginn der Behandlung mit Signifor sollte bei den Patienten der klinische Nutzenbeurteilt werden. Patienten mit einer signifikanten Abnahme des freien Kortisols im Urin (urinary freecortisol, UFC), sollten so lange mit Signifor behandelt werden, wie der Nutzen anhält. Abhängig vom
Ansprechen auf die Behandlung kann eine Dosiserhöhung auf 0,9 mg in Betracht gezogen werden,solange die Dosis von 0,6 mg vom Patienten gut vertragen wird. Bei Patienten, die nach 2 Monaten
Behandlung noch nicht auf Signifor angesprochen haben, ist eine Beendigung der Behandlung in
Erwägung zu ziehen.
Zum Management von vermuteten Nebenwirkungen kann zu jedem Zeitpunkt der Therapie einevorübergehende Dosisreduktion erforderlich sein. Eine stufenweise Dosisreduktion von Signifor um0,3 mg zweimal täglich wird empfohlen.
Wenn eine Dosis Signifor vergessen wurde, sollte die nächste Injektion zur vorgegebenen Zeiterfolgen. Die Dosierung sollte nicht verdoppelt werden, um eine vergessene Dosis nachzuholen.
Wechsel von der intramuskulären zur subkutanen Darreichungsform
Es gibt keine klinischen Daten über den Wechsel von der intramuskulären zur subkutanen
Darreichungsform von Pasireotid. Sollte ein solcher Wechsel erforderlich sein, wird empfohlen ein
Intervall von mindestens 28 Tagen zwischen der letzten intramuskulären Injektion und der erstensubkutanen Injektion beizubehalten und die subkutanen Injektionen mit einer Dosierung von 0,6 mg
Pasireotid zweimal täglich zu beginnen. Der Patient sollte hinsichtlich des Ansprechens auf die
Behandlung und die Verträglichkeit überwacht werden. Es können weitere Dosisanpassungenerforderlich sein.
Besondere BevölkerungsgruppenKinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Signifor bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis18 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Ältere Patienten (≥65 Jahre)Die vorliegenden Daten zur Anwendung von Signifor bei Patienten über 65 Jahre sind begrenzt. Esliegen jedoch keine Hinweise darauf vor, dass bei diesen Patienten eine Dosisanpassung erforderlichist (siehe Abschnitt 5.2).
Eingeschränkte NierenfunktionBei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe
Abschnitt 5.2).
Eingeschränkte LeberfunktionFür Patienten mit leicht eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh A) ist keine Dosisanpassungerforderlich. Die empfohlene Anfangsdosis für Patienten mit moderat eingeschränkter Leberfunktion(Child-Pugh B) beträgt zweimal täglich 0,3 mg (siehe Abschnitt 5.2). Die maximale empfohlene Dosisbei diesen Patienten ist 0,6 mg zweimal täglich. Signifor darf bei Patienten mit stark eingeschränkter
Leberfunktion (Child-Pugh C) nicht angewendet werden (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).
Art der AnwendungSignifor wird durch subkutane Injektion vom Patienten selbst angewendet. Die Patienten müssen vom
Arzt oder von medizinischem Fachpersonal in die subkutane Injektion von Signifor eingewiesenwerden.
Die Verwendung derselben Injektionsstelle bei zwei aufeinanderfolgenden Injektionen wird nichtempfohlen. Stellen mit Anzeichen einer Entzündung oder Irritation sollten gemieden werden. Diebevorzugten Stellen für die subkutane Injektion sind der obere Teil der Oberschenkel und der Bauch(außer Nabel oder Taille).
Weitere Einzelheiten zur Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Stark eingeschränkte Leberfunktion (Child-Pugh C).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Glucosestoffwechsel
Bei gesunden freiwilligen Probanden und Patienten, die mit Pasireotid behandelt wurden, wurden sehroft Veränderungen des Blutzuckerspiegels berichtet. Hyperglykämien und, weniger häufig,
Hypoglykämien wurden bei Patienten, die an klinischen Studien mit Pasireotid teilnahmen, beobachtet(siehe Abschnitt 4.8).
Das Ausmaß der Hyperglykämie schien bei Patienten im prädiabetischen Zustand oder mit manifestem
Diabetes mellitus stärker ausgeprägt zu sein. In der pivotalen Studie erhöhten sich die HbA1c-Wertesignifikant, stabilisierten sich, kehrten aber nicht auf den ursprünglichen Wert zurück (siehe
Abschnitt 4.8). Mehr Studienabbrüche und eine höhere Rate an schweren unerwünschten Ereignissenwegen einer Hyperglykämie wurden bei Patienten, die mit einer Dosis von 0,9 mg zweimal täglichbehandelt wurden, berichtet.
Die Entwicklung einer Hyperglykämie scheint mit der abnehmenden Sekretion von Insulin (besondersunmittelbar nach Dosis) und von Inkretinhormonen (d. h. glucagon-like peptide-1 [GLP-1] undglucose-dependent insulinotropic polypeptide [GIP]) zusammenzuhängen.
Der glykämische Status (Nüchternblutzuckerspiegel/Hämoglobin A1c [FPG/HbA1c]) sollte vor Beginnder Behandlung mit Pasireotid ermittelt werden. Die Überwachung von FPG/HbA1c sollte während der
Behandlung entsprechend anerkannter Richtlinien durchgeführt werden. Eine Selbstmessung der
Blutglucose und/oder eine Bestimmung des Nüchternblutzuckerspiegels (FPG) sollte während derersten 2 bis 3 Behandlungsmonate wöchentlich und danach entsprechend der klinischen Situationsowie während der ersten 2 bis 4 Wochen nach jeder Dosiserhöhung durchgeführt werden. Zusätzlichsollte FPG noch 4 Wochen lang und HbA1c noch 3 Monate lang nach der Behandlung überwachtwerden.
Wenn bei einem mit Signifor behandelten Patienten eine Hyperglykämie auftritt, wird die Einleitungoder Anpassung einer antidiabetischen Therapie entsprechend der anerkannten Therapieempfehlungenzur Behandlung einer Hyperglykämie empfohlen. Persistiert eine unkontrollierte Hyperglykämie trotzangemessener Behandlung, muss die angewendete Dosis Signifor reduziert oder die Behandlung mit
Signifor beendet werden (siehe auch Abschnitt 4.5).
Bei Patienten mit und ohne Diabetes-Vorgeschichte wurden Post-Marketing-Fälle von Ketoazidoseunter Signifor berichtet. Unabhängig von einer Diabetes-Vorgeschichte sollten Patienten mit
Anzeichen und Symptomen einer schweren metabolischen Azidose auf eine Ketoazidose untersuchtwerden.
Bei Patienten mit schlecht kontrollierten Blutzuckerwerten (definiert durch HbA1c-Werte >8% beiantidiabetischer Behandlung) sollte das Management und die Überwachung des Diabetes vor
Behandlungsbeginn und während der Behandlung mit Pasireotid intensiviert werden.
Leberfunktionstests
Leichte, vorübergehende Erhöhungen der Aminotransferasen werden häufig bei Patienten unter
Pasireotid beobachtet. Seltene Fälle einer gleichzeitigen Erhöhung der ALAT(Alaninaminotransferase) auf Werte größer als das 3-Fache des oberen Normbereichs (upper limit ofnormal, ULN) und von Bilirubin auf größer 2 x ULN wurden ebenfalls beobachtet (siehe
Abschnitt 4.8). Eine Überwachung der Leberfunktion wird vor Beginn der Behandlung mit Pasireotidund nach einer, zwei, vier, acht und zwölf Wochen Behandlung empfohlen. Danach sollten die
Leberwerte wie klinisch angemessen kontrolliert werden.
Bei Patienten, die erhöhte Transaminasenwerte entwickeln, sollte ein zweiter Leberfunktionstestdurchgeführt werden, um den Befund zu bestätigen. Wenn der Befund bestätigt wird, sollte der Patientmit häufigen Leberfunktionstests überwacht werden, bis die Werte wieder auf die Ausgangswerte vor
Behandlungsbeginn zurückgegangen sind. Die Behandlung mit Pasireotid ist zu beenden, wenn der
Patient eine Gelbsucht oder andere Anzeichen für eine klinisch signifikante Leberfunktionsstörungentwickelt, im Falle einer dauerhaft erhöhten ASAT (Aspartataminotransferase) oder ALAT auf5 x ULN oder größer oder wenn eine ALAT- oder ASAT-Erhöhung auf größer 3 x ULN gleichzeitigmit einer Bilirubinerhöhung auf größer 2 x ULN einhergeht. Nach Beendigung der Behandlung mit
Pasireotid sollten die Patienten bis zur Wiederherstellung überwacht werden. Die Behandlung solltenicht erneut aufgenommen werden.
Kardiovaskuläre Ereignisse
Im Zusammenhang mit der Behandlung mit Pasireotid wurde über Bradykardie berichtet (siehe
Abschnitt 4.8). Eine sorgfältige Überwachung von Patienten wird empfohlen, die an einer
Herzkrankheit leiden und/oder Risikofaktoren für Bradykardie haben, wie z. B. in der Anamneseklinisch relevante Bradykardie oder akuter Myokardinfarkt, hochgradiger Herzblock, kongestive
Herzstauungsinsuffizienz (NYHA Klasse III oder IV), instabile Angina pectoris, anhaltendeventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern. Es kann notwendig sein, die Dosierung bestimmter
Arzneimittel anzupassen, z. B. Betablocker, Calciumkanalblocker oder Arzneimittel, die den
Elektrolythaushalt kontrollieren (siehe auch Abschnitt 4.5).
In zwei Studien mit gesunden Freiwilligen verlängerte Pasireotid das QT-Intervall im EKG. Dieklinische Bedeutung dieser Verlängerung ist nicht bekannt.
In klinischen Studien mit Morbus-Cushing-Patienten beobachtete man bei zwei von 201 Patienten
QTcF-Werte von >500 ms. Es handelte sich um sporadische, einmalige Episoden ohne klinische
Konsequenzen. Torsade-de-Pointes-Episoden wurden weder in diesen Studien noch in klinischen
Studien mit anderen Patientenpopulationen beobachtet.
Pasireotid ist bei Patienten, bei denen ein signifikantes Risiko für eine QT-Verlängerung besteht, mit
Vorsicht und bei sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung anzuwenden, z. B. bei Patienten:
- mit kongenitalem QT-Verlängerungssyndrom;
- mit unkontrollierter oder signifikanter Herzkrankheit, einschließlich frischem Myokardinfarkt,kongestiver Herzinsuffizienz, instabiler Angina pectoris oder klinisch bedeutsamer Bradykardie;
- die Antiarrhythmika oder andere Substanzen einnehmen, die bekanntermaßen zu einer QT-
Verlängerung führen (siehe Abschnitt 4.5);
- mit Hypokaliämie und/oder Hypomagnesiämie.
Eine Überwachung im Hinblick auf eine Auswirkung auf das QTc-Intervall ist ratsam. Eine
Elektrokardiographie ist vor Beginn der Behandlung mit Signifor, eine Woche nach
Behandlungsbeginn und danach, wenn klinisch indiziert, durchzuführen. Hypokaliämie und/oder
Hypomagnesiämie müssen vor Behandlung mit Signifor behoben werden und sollten während der
Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.
Hypokortisolismus
Die Behandlung mit Signifor führt zu einer raschen Unterdrückung der ACTH (adrenokortikotropes
Hormon)-Sekretion bei Patienten mit Morbus Cushing. Eine rasche, vollständige oder fast vollständige
Unterdrückung von ACTH kann zu einer Abnahme der Konzentration des zirkulierenden Kortisolsund potenziell zu einem vorübergehenden Hypokortisolismus/Hypoadrenalismus führen.
Es ist daher erforderlich, die Patienten auf Anzeichen und Symptome, die mit einem
Hypokortisolismus einhergehen (z. B. Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen,
Hypotonie, Hyperkalämie, Hyponatriämie, Hypoglykämie), hinzuweisen und entsprechend zuüberwachen. Im Falle eines nachgewiesenen Hypokortisolismus kann eine vorübergehende
Ersatztherapie mit einem exogenen Steroid (Glukokortikoid) und/oder eine Dosisreduktion oder eine
Unterbrechung der Signifor-Therapie erforderlich sein.
Gallenblase und damit in Beziehung stehende Ereignisse
Cholelithiasis (Gallensteine) ist eine bekannte, mit der langfristigen Anwendung von Somatostatin-
Analoga verbundene Nebenwirkung und wurde häufig in klinischen Studien mit Pasireotid berichtet(siehe Abschnitt 4.8). Bei Patienten unter Signifor gab es Post-Marketing-Fälle von Entzündungen der
Gallenwege, die in der Mehrheit der Fälle als eine Komplikation von Gallensteinen eingeordnetwurden. Es wird daher zu einer Ultraschalluntersuchung der Gallenblase vor der Signifor-Behandlungund während der Behandlung in Abständen von 6 bis 12 Monaten geraten. Gallensteine bei mit
Signifor behandelten Patienten sind weitgehend asymptomatisch. Symptomatische Steine sindentsprechend der üblichen klinischen Praxis zu behandeln.
Hypophysenhormone
Da die pharmakologische Wirkung von Pasireotid diejenige von Somatostatin imitiert, kann die
Hemmung weiterer Hypophysenhormone außer ACTH nicht ausgeschlossen werden. Eine
Überwachung der Hypophysenfunktion (z. B. TSH/freies T4, GH/IGF-1) vor und in regelmäßigen
Abständen während der Behandlung mit Signifor ist daher in Erwägung zu ziehen, wenn klinischangemessen.
Wirkung auf die weibliche Fertilität
Der therapeutische Nutzen einer Reduktion oder Normalisierung des Kortisolspiegels bei Frauen mit
Morbus Cushing kann eventuell zu einer Wiederherstellung der Fertilität führen. Frauen imgebärfähigen Alter sollten angewiesen werden, während der Behandlung mit Signifor eineangemessene Verhütungsmethode anzuwenden (siehe Abschnitt 4.6).
NierenfunktionsstörungAufgrund der Zunahme der Exposition gegenüber dem ungebundenen Wirkstoff sollte Signifor bei
Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen oder mit terminalen Nierenversagen mit Vorsichtangewendet werden (siehe Abschnitt 5.2).
NatriumgehaltDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h. es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Zu erwartende pharmakokinetische Interaktionen aufgrund der Wirkungen von Pasireotid
Der Einfluss des P-gp-Inhibitors Verapamil auf die Pharmakokinetik von subkutan verabreichtem
Pasireotid wurde in einer Wechselwirkungsstudie bei gesunden Freiwilligen untersucht. Es wurdekeine Änderung der Pharmakokinetik (Rate oder Ausmaß der Exposition) von Pasireotid beobachtet.
Zu erwartende pharmakokinetische Interaktionen mit Auswirkungen auf andere Arzneimittel
Pasireotid könnte die relative Bioverfügbarkeit von Ciclosporin verringern. Bei gleichzeitiger
Anwendung von Pasireotid und Ciclosporin kann eine Anpassung der Ciclosporin-Dosis erforderlichsein, um therapeutische Spiegel aufrechtzuerhalten.
Zu erwartende pharmakodynamische Interaktionen
Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängernPasireotid sollte mit Vorsicht bei Patienten angewendet werden, die gleichzeitig Arzneimittel erhalten,die das QT-Intervall verlängern, wie Klasse-Ia-Antiarrhythmika (z. B. Chinidin, Procainamid,
Disopyramid), Klasse-III-Antiarrhythmika (z. B. Amiodaron, Dronedaron, Sotalol, Dofetilid, Ibutilid),bestimmte Antibiotika (Erythromycin intravenös, Pentamidin zur Injektion, Clarithromycin,
Moxifloxacin), bestimmte Psychopharmaka (z. B. Chlorpromazin, Thioridazin, Fluphenazin, Pimozid,
Haloperidol, Tiaprid, Amisulprid, Sertindol, Methadon), bestimmte Antihistamine (z. B. Terfenadin,
Astemizol, Mizolastin), Arzneimittel gegen Malaria (z. B. Chloroquin, Halofantrin, Lumefantrin),bestimmte Arzneimittel gegen Pilzinfektionen (Ketoconazol, außer in Shampoos) (siehe auch
Abschnitt 4.4).
Arzneimittel, die Bradykardien auslösen können
Eine klinische Überwachung der Herzfrequenz, vor allem zu Behandlungsbeginn, wird bei Patientenempfohlen, die Pasireotid zusammen mit Arzneimitteln erhalten, die Bradykardien auslösen können,wie Beta-Blocker (z. B. Metoprolol, Carteolol, Propranolol, Sotalol), Acetylcholinesterase-Inhibitoren(z. B. Rivastigmin, Physostigmin), bestimmte Calciumkanalblocker (z. B. Verapamil, Diltiazem,
Bepridil), bestimmte Antiarrhytmika (siehe auch Abschnitt 4.4).
Insulin und Arzneimittel gegen Diabetes
Eine Dosisanpassung (Verringerung oder Erhöhung) von Insulin oder Arzneimitteln gegen Diabetes(z. B. Metformin, Liraglutid, Vildagliptin, Nateglinid) könnte erforderlich sein, wenn diesegleichzeitig mit Pasireotid gegeben werden (siehe auch Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Pasireotid bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Die
Anwendung von Pasireotid während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, dienicht verhüten, wird nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Pasireotid in die Muttermilch übergeht. Die zur Verfügung stehenden Datenzeigten bei Ratten, dass Pasireotid in die Milch übergeht (siehe Abschnitt 5.3). Das Stillen sollwährend der Behandlung mit Signifor unterbrochen werden.
FertilitätStudien mit Ratten haben Auswirkungen auf weibliche Reproduktionsparameter gezeigt (siehe
Abschnitt 5.3). Die klinische Relevanz dieser Befunde für den Menschen ist nicht bekannt.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenSignifor kann geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen haben. Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, vorsichtig zu sein, wenn siefahren oder Maschinen bedienen, falls während der Behandlung mit Signifor Müdigkeit, Schwindeloder Kopfschmerzen auftreten.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsInsgesamt erhielten 201 Morbus-Cushing-Patienten Signifor in Studien der Phasen II und III. Das
Sicherheitsprofil für Signifor stimmte mit dem der Klasse der Somatostatin-Analoga überein, mit
Ausnahme des Auftretens von Hypokortisolismus und dem Grad der Hyperglykämie.
Die nachfolgenden Daten beschreiben das Ergebnis der Behandlung von 162 Morbus-Cushing-
Patienten mit Signifor in der Phase-III-Studie. Bei Studienbeginn erhielten die Patienten nach
Randomisierung entweder eine Dosis von 0,6 mg oder 0,9 mg Signifor zweimal täglich. Die Patientenwaren im Mittel ungefähr 40 Jahre alt und die Mehrzahl (77,8%) war weiblich. Die meisten (83,3%)
Patienten litten an persistierendem oder rezidivierendem Morbus Cushing. In beiden
Behandlungsgruppen hatten nur wenige (≤5%) zuvor eine Hypophysenbestrahlung erhalten. Diemediane Behandlungsdauer mit dem Arzneimittel bis zur primären Analyse der Wirksamkeit und
Unbedenklichkeit betrug 10,37 Monate (0,03-37,8). 66,0% der Patienten wurden über mindestens6 Monate behandelt.
Nebenwirkungen mit Schweregrad 1 oder 2 wurden bei 57,4% der Patienten berichtet.
Nebenwirkungen mit Schweregrad 3 wurden bei 35,8% und mit Schweregrad 4 bei 2,5% der Patientenberichtet. Nebenwirkungen mit Schweregrad 3 und 4 standen meist in Zusammenhang mit einer
Hyperglykämie. Die häufigsten Nebenwirkungen (Inzidenz ≥10%) waren Durchfall, Übelkeit,
Bauchschmerzen, Cholelithiasis, Reaktionen an der Injektionsstelle, Hyperglykämie, Diabetesmellitus, Erschöpfung und ein Anstieg des glykosylierten Hämoglobins.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenNebenwirkungen, die bis zum Stichtag der Analyse berichtet wurden, sind in Tabelle 1 aufgeführt. Die
Nebenwirkungen sind gemäß dem MedDRA-Organklassensystem aufgeführt. Innerhalb einer jeden
Organklasse sind die Nebenwirkungen nach Häufigkeit geordnet. Innerhalb der Häufigkeitsgruppewerden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad gelistet. Die Häufigkeiten sindfolgendermaßen definiert: Sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1.000,<1/100); nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 1 Nebenwirkungen während der Phase-III-Studie und aus Post-Marketing-
Erfahrungen mit Morbus-Cushing-Patienten
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nichtbekannt
Erkrankungen des Anämie
Blutes und des
Lymphsystems
Endokrine Nebenniereninsuffizienz
Erkrankungen
Stoffwechsel- und Hyperglykämie, Verminderter Appetit, Diabetische
Ernährungsstörungen Diabetes mellitus Diabetes mellitus Typ 2, Ketoazidosverminderte e
Glucosetoleranz
Erkrankungen des Kopfschmerzen,
Nervensystems Schwindel
Herzerkrankungen Sinus-Bradykardie, QT-
Verlängerung
Gefäßerkrankungen Hypotonie
Erkrankungen des Durchfall, Erbrechen, Schmerzen Steatorrhoe
Gastrointestinaltrakts Bauchschmerzen, im Oberbauch Stuhlverfär
Übelkeit bung
Leber- und Cholelithiasis Cholezystitis*,
Gallenerkrankungen Cholestase
Erkrankungen der Haarausfall, Pruritus
Haut und des
Unterhautzellgewebes
Skelettmuskulatur-, Myalgie, Arthralgie
Bindegewebs- und
Knochenerkrankungen
Allgemeine Reaktion an der
Erkrankungen und Injektionsstelle,
Beschwerden am Erschöpfung
Verabreichungsort
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nichtbekannt
Untersuchungen Glykosyliertes Gamma-
Hämoglobin erhöht Glutamyltransferaseerhöht, Alanin-
Aminotransferaseerhöht, Aspartat-
Aminotransferaseerhöht, Lipase erhöht,
Blutzucker erhöht,
Amylase im Bluterhöht, Prothrombinzeitverlängert
* Cholezystitis einschließlich akuter Cholezystitis
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenStörungen des Glucosestoffwechsels
Ein erhöhter Blutzuckerspiegel war die am häufigsten berichtete Abweichung eines Laborwerts mit
Schweregrad 3 (23,2% der Patienten) in der Phase-III-Studie mit Morbus-Cushing-Patienten. Die
Zunahme des mittleren HbA1c war bei zu Studienbeginn normoglykämischen Patienten (insgesamtn=62; 5,29% bzw. 5,22% zu Studienbeginn und 6,50% bzw. 6,75% nach 6 Monaten für die 0,6 bzw.0,9 mg zweimal täglich Dosisgruppen) weniger ausgeprägt als bei Patienten mit Prädiabetes(insgesamt n=38; 5,77% bzw. 5,71% zu Studienbeginn und 7,45% und 7,13% nach 6 Monaten) oder
Diabetes (insgesamt n=54; 6,50% und 6,42% zu Studienbeginn und 7,95% und 8,30% nach6 Monaten). Der mittlere Nüchternblutzuckerspiegel im Plasma stieg häufig im ersten
Behandlungsmonat an, um in den folgenden Monaten wieder abzunehmen und sich zu stabilisieren.
Der Nüchternblutzuckerspiegel und der HbA1c-Wert verringerten sich im Allgemeinen innerhalb von28 Tagen nach dem Absetzen von Pasireotid, blieben aber über dem Ausgangswert. Langzeitdatensind nicht verfügbar. Bei Patienten mit einem HbA1c-Wert bei Behandlungsbeginn von ≥7% und bei
Patienten, die schon vor der Randomisierung mit Antidiabetika behandelt wurden, waren die mittleren
Veränderungen des Nüchternblutzuckerspiegels und des HbA1c-Werts tendenziell vergleichsweisestärker als bei anderen Patienten. Die Nebenwirkungen Hyperglykämie und Diabetes mellitus führtenbei 5 (3,1%) bzw. 4 (2,5%) Patienten zum Ausscheiden aus der Studie. Ein Fall einer Ketose und ein
Fall einer Ketoazidose wurde in einem Härtefallprogramm mit Signifor berichtet.
Bei Patienten, die mit Signifor behandelt werden, wird die Kontrolle des Blutzuckerspiegelsempfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsFür Signifor wurden häufig gastrointestinale Störungen berichtet. Diese Ereignisse waren in der Regelvon geringem Schweregrad, erforderten keine Intervention und besserten sich während der
Fortsetzung der Behandlung.
Reaktionen an der InjektionsstelleÜber Reaktionen an der Injektionsstelle wurde bei 13,6% der Patienten, die an der Phase-III-Studie bei
Morbus Cushing teilnahmen, berichtet. Reaktionen an der Injektionsstelle traten auch in klinischen
Studien mit anderen Patientengruppen auf. Die Ereignisse wurden meist als lokale Schmerzen,
Erythem, Hämatom, Blutung und Pruritus berichtet. Sie bildeten sich spontan zurück und bedurftenkeiner Behandlung.
Leberenzyme
Es wurde über vorübergehende Erhöhungen der Leberenzyme bei Anwendung von Somatostatin-
Analoga berichtet. Diese wurden auch bei Patienten beobachtet, die in klinischen Studien Pasireotiderhielten. Die Erhöhungen waren meist asymptomatisch, geringgradig und bildeten sich beifortgesetzter Behandlung zurück. Selten wurden gleichzeitige Erhöhungen der ALAT auf größer3 x ULN und von Bilirubin auf größer 2 x ULN beobachtet. Alle Fälle einer gleichzeitigen Erhöhungwurden innerhalb von 10 Tagen nach Beginn der Behandlung mit Signifor identifiziert. Die Patientenerholten sich ohne klinische Folgen, und die Ergebnisse der Leberfunktionstests kehrten nach
Absetzen auf den Wert vor Behandlungsbeginn zurück.
Die Kontrolle der Leberenzyme vor und während der Behandlung mit Signifor wird empfohlen (siehe
Abschnitt 4.4), wie jeweils klinisch angemessen.
Pankreasenzyme
Asymptomatische Erhöhungen der Lipase und der Amylase wurden bei Patienten beobachtet, die inklinischen Studien Pasireotid erhielten. Die Erhöhungen waren meist geringgradig und bildeten sichbei fortgesetzter Behandlung zurück. Pankreatitis ist wegen des Zusammenhangs zwischen
Cholelithiasis und akuter Pankreatitis eine mögliche Nebenwirkung von Somatostatin-Analoga.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Bei gesunden Freiwilligen wurden Dosen von bis zu 2,1 mg zweimal täglich gegeben. Dabei wurdenmit großer Häufigkeit Durchfälle als Nebenwirkungen beobachtet.
Im Falle einer Überdosierung wird, je nach klinischem Zustand des Patienten, die Einleitung einergeeigneten unterstützenden Behandlung bis zum Verschwinden der Symptome empfohlen.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Hypophysen- und Hypothalamushormone und Analoga,
Somatostatin und Analoga, ATC-Code: H01CB05
WirkmechanismusPasireotid, ein injizierbares Somatostatin-Analogon, ist ein neues Cyclohexapeptid. Wie dienatürlichen Peptidhormone Somatostatin-14 und Somatostatin-28 (auch bekannt als somatotropinrelease inhibiting factor [SRIF]) und andere Somatostatin-Analoga entfaltet Pasireotid seinepharmakologische Wirkung über die Bindung an Somatostatin-Rezeptoren. Beim Menschen sind fünf
Somatostatin-Rezeptor-Subtypen bekannt: hsst1, 2, 3, 4 und 5. Diese Rezeptor-Subtypen werden inverschiedenen Geweben unter normalen physiologischen Bedingungen gebildet. Somatostatin-
Analoga binden unterschiedlich stark an hsst-Rezeptoren (siehe Tabelle 2). Pasireotid bindet mit hoher
Affinität an vier der fünf hsst-Rezeptoren.
Tabelle 2 Bindungsaffinitäten von Somatostatin (SRIF-14), Pasireotid, Octreotid und
Lanreotid an die fünf humanen Somatostatin-Rezeptor-Subtypen (hsst1-5)
Substanz hsst1 hsst2 hsst3 hsst4 hsst5
Somatostatin 0,93±0,12 0,15±0,02 0,56±0,17 1,5±0,4 0,29±0,04(SRIF-14)
Pasireotid 9,3±0,1 1,0±0,1 1,5±0,3 >1.000 0,16±0,01
Octreotid 280±80 0,38±0,08 7,1±1,4 >1.000 6,3±1,0
Lanreotid 180±20 0,54±0,08 14±9 230±40 17±5
Die Ergebnisse sind Mittelwerte±Standardabweichung der IC50-Werte in nmol/l.
Pharmakodynamische WirkungenSomatostatin-Rezeptoren werden in vielen Geweben exprimiert, besonders aber in neuroendokrinen
Tumoren. Diese sezernieren übermäßig Hormone, einschließlich ACTH bei Morbus Cushing.
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass kortikotrope Tumorzellen von Morbus-Cushing-Patienten einestarke Expression von hsst5 aufweisen, während die anderen Rezeptor-Subtypen entweder gar nichtoder in geringerer Konzentration exprimiert werden. Pasireotid bindet an vier der fünf hsst-
Rezeptoren, vor allem aber an hsst5 der kortikotropen Zellen von ACTH-produzierenden Adenomen,und aktiviert diese, wodurch es zur Hemmung der ACTH-Sekretion kommt.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitZur Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit verschiedener Dosierungen von Signifor wurde einemultizentrische, randomisierte Phase-III-Studie durchgeführt. Die Studie wurde über einen
Behandlungszeitraum von 12 Monaten bei Patienten mit Morbus Cushing mit persistierender oderrezidivierender Krankheit oder bei neuerkrankten Patienten, bei denen ein chirurgischer Eingriff nichtindiziert war oder die einen solchen ablehnten, durchgeführt.
In die Studie wurden 162 Patienten mit einem UFC-Wert >1,5 x ULN (Obergrenze des
Normalbereichs) aufgenommen. Sie wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten subkutanentweder 0,6 mg oder 0,9 mg Signifor zweimal täglich. Nach dreimonatiger Behandlung wurde bei
Patienten mit einem mittleren 24-Stunden-UFC-Wert ≤2 x ULN, der höchstens dem Wert zu
Behandlungsbeginn entsprechen durfte, die verblindete Behandlung in der randomisiert zugewiesenen
Dosierung bis Monat 6 fortgesetzt. Patienten, auf die diese Kriterien nicht zutrafen, wurden entblindetund ihre Dosis wurde um 0,3 mg zweimal täglich erhöht. Nach den ersten 6 Studienmonaten traten die
Patienten in eine zusätzliche 6-monatige offene Behandlungsphase ein. Wenn in Monat 6 ein
Ansprechen nicht erreicht wurde oder wenn das Ansprechen während der offenen Behandlungsphasenicht aufrechterhalten wurde, konnte die Dosis um 0,3 mg zweimal täglich erhöht werden. Bei
Unverträglichkeit konnte die Dosierung während der Studie jederzeit stufenweise um jeweils 0,3 mgzweimal täglich gesenkt werden.
Primärer Wirksamkeitsendpunkt war der Anteil der Patienten in jedem Arm, die nach 6-monatiger
Behandlung eine Normalisierung der mittleren 24-Stunden-UFC-Spiegel (UFC ≤ULN) erreicht hatten,ohne dass bei ihnen während dieser Zeit eine Dosissteigerung (relativ zur randomisierten Dosis)vorgenommen wurde. Sekundäre Endpunkte waren u.a. Veränderungen gegenüber
Behandlungsbeginn in Bezug auf 24-Stunden-UFC, Plasma-ACTH, Serum-Kortisolspiegel undklinische Symptomatik des Morbus Cushing. Alle Analysen wurden auf der Basis der randomisierten
Dosisgruppen durchgeführt.
Die demographischen Merkmale der beiden randomisierten Gruppen waren zu Behandlungsbeginn gutvergleichbar und in Übereinstimmung mit der Epidemiologie der Erkrankung. Die Patienten waren im
Mittel etwa 40 Jahre alt und in der Mehrheit weiblich (77,8%). Die meisten Patienten (83,3%) litten anpersistierendem oder rezidivierendem Morbus Cushing, und nur wenige (≤5%) in beiden
Behandlungsgruppen hatten zuvor eine Strahlentherapie der Hypophyse erhalten.
Auch die Merkmale der beiden randomisierten Gruppen waren zu Behandlungsbeginn gutvergleichbar, abgesehen von deutlichen Unterschieden im Mittelwert des 24-Stunden-UFC-Wertes(1156 nmol/24 Stunden für die Gruppe, die 0,6 mg zweimal täglich erhielt, und 782 nmol/24 Stundenfür die Gruppe, die 0,9 mg zweimal täglich erhielt; Normalbereich: 30-145 nmol/24 Stunden).
ErgebnisseIn Monat 6 wurde eine Normalisierung der mittleren UFC-Werte bei 14,6% (95% KI 7,0-22,3) bzw.26,3% (95% KI 16,6-35,9) der Patienten beobachtet, die Pasireotid 0,6 mg bzw. 0,9 mg zweimaltäglich erhielten. Die Studie erreichte das primäre Wirksamkeitsziel für die Gruppe, die 0,9 mgzweimal täglich erhielt, da die Untergrenze des 95%-Konfidenzintervalls oberhalb der vorherspezifizierten 15%-Grenze lag. Das Ansprechen im 0,9-mg-Arm schien bei Patienten mit niedrigerenmittleren UFC-Werten zu Behandlungsbeginn höher zu sein. Die Ansprechrate nach 12 Monatenentsprach ungefähr der Rate nach 6 Monaten und betrug 13,4% bzw. 25,0% in den Gruppen, die0,6 mg bzw. 0,9 mg zweimal täglich erhielten.
Es wurde eine unterstützende Wirksamkeitsanalyse durchgeführt, in der die Patienten in3 Wirksamkeitskategorien, ungeachtet einer eventuellen Dosiserhöhung in Monat 3, eingeteilt wurden:
Vollständig kontrolliert (UFC ≤1,0 x ULN), teilweise kontrolliert (UFC >1,0 x ULN, aber mit einer
UFC-Abnahme von ≥50% gegenüber Behandlungsbeginn) oder nicht kontrolliert (UFC-Abnahme von<50%). Der Anteil an Patienten mit vollständiger oder teilweiser Kontrolle des mittleren UFC-Wertesnach 6 Monaten betrug 34% bzw. 41% der auf 0,6 mg bzw. 0,9 mg randomisierten Patienten.
Patienten, die sowohl in Monat 1 als auch in Monat 2 nicht kontrolliert waren, blieben mit großer
Wahrscheinlichkeit (90%) auch in den Monaten 6 und 12 nicht kontrolliert.
In beiden Dosisgruppen führte Signifor nach einem Behandlungsmonat zu einer Senkung des mittleren
UFC-Wertes, die im Zeitverlauf erhalten blieb.
Eine Abnahme zeigte auch die prozentuale Gesamtveränderung der mittleren und medianen UFC-
Spiegel in den Monaten 6 und 12 gegenüber den Ausgangswerten (siehe Tabelle 3). Es wurde aucheine Abnahme des Plasma-ACTH-Spiegels zu jedem Zeitpunkt für jede Dosisgruppe beobachtet.
Tabelle 3 Prozentuale Veränderung der mittleren und medianen UFC-Spiegel in denrandomisierten Dosisgruppen in Monat 6 und 12, verglichen mit den Werten zu
BehandlungsbeginnPasireotid 0,6 mg zweimal Pasireotid 0,9 mg zweimaltäglich täglich% Veränderung (n) % Veränderung (n)
Mittlere Veränderung Monat 6 -27,5* (52) -48,4 (51)des UFC (% gegenüber Monat 12 -41,3 (37) -54,5 (35)
Behandlungsbeginn)
Mediane Veränderung Monat 6 -47,9 (52) -47,9 (51)des UFC (% gegenüber Monat 12 -67,6 (37) -62,4 (35)
Behandlungsbeginn)
* Einschließlich ein Patient mit erheblich ausreißenden Werten, bei dem die prozentuale
Veränderung gegenüber Behandlungsbeginn +542,2% betrug.
Senkungen des systolischen und diastolischen Blutdrucks im Sitzen, des Body-Mass-Index (BMI) unddes Gesamtcholesterins wurden in Monat 6 in beiden Dosisgruppen beobachtet. Die Abnahme dieser
Parameter wurde bei Patienten mit vollständiger oder teilweiser Kontrolle des mittleren UFC-Wertesbeobachtet, war aber insgesamt tendenziell bei Patienten größer, bei denen sich UFC normalisierte.
Ähnliche Trends zeigten sich in Monat 12.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Signifor eine Freistellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen bei hypophysärem
Morbus Cushing, Überproduktion von ACTH in der Hypophyse und hypophysärem
Hyperadrenokortizismus gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei
Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionBei gesunden Freiwilligen wird Pasireotid rasch resorbiert. Die Plasma-Spitzenspiegel werdeninnerhalb von 0,25-0,5 Stunden erreicht. Cmax und AUC sind nach Einzel- und Mehrfachgabeannähernd dosisproportional.
Es wurden keine Bioverfügbarkeitsstudien mit Pasireotid beim Menschen durchgeführt.
VerteilungBei gesunden Freiwilligen wird Pasireotid weit verteilt und zeigt ein großes scheinbares
Verteilungsvolumen (Vz/F >100 Liter). Die Verteilung zwischen Blutzellen und Plasma istkonzentrationsunabhängig und zeigt, dass Pasireotid vor allem im Plasma vorhanden ist (91%). Die
Plasmaproteinbindung ist mäßig (88%) und konzentrationsunabhängig.
Ausgehend von In-vitro-Daten scheint Pasireotid ein Substrat des Effluxtransporters P-gp (P-
Glykoprotein) zu sein. Nach In-vitro-Daten ist Pasireotid kein Substrat des Effluxtransporters BCRP(breast cancer resistance protein) noch der Influxtransporters OCT1 (organic cation transporter 1)und OATP (organic anion-transporting polypeptide) 1B1, 1B3 oder 2B1. Bei therapeutischen
Dosierungen ist Pasireotid auch kein Inhibitor von UGT1A1, OATP, 1B1 oder 1B3, P-gp, BCRP,
MRP2 und BSEP.
BiotransformationPasireotid ist äußerst stoffwechselstabil und In-vitro-Daten zeigen, dass Pasireotid weder Substrat,
Inhibitor noch Induktor irgendeines wichtigen Enzyms der CYP450-Familie ist. Bei gesunden
Freiwilligen wird Pasireotid vornehmlich in unveränderter Form in Plasma, Urin und Fäzeswiedergefunden.
EliminationPasireotid wird hauptsächlich über die hepatische Clearance (biliäre Exkretion) und zu einem kleinen
Teil über die Nieren ausgeschieden. In einer ADME-Studie wurden beim Menschen 55,9±6,63% derradioaktiv markierten Dosis im Verlauf der ersten 10 Tage nach der Gabe wiedergefunden, und zwar48,3±8,16% der Radioaktivität in den Fäzes und 7,63±2,03% im Urin.
Pasireotid hat eine niedrige Clearance (CL/F ~7,6 Liter/Stunde bei gesunden Freiwilligen und~3,8 Liter/Stunde bei Patienten mit Morbus Cushing). Ausgehend von den Akkumulierung der AUCbeträgt die berechnete effektive Halbwertszeit (t1/2,eff) bei gesunden Freiwilligen ca. 12 Stunden.
Linearität und Zeitabhängigkeit
Bei Patienten mit Morbus Cushing zeigt Pasireotid im Dosisbereich zwischen 0,3 mg und 1,2 mgzweimal täglich eine lineare und zeitunabhängige Pharmakokinetik. Eine pharmakokinetische
Populationsanalyse deutet darauf hin, dass auf der Grundlage von Cmax und AUC bei Patienten mit
Morbus Cushing 90% des Steady states nach ungefähr 1,5 und 15 Tagen erreicht wird.
Besondere BevölkerungsgruppenKinder und JugendlicheEs wurden keine Studien bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt.
Patienten mit eingeschränkter NierenfunktionDie renale Clearance hat einen kleinen Anteil an der Elimination von Pasireotid beim Menschen. Ineiner klinischen Studie hatte die einmalige subkutane Gabe von 900 µg Pasireotid bei Probanden mit
Nierenfunktionsstörungen (leicht, moderat oder schwer bzw. mit terminalem Nierenversagen (endstage renal disease, ESRD) keinen signifikanten Einfluss auf die Gesamtexposition von Pasireotid im
Plasma. Die Exposition gegenüber ungebundenem Pasireotid im Plasma (AUCinf,u) war bei Probandenmit Nierenfunktionsstörungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe erhöht (leicht: 33%; moderat:25%, schwer: 99%, ESRD: 143%).
Patienten mit eingeschränkter LeberfunktionIn einer klinischen Studie an Patienten mit Leberinsuffizienz (Child-Pugh A, B und C) fand manstatistisch signifikante Unterschiede bei Patienten mit mittel bis stark eingeschränkter Leberfunktion(Child-Pugh B und C). Bei Patienten mit mittleren und schweren Leberfunktionsstörungen war die
AUCinf um 60% bzw. 79% erhöht. Cmax war um 67% bzw. 69% erhöht und CL/F um 37% bzw. 44%erniedrigt.
Ältere Patienten (≥65 Jahre)Das Lebensalter erwies sich in der populationspharmakokinetischen Analyse von Morbus-Cushing-
Patienten als Kovarianz. Mit zunehmendem Alter nahm die Gesamtkörper-Clearance ab, und diepharmakokinetische Exposition stieg an. In der untersuchten Altersspanne von 18 bis 73 Jahren beträgtdie vorhergesagte Fläche unter der Kurve im Steady state für ein 12-Stunden-Dosierungsintervall(AUCss) zwischen 86% und 111% eines typischen Patienten mit 41 Jahren. Dies ist eine mäßige
Abweichung, der angesichts der weiten Altersspanne, über welche der Effekt beobachtet wurde,geringe Bedeutung beigemessen wird.
Daten von Morbus-Cushing-Patienten, die über 65 Jahre alt sind, sind begrenzt. Sie lassen keineklinisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit im Vergleich zu jüngeren
Patienten vermuten.
Demographie
Populationspharmakokinetische Analysen von Signifor lassen vermuten, dass ethnische Herkunft und
Geschlecht keine Auswirkung auf die pharmakokinetischen Parameter haben.
Das Körpergewicht erwies sich in der populationspharmakokinetischen Analyse von Morbus-Cushing-
Patienten als Kovariate. Für den Bereich von 60-100 kg ergibt sich mit zunehmendem Gewicht eine
Abnahme der AUCss von ungefähr 27%. Diese Zunahme wird als moderat und von geringer klinischer
Bedeutung eingeschätzt.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, Genotoxizität und zum kanzerogenen Potenziallassen die präklinischen Daten zur Sicherheit keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Die meisten Ergebnisse in Toxizitätsstudien mit wiederholter Gabe waren reversibel und durch die
Pharmakologie von Pasireotid bedingt. Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionenbeobachtet, die erheblich über der maximalen humantherapeutischen Exposition lagen, so dass die
Relevanz für die klinische Anwendung als gering bewertet wird.
Pasireotid war bei In-vitro- und In-vivo-Tests nicht genotoxisch.
Karzinogenitätsstudien an Ratten und transgenen Mäusen ergaben kein karzinogenes Potenzial.
Pasireotid hatte keine Auswirkung auf die Fertilität männlicher Ratten. Wie aber die Pharmakologievon Pasireotid erwarten lässt, zeigten weibliche Ratten anomale Zyklen oder eine Azyklizität und eineverringerte Anzahl von Corpora lutea und Implantationen. Eine Embryotoxizität wurde bei Ratten und
Kaninchen bei Dosen beobachtet, die auch für die Muttertiere toxisch waren. Ein teratogenes Potenzialwurde aber nicht festgestellt. In der prä- und postnatalen Studie bei Ratten hatte Pasireotid keinen
Einfluss auf den Geburtsvorgang. Es verursachte aber eine leichte Retardierung in der Entwicklung beider Ablösung der Ohrmuschel und ein verringertes Körpergewicht der Nachkommen.
Die verfügbaren Daten bei Tieren zeigten ein Ausscheiden von Pasireotid in die Milch.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Mannitol (Ph. Eur.)
Weinsäure (Ph. Eur.)
Natriumhydroxid
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
'One-point-cut“ farblose Typ-I-Glasampulle, die 1 ml Lösung enthält.
Jede Ampulle ist in einer Kartonschale verpackt, die in eine Faltschachtel eingelegt ist.
Packungen mit 6 Ampullen oder Bündelpackungen mit 18 (3 x 6), 30 (5 x 6) oder60 (10 x 6) Ampullen.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungDie Signifor Injektionslösung muss frei von sichtbaren Partikeln, klar und farblos sein. Signifor nichtverwenden, wenn die Lösung nicht klar ist oder Partikel enthält.
Informationen zur Anwendung siehe am Ende der Gebrauchsinformation unter 'Wie Signifor zuinjizieren ist“.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Recordati Rare Diseases
Tour Hekla52 avenue du Général de Gaulle92800 Puteaux
France
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
Signifor 0,3 mg Injektionslösung
EU/1/12/753/001-004
Signifor 0,6 mg Injektionslösung
EU/1/12/753/005-008
Signifor 0,9 mg Injektionslösung
EU/1/12/753/009-012
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 24. April 2012
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 18. November 2016
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.