Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels SAPHNELO 300mg 150mg / ml konzentrierte infusionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Saphnelo 300 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml des Konzentrats zur Herstellung einer Infusionslösung enthält 150 mg Anifrolumab.
Eine Durchstechflasche mit 2 ml Konzentrat enthält 300 mg Anifrolumab (150 mg/ml).
Anifrolumab ist ein humaner monoklonaler Immunglobulin-G1-kappa(IgG1κ)-Antikörper, der mittelsrekombinanter DNA-Technologie in Maus-Myelomzellen (NS0) hergestellt wird.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (steriles Konzentrat)
Klare bis opaleszente, farblose bis hellgelbe Lösung mit einem pH-Wert von 5,9.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Saphnelo ist indiziert als Add-on-Therapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit moderatembis schwerem, aktivem Autoantikörper-positivem systemischem Lupus erythematodes (SLE), diebereits eine Standardtherapie erhalten.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung soll von einem Arzt initiiert und überwacht werden, der Erfahrung mit der
Behandlung des SLE hat.
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt 300 mg und wird alle 4 Wochen über eine Dauer von 30 Minuten alsintravenöse Infusion gegeben.
Bei Patienten mit infusionsbedingten Reaktionen in der Anamnese kann vor der Infusion von
Anifrolumab eine Prämedikation (z. B. ein Antihistaminikum) gegeben werden (siehe Abschnitt 4.4).
Verpasste Dosis
Wenn eine geplante Infusion verpasst wurde, soll diese so bald wie möglich nachgeholt werden. Ein
Mindestabstand von 14 Tagen soll zwischen den Dosen eingehalten werden.
Spezielle PatientengruppenÄltere Patienten (≥ 65 Jahre)Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich. Es liegen nur begrenzt Informationen bei Patienten im
Alter von ≥ 65 Jahren (n=20) vor; bei Patienten über 75 Jahren liegen keine Daten vor (siehe
Abschnitt 5.2).
NierenfunktionsstörungEine Dosisanpassung ist nicht erforderlich. Es liegen keine Erfahrungen bei Patienten mit schwerer
Nierenfunktionsstörung oder mit terminaler Niereninsuffizienz vor (siehe Abschnitt 5.2).
LeberfunktionsstörungEine Dosisanpassung ist nicht erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Saphnelo ist bei Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahren)bisher nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungZur intravenösen Anwendung.
Saphnelo darf nicht als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion gegeben werden.
Nach Verdünnung mit 0,9%iger Natriumchlorid-Infusionslösung (9 mg/ml) wird Saphnelo als
Infusion über 30 Minuten unter Verwendung eines Infusionsschlauchs gegeben, der einen sterilen 0,2bis 15 Mikrometer In-line-Filter oder Add-on-Filter mit geringer Proteinbindung enthält.
Die Infusionsgeschwindigkeit kann verlangsamt oder unterbrochen werden, wenn der Patient eine
Infusionsreaktion entwickelt.
Spülen Sie das Infusionsset nach dem Ende der Infusion mit 25 ml 0,9%iger Natriumchlorid-
Infusionslösung (9 mg/ml), um sicherzustellen, dass die gesamte Infusionslösung gegeben wurde.
Nicht gleichzeitig andere Arzneimittel über denselben Infusionsschlauch geben.
Hinweise zur Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Patientengruppen, die von den klinischen Studien ausgeschlossen waren
Anifrolumab wurde nicht in Kombination mit anderen Biologika-Therapien, einschließlich auf B-
Zellen zielgerichtete Therapien, untersucht. Die Anwendung von Anifrolumab in Kombination mit
Biologika-Therapien wird daher nicht empfohlen.
Anifrolumab wurde nicht bei Patienten mit schwerem aktivem Lupus des Zentralnervensystems oderschwerer aktiver Lupus Nephritis untersucht (siehe Abschnitt 5.1).
ÜberempfindlichkeitNach der Anwendung von Anifrolumab wurden schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen,einschließlich Anaphylaxie, berichtet (siehe Abschnitt 4.8).
In den placebokontrollierten klinischen Studien über 52 Wochen wurden bei 0,6 % der Patienten, die
Anifrolumab erhielten, schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Angioödem)berichtet.
Bei Patienten mit infusionsbedingten Reaktionen und/oder Überempfindlichkeit in der Anamnese kannvor der Infusion von Anifrolumab eine Prämedikation (z. B. ein Antihistaminikum) gegeben werden(siehe Abschnitt 4.2).
Wenn eine schwerwiegende infusionsbedingte Reaktion oder Überempfindlichkeitsreaktion (z. B.
Anaphylaxie) auftritt, soll die Gabe von Anifrolumab umgehend abgebrochen und eine geeignete
Therapie eingeleitet werden.
InfektionenAnifrolumab erhöht das Risiko für Atemwegsinfektionen und Herpes Zoster (Fälle vondisseminiertem Herpes Zoster wurden beobachtet), siehe Abschnitt 4.8. SLE-Patienten, die auch
Immunsuppressiva einnehmen, haben möglicherweise ein höheres Risiko für Herpes-Zoster-
Infektionen.In kontrollierten klinischen Studien traten schwerwiegende und zum Teil tödlich verlaufende
Infektionen (einschließlich Pneumonie) auf, einschließlich bei Patienten, die Anifrolumab erhielten.
Aufgrund seines Wirkmechanismus soll Anifrolumab bei Patienten mit einer chronischen Infektion,mit rezidivierenden Infektionen in der Anamnese oder bekannten Risikofaktoren für eine Infektion mit
Vorsicht angewendet werden. Eine Therapie mit Anifrolumab soll bei Patienten mit einer klinischsignifikanten aktiven Infektion nicht begonnen werden, bevor die Infektion abgeheilt ist oder adäquatbehandelt wird. Die Patienten sollen angewiesen werden, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen,wenn Anzeichen oder Symptome einer klinisch signifikanten Infektion auftreten. Wenn ein Patienteine Infektion entwickelt oder auf die Standardtherapie nicht anspricht, soll er engmaschig überwachtwerden und es soll sorgfältig geprüft werden, ob die Therapie mit Anifrolumab unterbrochen werdensoll, bis die Infektion abgeheilt ist.
Es wurden keine Studien bei Patienten mit einer primären Immundefizienz in der Anamnesedurchgeführt.
In den placebokontrollierten klinischen Studien waren Patienten mit einer aktiven Tuberkulose(tuberculosis, TBC) oder einer latenten TBC in der Anamnese, bei denen ein adäquater
Behandlungsverlauf nicht bestätigt werden konnte, ausgeschlossen. Vor Einleitung einer Behandlungmit Anifrolumab bei Patienten mit unbehandelter latenter TBC soll eine Anti-Tuberkulose(Anti-TBC)-
Therapie in Erwägung gezogen werden. Anifrolumab soll nicht bei Patienten mit aktiver TBCangewendet werden.
ImmunisierungEs liegen keine Daten zur Immunantwort auf Impfstoffe vor.
Vor Beginn der Behandlung sollte darauf geachtet werden, dass alle entsprechenden Schutzimpfungengemäß Schutzimpfungs-Empfehlungen abgeschlossen sind. Patienten, die mit Anifrolumab behandeltwerden, sollen nicht gleichzeitig eine Impfung mit Lebendimpfstoffen oder attenuierten
Lebendimpfstoffen erhalten.
Malignität
Der Einfluss einer Behandlung mit Anifrolumab auf die potenzielle Entwicklung von Malignomen istnicht bekannt. Es wurden keine Studien bei Patienten mit Malignomen in der Anamnese durchgeführt.
Patienten mit Plattenepithel- oder Basalzellkarzinomen und Gebärmutterhalskrebs, die entwederoperativ vollständig entfernt oder ausreichend behandelt worden waren, durften jedoch in dieklinischen SLE-Studien aufgenommen werden.
In den placebokontrollierten klinischen Studien über 52 Wochen wurden in jedweder Dosis maligne
Neoplasmen (einschließlich nicht-melanotischer Hautkrebs) bei 1,2 % der Patienten berichtet, die
Anifrolumab erhielten, im Vergleich zu 0,6 % der Patienten, die Placebo erhielten(expositionsbereinigte Inzidenzrate [EAIR]: 1,2 bzw. 0,7 Ereignisse pro 100 Patientenjahre [PY]).
Malignome, ausgenommen nicht-melanotischer Hautkrebs, wurden bei 0,7 % bzw. 0,6 % der
Patienten beobachtet, die Anifrolumab bzw. Placebo erhielten. Bei den Patienten, die Anifrolumaberhielten, wurden Brust- und Plattenepithelkarzinome bei mehr als einem Patienten beobachtet.
Bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren für die Entwicklung oder das Wiederauftreten eines
Malignoms soll das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden. Bei Patienten, beidenen sich ein Malignom entwickelt hat, soll die Entscheidung zur Fortführung der Therapie sorgfältigabgewogen werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
Es ist nicht davon auszugehen, dass die Metabolisierung von Anifrolumab durch Leberenzyme oderdie Ausscheidung über die Nieren erfolgt.
Bei einer chronischen Entzündung wird die Bildung einiger CYP450-Enzyme durch den Anstiegbestimmter Zytokine unterdrückt. Anifrolumab unterdrückt moderat die Spiegel einiger Zytokine; die
Auswirkungen auf die CYP450-Aktivität ist nicht bekannt. Für Patienten, die Arzneimittel erhalten,bei denen es sich um CYP-Substrate mit einer geringen therapeutischen Breite handelt und deren
Dosis individuell angepasst wird (z. B. Warfarin), wird eine therapeutische Überwachung empfohlen.
Immunantwort
Die gleichzeitige Anwendung von Anifrolumab und Impfstoffen wurde nicht untersucht (siehe
Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen (weniger als 300 Schwangeschaftsverläufe) mit der
Anwendung von Saphnelo bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien sind nicht eindeutig in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität (siehe
Abschnitt 5.3).
Die Anwendung von Saphnelo während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter,die nicht verhüten, wird nicht empfohlen, es sei denn der mögliche Nutzen rechtfertigt das potenzielle
Risiko.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Anifrolumab in die Muttermilch übergeht. Anifrolumab wurde in der Milchweiblicher Cynomolgus-Affen nachgewiesen (siehe Abschnitt 5.3).
Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden.
Es ist eine Entscheidung darüber zu treffen, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die
Behandlung mit Saphnelo verzichtet werden soll. Dabei soll sowohl der Nutzen des Stillens für das
Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigt werden.
FertilitätEs liegen keine Daten zur Fertilität beim Menschen vor.
Tierexperimentelle Studien zeigen keine unerwünschten Wirkungen von Anifrolumab auf indirekte
Fertilitätsmesswerte (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenSaphnelo hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie am häufigsten berichteten Nebenwirkungen während der Behandlung mit Anifrolumab waren
Infektionen der oberen Atemwege (34 %), Bronchitis (11 %), infusionsbedingte Reaktionen (9,4 %)und Herpes Zoster (6,1 %). Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung war Herpes Zoster (0,4 %).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenNebenwirkungen, die in klinischen Studien sowie nach Markteinführung berichtet wurden, sind nach
MedDRA-Systemorganklassen (system organ class, SOC) klassifiziert, siehe Tabelle 1. Innerhalbjeder SOC sind die bevorzugten Begriffe nach abnehmender Häufigkeit und dann nach abnehmendem
Schweregrad dargestellt. Die Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen sind wie folgt definiert: sehrhäufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000 bis < 1/100), selten (≥ 1/10 000bis < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren
Daten nicht abschätzbar).
Tabelle 1 Nebenwirkungen
MedDRA SOC MedDRA-bevorzugter Begriff Häufigkeit
Infektionen und Infektion der oberen Atemwege* Sehr häufigparasitäre Erkrankungen Bronchitis* Sehr häufig
Herpes Zoster Häufig
Atemwegsinfektion* Häufig
Erkrankungen des Überempfindlichkeit Häufig
Immunsystems Anaphylaktische Reaktion Gelegentlich§
MedDRA SOC MedDRA-bevorzugter Begriff Häufigkeit
Skelettmuskulatur-, Arthralgie Nicht bekannt
Bindegewebs- und
Knochenerkrankungen
Verletzung, Vergiftung Infusionsbedingte Reaktionen Häufigund durch Eingriffebedingte
Komplikationen
* Gruppierte Begriffe: Infektion der oberen Atemwege (einschließlich Infektion der oberen Atemwege,
Nasopharyngitis, Pharyngitis); Bronchitis (einschließlich Bronchitis, virale Bronchitis, Tracheobronchitis);
Atemwegsinfektion (einschließlich Atemwegsinfektion, virale Atemwegsinfektion, bakterielle
Atemwegsinfektion).§ Siehe unten 'Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen“ und Abschnitt 4.4.
LangzeitsicherheitPatienten, die die Studien 1 und 2 (Phase-III-Feeder-Studien) bis Woche 52 abgeschlossen hatten,waren berechtigt, die Behandlung in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten
Langzeitverlängerungsstudie (long-term extension, LTE) für weitere 3 Jahre fortzusetzen (siehe
Abschnitt 5.1). Insgesamt war das Langzeitsicherheitsprofil von Anifrolumab mit dem der 52-wöchigen Studien konsistent.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenÜberempfindlichkeit und infusionsbedingte Reaktionen
Die Inzidenz der Überempfindlichkeitsreaktionen betrug 2,8 % in der Anifrolumab-Gruppe und 0,6 %in der Placebogruppe. Alle Überempfindlichkeitsreaktionen wurden innerhalb des Zeitraums derersten 6 Infusionen berichtet. Die Überempfindlichkeitsreaktionen waren überwiegend von leichtembis mittlerem Schweregrad und führten nicht zum Absetzen der Anifrolumab-Therapie. Gemeldetwurde eine schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktion bei einem Patienten während der ersten
Infusion. Der Patient erhielt weiterhin Anifrolumab, wobei vor den nachfolgenden Infusionen jeweilseine Prämedikation gegeben wurde.
Im SLE-Entwicklungsprogramm wurde eine anaphylaktische Reaktion bei 0,1 % (1/837) der Patientenberichtet. Das Ereignis trat nach der Gabe von 150 mg Anifrolumab auf, der Patient wurde behandeltund ist genesen (siehe Abschnitt 4.4).
Die Inzidenz der infusionsbedingten Reaktionen betrug 9,4 % in der Anifrolumab-Gruppe und 7,1 %in der Placebogruppe. Die infusionsbedingten Reaktionen waren von leichtem bis mittlerem
Schweregrad (die häufigsten Symptome waren Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,
Ermüdung/Fatigue und Schwindelgefühl). Keine dieser Reaktionen war schwerwiegend und keineführte zum Absetzen von Anifrolumab. Infusionsbedingte Reaktionen wurden am häufigsten zu
Beginn der Behandlung, bei der ersten und zweiten Infusion und seltener bei den nachfolgenden
Infusionen berichtet.
Atemwegsinfektionen
Die Melderaten für Anifrolumab im Vergleich zu Placebo betrugen: Infektionen der oberen Atemwege(34,4 vs. 23,2 %), Bronchitis (10,7 vs. 5,2 %) und Infektionen der Atemwege (3,3 vs. 1,5 %). Die
Infektionen waren überwiegend nicht schwerwiegend, von leichter bis mittlerer Ausprägung undklangen ohne Absetzen der Anifrolumab-Therapie ab (siehe Abschnitt 4.4).
Herpes Zoster
In den 52-wöchigen klinischen Studien betrug die Inzidenz von Herpes-Zoster-Infektionen 6,1 % inder Anifrolumab-Gruppe und 1,3 % in der Placebogruppe (siehe Abschnitt 4.4). Die mittlere Zeit biszum Auftreten betrug 139 Tage (Bereich 2 - 351 Tage). Anschließend nahmen die Inzidenzraten inder LTE im Laufe der Zeit ab.
Die Herpes-Zoster-Infektionen manifestierten sich vorwiegend auf der Haut, waren von leichter bismittlerer Ausprägung und klangen ohne Absetzen der Anifrolumab-Therapie ab. Es wurden Fälle mitmultidermatomaler Beteiligung und Fälle mit disseminierter Erkrankung (einschließlich Beteiligungdes Zentralnervensystems) berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
ImmunogenitätIn den Phase-III-Studien wurden bei 6 von 352 (1,7 %) der mit Anifrolumab in der empfohlenen
Dosierung behandelten Patienten behandlungsbedingte Anti-Wirkstoff-Antikörper (antidrugantibodies, ADA) während des 60-wöchigen Studienzeitraums nachgewiesen.
In der Phase-III-LTE (Behandlungsjahre 2 bis 4) wurden bei weiteren 5 Patienten, die mit
Anifrolumab behandelt wurden, behandlungsbedingte Anti-Wirkstoff-Antikörper nachgewiesen.
Aufgrund methodischer Limitationen ist die klinische Relevanz dieser Befunde nicht bekannt.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
In klinischen Studien wurden SLE-Patienten Dosen von bis zu 1 000 mg intravenös gegeben, ohne
Hinweise auf dosislimitierende Toxizitäten.
Es gibt keine spezielle Therapie bei einer Überdosierung mit Anifrolumab. Wenn es zu einer
Überdosierung kommt, soll der Patient unterstützend behandelt und falls erforderlich entsprechendüberwacht werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, Monoklonale Antikörper, ATC-Code: L04AG11
WirkmechanismusAnifrolumab ist ein humaner monoklonaler Immunglobulin-G1-kappa-Antikörper, der mit hoher
Spezifität und Affinität an die Untereinheit 1 des Typ-I-Interferonrezeptors (IFNAR1) bindet. Diese
Bindung hemmt die Typ-I-IFN-Signaltransduktion und blockiert so die biologische Aktivität von
Typ-I-Interferonen. Anifrolumab induziert außerdem die Internalisierung von IFNAR1 und reduziertso die IFNAR1-Anzahl auf der Zelloberfläche, die für die Rezeptorbindung zur Verfügung steht. Die
Blockade der rezeptorvermittelten Typ-I-IFN-Signaltransduktion hemmt die Expression des
Interferon-stimulierten Gens sowie die nachgelagerten inflammatorischen und immunologischen
Prozesse. Die Hemmung des Typ-I-IFN blockiert die Plasmazelldifferenzierung und normalisiert die
Untergruppen der peripheren T-Zellen, wodurch das Gleichgewicht zwischen adaptiver undangeborener Immunität, das bei SLE fehlreguliert ist, wiederhergestellt wird.
Pharmakodynamische WirkungenBei erwachsenen Patienten mit SLE zeigte die Gabe von Anifrolumab in Dosen ≥ 300 mg alsintravenöse Infusion alle 4 Wochen eine anhaltende Neutralisation (≥ 80 %) derpharmakodynamischen Typ-1-Interferon-Signatur von 21 Genen im Blut. Diese Suppression zeigtesich bereits 4 Wochen nach Behandlungsbeginn und blieb während des 52-wöchigen
Behandlungszeitraums entweder erhalten oder verstärkte sich weiter. In den klinischen SLE-Studienging die pharmakodynamische Typ-I-IFN-Gen-Signatur in den Blutproben nach Absetzen von
Anifrolumab am Ende des 52-wöchigen Behandlungszeitraums innerhalb von 8 bis 12 Wochen zurückauf die Ausgangswerte. Anifrolumab 150 mg intravenös zeigte zu frühen Zeitpunkten eine Gen-
Signatur-Suppression unter 20 %, die bis zum Ende des Behandlungszeitraums eine maximale
Suppression von unter 60 % erreichte.
Bei SLE-Patienten, die bei Baseline einen positiven Nachweis auf Anti-Doppelstrang-DNA-
Antikörper (Anti-dsDNA-Antikörper) hatten, führte die Behandlung mit Anifrolumab 300 mg zu einernumerischen Reduktion der Anti-dsDNA-Antikörper über die Zeit bis Woche 52.
Bei Patienten mit niedrigem Komplement (C3 und C4) wurde bis Woche 52 ein Anstieg der
Komplement-Konzentrationen bei den mit Anifrolumab behandelten Patienten beobachtet.
Klinische WirksamkeitDie Sicherheit und Wirksamkeit von Anifrolumab wurde in zwei multizentrischen, randomisierten,doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien über einen Behandlungszeitraum von jeweils52 Wochen untersucht (Studie 1 [TULIP 1] und Studie 2 [TULIP 2]). Bei den Patienten wurde SLEgemäß den Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (1997) diagnostiziert.
Alle Patienten waren ≥ 18 Jahre alt und hatten eine mittelschwere bis schwere Erkrankung gemäß
SLE-Krankheitsaktivitätsindex 2000 (SLE Disease Activity Index 2000, SLEDAI-2K) von≥ 6 Punkten, eine Organsystembeteiligung gemäß dem British Isles Lupus Assessment Group Index(BILAG-Index) und einen Physician’s Global Assessment Score (PGA-Score) ≥ 1, trotz Erhalt einer
SLE-Standardtherapie bei Baseline, bestehend aus entweder einem oder einer Kombination mehrereroraler Kortikosteroide (oral corticosteroids, OCS), Antimalariamittel und/oder Immunsuppressiva.
Mit Ausnahme der OCS (Prednison oder Äquivalent), für die eine schrittweise Reduktion im Protokollvorgesehen war, wurde bei den Patienten die bestehende SLE-Therapie in gleicher Dosierung währendder klinischen Studien fortgeführt. Patienten mit schwerer aktiver Lupus Nephritis und Patienten mitschwerem aktivem Lupus des Zentralnervensystems waren ausgeschlossen. Die Anwendung anderer
Biologika sowie Cyclophosphamid war während der klinischen Studien nicht erlaubt. Patienten, dieandere Biologika-Therapien erhielten, mussten vor Studieneinschluss eine Auswaschphase vonmindestens 5 Halbwertszeiten einhalten. Beide Studien wurden in Nordamerika, Europa, Südamerikaund Asien durchgeführt. Die Patienten erhielten Anifrolumab oder Placebo als intravenöse Infusionalle 4 Wochen.
Das Design der Studie 1 (N=457) und das der Studie 2 (N=362) war ähnlich.
In Studie 1 war der primäre Endpunkt das Ansprechen im SLE-Responder-Index (SRI-4), definiert alsdas Erreichen jedes der folgenden Kriterien in Woche 52 im Vergleich zur Baseline:
* Verringerung um ≥ 4 Punkte im SLEDAI-2K im Vergleich zur Baseline;
* Keine neue Organsystembeteiligung, definiert als 1 oder mehr BILAG A Items oder 2 odermehr BILAG B Items im Vergleich zur Baseline;
* Keine Verschlechterung der Lupus-Krankheitsaktivität im Vergleich zur Baseline, definiert alsein Anstieg von ≥ 0,30 Punkten auf der 3-Punkt-PGA visuellen Analogskala (VAS);
* Keine Anwendung anwendungsbeschränkter Arzneimittel gemäß Studienprotokoll über die im
Studienprotokoll festgelegten Grenzwerte hinaus;
* Kein Therapieabbruch.
In Studie 2 war der primäre Endpunkt das Ansprechen im British Isles Lupus Assessment Group-based
Composite Lupus Assessment (BICLA) in Woche 52, definiert als Verbesserung in allen
Organdomänen, die eine moderate oder schwere Krankheitsaktivität bei Baseline aufwiesen:
* Verringerung aller zur Baseline bestandenen BILAG A Items auf B/C/D und zur Baselinebestandenen BILAG B Items auf C/D und keine BILAG-Verschlechterung in anderen
Organsystemen, definiert als ≥ 1 neues BILAG A Item oder ≥ 2 neue BILAG B Items;
* Keine Verschlechterung im SLEDAI-2K im Vergleich zur Baseline, wobei Verschlechterungdefiniert ist als ein Anstieg von > 0 Punkten im Vergleich zur Baseline;
* Keine Verschlechterung der Lupus-Krankheitsaktivität im Vergleich zur Baseline, wobei
Verschlechterung definiert ist als ein Anstieg von ≥ 0,30 Punkten auf der 3-Punkt-PGA-VAS;
* Keine Anwendung anwendungsbeschränkter Arzneimittel gemäß Studienprotokoll über die im
Studienprotokoll festgelegten Grenzwerte hinaus;
* Kein Therapieabbruch.
Die in beiden Studien erhobenen sekundären Wirksamkeitsendpunkte waren die Aufrechterhaltung der
OCS-Reduktion und die jährliche Schubrate. Beide Studien untersuchten die Wirksamkeit von
Anifrolumab 300 mg im Vergleich zu Placebo.
Die demographischen Merkmale der Patienten waren in beiden Studien generell vergleichbar; in den
Studien 1 bzw. 2 betrug das mediane Alter 41,3 bzw. 42,1 Jahre (Bereich 18 - 69 Jahre), 4,4 % bzw.
1,7 % waren ≥ 65 Jahre, 92 % bzw. 93 % waren weiblich, 71 % bzw. 60 % waren Weiß, 14 % bzw.
12 % waren Schwarz/Afroamerikaner und 5 % bzw. 17 % waren Asiaten. In beiden Studien hatten72 % der Patienten eine hohe Krankheitsaktivität (SLEDAI-2K-Score ≥ 10 Punkte). In den Studien 1bzw. 2 hatten 47 % bzw. 49 % eine schwere Erkrankung (BILAG A) in mindestens einem
Organsystem und 46 % bzw. 47 % der Patienten hatten eine mittelschwere Erkrankung (BILAG B) inmindestens zwei Organsystemen. Die am häufigsten beteiligten Organsysteme (BILAG A oder B bei
Baseline) waren das mukokutane (Studie 1: 87 %, Studie 2: 85 %) und das muskuloskelettale System(Studie 1: 89 %, Studie 2: 88 %).
In den Studien 1 bzw. 2 waren 90 % der Patienten seropositiv auf antinukleäre Antikörper (ANA) und45 % bzw. 44 % auf Anti-dsDNA-Antikörper; 34 % bzw. 40 % der Patienten hatten niedrige C3-,21 % bzw. 26 % hatten niedrige C4-Konzentrationen.
Die Standardtherapie bei Baseline umfasste orale Kortikosteroide (Studie 1: 83 %, Studie 2: 81 %),
Antimalariamittel (Studie 1: 73 %, Studie 2: 70 %) und Immunsuppressiva (Studie 1: 47 %, Studie 2:
48 %; einschließlich Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolat und Mizoribin). Bei den Patienten, diebei Baseline OCS (Prednison oder Äquivalent) erhielten, betrug die mittlere Tagesdosis 12,3 mg in
Studie 1 und 10,7 mg in Studie 2. Während der Wochen 8 - 40 sollen Patienten mit einer OCS-Dosisvon ≥ 10 mg/Tag bei Baseline ihre OCS-Dosis möglichst auf ≤ 7,5 mg/Tag schrittweise reduzieren, essei denn, es kam zu einer Verschlechterung des Krankheitszustandes.
Patienten, die die Behandlung vor Woche 52 beendeten, wurden in Bezug auf das Ansprechen im
BICLA und SRI-4 als Non-Responder gewertet. In Studie 1 bzw. Studie 2 beendeten 35 (19 %) bzw.
27 (15 %) der Patienten, die Anifrolumab erhielten, und 38 (21 %) bzw. 52 (29 %) der Patienten, die
Placebo erhielten, die Behandlung vor Woche 52. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2 Wirksamkeitsergebnisse bei Erwachsenen mit SLE in Studie 1 und Studie 2
Studie 1 Studie 2
Anifrolumab Placebo Anifrolumab Placebo300 mg 300 mg
BICLA-Response in Woche 52*
Ansprechrate in % (n/N) 47,1 (85/180) 30,2 (55/184) 47,8 (86/180) 31,5 (57/182)
Differenz in % (95%-KI) 17,0 (7,2; 26,8) 16,3 (6,3; 26,3)
Studie 1 Studie 2
Anifrolumab Placebo Anifrolumab Placebo300 mg 300 mg
Komponenten der BICLA-Response:
BILAG-Verbesserung, n (%) † 85 (47,2) 58 (31,5) 88 (48,9) 59 (32,4)
Keine Verschlechterung des SLEDAI- 121 (67,2) 104 (56,5) 122 (67,8) 94 (51,6)2K, n (%) †
Keine Verschlechterung des PGA, 117 (65,0) 105 (57,1) 122 (67,8) 95 (52,2)n (%) †
Kein Therapieabbruch, n (%) 145 (80,6) 146 (79,3) 153 (85,0) 130 (71,4)
Keine Anwendung 140 (77,8) 128 (69,6) 144 (80,0) 123 (67,6)anwendungsbeschränkter Arzneimittelgemäß Studienprotokoll über die im
Studienprotokoll festgelegten
Grenzwerte hinaus, n (%)
SRI-4-Response in Woche 52*
Ansprechrate in % (n/N) † 49,0 (88/180) 43,0 (79/184) 55,5 (100/180) 37,3 (68/182)
Differenz in % (95%-KI) 6,0 (-4,2; 16,2) 18,2 (8,1; 28,3)
Andauernde OCS-Reduktion ‡
Ansprechrate in % (n/N) † 49,7 (51/103) 33,1 (34/102) 51,5 (45/87) 30,2 (25/83)
Differenz in % (95%-KI) 16,6 (3,4; 29,8) 21,2 (6,8; 35,7)
Schubrate
Geschätzte jährliche Schubrate, 0,57 0,68 0,43 0,64(95%-KI) (0,43; 0,76) (0,52; 0,90) (0,31; 0,59) (0,47; 0,86)
Geschätzte Rate-Ratio (95%-KI) 0,83 (0,61; 1,15) 0,67 (0,48; 0,94)
BICLA: British Isles Lupus Assessment Group-based Composite Lupus Assessment, BILAG: British Isles Lupus Assessment
Group, PGA: Physician’s Global Assessment, SLEDAI-2K: Systemic Lupus Erythematosus Disease Activity Index 2000;
SRI-4: SLE-Responder-Index.
Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie.
* BICLA und SRI-4 basieren auf der zusammengesetzten Annäherung des Behandlungseffektes (Composite Estimand),welche Therapieabbruch oder die Anwendung anwendungsbeschränkter Arzneimittel als Teil der Responsekriterienbeinhaltet.
† Patienten, die die Therapie abgesetzt oder anwendungsbeschränkte Arzneimittel gemäß Studienprotokoll über den im
Studienprotokoll festgelegten Grenzwert hinaus angewendet haben, gelten als Non-Responder.‡ Subgruppe der Patienten mit OCS ≥ 10 mg/Tag bei Baseline. Responder waren definiert als Patienten mit einer OCS-
Reduktion auf ≤ 7,5 mg/Tag in Woche 40, anhaltend bis Woche 52.
Langzeitverlängerung
Patienten, die die Studien 1 und 2 (Feeder-Studien) bis Woche 52 abgeschlossen hatten, warenberechtigt, die Behandlung in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten LTE-Studieüber 3 Jahre fortzusetzen. Patienten, die in den Studien 1 und 2 entweder 150 mg oder 300 mg
Anifrolumab erhalten hatten, erhielten 300 mg Anifrolumab in der LTE. Patienten, die in den
Studien 1 und 2 Placebo erhalten hatten, wurden 1:1 re-randomisiert, um entweder 300 mg
Anifrolumab oder Placebo zu erhalten, was einem ungefähren Verhältnis von Anifrolumab 300 mg zu
Placebo von 4:1 in der LTE entspricht.
Die Langzeitwirksamkeit wurde bei Patienten untersucht, die in einer Feeder-Studie 300 mg
Anifrolumab oder Placebo erhielten und die in der LTE weiterhin die gleiche Behandlung erhielten(Anifrolumab N=257; Placebo N=112). Von diesen schlossen 69 % der Patienten, die Anifrolumaberhielten (177/257), und 46 % der Patienten, die Placebo erhielten (52/112), die Behandlung überinsgesamt 4 Jahre ab. In Woche 208 betrug der mittlere SLEDAI-2K-Score (Standardfehler [SE]) 3,4(0,25) und 4,0 (0,46) bei Patienten, die Anifrolumab (n=140) bzw. Placebo (n=44) erhielten.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Anifrolumab eine Zurückstellung von der Verpflichtungzur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen zur
Behandlung von systemischem Lupus erythematodes gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationenzur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Pharmakokinetik (PK) von Anifrolumab wurde bei erwachsenen SLE-Patienten nach Gabeintravenöser Dosen zwischen 100 und 1000 mg einmal alle 4 Wochen und bei gesunden Freiwilligennach Gabe einer Einmaldosis untersucht.
Anifrolumab weist im Dosisbereich zwischen 100 mg bis 1000 mg eine nichtlineare Pharmakokinetikauf. Die PK-Exposition nahm bei Dosen unterhalb von 300 mg alle 4 Wochen (empfohlene Dosis)schneller ab.
ResorptionAnifrolumab wird als intravenöse Infusion gegeben.
VerteilungAuf Grundlage einer populationspharmakokinetischen Analyse betrugen die geschätzten zentralenbzw. peripheren Verteilungsvolumina für Anifrolumab 2,93 Liter (Variationskoeffizient derinterindividuellen Variabilität von 26,9 %) bzw. 3,3 Liter bei einem Patienten mit einem
Körpergewicht von 69,1 kg.
BiotransformationDa Anifrolumab ein Protein ist, wurden keine speziellen Studien zur Metabolisierung durchgeführt.
Anifrolumab wird gezielt über den IFNAR-vermittelten Eliminationsweg und über dasretikuloendotheliale System eliminiert. Es wird davon ausgegangen, dass Anifrolumab dort durch im
Körper weit verbreitete proteolytische Enzyme in kleine Peptide und einzelne Aminosäuren abgebautwird.
EliminationAufgrund der Sättigung der IFNAR1-vermittelten Clearance bei höheren Dosen sind die Anstiege der
Exposition überproportional zur Dosis.
Auf Grundlage der populationspharmakokinetischen Modelle betrug die geschätzte typischesystemische Clearance (CL) 0,193 Liter/Tag mit einem Variationskoeffizienten der interindividuellen
Variabilität von 33,0 %. Die mediane CL nimmt über die Zeit langsam ab, mit einer Reduktion von8,4 % nach 1 Behandlungsjahr. Nach Langzeitbeobachtungen wurde festgestellt, dass die Clearancevon Anifrolumab in den Behandlungsjahren 2 bis 4 stabil war.
Auf Grundlage der populationspharmakokinetischen Analyse lagen die Serumkonzentrationen bei der
Mehrzahl der Patienten (95 %) etwa 16 Wochen nach der letzten Anifrolumab-Dosis unterhalb der
Nachweisgrenze, wenn Anifrolumab für ein Jahr gegeben wurde.
Besondere PatientengruppenEs zeigten sich keine klinisch bedeutsamen Unterschiede bei der systemischen Clearance auf
Grundlage von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Region, Geschlecht, IFN-Status oder Körpergewicht,die eine Dosisanpassung erforderlich machen würden.
Ältere Patienten (≥ 65 Jahre)Auf Grundlage der populationspharmakokinetischen Analyse hatte das Lebensalter (Bereich 18 -69 Jahre) keinen Einfluss auf die Clearance von Anifrolumab; der populationspharmakokinetische
Datensatz umfasste 20 (3 %) Patienten, die älter als 65 Jahre waren.
NierenfunktionsstörungEs wurden keine spezifischen klinischen Studien zu den Auswirkungen einer Nierenfunktionsstörungauf Anifrolumab durchgeführt. Auf Grundlage populationspharmakokinetischer Analysen waren die
Werte der Anifrolumab-Clearance bei SLE-Patienten mit leicht (60-89 ml/min/1,73 m2) und moderatverringerter eGFR (30-59 ml/min/1,73 m2) mit denen von Patienten mit normaler Nierenfunktion(≥ 90 ml/min/1,73 m2) vergleichbar. SLE-Patienten mit starker Verringerung der eGFR oder einer
Nierenerkrankung im Endstadium (< 30 ml/min/1,73 m2) waren von den klinischen Studienausgeschlossen; Anifrolumab wird nicht über die Nieren abgebaut.
Patienten mit einem Protein/Kreatinin-Verhältnis im Urin (urine protein/creatinine ratio, UPCR) von> 2 mg/mg waren von den klinischen Studien ausgeschlossen. Auf Grundlage derpopulationspharmakokinetischen Analysen hatte ein erhöhter UPCR-Wert keinen signifikanten
Einfluss auf die Anifrolumab-Clearance.
LeberfunktionsstörungEs wurden keine spezifischen klinischen Studien zu den Auswirkungen einer Leberfunktionsstörungauf Anifrolumab durchgeführt.
Da Anifrolumab als monoklonaler IgG1-Antikörper hauptsächlich über den Katabolismus eliminiertund vermutlich nicht über Leberenzyme verstoffwechselt wird, haben Veränderungen der
Leberfunktion wahrscheinlich keine Auswirkungen auf die Elimination von Anifrolumab. Auf
Grundlage populationspharmakokinetischer Analysen zeigten die zur Baseline gemessenen Biomarkerfür die Leberfunktion (ALT und AST ≤2,0 × ULN sowie Gesamtbilirubin) keine klinisch relevanten
Auswirkungen auf die Anifrolumab-Clearance.
WechselwirkungenBasierend auf populationspharmakokinetischen Analysen hatte die gleichzeitige Anwendung vonoralen Kortikosteroiden, Antimalariamitteln, Immunsuppressiva (einschließlich Azathioprin,
Methotrexat, Mycophenolat und Mizoribin), NSAR, ACE-Hemmern und HMG-CoA-
Reduktaseinhibitoren keinen wesentlichen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Anifrolumab.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Präklinik
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie und zur Toxizität beiwiederholter Gabe an Cynomolgus-Affen lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahrenfür den Menschen erkennen.
Mutagenität und Karzinogenität
Anifrolumab ist ein monoklonaler Antikörper, daher wurden keine Studien zur Genotoxizität und zumkanzerogenen Potenzial durchgeführt.
In Nager-Modellen mit IFNAR1-Blockade wurde ein erhöhtes kanzerogenes Potenzial beobachtet. Dieklinische Relevanz dieser Befunde ist nicht bekannt.
ReproduktionstoxizitätEntwicklungstoxizitätIn einer prä- und postnatalen Entwicklungsstudie mit Cynomolgus-Affen war die Inzidenz embryo-fetaler Verluste erhöht; die Inzidenz dieser Befunde lag innerhalb der historischen Kontrollwerte undwar statistisch nicht signifikant. Die Relevanz dieser Befunde für den Menschen ist nicht bekannt. Eswurden keine maternalen oder postnatalen Entwicklungseffekte bei Expositionen beobachtet, die auf
Grundlage der AUC dem bis zu etwa 28-Fachen der empfohlenen maximalen Dosis beim Menschen(maximum recommended human dose, MRHD) entsprachen. Auf Grundlage der verfügbaren Datenkann eine mögliche Auswirkung von Anifrolumab auf die Konzeption und Nidation nichtausgeschlossen werden.
FertilitätDie Auswirkungen auf die männliche und weibliche Fertilität wurden in tierexperimentellen Studiennicht direkt untersucht. In der 9-monatigen Studie mit wiederholter Gabe zeigten sich bei
Cynomolgus-Affen beim ungefähr 58-Fachen der MRHD auf Basis der AUC keine Anifrolumab-bezogenen Auswirkungen auf indirekte Messwerte für die männliche oder weibliche Fertilität,basierend auf Samenanalyse, Spermatogenese-Stadien, Menstruationszyklus, Organgewichten undhistopathologischen Befunden in den Reproduktionsorganen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Histidin
Histidinhydrochlorid-Monohydrat
Lysinhydrochlorid
Trehalose-Dihydrat (Ph.Eur.)
Polysorbat 80
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
Ungeöffnete Durchstechflasche3 Jahre.
Verdünnte InfusionslösungDie chemische und physikalische Stabilität nach Anbruch wurde für 24 Stunden bei 2 °C - 8 °C undfür 4 Stunden bei 25 °C nachgewiesen.
Aus mikrobiologischer Sicht soll die gebrauchsfertige Lösung umgehend verwendet werden. Wenn diegebrauchsfertige Lösung nicht umgehend verwendet wird, liegen die Dauer und die Bedingungen der
Aufbewahrung vor Anwendung in der Verantwortung des Anwenders. Die Aufbewahrungsdauer sollnormalerweise nicht länger als 24 Stunden bei 2 °C - 8 °C betragen.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Ungeöffnete DurchstechflascheIm Kühlschrank lagern (2 °C - 8 °C).
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Nicht einfrieren oder schütteln.
Verdünnte InfusionslösungAufbewahrungsbedingungen nach Verdünnung des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
2,0 ml Konzentrat in einer Durchstechflasche aus Typ-1-Klarglas mit einem Gummistopfen(Elastomer) und einem grauen Aluminiumverschluss mit einer Flip-off-Kappe.
Packungsgröße zu je 1 Durchstechflasche.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungSaphnelo wird als Einzeldosis-Durchstechflasche geliefert. Die Infusionslösung soll wie folgt vonmedizinischem Fachpersonal unter aseptischen Bedingungen vorbereitet und verabreicht werden:
Zubereitung der Lösung1. Überprüfen Sie die Durchstechflasche visuell auf Partikel und Verfärbung. Saphnelo ist eineklare bis opaleszente, farblose bis hellgelbe Lösung. Verwerfen Sie die Durchstechflasche,wenn die Lösung trübe oder verfärbt ist oder Partikel sichtbar sind. Schütteln Sie die Flaschenicht.
2. Verdünnen Sie 2,0 ml Saphnelo-Infusionslösungskonzentrat in einem 50-ml- oder 100-ml-
Infusionsbeutel mit 0,9%iger Natriumchlorid-Infusionslösung (9 mg/ml).
3. Mischen Sie die Lösung durch behutsames Umschwenken. Nicht schütteln.
4. In der Durchstechflasche verbliebenes Konzentrat muss verworfen werden.
5. Es wird empfohlen, die Infusionslösung unmittelbar nach der Zubereitung zu verabreichen.
Wenn die Infusionslösung in einem Kühlschrank aufbewahrt wurde (siehe Abschnitt 6.3), lassen
Sie sie vor der Verabreichung Raumtemperatur (15 °C - 25 °C) erreichen.
BeseitigungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
AstraZeneca AB
SE-151 85
Södertälje
Schweden
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 14. Februar 2022
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.