Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels RUKOBIA 600mg retardtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Rukobia 600 mg Retardtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Retardtablette enthält Fostemsavir-Trometamol, entsprechend 600 mg Fostemsavir.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Retardtablette
Beige, bikonvexe, ovale Filmtabletten mit der Prägung 'SV 1V7“ auf einer Seite. Die Tabletten sindetwa 19 mm lang, 10 mm breit und 8 mm dick.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Rukobia ist in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln für die Behandlung von
Erwachsenen mit multiresistenter HIV-1-Infektion indiziert, für die kein anderes supprimierendes,antiretrovirales Behandlungsregime zur Verfügung steht (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Rukobia sollte von Ärzten verschrieben werden, die Erfahrung in der Behandlung von HIV-
Infektionen besitzen.
DosierungDie empfohlene Dosis beträgt 600 mg Fostemsavir zweimal täglich.
Versäumte DosenWenn der Patient die Einnahme einer Fostemsavir-Dosis versäumt, sollte er diese nachholen, sobald ersich daran erinnert, sofern nicht bereits die nächste Dosis fällig ist. In diesem Fall sollte der Patient dieversäumte Einnahme nicht nachholen und stattdessen mit dem gewohnten Einnahmeschemafortfahren. Der Patient sollte nicht die doppelte Dosis einnehmen, um die vergessene Dosisauszugleichen.
Ältere MenschenEs ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit Nierenfunktionsstörung oder unter Hämodialyse ist keine Dosisanpassungerforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
LeberfunktionsstörungBei Patienten mit Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Fostemsavir bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren istbisher noch nicht erwiesen. Bisher vorliegende Daten werden in Abschnitt 5.2 beschrieben; eine
Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.
Art der AnwendungZum Einnehmen.
Fostemsavir kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden (siehe Abschnitt 5.2). Die
Retardtablette sollte im Ganzen mit Wasser geschluckt und nicht zerkaut, zerkleinert oder geteiltwerden.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Induktoren, einschließlich (aber nicht beschränkt auf)folgender Wirkstoffe: Carbamazepin, Phenytoin, Mitotan, Enzalutamid, Rifampicin und Johanniskraut(siehe Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Inflammatorisches Immun-Rekonstitutions-Syndrom
Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitungeiner antiretroviralen Therapie (ART) eine entzündliche Reaktion auf asymptomatische oder residualeopportunistische Infektionen entwickeln, die zu schweren klinischen Verläufen oder zur
Verschlechterung von Symptomen führt. Typischerweise wurden solche Reaktionen innerhalb derersten Wochen oder Monate nach Beginn der ART beobachtet. Entsprechende Beispiele sind
Cytomegalovirus-Retinitis, disseminierte und/oder lokalisierte mykobakterielle Infektionen und
Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (früher: P. carnii). Jedes Entzündungssymptom ist umgehend zubewerten; falls notwendig ist eine Behandlung einzuleiten. Es liegen auch Berichte über
Autoimmunerkrankungen (wie z. B. Morbus Basedow, Autoimmunhepatitis, Polymyositis und
Guillain-Barré-Syndrom) vor, die im Rahmen einer Immun-Rekonstitution auftraten, allerdings ist der
Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel. Diese Ereignisse können viele Monate nach Beginn der
Behandlung auftreten und manchmal ein sehr untypisches Erscheinungsbild aufweisen.
QTc-VerlängerungEine supratherapeutische Dosis (bei einer Cmax von etwa der 4,2-fachen therapeutischen Dosis) von
Fostemsavir hat eine signifikante Verlängerung des QTc-Intervalls im Elektrokardiogramm gezeigt(siehe Abschnitt 5.1). Fostemsavir sollte bei Patienten mit einer Verlängerung des QT-Intervalls in der
Vorgeschichte mit Vorsicht angewendet werden, wenn es gleichzeitig mit einem Arzneimittel mitbekanntem Risiko für Torsade de pointes (z. B. Amiodaron, Disopyramid, Ibutilid, Procainamid,
Chinidin oder Sotalol) oder bei Patienten mit einer relevanten vorbestehenden Herzerkrankunggegeben wird. Ältere Patienten sind möglicherweise anfälliger für eine arzneimittelbedingte
Verlängerung des QT-Intervalls.Patienten mit einer Hepatitis B- oder C-Virus-Koinfektion
Bei Patienten mit Hepatitis B- und/oder Hepatitis C-Koinfektion wird empfohlen, die Leberlaborwertezu überwachen. Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C, die mit einer antiretroviralen
Kombinationstherapie behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für schwere hepatische
Nebenwirkungen mit potenziell tödlichem Verlauf. Bei gleichzeitiger antiviraler Therapie der
Hepatitis B oder C beachten Sie bitte auch die betreffenden Produktinformationen dieser Arzneimittel.
Opportunistische InfektionenPatienten müssen darauf hingewiesen werden, dass Fostemsavir oder eine andere antiretrovirale
Therapie nicht zu einer Heilung der HIV-Infektion führt und dass sie auch weiterhin opportunistische
Infektionen oder andere Komplikationen einer HIV-Infektion entwickeln können. Daher sollten die
Patienten unter enger klinischer Beobachtung durch Ärzte bleiben, die in der Behandlung dieser HIV-assoziierten Erkrankungen erfahren sind.
OsteonekroseObwohl eine multifaktorielle Ätiologie angenommen wird (darunter Anwendung von
Kortikosteroiden, Bisphosphonaten, Alkoholkonsum, schwere Immunsuppression, höherer Body-
Mass-Index), wurden Fälle von Osteonekrose bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankungund/oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die
Patienten sind darauf hinzuweisen, bei Auftreten von Gelenkbeschwerden und -schmerzen,
Gelenksteife oder Schwierigkeiten bei Bewegungen, den Arzt aufzusuchen.
Eingeschränkte antivirale Aktivität
In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass die antivirale Aktivität von Temsavir auf Stämme der HIV-1-
Gruppe M begrenzt ist. Rukobia sollte nicht zur Behandlung von Infektionen angewendet werden, diedurch andere Stämme als solche der HIV-1-Gruppe M verursacht wurden (siehe Abschnitt 5.1).
Innerhalb der HIV-1-Gruppe M zeigt Temsavir eine erheblich beeinträchtigte antivirale Aktivitätgegen das CRF01_AE-Virus. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass dieser Subtyp einenatürlich vorkommende Resistenz gegenüber Temsavir besitzt (siehe Abschnitt 5.1). Es wirdempfohlen, Rukobia nicht zur Behandlung von Infektionen anzuwenden, die durch Stämme der HIV-1-Gruppe M mit dem Subtyp CRF01_AE verursacht wurden.
Wechselwirkungen mit anderen ArzneimittelnDie gleichzeitige Anwendung von Fostemsavir mit Elbasvir/Grazoprevir wird nicht empfohlen, daerhöhte Grazoprevir-Plasmakonzentrationen das Risiko für steigende ALT-Werte erhöhen kann (siehe
Abschnitt 4.5).
Dosismodifikationen und/oder eine sorgfältige, schrittweise Anpassung der Dosis werden beigleichzeitiger Anwendung von Fostemsavir mit bestimmten Statinen empfohlen, die Substrate von
OATP1B1/3 oder BCRP (Rosuvastatin, Atorvastatin, Pitavastatin, Simvastatin und Fluvastatin) sind(siehe Abschnitt 4.5).
Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Fostemsavir und oralen Kontrazeptiva erhöhte Temsavir die
Plasmakonzentrationen von Ethinylestradiol. Die Dosen von Estrogen-basierten Therapien,einschließlich oraler Kontrazeptiva, sollten bei Patientinnen, die Fostemsavir erhalten, nicht mehr als30 µg Ethinylestradiol pro Tag betragen (siehe Abschnitt 4.5). Darüber hinaus ist insbesondere bei
Patientinnen mit zusätzlichen Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse Vorsicht geboten.
Wenn Fostemsavir gleichzeitig mit Tenofoviralafenamid (TAF) angewendet wird, wird durch
Temsavir über die Hemmung des OATP1B1/3 und/oder BCRPs ein Anstieg der TAF-
Plasmakonzentrationen erwartet. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Fostemsavir ist die empfohlene
Dosis von TAF 10 mg (siehe Abschnitt 4.5).
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Wirkungen anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Temsavir
Temsavir ist ein Substrat von P-Glykoprotein (P-gp) und dem Breast Cancer Resistance Protein(BCRP), nicht jedoch der Transporter für organische Anionen OATP1B1 oder OATP1B3. Seine
Biotransformation zu den beiden zirkulierenden Metaboliten BMS-646915 und BMS-930644 wird vonnicht-identifizierten Esterasen (36,1 %) bzw. von Cytochrom-P450 (CYP) 3A4 (21,2 %) vermittelt.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Fostemsavir mit dem starken CYP3A-Induktor Rifampicin wurdeeine signifikante Abnahme der Plasmakonzentrationen von Temsavir beobachtet. Signifikante
Verringerungen der Plasmakonzentrationen von Temsavir können möglichweise auch auftreten, wenn
Fostemsavir gleichzeitig mit anderen starken CYP3A-Induktoren angewendet wird, wodurch es zueinem Verlust des virologischen Ansprechens kommen kann (siehe Abschnitt 4.3).
Basierend auf Ergebnisse klinischer Studien zu Arzneimittelwechselwirkungen mit Cobicistat und
Ritonavir kann Fostemsavir gleichzeitig mit starken CYP3A4-, BCRP- und/oder P-gp-Inhibitoren(z. B. Clarithromycin, Itraconazol, Posaconazol und Voriconazol) ohne Dosisanpassung angewendetwerden.
Wirkung von Temsavir auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel
In vitro hemmte Temsavir OATP1B1 und OATP1B3 (IC50 = 32 bzw. 16 µM). Außerdem hemmten
Temsavir und seine beiden Metabolite (BMS-646915 und BMS-930644) BCRP (IC50 = 12, 35 bzw.3,5 bis 6,3 µM). Auf der Grundlage dieser Daten ist zu erwarten, dass Temsavir die Pharmakokinetikvon Wirkstoffen beeinflusst, die Substrate von OATP1B1/3 oder BCRP sind (z. B. Rosuvastatin,
Atorvastatin, Simvastatin, Pitavastatin und Fluvastatin). Daher werden für bestimmte Statine
Dosismodifikationen und/oder eine sorgfältige, schrittweise Anpassung der Dosis empfohlen.
Tabelle der Wechselwirkungen
In Tabelle 1 sind ausgewählte Arzneimittelwechselwirkungen aufgeführt. Die Empfehlungen beruhenentweder auf Arzneimittelwechselwirkungsstudien oder auf prognostizierten Wechselwirkungenaufgrund des erwarteten Ausmaßes der Wechselwirkung und des Potenzials für schwerwiegendeunerwünschte Nebenwirkungen oder aufgrund von Wirksamkeitsverlust. (Abkürzungen: ↑ Anstieg;↓ = Abnahme; ↔ = keine signifikante Veränderung; AUC = Fläche unter der Konzentrations-Zeit-
Kurve; Cmax = maximal beobachtete Konzentration; Cτ = Konzentration am Ende des
Dosierungsintervalls; * = Verwendung von studienübergreifenden Vergleichen mit historischenpharmakokinetischen Daten).
Tabelle 1: Wechselwirkungen
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
Antivirale Wirkstoffe gegen HIV-1
Nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
Efavirenz (EFV) Temsavir ↓ Diese Wechselwirkung wurde nicht(Induktion der CYP3A- untersucht.
Enzyme)1 Es wird erwartet, dass Efavirenz die
Plasmakonzentrationen von Temsavirverringert. Eine Anpassung der Dosisist nicht erforderlich.
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
Etravirin (ETR) ohne Temsavir ↓ Etravirin verringerte diegeboosterte Protease- AUC ↓ 50 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Inhibitoren Cmax ↓ 48 % Bei keinem der Arzneimittel ist eine
Cτ ↓ 52 % Dosisanpassung notwendig.(Induktion der CYP3A-
Enzyme)1
ETR ↔
Nevirapin (NVP) Temsavir ↓ Diese Wechselwirkung wurde nicht(Induktion der CYP3A- untersucht.
Enzyme)1 Es wird erwartet, dass Nevirapin die
Plasmakonzentrationen von Temsavirverringert. Eine Anpassung der Dosisist nicht erforderlich.
Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
Tenofovirdisoproxil (TDF) Temsavir ↔ Eine Anpassung der Dosis ist bei
AUC ↔ keinem der Arzneimittel erforderlich.
Cmax ↓ 1 %
Cτ ↑ 13 %
Tenofovir ↑
AUC ↑ 19 %
Cmax ↑ 18 %
Cτ ↑ 28 %
Tenofoviralafenamid (TAF) TAF ↑ Diese Wechselwirkung wurde nicht(Inhibition von OATP1B1/3 untersucht.und/oder BCRP) Es wird erwartet, dass Temsavir die
Plasmakonzentrationen von
Tenofoviralafenamid erhöht. Beigleichzeitiger Anwendung mit
Fostemsavir beträgt die empfohlene
TAF-Dosis 10 mg.
Protease-Inhibitoren
Atazanavir Temsavir ↑ Atazanavir/Ritonavir erhöhte die(ATV)/Ritonavir (RTV) AUC ↑ 54 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Cmax ↑ 68 % Eine Anpassung der Dosis ist bei
Cτ ↑ 57 % keinem der Arzneimittel erforderlich.(Inhibition der CYP3A-
Enzyme und P-gp)1
ATV ↔
RTV ↔
Darunavir Temsavir ↑ Darunavir/Cobicistat erhöhte die(DRV)/Cobicistat AUC ↑ 97 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Cmax ↑ 79 % Eine Anpassung der Dosis ist nicht
Cτ ↑ 124 % erforderlich.(Inhibition der CYP3A-
Enzyme, P-gp und/oder
BCRP)1
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
Darunavir (DRV)/Ritonavir Temsavir ↑ Darunavir/Ritonavir erhöhte die
AUC ↑ 63 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Cmax ↑ 52 % Eine Dosisanpassung bei
Cτ ↑ 88 % gleichzeitiger Anwendung ist für(Inhibition der CYP3A- keines der Arzneimittel notwendig.
Enzyme und P-gp)1
DRV ↔
AUC ↓ 6 %
Cmax ↓ 2 %
Cτ ↓ 5 %
RTV ↔
AUC ↑ 15 %
Cmax ↔
Cτ ↑ 19 %
Darunavir (DRV)/Ritonavir Temsavir ↑ Die gleichzeitige Anwendung von+ Etravirin AUC ↑ 34 % Darunavir/Ritonavir zusammen mit
Cmax ↑ 53 % Etravirin erhöhte die
Cτ ↑ 33 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Eine Dosisanpassung bei
Darunavir ↓ gleichzeitiger Anwendung ist für
AUC ↓ 6 % keines der Arzneimittel notwendig.
Cmax ↓ 5 %
Cτ ↓ 12 %
Ritonavir ↑
AUC ↑ 9 %
Cmax ↑ 14 %
Cτ ↑ 7 %
Etravirin ↔
AUC ↑ 28 %
Cmax ↑ 18 %
Cτ ↑ 28 %
Pharmakokinetische Wirkverstärker
Cobicistat (COBI) Temsavir ↑ Cobicistat erhöhte die
AUC ↑ 93 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Cmax ↑ 71 % Eine Anpassung der Dosis ist nicht
Cτ ↑ 136 % erforderlich.(Inhibition der CYP3A-
Enzyme, P-gp und/oder
BCRP)1
Ritonavir Temsavir ↑ Ritonavir erhöhte die
AUC ↑ 45 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Cmax ↑ 53 % Eine Dosisanpassung ist für keines
Cτ ↑ 44 % der Arzneimittel notwendig.(Inhibition der CYP3A-
Enzyme und P-gp)1
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
RTV ↔
AndereMaraviroc (MVC) Temsavir ↔ Eine Dosisanpassung ist für keines
Cmax ↑ 13 % der Arzneimittel notwendig.
AUC ↑ 10 %
Cτ ↓ 10 %
MVC ↔
AUC ↑ 25 %
Cmax ↑ 1 %
Cτ ↑ 37 %
Raltegravir (RAL) Temsavir ↔* Eine Dosisanpassung ist für keinesder Arzneimittel notwendig.
RAL ↔*
Andere ArzneimittelBuprenorphin/Naloxon Buprenorphin ↔ Eine Anpassung der Dosis ist nicht
AUC ↑ 30 % erforderlich.
Cmax ↑ 24 %
Norbuprenorphin ↔
AUC ↑ 39 %
Cmax ↑ 24 %
Methadon Methadon ↔ Eine Anpassung der Dosis ist nichterforderlich.
R-Methadon
AUC ↑ 13 %
Cmax ↑ 15 %
S-Methadon
AUC ↑ 15 %
Cmax ↑ 15 %
H2-Rezeptorantagonisten: Temsavir ↔ Bei gleichzeitiger Anwendung von
Famotidin AUC ↑ 4 % Arzneimitteln zur Erhöhung des
Cmax ↑ 1 % Magensaft-pHs ist keine
Cτ ↓ 10 % Dosisanpassung erforderlich.
Orale Kontrazeptiva: EE ↑ Die EE-Dosis sollte 30 µg täglich
Ethinylestradiol (EE) AUC ↑ 39 % nicht überschreiten. Vorsicht ist
Cmax ↑ 40 % geboten, insbesondere bei(Inhibition der CYP- Patientinnen mit zusätzlichen
Enzyme und/oder BCRP)1 Risikofaktoren fürthromboembolische Ereignisse(siehe Abschnitt 4.4).
Norethindronacetat (NE) NE ↔
AUC ↑ 8 % Eine Anpassung der Dosis ist nicht
Cmax ↑ 8 % erforderlich.
Rifabutin Temsavir ↓ Rifabutin verringerte die
AUC ↓ 30 % Plasmakonzentrationen von Temsavir.
Eine Anpassung der Dosis ist nichterforderlich.
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
Cmax ↓ 27 %
Cτ ↓ 41 %(Induktion der CYP3A-
Enzyme)1
Rifabutin + Ritonavir Temsavir ↑ Die gleichzeitige Anwendung von
AUC ↑ 66 % Rifabutin zusammen mit Ritonavir
Cmax ↑ 50 % erhöhte die Plasmakonzentrationen
Cτ ↑ 158 % von Temsavir. Eine Anpassung der
Dosis ist nicht erforderlich.
Rifampicin Temsavir ↓ Die gleichzeitige Anwendung von
AUC ↓ 82 % Rifampicin kann zum Verlust des
Cmax ↓ 76 % virologischen Ansprechens auf(Induktion der CYP3A- Fostemsavir führen, da es durch die
Enzyme) starke CYP3A4-Induktion zu einersignifikanten Abnahme der
Plasmakonzentrationen von Temsavirkommen kann. Aus diesem Grund istdie gleichzeitige Anwendung von
Fostemsavir und Rifampicinkontraindiziert.
Obwohl dies nicht untersucht wurde,ist auch die gleichzeitige Anwendungvon Fostemsavir mit anderen starken
CYP3A4-Induktoren kontraindiziert(siehe Abschnitt 4.3).
Auswirkung auf die
Komedikation nach Konzentration von
Anwendungsgebiet Temsavir oder des Empfehlung zur Komedikationgleichzeitig angewendeten
Arzneimittels
HMG-CoA-Reduktase- Rosuvastatin ↑ Die gleichzeitige Anwendung von
Inhibitoren: AUC ↑ 69 % Fostemsavir erhöht die
Rosuvastatin Cmax ↑ 78 % Plasmakonzentrationen von
Atorvastatin (Inhibition von OATP1B1/3 Rosuvastatin, da durch Temsavir
Pitavastatin und/oder BCRP) OATP1B1/3 und/oder BCRP inhibiert
Fluvastatin werden. Daher sollte unter
Simvastatin sorgfältiger Überwachung dieniedrigstmögliche Initialdosis von
Rosuvastatin verwendet werden.
Obwohl dies nicht untersucht wurde,sollte auch bei anderen Statinen, die
Substrate von OATP1B1/3 und/oder
BCRP sind, die niedrigstmögliche
Initialdosis angewendet werden sowieeine sorgfältige Überwachung auf
HMG-CoA-Reduktase-Inhibitorassoziierte Nebenwirkungen hinerfolgen.
Pravastatin Pravastatin ↑ Obwohl dies nicht untersucht wurdewerden klinisch relevante
Erhöhungen der
Plasmakonzentrationen von
Pravastatin nicht erwartet, da es kein
Substrat von BCRP ist. Eine
Anpassung der Dosis ist nichterforderlich.
Direkt wirkende antivirale Grazoprevir ↑ Diese Wechselwirkung wurde nicht
Arzneimittel gegen das (Inhibition von untersucht.
Hepatitis C-Virus (HCV- OATP1B1/3) Temsavir erhöht möglicherweise die
DAAs): Plasmakonzentrationen von
Elbasvir/Grazoprevir Grazoprevir in einem klinischrelevanten Ausmaß, da OATP1B1/3durch Temsavir inhibiert wird. Diegleichzeitige Anwendung von
Fostemsavir mit Elbasvir/Grazoprevirwird nicht empfohlen, da das Risikofür erhöhte ALT-Werte durch erhöhte
Grazoprevir-Plasmakonzentrationenzunehmen kann.
SofosbuvirLedipasvir Obwohl dies nicht untersucht wurde,
Velpatasvir HCV-DAA ↑ wird angenommen, dass Temsavir die
Voxilaprevir Plasmakonzentrationen anderer HCV-
Ombitasvir DAAs erhöht. Eine Anpassung der
Paritaprevir Dosis ist nicht erforderlich.
Dasabuvir
GlecaprevirPibrentasvirDaclatasvir1Mögliche(r) Mechanismus(men) der Arzneimittelwechselwirkungen
QT-Intervall-verlängernde Arzneimittel
Es sind keine Informationen über das Potential für eine pharmakodynamische Interaktion zwischen
Fostemsavir und Arzneimitteln, die das QTc-Intervall im EKG verlängern, vorhanden. Auf Basis einer
Studie an gesunden Probanden, in welcher eine supratherapeutische Dosis von Fostemsavir das QTc-
Intervall verlängerte, sollte Fostemsavir jedoch mit Vorsicht angewendet werden, wenn gleichzeitigein Arzneimittel mit bekanntem Risiko für Torsade de Pointes angewendet wird (siehe
Abschnitte 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen (weniger als 300 Schwangerschaftsausgänge)mit der Anwendung von Fostemsavir bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien mit Temsavir-Expositionen, die im Bereich therapeutischer Expositionenlagen, zeigten keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezugauf eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt 5.3). Bei trächtigen Ratten überwindet Fostemsavirund/oder seine Metaboliten die Plazentaschranke und wird/werden im ganzen fötalen Gewebe verteilt.
Aus Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung von Rukobia während der Schwangerschaft vermiedenwerden.
StillzeitEs wird empfohlen, dass HIV-infizierte Frauen nicht stillen, um eine Übertragung von HIV auf das
Kind zu vermeiden.
Es ist nicht bekannt, ob Fostemsavir/Temsavir in die Muttermilch übergehen. Die zur Verfügungstehenden toxikokinetischen Daten von säugenden Ratten zeigten, dass Fostemsavir/Temsavir in die
Milch übergehen (siehe Abschnitt 5.3).
FertilitätBisher liegen keine Daten über den Einfluss von Fostemsavir auf die männliche oder weibliche
Fertilität beim Menschen vor. Tierexperimentelle Studien lassen bei klinisch relevanten Dosen keine
Auswirkungen von Fostemsavir auf die männliche oder weibliche Fertilität erkennen (siehe
Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenFostemsavir hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienenvon Maschinen. Patienten sollten darüber informiert werden, dass im Zusammenhang mit der
Anwendung von Fostemsavir über Kopfschmerzen, Schwindel und Somnolenz berichtet wurde (siehe
Abschnitt 4.8). Der klinische Zustand des Patienten und das Nebenwirkungsprofil von Fostemsavirsollten bei der Beurteilung der Fähigkeit des Patienten, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zubedienen, beachtet werden.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie schwerwiegendste Nebenwirkung war das Immunrekonstitutions-Syndrom (siehe Abschnitt 4.4).
Die am häufigsten beobachteten therapiebedingten Nebenwirkungen waren Durchfall (24 %),
Kopfschmerzen (17 %), Übelkeit (15 %), Ausschlag (12 %), Abdominalschmerz (12 %) und
Erbrechen (11 %).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Nebenwirkungen aus klinischen Studien sind in Tabelle 2 nach Organsystem, Organklassen undabsoluter Häufigkeit aufgelistet. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig(≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100), selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000), sehr selten(< 1/10.000).
Tabelle 2: Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Systemorganklasse Häufigkeit1 Nebenwirkungen
Erkrankungen des Häufig Inflammatorisches Immunrekonstitutions-Syndrom2
Immunsystems (siehe Abschnitt 4.4)
Psychiatrische Häufig Schlaflosigkeit
Erkrankungen
Erkrankungen des Sehr häufig Kopfschmerzen
Nervensystems Häufig Schwindelgefühl, Somnolenz, Dysgeusie
Herzerkrankungen Häufig QT-Verlängerung im Elektrokardiogramm (siehe
Abschnitt 4.4)
Erkrankungen des Sehr häufig Durchfall, Übelkeit, Abdominalschmerz3, Erbrechen
Gastrointestinaltrakts
Häufig Dyspepsie, Flatulenz
Leber- und Häufig Anstieg der Transaminasen4
Gallenerkrankungen
Erkrankungen der Haut Sehr häufig Ausschlag5und des
Unterhautzellgewebes Häufig Pruritus6
Skelettmuskulatur-, Häufig Myalgie
Bindegewebs- und
Knochenerkrankungen
Allgemeine Erkrankungen Häufig Fatigueund Beschwerden am
Verabreichungsort
Laborwerte Häufig Anstieg des Kreatinin-Wertes im Blut, Anstieg der
Kreatin-Phosphokinase im Blut1Berechnet basierend auf Daten zur Arzneimittelsicherheit von 570 Patienten (n = 370 aus der Phase-
III-Studie [BRIGHTE] zu Woche 144 und n = 200 aus der Phase-IIb-Studie mit einerdurchschnittlichen Dauer von 174 Wochen).
2Umfasst entzündliche Reaktion des zentralen Nervensystems bei Immunrekonstitution undinflammatorisches Immunrekonstitutions-Syndrom.
3Umfasst Abdominalbeschwerden, Abdominalschmerzen und Oberbauchschmerzen.4Umfasst erhöhte ALT-, AST-Werte im Blut sowie Erhöhungen der Leberenzyme und Transaminasen.
5Umfasst Ausschlag, erythematösen Hautausschlag, generalisierten Ausschlag, makulösen Ausschlag,makulo-papulösen Ausschlag, papulösen Ausschlag, Ausschlag mit Juckreiz und bläschenförmigen
Ausschlag.
6Umfasst Pruritus und generalisierten Pruritus.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenÄnderungen der LaborwerteNach Behandlung mit Fostemsavir wurden erhöhte Werte der Kreatin-Phosphokinase (CPK)beobachtet, die meist leicht oder moderat ausgeprägt waren. Diese Änderungen wurden selten mit
Beschwerden des Muskel- und Skelettsystems assoziiert und werden als klinisch nicht relevanterachtet.
Klinisch relevante Anstiege der Serum-Kreatininwerte traten hauptsächlich bei Patienten mitidentifizierbaren Risikofaktoren für eine eingeschränkte Nierenfunktion auf, darunter auchvorbestehende Nierenerkrankungen in der Anamnese und/oder Begleitmedikationen, diebekanntermaßen Anstiege der Kreatininwerte verursachen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen
Fostemsavir und einer Erhöhung des Kreatininwerts im Serum wurde nicht nachgewiesen.
Asymptomatische Anstiege der Serum-Kreatininwerte, der Kreatin-Phosphokinase und der
Leberenzyme waren überwiegend Grad 1 oder 2 und erforderten keine Therapieunterbrechung.
Nach Behandlung mit Fostemsavir wurden Anstiege des direkten (konjugierten) Bilirubins beobachtet.
Fälle von klinischer Relevanz waren selten und nur schwer von Ereignissen interkurrierenderschwerwiegender Komorbiditäten abzugrenzen, die nicht mit der Dosierung der Studienmedikation in
Zusammenhang standen (z. B. Sepsis, Cholangiokarzinom oder andere Komplikationen einer viralen
Hepatitis-Koinfektion. In den restlichen Fällen waren erhöhte Werte des direkten Bilirubins (ohneklinischen Ikterus) in der Regel vorübergehend, traten ohne Erhöhung der Lebertransaminasen auf undklangen bei Weiterführung der Therapie mit Fostemsavir ab.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit.
Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es gibt keine spezifische Behandlung bei einer Überdosierung von Fostemsavir. Im Falle einer
Überdosierung sollte der Patient die jeweils geeignete unterstützende Behandlung erhalten und auf
Anzeichen oder Symptome von Nebenwirkungen hin überwacht werden, einschließlich der
Überwachung der Vitalzeichen und des klinischen Gesundheitszustands des Patienten. Da Temsavireine hohe Plasmaproteinbindung aufweist, ist es unwahrscheinlich, dass es durch Dialyse innennenswertem Maße entfernt wird.
Das weitere Vorgehen sollte sich nach den klinischen Erfordernissen oder nach den Empfehlungen desjeweiligen nationalen Giftinformationszentrums richten, sofern vorhanden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung, andere antivirale
Mittel, ATC-Code: J05AX29.
WirkmechanismusFostemsavir ist ein Prodrug ohne signifikante antivirale Aktivität, das in vivo unter Abspaltung einer
Phosphonooxymethyl-Gruppe zum aktiven Metaboliten Temsavir hydrolysiert wird (siehe
Abschnitt 5.2). Temsavir bindet direkt an die gp120-Untereinheit des glykosylierten HIV-1-
Hüllproteins gp160 und hemmt selektiv die Interaktion zwischen dem Virus und dem zellulären CD4+-
Rezeptor, wodurch das Eindringen des Virus in Wirtszellen und somit deren Infektion verhindert wird.
Pharmakodynamische WirkungenAntivirale Aktivität in ZellkulturenTemsavir zeigte eine variable Aktivität gegenüber HIV-1-Subtypen. IC50-Werte für Temsavir reichtenvon 0,01 bis > 2000 nM gegen klinische Isolate der Subtypen A, B, B', C, D, F, G und CRF01_AE in
PBMCs. Temsavir zeigte keine Wirksamkeit gegen HIV-2. Durch das häufige Auftreten der
Polymorphismen S375H (98 %) und S375M/M426L/M434I (100 %) ist Temsavir nicht wirksam bei
Gruppe-O und Gruppe-N (siehe Abschnitt 4.4).
Gegen eine Serie von 1337 klinischen Isolaten betrug im PhenoSense Entry-Test der mittlere IC50-
Wert 1,73 nM (Bereich 0,018 bis > 5000 nM). Die untersuchten Isolate beinhalteten den Subtyp B(n = 881), C (n = 156), F1 (n = 48), A (n = 43), BF1 (n = 29), BF (n = 19), A1 (n = 17) und
CRF01_AE (n = 5). Der Subtyp CRF01_AE wurde mit höheren IC50-Werten assoziiert (5/5 Isolate miteinem IC50-Wert für Temsavir > 100 nM). CRF01_AE wird aufgrund der verfügbaren Daten und des
Vorliegens von Polymorphismen an den Positionen S375H und M475I als natürlich resistent gegen
Temsavir eingestuft (siehe unten).
Antivirale Aktivität in Kombination mit anderen antiviralen Wirkstoffen
Bei In-vitro-Untersuchungen mit Temsavir wurden keine antagonistischen Effekte gegenüber
Abacavir, Didanosin, Emtricitabin, Lamivudin, Stavudin, Tenofovirdisoproxil, Zidovudin, Efavirenz,
Nevirapin, Atazanavir, Indinavir, Lopinavir, Ritonavir, Saquinavir, Enfuvirtid, Maraviroc, Ibalizumab,
Delavirdin, Rilpivirin, Darunavir, Dolutegravir oder Raltegravir beobachtet. Außerdem habenantivirale Wirkstoffe ohne inhärente Aktivität gegen HIV (Entecavir, Ribavirin) keinen erkennbaren
Einfluss auf die Wirksamkeit von Temsavir.
Resistenz in vitro
Die serielle Passage der Laborstämme LAI, NL4-3 oder Bal resultierte bei steigenden Konzentrationenvon Temsavir (TMR) über 14 bis 49 Tage in gp120-Substitutionen an den Positionen L116, A204,
M426, M434 und M475. Die Phänotypen der rekombinanten LAI-Viren, die TMR-selektierte
Substitutionen enthielten, wurden untersucht. Zusätzlich wurden die Phänotypen der Viren mit
Substitutionen an der Position S375 ausgewertet, die aus klinischen Studien mit Fostemsavir beivorbehandelten Patienten identifiziert wurden. Die als klinisch relevant erachteten Phänotypen sind im
Folgenden aufgelistet (Tabelle 3).
Tabelle 3: Phänotypen rekombinanter LAI-Viren mit klinisch relevanten gp120-Substitutionen
Substitutionen Fold-Change vs Wildtyp EC50 Häufigkeit in der 2018 LANL
Datenbank%
Wildtyp 1 -
S375H 48 10,71
S375I 17 1,32
S375M 47 1,17
S375N 1 1,96
S375T 1 8,86
S375V 5,5 -
S375Y > 10000 0,04
M426L 81 5,33
M426V 3,3 0,31
M434I 11 10,19
M434T 15 0,55
M475I 4,8 8,84
M475L 17 0,09
M475V 9,5 0,12
Hinweis: Der Phänotyp der Substitutionen an den Positionen L116 und A204 wurde in der Tabellenicht berücksichtigt, da diese als klinisch nicht relevant erachtet werden.
Temsavir behielt seine Aktivität gegen aus dem Labor stammende, CD4+-unabhängige Viren bei.
KreuzresistenzEs gab keine Hinweise auf eine Kreuzresistenz gegenüber Vertretern anderer antiretroviraler (ARV)
Wirkstoffklassen. Temsavir behielt seine Wirksamkeit gegen Viren mit Resistenzen gegenüber dem
INSTI Raltegravir, den NNRTIs Rilpivirin und Efavirenz, den NRTIs Abacavir, Lamivudin,
Tenofovir, Zidovudin und den PIs Atazanavir und Darunavir bei. Außerdem hielten Abacavir,
Tenofovir, Efavirenz, Rilpivirin, Atazanavir, Darunavir und Raltegravir ihre Wirksamkeit beizielgerichtet-mutierten Viren mit verminderter Temsavir-Empfindlichkeit (S375M, M426L oder
M426L plus M475I) aufrecht.
Es wurde keine Kreuzresistenz zwischen Temsavir und Maraviroc oder Enfuvirtid beobachtet.
Temsavir war gegen Viren mit Resistenz gegenüber Enfuvirtid wirksam. Einige CCR5-trope, gegen
Maraviroc resistente Viren wiesen eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Temsavir auf; eineabsolute Korrelation zwischen einer Maraviroc-Resistenz und einer verminderten Empfindlichkeitgegenüber Temsavir gab es jedoch nicht. Maraviroc und Enfuvirtid hielten ihre Wirksamkeit gegenklinische Isolate mit Envelopproteinen aus der Phase-IIa-Studie (206267), die eine verminderte
Empfindlichkeit gegenüber Temsavir aufwiesen und die Substitutionen S375H, M426L oder M426Lplus M475I enthielten, aufrecht.
Temsavir war gegen mehrere Ibalizumab-resistente Viren wirksam. Ibalizumab hielt seine
Wirksamkeit bei zielgerichtet-mutierten Viren mit einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber
Temsavir (S375M, M426L oder M426L plus M475I) aufrecht. HIV-1 gp120 E202 wurde als eineseltene Form der behandlungsbedingten Substitution in der BRIGHTE-Studie identifiziert, die die
Empfindlichkeit gegenüber Temsavir vermindern kann und, abhängig von der Sequenz des
Envelopproteins, möglicherweise auch zu einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber Ibalizumabführen kann.
Virologisches Ansprechen zu Tag 8 nach Genotyp und Phänotyp in der BRIGHTE-Studie
Der Effekt von gp120-Resistenz-assoziierten Polymorphismen (RAPs) auf das Ansprechen einerfunktionellen Fostemsavir-Monotherapie zu Tag 8 wurde in der Phase-III-Studie (BRIGHTE[205888]) mit stark vorbehandelten erwachsenen Patienten bewertet. Das Vorliegen von gp120-RAPsan den Schlüsselpositionen S375, M426, M434 oder M475 wurde im Vergleich zu Patienten, die keine
Veränderung an diesen Regionen aufwiesen, mit einem insgesamt geringeren Rückgang der HIV-1-
RNA und einer geringeren Anzahl an Patienten mit einer Reduktion der Viruslast von > 0,5 log10
Kopien/ml HIV-1-RNA, assoziiert (Tabelle 4).
Der Fold-Change der klinischen Isolate hinsichtlich der Empfindlichkeit gegen Temsavir war beim
Screening äußerst variabel und reichte von 0,06 bis 6651. Die Auswirkung des Fostemsavir-Phänotypszu Baseline auf das virologische Ansprechen (Abnahme von > 0,5 log10) wurde in der ITT-E-
Population zu Tag 8 bewertet (Tabelle 5). Obwohl es einen Trend für ein vermindertes klinisches
Ansprechen bei höheren TMR IC50-Werten zu geben scheint, kann jedoch diese Baseline-Variablenicht zuverlässig die Wirksamkeitsergebnisse in der Zielpopulation vorhersagen.
Tabelle 4: Virologisches Ansprechen zu Tag 8 (randomisierte Kohorte) bei Vorliegen von p120-
Resistenz-assoziierten Polymorphismen (RAPs) zu Studienbeginn - ITT-E Population
Randomisierte Kohorte FTR600 mg BID(N = 203)n (%)
Ansprechen nach Kategoriea> 1,0 log10 > 0,5 bis ≤ 1,0 ≤ 0,5 log10 Fehlendbn log10n 203 93 38 64 8
Sequenziert 194
Keine gp120-RAPs (anvordefinierten Positionen) 106 54 (51) 25 (24) 24 (23) 3 (3)
Vordefinierte gp120-
RAPs (S375H/I/M/N/T, 88 36 (41) 12 (14) 37 (42) 3 (3)
M426L, M434I, M475I)
S375
S375H/I/M/N/T) 64 29 (45) 9 (14) 23 (36) 3 (5)
S375H 1 0 0 1 (100) 0
S375M 5 1 (20) 0 4 (80) 0
S375N 22 10 (45) 3 (14) 8 (36) 1 (5)
M426L 22 7 (32) 3 (14) 12 (55) 0
M434I 9 5 (56) 0 4 (44) 0
M475I 1 0 0 1 (100) 01 gp120-RAP 80 31 (39) 12 (15) 34 (43) 3 (4)2 gp120-RAPs 8 5 (63) 0 3 (38) 0
a. Änderung der HIV-1-RNA (log10 Kopien/ml) von Tag 1 bis Tag 8, n (%)
b. Patienten, die aufgrund fehlender HIV-1-RNA zu Tag 1 oder Tag 8 nicht in das Tag 8-
Ansprechen einbezogen wurden, n (%)
Hinweis: S375Y wurde nicht in die Liste der Substitutionen eingeschlossen, die für die Auswertungin der Phase-III-Studie vordefiniert wurden, obwohl es nachträglich als neuartiger Polymorphismusidentifiziert wurde und in vitro eine substantielle Verringerung der TMR-Empfindlichkeit bei einer
LAI-Envelope-Mutante zeigte.
RAPs = Resistenz-assoziierte Polymorphismen
Tabelle 5: Virologisches Ansprechen zu Tag 8 (randomisierte Kohorte) nach Phänotyp zu
Studienbeginn - ITT-E-Population
Baseline IC50-Fold-Change-Kategorie Virologisches Ansprechen zu Tag 8von Temsavir (Abnahme der HIV-1-RNA > 0,5 log10 von Tag 1bis Tag 8)n = 203
IC50-FC-Wert nicht angegeben 5/9 (56 %)0 - 3 96/138 (70 %)> 3 - 10 11/13 (85 %)> 10 - 200 12/23 (52 %)> 200 7/20 (35 %)
Antivirale Aktivität gegen den Subtyp AE
Innerhalb der HIV-1-Gruppe M zeigte Temsavir eine erheblich beeinträchtigte antivirale Aktivitätgegen Isolate der Subtypen AE. Die Anwendung von Rukobia wird nicht zur Behandlung von
Infektionen, die durch Stämme der HIV-1-Gruppe M mit dem Subtyp CRF01_AE verursacht wurden,empfohlen. Die Genotypisierung des Virus vom Subtyp AE identifizierte Polymorphismen an den
Aminosäure-Positionen S375H und M475I in der gp120-Domäne, die mit einer verminderten
Empfindlichkeit gegenüber Fostemsavir assoziiert wurde. Der Subtyp AE ist ein in Südostasienvorherrschender Subtyp, ist jedoch anderswo nicht häufig zu finden.
Beim Screening hatten zwei Patienten in der randomisierten Kohorte den Subtyp AE-Virus. Ein
Patient (EC50 Fold-Change > 4747-fach und gp120-Substitutionen an den Positionen S375H und
M475I zu Studienbeginn) zeigte zu Tag 8 kein Ansprechen auf Fostemsavir. Der zweite Patient (EC50
Fold-Change 298-fach und gp120-Substitution an der Position S375N zu Studienbeginn) erhieltwährend der funktionellen Monotherapie Placebo. Beide Patienten wiesen eine HIV-RNA von< 40 Kopien/ml zu Woche 96 auf, während sie Fostemsavir plus OBT erhielten, das Dolutegravirbeinhaltete.
Auftreten von Resistenzen in vivo
Der Anteil der Patienten, bei denen in der randomisierten Kohorte bis zur Woche 96-Analyse einvirologisches Versagen auftrat, betrug 25 % (69/272) (Tabelle 6). Insgesamt hatten in derrandomisierten Kohorte 50 % (26/52) der Viren von auswertbaren Patienten mit virologischem
Versagen behandlungsbedingte genotypische gp120-Substitutionen an 4 Schlüsselstellen (S375,
M426, M434 und M475) entwickelt.
Bei den Isolaten von randomisierten auswertbaren Patienten mit aufgetretenen gp120-Substitutionenan den Positionen 375, 426, 434 oder 475 (n = 26) war der mediane EC50-Fold-Change von Temsavirzum Zeitpunkt des Versagens 1755-fach verglichen mit dem 3-Fachen für Isolate ohne aufgetretenegp120-Substitutionen an diesen Positionen (n = 26).
Von den 25 auswertbaren Patienten in der randomisierten Kohorte mit virologischem Versagen undden unter der Behandlung entstandenen gp120-Substitutionen S375N, M426L und (mit einergeringeren Häufigkeit) S375H/M, M434I und M475I hatten 88 % (22/25) eine IC50-FC-Ratio > 3-fachvon Temsavir (FC-Ratio ist IC50-FC von Temsavir unter Behandlung verglichen zu Studienbeginn).
In der randomisierten Kohorte zeigten insgesamt 21/69 (30 %) der Virusisolate von Patienten mitvirologischem Versagen eine genotypische oder phänotypische Resistenz gegenüber mindestens einem
Arzneimittel in der OBT beim Screening und bei 48 % (31/64) der virologischen Versager mit Post-
Baseline-Daten zeigten die Virusisolate entstandene Resistenzen gegenüber mindestens einem
Arzneimittel in der OBT.
In der nicht-randomisierten Kohorte wurde bei 51 % (50/99) bis zur Woche 96 ein virologisches
Versagen beobachtet (Tabelle 6). Während der Anteil der Viren mit gp120-Resistenz-assoziierten
Substitutionen beim Screening zwischen den Patienten in den randomisierten und nicht-randomisierten
Kohorten ähnlichen waren, war der Anteil der Virusisolate mit unter der Behandlung entstandenengp120-Resistenz-assoziierten Substitutionen zum Zeitpunkt des Versagens unter den nicht-randomisierten Patienten höher (75 % vs. 50 %). Der mediane EC50-Fold-Change von Temsavir zum
Zeitpunkt des Versagens bei den nicht-randomisierten evaluierbaren Patientenisolaten mitaufgetretenen Substitutionen an den Positionen 375, 426, 434 oder 475 (n = 33) war 4.216-fachverglichen mit dem 402-Fachen für Isolate ohne Substitutionen an diesen Positionen (n = 11).
Von den 32 auswertbaren Patienten in der nicht-randomisierten Kohorte mit virologischem Versagenund unter der Behandlung entstandenen Substitutionen S375N, M426L und (mit einer geringeren
Häufigkeit) S375H/M, M434I und M475I hatten 91 % (29/32) eine IC50-FC-Ratio > 3-fach von
Temsavir.
In der nicht-randomisierten Kohorte zeigten insgesamt 45/50 (90 %) der Viren aus Patienten mitvirologischem Versagen eine genotypische oder phänotypische Resistenz gegenüber mindestens einem
Arzneimittel in der OBT beim Screening und bei 55 % (27/49) der virologischen Versager mit Post-
Baseline-Daten zeigten die Virusisolate entstandene Resistenzen gegenüber mindestens einem
Arzneimittel in der OBT.
Tabelle 6: Virologisches Versagen in der BRIGHTE-Studie
Randomisierte Nicht-randomisierte
Kohorte Kohorte
Gesamt Gesamt
Virologisches Versagen (Anzahl) 69/272 (25 %) 50/99 (51 %)
Virologische Versagen mit vorhandenen 68/272 (25 %) 48/99 (48 %)gp120-Daten zu Studienbeginn
Mit EN-RAPs zu Baseline 42/68 (62 %) 26/48 (54 %)
Virologische Versagen mit gp120-Data (nach 52 44
Studienbeginn)
Mit irgendeiner aufgetretenen EN-RASa 26/52 (50 %) 33/44 (75 %)
Mit aufgetretener EN-RASb: 25/52 (48 %) 32/44 (73 %)
S375H 1/52 (2 %) 2/44 (5 %)
S375M 1/52 (2 %) 3/44 (7 %)
S375N 13/52 (25 %) 17/44 (39 %)
M426L 17/52 (33 %) 21/44 (48 %)
M434I 5/52 (10 %) 4/44 (9 %)
M475I 6/52 (12 %) 5/44 (11 %)
Mit EN-RAS und mit Temsavir IC50-Fold- 22/52 (42 %) 29/44 (66 %)
Change-Ratio > 3-fachb,c
Ohne EN-RAS und mit Temsavir IC50-Fold- 3/52 (6 %) 2/44 (5 %)
Change-Ratio > 3-fachc
EN-RAPs = Envelope-Resistenz-assoziierte Polymorphismen; EN-RAS = Envelope-Resistenz-assoziierte Substitutionen.
a. Substitutionen an den Positionen: S375, M426, M434 und M475.
b. Substitutionen: S375H, S375M, S375N, M426L, M434I, M475I.
c. IC50-Fold-Change-Ratio von Temsavir > 3-fach liegt außerhalb der üblichen beobachteten
Schwankungen im PhenoSense-Entry-Test.
Effekte auf das Elektrokardiogramm
In einer randomisierten, Placebo- und aktiv kontrollierten, doppelblinden gründlichen QT-Studie im
Cross-Over-Design erhielten 60 gesunde Studienteilnehmer in randomisierter Reihenfolge entweder
Placebo, Fostemsavir 1200 mg einmal täglich, Fostemsavir 2400 mg zweimal täglich oder
Moxifloxacin 400 mg (aktive Kontrolle) zum Einnehmen. Eine Einnahme von 1200 mg Fostemsavireinmal täglich hatte keine klinisch bedeutsamen Auswirkungen auf das QTc-Intervall, da diemaximale mittlere zeitangepasste (2-seitiges, oberes Konfidenzintervall von 90 %) und Placebo-adjustierte QTc-Änderung gegenüber Baseline 4,3 (6,3) Millisekunden betrug (gemäß der Fridericia-
Formel, QTcF); sie lag damit unter dem klinisch relevanten Schwellenwert von 10 Millisekunden.
Eine Einnahme von Fostemsavir von 2400 mg zweimal täglich über 7 Tage wurde jedoch mit einerklinisch bedeutsamen Verlängerung des QTc-Intervalls assoziiert, da die maximale mittlerezeitangepasste (2-seitiges, oberes Konfidenzintervall von 90 %) und Placebo-adjustierte Änderung des
QTcF-Intervalls gegenüber Baseline 11,2 (13,3) Millisekunden betrug. Eine Einnahme von
Fostemsavir 600 mg zweimal täglich im Steady-State führte zu einer mittleren Temsavir-Cmax, dieetwa 4,2-mal niedriger war als die Temsavir-Konzentration, für die eine Verlängerung des QTcF-
Intervalls um 10 Millisekunden prognostiziert wurde (siehe Abschnitt 4.4).
Klinische WirksamkeitDie Wirksamkeit von Fostemsavir bei HIV-infizierten, stark vorbehandelten erwachsenen Patientenwurde anhand der Daten aus einer teilweise randomisierten, internationalen, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie BRIGHTE (205888) ermittelt, die mit 371 stark vorbehandelten
Patienten mit HIV-1-Infektion und Resistenz gegenüber mehreren Arzneimittelklassen durchgeführtwurde. Alle Patienten mussten bei Baseline eine Viruslast von ≥ 400 Kopien/ml aufweisen und ≤ 2verbleibende Klassen antiretroviraler Arzneimittel (ART) aufgrund von Resistenzen,
Unverträglichkeiten, Kontraindikationen oder anderer Sicherheitsbedenken zur Verfügung haben.
Beim Screening standen den Patienten der randomisierten Kohorte mindestens ein, jedoch höchstenszwei vollständig aktive und verfügbare ARTs zur Verfügung, die als Teil einer wirksamen
Hintergrundtherapie kombiniert werden konnten. Zusätzlich zu ihrem aktuellen, versagenden Regimeerhielten die 272 Patienten verblindet entweder zweimal täglich 600 mg Fostemsavir (n = 203) oder
Placebo (n = 69) als 8-tägige funktionelle Monotherapie. Nach Tag 8 erhielten die randomisierten
Patienten im offenen Design zweimal täglich 600 mg Fostemsavir plus eine optimierte
Hintergrundtherapie (OBT). Die randomisierte Kohorte diente als primärer Nachweis der Wirksamkeitvon Fostemsavir.
In der nicht randomisierten Kohorte wurden 99 Patienten, denen beim Screening keine vollständigaktiven, zugelassenen ARTs zur Verfügung standen, ab Tag 1 im offenen Design mit Fostemsavir600 mg zweimal täglich plus OBT behandelt. Die Anwendung von Prüfpräparaten als Bestandteil der
OBT war erlaubt.
Tabelle 7: Zusammenfassung der Demographie- und Baseline-Charakteristika in der
BRIGHTE-Studie-ITT-E-Population
Randomisierte Kohorte Nicht-randomisierte
Placeboa FTR600 mg BID Gesamt Kohorte GESAMT(N = 69) (N = 272) FTR 600 mg (N = 371)(N = 203) BID(N = 99)
Geschlecht, n (%)
Männlich 57 (83) 143 (70) 200 (74) 89 (90) 289 (78)
Alter (Jahreb)
Median 45,0 48,0 48,0 50,0 49,0≥ 65, n (%) 1 (1) 9 (4) 10 (4) 2 (2) 12 (3)
Ethnische Zugehörigkeit, n (%)
Kaukasische 48 (70) 137 (67) 185 (68) 74 (75) 259 (70)
Abstammung
Ausgangswert der HIV-1-RNA (log10 Kopien/ml)
Median 4,6 4,7 4,7 4,3 4,6
Ausgangswert CD4+-Zellzahl (Zellen/mm3)
Median 100,0 99,0 99,5 41,0 80,0
Ausgangswert der CD4+-Zellzahl (Zellen/mm3), n (%)< 20 17 (25) 55 (27) 72 (26) 40 (40) 112 (30)< 200 49 (71) 150 (73) 199 (72) 79 (79) 278 (75)
AIDS-Vorgeschichte,n (%)c
Ja 61 (88) 170 (84) 231 (85) 89 (90) 320 (86)
Anzahl Jahre unter HIV-Behandlung, n (%)> 15 40 (58) 142 (69) 182 (67) 80 (81) 262 (70)
Anzahl vorangegangener ART-Regime (einschließlich aktuelles versagendes Regime)n (%)5 oder mehr 57 (83) 169 (83) 226 (83) 90 (91) 316 (85)
Anzahl vollständig aktiver Wirkstoffe in der ursprünglichen OBT n (%)0 1 (1) 15 (7) 16 (6) 80 (81) 96 (26)1 34 (49) 108 (53) 142 (52) 19 (19)d 161 (43)2 34 (49) 80 (39) 114 (42) 0 114 (31)
Anzahl mit Hepatitis B- und/oder C-Koinfektion in der Vorgeschichten (%) 6 (9) 15 (7) 21 (8) 8 (9) 29 (8)
a. Patienten, die zur Placebo-Gruppe randomisiert wurden, erhielten während der Open-Label-
Phase 600 mg Fostemsavir BID.
b. Alter wird berechnet, wenn das vollständige Geburtsdatum nicht zur Verfügung gestellt wurde.
c. AIDS-Vorgeschichte = Ja, wenn ein Patient einen CD4+-Nadir von < 200 Zellen/mm3 hat oderwenn die Antwort im CRF (Erkrankungen in der Vorgeschichte) auf die Frage 'Hat der Patient
AIDS?' ja ist.
d. N = 15 (15 %) erhielten Ibalizumab; dies war eine Prüfsubstanz zu Beginn der BRIGHTE-
Studie.
Die Analyse zum primären Endpunkt zeigte basierend auf der adjustierten mittleren Abnahme der
HIV-1-RNA zwischen Tag 1 und Tag 8 in der randomisierten Kohorte die Überlegenheit von
Fostemsavir gegenüber Placebo (Abnahme um 0,79 bzw. 0,17 log10 Kopien/ml; p < 0,0001, Intent-To-
Treat-Exposed [ITT-E]-Population) (Tabelle 8).
Tabelle 8: Änderung der HIV-1-RNA-Last in Log10 (Kopien/ml) im Plasma zwischen Tag 1 und
Tag 8 (randomisierte Kohorte) in der BRIGHTE-Studie - ITT-E-Populationn Adjustierter Differenzb p-Wertc
Randomisierte Mittelwert a (95 %-KI)
Behandlung (95 %-KI)
Placebo 69 -0,166 - -(-0,326; -0,007)
Fostemsavir 600 mg 201d -0,791 -0,625 < 0,0001zweimal täglich (-0,885; -0,698) (-0,810; -0,441)a Mittelwert adjustiert nach log10 HIV-1-RNA zu Tag 1.
b. Differenz: Fostemsavir - Placebo.
c. Mittelwert der Viruslastveränderung gegenüber Baseline (Fostemsavir = Placebo).
Hinweis: p-Wert von Levene-Varianzhomogenitätstest 0,2082.
d. Zwei Patienten (beide im Fostemsavir-Arm), von denen keine HIV-1-RNA-Werte zu Tag 1vorlagen, wurden nicht in die Analyse eingeschlossen.
Zu Tag 8 wurde bei 65 % (131/203) bzw. 46 % (93/203) der Patienten in der Fostemsavir-Gruppe eine
Abnahme der Viruslast gegenüber Baseline von > 0,5 log10 Kopien/ml bzw. >1 log10 Kopien/mlerzielt, verglichen mit 19 % (13/69) und 10 % (7/69) in der Placebogruppe.
In der Subgruppenanalyse erreichten mit Fostemsavir behandelte randomisierte Patienten mit einer
HIV-1-RNA > 1000 Kopien/ml bei Baseline eine mediane Abnahme der Viruslast von 1,02 log10
Kopien/ml zu Tag 8, verglichen mit 0,00 log10 Kopien/ml bei Patienten, die verblindet Placeboerhielten.
Die mediane Änderung der HIV-1-RNA (in Log10 Kopien/ml) zwischen Tag 1 und Tag 8 derfunktionale FTR-Monotherapie war bei Patienten mit dem Virus des Subtyps B und Nicht-B (F1, BF1und C) ähnlich. Bei den Subtypen A1 (n = 2) und AE (n = 1) wurde ein vermindertes medianes
Ansprechen zu Tag 8 beobachtet; der Stichprobenumfang war jedoch begrenzt (Tabelle 9).
Tabelle 9: Änderung der HIV-1-RNA-Last in Log10 (Kopien/ml) zwischen Tag 1 und Tag 8 nach
HIV-Subtyp zu Studienbeginn
Randomisierte Kohorte FTR 600 mg BID (N = 203)
Änderung der Plasma HIV-1-RNA-Last in Log10 (Kopien/ml) zwischen
Tag 1 und Tag 8
HIV-
Subtyp zu
Studien- n Durchschnitt SD Median Q1 Q3 Min. Max.
beginnn 199a -0,815 0,7164 -0,877 -1,324 -0,317 -2,70 1,25
B 159a -0,836 0,7173 -0,923 -1,360 -0,321 -2,70 1,25
F1 14 -0,770 0,6478 -0,760 -1,287 -0,417 -1,61 0,28
BF1 10 -0,780 0,5515 -0,873 -1,074 -0,284 -1,75 -0,01
C 6 -0,888 0,6861 -0,823 -1,155 -0,558 -2,02 0,05
A1 2 -0,095 0,3155 -0,095 -0,318 0,128 -0,32 0,13
AE 1 0,473 0,473 0,473 0,473 0,47 0,47
Andereb 7 -0,787 1,0674 -1,082 -1,529 -0,034 -2,11 1,16
Hinweis: FTR-Monotherapie bezieht sich auf eine funktionelle Monotherapie, bei der FTRzusätzlich zu einer versagenden AR-Therapie gegeben wird.a Anzahl der Patienten mit verfügbaren Daten zu Tag 1 und Tag 8b Sonstiges beinhaltet (n): Nicht analysierbar/Nicht berichtet (1), G (2); Rekombinantes
Virus/Mischungen (4).
Die virologischen Ergebnisse der ITT-E-Snapshot-Analyse zu den Wochen 24, 48 und 96 sind in
Tabelle 10 und 11 für die randomisierte bzw. nicht-randomisierte Kohorte aufgeführt.
Tabelle 10: Virologische Ergebnisse (HIV-1-RNA < 40 Kopien/ml) zu Woche 24, 48 und 96 mit
Fostemsavir (600 mg zweimal täglich) plus optimierte Hintergrundtherapie(randomisierte Kohorte) in der Studie BRIGHTE (ITT-E-Population, Snapshot-
Algorithmus)
Fostemsavir 600 mg zweimal täglich
Woche 24 Woche 48 Woche 96(N = 272) (N = 272) (N = 272)
HIV-1-RNA < 40 Kopien/ml 53 % 54 % 60 %
HIV-1-RNA ≥ 40 Kopien/ml 40 % 38 % 30 %
Daten im Untersuchungsfenster nicht < 40 32 % 26 % 12 %
Kopien/ml
Abbruch wegen fehlender Wirksamkeit < 1 % 2 % 4 %
Abbruch aus anderen Gründen ohne 1 % 3 % 6 %
Suppression
Wechsel des ART-Regimes 6 % 7 % 8 %
Keine virologischen Daten 7 % 8 % 10 %
Gründe
Studien-/Behandlungsabbruch aufgrund von 4 % 5 % 6 %unerwünschtem Ereignis oder Tod
Studien-/Behandlungsabbruch aus anderen 2 % 3 % 3 %
Gründen
Fehlende Daten im Untersuchungsfenster, 1 % < 1 % 2 %aber weiterhin in Studie
HIV-1-RNA < 40 Kopien/ml nach Kovariablen zu Studienbeginn n/N (%)
Ausgangswert Viruslast im Plasma(Kopien/ml)< 100.000 116/192 (60 %) 118/192 (61 %) 124/192 (65 %)≥ 100.000 28/80 (35 %) 28/80 (35 %) 39/80 (49 %)
Ausgangswert der CD4+-Zellzahl(Zellen/mm3)< 20 23/72 (32 %) 25/72 (35 %) 33/72 (46 %)20 bis < 50 12/25 (48 %) 12/25 (48 %) 14/25 (56 %)50 bis < 200 59/102 (58 %) 59/102 (58 %) 62/102 (61 %)≥ 200 50/73 (68 %) 50/73 (68 %) 54/73 (74 %)
Anzahl Klassen vollständig aktiver undverfügbarer antiretroviraler Arzneimittelin ursprünglicher OBT0* 5/16 (31 %) 5/16 (31 %) 3/16 (19 %)1 80/142 (56 %) 82/142 (58 %) 92/142 (65 %)2 59/114 (52 %) 59/114 (52 %) 68/114 (60 %)
Ansprechen auf DTG als Bestandteilder OBT
DTG 129/229 (56 %) 127/229 (55 %) 146/229 (64 %)
DTG (einmal täglich) 35/58 (60 %) 34/58 (59 %) 40/58 (69 %)
DTG (zweimal täglich) 94/171 (55 %) 93/171 (54 %) 106/171 (62 %)
Kein DTG 15/43 (35 %) 19/43 (44 %) 17/43 (40 %)
Ansprechen auf DTG und DRV als
Bestandteil der OBT
DTG und DRV 68/117 (58 %) 60/117 (51 %) 75/117 (64 %)
Mit DTG, ohne DRV 61/112 (54 %) 67/112 (60 %) 71/112 (63 %)
Ohne DTG, mit DRV 5/17 (29 %) 8/17 (47 %) 8/17 (47 %)
Ohne DTG, ohne DRV 10/26 (38 %) 11/26 (42 %) 9/26 (35 %)
GeschlechtMännlich 104/200 (52 %) 102/200 (51 %) 118/200 (59 %)
Weiblich 40/72 (56 %) 44/72 (61 %) 45/72 (63 %)
Ethnische ZugehörigkeitKaukasische Abstammung 90/185 (49 %) 92/185 (50 %) 103/185 (56 %)
Afrikanische/Afroamerikanische 54/87 (62 %) 54/87 (62 %) 60/87 (69 %)
Abstammung/Andere
Alter (Jahre)< 50 81/162 (50 %) 81/162 (50 %) 96/162 (59 %)≥ 50 63/110 (57 %) 65/110 (59 %) 67/110 (61 %)
N = Anzahl Patienten in der randomisierten Kohorte.
OBT = Optimierte Hintergrundtherapie; DRV = Darunavir; DTG = Dolutegravir
* Einschließlich Patienten, die nie eine OBT begonnen haben, fälschlicherweise der randomisierten
Kohorte zugewiesen wurden oder beim Screening zwar ein oder mehrere aktive ART-Wirkstoffeverfügbar hatten, diese aber nicht im Rahmen der initialen OBT anwendeten.
In der randomisierten Kohorte wurde eine Viruslast von < 200 HIV-1-RNA-Kopien/ml zu Woche 24,48 und 96 bei 68 %, 69 % bzw. 64 % der Patienten erreicht. Zu diesen Zeitpunkten betrug der Anteilder Patienten mit einer Viruslast von < 400 HIV-1-RNA-Kopien/ml 75 %, 70 % bzw. 64 % (ITT-E,
Snapshot-Algorithmus). Die mittleren Veränderungen der CD4+-Zellzahl gegenüber Baseline nahmenim Zeitverlauf zu (90 Zellen/mm3 zu Woche 24, 139 Zellen/mm3 zu Woche 48 und 205 Zellen/mm3 zu
Woche 96). Basierend auf einer Subanalyse in der randomisierten Kohorte wiesen die Patienten mitden niedrigsten CD4+-Zellzahlen zu Studienbeginn (< 20 Zellen/mm3) einen ähnlichen Anstieg der
CD4+-Zahlen auf wie Patienten mit höherer CD4+-Zellzahl zu Studienbeginn (> 50, > 100,> 200 Zellen/mm3).
Tabelle 11: Virologische Ergebnisse (HIV-1-RNA < 40 Kopien/ml) zu Woche 24, 48 und 96mit Fostemsavir (600 mg zweimal täglich) plus optimierte Hintergrundtherapie(nicht-randomisierte Kohorte) in der BRIGHTE-Studie (ITT-E-Population,
Snapshot-Algorithmus)
Fostemsavir 600 mg zweimal täglich
Woche 24 Woche 48 Woche 96(N = 99) (N = 99) (N = 99)
HIV-1-RNA < 40 Kopien/ml 37 % 38 % 37 %
HIV-1-RNA ≥ 40 Kopien/ml 55 % 53 % 43 %
Daten im Untersuchungsfenster nicht 44 % 33 % 15 %< 40 Kopien/ml
Abbruch wegen fehlender Wirksamkeit 0 % 2 % 3 %
Abbruch aus anderen Gründen ohne 2 % 3 % 6 %
Suppression
Wechsel des ART-Regimes 8 % 14 % 19 %
Keine virologischen Daten 8 % 9 % 19 %
Gründe
Studien-/Behandlungsabbruch aufgrund von 4 % 7 % 14 %unerwünschtem Ereignis oder Tod
Studien-/Behandlungsabbruch aus anderen 0 % 2 % 4 %
Gründen
Fehlende Daten im Untersuchungsfenster, 4 % 0 % 1 %aber weiterhin in Studie
In der nicht-randomisierten Kohorte (Patienten, denen beim Screening keine vollständig aktiven,zugelassenen ARTs zur Verfügung standen) war der Anteil der Patienten mit HIV-1-RNA < 200
Kopien/ml 42 %, 43 % bzw. 39 % und der Anteil der Patienten mit HIV-1-RNA < 400 Kopien/ml war44 %, 44 % bzw. 40 %, zu Woche 24, 48 bzw. 96 (ITT-E, Snapshot-Algorithmus). Die mittleren
Veränderungen der CD4+-Zellzahl gegenüber Baseline nahmen im Zeitverlauf zu: 41 Zellen/mm3 zu
Woche 24, 64 Zellen/mm3 zu Woche 48 und 119 Zellen/mm3 zu Woche 96.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Rukobia eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen bei HIV-
Infektion gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und
Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Pharmakokinetik von Temsavir nach der Einnahme von Fostemsavir ist bei gesunden Probandenund bei HIV-1-infizierten Teilnehmern ähnlich. Die Variabilität zwischen HIV-1-infizierten
Studienteilnehmern (% VK) bezüglich der Plasma-Cmax und AUC von Temsavir lag zwischen20,5 bis 63 % und Cτ zwischen 20 bis 165 %. Die Variabilität der oralen Clearance und des oralenzentralen Distributionsvolumen wurde geschätzt anhand von populationspharmakokinetischen
Analysen ausgewählter Phase-I-Studien mit gesunden Probanden bzw. von HIV-1-infizierten
Patienten und betrug 43 % bzw. 48 %.
ResorptionFostemsavir ist ein Prodrug, das an der luminalen Oberfläche des Dünndarms durch alkalische
Phosphatase zu Temsavir verstoffwechselt wird und im Allgemeinen nach oraler Aufnahme im Plasmanicht nachweisbar ist. Der aktive Metabolit Temsavir wird gut resorbiert; die mediane Zeit bis zumaximalen Plasmakonzentrationen (Tmax) liegt bei 2 Stunden nach Einnahme (nüchtern). Temsavirwird im Dünndarm sowie im Caecum/proximalen Colon ascendens resorbiert.
Die pharmakokinetischen Parameter nach mehreren oralen Dosen Fostemsavir 600 mg zweimaltäglich bei HIV-1-infizierten, erwachsenen Studienteilnehmern sind in Tabelle 12 aufgeführt.
Tabelle 12: Pharmakokinetische Parameter von Temsavir-Mehrfachdosen nach oraler Gabevon Fostemsavir 600 mg zweimal täglich
Pharmakokinetische Geometrischer Mittelwert (VK %)a
Parameter
Cmax (µg/ml) 1,77 (39,9)
AUC (µg*h/ml) 12,90 (46,4)
C12 (µg/ml) 0,478 (81,5)
a. Auf der Grundlage populationspharmakokinetischer Analysen mit oder ohne Nahrung in
Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln.
VK = Variationskoeffizient.
Die absolute Bioverfügbarkeit von Temsavir nach oraler Gabe einer Einzeldosis von 600 mg
Fostemsavir betrug 26,9 %.
Auswirkung von Nahrung
Die Bioverfügbarkeit (AUC) von Temsavir wurde durch eine Standardmahlzeit (ca. 423 kcal, 36 %
Fett) nicht beeinflusst, stieg aber mit einer fettreichen Mahlzeit (ca. 985 kcal, 60 % Fett) um 81 % an;dies wird als klinisch nicht relevant erachtet. Unabhängig vom Kalorien- und Fettgehalt hatte Nahrungkeinen Einfluss auf die Cmax von Temsavir im Plasma.
VerteilungBasierend auf In-vivo-Daten wird Temsavir zu etwa 88 % an menschliche Plasmaproteine gebunden.
Humanes Serum-Albumin ist der wichtigste Faktor für eine Plasmaproteinbindung von Temsavir beim
Menschen. Nach intravenöser Anwendung wird das Verteilungsvolumen von Temsavir im Steady
State (Vss) auf 29,5 l geschätzt. Das Blut-zu-Plasma-Gesamtverhältnis der Cmax unter
Radiokarbonmarkierung betrug ungefähr 0,74, was auf eine minimale Bindung von Temsavir oderseinen Metaboliten an Erythrozyten schließen lässt. Die freie Fraktion von Temsavir im Plasma betrugbei gesunden Studienteilnehmern ungefähr 12 bis 18 %, bei Teilnehmern mit schwerer
Leberfunktionsstörung 23 %, bei Teilnehmern mit schwerer Nierenfunktionsstörung 19 % und bei
HIV-1-infizierten Patienten 12 %.
BiotransformationIn vivo wird Temsavir in erster Linie über Esterasehydrolyse (36,1 % der verabreichten Dosis) undsekundär über CYP3A4-vermittelte oxidative Wege (21,2 % der verabreichten Dosis)verstoffwechselt. Weitere, nicht über CYP3A4 vermittelte Metaboliten machen 7,2 % derverabreichten Dosis aus. Glucuronisierung ist ein untergeordneter Stoffwechselweg(< 1 % der verabreichten Dosis).
Temsavir wird umfassend verstoffwechselt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich nur 3 % dereingenommenen Dosis im menschlichen Urin und Fäzes wiederfinden. Temsavir wird vorrangig inzwei zirkulierende inaktive Metaboliten biotransformiert, nämlich BMS-646915 (ein
Hydrolyseprodukt) und BMS-930644 (ein N-Dealkylierungsprodukt).
WechselwirkungenBasierend auf in-vitro und klinischen Daten zur Arzneimittelwechselwirkung werden keinesignifikanten Wechselwirkungen erwartet, wenn Fostemsavir gleichzeitig mit Substraten der CYPs,
Uridindiphosphat Glucuronosyltransferasen (UGTs), P-gp, Multidrug-Resistance-Protein (MRP)2,
Gallensäure-Exportpumpe (BSEP), Natriumtaurocholat transportierendem Polypeptide (NTCP),
OAT1, OAT3, organischen Kationen Transportern (OCT)1 und OCT2 eingenommen wird.
Basierend auf in vitro-Daten inhibierte Temsavir und seine zwei Metaboliten (BMS-646915 und
BMS-930644) das Multidrug- und Toxinextrusionsprotein (MATE)1/2K; es ist unwahrscheinlich, dassdiese Interaktion klinisch signifikant ist.
EliminationTemsavir hat eine terminale Halbwertszeit von ca. 11 Stunden. Die Plasma-Clearance von Temsavirnach intravenöser Anwendung betrug 17,9 l/h und die scheinbare Clearance (CL/F) nach Einnahmebetrug 66,4 l/h. Nach Einnahme von 14C-markiertem Fostemsavir mit einer 300-mg- Einzeldosis ineiner humanen Massenbilanzstudie wurden 51 % der Radioaktivität im Urin und 33 % in den Fäzesnachgewiesen. Laut einer begrenzten Erhebung von Gallendaten in dieser Studie (3 bis 8 Stunden nach
Verabreichung) machte die biliäre Clearance 5 % der radioaktiven Dosis aus, was darauf hindeutet,dass ein Teil der fäkalen Ausscheidung auf einer Ausscheidung über die Galle beruht.
Linearität/Nicht-LinearitätNach Einzel- und Mehrfachanwendung von Fostemsavir-Retardtabletten wurden bei HIV-1-infizierten
Studienteilnehmern dosisproportionale oder leicht überproportionale Zunahmen der Plasmaexpositionmit Temsavir (Cmax und AUC) ermittelt.
Besondere PatientengruppenKinder und JugendlicheDie Pharmakokinetik von Temsavir wurde bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nichtuntersucht.
Ältere MenschenPopulationspharmakokinetische Analysen von Temsavir mittels Daten von HIV-1-infizierten
Erwachsenen zeigten, dass das Alter keine klinisch relevante Auswirkung auf die Exposition von
Temsavir hatte.
Die pharmakokinetischen Daten für Temsavir bei Personen über 65 Jahren sind begrenzt. Ältere
Patienten sind möglicherweise anfälliger für eine arzneimittelbedingte Verlängerung des QT-Intervalls(siehe Abschnitt 4.4).
NierenfunktionsstörungenDie Auswirkung einer Nierenfunktionsstörung auf die Exposition von Temsavir nach einer
Einzeldosis von 600 mg Fostemsavir wurde in einer offenen Studie mit 30 erwachsenen
Studienteilnehmern mit normaler Nierenfunktion sowie mit leichter, mittelschwerer oder schwerer
Nierenfunktionsstörung und mit ESRD unter Hämodialyse (n = 6 pro Gruppe) untersucht. Basierendauf der Kreatininclearance (CLcr) erfolgt die Klassifizierung wie folgt: 60 ≤ CLcr ≤ 89 (leicht),30 ≤ CLcr < 60 (mittelschwer), CLcr < 30 (schwerwiegend und ESRD unter Hämodialyse) ml/min. Eswurden keine klinisch relevanten Auswirkungen einer Nierenfunktionsstörung auf diepharmakokinetischen Expositionsparameter (Cmax und AUCs) von Temsavir (gesamt und ungebunden)festgestellt. Der mittlere ungebundene Anteil von TMR für die Gruppe mit schwerer
Nierenfunktionsstörung war, verglichen mit der Gruppe mit normaler Nierenfunktion, ungefähr 58 %höher. Die anhand der Regressionsanalyse prognostizierten durchschnittlichen Erhöhungen der Cmaxund AUC von TMR im Plasma (ungebundener Anteil) waren ≤ 15 % und die AUC von TMR im
Plasma (ungebundener Anteil) ≤ 30 % für die Gruppen mit leichter, mittelschwerer oder schwerer
Nierenfunktionsstörung. Die Cmax für gebundenes und ungebundenes Temsavir im Plasma warniedriger als der Cmax-Schwellenwert einer ungefähr 4,2-fachen Erhöhung (7500 ng/ml), der auf
Grundlage der Temsavir-Expositions-Wirkungsbeziehung festgelegt wurde. Temsavir wurde mittels
Hämodialyse nicht hinreichend bereinigt; in einer 4-stündigen Hämodialysesitzung wurden ca. 12,3 %der eingenommenen Dosis entfernt. Eine 4 Stunden nach Einnahme von Temsavir begonnene
Hämodialyse ergab eine im Durchschnitt 46 % höhere gesamte Cmax von Temsavir im Plasma und eineim Durchschnitt 11 % geringere AUC im Vergleich zur Pharmakokinetik ohne Hämodialyse.
LeberfunktionsstörungDie Auswirkung einer Leberfunktionsstörung auf die Exposition gegenüber Temsavir nach einer
Einzeldosis von 600 mg Fostemsavir wurde in einer offenen Studie mit 30 erwachsenen
Studienteilnehmern mit normaler (n = 12) Leberfunktion, leichter (Child-Pugh-Score A, n = 6),mittelschwerer (Child-Pugh-Score B, n = 6) und schwerer (Child-Pugh-Score C, n = 6)
Leberfunktionsstörung untersucht. Bei Patienten mit leichter bis schwerer Leberfunktionsstörung lagdie Erhöhung der Exposition gegenüber dem ungebundenen und gesamten Cmax und AUC im Bereichdes 1,2- bis 2,2-Fachen; die oberen Grenzen des 2-seitigen 90 %-igen KI für die Auswirkung der
Leberfunktionsstörung auf die Cmax für gesamtes und ungebundenes Temsavir im Plasma sind jedochniedriger als der Cmax-Schwellenwert einer ungefähr 4,2-fachen Erhöhung (7500 ng/ml), der auf
Grundlage der Temsavir-Expositions-Wirkungsbeziehung festgelegt wurde (siehe Abschnitt 5.1'Effekte auf das Elektrokardiogramm“).
GeschlechtPopulationspharmakokinetische Analysen ergaben keine klinisch relevante Auswirkung des
Geschlechts auf die Exposition gegenüber Temsavir. Von den 764 in die Analyse eingeschlossenen
Studienteilnehmern waren 216 (28 %) weiblich.
Ethnische ZugehörigkeitPopulationspharmakokinetische Analysen ergaben keine klinisch relevante Auswirkung der ethnischen
Zugehörigkeit auf die Exposition gegenüber Temsavir.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Karzinogenität und MutagenitätWeder Fostemsavir noch Temsavir waren in In-vitro-Tests an Bakterien und Säugerzellkulturen sowiein einem In-vivo-Mikronukleustest an Ratten mutagen oder klastogen. In Langzeitstudien an der Mausund der Ratte zeigte Fostemsavir nach oraler Sondenverabreichung über 26 bzw. 100 Wochen keinkarzinogenes Potential.
ReproduktionstoxizitätBei Ratten war die männliche Fertilität bei TMR-Expositionen bis zum 125-Fachen dertherapeutischen Dosis (recommended human dose; RHD) trotz testikulärer und epididymaler Toxizitätnicht beeinträchtigt. Ebenso wurden weder die weibliche Fertilität noch die Frühträchtigkeit bei
Expositionen bis zum 186-Fachen der RHD nachteilig beeinflusst. Es wurden keine Auswirkungen aufdie embryofötale Entwicklung von Ratten bei Expositionen bis zum 200-Fachen der RHD beobachtet,obwohl in einer separaten Distributionsstudie mit 14C-markiertem Fostemsavir an trächtigen Rattenmit oraler Verabreichung gezeigt wurde, dass das embryofötale Gewebe exponiert wird. Dieembryofötale Entwicklung von Kaninchen bei Expositionen bis zum 30-Fachen der RHD warebenfalls nicht beeinträchtigt. Die prä- und postnatale Entwicklung, einschließlich des Erreichens der
Pubertät und das Lerngedächtnis der Nachkommen, wurde bei Expositionen bis zum 50-Fachen der
RHD in Ratten nicht beeinflusst. Bei maternalen Expositionen, die dem bis zu 130-Fachen derhumanen AUC bei der RHD entsprachen, wurde bei den Nachkommen eine verminderte postnatale
Lebensfähigkeit möglicherweise aufgrund einer erhöhten TMR-Exposition durch das Säugenfestgestellt. TMR ist sowohl in der Milch von laktierenden Ratten als auch im Blut der jungen Ratten,die durch das Säugen TMR ausgesetzt waren, vorhanden.
Toxizität bei wiederholter Anwendung
Fostemsavir wurde im Rahmen von Toxizitätsstudien bei wiederholter Verabreichung an Ratten (biszu 26 Wochen) und Hunden (bis zu 39 Wochen) untersucht. Kardiovaskuläre Telemetriestudiendeuten darauf hin, dass sowohl FTR als auch TMR bei Plasmakonzentrationen von TMR > 2x der
RHD Cmax, das QT-Intervall bei Hunden minimal verlängern (ungefähr 8 bis 18 msec). Hauptbefundewaren testikuläre Toxizität (Verkümmerung des Epithels der Hodenkanälchen, verminderte
Spermienmotilität und morphologische Veränderungen der Spermien), renale Toxizität (Abnahme des
Urin-pH, Erweiterung der Nierentubuli, Zunahme des Nierengewichts und Urinvolumens), adrenale
Toxizität (Angiektasie, Zunahme von Drüsengröße und -gewicht) und Lebertoxizität (Ablagerungenvon Gallenpigment in Leberkanälchen und von Lipofuszin in Kupffer-Zellen). Diese Befunde wurdennur bei Ratten beobachtet (bei systemischen Expositionen ≥ 30-Fachen der humanen klinischen
Exposition bezogen auf die AUC bei 600 mg zweimal täglich), mit Ausnahme der Lebertoxizität, diebei Hunden beobachtet wurde (bei Expositionen ab dem 3-Fachen). Die Mehrzahl dieser Effekte war,abhängig von der Behandlungsdauer und bei Absetzen der Behandlung, reversibel.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
TablettenkernHyprolose (Ph. Eur.)
Hypromellose
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat
TablettenüberzugPoly(vinylalkohol)
Titandioxid (E171)
Macrogol 3350
Talkum
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172)
Eisen(III)-oxid (E172)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erdorderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Weiße Flaschen aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit einem kindergesicherten Polypropylen-
Verschluss und einem Polyethylen-beschichteten Hitzesiegel. Jede Packung besteht aus einer oder drei
Flaschen mit jeweils 60 Retardtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
ViiV Healthcare BV
Van Asch van Wijckstraat 55H3811 LP Amersfoort
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/20/1518/001
EU/1/20/1518/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 04. Februar 2021
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.