Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels RUCONEST 2100U pulver+lösungsmittel zur herstellung einer injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Ruconest 2100 Einheiten Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung.
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Durchstechflasche mit Pulver:
Eine Durchstechflasche enthält 2100 Einheiten Conestat alfa. Dies entspricht 2100 Einheiten von14 ml nach Rekonstitution oder einer Konzentration von 150 Einheiten/ml.
Conestat alfa ist ein rekombinantes Analogon des humanen C1-Esterase-Inhibitors (rhC1-INH) undwird durch rekombinante DNA-Technologie in der Milch transgener Kaninchen produziert.
1 Einheit Conestat-alfa-Aktivität entspricht der C1-Esterase-hemmenden Aktivität in 1 ml gepooltem
Normalplasma.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungJede Durchstechflasche mit Pulver enthält etwa 19,5 mg Natrium.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung.
Weißes bis gebrochen weißes Pulver.
Das Lösungsmittel ist eine klare, farblose Flüssigkeit
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Ruconest wird zur Behandlung von akuten Angioödem-Anfällen bei Erwachsenen, Jugendlichen und
Kindern (ab 2 Jahren) mit hereditärem Angioödem (HAE) aufgrund eines C1-Esterase-
Inhibitormangels angewendet.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Ruconest sollte unter der Anleitung und Aufsicht eines Arztes eingeleitet werden,der Erfahrung in der Diagnose und Behandlung des hereditären Angioödems hat.
Dosierung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 2 Jahren
Körpergewicht bis 84 kg
- Eine intravenöse Injektion von 50 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht.
Körpergewicht ab 84 kg
- Eine intravenöse Injektion von 4200 Einheiten (2 Durchstechflaschen).
In den meisten Fällen reicht eine Einzeldosis von Ruconest aus, um einen akuten Angioödem-Anfallzu behandeln. Bei unzureichendem klinischen Ansprechen kann eine zusätzliche Dosis (50 E/kg
Körpergewicht, bis zu 4200 E) verabreicht werden (siehe Abschnitt 5.1).
- Erwachsenen und Jugendlichen kann eine zusätzliche Dosis verabreicht werden, wenn das
Ansprechen des Patienten nach 120 Minuten nicht ausreichend war.
- Kindern kann eine zusätzliche Dosis verabreicht werden, wenn das Ansprechen des Patienten nach60 Minuten nicht ausreichend war.
Es sollten nicht mehr als zwei Dosen innerhalb von 24 Stunden verabreicht werden.
Dosisberechnung
Das Körpergewicht des Patienten ist zu ermitteln.
Körpergewicht bis 84 kg
- Für Patienten bis 84 kg Körpergewicht wird die zu verabreichende Menge nach der folgenden
Formel berechnet:
Zu verabreichende Körpergewicht (kg) mal 50 (E/kg) Körpergewicht (kg)= =
Menge (ml) 150 (E/ml) 3
Körpergewicht ab 84 kg
- Für Patienten ab 84 kg Körpergewicht beträgt die zu verabreichende Menge 28 ml, entsprechend4200 E (2 Durchstechflaschen).
Kinder und JugendlicheRuconest kann bei pädiatrischen Patienten (ab 2 Jahren) in der gleichen Dosis wie bei Erwachsenen(50 E/kg Körpergewicht) verabreicht werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ruconest bei
Kindern unter 2 Jahren sind nicht erwiesen. Es stehen keine klinischen Daten zur Verfügung.
Ältere Menschen (≥ 65 Jahre)
Die Daten bei Patienten im Alter von über 65 Jahren sind begrenzt.
Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass Patienten im Alter von über 65 Jahren anders auf
Ruconest ansprechen.
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich, da Conestatalfa keiner renalen Clearance unterliegt.
LeberfunktionsstörungEs gibt keine klinischen Erfahrungen mit Ruconest bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion.
Eine Leberfunktionsstörung kann die Plasmahalbwertszeit von Conestat alfa verlängern; dies wirdjedoch nicht als klinisch relevant betrachtet. Es kann keine Empfehlung zu einer Dosisanpassunggegeben werden.
Art der AnwendungZur intravenösen Anwendung.
Ruconest muss von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden, bis der Patient (oder eine
Pflegekraft) nach entsprechender Schulung und nach Absprache mit dem medizinischen Fachpersonalzur Verabreichung in der Lage ist.
Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
Die erforderliche Menge der rekonstituierten Lösung ist als langsame intravenöse Injektion über etwa5 Minuten zu verabreichen.
4.3 Kontraindikationen
* Bekannte oder vermutete Allergie gegen Kaninchen (siehe Abschnitt 4.4)
* Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Conestat alfa wird aus Milch von transgenen Kaninchen gewonnen und enthält Spuren von
Kaninchenprotein. Vor Beginn der Behandlung mit Ruconest sollten die Patienten zu einer früheren
Exposition gegenüber Kaninchen und zu Anzeichen und Symptomen, die auf eine allergische
Reaktion hindeuten, befragt werden.
Überempfindlichkeitsreaktionen können nicht ausgeschlossen werden und können ähnliche Symptomewie Angioödeme aufweisen. Alle Patienten müssen während des Verabreichungszeitraums und danachengmaschig überwacht und sorgfältig auf Symptome einer Überempfindlichkeit beobachtet werden.
Die Patienten sollten über die Frühzeichen von Überempfindlichkeitsreaktionen wie Quaddeln,generalisierte Urtikaria, Engegefühl in der Brust, Giemen, Blutdruckabfall und Anaphylaxie informiertwerden. Falls diese Symptome nach der Verabreichung auftreten, sollten die Patienten unverzüglichihren Arzt darauf aufmerksam machen.
Im Falle einer anaphylaktischen Reaktion oder eines Schocks muss eine entsprechende medizinische
Notfallbehandlung durchgeführt werden.
Obwohl eine Kreuzreaktivität zwischen Kuhmilch und Kaninchenmilch für unwahrscheinlich erachtetwird, kann die Möglichkeit einer solchen Kreuzreaktivität bei einem Patienten mit nachgewiesenerklinischer Allergie gegen Kuhmilch nicht ausgeschlossen werden und der Patient sollte nach der
Verabreichung von Ruconest auf Zeichen und Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktionbeobachtet werden.
Thromboembolische EreignisseBei Patienten mit bekannten Risikofaktoren (z. B. Dauerkatheter, Thrombose in der Vorgeschichte,zugrunde liegende Atherosklerose, Einnahme oraler Kontrazeptiva oder bestimmter Androgene,krankhafte Fettleibigkeit, Immobilität) wurden bei der empfohlenen Dosis von aus Plasmagewonnenen C1-Esterase-Inhibitoren schwerwiegende arterielle und venöse thromboembolische
Ereignisse (TE) gemeldet. Patienten mit bekannten Risikofaktoren sollten engmaschig überwachtwerden.
NatriumJede Durchstechflasche Ruconest enthält 19,5 mg Natrium. Dies muss bei Patienten, die einekontrollierte Natriumdiät einhalten müssen, berücksichtigt werden.
Häusliche Behandlung und Selbstverabreichung
Es liegen begrenzte Daten zur häuslichen Anwendung dieses Arzneimittels und Selbstverabreichungvor. Mögliche Risiken in Zusammenhang mit einer häuslichen Behandlung beziehen sich auf die
Selbstverabreichung sowie der Handhabung von unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen,insbesondere Überempfindlichkeitsreaktionen. Die Entscheidung bzgl. einer häuslichen Behandlungbzw. Selbstverabreichung der Arznei sollte vom behandelnden Arzt individuell getroffen werden. Derbehandelnde Arzt sollte sicherstellen, dass der Patient entsprechend geschult und die Anwendungregelmäßig überprüft wird.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
In der wissenschaftlichen Literatur gibt es Hinweise auf eine Wechselwirkung zwischen dem
Gewebeplasminogenaktivator (tPA) und C1-INH-haltigen Arzneimitteln. Ruconest sollte nichtgleichzeitig mit tPA verabreicht werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft und StillzeitEs liegen keine Erfahrungen mit der Anwendung von Ruconest bei schwangeren und stillenden Frauenvor.
In einer tierexperimentellen Studie wurde eine Reproduktionstoxizität beobachtet (siehe
Abschnitt 5.3). Die Anwendung von Ruconest während der Schwangerschaft oder Stillzeit wird nichtempfohlen, es sei denn, der behandelnde Arzt schätzt den Nutzen höher ein als die möglichen Risiken.
FertilitätEs liegen keine Daten über die Auswirkungen von Ruconest auf die männliche oder weibliche
Fertilität vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenAufgrund der bekannten Pharmakologie und des Nebenwirkungsprofils von Ruconest sind keine
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen zuerwarten. Nach der Anwendung von Ruconest wurden jedoch Kopfschmerzen, Schwindel oder
Benommenheit beobachtet; beides kann aber auch infolge eines HAE-Anfalls auftreten. Die Patientensollten darauf hingewiesen werden, sich nicht an das Steuer eines Fahrzeugs zu setzen und keine
Maschinen zu bedienen, wenn Kopfschmerzen, Schwindel oder Benommenheit auftreten.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des Unbedenklichkeitsprofils
In klinischen Prüfungen mit Ruconest wurde ein Fall von Überempfindlichkeit beobachtet. Diehäufigste Nebenwirkung, die nach der Anwendung von Ruconest beobachtet wurde, ist Übelkeit.
Tabellarische Zusammenstellungen von Nebenwirkungen
Nebenwirkungen, die bei der Behandlung akuter HAE-Attacken mit Ruconest aus klinischen Studienund der Überwachung nach dem Inverkehrbringen gemeldet wurden, sind nachstehend tabellarischaufgelistet. In klinischen Studien war die Inzidenz der Nebenwirkungen in allen Dosisgruppen etwagleich und stieg nach wiederholten Verabreichungen nicht.
Die Häufigkeit der unten aufgeführten Nebenwirkungen wird folgendermaßen angegeben:
Sehr häufig (≥1/10),
Häufig (≥1/100, <1/10),
Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100),
Selten (≥1/10.000, <1/1.000),
Sehr selten (<1/10.000),
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Systemorganklasse Nebenwirkung Häufigkeit
Kopfschmerzen Gelegentlich
Schwindel Gelegentlich
Erkrankungen des NervensystemsHypoästhesie Gelegentlich
Benommenheit Gelegentlich
Erkrankungen des Ohrs und des
Ohrschwellung Gelegentlich
Labyrinths
Erkrankungen der Atemwege, des
Rachenreizung Gelegentlich
Brustraums und Mediastinums
Übelkeit Häufig
Diarrhö Gelegentlich
Erkrankungen des
Gastrointestinaltrakts
Abdominale Beschwerden Gelegentlich
Orale Parästhesie Gelegentlich
Erkrankungen der Haut und des
Urtikaria Gelegentlich
Unterhautzellgewebes
Gelegentlich
Anaphylaxie*
Erkrankungen des ImmunsystemsÜberempfindlichkeitsreaktio
Nicht bekanntnen*
*Weitere Informationen siehe Abschnitt 4.4
Kinder und JugendlicheIm klinischen Entwicklungsprogramm wurden 124 akute Angioödem-Anfälle bei 37 Kindern und
Jugendlichen mit HAE (im Alter von 5 bis 17 Jahren) behandelt. Häufigkeit, Art und Schweregrad der
Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen waren ähnlich denen bei Erwachsenen.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es liegen keine klinischen Daten zu Überdosierungen vor.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Hämatologika, Mittel zur Behandlung des hereditären Angioödems,
ATC-Code: B06AC04.
Das Plasmaprotein C1-INH ist der Hauptregulator der in vivo-Aktivierung des Kontakt- und des
Komplementsystems. HAE-Patienten haben einen heterozygoten Mangel des Plasmaproteins C1-INH.
Deshalb können sie an einer unkontrollierten Aktivierung des Kontakt- und des Komplementsystemsmit Bildung von Entzündungsmediatoren leiden, die sich klinisch in Form von akuten Angioödem-
Anfällen manifestiert.
Conestat alfa, ein rekombinanter Inhibitor der humanen Komplementkomponente-1-(C1-)Esterase(rhC1-INH), ist ein Analogon des humanen C1-INH und wird aus der Milch von Kaninchen, die dasfür den humanen C1-INH codierende Gen exprimieren, gewonnen. Die Aminosäuresequenz von
Conestat alfa ist identisch mit der des endogenen C1-INH.
C1-INH übt eine hemmende Wirkung auf verschiedene Proteasen (Zielproteasen) des Kontakt- unddes Komplementsystems aus. Die Wirkung von Conestat alfa auf die folgenden Zielproteasen wurdein vitro untersucht: aktiviertes C1s, Kallikrein, Faktor XIIa und Faktor XIa. Die Inhibitionskinetik warvergleichbar mit der von aus Plasma gewonnenem humanem C1-INH.
Die Komplementkomponente (Protein) C4 ist ein Substrat für aktiviertes C1s. Patienten mit HAEhaben niedrige Spiegel von C4 im Blutkreislauf. Wie für den aus Plasma gewonnenen C1-INH zeigendie pharmakodynamischen Wirkungen von Conestat alfa auf C4 bei einer Plasma-C1-INH-Aktivitätüber 0,7 E/ml, der unteren Grenze des Normalbereichs, eine dosisabhängige Wiederherstellung der
Komplementhomöostase bei HAE-Patienten. Bei HAE-Patienten erhöht Ruconest in einer Dosis von50 E/kg die Plasma-C1-INH-Aktivität für etwa 2 Stunden auf über 0,7 E/ml (siehe Abschnitt 5.2).
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Ruconest bei der Behandlung von akuten Angioödem-Anfällenbei erwachsenen und jugendlichen Patienten mit HAE wurde in zwei doppelblinden, randomisierten,placebokontrollierten und vier offenen klinischen Studien untersucht. Die in den klinischen Studiengeprüften Dosen reichten von einer Durchstechflasche mit 2100 E (entsprechend 18-40 E/kg) bis zu 50und 100 E/kg. Die Wirksamkeit von Ruconest bei der Behandlung von akuten Angioödem-Anfällenwurde durch eine signifikant kürzere Zeit bis zum Beginn der Linderung der Symptome und bis zuminimalen Symptomen sowie wenige Fälle von Therapieversagen belegt. Die folgende Tabelle zeigtdie Ergebnisse (primäre und sekundäre Endpunkte) der beiden randomisierten, kontrollierten Studien:
Zeit (Minuten) bis zum Zeit (Minuten) bis zu
Studie Behandlung Beginn der Linderung minimalen Symptomen
Median (95 %-KI) Median (95 %-KI)
C1 1205 RCT 100 E/kg 68 (62, 132) 245 (125, 270)n = 13 p = 0,001 p = 0,0450 E/kg 122 (72, 136) 247 (243, 484)n = 12 p < 0,001
Kochsalzlösung 258 (240, 495) 1101 (970, 1494)n = 13
C1 1304 RCT 100 E/kg 62 (40, 75) 480 (243, 723)n = 16 p = 0,003 p = 0,005
Kochsalzlösung 508 (70, 720) 1440 (720, 2885)n = 16
Die Ergebnisse der offenen Studien stimmten mit den obigen Befunden überein und sprechen für diewiederholte Anwendung von Ruconest zur Behandlung nachfolgender Angioödem-Anfälle.
In den randomisierten, kontrollierten Studien begann bei 39/41 Patienten (95 %), die mit Ruconestbehandelt wurden, die Linderung der Symptome innerhalb von 4 Stunden. In einer offenen Studiebegann bei 146/151 Anfällen (97 %), die mit einer Einzeldosis von 50 E/kg behandelt wurden, die
Linderung der Symptome innerhalb von 4 Stunden. Eine zusätzliche Dosis von 50 E/kg wurde bei17/168 Anfällen (10 %) verabreicht.
Kinder und JugendlicheKinder
In einer offenen klinischen Studie mit 20 Kindern mit HAE (im Alter von 5 bis 14 Jahren) begann bei64/67 (96 %) der mit einer Einzeldosis von 50 E/kg behandelten Anfälle die Linderung der Symptomeinnerhalb von 4 Stunden. Eine zusätzliche Dosis von 50 E/kg wurde bei 3/73 Anfällen (4 %)verabreicht.
JugendlicheZehn jugendliche HAE-Patienten (im Alter von 13 bis 17 Jahren) wurden in 27 akuten Angioödem-
Anfällen mit 50 E/kg behandelt, und 7 Jugendliche (im Alter von 16 bis 17 Jahren) wurden in 24akuten Angioödem-Anfällen mit 2100 E behandelt.
Die Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse bei Kindern und Jugendlichen stimmten mit den bei
Erwachsenen beobachteten überein.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
VerteilungEs wurden keine formalen Verteilungsstudien durchgeführt. Das Verteilungsvolumen von Conestatalfa war mit etwa 3 l vergleichbar mit dem Plasmavolumen.
Biotransformation und EliminationWie tierexperimentelle Daten zeigen, wird Conestat alfa in der Leber durch rezeptorvermittelte
Endozytose mit anschließender vollständiger Hydrolyse/Abbau aus dem Blutkreislauf eliminiert.
Nach Verabreichung von Ruconest (50 E/kg) an asymptomatische HAE-Patienten wurde eine Cmaxvon 1,36 E/ml beobachtet. Die Eliminationshalbwertszeit von Conestat alfa betrug etwa 2 Stunden.
EliminationEs erfolgt keine Ausscheidung, da Conestat alfa in der Leber durch rezeptorvermittelte Endozytose mitanschließender vollständiger Hydrolyse/Abbau aus dem Blutkreislauf eliminiert wird.
Kinder und JugendlicheKinder
Nach Verabreichung einer 50-E/kg-Dosis von Conestat alfa wiesen insgesamt 18/20 Kinder 5 Minutenund/oder 2 bis 4 Stunden nach der Dosisverabreichung Konzentrationen des funktionellen C1-
INH > 70% des Normalwerts auf (die Untergrenze des Normalbereichs). Das arithmetische Mittel der
Cmax des funktionellen C1-INH für den ersten Anfall betrug 123 % des Normalwerts (Bereich 62 % bis168 %) und die AUC0-3 betrug 171 % des Normalwerts (Bereich 95 % bis 244 %).
Ein Populations-PK-Modell zeigt, dass eine Dosis von 50 E/kg bei 96,0 % der Kinder im Alter von 2bis ≤ 13 Jahren und bei 90,5 % der Kinder im Alter von 2 bis < 5 Jahren Konzentrationen desfunktionellen CI-INH erzielt, die > 70% des Normalwerts liegen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei Gabe einer Einzeldosis,subchronischen Toxizität über zwei Wochen und lokalen Verträglichkeit bei verschiedenen Tierartenwie Ratten, Hunden, Kaninchen und Cynomolgus-Affen lassen die präklinischen Daten keinebesonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Ein genotoxisches und karzinogenes Potenzial istnicht zu erwarten.
In embryofetalen Studien an Ratten und Kaninchen wurden gepaarten Ratten und Kaninchen tägliche
Einzeldosen von Trägerlösung oder 625 E/kg/Verabreichung von Conestat alfa intravenös verabreicht.
In der Studie an Ratten traten weder in der Conestat alfa noch in der Kontrollgruppe fehlgebildete
Feten auf. In einer Embryotoxizitätsstudie an Kaninchen wurde bei Tieren, denen Conestat alfaverabreicht wurde, eine Zunahme der Inzidenz von fetalen Herzgefäßdefekten (1,12 % in der
Behandlungsgruppe versus 0,03 % bei historischen Kontrollen) beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Durchstechflasche mit Pulver:
SucroseNatriumcitrat (E 331)
Citronensäure
Durchstechflasche mit Lösungsmittel:
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
4 Jahre.
Rekonstituierte LösungDie chemische und physikalische Gebrauchsstabilität wurde bei 5 °C - 25 °C für 48 Stundennachgewiesen. Aus mikrobiologischer Sicht sollte das rekonstituierte Arzneimittel sofort verwendetwerden. Wird es nicht sofort verwendet, ist der Anwender für die Dauer der Aufbewahrung und die
Lagerungsbedingungen bis zur Verwendung verantwortlich. Normalerweise soll die rekonstituierte
Lösung höchstens 24 Stunden bei 2 bis 8 °C aufbewahrt werden, es sei denn, die Rekonstitution istunter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen erfolgt.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Durchstechflasche mit Pulver:
Nicht über 25 °C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Durchstechflasche mit Lösungsmittel:
Nicht über 25 °C lagern.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflasche mit Pulver: 2100 Einheiten Conestat alfa Pulver in einer Durchstechflasche(Glastyp 1) mit einem Stopfen (silikonisiertes Chlorbutylgummi) und einer Flipp-off Bördelkappe(Aluminium und farbiger Kunststoff).
Durchstechflasche mit Lösungsmittel: 20 ml Wasser für Injektionszwecke in einer Durchstechflasche(Glastyp 1) mit einem Stopfen (silikonisiertes Chlorbutylgummi) und einer Flip-off Bördelkappe(Aluminium und farbiger Kunststoff).
Packung mit Anwendungsset:
- 1 Durchstechflasche mit Pulver
- 1 Durchstechflasche mit Lösungsmittel
- 2 Durchstechflaschenadapter
- 1 Spritze
- 1 Infusionsbesteck mit 35-cm-Schlauch und 25G-Nadel
- 2 Alkoholtupfer
- 1 sterile Vlieskompresse
- 1 selbstklebendes Pflaster
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungZubereitung und Handhabung
Jede Durchstechflasche Ruconest ist nur zur einmaligen Anwendung bestimmt.
Ruconest ist nur für die intravenöse Verabreichung nach Rekonstitution mit Wasser für
Injektionszwecke bestimmt. Rekonstitution, Kombination und Mischung der Lösung sollten unteraseptischen Bedingungen erfolgen.
Rekonstitution1. Jede Durchstechflasche Ruconest (2100 E) ist mit 14 ml Lösungsmittel zu rekonstituieren.
2. Die Gummistopfen der Durchstechflaschen mit Pulver und Lösungsmittel desinfizieren und aufjede Durchstechflasche mit Pulver bzw. Lösungsmittel einen Durchstechflaschenadapter setzenbis der Adapter am Hals der Durchstechflasche einrastet.
3. Die Spritze auf den Adapter auf der Durchstechflasche mit Lösungsmittel aufsetzen und im
Uhrzeigersinn bis zum Anschlag festdrehen. 14 ml Lösungsmittel aufziehen. Die Spritze durch
Drehen gegen den Uhrzeigersinn vom Adapter lösen und die Durchstechflasche samt Adapterentsorgen.
4. Die mit Lösungsmittel gefüllte Spritze auf den Adapter auf der Durchstechflasche mit Pulveraufsetzen und im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag festdrehen. Das Lösungsmittel sollte langsamzugegeben werden, um zu starkes Aufkommen auf dem Pulver zu vermeiden. Vorsichtigmischen, um Schaumbildung in der Lösung zu minimieren. Die Spritze auf dem Adapter lassen.
Schritt 3 und 4 wiederholen, falls eine zweite Lösung hergestellt werden muss (dazu ist einzweites Kit erforderlich).
5. Die rekonstituierte Lösung enthält 150 E/ml Conestat alfa und ist klar und farblos. Dierekonstituierte Lösung in jeder Durchstechflasche sollte einer Sichtprüfung auf Partikel und
Verfärbungen unterzogen werden. Eine Lösung, in der Partikel sichtbar sind oder die verfärbtist, sollte nicht verwendet werden. Geringfügige Schaumbildung ist akzeptabel. Das
Arzneimittel sollte unverzüglich verwendet werden (siehe Abschnitt 6.3).
Verabreichung1. Das erforderliche Volumen der zubereiteten Lösung aufziehen. Eine Menge von 14 ml pro
Spritze auf keinen Fall überschreiten. Die Spritze(n) durch Drehen gegen den Uhrzeigersinnlösen und die Durchstechflasche samt Adapter entsorgen.
2. Das Infusionsbesteck an der Spritze befestigen und im Uhrzeigersinn bis zum Anschlagfestdrehen. Die Spritze so halten, dass die Spitze nach oben zeigt, und den Kolben vorsichtigdrücken, um das Infusionsbesteck mit der Lösung zu füllen.
3. Die Injektionsstelle mit einem Alkoholtupfer desinfizieren. Die Nadelschutzkappe von der
Nadel des Infusionsbestecks entfernen und die Nadel vorsichtig in die Vene einführen.
4. Darauf achten, den Stauschlauch zu lösen. Die Lösung vorsichtig in die Vene injizieren -
Injektion über ca. 5 Minuten durchführen.
5. Wenn zwei Spritzen vorbereitet worden sind: den Schlauch umfalten, um einen Rückfluss zuverhindern, die leere Spritze vom Infusionsbesteck abschrauben (gegen den Uhrzeigersinndrehen) und sofort die zweite Spritze befestigen. Die Lösung in der zweiten Spritze vorsichtiginjizieren.
EntsorgungDas benutzte Infusionsbesteck mit der Nadel, etwaige nicht benutzte Lösung, die Spritze und die leere
Durchstechflasche sicher in einen geeigneten Behälter für medizinischen Abfall entsorgen, da diese
Gegenstände anderen Personen Schaden zufügen können, wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgtwerden. Die Gegenstände nicht wiederverwenden.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Pharming Group N.V.
Darwinweg 242333 CR Leiden
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 28. Oktober 2010
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 18. September 2015
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur unter http://www.ema.europa.eu verfügbar.