Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels RIVAROXABAN ACCORD 10mg tablets
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Rivaroxaban Accord 10 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 10 mg Rivaroxaban.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungJede Filmtablette enthält 27,90 mg Lactose (als Monohydrat), siehe Abschnitt 4.4.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette (Tablette)
Hellrosa- bis rosafarbene, runde, bikonvexe Filmtabletten von ca. 6 mm Durchmesser und mit
Prägung 'IL1“ auf der einen Seite und ohne Prägung auf der anderen Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft-oder Kniegelenksersatzoperationen.
Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie Prophylaxe vonrezidivierenden TVT und LE bei Erwachsenen. (Bei hämodynamisch instabilen LE-Patienten siehe
Abschnitt 4.4.)
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungProphylaxe von VTE bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationen
Die empfohlene Dosis ist 10 mg Rivaroxaban, einmal täglich eingenommen. Die erste Gabe sollte6 bis 10 Stunden nach der Operation erfolgen, nachdem die Hämostase eingesetzt hat.
Die Dauer der Behandlung hängt vom individuellen venösen thromboembolischen Risiko des
Patienten ab, das durch die Art der orthopädischen Operation bestimmt wird.
* Bei Patienten nach einer größeren Hüftoperation wird eine Behandlungsdauer von 5 Wochenempfohlen.
* Bei Patienten nach einer größeren Knieoperation wird eine Behandlungsdauer von 2 Wochenempfohlen.
Wenn eine Dosis vergessen wurde, sollte der Patient Rivaroxaban Accord sofort einnehmen und dannam nächsten Tag mit der einmal täglichen Einnahme wie zuvor fortfahren.
Behandlung von TVT, Behandlung von LE und Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE
Die empfohlene Dosis zur Initialbehandlung von akuten TVT oder LE ist 15 mg zweimal täglichinnerhalb der ersten drei Wochen, gefolgt von 20 mg einmal täglich für die Weiterbehandlung sowiezur Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE.
Eine kurze Therapiedauer (mindestens 3 Monate) sollte bei Patienten in Erwägung gezogen werden,bei denen die TVT oder LE durch schwerwiegende, vorübergehende Risikofaktoren (z. B. kürzlichegrößere Operation oder Trauma) hervorgerufen wurde. Eine längere Therapiedauer sollte bei Patientenmit provozierter TVT oder LE, die nicht durch schwerwiegende, vorübergehende Risikofaktorenhervorgerufen wurde, mit unprovozierter TVT oder LE oder bei Patienten, die eine Vorgeschichte mitrezidivierenden TVT oder LE haben, in Erwägung gezogen werden.
Wenn eine verlängerte Prophylaxe einer rezidivierenden TVT oder LE angezeigt ist (nach Abschlusseiner mindestens 6-monatigen Therapie für eine TVT oder LE), beträgt die empfohlene Dosis 10 mgeinmal täglich. Bei Patienten, bei denen das Risiko einer rezidivierenden TVT oder LE als hocheingeschätzt wird, wie z. B. bei Patienten mit komplizierten Komorbiditäten, oder bei Patienten, beidenen unter der verlängerten Prophylaxe mit Rivaroxaban Accord 10 mg einmal täglich einerezidivierende TVT oder LE aufgetreten ist, sollte eine Dosierung von Rivaroxaban 20 mg einmaltäglich in Erwägung gezogen werden.
Die Therapiedauer und die Auswahl der Dosierung sollten individuell nach sorgfältiger Abwägung des
Nutzens der Behandlung gegenüber dem Blutungsrisiko erfolgen (siehe Abschnitt 4.4).
Zeitdauer Dosierungsschema Tagesgesamtdosis
Behandlung und Tag 1 - 21 15 mg zweimal täglich 30 mg
Prophylaxe vonrezidivierenden TVT Ab Tag 22 20 mg einmal täglich 20 mgund LE
Prophylaxe von Nach Abschluss einer 10 mg einmal täglich 10 mgrezidivierenden TVT mindestens oder oder 20 mgund LE 6-monatigen Therapie 20 mg einmal täglichder TVT oder LE
Um nach Tag 21 den Wechsel der Dosierung von 15 mg auf 20 mg zu unterstützen, ist zur
Behandlung von TVT/LE eine 4-Wochen-Starterpackung Rivaroxaban Accord verfügbar.
Wenn eine Dosis während der Behandlungsphase, in der 15 mg zweimal täglich eingenommen werden(Tag 1 - 21), vergessen wurde, sollte der Patient Rivaroxaban Accord sofort einnehmen, um die
Tagesdosis von 30 mg Rivaroxaban sicherzustellen. In diesem Fall können zwei 15-mg-Tabletten aufeinmal eingenommen werden. Der Patient sollte am nächsten Tag mit der regulären Einnahme von15 mg zweimal täglich wie empfohlen fortfahren.
Wenn eine Dosis während der Behandlungsphase, in der einmal täglich eingenommen werden soll,vergessen wurde, sollte der Patient Rivaroxaban Accord sofort einnehmen und am nächsten Tag mitder regulären Einnahme einmal täglich wie empfohlen fortfahren.
Es sollte keine doppelte Dosis an einem Tag eingenommen werden, um eine vergessene Einnahmenachzuholen.
Umstellung von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) auf Rivaroxaban
Bei Patienten, die wegen TVT, LE sowie zur Prophylaxe von deren Rezidiven behandelt werden,sollte die VKA-Behandlung beendet und die Therapie mit Rivaroxaban begonnen werden, sobald die
INR ≤ 2,5 ist.
Wenn Patienten von VKAs auf Rivaroxaban umgestellt werden, wird die International Normalised
Ratio (INR) nach der Einnahme von Rivaroxaban fälschlicherweise erhöht sein. Die INR ist zur
Bestimmung der antikoagulatorischen Wirkung von Rivaroxaban nicht aussagekräftig und solltedeshalb nicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.5).
Umstellung von Rivaroxaban auf Vitamin-K-Antagonisten (VKA)
Es besteht die Möglichkeit einer nicht angemessenen Antikoagulation während der Umstellung von
Rivaroxaban auf VKA. Eine kontinuierlich angemessene Antikoagulation muss während jeder
Umstellung auf ein alternatives Antikoagulans sichergestellt sein. Es muss beachtet werden, dass
Rivaroxaban zu einer erhöhten INR beitragen kann.
Bei Patienten, die von Rivaroxaban auf VKA umgestellt werden, sollte der VKA gleichzeitigverabreicht werden, bis die INR ≥ 2,0 ist. Während der ersten zwei Tage der Umstellungszeit sollte dieübliche Anfangsdosierung des VKA angewendet werden, gefolgt von einer VKA-Dosierung, die sichan den INR-Werten orientiert. Bei Patienten, die gleichzeitig Rivaroxaban und VKA einnehmen, solltedie INR-Messung nicht früher als 24 Stunden nach der vorhergehenden Einnahme, aber vor dernächsten Einnahme von Rivaroxaban erfolgen. Sobald Rivaroxaban Accord abgesetzt ist, kann einezuverlässige INR-Bestimmung erfolgen, wenn die letzte Einnahme mindestens 24 Stunden zurückliegt(siehe Abschnitte 4.5 und 5.2).
Umstellung von parenteral verabreichten Antikoagulanzien auf Rivaroxaban
Bei Patienten, die momentan ein parenterales Antikoagulans verabreicht bekommen, ist dasparenterale Antikoagulans abzusetzen. Mit Rivaroxaban ist 0 bis 2 Stunden vor dem Zeitpunkt, zudem die nächste geplante Verabreichung des parenteralen Arzneimittels (z. B. niedermolekulare
Heparine) fällig wäre, oder zum Zeitpunkt des Absetzens eines kontinuierlich verabreichtenparenteralen Arzneimittels (z. B. intravenös verabreichtes unfraktioniertes Heparin) zu beginnen.
Umstellung von Rivaroxaban auf parenteral verabreichte Antikoagulanzien
Die erste Dosis des parenteralen Antikoagulans sollte zu dem Zeitpunkt verabreicht werden, an demdie nächste Dosis Rivaroxaban eingenommen werden sollte.
Besondere PatientengruppenNierenfunktionsstörungDie begrenzten klinischen Daten von Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-
Clearance 15 - 29 ml/min) weisen auf signifikant erhöhte Rivaroxaban-Plasmakonzentrationen hin.
Deshalb ist Rivaroxaban Accord bei diesen Patienten mit Vorsicht anzuwenden. Die Anwendung bei
Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 15 ml/min wird nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.4 und5.2).
- Zur Prophylaxe von VTE bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationen:
ist bei Patienten mit einer leichten Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-
Clearance 50 - 80 ml/min) oder einer mittelschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-
Clearance 30 - 49 ml/min) keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
- Zur Behandlung von TVT, Behandlung von LE sowie Prophylaxe von rezidivierenden TVT und
LE:
ist bei Patienten mit einer leichten Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-
Clearance 50 - 80 ml/min) keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Bei Patienten mit einer mittelschweren (Kreatinin-Clearance 30 - 49 ml/min) oder einerschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 15 - 29 ml/min):
Die Patienten sollten in den ersten 3 Wochen mit 15 mg zweimal täglich behandelt werden.
Anschließend, wenn die empfohlene Dosierung 20 mg einmal täglich ist, sollte eine
Dosisreduktion von 20 mg einmal täglich auf 15 mg einmal täglich dann in Erwägung gezogenwerden, wenn das abgeschätzte Blutungsrisiko des Patienten höher ist als das Risiko fürrezidivierende TVT und LE. Die Empfehlung zur Anwendung von 15 mg basiert auf einer PK-
Modellierung und wurde nicht in klinischen Studien getestet (siehe Abschnitte 4.4, 5.1 und 5.2).
Wenn die empfohlene Dosierung 10 mg einmal täglich ist, ist keine Dosisanpassungerforderlich.
LeberfunktionsstörungRivaroxaban Accord ist kontraindiziert bei Patienten mit Lebererkrankungen, die mit einer
Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko, einschließlich zirrhotischer Patientenmit Child Pugh B und C, verbunden sind (siehe Abschnitte 4.3 und 5.2).
Ältere PatientenKeine Dosisanpassung (siehe Abschnitt 5.2)
KörpergewichtKeine Dosisanpassung (siehe Abschnitt 5.2)
GeschlechtKeine Dosisanpassung (siehe Abschnitt 5.2)
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban bei Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren ist nichterwiesen. Es liegen keine Daten vor. Daher wird die Anwendung von Rivaroxaban Accord bei
Kindern unter 18 Jahren nicht empfohlen.
Art der AnwendungRivaroxaban Accord ist zum Einnehmen.
Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden (siehe Abschnitte 4.5und 5.2).
Zerkleinern von Tabletten
Falls Patienten nicht in der Lage sind, die Tabletten als Ganzes zu schlucken, können Rivaroxaban
Accord Tabletten unmittelbar vor der Anwendung auch zerstoßen und mit Wasser oder Apfelmusgemischt und dann eingenommen werden.
Zerstoßene Tabletten können auch über eine Magensonde verabreicht werden (siehe Abschnitte 5.2und 6.6).
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Akute, klinisch relevante Blutungen.
Läsionen oder klinische Situationen, wenn diese als signifikantes Risiko für eine schwere Blutungangesehen werden. Dies können unter anderem akute oder kürzlich aufgetretene gastrointestinale
Ulzerationen, maligne Neoplasien mit hohem Blutungsrisiko, kürzlich aufgetretene Hirn- oder
Wirbelsäulenverletzungen, kürzlich erfolgte chirurgische Eingriffe an Gehirn, Wirbelsäule oder
Augen, kürzlich aufgetretene intrakranielle Blutungen, bekannte oder vermutete Ösophagusvarizen,arteriovenöse Fehlbildungen, vaskuläre Aneurysmen oder größere intraspinale oder intrazerebralevaskuläre Anomalien sein.
Die gleichzeitige Anwendung von anderen Antikoagulanzien, z. B. unfraktionierte Heparine (UFH),niedermolekulare Heparine (Enoxaparin, Dalteparin etc.), Heparinderivate (Fondaparinux etc.), orale
Antikoagulanzien (Warfarin, Dabigatranetexilat, Apixaban etc.), außer in der speziellen Situation der
Umstellung der Antikoagulationstherapie (siehe Abschnitt 4.2) oder wenn UFH in Dosen gegebenwird, die notwendig sind, um die Durchgängigkeit eines zentralvenösen oder arteriellen Katheters zuerhalten (siehe Abschnitt 4.5).
Lebererkrankungen, die mit einer Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko,einschließlich zirrhotischer Patienten mit Child Pugh B und C, verbunden sind (siehe Abschnitt 5.2).
Schwangerschaft und Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Eine klinische Überwachung in Übereinstimmung mit der antikoagulatorischen Praxis wird währendder gesamten Behandlungsdauer empfohlen.
Blutungsrisiko
Wie bei anderen Antikoagulanzien sollten Patienten, die Rivaroxaban Accord einnehmen, sorgfältigauf Blutungsanzeichen beobachtet werden. Bei Fällen mit einem erhöhten Blutungsrisiko wirdempfohlen, es mit Vorsicht einzusetzen. Die Gabe von Rivaroxaban Accord sollte bei Auftreten einerschweren Blutung unterbrochen werden (siehe Abschnitt 4.9).
In den klinischen Studien wurden Schleimhautblutungen (z. B. Nasenbluten, gingivale,gastrointestinale, urogenitale einschließlich ungewöhnlicher vaginaler oder verstärkter
Menstruationsblutungen) und Anämie während der Langzeitbehandlung unter Rivaroxaban häufigerbeobachtet als unter VKA Behandlung. Deshalb könnte zusätzlich zur angemessenen klinischen
Überwachung eine Laboruntersuchung des Hämoglobins/Hämatokrits zur Erkennung okkulter
Blutungen und zur Bestimmung der klinischen Bedeutung offenkundiger Blutungen von Nutzen sein,wenn dieses für angemessen gehalten wird.
Verschiedene Untergruppen von Patienten, die unten näher beschrieben werden, haben ein erhöhtes
Blutungsrisiko. Diese Patienten müssen von Beginn der Behandlung an sorgfältig auf Anzeichen und
Symptome für Blutungskomplikationen und Anämien überwacht werden (siehe Abschnitt 4.8). Bei
Patienten, die Rivaroxaban zur Prophylaxe von VTE nach elektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationen erhalten, kann dies durch regelmäßige ärztliche Untersuchungen der
Patienten, häufige Kontrolle der chirurgischen Wunddrainage und regelmäßige
Hämoglobinmessungen erfolgen.
Bei jedem ungeklärten Hämoglobin- oder Blutdruckabfall sollte nach einer Blutungsquelle gesuchtwerden.
Obwohl die Anwendung von Rivaroxaban keine Routineüberwachung der Exposition erfordert,können die mit einem kalibrierten, quantitativen Anti-Faktor Xa-Test bestimmten Rivaroxaban-
Spiegel dann in Ausnahmesituationen hilfreich sein, wenn die Kenntnis der Rivaroxaban-Expositionhelfen kann, klinische Entscheidungen zu treffen, z. B. bei Überdosierung und Notfalloperationen(siehe Abschnitte 5.1 und 5.2).
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min) kann der
Rivaroxaban Plasmaspiegel signifikant erhöht sein (im Mittel 1,6fach), was zu einem erhöhten
Blutungsrisiko führen kann. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von 15 - 29 ml/min ist
Rivaroxaban Accord mit Vorsicht anzuwenden. Die Anwendung bei Patienten mit einer Kreatinin-
Clearance < 15 ml/min wird nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
Bei Patienten mit einer mittelschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 30 - 49 ml/min),die gleichzeitig andere Arzneimittel erhalten, die zu erhöhten Rivaroxaban Plasmaspiegeln führen, ist
Rivaroxaban Accord mit Vorsicht anzuwenden (siehe Abschnitt 4.5).
Wechselwirkungen mit anderen ArzneimittelnBei Patienten, die gleichzeitig eine systemische Behandlung mit Azol-Antimykotika (wie
Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol) oder HIV-Proteaseinhibitoren (z. B.
Ritonavir) erhalten, wird die Anwendung von Rivaroxaban Accord nicht empfohlen. Diese Wirkstoffesind starke Inhibitoren sowohl von CYP3A4 als auch von P-gp und können daher die
Plasmakonzentration von Rivaroxaban in einem klinisch relevanten Ausmaß erhöhen (im Mittel2,6fach), was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen kann (siehe Abschnitt 4.5).
Vorsicht ist geboten bei Patienten, die gleichzeitig mit auf die Gerinnung wirkenden Arzneimittelnwie nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSARs), Acetylsalicylsäure (ASS) und
Thrombozytenaggregationshemmern oder selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI,selective serotonin reuptake inhibitors) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern(SNRI, serotonin norepinephrine reuptake inhibitors) behandelt werden. Bei Patienten mit dem Risikoeiner ulzerativen gastrointestinalen Erkrankung kann eine angemessene prophylaktische Behandlungin Erwägung gezogen werden (siehe Abschnitte 4.5 und 5.1).
Weitere Risikofaktoren für Blutungen
Wie andere Antithrombotika, wird auch Rivaroxaban nicht bei Patienten empfohlen, die ein erhöhtes
Blutungsrisiko aufweisen, wie z.B. bei:
* angeborenen oder erworbenen Blutgerinnungsstörungen
* nicht eingestellter, schwerer arterieller Hypertonie
* anderen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts ohne aktive Ulzeration, die möglicherweise zu
Blutungskomplikationen führen können (z. B. entzündliche Darmerkrankung, Ösophagitis,
Gastritis und gastro-ösophageale Refluxkrankheit)
* vaskulärer Retinopathie
* Bronchiektasien oder pulmonaler Blutung in der Anamnese.
Patienten mit Krebs
Bei Patienten mit maligner Erkrankung kann gleichzeitig ein erhöhtes Blutungs- und Thromboserisikobestehen. Der individuelle Nutzen einer antithrombotischen Behandlung sollte bei Patienten mitaktiver Krebserkrankung in Abhängigkeit von Tumorlokalisation, antineoplastischer Therapie und
Stadium der Erkrankung gegen das Blutungsrisiko abgewogen werden. Tumore im Gastrointestinal-oder Urogenitaltrakt wurden mit einem erhöhten Blutungsrisiko während einer Rivaroxaban-Therapiein Verbindung gebracht.
Bei Patienten mit malignen Neoplasien mit hohem Blutungsrisiko ist die Anwendung von
Rivaroxaban kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Patienten mit künstlichen Herzklappen
Rivaroxaban sollte nicht zur Thromboprophylaxe bei Patienten angewendet werden, bei denenkürzlich eine Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) durchgeführt wurde. Die Sicherheitund Wirksamkeit von Rivaroxaban wurden bei Patienten mit künstlichen Herzklappen nichtuntersucht; daher liegen keine Daten vor, die eine angemessene antikoagulatorische Wirkung von
Rivaroxaban in dieser Patientengruppe belegen. Die Behandlung mit Rivaroxaban Accord wird beidiesen Patienten nicht empfohlen.
Patienten mit einem Antiphospholipid-Syndrom
Direkt wirkende orale Antikoagulanzien (DOAK), einschließlich Rivaroxaban werden nicht für
Patienten mit einer Thrombose in der Krankheitsgeschichte, bei denen ein Antiphospholipid-Syndromdiagnostiziert wurde, empfohlen. Insbesondere bei dreifach positiven Patienten (für Lupus-
Antikoagulans, Anticardiolipin-Antikörper und Anti-Beta-2-Glykoprotein I-Antikörper) könnte eine
Behandlung mit direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien im Vergleich zu einer Vitamin-K-
Antagonisten-Therapie mit einer erhöhten Rate rezidivierender thrombotischer Ereignisse verbundensein.
Operationen nach Hüftfraktur
Rivaroxaban wurde nicht in interventionellen klinischen Studien zur Bewertung von Wirksamkeit und
Sicherheit an Patienten, die sich einer Operation nach Hüftfraktur unterzogen haben, untersucht.
Hämodynamisch instabile LE-Patienten oder Patienten, die eine Thrombolyse oder pulmonale
Embolektomie benötigen
Rivaroxaban Accord wird nicht empfohlen als Alternative zu unfraktioniertem Heparin bei Patientenmit einer Lungenembolie, die hämodynamisch instabil sind oder eventuell eine Thrombolyse oderpulmonale Embolektomie benötigen, da die Sicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban unter diesenklinischen Bedingungen nicht untersucht wurden.
Spinal-/Epiduralanästhesie oder -punktion
Bei der Anwendung von neuraxialer Anästhesie (Spinal/Epiduralanästhesie) oder
Spinal/Epiduralpunktion können bei Patienten, die mit Antikoagulanzien zur Präventionthromboembolischer Komplikationen behandelt werden, epidurale oder spinale Hämatome, die zulangfristiger oder dauerhafter Lähmung führen, auftreten. Dieses Risiko kann durch die postoperative
Verwendung eines epiduralen Verweilkatheters oder der gleichzeitigen Anwendung von anderen, aufdie Gerinnung wirkenden Arzneimitteln erhöht sein. Das Risiko kann auch bei traumatischer oderwiederholter Spinal/Epiduralpunktion erhöht sein. Die Patienten sind engmaschig auf Anzeichen und
Symptome von neurologischen Störungen zu kontrollieren (z. B. Taubheits- oder Schwächegefühl inden Beinen, Störungen der Darm- oder Blasenfunktion). Wenn eine neurologische Beeinträchtigungfestgestellt wird, ist eine Diagnosestellung und Behandlung dringend erforderlich. Vor einemneuraxialen Eingriff sollte der Arzt bei Patienten, die mit Antikoagulanzien behandelt werden sollenoder Patienten, die zur Vermeidung einer Thrombose Antikoagulanzien erhalten, den potentiellen
Nutzen gegen das Risiko abwägen.
Um das potenzielle Blutungsrisiko, das mit der gleichzeitigen Anwendung von Rivaroxaban undneuraxialer (epidural/spinal) Anästhesie oder Spinalpunktion verbunden ist, zu reduzieren, sollte daspharmakokinetische Profil von Rivaroxaban berücksichtigt werden. Die Anlage oder Entfernung eines
Epiduralkatheters oder eine Lumbalpunktion sind am besten durchzuführen, wenn dieantikoagulatorische Wirkung von Rivaroxaban als gering eingeschätzt wird (siehe Abschnitt 5.2).
Ein Epiduralkatheter sollte frühestens 18 Stunden nach der letzten Einnahme von Rivaroxabanentfernt werden. Die nächste Einnahme von Rivaroxaban sollte frühestens 6 Stunden nach Entfernungdes Katheters erfolgen.
Nach einer traumatischen Punktion ist die nächste Gabe von Rivaroxaban um 24 Stunden zuverschieben.
Dosierungsempfehlungen vor und nach invasiven Verfahren und chirurgischen Eingriffen mit
Ausnahme von elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen
Falls ein invasives Verfahren oder ein chirurgischer Eingriff notwendig ist, sollte Rivaroxaban Accord10 mg mindestens 24 Stunden vor dem Eingriff abgesetzt werden, falls dies möglich ist und der Arztes aus klinischer Sicht vertreten kann.
Falls der Eingriff nicht aufgeschoben werden kann, sollte das erhöhte Blutungsrisiko gegenüber der
Notwendigkeit des Eingriffs abgewogen werden.
Rivaroxaban Accord sollte nach dem invasiven Verfahren oder der chirurgischen Intervention sobaldwie möglich wieder eingenommen werden, falls die klinische Situation dies erlaubt und eine nach
Beurteilung des behandelnden Arztes angemessene Hämostase eingesetzt hat (siehe Abschnitt 5.2).
Ältere PatientenMit zunehmendem Alter kann sich das Blutungsrisiko erhöhen (siehe Abschnitt 5.2).
Dermatologische ReaktionenSchwere Hautreaktionen, einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom/toxisch epidermaler Nekrolyse und
DRESS-Syndrom, wurden während der Beobachtung nach der Marktzulassung in Verbindung mit der
Anwendung von Rivaroxaban berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Zu Beginn der Therapie scheinen die
Patienten das höchste Risiko für diese Reaktionen zu haben: Das Auftreten der Reaktion erfolgte inder Mehrzahl der Fälle innerhalb der ersten Behandlungswochen. Rivaroxaban muss beim ersten
Auftreten von schwerem Hautausschlag (insbesondere sich ausbreitend, stark und/oder blasenbildend),oder jedem anderen Anzeichen von Überempfindlichkeit in Verbindung mit Schleimhautläsionenabgesetzt werden.
Informationen über sonstige Bestandteile
Rivaroxaban Accord enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz,völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nichteinnehmen.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d. h., es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
CYP3A4 und P-gp Inhibitoren
Die gleichzeitige Anwendung von Rivaroxaban und Ketoconazol (400 mg einmal täglich) oder
Ritonavir (600 mg zweimal täglich) führte zu einem 2,6fachen bzw. 2,5fachen Anstieg des mittleren
AUC Wertes sowie zu einem 1,7fachen bzw. 1,6fachen Anstieg der mittleren Cmax Werte von
Rivaroxaban. Der Anstieg ging mit einer signifikanten Zunahme der pharmakodynamischen Wirkungeinher, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen kann. Deshalb wird die Anwendung von
Rivaroxaban bei Patienten, die gleichzeitig eine systemische Behandlung mit Azol-Antimykotika wie
Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol oder mit HIV-Proteaseinhibitoren erhalten,nicht empfohlen. Diese Wirkstoffe sind starke Inhibitoren sowohl von CYP3A4 als auch von P-gp(siehe Abschnitt 4.4).
Von Wirkstoffen, die nur einen der Eliminationswege von Rivaroxaban, entweder CYP3A4 oder P-gp,stark inhibieren, wird erwartet, dass sie die Plasmakonzentration von Rivaroxaban in einem geringeren
Ausmaß erhöhen. Clarithromycin (500 mg zweimal täglich) beispielsweise, ein starker Inhibitor von
CYP3A4 und moderater Inhibitor von P-gp, führte zu einem 1,5fachen Anstieg der mittleren AUC undeinem 1,4fachen Anstieg der Cmax Werte von Rivaroxaban. Die Wechselwirkung mit Clarithromycinist bei den meisten Patienten wahrscheinlich klinisch nicht relevant, kann aber bei Hochrisikopatientenmöglicherweise von Bedeutung sein. (Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung: siehe Abschnitt 4.4).
Erythromycin (500 mg dreimal täglich), ein moderater Inhibitor von CYP3A4 und P-gp, führte zueinem 1,3fachen Anstieg der mittleren AUC und Cmax von Rivaroxaban. Die Wechselwirkung mit
Erythromycin ist bei den meisten Patienten wahrscheinlich klinisch nicht relevant, kann aber bei
Hochrisikopatienten möglicherweise von Bedeutung sein.
Bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung führte Erythromycin (500 mg dreimal täglich) im
Vergleich zu Personen mit normaler Nierenfunktion zu einem 1,8fachen Anstieg der mittleren AUCund einem 1,6fachen Anstieg der Cmax von Rivaroxaban. Bei Patienten mit mittelgradiger
Nierenfunktionsstörung induzierte Erythromycin gegenüber Personen mit normaler Nierenfunktioneinen 2,0fachen Anstieg der mittleren AUC und einen 1,6fachen Anstieg der Cmax von Rivaroxaban.
Der Effekt von Erythromycin ist additiv zu dem der Nierenfunktionsstörung (siehe Abschnitt 4.4).
Fluconazol (400 mg einmal täglich), welches als ein moderater CYP3A4 Inhibitor betrachtet wird,führte zu einem 1,4fachen Anstieg der mittleren Rivaroxaban AUC und einem 1,3fachen Anstieg dermittleren Cmax. Die Wechselwirkung mit Fluconazol ist bei den meisten Patienten wahrscheinlichklinisch nicht relevant, kann aber bei Hochrisikopatienten möglicherweise von Bedeutung sein. (Bei
Patienten mit Nierenfunktionsstörung: siehe Abschnitt 4.4).
Betrachtet man die begrenzt vorliegenden klinischen Daten zu Dronedaron, sollte eine gleichzeitige
Gabe mit Rivaroxaban vermieden werden.
Antikoagulanzien
Bei kombinierter Gabe von Enoxaparin (40 mg Einmalgabe) mit Rivaroxaban (10 mg Einmalgabe)wurde ein additiver Effekt auf die Anti-Faktor Xa-Aktivität ohne weitere Auswirkungen auf die
Gerinnungstests (PT, aPTT) beobachtet. Enoxaparin hatte keinen Einfluss auf die Pharmakokinetikvon Rivaroxaban.
Wegen des erhöhten Blutungsrisikos ist bei Patienten, die gleichzeitig andere Antikoagulanzienerhalten, Vorsicht geboten (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).
NSAR/Thrombozytenaggregationshemmer
Bei gleichzeitiger Gabe von Rivaroxaban (15 mg) und 500 mg Naproxen wurde keine klinischrelevante Verlängerung der Blutungszeit beobachtet. Einzelne Patienten können jedoch eine verstärktepharmakodynamische Wirkung zeigen.
Bei gleichzeitiger Gabe von Rivaroxaban und 500 mg Acetylsalicylsäure wurden keine klinischsignifikanten pharmakokinetischen oder pharmakodynamischen Wechselwirkungen beobachtet.
Clopidogrel (300 mg Anfangsdosis gefolgt von 75 mg Erhaltungsdosis) zeigte keinepharmakokinetische Wechselwirkung mit Rivaroxaban (15 mg). Jedoch wurde bei einer Subgruppevon Patienten eine relevante Zunahme der Blutungszeit festgestellt, die nicht mit der
Thrombozytenaggregation, dem P-Selektin- oder dem GPIIb/IIIa-Rezeptor- Level korrelierte.
Vorsicht ist geboten, wenn Patienten gleichzeitig mit NSARs (einschließlich Acetylsalicylsäure) plus
Thrombozytenaggregationshemmern behandelt werden, da diese Arzneimittel typischerweise das
Blutungsrisiko erhöhen (siehe Abschnitt 4.4).
SSRI/SNRI
Wie bei anderen Antikoagulanzien kann bei gleichzeitiger Anwendung mit SSRI oder SNRI einerhöhtes Blutungsrisiko bestehen, da für SSRI und SNRI eine Wirkung auf Thrombozyten beschriebenwurde. Bei gleichzeitiger Anwendung im klinischen Entwicklungsprogramm für Rivaroxaban wurdenin allen Behandlungsgruppen numerisch höhere Raten schwerer oder nicht schwerer klinischrelevanter Blutungen beobachtet.
WarfarinEine Umstellung von Patienten vom Vitamin-K-Antagonisten Warfarin (INR 2,0 bis 3,0) auf
Rivaroxaban (20 mg) oder von Rivaroxaban (20 mg) auf Warfarin (INR 2,0 bis 3,0) erhöhte die
Prothrombin-Zeit/INR (Neoplastin) supraadditiv (individuelle INR-Werte von bis zu 12 wurdenbeobachtet), während die Wirkungen auf aPTT, die Hemmung der Faktor Xa-Aktivität und dasendogene Thrombinpotential additiv waren.
Falls ein Test der pharmakodynamischen Wirkungen von Rivaroxaban während der Umstellungszeiterwünscht ist, können die Anti-Faktor Xa-Aktivität, PiCT und Heptest verwendet werden, da diese
Tests durch Warfarin nicht beeinträchtigt werden. Am vierten Tag nach der letzten Warfarindosisweisen alle Tests (einschließlich PT, aPTT, Hemmung der Faktor Xa-Aktivität und ETP) nur die
Wirkung von Rivaroxaban nach.
Falls ein Test der pharmakodynamischen Wirkungen von Warfarin während der Umstellungszeiterwünscht ist, kann die INR-Messung zum Zeitpunkt Ctrough von Rivaroxaban verwendet werden(24 Stunden nach vorheriger Einnahme von Rivaroxaban), da dieser Test zu diesem Zeitpunkt nurgeringfügig durch Rivaroxaban beeinträchtigt wird.
Es wurde keine pharmakokinetische Wechselwirkung zwischen Warfarin und Rivaroxabanbeobachtet.
CYP3A4 Induktoren
Die gleichzeitige Gabe von Rivaroxaban mit dem starken CYP3A4 Induktor Rifampicin führte zueiner Abnahme des mittleren AUC Wertes von Rivaroxaban um ca. 50 % und damit zu einerverminderten pharmakodynamischen Wirkung. Die gleichzeitige Gabe von Rivaroxaban und anderenstarken CYP3A4 Induktoren (z. B. Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital oder Johanniskraut(Hypericum perforatum)) kann ebenfalls die Plasmakonzentration von Rivaroxaban senken. Deshalbsollte die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4 Induktoren vermieden werden, es sei denn, der
Patient wird engmaschig auf Zeichen und Symptome einer Thrombose überwacht.
Andere Begleittherapien
Bei gleichzeitiger Gabe von Rivaroxaban und Midazolam (Substrat von CYP3A4), Digoxin (Substratvon P-gp), Atorvastatin (Substrat von CYP3A4 und P-gp) oder Omeprazol (Protonenpumpenhemmer)wurden keine klinisch signifikanten pharmakokinetischen oder pharmakodynamischen
Wechselwirkungen beobachtet. Rivaroxaban hat weder inhibierende noch induzierende Wirkung aufrelevante CYP Isoenzyme, wie z. B. CYP3A4.
Es wurde keine klinisch relevante Wechselwirkung mit Nahrungsmitteln beobachtet (siehe
Abschnitt 4.2).
Laborparameter
Die Gerinnungsparameter (z. B. PT, aPTT, HepTest) werden erwartungsgemäß durch die
Wirkungsweise von Rivaroxaban beeinflusst (siehe Abschnitt 5.1).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftSicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban bei schwangeren Frauen sind nicht erwiesen.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Aufgrundder möglichen Reproduktionstoxizität, des intrinsischen Blutungsrisikos und der nachgewiesenen
Plazentagängigkeit von Rivaroxaban ist Rivaroxaban während der Schwangerschaft kontraindiziert(siehe Abschnitt 4.3).
Frauen im gebärfähigen Alter sollten vermeiden, während der Behandlung mit Rivaroxabanschwanger zu werden.
StillzeitSicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban bei stillenden Frauen sind nicht erwiesen.
Tierexperimentelle Daten weisen darauf hin, dass Rivaroxaban in die Muttermilch übergeht. Daher ist
Rivaroxaban während der Stillzeit kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3). Es muss eine Entscheidungdarüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung verzichtetwerden soll/die Behandlung zu unterbrechen ist.
FertilitätEs liegen keine speziellen Studien mit Rivaroxaban zur Untersuchung der Auswirkungen auf die
Fertilität am Menschen vor. Eine Studie zur Fertilität männlicher und weiblicher Ratten zeigte keine
Auswirkungen (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenRivaroxaban hat geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen. Nebenwirkungen wie Synkope (gelegentlich auftretend) und Schwindel (häufigauftretend) wurden berichtet (siehe Abschnitt 4.8).
Patienten, bei denen diese Nebenwirkungen auftreten, sollten keine Fahrzeuge führen oder Maschinenbedienen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie Sicherheit von Rivaroxaban wurde in dreizehn pivotalen Phase-III-Studien untersucht(siehe
Tabelle 1.
Insgesamt wurden 69.608 erwachsene Patienten in neunzehn Phase-III-Studien und 488 pädiatrische
Patienten in zwei Phase-II-Studien und zwei Phase-III-Studien mit Rivaroxaban behandelt.
Tabelle 1: Anzahl der untersuchten Patienten, Tagesgesamtdosis und maximale
Behandlungsdauer in Phase-III-Studien mit Erwachsenen und pädiatrischen Patienten
Indikation Anzahl der Tagesgesamtdosis Maximale
Patienten* Behandlungsdauer
Prophylaxe venöser 6.097 10 mg 39 Tage
Thromboembolien (VTE)bei erwachsenen
Patienten, die sich einerelektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationunterzogen haben
Prophylaxe von venösen 3.997 10 mg 39 Tage
Thromboembolien (VTE)bei ambulanten
Behandlung von tiefen 6.790 Tag 1 - 21: 30 mg 21 Monate
Venenthrombosen (TVT), Ab Tag 22: 20 mg
Lungenembolie (LE) Nach mindestenssowie Prophylaxe von 6 Monaten: 10 mg oderderen Rezidiven 20 mg
Behandlung von VTE 329 Körpergewichtsabhängige 12 Monatesowie Prophylaxe von Dosis für eine ähnlichederen Rezidiven bei Exposition wie bei
Reifgeborenen und Erwachsenen, die 20 mg
Kindern unter 18 Jahren Rivaroxaban einmalnach Einleitung einer täglich zur Behandlung
Standardantikoagulation von TVT erhalten
Prophylaxe von 7.750 20 mg 41 Monate
Schlaganfällen undsystemischen Embolienbei Patienten mit nichtvalvulärem
Vorhofflimmern
Prophylaxe 10.225 5 mg bzw. 10 mg 31 Monateatherothrombotischer zusätzlich zu entweder
Ereignisse bei Patienten ASS allein oder ASS plusnach einem akuten Clopidogrel oder
Koronarsyndrom (ACS) Ticlopidin
Prophylaxe 18.244 5 mg zusätzlich zu ASS 47 Monateatherothrombotischer oder 10 mg allein
Ereignisse bei Patientenmit KHK/pAVK3.256** 5 mg zusätzlich zu ASS 42 Monate
* Patienten, die mit mindestens einer Dosis Rivaroxaban behandelt wurden
** Aus der VOYAGER PAD-Studie
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen bei Patienten unter Rivaroxaban waren Blutungen(siehe auch Abschnitt 4.4 und 'Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen“ unten) (Tabelle 2). Beiden Blutungen, die am häufigsten gemeldet wurden, handelte es sich um Epistaxis (4,5 %) und
Blutungen im Gastrointestinaltrakt (3,8 %).
Tabelle 2: Ereignisraten für Blutungen* und Anämie bei Patienten, die in den abgeschlossenen
Phase-III-Studien mit Erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit Rivaroxaban behandeltwurden
Indikation Blutung jeglicher Anämie
Art
Prophylaxe von venösen 6,8 % der Patienten 5,9 % der Patienten
Thromboembolien (VTE) beierwachsenen Patienten, die sicheiner elektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationunterzogen haben
Prophylaxe von venösen 12,6 % der 2,1 % der Patienten
Thromboembolien bei Patientenambulanten Patienten
Behandlung von TVT, LE 23 % der Patienten 1,6 % der Patientensowie Prophylaxe von deren
Rezidiven
Behandlung von VTE sowie 39,5 % der 4,6 % der Patienten
Prophylaxe von deren Patienten
Rezidiven bei Reifgeborenenund Kindern unter 18 Jahrennach Einleitung einer
Standardantikoagulation
Prophylaxe von Schlaganfällen 28 pro 2,5 pround systemischen Embolien bei 100 Patientenjahre 100 Patientenjahre
Patienten mit nicht valvulärem
Vorhofflimmern
Prophylaxe 22 pro 1,4 proatherothrombotischer 100 Patientenjahre 100 Patientenjahre
Ereignisse bei Patienten nacheinem akuten Koronarsyndrom(ACS)
Prophylaxe 6,7 pro 0,15 proatherothrombotischer 100 Patientenjahre 100 Patientenjahre**
Ereignisse bei Patienten mit 8,38 pro 100 0,74 pro 100
KHK/pAVK Patientenjahre # Patientenjahre*** #
* Bei allen Rivaroxaban-Studien wurden sämtliche Blutungsereignissegesammelt, berichtet und adjudiziert.
** In der COMPASS-Studie wurde eine geringe Anämie-Inzidenzbeobachtet, da ein selektiver Ansatz zur Erfassung unerwünschter
Ereignisse angewandt wurde.
*** Es wurde ein selektiver Ansatz zur Erfassung unerwünschter Ereignisseangewandt.
# Aus der VOYAGER PAD-Studie
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenDie Häufigkeiten der von erwachsenen und pädiatrischen Patienten berichteten Nebenwirkungen mit
Rivaroxaban sind in Tabelle 3 nach Systemorganklassen (gemäß MedDRA) und nach Häufigkeitzusammengefasst.
Die Häufigkeiten werden wie folgt eingeteilt:
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)
Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
Sehr selten (< 1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Tabelle 3: Alle Nebenwirkungen, die bei erwachsenen Patienten in den Phase-III-Studien oderbei Anwendung nach der Markteinführung* sowie bei pädiatrischen Patienten inzwei Phase-II-Studien und zwei Phase-III-Studien berichtet wurden
Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Nicht bekannt
Erkrankungen des Blutes und des LymphsystemsAnämie (einschl. Thrombozytoseentsprechender (einschl. erhöhter
Laborparameter) Thrombozytenzahl)A, Thrombozytopenie
Erkrankungen des ImmunsystemsAllergische Anaphylaktische
Reaktion, Reaktionenallergische einschließlich
Dermatitis, anaphylaktischer
Angioödem und Schockallergisches Ödem
Erkrankungen des NervensystemsSchwindel, Zerebrale und
Kopfschmerzen intrakranielle
Blutungen, Synkope
AugenerkrankungenAugeneinblutungen(einschl. Bindehaut-einblutung)
HerzerkrankungenTachykardieGefäßerkrankungenHypotonie,
Hämatome
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und MediastinumsEpistaxis, Eosinophile
Hämoptyse Pneumonie
Erkrankungen des GastrointestinaltraktsZahnfleischbluten, Trockener Mundgastrointestinale
Blutung (einschl.
Rektalblutung),gastrointestinale undabdominale
Schmerzen,
Dyspepsie, Übelkeit,
VerstopfungA,
Durchfall,
ErbrechenA
Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Nicht bekannt
Leber- und GallenerkrankungenTransaminasen- Leberfunktionsstöru Gelbsucht,anstieg ng, Anstieg von Anstieg von
Bilirubin, Anstieg konjugiertemvon alkalischer Bilirubin (mit
Phosphatase im oder ohne
BlutA, Anstieg der gleichzeitigem
GGTA ALT Anstieg),
Cholestase,
Hepatitis(einschließlichhepatozelluläre
Schädigung)
Erkrankungen der Haut und des UnterhautgewebesPruritus (einschl. Urtikaria Stevens-Johnson-gelegentlicher Fälle Syndrom/ toxischvon generalisiertem epidermale
Pruritus), Nekrolyse,
Hautrötung, DRESS-Syndrom
Ekchymose, kutaneund subkutane
BlutungSkelettmuskulatur-, Bindegewebs- und KnochenerkrankungenSchmerzen in den Hämarthros Blutung in Kompartment-
ExtremitätenA einen Muskel syndrom als
Folge von
BlutungenErkrankungen der Nieren und HarnwegeBlutung im Nierenversagen/
Urogenitaltrakt akutes(einschl. Hämaturie Nierenversagenund MenorrhagieB), als Folge einer
Einschränkung der Hypoperfusion,
Nierenfunktion ausgelöst durch(einschl. eine Blutung,
Kreatinin-Anstieg Antikoagulanzieim Blut, n-assoziierte
Harnstoff-Anstieg Nephropathieim Blut)
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am VerabreichungsortFieberA, periphere Sich unwohl fühlen Lokale ÖdemeA
Ödeme, verminderte (inkl.
Leistungsfähigkeit Unpässlichkeit)(einschl. Müdigkeit,
Asthenie)
Untersuchungen
Anstieg von LDHA,
Anstieg von
LipaseA, Anstiegvon AmylaseA
Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Nicht bekannt
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Blutung nach einem Vaskuläres
Eingriff (einschl. Pseudoaneuryspostoperativer maC
Anämie und
Wundblutung),
Bluterguss,
WundsekretionA
A: Beobachtet bei der Prophylaxe von VTE bei erwachsenen Patienten, die sich einer elektiven
Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation unterzogen haben
B: Bei der Behandlung der TVT, LE sowie Prophylaxe von deren Rezidiven sehr häufig bei Frauen< 55 Jahre beobachtet
C: Gelegentlich beobachtet bei der Prophylaxe atherothrombotischer Ereignisse bei Patienten nacheinem ACS (nach perkutaner Koronarintervention)
*
In ausgewählten Phase-III-Studien wurde ein vorab festgelegter selektiver Ansatz zur Erfassungunerwünschter Ereignisse angewandt. Nach Analyse dieser Studien wurden keine Zunahme der
Inzidenz von Nebenwirkungen und keine neue Nebenwirkung festgestellt.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenAufgrund seiner pharmakologischen Wirkungsweise kann die Anwendung von Rivaroxaban miteinem erhöhten Risiko okkulter oder sichtbarer Blutungen aus jedem Gewebe oder Organ verbundensein, die zu einer posthämorrhagischen Anämie führen können. Anzeichen, Symptome und Schwere(einschließlich eines tödlichen Ausgangs) variieren je nach Lokalisation und Grad oder Ausmaß der
Blutung und/oder Anämie (siehe Abschnitt 4.9 'Maßnahmen bei Blutungen“).
In den klinischen Studien wurden Schleimhautblutungen (z. B. Nasenbluten, gingivale,gastrointestinale, urogenitale einschließlich ungewöhnlicher vaginaler oder verstärkter
Menstruationsblutungen) und Anämie während der Langzeitbehandlung unter Rivaroxaban häufigerbeobachtet als unter VKA Behandlung. Deshalb könnte zusätzlich zur angemessenen klinischen
Überwachung eine Laboruntersuchung des Hämoglobins/Hämatokrits zur Erkennung okkulter
Blutungen und zur Bestimmung der klinischen Bedeutung offenkundiger Blutungen von Nutzen sein,wenn dieses für angemessen gehalten wird.
Das Blutungsrisiko kann bei bestimmten Patientengruppen erhöht sein, wie z. B. bei Patienten mitnicht eingestellter, schwerer arterieller Hypertonie und/oder bei Patienten mit gleichzeitiger die
Hämostase beeinflussender Behandlung (siehe Abschnitt 4.4 'Blutungsrisiko“). Die
Menstruationsblutung kann an Intensität und/oder Dauer zunehmen. Blutungskomplikationen könnensich als Schwächegefühl, Blässe, Schwindel, Kopfschmerzen oder unerklärliche Schwellung sowie
Dyspnoe und unerklärlicher Schock zeigen. Als Folgen einer Anämie wurden in einigen Fällen
Symptome einer kardialen Ischämie wie Brustschmerz oder Angina pectoris beobachtet. Bekannte
Komplikationen infolge schwerer Blutungen, wie ein Kompartmentsyndrom und Nierenversagenaufgrund einer Hypoperfusion sowie eine Antikoagulanzien-assoziierte Nephropathie, wurden unter
Rivaroxaban berichtet. Deshalb muss bei der Beurteilung eines jeden Patienten unter Behandlung mit
Antikoagulanzien die Möglichkeit einer Blutung in Betracht gezogen werden.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
In seltenen Fällen wurde über Überdosierungen von bis zu 1.960 mg berichtet. Im Falle einer
Überdosierung sollte der Patient sorgfältig auf Blutungskomplikationen oder andere Nebenwirkungenüberwacht werden (siehe Abschnitt 'Maßnahme bei Blutungen“).. Wegen der eingeschränkten
Resorption wird bei supra-therapeutischen Dosen von 50 mg Rivaroxaban oder mehr ein
Wirkungsmaximum ohne einen weiteren Anstieg der mittleren Plasmaexposition erwartet.
Ein spezifisches, neutralisierendes Arzneimittel (Andexanet alfa) zur Antagonisierung derpharmakodynamischen Wirkung von Rivaroxaban ist verfügbar (siehe Fachinformation von
Andexanet alfa).
Um die Resorption von Rivaroxaban bei Überdosierung zu vermindern, kann der Einsatz von
Aktivkohle in Betracht gezogen werden.
Maßnahmen bei Blutungen
Beim Auftreten einer Blutungskomplikation bei mit Rivaroxaban behandelten Patienten sollte dienächste Einnahme von Rivaroxaban verschoben oder die Therapie, soweit erforderlich, abgebrochenwerden. Rivaroxaban hat eine Halbwertszeit von etwa 5 bis 13 Stunden (siehe Abschnitt 5.2). Die
Maßnahmen sollten individuell an den Schweregrad und den Blutungsort angepasst werden. Eineangemessene symptomatische Behandlung wie etwa eine mechanische Kompression (z. B. beischwerer Epistaxis), chirurgische Hämostase mit Verfahren zur Blutungskontrolle, Flüssigkeitsersatzund Kreislaufunterstützung, Blutprodukte (Erythrozytenkonzentrat oder gefrorenes Frischplasma,abhängig von einhergehender Anämie oder Koagulopathie) oder Thrombozytenkonzentrat könnte bei
Bedarf angewendet werden.
Wenn eine Blutung durch die o.g. Maßnahmen nicht beherrscht werden kann, sollte eines derfolgenden Prozedere erwogen werden: entweder die Gabe eines spezifischen, die Wirkung von Faktor-
Xa-Inhibitoren neutralisierenden Arzneimittels (Andexanet alfa), welches die pharmakodynamische
Wirkung von Rivaroxaban antagonisiert; alternativ die Gabe eines spezifischen Prokoagulans, wiez. B. ein Prothrombin Komplex Konzentrat (PPSB), ein aktiviertes Prothrombin Komplex Konzentrat(aPCC) oder ein rekombinanter Faktor VIIa (r-FVIIa). Zurzeit liegen jedoch nur sehr begrenzteklinische Erfahrungen mit der Anwendung dieser Arzneimittel bei mit Rivaroxaban behandelten
Patienten vor. Die Empfehlung beruht ebenso auf begrenzten präklinischen Daten. Eine erneute Gabevon rekombinantem Faktor VIIa sollte in Abhängigkeit der Besserung der Blutung erwogen undtitriert werden. Zur Behandlung schwerer Blutungen sollte -wenn verfügbar- ein Hämostaseologehinzugezogen werden (siehe Abschnitt 5.1).
Es ist nicht zu erwarten, dass Protaminsulfat und Vitamin K die antikoagulatorische Wirkung von
Rivaroxaban beeinflussen. Es liegen begrenzte Erfahrungen zur Anwendung von Tranexamsäure, aberkeine Erfahrungen mit Aminokapronsäure und Aprotinin bei Patienten vor, die mit Rivaroxabanbehandelt wurden. Es gibt weder wissenschaftliche Gründe für einen Nutzen noch Erfahrungen mitder Gabe des systemischen Hämostatikums Desmopressin bei Patienten, die mit Rivaroxabanbehandelt werden. Wegen seiner hohen Plasmaproteinbindung ist nicht zu erwarten, dass Rivaroxabandialysierbar ist.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antithrombotische Mittel, direkte Faktor-Xa-Inhibitoren, ATC-
Code: B01AF01
WirkmechanismusRivaroxaban ist ein hoch selektiver, direkter Inhibitor von Faktor Xa mit oraler Bioverfügbarkeit.
Inhibition von Faktor Xa unterbricht den intrinsischen und extrinsischen Weg der
Blutgerinnungskaskade, wobei sowohl die Bildung von Thrombin als auch die Entstehung von
Thromben inhibiert wird. Rivaroxaban inhibiert Thrombin (aktivierter Faktor II) nicht und es konntekein Einfluss auf die Thrombozyten gezeigt werden.
Pharmakodynamische WirkungenBeim Menschen wurde eine dosisabhängige Inhibition der Faktor Xa-Aktivität beobachtet. Die
Prothrombinzeit (PT) wird von Rivaroxaban bei Verwendung von Neoplastin als Reagenzdosisabhängig und in enger Korrelation zur Plasmakonzentration (r = 0,98) beeinflusst. Andere
Reagenzien können zu anderen Ergebnissen führen. Die Ablesung der PT muss in Sekunden erfolgen,da der INR Test nur für Kumarine kalibriert und validiert ist, und nicht für andere Antikoagulanzienverwendet werden kann. Bei Patienten, die sich einer größeren orthopädischen Operation unterzogenhaben, lagen die 5/95 Perzentile für PT (Neoplastin) 2 - 4 Stunden nach Tabletteneinnahme (d. h. zur
Zeit der maximalen Wirkung) bei 13 bis 25 s (Ausgangswerte vor der Operation lagen bei 12 bis 15 s).
In einer klinischen pharmakologischen Studie über die Aufhebung der pharmakodynamischen Effektevon Rivaroxaban bei gesunden erwachsenen Probanden (n=22) wurden die Wirkungen zweierverschiedener Arten von PCC, einem 3-Faktoren-PCC (Faktoren II, IX und X) und einem 4-Faktoren-
PCC (Faktoren II, VII, IX und X), jeweils in Einzeldosen (50 IE/kg), ausgewertet. Das 3-Faktoren-
PCC reduzierte die mittlere Neoplastin-PT um etwa 1,0 Sekunde innerhalb von 30 Minuten, währendmit dem 4-Faktoren-PCC eine Reduzierung um etwa 3,5 Sekunden beobachtet wurde. Im Gegensatzzum 4-Faktoren-PCC hatte das 3-Faktoren-PCC einen stärkeren und schnelleren Gesamteffekt, die
Veränderungen in der endogenen Thrombinbildung aufzuheben (siehe Abschnitt 4.9).
Die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) und der HepTest werden ebenfalls dosisabhängigverlängert. Sie werden jedoch nicht zur Bestimmung der pharmakodynamischen Wirkung von
Rivaroxaban empfohlen. Während der Behandlung mit Rivaroxaban ist ein Monitoring der
Gerinnungsparameter in der klinischen Routine nicht erforderlich. Wenn dieses jedoch klinischangezeigt ist, können die Rivaroxaban-Spiegel mit kalibrierten quantitativen Anti-Faktor Xa-Testsbestimmt werden (siehe Abschnitt 5.2).
Klinische Wirksamkeit und SicherheitProphylaxe von VTE bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder
Kniegelenkersatzoperationen
Das klinische Entwicklungsprogramm für Rivaroxaban wurde geplant, um die Wirksamkeit von
Rivaroxaban bei der Prophylaxe von VTE, d. h. proximaler und distaler tiefer Venenthrombosen(TVT) und Lungenembolien (LE) bei Patienten nach größeren orthopädischen Operationen an denunteren Extremitäten, zu zeigen. Es wurden über 9.500 Patienten (7.050 mit totalem Hüftgelenksersatzund 2.531 mit totalem Kniegelenksersatz) in kontrollierten randomisierten doppelblinden Phase III
Studien, dem RECORD Programm, untersucht. 10 mg Rivaroxaban einmal täglich (od) mit
Behandlungsbeginn nicht früher als 6 Stunden nach der Operation wurde mit einmal täglich 40 mg
Enoxaparin mit Behandlungsbeginn 12 Stunden vor der Operation verglichen.
In allen drei Phase III Studien, reduzierte Rivaroxaban die Gesamtrate an VTE signifikant (venographisch nachgewiese oder symptomatische TVT, nicht-tödliche LE, und Tod) und die Rate anschwerer VTE (proximale TVT, nicht-tödliche LE und Tod durch VTE), die vorab festgelegtenprimären und wichtigsten sekundären Wirksamtkeitsendpunkte (siehe Tabelle 4). In allen drei Studienwar auch das Auftreten symptomatischer VTE (symptomatische TVT, nicht-tödliche LE und Toddurch VTE) unter Rivaroxaban niedriger als unter Enoxaparin.
Der Haupt-Sicherheitsendpunkt, die Rate schwerer Blutungen, war unter 10 mg Rivaroxaban und40 mg Enoxaparin vergleichbar.
Tabelle 4: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus dem Phase III Studienprogramm
RECORD 1 RECORD 2 RECORD 3
Studien- 4.541 Patienten mit totalem 2.509 Patienten mit totalem 2.531 Patienten mit totalempopulation Hüftgelenksersatz Hüftgelenksersatz Kniegelenksersatz
Dosis und Dauer Rivaroxaban Enoxaparin p Rivaroxaban Enoxaparin p Rivaroxaban Enoxaparin pder Behandlung 10 mg od 40 mg od 10 mg od 40 mg od 10 mg od 40 mg odnach Operation 35 ± 4 Tage 35 ± 4 Tage 35 ± 4 Tage 12 ± 2 Tage 12 ± 2 Tage 12 ± 2 Tage
VTE (Gesamt) 18 (1.1 %) 58 (3.7 %) < 0.001 17 (2.0 %) 81 (9.3 %) < 0.001 79 (9.6 %) 166 < 0.001(18.9 %)
Schwere VTE 4 (0.2 %) 33 (2.0 %) < 0.001 6 (0.6 %) 49 (5.1 %) < 0.001 9 (1.0 %) 24 (2.6 %) 0 . 01
Symptomatische 6 (0.4 %) 11 (0.7 %) 3 (0.4 %) 15 (1.7 %) 8 (1.0 %) 24 (2.7 %)
VTE
Schwere 6 (0.3 %) 2 (0.1 %) 1 (0.1 %) 1 (0.1 %) 7 (0.6 %) 6 (0.5 %)
BlutungenDie Auswertung der gepoolten Ergebnisse aus den Phase III Studien bestätigte die Daten aus deneinzelnen Studien bezüglich der Reduktion von Gesamt-VTE, schweren VTE und symptomatischen
VTE unter 10 mg Rivaroxaban einmal täglich im Vergleich zu 40 mg Enoxaparin einmal täglich.
Zusätzlich zum Phase-III-RECORD-Studienprogramm wurde eine nicht-interventionelle, offene, post-authorisation Kohortenstudie (XAMOS) mit 17.413 Patienten, die sich einem größeren orthopädischen
Eingriff an der Hüfte oder dem Knie unterzogen, durchgeführt, um Rivaroxaban mit anderen
Medikamenten zur Thromboseprophylaxe (Standardtherapie) unter Alltagsbedingungen zuvergleichen. Symptomatische VTE traten bei 57 (0,6%) Patienten in der Rivaroxabangruppe (n=8.778)und bei 88 (1,0 %) Patienten in der Standardtherapiegruppe auf (n = 8.635; HR 0,63; 95 % KI 0,43-0,91; Sicherheitspopulation). Schwere Blutungen traten bei 35 (0,4 %) und 29 (0,3 %) Patienten in der
Rivaroxabangruppe bzw. der Standardtherapiegruppe auf (HR 1,10; 95 % KI 0,67-1,80). Demnachstimmten die Ergebnisse mit den Ergebnissen der pivotalen randomisierten Studien überein.
Behandlung von TVT, LE und Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE
Das klinische Entwicklungsprogramm für Rivaroxaban wurde geplant, um die Wirksamkeit von
Rivaroxaban bei der Erst- und Weiterbehandlung von akuten TVT und LE sowie der Prophylaxe vonderen Rezidiven zu zeigen.
Es wurden über 12.800 Patienten in vier randomisierten kontrollierten klinischen Phase-III-Studien(Einstein-DVT, Einstein-PE, Einstein-Extension und Einstein-Choice) untersucht sowie zusätzlicheine prädefinierte gepoolte Analyse der Einstein-DVT und Einstein-PE-Studien durchgeführt. Diegesamte kombinierte Behandlungsdauer aller Studien betrug bis zu 21 Monate.
Im Rahmen von Einstein-DVT wurden 3.449 Patienten mit akuter TVT während der Behandlung der
TVT sowie Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE untersucht (Patienten mit symptomatischen
LE wurden aus dieser Studie ausgeschlossen). Die Behandlungsdauer betrug, abhängig vom klinischen
Ermessen des Prüfarztes, 3, 6 oder 12 Monate.
Im Rahmen der 3-wöchigen Initialbehandlung der akuten TVT wurden 15 mg Rivaroxaban zweimaltäglich verabreicht. Darauf folgte eine Behandlung mit 20 mg Rivaroxaban einmal täglich.
Im Rahmen der Einstein-PE wurden 4.832 Patienten mit akuter LE während der Behandlung der LEsowie Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE untersucht. Die Behandlungsdauer betrug,abhängig vom klinischen Ermessen des Prüfarztes, 3, 6 oder 12 Monate.
Im Rahmen der 3-wöchigen Initialbehandlung der akuten LE wurden 15 mg Rivaroxaban zweimaltäglich verabreicht. Darauf folgte eine Behandlung mit 20 mg Rivaroxaban einmal täglich.
Bei beiden Studien (Einstein-DVT und Einstein-PE) bestand das Dosierungsschema dervergleichenden Behandlung aus der Verabreichung von Enoxaparin über mindestens 5 Tage in
Kombination mit der Gabe eines Vitamin-K-Antagonisten, bis PT/INR innerhalb des therapeutischen
Bereichs lagen (≥ 2,0). Die Behandlung wurde mit einem Vitamin-K-Antagonisten dosisangepasstfortgesetzt, um die PT/INR-Werte im therapeutischen Bereich von 2,0 bis 3,0 zu halten.
Im Rahmen von Einstein-Extension wurden 1.197 Patienten mit TVT oder LE hinsichtlich der
Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE untersucht. Die Behandlungsdauer betrug, abhängigvom klinischen Ermessen des Prüfarztes, zusätzlich 6 oder 12 Monate bei Patienten, die zuvor 6 oder12 Monate wegen venöser Thromboembolie behandelt worden waren. Rivaroxaban 20 mg einmaltäglich wurde mit Placebo verglichen.
Einstein-DVT, -PE und -Extension verwendeten die gleichen vorher definierten primären undsekundären Wirksamkeitsendpunkte. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt waren die symptomatischen,rezidivierenden VTE, definiert als rezidivierende TVT, letale oder nicht-letale LE. Der sekundäre
Wirksamkeitsendpunkt war definiert als rezidivierende TVT, nicht-letale LE und Gesamtmortalität.
Im Rahmen von Einstein-Choice wurden 3.396 Patienten mit bestätigter symptomatischer TVTund/oder LE, die zuvor 6 - 12 Monate lang eine antikoagulatorische Behandlung erhalten hatten,hinsichtlich der Prophylaxe letaler LE oder nicht-letaler symptomatischer rezidivierender TVT oder
LE untersucht. Patienten, bei denen die Fortsetzung der antikoagulatorischen Behandlung in dertherapeutischen Dosis angezeigt war, waren aus der Studie ausgeschlossen. Die Behandlungsdauerbetrug je nach individuellem Randomisierungsdatum bis zu 12 Monate (Median: 351 Tage).
Rivaroxaban 20 mg einmal täglich und Rivaroxaban 10 mg einmal täglich wurden mit 100 mg
Acetylsalicylsäure einmal täglich verglichen.
Der primäre Wirksamkeitsendpunkt waren die symptomatischen, rezidivierenden VTE, definiert alsrezidivierende TVT, letale oder nicht-letale LE.
Die Einstein-DVT-Studie (siehe Tabelle 5), zeigte, dass Rivaroxaban hinsichtlich des primären
Wirksamkeitsendpunktes Enoxaparin/VKA nicht unterlegen war (p < 0,0001 (Test auf
Nicht-Unterlegenheit); Hazard Ratio: 0,680 (0,443 - 1,042), p = 0,076 (Test auf Überlegenheit)).
Der prädefinierte therapeutische Gesamtnutzen (primärer Wirksamkeitsendpunkt plus schwere
Blutungen) wurde mit einer Hazard Ratio von 0,67 ((95 %-KI: 0,47 - 0,95), nominaler p-Wertp = 0,027) zum Vorteil von Rivaroxaban gezeigt.
Die INR-Werte waren durchschnittlich 60,3 % der Zeit der mittleren Behandlungsdauer von189 Tagen im therapeutischen Bereich bzw. 55,4 %, 60,1 % und 62,8 % in den Gruppen mit 3-, 6- und12-monatiger Behandlungszeit. In der Enoxaparin/VKA-Gruppe gab es in den gleich großen Tertilenkeinen klaren Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Zeit im therapeutischen Bereich (TTR)der Prüfzentren (Zeit im INR-Zielbereich von 2,0 - 3,0) und der Inzidenz von rezidivierenden VTE(p = 0,932 für die Interaktion). Im höchsten Tertil des jeweiligen Zentrums war die Hazard Ratio unter
Rivaroxaban gegenüber Warfarin 0,69 (95 %-KI: 0,35 - 1,35).
Die Inzidenzraten des primären Sicherheitsendpunktes (schwere oder nicht schwere klinisch relevante
Blutungen) als auch die des sekundären Sicherheitsendpunktes (schwere Blutungen) waren in beiden
Behandlungsgruppen ähnlich.
Tabelle 5: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus Phase-III Einstein-DVT
Studienpopulation 3.449 Patienten mit symptomatischer akuter tiefer
Venenthrombose
Dosis und Dauer der Rivaroxabana) Enoxaparin/VKAb)
Behandlung 3, 6 oder 12 Monate 3, 6 oder 12 Monate
N = 1.731 N = 1.718
Symptomatische 36 51rezidivierende VTE* (2,1 %) (3,0 %)
Symptomatische 20 18rezidivierende LE (1,2 %) (1,0 %)
Symptomatische 14 28rezidivierende TVT (0,8 %) (1,6 %)
Symptomatische LE und 1 0
TVT (0,1 %)
Letale LE/Todesfälle, bei 4 6denen LE nicht (0,2 %) (0,3 %)ausgeschlossen werdenkonnte
Schwere oder nicht schwere 139 138klinisch relevante Blutungen (8,1 %) (8,1 %)
Schwere Blutungen 14 20(0,8 %) (1,2 %)a) Rivaroxaban 15 mg zweimal täglich über 3 Wochen, gefolgt von 20 mg einmal täglichb) Enoxaparin über mindestens 5 Tage, überlappend und gefolgt von einem VKA
* p < 0,0001 (Nicht-Unterlegenheit für eine prädefinierte Hazard Ratio von 2,0); Hazard
Ratio: 0,680 (0,443 - 1,042), p = 0,076 (Überlegenheit)
Die Einstein-PE-Studie (siehe Tabelle 6), zeigte, dass Rivaroxaban hinsichtlich des primären
Wirksamkeitsendpunktes gegenüber Enoxaparin/VKA nicht unterlegen war (p = 0,0026 (Test auf
Nicht-Unterlegenheit); Hazard Ratio: 1,123 (0,749 - 1,684)).
Der prädefinierte therapeutische Gesamtnutzen (primärer Wirksamkeitsendpunkt plus schwere
Blutungen) wurde mit einer Hazard Ratio von 0,849 ((95 %-KI: 0,633 - 1,139), nominaler p-Wertp = 0,275) gezeigt. Die INR-Werte waren im Durchschnitt 63 % der Zeit der mittleren
Behandlungsdauer von 215 Tagen im therapeutischen Bereich bzw. 57 %, 62 % und 65 % der Zeit inden Gruppen mit 3-, 6- und 12-monatiger Behandlung. In der Enoxaparin/VKA-Gruppe gab es in dengleich großen Tertilen keinen klaren Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Zeit imtherapeutischen Bereich (TTR) der Prüfzentren (Zeit im INR-Zielbereich von 2,0 - 3,0) und der
Inzidenz von rezidivierenden VTE (p = 0,082 für die Interaktion). Im höchsten Tertil des jeweiligen
Zentrums war die Hazard Ratio unter Rivaroxaban gegenüber Warfarin 0,642 (95 %-KI:
0,277 - 1,484).
Die Inzidenzraten des primären Sicherheitsendpunktes (schwere oder nicht schwere klinisch relevante
Blutungen) waren in der Rivaroxaban-Gruppe geringfügig niedriger (10,3 % (249/2412)) als in der
Enoxaparin/VKA-Behandlungsgruppe (11,4 % (274/2405)). Die Inzidenz des sekundären
Sicherheitsendpunktes (schwere Blutungen) war in der Rivaroxaban Gruppe (1,1 % (26/2412))niedriger als in der Enoxaparin/VKA-Gruppe (2,2 % (52/2405)) mit einer Hazard Ratio von 0,493(95 %-KI: 0,308 - 0,789).
Tabelle 6: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus Phase-III Einstein-PE
Studienpopulation 4.832 Patienten mit akuter, symptomatischer LE
Dosis und Dauer der Rivaroxabana) Enoxaparin/VKAb)
Behandlung 3, 6 oder 12 Monate 3, 6 oder 12 Monate
N = 2.419 N = 2.413
Symptomatische 50 44rezidivierende VTE* (2,1 %) (1,8 %)
Symptomatische 23 20rezidivierende LE (1,0 %) (0,8 %)
Symptomatische 18 17rezidivierende TVT (0,7 %) (0,7 %)
Symptomatische LE und 0 2
TVT (< 0,1 %)
Letale LE/Todesfälle, bei 11 7denen LE nicht (0,5 %) (0,3 %)ausgeschlossen werdenkonnte
Schwere oder nicht schwere 249 274klinisch relevante Blutungen (10,3 %) (11,4 %)
Schwere Blutungen 26 52(1,1 %) (2,2 %)a) Rivaroxaban 15 mg zweimal täglich über 3 Wochen, gefolgt von 20 mg einmal täglichb) Enoxaparin über mindestens 5 Tage, überlappend und gefolgt von einem VKA
* p < 0,0026 (Nicht-Unterlegenheit für eine prädefinierte Hazard Ratio von 2,0); Hazard
Ratio: 1,123 (0,749 - 1,684)
Eine prädefinierte gepoolte Analyse der Ergebnisse aus den Einstein-DVT und -PE Studien wurdedurchgeführt (siehe Tabelle 7).
Tabelle 7: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus der gepoolten Analyse aus Phase-III
Einstein-DVT und Einstein-PE
Studienpopulation 8.281 Patienten mit akuter, symptomatischer TVT oder LE
Dosis und Dauer der Rivaroxabana) Enoxaparin/VKAb)
Behandlung 3, 6 oder 12 Monate 3, 6 oder 12 Monate
N = 4.150 N = 4.131
Symptomatische 86 95rezidivierende VTE* (2,1 %) (2,3 %)
Symptomatische 43 38rezidivierende LE (1,0 %) (0,9 %)
Symptomatische 32 45rezidivierende TVT (0,8 %) (1,1 %)
Symptomatische LE und 1 2
TVT (< 0,1 %) (< 0,1 %)
Letale LE/Todesfälle, bei 15 13denen LE nicht (0,4 %) (0,3 %)ausgeschlossen werdenkonnte
Schwere oder nicht schwere 388 412klinisch relevante Blutungen (9,4 %) (10,0 %)
Schwere Blutungen 40 72(1,0 %) (1,7 %)a) Rivaroxaban 15 mg zweimal täglich über 3 Wochen, gefolgt von 20 mg einmal täglichb) Enoxaparin über mindestens 5 Tage, überlappend und gefolgt von einem VKA
* p < 0,0001 (Nicht-Unterlegenheit für eine prädefinierte Hazard Ratio von 1,75); Hazard
Ratio: 0,886 (0,661 - 1,186)
Der prädefinierte therapeutische Gesamtnutzen (primärer Wirksamkeitsendpunkt plus schwere
Blutungen) der gepoolten Analyse wurde mit einer Hazard Ratio von 0,771 ((95 %-KI: 0,614 - 0,967),nominaler p-Wert p = 0,0244) gezeigt.
In der Einstein-Extension-Studie (siehe Tabelle 8) war Rivaroxaban hinsichtlich der primären undsekundären Wirksamkeitsendpunkte dem Placebo überlegen. Beim primären Sicherheitsendpunkt(schwere Blutungen) gab es im Vergleich zu Placebo eine nicht signifikant, numerisch höhere
Inzidenzrate bei Patienten, die mit 20 mg Rivaroxaban einmal täglich behandelt wurden. Dersekundäre Sicherheitsendpunkt (schwere und nicht schwere klinisch relevante Blutungen) zeigte im
Vergleich zu Placebo höhere Raten bei Patienten, die mit 20 mg Rivaroxaban einmal täglich behandeltwurden.
Tabelle 8: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus Phase-III Einstein-Extension
Studienpopulation 1.197 Patienten mit verlängerter Behandlung und
Prophylaxe von rezidivierenden venösen
Thromboembolien
Dosis und Dauer der Rivaroxabana) Placebo
Behandlung 6 oder 12 Monate 6 oder 12 Monate
N = 602 N = 594
Symptomatische rezidivierende 8 42
VTE* (1,3 %) (7,1 %)
Symptomatische 2 13rezidivierende LE (0,3 %) (2,2 %)
Symptomatische 5 31rezidivierende TVT (0,8 %) (5,2 %)
Letale LE/Todesfälle, bei 1 1denen LE nicht (0,2 %) (0,2 %)ausgeschlossen werdenkonnte
Schwere Blutungen 4 0(0,7 %) (0,0 %)
Nicht schwere klinisch 32 7relevante Blutungen (5,4 %) (1,2 %)a) Rivaroxaban 20 mg einmal täglich
* p < 0,0001 (Überlegenheit), Hazard Ratio: 0,185 (0,087 - 0,393)
In der Einstein-Choice-Studie (siehe Tabelle 9) waren sowohl Rivaroxaban 20 mg als auch
Rivaroxaban 10 mg hinsichtlich des primären Wirksamkeitsendpunkts 100 mg Acetylsalicylsäureüberlegen. Beim primären Sicherheitsendpunkt (schwere Blutungen) ergaben sich für Patienten, diemit Rivaroxaban 20 mg oder 10 mg einmal täglich behandelt wurden, und Patienten, die 100 mg
Acetylsalicylsäure erhielten, ähnliche Werte.
Tabelle 9: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit aus Phase-III Einstein-Choice3.396 Patienten mit verlängerter Prophylaxe rezidivierender
Studienpopulationvenöser Thromboembolien
Rivaroxaban
Rivaroxaban 20 mg ASS 100 mg einmal10 mg einmal
Behandlungsdosis einmal täglich täglichtäglich
N = 1.107 N = 1.131
N = 1.127mediane Behandlungsdauer 353 [190 - 362] 350 [186 - 362]349 [189 - 362] Tage(Interquartil-Bereich) Tage Tage
Symptomatische 17 13 50rezidivierende VTE (1,5 %)* (1,2 %)** (4,4 %)
Symptomatische 6 6 19rezidivierende LE (0,5 %) (0,5 %) (1,7 %)
Symptomatische 9 8 30rezidivierende TVT (0,8 %) (0,7 %) (2,7 %)
Letale LE/Todesfälle, beidenen LE nicht 2 0 2ausgeschlossen werden (0,2 %) (0,0 %) (0,2 %)konnte
Symptomatische(r)rezidivierende(r) VTE,19 18 56
Herzinfarkt, Schlaganfall(1,7 %) (1,6 %) (5,0 %)oder systemische Embolie(nicht ZNS)6 5 3
Schwere Blutungen(0,5 %) (0,4 %) (0,3 %)
Nicht schwere klinisch 30 22 20relevante Blutungen (2,7 %) (2,0 %) (1,8 %)
Symptomatischerezidivierende VTE oder23 17 53schwere Blutung(2,1 %)+ (1,5 %)++ (4,7 %)(therapeutischer
Gesamtnutzen)
* p < 0,001 (Überlegenheit) Rivaroxaban 20 mg einmal täglich vs. ASS 100 mg einmal täglich;
HR = 0,34 (0,20 - 0,59)
** p < 0,001 (Überlegenheit) Rivaroxaban 10 mg einmal täglich vs. ASS 100 mg einmal täglich;
HR = 0,26 (0,14 - 0,47)+ Rivaroxaban 20 mg einmal täglich vs. ASS 100 mg einmal täglich; HR = 0,44 (0,27 - 0,71),p = 0,0009 (nominell)++ Rivaroxaban 10 mg einmal täglich vs. ASS 100 mg einmal täglich; HR = 0,32 (0,18 - 0,55),p < 0,0001 (nominell)
Zusätzlich zum Phase-III-EINSTEIN-Programm wurde eine prospektive, nicht-interventionelle, offene
Kohortenstudie (XALIA) mit zentraler Ergebnis-Adjudizierung durchgeführt, die rezidivierende VTE,schwere Blutungen und Tod einschloss. 5.142 Patienten mit akuter TVT wurden eingeschlossen, umdie Langzeitsicherheit von Rivaroxaban im Vergleich zur Standard-Antikoagulationstherapie in derklinischen Praxis zu untersuchen. Für Rivaroxaban betrugen die Häufigkeiten von schweren
Blutungen 0,7 %, rezidivierenden VTE 1,4 % und Gesamtmortalität 0,5 %. Es gab Unterschiede inden Ausgangscharakteristika der Patienten, wie Alter, Krebs und Nierenfunktionseinschränkung. Einevorab spezifizierte, stratifizierte Propensity-Score-Analyse wurde durchgeführt, um dieunterschiedlichen Ausgangscharakteristika zu adjustieren, dennoch können trotzdem verbleibende
Störfaktoren die Ergebnisse beeinflussen. Die adjustierten Hazard Ratios im Vergleich von
Rivaroxaban und Standardtherapie waren für schwere Blutungen 0,77 (95 %-KI 0,40 - 1,50),rezidivierende VTE 0,91 (95 %-KI 0,54 - 1,54) und Gesamtmortalität 0,51 (95 %-KI 0,24 - 1,07).
Diese Ergebnisse aus der klinischen Praxis stimmen mit dem bekannten Sicherheitsprofil in dieser
Indikation überein.
In einer nicht-interventionellen Studie nach der Zulassung, die mehr als 40.000 Patienten ohne
Krebsvorgeschichte aus vier Ländern einschloss, wurde Rivaroxaban zur Behandlung von TVT und
LE oder Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE verschrieben. Die Ereignisraten pro100 Patientenjahre für symptomatische/klinisch manifeste VTE/thromboembolische Ereignisse, die zueiner Hospitalisierung führten, reichten von 0,64 (95 % KI 0,40 - 0,97) im Vereinigten Königreich bis2,30 (95 % KI 2,11 - 2,51) in Deutschland. Blutungen, die zu einem Krankenhausaufenthalt führten,traten mit Ereignisraten pro 100 Patientenjahre von 0,31 (95 % KI 0,23 - 0,42) für intrakranielle
Blutungen, 0,89 (95 % KI 0,67 - 1,17) für gastrointestinale Blutungen, 0,44 (95 % KI 0,26 - 0,74) fürurogenitale Blutungen und 0,41 (95 % KI 0,31 - 0,54) für andere Blutungen auf.
Dreifach positive Patienten mit einem Antiphospholipid-Syndrom und hohem Risiko
In einer kontrollierten randomisierten, offenen multizentrischen Studie mit einer verblindeten
Beurteilung der Endpunkte wurde Rivaroxaban bei Patienten mit einer Thrombose in der
Krankheitsgeschichte, einem diagnostizierten Antiphospholipid-Syndrom und einem hohen Risikobezüglich thromboembolischer Ereignisse (positiv im Hinblick auf alle 3 Antiphospholipid-Tests:
Lupus-Antikoagulans, Anticardiolipin-Antikörper und Anti-Beta-2-Glykoprotein I-Antikörper) mit
Warfarin verglichen. Die Studie wurde nach der Aufnahme von 120 Patienten aufgrund einer Häufungvon Ereignissen bei Patienten im Rivaroxaban-Arm vorzeitig beendet. Die mittlere Nachbeobachtungbetrug 569 Tage. 59 Patienten wurden zufällig einer Gruppe mit Rivaroxaban 20 mg (15 mg für
Patienten mit einer Kreatinin-Clearance (CrCl) <50 ml/min) und 61 einer Gruppe mit Warfarin(INR 2,0 - 3,0) zugeteilt. Thromboembolische Ereignisse traten bei 12 % der dem Rivaroxaban-Armzugeteilten Patienten auf (4 ischämische Schlaganfälle und 3 Myokardinfarkte). Bei den dem
Warfarin-Arm zugeteilten Patienten wurden keine Ereignisse berichtet. Schwere Blutungen traten bei4 Patienten (7 %) in der Rivaroxaban-Gruppe und bei 2 Patienten (3 %) in der Warfarin-Gruppe auf.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für das Rivaroxaban-haltige Referenzarzneimittel eine
Freistellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen
Altersklassen zur Prophylaxe thromboembolischer Ereignisse gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl.
Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionRivaroxaban wird schnell resorbiert. Die maximale Konzentration (Cmax) wird 2 - 4 Stunden nach der
Tabletteneinnahmeerreicht.
Rivaroxaban wird nahezu vollständig oral resorbiert und die orale Bioverfügbarkeit der 2,5 mg und10 mg Tablettenwirkstärke ist, unabhängig davon, ob im Nüchternzustand oder nach einer Mahlzeiteingenommen, hoch (80 - 100 %). Die Einnahme von Nahrung beeinflusst die AUC oder Cmax von
Rivaroxaban bei der 2,5-mg- und 10-mg-Dosis nicht. Die 2,5 mg und 10 mg Rivaroxaban Tablettenkönnen unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Pharmakokinetik von
Rivaroxaban ist bis 15 mg einmal täglich annähernd linear. Bei höheren Dosen zeigt Rivaroxaban einedurch die Löslichkeit begrenzte Resorption mit verminderter Bioverfügbarkeit und verminderter
Resorptionsrate bei Ansteigen der Dosis. Dies ist im nüchternen Zustand ausgeprägter als nach einer
Mahlzeit.
Die inter-individuelle Variabilität (VK %) der Pharmakokinetik von Rivaroxaban ist mit 30 % bis40 % als mäßig anzusehen, abgesehen vom Tag der Operation und dem darauf folgenden Tag, andenen die Variabilität der Exposition hoch (70 %) ist.
Die Resorption von Rivaroxaban hängt von der Lokalisation seiner Freisetzung im
Gastrointestinaltrakt ab. Gegenüber der Tablettenform wurde über eine Verminderung der AUC um29 % und der Cmax um 56 % berichtet, wenn Rivaroxaban-Granulat im proximalen Dünndarmfreigesetzt wird. Die Exposition vermindert sich weiter, wenn Rivaroxaban im distalen Dünndarmoder Colon ascendens freigesetzt wird. Daher sollte eine Anwendung von Rivaroxaban distal des
Magens vermieden werden, da dies zu einer verminderten Resorption und dementsprechendgeringeren Rivaroxabanexposition führen kann.
Die Bioverfügbarkeit (AUC und Cmax) fiel im Fall der Anwendung von 20 mg Rivaroxaban oral alszerstoßene und mit Apfelmus vermischte Tablette bzw. nach Auflösen in Wasser und Gabe über eine
Magensonde mit nachfolgender Flüssignahrung ähnlich aus wie nach Einnahme einer ganzen Tablette.
Angesichts des vorhersagbaren, dosisproportionalen pharmakokinetischen Profils von Rivaroxabandürften die in dieser Studie gewonnenen Ergebnisse zur Bioverfügbarkeit wahrscheinlich auch fürniedrigere Dosen von Rivaroxaban gelten.
VerteilungDie Plasmaproteinbindung beim Menschen, überwiegend an Albumin ist mit etwa 92 % bis 95 %hoch. Das Verteilungsvolumen im Steady State (Vss) ist mit etwa 50 Litern moderat.
Biotransformation und EliminationVon der eingenommenen Rivaroxaban Dosis werden ungefähr 2/3 metabolisiert, wovon dann eine
Hälfte über die Niere ausgeschieden wird und die andere Hälfte über die Fäzes. Das übrige 1/3 dereingenommenen Dosis wird unverändert direkt über die Niere, hauptsächlich durch aktive renale
Sekretion, mit dem Urin ausgeschieden.
Der Metabolismus von Rivaroxaban erfolgt über CYP3A4, CYP2J2 und CYP unabhängige
Mechanismen. Der oxidative Abbau des Morpholino Ringes und die Hydrolyse der Amidbindungensind die Hauptwege der Biotransformation. In vitro Untersuchungen zufolge ist Rivaroxaban Substratdes Transporterproteins P-gp (P-Glykoprotein) und Bcrp (breast cancer resistance protein).
Im menschlichen Plasma findet sich Rivaroxaban überwiegend in unveränderter Form, Haupt- oderaktive Metaboliten sind nicht vorhanden. Mit einer systemischen Clearance von etwa 10 l/h kann
Rivaroxaban als Substanz mit einer niedrigen Clearance eingestuft werden. Nach intravenöser Gabeeiner Dosis von 1 mg beträgt die Eliminationshalbwertszeit etwa 4,5 Stunden. Nach oraler Gabe wirddie Elimination durch die Resorptionsrate begrenzt. Die Elimination von Rivaroxaban aus dem Plasmageschieht mit einer terminalen Halbwertszeit von 5 bis 9 Stunden bei jüngeren Individuen und miteiner terminalen Halbwertszeit von 11 bis 13 Stunden bei älteren Individuen.
Besondere PatientengruppenGeschlechtEs gab keine klinisch relevanten Unterschiede hinsichtlich der Pharmakokinetik und
Pharmakodynamik bei männlichen und weiblichen Patienten.
Ältere PatientenÄltere Patienten zeigten im Vergleich zu jüngeren Patienten höhere Plasmakonzentrationen mit einerdurchschnittlichen 1,5fachen AUC Erhöhung. Dies ist vor allem auf eine erniedrigte (apparente)
Gesamt- und renale Clearance zurückzuführen. Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Unterschiedliche Gewichtskategorien
Extreme Körpergewichte (< 50 kg oder > 120 kg) hatten nur einen geringen Einfluss auf die
Plasmakonzentration von Rivaroxaban (weniger als 25 %). Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Unterschiede in der ethnischen Zugehörigkeit
Hinsichtlich der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Rivaroxaban wurden keine klinischrelevanten Unterschiede zwischen kaukasischen, afro-amerikanischen, lateinamerikanischen,japanischen oder chinesischen Patienten festgestellt.
LeberfunktionsstörungZirrhotische Patienten mit einer leichten Leberfunktionsstörung (klassifiziert als Child Pugh A)zeigten nur geringfügige Veränderungen in der Pharmakokinetik von Rivaroxaban (durchschnittlich1,2-Fache Erhöhung der AUC von Rivaroxaban), annähernd vergleichbar mit der entsprechendengesunden Kontrollgruppe. Bei zirrhotischen Patienten mit einer mittelschweren Leberfunktionsstörung(klassifiziert als Child Pugh B) war die mittlere AUC von Rivaroxaban im Vergleich zu gesunden
Probanden um das 2,3-Fache deutlich erhöht. Die AUC von freiem Rivaroxaban war um das 2,6-
Fache erhöht. Die renale Elimination bei diesen Patienten war, ähnlich wie bei Patienten mit einermittelschweren Nierenfunktionsstörung, vermindert. Es liegen keine Daten von Patienten mit einerschweren Leberfunktionsstörung vor.
Die Inhibition der Faktor Xa-Aktivität bei Patienten mit einer mittelschweren Leberfunktionsstörungwar im Vergleich zu gesunden Probanden um den Faktor 2,6 erhöht. Die Verlängerung der PT nahmin ähnlicher Weise um den Faktor 2,1 zu. Patienten mit einer mittelschweren Leberfunktionsstörungreagierten empfindlicher auf die Gabe von Rivaroxaban, was in einem steileren Anstieg im PK/PD
Verhältnis zwischen Plasmakonzentration und PT resultiert.
Rivaroxaban ist kontraindiziert bei Patienten mit Lebererkrankungen, die mit einer Koagulopathie undeinem klinisch relevanten Blutungsrisiko, einschließlich zirrhotischer Patienten mit Child Pugh B und
C, verbunden sind (siehe Abschnitt 4.3).
NierenfunktionsstörungDie Rivaroxaban Exposition steigt in Korrelation zum Ausmaß der Nierenfunktionsstörung, gemessenmittels Kreatinin-Clearance, an. Bei Personen mit leichter (Kreatinin-Clearance 50 - 80 ml/min),mittelschwerer (Kreatinin-Clearance 30 - 49 ml/min) und schwerer Nierenfunktionsstörung(Kreatinin-Clearance 15 - 29 ml/min) waren die Rivaroxaban Plasmaspiegel (AUC) jeweils um den
Faktor 1,4, 1,5 und 1,6 erhöht. Die jeweiligen Anstiege der pharmakodynamischen Effekte warendeutlicher ausgeprägt. Bei Patienten mit einer leichten, mittelschweren oder schweren
Nierenfunktionsstörung war die Inhibition der Faktor Xa-Aktivität im Vergleich zu gesunden
Probanden jeweils um den Faktor 1,5, 1,9 und 2,0 erhöht. Die Verlängerung der PT war ähnlicherhöht, nämlich um den Faktor 1,3, 2,2 und 2,4. Es liegen keine Daten von Patienten mit einer
Kreatinin-Clearance < 15 ml/min vor.
Wegen seiner hohen Plasmaproteinbindung ist anzunehmen, dass Rivaroxaban nicht dialysierbar ist.
Die Anwendung von Rivaroxaban bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 15 ml/min wird nichtempfohlen. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von 15 - 29 ml/min ist Rivaroxaban mit
Vorsicht anzuwenden (siehe Abschnitt 4.4).
Pharmakokinetische Daten bei Patienten
Bei Patienten, die Rivaroxaban zur VTE-Prophylaxe als eine 10 mg einmal tägliche Gabe erhielten,lag der geometrische Mittelwert der Konzentration (90 % Prädiktionsintervall) 2 - 4 h und etwa 24 hnach der Gabe (annähernd repräsentierend die Maximal- bzw. Minimal-Konzentrationen während des
Dosierungsintervalls) bei 101 (7 - 273) bzw. 14 (4 - 51) mcg/l.
Pharmakokinetisch/pharmakodynamisches Verhältnis
Das Verhältnis von Pharmakokinetik und Pharmakodynamik (PK/PD) zwischen Rivaroxaban
Plasmakonzentration und verschiedenen PD Endpunkten (Faktor Xa-Inhibition, PT, aPTT, Heptest)wurde über einen weiten Dosisbereich (5 - 30 mg zweimal täglich) bestimmt. Das Verhältnis von
Rivaroxaban Konzentration und Faktor Xa-Aktivität wurde am besten durch ein Emax Modellbeschrieben. PT Daten werden im Allgemeinen besser mit einem linearen Modell mit positivem
Achsenabschnitt beschrieben. In Abhängigkeit von den verschiedenen verwendeten PT Reagenzienunterschied sich die Steilheit des Anstiegs deutlich. Bei Verwendung von Neoplastin PT betrug der PT
Ausgangswert ca. 13 s, und der Anstieg lag ungefähr bei 3 bis 4 s/(100 mcg/l). Die Ergebnisse der
PK/PD Analyse in Phase II und III stimmten mit den bei gesunden Personen festgestellten Datenüberein. Bei Patienten wurden die Faktor Xa und PT Ausgangswerte durch die Operation beeinflusst,was zu einem Unterschied des Konzentrations-PT Anstiegs zwischen dem Tag nach der Operation undim Steady State führte.
Kinder und JugendlicheSicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren im Anwendungsgebiet
Primärprophylaxe von VTE sind nicht erwiesen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Einzeldosis-Toxizität,
Phototoxizität, Genotoxizität, kanzerogenen Potential und juveniler Toxizität lassen die präklinischen
Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Die in Toxizitätsstudien mit wiederholter Gabe beobachteten Auswirkungen waren hauptsächlich aufeine gesteigerte pharmakodynamische Aktivität von Rivaroxaban zurückzuführen. Bei Ratten wurdenbei klinisch relevanten Expositionsraten erhöhte IgG und IgA Plasmakonzentrationen gesehen.
Bei Ratten konnten keine Auswirkungen auf die männliche oder weibliche Fertilität beobachtetwerden. Tierexperimentelle Studien zeigten Reproduktionstoxizität (z.B. Blutungskomplikationen),die mit der pharmakologischen Wirkung von Rivaroxaban in Zusammenhang steht. Bei klinischrelevanten Plasmakonzentrationen wurden embryofetale Toxizität (Postimplantationsverlust,verzögerte/beschleunigte Ossifikation, multiple helle Flecken in der Leber) und ein vermehrtes
Auftreten von üblichen Fehlbildungen sowie Veränderungen der Plazenta beobachtet. In der Studiezur prä- und postnatalen Entwicklung an Ratten wurde eine verminderte Lebensfähigkeit der
Nachkommen bei Dosierungen, die für das Muttertier toxisch waren, beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
TablettenkernLactose-Monohydrat
Croscarmellose-Natrium (E468)
Natriumdodecylsulfat (E487)
Hypromellose 2910 (nominale Viskosität 5,1 mPa.S) (E464)
Mikrokristalline Cellulose (E460)
Hochdisperses Siliciumdioxid (E551)
Magnesiumstearat (Ph.Eur.) (E572)
FilmüberzugMacrogol 4000 (E1521)
Hypromellose 2910 (nominale Viskosität 5,1 mPa.S) (E464)
Titandioxid (E171)
Eisen(III)-oxid (E172)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
2 Jahre
Zerstoßene Tabletten
Zerstoßene Rivaroxaban-Tabletten sind in Wasser und in Apfelmus bis zu 4 Stunden haltbar.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Transparente PVC/Aluminium-Blisterpackungen in Umkartons mit 5, 10, 14, 28, 30, 98 oder100 Filmtabletten oder perforierte Blisterpackungen zur Abgabe von Einzeldosen mit 10 x 1 oder100 x 1 Tablette.
HDPE-Flasche mit weiß-opakem kindersicherem Polypropylenverschluss und induktionsversiegelter
Dichtung. Packungsgrößen mit 30 oder 90 Filmtabletten.
HDPE-Flasche mit weiß-opakem Polypropylen-Schraubverschluss mit durchgehendem Gewinde undinduktionsversiegelter Dichtung. Packungsgröße mit 500 Filmtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungNicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
Zerkleinern von Tabletten
Rivaroxaban-Tabletten können zerstoßen und in 50 ml Wasser suspendiert über eine nasogastrale
Sonde oder eine Magensonde verabreicht werden, nachdem die korrekte Lage im Magen überprüftwurde. Anschließend ist die Sonde mit Wasser zu spülen. Da die Resorption von Rivaroxaban vom
Ort der Wirkstofffreisetzung abhängt, ist die Anwendung von Rivaroxaban distal des Magens zuvermeiden, da dies zu einer verminderten Resorption und dadurch zu einer geringeren
Wirkstoffexposition führen kann. Eine enterale Nahrungsgabe ist unmittelbar nach Verabreichung der10 mg Tabletten nicht erforderlich.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Accord Healthcare S.L.U.
World Trade Center,
Moll de Barcelona s/n,
Edifici Est, 6a planta,08039 Barcelona
Spanien
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 16. November 2020
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.