Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels PRIALT 25mcg / ml infusionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Prialt 25 Mikrogramm/ml Infusionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 ml Lösung enthält 25 μg Ziconotid (als Acetat).
Jede Durchstechflasche zu 20 ml enthält 500 μg Ziconotid (als Acetat).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Infusionslösung (Infusion).
Klare, farblose Lösung.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Ziconotid ist zur Behandlung von starken, chronischen Schmerzen bei Erwachsenen angezeigt, dieeine intrathekale (i.th.) Analgesie benötigen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Ziconotid sollte nur von Ärzten mit Erfahrung in der intrathekalen (i.th.) Gabevon Arzneimitteln vorgenommen werden.
DosierungErwachsene (einschließlich älterer Menschen im Alter 65 Jahren)
Die Dosierung von Ziconotid sollte bei 2,4 μg/Tag begonnen werden und individuell je nachanalgetischem Ansprechen des Patienten und unerwünschten Wirkungen titriert werden. Die Patientensollten in Dosisinkrementen von 2,4 μg/Tag bis zu einer Maximaldosis von 21,6 µg/Tag eingestelltwerden. Der Mindestabstand zwischen Dosiserhöhungen beträgt 24 Stunden; aus Sicherheitsgründenwird ein Abstand von mindestens 48 Stunden empfohlen. Falls erforderlich, kann die Dosis zur
Behebung von unerwünschten Wirkungen um eine beliebige Menge gesenkt und die Infusion auchganz abgesetzt werden. Ca. 75% der Patienten, die zufriedenstellend auf die Behandlung ansprechen,benötigen eine Dosis von 9,6 μg/Tag.
NierenfunktionsstörungEs wurden keine Untersuchungen an Patienten mit Nierenfunktionsstörung durchgeführt. Bei der Gabevon Ziconotid an Patienten mit Nierenfunktionsstörung ist Vorsicht geboten.
LeberfunktionsstörungEs wurden keine Untersuchungen an Patienten mit Leberfunktionsstörung durchgeführt. Bei der Gabevon Ziconotid an Patienten mit Leberfunktionsstörung ist Vorsicht geboten.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Ziconotid bei Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren ist nichterwiesen.
Es liegen keine Daten vor.
Art der AnwendungIntrathekale Anwendung.
Ziconotid muss als Dauerinfusion über einen intrathekalen Katheter unter Verwendung einer externenoder intern implantierten mechanischen Infusionspumpe verabreicht werden, die ein genaues
Infusionsvolumen abgeben kann. Da das Risiko einer Meningitis nach längerer Katheterisierung des
Intrathekalraums mit einem externen Katheterinfusionssystem höher ist, werden zur Gabe von
Ziconotid über einen längeren Zeitraum interne Systeme empfohlen (siehe Abschnitt 4.4). Ein externes
Kathetersystem sollte nur verwendet werden, wenn ein internes System nicht implantiert werden kann.
Sind niedrige Ziconotiddosen erforderlich, zum Beispiel zu Beginn der Titrierung, muss Ziconotid vorder Anwendung mit einer konservierungsmittelfreien Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml(0,9 %) verdünnt werden.
Hinweise zur Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Kombination mit einer i.th. Chemotherapie (siehe Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Langzeitanwendung
Auch wenn Ziconotid in offenen klinischen Langzeitstudien zur Wirksamkeit und Sicherheituntersucht wurde, wurden keine kontrollierten Studien über mehr als drei Wochen durchgeführt (siehe
Abschnitt 5.1). Mögliche lokale toxische Wirkungen auf das Rückenmark nach Langzeitanwendungwurden nicht ausgeschlossen und präklinische Daten sind in dieser Hinsicht beschränkt (siehe
Abschnitt 5.3). Daher ist bei Langzeitanwendung Vorsicht geboten.
Infektionsrisiko
Die intrathekale (i.th.) Anwendung von Arzneimitteln birgt das Risiko von potentiellschwerwiegenden Infektionen wie Meningitis, die lebensbedrohlich sein können. Eine Meningitisaufgrund des Eindringens von Organismen entlang des Katheters oder die versehentliche
Kontamination des Infusionssystems ist eine bekannte Komplikation der intrathekalen Gabe von
Arzneimitteln, insbesondere mit externen Systemen.
Patienten und Ärzte müssen auf typische Meningitisymptome und -zeichen achten.
Die optimale intrathekale Platzierung der Katherspitze wurde nicht ermittelt. Eine niedrigere
Platzierung, z.B. im Lendenbereich, kann die Inzidenz von Ziconotid-bedingten unerwünschtenneurologischen Wirkungen reduzieren. Die Platzierung der Katheterspitze sollte sorgfältig überlegtwerden, um einen adäquaten Zugang zu den nozizeptiven Segmenten im Rückenmark zugewährleisten und gleichzeitig die Arzneimittelkonzentration im Gehirn so gering wie möglich zuhalten.
Nur wenige Patienten haben eine systemische Chemotherapie und i.th. Ziconotid erhalten. Bei der
Gabe von Ziconotid an Patienten, die eine systemische Chemotherapie erhalten, ist Vorsicht geboten(siehe Abschnitt 4.5).
Erhöhungen der Kreatinkinase
Erhöhungen der Kreatinkinase, gewöhnlich asymptomatisch, sind bei Patienten unter intrathekalem
Ziconotid häufig. Gelegentlich kommt es zu einer progressiven Erhöhung der Kreatinkinase. Jedochwird eine Überwachung der Kreatinkinase empfohlen. Im Falle einer progressiven Erhöhung odereiner klinisch signifikanten Erhöhung in Kombination mit den klinischen Merkmalen einer Myopathieoder Rhabdomyolyse sollte ein Absetzen von Ziconotid in Betracht gezogen werden.
Allergische ReaktionenIn klinischen Studien wurden keine allergischen Reaktionen, einschließlich Anaphylaxie, beobachtetund die Immunogenität von i.th. gegebenem Ziconotid erscheint gering. Jedoch kann die Möglichkeitschwerer allergischer Reaktionen nicht ausgeschlossen werden, und es sind Spontanberichteanaphylaktischer Reaktionen eingegangen.
Unerwünschte kognitive und neuropsychiatrische Wirkungen
Unerwünschte kognitive und neuropsychiatrische Wirkungen, insbesondere Verwirrung, sind bei mit
Ziconotid behandelten Patienten häufig. Eine kognitive Beeinträchtigung tritt typischerweise nachmehrwöchiger Behandlung auf. Bei mit Ziconotid behandelten Patienten wurde über Episoden vonakuten psychiatrischen Störungen wie Halluzinationen, paranoiden Reaktionen, Feindseligkeit,
Aggressivität, Delirium, Psychose und manischen Reaktionen berichtet. Beim Auftreten von Zeichenoder Symptomen kognitiver Beeinträchtigung oder unerwünschter neuropsychiatrischer Wirkungensollte die Ziconotiddosis reduziert oder abgesetzt werden, wobei aber andere Ursachen mit möglichem
Einfluss berücksichtigt werden sollten. Die kognitiven Wirkungen von Ziconotid sind normalerweiseinnerhalb von 1-4 Wochen nach Absetzen des Arzneimittels reversibel, können jedoch in einigen
Fällen fortbestehen. Es wird empfohlen, die Patienten vor und nach Beginn der intrathekalen
Anwendung von Ziconotid neuropsychiatrisch zu untersuchen.
Bei Patienten mit starken chronischen Schmerzen besteht eine höhere Inzidenz von Suizid und
Suizidversuchen als in der Allgemeinbevölkerung. Ziconotid kann Depressionen verursachen oderverschlechtern und bei prädisponierten Patienten eine Suizidgefahr darstellen.
Depression des zentralen Nervensystems (ZNS)
Während der Behandlung mit Ziconotid kam es bei Patienten zu Bewusstseinsbeeinträchtigungen. Der
Patient bleibt gewöhnlich bei Bewusstsein und es kommt nicht zur Atemdepression. Das Ereignis kannselbstbegrenzend sein, jedoch sollte bis zu dessen Abklingen die Ziconotidbehandlung ausgesetztwerden. Von einer erneuten Behandlung mit Ziconotid wird bei diesen Patienten abgeraten. Ebenfallssollte das Absetzen einer gleichzeitigen Behandlung mit Arzneimitteln, die eine ZNS-Depressionbewirken, in Betracht gezogen werden, da diese zu einer verminderten Wachsamkeit führen können.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Mit Ziconotid wurden keine speziellen klinischen Arzneimittelinteraktionsstudien durchgeführt.
Jedoch lassen die geringen Ziconotid-Plasmakonzentrationen, der Metabolismus durch ubiquitäre
Peptidasen und die relativ geringe Plasmaproteinbindung (siehe Abschnitt 5.2) stoffwechselbasierte
Interaktionen oder durch Plasmaproteinverdrängung bedingte Interaktionen zwischen Ziconotid undanderen Arzneimitteln unwahrscheinlich erscheinen.
Es liegen keine Daten zur Interaktion zwischen der i.th. Chemotherapie und i.th. Ziconotid vor.
Ziconotid darf nicht mit einer i.th. Chemotherapie kombiniert werden (siehe Abschnitt 4.3).
Nur wenige Patienten haben eine systemische Chemotherapie und i.th. Ziconotid erhalten. Bei der
Gabe von Ziconotid an Patienten, die eine systemische Chemotherapie erhalten, ist Vorsicht geboten(siehe Abschnitt 4.4).
Es wird nicht erwartet, dass Arzneimittel, die bestimmte Peptidasen/Proteasen beeinflussen, einen
Einfluss auf die Ziconotidplasmaexposition haben. Basierend auf sehr beschränkten klinischen
Untersuchungen haben sowohl Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer (z.B. Benazepril, Lisinoprilund Moexipril) als auch HIV-Proteasehemmer (z.B. Ritonavir, Saquinavir, Indinavir) keineunmittelbar erkennbare Wirkung auf die Ziconotidplasmaexposition.
Ziconotid interagiert nicht mit Opiatrezeptoren. Sollen zu Beginn einer Ziconotidtherapie Opiateabgesetzt werden, sollte das Opiat ausschleichend entzogen werden. Bei Patienten, bei denen i.th.gegebene Opiate abgesetzt werden, sollte die i.th. Opiatinfusionsdosis ausschleichend über einige
Wochen abgesetzt und durch eine pharmakologisch äquivalente Dosis von oralen Opiaten ersetztwerden. Die zusätzliche Gabe von i.th. Ziconotid neben einer stabilen Dosis von i.th. Morphin (siehe
Abschnitt 5.1) ist möglich, erfordert aber besondere Vorsicht, da in Studie 202 trotz niedrig dosiertem
Ziconotid eine hohe Rate neuropsychiatrischer unerwünschter Wirkungen (Verwirrtheit/abnorme
Gedanken, paranoide Reaktionen und Halluzinationen sowie auffälliges Gangbild), einige davon vonschwerwiegender Natur, beobachtet wurde. Beobachtet wurden auch Erbrechen und Anorexie sowieein peripheres Ödem, wenn i.th. Ziconotid zusätzlich zu i.th. Morphin gegeben wurde. Die zusätzliche
Gabe von i.th. Morphin neben stabilen Dosen von i.th. Ziconotid wird besser vertragen (es wurde über
Pruritus berichtet) (siehe auch unter Abschnitt 5.1).
Bei der gleichzeitigen Gabe von Ziconotid mit systemischem Baclofen, Clonidin, Bupivacain oder
Propofol wurde eine erhöhte Inzidenz von Somnolenz beobachtet, so dass von deren gleichzeitiger
Anwendung bis auf weiteres abgeraten wird.
Es liegen keine Daten zur gleichzeitigen Anwendung von partiellen Opiatrezeptoragonisten (z.B.
Buprenorphin) mit Ziconotid vor.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftBisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Ziconotid bei
Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Die Anwendung von Ziconotid während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter,die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Ziconotid/Metabolite in die Muttermilch übergehen.
Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden.
Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob aufdie Behandlung mit Ziconotid verzichtet werden soll/die Behandlung mit Ziconotid zu unterbrechenist. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die
Frau zu berücksichtigen.
FertilitätZur Untersuchung der Auswirkungen auf die Fertilität wurden beim Menschen keine speziellen
Studien mit Ziconotid durchgeführt. In einer Fertilitätsstudie an männlichen und weiblichen Rattenzeigten sich bei den männlichen Ratten keine Wirkungen, während bei den weiblichen Tieren
Reduktionen der Corpora lutea, Implantationen und der Zahl der lebenden Embryos beobachtetwurden (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenZiconotid hat mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen.Ziconotid kann Verwirrung, Somnolenz und sonstige unerwünschte neurologische Wirkungenhervorrufen. Deshalb müssen die Patienten angewiesen werden, in diesen Fällen nicht zu fahren undkeine Maschinen zu bedienen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie Sicherheit von als intrathekale Dauerinfusion gegebenem Ziconotid wurde an über 1400 Patientenbeurteilt, die in Studien zu akuten und chronischen Schmerzen teilnahmen. Die Dauer der Behandlungreichte von einer einstündigen Bolusinfusion bis zur Daueranwendung über mehr als 6 Jahre. Diemittlere Expositionszeit betrug 43 Tage. Die Infusionsdosis reichte von 0,03 - 912 μg/Tag, mit einermedianen Enddosis von 7,2 μg/Tag.
In klinischen Studien kam es bei 88% der Patienten zu unerwünschten Wirkungen. Die in klinischen
Langzeitstudien am häufigsten berichteten unerwünschten Wirkungen waren Schwindel (42%),
Übelkeit (30%), Nystagmus (23%), Verwirrung (25%), Gangabnormalitäten (16%), Beeinträchtigungdes Gedächtnisses (13%), Verschwommensehen (14%), Kopfschmerz (12%), Asthenie (13%),
Erbrechen (11%) und Somnolenz (10%). Die meisten unerwünschten Wirkungen waren leicht bismittelschwer und klangen mit der Zeit ab.
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenSoweit nicht anders vermerkt, gibt die Tabelle die Inzidenzraten der in klinischen Studien mitintrathekalem Ziconotid berichteten unerwünschten Wirkungen (Kurzzeit- und Langzeitexposition) an.
Innerhalb jeder Häufigkeitskategorie sind die unerwünschten Wirkungen in absteigender Häufigkeitaufgelistet.
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100, < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100)
Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
Sehr selten (<1/10.000).
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nichtbekannt
Infektionen und Sepsis, Meningitisparasitäre Erkrankungen
Erkrankungen des Anaphyla
Immunsystems ktische
Reaktiona
Stoffwechsel- und Verminderter Appetit,
Ernährungsstörungen Anorexie
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nichtbekannt
Psychiatrische Verwirrung Ängstlichkeit, akustische Delirium,
Erkrankungen Halluzination, psychotische
Schlaflosigkeit, Agitation, Störungen,
Desorientiertheit, Suizidideation,
Halluzination, visuelle Suizidversuch,
Halluzination, Depression, Gedankenblockade,
Paranoia, Reizbarkeit, abnorme Träume,verschlimmerte Depression, Aggressivität
Nervosität, Affektlabilität,
Veränderungen der mentalen
Verfassung, verschlimmerte
Angstzustände,verschlimmerte Verwirrung
Erkrankungen des Schwindel, Dysarthrie, Amnesie, Inkohärenz,
Nervensystems Nystagmus, Dysgeusie, Tremor, Bewusstlosigkeit,
Gedächtnis- Gleichgewichtsstörung, Koma, Stupor,störungen, Ataxie, Aphasie, Gefühl von Konvulsionen,
Kopfschmerzen, Brennen, Sedierung, Schlaganfall,
Somnolenz Parästhesie, Hypästhesie, Enzephalopathie
Aufmerksamkeitsstörung,
Sprachstörungen, Areflexie,
Koordinationsstörung,
Lageschwindel, kognitive
Störungen, Hyperästhesie,
Hyporeflexie, Ageusie,vermindertes Bewusstsein,
Dysästhesie, Parosmie,mentale Beeinträchtigung
Augenerkrankungen Verschwommen- Doppeltsehen,sehen Sehstörungen, Photophobie
Erkrankung des Ohrs Schwindel, Tinnitusund des Labyrinths
Herzerkrankungen Vorhofflimmern
Gefäßerkrankungen Orthostatische Hypotonie,
HypotonieErkrankungen der Dyspnoe Atemnot
Atemwege, des
Brustraums und
Mediastinums
Erkrankungen des Übelkeit, Diarrhoe, Mundtrockenheit, Dyspepsie
Gastrointestinaltrakts Erbrechen Obstipation, verschlimmerte
Übelkeit,
Oberbauchschmerzen
Erkrankungen der Haut Pruritus, vermehrtes Hautausschlagund des Schwitzen
Unterhautzellgewebes
Skelettmuskulatur-, Gliederschmerzen, Myalgie, Rhabdomyolyse,
Bindegewebs- und Muskelspasmen, Myositis,
Knochenerkrankungen Muskelkrampf, Rückenschmerzen,
Muskelschwäche, Muskelzuckungen,
Arthralgie, periphere Nackenschmerz
Schwellung
Systemorganklasse Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nichtbekannt
Erkrankungen der Harnstauung, Akutes
Nieren und Harnwege Harnverhaltung, Dysurie, Nierenversagen
Harninkontinenz
Allgemeine Gang- Müdigkeit, Fieber, Gehschwierigkeiten
Erkrankungen und abnormalitäten, Lethargie, peripheres Ödem,
Beschwerden am Asthenie Rigor, Sturz, Brustschmerz,
Verabreichungsort Kältegefühl, Schmerz,ängstliche Nervosität,verschlimmerte Schmerzen
Untersuchungen Erhöhte Abnormes
Kreatinphosphokinase im Elektrokardiogramm,
Blut, vermindertes Gewicht erhöhte
Aspartatamino-transferase, erhöhte
Kreatinphospho-kinase MM im Blut,erhöhte
Körpertemperatur
a. Aus Spontanberichten
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenMeningitis
Die intrathekale Anwendung von Arzneimitteln birgt das Risiko von potentiell schwerwiegenden
Infektionen wie Meningitis, die lebensbedrohlich sein können. Patienten und Ärzte müssen auftypische Meningitissymptome und -zeichen achten (siehe Abschnitt 4.4).
Anstiege der Kreatinphosphokinase
Anstiege der Kreatinphosphokinase verliefen in der Regel asymptomatisch. Eine Überwachung der
Kreatinphosphokinase wird empfohlen. Im Falle eines progressiven Anstiegs oder einer signifikanten
Erhöhung der Kreatinphosphokinase in Kombination mit den klinischen Merkmalen einer Myopathieoder Rhabdomyolyse sollte ein Absetzen von Ziconotid in Betracht gezogen werden (siehe
Abschnitt 4.4).
CNS-Nebenwirkungen
Unerwünschte kognitive und neuropsychiatrische Wirkungen sind bei mit Ziconotid behandelten
Patienten häufig. Eine kognitive Beeinträchtigung tritt typischerweise nach mehrwöchiger Behandlungauf. Bei mit Ziconotid behandelten Patienten wurde über Episoden von akuten psychiatrischen
Störungen wie Halluzinationen, paranoiden Reaktionen, Feindseligkeit, Aggressivität, Delirium,
Psychose und manischen Reaktionen berichtet. Beim Auftreten von Zeichen oder Symptomenkognitiver Beeinträchtigung oder unerwünschter neuropsychiatrischer Wirkungen sollte die
Ziconotiddosis reduziert oder abgesetzt werden, wobei aber andere Ursachen mit möglichem Einflussberücksichtigt werden sollten. Die kognitiven Wirkungen von Ziconotid sind normalerweise innerhalbvon 1 - 4 Wochen nach Absetzen des Arzneimittels reversibel, können jedoch in einigen Fällenfortbestehen. Es wird empfohlen, die Patienten vor und nach Beginn der intrathekalen Anwendung von
Ziconotid neuropsychiatrisch zu untersuchen (siehe Abschnitt 4.4).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
In Studien mit intravenösen Infusionen erhielten gesunde männliche Probanden Ziconotid in Dosenvon bis zu 70.000 μg/Tag, dies entspricht dem 3.200fachen der empfohlenen täglichen intrathekalen
Infusionsdosis. Bei fast allen Patienten, die hohe intravenöse Dosen Ziconotid erhielten, wurde eineorthostatische Hypotonie beobachtet.
Die maximal empfohlene intrathekale Dosis beträgt 21,6 μg/Tag. Die in den klinischen Studienmaximal vorgesehene Dosis betrug 912 μg/Tag nach allmählicher Erhöhung über 7 Tage.
SymptomeIn einer klinischen Studie erhielt ein männlicher Krebspatient versehentlich eine i.th.
Ziconotidüberdosis von 744 μg über einen Zeitraum von 24 Stunden (31 μg/h) und nahm nach einer
Reduktion von 82 auf 2,5 mm auf der visuellen Analogskala der Schmerzintensität (VASPI) die
Behandlung in der vorgesehenen Dosis wieder auf. Bei einigen Patienten, die intrathekale Dosen überder maximal empfohlenen Dosis erhielten, wurden verstärkte pharmakologische Wirkungen wie z.B.
Ataxie, Nystagmus, Schwindel, Stupor, vermindertes Bewusstsein, Muskelspasmen, Verwirrung,
Sedierung, Hypotonie, Aphasie, Sprachstörungen, Übelkeit und Erbrechen beobachtet. Es gab keine
Anzeichen für eine Atemdepression. Die meisten beobachteten Patienten erholten sich innerhalb von24 Stunden nach Absetzen des Arzneimittels.
BehandlungBei Patienten, die eine Überdosis erhalten, sollten unterstützende ärztliche Maßnahmen ergriffenwerden, bis die verstärkten pharmakologischen Wirkungen des Arzneimittels abgeklungen sind.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Analgetika; andere Analgetika und Antipyretika; ATC-Code:
N02BG08
WirkmechanismusZiconotid ist ein synthetisches Analogon eines ω-Conopeptids, MVIIA, das sich im Gift der marinen
Kegelschnecke Conus magus findet. Es handelt sich um einen N-Typ-Kalziumantagonisten (NCCB).
NCCBs regulieren die Freisetzung von Neurotransmittern in speziellen neuronalen Populationen, diefür die spinale Verarbeitung von Schmerz verantwortlich sind. Durch die Bindung an diese neuronalen
NCCBs inhibiert Ziconotid den spannungssensitiven Kalziumeinstrom in die primären nozizeptivenafferenten Nerven, die in den oberflächlichen Schichten des Hinterhorns des Rückenmarks enden.
Dadurch wird wiederum deren Freisetzung von Neurotransmittern (einschließlich Substanz P) unddamit die Rückenmarksignalisierung von Schmerz gehemmt.
Pharmakodynamische WirkungenObwohl nach 1-stündiger i.th. Gabe statistisch signifikante Zusammenhänge und eine logische
Korrelation zwischen Liquorexposition (AUC, Cmax) und Messgrößen des klinischen Ansprechensbeobachtet wurden, wurden bisher noch keine gut definierten Dosis-Konzentrations-Wirkungs-
Beziehungen identifiziert. Bei vielen Respondern unter den Patienten kommt es innerhalb weniger
Stunden nach Gabe einer geeigneten Dosis zu einer annähernd maximalen Analgesie. Allerdings kannsich die maximale Wirkung bei einigen Patienten ca. 24 Stunden verzögern. Angesichts des Eintrittsvon Analgesie und unerwünschten Wirkungen bei ähnlichen Dosen beträgt das empfohlene Intervallzwischen Dosiserhöhungen 48 Stunden oder mehr. Falls erforderlich, kann die Dosis zur Behebungvon unerwünschten Wirkungen um eine beliebige Menge gesenkt (bzw. die Infusion auch ganzabgesetzt) werden.
Nebenwirkungen des Nervensystems, insbesondere Schwindel, Übelkeit und Gangabnormalitätenscheinen mit der Liquorexposition zu korrelieren, ein definitiver Zusammenhang wurde jedoch nichtgezeigt.
Angesichts der empfohlenen geringen i.th. Infusionsgeschwindigkeit und der relativ raschen
Plasmaclearance ist die Plasmaexposition bei i.th. Infusionen gering (siehe Abschnitt 5.2). Dahersollten pharmakologische Wirkungen im Zusammenhang mit einer systemischen Exposition minimalsein.
Die mediane Dosis beim Ansprechen beträgt ca. 6,0 μg/Tag und ca. 75% der Responder benötigen 9,6 μg/Tag. Um das Auftreten von schweren unerwünschten Wirkungen zu beschränken, wird einemaximale Dosis von 21,6 µg/Tag empfohlen. In klinischen Studien wurde allerdings festgestellt, dass
Patienten, die Dosen von 21,6 µg/Tag nach langsamer Erhöhung über einen Zeitraum von 3 bis 4
Wochen vertragen, im Allgemeinen auch höhere Dosen bis zu 48,0 μg/Tag vertragen.
Es gibt kein Anzeichen für die Entwicklung einer pharmakologischen Toleranz gegenüber Ziconotidbei Patienten. In Anbetracht der beschränkten Datenlage kann die Entwicklung einer Toleranz jedochnicht ausgeschlossen werden. Wenn die erforderliche Ziconotiddosis kontinuierlich erhöht wird, ohnedass ein Nutzen oder eine Erhöhung der unerwünschten Wirkungen eintritt, sollte eine Untersuchungder Durchlässigkeit des intrathekalen Katheters in Betracht gezogen werden.
Alternative Dosierungsschemata, wie z. B. der Dosierungsbeginn mit niedrigeren Dosen Ziconotid unddie Bolusgabe, wurden in einer begrenzten Zahl von klinischen Studien untersucht, die in der
Fachliteratur zu finden sind.
Die Gabe niedrigerer Dosen bei kontinuierlicher Anwendung erwies sich als wirksam, während die
Zahl unerwünschter Wirkungen geringer war.
Studien mit Bolusgabe deuten darauf hin, dass Bolusgaben zwar zur Identifizierung von Patientennützlich sein können, die eventuell von einer Langzeitbehandlung mit Ziconotid profitieren könnten,wahrscheinlich aber zu mehr unerwünschten Wirkungen führen als die Behandlung mittels
Dauerinfusion.
Diese Studien zeigen, dass diese alternativen Arten der Anwendung von Ziconotid durchaus möglichsind, aber auf Grund der begrenzten Zahl von Patienten sind diese Resultate nicht aussagekräftig undes liegen derzeit keine ausreichenden Beweise vor, um klare Empfehlungen für solche alternativen
Dosierungsschemata zu geben.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitEs wurden drei placebokontrollierte klinische Studien mit i.th. Ziconotid durchgeführt.
Zwei Kurzzeitstudien, die Studien 95-001 (maligne Schmerzen) und 96-002 (nicht maligne
Schmerzen) an 366 Patienten zeigten die Wirksamkeit von i.th Ziconotid bei starken chronischen
Schmerzen mittels Verwendung der prozentualen Veränderung auf der visuellen Analogskala der
Schmerzintensität (VASPI) als primäre Wirksamkeitsvariable. Hierbei handelte es sich um
Kurzzeitstudien von 5- bzw. 6-tägiger Dauer mit rascherer Dosissteigerung und höheren Dosen als in
Abschnitt 4.2. empfohlen.
Wirksamkeitsergebnisse der Studie 95-001
Initiale Behandlungszuordnung
Parameter Ziconotid (n = 71) Placebo (n = 40) p-Wert
Mittlerer VASPI-Score zu 74,1 (± 13,82) 77,9 (± 13,60) _
Studienbeginn in mm (SD)
Mittlerer VASPI-Score am 35,7 (± 33,27) 61,0 (± 22,91) _
Ende der initialen Titrierungin mm (SD)% Verbesserung des VASPI- 51,4 (± 43,63) 18,1 (± 28,28) < 0,001
Scores am Ende der initialen
Titrierung (SD)
Respondera n (%) 34 (47,9%) 7 (17,5%) 0,001
Dosis am Ende der Titrierung(μg/Std)
Mittel 0,91
Median 0,60
Bereich 0,074 - 9,36aResponder waren definiert als Patienten bei denen 1) es zu einem Abfall des VASPI-Scores um 30% gegenüber dem Ausgangswert kam; 2) die gleichzeitige Gabe von Opiatanalgetika stabil waroder gesenkt werden konnte; und 3) sofern sie Opiate erhielten, der Opiattyp gegenüber dem Zeitraumvor der Ziconotidinfusion unverändert blieb.
SD - Standardabweichung.
Wirksamkeitsergebnisse der Studie 96-002
Initiale Behandlungszuordnung
Parameter Ziconotid (n = 169)b Placebo (n = 86) p-Wert
Mittlerer VASPI-Score zu 80,1 (± 15,10) 76,9 (± 14,58) _
Studienbeginn in mm (SD)
Mittlerer VASPI-Score am 54,4 (± 29,30) 71,9 (± 30,93) _
Ende der initialen Titrierungin mm (SD)% Verbesserung des VASPI- 31,2 (± 38,69) 6,0 (± 42,84) < 0,001
Scores am Ende der initialen
Titrierung (SD)
Respondera n (%) 57 (33,7%) 11 (12,8%) < 0,001
Dosis am Ende der Titrierung(µg/Std)
Mittel 1,02
Median 0,50
Bereich 0,019 - 9,60aResponder waren definiert als Patienten bei denen 1) es zu einem Abfall des VASPI-Scores um 30% gegenüber dem Ausgangswert kam; 2) die gleichzeitige Gabe von Opiatanalgetika stabil waroder gesenkt werden konnte; und 3) sofern sie Opiate erhielten, der Opiattyp gegenüber dem Zeitraumvor der Ziconotidinfusion unverändert blieb.bVon 164 Patienten wurde am Ende der Titrierung VASPI-Scores für Ziconotid erhoben.
SD - Standardabweichung.
Die Ätiologie der Schmerzen in den Studien 95-001 (maligne Schmerzen) und 96-002 (nicht maligne
Schmerzen) waren unterschiedlich und umfassten Knochenschmerzen (n = 38) hauptsächlich aufgrundvon Knochenmetastasen (n = 34), Myelopathie (n = 38), von denen die Hälfte eine
Rückenmarksverletzung mit Lähmung hatte (n = 19), Neuropathie (n = 79), Radikulopathie (n = 24),
Rückenmarksschmerzen (n = 91) überwiegend aufgrund des Versagens einer Rückenoperation(n = 82), und sonstige Ätiologien (n = 82). Einige Patienten hatten mehr als eine Schmerzursache. Die
Wirksamkeit von i.th. Ziconotid war in allen Gruppen offensichtlich.
Die Studie 301 (n = 220) dauerte länger (21 Tage), beinhaltete eine sanftere Dosissteigerung undniedrigere Dosen des i.th. Ziconotid und umfasste das refraktärste Patientenkollektiv in den drei
Studien. Bei allen Patienten der Studie 301 hatte eine i.th. Therapie mit Kombinationsanalgetikaversagt, und die Ärzte waren der Auffassung, dass 97% der Patienten gegenüber den verfügbaren
Behandlungen refraktär waren. Die Mehrzahl hatte Rückenmarksschmerzen (n = 134), insbesonderenach Versagen einer Rückenoperation (n = 110); ein kleinerer Teil hatte Neuropathie (n = 36). Nurfünf hatten maligne Schmerzen. Der primäre Endpunkt war die prozentuale Veränderung des VASPI-
Scores. Die Wirksamkeit von i.th. Ziconotid war in der Studie 301 niedriger als in den beidenbeschriebenen Kurzzeitstudien. Die Häufigkeit und Schwere der unerwünschten Wirkungen warebenfalls geringer.
Wirksamkeitsergebnisse der Studie 301
Initiale Behandlungszuordnung
Parameter Ziconotid (n = 112) Placebo (n = 108) p-Wert
Mittlerer VASPI-Score zu 80,7 (± 14,98) 80,7 (± 14,91) -
Studienbeginn in mm (SD)
Mittlerer VASPI-Score am 67,9 (± 22,89) 74,1 (± 21,28) _
Ende der initialen Titrierung inmm (SD)% Verbesserung des VASPI- 14,7 (± 27,71) 7,2 (± 24,98) 0,0360
Scores am Ende der initialen
Titrierung (SD)
Respondera n (%) 18 (16,1%) 13 (12,0%) 0,390
Dosis am Ende der Titrierung(μg/Std)
Mittel 0,29
Median 0,25
Bereich 0,0 - 0,80aResponder waren definiert als diejenigen Patienten, bei denen es zu einem 30%igen Abfall des
VASPI-Scores gegenüber dem Ausgangswert kam.
SD - Standardabweichung
Untersuchungen zur kombinierten Anwendung von i.th. Morphin
Aus den klinischen Studien 201 und 202 geht hervor, dass durch die Kombination von i.th. Ziconotidund i.th. Morphin bei Patienten, deren Schmerzen mit der maximal verträglichen Dosis von i.th.
Ziconotid (Median 8,7 µg/Tag, Mittelwert 25,7 µg/Tag - Studie 201) bzw. mit i.th. Morphin (Studie202) alleine nur unzureichend kontrolliert wurden, die Schmerzen wirksam gemindert und auch diesystemische Opioid-Gabe über einen längeren Zeitraum nachhaltig reduziert werden können. Durchdie zusätzliche Gabe von i.th. Ziconotid neben stabilen Dosen von i.th. Morphin kann es wie bei der
Einleitung einer Monotherapie mit i.th. Ziconotid zum Auftreten unerwünschter Wirkungenpsychotischer Natur (z.B. Halluzinationen, paranoide Reaktionen) kommen bzw. ein Absetzen der
Therapie aufgrund vermehrter unerwünschter Wirkungen erforderlich werden (siehe Abschnitt 4.5)
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Liquorpharmakokinetik von Ziconotid wurde nach einstündigen i.th. Infusionen von 1 - 10 μg
Ziconotid bei Patienten mit chronischen Schmerzen untersucht. Die Plasmapharmakokinetik nachintravenösen Dosen (0,3 - 10 μg/kg/24 Std) wurde ebenfalls untersucht. Die Daten zur i.th. undintravenösen Pharmakokinetik sind nachstehend aufgeführt.
Pharmakokinetik von Ziconotid im Liquor und Plasma [Mittelwert ± SD (Median)]
Art der Flüssig- Anzahl Cl (ml/min) Vd (ml) t½ (Std)
Anwendung keits- dermatrix Patienten
Intrathekal Liquor 23 0,38 ± 0,56 155 ± 263 4,6 ± 0,9(0,26) (99) (4,5)
Intravenös Plasma 21 270 ± 44 30.460 ± 6.366 1,3 ± 0,3(260) (29.320) ( 1,3)
Cl = Clearance; Vd = Verteilungsvolumen; t½ = Halbwertszeit
ResorptionNach einstündiger i.th. Gabe (1 - 10 μg) waren die Werte für die kumulative Exposition (AUC;
Bereich: 83,6 - 608 ng/Std/ml) und die maximale Exposition (Cmax; Bereich: 16,4 - 132 ng/ml)variabel und dosisabhängig, erschienen jedoch nur annähernd dosisproportional. Die
Plasmakonzentrationen nach kontinuierlicher ( 48 Std) i.th. Infusion ( 21,6 μg/Tag) erscheinenrelativ gering und typischerweise nicht nachweisbar (d.h. ca. 80% der von den Schmerzpatientenentnommenen Plasmaproben enthalten kein quantifizierbares Arzneimittel; < 0,04 ng/ml). Nach i.th.
Langzeitgabe (bis zu 9 Monate) wurde keine Kumulation von Ziconotid im Plasma festgestellt.
VerteilungDas mediane Ziconotid-Verteilungsvolumen im Liquor (Vd: 99 ml) liegt zwischen dem
Rückenmarksliquorvolumen (ca. 75 ml) und dem Gesamtliquorvolumen (ca. 130 ml). Ziconotidverteilt sich offensichtlich überwiegend im Liquor, bis es in die systemische Zirkulation übergeht.
Beim Erreichen der systemischen Zirkulation ist Ziconotid offenbar angesichts des
Plasmaverteilungsvolumens von ca. 30 l stärker verteilt und ist nur zu ca. 53% (unspezifisch) anhumane Plasmaproteine gebunden.
BiotransformationZiconotid ist ein aus 25 natürlich vorkommenden Aminosäuren der L-Konfiguration bestehendes
Peptid und scheint nicht in nennenswerter Weise im Liquor verstoffwechselt zu werden. Nach dem
Übergang in die systemische Zirkulation unterliegt Ziconotid vermutlich primär der proteolytischen
Spaltung durch verschiedene ubiquitäre Peptidasen/Proteasen, die in den meisten Organen vorhandensind (z.B. Nieren, Leber, Lunge, Muskeln, etc.) und so zu Peptidfragmenten und den einzelnen freien
Aminosäuren, aus denen sie bestehen, abgebaut werden. Von den generierten freien Aminosäuren wirdangenommen, dass sie von zellulären Trägersystemen aufgenommen werden und entweder demnormalen Intermediärstoffwechsel unterliegen oder als Substrate für den konstitutivenbiosynthetischen Prozess verwendet werden. Aufgrund der weiten Verteilung dieser Peptidasen wirdnicht erwartet, dass eine Störung der Leber- oder Nierenfunktion die systemische Clearance von
Ziconotid beeinflussen würde. Die biologische Aktivität der verschiedenen erwarteten proteolytischen
Abbauprodukte wurde nicht beurteilt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Abbauprodukte von Ziconotideine nennenswerte biologische Aktivität besitzen, da festgestellt wurde, dass Peptide, die aus denindividuellen Peptidschleifenstrukturen bestehen, eine Bindungsaffinität für spannungssensitive N-
Typ-Kalziumkanäle haben, die mehrere Größenordnungen geringer sind als diejenige der
Ausgangssubstanz (Ziconotid).
EliminationDie mittlere Ziconotid-Cl (0,38 ml/min) entspricht annähernd der Liquor-Umsatzrate beimerwachsenen Menschen (0,3 - 0,4 ml/min). Somit wird Ziconotid offenbar hauptsächlich durch den
Fluss des Großteils des Liquors aus dem ZNS durch die Arachnoidalzotten mit anschließendem
Transfer in die systemische Zirkulation aus dem Liquor eliminiert (mittlere t½ = 4,6 Std). Aufgrund dersehr langsamen i.th. Infusionsgeschwindigkeit und der relativ raschen Plasmaclearance können nachi.th. Gabe nur sehr geringe zirkulierende Ziconotidkonzentrationen im Plasma gefunden werden. Diemittlere Plasmaeliminationshalbwertszeit (t½) beträgt 1,3 Std. Ziconotid ist ein Peptid mit einemrelativ geringen Molekulargewicht (MW = 2.639), das durch die Glomeruli der Nieren gefiltert wird,aber nach intravenöser Infusion werden nur minimale Ziconotidmengen (< 1%) im Humanurin wiedergefunden. Das liegt daran, dass nahezu der gesamte gefilterte Wirkstoff rasch endozytosiert undletztendlich in die systemische Zirkulation zurücktransportiert wird.
Nieren- und Leberfunktionsstörungen
Es wurden keine formalen Studien durchgeführt, in denen die Auswirkungen von Nieren- oder
Leberfunktionsstörungen untersucht wurden; da Peptide jedoch in verschiedenen Körperorganenvorkommen, wird nicht erwartet, dass eine Nieren- oder Leberfunktionsstörung einen signifikanten
Einfluss auf die systemische Exposition von Ziconotid hat.
Weitere spezielle Populationen
Auch wenn nur beschränkt Daten vorliegen, besteht keine offensichtliche Auswirkung von Rasse,
Größe, Gewicht, Geschlecht oder Alter auf die Ziconotid-Liquorexposition nach i.th. Gabe.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionen beobachtet, die ausreichend über der maximalenhumantherapeutischen Exposition lagen. Die Relevanz für den Menschen wird als gering bewertet.
In Studien an Ratten und Hunden mit subchronischer intrathekaler Infusion wurden bei Dosen dem8fachen der maximalen empfohlenen klinischen intrathekalen Infusionsdosis von 21,6 µg/Tag (aufmg/kg-Basis) Auswirkungen auf das Verhalten festgestellt. Diese Auswirkungen wurden als verstärktepharmakologische Wirkungen von Ziconotid erklärt und nicht als neurotoxische Läsionen oder
Toxizität an den Zielorganen. Die Beobachtungen umfassten vorübergehende, reversibleneurologische Wirkungen wie Tremor, unkoordinierte Bewegungen und Hyper- und Hypoaktivität.
Die Langzeitfolgen von kontinuierlich gegebenen N-Typ-Kalziumantagonisten für die neuronale
Funktion wurden nicht in tierexperimentellen Studien gezeigt. Veränderungen der neurologischen
Signalisierung wurden nicht in tierexperimentellen Studien getestet. Ziconotid induzierte keinebakterielle Genmutation und war nicht genotoxisch. Es wurden keine Langzeittierversuchedurchgeführt um das karzinogene Potential von Ziconotid zu beurteilen. Allerdings induzierte
Ziconotid in vitro im Syrischen Hamster-Embryo-Assay keine Zelltransformation und erhöhte nachsubchronischer intrathekaler Exposition bei Hunden nicht die Zellproliferation (Bildungpräneoplastischer Läsionen) oder Apoptose.
In Fertilitätsstudien an Ratten zeigten sich bei den männlichen Ratten keine Wirkungen, während beiden weiblichen Tieren Reduktionen der Corpora lutea, Implantationen und der Zahl der lebenden
Embryos beobachtet wurden. Bei systemischen Expositionen bis zum 2.300fachen der
Humanexposition in der maximal empfohlenem intrathekalen Dosis wurden keine unerwünschten
Wirkungen auf die weibliche Reproduktion und die postnatale Entwicklung bei Ratten festgestellt.
Ziconotid war bei Ratten und Kaninchen bei Expositionen < dem 100fachen der humanen
Plasmaspiegel nicht teratogen.
Aufgrund der relativ hohen systemischen Expositionen, die erforderlich sind, um diese Wirkungen bei
Ratten und Kaninchen auszulösen, lassen diese Ergebnisse nicht auf ein signifikantes Risiko für
Menschen schließen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Methionin
Natriumchlorid
Wasser für Injektionszwecke
Salzsäure (pH-Korrigenz)
Natriumhydroxid (pH-Korrigenz)
6.2 Inkompatibilitäten
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
4 Jahre
Gebrauchsstabilität (verdünntes Arzneimittel)
Die chemische und physikalische Stabilität unter Anwendung wurde über 60 Tage bei 37°Cnachgewiesen.
Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Arzneimittel nach einer Verdünnung sofort in die
Infusionspumpe überführt werden. Falls es nicht sofort verwendet wird, ist der Anwender für die
Dauer der Aufbewahrung unter Anwendung und die Bedingungen der Aufbewahrung vor der
Anwendung verantwortlich, die normalerweise nicht länger als 24 Stunden bei 2°C - 8°C dauern soll,es sei denn, die Verdünnung wurde unter kontrollierten, validierten aseptischen Bedingungendurchgeführt.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2°C - 8°C). Nicht einfrieren. Die Durchstechflasche im Umkartonaufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Verdünnung des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflaschen aus Typ I-Glas mit Stopfen aus Butylkautschuk mit Fluorpolymerkaschierung.
Jede Durchstechflasche enthält 20 ml Infusionslösung.
Eine Durchstechflasche pro Packung.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungIst eine Verdünnung erforderlich, muss Prialt vor der Verwendung aseptisch mit einerkonservierungsmittelfreien Natriumchloridinfusionslösung 9 mg/ml (0,9%) verdünnt werden. Die
Konzentration der in der Infusionspumpe verwendeten Lösung darf in einer externen Pumpe nichtunter 5 μg/ml Ziconotid und in einer internen Pumpe nicht unter 25 μg/ml liegen.
Bei der Herstellung und Handhabung der Infusionslösung und dem Nachfüllen der Pumpe muss einestreng aseptische Vorgehensweise eingehalten werden. Der Patient und das ärztliche Personal müssenmit der Handhabung des externen oder internen Infusionssystems vertraut sein und sich der
Notwendigkeit bewusst sein, dass ein Schutz des Systems vor Infektionen erforderlich ist.
Spezielle Hinweise zur Handhabung der Pumpen sind vom Hersteller zu beziehen.
Prialt hat sich bei den oben angegebenen Konzentrationen mit der implantierbaren Synchromed-
Pumpe und der externen CADD-Micro-Pumpe als chemisch und physikalisch kompatibel erwiesen.
Die chemische und physikalische Stabilität unter Anwendung wurde in der Synchromed-Pumpe 14
Tage lang bei 37°C nachgewiesen, wenn die Pumpe vorher nicht mit dem Arzneimittel in Kontaktkam. Die initiale Füllung muss daher nach 14 Tagen ausgetauscht werden.
In der zuvor mit dem Arzneimittel in Kontakt gekommenen Synchromed-Pumpe war Prialt 60 Tagebei 37°C stabil. In der CADD-Micro-Pumpe wurde die Stabilität über 21 Tage bei Raumtemperaturnachgewiesen.
Die aufgeführten technischen Daten dienen nur zur Information und sollen die Wahlmöglichkeiten der
Ärzte nicht einschränken. Zur Gabe von Prialt sollten Pumpen mit CE-Kennzeichnung, die mit der
Synchromed- bzw. CADD-Micro-Pumpe äquivalent sind, verwendet werden.
Pumpen, die zuvor zur Abgabe von anderen Arzneimitteln verwendet wurden, müssen dreimal miteiner Natriumchloridinjektionslösung 9 mg/ml (0,9%) (frei von Konservierungsmitteln) gespültwerden, bevor sie mit Prialt beschickt werden. Das Eindringen von Luft in das Pumpenreservoir oderdie Patrone sollte minimiert werden, da Sauerstoff Ziconotid zersetzen kann.
Vor Beginn der Therapie muss eine interne Pumpe dreimal mit 2 ml Prialt in einer Konzentration von25 μg/ml gespült werden. Die Konzentration von Prialt kann in einer zuvor unbenutzten Pumpe wegender Adsorption auf die Oberflächen der Vorrichtung und/oder Verdünnung durch den verbleibenden
Raum der Vorrichtung verringert sein. Daher sollte nach der ersten Anwendung von Prialt nach14 Tagen das Reservoir geleert und erneut befüllt werden. Anschließend sollte die Pumpe alle 60 Tagegeleert und erneut befüllt werden.
Prialt sollte vor der Anwendung visuell auf Partikel und Verfärbungen kontrolliert werden. Zeigensich Verfärbungen, Trübungen oder Partikel, darf die Lösung nicht verwendet werden.
Nur zur einmaligen Anwendung. Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechendden nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Esteve Pharmaceuticals GmbH
Hohenzollerndamm 150-15114199 Berlin
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/04/302/004 - 20 ml Infusionslösung.
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 21. Februar 2005
Datum der letzten Verlängerung: 18. September 2014
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.