Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels NEXAVAR 200mg tablets
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Nexavar 200 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 200 mg Sorafenib (als Tosilat).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette (Tablette).
Rote, runde, facettierte bikonvexe Filmtablette, auf der einen Seite mit dem Bayerkreuz und auf deranderen Seite mit '200'.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Leberzellkarzinom
Nexavar ist angezeigt zur Behandlung des Leberzellkarzinoms (siehe Abschnitt 5.1).
NierenzellkarzinomNexavar ist angezeigt zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, beidenen eine vorherige Interferon-alpha- oder Interleukin-2-basierte Therapie versagt hat oder die fürsolch eine Therapie nicht geeignet sind.
Differenziertes Schilddrüsenkarzinom
Nexavar ist angezeigt zur Behandlung von Patienten mit progressivem, lokal fortgeschrittenem odermetastasiertem, differenziertem (papillärem/follikulärem/Hürthle-Zell-) Schilddrüsenkarzinom,welches gegenüber radioaktivem Jod refraktär ist.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Nexavar sollte unter Aufsicht eines in der Anwendung von Tumortherapienerfahrenen Arztes erfolgen.
DosierungDie empfohlene Nexavar-Dosis bei Erwachsenen ist 400 mg Sorafenib (2 Tabletten à 200 mg) 2-maltäglich (entsprechend einer Tagesgesamtdosis von 800 mg).
Die Behandlung sollte so lange fortgesetzt werden, wie ein klinischer Nutzen beobachtet wird, oderbis ein nicht mehr akzeptables Ausmaß an Toxizität auftritt.
Dosierungsanpassungen
Das Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen kann eine vorübergehende Unterbrechung der
Behandlung mit Sorafenib oder eine Dosisreduktion notwendig machen.
Ist während der Behandlung eines Leberzellkarzinoms (HCC [hepatocellular carcinoma]) undfortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms (RCC [renal cell carcinoma]) eine Dosisreduktion erforderlich,sollte die Nexavar-Dosis auf 2 Tabletten à 200 mg Sorafenib 1-mal täglich reduziert werden (siehe
Abschnitt 4.4).
Ist während der Behandlung eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms (DTC [differentiated thyroidcarcinoma]) eine Dosisreduktion erforderlich, sollte die Nexavar-Dosis auf 600 mg Sorafenib täglichin getrennten Dosen (zwei Tabletten à 200 mg und eine Tablette à 200 mg im Abstand von zwölf
Stunden) reduziert werden.
Wenn eine zusätzliche Dosisreduktion erforderlich ist, kann Nexavar auf 400 mg Sorafenib täglich ingetrennten Dosen (zwei Tabletten à 200 mg im Abstand von zwölf Stunden) und ggf. weiter auf eine
Tablette à 200 mg einmal täglich reduziert werden. Nach Besserung der nicht-hämatologischen
Nebenwirkungen kann die Nexavar-Dosis erhöht werden.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Nexavar bei Kindern und Jugendlichen im Alter < 18 Jahren istbisher noch nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Ältere MenschenBei älteren Patienten (über 65 Jahre) ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich.
NierenfunktionsstörungBei Patienten mit einer leichten, mäßigen oder schweren Nierenfunktionsstörung ist eine
Dosisanpassung nicht erforderlich. Für Dialysepatienten sind keine Daten verfügbar (siehe
Abschnitt 5.2).
Bei Patienten mit einem Risiko für eine Nierenfunktionsstörung wird eine Überwachung des
Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts empfohlen.
LeberfunktionsstörungBei Patienten mit Child-Pugh A oder B (leichter bis mäßiger) Leberfunktionsstörung ist eine
Dosisanpassung nicht erforderlich. Für Patienten mit Child-Pugh C (schwerer) Leberfunktionsstörungsind keine Daten verfügbar (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Art der AnwendungZum Einnehmen.
Es wird empfohlen, Sorafenib unabhängig von einer Mahlzeit oder zusammen mit einer leicht odermäßig fettreichen Mahlzeit einzunehmen. Falls der Patient beabsichtigt, eine fettreiche Mahlzeit zusich zu nehmen, sind die Sorafenib-Tabletten mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach der
Mahlzeit einzunehmen. Die Tabletten sollten mit einem Glas Wasser geschluckt werden.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Dermatologische Toxizitätserscheinungen
Hand-Fuß-Syndrom (palmar-plantare Erythrodysästhesie) und Hautausschlag sind die häufigstenunerwünschten Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit Sorafenib. Hautausschlag und Hand-
Fuß-Syndrom sind üblicherweise CTC (Common Toxicity Criteria) Grad 1 und 2 und treten im
Allgemeinen während der ersten 6 Wochen der Behandlung mit Sorafenib auf. Maßnahmen zur
Behandlung der dermatologischen Toxizitätserscheinungen umfassen die symptomatische topische
Behandlung der Beschwerden, die vorübergehende Unterbrechung der Behandlung und/oder eine
Dosisänderung von Sorafenib oder, in schweren oder andauernden Fällen, die dauerhafte
Unterbrechung der Sorafenib-Behandlung (siehe Abschnitt 4.8).
HypertonieBei mit Sorafenib behandelten Patienten wurde eine erhöhte Inzidenz von arterieller Hypertoniebeobachtet. Die Hypertonie war in der Regel leicht bis mäßig, trat in einer frühen Phase der
Behandlung auf und sprach auf antihypertensive (blutdrucksenkende) Standardtherapien an. Der
Blutdruck ist regelmäßig zu überprüfen und, falls erforderlich, gemäß den medizinischen
Standardpraktiken zu behandeln. Im Falle einer schweren oder andauernden Hypertonie oder einerhypertensiven Krise, die trotz eingeleiteter antihypertensiver Therapie nicht abklingt, muss diedauerhafte Unterbrechung der Sorafenib-Behandlung in Betracht gezogen werden (siehe
Abschnitt 4.8).
Aneurysmen und ArteriendissektionenDie Verwendung von VEGF-Signalweg-Hemmern bei Patienten mit oder ohne Hypertonie kann die
Entstehung von Aneurysmen und/oder Arteriendissektionen begünstigen. Vor Beginn der Behandlungmit Nexavar sollte dieses Risiko bei Patienten mit Risikofaktoren wie Hypertonie oder Aneurysmen inder Vorgeschichte sorgfältig abgewogen werden.
HypoglykämieWährend der Behandlung mit Sorafenib wurden Absenkungen des Blutzuckers berichtet, die ineinigen Fällen klinisch symptomatisch waren und einen Krankenhausaufenthalt aufgrund von
Bewusstseinsverlust erforderlich machten. Im Falle einer symptomatischen Hypoglykämie sollte die
Behandlung mit Sorafenib vorübergehend unterbrochen werden. Bei Patienten mit Diabetes sollten die
Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrolliert werden, um abschätzen zu können, ob die Dosierung derantidiabetischen Medikation angepasst werden muss.
HämorrhagieNach Einnahme von Sorafenib kann ein erhöhtes Risiko von Blutungen auftreten. Sollte eine Blutungeine ärztliche Behandlung erfordern, wird empfohlen, eine dauerhafte Unterbrechung der Sorafenib-
Behandlung in Betracht zu ziehen (siehe Abschnitt 4.8).
Kardiale Ischämie und/oder Herzinfarkt
In einer randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Studie (Studie 1; siehe Abschnitt 5.1)war die Inzidenz von während der Behandlung aufgetretenen kardialen Ischämie-/Herzinfarkt-
Ereignissen in der Sorafenib-Gruppe höher (4,9 %) als in der Placebo-Gruppe (0,4 %). In Studie 3(siehe Abschnitt 5.1) war die Inzidenz von während der Behandlung aufgetretenen kardialen
Ischämie-/Herzinfarkt-Ereignissen 2,7 % bei Sorafenib-Patienten verglichen mit 1,3 % in der Placebo-
Gruppe. Patienten mit instabiler koronarer Herzkrankheit oder kürzlich erlittenem Myokardinfarktwaren von diesen Studien ausgeschlossen. Bei Patienten, bei denen kardiale Ischämien und/oder
Herzinfarkte auftreten, ist eine vorübergehende oder dauerhafte Unterbrechung der Sorafenib-
Behandlung in Betracht zu ziehen (siehe Abschnitt 4.8).
QT-Intervall-Verlängerung
Für Sorafenib wurde eine Verlängerung des QT/QTc-Intervalls gezeigt (siehe Abschnitt 5.1), welchezu einem erhöhten Risiko einer ventrikulären Arrhythmie führen kann. Sorafenib ist mit Vorsicht bei
Patienten anzuwenden, die eine QTc-Verlängerung aufweisen, oder eine solche entwickeln könnten,wie Patienten mit einem angeborenen Long-QT-Syndrom, Patienten, die mit einer hohen kumulierten
Dosis eines Anthracyclins behandelt wurden, Patienten, die bestimmte Antiarrhythmika oder andere
Arzneimittel, die zu QT-Verlängerung führen, einnehmen und solche mit Elektrolytstörungen, wie
Hypokaliämie, Hypocalcämie oder Hypomagnesiämie. Wenn Sorafenib bei diesen Patientenangewendet wird, ist eine regelmäßige Überwachung mittels Elektrokardiogrammen und Bestimmungder Elektrolyte (Magnesium, Kalium, Calcium) zu empfehlen.
Gastrointestinale PerforationGastrointestinale Perforation ist eine gelegentlich auftretende Nebenwirkung und wurde bei wenigerals 1 % der Patienten berichtet, die Sorafenib einnahmen. In einigen Fällen war dies nicht mitmanifesten intra-abdominalen Tumoren assoziiert. Die Sorafenib-Behandlung ist zu unterbrechen(siehe Abschnitt 4.8).
Tumorlysesyndrom (TLS)Fälle von TLS, einige mit tödlichem Ausgang, wurden nach der Markteinführung bei mit Sorafenibbehandelten Patienten berichtet. Zu den Risikofaktoren für TLS gehören eine hohe Tumorlast, bereitsbestehende chronische Niereninsuffizienz, Oligurie, Dehydratation, Hypotonie und saurer Urin. Diese
Patienten sollten engmaschig überwacht und bei klinischer Indikation umgehend behandelt werden.
Eine prophylaktische Hydratation sollte in Erwägung gezogen werden.
LeberfunktionsstörungFür Patienten mit Child-Pugh C (schwerer) Leberfunktionsstörung sind keine Daten verfügbar. Da
Sorafenib hauptsächlich über die Leber ausgeschieden wird, könnte die Exposition bei Patienten mitschwerer Leberfunktionsstörung erhöht sein (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
Warfarin-Ko-Medikation
Bei einigen Patienten, die während der Sorafenib-Behandlung Warfarin einnahmen, wurde überseltene Blutungsereignisse oder Erhöhungen der INR (International Normalized Ratio)-Werteberichtet. Patienten, die gleichzeitig Warfarin oder Phenprocoumon und Sorafenib einnehmen, müssenregelmäßig hinsichtlich Änderungen der Prothrombinzeit, der INR-Werte sowie des Auftretens von
Blutungen überwacht werden (siehe Abschnitte 4.5 und 4.8).
WundheilungsstörungenEs wurden keine Untersuchungen zum Einfluss von Sorafenib auf die Wundheilung durchgeführt. Eswird jedoch empfohlen, vorsorglich die Sorafenib-Behandlung vor größeren chirurgischen Eingriffenvorübergehend zu unterbrechen. Es liegen nur eingeschränkte klinische Erfahrungen hinsichtlich des
Zeitpunktes einer Wiederaufnahme der Behandlung nach größeren chirurgischen Eingriffen vor.
Daher sollte die Entscheidung über die Wiederaufnahme der Sorafenib-Behandlung nach einemgrößeren chirurgischen Eingriff auf der klinischen Beurteilung der adäquaten Wundheilung beruhen.
Ältere MenschenEs wurden Fälle von Nierenversagen berichtet. Eine Überwachung der Nierenfunktion sollte in
Betracht gezogen werden.
Wechselwirkungen mit anderen ArzneimittelnVorsicht ist geboten, wenn Sorafenib gleichzeitig mit Arzneimitteln angewendet wird, die vorwiegendüber den UGT1A1- (z. B. Irinotecan) oder UGT1A9-Stoffwechselweg metabolisiert bzw.
ausgeschieden werden (siehe Abschnitt 4.5).
Vorsicht ist geboten, wenn Sorafenib gleichzeitig mit Docetaxel angewendet wird (siehe
Abschnitt 4.5).
Die gleichzeitige Anwendung von Neomycin oder anderen Antibiotika, die größere ökologische
Störungen der gastrointestinalen Mikroflora verursachen, kann zu einer Abnahme der
Bioverfügbarkeit von Sorafenib führen (siehe Abschnitt 4.5). Das Risiko reduzierter Sorafenib-
Plasmakonzentrationen sollte berücksichtigt werden, bevor eine Behandlung mit Antibiotikabegonnen wird.
Bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Lunge, die mit Sorafenib kombiniert mit Platin-basierten
Chemotherapien behandelt wurden, wurde eine höhere Mortalität berichtet. In zwei randomisierten
Studien zur Untersuchung von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom wurde in der
Untergruppe von Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Lunge, die mit Sorafenib zusätzlich zu
Paclitaxel/Carboplatin behandelt wurden, ein HR für das Gesamt-Überleben von 1,81 (95 % CI 1,19;2,74) und, mit Sorafenib zusätzlich zu Gemcitabin/Cisplatin, ein HR von 1,22 (95 % CI 0,82; 1,80)festgestellt. Keine einzelne Todesursache dominierte, aber es wurde eine höhere Inzidenz vonrespiratorischem Versagen, Blutungen und infektartigen unerwünschten Ereignissen bei Patienten, diemit Sorafenib zusätzlich zu Platin-basierten Chemotherapien behandelt wurden, beobachtet.
Krankheitsspezifische Warnhinweise
Differenziertes Schilddrüsenkarzinom (DTC)
Vor Behandlungsbeginn wird Ärzten empfohlen, die Prognose unter Berücksichtigung der maximalen
Läsionsgröße (siehe Abschnitt 5.1), krankheitsbedingten Symptome (siehe Abschnitt 5.1) und
Progressionsrate bei jedem einzelnen Patienten sorgfältig einzuschätzen.
Die Behandlung vermuteter unerwünschter Arzneimittelwirkungen kann eine vorübergehende
Unterbrechung der Behandlung mit Sorafenib oder eine Dosisreduktion erfordern. In Studie 5 (siehe
Abschnitt 5.1) kam es bereits in Zyklus 1 der Behandlung mit Sorafenib bei 37 % der Patienten zueiner Dosisunterbrechung und bei 35 % zu einer Dosisreduktion.
Nebenwirkungen konnten durch eine Dosisreduktion nur teilweise erfolgreich vermindert werden.
Wiederholte Bewertungen von Nutzen und Risiko werden daher unter Berücksichtigung der Anti-
Tumoraktivität und Verträglichkeit empfohlen.
Hämorrhagie beim DTC
Aufgrund des potenziellen Blutungsrisikos sollte vor der Anwendung von Sorafenib bei Patienten mit
DTC eine tracheale, bronchiale und ösophageale Infiltration mit einer lokal begrenzten Therapiebehandelt werden.
Hypokalzämie beim DTC
Bei der Anwendung von Sorafenib bei Patienten mit DTC wird eine engmaschige Überwachung des
Kalziumspiegels im Blut empfohlen. In klinischen Studien trat eine Hypokalzämie bei Patienten mit
DTC häufiger und stärker auf, vor allem bei Hypoparathyreoidismus in der Vorgeschichte, als bei
Patienten mit Nierenzell- oder Leberzellkarzinom. Hypokalzämie Grad 3 und 4 traten bei 6,8 % und3,4 % der mit Sorafenib behandelten Patienten mit DTC auf (siehe Abschnitt 4.8). Eine schwere
Hypokalzämie sollte korrigiert werden, um Komplikationen wie QT-Verlängerung oder Torsade depointes zu vermeiden (siehe Abschnitt QT-Verlängerung).
TSH-Suppression beim DTC
In Studie 5 (siehe Abschnitt 5.1) wurden Zunahmen der TSH-Spiegel auf mehr als 0,5 mU/l bei mit
Sorafenib behandelten Patienten beobachtet. Bei der Anwendung von Sorafenib bei Patienten mit
DTC wird eine engmaschige Überwachung der TSH-Spiegel empfohlen.
NierenzellkarzinomPatienten mit hohem Risiko nach der MSKCC (Memorial Sloan Kettering Cancer Center)-Prognose-
Kategorie waren in der klinischen Phase-III-Studie beim Nierenzellkarzinom (siehe Studie 1 in
Abschnitt 5.1) nicht eingeschlossen, eine Nutzen-Risiko-Bewertung liegt für diese Patienten nicht vor.
Informationen über sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosiereinheit, d.h. es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Induktoren von Stoffwechselenzymen
Die 5-tägige Anwendung von Rifampicin vor Anwendung einer Einzeldosis von Sorafenib führte zueiner durchschnittlich 37 %-igen Abnahme des AUC-Wertes von Sorafenib. Andere Induktoren der
CYP3A4-Aktivität und/oder Glucuronidierung (z. B. Hypericum perforatum, auch bekannt als
Johanniskraut, Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital und Dexamethason) können ebenfalls den
Metabolismus von Sorafenib verstärken und dadurch die Sorafenib-Konzentrationen senken.
CYP3A4-InhibitorenDie 1-mal tägliche Gabe von Ketoconazol, einem starken CYP3A4-Inhibitor, über 7 Tage hatte beimännlichen Probanden keinen Einfluss auf den mittleren AUC-Wert einer oralen Einzeldosis von50 mg Sorafenib. Diese Daten legen nahe, dass klinisch relevante pharmakokinetische Interaktionenvon Sorafenib mit CYP3A4-Inhibitoren unwahrscheinlich sind.
CYP2B6-, CYP2C8- und CYP2C9-Substrate
Sorafenib hemmt CYP2B6, CYP2C8 und CYP2C9 in vitro mit vergleichbarer Stärke. In klinischen
Pharmakokinetik-Studien resultierte jedoch die gleichzeitige Verabreichung von Sorafenib 400 mg2-mal täglich mit Cyclophosphamid, einem CYP2B6-Substrat, oder Paclitaxel, einem
CYP2C8-Substrat, nicht in einer klinisch relevanten Hemmung. Diese Daten deuten darauf hin, dass
Sorafenib bei Gabe der empfohlenen Dosis von 400 mg 2-mal täglich kein in-vivo-Hemmer von
CYP2B6 oder CYP2C8 ist.
Darüber hinaus resultierte die gleichzeitige Behandlung mit Sorafenib und Warfarin, einem
CYP2C9-Substrat, im Vergleich zu Placebo nicht in einer Veränderung der mittleren PT-INR. Somitkann erwartet werden, dass das Risiko für eine klinisch relevante in-vivo-Hemmung von CYP2C9durch Sorafenib gering ist. Patienten, die Warfarin oder Phenprocoumon einnehmen, sollten jedochihre INR-Werte regelmäßig untersuchen lassen (siehe Abschnitt 4.4).
In einer klinischen Studie resultierte die gleichzeitige Anwendung von Sorafenib und Paclitaxel ineinem Anstieg statt einer Abnahme in der Exposition mit 6-OH-Paclitaxel, dem aktiven Metabolitenvon Paclitaxel, der durch CYP2C8 gebildet wird. Diese Daten lassen vermuten, dass Sorafenib keinin-vivo-Hemmer von CYP2C8 ist.
CYP3A4-, CYP2D6- und CYP2C19- Substrate
Die gleichzeitige Anwendung von Sorafenib und Midazolam, Dextromethorphan oder Omeprazol, die
Substrate für Cytochrom CYP3A4, CYP2D6 bzw. CYP2C19 sind, veränderte die Exposition dieser
Stoffe nicht. Das weist darauf hin, dass Sorafenib weder ein Inhibitor noch ein Induktor dieser
Cytochrom-P450-Isoenzyme ist. Daher sind klinisch relevante pharmakokinetische Interaktionen von
Sorafenib mit Substraten dieser Enzyme unwahrscheinlich.
UGT1A1- und UGT1A9-Substrate
In vitro hemmte Sorafenib die Glucuronidierung durch UGT1A1 und UGT1A9. Die klinische
Relevanz dieses Befundes ist nicht bekannt (siehe unten und Abschnitt 4.4).
In-vitro-Studien von CYP-Enzym-Induktion
CYP1A2- und CYP3A4-Aktivitäten waren nach der Behandlung von humanen Hepatozytenkulturenmit Sorafenib unverändert, was darauf hinweist, dass Sorafenib wahrscheinlich kein Induktor von
CYP1A2 und CYP3A4 ist.
P-Gp-Substrate
In vitro konnte gezeigt werden, dass Sorafenib das Transportprotein P-Glykoprotein (P-Gp) hemmt.
Erhöhte Plasmakonzentrationen von P-Gp-Substraten wie Digoxin können bei gleichzeitiger
Behandlung mit Sorafenib nicht ausgeschlossen werden.
Kombination mit anderen antineoplastisch wirksamen Substanzen
In klinischen Studien wurde Sorafenib mit verschiedenen anderen antineoplastisch wirksamen
Substanzen wie Gemcitabin, Cisplatin, Oxaliplatin, Paclitaxel, Carboplatin, Capecitabin, Doxorubicin,
Irinotecan, Docetaxel und Cyclophosphamid gemäß ihren üblichen Dosierungsschemata angewendet.
Sorafenib hatte keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik von Gemcitabin,
Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin oder Cyclophosphamid.
Paclitaxel/Carboplatin
Die Anwendung von Paclitaxel (225 mg/m2) und Carboplatin (AUC = 6) mit Sorafenib (≤ 400 mg2-mal täglich), gegeben mit einer 3-tägigen Sorafenib-Dosierungspause (2 Tage vor und am Tag der
Paclitaxel/Carboplatin-Anwendung), beeinflusste die Pharmakokinetik von Paclitaxel nicht in einemsignifikanten Ausmaß.
Die gleichzeitige Anwendung von Paclitaxel (225 mg/m2, einmal alle 3 Wochen) und Carboplatin(AUC = 6) mit Sorafenib (400 mg 2-mal täglich, ohne Sorafenib-Dosierungspause) ergab einen47 %-igen Anstieg der Sorafenib-Exposition, einen 29 %-igen Anstieg der Paclitaxel-Expositionsowie einen 50 %-igen Anstieg der 6-OH-Paclitaxel-Exposition. Die Pharmakokinetik von
Carboplatin wurde nicht beeinflusst.
Diese Daten weisen darauf hin, dass keine Dosisanpassungen notwendig werden, wenn Paclitaxel und
Carboplatin gleichzeitig mit Sorafenib mit einer 3-tägigen Sorafenib-Dosierungspause (2 Tage vor undam Tag der Paclitaxel/Carboplatin-Anwendung) angewendet werden. Die klinische Signifikanz der
Anstiege in der Sorafenib- und Paclitaxel-Exposition bei gleichzeitiger Anwendung von Sorafenibohne Dosierungspause ist nicht bekannt.
Capecitabin
Die gleichzeitige Anwendung von Capecitabin (750 - 1050 mg/m2 2-mal täglich, Tag 1 - 14 alle21 Tage) und Sorafenib (200 oder 400 mg 2-mal täglich, kontinuierliche, ununterbrochene
Anwendung) ergab keine signifikante Änderung der Sorafenib-Exposition, aber einen 15-50 %-igen
Anstieg der Capecitabin-Exposition und einen 0-52%-igen Anstieg der 5-FU-Exposition. Die klinische
Signifikanz dieser geringen bis mittleren Anstiege der Capecitabin- und 5-FU-Expositionen beigleichzeitiger Anwendung von Sorafenib ist nicht bekannt.
Doxorubicin/Irinotecan
Die gleichzeitige Behandlung mit Sorafenib ergab einen 21 %-igen Anstieg des AUC-Wertes von
Doxorubicin. Die Anwendung mit Irinotecan, dessen aktiver Metabolit SN-38 weiter über den
UGT1A1-Stoffwechselweg metabolisiert wird, führte zu einer Erhöhung der AUC-Werte um67 - 120 % bei SN-38 und 26 - 42 % bei Irinotecan. Die klinische Signifikanz dieser Befunde ist nichtbekannt (siehe Abschnitt 4.4).
DocetaxelDie gleichzeitige Anwendung von Docetaxel (75 oder 100 mg/m2 1-mal alle 21 Tage angewendet) und
Sorafenib (200 mg 2-mal täglich oder 400 mg 2-mal täglich angewendet an den Tagen 2 bis 19 eines21-Tage-Zyklus mit einer 3-tägigen Dosierungspause rund um die Anwendung von Docetaxel) führtezu einem 36 - 80 %-igen Anstieg des AUC-Wertes von Docetaxel und einem 16 - 32 %-igen Anstiegdes Cmax-Wertes von Docetaxel. Vorsicht ist geboten, wenn Sorafenib gleichzeitig mit Docetaxelangewendet wird (siehe Abschnitt 4.4).
Kombination mit anderen Wirkstoffen
Neomycin
Die gleichzeitige Anwendung von Neomycin, einem nicht-systemischen antimikrobiellen Wirkstoff,der zur Eradikation der gastrointestinalen Flora eingesetzt wird, beeinträchtigt den enterohepatischen
Kreislauf von Sorafenib (siehe Abschnitt 5.2, Metabolismus und Elimination), was zu einerverminderten Sorafenib-Exposition führt. Bei Probanden, die über 5 Tage mit Neomycin behandeltwurden, verminderte sich die durchschnittliche Exposition mit Sorafenib um 54 %. Die Effekteanderer Antibiotika wurden nicht untersucht, hängen aber voraussichtlich von ihrer Wirkung auf
Mikroorganismen mit Glukuronidase-Aktivität ab.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftÜber die Anwendung von Sorafenib bei schwangeren Frauen liegen keine Daten vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität einschließlich Missbildungen gezeigt(siehe Abschnitt 5.3). In Ratten konnte nachgewiesen werden, dass Sorafenib und seine Metaboliteplazentagängig sind und dass Sorafenib sich voraussichtlich schädlich auf den Fetus auswirkt.
Sorafenib darf während der Schwangerschaft nicht verwendet werden, außer dies ist eindeutigerforderlich. In diesem Fall muss eine sorgfältige Abwägung des Nutzens für die Mutter und des
Risikos für den Fetus erfolgen.
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethodeanwenden.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Sorafenib beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Bei Tieren wurden
Sorafenib und/oder seine Metabolite in die Milch ausgeschieden. Da Sorafenib Wachstum und
Entwicklung von Säuglingen schädigen könnte (siehe Abschnitt 5.3), dürfen Frauen während der
Sorafenib-Behandlung nicht stillen.
FertilitätErgebnisse aus tierexperimentellen Studien lassen weiter darauf schließen, dass Sorafenib diemännliche und weibliche Fertilität beeinträchtigen kann (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenEs wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen durchgeführt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Sorafenib die
Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt.
4.8 Nebenwirkungen
Die wichtigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Myokardinfarkt/myokardiale Ischämie,gastrointestinale Perforation, Arzneimittel-induzierte Hepatitis, Hämorrhagie und
Hypertonie/hypertensive Krise.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall, Müdigkeit, Alopezie, Infektion, Hand-Fuß-
Hautreaktion (entspricht dem palmar-plantaren Erythrodysästhesie-Syndrom in MedDRA) und
Hautausschlag.Nebenwirkungen, die in mehreren klinischen Studien oder durch Anwendung nach der
Markteinführung berichtet wurden, sind nach Systemorganklasse (in MedDRA) und Häufigkeit untenin Tabelle 1 aufgelistet. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: Sehr häufig (≥ 1/10), häufig(≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100), selten ( 1/10.000 bis < 1/1.000), nichtbekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregradangegeben.
Tabelle 1: Alle Nebenwirkungen, die bei Patienten in mehreren klinischen Studien oder durch
Anwendung nach der Markteinführung berichtet wurden
System- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nicht bekanntorganklasse
Infektionen Infektion Follikulitisundparasitäre
Erkrankungen
Erkrankunge Lymphopenie Leukopenien des Blutes Neutropenieund des Anämie
Lymphsys- Thrombozyto-tems penie
System- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nicht bekanntorganklasse
Erkrankun- Über- Angioödemgen des empfindlich-
Immun- keitsreaktio-systems nen (inkl.
Haut-reaktionenund Urtikaria)
Anaphylak-tische
Reaktion
Endokrine Hypothyreose Hyper-
Erkrankun- thyreosegen
Stoffwechsel- Appetitlosigkeit Hypokalzämie Dehydrierung Tumorlysesyndround Hypo- Hypokaliämie m
Ernährungs- phosphatämie Hyponatriämistörungen e
HypoglykämiePsychia- Depressiontrische
Erkrankun-gen
Erkrankun- periphere reversible Enzephalopathie°gen des sensorische posteriore
Nerven- Neuropathie Leuko-systems Dysgeusie enzephalo-pathie*
Erkrankun- Tinnitusgen des Ohrsund des
Labyrinths
Herzer- Herz- QT-Verlän-krankungen insuffizienz* gerungmyokardiale
Ischämie und
Myokard-infarkt*
Gefäßer- Blutungen (inkl. Hitzegefühl hypertensive Aneurysmen undkrankungen Magen-Darm-*, Krise* Arteriendissek-
Atemwegs-* tionenund
Hirnblutungen*)
HypertonieSystem- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nicht bekanntorganklasse
Erkrankungen Rhinorrhoe interstitielleder Dysphonie Lungen-
Atemwege, erkrankungs-des ähnliche
Brustraums Ereignisse*und (Pneumonitis,
Mediastinums Strahlen-
Pneumonitis,akute
Atemnotusw.)
Erkrankungen Durchfall Stomatitis Pankreatitisdes Übelkeit (inkl. Gastritis
Gastrointesti- Erbrechen Mundtrocken- Gastro-naltrakts Verstopfung heit und intestinale
Glossodynie) Perforationen
Dyspepsie *
Dysphagiegastroöso-phagealer
Reflux
Leber- und Bilirubin- Arzneimittel
Gallener- anstieg und induziertekrankungen Gelbsucht, Hepatitis*
Cholezystitis,
Cholangitis
Erkrankungen trockene Haut Kerato- Ekzem Recall-der Haut und Hautausschlag akanthom/ Erythema Strahlen-des Alopezie Plattenepithel- multiforme dermatitis
Unterhautzell- Hand-Fuß- karzinom der Stevens-gewebes Hautreaktion** Haut Johnson-
Erythem exfoliative Syndrom
Pruritus Dermatitis leukozyto-
Akne klastische
Hautab- Vaskulitisschuppung toxische
Hyperkeratose epidermale
Nekrolyse*
Skelettmus- Arthralgie Myalgie Rhabdo-kulatur-, Muskel- myolyse
Bindegewebs- spasmenund
Knochener-krankungen
Erkrankungen Nieren- Nephro-der Nieren versagen tischesund Harnwege Proteinurie Syndrom
Erkrankungen Erektile Gynäkomastieder Dysfunktion
Geschlechts-organe undder Brustdrüse
System- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nicht bekanntorganklasse
Allgemeine Fatigue Asthenie
Erkrankungen Schmerzen grippeartigeund (inkl. Erkrankung
Beschwerden Schmerzen im Schleimhaut-am Mund, im entzündung
Verabreich- Abdomen,ungsort Knochen-,
Tumor- und
Kopf-schmerzen)
Fieber
Unter- Gewichts- Vorüber- Vorüber-suchungen abnahme gehender gehendererhöhte Anstieg der Anstieg der
Amylase-Werte Transaminase alkalischenerhöhte Lipase- n Phosphatase
Werte im Blut
INR anormal
Prothrombin-spiegelanormal
* Die Nebenwirkungen können lebensbedrohlich sein oder einen tödlichen Ausgang haben. Solche
Ereignisse treten entweder gelegentlich oder seltener als gelegentlich auf.
** Hand-Fuß-Hautreaktion entspricht dem palmar-plantaren Erythrodysästhesie-Syndrom in
MedDRA.
° Fälle wurden nach Marktzulassung beobachtet.
Weitere Informationen zu ausgewählten Nebenwirkungen
HerzinsuffizienzIn Firmen-gesponserten klinischen Studien wurde bei 1,9 % der Patienten, die mit Sorafenib behandeltwurden (N = 2276), Herzinsuffizienz als Nebenwirkung beobachtet. In der Studie 12213 (RCC)wurden mit Herzinsuffizienz übereinstimmende Nebenwirkungen bei 1,7 % von denen, die mit
Sorafenib behandelt wurden, und bei 0,7 %, die Placebo erhielten, berichtet. In der Studie 100554(HCC) wurden bei 0,99 % von denen, die mit Sorafenib behandelt wurden, und bei 1,1 %, die Placeboerhielten, diese Ereignisse berichtet.
Zusätzliche Informationen zu speziellen Patientengruppen
In klinischen Studien traten bestimmte unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Hand-Fuß-
Hautreaktion, Durchfall, Alopezie, Gewichtsabnahme, Hypertonie, Hypokalzämie und
Keratoakanthom/ Plattenepithelkarzinom der Haut bei Patienten mit differenziertem
Schilddrüsenkarzinom wesentlich häufiger auf als bei Patienten in den Studien zum Nierenzell- oder
Leberzellkarzinom.
Anormale Laborwerte bei Patienten mit HCC (Studie 3) und RCC (Studie 1)
Erhöhte Lipase- und Amylase-Werte wurden sehr häufig berichtet. Erhöhte Lipase-Werte CTCAE
Grad 3 oder 4 traten bei 11 % bzw. 9 % der Patienten in der Sorafenib-Gruppe in Studie 1 (RCC) bzw.
Studie 3 (HCC) verglichen mit 7 % bzw. 9 % der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Erhöhte
Amylase-Werte CTCAE Grad 3 oder 4 wurden bei 1 % bzw. 2 % der Patienten in der Sorafenib-
Gruppe in Studie 1 bzw. Studie 3 verglichen mit 3 % der Patienten in jeder Placebo-Gruppe berichtet.
Eine klinisch manifeste Pankreatitis wurde bei 2 von 451 Sorafenib-behandelten Patienten (CTCAE
Grad 4) in Studie 1, bei 1 von 297 Sorafenib-behandelten Patienten (CTCAE Grad 2) in Studie 3 undbei 1 von 451 Patienten (CTCAE Grad 2) in der Placebo-Gruppe in Studie 1 berichtet.
Hypophosphatämie war ein sehr häufiger Laborbefund, der bei 45 % bzw. 35 % der Sorafenib-behandelten Patienten verglichen mit 12 % bzw. 11 % der Placebo-Patienten in Studie 1 bzw. Studie 3beobachtet wurde. Eine Hypophosphatämie CTCAE Grad 3 (1 - 2 mg/dl) trat in Studie 1 bei 13 % der
Sorafenib-behandelten Patienten und 3 % der Patienten in der Placebo-Gruppe und in Studie 3 bei11 % der Sorafenib-behandelten Patienten und 2 % der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Fälle von
Hypophosphatämie CTCAE Grad 4 (< 1 mg/dl) wurden in Studie 1 weder bei Sorafenib- noch bei
Placebo-Patienten und in Studie 3 in einem Fall in der Placebo-Gruppe berichtet. Die Ätiologie dermit Sorafenib assoziierten Hypophosphatämie ist nicht bekannt.
CTCAE Grad 3 oder 4 Laborwertanomalien, die in ≥ 5 % der Sorafenib-behandelten Patientenauftraten, schlossen Lymphopenie und Neutropenie ein.
Hypokalzämie wurde bei 12 % bzw. 26,5 % der Sorafenib-behandelten Patienten berichtet im
Vergleich zu 7,5 % bzw. 14,8 % der Placebo-Patienten in Studie 1 bzw. Studie 3. Die meisten Fällevon Hypokalzämie waren schwach ausgeprägt (CTCAE Grad 1 und 2). Eine Hypokalzämie nach
CTCAE Grad 3 (6,0 - 7,0 mg/dL) trat in den Studien 1 und 3 jeweils bei 1,1 % bzw. 1,8 % der
Sorafenib-behandelten Patienten und bei 0,2 % bzw. 1,1 % der Patienten in der Placebogruppe auf,und eine Hypokalzämie nach CTCAE Grad 4 (< 6,0 mg/dL) trat jeweils bei 1,1 % bzw. 0,4 % der
Sorafenib-behandelten Patienten und bei 0,5 % bzw. 0 % der Patienten in der Placebogruppe auf. Die
Ätiologie der mit Sorafenib in Zusammenhang stehenden Hypokalzämie ist nicht bekannt.
In den Studien 1 und 3 wurden bei 5,4 % bzw. 9,5 % der Sorafenib-behandelten Patienten verminderte
Kaliumspiegel beobachtet, verglichen mit 0,7 % bzw. 5,9 % der Placebo-Patienten. Die meisten Fälleeiner Hypokaliämie waren schwach ausgeprägt (CTCAE Grad 1). In diesen Studien trat eine
Hypokaliämie nach CTCAE Grad 3 bei 1,1 % bzw. 0,4 % der Sorafenib-behandelten Patienten und0,2 % bzw. 0,7 % der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Es gab keine Berichte einer Hypokaliämienach CTCAE Grad 4.
Anormale Laborwerte bei Patienten mit DTC (Studie 5)
Hypokalzämie wurde bei 35,7 % der Sorafenib-behandelten Patienten berichtet im Vergleich zu11,0 % der Placebo-Patienten. Die meisten Fälle von Hypokalzämie waren schwach ausgeprägt. Eine
Hypokalzämie nach CTCAE Grad 3 trat bei 6,8 % der Sorafenib-behandelten Patienten und bei 1,9 %der Patienten in der Placebogruppe auf, und eine Hypokalzämie nach CTCAE Grad 4 trat bei 3,4 %der Sorafenib-behandelten Patienten und bei 1,0 % der Patienten in der Placebogruppe auf.
Andere in der Studie 5 beobachtete klinisch relevante anomale Laborwerte sind in Tabelle 2aufgeführt.
Tabelle 2: Unter der Therapie beobachtete Abweichungen von Laborwerten, die bei Patientenmit DTC in der Doppelblindphase (Studie 5) berichtet wurden
Labor-Parameter Sorafenib n = 207 Placebo n = 209(in % der untersuchten Alle Alle
Grad 3* Grad 4* Grad 3* Grad 4*
Proben) Grade* Grade*
Erkrankungen des Blutes und des LymphsystemsAnämie 30,9 0,5 0 23,4 0,5 0
Thrombozytopenie 18,4 0 0 9,6 0 0
Neutropenie 19,8 0,5 0,5 12 0 0
Lymphopenie 42 9,7 0,5 25,8 5,3 0
Stoffwechsel- und ErnährungsstörungenHypokaliämie 17,9 1,9 0 2,4 0 0
Hypophosphatämie** 19,3 12,6 0 2,4 1,4 0
Leber- und GallenerkrankungenBilirubin erhöht 8,7 0 0 4,8 0 0
ALT erhöht 58,9 3,4 1,0 24,4 0 0
AST erhöht 53,6 1,0 1,0 14,8 0 0
Untersuchungen
Amylase erhöht 12,6 2,4 1,4 6,2 0 1,0
Lipase erhöht 11,1 2,4 0 2,9 0,5 0
* Allgemeine Terminologiekriterien von unerwünschten Ereignissen (CTCAE), Version 3.0
** Die Ätiologie der mit Sorafenib assoziierten Hypophosphatämie ist nicht bekannt.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Es gibt keine spezifische Gegenmaßnahme für eine Überdosierung von Sorafenib. Die höchste
Sorafenib-Dosis, die klinisch untersucht wurde, ist 800 mg 2-mal täglich. Die unerwünschten
Ereignisse, die bei dieser Dosierung beobachtet wurden, waren hauptsächlich Durchfall unddermatologische Ereignisse. Im Falle einer vermuteten Überdosierung sollte die Sorafenib-
Behandlung unterbrochen und unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden, soweit notwendig.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code:
L01EX02
Sorafenib ist ein Multi-Kinase-Inhibitor, der in vitro und in vivo sowohl anti-proliferative als auchanti-angiogene Eigenschaften zeigte.
Wirkmechanismus und pharmakodynamische WirkungenSorafenib ist ein Multi-Kinase-Inhibitor, der in vitro die Proliferation von Tumorzellen vermindert. Inathymischen Mäusen hemmt Sorafenib das Tumorwachstum eines breiten Spektrums von humanen
Tumor-Xenotransplantaten, begleitet von einer Reduktion der Tumor-Angiogenese. Sorafenib hemmtdie Aktivität von vorhandenen Targets in der Tumorzelle (CRAF, BRAF, V600E BRAF, c-KIT und
FLT-3) und in der Tumor-Gefäßversorgung (CRAF, VEGFR-2, VEGFR-3 und PDGFR-β).
RAF-Kinasen sind Serin/Threonin-Kinasen, während c-KIT, FLT-3, VEGFR-2, VEGFR-3 und
PDGFR-β Rezeptor-Tyrosin-Kinasen sind.
Klinische WirksamkeitDie klinische Sicherheit und Wirksamkeit von Sorafenib wurde bei Patienten mit Leberzellkarzinom(HCC), bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) und bei Patienten mitdifferenziertem Schilddrüsenkarzinom (DTC) untersucht.
Leberzellkarzinom
Studie 3 (Studie 100554) war eine internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde,placebokontrollierte Phase-III-Studie bei 602 Patienten mit Leberzellkarzinom. Demographische
Daten und Baseline-Charakteristika der Erkrankung waren in der Sorafenib- und der Placebo-Gruppevergleichbar hinsichtlich ECOG-Status (Status 0: 54 % vs. 54 %; Status 1: 38 % vs. 39 %;
Status 2: 8 % vs. 7 %), TNM-Stadium (Stadium I: < 1 % vs. < 1 %; Stadium II: 10.4 % vs. 8.3 %;
Stadium III: 37.8 % vs. 43.6 %; Stadium IV: 50.8 % vs. 46.9 %) und BCLC-Stadium(Stadium B: 18.1 % vs. 16.8 %; Stadium C: 81.6 % vs. 83.2 %; Stadium D: < 1 % vs. 0 %).
Die Studie wurde beendet, nachdem eine geplante Interimsanalyse zum Gesamt-Überleben die zuvorfestgelegte Grenze zum Nachweis der Wirksamkeit überschritten hatte. Diese Analyse zeigte einestatistisch signifikante Überlegenheit für Sorafenib gegenüber Placebo für das Gesamt-Überleben(HR = 0,69; p = 0.00058, siehe Tabelle 3).
Es liegen nur eingeschränkte Daten zu Patienten mit Child-Pugh-B-Leberfunktionsstörung aus dieser
Studie vor, und nur ein Patient mit Child-Pugh C war eingeschlossen.
Tabelle 3: Wirksamkeitsergebnisse aus Studie 3 (Studie 100554) beim Leberzellkarzinom
Wirksamkeits- Sorafenib Placebo HR
P-Wertparameter (N = 299) (N = 303) (95 % KI)
Gesamt-Überleben46,3 34,4 0,00058* 0,69(OS) [median, Wochen(40,9; 57,9) (29,4; 39,4) (0,55; 0,87)(95 % KI)]
Zeit bis zur Tumor-progression (TTP) 24,0 12,3 0,580,000007[median, Wochen (18,0; 30,0) (11,7; 17,1) (0,45; 0,74)(95 % KI)]**
KI = Konfidenzintervall, HR = Hazard Ratio (Sorafenib gegenüber Placebo)
*Statistisch signifikant, da der p-Wert unter dem zuvor festgelegten O’Brien Fleming Grenzwert fürdie Beendigung der Wirksamkeitsprüfung von 0,0077 lag
**unabhängige radiologische Beurteilung
Eine zweite internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-
III-Studie (Studie 4, 11849) untersuchte den klinischen Nutzen von Sorafenib bei 226 Patienten mitfortgeschrittenem Leberzellkarzinom. Diese Studie, die in China, Korea und Taiwan durchgeführtwurde, bestätigte die Ergebnisse aus Studie 3 hinsichtlich des positiven Nutzen-Risiko-Profils von
Sorafenib (HR (OS) = 0,68; p = 0,01414).
In den zuvor festgelegten Stratifizierungsfaktoren (ECOG-Status, mit oder ohne makroskopischevaskuläre Invasion und/oder extrahepatischer Tumorausbreitung) der beiden Studien 3 und 4 war die
HR für Sorafenib durchweg günstiger als für Placebo. Exploratorische Subgruppenanalysen deutetendarauf hin, dass Patienten mit Fernmetastasen bei Behandlungsbeginn einen weniger ausgeprägten
Behandlungseffekt erzielen.
NierenzellkarzinomDie Sicherheit und Wirksamkeit von Sorafenib bei der Behandlung des fortgeschrittenen
Nierenzellkarzinoms (RCC) wurden in zwei klinischen Studien untersucht:
Studie 1 (Studie 11213) war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte
Phase-III-Studie bei 903 Patienten. Eingeschlossen wurden nur Patienten mit einem Klarzell-
Nierenkarzinom und niedrigem bzw. mittlerem Risiko nach MSKCC (Memorial Sloan Kettering
Cancer Center). Die primären Endpunkte waren das Gesamt-Überleben und das progressionsfreie
Überleben (PFS).
Etwa die Hälfte der Patienten wies einen ECOG-Performance-Status von 0 auf, und die Hälfte der
Patienten war in der MSKCC-Prognose-Kategorie 'niedriges Risiko'.
PFS wurde durch eine verblindete, unabhängige radiologische Beurteilung unter Verwendung der
RECIST-Kriterien ausgewertet. Die PFS-Analyse wurde bei Vorliegen von 342 Ereignissen bei769 Patienten durchgeführt. Das mediane PFS war 167 Tage für Patienten, die randomisiert Sorafeniberhielten, verglichen mit 84 Tagen für Placebo-Patienten (HR = 0,44;95 % Konfidenzintervall: 0,35 - 0,55; p < 0,000001). Alter, MSKCC-Prognose-Kategorie, ECOG-
Performance-Status und vorherige Therapie beeinflussten das Ausmaß des Behandlungserfolgs nicht.
Eine Interimsanalyse (zweite Interimsanalyse) zum Gesamt-Überleben wurde bei Vorliegen von367 Todesfällen bei 903 Patienten durchgeführt. Der nominale Alpha-Wert dieser Analyse betrug0,0094. Das mediane Überleben war 19,3 Monate für Patienten, die randomisiert Sorafenib erhielten,verglichen mit 15,9 Monaten für Placebo-Patienten (HR = 0,77; 95 % Konfidenzintervall: 0,63 - 0,95;p = 0,015). Zum Zeitpunkt dieser Analyse waren etwa 200 Patienten aus der Placebo-Gruppe zu
Sorafenib übergewechselt.
Studie 2 war eine Phase-II-Studie (so genanntes 'Discontinuation' Design) bei Patienten mitmetastasierten bösartigen Tumoren, einschließlich Nierenzellkarzinom. Patienten mit einer stabilen
Erkrankung unter Sorafenib-Therapie wurden entweder zu Placebo randomisiert oder setzten die
Sorafenib-Therapie fort. Das progressionsfreie Überleben der Patienten mit Nierenzellkarzinom warsignifikant länger in der Sorafenib-Gruppe (163 Tage) als in der Placebo-Gruppe (41 Tage)(p = 0,0001, HR = 0,29).
Differenziertes Schilddrüsenkarzinom (DTC)
Studie 5 (Studie 14295) war eine internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde,placebokontrollierte Phase-III-Studie bei 417 Patienten mit lokal fortgeschrittenem odermetastasiertem DTC, welches gegenüber radioaktivem Jod refraktär ist. Der primäre Endpunkt der
Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS), welches durch eine verblindete, unabhängigeradiologische Beurteilung unter Verwendung der RECIST-Kriterien ausgewertet wurde. Sekundäre
Endpunkte umfassten Gesamtüberleben (OS), Tumoransprechrate und Dauer des Ansprechens. Nacheiner Progression durften die Patienten Sorafenib unverblindet erhalten.
Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, wenn es bei ihnen innerhalb von 14 Monaten vor
Aufnahme in die Studie zu einer Progression kam und sie ein DTC hatten, welches gegenüberradioaktivem Jod (RAI) refraktär war. Ein gegenüber RAI refraktäres DTC wurde definiert als Läsionohne Jodaufnahme auf einem RAI-Scan, die Verabreichung von insgesamt ≥ 22,2 GBq RAI oder das
Auftreten einer Progression nach einer RAI-Behandlung innerhalb von 16 Monaten vor Aufnahme indie Studie oder nach zwei RAI-Behandlungen innerhalb eines Zeitraums von 16 Monaten.
Demographie und Patienten-Charakteristika bei Behandlungsbeginn waren bei beiden
Behandlungsgruppen ausgeglichen. Metastasen lagen bei 86 % der Patienten in den Lungen, bei 51 %in den Lymphknoten und bei 27 % in den Knochen vor. Die median verabreichte Gesamtaktivität vonradioaktivem Jod vor der Aufnahme in die Studie lag bei etwa 14,8 GBq. Die Mehrheit der Patientenhatte ein papilläres Karzinom (56,8 %), gefolgt von follikulärem (25,4 %) und schlechtdifferenziertem Karzinom (9,6 %).
Die mediane PFS-Zeit betrug 10,8 Monate in der Sorafenib-Gruppe, im Vergleich zu 5,8 Monaten inder Placebo-Gruppe (HR = 0,587; 95 % Konfidenzintervall (KI): 0,454; 0,758; einseitiger p < 0,0001).
Die Wirkung von Sorafenib auf das PFS war gleichbleibend, unabhängig von geografischer Region,
Alter über oder unter 60 Jahren, Geschlecht, histologischem Subtyp und Anwesenheit oder
Abwesenheit von Knochenmetastasen.
In einer Gesamtüberlebensanalyse, die 9 Monate nach dem Stichtag der Datenerfassung für die finale
PFS-Analyse durchgeführt wurde, gab es beim Gesamtüberleben keinen statistisch signifikanten
Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (HR 0,884; 95 % KI: 0,633; 1,236, einseitiger p-Wertvon 0,236). Das mediane OS wurde im Sorafenib-Arm nicht erreicht und lag im Placebo-Arm bei36,5 Monaten. 157 Patienten (75 %), die randomisiert der Placebo-Gruppe und 61 Patienten (30 %),die randomisiert der Sorafenib-Gruppe zugeteilt worden waren, erhielten unverblindet Sorafenib.
Die mediane Therapiedauer in der Doppelblindphase betrug 46 Wochen (Bereich 0,3-135) bei
Patienten, die Sorafenib erhielten, und 28 Wochen (Bereich 1,7-132) bei Patienten, die Placeboerhielten.
Ein vollständiges Ansprechen (CR) nach RECIST wurde nicht beobachtet. Die Gesamtansprechrate(CR + teilweises Ansprechen (PR)) je unabhängiger radiologischer Untersuchung war in der
Sorafenib-Gruppe (24 Patienten, 12,2 %) höher als in der Placebo-Gruppe (1 Patient, 0,5 %),einseitiger p <0,0001. Die mediane Ansprechdauer betrug 309 Tage (95 % KI: 226, 505 Tage) bei mit
Sorafenib behandelten Patienten, bei denen es zu einem PR kam.
Eine post-hoc-Subgruppenanalyse basierend auf der maximalen Tumorgröße zeigte einen
Behandlungseffekt für das PFS bei Patienten mit einer maximalen Tumorgröße von 1,5 cm odergrößer (HR 0,54 (95 % KI: 0,41-0,71)) zugunsten von Sorafenib gegenüber Placebo, während einnumerisch geringerer Effekt für Patienten mit einer maximalen Tumorgröße von weniger als 1,5 cm(HR 0,87 (95 % KI: 0,40-1,89)) berichtet wurde.
Eine post-hoc-Subgruppenanalyse basierend auf den Symptomen eines Schilddrüsenkarzinoms bei
Behandlungsbeginn zeigte einen Behandlungseffekt für das PFS zugunsten von Sorafenib gegenüber
Placebo sowohl für symptomatische als auch asymptomatische Patienten. Die HR für das PFS war0,39 (95 % KI: 0,21-0,72) bei Patienten mit Symptomen zu Behandlungsbeginn und 0,60 (95 % KI:
0,45-0,81) bei Patienten ohne Symptome zu Behandlungsbeginn.
QT-Intervall-Verlängerung
In einer klinischen Pharmakologie-Studie wurden QT/QTc-Messungen bei 31 Patienten vor
Behandlungsbeginn und nach der Behandlung durchgeführt. Nach einem 28-tägigen
Behandlungszyklus, zum Zeitpunkt der maximalen Konzentration von Sorafenib, war im Vergleichzum Zeitpunkt vor der Behandlung mit dem Placebo der QTcB-Wert um 4 ± 19 ms und der QTcF-
Wert um 9 ± 18 ms verlängert. Kein Patient wies einen QTcB- oder QTcF-Wert > 500 ms während der
EKG-Kontrolle nach Behandlung auf (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat eine Freistellung von der Verpflichtung zur Vorlage von
Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen, bei Nieren- und Nierenbeckenkarzinomen(ausgenommen Nephroblastome, Nephroblastomatosen, Klarzellsarkome, mesoblastische Nephrome,renal medulläre Karzinome und rhabdoide Tumoren der Niere) sowie bei Leber- und intrahepatischen
Gallengangskarzinomen (ausgenommen Hepatoblastome) und differenzierten
Schilddrüsenkarzinomen gewährt (siehe Abschnitt 4.2 zu Informationen zur Anwendung bei Kindernund Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption und VerteilungNach Gabe von Sorafenib-Tabletten beträgt die mittlere relative Bioverfügbarkeit 38 - 49 % im
Vergleich zu einer oralen Lösung. Die absolute Bioverfügbarkeit ist nicht bekannt. Nach oraler Gabewerden die maximalen Plasmakonzentrationen von Sorafenib nach etwa 3 Stunden erreicht. Bei Gabezusammen mit einer fettreichen Mahlzeit verringert sich die Absorption von Sorafenib um 30 %gegenüber der Einnahme im nüchternen Zustand.
Die Durchschnittswerte für Cmax und AUC stiegen weniger als proportional an bei Dosierungen, dieüber 400 mg 2-mal täglich hinausgingen. Die in-vitro-Bindungsrate von Sorafenib an humane
Plasmaproteine beträgt 99,5 %.
Eine Mehrfachdosierung von Sorafenib über 7 Tage führte zu einer 2,5- bis 7-fachen Akkumulationim Vergleich zur Gabe einer Einzeldosis. Steady-State-Plasmakonzentrationen von Sorafenib werdeninnerhalb von 7 Tagen erreicht, mit einem 'peak to trough'-Verhältnis der durchschnittlichen
Konzentrationen von weniger als 2.
Die Steady-State-Konzentrationen von Sorafenib nach Dosierungen von 400 mg zweimal täglichwurden bei Patienten mit DTC, RCC und HCC untersucht. Die höchste mittlere Konzentration wurdebei Patienten mit DTC beobachtet (ungefähr doppelt so hoch wie bei Patienten mit RCC und HCC),wobei die Variabilität bei allen Tumorarten hoch war. Der Grund für den Konzentrationsanstieg bei
Patienten mit DTC ist nicht bekannt.
Biotransformation und EliminationDie Eliminationshalbwertszeit für Sorafenib liegt bei etwa 25 - 48 Stunden. Sorafenib wird primär inder Leber metabolisiert, und zwar sowohl durch oxidativen Abbau über CYP3A4 wie auch durch
UGT1A9-vermittelte Glukuronidierung. Sorafenib-Konjugate können im Gastrointestinaltrakt durchbakterielle Glukuronidase-Aktivität gespalten werden, was die Reabsorption des unkonjugierten
Wirkstoffs ermöglicht. Es wurde gezeigt, dass die gleichzeitige Anwendung von Neomycin diesen
Prozess stört und die mittlere Bioverfügbarkeit von Sorafenib um 54 % vermindert.
Im Steady State sind etwa 70 - 85 % der im Plasma zirkulierenden Sorafenib-Analyte unverändertes
Sorafenib. Acht Sorafenib-Metabolite sind identifiziert worden, davon konnten fünf im Plasmanachgewiesen werden. Der Hauptmetabolit von Sorafenib im Plasma, das Pyridin-N-oxid, zeigtin vitro eine mit Sorafenib vergleichbare Aktivität. Dieser Metabolit entspricht etwa 9 - 16 % derzirkulierenden Analyte im Steady State.
Nach oraler Gabe einer Lösung mit 100 mg Sorafenib konnten 96 % der Dosis innerhalb von 14 Tagenwieder gefunden werden, 77 % der Dosis wurden in den Fäzes und 19 % der Dosis als glukuronidierte
Metabolite im Urin ausgeschieden. Unverändertes Sorafenib, entsprechend 51 % der Dosis, wurde inden Fäzes, nicht aber im Urin, wieder gefunden, was darauf hinweist, dass die biliäre Ausscheidungdes unveränderten Wirkstoffs zur Elimination von Sorafenib beitragen kann.
Pharmakokinetik bei speziellen Patientengruppen
Analysen der demographischen Daten deuten darauf hin, dass zwischen der Pharmakokinetik und dem
Alter (bis 65 Jahre), Geschlecht oder Körpergewicht der Patienten keine Beziehung besteht.
Kinder und JugendlicheEs wurden keine Studien zur Untersuchung der Pharmakokinetik von Sorafenib bei Kindern und
Jugendlichen durchgeführt.
Ethnische ZugehörigkeitEs gibt keine klinisch relevanten Unterschiede in der Pharmakokinetik von kaukasischen undasiatischen Patienten.
NierenfunktionsstörungIn vier klinischen Phase-I-Studien war die Sorafenib-Exposition im Steady State ähnlich bei Patientenmit einer leichten oder mäßigen Nierenfunktionsstörung verglichen mit der Exposition bei Patientenmit normaler Nierenfunktion. In einer klinischen Pharmakologie-Studie (Einmalgabe von 400 mg
Sorafenib) wurde kein Zusammenhang zwischen der Sorafenib-Exposition und der Nierenfunktion bei
Patienten mit normaler Nierenfunktion oder mit einer leichten, mäßigen oder schweren
Nierenfunktionsstörung beobachtet. Für Dialysepatienten sind keine Daten verfügbar.
LeberfunktionsstörungBei Patienten mit Leberzellkarzinom (HCC) mit Child-Pugh A oder B (leichter bis mäßiger)
Leberfunktionsstörung sind die Expositionswerte vergleichbar und innerhalb der beobachteten
Spannweite von Patienten ohne Leberfunktionsstörung. Die Pharmakokinetik (PK) von Sorafenib bei
Patienten ohne HCC mit Child-Pugh A und B war vergleichbar zur PK bei gesunden Freiwilligen. Für
Patienten mit Child-Pugh C (schwerer) Leberfunktionsstörung liegen keine Daten vor. Sorafenib wirdhauptsächlich über die Leber metabolisiert, die Exposition könnte daher in dieser Patientenpopulationerhöht sein.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Das präklinische Sicherheitsprofil von Sorafenib wurde an Mäusen, Ratten, Hunden und Kaninchenbeurteilt.
Toxizitätsstudien bei wiederholter Gabe zeigten Veränderungen (Degenerations- und
Regenerationserscheinungen) in verschiedenen Organen bei Expositionen unterhalb der erwartetenklinischen Exposition (basierend auf AUC-Vergleichen).
Nach wiederholter Gabe an junge Hunde in der Wachstumsphase wurden Effekte an Knochen und
Zähnen bei Expositionen unterhalb der klinischen Exposition beobachtet. Die Veränderungenbestanden aus einer unregelmäßigen Verdickung der femoralen Wachstumsfuge, einer Verminderungder Knochenmarkszellen in der Umgebung der veränderten femoralen Wachstumsfuge und
Veränderungen der Dentinzusammensetzung. Gleichartige Effekte wurden bei adulten Hunden nichthervorgerufen.
Das Standardprogramm an Genotoxizitätsstudien wurde durchgeführt; positive Ergebnisse wurden ineinem in-vitro-Säugetierzellen-Testsystem (Chinese Hamster Ovaries) zur Klastogenität erhalten, wobei metabolischer Aktivierung ein Anstieg an strukturellen Chromosomenaberrationen beobachtetwurde. Sorafenib erwies sich nicht als genotoxisch im Ames-Test oder in einem in-vivo-Testsystem(Mouse Micronucleus Assay). Ein Zwischenprodukt der Sorafenib-Synthese, das auch im endgültigen
Wirkstoff vorhanden ist (< 0,15 %), ergab einen positiven Befund in einem in vitro bakteriellen
Mutagenitätstest (Ames-Test). Die in den Genotoxizitätsstudien geprüfte Sorafenib-Charge enthielt0,34 % PAPE.
In einer 2-jährigen Karzinogenitätsstudie an Mäusen gab es Fälle von Kolonadenokarzinomen in
Verbindung mit schwerer Hyperplasie und Entzündung, und in einer 2-jährigen Karzinogenitätsstudiean Ratten gab es Fälle von Pankreasinselzelladenomen. Die in beiden Karzinogenitätsstudien erzieltensystemischen Expositionen lagen unter den klinischen Expositionen beim Menschen bei Einnahme derempfohlenen Dosis. Es wurden nur wenige Fälle beobachtet und die klinische Relevanz dieser
Befunde ist unbekannt.
Es wurden keine spezifischen Tierstudien mit Sorafenib durchgeführt, um den Einfluss auf die
Fertilität zu untersuchen. Eine unerwünschte Wirkung auf die männliche und weibliche Fertilität kanndennoch erwartet werden, da Tierstudien bei wiederholter Gabe Veränderungen der männlichen undweiblichen Geschlechtsorgane bei Expositionen unterhalb der erwarteten klinischen Exposition(basierend auf dem AUC-Wert) zeigen. Typische Veränderungen bei Ratten waren Zeichen der
Degeneration und Retardierung der Hoden, Nebenhoden, Prostata und Samenbläschen. Weibliche
Ratten zeigten eine zentrale Nekrose der Gelbkörper (Corpus luteum) und eine Hemmung der
Follikelentwicklung in den Ovarien. Hunde wiesen eine tubuläre Degeneration in den Hoden sowie
Oligospermie auf.
Sorafenib erwies sich bei Gabe an Ratten und Kaninchen bei Expositionen unterhalb der klinischen
Exposition als embryotoxisch und teratogen. Beobachtete Effekte schlossen Gewichtsabnahmen bei
Mutter und Fetus, eine erhöhte Anzahl von Resorptionen des Fetus sowie eine Zunahme von äußerenund viszeralen Missbildungen ein.
Studien zur Beurteilung der Risiken für die Umwelt haben gezeigt, dass Sorafenib (als Tosilat) das
Potenzial hat, in der Umwelt persistent, bioakkumulierend und toxisch zu sein. Informationen zur
Beurteilung der Risiken für die Umwelt sind im EPAR dieses Arzneimittels zu finden (siehe
Abschnitt 6.6).
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern:Croscarmellose-Natrium
Mikrokristalline Cellulose
Hypromellose
Natriumdodecylsulfat
Magnesiumstearat (Ph. Eur.)
Tablettenüberzug:Hypromellose
Macrogol (3350)
Titandioxid (E 171)
Eisen(III)-oxid (E 172)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
112 Filmtabletten (4 x 28) in Packungen mit transparenten (PP/Aluminium) Blisterpackungen.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Dieses Arzneimittel kann ein potenzielles Risiko für die Umwelt darstellen. Nicht verwendetes
Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Bayer AG51368 Leverkusen
Deutschland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 19. Juli 2006
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 29. Juni 2011
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar.