Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels NEVANAC 1mg / ml augentropfen suspension
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
NEVANAC 1 mg/ml Augentropfensuspension
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 ml Suspension enthält 1 mg Nepafenac.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter WirkungJeder ml Suspension enthält 0,05 mg Benzalkoniumchlorid.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Augentropfensuspension
Gleichmäßige hellgelbe bis hellorange Suspension, pH-Wert von ca. 7,4.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
NEVANAC 1 mg/ml wird angewendet bei Erwachsenen zur:
- Prophylaxe und Behandlung postoperativer Schmerz- und Entzündungszustände bei
Kataraktoperationen
- Verminderung des Risikos postoperativer Makulaödeme in Zusammenhang mit
Kataraktoperationen bei Diabetikern (siehe Abschnitt 5.1)
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
DosierungErwachsene einschließlich ältere Patienten
Zur Prophylaxe und Behandlung von Schmerzen und Entzündungen wird dreimal täglich 1 Tropfen
NEVANAC in den Bindehautsack des betroffenen Auges oder der betroffenen Augen gegeben:
beginnend am Tag vor der Kataraktoperation, dann am Tag der Operation und in den ersten beiden
Wochen nach der Operation. Abhängig von der Anweisung des Arztes kann die Anwendung auf dieersten 3 Wochen nach der Operation ausgedehnt werden. Zusätzlich einen weiteren Tropfen 30 bis120 Minuten vor der Operation eintropfen.
Zur Verminderung des Risikos postoperativer Makulaödeme nach Katarakteingriffen bei Diabetikernbeträgt die Dosierung dreimal täglich 1 Tropfen NEVANAC in den Bindehautsack des betroffenen
Auges oder der betroffenen Augen, beginnend am Tag vor der Operation, dann am Tag des Eingriffsund bis zu 60 Tagen postoperativ, je nach Anweisung des Arztes. Zusätzlich einen weiteren Tropfen30 bis 120 Minuten vor der Operation eintropfen.
Besondere PatientengruppenAnwendung bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion
Zur Anwendung bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sind keine Studiendurchgeführt worden. Nepafenac wird primär nach Biotransformation ausgeschieden. Die systemische
Verfügbarkeit nach topischer Anwendung am Auge ist sehr gering. Bei diesen Patienten erscheint eine
Dosisanpassung nicht erforderlich.
Kinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von NEVANAC bei Kindern und Jugendlichen ist nicht erwiesen. Esliegen keine Daten vor. Die Anwendung wird bei diesen Patienten nicht empfohlen, bis weitere Datenvorliegen.
Ältere PersonenIn Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit wurden zwischen älteren und jüngeren Patienten insgesamtkeine Unterschiede beobachtet.
Art der AnwendungAnwendung am Auge.
Patienten sollten angewiesen werden, die Flasche vor Gebrauch gut zu schütteln. Nach dem ersten
Öffnen der Verschlusskappe ist der Anbruchschutzring lose und sollte vor der ersten Anwendung entferntwerden.
Wird mehr als ein topisches ophthalmisches Arzneimittel verabreicht, müssen die einzelnen
Anwendungen mindestens 5 Minuten auseinander liegen. Augensalben sollten zuletzt angewandtwerden.
Um Kontaminationen von Tropferspitze und Lösung zu vermeiden, dürfen weder das Augenlid nochdie Augenumgebung oder andere Oberflächen mit der Tropferspitze der Flasche in Berührungkommen. Patienten sollten angewiesen werden, die Flasche bei Nichtgebrauch fest zu verschließen.
Wird eine Dosis vergessen, sollte so bald wie möglich ein einzelner Tropfen eingetropft werden, bevordas reguläre Dosierungsschema wieder aufgenommen wird. Es darf keine doppelte Dosis angewendetwerden, um eine versäumte Dosis auszugleichen.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Überempfindlichkeit gegen sonstige nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID).
Patienten, bei denen Acetylsalicylsäure oder sonstige NSAID Asthma, Urtikaria oder eine akute
Rhinitis hervorrufen.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Das Arzneimittel darf nicht injiziert werden. Patienten sind anzuweisen, NEVANAC nichteinzunehmen.
Patienten sind anzuweisen, direktes Sonnenlicht während der Behandlung mit NEVANAC zuvermeiden.
Okuläre Wirkungen
Topische NSAID können eine Keratitis verursachen. Bei entsprechend disponierten Patienten kann derwiederholte Gebrauch topischer NSAID zu Epithelversagen, Hornhautverdünnung, Hornhauterosion,
Hornhautulcera oder Hornhautperforation führen (s. Abschnitt 4.8) und dadurch das Sehvermögengefährden. Sollten bei einem Patienten Schäden des Hornhautepithels auftreten, sollte NEVANACunverzüglich abgesetzt werden und der Hornhautzustand des Patienten engmaschig kontrolliertwerden.
Topische NSAID können Heilungsprozesse verlangsamen oder verzögern. Auch topische
Kortikosteroide können Heilungsprozesse verlangsamen oder verzögern. Die gleichzeitige
Anwendung von NSAID und Kortikosteroiden kann Heilungsprobleme verstärken. Daher ist Vorsichtgeboten, wenn NEVANAC gleichzeitig mit Kortikosteroiden gegeben wird. Dies gilt insbesondere bei
Patienten mit einem hohen Gefährdungspotenzial für Nebenwirkungen der Hornhaut, wie untenbeschrieben.
Nach der Markteinführung topischer NSAID ist über korneale Nebenwirkungen, die das Sehvermögenschädigen können, berichtet worden. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Patienten mit
Hornhautdenervation, Epitheldefekten der Hornhaut, Diabetes mellitus, Erkrankungen der
Augenoberfläche (z. B. Trockenes-Auge-Syndrom) oder rheumatoider Arthritis. Auch bei Patienten,die komplizierten Augenoperationen oder mehreren Eingriffen innerhalb kurzer Zeit unterzogenwerden, besteht ein erhöhtes Risiko. Bei diesen Patienten sollten topische NSAID nur unter Vorsichteingesetzt werden. Der wiederholte Gebrauch topischer NSAID erhöht das Patientenrisiko für das
Auftreten und die Schwere von Nebenwirkungen an der Hornhaut.
Es wurde berichtet, dass ophthalmologische NSAID im Zusammenhang mit Augenoperationenverstärkte Blutungen des okulären Gewebes (einschließlich Hyphäma) verursachen können.
NEVANAC sollte bei Patienten mit erhöhter Blutungsneigung oder bei Einnahme vonblutungsfördernden Arzneimitteln nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
Eine akute Augeninfektion kann durch topische Entzündungshemmer maskiert werden. NSAID habenkeine antimikrobiellen Eigenschaften. Bei okulären Infektionen sollten sie nur mit Vorsicht zusammenmit Antiinfektiva angewendet werden.
KontaktlinsenDas Tragen von Kontaktlinsen nach der Katarakt-OP wird nicht empfohlen. Daher sollten Patientenangewiesen werden, keine Kontaktlinsen zu tragen, wenn dies nicht ausdrücklich durch ihrenbehandelnden Arzt so angeordnet wird.
Benzalkoniumchlorid
NEVANAC enthält Benzalkoniumchlorid, das Irritationen am Auge hervorrufen kann und dafürbekannt ist, weiche Kontaktlinsen zu verfärben. Müssen während der Behandlung Kontaktlinsengetragen werden, sollten Patienten angewiesen werden, diese vor der jeweiligen Anwendungherauszunehmen und frühestens 15 Minuten später wieder einzusetzen.
Es liegen Berichte vor, dass Benzalkoniumchlorid eine Keratopathia punctata und/oder eine toxischulzerierende Keratopathie verursachen kann. Da NEVANAC Benzalkoniumchlorid enthält, sollte der
Patient bei häufigem oder langfristigem Gebrauch sorgfältig überwacht werden.
Kreuzsensitivität
Nepafenac kann Kreuzsensitivitäten gegenüber Acetylsalicylsäure, Phenylacetylsäurederivaten undsonstigen NSAID bewirken.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
In-vitro-Studien zeigen ein sehr geringes Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimittelnoder Wechselwirkungen, die durch Plasmaeiweißbindung hervorgerufen werden (siehe Abschnitt 5.2).
Prostaglandin-Analoga
Hinsichtlich der gleichzeitigen Anwendung von Prostaglandin-Analoga und NEVANAC sind nur sehrbegrenzt Daten verfügbar. Unter Berücksichtigung der Wirkmechanismen dieser Substanzen ist diegleichzeitige Anwendung dieser Arzneimittel nicht empfehlenswert.
Die gleichzeitige Anwendung topischer NSAID und topischer Steroide kann die Wahrscheinlichkeitvon Heilungsproblemen erhöhen. Eine gleichzeitige Anwendung von NEVANAC und Arzneimitteln,die die Blutungszeit verlängern, kann das Risiko von Hämorrhagien erhöhen (siehe Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen AlterNEVANAC sollte von Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht angewendet werden.
SchwangerschaftZur Anwendung von Nepafenac bei schwangeren Frauen liegen keine hinreichenden Daten vor.
Tierstudien zeigten reproduktionstoxische Effekte (siehe Abschnitt 5.3). Das potenzielle Risiko fürden Menschen ist unbekannt. Die systemische Verfügbarkeit nach der Behandlung mit NEVANACwird für nicht schwangere Frauen als unbedeutend eingeschätzt, daher wird das Risiko während der
Schwangerschaft als möglicherweise gering erachtet. Da jedoch eine Inhibierung der
Prostaglandinsynthese die Schwangerschaft, die embryonale/fötale Entwicklung, die Geburt und/oderdie postnatale Entwicklung beeinträchtigen könnte, wird die Anwendung von NEVANAC währendder Schwangerschaft nicht empfohlen.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Nepafenac in die Muttermilch übergeht. Tierstudien zeigen, dass Nepafenac indie Muttermilch von Ratten übergehen kann. Dennoch sind keine Effekte auf den Säugling zuerwarten, da die systemische Verfügbarkeit für die stillende Mutter vernachlässigbar ist. NEVANACkann während der Stillzeit verwendet werden.
FertilitätEs liegen keine Daten zur Wirkung von NEVANAC auf die Fertilität des Menschen vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenNEVANAC hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die
Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Vorübergehend kann es zu verschwommenem Sehen oder anderen Sehbeeinträchtigungen kommen,die die Verkehrstüchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen erschweren können. Wenn diese
Beeinträchtigungen nach dem Eintropfen auftreten, sollten Patienten erst wieder am Straßenverkehrteilnehmen oder Maschinen bedienen, wenn die Beeinträchtigungen abgeklungen sind.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsIn klinischen Studien mit 2 314 Patienten, die NEVANAC 1 mg/ml Augentropfen erhielten, waren diehäufigsten Nebenwirkungen Keratitis punctata, Fremdkörpergefühl und Augenlidrandverkrustungen,die bei 0,4 % bis 0,2 % der Patienten auftraten.
Tabellarische Zusammenfassung der NebenwirkungenDie unten aufgeführten Nebenwirkungen werden folgendermaßen definiert: sehr häufig (≥1/10),häufig (≥1/100 bis <1/10), gelegentlich (≥1/1 000 bis <1/100), selten (≥1/10 000 bis <1/1 000), sehrselten <1/10 000) oder nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nichtabschätzbar). In jeder Häufigkeitskategorie sind die Nebenwirkungen nach abnehmendem
Schweregrad angeordnet. Die Daten über Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien beobachtetoder nach Markteinführung gemeldet.
Systemorganklassen Nebenwirkungen
Erkrankungen des Immunsystems Selten: Überempfindlichkeit
Erkrankungen des Nervensystems Selten: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen
Augenerkrankungen Gelegentlich: Keratitis, Keratitis punctata, Defekt des
Hornhautepithels, Fremdkörpergefühl im Auge,
Augenlidrandverkrustung
Selten: Iritis, chorioidale Effusion,
Hornhautablagerungen, Augenschmerzen,
Augenbeschwerden, trockenes Auge, Blepharitis,
Augenreizung, Augenjucken, Augenfluss, allergische
Konjunktivitis, Tränensekretion verstärkt,
Bindehauthyperämie
Nicht bekannt: Hornhautperforation, verzögerte
Heilung (Hornhaut), Kornealopazität, Narbe der
Hornhaut, verminderte Sehschärfe, Schwellung des
Auges, ulzerative Keratitis, Hornhautverdünnung,verschwommenes Sehen
Gefäßerkrankungen Nicht bekannt: erhöhter Blutdruck
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts Selten: Übelkeit
Nicht bekannt: Erbrechen
Erkrankungen der Haut und des Selten: Cutis laxa (Chalodermie), allergische
Unterhautgewebes Dermatitis
Diabetiker
In zwei klinischen Studien mit 209 Patienten erhielten Diabetiker eine Behandlung mit NEVANACüber 60 Tage oder länger zur Prophylaxe von Makulaödemen nach Katarakteingriffen. Diemeistgenannte Nebenwirkung war Keratitis punctata, die bei 3 % der Patienten - und somit in der
Häufigkeitsgruppe 'Häufig“ - auftrat. Bei den anderen berichteten Nebenwirkungen handelte es sichum Hornhautepitheldefekte und um allergische Dermatitis, die bei 1 % bzw. 0,5 % der Patientenauftraten und somit beide in die Kategorie 'Gelegentlich“ fallen.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenDie Erfahrungen aus klinischen Studien zur Langzeitanwendung von NEVANAC zwecks Prophylaxevon Makulaödemen nach Katarakteingriffen bei diabetischen Patienten sind begrenzt.
Nebenwirkungen am Auge könnten bei diabetischen Patienten häufiger auftreten als bei der
Durchschnittsbevölkerung (siehe Abschnitt 4.4).
Bei Patienten mit Verdacht auf gravierende Epithelschäden der Hornhaut, einschließlich
Hornhautperforation, sollte NEVANAC sofort abgesetzt und der Zustand der Hornhaut eingehendüberwacht werden (siehe Abschnitt 4.4).
Nach der Markteinführung von NEVANAC wurde über Fälle berichtet, in denen es zu
Defekten/Störungen des Hornhautepithels kam. Die Schweregrade dieser Fälle variieren zwischennicht schwerwiegenden Auswirkungen auf die Unversehrtheit des Hornhautepithels undschwerwiegenderen Ereignissen, bei denen chirurgische Eingriffe und/oder eine medikamentöse
Therapie erforderlich sind, um das Sehvermögen wiederherzustellen.
Die Erfahrungen nach der Markteinführung topischer NSAID legen nahe, dass für Patienten mitkomplizierten Augeneingriffen, Hornhautdenervationen, Epitheldefekten der Hornhaut, Diabetesmellitus, Erkrankungen der Augenoberfläche (z. B. Trockenes-Auge-Symptomatik), rheumatoider
Arthritis oder wiederholten augenchirurgischen Eingriffen innerhalb kurzer Zeit ein erhöhtes Risikofür korneale Nebenwirkungen besteht, die das Sehvermögen beeinträchtigen können. Beipostoperativer Anwendung von Nepafenac zur Vermeidung von Makulaödemen bei Diabetikern mussjeder zusätzliche Risikofaktor zu einer erneuten Bewertung des erwarteten Verhältnisses von Nutzenund Risiko führen. Der Patient ist darüber hinaus intensiv zu überwachen.
Kinder und JugendlicheSicherheit und Wirksamkeit von NEVANAC bei Kindern und Jugendlichen sind nicht nachgewiesen.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Sowohl bei einer Überdosierung am Auge als auch im Falle des versehentlichen Verschluckens sindtoxische Effekte unwahrscheinlich.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Ophthalmika, Nichtsteroidale Antiphlogistika; ATC-Code:
S01BC10
WirkmechanismusNepafenac ist ein nichtsteroidales, antiphlogistisch und analgetisch wirkendes Prodrug. Nach dem
Eintropfen in das Auge penetriert Nepafenac die Hornhaut und wird von Hydrolasen des
Augengewebes in Amfenac, einen nichtsteroidalen entzündungshemmenden Wirkstoff, umgewandelt.
Amfenac inhibiert die Prostaglandin-H-Synthase (Cyclooxygenase), ein Enzym, das für die
Prostaglandinproduktion erforderlich ist.
Sekundärpharmakologie
Am Kaninchen wurde nachgewiesen, dass Nepafenac den Zusammenbruch der Blut-Retina-Schrankeverhindert; gleichzeitig unterdrückt es die PGE2-Synthese. Im Ex-vivo-Ansatz inhibiert eine Dosis
Nepafenac, die einer Anwendung am Auge entspricht, die Prostaglandinsynthese in Iris und
Ciliarkörper (85 %-95 %) bis zu 6 Stunden und in Retina bzw. der Chorioidea (55 %) bis zu4 Stunden lang.
Pharmakodynamische WirkungenEntsprechend dem Gehalt an vaskularisiertem Gewebe findet die Hydrolyse vorwiegend in Retina und
Chorioidea statt, gefolgt von Iris und Ziliarkörper sowie der Hornhaut.
Klinische Studien zeigen, dass NEVANAC den Augeninnendruck nicht signifikant verändert.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitProphylaxe und Behandlung postoperativer Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit
Katarakteingriffen
Drei Pivotstudien wurden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von NEVANAC bei3x täglicher Gabe im Vergleich zu Vehikel und/oder Ketorolac-Trometamol zur Verhütung und
Behandlung postoperativer Schmerzen und Entzündungen bei Patienten nach Kataraktoperation zuuntersuchen. In diesen Studien wurde mit der Verabreichung der Studienmedikation am Tag vor der
Operation begonnen, diese wurde am Tag der Operation fortgesetzt und bis zu 2-4 Wochen nach dem
Eingriff beibehalten. Zusätzlich erhielten fast alle Patienten vorsorglich eine Behandlung mit
Antibiotika, entsprechend der klinischen Praxis des jeweiligen Prüfzentrums.
Zwei doppelblinde, randomisierte, Vehikel-kontrollierte Studien zeigten, dass Patienten unter
NEVANAC ab der frühen postoperativen Phase bis hin zum Behandlungsende signifikant weniger
Entzündungsanzeichen entwickelten (Zellen im Kammerwasser sowie Tyndall) als Patienten, die das
Vehikel erhalten hatten.
In einer doppelblinden, randomisierten, Vehikel- und Wirkstoff- kontrollierten Studie zeigten die mit
NEVANAC behandelten Patienten signifikant weniger Entzündungen als unter Vehikel. Außerdemzeigte sich NEVANAC in der Entzündungs- und Schmerzreduktion Ketorolac 5 mg/ml nichtunterlegen und war beim Eintropfen etwas besser verträglich.
Nach Kataraktoperation berichteten in der NEVANAC-Gruppe signifikant mehr Patienten über
Schmerzfreiheit am Auge als in der Gruppe, die das Vehikel erhalten hatte.
Verminderung des Risikos postoperativer Makulaödeme im Zusammenhang mit Katarakteingriffen bei
Diabetikern
Zur Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit von NEVANAC zur Prophylaxe postoperativer
Makulaödeme im Zusammenhang mit Katarakteingriffen wurden vier Studien (zwei mit Diabetikernund zwei mit Nichtdiabetikern) durchgeführt. In diesen Studien erfolgte die Anwendung des
Prüfmedikaments einen Tag vor dem Eingriff sowie am Tag des Eingriffs und wurde bis zu 90 Tagenach der Operation beibehalten.
In einer doppelblinden, randomisierten, Vehikel-kontrollierten Studie, die mit diabetischen
Retinopathie-Patienten durchgeführt wurde, entwickelte in der Vehikelgruppe ein signifikant höherer
Prozentsatz der Patienten (16,7 %) Makulaödeme im Vergleich zu den Patienten, die mit NEVANACbehandelt wurden (3,2 %). Eine Verschlechterung des bestkorrigierten Visus um mehr als5 Buchstaben trat zwischen Tag 7 und Tag 90 (oder Studienabbruch) bei den mit Vehikel behandelten
Patienten zu einem höheren Prozentsatz (11,5 %) auf, als bei mit Nepafenac behandelten Patienten(5,6 %). Von den mit NEVANAC behandelten Patienten erzielen mehr eine Verbesserung desbestkorrigierten Visus um 15 Buchstaben als von den mit Vehikel behandelten Patienten: 56,8 % bzw.
41,9 %; p = 0,019.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für NEVANAC eine Freistellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen zur Prophylaxe und
Behandlung postoperativer Schmerz- und Entzündungszustände bei Kataraktoperationen gewährt(siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionBei dreimal täglicher Gabe von NEVANAC in beide Augen wurden in den meisten Patienten 2 bzw.
3 Stunden nach Applikation geringe, aber quantifizierbare Plasmakonzentrationen von Nepafenac und
Amfenac festgestellt. Nach der Applikation am Auge betrug die mittlere Steady-state-
Plasmakonzentration Cmax für Nepafenac 0,310 ± 0,104 ng/ml und für Amfenac 0,422 ± 0,121 ng/ml.
VerteilungAmfenac hat eine hohe Affinität zu Serumalbuminproteinen. In vitro waren an Rattenalbumin 98,4 %,an Humanalbumin 95,4 % und an Humanserum 99,1 % gebunden.
Untersuchungen an der Ratte zeigen, dass sich nach einfacher wie nach mehrfacher oraler Gabe von14C-markiertem Nepafenac die radioaktiv markierte Wirksubstanz im gesamten Organismus verteilt.
Untersuchungen am Kaninchen haben gezeigt, dass topisch verabreichtes Nepafenac lokal von der
Vorderseite des Auges zu den hinteren Segmenten des Auges (Retina und Chorioidea) verteilt wird.
BiotransformationDie Umwandlung von Nepafenac zu Amfenac erfolgt relativ schnell durch intraokuläre Hydrolasen. Inder Folge unterliegt Amfenac einem ausgeprägten Metabolismus hin zu polareren
Stoffwechselprodukten. Durch Hydroxylierung des aromatischen Rings entstehen konjugierte
Glukuronide. Radiochromatografische Analysen vor und nach der Hydrolyse durch ß-Glukuronidaseweisen darauf hin, dass alle Metaboliten bis auf Amfenac als konjugierte Glukuronide vorliegen.
Amfenac war im Plasma der Hauptmetabolit und repräsentierte 13 % der gesamten
Plasmaradioaktivität. Der zweithäufigste Plasmametabolit war 5-Hydroxy-Nepafenac, das bei Cmaxungefähr 9 % der Gesamtradioaktivität repräsentiert.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln: in Konzentrationen bis zu 3 000 ng/ml inhibierenweder Nepafenac noch Amfenac in vitro die metabolische Aktivität der wichtigsten menschlichen
Cytochrom-P450-Enzyme (CYP1A2, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 und 3A4). Deshalb sind
Wechselwirkungen mit gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln über den CYP-vermittelten
Metabolismus unwahrscheinlich. Auch über Eiweißbindung hervorgerufene Wechselwirkungen sindunwahrscheinlich.
EliminationUntersuchungen an gesunden Probanden zeigten, dass nach oraler Gabe von 14C-Nepafenac die meiste
Radioaktivität über den Urin ausgeschieden wird (85 % der Gesamtmenge), während über die Fäzesungefähr 6 % der Dosis ausgeschieden wurden. Im Urin waren Nepafenac und Amfenac nichtquantifizierbar.
Bei 25 Katarakt-OP-Patienten wurden 15, 30, 45 und 60 Minuten nach Gabe einer Einzeldosis
NEVANAC die Kammerwasserkonzentrationen bestimmt. Die höchsten Konzentrationen im
Kammerwasser wurden nach 1 Stunde gemessen (Nepafenac 177 ng/ml, Amfenac 44,8 ng/ml). Diese
Befunde deuten auf eine rasche Hornhautpenetration hin.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter
Gabe und Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschenerkennen.
Es wurden keine Langzeitstudien zur Kanzerogenität von Nepafenac durchgeführt.
In Reproduktionsstudien an Ratten waren die für Muttertiere toxischen Nepafenac-Dosierungen von≥10 mg/kg assoziiert mit Dystokie, erhöhten Postimplantationsverlusten, verringertem fötalen
Gewicht/Wachstum und geringeren Überlebensraten der Föten. Bei trächtigen Kaninchen führte eineden Muttertieren verabreichte Dosis von 30 mg/kg zu leichten toxischen Wirkungen an den
Muttertieren und einem statistisch signifikanten Anstieg der Missbildungshäufigkeit bei den Würfen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Mannitol (Ph. Eur.)
Carbomer
Natriumchlorid
Tyloxapol
Natriumedetat (Ph. Eur.)
Benzalkoniumchlorid
Natriumhydroxid und/oder Salzsäure (zur pH-Wert-Einstellung)
Gereinigtes Wasser
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
2 Jahre4 Wochen nach dem erstmaligen Öffnen nicht mehr verwenden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 30 °C lagern.
Aufbewahrungsbedingungen nach Anbruch des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Runde 5-ml-Flasche mit Tropferspitze aus Polyethylen niederer Dichte und weißem
Schraubverschluss aus Polypropylen, mit 5 ml Suspension.
Faltschachtel mit 1 Flasche.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Keine besonderen Anforderungen für die Beseitigung.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Novartis Europharm Limited
Vista Building
Elm Park, Merrion Road
Dublin 4
Irland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 11. Dezember 2007
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 24. September 2012
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.