Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels ISENTRESS 400mg tablets
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
ISENTRESS 400 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 400 mg Raltegravir (als Raltegravir-Kalium).
Sonstige(r) Bestandteil(e) mit bekannter WirkungJede Tablette enthält 26,06 mg Lactose-Monohydrat.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette
Rosa, ovale Tablette mit der Aufschrift '227' auf einer Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
ISENTRESS ist angezeigt in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlungeiner Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV-1) (siehe Abschnitte 4.2, pct. 4.4, 5.1 und5.2).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung sollte von einem in der Behandlung von HIV-Infektionen erfahrenen Arzt begonnenwerden.
DosierungISENTRESS muss in Kombination mit anderen aktiven antiretroviralen Therapien (ARTs)angewendet werden (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
ErwachseneDie empfohlene Dosierung für ISENTRESS beträgt 400 mg (eine Tablette) zweimal täglich.
Kinder und JugendlicheFür Kinder und Jugendliche mit einem Gewicht von mindestens 25 kg beträgt die empfohlene
Dosierung 400 mg (1 Filmtablette) zweimal täglich. Wenn die Patienten nicht in der Lage sind,
Tabletten zu schlucken, kann die Gabe der Kautabletten erwogen werden.
Verfügbarkeit weiterer Darreichungsformen und Stärken:
ISENTRESS steht auch als Kautablette und als Granulat zur Herstellung einer Suspension zum
Einnehmen zur Verfügung. Bitte beachten Sie die weiteren Dosierungsangaben der jeweiligen
Fachinformationen für die Kautabletten und das Granulat zur Herstellung einer Suspension zum
Einnehmen.
Sicherheit und Wirksamkeit von Raltegravir wurden bei Frühgeborenen(< 37 Schwangerschaftswochen) und Neugeborenen mit einem geringen Geburtsgewicht (unter2.000 g) nicht untersucht. Für diese Population stehen keine Daten zur Verfügung und daher sindkeine Dosisempfehlungen möglich.
Die Höchstdosis der Kautablette beträgt 300 mg zweimal täglich.
Da die pharmakokinetischen Profile der Darreichungsformen unterschiedlich sind, sollten die 400-mg-
Filmtabletten oder 600-mg-Filmtabletten weder durch die Kautabletten noch durch das Granulat zur
Herstellung einer Suspension zum Einnehmen ersetzt werden (siehe Abschnitt 5.2). Die Kautablettenund das Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen wurden nicht bei HIV-infizierten
Jugendlichen (12 bis 18 Jahre) oder Erwachsenen untersucht.
ISENTRESS steht auch als 600-mg-Filmtablette zur einmal täglichen Einnahme von 1.200 mg (zwei600-mg-Filmtabletten) für Erwachsene, Kinder und jugendliche Patienten (mit einem Gewicht vonmindestens 40 kg) zur Behandlung therapienaiver Patienten oder von Patienten, deren Viruslast bereitsdurch ein Regime mit Isentress 400 mg zweimal täglich supprimiert ist, zur Verfügung. Die400-mg-Filmtablette ist nicht für das Therapieschema von einmal täglich 1.200 mg geeignet. Bittebeachten Sie die weiteren Dosierungsangaben der Fachinformation für die 600-mg-Filmtabletten.
Ältere PatientenDie Erfahrung bezüglich der Anwendung von Raltegravir bei älteren Patienten ist begrenzt (siehe
Abschnitt 5.2). ISENTRESS sollte daher bei dieser Patientengruppe mit Vorsicht angewendet werden.
Eingeschränkte NierenfunktionBei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe
Abschnitt 5.2).
Eingeschränkte LeberfunktionBei Patienten mit leicht oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassungerforderlich. Verträglichkeit und Wirksamkeit von Raltegravir sind bei Patienten mit schweren
Lebererkrankungen nicht erwiesen. ISENTRESS sollte daher bei Patienten mit schwerer
Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Art der AnwendungZum Einnehmen.
ISENTRESS 400 mg Filmtabletten können unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommenwerden. Die Tabletten sollten weder gekaut, noch zerdrückt oder geteilt werden,da dadurch
Änderungen im pharmakokinetischen Profil zu erwarten sind.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Allgemeine HinweiseDie Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass die gegenwärtige antiretrovirale Therapie
Patienten mit einer HIV-Infektion nicht heilt und dass nicht nachgewiesen wurde, dass sie eine
Übertragung von HIV über Kontakt mit Blut verhindert.
Raltegravir besitzt eine relativ niedrige genetische Barriere gegen Resistenz. Deshalb sollte
Raltegravir, wann immer dies möglich ist, mit zwei anderen aktiven ARTs angewendet werden, umdie Wahrscheinlichkeit eines virologischen Versagens und die Resistenzentwicklung zu minimieren(siehe Abschnitt 5.1).
Die klinischen Studiendaten über die Anwendung von Raltegravir bei bisher unbehandelten Patientensind auf die Anwendung in Kombination mit zwei Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren(NRTIs) (Emtricitabin und Tenofovirdisoproxilfumarat) begrenzt.
DepressionÜber Depression, auch mit Suizidgedanken und suizidalem Verhalten, wurde berichtet, insbesonderebei Patienten mit einer Depression oder psychiatrischen Erkrankung in der Vorgeschichte. Bei
Patienten mit einer Depression oder psychiatrischen Erkrankung in der Vorgeschichte ist Vorsichtgeboten.
Eingeschränkte LeberfunktionVerträglichkeit und Wirksamkeit von Raltegravir sind bei Patienten mit schweren Lebererkrankungennicht erwiesen. Raltegravir sollte daher bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung mit
Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2).
Patienten mit einer vorbestehenden Funktionsstörung der Leber einschließlich chronischer Hepatitiszeigen während einer antiretroviralen Kombinationstherapie häufiger Veränderungen der
Leberfunktion und sollten mit den üblichen Maßnahmen überwacht werden. Falls bei diesen Patienteneine Verschlechterung der Lebererkrankung auftritt, sollte eine Unterbrechung bzw. eine Einstellungder Therapie erwogen werden.
Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C, die mit einer antiretroviralen Kombinationstherapiebehandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende und potenziell tödliche hepatische
Nebenwirkungen.
OsteonekroseObwohl eine multifaktorielle Ätiologie angenommen wird (darunter Anwendung von
Kortikosteroiden, Alkoholkonsum, schwere Immunsuppression, höherer Body-Mass-Index), wurden
Fälle von Osteonekrose insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung und/oder
Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die Patienten sinddarauf hinzuweisen, bei Auftreten von Gelenkbeschwerden und -schmerzen, Gelenksteife oder
Schwierigkeiten bei Bewegungen den Arzt aufzusuchen.
Immun-Reaktivierungs-SyndromBei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitungeiner antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) eine entzündliche Reaktion auf asymptomatischeoder residuale opportunistische Infektionen entwickeln, die zu schweren klinischen Zuständen oderzur Verschlechterung von Symptomen führt. Typischerweise wurden solche Reaktionen innerhalb derersten Wochen oder Monate nach Beginn der ART beobachtet. Entsprechende Beispiele sind CMV-
Retinitis, disseminierte und/oder lokalisierte mykobakterielle Infektionen und Pneumocystis-jiroveci-(früher bekannt als: Pneumocystis-carinii-)Pneumonie. Jedes Entzündungssymptom ist zu bewerten;falls notwendig, ist eine Behandlung einzuleiten.
Es liegen auch Berichte über Autoimmunerkrankungen (wie z. B. Morbus Basedow und
Autoimmunhepatitis) vor, die im Rahmen einer Immun-Reaktivierung auftraten; allerdings ist der
Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel und diese Ereignisse können viele Monate nach Beginn der
Behandlung auftreten.
AntazidaDie gleichzeitige Anwendung von Raltegravir mit aluminium- und magnesiumhaltigen Antazidareduzierte die Plasmaspiegel von Raltegravir. Daher wird die Kombination von Raltegravir mitaluminium- und/oder magnesiumhaltigen Antazida nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.5).
RifampicinBei Kombination von Raltegravir mit starken Induktoren der Uridin-Diphosphat-
Glukuronosyltransferase (UGT) 1A1 (z. B. Rifampicin) ist Vorsicht geboten. Rifampicin reduziert den
Plasmaspiegel von Raltegravir, der Einfluss auf die Wirksamkeit von Raltegravir ist nicht bekannt.
Wenn eine Kombination mit Rifampicin unvermeidlich ist, kann bei Erwachsenen eine Verdoppelungder Dosis von Raltegravir in Erwägung gezogen werden. Es liegen keine Daten zu einer Kombinationvon Raltegravir und Rifampicin bei Patienten unter 18 Jahren vor (siehe Abschnitt 4.5).
Myopathie und Rhabdomyolyse
Myopathie und Rhabdomyolyse wurden berichtet. Bei Patienten, die bereits eine Myopathie oder
Rhabdomyolyse in der Vergangenheit hatten oder prädisponierende Faktoren haben, einschließlich
Arzneimitteln, die derartige Erkrankungen hervorrufen können, sollte eine Anwendung mit Vorsichtdurchgeführt werden (siehe Abschnitt 4.8).
Schwerwiegende Haut- und Überempfindlichkeitsreaktionen
Schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche und letale Hautreaktionen wurden bei Patientenberichtet, die Raltegravir eingenommen hatten, in den meisten Fällen in Kombination mit anderen
Arzneimitteln, die mit diesen Reaktionen einhergehen können. Darunter waren Fälle von Stevens-
Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom (toxischer epidermaler Nekrolyse).
Überempfindlichkeitsreaktionen wurden ebenfalls berichtet und waren durch Hautausschlag,
Allgemeinsymptome und manchmal Organfehlfunktionen einschließlich Leberversagengekennzeichnet. Raltegravir sowie weitere in Betracht kommende Arzneimittel müssen sofortabgesetzt werden, wenn die Patienten Anzeichen schwerer Haut- oder Überempfindlichkeitsreaktionenentwickeln (wie schwerer Hautausschlag oder Ausschlag mit Fieber, allgemeines Unwohlsein,
Müdigkeit, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Blasenbildung, orale Läsionen, Konjunktivitis,
Gesichtsödem, Hepatitis, Eosinophilie, Angioödem; auch andere Symptome sind möglich). Derklinische Zustand und die Leber-Transaminasen sollten überwacht und eine geeignete Therapieeingeleitet werden. Jegliche Verzögerung des Absetzens der Behandlung mit Raltegravir oder andererin Betracht kommender Arzneimittel nach dem Beginn eines schweren Hautausschlags kann zu einerlebensbedrohlichen Reaktion führen.
HautausschlagHautausschlag trat häufiger auf bei vorbehandelten Patienten unter Therapieregimen mit Raltegravirund Darunavir im Vergleich zu Patienten unter Raltegravir ohne Darunavir oder Darunavir ohne
Raltegravir (siehe Abschnitt 4.8).
LactoseDieses Arzneimittel enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-
Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses
Arzneimittel nicht einnehmen.
NatriumDieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d. h., es ist nahezu'natriumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
In-vitro-Studien zeigen, dass Raltegravir kein Substrat der Cytochrom-P450-(CYP)-Enzyme ist, unddass es weder CYP1A2, CYP2B6, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6 oder CYP3A noch die
UDP-Glukuronosyltransferasen (UGTs) 1A1 und 2B7 hemmt. Raltegravir induziert nicht CYP3A4und hemmt nicht den P-Glykoprotein-vermittelten Transport.
Auf Basis dieser Daten wird nicht erwartet, dass Raltegravir die Pharmakokinetik von Arzneimitteln,die Substrate dieser Enzyme oder des P-Glykoproteins sind, beeinflusst.
Auf Grundlage von in-vitro- und in-vivo-Studien wird Raltegravir hauptsächlich über den
Stoffwechselweg der UGT1A1-vermittelten Glukuronidierung eliminiert.
Es wurde eine beträchtliche inter- und intraindividuelle Variabilität der Pharmakokinetik von
Raltegravir beobachtet.
Wirkung von Raltegravir auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel
In Wechselwirkungsstudien hatte Raltegravir keinen klinisch bedeutsamen Effekt auf die
Pharmakokinetik von Etravirin, Maraviroc, Tenofovirdisoproxilfumarat, hormonellen Kontrazeptiva,
Methadon, Midazolam oder Boceprevir.
In einigen Studien führte die gleichzeitige Anwendung von Raltegravir und Darunavir zu einermäßigen Verringerung der Plasmakonzentrationen von Darunavir; der zugrundeliegende
Mechanismus ist jedoch nicht bekannt. Die Wirkung von Raltegravir auf die Plasmakonzentrationenvon Darunavir ist offenbar nicht klinisch bedeutsam.
Wirkung anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Raltegravir
Da Raltegravir hauptsächlich über UGT1A1 verstoffwechselt wird, sollte eine Kombination von
Raltegravir mit starken Induktoren der UGT1A1 (z. B. Rifampicin) mit Vorsicht durchgeführt werden.
Rifampicin erniedrigt die Plasmaspiegel von Raltegravir; der Einfluss auf die Wirksamkeit von
Raltegravir ist nicht bekannt. Wenn eine Kombination mit Rifampicin jedoch unvermeidlich ist, kannbei Erwachsenen eine Verdoppelung der Dosis von Raltegravir in Erwägung gezogen werden. Esliegen keine Daten zu einer Kombination von Raltegravir und Rifampicin bei Patienten unter18 Jahren vor (siehe Abschnitt 4.4). Der Einfluss anderer starker Induktoren vonarzneimittelmetabolisierenden Enzymen, wie z. B. Phenytoin und Phenobarbital, auf UGT1A1 istnicht bekannt. Weniger starke Induktoren (z. B. Efavirenz, Nevirapin, Etravirin, Rifabutin,
Glukokortikoide, Johanniskraut, Pioglitazon) können mit der empfohlenen Dosis Raltegravirkombiniert werden.
Eine Kombination von Raltegravir mit Arzneimitteln, die als starke Inhibitoren der UGT1A1 bekanntsind (z. B. Atazanavir), kann den Plasmaspiegel von Raltegravir erhöhen. Weniger starke Inhibitorender UGT1A1 (z. B. Indinavir, Saquinavir) können ebenso den Plasmaspiegel von Raltegravir erhöhen,aber im Vergleich zu Atazanavir in geringerem Ausmaß. Darüber hinaus kann
Tenofovirdisoproxilfumarat den Plasmaspiegel von Raltegravir erhöhen. Der Mechanismus dieser
Wirkung ist jedoch nicht bekannt (siehe Tabelle 1). In den klinischen Studien wendete ein großer Teilder Patienten in der optimierten Hintergrundtherapie Atazanavir und/oder Tenofovirdisoproxilfumaratan, beides Substanzen, die einen Anstieg des Plasmaspiegels von Raltegravir bewirken.
Das beobachtete Verträglichkeitsprofil bei Patienten unter Atazanavir und/oder
Tenofovirdisoproxilfumarat war im Allgemeinen dem der Patienten ähnlich, die diese Substanzennicht verwendeten. Daher ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Die Kombination von Raltegravir mit Antazida, die zweiwertige Metallkationen enthalten, kann die
Resorption von Raltegravir durch Chelatbildung vermindern und so zu reduzierten Plasmaspiegelnvon Raltegravir führen. Die Einnahme aluminium- und magnesiumhaltiger Antazida innerhalb von6 Stunden vor oder nach Einnahme von Raltegravir reduzierte die Plasmaspiegel von Raltegravirsignifikant. Daher wird die Kombination aluminium- und/oder magnesiumhaltiger Antazida mit
Raltegravir nicht empfohlen. Die Kombination von Raltegravir mit einem kalziumcarbonathaltigen
Antazidum verminderte die Plasmaspiegel von Raltegravir; diese Interaktion wird jedoch nicht alsklinisch relevant erachtet. Daher ist bei einer Kombination von Raltegravir mitkalziumcarbonathaltigen Antazida keine Dosisanpassung erforderlich.
Die Kombination von Raltegravir mit anderen Arzneimitteln, die den pH-Wert im Magen erhöhen(z. B. Omeprazol und Famotidin) kann die Resorptionsrate von Raltegravir erhöhen und zu erhöhten
Plasmaspiegeln von Raltegravir führen (siehe Tabelle 1). Das Sicherheitsprofil bei Patienten in Phase-
III-Studien, die Protonenpumpenhemmer oder H2-Antagonisten einnahmen, war vergleichbar mit dembei Patienten, die diese Antazida nicht einnahmen. Daher ist keine Dosisanpassung bei der Einnahmevon Protonenpumpenhemmern oder H2-Antagonisten erforderlich.
Alle Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.
Tabelle 1
Pharmakokinetische Interaktionsdaten
Arzneimittel nach Therapiegebiet Interaktion Empfehlungen bezüglich der(Mechanismus, wenn bekannt) gleichzeitigen Anwendung
ANTIRETROVIRALE ARZNEIMITTEL
Proteaseinhibitoren (PI)
Atazanavir/Ritonavir Raltegravir AUC 41 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std 77 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax 24 %(UGT1A1-Hemmung)
Tipranavir/Ritonavir Raltegravir AUC 24 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std 55 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax 18 %(UGT1A1-Induktion)
Non-Nukleosidale-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs)
Efavirenz Raltegravir AUC 36 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg Einzeldosis) Raltegravir C12 Std 21 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax 36 %(UGT1A1-Induktion)
Etravirin Raltegravir AUC 10 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std 34 % Raltegravir oder Etravirin
Raltegravir Cmax 11 % erforderlich.
(UGT1A1 Induktion)
Etravirin AUC 10 %
Etravirin C12std 17 %
Etravirin Cmax 4 %
Nukleosidale/-tidale-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
Tenofovirdisoproxilfumarat Raltegravir AUC 49 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12Std 3 % Raltegravir oder
Raltegravir Cmax ↑ 64 % Tenofovirdisoproxilfumaraterforderlich.(Interaktionsmechanismusnicht bekannt)
Tenofovir AUC 10 %
Tenofovir C24Std 13 %
Tenofovir Cmax ↓ 23 %
Arzneimittel nach Therapiegebiet Interaktion Empfehlungen bezüglich der(Mechanismus, wenn bekannt) gleichzeitigen Anwendung
CCR5 Inhibitoren
Maraviroc Raltegravir AUC 37 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12Std 28 % Raltegravir oder Maraviroc
Raltegravir Cmax 33 % erforderlich.
(Mechanismus der
Wechselwirkung nichtbekannt)
Maraviroc AUC 14 %
Maraviroc C12Std 10 %
Maraviroc Cmax ↓ 21 %
HCV VIROSTATIKA
NS3/4A Protease-Inhibitoren (PI)
Boceprevir Raltegravir AUC 4 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg Einzeldosis) Raltegravir C12Std 25 % Raltegravir oder Boceprevir
Raltegravir Cmax 11 % erforderlich.
(Mechanismus der
Wechselwirkung nichtbekannt)
ANTIBIOTIKA
Antimykobakteriell wirksame Arzneimittel
Rifampicin Raltegravir AUC 40 % Rifampicin erniedrigt den(Raltegravir 400 mg Einzeldosis) Raltegravir C12Std 61 % Plasmaspiegel von
Raltegravir Cmax 38 % Raltegravir. Wenn eine
Kombination mit Rifampicin(UGT1A1-Induktion) unvermeidlich ist, kann eine
Verdoppelung der Dosis von
Raltegravir in Erwägunggezogen werden (siehe
Abschnitt 4.4).
SEDATIVA
Midazolam Midazolam AUC 8 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Midazolam Cmax ↑ 3 % Raltegravir oder Midazolamerforderlich.
Diese Ergebnisse deutendarauf hin, dass Raltegravirkein Induktor oder Inhibitorvon CYP3A4 ist; daher wirdnicht angenommen, dass
Raltegravir die
Pharmakokinetik von
Arzneimitteln, die CYP3A4-
Substrate sind, beeinflusst.
Arzneimittel nach Therapiegebiet Interaktion Empfehlungen bezüglich der(Mechanismus, wenn bekannt) gleichzeitigen Anwendung
METALLKATIONENHALTIGE ANTAZIDA
Aluminium- und Raltegravir AUC 49 % Aluminium- und
Magnesiumhydroxid-haltige Raltegravir C12 Std 63 % magnesiumhaltige Antazida
Antazida Raltegravir Cmax 44 % vermindern die Plasmaspiegel(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) von Raltegravir. Die2 Stunden vor Raltegravir Kombination von Raltegravir
Raltegravir AUC 51 % mit aluminium- und/oder
Raltegravir C12 Std 56 % magnesiumhaltigen Antazida
Raltegravir C 51 % wird nicht empfohlen.max2 Stunden nach Raltegravir
Raltegravir AUC 30 %
Raltegravir C12 Std 57 %
Raltegravir Cmax 24 %6 Stunden vor Raltegravir
Raltegravir AUC 13 %
Raltegravir C12 Std 50 %
Raltegravir Cmax 10 %6 Stunden nach Raltegravir
Raltegravir AUC 11 %
Raltegravir C12 Std 49 %
Raltegravir Cmax 10 %(Chelatbildung der
Metallkationen)
Kalziumcarbonathaltige Antazida Raltegravir AUC 55 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std 32 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax 52 %(Chelatbildung der
Metallkationen)
Andere METALLKATIONEN
Eisensalze Erwartet: Bei gleichzeitiger Anwendung
Raltegravir AUC wird erwartet, dass Eisensalzedie Plasmaspiegel von
Raltegravir vermindern; die(Chelatbildung der Einnahme der Eisensalze mit
Metallkationen) einem Abstand vonmindestens 2 Stunden zu der
Einnahme von Raltegravirerlaubt möglicherweise,diesen Effekt zu begrenzen.
H2-ANTAGONISTEN UND PROTONENPUMPENHEMMER
Omeprazol Raltegravir AUC ↑ 37 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std ↑ 24 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax ↑ 51 %(erhöhte Löslichkeit)
Famotidin Raltegravir AUC ↑ 44 % Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Raltegravir C12 Std ↑ 6 % Raltegravir erforderlich.
Raltegravir Cmax ↑ 60 %(erhöhte Löslichkeit)
Arzneimittel nach Therapiegebiet Interaktion Empfehlungen bezüglich der(Mechanismus, wenn bekannt) gleichzeitigen Anwendung
HORMONELLE KONTRAZEPTIVA
Ethinylestradiol Ethinylestradiol AUC 2 % Keine Dosisanpassung für
Norelgestromin Ethinylestradiol Cmax ↑ 6 % Raltegravir oder hormonelle(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Norelgestromin AUC ↑ 14 % Kontrazeptiva (auf Östrogen-
Norelgestromin Cmax ↑ 29 % und/oder Progesteron-Basis)erforderlich.
OPIOID-ANALGETIKA
Methadon Methadon AUC ↔ Keine Dosisanpassung für(Raltegravir 400 mg zweimal/Tag) Methadon Cmax ↔ Raltegravir oder Methadonerforderlich.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftWeitreichende Erfahrungen an schwangeren Frauen nach Exposition mit Raltegravir 400 mg zweimaltäglich im ersten Trimenon (mehr als 1.000 prospektiv beobachtete Schwangerschaftsausgänge)deuten nicht auf eine Fehlbildungstoxizität hin. Tierexperimentelle Studien haben eine
Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Weitergehende Erfahrungen an schwangeren Frauen nach Exposition mit Raltegravir 400 mg zweimaltäglich im zweiten und/oder dritten Trimenon (zwischen 300-1.000 prospektiv beobachtete
Schwangerschaftsausgänge) deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko einer fetalen/neonatalen Toxizitäthin.
Raltegravir 400 mg zweimal täglich kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenndies aus klinischer Sicht notwendig ist.
Register für Schwangerschaften unter antiretroviraler Therapie (Antiretroviral Pregnancy Registry)
Ein Register für Schwangerschaften unter antiretroviraler Therapie wurde zur Überwachung dermaternalen bzw. fetalen Verläufe von Patientinnen, denen versehentlich während ihrer
Schwangerschaft Raltegravir verordnet wurde, eingerichtet. Die Ärzte sind aufgefordert, schwangere
Patientinnen in dieses Register einzutragen.
Im Allgemeinen sollten bei der Entscheidung über die Anwendung antiretroviraler Arzneimittel beider Therapie HIV-infizierter schwangerer Frauen und der damit verbundenen Verminderung des
Risikos einer vertikalen Übertragung von HIV auf das Neugeborene, Daten aus Tierstudien sowieklinische Erfahrungen bei schwangeren Frauen in Betracht gezogen werden, wenn die Sicherheit fürden Fetus zu beurteilen ist.
StillzeitRaltegravir/Metabolite werden in die Muttermilch in solchen Mengen ausgeschieden, dass
Auswirkungen auf das gestillte Neugeborene/Kind wahrscheinlich sind. Daten, die austierexperimentellen Studien zur Pharmakodynamik und Toxikologie zur Verfügung stehen, habengezeigt, dass Raltegravir und seine Metaboliten in die Muttermilch ausgeschieden werden (für Detailssiehe Abschnitt 5.3).
Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden.
Es wird empfohlen, dass HIV-infizierte Frauen nicht stillen, um eine Übertragung von HIV auf das
Kind zu vermeiden.
FertilitätBei männlichen und weiblichen Ratten, die Dosen bis zu 600 mg/kg/Tag entsprechend der 3-fachen
Exposition im Vergleich mit der Exposition bei der empfohlenen humantherapeutischen Dosiserhielten, wurden keine Auswirkungen auf die Fertilität beobachtet.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenBei einigen Patienten wurde unter einem Therapieregime mit Raltegravir über Schwindel berichtet.
Schwindel kann bei einigen Patienten die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen beeinträchtigen (siehe Abschnitt 4.8).
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsIn randomisierten klinischen Studien wurde Raltegravir 400 mg zweimal täglich in Kombination mitfixen oder optimierten Hintergrundtherapieregimen bei bisher unbehandelten (n = 547) und beivorbehandelten (n = 462) Erwachsenen bis zu 96 Wochen lang angewendet. Weitere 531 bisherunbehandelte Erwachsene erhielten 1.200 mg Raltegravir einmal täglich mit Emtricitabin und
Tenofovirdisoproxilfumarat bis zu 96 Wochen lang. Siehe Abschnitt 5.1.
Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen waren die am häufigsten unter der Therapieberichteten Nebenwirkungen. Immunrekonstitutionssyndrom und Ausschlag waren die am häufigstenberichteten schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die Therapieabbruchrate aufgrund von
Nebenwirkungen lag in den klinischen Studien bei 5,0 % oder darunter.
Rhabdomyolyse wurde nach Markteinführung gelegentlich als schwerwiegende Nebenwirkung unter
Raltegravir 400 mg zweimal täglich berichtet.
Tabellarische Zusammenfassung der NebenwirkungenUnerwünschte Ereignisse, die von den Prüfärzten als im Kausalzusammenhang mit Raltegravirstehend (allein oder in Kombination mit anderen ART) sowie Nebenwirkungen, die nach
Markteinführung gemeldet wurden, beurteilt wurden, sind nachfolgend nach Organklassen aufgelistet.
Die Häufigkeiten werden als häufig (≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) undnicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) definiert.
System-Organklasse Häufigkeit Unerwünschte Ereignisse
Raltegravir (allein oder in Kombination mitanderen ART)
Infektionen und parasitäre Gelegentlich Herpes genitalis, Folliculitis, Gastroenteritis,
Erkrankungen Herpes simplex, Herpes-Virus-Infektion, Herpeszoster, Influenza, Lymphknotenabszess,
Molluscum contagiosum, Nasopharyngitis,
Infektion der oberen Atemwege
Gutartige, bösartige und Gelegentlich Papillom der Hautunspezifische Neubildungen(einschl. Zysten und
Polypen)
Erkrankungen des Blutes Gelegentlich Anämie, Eisenmangelanämie,und des Lymphsystems Lymphknotenschmerzen, Lymphadenopathie,
Neutropenie, Thrombozytopenie
Erkrankungen des Gelegentlich Immunrekonstitutionssyndrom, Arzneimittel-
Immunsystems überempfindlichkeit, Überempfindlichkeit
System-Organklasse Häufigkeit Unerwünschte Ereignisse
Raltegravir (allein oder in Kombination mitanderen ART)
Stoffwechsel- und Häufig Appetitminderung
Ernährungsstörungen
Gelegentlich Kachexie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie,
Hypercholesterinämie, Hyperglykämie,
Hyperlipidämie, Hyperphagie, gesteigerter
Appetit, Polydipsie, Störung der
Körperfettverteilung
Psychiatrische Erkrankungen Häufig verändertes Träumen, Insomnie, Alpträume,
Verhaltensstörung, Depression
Gelegentlich psychische Störungen, Suizidversuch, Angst,
Verwirrtheit, Niedergeschlagenheit, schwere
Depression, Durchschlafstörungen,
Stimmungsveränderungen, Panikattacken,
Schlafstörungen, Suizidgedanken, suizidales
Verhalten (insbesondere bei Patienten mit einerpsychiatrischen Erkrankung in der
Vorgeschichte)
Erkrankungen des Häufig Schwindel, Kopfschmerzen, psychomotorische
Nervensystems Hyperaktivität
Gelegentlich Amnesie, Karpaltunnelsyndrom, kognitive
Störung, Aufmerksamkeitsstörung,
Lagerungsschwindel, Dysgeusie, Hypersomnie,
Hypästhesie; Lethargie, Gedächtnisstörungen,
Migräne, periphere Neuropathie, Parästhesie,
Somnolenz, Spannungskopfschmerz, Tremor,schlechter Schlaf
Augenerkrankungen Gelegentlich Beeinträchtigung des Sehvermögens
Erkrankungen des Ohrs und Häufig Vertigodes Labyrinths
Gelegentlich Tinnitus
Herzerkrankungen Gelegentlich Palpitationen, Sinusbradykardie, ventrikuläre
Extrasystolen
Gefäßerkrankungen Gelegentlich Hitzewallungen, Hypertonie
Erkrankungen der Gelegentlich Dysphonie, Nasenbluten, verstopfte Nase
Atemwege, des Brustraumsund Mediastinums
Erkrankungen des Häufig aufgetriebenes Abdomen, Bauchschmerzen,
Gastrointestinaltrakts Diarrhö, Flatulenz, Übelkeit, Erbrechen,
Dyspepsie
Gelegentlich Gastritis, Bauchbeschwerden, Bauchschmerzen,
Druckempfindlichkeit im Abdomen,
Beschwerden im Anorektalbereich, Obstipation,
Mundtrockenheit, Beschwerden im Oberbauch,erosive Entzündung des Zwölffingerdarms,
Aufstoßen, gastroösophageale Refluxkrankheit,
Zahnfleischentzündung, Glossitis,
Schluckbeschwerden, akute Pankreatitis,
Magengeschwür, rektale Hämorrhagie
Leber- und Gelegentlich Hepatitis, Verfettung der Leber; Alkohol-
Gallenerkrankungen Hepatitis, Leberversagen
System-Organklasse Häufigkeit Unerwünschte Ereignisse
Raltegravir (allein oder in Kombination mitanderen ART)
Erkrankungen der Haut und Häufig Hautausschlagdes Unterhautzellgewebes
Gelegentlich Akne, Alopezie, akneiforme Dermatitis,
Hauttrockenheit, Erythem, Schwund des
Fettgewebes im Gesichtsbereich, Hyperhidrose,
Lipoatrophie, erworbene Lipodystrophie,
Lipohypertrophie, Nachtschweiß, Prurigo,
Pruritus, generalisierter Juckreiz, makulärer
Hautausschlag, makulopapulöser Hautausschlag,juckender Hautausschlag, Hautläsionen,
Urtikaria, Xerodermie, Stevens-Johnson-
Syndrom, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilieund systemischen Symptomen (DRESS-
Syndrom)
Skelettmuskulatur-, Gelegentlich Arthralgie, Arthritis,
Bindegewebs- und Rückenschmerzen, Flankenschmerz,
Knochenerkrankungen muskuloskeletale Schmerzen, Myalgie,
Nackenschmerzen, Osteopenie, Schmerzen in den
Extremitäten, Sehnenentzündung,
Rhabdomyolyse
Erkrankungen der Nieren Gelegentlich Nierenversagen, Nephritis, Nephrolithiasis,und Harnwege Nykturie, Nierenzysten,
Nierenfunktionsstörungen, tubulointerstitielle
Nephritis
Erkrankungen der Gelegentlich Erektile Dysfunktion, Gynäkomastie,
Geschlechtsorgane und der menopausale Symptome
Brustdrüse
Allgemeine Erkrankungen Häufig Schwächegefühl, Müdigkeit,Fieberund Beschwerden am
Verabreichungsort
Gelegentlich Beschwerden im Brustkorb, Schüttelfrost,
Gesichtsödem, Zunahme des Körperfetts,
Nervosität, Unwohlsein, submandibuläre
Raumforderung, peripheres Ödem, Schmerzen
Untersuchungen Häufig Erhöhungen von ALT und AST, atypische
Lymphozyten, Hypertriglyzeridämie, Erhöhungder Lipase, Erhöhung der Pankreas Amylase im
Blut
Gelegentlich Neutropenie (Erniedrigung der absoluten
Zellzahl), Erhöhung der alkalischen Phosphatase,
Erniedrigung des Serum-Albumins, Erhöhung der
Serum-Amylase, Erhöhung des Serum-Bilirubins,
Erhöhung des Serum-Cholesterins, Erhöhung des
Serum-Kreatinins, Erhöhung des
Blutglucosespiegels, Erhöhung des
Blutharnstoffstickstoffs, Erhöhung der Kreatin-
Phosphokinase, Erhöhung des
Nüchternblutglucosespiegels, Glucose im Urin,erhöhtes HDL, INR (international normalizedratio) erhöht, erhöhtes LDL, Thrombopenie, Blutim Urin, Zunahme des Bauchumfangs,
Gewichtszunahme, Leukopenie
System-Organklasse Häufigkeit Unerwünschte Ereignisse
Raltegravir (allein oder in Kombination mitanderen ART)
Verletzung, Vergiftung und Gelegentlich versehentliche Überdosisdurch Eingriffe bedingte
Komplikationen
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenBei vorbehandelten und bisher unbehandelten Patienten wurde unter Raltegravir in Verbindung mitanderen antiretroviralen Wirkstoffen über Krebserkrankungen berichtet. Die Arten und Häufigkeitenbestimmter Krebserkrankungen entsprachen denjenigen, die in einer hochgradig immundefizienten
Population zu erwarten sind. Das Risiko, ein Karzinom zu entwickeln, war in diesen Studien in den
Gruppen unter Raltegravir und in den Gruppen unter Vergleichsmedikation ähnlich.
Laborwertabweichungen der Kreatinkinase (Grad 2 bis Grad 4) wurden bei Patienten unter Raltegravirberichtet. Myopathie und Rhabdomyolyse wurden berichtet. Bei Patienten, die bereits eine Myopathieoder Rhabdomyolyse in der Vergangenheit hatten oder prädisponierende Faktoren haben,einschließlich Arzneimittel, die derartige Erkrankungen hervorrufen können, sollte eine Anwendungmit Vorsicht durchgeführt werden (siehe Abschnitt 4.4).
Fälle von Osteonekrose wurden insbesondere bei Patienten mit allgemein bekannten Risikofaktoren,fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder Langzeitbehandlung mit einer antiretroviralen
Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die Häufigkeit dieser Ereignisse ist nicht bekannt (siehe
Abschnitt 4.4).
Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitungeiner antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) eine entzündliche Reaktion auf asymptomatischeoder residuale opportunistische Infektionen entwickeln. Es liegen auch Berichte über
Autoimmunerkrankungen (wie z. B. Morbus Basedow und Autoimmunhepatitis) vor; allerdings ist der
Zeitpunkt des Auftretens sehr variabel und diese Ereignisse können viele Monate nach Beginn der
Behandlung auftreten (siehe Abschnitt 4.4).
Unter folgenden klinischen Nebenwirkungen trat jeweils mindestens ein schwerwiegendes Ereignisauf: Herpes genitalis, Anämie, Immunrekonstitutionssyndrom, Depression, psychische Störungen,
Suizidversuch, Gastritis, Hepatitis, Nierenversagen, versehentliche Überdosis.
In klinischen Studien wurde Hautausschlag, ungeachtet der Kausalität, bei vorbehandelten Patientenhäufiger unter Therapieregimen mit Raltegravir und Darunavir als unter solchen mit Raltegravir ohne
Darunavir oder solchen mit Darunavir ohne Raltegravir beobachtet. Hautausschlag, der vom Prüfarztals arzneimittelbedingt erachtet wurde, trat in ähnlicher Häufigkeit auf. Expositionsadjustiert betrugendie Häufigkeiten von Hautausschlag (jeglicher Kausalität) 10,9 und 4,2 bzw. 3,8 pro100 Patientenjahre; von arzneimittelbedingtem Hautausschlag 2,4 und 1,1 bzw. 2,3 pro 100
Patientenjahre. Die in klinischen Studien beobachteten Hautausschläge waren leicht bis mittelgradigund führten nicht zum Therapieabbruch (siehe Abschnitt 4.4).
Mit Hepatitis-B- und/oder Hepatitis-C-Virus ko-infizierte Patienten
In klinischen Studien waren 79 Patienten mit Hepatitis B, 84 Patienten mit Hepatitis C und 8 Patientenmit Hepatitis B und C ko-infiziert, die mit Raltegravir zusammen mit anderen Arzneimitteln gegen
HIV-1 behandelt wurden. Im Allgemeinen entsprach das Verträglichkeitsprofil von Raltegravir bei
Patienten mit Hepatitis-B- und/oder Hepatitis-C-Virus-Koinfektion dem der Patienten ohne Hepatitis-
B-und/oder Hepatitis-C-Virus-Koinfektion, obwohl die Raten von ALT- und AST-Abweichungen inder Untergruppe der mit Hepatitis-B und/oder Hepatitis C-Virus ko-infizierten Patienten etwas höherwaren.
Bei vorbehandelten Patienten traten nach 96 Wochen Laborwertabweichungen Grad 2 oder höher, dieeine Verschlechterung der Ausgangswerte von AST, ALT oder Gesamt-Bilirubin darstellen, bei 29 %,34 % bzw. 13 % der mit Raltegravir behandelten ko-infizierten Patienten auf, im Vergleich zu 11 %,10 % und 9 % aller anderen mit Raltegravir behandelten Patienten. Bei bisher unbehandelten Patiententraten nach 240 Wochen Laborwertabweichungen (Grad 2 oder höher), die eine Grad-
Verschlechterung der Ausgangswerte von AST, ALT oder Gesamt-Bilirubin darstellen, bei 22 %,44 % bzw. 17 % der mit Raltegravir behandelten ko-infizierten Patienten auf, im Vergleich zu 13 %,13 % und 5 % aller anderen mit Raltegravir behandelten Patienten.
Kinder und JugendlicheKinder und Jugendliche von 2 bis 18 Jahren
Raltegravir wurde in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln bei 126 antiretroviralvorbehandelten HIV-1-infizierten Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 18 Jahren in der
IMPAACT-Studie (Protokoll P1066) untersucht (siehe Abschnitte 5.1 und 5.2). Von den 126 Patientenerhielten 96 Raltegravir in der empfohlenen Dosierung.
Bei diesen 96 Kindern und Jugendlichen waren arzneimittelbedingte Nebenwirkungen bis Woche 48in Häufigkeit, Art und Schweregrad vergleichbar mit denen, die bei Erwachsenen beobachtet wurden.
Bei einem Patienten kam es zu psychomotorischer Hyperaktivität (Grad 3), Verhaltensstörung und
Schlaflosigkeit als arzneimittelbedingte klinische Ereignisse; ein Patient erlitt einenarzneimittelbedingten schwerwiegenden allergischen Hautausschlag (Grad 2).
Bei einem Patienten kam es zu arzneimittelbedingten Laborwertabweichungen von AST (Grad 4) und
ALT (Grad 3), die als schwerwiegend eingestuft wurden.
Kleinkinder und Säuglinge von 4 Wochen bis unter 2 Jahren
Raltegravir wurde auch bei 26 HIV-1-infizierten Kleinkindern und Säuglingen, die zwischen4 Wochen und bis zu 2 Jahre alt waren, in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen inder IMPAACT-Studie (Protokoll P1066) untersucht (siehe Abschnitte 5.1 und 5.2).
Bei diesen 26 Säuglingen und Kleinkindern waren arzneimittelbedingte Nebenwirkungen bis
Woche 48 in Häufigkeit, Art und Schweregrad vergleichbar mit denen, die bei Erwachsenenbeobachtet wurden.
Bei einem Patienten kam es zu einem schwerwiegenden allergischen, arzneimittelbedingten
Hautausschlag (Grad 3), der zum Therapieabbruch führte.
HIV-1-exponierte Neugeborene
In die Studie IMPAACT P1110 (siehe Abschnitt 5.2) wurden nur Säuglinge aufgenommen, diefrühestens nach der 37. Schwangerschaftswoche entbunden worden waren und mindestens 2 kgwogen. Sechzehn (16) Neugeborene erhielten 2 Dosen Isentress in den ersten beiden Lebenswochen,und 26 Neugeborene erhielten 6 Wochen lang täglich eine Dosis; alle wurden 24 Wochennachbeobachtet. Es kam zu keinen arzneimittelbedingten unerwünschten klinischen Ereignissen undzu drei arzneimittelbedingten Laborwertabweichungen (eine vorübergehende Grad 4 Neutropenie beieinem Säugling unter einer Behandlung zur Prävention der Mutter-Kind-Übertragung [prevention ofmother to child transmission, PMTCT], die Zidovudin enthielt und zwei Bilirubin-Erhöhungen[jeweils eine Grad 1 und Grad 2], die als nicht schwerwiegend erachtet wurden und keine spezifische
Therapie erforderten).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Zur Behandlung einer Überdosierung mit Raltegravir ist keine spezifische Information verfügbar.
Im Fall einer Überdosierung ist es ratsam, unterstützende Standardmaßnahmen zu ergreifen, z. B.nicht resorbiertes Material aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen, klinische
Überwachungsmaßnahmen zu ergreifen (einschließlich eines Elektrokardiogramms) und, fallsnotwendig, eine unterstützende Standardtherapie einzuleiten. Es sollte in Betracht gezogen werden,dass Raltegravir zur klinischen Anwendung als Kaliumsalz vorliegt. Das Ausmaß der Dialysierbarkeitvon Raltegravir ist nicht bekannt.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antivirale Arzneimittel zur systemischen Anwendung, Integrase-
Inhibitoren, ATC-Code: J05AJ01.
WirkmechanismusRaltegravir ist ein Integrase-Strangtransfer-Inhibitor mit Wirkung gegen das Humane
Immundefizienzvirus (HIV-1).
Raltegravir hemmt die katalytische Aktivität der Integrase, einem HIV-kodierten Enzym, das zur
Virusreplikation erforderlich ist. Die Hemmung der Integrase verhindert die kovalente Insertion oder
Integration des HIV-Genoms in das Wirtszellgenom.
Verläuft die Integration des HIV-Genoms nicht erfolgreich, unterbleibt die Steuerung der Produktionneuer infektiöser Viruspartikel, daher verhindert die Hemmung der Integration das Ausbreiten der
Virusinfektion.
Antivirale Aktivität in vitroIn humanen T-Lymphozytenkulturen, die mit der zelllinienadaptierten HIV-1-Variante H9IIIBinfiziert waren, bewirkte Raltegravir in Konzentrationen von 31 20 nM eine 95%ige Hemmung(IC95) der HIV-1-Replikation gegenüber einer entsprechend infizierten, unbehandelten Kultur. Darüberhinaus hemmte Raltegravir die Virusreplikation in Kulturen mitogenaktivierter humanermononukleärer Zellen aus dem peripheren Blut, die mit unterschiedlichen klinischen HIV-1-
Primärisolaten infiziert waren, darunter auch Isolate von 5 Nicht-B-Untertypen und Isolaten, die gegen
Inhibitoren der Reversen Transkriptase und gegen Proteaseinhibitoren resistent waren. In einem
Einzel-Zyklus-Assay inhibierte Raltegravir eine Infektion von 23 HIV-Isolaten, unter diesen waren 5
Nicht-B-Untertypen und 5 zirkulierende rekombinante Formen mit IC50-Werten zwischen 5 und12 nM vertreten.
ResistenzDie meisten Virusisolate von Patienten, die auf die Therapie mit Raltegravir nicht ansprachen, warenaufgrund von zwei oder mehr Integrase-Mutationen hochresistent gegen Raltegravir.
Die meisten hatten eine charakteristische Veränderung bei Aminosäure 155 (N155 Austausch durch
H), Aminosäure 148 (Q148 Austausch durch H, K oder R) oder Aminosäure 143 (Y143 Austauschdurch H, C oder R), zusammen mit einer oder mehreren weiteren Mutationen der Integrase (z. B.
L74M, E92Q, T97A, E138A/K, G140A/S, V151I, G163R, S230R). Die charakteristischen Mutationensetzen die virale Empfindlichkeit gegenüber Raltegravir herab, und zusätzliche andere Mutationenführten zu einer weiteren Abnahme der Empfindlichkeit gegenüber Raltegravir. Eine niedrige
Ausgangsviruslast und die Anwendung anderer aktiver antiretroviraler Arzneimittel gehörten zu den
Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzentwicklung reduzierten.
Mutationen, die zu einer Resistenz gegen Raltegravir führen, bedingen im Allgemeinen auch eine
Resistenz gegen den Integrase-Strangtransfer-Inhibitor Elvitegravir. Mutationen bei Aminosäure 143führen eher zu einer Resistenz gegen Raltegravir als gegen Elvitegravir; Mutationen bei E92Q führeneher zu einer Resistenz gegen Elvitegravir als gegen Raltegravir. Viren mit einer Mutation bei
Aminosäure 148 sowie einer oder mehreren weiteren Mutationen, die zur Resistenz gegen Raltegravirführen, können ebenso eine klinisch relevante Resistenz gegen Dolutegravir aufweisen.
Klinische ErfahrungDie Wirksamkeit von Raltegravir wurde nachgewiesen auf Basis der Analyse der 96-Wochen-Datenaus zwei randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studien (BENCHMRK 1 und
BENCHMRK 2, Protokolle 018 und 019) bei antiretroviral-vorbehandelten HIV-1-infiziertenerwachsenen Patienten und der Analyse der 240-Wochen-Daten einer randomisierten doppelblinden,aktiv-kontrollierten Studie (STARTMRK, Protokoll 021) bei antiretroviral nicht vorbehandelten HIV-1-infizierten erwachsenen Patienten.
WirksamkeitVorbehandelte erwachsene Patienten
BENCHMRK 1 und BENCHMRK 2 (multizentrische, doppelblinde, randomisierte undplazebokontrollierte Studien) prüften die Verträglichkeit und die antiretrovirale Wirksamkeit von
Raltegravir 400 mg zweimal/Tag vs. Plazebo in Kombination mit einer optimierten
Hintergrundtherapie (OBT) bei HIV-infizierten Patienten ab 16 Jahren mit nachgewiesener Resistenzgegen jeweils mindestens ein Arzneimittel aus drei verschiedenen Klassen antiretroviraler
Arzneimittel (NRTIs, NNRTIs, PIs). Die OBT für den einzelnen Patienten wurde durch den Prüfarztvor der Randomisierung anhand der jeweiligen Therapiegeschichte des Patienten sowie der eingangsdurchgeführten genotypischen und phänotypischen Resistenztests bestimmt.
Demografische Merkmale (Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit) sowie Ausgangswerte der
Patienten waren bei den Gruppen unter Raltegravir 400 mg zweimal/Tag und unter Plazebovergleichbar. Im Median waren die Patienten zuvor für 10 Jahre mit insgesamt 12 antiretroviralen
Arzneimitteln behandelt worden. Bei der optimierten Hintergrundtherapie wurden 4 antiretrovirale
Arzneimittel (im Median) angewandt.
Ergebnisse der 48-Wochen- und 96-Wochen-Analysen
Die dauerhaften Ergebnisse (48-Wochen und 96-Wochen) aus den gepoolten Daten der Studien
BENCHMRK 1 und BENCHMRK 2 für Patienten mit der empfohlenen Dosis von Raltegravir von400 mg zweimal/Tag sind in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2
Ergebnisse für die Wirksamkeit in den Wochen 48 und 96
BENCHMRK 1 und 2 gepoolt 48 Wochen 96 Wochen
Raltegravir Plazebo + Raltegravir Plazebo + OBT
Parameter 400 mg OBT 400 mg (N = 237)zweimal/Tag (N = 237) zweimal/Tag+ OBT + OBT(N = 462) (N = 462)
Prozent HIV-RNA < 400 Kopien/ml(95 % KI)
Alle Patienten† 72 (68, 76) 37 (31, 44) 62 (57, 66) 28 (23, 34)
Ausgangswert‡
HIV-RNA > 100.000 Kopien/ml 62 (53, 69) 17 (9, 27) 53 (45, 61) 15 (8, 25)………..≤ 100.000 Kopien/ml 82 (77, 86) 49 (41, 58) 74 (69, 79) 39 (31, 47)
CD4-Zellzahl ≤ 50 Zellen/mm3 61 (53, 69) 21 (13, 32) 51 (42, 60) 14 (7, 24)> 50 und 80 (73, 85) 44 (33, 55) 70 (62, 77) 36 (25, 48)≤ 200 Zellen/mm3> 200 Zellen/mm3 83 (76, 89) 51 (39, 63) 78 (70, 85) 42 (30, 55)
Empfindlichkeitsscore (GSS) §
BENCHMRK 1 und 2 gepoolt 48 Wochen 96 Wochen
Raltegravir Plazebo + Raltegravir Plazebo + OBT
Parameter 400 mg OBT 400 mg (N = 237)zweimal/Tag (N = 237) zweimal/Tag+ OBT + OBT(N = 462) (N = 462)0 52 (42, 61) 8 (3, 17) 46 (36, 56) 5 (1, 13)1 81 (75, 87) 40 (30, 51) 76 (69, 83) 31 (22, 42)2 und darüber 84 (77, 89) 65 (52, 76) 71 (63, 78) 56 (43, 69)
Prozent HIV-RNA < 50 Kopien/ml(95 % KI)
Alle Patienten† 62 (57, 67) 33 (27, 39) 57 (52, 62) 26 (21, 32)
Ausgangswert ‡
HIV-RNA > 100.000 Kopien/ml 48 (40, 56) 16 (8, 26) 47 (39, 55) 13 (7, 23)≤ 100,000 Kopien/ml 73 (68, 78) 43 (35, 52) 70 (64, 75) 36 (28, 45)
CD4- Zellzahl ≤ 50 Zellen/mm3 50 (41, 58) 20 (12, 31) 50 (41, 58) 13 (6, 22)> 50 und 67 (59, 74) 39 (28, 50) 65 (57, 72) 32 (22, 44)≤ 200 Zellen/mm3> 200 Zellen/mm3 76 (68, 83) 44 (32, 56) 71 (62, 78) 41 (29, 53)
Empfindlichkeitsscore (GSS) §0 45 (35, 54) 3 (0, 11) 41 (32, 51) 5 (1, 13)1 67 (59, 74) 37 (27, 48) 72 (64, 79) 28 (19, 39)2 und darüber 75 (68, 82) 59 (46, 71) 65 (56, 72) 53 (40, 66)
Mittlere Änderung der CD4-Zellzahl(95 % KI), Zellen/mm3
Alle Patienten‡ 109 (98, 121) 45 (32, 57) 123 (110, 137) 49 (35, 63)
Ausgangswert ‡
HIV-RNA > 100.000 Kopien/ml 126 (107, 144) 36 (17, 55) 140 (115, 165) 40 (16, 65)≤ 100.000 Kopien/ml 100 ( 86, 115) 49 (33, 65) 114 (98, 131) 53 (36, 70)
CD4-Zellzahl ≤ 50 Zellen/mm3 121 (100, 142) 33 (18, 48) 130 (104, 156) 42 (17, 67)> 50 und 104 (88, 119) 47 (28, 66) 123 (103, 144) 56 (34, 79)≤ 200 Zellen/mm3> 200 Zellen/mm3 104 (80, 129) 54 (24, 84) 117 (90, 143) 48 (23, 73)
Empfindlichkeitsscore (GSS) §0 81 (55, 106) 11 (4, 26) 97 (70, 124) 15 (-0, 31)1 113 (96, 130) 44 (24,63) 132 (111, 154) 45 (24, 66)2 und darüber 125 (105, 144) 76 (48,103) 134 (108, 159) 90 (57, 123)† Abbruch gilt als Nichtansprechen: Patienten, die vorzeitig die Behandlung abbrachen, wurden als nicht auf die Therapie ansprechendgewertet. Aufgeführt sind die Anzahl (%) der auf die Therapie ansprechenden Patienten und das entsprechende 95%-Konfidenzintervall.‡ Für die Analyse der prognostischen Faktoren wurden die Prozentwerte der virologischen Versagen bei unter 400 und 50 Kopien /ml HIV-
RNA/ml verwendet. Ebenso wurden bei virologischem Versagen zur Berechnung der mittleren Werte der Veränderung der CD4-Zellzahlendie Ausgangswerte der CD4-Zellzahlen verwendet.
§ Der genotypische Empfindlichkeitsscore (GSS) wurde definiert als die Gesamtheit oraler ARTs in der optimierten Hintergrundtherapie(OBT), gegenüber denen das Virusisolat eines Patienten genotypische Empfindlichkeit - basierend auf dem genotypischen Resistenztest -zeigte. Enfuvirtid-Anwendung in der OBT bei Enfuvirtid-naïven Patienten wurde als ein aktiver Wirkstoff der OBT gewertet. Ähnlichwurde Darunavir-Anwendung in der OBT bei Darunavir-naïven Patienten als ein aktiver Wirkstoff der OBT gewertet.
Raltegravir erzielte ein virologisches Ansprechen entsprechend HIV-RNA < 50 Kopien/ml bei 61,7 %der Patienten in Woche 16, bei 62,1 % in Woche 48 und bei 57,0 % in Woche 96 (wobei
Therapieabbrecher im Sinne einer erfolglosen Behandlung gewertet wurden). Einige Patienten erlittenzwischen Woche 16 und Woche 96 einen Wiederanstieg der Viruslast. Mit virologischem Versageneinhergehende Faktoren umfassen eine hohe Ausgangs-Viruslast und eine optimierte
Hintergrundtherapie (OBT), die nicht mindestens einen potenten aktiven Wirkstoff enthielt.
Umstellung auf Raltegravir
Die SWITCHMRK 1 & 2 (Protokolle 032 & 033) Studien bewerteten HIV-infizierte Patienten unter
Suppressionstherapie (Screening auf HIV-RNA <50 Kopien/ml; stabiles Regime >3 Monate) mit
Lopinavir 200 mg (+) Ritonavir 50 mg 2 Tabletten zweimal/Tag plus mindestens 2 Nukleosid-
Reverse-Transkriptase-Inhibitoren und randomisierten diese 1:1 auf eine Weiterführung mit Lopinavir(+) Ritonavir 2 Tabletten zweimal/Tag (n = 174 bzw. n = 178) oder den Ersatz von Lopinavir (+)
Ritonavir durch Raltegravir 400 mg zweimal/Tag (n = 174 bzw. n = 176). Patienten mit einemvirologischen Versagen in der Anamnese wurden nicht ausgeschlossen und die Anzahl frühererantiretroviraler Therapien war nicht beschränkt.
Diese Studien wurden nach der ersten Wirksamkeitsanalyse in Woche 24 abgebrochen, da sie eine
Nicht-Unterlegenheit von Raltegravir gegenüber Lopinavir (+) Ritonavir nicht belegen konnten.
In beiden Studien war in Woche 24 eine Suppression der HIV-RNA auf weniger als 50 Kopien/ml bei84,4 % der Raltegravirgruppe gegenüber 90,6 % der Lopinavir (+) Ritonavirgruppe (Abbruch =
Versagen) erreicht worden. Siehe Abschnitt 4.4 hinsichtlich der Notwendigkeit, Raltegravir mit zweianderen Wirkstoffen anzuwenden.
Bisher unbehandelte erwachsene Patienten
STARTMRK (multizentrische, randomisierte, doppelblinde, aktiv-kontrollierte Studie) bewertete die
Sicherheit und antiretrovirale Wirksamkeit von Raltegravir 400 mg zweimal/Tag gegenüber Efavirenz600 mg (vor dem Schlafengehen) in Kombination mit Emtricitabin (+) Tenofovirdisoproxilfumarat beibisher unbehandelten HIV-infizierten Patienten mit HIV-RNA > 5.000 Kopien/ml. Die
Randomisierung wurde stratifiziert durch das Screening des HIV-RNA-Spiegels (≤ 50.000 Kopien/mlund > 50.000 Kopien/ml) und den Hepatitis-B- oder -C-Status (positiv oder negativ).
Demografische Merkmale (Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit) sowie Ausgangswertewaren bei den Gruppen unter Raltegravir 400 mg zweimal/Tag und Efavirenz 600 mg vor dem
Schlafengehen vergleichbar.
Ergebnisse der 48-Wochen und 240-Wochen-Analysen
Bezogen auf den primären Wirksamkeitsendpunkt lag der Anteil der Patienten, die einen HIV-RNA-
Wert von <50 Kopien/ml in Woche 48 erreichten in der Gruppe der Patienten, die Raltegravirerhielten, bei 241/280 (86,1 %), und in der Gruppe, die Efavirenz erhielten, bei 230/281 (81,9 %). Der
Behandlungsunterschied (Raltegravir - Efavirenz) betrug 4,2 % zugunsten von Raltegravir mit einem95 %-igen Konfidenzintervall (KI) von (-1,9; 10,3) und zeigte, dass Raltegravir gegenüber Efavirenznicht unterlegen ist (p-Wert der Nicht-Unterlegenheit <0,001). In Woche 240 betrug der
Behandlungsunterschied (Raltegravir - Efavirenz) 9,5 % mit einem 95 %-igen KI von (1,7; 17,3). Die
Ergebnisse nach 48 und 240 Wochen der STARTMRK-Studie für Patienten, die mit der empfohlenen
Dosis von Raltegravir von 400 mg zweimal/Tag behandelt wurden, sind in Tabelle 3 dargestellt.
Tabelle 3
Ergebnisse für die Wirksamkeit in Woche 48 und 240
STARTMRK-Studie 48 Wochen 240 Wochen
Raltegravir Efavirenz Raltegravir Efavirenz
Parameter 400 mg 600 mg 400 mg 600 mgzweimal/Tag vor dem zweimal/Tag vor dem(N = 281) Schlafen- (N = 281) Schlafengehengehen (N = 282)(N = 282)
Prozent HIV-RNA < 50 Kopien/ml(95 % KI)
Alle Patienten† 86 (81, 90) 82 (77, 86) 71 (65, 76) 61 (55, 67)
Ausgangswert‡
HIV-RNA > 100.000 Kopien/ml 91 (85, 95) 89 (83, 94) 70 (62, 77) 65 (56, 72)≤ 100.000 Kopien/ml 93 (86, 97) 89 (82, 94) 72 (64, 80) 58 (49, 66)
CD4-Zellzahl ≤ 50 Zellen/mm3 84 (64, 95) 86 (67, 96) 58 (37, 77) 77 (58, 90)> 50 und 89 (81, 95) 86 (77, 92) 67 (57, 76) 60 (50, 69)≤ 200 Zellen/mm3
STARTMRK-Studie 48 Wochen 240 Wochen
Raltegravir Efavirenz Raltegravir Efavirenz
Parameter 400 mg 600 mg 400 mg 600 mgzweimal/Tag vor dem zweimal/Tag vor dem(N = 281) Schlafen- (N = 281) Schlafengehengehen (N = 282)(N = 282)> 200 Zellen/mm3 94 (89, 98) 92 (87, 96) 76 (68, 82) 60 (51, 68)
Viraler Subtyp Stamm B 90 (85, 94) 89 (83, 93) 71 (65, 77) 59 (52, 65)
Stamm Non-B 96 (87, 100) 91 (78, 97) 68 (54, 79) 70 (54, 82)
Mittlere Änderung der CD4-Zellzahl(95 % KI), Zellen/mm3
Alle Patienten‡ 189 (174, 163 (148, 374 (345, 403) 312 (284, 339)204) 178)
Ausgangswert‡
HIV-RNA > 100.000 Kopien/ml 196 (174, 192 (169, 392 (350, 435) 329 (293, 364)219) 214)≤ 100.000 Kopien/ml 180 (160, 134 (115, 350 (312, 388) 294 (251, 337)200) 153)
CD4-Zellzahl ≤ 50 Zellen/mm3 170 (122, 152 (123, 304 (209, 399) 314 (242, 386)218) 180)> 50 und 193 (169, 175 (151, 413 (360, 465) 306 (264, 348)≤ 200 Zellen/mm3 217) 198)> 200 Zellen/mm3 190 (168, 157 (134, 358 (321, 395) 316 (272, 359)212) 181)
Viraler Subtyp Stamm B 187 (170, 164 (147, 380 (346, 414) 303 (272, 333)204) 181)
Stamm Non-B 189 (153, 156 (121, 332 (275, 388) 329 (260, 398)225) 190)† Abbruch gilt als Nichtansprechen: Patienten, die vorzeitig die Behandlung abbrachen, wurden als nicht auf die Therapie ansprechendgewertet. Aufgeführt sind die Anzahl (%) der auf die Therapie ansprechenden Patienten und das entsprechende 95-%-Konfidenzintervall(KI).‡ Für die Analyse der prognostischen Faktoren wurden die Prozentwerte der virologischen Versagen bei unter 50 und 400 Kopien/mlverwendet. Ebenso wurden bei virologischem Versagen zur Berechnung der mittleren Werte der Veränderung der CD4-Zellzahlen die
Ausgangswerte verwendet.
Hinweis: Die Analyse beruht auf allen zur Verfügung stehenden Daten.
Raltegravir und Efavirenz wurden mit Emtricitabin (+) Tenofovirdisoproxilfumarat angewendet.
Kinder und JugendlicheKinder und Jugendliche von 2 bis 18 Jahren
IMPAACT P1066 ist eine offene multizentrische Phase-I/II-Studie zur Untersuchung despharmakokinetischen Profils, der Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von Raltegravir bei
HIV-infizierten Kindern. In diese Studie wurden 126 vorbehandelte Kinder und Jugendliche im Altervon 2 bis 18 Jahren aufgenommen. Die Patienten wurden nach Alter stratifiziert, wobei zunächst
Jugendliche, dann nach und nach jüngere Kinder eingeschlossen wurden. Die Patienten erhieltenentweder die Darreichungsform der 400-mg-Filmtablette (6 bis 18 Jahre) oder die der Kautablette (2bis unter 12 Jahre). Raltegravir wurde mit einer optimierten Hintergrundtherapie (optimizedbackground therapy, OBT) angewendet.
Die initiale Phase der Dosisfindung umfasste auch eine umfangreiche pharmakokinetische
Untersuchung. Die Auswahl der Dosis richtete sich nach dem Erreichen ähnlicher Expositionsspiegelund Mindestkonzentrationen von Raltegravir wie bei Erwachsenen sowie einer akzeptablen Kurzzeit-sicherheit. Nach der Dosisfindung wurden weitere Patienten eingeschlossen, um Langzeitsicherheit,
Verträglichkeit und Wirksamkeit zu bewerten. Von den 126 Patienten erhielten 96 Raltegravir in derempfohlenen Dosierung (siehe Abschnitt 4.2).
Tabelle 4
Ausgangsmerkmale und Ergebnisse für die Wirksamkeit nach 24 und 48 Wochen in IMPAACT(P1066)(Alter von 2 bis 18 Jahren)
Parameter Population unter finaler Dosis
N = 96
Demographie
Alter (Jahre), median [Bereich] 13 [2 - 18]
Männlich 49 %
Ethnische ZugehörigkeitKaukasisch 34 %
Schwarz 59 %
Ausgangswerte
Plasma-HIV-1 RNA (log10 Kopien/ml), Mittelwert 4,3 [2,7 - 6][Bereich]
CD4-Zellzahl (Zellen/mm3), median [Bereich] 481 [0 - 2361]
CD4-Zellanteil (%), median [Bereich] 23,3 % [0 - 44]
HIV-1-RNA > 100.000 Kopien/ml 8 %
CDC HIV-Kategorie B oder C 59 %
Vorherige Behandlung mit ART nach Klasse
NNRTI 78 %
PI 83 %
Woche 24 Woche 48
Ansprechen
Senkung HIV-RNA vom Ausgangswert ≥ 1 log10 oder 72 % 79 %< 400 Kopien/ml
HIV-RNA < 50 Kopien/ml 54 % 57 %
Mittlerer CD4-Anstieg (%) vom Ausgangswert 119 Zellen/mm3 156 Zellen/mm3(3,8 %) (4,6 %)
Kleinkinder und Säuglinge von 4 Wochen bis unter 2 Jahren
In die IMPAACT-Studie (Protokoll P1066) wurden auch HIV-1-infizierte Kleinkinder und Säuglingeeingeschlossen, die mindestens 4 Wochen alt, aber jünger als 2 Jahre waren. Sie waren antiretroviralvorbehandelt, entweder präventiv, um eine Übertragung von der Mutter zu verhindern (prevention ofmother to child transmission, PMTCT), und/oder mit einer antiretroviralen Kombination zur Therapieeiner HIV-Infektion.
Raltegravir wurde als Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen unabhängig von der
Nahrungsaufnahme in Kombination mit einer OBT gegeben, die bei zwei Drittel der Patienten
Lopinavir und Ritonavir enthielt.
Tabelle 5
Ausgangsmerkmale und Ergebnisse für die Wirksamkeit nach 24 und 48 Wochen in IMPAACT(P1066)(Alter von 4 Wochen bis unter 2 Jahren)
Parameter N = 26
Demographie
Alter (Wochen), median [Bereich] 28 [4 -100]
Männlich 65 %
Ethnische ZugehörigkeitKaukasisch 8 %
Schwarz 85 %
Ausgangswerte
Plasma-HIV-1 RNA (log10 Kopien/ml), Mittelwert 5,7 [3,1 - 7][Bereich]
Parameter N = 26
CD4-Zellzahl (Zellen/mm3), median [Bereich] 1.400 [131 - 3.648]
CD4-Zellanteil (%), median [Bereich] 18,6 % [3,3 - 39,3]
HIV-1-RNA > 100.000 Kopien/ml 69 %
CDC HIV-Kategorie B oder C 23 %
Vorherige Behandlung mit ART nach Klasse
NNRTI 73 %
NRTI 46 %
PI 19 %
Woche 24 Woche 48
Ansprechen
Senkung HIV-RNA vom Ausgangswert ≥ 1 log10 oder 91 % 85 %< 400 Kopien/ml
HIV-RNA < 50 Kopien/ml 43 % 53 %
Mittlerer CD4-Anstieg (%) vom Ausgangswert 500 Zellen/mm3 492 Zellen/mm3(7,5 %) (7,8 %)
Virologisches Versagen Woche 24 Woche 48
Nichtansprechen 0 0
Rückfall 0 4
Anzahl mit verfügbarem Genotyp* 0 2
*Ein Patient hatte eine Mutation an Position 155.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionWie bei gesunden Probanden nach Anwendung einer oralen Einzeldosis Raltegravir im nüchternen
Zustand festgestellt wurde, wird Raltegravir mit einer Tmax von ca. 3 Stunden rasch resorbiert. AUCund Cmax von Raltegravir steigen im Bereich zwischen 100 mg und 1.600 mg dosisproportional an. Die
C12 Std von Raltegravir steigt im Bereich zwischen 100 und 800 mg dosisproportional, im Bereichzwischen 100 mg und 1.600 mg etwas schwächer als dosisproportional an. Bei Patienten wurde diese
Dosisproportionalität nicht ermittelt.
Bei zweimal täglicher Anwendung wird der pharmakokinetische Steady-State-Zustand rasch - etwainnerhalb der ersten 2 Tage der Einnahme - erreicht. AUC und Cmax zeigen nur eine geringe bis garkeine Akkumulation; für C12 Std liegen Hinweise auf eine geringfügige Akkumulation vor. Die absolute
Bioverfügbarkeit von Raltegravir wurde nicht bestimmt.
Raltegravir kann zusammen mit oder ohne Mahlzeiten eingenommen werden. In den Pivotalstudienzur Sicherheit und Wirksamkeit bei HIV-positiven Patienten wurde Raltegravir ohne
Berücksichtigung der Mahlzeiten eingenommen. Die Einnahme von mehreren Dosen Raltegravir nacheiner mäßig fettreichen Mahlzeit führte zu einem klinisch nicht bedeutsamen Anstieg (13%) der
Raltegravir-AUC im Vergleich zur Nüchterneinnahme. Die Raltegravir C12 Std war nach einer mäßigfettreichen Mahlzeit um 66 % höher und die Cmax um 5 % höher verglichen mit der Einnahme im
Nüchternzustand. Die Einnahme von Raltegravir nach einer sehr fettreichen Mahlzeit erhöhte die
AUC und die Cmax um das ca. 2fache und erhöhte die C12 Std um das 4,1fache. Die Einnahme von
Raltegravir nach einer fettarmen Mahlzeit erniedrigte die AUC und die Cmax um 46 % bzw. um 52 %,die C12 Std blieb im Wesentlichen unverändert. Eine Nahrungsaufnahme scheint diepharmakokinetische Variabilität im Vergleich zum Nüchternzustand zu erhöhen.
Im Allgemeinen wurde eine beträchtliche Variabilität in der Pharmakokinetik von Raltegravirbeobachtet. Für die beobachtete C12Std in BENCHMRK 1 und 2 war der Variationskoeffizient (CV) derinterindividuellen Variabilität = 212 % und der CV der intraindividuellen Variabilität = 122 %.
Ursachen der Variabilität können Unterschiede in der Kombination mit Mahlzeiten und den
Begleitmedikationen sein.
VerteilungRaltegravir wird im Konzentrationsbereich zwischen 2 und 10 µM zu annähernd 83 % an humane
Plasmaproteine gebunden.
Bei Ratten war Raltegravir leicht plazentagängig, passierte die Blut-Hirn-Schranke jedoch nicht innennenswertem Umfang.
In zwei Studien war Raltegravir bei HIV-1 infizierten Patienten, die 400 mg Raltegravir zweimaltäglich erhielten, leicht im Liquor cerebrospinalis nachzuweisen. In der ersten Studie (n = 18) betrugdie mediane Konzentration im Liquor cerebrospinalis 5,8 % (Bereich von 1 % bis 53,5 %) derentsprechenden Plasmakonzentration. In der zweiten Studie (n = 16) betrug die mediane
Konzentration im Liquor cerebrospinalis 3 % (Bereich von 1 % bis 61 %) der entsprechenden
Plasmakonzentration. Diese medianen Anteile liegen etwa 3-6fach niedriger als der Anteil freien
Raltegravirs im Plasma.
Biotransformation und EliminationDie apparente terminale Halbwertszeit beträgt ca. 9 Stunden, mit einer kürzeren α-Phase-Halbwertszeit(~1 Stunde), die sehr stark die AUC bedingt.
Nach Anwendung einer oralen Dosis von radioaktiv markiertem Raltegravir wurden ca. 51 % bzw.32 % der Dosis in Fäzes bzw. Urin ausgeschieden. In den Fäzes wurde ausschließlich Raltegravirnachgewiesen, das vermutlich hauptsächlich aus der Hydrolyse des mit der Galle sezernierten
Raltegravir-Glukuronids stammt, wie bei den präklinisch untersuchten Spezies beobachtet wurde. Im
Urin wurden die beiden Komponenten Raltegravir und Raltegravir-Glukuronid nachgewiesen, die ca.9 % bzw. 23 % der angewendeten Dosis entsprachen. Ungefähr 70 % der gesamten Radioaktivitätfielen auf Raltegravir als wichtigste zirkulierende Substanz; die übrige Radioaktivität im Plasma fielauf Raltegravir-Glukuronid.
Studien mit Isoform-selektiven chemischen Hemmsubstanzen und cDNA-exprimierten UDP-
Glukuronosyltransferasen (UGT) zeigen, dass UGT1A1 das hauptsächlich für die Bildung von
Raltegravir-Glukuronid verantwortliche Enzym ist. Diese Daten sprechen für die UGT1A1-vermittelte
Glukuronidierung als Hauptausscheidungsmechanismus für Raltegravir beim Menschen.
UGT1A1-Polymorphismus
Beim Vergleich von 30 Probanden des *28/*28-Genotyps mit 27 Probanden des Wildtyp-Genotypsbetrug das Verhältnis der geometrischen Mittelwerte (90 %-Konfidenzintervall) der AUC 1,41 (0,96;2,09) und das Verhältnis der geometrischen Mittelwerte der C12Std 1,91 (1,43; 2,55). Eine
Dosisanpassung bei Patienten mit reduzierter UGT1A1-Aktivität aufgrund des genetischen
Polymorphismus wird nicht als notwendig erachtet.
Spezielle PatientengruppenKinder und JugendlicheBasierend auf einer Studie mit gesunden erwachsenen Probanden zum Vergleich der
Darreichungsformen liegt die orale Bioverfügbarkeit der Kautabletten und des Granulats zur
Herstellung einer Suspension zum Einnehmen höher als die der 400-mg-Filmtabletten. In dieser Studieführte die Einnahme der Kautabletten mit einer fettreichen Mahlzeit im Vergleich zur Einnahme aufnüchternen Magen zu einer durchschnittlichen Verkleinerung der AUC um 6 % und der Cmax um 62 %sowie einer Erhöhung der C12Std um 188 %. Die Einnahme der Kautablette mit einer fettreichen
Mahlzeit veränderte die Pharmakokinetik von Raltegravir nicht in klinisch relevantem Ausmaß, sodass die Kautabletten unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen werden können.
Der Einfluss von Nahrung auf das Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen wurdenicht untersucht.
Tabelle 6 zeigt die pharmakokinetischen Parameter nach Körpergewicht für die 400-mg-Tablette, fürdie Kautablette und für das Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen .
Tabelle 6
Pharmakokinetische Parameter von Raltegravir in IMPAACT P1066 nach Gabe der
Dosierungen gemäß Abschnitt 4.2 (ohne Neugeborene)
Geometrisches
Geometrisches Mittel Mittel(%CV†) (%CV†)
Körpergewicht Darreichungsform Dosis N* AUC0-12Std (μM●Std) C12Std (nM)≥ 25 kg Filmtablette 400 mg zweimal täglich 18 14,1 (121 %) 233 (157 %)
Gewichtsabhängige
Dosierung, siehe
Dosierungsangaben für≥ 25 kg Kautablette die Kautabletten 9 22,1 (36 %) 113 (80 %)
Gewichtsabhängige
Dosierung, siehe11 bis unter Dosierungsangaben für25 kg Kautablette die Kautabletten 13 18,6 (68 %) 82 (123 %)
Granulat zur Gewichtsabhängige
Herstellung einer Dosierung, siehe3 bis unter Suspension zum Dosierungsangaben für20 kg Einnehmen das Granulat 19 24,5 (43 %) 113 (69 %)
* Anzahl von Patienten mit umfangreichen pharmakokinetischen (PK) Daten unter Einnahme der empfohlenen
Dosis.† Geometrischer Variationskoeffizient.
Ältere PatientenEs wurde kein klinisch bedeutender Einfluss des Lebensalters im untersuchten Altersbereich beigesunden Probanden und bei Patienten mit HIV-1-Infektion (19 bis 84 Jahre, mit wenigen Personenüber 65 Jahre) auf die Pharmakokinetik von Raltegravir festgestellt.
Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und BMI
Bei Erwachsenen waren keine klinisch relevanten Unterschiede in der Pharmakokinetik bezüglich
Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Body-Mass-Index (BMI) feststellbar.
Eingeschränkte NierenfunktionDie renale Clearance des unveränderten Arzneimittels hat im Eliminationsstoffwechsel geringe
Bedeutung. Bei Erwachsenen waren keine klinisch relevanten pharmakokinetischen Unterschiedezwischen Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz und gesunden Probanden feststellbar (siehe
Abschnitt 4.2). Da der Grad der Dialysierbarkeit von Raltegravir nicht bekannt ist, sollte eine
Einnahme unmittelbar vor einer Dialysesitzung vermieden werden.
Eingeschränkte LeberfunktionRaltegravir wird hauptsächlich über Glukuronidierung in der Leber eliminiert. Bei Erwachsenenwaren keine klinisch relevanten pharmakokinetischen Unterschiede zwischen Patienten mit mäßigeingeschränkter Leberfunktion und gesunden Probanden feststellbar. Der Einfluss einer schweren
Leberfunktionsstörung auf die Pharmakokinetik von Raltegravir ist bislang nicht untersucht worden(siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Die nicht-klinischen Studien mit Raltegravir, einschließlich konventioneller Studien zur
Sicherheitspharmakologie, zur Toxizität bei wiederholter Gabe, zur Genotoxizität, zur
Entwicklungstoxizität und zu juveniler Toxizität wurden mit Mäusen, Ratten, Hunden und Kaninchendurchgeführt. Die Wirkungen bei Expositionsspiegeln, die weit über den klinischen
Expositionsspiegeln lagen, lassen keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
MutagenitätHinweise auf mutagene oder genotoxische Eigenschaften wurden weder in mikrobiellen In-vitro-
Mutagenesetests (Ames) noch in alkalischen In-vitro-Elutionsassays auf DNA-Bruch oder in In-vitro- sowie In-vivo-Studien zur Chromosomenaberration beobachtet.
KarzinogenitätEine Karzinogenitätsstudie mit Raltegravir bei Mäusen zeigte kein kanzerogenes Potenzial. Unter den
Höchstdosen von 400 mg/kg/Tag bei weiblichen Tieren und 250 mg/kg/Tag bei männlichen Tierenwar die systemische Exposition ähnlich der klinischen Dosis von 2-mal 400 mg/Tag. Bei Rattenwurden Tumore (Plattenepithelkarzinome) der Nase/des Nasopharynx bei 300 mg/kg/Tag und600 mg/kg/Tag bei weiblichen Tieren sowie bei 300 mg/kg/Tag bei männlichen Tieren festgestellt.
Diese Neoplasie könnte durch lokale Ablagerung und/oder Eindringen des Arzneimittels in die
Mukosa von Nase bzw. Nasopharynx während der oralen Verabreichung mittels Sonde undnachfolgender chronischer Reizung und Entzündung entstanden sein und ist wahrscheinlich vongeringer Bedeutung für die beabsichtigte klinische Anwendung. Bei der NOAEL(No Observed
Adverse Effect Level)-Dosis war die systemische Exposition ähnlich der klinischen Dosis von 2-mal400 mg/Tag. Die Standard-Genotoxizitätsstudien zur Bewertung der Mutagenität und Klastogenitätwaren negativ.
EntwicklungstoxizitätIn Studien zur Entwicklungstoxizität bei Ratten und Kaninchen war Raltegravir nicht teratogen.
Eine leicht erhöhte Inzidenz überzähliger Rippen, eine Variante im normalen Entwicklungsprozess,wurde bei Rattenfeten, deren Mütter Raltegravir in Dosen erhalten hatten, die ca. dem 4,4-fachen derbeim Menschen empfohlenen Dosis (Recommended Human Dose, RHD) bezogen auf die AUC0-24Stdentsprechen, festgestellt. Beim 3,4-fachen der humanen Exposition bezogen auf die RHD wurdenkeine Auswirkungen auf die Entwicklung beobachtet (siehe Abschnitt 4.6). Bei Kaninchen wurdenkeine vergleichbaren Ergebnisse beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern:- mikrokristalline Cellulose
- Lactose-Monohydrat
- Calciumhydrogenphosphat
- Hypromellose 2208
- Poloxamer 407
- Natriumstearylfumarat
- Magnesiumstearat.
Filmüberzug:- Poly(vinylalkohol)
- Titandioxid
- Macrogol 3350
- Talkum
- Eisen(III)-oxid
- Eisen(II,III)-oxid .
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich. Die Flasche,zusammen mit dem Trockenmittel, fest verschlossen halten, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zuschützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Flasche aus HDPE mit einem kindersicheren Verschluss aus Polypropylen, Induktionssiegel und
Silica-Gel als Trockenmittel.
Zwei Packungsgrößen sind erhältlich: 1 Flasche mit 60 Tabletten und eine Bündelpackung mit180 (3 Flaschen mit je 60) Tabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Keine besonderen Anforderungen für die Beseitigung.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Merck Sharp & Dohme B.V.
Waarderweg 392031 BN Haarlem
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/07/436/001
EU/1/07/436/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 20. Dezember 2007
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 14. Mai 2014
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.