Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels HYQVIA 100mg / ml subkutane infusionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
HyQvia 100 mg/ml Infusionslösung zur subkutanen Anwendung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
HyQvia ist eine Dual-Flaschen-Einheit, die aus einer Durchstechflasche mit normalem Immunglobulinvom Menschen (Immunglobulin 10 % oder IG 10 %) und einer Durchstechflasche mit rekombinanterhumaner Hyaluronidase (rHuPH20) besteht.
Normales Immunglobulin vom Menschen (SCIg)*1 ml enthält:
Normales Immunglobulin vom Menschen. 100 mg(Reinheit von mindestens 98 % IgG)
Jede 25 ml Durchstechflasche enthält: 2,5 g normales Immunglobulin vom Menschen.
Jede 50 ml Durchstechflasche enthält: 5 g normales Immunglobulin vom Menschen.
Jede 100 ml Durchstechflasche enthält: 10 g normales Immunglobulin vom Menschen.
Jede 200 ml Durchstechflasche enthält: 20 g normales Immunglobulin vom Menschen.
Jede 300 ml Durchstechflasche enthält: 30 g normales Immunglobulin vom Menschen.
Verteilung der IgG-Subklassen (ungefähre Werte):
IgG1 ≥ 56,9 %
IgG2 ≥ 26,6 %
IgG3 ≥ 3,4 %
IgG4 ≥ 1,7 %
Der maximale IgA-Gehalt beträgt 140 Mikrogramm/ml.
*Aus dem Plasma menschlicher Spender hergestellt.
Rekombinante humane Hyaluronidase (rHuPH20)1 ml enthält:
Rekombinante humane Hyaluronidase. 160 Einheiten
Jede 1,25 ml Durchstechflasche enthält: 200 Einheiten rekombinante humane Hyaluronidase.
Jede 2,5 ml Durchstechflasche enthält: 400 Einheiten rekombinante humane Hyaluronidase.
Jede 5 ml Durchstechflasche enthält: 800 Einheiten rekombinante humane Hyaluronidase.
Jede 10 ml Durchstechflasche enthält: 1 600 Einheiten rekombinante humane Hyaluronidase.
Jede 15 ml Durchstechflasche enthält: 2 400 Einheiten rekombinante humane Hyaluronidase.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:* Rekombinante humane Hyaluronidase (rHuPH20)
Die rHuPH20 ist ein gereinigtes, aus 447 Aminosäuren bestehendes Glykoprotein, das in Ovarialzellendes chinesischen Hamsters (Chinese Hamster Ovary[CHO]-Zellen) mittels rekombinanter DNA-
Technologie hergestellt wird.
* Natrium (als Chlorid und Phosphat)
Der Gesamt-Natriumgehalt der rekombinanten humanen Hyaluronidase beträgt 4,03 mg/ml.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Infusionslösung.
IG 10 % ist eine klare oder leicht opaleszente farblose bis gelbliche Lösung. Die Lösung weist einenpH-Wert von 4,6 bis 5,1 und eine Osmolalität von 240 bis 300 mOsmol/kg auf.
rHuPH20 ist eine klare, farblose Lösung. Die Lösung weist einen pH-Wert von 6,5 bis 8,0 und eine
Osmolalität von 290 bis 350 mOsmol/kg auf.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Substitutionstherapie bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen (0-18 Jahre) mit:
* Primärem Immundefektsyndrom (PID) mit unzureichender Antikörperbildung (siehe
Abschnitt 4.4).
* Sekundären Immundefekten (SID) bei Patienten, die an schweren oder rezidivierenden
Infektionen leiden, oder bei denen eine antimikrobielle Behandlung unwirksam ist und dieentweder ein nachgewiesenes Versagen von spezifischen Antikörpern (PSAF, proven specificantibody failure)* oder einen Serum-IgG-Spiegel < 4 g/l aufweisen.
*PSAF = Fehlender Anstieg des IgG-Antikörpertiters gegen Pneumokokken-Polysaccharid- und
Polypeptid-Antigen-Impfstoffe um mindestens das 2-Fache.
Immunmodulatorische Therapie bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen (0 bis 18 Jahre) mit:
* Chronischer inflammatorischer demyelinisierender Polyradikuloneuropathie (CIDP) als
Erhaltungstherapie nach Stabilisierung mit IVIg.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Therapie sollte von einem in der Behandlung von Erkrankungen des Immunsystems erfahrenen
Arzt begonnen und überwacht werden.
Das Arzneimittel sollte subkutan (s.c.) verabreicht werden. Die Dosis und die Dosisschemata sind vonder Indikation abhängig.
Die Dosis sollte je nach pharmakokinetischem (PK) und klinischem Ansprechen auf die Therapieindividuell an jeden Patienten angepasst werden. Die vom Körpergewicht abhängige Dosis mussmöglicherweise bei unter- oder übergewichtigen Patienten angepasst werden. Die nachstehenden
Dosisangaben können als Richtlinie herangezogen werden.
DosierungSubstitutionstherapie bei PID
Immunglobulintherapie-naive Patienten
Die für die Erreichung eines IgG-Talspiegels von 6 g/l erforderliche Dosis liegt bei 0,4 bis 0,8 g/kg
Körpergewicht pro Monat. Das Dosisintervall zur Aufrechterhaltung des Fließgleichgewichts ('steadystate“) liegt bei 2 bis 4 Wochen.
Der IgG-Talspiegel sollte gemessen und im Hinblick auf die Infektionshäufigkeit beurteilt werden.
Um die Infektionsrate ggf. zu senken, kann eine Dosiserhöhung zur Anhebung des IgG-Talspiegelserforderlich sein (> 6 g/l).
Zu Beginn der Therapie empfiehlt es sich, die Infusionsintervalle schrittweise von einer einmalwöchentlichen Dosis auf eine Dosis alle 3 oder 4 Wochen zu verlängern. Je nach geplantem HyQvia
Behandlungsintervall sollte die kumulative Monatsdosis von IG 10 % auf wöchentliche bzw. 2- odermehrwöchentliche Dosen aufgeteilt werden.
Mit intravenösem Immunglobulin (IVIg) vorbehandelte Patienten
Patienten, die direkt von IVIg umgestellt werden oder bei denen auf eine frühere IVIg-Dosis Bezuggenommen werden kann, sollte das Arzneimittel in gleicher Dosierung und Häufigkeit verabreichtwerden wie das zuvor verabreichte IVIg. Bei Patienten mit einem bisherigen Dosierungsintervallvon 3 Wochen kann das Intervall durch entsprechende Aufteilung der kumulativen Monatsdosisauf 4 Wochen verlängert werden.
Mit subkutanem Immunglobulin (SCIg) vorbehandelte Patienten
Die anfängliche Dosis des Arzneimittels entspricht der bisher verabreichten SCIg-Dosis, allerdingskann diese Dosis auf ein Intervall von 3 oder 4 Wochen angepasst werden. Die erste Infusion sollteeine Woche nach der letzten Gabe des zuvor verabreichten Immunglobulins erfolgen.
Substitutionstherapie bei SID
Die empfohlene Dosis liegt bei 0,2 bis 0,4 g/kg alle 3 bis 4 Wochen.
Die IgG-Talspiegel sollten in Verbindung mit der Inzidenz einer Infektion gemessen und beurteiltwerden. Die Dosis sollte nach Bedarf angepasst werden, um optimalen Schutz gegen Infektionen zubieten, bei Patienten mit persistierenden Infektionen kann eine Dosiserhöhung erforderlich sein. Bleibtder Patient infektionsfrei, kann eine Senkung der Dosis erwogen werden.
Immunmodulatorische Therapie bei CIDP
Vor der Einleitung der Therapie ist die wöchentliche Äquivalenzdosis zu berechnen, indem diegeplante Dosis durch das geplante Dosisintervall in Wochen dividiert wird. Der typische
Dosierungsintervallbereich für HyQvia beträgt 3 bis 4 Wochen. Die empfohlene subkutane Dosisbeträgt 0,3 bis 2,4 g/kg Körpergewicht pro Monat, verabreicht in 1 oder 2 Sitzungen und verteilt über1 oder 2 Tage.
Bei der Dosisanpassung sollte primär das klinische Ansprechen des Patienten ausschlaggebend sein.
Zum Erreichen des gewünschten klinischen Ansprechens ist gegebenenfalls die Dosis anzupassen. Beieiner klinischen Verschlechterung kann die Dosis auf das empfohlene monatliche Maximum von2,4 g/kg erhöht werden. Ist der Patient klinisch stabil, können regelmäßig erfolgende Dosissenkungenerforderlich sein, um zu ermitteln, ob der Patient weiterhin eine IG-Therapie benötigt.
Um eine gute Verträglichkeit für den Patienten zu gewährleisten, wird eine Phase der Aufdosierung(Ramp-up) empfohlen, bei dem die Dosis mit der Zeit allmählich erhöht wird, bis die volle Dosiserreicht ist. Während der Phase der Aufdosierung müssen die berechnete HyQvia-Dosis und dieempfohlenen Dosisintervalle für die erste und zweite Infusion eingehalten werden. Im Ermessen desbehandelnden Arztes können bei Patienten, welche die ersten 2 Infusionen gut vertragen haben,nachfolgende Infusionen unter Berücksichtigung des Volumens und der Gesamtinfusionsdauerschrittweise in höheren Dosen und längeren Dosisintervallen verabreicht werden. Eine schnellere
Aufdosierung kann in Betracht gezogen werden, wenn der Patient die s.c. Infusionsvolumina und dieersten 2 Infusionen gut vertragen hat. Dosen von höchstens 0,4 g/kg können bei akzeptabler
Verträglichkeit durch die Patienten ohne eine Phase der Aufdosierung verabreicht werden.
Patienten müssen stabile IVIg-Dosen* erhalten. Vor der Einleitung der Therapie mit dem Arzneimittelist die wöchentliche Äquivalenzdosis zu berechnen, indem die letzte IVIg-Dosis durch das IVIg-
Dosisintervall in Wochen dividiert wird. Anfangsdosis und Dosierungshäufigkeit entsprechen dervorherigen IVIg-Therapie des Patienten. Das typische Dosierungsintervall für HyQvia beträgt4 Wochen. Bei Patienten mit weniger häufiger Verabreichung des IVIg (Intervall länger als4 Wochen) kann das Dosierungsintervall unter Beibehaltung derselben monatlichen Äquivalenzdosisdes IgG auf 4 Wochen umgestellt werden.
Die für eine Woche berechnete Dosis (1. Infusion) sollte wie in der nachstehenden Tabelle gezeigt2 Wochen nach der letzten IVIg-Infusion verabreicht werden. Eine Woche nach der ersten Dosis solltedie nächste wöchentliche Äquivalenzdosis (2. Infusion) verabreicht werden. Die Aufdosierungsphasekann, je nach Dosierungsintervall und Verträglichkeit, bis zu 9 Wochen dauern (siehe Tabelle 1).
*(Schwankungen im Dosierungsintervall von bis zu ± 7 Tagen oder in der monatlichen
Äquivalenzdosis von bis zu ± 20 % zwischen den IgG-Infusionen des Patienten gelten als stabile
Dosis.)
Tabelle 1: Empfohlener Ablaufplan für die Aufdosierung der Infusionsdosis von IVIgauf HyQvia
Woche* Nummer der Infusion Dosisintervall Beispiel für 100 g alle 4 Wochen1 Keine Infusion2 1. Infusion 1-Wochen-Dosis 25 g3 2. Infusion 1-Wochen-Dosis 25 g4 3. Infusion 2-Wochen-Dosis 50 g5 Keine Infusion6 4. Infusion 3-Wochen-Dosis 75 g7 Keine Infusion8 Keine Infusion9 5. Infusion 4-Wochen-Dosis 100 g (volle Dosis erreicht)
*Die 1. Infusion beginnt 2 Wochen nach der letzten IVIg-Dosis.
Das maximale Infusionsvolumen an einem einzelnen Infusionstag sollte bei Patienten mit einem
Gewicht von ≥ 40 kg nicht über 1 200 ml und < 40 kg nicht über 600 ml liegen. Angenommen, diemaximale Tagesdosis wird überschritten oder der Patient verträgt das Infusionsvolumen nicht: Ineinem solchen Fall kann die Dosis über mehrere Tage in geteilten Dosen verabreicht werden, wobeizwischen den Dosen 48 bis 72 Stunden liegen sollten, um die Resorption der Infusionsflüssigkeit ander/den Infusionsstelle(n) zu ermöglichen. Die Dosis kann an bis zu 3 Infusionsstellen mit einemmaximalen Infusionsvolumen von 600 ml pro Stelle (bzw. je nach Verträglichkeit) verabreichtwerden. Bei drei Infusionsstellen dürfen höchstens 400 ml pro Stelle verabreicht werden.
Kinder und JugendlicheSubstitutionstherapie
Das Dosierungsschema für Kinder und Jugendliche (0 bis 18 Jahre) ist dasselbe wie das für
Erwachsene. Die Dosierung basiert auf dem Körpergewicht und wird auf die klinischen Ergebnisseabgestimmt. Zurzeit vorliegende Daten werden in den Abschnitten 4.8, 5.1 und 5.2 beschrieben.
Immunmodulatorische Therapie
Das Dosierungsschema für Kinder und Jugendliche (0 bis 18 Jahre) ist dasselbe wie das für
Erwachsene. Die Dosierung basiert auf der berechneten wöchentlichen Äquivalenzdosis und wird aufdie klinischen Ergebnisse abgestimmt. Zurzeit vorliegende Daten werden in den Abschnitten 4.8, 5.1und 5.2 beschrieben.
Hinweise zur AnwendungDieses Arzneimittel ist ausschließlich für die subkutane Anwendung geeignet; nicht intravenösverabreichen.
Für jede Durchstechflasche IG 10 % wird die entsprechende Menge an rHuPH20 mitgeliefert (siehe
Abschnitt 6.5). Es sollte jeweils der gesamte Flascheninhalt an rHuPH20 verabreicht werden,unabhängig davon, ob der Gesamtinhalt der IG 10 % Durchstechflasche verabreicht wird.
Die 2 Komponenten des Arzneimittels sind nacheinander durch dieselbe Kanüle subkutan zuverabreichen, wobei zunächst rHuPH20 und danach IG 10 % infundiert werden.
Beispiel: Einem Patienten werden 110 Gramm (g) HyQvia verschrieben: Dafür werden3 Durchstechflaschen mit je 30 g und 1 Durchstechflasche mit 20 g für die Gesamtdosis von110 g/1 100 ml der IG-10 %-Komponente von HyQvia benötigt. Das Volumen von rHuPH20 beträgt(3 x 15 ml + 1 x 10 ml) = 55 ml. Bei einer Dosis von mehr als 120 g kann die Verabreichung von
HyQvia über mehrere Tage in geteilten Dosen erfolgen, wobei zwischen den einzelnen Dosen 48 bis72 Stunden liegen sollten, um die Resorption der Infusionsflüssigkeit an der/den Infusionsstelle(n) zuermöglichen.
Während oder nach der subkutanen Verabreichung von Immunglobulin, einschließlich HyQvia, kannes zum Austreten der Infusionslösung an der Infusionsstelle kommen. Eventuell sollten längere
Nadeln (12 mm oder 14 mm) und/oder mehrere Infusionsstellen verwendet werden. Jede Änderungder Nadelgröße muss vom behandelnden Arzt überwacht werden.
Häusliche Behandlung
Wenn die subkutane Infusion von HyQvia im Rahmen der häuslichen Behandlung verabreicht wird,sollte die Therapie von einem in der Anleitung von Patienten in häuslicher Behandlung erfahrenen
Arzt eingeleitet und überwacht werden. Der Patient oder eine Betreuungsperson muss in die
Infusionstechniken, in den Gebrauch der Infusions- bzw. Spritzenpumpe, in das Führen des
Behandlungstagebuchs, in die Erkennung möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen sowie in diein diesem Fall zu ergreifenden Maßnahmen eingewiesen werden.
HyQvia kann in einer vollen therapeutischen Dosis an bis zu 3 Infusionsstellen bis zu alle 4 Wochenverabreicht werden. Passen Sie die Häufigkeit und Anzahl der Infusionsstellen unter Berücksichtigungvon Volumen, Gesamtinfusionszeit und Verträglichkeit an, sodass der Patient dieselbe wöchentliche
Äquivalentdosis erhält. Falls ein Patient eine Dosis vergessen hat, sollte diese Dosis so schnell wiemöglich verabreicht und danach ggf. mit der geplanten Behandlung fortgefahren werden.
Gerätegestützte Infusion
Die IG-10-%-Komponente sollte mit einer Pumpe verabreicht werden. Die rHuPH20 kann manuellinjiziert oder mit einer Pumpe verabreicht werden. Unter Umständen ist eine 24 Gauge große Nadelerforderlich, damit die Patienten das Arzneimittel mit Flussraten von 300 ml/h/Infusionsstelleverabreichen können. Kleinere Nadeln können jedoch benutzt werden, wenn langsamere Flussratenakzeptabel sind. Verwenden Sie für die Durchstechflasche mit 1,25 ml rHuPH20 zum Entnehmen des
Inhalts eine 18 bis 22 Gauge große Nadel, um ein Durchstoßen oder Kernbohren des Gummistopfenszu vermeiden. Für alle anderen Durchstechflaschengrößen kann eine Nadel oder eine nadellose
Vorrichtung zum Entnehmen des Inhalts verwendet werden.
Infusionsstelle
Die empfohlenen Infusionsstellen für das Arzneimittel sind der mittlere bis obere Bauchbereich unddie Oberschenkel. Sollten 2 Infusionsstellen verwendet werden, sollten diese so gewählt werden, dasssie sich an jeweils kontralateralen Körperstellen befinden. Bei Verwendung von drei Infusionsstellensollten diese einen Abstand von mindestens 10 cm haben. Körperstellen über Knochenvorsprüngenund vernarbte Bereiche sollten vermieden werden. Das Arzneimittel sollte nicht direkt oder inräumlicher Nähe einer infizierten Körperstelle oder einer Körperstelle mit akuter Entzündunginfundiert werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass sich die lokalisierte Infektion ausbreitet. Es isteine Stelle in einem Abstand von mindestens 5 cm zum Bauchnabel zu wählen.
InfusionsraterHuPH20 sollte bei konstanter Infusionsrate verabreicht werden. Die Infusionsrate von IG 10 % solltenicht über die empfohlenen Raten hinaus erhöht werden, insbesondere wenn der Patient die HyQvia-
Therapie gerade erst begonnen hat.
Zunächst wird die gesamte rHuPH20-Dosis mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 2 ml/min (oder60 ml/h bis 120 ml/h) pro Infusionsstelle oder je nach Verträglichkeit infundiert. Beginnen Sieinnerhalb von 10 Minuten nach Beendigung der Infusion von rHuPH20 mit der Infusion der vollen
Dosis von IG 10 % je Infusionsstelle mit demselben subkutanen Nadelset.
Für IG 10 % werden folgende Infusionsraten pro Infusionsstelle empfohlen.
Tabelle 2: Die empfohlenen Infusionsraten von IG 10 % pro Infusionsstelle
Patienten < 40 kg Patienten ≥ 40 kg
Erste Nachfolgende Erste Nachfolgende2 Infusionen 2-3 Infusionen 2 Infusionen 2-3 Infusionen
Intervall/Minuten(ml/h/ (ml/h/ (ml/h/ (ml/h/
Infusionsstelle) Infusionsstelle) Infusionsstelle) Infusionsstelle)10 Minuten 5 10 10 1010 Minuten 10 20 30 3010 Minuten 20 40 60 12010 Minuten 40 80 120 240
Restliche Infusion 80 160 240 300
Wenn der Patient die anfänglichen Infusionen bei voller Dosis und maximaler Infusionsrate je
Infusionsstelle gut verträgt, kann eine Erhöhung der Infusionsrate für nachfolgende Infusionen nach
Ermessen des Arztes und des Patienten erwogen werden.
Hinweise zur Handhabung und Vorbereitung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe
Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
HyQvia darf auf keinen Fall intravenös oder intramuskulär verabreicht werden.
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff (IgG) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile (siehe Abschnitt 4.4).
Überempfindlichkeit gegen Immunglobuline vom Menschen, insbesondere in sehr seltenen Fälleneines IgA-Mangels mit gleichzeitigem Vorliegen von Anti-IgA-Antikörpern.
Bekannte systemische Überempfindlichkeit gegen Hyaluronidase oder rHuPH20.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
RückverfolgbarkeitUm die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des
Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiertwerden.
Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Bei versehentlicher intravenöser Verabreichung von HyQvia können Patienten einen Schock erleiden.
Die empfohlenen Infusionsraten, die in Abschnitt 4.2 zusammengefasst sind, sollten eingehaltenwerden. Patienten müssen während der gesamten Infusionsdauer engmaschig überwacht werden; diesgilt insbesondere zu Therapiebeginn.
Bestimmte Nebenwirkungen können bei Patienten, die erstmals mit normalem Immunglobulinvom Menschen behandelt werden, bzw. in seltenen Fällen auch bei Umstellung zwischen normalen
Immunglobulinpräparaten vom Menschen oder nach einem längeren Abstand seit der vorherigen
Infusion häufiger auftreten.
Mögliche Komplikationen lassen sich häufig vermeiden, wenn
* das Produkt bei der ersten Infusion langsam verabreicht wird (siehe Abschnitt 4.2).
* sichergestellt wird, dass der Patient während der gesamten Infusionsdauer sorgfältig aufeventuell auftretende Symptome überwacht wird. Insbesondere Patienten, die normales
Immunglobulin vom Menschen zum ersten Mal erhalten, die von einem anderen Produktumgestellt werden oder bei denen seit der letzten Infusion eine lange Behandlungspausevorliegt, sollten während der ersten Infusion sowie eine Stunde danach überwacht werden, ummögliche Anzeichen von Nebenwirkungen erkennen zu können.
Alle anderen Patienten sind nach der Verabreichung mindestens 20 Minuten lang zu überwachen.
Im Falle einer häuslichen Behandlung sollte eine Betreuungsperson anwesend sein, die in der Lage ist,
Nebenwirkungen zu behandeln oder bei Auftreten schwerer Nebenwirkungen fachliche Hilfeanzufordern. Patienten, die sich selbst zuhause behandeln, und/oder deren Pflegepersonen solltenaufgeklärt werden, die Frühzeichen von Übersensibilitätsreaktionen zu erkennen.
Im Falle einer Nebenwirkung muss entweder die Infusionsrate gesenkt oder die Infusion abgebrochenwerden. Die erforderliche Behandlung hängt von der Art und Schwere der Nebenwirkung ab. Im Falleeines Schocks muss die Infusion sofort abgebrochen werden und eine Schocktherapie muss eingeleitetwerden.
Chronische Hautveränderungen wurden in klinischen Studien nicht beobachtet. Patienten solltendaran erinnert werden, jede chronische Entzündung, Knotenbildung oder länger als ein paar Tagefortdauernde Entzündung an der Infusionsstelle zu melden.
Überempfindlichkeit gegen IG 10 %
Wirkliche Übersensibilitätsreaktionen sind selten. Sie können insbesondere bei Patienten mit Anti-
IgA-Antikörpern auftreten, die mit besonderer Vorsicht behandelt werden müssen. Patienten mit Anti-
IgA-Antikörpern, bei denen die Behandlung mit SCIg-Produkten die einzige Wahl ist, sollten bei der
Behandlung mit HyQvia engmaschig ärztlich überwacht werden.
In seltenen Fällen kann die Gabe von normalem Immunglobulin vom Menschen einen Blutdruckabfallmit anaphylaktischer Reaktion hervorrufen. Dies kann auch bei Patienten auftreten, die die
Behandlung mit normalem Immunglobulin vom Menschen bisher gut vertragen haben.
* Bei Patienten mit einem hohen Risiko für allergische Reaktionen sollte das Arzneimittel nurverabreicht werden, wenn entsprechende Möglichkeiten für die supportive Behandlunglebensbedrohlicher Reaktionen zur Verfügung stehen.
* Patienten sollten entsprechend unterwiesen werden, um die ersten Anzeichen einer Anaphylaxiebzw. Überempfindlichkeit (Nesselausschlag, Juckreiz, generalisierte Urtikaria, Engegefühl inder Brust, Stenoseatmung und Hypotonie) zu erkennen.
* Je nach Schweregrad der auftretenden Reaktion bzw. je nach medizinischer Praxis könntensich bestimmte Reaktionen durch entsprechende Prämedikation vermeiden lassen.
* Sind anaphylaktische Reaktionen oder schwere Überempfindlichkeit gegenhumanes Immunglobulin bekannt, ist dies in der Patientenakte zu vermerken.
Überempfindlichkeit gegen rHuPH20
Bei jeglichem Verdacht auf allergische oder anaphylaktoide Reaktionen nach Verabreichung vonrHuPH20 ist die Infusion unverzüglich abzubrechen und eine entsprechende medizinische Behandlungeinzuleiten.
Immunogenität von rHuPH20
In klinischen Studien wurde die Bildung von nicht-neutralisierenden Antikörpern undneutralisierenden Antikörpern gegen rHuPH20 bei Patienten, die HyQvia erhielten, berichtet. Esbesteht die Möglichkeit, dass solche Antikörper mit endogener Hyaluronidase, die in Hoden,
Nebenhoden und Sperma männlicher Erwachsener vorhanden ist, kreuzreagieren können. Es ist nichtbekannt, ob diese Antikörper eine klinische Bedeutung bei Menschen haben (siehe Abschnitt 4.8).
Thromboembolie
Arterielle und venöse thrombotische Ereignisse, einschließlich Myokardinfarkt, Schlaganfall,
Lungenembolie und tiefe Venenthrombosen, können im Zusammenhang mit der Verwendung von
Immunglobulinen auftreten. Patienten sollten vor der Anwendung von Immunglobulinen hinreichendhydriert sein. Besondere Vorsicht gilt bei Patienten mit bestehenden Risikofaktorenfür thromboembolische Ereignisse (z. B. fortgeschrittenes Alter, Hypertonie, Diabetes mellitus mit
Gefäßerkrankungen oder thrombotischen Episoden in der Anamnese, erworbene oder angeborenethrombophile Erkrankungen, längere Immobilisierung, schwere Hypovolämie, Erkrankungen miterhöhter Viskosität des Blutes). Patienten mit einem Risiko für Hyperviskosität sollten auf Anzeichenund Symptome einer Thrombose hin überwacht und die Blutviskosität sollte bestimmt werden.
Thrombosen können auch auftreten, wenn keine bekannten Risikofaktoren vorliegen.
Die Patienten sollten über erste Symptome von thromboembolischen Ereignissen, einschließlich
Kurzatmigkeit, Schmerzen und Schwellung einer Gliedmaße, fokal-neurologischer Störungen und
Brustschmerzen, aufgeklärt und angewiesen werden, bei Auftreten dieser Symptome unverzüglichihren Arzt zu kontaktieren.
Hämolytische AnämieImmunglobulinpräparate enthalten Antikörper gegen Blutgruppen (z. B. A, B, D), die als Hämolysinewirken können. Diese Antikörper binden an die Epitope der Erythrozyten (was als positiver direkter
Antiglobulin-Test [DAT, (Coombs-Test)]) erkannt wird und in seltenen Fällen zu Hämolyse führenkann. Patienten, die mit Immunglobulinpräparaten behandelt werden, sind auf klinische Anzeicheneiner Hämolyse hin zu überwachen.
Aseptisches Meningitissyndrom (AMS)
Zur Behandlung mit IVIg und SCIg liegen Berichte über das Auftreten von aseptischemmeningitischem Syndrom (AMS) vor. Die Symptome beginnen normalerweise innerhalb von Stundenbis zu 2 Tagen nach der Immunglobulinbehandlung. Die Patienten sollten über die anfänglichen
Symptome, beispielsweise schwere Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Benommenheit, Fieber,übermäßige Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen, informiert werden. Nach Absetzen des
Immunglobulins kann das AMS innerhalb einiger Tage ohne Folgewirkungen abklingen.
Liquoruntersuchungen sind vielfach positiv, mit Pleozytose von bis zu mehreren tausend Zellenpro mm3, vorwiegend aus der Serie der Granulozyten, und erhöhtem Proteinspiegel von bis zumehreren hundert mg/dl.
Es gibt Hinweise darauf, dass AMS bei hochdosierter (2 g/kg) IVIg-Therapie häufiger auftritt. Aus
Daten, die in Anwendungsbeobachtungen nach der Markteinführung gewonnen wurden, ist kein klarer
Zusammenhang zwischen AMS und höheren Dosen ersichtlich. Ein vermehrtes Auftreten von AMSwurde bei Frauen beobachtet.
Interferenzen bei serologischen Untersuchungen
Der nach Infusion von Immunglobulinen auftretende vorübergehende Anstieg verschiedener passivübertragener Antikörper im Blut des Patienten kann bei serologischen Untersuchungen zu falschpositiven Ergebnissen führen.
Die passive Übertragung von Antikörpern gegen Oberflächenantigene auf den Erythrozyten (etwa A,
B oder D) kann bei einigen serologischen Tests auf Erythrozyten-Antikörper, z. B. beim direkten
Antiglobulintest (DAT, direkter Coombs-Test), zu Interferenzen führen.
Die Verabreichung von Immunglobulinprodukten kann zu falsch positiven Testergebnissen bei
Untersuchungen führen, bei denen das Vorliegen von Beta‑D‑Glucanen zur Diagnose von
Pilzinfektionen festgestellt werden soll. Dies kann Wochen nach der Infusion des Produkts andauern.
Übertragbare Erreger
Normales Immunglobulin vom Menschen und humanes Serumalbumin (in rHuPH20 enthaltener
Stabilisator) werden aus menschlichem Plasma hergestellt. Zu den Standardmaßnahmen zur
Vorbeugung von Infektionen im Zusammenhang mit der Anwendung von Arzneimitteln, die ausmenschlichem Blut oder Blutplasma hergestellt werden, gehören die selektive Auswahl der Spender,das Screening von Einzelspenden und Plasmapools auf spezifische Infektionsmarker sowie wirksame
Schritte zur Inaktivierung bzw. Abtrennung von Viren im Herstellungsverfahren. Dennoch kann beider Verabreichung von Arzneimitteln aus menschlichem Blut oder Blutplasma die Übertragung von
Krankheitserregern nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bislang unbekannte oderneu auftretende Viren und andere Pathogene.
Oben erwähnte Maßnahmen gelten als wirksam gegen umhüllte Viren wie das Humane
Immundefizienzvirus (HIV), das Hepatitis-B-Virus (HBV) und das Hepatitis-C-Virus (HCV)sowie gegen nicht umhüllte Viren wie das Hepatitis-A-Virus (HAV) und das Parvovirus B19.
Umfangreiche klinische Erfahrungen weisen auf eine Hepatitis A-Virus- bzw. eine Parvovirus
B19-übertragungsfreie Anwendung von Immunglobulinen hin. Auch wird angenommen, dassder Antikörpergehalt einen wichtigen Beitrag zur Virussicherheit leistet.
NatriumgehaltDie IG-10-%-Komponente ist nahezu 'natriumfrei“. rHuPH20 enthält die folgende Menge (mg)
Natrium pro Durchstechflasche:
1,25 ml enthalten 5,0 mg Natrium.
2,5 ml enthalten 10,1 mg Natrium.
5 ml enthalten 20,2 mg Natrium.
10 ml enthalten 40,3 mg Natrium.
15 ml enthalten 60,5 mg Natrium.
Dies entspricht 0,25 bis 3 % der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalentäglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.
Kinder und JugendlicheDie aufgeführten Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen gelten für Erwachsene sowie Kinder und
Jugendliche.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Impfstoffe mit abgeschwächten Lebendviren
Die Immunglobulingabe kann die Wirksamkeit von Impfstoffen mit abgeschwächten Lebendviren(etwa von Impfstoffen gegen Masern, Röteln, Mumps und Windpocken) für einen Zeitraumvon 6 Wochen bis zu 3 Monaten beeinträchtigen. Zwischen der Verabreichung dieses Arzneimittelsund der nachfolgenden Impfung mit einem Impfstoff mit abgeschwächten Lebendviren sollten3 Monate liegen. Im Fall der Masernimpfung kann die Beeinträchtigung bis zu 1 Jahr lang bestehen.
Bei Patienten, die sich einer Masernimpfung unterzogen haben, sollte daher der Antikörperstatusüberprüft werden.
Kinder und JugendlicheDie aufgeführten Wechselwirkungen gelten für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftDie Sicherheit dieses Arzneimittels während der Schwangerschaft beim Menschen wurde nicht inkontrollierten klinischen Studien untersucht; deshalb sollte HyQvia schwangeren und stillenden
Müttern nur mit Vorsicht verabreicht werden.
Neun Frauen, die schon einmal mit HyQvia behandelt worden waren, wurden nach der Zulassung inein prospektives, unkontrolliertes, multizentrisches Schwangerschaftsregister aufgenommen(Studie 161301). Von den 8 Schwangerschaften mit bekanntem Ergebnis gab es 8 Lebendgeburten mitnormalen APGAR-Werten. Es gab keine besonderen Komplikationen bei den Wehen oder der
Entbindung. Es wurden keine Nebenwirkungen im Zusammenhang mit diesem Arzneimittel gemeldet.
Vier (4) Mütter wurden auf bindende oder neutralisierende Anti-rHuPH20-Antikörper getestet. Eswurden keine Antikörper festgestellt.
Es wurde gezeigt, dass Immunglobulin-Produkte die Plazenta passieren, mit zunehmendem Maßwährend des dritten Trimesters. Klinische Erfahrungen mit Immunglobulinen deuten darauf hin, dasskeine schädlichen Wirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft oder auf Feten und Neugeborenezu erwarten sind.
Studien zur Entwicklung und reproduktiven Toxizität wurden für rHuPH20 bei Mäusen und
Kaninchen durchgeführt. Nebenwirkungen für Schwangerschaft und Entwicklung des Fötus wurdenmit Anti-rHuPH20-Antikörpern nicht festgestellt. In diesen Studien wurden mütterliche Antikörpergegen rHuPH20 auf den Nachwuchs im Uterus übertragen. Die Auswirkungen der Antikörper gegenrHuPH20 in diesem Arzneimittel auf die Entwicklung menschlicher Embryonen oder Feten sindgegenwärtig nicht bekannt (siehe Abschnitt 5.3).
StillzeitImmunglobuline gehen in die Muttermilch über und können dazu beitragen, das Neugeborene gegen
Pathogene zu schützen, die über die Schleimhaut eindringen. Ein Säugling im
Schwangerschaftsregister (Studie 161301) wurde gestillt. Keine Nebenwirkung wurde mit einervorhergehenden oder der aktuellen Behandlung mit HyQvia in Zusammenhang gebracht.
FertilitätEs liegen derzeit keine klinischen Sicherheitsdaten zur Fertilität für dieses Arzneimittel vor.
Klinische Erfahrungen mit Immunglobulinen deuten darauf hin, dass bei Anwendung von IG 10 %keine schädlichen Wirkungen auf die Fertilität zu erwarten sind.
Tierexperimentelle Studien mit Dosen, wie sie zur erleichterten Verabreichung von IG 10 %verwendet werden, haben keine direkten oder indirekten schädlichen Wirkungen von rHuPH20 im
Sinne des Reproduktionspotentials gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenDie Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können durch einige
Nebenwirkungen wie z. B. Schwindelgefühl (siehe Abschnitt 4.8), die mit diesem Arzneimittelassoziiert werden, beeinträchtigt werden. Patienten, bei denen während der Behandlung
Nebenwirkungen auftreten, sollten auf deren Abklingen warten, bevor sie am Straßenverkehrteilnehmen oder Maschinen bedienen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsIG 10 %
Es können gelegentlich Nebenwirkungen, wie etwa Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl,
Fieber, Erbrechen, allergische Reaktionen, Übelkeit, Arthralgie, verminderter Blutdruck sowie mäßigstarke lumbale Rückenschmerzen, auftreten.
In seltenen Fällen kann es unter normalem Immunglobulin vom Menschen zu einem plötzlichen
Blutdruckabfall und in Einzelfällen zu anaphylaktischem Schock kommen. Dies ist auch dannmöglich, wenn der Patient bei früherer Anwendung des Arzneimittels keine Anzeichen einer
Überempfindlichkeit entwickelt hat.
Lokale Reaktionen an den Infusionsstellen, wie Schwellung, Wundgefühl, Rötung, Induration, lokale
Wärme, Juckreiz, Bluterguss und Ausschlag, können häufig auftreten.
Unter normalem Immunglobulin vom Menschen sind Fälle von vorübergehender aseptischer
Meningitis, vorübergehenden hämolytischen Reaktionen, einem Anstieg des Kreatinin-Serumspiegelsund/oder akutem Nierenversagen beobachtet worden (siehe Abschnitt 4.4).
In seltenen Fällen sind unter verabreichten IVIg- oder SCIg-Präparaten thromboembolische
Reaktionen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und tiefe Venenthrombosenaufgetreten.
Zur Sicherheit hinsichtlich übertragbarer Erreger, siehe Abschnitt 4.4.
rHuPH20
Die häufigsten Nebenwirkungen, die seit der Zulassung ähnlicher subkutaner Formulierungen vonrHuPH20 zur Unterstützung der Verteilung und Resorption von subkutan verabreichten Flüssigkeitenoder Arzneimitteln berichtet wurden, waren leichte Reaktionen an der Infusionsstelle wie Erythemeoder Schmerzen. Ödeme wurden in den meisten Fällen in Zusammenhang mit der subkutanen
Verabreichung großer Flüssigkeitsmengen beobachtet.
Antikörper gegen rHuPH20
Bei insgesamt 13 von 83 Probanden, die an der pivotalen PID-Studie teilnahmen, kam es zumindesteinmal im Verlauf der Studie zur Entwicklung von Antikörpern, die an rHuPH20 binden konnten.
Diese Antikörper hatten jedoch keine rHuPH20-neutralisierende Wirkung. Es konnte kein zeitlicher
Zusammenhang zwischen Nebenwirkungen und dem Bestehen von Anti-rHuPH20-Antikörpernnachgewiesen werden. Es kam zu keinem Anstieg bei der Inzidenz oder Schwere von
Nebenwirkungen bei Patienten, die Antikörper gegen rHuPH20 entwickelten.
In Studien zu CIDP, die 289 Patientenjahre Nachbeobachtungszeit beinhalteten, traten bei insgesamt16 von 132 Patienten, die rHuPH20 erhalten hatten, mindestens einmal bindende Antikörper gegenrHuPH20 auf. Zwei Patienten entwickelten neutralisierende Anti-rHuPH20-Antikörper. Es wurdenkeine Wirksamkeits- oder Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit dem Auftreten bindender oderneutralisierender Antikörper festgestellt.
Tabellarische Aufstellung von Nebenwirkungen
Die Sicherheit von HyQvia wurde bei 228 Patienten untersucht, die in 6 klinischen Studien insgesamt7 287 Infusionen erhielten. Dies umfasste 4 klinische Studien (160602, 160603, 160902 und 161101)an 124 Patienten mit primären Immundefekten, die 3 202 Infusionen erhielten, sowie 2 klinische
Studien (161403 Epoch 1 und 161505) an 104 Patienten mit CIDP, die 4 085 HyQvia-Infusionenerhielten.
In nachstehender Tabelle werden die Systemorganklassen gemäß MedDRA (27.1) (Systemorganklasseund Ebene der bevorzugten Bezeichnungen) verwendet.
Die Häufigkeiten wurden gemäß folgender Konvention definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100,< 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000),nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder
Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.
Tabelle 3: Häufigkeit von Nebenwirkungen pro Infusion, die in klinischen Studien (160602,160603, 160902, 161101, 161403 Epoch 1 und 161505) und in den Anwendungsbeobachtungennach Markteinführung bei mit HyQvia behandelten Patienten berichtet wurden; es wird die
Rate pro Patient oder pro Infusion angegeben.
MedDRA- Häufigkeit Häufigkeit
Systemorganklasse Nebenwirkungen pro Patient pro Infusion(SOC) N = 228 N = 7 287
Infektionen undparasitäre Aseptische Meningitis* Nicht bekannt Nicht bekannt
Erkrankungen
MedDRA- Häufigkeit Häufigkeit
Systemorganklasse Nebenwirkungen pro Patient pro Infusion(SOC) N = 228 N = 7 287
Erkrankungen des
Überempfindlichkeit* Nicht bekannt Nicht bekannt
Immunsystems
Kopfschmerzen Sehr häufig Häufig
Erkrankungen des Schwindelgefühl Häufig Gelegentlich
Nervensystems Migräne Häufig Gelegentlich
Parästhesie Häufig Gelegentlich
Brennen Häufig Gelegentlich
Tremor Häufig Selten
Schlaganfall und ischämischer
Gelegentlich Selten
Schlaganfall
Herzerkrankungen Sinustachykardie und Tachykardie Häufig Gelegentlich
Hypertonie und Blutdruck erhöht Sehr häufig Gelegentlich
GefäßerkrankungenHypotonie Häufig Selten
Erkrankungen der
Atemwege, des
Dyspnoe Häufig Selten
Brustraums und
Mediastinums
Übelkeit Sehr häufig Häufig
Abdominalschmerz, Schmerzen
Unterbauch, Schmerzen Oberbauch und Sehr häufig Gelegentlich
Erkrankungen des abdominaler Druckschmerz
Gastrointestinaltrakts
Diarrhö Sehr häufig Gelegentlich
Erbrechen Sehr häufig Gelegentlich
Bauch aufgetrieben Häufig Gelegentlich
Erythem Häufig Gelegentlich
Pruritus Häufig Gelegentlich
Ausschlag, erythematöser
Erkrankungen der
Hautausschlag, makulöser Ausschlag,
Haut und des Häufig Gelegentlich
Ausschlag makulo-papulös und
Unterhautgewebes
Ausschlag papulös
Urtikaria Häufig Gelegentlich
Hyperhidrosis Häufig Selten
Myalgie Häufig Gelegentlich
Arthralgie Sehr häufig Gelegentlich
Gliederbeschwerden und Schmerz in
Häufig Gelegentlich
Skelettmuskulatur-, einer Extremität
Bindegewebs- und Rückenschmerzen Häufig Gelegentlich
Knochenerkrankungen Gelenksteife Gelegentlich Gelegentlich
Brustschmerzen die Skelettmuskulatur
Häufig Gelegentlichbetreffend
Leistenschmerzen Häufig Selten
Erkrankungen der
Hämosiderinurie Häufig Selten
Nieren und Harnwege
MedDRA- Häufigkeit Häufigkeit
Systemorganklasse Nebenwirkungen pro Patient pro Infusion(SOC) N = 228 N = 7 287
Lokale Reaktionen (gesamt) Sehr häufig Sehr häufig
- Beschwerden an der Infusionsstelle,
Schmerzen an der Infusionsstelle,
Schmerzen an der Injektionsstelle, Sehr häufig Häufig
Schmerzen an der Punktionsstelleund Druckschmerz
- Erythem an der Infusionsstelle und
Sehr häufig Häufig
Erythem an der Injektionsstelle
- Ödem an der Infusionsstelle, Ödeman der Injektionsstelle, Schwellungan der Infusionsstelle, Schwellung an Sehr häufig Häufigder Injektionsstelle und Schwellung(lokal)
- Juckreiz an der Infusionsstelle,
Jucken an der Injektionsstelle,
Sehr häufig Häufig
Pruritus an der Punktionsstelle undvulvovaginaler Pruritus
- Reaktion im Zusammenhang mit
Häufig Gelegentlicheiner Infusion
Allgemeine - Blauer Fleck an der Infusionsstelle,
Erkrankungen und blauer Fleck an der Injektionsstelle,
Beschwerden am Hämatom an der Infusionsstelle,
Verabreichungsort Hämatom an der Injektionsstelle, Häufig Gelegentlich
Blutung an der Infusionsstelle undblauer Fleck an der
Gefäßpunktionsstelle
- Reaktion an der Infusionsstelle,
Reaktion an der Injektionsstelle und Häufig Gelegentlich
Reaktion an der Punktionsstelle
- Raumforderung an der
Infusionsstelle, Raumforderung an
Häufig Gelegentlichder Injektionsstelle und Knötchen ander Punktionsstelle
- Verfärbung an der Infusionsstelle Häufig Gelegentlich
- Ausschlag an der Infusionsstelle und
Häufig Gelegentlich
Ausschlag an der Injektionsstelle
- Induration an der Infusionsstelle und
Häufig Gelegentlich
Verhärtung an der Injektionsstelle
- Erwärmung an der Infusionsstelle Häufig Selten
- Parästhesie an der Infusionsstelle and
Häufig Selten
Parästhesie an der Injektionsstelle
- Entzündung an der Infusionsstelle Häufig Selten
- Undichtigkeit an der Infusionsstelle* Nicht bekannt Nicht bekannt
Wärmegefühl und Fieber Sehr häufig Häufig
Grippeähnliche Erkrankung* Nicht bekannt Nicht bekannt
Asthenie, Ermüdung/Fatigue, Lethargie
Sehr häufig Häufigund Unwohlsein
Schüttelfrost Häufig Gelegentlich
Ödem, Ödem peripher und Schwellung
Häufig Gelegentlich(systemisch)
Lokalisiertes Ödem, periphere
Häufig Gelegentlich
Schwellung und Hautödem
MedDRA- Häufigkeit Häufigkeit
Systemorganklasse Nebenwirkungen pro Patient pro Infusion(SOC) N = 228 N = 7 287
Gravitationsödem, Ödem im
Genitalbereich, Skrotumschwellung and Häufig Gelegentlichvulvovaginale Schwellung
Coombs-Test direkt positiv und Coombs
Untersuchungen Häufig Selten
Test positiv
* Nebenwirkungen aus den Anwendungsbeobachtungen nach Markteinführung
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenZu den am häufigsten in den klinischen pivotalen Studien beobachteten lokalen Reaktionen gehören
Schmerzen an der Infusionsstelle, Erythem an der Infusionsstelle und Ödem an der Infusionsstelle. Diemeisten lokalen Reaktionen hatten einen leichten Schweregrad und waren selbstlimitierend. In den
PID-Studien kam es zu 2 schweren lokalen Nebenwirkungen (Schmerzen an der Infusionsstelle und
Schwellung an der Infusionsstelle), in den CIDP-Studien traten 4 schwere lokale Nebenwirkungen auf(Extravasation an der Infusionsstelle, Entzündung an der Infusionsstelle, Juckreiz an der
Infusionsstelle und Reaktion an der Infusionsstelle). In den PID-Studien kam es in 2 Fällen zuvorübergehendem Genitalödem infolge Diffusion des Arzneimittels von der Infusionsstelle in den
Abdominalraum; in einem dieser Fälle war das Ödem von schwerer Intensität. In den CIDP-Studienkam es in einem Fall zu einem leichten Genitalödem (Penisschwellung). Zu Hautveränderungen, dieim Verlauf der klinischen Studie nicht wieder abgeklungen wären, kam es nicht.
Kinder und JugendlichePID
In der pivotalen Studie 160603 hatten 2 der 24 pädiatrischen Patienten Gesamt-rHuPH20-
Antikörperspiegel von 1:160 oder mehr. Keiner hatte neutralisierende Antikörper.
In einer prospektiven, multizentrischen Phase-4-Studie in Europa wurden 42 pädiatrische Teilnehmer(im Alter von 2 bis < 18 Jahren) untersucht, die zuvor eine Immunglobulintherapie erhalten hatten(Studie 161504). Es wurden keine neuen Sicherheitsbedenken festgestellt. Bei keinem Teilnehmerwurde der Nachweis (Titer ≥ 160) bindender rHuPH20-Antikörper erbracht. HyQvia erwies sich beipädiatrischen Teilnehmern (im Alter von 2 bis < 18 Jahren) mit PIDD als sicher und verträglich.
Die Ergebnisse der klinischen Studien wiesen auf ähnliche Sicherheitsprofile bei Erwachsenen sowie
Kindern und Jugendlichen, einschließlich der Art, Häufigkeit, Schwere und Reversibilität von
Nebenwirkungen, hin.
CIDP
Klinische Studien zu HyQvia an Kindern oder Jugendlichen (0 bis 18 Jahre) mit CIDP wurden nichtdurchgeführt.
Ältere PatientenPrimärer Immundefekt
In Unbedenklichkeitsprüfungen nach der Zulassung (EU 161302, US 161406) wurden jeweils 15 bzw.
77 ältere Teilnehmer aufgenommen. Insgesamt wurden keine signifikanten Unterschiede bei der
Sicherheit zwischen Teilnehmern mit PID über 65 Jahren und Teilnehmern mit PID im Alter zwischen18 und 65 Jahren beobachtet.
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Zu den Folgen einer Überdosierung liegen keine Informationen vor.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsera und Immunglobuline: Immunglobuline, normal human,zur extravaskulären Anwendung, ATC-Code: J06BA01.
WirkmechanismusDie IG-10-%-Komponente ist für die therapeutische Wirkung des Arzneimittels verantwortlich.
rHuPH20 unterstützt die Verteilung und Resorption des IG 10 %.
Normales Immunglobulin vom Menschen enthält hauptsächlich Immunglobulin G (IgG) mit einembreiten Spektrum an opsonisierenden und neutralisierenden Antikörpern gegen infektiöse Erreger.
Normales Immunglobulin vom Menschen enthält IgG-Antikörper, die auch in der Normalbevölkerungvorhanden sind. Es wird in der Regel aus gepooltem humanem Plasma von nicht wenigerals 1 000 Spenden hergestellt. Die Verteilung der IgG-Subklassen entspricht in etwa der von nativemhumanem Plasma. Die Gabe angemessener Dosen von normalem Immunglobulin vom Menschenkann zu einer Normalisierung pathologisch verminderter IgG-Spiegel führen. Der Wirkmechanismusbei Indikationen mit Ausnahme von Substitutionstherapien ist nicht vollständig geklärt, beinhaltetjedoch immunmodulatorische Wirkungen.
Rekombinante humane Hyaluronidase ist eine lösliche, rekombinante Form der humanen
Hyaluronidase, die durch zeitweise Depolymerisation von Hyaluronsäure die Permeabilität dessubkutanen Gewebes erhöht. Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid, das in der interzellulären Matrix des
Bindegewebes vorliegt. Es wird durch das natürlich vorhandene Enzym Hyaluronidasedepolymerisiert. Im Gegensatz zur stabilen Struktur der interstitiellen Matrix wird Hyaluronsäureschnell abgebaut; die Halbwertszeit beträgt etwa einen halben Tag. rHuPH20 von HyQvia wirkt lokal.
Die Auswirkungen der Hyaluronidase sind umkehrbar, und die Permeabilität des subkutanen Gewebeswird innerhalb von 24 bis 48 Stunden wiederhergestellt.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitPID
Die Wirksamkeit und Sicherheit von HyQvia wurde in einer Phase 3-Studie (160603) an 83 Patientenmit primären Immundefekten untersucht. Die Patienten wurden (nach einer kurzen Titrationsphase) in
Behandlungsintervallen von 3 oder 4 Wochen über einen Zeitraum von insgesamt 12 Monaten mitdem Arzneimittel behandelt. Die Dosis entsprach der zuvor verabreichten Dosis an intravenösem
IG 10 % (320 bis 1 000 mg/kg Körpergewicht alle 4 Wochen) und wurde individuell angepasst, umüber den gesamten Verlauf der Studie angemessene IgG-Spiegel zu gewährleisten.
In dieser Studie lag die jährliche Rate validierter, akuter, schwerer bakterieller Infektionenunter HyQvia bei 0,025 (obere Grenze des einseitigen 99 %-Konfidenzintervalls: 0,046).
Insgesamt war die Infektionsrate unter HyQvia niedriger als während der vorangegangenen3 Monate intravenöser IG 10 %-Gabe: Die Punktschätzung der annualisierten Rate aller
Infektionen lag bei 2,97 (95 %-Konfidenzintervall: 2,51 bis 3,47) unter HyQvia undbei 4,51 (95 %-Konfidenzintervall: 3,50 bis 5,69) unter intravenöser IG 10 %-Infusion.
Fast alle Patienten erreichten unter HyQvia das bereits zuvor unter intravenöser IG 10 %-Gabebestehende Dosierungsintervall. 78/83 Patienten (94 %) erreichten das bereits zuvor angewendete
Dosierungsintervall von 3 oder 4 Wochen, bei einem Patienten verkürzte sich das Dosierungsintervallvon 4 auf 3 Wochen, bei einem von 4 auf 2 Wochen und bei einem von 3 auf 2 Wochen (2 Patientenschieden während der Titrationsphase aus der Studie aus).
Die mediane Anzahl an Infusionsstellen pro Monat lag unter HyQvia bei 1,09 und war damit etwasniedriger als die mediane Anzahl der Infusionsstellen unter intravenösem IG 10 % (1,34) in dieser
Studie und bedeutend niedriger als die mediane Anzahl der Infusionsstellen in einer Studie mitsubkutan verabreichtem IG 10 % (21,43).
Sechsundsechzig (66) Patienten, die bis zum Ende an der Phase-III-Zulassungsstudie teilgenommenhatten, nahmen an einer Anschlussstudie (160902) zur Einschätzung der Langzeitsicherheit,
Verträglichkeit und Wirksamkeit von HyQvia bei primären Immundefekten teil. Die gesamtekombinierte Exposition der Patienten mit primären Immundefekten in beiden Studienbetrug 187,69 Patientenjahre; die längste Exposition bei Erwachsenen betrug 3,8 Jahre und 3,3 Jahrebei Kindern und Jugendlichen.
Studie 161302 (EU):
Diese nichtinterventionelle Unbedenklichkeitsprüfung nach der Zulassung zur Langzeitsicherheit von
HyQvia bei mit HyQvia behandelten Teilnehmern wurde ca. 6 Jahre lang durchgeführt. Insgesamtwurden 111 erwachsene Teilnehmer in die Studie aufgenommen. Das Durchschnittsalter der
Studienpopulation betrug 46,2 Jahre (Standardabweichung [SD] = 14,69), und 14,2 % (n = 15) der
Teilnehmer waren 65 Jahre oder älter. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer waren weiblich (n = 60,56,6 %), davon waren 56,7 % im gebärfähigen Alter. Diese Studie bestätigt das bekannte
Sicherheitsprofil von HyQvia.
Studie 161406 (US):
Diese nichtinterventionelle Unbedenklichkeitsprüfung nach der Zulassung zur Langzeitsicherheit von
HyQvia wurde ca. 6 Jahre lang durchgeführt. Insgesamt wurden 253 erwachsene Teilnehmer mit PIDin die Studie aufgenommen. Das Durchschnittsalter betrug 57,0 Jahre, 30,4 % (n = 77) waren 65 Jahreoder älter, und 79,1 % (n = 200) waren weiblich, davon waren 22,5 % (n = 45) im gebärfähigen Alter.
Diese Studie bestätigt das bekannte Sicherheitsprofil von HyQvia.
CIDP
Studie 161403 (ADVANCE-1):
In einer multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Studie wurden bei132 erwachsenen Patienten mit CIDP die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von HyQvia als
Erhaltungstherapie zur Vorbeugung von Krankheitsschüben untersucht. HyQvia ermöglicht die
Selbstinfusion einer therapeutischen Gesamtdosis alle 2 bis 4 Wochen. In die Studie wurden
Teilnehmende (männlich und weiblich) im Alter von ≥ 18 Jahren, zum Zeitpunkt der Voruntersuchungmit dokumentierter Diagnose einer definitiven oder wahrscheinlichen CIDP gemäß den Kriterien der
European Federation of Neurological Societies/Peripheral Nerve Society (EFNS/PNS) aus dem
Jahr 2010, aufgenommen. Alle geeigneten Teilnehmer hatten in der Vergangenheit auf eine IgG-
Behandlung angesprochen (teilweiser oder vollständiger Rückgang aller neurologischen Symptomeund Einschränkungen) und hatten in den mindestens 12 Wochen vor der Voruntersuchung intravenöseine stabile IVIg-Dosis innerhalb eines Dosisbereichs entsprechend einer kumulativen Monatsdosisvon 0,4 bis 2,4 g/kg Körpergewicht erhalten. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Teilnehmer miteinem Krankheitsschub, definiert als Anstieg um ≥ 1 Punkt im Vergleich zum Ausgangswert vor der
SC-Behandlung in zwei aufeinanderfolgenden bereinigten INCAT(inflammatory neuropathy causeand treatment)-Behinderungsscores bei einer Messung im Abstand von weniger als sieben Tagen.
Die Analyse des primären Endpunkts unter Anwendung angemessener Post-hoc-Strategien zum
Umgang mit zwischenzeitlich auftretenden Ereignissen und fehlenden Ergebniswerten unter
Verwendung multipler Imputation zeigte eine Schubrate von 15,5 % (95 %-KI: 8,36, 26,84) in der
HyQvia-Gruppe und 31,7 % (95 %-KI: 21,96, 43,39) in der Placebo-Gruppe. Die
Behandlungsdifferenz betrug -16,2 (95 %-KI: -29,92, -1,27) zugunsten von HyQvia gegenüber
Placebo.
Studie 161505 (ADVANCE-3):
Studie 161505 war eine multizentrische Phase-3b-Langzeitstudie zur subkutanen Behandlung mit
HyQvia bei erwachsenen Patienten mit CIDP, die zuvor in Studie 161403 eine Behandlung mit
HyQvia (oder Placebo) erhalten hatten. Das primäre Ziel der Studie war die Erfassung von
Langzeitdaten zur Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit (nur als exploratorische Maßnahmen)von HyQvia bei der Studienpopulation. Die Aufnahme in die Studie stand Teilnehmern offen, die die
Studie 161403 Epoch 1 ohne Verschlechterung der CIDP abgeschlossen hatten. Insgesamt85 Teilnehmer, die die Studie 161403 abgeschlossen hatten und die Auswahlkriterien für
Studie 161505 erfüllten, wurden aufgenommen und behandelt. Die durchschnittliche Expositiongegenüber HyQvia betrug 31,1 Monate (Bereich: 0 bis 77,3). Die gesamte Expositionsdauer betrug219,9 Patientenjahre. Die Sicherheitsergebnisse bestätigten das bekannte Sicherheitsprofil von HyQviaund ergaben keine neuen Sicherheitsbedenken. Insgesamt 10 der 77 auswertbaren Teilnehmerentwickelten während der Studie einen CIDP-Krankheitsschub. Die Schubraten nach 6 Monaten undeinem Jahr betrugen jeweils 0,023 und 0,045.
Kinder und JugendlichePID
In den pivotalen Studien wurde HyQvia an 24 Kindern (13 im Alter zwischen 4 und < 12 Jahrenund 11 im Alter zwischen 12 und < 18 Jahren) untersucht, die bis zu 3,3 Jahre mit einer
Gesamtsicherheitserfahrung entsprechend 48,66 Patientenjahren lang behandelt wurden (wie in
Abschnitt Klinische Wirksamkeit und Sicherheit beschrieben). Hinsichtlich der Pharmakodynamik,
Wirksamkeit und Sicherheit von HyQvia konnten zwischen pädiatrischen und erwachsenen
Patienten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt werden (siehe Abschnitt 4.2 und 4.8).
Das Arzneimittel wurde in einer nicht kontrollierten multizentrischen Phase-4-Studie bei42 pädiatrischen Teilnehmern (im Alter von 2 bis < 18 Jahren) untersucht, die zuvor eine
Immunglobulintherapie erhalten hatten. Bei pädiatrischen Teilnehmern mit PID wurden keine neuen
Sicherheitsbedenken festgestellt.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für HyQvia eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen in der
Behandlung von PID als Modell für die Substitutionstherapie gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl.
Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
CIDP
Klinische Studien zu HyQvia an Kindern oder Jugendlichen (0 bis 18 Jahre) mit CIDP wurden nichtdurchgeführt.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Bei PID-Patienten wird der maximale IgG-Serumspiegel beim Patienten etwa 3 bis 5 Tage nach dersubkutanen Verabreichung von HyQvia erreicht.
IgG und IgG-Komplexe werden in den Zellen des retikuloendothelialen Systems abgebaut.
PID
Die Pharmakokinetik (PK) von HyQvia wurde in klinischen Studien (160601, 160602 und 160603) bei
Patienten mit PID im Alter ab 12 Jahren untersucht. Den Ergebnissen der klinischen Studien zu PIDzufolge können IgG-Talspiegel im Serum durch Monatsdosen von 320 bis 1 000 mg/kg
Körpergewicht/4 Wochen, die in Intervallen von 3 oder 4 Wochen verabreicht werden, aufrechterhalten werden.
Die Ergebnisse zur Pharmakokinetik von HyQvia im Vergleich zu dem in derselben Studie intravenösverabreichten IG 10 % sind in nachstehender Tabelle zusammengefasst.
Tabelle 4: Pharmakokinetische Parameter von HyQvia im Vergleich zur intravenösen
Anwendung von IG 10 %
HyQvia IVIG 10 %
Parameter Median Median(95 %-Konfidenzintervall) (95 %-Konfidenzintervall)
N=60 N=68
Cmax [g/l] 15,5 (14,5; 17,1) 21,9 (20,7; 23,9)
Cmin [g/l] 10,4 (9,4; 11,2) 10,1 (9,5; 10,9)
AUC pro Woche [g*Tage/l] 90,52 (83,8; 98,4) 93,9 (89,1; 102,1)
Tmax [in Tagen] 5,0 (3,3; 5,1) 0,1 (0,1; 0,1)
Scheinbare Clearance bzw. Clearance1,6 (1,4; 1,79) 1,4 (1,2; 1,4)[ml/kg/Tag]
Terminale Halbwertzeit [in Tagen] 45,3 (41,0; 60,2) 35,7 (32,4; 40,4)
CIDP
Das vollständige pharmakokinetische Profil von HyQvia wurde in der klinischen Studie (161403) bei
Patienten mit CIDP ab einem Alter von 18 Jahren nicht untersucht. Es wurden nur die Talspiegel des
Gesamt-IgG im Serum während der gesamten Studie gemessen. Insgesamt blieben die Serum-
Talspiegel des Gesamt-IgG während der Behandlungszeit mit HyQvia stabil. Bei Teilnehmern miteinem Schub, die auf IVIg umgestellt wurden (n = 6), blieben die Talspiegel des Gesamt-IgG im
Serum während der Behandlungszeit mit HyQvia oder IVIg ebenfalls stabil.
Die medianen Talspiegel des Gesamt-IgG im Serum waren bei CIDP ca. 40 % höher als bei PID.
Kinder und JugendlichePID
In Bezug auf die IgG-Talspiegel im Plasma konnten in der klinischen Studie mit HyQvia zwischenerwachsenen und pädiatrischen Patienten keine Unterschiede festgestellt werden.
CIDP
Klinische Studien zu HyQvia an Kindern oder Jugendlichen (0 bis 18 Jahre) mit CIDP wurden nichtdurchgeführt.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Immunglobuline sind physiologische Körperbestandteile.
Die Sicherheit von IG 10% wurde in verschiedenen nicht-klinischen Studien gezeigt. Basierend aufden konventionellen nicht-klinischen Studien zur Sicherheitspharmakologie und Toxizität lassen diepräklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Tierexperimentelle
Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe, Genotoxizität und Reproduktionstoxizität sind aufgrundder Bildung von Antikörpern gegen heterologe Proteine und der daraus entstehenden Interferenzennicht praktikabel.
Tierexperimentelle Langzeitstudien zur Einschätzung des kanzerogenen oder mutagenen Potentialsvon rHuPH20 wurden nicht durchgeführt. Bei Mäusen, Kaninchen und Cynomolgus-Affen, die
Antikörpern ausgesetzt waren, die rHuPH20 und Spezies-spezifische Hyaluronidase binden, wurdenkeine Nebenwirkungen auf die Fertilität beobachtet. Bei männlichen und weiblichen
Meerschweinchen, bei denen die Bildung von Antikörpern gegen Hyaluronidase durch Immunisierunginduziert wurde, kam es zu reversibler Infertilität. Anti-Hyaluronidase-Antikörper führten nach der
Immunisierung von Mäusen, Kaninchen, Schafen oder Cynomolgus-Affen allerdings zu keiner
Beeinflussung der Reproduktion. Die Auswirkungen von Antikörpern, die rHuPH20 binden, auf diemenschliche Fertilität sind unbekannt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Durchstechflasche mit normalem Immunglobulin vom Menschen (IG 10 %)
Glycin
Wasser für Injektionszwecke
Durchstechflasche mit rekombinanter humaner Hyaluronidase (rHuPH20)
Natriumchlorid
Natriumphosphat, dibasisch
Humanalbumin
Dinatrium-Ethylendiamintetraacetat (EDTA)
Calciumchlorid
Natriumhydroxid (zur pH-Anpassung)
Salzsäure (zur pH-Anpassung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C - 8 °C).
Das Arzneimittel kann bei Temperaturen über +8 °C und unter +25 °C bis zu 3 Monate gelagertwerden. Nach der Lagerung bei Raumtemperatur nicht im Kühlschrank lagern. Nach 3 Monaten odernach Ablauf des Verfalldatums, je nachdem, was früher eintritt, entsorgen.
Das Datum der Entnahme aus dem Kühlschrank auf dem Umkarton vermerken.
Nicht einfrieren.
Die Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflasche mit normalem Immunglobulin vom Menschen (IG 10 %)25 ml, 50 ml, 100 ml, 200 ml oder 300 ml Lösung in einer Durchstechflasche (Typ-I-Glas) mit
Gummistopfen (Bromobutylgummi).
Durchstechflasche mit rekombinanter humaner Hyaluronidase (rHuPH20)1,25 ml, 2,5 ml, 5 ml, 10 ml oder 15 ml Lösung in einer Durchstechflasche (Typ-I-Glas) mit
Gummistopfen (Chlorobutylgummi).
Packungsgröße:
1 Durchstechflasche mit IG 10 % und 1 Durchstechflasche mit rHuPH20 in einer
Dual-Flaschen-Einheit.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
HandhabungDas Arzneimittel sollte vor der Verwendung Zimmertemperatur annehmen. Dafür keine Heizgeräte,wie z. B. Mikrowelle, verwenden.
IG 10 % ist eine klare oder leicht opaleszente farblose bis gelbliche Lösung. rHuPH20 ist eine klarefarblose Lösung.
Dieses Arzneimittel umfasst 2 Durchstechflaschen. Beide Durchstechflaschen sollten vor dem
Gebrauch visuell auf Partikel und Verfärbungen überprüft werden. Lösungen, die trüb sind oder
Ablagerungen aufweisen, dürfen nicht verwendet werden.
Nicht schütteln.
Die beiden Komponenten von HyQvia vor der Verabreichung nicht mischen.
Zur Entnahme der rHuPH20 aus der Durchstechflasche keine belüfteten Systeme verwenden.
Die Vorbereitung und Verabreichung von HyQvia hat unter aseptischen Bedingungen zu erfolgen.
Sollten jeweils mehr als eine Durchstechflasche des Arzneimittels, IG 10 % oder rHuPH20 benötigtwerden, um die für die Infusion erforderliche Dosis zu erreichen, sollten die IG 10 % und/oder dierHuPH20 vor der Verabreichung getrennt voneinander in geeigneten Lösungsbehältern vorbereitetwerden. Der Inhalt nicht zur Gänze aufgebrauchter Durchstechflaschen ist zu verwerfen.
Nicht verwendetes Produkt oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zubeseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Baxalta Innovations GmbH
Industriestraße 67
A-1221 Wien, Österreich
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/13/840/001
EU/1/13/840/002
EU/1/13/840/003
EU/1/13/840/004
EU/1/13/840/005
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 16. Mai 2013
Datum der Verlängerung der Zulassung: 08. Januar 2018
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.