Pharmakotherapeutische Gruppe: Antihämorrhagika, andere systemische Hämostatika; ATC-Code:
B02BX06
WirkmechanismusEmicizumab ist ein humanisierter, monoklonaler, modifizierter Immunoglobulin-G4(IgG4)-Antikörpermit einer bispezifischen Antikörper-Struktur.
Emicizumab verbindet aktivierten Faktor IX und Faktor X, um die Funktion des fehlenden FVIIIawiederherzustellen, die für eine effektive Hämostase notwendig ist.
Emicizumab hat keine strukturelle Beziehung oder Sequenzhomologie zu FVIII, sodass es die
Entwicklung direkter Hemmkörper gegen FVIII weder auslöst noch verstärkt.
Pharmakodynamische WirkungenEine prophylaktische Therapie mit Hemlibra verkürzt die aPTT und erhöht die gemessene FVIII-
Aktivität (bei Verwendung eines chromogenen Tests mit humanem Gerinnungsfaktor). Diese beidenpharmakodynamischen Marker spiegeln nicht den wahren hämostatischen Effekt von Emicizumabin vivo wider (die aPTT wird übermäßig verkürzt und die gemessene FVIII-Aktivität kann überschätztwerden), vermitteln aber einen relativen Hinweis auf die gerinnungsfördernde Wirkung von
Emicizumab.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirksamkeit von Hemlibra bei der Routineprophylaxe wurde an Patienten mit Hämophilie A infünf klinischen Studien beurteilt (drei Studien an erwachsenen und jugendlichen Patienten mit
Hämophilie A mit oder ohne FVIII-Hemmkörper [HAVEN 1, HAVEN 3 und HAVEN 4], einepädiatrische Studie an Patienten mit Hämophilie A mit FVIII-Hemmkörpern [HAVEN 2] und eine
Studie in allen Altersgruppen an Patienten mit leichter oder mittelschwerer Hämophilie A ohne FVIII-
Hemmkörper [HAVEN 6]).
Klinische Studien an erwachsenen und jugendlichen Patienten mit Hämophilie A mit oder ohne FVIII-
Hemmkörper
Patienten (Alter ≥ 12 Jahre und > 40 kg) mit Hämophilie A ohne FVIII-Hemmkörper (Studie
BH30071 - HAVEN 3)
Bei der Studie HAVEN 3 handelte es sich um eine randomisierte, multizentrische, offene klinische
Studie der Phase III, an der 152 männliche Jugendliche und Erwachsene (Alter ≥ 12 Jahre und> 40 kg) mit schwerer Hämophilie A ohne FVIII-Hemmkörper teilnahmen, die zuvor entwederepisodisch ('bei Bedarf“) oder prophylaktisch mit FVIII behandelt worden waren. Die Patientenerhielten über die ersten vier Wochen einmal wöchentlich subkutane Injektionen von 3 mg/kg
Hemlibra, gefolgt von entweder 1,5 mg/kg einmal wöchentlich (Arme A und D) oder 3 mg/kg allezwei Wochen (Arm B) oder keiner Prophylaxe (Arm C). Die Patienten in Arm C konnten nach Ablaufvon mindestens 24 Wochen ohne Prophylaxe auf Hemlibra (3 mg/kg alle zwei Wochen) umgestelltwerden. In den Armen A und B war für Patienten, bei denen zwei oder mehr qualifizierte Blutungenauftraten (d. h. spontane und klinisch bedeutsame Blutungen im Steady State), nach 24 Wochen eine
Dosiserhöhung auf 3 mg/kg wöchentlich zulässig. Bei den Patienten in Arm D war eine
Dosiserhöhung nach der zweiten qualifizierenden Blutung möglich. Zum Zeitpunkt der Primäranalysewar die Erhaltungsdosis bei fünf Patienten erhöht worden.
Neunundachtzig (89) Patienten, die zuvor eine episodische ('bei Bedarf“) FVIII-Behandlung erhaltenhatten, wurden im Verhältnis 2:2:1 randomisiert einer Behandlung mit Hemlibra einmal wöchentlich(Arm A, n = 36), Hemlibra alle zwei Wochen (Arm B, n = 35) oder keiner Prophylaxe (Arm C,n = 18) zugeteilt. Die Stratifizierung erfolgte dabei auf der Grundlage der Blutungsrate in denvorangegangenen 24 Wochen (< 9 oder ≥ 9). Dreiundsechzig (63) zuvor prophylaktisch mit FVIIIbehandelte Patienten wurden in Arm D aufgenommen und erhielten Hemlibra (1,5 mg/kg einmalwöchentlich).
Primäres Ziel der Studie war es, bei Patienten, die zuvor episodisch mit FVIII behandelt wordenwaren, die Wirksamkeit der prophylaktischen Behandlung mit Hemlibra einmal wöchentlich (Arm A)oder alle zwei Wochen (Arm B) im Vergleich zu keiner Prophylaxe (Arm C) zu beurteilen. Zugrundegelegt wurde dafür die Anzahl der Blutungen, bei denen eine Behandlung mit Gerinnungsfaktorenerforderlich war (siehe Tabelle 4). Zu den weiteren Zielen der Studie gehörten die Beurteilung desrandomisierten Vergleichs der Arme A oder B mit Arm C in Bezug auf die Wirksamkeit der
Prophylaxe mit Hemlibra zur Senkung der Anzahl von allen Blutungen, spontanen Blutungen,
Gelenkblutungen und Blutungen in Zielgelenken (siehe Tabelle 4) sowie die Bewertung der
Behandlungspräferenzen der Patienten auf Grundlage einer Präferenzbefragung.
Die Wirksamkeit der Prophylaxe mit Hemlibra wurde darüber hinaus mit einer vorangehendenprophylaktischen FVIII-Behandlung (Arm D) bei Patienten verglichen, die vor der Aufnahme an einernicht-interventionellen Studie (NIS) teilgenommen hatten (siehe Tabelle 5). In diesen Vergleichwurden nur Patienten der NIS eingeschlossen, weil Blutungs- und Behandlungsdaten mit der gleichen
Granularität erfasst wurden wie in HAVEN 3. Diese NIS ist eine Beobachtungsstudie, die vorrangigmit dem Ziel durchgeführt wird, ausführliche klinische Daten zu Blutungsepisoden und zur
Anwendung von Hämophilie-Arzneimitteln bei Hämophilie A-Patienten außerhalb interventionellerklinischer Studien zu erfassen.
Patienten (im Alter von mindestens 12 Jahren) mit Hämophilie A und FVIII-Hemmkörpern (Studie
BH29884 - HAVEN 1)
Bei der Studie HAVEN 1 handelte es sich um eine randomisierte, multizentrische, offene klinische
Studie an 109 männlichen Jugendlichen und Erwachsenen (im Alter von mindestens 12 Jahren) mit
Hämophilie A mit FVIII-Hemmkörpern, die zuvor entweder episodisch oder prophylaktisch mit
Bypassing-Präparaten (aPCC und rFVIIa) behandelt wurden. In dieser Studie erhielten die Patienteneinmal wöchentlich eine Prophylaxe mit Hemlibra (Arm A, C und D: 3 mg/kg einmal wöchentlichüber vier Wochen, gefolgt von 1,5 mg/kg einmal wöchentlich) oder keine Prophylaxe (Arm B). Die in
Arm B randomisierten Patienten konnten nach Ablauf von mindestens 24 Wochen ohne Prophylaxeauf eine Prophylaxe mit Hemlibra umgestellt werden. Bei Patienten, bei denen zwei oder mehrqualifizierte Blutungen auftraten (d. h. spontane und überprüfte klinisch signifikante Blutungen im
Steady State), konnte die Dosis nach 24 Wochen unter Prophylaxe mit Hemlibra auf 3 mg/kg einmalwöchentlich erhöht werden. Zum Zeitpunkt der Primäranalyse war die Erhaltungsdosis bei zwei
Patienten auf 3 mg/kg einmal wöchentlich erhöht worden.
Dreiundfünfzig (53) Patienten, die zuvor episodisch ('bei Bedarf“) mit Bypassing-Präparatenbehandelt worden waren, wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert und erhielten entweder eine
Prophylaxe mit Hemlibra (Arm A) oder keine Prophylaxe (Arm B). Es erfolgte eine Stratifizierunggemäß der Blutungsrate in den vorangegangenen 24 Wochen (< 9 oder ≥ 9).
Neunundvierzig (49) Patienten, die zuvor prophylaktisch mit Bypassing-Präparaten behandelt wordenwaren, wurden in Arm C aufgenommen und erhielten eine Prophylaxe mit Hemlibra. Sieben Patienten,die zuvor episodisch ('bei Bedarf“) mit Bypassing-Präparaten behandelt worden waren und an der
NIS teilgenommen hatten, jedoch nicht vor Schließung von Arm A und B in HAVEN 1 aufgenommenwerden konnten, wurden in Arm D aufgenommen und erhielten eine Prophylaxe mit Hemlibra.
Das primäre Ziel der Studie war, den Behandlungseffekt einer einmal wöchentlich verabreichten
Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleich zu keiner Prophylaxe (Arm A vs. Arm B) bei Patienten, diezuvor episodisch ('bei Bedarf“) mit Bypassing-Präparaten behandelt worden waren, bezogen auf die
Anzahl von Blutungen, die mit Gerinnungsfaktoren behandelt werden mussten, über die Zeit(mindestens 24 Wochen oder bis zum Absetzen der Behandlung) zu beurteilen (siehe Tabelle 6).
Weitere sekundäre Studienziele des randomisierten Vergleichs der Arme A und B waren die
Wirksamkeit der wöchentlichen Prophylaxe mit Hemlibra zur Reduzierung der Anzahl aller
Blutungen, der spontanen Blutungen, der Gelenkblutungen und der Blutungen in Zielgelenken (siehe
Tabelle 6) sowie die Beurteilung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (Health-Related Quality of
Life [HRQoL]) und ihres Gesundheitszustands (siehe Tabellen 10 und 11). Die Dauer der mittleren
Exposition (+SD) aller Patienten aus der Studie lag bei 21,38 Wochen (12,01). Bei den jeweiligen
Behandlungsarmen lag die mittlere Expositionszeit (+SD) bei 28,86 Wochen (8,37) in Arm A; 8,79(3,62) in Arm B; 21,56 (11,85) in Arm C und 7,08 (3,89) in Arm D. Ein Patient aus Arm A beendeteseine Teilnahme an der Studie vor Beginn der Behandlung mit Hemlibra.
Die Studie untersuchte auch die Wirksamkeit der wöchentlichen Prophylaxe mit Hemlibra im
Vergleich zu zuvor eingesetzten episodischen ('bei Bedarf“) und prophylaktischen Bypassing-
Präparaten (getrennte Vergleiche) bei Patienten, die vor der Aufnahme in diese Studie an einer NISteilgenommen hatten (Arm A bzw. C) (siehe Tabelle 7).
Patienten (im Alter von ≥ 12 Jahren) mit Hämophilie A mit oder ohne FVIII-Hemmkörper (Studie
BO39182 - HAVEN 4)
Hemlibra wurde in einer einarmigen, multizentrischen klinischen Studie der Phase III untersucht, ander 41 männliche Jugendliche und Erwachsene (Alter ≥ 12 Jahre und > 40 kg) teilnahmen, die
Hämophilie A mit FVIII-Hemmkörpern oder schwere Hämophilie A ohne FVIII-Hemmkörper hattenund die zuvor entweder eine episodische ('bei Bedarf“) oder prophylaktische Behandlung mit
Bypassing-Präparaten oder FVIII erhalten hatten. Die Patienten erhielten eine Prophylaxe mit
Hemlibra 3 mg/kg einmal wöchentlich über einen Zeitraum von vier Wochen, gefolgt von 6 mg/kgalle vier Wochen. Primäres Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit der Prophylaxe mit Hemlibra allevier Wochen zur Aufrechterhaltung einer angemessenen Blutungskontrolle auf der Grundlage derbehandelten Blutungen zu beurteilen. Zu den anderen Zielen gehörten die Beurteilung der klinischen
Wirksamkeit der Prophylaxe mit Hemlibra in Bezug auf alle Blutungen, behandelte spontane
Blutungen, behandelte Gelenkblutungen und behandelte Blutungen in Zielgelenken (siehe Tabelle 8).
Zudem wurden mittels einer Präferenzbefragung die Behandlungspräferenzen der Patienten beurteilt.
Patienten (alle Altersgruppen) mit leichter oder mittelschwerer Hämophilie A ohne FVIII-
Hemmkörper (Studie BO41423 - HAVEN 6)
Bei der Studie HAVEN 6 handelte es sich um eine multizentrische, offene, einarmige klinische Studieder Phase III, an der 71 mit Emicizumab behandelte Patienten (alle Altersgruppen) mit leichter (n = 20[28,2 %]) oder mittelschwerer (n = 51 [71,8 %]) Hämophilie A ohne FVIII-Hemmkörper teilnahmen,bei denen nach Bewertung des Prüfarztes eine Prophylaxe angezeigt war. Die meisten Patienten warenmännlich (69 Patienten [97,2 %]) und 2 waren weiblich (2,8 %). Zu Studienbeginn waren 34 Patienten(47,9 %) unter episodischer und 37 Patienten (52,1 %) unter prophylaktischer Behandlung mit FVIII.
Die Patienten erhielten über die ersten vier Wochen einmal wöchentlich subkutane Injektionen von3 mg/kg Hemlibra, gefolgt von der vom Patienten bevorzugten Behandlung mit einem der folgenden
Erhaltungsschemata ab Woche 5: 1,5 mg/kg einmal wöchentlich (n = 24 [33,8 %]), 3 mg/kg alle zwei
Wochen (n = 39 [54,9 %]) oder 6 mg/kg alle vier Wochen (n = 8 [11,3 %]). Für Patienten, bei denenzwei oder mehr qualifizierte Blutungen auftraten (d. h. spontane und klinisch bedeutsame Blutungenim Steady State), war nach 24 Wochen eine Dosiserhöhung auf 3 mg/kg wöchentlich zulässig. Zum
Zeitpunkt der Zwischenanalyse war die Erhaltungsdosis bei keinem Patienten erhöht worden.
Primäres Wirksamkeitsziel der Studie war es, die Wirksamkeit der prophylaktischen Behandlung mit
Hemlibra zu beurteilen. Zugrunde gelegt wurde dafür die Anzahl der Blutungen, bei denen im Laufeder Zeit eine Behandlung mit Gerinnungsfaktoren erforderlich war (d. h. Blutungsrate der behandelten
Blutungen, siehe Tabelle 9). Zu den weiteren Zielen der Studie gehörten die Beurteilung der
Wirksamkeit der Prophylaxe mit Hemlibra bezogen auf die Anzahl aller Blutungen, spontaner
Blutungen, Gelenkblutungen und Blutungen in Zielgelenken im Laufe der Zeit sowie die Beurteilungder vom Patienten berichteten HRQoL anhand des Fragebogens 'Comprehensive Assessment Tool of
Challenges in Haemophilia (CATCH)“ im Laufe der Zeit.
Wirksamkeitsergebnisse
HAVEN 3Tabelle 4 enthält eine Zusammenfassung der Wirksamkeitsergebnisse der Prophylaxe mit Hemlibra im
Vergleich zu keiner Prophylaxe in Bezug auf die Rate der behandelten Blutungen, aller Blutungen,behandelten spontanen Blutungen, behandelten Gelenkblutungen und der behandelten Blutungen in
Zielgelenken.
Tabelle 4: Studie HAVEN 3: Jährliche Blutungsrate im Arm mit Prophylaxe mit Hemlibra im
Vergleich zum Arm ohne Prophylaxe bei Patienten im Alter von ≥ 12 Jahren mit
FVIII-Hemmkörpern
Endpunkt Arm B:
Arm C: Arm A:
Hemlibra
Hemlibra
Keine Prophylaxe 3 mg/kg1,5 mg/kg wöchtl.(n = 18) alle 2 Wochen(n = 36)(n = 35)
Behandelte Blutungen
ABR (95-%-KI) 38,2 (22,9; 63,8) 1,5 (0,9; 2,5) 1,3 (0,8; 2,3)% Reduktion (RR), p-Wert96 % (0,04),
N/A < 0,0001 97 % (0,03), < 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 0,0 (0,0; 18,5) 55,6 (38,1; 72,1) 60,0 (42,1; 76,1)
Mediane ABR (IQR) 40,4 (25,3; 56,7) 0 (0; 2,5) 0 (0; 1,9)
Alle Blutungen
ABR (95-%-KI) 47,6 (28,5; 79,6) 2,5 (1,6; 3,9) 2,6 (1,6; 4,3)% Reduktion (RR), p-Wert N/A 95 % (0,05), < 0,0001 94 % (0,06),< 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 0 (0,0; 18,5) 50 (32,9; 67,1) 40 (23,9; 57,9)
Behandelte spontane Blutungen
ABR (95-%-KI) 15,6 (7,6; 31,9) 1,0 (0,5; 1,9) 0,3 (0,1; 0,8)% Reduktion (RR), p-Wert N/A 94 % (0,06), < 0,0001 98 % (0,02),< 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 22,2 (6,4; 47,6) 66,7 (49,0; 81,4) 88,6 (73,3; 96,8)
Behandelte Gelenkblutungen
ABR (95-%-KI) 26,5 (14,67; 47,79) 1,1 (0,59; 1,89) 0,9 (0,44; 1,67)% Reduktion (RR), p-Wert N/A 96 % (0,04), < 0,0001 97 % (0,03),< 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 0 (0; 18,5) 58,3 (40,8; 74,5) 74,3 (56,7; 87,5)
Endpunkt Arm B:
Arm C: Arm A:
Hemlibra
Hemlibra
Keine Prophylaxe 3 mg/kg1,5 mg/kg wöchtl.
(n = 18) alle 2 Wochen(n = 36)(n = 35)
Behandelte Blutungen in Zielgelenken
ABR (95-%-KI) 13,0 (5,2; 32,3) 0,6 (0,3; 1,4) 0,7 (0,3; 1,6)% Reduktion (RR), p-Wert N/A 95 % (0,05), < 0,0001 95 % (0,05),< 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 27,8 (9,7; 53,5) 69,4 (51,9; 83,7) 77,1 (59,9; 89,6)
Inzidenzquotient (Rate Ratio) und Konfidenzintervall (KI) stammen aus dem Negativ-Binomial-Regressions-(NBR)-Modell und der p-Wert aus dem stratifizierten Wald-Test, Vergleich der Blutungsrate zwischenbestimmten Behandlungsarmen.
Arm C: Schließt nur den Zeitraum ohne Prophylaxe ein.
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit FVIII behandelt wurden.
Alle Blutungen: Blutungen, die mit FVIII behandelt wurden oder nicht.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, RR = Inzidenzquotient (Rate Ratio),
IQR = Interquartilbereich, 25. bis 75. Perzentil.
N/A = nicht zutreffend
Die Analyse der Einzelpatientendaten (intraindividuelle Analyse) in HAVEN 3 ergab, dass die
Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleich zu der vor Aufnahme in diese Studie in der NIS erfassten
FVIII-Prophylaxe zu einer statistisch signifikanten (p < 0,0001) Reduktion (68 %) der Blutungsratebehandelter Blutungen führte (siehe Tabelle 5).
Tabelle 5: Studie HAVEN 3: Intraindividueller Vergleich der jährlichen Blutungsrate(behandelte Blutungen) bei Prophylaxe mit Hemlibra gegenüber dervorangegangenen FVIII-Prophylaxe
Endpunkt Arm D NIS: Arm D:
vorangegangene FVIII- Hemlibra 1,5 mg/kg
Prophylaxe wöchentlich(n = 48) (n = 48)
Medianer Wirksamkeitszeitraum(Wochen) 30,1 33,7
Behandelte Blutungen
ABR (95-%-KI) 4,8 (3,2; 7,1) 1,5 (1; 2,3)% Reduktion (RR), p-Wert 68 % (0,32); < 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 39,6 (25,8; 54,7) 54,2 (39,2; 68,6)
Mediane ABR (IQR) 1,8 (0; 7,6) 0 (0; 2,1)
Inzidenzquotient (Rate Ratio) und Konfidenzintervall (KI) stammen aus dem Negativ-Binomial-Regressions(NBR)-Modell und der p-Wert aus dem stratifizierten Wald-Test, Vergleich der ABR zwischen bestimmten
Behandlungsarmen.
Vergleichsdaten für intraindividuelle Analyse stammen aus NIS. Es wurden nur Patienten eingeschlossen, diean der NIS und an der Studie HAVEN 3 teilgenommen hatten.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Behandelte Blutungen = Blutungen, die mit FVIII behandelt wurden. Definition von Blutung angepasst,basierend auf ISTH-Kriterien. ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, RR = Inzidenzquotient(Rate Ratio); IQR = Interquartilbereich, 25. Perzentil bis 75. Perzentil.
Obwohl bei Prophylaxe mit Emicizumab eine höhere Therapietreue als unter vorhergehender FVIII-Prophylaxebeobachtet wurde, konnte bei Patienten mit Dosierungen, die ≥ 80 % oder < 80 % der entsprechenden,zugelassenen Dosierungen für die FVIII-Prophylaxe entsprachen, kein Unterschied in der ABR festgestelltwerden. (Die Daten sind jedoch aufgrund geringer Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren.)
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit von FVIII wird nach dessen Absetzen kein Übertragungseffekt erwartet.
Es mussten nur die ersten fünf Emicizumab-Dosierungen unter Aufsicht angewendet werden, um die Sicherheitund die Beherrschung der Injektionstechnik sicherzustellen. Ähnlich wie bei der FVIII-Prophylaxe wurde fürdie nachfolgenden Emicizumab-Dosierungen die Selbstanwendung zu Hause gestattet.
Alle Patienten wurden von Ärzten mit Erfahrungen in der Hämophilie behandelt, die bestätigten, dass beidenjenigen Patienten, die in den intraindividuellen Vergleich eingeschlossen wurden, eine geeignete FVIII-
Prophylaxe angewendet wurde. Hierdurch wurde eine gleichwertige Standard-Prophylaxe über alle
Studienzentren und Patienten hinweg unterstützt.
HAVEN 1Tabelle 6 enthält die Wirksamkeitsergebnisse der Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleich zu keiner
Prophylaxe in Bezug auf die Rate der behandelten Blutungen, aller Blutungen, behandelten spontanen
Blutungen, behandelten Gelenkblutungen und behandelten Blutungen in Zielgelenken.
Tabelle 6: HAVEN 1: Jährliche Blutungsrate im Arm mit Prophylaxe mit Hemlibra im
Vergleich zum Arm ohne Prophylaxe bei Patienten im Alter von ≥ 12 Jahren mit
FVIII-Hemmkörpern
Endpunkt Arm B: keine Prophylaxe Arm A: Hemlibra1,5 mg/kg wöchentlichn = 18 n = 35
Behandelte Blutungen
ABR (95-%-KI) 23,3 (12,33; 43,89) 2,9 (1,69; 5,02)% Reduktion (RR), p-Wert 87 % (0,13); < 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen 5,6 (0,1; 27,3) 62,9 (44,9; 78,5)(95-%-KI)
Median ABR (IQR) 18,8 (12,97; 35,08) 0 (0; 3,73)
Alle Blutungen
ABR (95-%-KI) 28,3 (16,79; 47,76) 5,5 (3,58; 8,60)% Reduktion (RR), p-Wert 80 % (0,20); < 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen 5,6 (0,1; 27,3) 37,1 (21,5; 55,1)(95-%-KI)
Behandelte spontane Blutungen
ABR (95-%-KI) 16,8 (9,94; 28,30) 1,3 (0,73; 2,19)% Reduktion (RR), p-Wert 92 % (0,08); < 0,0001% Patienten mit 0 Blutungen 11,1 (1,4; 34,7) 68,6 (50,7; 83,1)(95-%-KI)
Behandelte Gelenkblutungen
ABR (95-%-KI) 6,7 (1,99; 22,42) 0,8 (0,26; 2,20)% Reduktion (RR), p-Wert 89 % (0,11); 0,0050% Patienten mit 0 Blutungen 50,0 (26,0; 74,0) 85,7 (69,7; 95,2)(95-%-KI)
Behandelte Blutungen in Zielgelenken
ABR (95-%-KI) 3,0 (0,96; 9,13) 0,1 (0,03; 0,58)% Reduktion (RR), p-Wert 95 % (0,05); 0,0002% Patienten mit 0 Blutungen 50,0 (26,0; 74,0) 94,3 (80,8; 99,3)(95-%-KI)
Inzidenzquotient (Rate Ratio) und Konfidenzintervall (KI) stammt aus dem Negativ-Binomial-
Regressions(NBR)-Modell und p-Wert vom stratifizierten Wald-Test, Vergleich der Blutungsrate zwischenbestimmten Behandlungsarmen.
Arm B: Schließt nur den Zeitraum ohne Prophylaxe ein.
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden.
Alle Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden oder nicht.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, RR = Inzidenzquotient (Rate Ratio),
IQR = Interquartilbereich, 25. bis 75. Perzentil.
Die Analyse der Einzelpatientendaten (intraindividuelle Analyse) in HAVEN 1 ergab, dass die
Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleich zu der vor Aufnahme in diese Studie in der NIS erfassten
Prophylaxe mit Bypassing-Präparaten zu einer statistisch signifikanten (p = 0,0003) und klinischrelevanten Reduktion (79 %) der Blutungsrate behandelter Blutungen führte (siehe Tabelle 7).
Tabelle 7: Studie HAVEN 1: Intraindividueller Vergleich der jährlichen Blutungsrate(behandelte Blutungen) bei Prophylaxe mit Hemlibra gegenüber dervorangegangenen Prophylaxe mit Bypassing-Präparat (NIS-Teilnehmer)
Arm CNIS: vorangegangene Arm C: Hemlibra 1,5 mg/kg
Prophylaxe mit Bypassing- wöchentlich
Endpunkt Präparatn = 24 n = 24
Behandelte Blutungen
ABR (95-%-KI) 15,7 (11,08; 22,29) 3,3 (1,33; 8,08)% Patienten mit 0 Blutungen(95-%-KI) 12,5 (2,7; 32,4) 70,8 (48,9; 87,4)
Mediane ABR (IQR) 12,0 (5,73; 24,22) 0,0 (0,00; 2,23)% Reduktion 79 %(RR), p-Wert (0,21); 0,0003
Inzidenzquotient (Rate Ratio) und Konfidenzintervall (KI) stammt aus dem Negativ-Binomial-Regressions(NBR)-Modell und p-Wert vom stratifizierten Wald-Test, Vergleich von ABR zwischen bestimmten Armen.
Vergleichsdaten für intraindividuelle Analyse stammen aus NIS.
Es wurden nur Patienten eingeschlossen, die an der NIS und an der Studie HAVEN 1 teilgenommen haben.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden.
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, RR = Inzidenzquotient (Rate Ratio);
IQR = Interquartilbereich, 25. Perzentil bis 75. Perzentil.
Obwohl bei Prophylaxe mit Emicizumab eine höhere Therapietreue als unter vorhergehender Bypassing-Agent(BPA)-Prophylaxe beobachtet wurde, konnte bei Patienten mit Dosierungen, die ≥ 80 % oder < 80 % derentsprechenden, zugelassenen Dosierungen für die BPA-Prophylaxe entsprachen, kein Unterschied in der ABRfestgestellt werden. (Die Daten sind jedoch aufgrund geringer Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren.)
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit der BPA wird nach deren Absetzen kein Übertragungseffekt erwartet.
Es mussten nur die ersten fünf Emicizumab-Dosierungen unter Aufsicht angewendet werden, um die Sicherheitund die Beherrschung der Injektionstechnik sicherzustellen. Ähnlich wie bei der BPA-Prophylaxe wurde fürdie nachfolgenden Emicizumab-Dosierungen die Selbstanwendung zu Hause gestattet.
HAVEN 4Tabelle 8 enthält die Ergebnisse der primären Wirksamkeitsanalyse der Prophylaxe mit Hemlibra allevier Wochen in Bezug auf die Rate der behandelten Blutungen, aller Blutungen, behandeltenspontanen Blutungen, behandelten Gelenkblutungen und behandelten Blutungen in Zielgelenken. Zur
Beurteilung der Wirksamkeit wurden 41 Patienten im Alter von ≥ 12 Jahren mit einer medianen
Beobachtungszeit von 25,6 Wochen (Bereich: 24,1 - 29,4) betrachtet.
Tabelle 8: HAVEN 4: Jährliche Blutungsrate der Prophylaxe mit Hemlibra bei Patienten im
Alter von ≥ 12 Jahren mit oder ohne FVIII-Hemmkörper
Hemlibra 6 mg/kg Q4W
Endpunkte aABR (95-%-KI) bMediane ABR (IQR) % 0 Blutungen(95-%-KI)n 41 41 41
Behandelte 2,4 (1,4; 4,3) 0,0 (0,0; 2,1) 56,1 (39,7; 71,5)
BlutungenAlle Blutungen 4,5 (3,1; 6,6) 2,1 (0,0; 5,9) 29,3 (16,1; 45,5)
Behandelte spontane 0,6 (0,3; 1,5) 0,0 (0,0; 0,0) 82,9 (67,9; 92,8)
BlutungenBehandelte 1,7 (0,8; 3,7) 0,0 (0,0; 1,9) 70,7 (54,5; 83,9)
Gelenkblutungen
Behandelte 1,0 (0,3; 3,3) 0,0 (0,0; 0,0) 85,4 (70,8; 94,4)
Blutungen in
Zielgelenkena Berechnet nach dem Negativ-Binomial-Regressions (NBR)-Modellb Berechnete ABR
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit FVIII oder rFVIIa behandelt wurden.
Alle Blutungen: Blutungen, die mit FVIII oder rFVIIa behandelt oder nicht behandelt wurden.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, RR = Inzidenzquotient (Rate Ratio),
IQR = Interquartilbereich, 25. bis 75. Perzentil, Q4W = Prophylaxe einmal alle vier Wochen.
HAVEN 6 (Zwischenanalyse)
Die Wirksamkeit wurde bei 51 Patienten mit mittelschwerer Hämophilie A im Alter von 2 bis 56
Jahren über eine mediane Beobachtungsdauer von 30,4 Wochen (Bereich: 17,4 - 61,7) beurteilt. Die
Zwischenergebnisse zur Wirksamkeit der Prophylaxe mit Hemlibra in Patienten mit mittelschwerer
Hämophilie A (siehe Abschnitt 4.1) bezogen auf die Rate von behandelten Blutungen, allen
Blutungen, behandelten spontanen Blutungen, behandelten Gelenkblutungen und behandelten
Blutungen in Zielgelenken sind in Tabelle 9 aufgeführt.
Tabelle 9: HAVEN 6: Jährliche Blutungsrate der Prophylaxe mit Hemlibra bei Patienten mitmittelschwerer Hämophilie A ohne FVIII-HemmkörpercHemlibra 1,5 mg/kg QW, 3 mg/kg Q2W oder 6 mg/kg Q4W
Endpunkte aABR (95-%-KI) bMediane ABR % 0 Blutungen(IQR) (95-%-KI)n 51 51 51
Behandelte Blutungen 0,9 [0,43; 1,89] 0,0 [0,00; 0,00] 78,4 [64,7; 88,7]
Alle Blutungen 2,6 [1,81; 3,81] 1,7 [0,00; 3,90] 43,1 [29,3; 57,8]
Behandelte spontane 0,1 [0,03; 0,30] 0,0 [0,00; 0,00] 94,1 [83,8; 98,8]
BlutungenBehandelte 0,3 [0,10; 0,84] 0,0 [0,00; 0,00] 90,2 [78,6; 96,7]
Gelenkblutungen
Behandelte Blutungen 0,1 [0,02; 0,26] 0,0 [0,00; 0,00] 96,1 [86,5; 99,5]in Zielgelenkena Berechnet nach dem Negativ-Binomial-Regressions(NBR)-Modellb Berechnete ABR
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit FVIII behandelt wurden.
Alle Blutungen: Blutungen, die mit FVIII behandelt oder nicht behandelt wurden.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
ABR = jährliche Blutungsrate, KI = Konfidenzintervall, IQR = Interquartilbereich, 25. bis 75. Perzentil,
QW = Prophylaxe einmal wöchentlich, Q2W = Prophylaxe einmal alle zwei Wochen, Q4W = Prophylaxeeinmal alle vier Wochenc 1,5 mg/kg QW (n = 16); 3 mg/kg Q2W (n = 30); 6 mg/kg Q4W (n = 5)
Instrumente zur Messung gesundheitsbezogener Zielgrößen
In den HAVEN-Studien wurden HRQoL und Gesundheitszustand anhand von Fragebögen zur
Beurteilung der klinischen Zielgrößen bewertet. In HAVEN 1 und 2 wurde der Fragebogen'Haemophilia-specific Quality of Life“ (Haem-A-QoL) für Erwachsene (im Alter von mindestens18 Jahren) bzw. die Version für Jugendliche (Haemo-QoL-SF, für Jugendliche im Alter von8 - 17 Jahren) verwendet, wobei der Wert für die körperliche Gesundheit (d. h. schmerzhafte
Schwellungen, Gelenkschmerzen, Schmerzen bei Bewegungen, Schwierigkeit, weit zu laufen undmehr benötigte Zeit, um sich fertig zu machen) und der Gesamtwert (Summe aller Werte) wichtige, im
Prüfplan definierte Endpunkte waren. In HAVEN 2 wurde zusätzlich der Fragebogen 'Adapted
InhibQoL with Aspects of Caregiver Burden“ verwendet, um die von den Betreuungspersonenberichtete HRQoL bei Kindern < 12 Jahren zu erfassen. In HAVEN 6 wurde die HRQoL beierwachsenen und pädiatrischen Patienten sowie bei Betreuungspersonen von pädiatrischen Patientenanhand des Fragebogens 'Comprehensive Assessment Tool of Challenges in Haemophilia(CATCH)“ beurteilt. Es wurden die Domänen zur Risikowahrnehmung und zu den Auswirkungen der
Hämophilie auf Alltagsaktivitäten, soziale Aktivitäten, Freizeitaktivitäten und Arbeit/Schule sowie die
Sorgen und die Belastung durch die Behandlung untersucht. Zum Messen von Veränderungen im
Gesundheitszustand wurden der Index Utility Score (IUS) und die visuelle Analogskala (VAS) ausdem Fragebogen 'EuroQoL Five-Dimension Five-Levels“ (EQ-5D-5L) herangezogen.
Gesundheitsbezogene Zielgrößen in HAVEN 1In dieser Studie waren die Gesamtwerte bei Studienbeginn (Mittelwert = 41,14 sowie 44,58) undkörperliche Gesundheit-Subskala-Werte (Mittelwert = 52,41 sowie 57,19) unter Prophylaxe mit
Hemlibra ähnlich wie ohne Prophylaxe. Tabelle 10 enthält eine Zusammenfassung des Vergleichszwischen dem Arm mit Prophylaxe mit Hemlibra (Arm A) und dem Arm ohne Prophylaxe (Arm B)bezogen auf den Haem-A-QoL-Gesamtwert und die Körperliche Gesundheit-Subskala nach24 Behandlungswochen, adjustiert um die Werte bei Studienbeginn. Die wöchentliche Prophylaxe mit
Hemlibra zeigte bei der Beurteilung in Woche 25 im Vergleich zu keiner Prophylaxe eine statistischsignifikante und klinisch relevante Verbesserung im vorab festgelegten Endpunkt für den
Haem-A-QoL-Wert der körperlichen Gesundheit.
Tabelle 10: Studie HAVEN 1: Änderung des Haem-A-QoL-Wertes für die körperliche
Gesundheit und des Gesamtwertes durch die Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleichzu keiner Prophylaxe bei Patienten im Alter von ≥ 18 Jahren mit FVIII-
Hemmkörpern
Haem-A-QoL-Werte in Woche 25 Arm B: keine Prophylaxe Arm A: Hemlibra(n = 14) 1,5 mg/kg wöchentlich(n = 25)
Wert für die körperliche Gesundheit (Bereich 0 bis 100)
Adjustierter Mittelwert 54,17 32,61
Differenz der adjustierten Mittelwerte 21,55 (7,89; 35,22)(95-%-KI)p-Wert 0,0029
Gesamtwert (Bereich 0 bis 100)
Adjustierter Mittelwert 43,21 29,2
Differenz der adjustierten Mittelwerte 14,01 (5,56; 22,45)(95-%-KI)
Arm B: Schließt nur den Zeitraum ohne Prophylaxe ein.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
Haem-A-QoL-Skalen-Bereich von 0 bis 100; niedrigere Werte bedeuten eine bessere HRQoL.
Klinisch relevanter Unterschied: Gesamtwert: 7 Punkte, physische Gesundheit: 10 Punkte.
Die Analysen basieren auf Daten von Personen, die sowohl bei Studienbeginn als auch in Woche 25 den
Fragebogen beantwortet haben.
Zielgrößen in Bezug auf den Gesundheitszustand in HAVEN 1Tabelle 11 enthält eine Zusammenfassung des Vergleichs zwischen dem Arm mit Prophylaxe mit
Hemlibra (Arm A) und dem Arm ohne Prophylaxe (Arm B) bezogen auf den EQ-5D-5L-IUS und die
VAS nach 24 Behandlungswochen, adjustiert um die Werte bei Studienbeginn.
Tabelle 11: Studie HAVEN 1: EQ-5D-5L-Werte bei Patienten im Alter von ≥ 12 Jahren in
Woche 25
EQ-5D-5L-Werte nach 24 Wochen Arm B: keine Prophylaxe Arm A: Hemlibra(n = 16) 1,5 mg/kg wöchentlich(n = 29)
Visuelle Analogskala
Adjustierter Mittelwert 74,36 84,08
Differenz der adjustierten Mittelwerte -9,72 (-17,62; -1,82)(95-%-KI)
Index-Wert
Adjustierter Mittelwert 0,65 0,81
Differenz der adjustierten Mittelwerte -0,16 (-0,25; -0,07)(95-%-KI)
Arm B: Schließt nur den Zeitraum ohne Prophylaxe ein.
Umfasst bei Patienten mit Dosiserhöhung nur die Daten vor dem Zeitpunkt der Dosiserhöhung.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
Höhere Werte stehen für eine bessere Lebensqualität.
Klinisch relevanter Unterschied: VAS: 7 Punkte, Index-Wert: 0,07 Punkte.
Die Analysen basieren auf Daten von Personen, die sowohl bei Studienbeginn als auch in Woche 25 den
Fragebogen beantwortet haben.
Gesundheitsbezogene Zielgrößen in HAVEN 6
In HAVEN 6 wurde die HRQoL bei Patienten aller Altersgruppen mit mittelschwerer Hämophilie A in
Woche 25 anhand des Fragebogens CATCH beurteilt. Der CATCH-Fragebogen (Version 1.0) ist einvalidiertes Instrument zur Beurteilung der Auswirkungen der Hämophilie und deren Behandlung. Der
Fragebogen liegt in verschiedenen Versionen für erwachsene Patienten, pädiatrische Patienten sowie
Betreuungspersonen von pädiatrischen Patienten vor. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität bliebunter der Prophylaxe mit Hemlibra im Allgemeinen stabil und zeigte in der Domäne zur Belastung der
Behandlung des CATCH-Fragebogens eine in allen Befragungsgruppen beobachtete Verbesserung.
Kinder und JugendlicheKinder und Jugendliche (Patienten unter 12 Jahren oder zwischen 12 und 17 Jahren mit einem
Körpergewicht < 40 kg) mit Hämophilie A und FVIII-Hemmkörpern (Studie BH29992 - HAVEN 2)
Die wöchentliche Prophylaxe mit Hemlibra wurde in einer einarmigen, multizentrischen, offenenklinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen (Alter < 12 Jahre oder 12 bis 17 Jahre mit einem
Gewicht < 40 kg) mit Hämophilie A mit FVIII-Hemmkörpern geprüft. Die Patienten erhielten eine
Prophylaxe mit Hemlibra von 3 mg/kg einmal wöchentlich über 4 Wochen, gefolgt von 1,5 mg/kgeinmal wöchentlich.
Die Studie untersuchte die Pharmakokinetik (PK), Sicherheit und Wirksamkeit, einschließlich der
Wirksamkeit der wöchentlichen Prophylaxe mit Hemlibra im Vergleich zu einer vorherigen
Behandlung mit episodischen und prophylaktischen Bypassing-Präparaten bei Patienten, die vor der
Aufnahme in diese Studie an der NIS teilgenommen hatten (intraindividueller Vergleich).
Wirksamkeitsergebnisse
HAVEN 2 (Zwischenanalyse)
Zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse war die Wirksamkeit bei 59 Patienten beurteilt, die jünger als12 Jahre waren und mindestens 12 Wochen lang die wöchentliche Prophylaxe mit Hemlibra erhaltenhatten, einschließlich vier Patienten im Alter < 2 Jahre, 17 Patienten im Alter von 2 bis < 6 Jahren und38 Patienten im Alter von 6 bis < 12 Jahren. Es wurden die jährliche Blutungsrate und der Prozentsatzder Patienten mit null Blutungen berechnet (siehe Tabelle 12). Die mediane Beobachtungszeit betrugfür diese Patienten 29,6 Wochen (Bereich: 18,4 bis 63,0 Wochen).
Tabelle 12: Studie HAVEN 2: Zusammenfassung der Wirksamkeit (Zwischenanalyse)
Endpunkte aABR (95-%-KI) cMediane ABR (IQR) % 0 Blutungen(95-%-KI)bn = 59 bn = 59 bn = 59
Behandelte
Blutungen 0,3 (0,1; 0,5) 0 (0; 0) 86,4 (75; 94)
Alle Blutungen 3,8 (2,2; 6,5) 0 (0; 3,4) 55,9 (42,4; 68,8)
Behandelte
Spontanblutungen 0 (0; 0,2) 0 (0; 0) 98,3 (90,9; 100)
Behandelte
Gelenkblutungen 0,2 (0,1; 0,4) 0 (0; 0) 89,8 (79,2; 96,2)
Behandelte
Blutungen in 0,1 (0; 0,7) 0 (0; 0) 96,6 (88,3; 99,6)
Zielgelenken
ABR = jährliche Blutungsrate; KI = Konfidenzintervall; IQR = Interquartilbereich, 25. Perzentil bis75. Perzentila Berechnet mit dem Negativ-Binomial-Regressions (NPR)-Modellb Wirksamkeitsdaten von behandelten Patienten im Alter von < 12 Jahren, die sich mindestens 12 Wochen inder Studie HAVEN 2 befanden (n = 59), da der Behandlungseffekt in der Studie hauptsächlich auf Basis des
Alters untersucht werden sollte.c Berechnete ABR
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden.
Alle Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden oder nicht.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
Die intraindividuelle Analyse zeigte, dass die wöchentliche Prophylaxe mit Hemlibra nach mindestens12-wöchiger Anwendung bei 18 pädiatrischen Patienten zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion(98 %) der Rate der behandelten Blutungen im Vergleich zur Blutungsrate, die während der NIS vor
Aufnahme in diese Studie ermittelt wurde, führte (Tabelle 13).
Tabelle 13: Studie HAVEN 2: Intraindividueller Vergleich der jährlichen Blutungsrate(behandelte Blutungen) bei Prophylaxe mit Hemlibra gegenüber dervorangegangenen Prophylaxe mit Bypassing-Präparat
Endpunkt Vorherige Bypassing- Prophylaxe mit Hemlibra
Präparat-Behandlung* (n = 18)(n = 18)
Behandelte Blutungen
ABR (95-%-KI) 19,8 (15,3; 25,7) 0,4 (0,15; 0,88)% Reduktion (RR) 98 %(0,02)% Patienten mit 0 Blutungen (95-%-KI) 5,6 (0,1; 27,3) 77,8 (52,4; 93,6)
Median ABR (IQR) 16,2 (11,49; 25,78) 0 (0; 0)
* Vorherige prophylaktische Behandlung bei 15 von 18 Patienten; vorherige episodische ('bei Bedarf“)
Behandlung bei 3 Studienteilnehmern
Inzidenzquotient (Rate Ratio) und Konfidenzintervall (KI) stammen aus dem Negativ-Binomial-Regressions(NBR)-Modell und der p-Wert aus dem stratifizierten Wald-Test, Vergleich der ABR zwischen bestimmten
Armen.
Vergleichsdaten für intraindividuelle Analyse stammen aus NIS.
Es wurden nur Patienten eingeschlossen, die an der NIS und der Studie HAVEN 2 teilgenommen hatten.
Definition von Blutung angepasst, basierend auf ISTH-Kriterien.
Behandelte Blutungen: Blutungen, die mit Bypassing-Präparaten behandelt wurden.
Patienten, die Emicizumab erhielten, begannen mit einer Initialdosis von 3 mg/kg/Woche über 4 Wochen.
ABR = jährliche Blutungsrate; KI = Konfidenzintervall; RR = Inzidenzquotient (Rate Ratio);
IQR = Interquartilbereich, 25. Perzentil bis 75. Perzentil.
Obwohl bei Prophylaxe mit Emicizumab eine höhere Therapietreue als unter vorhergehender Bypassing-Agent(BPA)-Prophylaxe beobachtet wurde, konnte bei Patienten mit Dosierungen, die ≥ 80 % oder < 80 % derentsprechenden, zugelassenen Dosierungen für die BPA-Prophylaxe entsprachen, kein Unterschied in der ABRfestgestellt werden. (Die Daten sind jedoch aufgrund geringer Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren.)
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit der BPA wird nach deren Absetzen kein Übertragungseffekt erwartet.
Es mussten nur die ersten fünf Emicizumab-Dosierungen unter Aufsicht angewendet werden, um die Sicherheitund die Beherrschung der Injektionstechnik sicherzustellen. Ähnlich wie bei der BPA-Prophylaxe wurde fürdie nachfolgenden Emicizumab-Dosierungen die Selbstanwendung zu Hause gestattet.
Ergebnisse zu den gesundheitsbezogenen Zielgrößen bei KindernGesundheitsbezogene Zielgrößen in HAVEN 2Die HRQoL wurde in HAVEN 2 für Patienten im Alter von ≥ 8 bis < 12 Jahren anhand des
Fragebogens Haemo-QoL-SF für Kinder beurteilt (siehe Tabelle 14). Bei diesem Fragebogen handeltes sich um ein gültiges und zuverlässiges Instrument zur Messung der HRQoL. Darüber hinaus wurdedie HRQoL für Patienten im Alter von < 12 Jahren in Woche 25 anhand des Fragebogens 'Adapted
InhibQoL with Aspects of Caregiver Burden“ beurteilt, der von Betreuungspersonen ausgefüllt wurde(siehe Tabelle 14). Bei diesem Fragebogen handelt es sich um ein gültiges und zuverlässiges
Instrument zur Messung der HRQoL.
Tabelle 14: HAVEN 2: Veränderung des Werts für die körperliche Gesundheit von
Baseline bis Woche 25 für Patienten (im Alter von < 12 Jahren) nach der
Prophylaxe mit Hemlibra, berichtet von Patienten und Betreuungspersonen
Haemo-QoL-SF
Wert für die körperliche Gesundheit (Bereich 0 bis 100)a
Mittlerer Wert bei Baseline (95-%-KI) (n = 18) 29,5 (16,4 - 42,7)
Mittlere Veränderung von Baseline (95-%-KI) -21,7 (-37,1 - -6,3)(n = 15)
Angepasster InhibQoL mit Aspekten der
Belastung der Betreuungspersonen
Wert für die körperliche Gesundheit (Bereich 0 bis 100)a
Mittlerer Wert bei Baseline (95-%-KI) (n = 54) 37,2 (31,5 - 42,8)
Mittlere Veränderung von Baseline (95-%-KI) -32,4 (-38,6 - -26,2)(n = 43)a Niedrigere Werte (negative Veränderungswerte) weisen auf eine bessere Funktion hin.
Die Analysen basieren auf Daten von Personen, die sowohl bei Studienbeginn als auch in Woche 25 den
Fragebogen beantwortet haben.
Es gibt nur begrenzte Erfahrungen mit dem Einsatz von Bypassing-Präparaten oder FVIII beichirurgischen Eingriffen und invasiven Verfahren. Über den Einsatz von Bypassing-Präparaten oder
FVIII bei chirurgischen Eingriffen und invasiven Verfahren entschied der Prüfarzt.
Beim Auftreten von Durchbruchblutungen sind Patienten, die eine Emicizumab-Prophylaxe erhalten,mithilfe verfügbarer Therapien zu versorgen. Anweisungen für Bypassing-Präparate finden Sie in
Abschnitt 4.4.
ImmunogenitätWie bei allen therapeutischen Proteinen besteht auch bei Patienten, die mit Emicizumab behandeltwerden, die Möglichkeit einer Immunreaktion. In den gepoolten klinischen Studien wurden insgesamt739 Patienten auf Anti-Emicizumab-Antikörper getestet. Bei 36 Patienten (4,9 %) war das Ergebnisdes Tests auf Anti-Emicizumab-Antikörper positiv. Bei 19 Patienten (2,6 %) waren die Anti-
Emicizumab-Antikörper in vitro neutralisierend. Bei 15 dieser 19 Patienten hatten dieneutralisierenden Anti-Emicizumab-Antikörper keinen klinisch bedeutsamen Einfluss auf die
Pharmakokinetik oder die Wirksamkeit von Hemlibra, wohingegen bei 4 Patienten (0,5 %) verringerte
Emicizumab-Plasmakonzentrationen beobachtet wurden. Bei einem Patienten (0,1 %) mitneutralisierenden Anti-Emicizumab-Antikörpern und verringerten Emicizumab-
Plasmakonzentrationen kam es nach 5-wöchiger Behandlung zu einem Wirksamkeitsverlust und dem
Abbruch der Behandlung mit Hemlibra. Insgesamt war das Sicherheitsprofil von Hemlibra bei
Patienten mit Anti-Emicizumab-Antikörpern (einschließlich neutralisierenden Antikörpern) und ohnediese Antikörper ähnlich (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).
Ältere PatientenDie Studien HAVEN 1, HAVEN 3, HAVEN 4 und HAVEN 6 stützen die Anwendung von Hemlibrabei Patienten mit Hämophilie A im Alter ab 65 Jahren. Auf der Grundlage der begrenzten Daten gibtes keinen Hinweis auf eine unterschiedliche Wirksamkeit oder Sicherheit bei Patienten im Alter ab65 Jahren.