Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels FOTIVDA 1340mcg kapseln
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln
Fotivda 1.340 Mikrogramm Hartkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln
Jede Hartkapsel enthält Tivozanib als Hydrochloridmonohydrat, entsprechend 890 Mikrogramm
Tivozanib.
Sonstige Bestandteile mit bekannter WirkungJede Hartkapsel enthält Spurenmengen von Tartrazin (E 102) (8 ‒ 12 % der Zusammensetzung dergelben Druckfarbe) (siehe Abschnitt 4.4).
Fotivda 1.340 Mikrogramm Hartkapseln
Jede Hartkapsel enthält Tivozanib als Hydrochloridmonohydrat, entsprechend 1.340 Mikrogramm
Tivozanib.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Hartkapsel.
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln
Hartkapsel mit dunkelblauer, opaker Kappe und leuchtend gelbem, opakem Unterteil. Auf der Kappeist mit gelber Tinte 'TIVZ“ und auf dem Unterteil mit dunkelblauer Tinte 'LD“ aufgedruckt.
Fotivda 1.340 Mikrogramm Hartkapseln
Hartkapsel mit leuchtend gelber, opaker Kappe und leuchtend gelbem, opakem Unterteil. Auf der
Kappe ist mit dunkelblauer Tinte 'TIVZ“ und auf dem Unterteil mit dunkelblauer Tinte 'SD“aufgedruckt.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Fotivda dient als Erstlinientherapie bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem
Nierenzellkarzinom (NZK) sowie als Therapie bei erwachsenen Patienten, die noch nicht mit
VEGFR- und mTOR-Signalweginhibitoren behandelt wurden und bei denen es nach einer vorherigen
Cytokin-Therapie für fortgeschrittene NZK zur Krankheitsprogression kam.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung mit Fotivda sollte von einem Arzt überwacht werden, der in der Anwendung von
Krebstherapien erfahren ist.
DosierungDie empfohlene Dosis Tivozanib beträgt 1.340 Mikrogramm einmal täglich über 21 Tage, gefolgt voneiner 7-tägigen Pause, was zusammen einem kompletten Behandlungszyklus von 4 Wochenentspricht.
Dieser Behandlungsrhythmus sollte fortgesetzt werden, bis Krankheitsprogression oder inakzeptable
Toxizität auftritt.
Es darf nicht mehr als eine Dosis Fotivda täglich eingenommen werden.
Dosismodifikation
Das Auftreten von Nebenwirkungen kann eine vorübergehende Unterbrechung und/oder eine
Dosisreduktion der Tivozanib-Therapie erfordern (siehe Abschnitt 4.4). In der zulassungsrelevanten
Studie wurde die Dosis bei Ereignissen vom Grad 3 reduziert und bei Ereignissen vom Grad 4unterbrochen.
Wenn eine Dosisreduktion notwendig ist, kann die Tivozanib-Dosis auf 890 Mikrogramm einmaltäglich gesenkt werden, wobei der normale Behandlungsrhythmus über 21 Tagen gefolgt von einer7-tägigen Pause beibehalten wird.
Versäumte DosisWenn eine Dosis versäumt wurde, darf keine Ersatzdosis als Ausgleich für die versäumte Dosiseingenommen werden. Die nächste Dosis ist zum nächsten geplanten Zeitpunkt einzunehmen.
Nach Erbrechen darf keine Ersatzdosis eingenommen werden. Die nächste Dosis ist zum nächstengeplanten Zeitpunkt einzunehmen.
Spezielle PatientengruppenKinder und JugendlicheDie Sicherheit und Wirksamkeit von Tivozanib bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nichterwiesen. Es liegen keine Daten vor. Es gibt im Anwendungsgebiet fortgeschrittenes
Nierenzellkarzinom keinen relevanten Nutzen von Tivozanib bei Kindern und Jugendlichen.
Ältere PatientenBei Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe
Abschnitte 4.4 und 5.1).
Patienten mit NierenfunktionsstörungBei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung nötig(siehe Abschnitt 5.2). Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung, da esnur begrenzte Erfahrungen mit Tivozanib gibt, sowie bei dialysepflichtigen Patienten, da es keine
Erfahrungen mit Tivozanib gibt.
Patienten mit LeberfunktionsstörungZur Einschätzung der Leberfunktion sollten bei allen Patienten vor Behandlungsbeginn und währendder Behandlung mit Tivozanib die Leberwerte, einschließlich Alanin-Aminotransferase (ALT),
Aspartat-Aminotransferase (AST), Bilirubin und Alkalinphosphatase (AP), bestimmt werden.
Tivozanib wird nicht zur Anwendung bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung empfohlen.
Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung sollten nur alle zwei Tage eine Kapsel mit1.340 Mikrogramm Tivozanib einnehmen, da bei ihnen aufgrund der höheren Exposition bei
Einnahme von 1.340 Mikrogramm täglich ein größeres Risiko für Nebenwirkungen besteht (siehe
Abschnitte 4.4 und 5.2). Bei Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassungnötig. Tivozanib sollte bei Patienten mit leichter und mittelschwerer Leberfunktionsstörung mit
Vorsicht und engmaschiger Überwachung der Verträglichkeit eingesetzt werden.
Art der AnwendungFotivda ist zum Einnehmen.
Fotivda kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden (siehe Abschnitt 5.2). Die Kapselnmüssen als Ganzes mit einem Glas Wasser geschluckt werden und dürfen nicht geöffnet werden.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile.
Gleichzeitige Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln, die Johanniskraut (Hypericum perforatum)enthalten (siehe Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
HypertonieIn klinischen Studien mit Tivozanib ist Hypertonie (einschließlich anhaltender schwerer Hypertonie)aufgetreten (siehe Abschnitt 4.8). Bei etwa einem Drittel der Patienten entwickelte sich die Hypertonieinnerhalb der ersten beiden Behandlungsmonate. Vor Beginn der Tivozanib-Therapie sollte der
Blutdruck gut unter Kontrolle sein. Während der Therapie sollten die Patienten auf Hypertonieüberwacht und bei Bedarf mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln gemäß Standardversorgungbehandelt werden. Bei anhaltender Hypertonie trotz blutdrucksenkender Arzneimittel liegt es im
Ermessen des Arztes, die Tivozanib-Dosis zu reduzieren oder die Behandlung zu unterbrechen und ineiner niedrigeren Dosierung wieder aufzunehmen, nachdem der Blutdruck unter Kontrolle gebrachtwurde (siehe Abschnitt 4.2). Ein Abbruch der Behandlung sollte in Fällen anhaltender schwerer
Hypertonie, eines posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndroms (siehe unten) oder anderen
Folgen des Bluthochdrucks in Erwägung gezogen werden. Patienten unter blutdrucksenkenden
Arzneimitteln sollten bei Unterbrechung oder Abbruch der Tivozanib-Therapie auf Hypotonieüberwacht werden.
Arterielle thromboembolische EreignisseIn klinischen Studien mit Tivozanib sind arterielle thromboembolische Ereignisse (ATE) aufgetreten(siehe Abschnitt 4.8). Zu den Risikofaktoren für ATE gehören eine maligne Erkrankung, Alter> 65 Jahre, Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, Hypercholesterinämie und eine vorangegangenethromboembolische Erkrankung. Tivozanib wurde nicht bei Patienten geprüft, die innerhalb derletzten 6 Monate vor Beginn der klinischen Studie ein ATE hatten. Tivozanib muss bei Patienten mit
Vorsicht eingesetzt werden, die ein Risiko für solche Ereignisse tragen oder die ein solches Ereignis inder Anamnese haben (wie Myokardinfarkt, Schlaganfall).
Venöse thromboembolische EreignisseIn klinischen Studien mit Tivozanib wurde über venöse thromboembolische Ereignisse (VTE)einschließlich Lungenembolie und tiefer Venenthrombose berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Zu den
Risikofaktoren für VTE gehören große chirurgische Eingriffe, multiple Traumata, vorangegangene
VTE, höheres Alter, Fettleibigkeit, Herz- oder Ateminsuffizienz und längere Immobilität. Tivozanibwurde nicht bei Patienten geprüft, die innerhalb der letzten 6 Monate vor Beginn der klinischen Studieein VTE hatten. Die Behandlungsentscheidung, insbesondere bei Patienten mit VTE-Risiko, sollte aufeiner Nutzen-Risiko-Bewertung für den individuellen Patienten basieren.
HerzinsuffizienzIn klinischen Studien mit Tivozanib als Monotherapie zur Behandlung von Patienten mit NZK wurdeüber Herzinsuffizienz berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Während der Behandlung mit Tivozanib sollten
Patienten regelmäßig auf Zeichen oder Symptome einer Herzinsuffizienz überwacht werden. Zur
Behandlung einer Herzinsuffizienz kann eine vorübergehende Unterbrechung oder der endgültige
Abbruch und/oder eine Dosisreduktion der Tivozanib-Therapie erforderlich sein. Außerdem müssenmögliche zugrunde liegende Ursachen der Herzinsuffizienz wie Bluthochdruck behandelt werden.
HämorrhagieIn klinischen Studien mit Tivozanib wurden hämorrhagische Ereignisse beobachtet (siehe
Abschnitt 4.8). Tivozanib muss bei Patienten mit Blutungsrisiko oder Blutungsereignissen in der
Anamnese mit Vorsicht eingesetzt werden. Wenn eine Blutung medizinisch behandelt werden muss,sollte die Behandlung mit Tivozanib vorübergehend unterbrochen werden.
ProteinurieIn klinischen Studien mit Tivozanib ist Proteinurie aufgetreten (siehe Abschnitt 4.8). Es wirdempfohlen, Patienten vor Beginn der Behandlung und regelmäßig während der Behandlung mit
Tivozanib auf Proteinurie zu überwachen. Bei Patienten, die eine Proteinurie vom Grad 2(> 1,0-3,4 g/24 Stunden) oder Grad 3 (≥ 3,5 g/24 Stunden) laut allgemeiner Terminologiekriterien fürunerwünschte Ereignisse des nationalen Krebsinstituts (National Cancer Institute Common
Terminology Criteria for Adverse Events [NCI CTCAE]) entwickeln, muss die Tivozanib-Dosisreduziert oder die Behandlung vorübergehend unterbrochen werden. Wenn Patienten eine Proteinurievom Grad 4 (nephrotisches Syndrom) entwickeln, muss die Tivozanib-Therapie endgültigabgebrochen werden. Zu den Risikofaktoren für eine Proteinurie gehört Bluthochdruck.
HepatotoxizitätIn klinischen Studien mit Tivozanib wurden erhöhte Werte für ALT, AST und Bilirubin gemeldet(siehe Abschnitt 4.8). Die Mehrheit der erhöhten AST- und ALT-Werte waren nicht von einergleichzeitigen Erhöhung des Bilirubin-Werts begleitet. Wegen des Hepatotoxizitätsrisikos sollten die
AST-, ALT-, Bilirubin- und AP-Werte vor Beginn der Behandlung und regelmäßig während der
Behandlung mit Tivozanib überwacht werden (siehe Abschnitt 4.2).
Tivozanib wird nicht zur Anwendung bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung empfohlen.
Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES)In klinischen Studien ist nach Behandlung mit Tivozanib ein bestätigter Fall eines PRES aufgetreten(siehe Abschnitt 4.8). Das PRES ist eine neurologische Erkrankung, die sich mit Kopfschmerz,
Anfällen, Lethargie, Verwirrung, Blindheit und anderen visuellen und neurologischen Störungenäußert. Es kann auch leichte bis schwere Hypertonie auftreten. Die Bestätigung der PRES-Diagnosekann eine Magnetresonanztomografie (MRT) erfordern. Bei Patienten, die Zeichen oder Symptomeeiner PRES entwickeln, muss die Tivozanib-Therapie abgebrochen werden. Die Sicherheit einer
Wiederaufnahme der Tivozanib-Therapie bei Patienten mit vorangegangener PRES ist nicht bekanntund Tivozanib sollte bei solchen Patienten nur mit Vorsicht angewendet werden.
Hand-Fuß-Syndrom (HFS)
In klinischen Studien mit Tivozanib wurde über das Hand-Fuß-Syndrom (palmar-plantares
Erythrodysästhesie-Syndrom) berichtet. Die meisten Ereignisse in den fünf NZK-Monotherapiestudienwaren vom CTC Grad 1 oder 2 (CTC Grad ≥ 3 wurde bei < 2 % der Patienten unter Tivozanibgemeldet) und es gab keine schwerwiegenden Ereignisse (siehe Abschnitt 4.8). Zur Behandlung von
Patienten mit HFS können topische Therapien zur Symptomlinderung angewendet werden. Einevorübergehende Unterbrechung und/oder Dosisreduzierung der Tivozanib-Therapie sollte erwogenwerden, in schweren oder persistierenden Fällen auch ein endgültiger Therapieabbruch.
Verlängerung des QT-IntervallsIn klinischen Studien mit Tivozanib wurden Verlängerungen des QT/QTc-Intervalls gemeldet (siehe
Abschnitte 4.8 und 5.1). Eine Verlängerung des QT/QTc-Intervalls kann zu einem erhöhten Risiko fürventrikuläre Arrhythmien führen. Es wird empfohlen, Tivozanib bei Patienten mit Vorsichtanzuwenden, die eine Verlängerung des QT-Intervalls in der Anamnese haben, die andere relevantevorbestehende Herzerkrankungen aufweisen oder die andere Arzneimittel erhalten, diebekanntermaßen das QT-Intervall verlängern. Zu Behandlungsbeginn und während der Behandlungsollten regelmäßig EKG gemacht und überwacht werden. Außerdem ist es empfehlenswert, die
Elektrolyte (z. B. Kalzium, Magnesium, Kalium) im Normalbereich zu halten.
Gastrointestinale Perforation/Fistel
Patienten sollten während der Behandlung mit Tivozanib regelmäßig auf Symptome einergastrointestinalen Perforation oder Fistel überwacht werden. Tivozanib sollte bei Patienten mit einem
Risiko für gastrointestinale Perforation oder Fistel mit Vorsicht angewendet werden.
WundheilungsstörungenAls Vorsichtsmaßnahme wird eine vorübergehende Unterbrechung der Tivozanib-Therapieempfohlen, wenn Patienten sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterziehen müssen. Die
Entscheidung für eine Wiederaufnahme der Tivozanib-Therapie nach dem Eingriff sollte auf derklinischen Beurteilung einer angemessenen Wundheilung basieren.
HypothyreoseIn klinischen Studien mit Tivozanib wurde Hypothyreose gemeldet (siehe Abschnitt 4.8).
Hypothyreose wurde zu verschiedensten Zeitpunkt während der Tivozanib-Therapie beobachtet undkann schon innerhalb von zwei Monaten nach Behandlungsbeginn auftreten. Zu den Risikofaktorenfür Hypothyreose gehören eine Hypothyreose in der Anamnese und die Anwendung vonantithyreoidalen Arzneimitteln. Die Schilddrüsenfunktion sollte vor Beginn der Behandlung undregelmäßig während der Behandlung mit Tivozanib überwacht werden. Hypothyreose ist gemäßmedizinischer Standardversorgung zu behandeln.
Ältere PatientenDysphonie, Diarrhö, Ermüdung, Gewichtsverlust, verminderter Appetit und Hypothyreose kamen bei
Patienten ≥ 65 Jahren häufiger vor. Angehörige der Gesundheitsberufe sollten bedenken, dass beiälteren Patienten ein höheres Risiko für Nebenwirkungen besteht.
Tartrazin
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln enthalten Tartrazin (E102), das allergische Reaktionenhervorrufen kann.
Aneurysmen und ArteriendissektionenDie Verwendung von VEGF-Signalweg-Hemmern bei Patienten mit oder ohne Hypertonie kann die
Entstehung von Aneurysmen und/oder Arteriendissektionen begünstigen. Vor Beginn der Behandlungmit Fotivda sollte dieses Risiko bei Patienten mit Risikofaktoren wie Hypertonie oder Aneurysmen inder Vorgeschichte sorgfältig abgewogen werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Gleichzeitige Anwendung kontraindiziert
Pflanzliche Arzneimittel, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, sind kontraindiziert.
Wenn ein Patient bereits Johanniskraut einnimmt, muss die Einnahme vor Beginn der
Tivozanib-Therapie beendet werden. Die induzierende Wirkung von Johanniskraut kann nochmindestens 2 Wochen nach Einstellung der Therapie mit Johanniskraut andauern (siehe
Abschnitt 4.3).
Starke CYP3A4-InduktorenIn einer klinischen Studie mit gesunden Probanden verringerte die gleichzeitige Gabe einer
Einzeldosis von 1.340 Mikrogramm Tivozanib und einem starken CYP3A4-Induktor bei Steady-State(600 mg Rifampin einmal täglich) die durchschnittliche Halbwertszeit von Tivozanib von 121 auf54 Stunden, was mit einer Reduzierung der AUC0-∞ der Einzeldosis von 48 % im Vergleich zur
AUC0-∞ ohne Rifampin assoziiert war. Durchschnittlicher Cmax und AUC0-24Std. waren nicht signifikantverändert (8 % Anstieg bzw. 6 % Rückgang). Die klinischen Auswirkungen von starken
CYP3A4-Induktoren bei wiederholter täglicher Tivozanib-Gabe wurden nicht untersucht, aberaufgrund der verringerten Halbwertszeit ist es möglich, dass die durchschnittliche Dauer bis zum
Steady-State und die durchschnittliche Serumkonzentration von Tivozanib im Steady-State reduziertsind. Es wird empfohlen, eine gleichzeitige Gabe von Tivozanib und starken CYP3A4-Induktoren nurmit Vorsicht durchzuführen, wenn überhaupt.
Es ist nicht davon auszugehen, dass gemäßigte CYP3A4-Induktoren eine klinisch relevante Wirkungauf die Tivozanib-Exposition haben.
CYP3A4-HemmerIn einer klinischen Studie mit gesunden Probanden hatte die Gabe von Tivozanib zusammen miteinem potenten CYP3A4-Hemmer (400 mg Ketoconazol einmal täglich) keinen Einfluss auf die
Serumkonzentrationen von Tivozanib (Cmax oder AUC). Deswegen ist es unwahrscheinlich, dass die
Tivozanib-Exposition durch CYP3A4-Hemmer verändert wird.
Arzneimittel, deren Resorption im Darm durch BCRP begrenzt wird
Tivozanib hemmt das Transporterprotein BCRP in vitro, aber die klinische Relevanz dieser
Entdeckung ist nicht bekannt (siehe Abschnitt 5.2). Es ist Vorsicht geboten, wenn Tivozanibgleichzeitig mit Rosuvastatin gegeben wird. Oder es sollte ein anderes Statin gewählt werden, daskeiner Begrenzung der Resorption im Darm durch BCRP unterliegt. Patienten, die ein BCRP-Substratmit einer klinisch relevanten Efflux-Wirkung im Darm einnehmen, müssen darauf achten, dass einausreichendes Zeitfenster (z. B. 2 Stunden) zwischen der Einnahme von Tivozanib und dem
BCRP-Substrat liegt.
Kontrazeptiva
Es ist bisher nicht bekannt, ob Tivozanib die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigt.
Deswegen sollten Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva verwenden, zusätzlich eine Barriere-Methodeeinsetzen (siehe Abschnitt 4.6).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Gebärfähige Frauen/Empfängnisverhütung bei Männern und FrauenFrauen, die schwanger werden können, ist anzuraten, eine Schwangerschaft während der
Tivozanib-Therapie zu vermeiden. Auch Partnerinnen von männlichen Patienten unter
Tivozanib-Therapie sollten eine Schwangerschaft vermeiden. Alle Patientinnen und Patienten sowieihre Partner und Partnerinnen sollten während der Therapie und für mindestens einen Monat nach
Beendigung der Therapie wirksame Verhütungsmethoden anwenden. Es ist bisher nicht bekannt, ob
Tivozanib die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigt. Deswegen sollten Frauen, diehormonelle Kontrazeptiva verwenden, zusätzlich eine Barriere-Methode einsetzen.
SchwangerschaftEs liegen keine Daten über die Anwendung von Tivozanib bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle
Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Tivozanib darf nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Wenn Tivozanib während der
Schwangerschaft angewendet wird oder wenn eine Patientin während der Tivozanib-Therapieschwanger wird, muss die Patientin über die möglichen Gefahren für den Fötus aufgeklärt werden.
StillzeitEs ist nicht bekannt, ob Tivozanib in die Muttermilch übertritt, aber es besteht die Möglichkeit. Da beigestillten Säuglingen durch Tivozanib bedingte Nebenwirkungen auftreten können, sollten Frauenunter Tivozanib-Therapie nicht stillen.
FertilitätTierexperimentelle Studien weisen darauf hin, dass die männliche und die weibliche Fertilität durchdie Tivozanib-Therapie beeinträchtigt werden kann (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenTivozanib kann geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen haben. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass sie beim Führen eines Fahrzeugsoder Bedienen von Maschinen vorsichtig sein müssen, wenn sie während der Tivozanib-Therapie
Asthenie, Ermüdung und/oder Schwindelgefühl verspüren (siehe Abschnitt 4.8).
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsFür die generelle Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von Tivozanib wurden die gepoolten
Daten von 674 Patienten mit fortgeschrittenem NZK ausgewertet, die in den fünf relevanten
NZK-Monotherapiestudien ihre Ersttherapie mit Tivozanib weiter fortsetzten.
Die wichtigste schwerwiegende Nebenwirkung ist Hypertonie.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen jeglichen Grades gehörten Hypertonie (47,6 %), Dysphonie(26,9 %), Ermüdung (25,8 %) und Diarrhö (25,5 %).
In den fünf relevanten NZK-Monotherapiestudien wurde Tivozanib bei insgesamt 20 Patienten (3 %)aufgrund von Nebenwirkungen abgesetzt, am häufigsten wegen Hypertonie (0,4 %), anhaltenderschwerer Hypertonie (0,3 %) oder akutem Myokardinfarkt (0,3 %). Die häufigsten Nebenwirkungen,die zu einer Reduzierung der Tivozanib-Dosis/Therapieunterbrechung führten, waren Hypertonie(4,7 %), Diarrhö (3,1 %), Ermüdung (1,8 %).
Bei Patienten, die Tivozanib als Ersttherapie erhielten, gab es drei Nebenwirkungen mit Todesfolge:
In einem Fall wird von einer unkontrollierten Hypertonie mit Verdacht auf Überdosis berichtet (siehe
Abschnitt 4.9) und für zwei Fälle wurde nur der Tod gemeldet.
Tabellarische Zusammenfassung der NebenwirkungenNebenwirkungen, die bei Patienten auftraten, die in den fünf relevanten NZK-Monotherapiestudienihre Ersttherapie mit Tivozanib weiter fortsetzten, wurden gepoolt und werden hier nach MedDRA
Systemorganklassen (SOK) und Häufigkeit aufgeführt. Folgende Häufigkeitskategorien werdenverwendet: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100), selten(≥ 1/10.000, < 1/1.000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nichtabschätzbar). Innerhalb jeder SOK werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregradangegeben.
Tabelle 1: Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen (angegeben mit der Häufigkeitfür unerwünschte Ereignisse jeglicher Ursache)
Systemorgan- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichtklasse bekannt
Infektionen und Pilzinfektionparasitäre
Pustulöser
Erkrankungen
Ausschlag
Erkrankungen des Anämie Thrombozytopenie
Blutes und des
Hämoglobin erhöht
Lymphsystems
Systemorgan- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichtklasse bekannt
Endokrine Hypothyreose Hyperthyreose
Erkrankungen
Struma1
Stoffwechsel- und Verminderter Anorexie
Ernährungsstörunge Appetitn
Psychiatrische Schlaflosigkeit
Erkrankungen
Erkrankungen des Kopfschmerz Periphere Transitorische Posteriores
Nervensystems Neuropathie2 ischämischer reversibles
Attacke Enzephalopathie
Schwindelgefühl
- Syndrom3 Gedächtnis-
Dysgeusie (PRES)5störungen4
Augenerkrankungen Sehbehinderung6 Verstärkte
Tränensekretion
Erkrankungen des Vertigo Ohrverstopfung
Ohrs und des Tinnitus
Labyrinths
Herzerkrankungen Myokardinfarkt Lungenödem(akut)/Ischämie7
Koronararterien-
Angina pectoris insuffizienz
Tachykardie8 QT-Verlängerungim EKG
Gefäßerkrankungen Hypertonie Hämorrhagie9 Aneurysmenund
Arterielle10 Arteriendissek
Thromboembolietionen
Venösethromboembolische
Ereignisse11
Anhaltende schwere
Hypertonie12
Hitzegefühl13
Erkrankungen der Dyspnoe14 Epistaxis
Atemwege, des
Dysphonie Rhinorrhö
Brustraums und
Mediastinums Husten Nasenverstopfung
Systemorgan- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichtklasse bekannt
Erkrankungen des Bauchschmerze Pankreatitis17 Ulkus duodeni
Gastrointestinaltrakt n15
Dysphagie18s
Übelkeit
ErbrechenDiarrhöGastroösophageale
Stomatitis16 Refluxerkrankung
Aufgetriebener
Bauch
Glossitis19
Gingivitis20
Dyspepsie
ObstipationMundtrockenheit
Flatulenz
Leber- und ALT erhöht/AST
Gallenerkrankungen erhöht21
Gamma-Glutamyltransferase erhöht
Alkalische
Phosphatase im
Blut erhöht
Erkrankungen der Palmar-plantares Exfoliation der Haut Urtikaria
Haut und des Erythrodysästhe
Erythem22 Dermatitis26
Unterhautzellgeweb sie-Syndrom/Haes nd-Fuß-Syndro Pruritus23 Hyperhidrosism (PPE/HFS)
Alopezie Xeroderma
Ausschlag24
Akne25
Trockene Haut
Skelettmuskulatur-, Rückenschmerz Arthralgie Muskelschwäche
Bindegewebs- und en
Myalgie
Knochenerkrankungen Brustkorbschmerzendie Skelettmuskulaturbetreffend
Erkrankungen der Proteinurie
Nieren und
Kreatinin im Blut
Harnwegeerhöht
Allgemeine Schmerz27 Brustkorbschmerz28 Schleimhaut-
Erkrankungen und entzündung
Asthenie Schüttelfrost29
Beschwerden am
Verabreichungsort Ermüdung Fieber
Peripheres ÖdemSystemorgan- Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Nichtklasse bekannt
Untersuchungen Gewichtsabnah Amylase erhöhtme
Lipase erhöht
Thyreotropin im Bluterhöht
Nebenwirkungen aus klinischen Studien werden mit der Häufigkeit für unerwünschte Ereignisse jeglicher Ursacheangegeben.
Folgende Bezeichnungen wurden zusammengefasst:
1 Struma umfasst Struma und toxisches noduläres Struma.
2 Periphere Neuropathie umfasst Hyperästhesie, Hypoästhesie, Mononeuropathie, periphere Neuropathie, peripheresensorische Neuropathie und Parästhesie.
3 Dysgeusie umfasst Ageusie, Dysgeusie und Hypogeusie.
4 Gedächtnisstörungen umfasst Amnesie und Gedächtnisstörung.
5 PRES wurde nicht bei Patienten beobachtet, die in den fünf NZK-Monotherapiestudien mit Tivozamib behandeltwurden. Bei einem Patienten der Studie AV-951-09-901 traten PRES vom Grad 4 und Hypertonie auf.
6 Sehbehinderung umfasst Verminderung der Sehschärfe, verschwommenes Sehen, und Sehbehinderung7 Myokardinfarkt (akut)/Ischämie umfasst akuten Myokardinfarkt, Ischämie und Myokardinfarkt.
8 Tachykardie umfasst Sinustachykardie, supraventrikuläre Tachykardie, Tachykardie und paroxysmale Tachykardie.
9 Hämorrhagie umfasst Nebennierenblutung, Analblutung, Blutung der Zervix uteri, Ulkus duodeni mit Blutung,
Zahnfleischbluten, Hämatemesis, Hämoptoe, Blutungsanämie, hämorrhagische erosive Gastritis, hämorrhagischer
Schlaganfall, Mundblutung, Lungenblutung und Blutung der Atemwege.
10 Arterielle Thromboembolie umfasst akuten Myokardinfarkt, arterielle Thrombose, Thrombose der Arteria iliaca,ischämischer Insult, Myokardinfarkt und transitorische ischämische Attacke.
11 Venöse Thromboembolie umfasst tiefe Venenthrombose, venöse Embolie and Lungenembolie.
12 Anhaltende schwere Hypertonie umfasst hypertensive Krise.
13 Hitzegefühl umfasst Hitzegefühl und Hitzewallungen.
14 Dyspnoe umfasst Dyspnoe und Belastungsdyspnoe.
15 Bauchschmerzen umfasst abdominale Beschwerden, Bauchschmerzen, Schmerzen im Oberbauch und Unterbauchund abdominale Abwehrspannung.
16 Stomatitis umfasst orale Beschwerden, Erkrankung des Mundraumes und Stomatitis.
17 Pankreatitis umfasst Pankreatitis und akute Pankreatitis.
18 Dysphagie umfasst Dysphagie, schmerzhaftes Schlucken und Schmerzen im Oropharynx.
19 Glossitis umfasst Glossitis und Glossodynie.
20 Gingivitis umfasst Zahnfleischbluten, Zahnfleischerkrankung, Zahnfleischschmerz und Gingivitis.
21 Alanin-Aminotransferase (ALT) erhöht/Aspartat-Aminotransferase (AST) erhöht umfasst ALT erhöht und ASTerhöht.
22 Erythem umfasst Erythem, generalisiertes Erythem und Palmarerythem.
23 Pruritus umfasst generalisierter Pruritus und Pruritus.
24 Ausschlag umfasst Ausschlag, erythematöser Ausschlag, generalisierter Ausschlag, makulo-papulöser Ausschlag,papulöser Ausschlag und juckender Ausschlag.
25 Akne umfasst Akne und akneiforme Dermatitis.
26 Dermatitis umfasst Dermatitis und bullöse Dermatitis.
27 Schmerz umfasst Knochenschmerzen, Krebsschmerzen, Flankenschmerz, Leistenschmerz, Mundschmerz, Schmerz,
Schmerz in einer Extremität und Tumorschmerz.
28 Brustkorbschmerz umfasst Brustkorbschmerz und Thoraxschmerz nicht kardialen Ursprungs.
29 Schüttelfrost umfasst Schüttelfrost und Hypothermie.
Beschreibung ausgewählter NebenwirkungenHypertonieBei 47,6 % der Patienten, die Tivozanib als Ersttherapie erhielten, wurde Hypertonie als
Nebenwirkung gemeldet, bei 23,0 % war die Hypertonie vom CTC Grad > 3. Anhaltende schwere
Hypertonie ('hypertensive Krise“) trat als Nebenwirkung bei 1,0 % auf, mit CTC Grad 3 oder höherbei 0,9 %. Ein Patient verstarb infolge einer unkontrollierten Hypertonie mit Verdacht auf Überdosis.
Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES)Ein PRES (auch bekannt als reversibles posteriores Leukenzephalopathie-Syndrom (RPLS)) wurde beieinem Patienten ohne NZK nach etwa 8 Wochen unter Tivozanib bestätigt. Das PRES ist eineneurologische Erkrankung, die sich mit Kopfschmerz, Anfällen, Lethargie, Verwirrung, Blindheit undanderen visuellen und neurologischen Störungen äußert. Es kann auch leichte bis schwere Hypertonieauftreten (siehe Abschnitt 4.4).
Venöse thromboembolische EreignisseBei 0,7 % der Patienten, die Tivozanib im Rahmen der fünf relevanten NZK-Monotherapiestudien als
Ersttherapie erhielten, wurde eine Lungenembolie gemeldet, die mehrheitlich vom CTC Grad ≥ 3 war(siehe Abschnitt 4.4). Eine tiefe Venenthrombose wurde bei zwei Patienten (0,3 %) unter Tivozanibals Ersttherapie gemeldet, wobei sie bei einem Patienten (0,1 %) vom CTC Grad ≥ 3 war.
Arterielle thromboembolische EreignisseAls arterielle thromboembolische Nebenwirkungen bei Patienten, die Tivozanib als Ersttherapieerhielten, traten ischämischer Insult (1,0 %), Myokardinfarkt (0,7 %), transitorische ischämische
Attacke (0,7 %) und akuter Myokardinfarkt (0,4 %) auf, die mehrheitlich mindestens vom CTC Grad 3waren, plus Thrombose der Arteria iliaca (0,1 %). Unter den Patienten, die Tivozanib als Ersttherapieerhielten, gab es keine Todesfälle aufgrund von arteriellen thromboembolischen Nebenwirkungen,aber ein Patient, der Tivozanib als Zweitlinientherapie erhielt, erlitt einen Myokardinfarkt mittödlichem Ausgang.
HerzinsuffizienzBei zwei Patienten (0,3 %), die Tivozanib als Ersttherapie im Rahmen der fünf relevanten
NZK-Monotherapiestudien erhielten, wurde ein Lungenödem gemeldet. Beide Ereignisse waren vom
CTC Grad 3 (siehe Abschnitt 4.4).
Verlängerung des QT/QTc-Intervalls
Eine Verlängerung des QT-Intervalls wurde bei zwei Patienten (CTC Grad 2 bzw. Grad 3) in der
Tivozanib-Studie zur kardialen Sicherheit beobachtet; keines der Ereignisse wurde als schwerwiegendeingestuft (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
HypothyreoseBei 5,6 % der Patienten unter Ersttherapie wurde Hypothyreose als Nebenwirkung gemeldet, wobeialle Fälle vom CTC Grad 2 oder niedriger waren. Bei einem Patienten wurde es als schwerwiegendes
Ereignis gemeldet.
HämorrhagieIn den relevanten Monotherapiestudien wurde unter Ersttherapie über blutungsbedingte
Nebenwirkungen berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung das in
Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Während der Monotherapiestudien nahmen zwei Patienten eine Überdosis Tivozanib ein. Bei einem
Patienten mit Hypertonie in der Anamnese kam es nach Einnahme von 3 Dosen Tivozanib à1.340 Mikrogramm an einem Tag (insgesamt 4.020 Mikrogramm) zu einem schweren,unkontrollierten Blutdruckanstieg mit Todesfolge. Bei dem zweiten Patienten, der 2 Dosen Tivozanibà 1.340 Mikrogramm an einem Tag (insgesamt 2.680 Mikrogramm) eingenommen hatte, traten keine
Nebenwirkungen auf.
Vor Beginn der Tivozanib-Therapie sollte der Blutdruck gut unter Kontrolle sein, und die Patientensollten während der Behandlung auf Bluthochdruck überwacht werden (siehe Abschnitt 4.4).
Bei Verdacht auf Überdosierung muss die Einnahme von Tivozanib abgebrochen werden. Der Patientist auf Hypertonie zu überwachen und nach Bedarf mit einer Standardtherapie gegen Bluthochdruck zubehandeln.
Gegen eine Überdosis Tivozanib gibt es weder eine spezielle Therapie noch ein Gegenmittel.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Proteinkinase-Inhibitoren, ATC-Code:
L01EK03
WirkmechanismusTivozanib ist ein potenter und selektiver Inhibitor aller drei vaskulären endothelialen
Wachstumsfaktorrezeptoren (VEGFR) und hemmt nachweislich in vitro verschiedene
VEGF-induzierte biochemische und biologische Reaktionen, einschließlich die durch VEGF-Ligandeninduzierte Phosphorylierung der drei VEGFR 1, 2 und 3, sowie die Proliferation humaner
Endothelzellen. Die nächste von der Tivozanib-Inhibition am stärksten betroffene Kinase ist c-KIT,die aber um das 8-Fache weniger sensitiv darauf reagiert als VEGFR 1, 2 und 3. VEGF ist ein potentermitogener Faktor, der in der Angiogenese und Gefäßpermeabilität von Tumorgewebe eine zentrale
Rolle spielt. Durch Inhibition von VEGF-induzierter VEGFR-Aktivierung hemmt Tivozanib die
Angiogenese und Gefäßpermeabilität in Tumorgewebe, was das Tumorwachstum in vivo verlangsamt.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitDie Wirksamkeit von Tivozanib bei der Behandlung des fortgeschrittenen NZK wurde in derfolgenden randomisierten klinischen Studie geprüft.
Studie AV-951-09-301
Dies war eine kontrollierte, multizentrische, internationale, offene, randomisierte klinische Studie der
Phase 3, in der Tivozanib mit Sorafenib bei Patienten mit fortgeschrittenem NZK verglichen wurde.
517 Patienten mit rezidiviertem oder metastasiertem NZK mit Klarzellkomponente wurden1:1 randomisiert und bekamen entweder 1.340 Mikrogramm Tivozanib einmal täglich über 3 Wochengefolgt von einer Tivozanib-freien Woche (3/1-Regime) oder 400 mg Sorafenib zweimal täglich. Alle
Studienteilnehmer hatten sich bereits einer Nephrektomie unterzogen und hatten entweder bisher keineoder nicht mehr als eine systemische Therapie (Immuntherapie/Chemotherapie) nach Auftreten der
Metastasen erhalten. Eine vorangegangene Behandlung mit VEGF oder eine mTOR-Therapie(mechanistisches Target of Rapamycin) waren nicht zulässig. Laut Studienplan einer separaten
Erweiterungsstudie war ein Wechsel zur Tivozanib-Gruppe gestattet, wenn unter Sorafenib eine
Progression gemäß RECIST-Definition (Response Evaluation Criteria In Solid Tumours) auftrat.
Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (progression free survival,
PFS) gemäß verblindeter, unabhängiger, radiologischer Prüfung. Die wichtigsten sekundären
Endpunkte umfassten das Gesamtüberleben (overall survival, OS) und die objektive Responserate(ORR) gemäß unabhängiger radiologischer Prüfung.
Die Intent-to-Treat-Population (ITT-Population) umfasste 517 Patienten, von denen 260 in die
Tivozanib-Gruppe und 257 in die Sorafenib-Gruppe randomisiert wurden. Die demografischen
Eigenschaften und Krankheitscharakteristika zu Studienbeginn waren generell über die Tivozanib- unddie Sorafenib-Gruppe hinweg gut ausgewogen: Alter (Durchschnittsalter 58,2 Jahre bzw. 58,4 Jahre),
Geschlecht (71,2 % bzw. 73,5 % Männer), ethnische Zugehörigkeit (95,8 % bzw. 96,9 % Weiße),geografische Region (88,1 % bzw. 88,7 % aus Zentral- oder Osteuropa) und vorangegangene
Behandlung des metastasierten NZK (69,6 % bzw. 70,8 % nicht vorbehandelte Patienten). Die rund30 % der vorbehandelten Patienten hatten vor allem Interferon alpha als Monotherapie erhalten(75 Patienten in der Tivozanib-Gruppe und 62 Patienten in der Sorafenib-Gruppe.
Bei der unabhängigen radiologischen Prüfung zeigte Tivozanib eine statistisch signifikante
Verbesserung des PFS und der ORR gegenüber Sorafenib (Tabelle 2 und Abb. 1).
Abb. 1: Kaplan-Meier-Schätzer des progressionsfreien Überlebens gemäß unabhängigerradiologischer Prüfung (ITT-Population)
Tabelle 2: Wirksamkeitsanalyse gemäß unabhängiger radiologischer Prüfung(ITT-Population)
Tivozanib Sorafenib Hazard Ratio p-Wert(95%-KI) (Log-Rangtest)
Progressionsfreies n = 260 11,9 n = 257 9,1 0,797 0,042b
Überleben [Median, (9,3, 14,7) (7,3, 9,5) (0,639, 0,993)a
Monate (95%-KI)],
ITT-Population
Objektive Responserate n = 260 33,1% n = 257 23,3% 0,014c(95%-KI), ITT-Population (27,4, 39,2) (18,3, 29,0)
Progressionsfreies n = 181 12,7 n = 181 9,1 0,756 0,037e
Überleben, Subgruppe (9,1, 15,0) (7,3, 10,8) (0,580, 0,985)dohne Vorbehandlung desmetastasierten NZK[Median, Monate(95%-KI)]
Progressionsfreies n = 78 11,9 n = 76 9,1 0,877 0,520e
Überleben, Subgruppe mit (8,0, 16,6) (7,2, 11,1) (0,587, 1,309)dnur einer Vorbehandlungdes metastasierten NZK[Median, Monate(95%-KI)]a Hazard Ratio für Tivozanib-Gruppe vs. Sorafenib-Gruppe, basierend auf stratifiziertem proportionalem Hazard-Modell nach
Cox. Stratifizierungsfaktoren sind die Anzahl der vorangegangenen Behandlungen (0 oder 1) und die Anzahl der
Metastasenregionen/betroffenen Organe (1 oder ≥2). Ausgehend von dem proportionalen Hazard-Modell steht eine Hazard
Ratio unter 1 für eine Reduzierung der Hazard-Quote zugunsten von Tivozanib.b p-Wert basierend auf stratifiziertem Log-Rangtest. Stratifizierungsfaktoren sind die Anzahl der vorangegangenen
Behandlungen (0 oder 1) und die Anzahl der Metastasenregionen/betroffenen Organe (1 oder ≥2).c p-Wert basierend auf stratifizierter Cochran-Mantel-Haenszel-Statistik (CMH). Stratifizierungsfaktoren sind die Anzahl dervorangegangenen Behandlungen (0 oder 1) und die Anzahl der Metastasenregionen/betroffenen Organe (1 oder ≥2).d Hazard Ratio in der Tivozanib-Gruppe vs. Sorafenib-Gruppe für die Subgruppen-Analysen, basierend auf nichtstratifiziertem proportionalem Hazard-Modell nach Cox. Ausgehend von dem proportionalen Hazard-Modell steht eine
Hazard Ratio unter 1 für eine Reduzierung der Hazard-Quote zugunsten von Tivozanib.e p-Wert für Subgruppen-Analysen basierend auf nicht stratifiziertem Log-Rangtest.
Das OS war der wichtigste sekundäre Endpunkt in der zulassungsrelevanten Studie. Die Analyseumfasste Daten von allen randomisierten Patienten, einschließlich der Patienten, bei denen eine
Krankheitsprogression unter Sorafenib auftrat und die im Rahmen der Erweiterungsstudie zu
Tivozanib wechselten. In der ITT-Population gab es in Bezug auf das Gesamtüberleben eine kleinenumerische Differenz zwischen den beiden Gruppen. Das mediane OS in der Tivozanib-Gruppe lagbei 28,2 Monaten (95%-KI 22,5, 33,0) im Vergleich zu 30,8 Monaten (95%-KI 28,4, 33,3) in der
Sorafenib-Gruppe (HR = 1,147, p = 0,276).
Ältere PatientenIn einer kontrollierten klinischen Studie (AV-951-09-301), in der 25 % der Patienten unter Tivozanib≥ 65 Jahre alt waren, wurden keine generellen Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen älteren undjüngeren Patienten beobachtet (siehe Abschnitt 4.2).
In den relevanten NZK-Studien traten einige Nebenwirkungen häufiger bei älteren Patienten auf (siehe
Abschnitt 4.4).
Pharmakodynamische WirkungenIn einer Studie zur kardialen Sicherheit an 50 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren, die21 Tage lang mit 1.340 Mikrogramm Tivozanib täglich behandelt wurden, betrug die mittlere
Änderung des QTcF gegenüber Studienbeginn 6,8 ms an Tag 21. Die maximale Änderung des QTcFgegenüber Studienbeginn betrug 9,3 ms (90%-KI: 5, 13,6), was 2,5 Stunden nach der Einnahme an
Tag 21 auftrat. Die zentrale tendenzielle Änderung für alle gemessenen Tage und über alle Zeitpunktehinweg betrug 2,2 ms. Keiner der Teilnehmer wies eine neue Änderung des QTcF > 500 ms;2 Patienten (4 %) hatten QTcF-Werte von > 480 ms. Bei einem Teilnehmer (2 %) trat eine Änderungdes QTcF von > 60 ms gegenüber Studienbeginn auf und bei 6 Teilnehmern (12 %) trat eine Änderungdes QTcF zwischen 30 ms und 60 ms gegenüber Studienbeginn auf (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Tivozanib eine Freistellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen für die Behandlung desfortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionNach der Einnahme von Tivozanib wird der Höchstspiegel im Serum nach etwa 2 bis 24 Stundenerreicht. Nach einer Einzeldosis von 1.340 Mikrogramm Tivozanib in Studien mit gesunden
Probanden und mit Patienten betrug der mittlere Cmax 10,2 bis 25,2 ng/ml. Die AUC0-inf nach einer
Einzeldosis von 1.340 Mikrogramm Tivozanib bei gesunden Probanden lag zwischen 1.950 und2.491 ng.hr/ml. Nachdem NZK-Patienten 1.340 Mikrogramm Tivozanib über 21 bzw. 28 Tageeingenommen hatten, lagen der Cmax bei 67,5 bis 94,3 ng/ml und die AUC0-24 bei 1.180 bis1.641 ng.hr/ml. Die Exposition ist zwischen 890 und 1.340 Mikrogramm dosisproportional und überden weiteren Bereich von 450 Mikrogramm und 1.790 Mikrogramm dosisabhängig. Die Kumulationbei Steady-State beträgt etwa das 6- bis 7-Fache der nach einer Einzeldosis beobachteten
Konzentrationen. Die Clearance ist bei Einmal- und Mehrfachdosen ähnlich, sodass keinezeitabhängigen Änderungen in der PK zu erwarten sind.
Bei der Evaluierung von Tivozanib in einer Studie mit gesunden Probanden zur Untersuchung des
Einflusses von Nahrungsmitteln senkte eine fettreiche Mahlzeit die Höchstkonzentration im Serum(Cmax) um 23,4 % im Vergleich zur nüchternen Einnahme. Auf die generelle Exposition (AUC) hattedie Nahrung keinen Einfluss. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse kann Tivozanib mit oder ohne
Nahrung eingenommen werden (siehe Abschnitt 4.2).
VerteilungIn-vitro-Studien zur Proteinbindung haben gezeigt, dass Tivozanib zu > 99 % an Plasmaproteinebindet. Bei Tivozanib-Mengen von 0,1 bis 5 µmol/l wurde keine konzentrationsabhängige
Plasmaproteinbindung beobachtet. Albumin ist die Hauptbindungskomponente für Tivozanib imhumanen Plasma. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Tivozanib weder ein Substrat noch ein Inhibitorder Multidrug-Efflux-Pumpe P-Glycoprotein ist. In-vitro-Studien weisen darauf hin, dass Tivozanibein Inhibitor des BCRP im Darm ist.
BiotransformationIn-vitro-Stoffwechselstudien haben gezeigt, dass CYP3A4 und CYP1A1 Tivozanib metabolisierenkönnen. Tivozanib zirkuliert hauptsächlich als unverändertes Molekül durch den Körper. Nach einer
Exposition, die mindestens 10 % der gesamten radioaktiven Exposition betrug, wurden keinewichtigen Metaboliten im Serum entdeckt. Da CYP1A1 hauptsächlich von extrahepatischem Gewebewie Lunge und Darm exprimiert wird, wurde es als unwahrscheinlich erachtet, dass diese Isoformmaßgeblich am Leberstoffwechsel beteiligt ist.
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass die Metaboliten von Tivozanib eine durch UGT mediierte
Biotransformation über die Signalwege UGT1A1, UGT1A3, UGT1A7, UGT1A8, UGT1A9 und
UGT1A10 durchlaufen können. Die direkte N-Glucoronidierung von Tivozanib war in vitro einweniger wichtiger Signalweg für den Stoffwechsel.
EliminationNachdem NZK-Patienten über 21 Tage kontinuierlich Tivozanib eingenommen haben, gefolgt von7 Tagen ohne Tivozanib-Einnahme, liegt der Cmin von Tivozanib bei etwa 16,0 bis 30,9 ng/ml.
In Studien, in denen die terminale Eliminationsphase untersucht wurde, hatte Tivozanib eine mittleret½ von 4,5 - 5,1 Tagen. Nach einer oralen Einzeldosis von [14C] Tivozanib finden sich etwa 79 % der
Radioaktivität in den Fäzes wieder und etwa 12 % als Metaboliten im Urin. Im Urin wurde keinunverändertes Tivozanib gefunden, was darauf hindeutet, dass Tivozanib nicht über die Niereausgeschieden wird. [14C] Tivozanib war das vorrangige wirkstoffbezogene Material in den Fäzes. Esgab keine [14C]-haltigen Metaboliten in den Fäzes, die mehr als 10 % der Dosis ausmachten.
Spezielle PatientengruppenAlter, Geschlecht und ethnische ZugehörigkeitBasierend auf der populations-pharmakokinetischen Analyse gibt es keine klinisch relevante
Auswirkung von Alter, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit auf die Pharmakokinetik von
Tivozanib.
LeberfunktionsstörungDie Ergebnisse einer Einzeldosisstudie zur Untersuchung der Pharmakokinetik, Sicherheit und
Verträglichkeit von Tivozanib bei Patienten mit Leberfunktionsstörung zeigen, dass Tivozanib überden gesamten Messzeitraum bei Patienten mit mittelschwerer (Child-Pugh-Klasse B) bis schwerer(Child-Pugh-Klasse C) Leberfunktionsstörung langsamer eliminiert wurde. Eine erhöhte
Tivozanib-Exposition war bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (4,0-fache mittlere
AUC0-∞) und bei Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung (2,6-fache mittlere AUC0-∞) zubeobachten. Bei Patienten mit leichter (Child-Pugh-Klasse A) Leberfunktionsstörung (1,2-fachemittlere AUC0-∞) zeigte sich kein signifikanter Anstieg der Exposition. Tivozanib sollte bei Patientenmit mittelschwerer Leberfunktionsstörung mit Vorsicht eingesetzt werden. Die Dosis sollte auf eine1.340 Mikrogramm-Kapsel alle zwei Tage reduziert werden. Tivozanib sollte bei Patienten mitschwerer Leberfunktionsstörung nicht eingesetzt werden (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
NierenfunktionsstörungEs wurden klinische Studien mit Tivozanib bei NZK-Patienten durchgeführt, deren
Kreatininkonzentration im Serum ≤ 2 x ULN (upper limit of normal) betrug. Es wurden auch Patientenmit vorangegangener Nephrektomie eingeschlossen. Zwar ist der Einfluss einer weiteren
Einschränkung der Nierenfunktion auf die Gesamtdisposition von Tivozanib nicht bekannt, aber ineiner klinischen Studie wurde kein unverändertes Tivozanib im Urin gefunden, was darauf hindeutet,dass Tivozanib nicht über die Niere ausgeschieden wird. Laut der populations-pharmakokinetischen
Analyse der Tivozanib-Exposition ist bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer
Nierenfunktionsstörung keine Dosisanpassung erforderlich. Es gibt nur wenig Erfahrungen mit dem
Einsatz von Tivozanib bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung, sodass hier Vorsichtgeboten ist.
In-vitro-Studien zu CYP und UGT
In-vitro-Studien mit Tivozanib weisen darauf hin, dass es kein CYP-Enzyminduktor ist.
In-vitro-Studien an humanen Lebermikrosomen und Hepatozyten zur Evaluierung der Aktivität von
CYP1A2, CYP2B6, CYP2A6, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A4 lassen daraufschließen, dass Tivozanib ein schwacher Inhibitor von CYP2B6 und CYP2C8 ist. Basierend auf IC50in vitro und ungebundenem Cmax in vivo ist es unwahrscheinlich, dass Tivozanib in klinisch relevanter
Weise mit Wirkstoffen interagiert, die über diese Enzym-Signalwege metabolisiert werden.
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Tivozanib kein potenter Inhibitor der Stoffwechselaktivitäten von
UGT (UDP-Glucuronosyltransferase) ist. Somit ist es unwahrscheinlich, dass klinisch relevante
Arzneimittelwechselwirkungen mit Arzneimitteln auftreten, die über diese Signalwege metabolisiertwerden.
In-vitro-Studien zu Transportern
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Tivozanib weder ein Substrat noch ein Inhibitor der
Transportproteine MDR1 (P-gp), OCT1, OATP1B1, OATP1B3 und BSEP. Außerdem war Tivozanibin vitro kein Inhibitor von OAT1, OAT3, OCT2, MATE1 und MATE2-K und kein Substrat von
MRP2 und BCRP.
Tivozanib hemmt das Transporterprotein BCRP in vitro bei Konzentrationen, die wahrscheinlichin vivo den Effekt auf die BCRP-Aktvität im Darm begrenzen.
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Folgende Nebenwirkungen traten nicht in klinischen Studien auf, wurden aber in Tierversuchen beieinem Expositionsgrad beobachtet, der dem klinischen Expositionsgrad ähnelt. Dies kann einemögliche Relevanz für die klinische Anwendung haben.
In Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe an Ratten zeigten sich Wachstumsanomalien der
Schneidezähne (dünne, brüchige Zähne, Zahnausfall, Fehlbiss) bei Dosen, die etwa um das 2-Fachehöher als die berechnete äquivalente Dosis beim Menschen waren, und Hypertrophie der
Epiphysenfuge bei Dosen, die etwa um das 0,7- bis 7-Fache höher als die berechnete äquivalente
Dosis beim Menschen waren. Bei Dosen, die zu einer vergleichbaren Exposition führten wie dieempfohlene klinische Dosis, rief Tivozanib bei Cynomolgusaffen eine Hypertrophie der
Epiphysenfuge sowie das Fehlen von aktiven Gelbkörpern und reifenden Ovarialfollikeln hervor.
Reproduktion, Mutagenese, Fertilitätsbeeinträchtigung
Tivozanib kann die menschliche Fertilität beeinträchtigen. In nicht klinischen Studien zur
Untersuchung von Paarungs- und Fertilitätsparametern bei männlichen Ratten erhöhten Dosen, diemehr als das 2-Fache der empfohlenen klinischen Dosis betrugen, das Gewicht der Nebenhoden undder Hoden, was mit Unfruchtbarkeit assoziiert ist. Ein erhöhtes Hodengewicht wurde bei einer Dosisbeobachtet, die um das 7-Fache höher war als die empfohlene klinische Dosis. Bei weiblichen Rattenwurde eine Zunahme nicht lebensfähiger Föten bei einer Dosis beobachtet, die um das 0,7-Fachehöher als die empfohlene klinische Dosis war. Dosen ab dem 2-Fachen der empfohlenen klinischen
Dosis führten zu Unfruchtbarkeit.
Bei Dosen, die 5 Mal niedriger als die empfohlene klinische Dosis waren (basierend auf einem
Menschen mit 60 kg Körpergewicht), erwies Tivozanib sich bei trächtigen Ratten als teratogen,embryotoxisch und fetotoxisch. Studien an trächtigen Kaninchen zeigten bei Dosen, die etwa dem0,6-Fachen der Exposition beim Menschen in der empfohlenen Dosis entsprachen, keinen Einfluss aufdie Gesundheit der Muttertiere oder auf die embryofetale Entwicklung.
KarzinogeneseEs wurden keine Karzinogenitätsstudien mit Tivozanib durchgeführt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln
KapselinhaltMannitol
Magnesiumstearat
KapselhülleGelatine
Titandioxid (E171)
Indigocarmin (E132)
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172)
Drucktinte (gelb)
Schellack
PropylenglycolKonzentrierte Ammoniak-Lösung
Titandioxid (E171)
Tartrazin-Aluminiumsalz (E102)
Drucktinte (blau)
Schellack
PropylenglycolKonzentrierte Ammoniak-Lösung
Indigocarmin-Aluminiumsalz (E132)
Fotivda 1.340 Mikrogramm Hartkapseln
KapselinhaltMannitol
Magnesiumstearat
KapselhülleGelatine
Titandioxid (E171)
Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172)
Drucktinte (blau)
Schellack
PropylenglycolKonzentrierte Ammoniak-Lösung
Indigocarmin-Aluminiumsalz (E132)
6.2 Inkompatibilitäten
6.3 Haltbarkeit
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Die Flasche dicht verschlossen halten, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Weiße HDPE-Flasche mit kindergesichertem Verschluss, die 21 Hartkapseln enthält.
Jede Packung enthält 1 Flasche.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Recordati Netherlands B.V.
Beechavenue 54,1119PW Schiphol-Rijk
Niederlande
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
Fotivda 890 Mikrogramm Hartkapseln
EU/1/17/1215/001
Fotivda 1.340 Mikrogramm Hartkapseln
EU/1/17/1215/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 24/08/2017
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 15/07/2022
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
{MM.JJJJ}
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.