Pharmakotherapeutische Gruppe: Urologika, Mittel bei häufiger Blasenentleerung und Harninkontinenz,
ATC-Code: G04BD12.
WirkmechanismusMirabegron ist ein starker und selektiver Beta-3-Adrenozeptoragonist. Mirabegron bewirkte bei Rattenund an isoliertem menschlichen Gewebe eine Entspannung der glatten Harnblasenmuskulatur, erhöhte
Konzentrationen an zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) im Harnblasengewebe der Ratte undzeigte eine harnblasenentspannende Wirkung in Harnblasen-Funktionsmodellen an der Ratte. Mirabegronerhöhte bei Ratten in Modellversuchen zur überaktiven Blase das mittlere Entleerungsvolumen je Miktionund verringerte die Häufigkeit von nicht zur Blasenentleerung führenden Blasenkontraktionen, ohne den
Entleerungsdruck oder das Restharnvolumen zu beeinflussen. In einem Affenmodell verringerte
Mirabegron die Miktionsfrequenz. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Mirabegron durch
Stimulation von Beta-3-Adrenozeptoren in der Harnblase die Harnspeicherfunktion verbessert.
In der Speicherphase, in der sich der Urin in der Harnblase sammelt, überwiegt die sympathische
Nervenstimulation. Die Nervenendigungen setzen Noradrenalin frei, das vorwiegend die
Betaadrenozeptoren in der Harnblasenmuskulatur aktiviert und dadurch den glatten Harnblasenmuskelentspannt. Dagegen wird die Harnblase in der Harnentleerungsphase vorwiegend vom parasympathischen
Nervensystem kontrolliert. Aus den pelvinen Nervenendigungen freigesetztes Acetylcholin stimuliertcholinerge M2- und M3-Rezeptoren und löst eine Harnblasenkontraktion aus. Die Aktivierung des M2-
Weges hemmt dabei auch die über Beta-3-Adrenozeptoren induzierte Zunahme von cAMP. Daher solltedie Beta-3-Adrenozeptor-Stimulation den Entleerungsprozess nicht stören. Dies wurde bei Ratten mitpartieller Harnröhrenobstruktion bestätigt, bei denen Mirabegron die Häufigkeit von nicht zur
Harnblasenentleerung führenden Kontraktionen verringerte, ohne dabei das Entleerungsvolumen je
Miktion, den Entleerungsdruck oder das Restharnvolumen zu beeinflussen.
Pharmakodynamische WirkungenUrodynamik
Bei Männern mit Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS, lower urinary tract symptoms) und
Blasenausgangsobstruktion (BOO, bladder outlet obstruction) hatte Betmiga in Dosen von 50 mg und100 mg einmal täglich über 12 Wochen keinen Einfluss auf zystometrische Parameter und erwies sich alssicher und gut verträglich. In dieser Urodynamik-Studie mit 200 männlichen Patienten mit LUTS und
BOO wurde der Einfluss von Mirabegron auf die maximale Flussrate und den Detrusordruck beimaximaler Flussrate untersucht. Die Anwendung von Mirabegron in Dosen von 50 mg und 100 mg einmaltäglich über 12 Wochen beeinflusste die maximale Flussrate und den Detrusordruck bei maximaler
Flussrate nicht nachteilig. In dieser Studie an männlichen Patienten mit LUTS/BOO betrug die adjustiertemittlere Änderung (Standardfehler) des Restharnvolumens nach der Miktion zwischen Studienbeginn(Ausgangswert) und Behandlungsende in der Placebogruppe 0,55 ml (10,702 ml), in der 50-mg-
Mirabegron-Gruppe 17,89 ml (10,190 ml) und in der 100-mg-Mirabegron-Gruppe 30,77 ml (10,598 ml).
Einfluss auf das QT-Intervall
Betmiga hatte in Dosen von 50 mg oder 100 mg keinen Einfluss auf das individuell für die Herzfrequenzkorrigierte QT-Intervall (QTcI-Intervall), weder in der Gesamtpopulation noch in Bezug auf das
Geschlecht.In einer TQT-Studie (thorough QT study, n=164 gesunde männliche und n=153 gesunde weibliche
Probanden mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren) wurde der Einfluss einer wiederholten oralen
Anwendung von Mirabegron in der indikationsgemäßen Dosis (50 mg einmal täglich) und zweisupratherapeutischen Dosen (100 und 200 mg einmal täglich) auf das QTcI-Intervall untersucht. Diesupratherapeutischen Dosen stellen eine etwa 2,6- bzw. 6,5-fache Exposition im Vergleich zurtherapeutischen Dosis dar. Als positive Kontrolle diente eine 400-mg-Moxifloxacin-Einzeldosis. Jede
Dosierung von Mirabegron und Moxifloxacin wurde in getrennten Behandlungsarmen jeweils mit
Placebokontrolle untersucht (paralleles Crossover-Design). Weder für Männer noch Frauen, die 50 bzw.100 mg Mirabegron erhalten hatten, überschritt die Obergrenze des einseitigen 95 %-Konfidenzintervallszu irgendeinem Zeitpunkt für die größte zeitangepasste mittlere Differenz zu Placebo in dem QTcI-
Intervall 10 msec. Bei Frauen betrug die mittlere Differenz des QTcI-Intervalls gegenüber Placebo5 Stunden nach der Anwendung von 50 mg Mirabegron 3,67 msec (Obergrenze des einseitigen 95 %-KI:5,72 msec) und bei Männern 2,89 msec (Obergrenze des einseitigen 95 %-KI: 4,90 msec). Unter
Mirabegron 200 mg überschritt das QTcI-Intervall bei Männern zu keinem Zeitpunkt 10 msec, währenddie Obergrenze des einseitigen 95 %-Konfidenzintervalls bei Frauen 0,5 bis 6 Stunden nach Anwendung10 msec überschritt. Dabei wurde die maximale Differenz gegenüber Placebo mit einem mittleren Effektvon 10,42 msec nach 5 Stunden erreicht (Obergrenze des einseitigen 95 %-KI: 13,44 msec). Die
Ergebnisse für QTcF und QTcIf gehen mit denen für QTcI konform.
In dieser TQT-Studie erhöhte Mirabegron die Herzfrequenz im EKG, abhängig von der Dosierung, überden gesamten untersuchten Dosierungsbereich von 50 bis 200 mg. Die maximale mittlere Differenz der
Herzfrequenz gegenüber Placebo reichte bei gesunden Probanden von 6,7 Schlägen pro Minute unter
Mirabegron 50 mg bis 17,3 Schläge pro Minute unter Mirabegron 200 mg.
Einfluss auf Herzfrequenz und Blutdruck bei erwachsenen Patienten mit OAB
Bei Patienten mit OAB (Durchschnittsalter: 59 Jahre), die in drei 12-wöchigen doppelblinden,placebokontrollierten Phase-III-Studien einmal täglich Betmiga 50 mg erhielten, wurde bei der
Herzfrequenz ein Anstieg der mittleren Differenz gegenüber Placebo von etwa 1 Schlag pro Minute undbeim systolischen/diastolischen Blutdruck (SBD/DBD) von etwa 1 mmHg oder weniger beobachtet. Die
Veränderungen von Herzfrequenz und Blutdruck waren nach Behandlungsende reversibel.
Einfluss auf den Blutdruck bei pädiatrischen Patienten mit NDO
Mirabegron kann bei pädiatrischen Patienten den Blutdruck erhöhen. Der Blutdruckanstieg kann bei
Kindern (im Alter von 3 bis unter 12 Jahren) höher ausfallen als bei Jugendlichen (im Alter von12 bis unter 18 Jahren). Der Blutdruck sollte vor Behandlungsbeginn und regelmäßig während der
Behandlung mit Mirabegron gemessen werden.
Einfluss auf den Augeninnendruck (IOP, intraocular pressure)100 mg Mirabegron einmal täglich erhöhte bei gesunden erwachsenen Probanden nach 56-tägiger
Behandlung den IOP nicht. In einer Phase-I-Studie, die bei 310 gesunden Probanden mittels Goldmann-
Applanationstonometrie den Einfluss von Mirabegron auf den IOP untersuchte, war 100 mg Betmiga im
Vergleich zu Placebo in Bezug auf den primären Endpunkt, die mittlere Veränderung vom Studienbeginnzum Tag 56, beim durchschnittlichen individuellen IOP nicht unterlegen. Die Obergrenze des zweiseitigen95 %-KI für die Differenz zwischen Mirabegron 100 mg und Placebo betrug 0,3 mmHg.
Klinische Wirksamkeit und SicherheitÜberaktive Blase bei erwachsenen Patienten
Die Wirksamkeit von Mirabegron wurde in drei 12-wöchigen, randomisierten, placebokontrollierten,doppelblinden Phase-III-Studien bei Patienten mit überaktiver Blase mit den Symptomen imperativer
Harndrang und hohe Miktionsfrequenz mit oder ohne Inkontinenz untersucht. Die Studien schlossenweibliche (72 %) und männliche (28 %) Patienten mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren (Spanne:18-95 Jahre) ein. Die Studienpopulation setzte sich zu etwa 48 % aus nicht mit Antimuskarinikavorbehandelten Patienten und zu etwa 52 % aus mit Antimuskarinika vorbehandelten Patientenzusammen. In einer Studie erhielten 495 Patienten eine aktive Kontrolltherapie (Tolterodin-
Retardformulierung).
Die co-primären Wirksamkeitsendpunkte waren (1) Änderung der mittleren Anzahl von
Inkontinenzepisoden je 24 Stunden zwischen Studienbeginn (Ausgangswert) und Behandlungsende und(2) Änderung der mittleren Anzahl von Miktionen je 24 Stunden zwischen Studienbeginn und
Behandlungsende (auf Grundlage von jeweils 3-tägigen Miktionstagebüchern). Mirabegron erzielte beibeiden co-primären Endpunkten und genauso bei sekundären Endpunkten statistisch signifikant größere
Verbesserungen im Vergleich mit Placebo (siehe Tabellen 3 und 4).
Tabelle 3: Co-primäre und ausgewählte sekundäre Wirksamkeitsendpunkte zum
Behandlungsende bei Erwachsenen in den gepoolten Studien
Gepoolte Studien(046, 047, 074)
Placebo Mirabegron
Parameter 50 mg
Mittlere Anzahl von Inkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I) (co-primär)n 878 862
Mittlerer Ausgangswert 2,73 2,71
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -1,10 -1,49
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- -0,40 (-0,58; -0,21)p-Wert -- < 0,001‡
Mittlere Anzahl von Miktionen je 24 Stunden (FAS) (co-primär)n 1 328 1 324
Mittlerer Ausgangswert 11,58 11,70
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -1,20 -1,75
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- -0,55 (-0,75; -0,36)p-Wert -- < 0,001‡
Mittleres Entleerungsvolumen (ml) je Miktion (FAS) (sekundär)n 1 328 1 322
Mittlerer Ausgangswert 159,2 159,0
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* 9,4 21,4
Gepoolte Studien(046, 047, 074)
Placebo Mirabegron
Parameter 50 mg
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- 11,9 (8,3; 15,5)p-Wert -- < 0,001‡
Mittlerer Grad von imperativem Harndrang (FAS) (sekundär)n 1 325 1 323
Mittlerer Ausgangswert 2,39 2,42
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,15 -0,26
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- -0,11 (-0,16; -0,07)p-Wert -- < 0,001‡
Mittlere Anzahl von Dranginkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I) (sekundär)n 858 834
Mittlerer Ausgangswert 2,42 2,42
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,98 -1,38
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- -0,40 (-0,57; -0,23)p-Wert -- < 0,001‡
Mittlere Anzahl von Episoden mit imperativem Harndrang vom Grad 3 oder 4 je 24 Stunden(FAS) (sekundär)n 1 324 1 320
Mittlerer Ausgangswert 5,61 5,80
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -1,29 -1,93
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- -0,64 (-0,89; -0,39)p-Wert -- < 0,001‡
Zufriedenheit mit der Behandlung - visuelle Analogskala (FAS) (sekundär)n 1 195 1 189
Mittlerer Ausgangswert 4,87 4,82
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* 1,25 2,01
Mittlere Differenz zu Placebo* (95 %-KI) -- 0,76 (0,52; 1,01)p-Wert -- < 0,001†
Gepoolt wurden die Studien 046 (Europa/Australien), 047 (Nordamerika [NA]) und 074 (Europa/NA).
* Kleinste-Quadrate-Mittelwert, adjustiert für Ausgangswert, Geschlecht und Studie.† Placebo auf einem Signifikanzniveau von 0,05 statistisch signifikant überlegen, ohne Anpassung für
Multiplizität.‡ Placebo auf einem Signifikanzniveau von 0,05 statistisch signifikant überlegen, mit Anpassung für
Multiplizität.
FAS: Full Analysis Set; alle randomisierten Patienten, die mindestens 1 Dosis der doppelblindverabreichten Prüfsubstanz erhalten haben und für die eine Miktionsmessung im Tagebuch zu
Studienbeginn sowie mindestens 1 Miktionsmessung in einem späteren Tagebuch vorliegen.
FAS-I: Untergruppe von Patienten des FAS, die außerdem mindestens 1 Inkontinenzepisode im Tagebuchzu Studienbeginn aufweisen.
KI: Konfidenzintervall.
Tabelle 4: Co-primäre und ausgewählte sekundäre Wirksamkeitsendpunkte zum
Behandlungsende bei Erwachsenen in Studie 046, 047 und 074
Studie 046 Studie 047 Studie 074
Parameter Placebo Mirabegron Tolterodin
Retard Placebo Mirabegron Placebo Mirabegron50 mg 4 mg 50 mg 50 mg
Mittlere Anzahl von Inkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I) (co-primär)n 291 293 300 325 312 262 257
Mittlerer
Ausgangs- 2,67 2,83 2,63 3,03 2,77 2,43 2,51wert
Mittlere
Änderunggegenüber -1,17 -1,57 -1,27 -1,13 -1,47 -0,96 -1,38
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- -0,41 -0,10 -- -0,34 -- -0,42
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (-0,72; (-0,42; 0,21) -- (-0,66;
- 0,09) -0,03) -- (-0,76;intervall -0,08)p-Wert -- 0,003‡ 0,11 -- 0,026‡ -- 0,001‡
Mittlere Anzahl von Miktionen je 24 Stunden (FAS) (co-primär)
N 480 473 475 433 425 415 426
Mittlerer
Ausgangs- 11,71 11,65 11,55 11,51 11,80 11,48 11,66wert
Mittlere
Änderunggegenüber -1,34 -1,93 -1,59 -1,05 -1,66 -1,18 -1,60
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- -0,60 -0,25 -- -0,61 -- -0,42
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (-0,90;
- 0,29) (-0,55; 0,06) -- (-0,98; (-0,76;intervall -0,24) -- -0,08)p-Wert -- <0,001‡ 0,11 -- 0,001‡ -- 0,015‡
Mittleres Entleerungsvolumen (ml) je Miktion (FAS) (sekundär)
N 480 472 475 433 424 415 426
Mittlerer
Ausgangs- 156,7 161,1 158,6 157,5 156,3 164,0 159,3wert
Mittlere
Änderunggegenüber 12,3 24,2 25,0 7,0 18,2 8,3 20,7
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- 11,9 12,6 -- 11,1 -- 12,4
Placebo*95 %- -- (6,3; 17,4) (7,1; 18,2) -- (4,4; 17,9) -- (6,3; 18,6)
Konfidenz-intervallp-Wert -- < 0,001‡ < 0,001† -- 0,001‡ -- < 0,001‡
Mittlerer Grad von imperativem Harndrang (FAS) (sekundär)
N 480 472 473 432 425 413 426
Mittlerer
Ausgangs- 2,37 2,40 2,41 2,45 2,45 2,36 2,41wert
Mittlere
Änderunggegenüber -0,22 -0,31 -0,29 -0,08 -0,19 -0,15 -0,29
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- -0,09 -0,07 -- -0,11 -- -0,14
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (-0,17;
- 0,02) (-0,15; 0,01) -- (-0,18; (-0,22;intervall -0,04) -- -0,06)p-Wert -- 0,018† 0,085 -- 0,004† -- < 0,001§
Mittlere Anzahl von Dranginkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I) (sekundär)
N 283 286 289 319 297 256 251
Mittlerer
Ausgangs- 2,43 2,52 2,37 2,56 2,42 2,24 2,33wert
Mittlere
Änderunggegenüber -1,11 -1,46 -1,18 -0,89 -1,32 -0,95 -1,33
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- -0,35 -0,07 -- -0,43 -- -0,39
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (-0,65;
- 0,05) (-0,38; 0,23) -- (-0,72; -- (-0,69;intervall -0,15) -0,08)p-Wert -- 0,003† 0,26 -- 0,005† -- 0,002§
Mittlere Anzahl von Episoden mit imperativem Harndrang vom Grad 3 oder 4 je 24 Stunden (FAS)(sekundär)
N 479 470 472 432 424 413 426
Mittlerer
Ausgangs- 5,78 5,72 5,79 5,61 5,90 5,42 5,80wert
Mittlere
Änderunggegenüber -1,65 -2,25 -2,07 -0,82 -1,57 -1,35 -1,94
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- -0,60 -0,42 -- -0,75 -- -0,59
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (-1,02; (-0,84; -- (-1,20; (-1,01;intervall -0,18) -0,00) -0,30) -- -0,16)p-Wert -- 0,005† 0,050† -- 0,001† -- 0,007§
Zufriedenheit mit der Behandlung - visuelle Analogskala (FAS) (sekundär)
N 428 414 425 390 387 377 388
Mittlerer
Ausgangs- 4,11 3,95 3,87 5,5 5,4 5,13 5,13wert
Mittlere
Änderunggegenüber 1,89 2,55 2,44 0,7 1,5 1,05 1,88
Ausgangs-wert*
Mittlere
Differenz zu -- 0,66 0,55 -- 0,8 -- 0,83
Placebo*95 %-
Konfidenz- -- (0,25; 1,07) (0,14; 0,95) -- (0,4; 1,3) -- (0,41; 1,25)intervallp-Wert -- 0,001† 0,008† -- < 0,001† -- < 0,001†
* Kleinste Quadrate-Mittelwert mit Adjustierung für Ausgangswert, Geschlecht und geographische
Region.† Placebo auf einem Signifikanzniveau von 0,05 statistisch signifikant überlegen, ohne Anpassung für
Multiplizität.‡ Placebo auf einem Signifikanzniveau von 0,05 statistisch signifikant überlegen, mit Anpassung für
Multiplizität.§ Placebo auf einem Signifikanzniveau von 0,05 nicht statistisch signifikant überlegen, mit Anpassung für
Multiplizität.
FAS: Full Analysis Set; alle randomisierten Patienten, die mindestens 1 Dosis der doppelblindverabreichten Prüfsubstanz erhalten haben und für die eine Miktionsmessung im Tagebuch zu
Studienbeginn sowie mindestens 1 Miktionsmessung in einem späteren Tagebuch vorliegen.
FAS-I: Untergruppe von Patienten des FAS, die außerdem mindestens 1 Inkontinenzepisode im Tagebuchzu Studienbeginn aufweisen.
Betmiga 50 mg einmal täglich war am ersten Messpunkt in Woche 4 wirksam und die Wirksamkeit bliebüber den Behandlungszeitraum von 12 Wochen erhalten. Eine randomisierte, aktiv kontrollierte
Langzeitstudie zeigte, dass die Wirksamkeit über den Behandlungszeitraum von 1 Jahr erhalten blieb.
Subjektive Verbesserung von Parametern der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
In den drei 12-wöchigen doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien bewirkte die Behandlungder OAB-Symptome durch Mirabegron einmal täglich eine statistisch signifikante Verbesserung derfolgenden Parameter der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gegenüber Placebo:
Behandlungszufriedenheit und Beeinträchtigung durch Symptome.
Wirksamkeit bei Patienten mit oder ohne frühere Antimuskarinika-Therapie der OAB
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit und ohne frühere Antimuskarinika-Therapie der OABnachgewiesen. Darüber hinaus war Mirabegron bei Patienten wirksam, die eine frühere Antimuskarinika-
Therapie ihrer OAB wegen mangelnder Wirksamkeit abgebrochen hatten (siehe Tabelle 5).
Tabelle 5: Co-primäre Wirksamkeitsendpunkte bei erwachsenen Patienten mit früherer
Antimuskarinika-Therapie ihrer OAB
Gepoolte Studien(046, 047, 074) Studie 046
Placebo Mirabegron Placebo Mirabegron Tolterodin
Parameter 50 mg 50 mg Retard 4 mg
Patienten mit früherer Antimuskarinika-Therapie ihrer OAB
Mittlere Anzahl von Inkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I)n 518 506 167 164 160
Mittlerer Ausgangswert 2,93 2,98 2,97 3,31 2,86
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,92 -1,49 -1,00 -1,48 -1,10
Mittlere Differenz zu Placebo* -- -0,57 -- -0,48 -0,1095 %-Konfidenzintervall -- (-0,81; -0,33) -- (-0,90; -0,06) (-0,52; 0,32)
Mittlere Anzahl von Miktionen je 24 Stunden (FAS)n 704 688 238 240 231
Mittlerer Ausgangswert 11,53 11,78 11,90 11,85 11,76
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,93 -1,67 -1,06 -1,74 -1,26
Mittlere Differenz zu Placebo* -- -0,74 -- -0,68 -0,2095 %-Konfidenzintervall -- (-1,01; -0,47) -- (-1,12; -0,25) (-0,64; 0,23)
Patienten mit früherer Antimuskarinika-Therapie ihrer OAB, die die Behandlung aufgrund vonmangelnder Wirksamkeit abgebrochen hatten
Mittlere Anzahl von Inkontinenzepisoden je 24 Stunden (FAS-I)n 336 335 112 105 102
Mittlerer Ausgangswert 3,03 2,94 3,15 3,50 2,63
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,86 -1,56 -0,87 -1,63 -0,93
Mittlere Differenz zu Placebo* -- -0,70 -- -0,76 -0,0695 %-Konfidenzintervall -- (-1,01; -0,38) -- (-1,32; -0,19) (-0,63; 0,50)
Mittlere Anzahl von Miktionen je 24 Stunden (FAS)n 466 464 159 160 155
Mittlerer Ausgangswert 11,60 11,67 11,89 11,49 11,99
Mittlere Änderung gegenüber
Ausgangswert* -0,86 -1,54 -1,03 -1,62 -1,11
Mittlere Differenz zu Placebo* -- -0,67 -- -0,59 -0,0895 %-Konfidenzintervall -- (-0,99; -0,36) -- (-1,15; -0,04) (-0,64; 0,47)
Gepoolt wurden die Studien 046 (Europa/Australien), 047 (Nordamerika [NA]) und 074 (Europa/NA).
* Kleinste-Quadrate-Mittelwert mit Adjustierung für Ausgangswert, Geschlecht, Studie, Untergruppe und
Untergruppe-Interaktion während der Behandlung für die gepoolten Studien und Kleinste-Quadrate-
Mittelwert mit Adjustierung für Ausgangswert, Geschlecht, geographische Region, Untergruppe und
Untergruppe-Interaktion während der Behandlung für Studie 046.
FAS: Full Analysis Set; alle randomisierten Patienten, die mindestens 1 Dosis der doppelblindverabreichten Prüfsubstanz erhalten haben und für die eine Miktionsmessung im Tagebuch zu
Studienbeginn sowie mindestens 1 Miktionsmessung in einem späteren Tagebuch vorliegen.
FAS-I: Untergruppe von Patienten des FAS, die außerdem mindestens 1 Inkontinenzepisode im Tagebuchzu Studienbeginn aufweisen.
Neurogene Detrusorhyperaktivität bei pädiatrischen Patienten
Die Wirksamkeit von Mirabegron Tabletten und Suspension zum Einnehmen wurde in einer 52-wöchigen,offenen, multizentrischen Dosistitrationsstudie im Hinblick auf die Behandlung von NDO beipädiatrischen Patienten im Vergleich zum Ausgangswert untersucht. Bei den Patienten lag die Diagnoseeiner NDO mit unwillkürlichen Detrusorkontraktionen mit einem Anstieg des Detrusordrucks von mehrals 15 cm H2O vor; die Patienten führten hygienische intermittierende Katheterisierung (CIC, cleanintermittent catheterization) durch. Patienten mit einem Gewicht von mindestens 35 kg erhielten Tablettenund Patienten unter 35 kg (oder ≥ 35 kg, aber nicht in der Lage, Tabletten einzunehmen) erhielten die
Suspension zum Einnehmen. Alle Patienten nahmen Mirabegron einmal täglich mit Nahrung ein. Die
Anfangsdosis (PED25) bestand aus einer 25 mg-Tablette oder 3-6 ml der Suspension zum Einnehmen (jenach Körpergewicht). Diese Dosis wurde auf PED50 auftitriert, also eine 50 mg-Tablette oder 6-11 mlder Suspension zum Einnehmen (je nach Körpergewicht). Die Dosistitrationsphase betrug höchstens8 Wochen, gefolgt von einer Dosiserhaltungsphase von mindestens 52 Wochen.
Insgesamt erhielten 86 Patienten im Alter von 3 bis unter 18 Jahren Mirabegron. Davon führten71 Patienten die Behandlung bis Woche 24 durch, 70 Patienten schlossen die 52-wöchige
Behandlungsdauer ab. Insgesamt lieferten 68 Patienten gültige urodynamische Messungen zur Beurteilungder Wirksamkeit. Die Studienpopulation umfasste 39 (45,3 %) männliche und 47 (54,7 %) weibliche
Patienten. Die optimierte Erhaltungsdosis innerhalb dieser Studienpopulation beinhaltete 94 % der
Patienten, welche die Maximaldosis erhielten, und 6 % der Patienten, welche die Anfangsdosis erhielten.
Die häufigsten (bei mehr als 10 % aller Patienten) Grunderkrankungen im Zusammenhang mit NDO beiden in die Studie einbezogenen Kindern und Jugendlichen waren eine kongenitale Anomalie des
Zentralnervensystems (54,5 % bzw. 48,4 %), Meningomyelozele (27,3 % bzw. 19,4 %) und Spina bifida(10,9 % bzw. 12,9 %). Bei den Jugendlichen hatten 12,9 % eine Rückenmarkverletzung.
Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die Veränderung der maximalen zystometrischen Kapazität(MCC, maximum cystometric capacity) nach 24 Wochen Behandlung mit Mirabegron im Vergleich zum
Ausgangswert. Bei allen Patientengruppen wurde eine Verbesserung der MCC beobachtet (siehe
Tabelle 6).
Tabelle 6: Primärer Wirksamkeitsendpunkt bei pädiatrischen Patienten mit NDO
Kinder Jugendlicheim Alter von im Alter von
Parameter 3 bis unter 12 Jahren 12 bis unter 18 Jahren(N = 43)* (N = 25)*
Durchschnitt (SD) Durchschnitt (SD)
Maximale zystometrische Kapazität (ml)
Ausgangswert 158,6 (94,5) 238,9 (99,1)
Woche 24 230,7 (129,1) 352,1 (125,2)
Änderung gegenüber Ausgangswert 72,0 (87,0) 113,2 (82,9)95 %-Konfidenzintervall (45,2; 98,8) (78,9; 147,4)
* N ist die Anzahl an Patienten, die mindestens eine Dosis eingenommen und gültige Werte für die MCCzu Studienbeginn und in Woche 24 geliefert haben.
Die sekundären Wirksamkeitsendpunkte waren die Veränderung der Blasen-Compliance, der Anzahl anüberaktiven Detrusorkontraktionen, des Detrusordrucks am Ende der Blasenfüllung, des Blasenvolumensvor der ersten Detrusorkontraktion, des maximalen katheterisierten Urinvolumens pro Tag und der Anzahlan Inkontinenzepisoden pro Tag nach 24-wöchiger Behandlung mit Mirabegron im Vergleich zum
Ausgangswert (siehe Tabelle 7).
Tabelle 7: Sekundäre Wirksamkeitsendpunkte bei pädiatrischen Patienten mit NDO
Kinder Jugendlicheim Alter von im Alter von
Parameter 3 bis unter 12 Jahren 12 bis unter 18 Jahren(N = 43)* (N = 25)*
Durchschnitt (SD) Durchschnitt (SD)
Blasen-Compliance (ml/cm H2O)†
Ausgangswert 14,5 (50,7) 11,0 (10,0)
Woche 24 29,6 (52,8) 23,8 (15,3)
Änderung gegenüber Ausgangswert 14,6 (42,0) 13,5 (15,0)95 %-Konfidenzintervall (-0,3; 29,5) (6,7; 20,4)
Anzahl an überaktiven Detrusorkontraktionen (> 15 cm H2O)†
Ausgangswert 3,0 (3,8) 2,0 (2,9)
Woche 24 1,0 (2,2) 1,4 (2,3)
Änderung gegenüber Ausgangswert -1,8 (4,1) -0,7 (3,8)95 %-Konfidenzintervall (-3,2; -0,4) (-2,4; 0,9)
Detrusordruck (cm H2O) am Ende der Blasenfüllung†
Ausgangswert 42,2 (26,2) 38,6 (17,9)
Woche 24 25,6 (21,2) 27,8 (27,8)
Änderung gegenüber Ausgangswert -18,1 (19,9) -13,1 (19,9)95 %-Konfidenzintervall (-24,8; -11,3) (-22,0; -4,3)
Blasenvolumen vor der ersten Detrusorkontraktion (> 15 cm H2O)†
Ausgangswert 115,8 (87,0) 185,2 (121,2)
Woche 24 207,9 (97,8) 298,7 (144,4)
Änderung gegenüber Ausgangswert 93,1 (88,1) 121,3 (159,8)95 %-Konfidenzintervall (64,1; 122,1) (53,8; 188,8)
Maximales katheterisiertes Urinvolumen pro Tag (ml)†
Ausgangswert 300,1 (105,7) 367,5 (119,0)
Woche 24 345,9 (84,6) 449,9 (146,6)
Änderung gegenüber Ausgangswert 44,2 (98,3) 81,3 (117,7)95 %-Konfidenzintervall (13,2; 75,2) (30,4; 132,3)
Anzahl an Inkontinenzepisoden pro Tag†
Ausgangswert 3,2 (3,7) 1,8 (1,7)
Woche 24 0,7 (1,2) 0,9 (1,2)
Änderung gegenüber Ausgangswert -2,0 (3,2) -1,0 (1,1)95 %-Konfidenzintervall (-3,2; -0,7) (-1,5; -0,5)
* N ist die Anzahl an Patienten, die mindestens eine Dosis eingenommen und gültige Werte für die MCCzu Studienbeginn und in Woche 24 geliefert haben.
† Anzahl an Patienten (Kinder/Jugendliche) mit verfügbaren Daten sowohl zu Studienbeginn als auch für
Woche 24: Blasen-Compliance: n = 33/21; Anzahl an überaktiven Detrusorkontraktionen: n = 36/22;
Detrusordruck am Ende der Blasenfüllung: n = 36/22; Blasenvolumen vor der ersten
Detrusorkontraktion: n = 38/24; Maximales katheterisiertes Urinvolumen pro Tag: n = 41/23; Anzahlan Inkontinenzepisoden pro Tag: n = 26/21.
Zu den von Patienten oder Ärzten mittels Fragebogen berichteten Endpunkten gehörten Akzeptanz,
Veränderungen im Pediatric Incontinence Questionnaire (PIN-Q) im Vergleich zum Ausgangswert,
Veränderungen in der Patient Global Impression of Severity-Skala (PGI-S) im Vergleich zum
Ausgangswert und die Clinician Global Impression of Change (CGI-C) (siehe Tabelle 8).
Tabelle 8: Vom Patienten oder Arzt mittels Fragebogen berichtete Endpunkte bei pädiatrischen
Patienten mit NDO
Kinder Jugendlicheim Alter von im Alter von
Parameter 3 bis unter 12 Jahren 12 bis unter 18 Jahren(N = 43)* (N = 25)*
Durchschnitt (SD) Durchschnitt (SD)
Ergebnis Pediatric Incontinence Questionnaire (PIN-Q)†
Ausgangswert 30,8 (15,7) 29,4 (14,6)
Woche 24 30,6 (15,2) 25,2 (15,5)
Änderung gegenüber Ausgangswert 2,0 (10,5) -4,9 (14,1)95 %-Konfidenzintervall (-2,4; 6,4) (-11,3; 1,5)
Gesamtergebnis Patient Global Impression of Severity Scale (PGI-S)†
Ausgangswert 2,2 (0,8) 2,3 (0,9)
Woche 24 2,6 (0,8) 3,0 (0,7)
Änderung gegenüber Ausgangswert 0,3 (1,2) 0,6 (1,0)95 %-Konfidenzintervall (-0,1; 0,8) (0,1; 1,0)
Gesamtergebnis Clinician Global Impression of Change (CGI-C) in Woche 24, N (%)†
Sehr starke Verbesserung 6 (14,6 %) 10 (41,7 %)
Starke Verbesserung 24 (58,5 %) 7 (29,2 %)
Geringfügige Verbesserung 6 (14,6 %) 5 (20,8 %)
Keine Veränderung 4 (9,8 %) 1 (4,2 %)
Geringfügige Verschlechterung 1 (2,4 %) 1 (4,2 %)
Starke Verschlechterung 0 0
Sehr starke Verschlechterung 0 0
* N ist die Anzahl an Patienten, die mindestens eine Dosis eingenommen und gültige Werte für die MCCzu Studienbeginn und in Woche 24 geliefert haben.
† Anzahl an Patienten (Kinder/Jugendliche) mit verfügbaren Daten sowohl für den Ausgangswert alsauch für Woche 24: Ergebnis PIN-Q: n = 24/21, Gesamtergebnis PGI-S: n = 25/22; Gesamtergebnis
CGI-C in Woche 24: n = 41/24.
Kinder und JugendlicheDie Europäische Arzneimittel-Agentur hat für Betmiga eine Freistellung von der Verpflichtung zur
Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen in der 'Behandlung deridiopathischen überaktiven Blase“ gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei
Kindern und Jugendlichen).