Inhalt der Packungsbeilage des Arzneimittels ARTESUNAT AMIVAS 110mg pulver + lösungsmittel zur herstellung einer injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Artesunate Amivas 110 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche mit Pulver enthält 110 mg Artesunat.
Jede Durchstechflasche mit Lösungsmittel zur Rekonstitution enthält 12 ml 0,3 M Natriumphosphat-
Puffer.
Nach der Rekonstitution enthält die Injektionslösung 10 mg Artesunat pro ml.
Sonstige(r) Bestandteil(e) mit bekannter Wirkung:Nach der Rekonstitution enthält die Injektionslösung 13,4 mg Natrium pro ml.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung
Pulver: weiß oder fast weiß, fein, kristallin.
Lösungsmittel: klare, farblose Lösung.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Artesunate Amivas wird angewendet zur initialen Behandlung von schwerer Malaria bei Erwachsenenund Kindern (siehe Abschnitte 4.2 und 5.1).
Die offiziellen Leitlinien zur angemessenen Anwendung von Antimalariamitteln sollten beachtetwerden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Artesunate Amivas sollte zur Behandlung von Patienten mit schwerer Malaria nur nach Rücksprachemit einem Arzt mit entsprechender Erfahrung in der Behandlung von Malaria angewendet werden.
DosierungAuf die anfängliche Behandlung von schwerer Malaria mit Artesunat sollte stets ein vollständiger
Behandlungszyklus mit geeigneter oraler Antimalariabehandlung folgen.
Erwachsene und Kinder (Geburt bis unter 18 Jahren)
Die empfohlene Dosis beträgt 2,4 mg/kg (0,24 ml rekonstituierte Injektionslösung pro kg
Körpergewicht) durch intravenöse (i.v.) Injektion nach 0, 12 und 24 Stunden (siehe Abschnitte 4.4 und5.2).
Nach mindestens 24 Stunden (3 Dosen) Behandlung mit Artesunate Amivas können Patienten, die dieorale Behandlung nicht vertragen, die intravenöse Behandlung mit 2,4 mg/kg einmal alle 24 Stunden(ab 48 Stunden nach Beginn der Behandlung) fortsetzen.
Die Behandlung mit Artesunate Amivas sollte abgesetzt werden, sobald die Patienten eine orale
Behandlung vertragen. Nach Absetzen von Artesunate Amivas sollten alle Patienten einenvollständigen Behandlungszyklus mit einem geeigneten oralen Kombinationsregime zur Behandlungvon Malaria erhalten.
Ältere PatientenEine Dosisanpassung ist nicht erforderlich (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
NierenfunktionsstörungEine Dosisanpassung ist nicht erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
LeberfunktionsstörungEine Dosisanpassung ist nicht erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und JugendlicheEine Dosisanpassung aufgrund von Alter oder Gewicht wird nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.4und 5.2).
Art der AnwendungArtesunate Amivas ist nur zur intravenösen Anwendung bestimmt. Die rekonstituierte Lösung sollteals langsame Bolusinjektion über 1-2 Minuten verabreicht werden.
Artesunat Amivas muss vor der Anwendung mit dem mitgelieferten Lösungsmittel rekonstituiertwerden.
Aufgrund der Instabilität von Artesunat in wässrigen Lösungen muss die rekonstituierte Lösunginnerhalb von 1,5 Stunden nach der Zubereitung verwendet werden. Daher sollte die erforderliche
Artesunatdosis berechnet werden (Dosis in mg = Gewicht des Patienten in kg x 2,4) und die Anzahlder benötigten Artesunatfläschchen sollte vor der Rekonstitution des Artesunatpulvers bestimmtwerden.
Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
4.3 Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Artemisinin-haltige Antimalariamittel oder einender in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
ÜberempfindlichkeitÜber allergische Reaktionen auf intravenöses Artesunat, einschließlich Anaphylaxie, wurde berichtet.
Andere berichtete allergische Reaktionen schließen Urtikaria, Hautausschlag und Pruritus ein (siehe
Abschnitt 4.8).
Verzögerte Hämolyse nach der Behandlung mit Artesunat
Die verzögerte Hämolyse nach der Behandlung mit Artesunat (post-artesunate delayed haemolysis,
PADH) ist gekennzeichnet durch eine Abnahme des Hämoglobins und entsprechender
Hämolyseparameter (wie vermindertes Haptoglobin und erhöhte Lactatdehydrogenase) und trittmindestens 7 Tage und manchmal mehrere Wochen nach Beginn der Behandlung mit Artesunat auf.
Es wurde berichtet, dass eine PADH sehr häufig bei zurückkehrenden Reisenden, die wegen einerschweren Malaria initialmit i.v. Artesunat behandelt wurden, auftrat. Das Risiko einer PADH istmöglicherweise bei Patienten mit Hyperparasitämie und bei jüngeren Kindern am höchsten. Die
Patienten sollten nach Anwendung von Artesunat i.v. 4 Wochen lang auf Anzeichen einerhämolytischen Anämie überwacht werden. Normalerweise tritt innerhalb weniger Wochen einespontane Erholung von der PADH ein. Es wurde jedoch über Fälle von hämolytischer Anämie nach
Artesunat-Therapie berichtet, die so schwer waren, dass eine Transfusion erforderlich war. Da eine
Untergruppe von Patienten mit verzögerter Hämolyse nach Artesunat-Therapie Anzeichen einerimmunhämolytischen Anämie aufweist, sollte die Durchführung eines direkten Antiglobulintestserwogen werden, um festzustellen, ob eine Therapie, mit z. B. Kortikosteroiden, erforderlich ist. Siehe
Abschnitt 4.8.
Retikulozytopenie
Artemisinine haben in vitro eine direkte hemmende Wirkung auf menschliche Erythroidvorläufergezeigt und hemmen in Tiermodellen die Reaktionen des Knochenmarks (insbesondere die Vorläufervon roten Blutkörperchen). Präklinische und humane Daten aus klinischen Studien weisen darauf hin,dass eine reversible Retikulozytopenie zumindest häufig im Zusammenhang mit einer intravenösen
Behandlung mit Artesunat auftritt (siehe Abschnitt 4.8). Die Retikulozytenzahl erholt sich nach
Absetzen der Behandlung.Malaria aufgrund von Plasmodium vivax, Plasmodium malariae oder Plasmodium ovale
Artesunate Amivas wurde nicht zur Behandlung von schwerer Malaria aufgrund von Plasmodiumvivax, Plasmodium malariae oder Plasmodium ovale untersucht. Die verfügbaren Daten weisen daraufhin, dass es gegen alle Plasmodium-Arten wirksam ist (siehe Abschnitt 5.1). Es ist nicht wirksamgegen die Hypnozoiten-Leberstadien-Form von Plasmodium und wird daher Malariaschübe aufgrundvon Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale nicht verhindern. Patienten, die aufgrund von P. vivaxoder P. ovale zunächst mit Artesunat gegen schwere Malaria behandelt werden, sollten ein
Antimalariamittel erhalten, das gegen Hypnozoiten, die Form des Leberstadiums, von Plasmodiumwirksam ist.
Säuglinge im Alter von unter 6 Monaten
Es liegen keine ausreichenden klinischen Daten vor, um die Sicherheit und Wirksamkeit von
Artesunate Amivas bei Säuglingen unter 6 Monaten nachzuweisen. Aus pharmakokinetischen
Modellen und Simulationen geht hervor, dass die Dihydroartemisinin (DHA)-Plasmaexposition bei
Säuglingen unter 6 Monaten nach intravenöser Gabe von 2,4 mg/kg Artesunat wahrscheinlich höherist als bei älteren Säuglingen und Kindern (siehe Abschnitt 5.2).
Ältere PatientenEs liegen keine ausreichenden klinischen Daten vor, um die Sicherheit und Wirksamkeit vonintravenösem Artesunat bei Patienten ab 65 Jahren mit schwerer Malaria nachzuweisen (siehe
Abschnitt 5.2).
Informationen über sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält 193 mg Natrium pro empfohlener Einzeldosis für einen Erwachsenen miteinem Gewicht von 60 kg, was 9,6 % der von der WHO empfohlenen maximalen täglichen Aufnahmevon 2 g Natrium für einen Erwachsenen entspricht. Da die erste und die zweite Dosis im Abstand von12 Stunden empfohlen werden, würde die Dosis an Tagen, an denen zwei Dosen in einem Zeitraumvon 24 Stunden angewendet werden, 386 mg Natrium pro Tag betragen, was 19,2 % der von der
WHO empfohlenen maximalen täglichen Aufnahme von 2 g Natrium für einen Erwachsenenentspricht.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine klinischen Studien zu Arzneimittelwechselwirkungen mit Artesunate Amivasdurchgeführt.
Wirkung anderer Arzneimittel auf Artesunat und/oder Dihydroartemisinin (DHA)
Nach intravenöser Anwendung wird Artesunat durch Esterasen und durch CYP2A6 in DHAumgewandelt. DHA wird hauptsächlich durch UGT1A9 in inaktive Glucuronidkonjugateumgewandelt.
Die gleichzeitige Anwendung von intravenösem Artesunat mit starken Inhibitoren von UGT-Enzymen(z. B. Axitinib, Vandetanib, Imatinib, Diclofenac) kann die DHA-Exposition im Plasma erhöhen. Diegleichzeitige Anwendung sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
Die gleichzeitige Anwendung von Artesunate Amivas mit UGT-Induktoren (z. B. Nevirapin,
Ritonavir, Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin) kann die DHA-Exposition verringern und zu einer
Verringerung oder einem Verlust der Wirksamkeit führen. Die gleichzeitige Anwendung solltevermieden werden.
Wirkung von Artesunat und/oder DHA auf andere Arzneimittel
Begrenzte Daten aus In-vitro-Studien und klinischen Arzneimittelwechselwirkungsstudien mit oralem
Artesunat und/oder oralem DHA weisen darauf hin, dass DHA CYP3A induziert und CYP1A2hemmt. Bei gleichzeitiger Anwendung von intravenösem Artesunat mit Substraten von CYP3A4 oder
CYP1A2, die ein geringes therapeutisches Fenster aufweisen, ist Vorsicht geboten.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
SchwangerschaftEs liegen nur begrenzte klinische Erfahrungen mit der Anwendung von Artesunate Amivas im ersten
Trimenon der Schwangerschaft vor. Ein Risiko für den Fötus kann nicht ausgeschlossen werden.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Die
Anwendung von Artesunate Amivas im ersten Trimenon wird daher nicht empfohlen, es sei denn, der
Nutzen für die Mutter überwiegt das Risiko für den Fötus.
Eine geringe Anzahl an klinischen Daten über schwangere Frauen (zwischen 300-1 000 Schwangerschaftsausgänge) deutet nicht auf ein Fehlbildungsrisiko oder eine fötale/neonatale
Toxizität von Artesunat hin, wenn es im zweiten oder dritten Trimenon intravenös verabreicht wird.
Aus Vorsichtsgründen wird empfohlen, die Anwendung von Artesunate Amivas während des zweitenoder dritten Schwangerschaftsdrittels zu vermeiden.
Schwangerschaftsregister
Es wurde ein Schwangerschaftsregister zur Überwachung aller Schwangerschaften und ihrer Folgennach der Behandlung mit Artesunate Amivas eingerichtet.
StillzeitDHA, ein Metabolit von Artesunat, liegt in der Muttermilch vor. Es liegen keine Daten zu den
Auswirkungen von Artesunat oder DHA auf das gestillte Kind oder die Milchproduktion vor. Der
Nutzen des Stillens für Mutter und Kind sollte gegen das potenzielle Risiko einer DHA-Exposition des
Kindes über die Muttermilch abgewogen werden.
FertilitätEs liegen keine klinischen Daten zur Fertilität beim Menschen vor.
Tierexperimentelle Studien haben Auswirkungen auf die männlichen Fortpflanzungsorgane gezeigt,
Studien an weiblichen Ratten zeigen jedoch keine Auswirkungen auf die Fertilität (siehe
Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
MaschinenEs wurden keine Studien zur Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienenvon Maschinen durchgeführt. Patienten sind anzuweisen, kein Fahrzeug zu führen und keine
Maschinen zu bedienen, wenn sie sich müde oder schwindelig fühlen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des SicherheitsprofilsDie häufigste in klinischen Studien berichtete Nebenwirkung war Anämie. Während Anämie sehrhäufig bei Patienten mit schwerer Malaria als Folge der Krankheit und einer wirksamen Behandlungauftritt, wurde in klinisch-pharmakologischen Studien mit intravenösem Artesunat bei gesunden
Probanden auch von nicht dosisabhängiger Anämie berichtet.
Nach erfolgreicher Behandlung von schwerer Malaria mit intravenösem Artesunat wurde bei
Reisenden und Kindern sehr häufig über eine verzögerte Hämolyse nach Behandlung mit Artesunat(PADH) berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Eine Retikulozytopenie, die sich nach Abschluss der Behandlung mit intravenösem Artesunatzurückbildet, tritt häufig oder sehr häufig auf (siehe Abschnitt 4.4).
Tabellarische Auflistung der NebenwirkungenUnerwünschte Ereignisse, die zumindest als möglicherweise mit Artesunat im Zusammenhang stehendeingestuft werden, sind nachstehend nach Organsystem, Organklasse und absoluter Häufigkeitaufgelistet. Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (1/100-1/10),gelegentlich (1/1.000-1/100) und unbekannt (Häufigkeit nicht bestimmt) (Tabelle 1).
Tabelle 1. Zusammenfassung der Nebenwirkungen nach Organsystem und
Organsysteme Sehr häufig Häufig Gelegentlich Nicht bekannt
Infektionen und Rhinitisparasitäre
Erkrankungen
Erkrankungen des Anämie Immunhämolytische
Blutes und des Reduzierte Anämie
Lymphsystems Retikulozytenzahl nach der
BehandlungVerzögerte Hämolyse nachder Behandlung mit
Artesunat (PADH)
Stoffwechsel- und Anorexie
Ernährungsstörungen
Erkrankungen des Schwindel,
Nervensystems Dysgeusie,
KopfschmerzenHerzerkrankungen Bradykardie Elektrokardiogramm
QT verlängert
Gefäßerkrankungen Hypotonie, Phlebitis Hitzegefühl/Gesichtsrötung
Erkrankungen der Husten
Atemwege, des
Brustraums und
Mediastinums
Erkrankungen des
Gastrointestinaltrakt Bauchschmerzen, Übelkeit,s Diarrhö, Erbrechen Verstopfung
Leber- und Hyperbilirubinämie
Gallenerkrankungen Gelbsucht
Erkrankungen der Stevens-Johnson-
Haut und des Syndrom,
Unterhautzellgeweb Pruritus,es Hautausschlag,
Urtikaria
Erkrankungen der Hämoglobinurie
Nieren und Akutes
Harnwege Nierenversagen
Allgemeine Fieber Müdigkeit,
Erkrankungen und Schmerzen an der
Beschwerden am Injektionsstelle
Verabreichungsort
Erkrankungen des Anaphylaxie
Immunsystems
Untersuchungen AKT erhöht,
AST erhöht
Meldung des Verdachts auf NebenwirkungenDie Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sieermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung überdas in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Bei Verdacht auf Überdosierung ist gegebenenfalls eine symptomatische und unterstützende Therapieeinzuleiten.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antiprotozoika, Artemisinin und Derivate, ATC-Code: P01BE03.
WirkmechanismusEs wird allgemein angenommen, dass die Antimalaria-Aktivität von Artesunat von einer Aktivierungabhängig ist, die eine eisenvermittelte Spaltung der Endoperoxidbrücke von DHA zur Erzeugung einesinstabilen freien organischen Radikals gefolgt von Alkylierung beinhaltet, wobei das freie Radikal an
Proteine des Malariaerregers bindet, was letztendlich zu einer Schädigung der parasitären Membranenführt.
In-vitro Aktivität
Die verfügbaren In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass die 50%ige Hemmkonzentrationen (IC50-
Werte) von Artesunat gegen P. falciparum und die anderen Plasmodium-Arten, die beim Menschen
Malaria verursachen, weitgehend vergleichbar sind (P. vivax, P. ovale, P. malariae, P. knowlesi).
Artemisininresistenz
Eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Artesunat und anderen Artemisininen, die sich klinischals verzögerte Parasitenclearance manifestiert, ist mit einer Mutation im K13-Gen assoziiert, das das
Kelch Propeller-Protein Kelch13 des Parasiten kodiert.
Klinische WirksamkeitIn der SEAQUAMAT-Studie (South East Asian Quinine Artesunate Malaria Trial), einer offenen,multizentrischen Studie, die in Bangladesch, Indien, Indonesien und Myanmar durchgeführt wurde,wurden 1.461 Patienten (1.259 Erwachsene und 202 Kinder < 15 Jahre) mit schwerer Falciparum-
Malaria auf eine initiale intravenöse Behandlung mit Artesunat oder Chinin randomisiert, bis orale
Medikamente toleriert werden konnten. Artesunat wurde mit 2,4 mg/kg intravenös 0, 12 und24 Stunden und dann alle 24 Stunden verabreicht. Chinin wurde intravenös in einer Dosis von20 mg/kg über 4 Stunden verabreicht, gefolgt von 10 mg/kg dreimal täglich über 2-8 Stunden. Die
Mortalität in der Intent-to-Treat-Population betrug 14,7 % (107 von 730) in der Artesunat-Gruppe im
Vergleich zu 22,4 % (164 von 731) in der Chinin-Gruppe, die Wahrscheinlichkeit zu sterben,angepasst nach Studienzentrum reduzierte sich um 40 % (95 % KI: 21 %, 55 %; p < 0,0002). Die
Mortalität bei Patienten mit schwerer Malaria in der Artesunatgruppe betrug 19,8 % (101 von 509) im
Vergleich zu 28,1 % (152 von 541), die Wahrscheinlichkeit zu sterben, angepasst nach
Studienzentrum reduzierte sich um 35 % (95 % KI: 13 %, 52 %; p < 0,003).
AQUAMAT (African Chinine Artesunate Malaria Trial) war eine offene, multizentrische Studie, inder Kinder im Alter von < 15 Jahren (n=5.425) mit schwerer Falciparum-Malaria in der gleichen
Dosierung wie in SEAQUAMAT zu parenteralem Artesunat oder parenteralem Chinin randomisiertwurden. Die Mortalität in der Intent-to-Treat-Population betrug 8,5 % (230 von 2.712) in der
Artesunat-Gruppe im Vergleich zu 10,9 % (297 von 2.713) in der Chinin-Gruppe, die
Wahrscheinlichkeit zu sterben, angepasst nach Studienzentrum reduzierte sich um 25 % (95 % KI:10 %, 37 %; p < 0,0022). Die Mortalität bei Kindern mit schwerer Malaria betrug in der
Artesunatgruppe 9,9 % (226 von 2.280) im Vergleich zu 12,4 % (291 von 2.338) in der Chinin-
Gruppe, die Wahrscheinlichkeit zu sterben, angepasst nach Studienzentrum reduzierte sich um 23 %(95 % KI: 7 %, 36 %; p < 0,0055).
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
ResorptionDie Pharmakokinetik von Artesunat und Dihydroartemisinin (DHA) im Plasma nach intravenöser
Anwendung von Artesunat als Bolusinjektion ist in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2: Zusammenfassung der pharmakokinetischen Parameter bei Patienten mit schwerer
Malaria
Parameter Artesunat DHA
Cmax (ng/ml) 1.020-3.260 2.060-3.140
V (L/kg) 1,3 0,75 (Medianwert)
CL (L/kg/h) 3,4 1,1t½ (min) 15 80
AUC (ng*h/ml) 727-750 2.017-3.492
VerteilungArtesunat und DHA verteilen sich in die extrazelluläre Körperflüssigkeit. DHA ist bei Patienten mitunkomplizierter Malariainfektion zu etwa 93 % proteingebunden. Es wurde berichtet, dass mit
Plasmodien infizierte Erythrozyten im Vergleich zu Plasmaspiegeln sehr hohe DHA-Konzentrationenaufweisen (z. B. 300-fach vs. mittlere Plasmakonzentrationen).
BiotransformationArtesunat wird durch Cytochrom 2A6 und Blutesterasen in DHA umgewandelt. Wurde DHA inmenschlichen Lebermikrosomen inkubiert, war DHA-Glucuronid der einzige Metabolit, der gefundenwurde. Im Urin von Patienten wurden α-DHA-β-Glucuronid (α-DHA-G) und eine variable Menge des
Tetrahydrofuranisomers von α-DHA-G identifiziert. DHA selbst war nur in sehr geringen Mengenvorhanden.
EliminationArtesunat wird sehr schnell (innerhalb weniger Minuten) über die Umwandlung in DHA aus dem Bluteliminiert. DHA wird innerhalb weniger Stunden nach einer intravenösen Dosis, hauptsächlich überdie Urinausscheidung von Glucuroniden, aus dem Blut eliminiert.
Besondere PatientengruppenÄltere PatientenEs liegen keine pharmakokinetischen Daten nach intravenöser Gabe von Artesunat bei Patienten ab65 Jahren mit schwerer Malaria vor (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
NierenfunktionsstörungFür Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion liegen keine pharmakokinetischen Daten vor. Datenaus klinischen Studien bei Patienten mit schwerer Malaria und begleitender Nierenfunktionsstörung zu
Beginn der Behandlung weisen darauf hin, dass keine Dosisanpassungen erforderlich sind.
LeberfunktionsstörungFür Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion liegen keine pharmakokinetischen Daten vor. Datenaus klinischen Studien bei Patienten mit schwerer Malaria und begleitender Leberfunktionsstörung zu
Beginn der Behandlung weisen darauf hin, dass keine Dosisanpassungen erforderlich sind.
Kinder und JugendlicheZur Anwendung von intravenösem Artesunat bei Neugeborenen und Säuglingen liegen nur begrenzte
PK-Daten vor. Physiologisch gestützte PK-Modelle und Simulationen lassen vermuten, dass die
Plasmaexposition bei Säuglingen unter 6 Monaten wahrscheinlich höher ist als bei Säuglingen über 6
Monaten (siehe Abschnitt 4.4).
5.3 Präklinische Sicherheitsdaten
Artesunat war negativ in einem In-vitro-Rückmutationstest an Bakterien, einem In-vitro-
Chromosomenaberrationstest an Ovarialzellen chinesischer Hamster, einem In-vivo-Mikronukleus-
Test an Knochenmark von Mäusen bei oraler Verabreichung und in einem In-vivo-Mikronukleus-Testan Ratten bei intravenöser Verabreichung. Studien zur Karzinogenität wurden mit Artesunat nichtdurchgeführt.
Folgende Nebenwirkungen wurden nicht in klinischen Studien beobachtet, traten aber bei Tieren nach
Exposition im humantherapeutischen Bereich auf und sind als möglicherweise relevant für dieklinische Anwendung zu bewerten:
Reproduktions- und EntwicklungstoxizitätIn einer Studie zur Fertilität und frühen Embryonalentwicklung hatte die intravenöse Gabe von
Artesunat an Ratten in Höhe des 1- bis 2-Fachen der klinischen Dosis (basierend auf Vergleichen der
Körperoberfläche) keine Auswirkungen auf die weibliche Fertilität oder die frühe
Embryonalentwicklung. Die orale Verabreichung von Artesunat während der Organogenese bei
Ratten, Kaninchen und Affen führt bei dem 0,3- bis 1,6-Fachen der klinischen Dosis, basierend auf
Vergleichen der Körperoberfläche (BSA), zu einem dosisabhängigen Anstieg der Embryoletalität undfötalen Missbildungen (einschließlich kardiovaskulärer Missbildungen, des Gehirns und/oder des
Skeletts). Obwohl Reproduktionsstudien an Tieren bei mehreren Tierarten fötale Schäden durch oraleund intravenöse Verabreichung von Artesunat und anderen Artemisinin-Arzneimitteln gezeigt haben,ist die klinische Relevanz der Tierdaten unklar.
Studien in der Literatur weisen darauf hin, dass die orale Verabreichung von Artesunat bei männlichen
Ratten eine dosis- und dauerabhängige Wirkung auf die Nebenhoden und Hoden mit reversibler
Abnahme der Produktion lebensfähiger Spermien bei fast klinischen Dosen haben kann. Bei Rattenund Hunden wurden in 28-tägigen Studien, unter guter Laborpraxis (GLP), die mit intravenösen
Dosen durchgeführt wurden, keine derartigen Wirkungen festgestellt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Lösungsmittel:Mononatriumphosphat-Monohydrat
Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat
Konzentrierte Phosphorsäure (zur pH-Anpassung)
Natriumhydroxid (zur pH-Wert-Einstellung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen
Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Haltbarkeit
4 Jahre
Die chemische und physikalische Stabilität der gebrauchsfertigen Zubereitung wurde für 1,5 Stundenbei 25 °C nachgewiesen.
Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Produkt sofort verwendet werden, es sei denn, die Methode der
Öffnung/Rekonstitution/Verdünnung schließt Risiken einer mikrobiellen Kontamination aus.
Wenn es nicht sofort angewendet wird, liegen Zeit und Bedingungen der Aufbewahrung nach Anbruchin der Verantwortung des Anwenders.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Aufbewahrungsbedingungen erforderlich.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Das Pulver wird in einer Durchstechflasche aus Typ-I-Glas geliefert, die mit einem latexfreien
Brombutylgummistopfen und einer Aluminiumversiegelung verschlossen ist und 110 mg Artesunatenthält.
Das Lösungsmittel wird in einer Durchstechflasche aus Typ-I-Glas geliefert, die mit einem latexfreien
Brombutylgummistopfen und einer Aluminiumversiegelung verschlossen ist und 12 ml sterilen 0,3 M
Natriumphosphatpuffer zur Rekonstitution enthält.
Jede Packung enthält 2 oder 4 Durchstechflaschen mit Artesunatpulver und 2 oder4 Durchstechflaschen mit Natriumphosphatpufferlösungsmittel.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Hinweise zur Rekonstitution11 ml des mitgelieferten 0,3 M Natriumphosphatpuffers mit einer Nadel und einer Spritze aufziehenund diese in die Durchstechflasche mit dem Amivas Artesunate-Pulver zur Injektion (die
Endkonzentration von Artesunat beträgt 10 mg/ml nach Rekonstitution) injizieren. 5 bis 6 Minutenlang vorsichtig schwenken (nicht schütteln), bis das Pulver vollständig gelöst ist und keine sichtbaren
Partikel mehr vorhanden sind.
Gebrauchs- und Entsorgungsanweisungen
Die Lösung in der Durchstechflasche visuell prüfen, um sicherzustellen, dass keine sichtbaren Partikelzurückbleiben und die Lösung nicht verfärbt ist. Nicht anwenden, wenn die Lösung verfärbt ist oder
Partikel enthält.
Die rekonstituierte Lösung intravenös als langsamen Bolus über 1-2 Minuten injizieren. Nicht alsintravenöse Dauerinfusion anwenden.
Durchstechflasche und nicht verwendetes Arzneimittel nach der Anwendung entsorgen.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungenzu beseitigen.
7. INHABER DER MARKETING-ERLAUBNIS
Amivas Ireland Ltd
Suite 5, Second Floor
Station House
Railway Square
Waterford
Irland
8. GENEHMIGUNGSNUMMER(N)
EU/1/21/1582/001
EU/1/21/1582/002
9. DATUM DER ERSTEN GENEHMIGUNG/ERWEITERUNG DER GENEHMIGUNG
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung:
10. DATUM DER ÜBERARBEITUNG DES TEXTs
Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen
Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu verfügbar.